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Transkript
00:00Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:03Eine ältere, alleinstehende Dame,
00:06ein Schüler, der wie viele seiner Altersgenossen in seinen Computer vernacht ist,
00:10eine Frau, die erst kürzlich aus Polen gekommen ist und jetzt dringend eine Wohnung sucht,
00:14und einige Bürger, die sich für eine bessere Umwelt einsetzen wollen.
00:19Wissen Sie, was diese Personen alle gemeinsam haben?
00:23Sie alle befinden sich zurzeit ganz besonders im Visier von Neppern, Schleppern und Bauernfängern.
00:29Für jede einzelne Gruppe, zu der diese Leute gehören,
00:32haben Betrüger und Trickdiebe eine aktuelle Masche auf Lager.
00:36Und damit wollen wir sie heute Abend bekannt machen.
00:39Bei den alten Leuten ziehen sie ein regelrechtes Verwirrspiel auf.
00:43Zum Beispiel bei der 82-jährigen Hildegard Schlemper, die in einer süddeutschen Großstadt wohnt.
00:49Ganz unerwartet geben sich bei ihr an einem Nachmittag gleich mehrere Besucher die Klinke in die Hand.
01:01Guten Tag.
01:02Ja, bitte.
01:03Frau Schlemper, ich hoffe, ich störe nicht. Mein Name ist Wolf.
01:06Ja, und?
01:07Ich bin Altenpflegerin von der Stadt. Darf ich mir zwei Minuten reinkommen?
01:11Wie? Ach so. Ja, natürlich. Bitte.
01:20Bitte.
01:20Bitte.
01:22Ich war gerade ein bisschen eingenickt. Das ist so meine Zeit nach dem Mittagessen.
01:26Ich fürchte, ich habe das Klingeln überhaupt gar nicht gehört.
01:30Aber das macht doch nichts. Ich habe gerade zweimal geklingelt.
01:33Ich will Ihnen auch gleich sagen, Frau Schlemper, warum ich zu Ihnen gekommen bin.
01:37Wir wollen uns bei der Stadt einen Überblick verschaffen, wo überall Pflegerinnen gebraucht werden.
01:42Das ist sehr nett von Ihnen. Aber da können Sie mich gleich streichen.
01:46Also zum Glück bin ich ja noch gut zu Fuß.
01:48Und hier, da ist auch noch alles in Ordnung.
01:51Gott sei Dank.
01:53Wer ist denn das? Mein Gott, so viel Besuch bekomme ich sonst die ganze Woche nicht.
01:59Das wird mein Kollege sein, ein junger Sozialarbeiter.
02:01Der hat mich hergebracht und bloß noch einen Parkplatz gesucht.
02:05Ja, ja, ich komme ja schon.
02:08Guten Tag, Frau Schlemper. Ist denn die Frau Rolf noch bei Ihnen?
02:11Ja, aber bei mir gibt es nichts zu tun.
02:14Zum Glück brauche ich noch keine Pflegerin.
02:17Sehen Sie, habe ich doch recht gehabt.
02:19Aber hier werden wir ohnehin nicht gebraucht.
02:22Nein.
02:22Ich hoffe, Sie bleiben noch lange so fit, Frau Schlemper.
02:26Schönen Dank.
02:27Wenn es nötig wird, dann melde ich mich schon.
02:31Herr Gott, hier geht es doch heute zu wie in einem Taumenschlag.
02:38Guten Tag.
02:39Bitte erschrecken Sie mich, Frau Schlemper.
02:40Wir kommen von der Kriminalpolizei.
02:43Kriminalpolizei?
02:44Nur eine Frage. Hatten Sie heute Besuch?
02:46Ich meine von einer Altenpflegerin und einem Sozialarbeiter.
02:49Ja, wieso? Die sind ja noch da.
02:51Na, sieh mal einer an. Das trifft sich ja gut.
02:53Kriminalpolizei.
02:54Was wollen Sie denn?
02:55Da haben wir Sie wohl auf frischer Tat erwischt.
02:56Wieso, was soll das denn?
02:57Kein Theater, wenn ich bitten darf. Kommen Sie mit.
02:59Wieso denn?
03:00Kommen Sie auf der Wache in aller Ruhe und Dahl.
03:02Bitte gehen Sie mit meinem Kollegen mit. Ich komme sofort.
03:04Ja, ja, natürlich.
03:07Bitte entschuldigen Sie, dass wir hier so reingeplatzt sind.
03:09Aber das war soeben noch in letzter Minute.
03:11Also ich verstehe überhaupt nichts mehr.
03:14Was ist hier eigentlich los?
03:15Na, die beiden, das sind gerissene Trickdiebe.
03:17Die alten Leuten Geld und Wertsachen stehlen.
03:19Behaupten Sie, es ist ein Altenpfleger oder kämen vom Sozialamt.
03:22Ja, genau.
03:23Sagen Sie, war einer von den beiden mal alleine hier in der Wohnung?
03:26Allein?
03:27Nein.
03:28Nicht, dass ich wüsste.
03:30Doch.
03:31Die Frau.
03:33Als es klingelte und ich den jungen Mann reingelassen habe.
03:36Na.
03:37Dann schauen Sie lieber mal nach, ob bei Ihrem Schmuck und Ihren Wertsachen noch alles da ist.
03:40Ja, meinen Sie, dass das so schnell geht?
03:43So schnell können Sie gar nicht gucken.
03:44Selbst wir wundern uns da immer wieder.
04:06Oh Gott sei Dank.
04:08Da habe ich ja noch mal Glück gehabt.
04:10Ist noch alles da.
04:11Und das Silber da drüben?
04:13Ist da noch alles komplett?
04:15So was nehmen Sie nämlich auch gerne mit.
04:37Nein, hier fehlt nichts.
04:39Da können Sie wirklich froh sein, dass wir im rechten Moment gekommen sind.
04:42So, jetzt muss ich aber los.
04:44Ich kann den Kollegen unmöglich so lange mit den beiden allein lassen.
04:47Also, auf Wiedersehen, Frau Schlemper.
04:48Auf Wiedersehen.
04:49Schönen Dank.
04:51Erst als es zu spät war, hat Frau Schlemper entdeckt, dass sie doch bestohlen worden ist.
04:56Und zwar von dem Mann, der sich als Kriminalbeamter ausgegeben hat.
05:00In Wirklichkeit gehörten alle vier Personen natürlich zusammen.
05:04Mit verteilten Rollen haben Sie dieses verwirrende Graunerstück inszeniert.
05:08Und Sie sind mit diesem Stück wahrscheinlich auch heute noch auf Tournee.
05:13Zum nächsten Thema.
05:15Sie werden sich vielleicht erinnern, meine Damen und Herren, in den vergangenen Monaten haben Polizei und Staatsanwaltschaften mehrfach große Aktionen
05:22gegen sogenannte Videopiraten gestartet.
05:25Raubkopien im Wert von vielen Millionen Mark wurden dabei beschlagnahmt.
05:29Nach wie vor aber ist, wie eingeweihte Wissen, eine kaum überschaubare Zahl von illegal kopierten Videoprogrammen im Handel und im
05:38Umlauf.
05:39Ähnlich sieht es auf dem Heimcomputermarkt aus.
05:42Auch hier blüht das Geschäft mit unerlaubt kopierten Kassetten und Disketten.
05:47Meist sind es die zahlreichen Computerspiele und Lernprogramme, die unter der Hand kopiert, getauscht und verkauft werden.
05:57Und viele der Beteiligten an diesem Handel, sehr oft sind es Kinder und Jugendliche, wissen noch nicht einmal, dass sie
06:03unerlaubte Geschäfte machen.
06:05Diesen Umstand nutzt eine ganz spezielle Sorte von Geldschneidern aus, die sich sogar noch als vermeintliche Ordnungshüter aufspielen.
06:13Gefährdet sind durch sie vor allem jugendliche Computerfans mit schmalem Geldbeutel.
06:22Hier, das soll echt gut sein. Das ist neuest, was auf dem Markt ist. Lass es doch mal probieren.
06:26Das heißt probieren. Zu Hause würde ich es gerne haben.
06:28Ja und? Guck da drauf, dann wird es schmal.
06:31Ich hoffe, dass ich das hätte da wollen.
06:33Okay, dann schieb ich sie doch mal rein.
06:37Die Computerleidenschaft ist teuer. Mit der Anschaffung des Geräts ist das nicht getan.
06:41Die sogenannte Software, also die auf Disketten und Kassetten gespeicherten Programme und Spiele,
06:46verschlingen immer neues Geld. Mehr Geld, als viele Jugendliche zur Verfügung haben.
06:50Deshalb wird auch in den einschlägigen Abteilungen der Kaufhäuser manches neu erschienene Programm
06:55still und heimlich auf billige Lehrkassetten überspielt.
07:02Klasse. Das haben wir.
07:05Du, wenn es was ist, dann kopieren wir es zu Hause noch ein paar mal. Können wir sicher ein paar
07:09Marken machen.
07:09Ja. Willst du es auch haben, Markus?
07:11Komm, Geschenk, ist doch immer das Gleiche. Ich will jetzt meine ganzen Spiele verkaufen.
07:14Warum denn das?
07:15Ich schreibe jetzt selber Programm. Macht mehr Spaß.
07:17Wo willst du die verkaufen? In der Schule?
07:19Nee, mit Freundengeschäften machen ist immer scheiße.
07:22Ich will eine Kleinanzeige in einer Computerzeitung aufgeben.
07:24Da habe ich sofort einen großen Kundenkreis.
07:31Das Angebot des Schülers Markus Kramer erscheint in einer der rund 30 Computerzeitschriften.
07:40Studiert werden die Inserate nicht nur von potenziellen Käufern und Verkäufern,
07:44sondern auch von Leuten, die sich auf dem umfangreichen privaten Computermarkt als selbsternannte Saubermänner tummeln,
07:50obwohl sie nicht dazu berechtigt sind.
07:56So, hier habe ich die nächste Gruppe.
07:59Ich kann heute noch zur Post gehen.
08:00Gib mir erst mal die Adressen.
08:05Markus Kramer, Schneiderschrasse 18, 5000 Köln.
08:14Sybille Kowald, Rosengasse 5, 65 Mainz.
08:20Einer dieser selbsternannten Saubermänner ist Horst Bellmann.
08:24Im Namen einer in Wirklichkeit gar nicht existierenden Firma Computer Control
08:28schreibt er all jene Inserenten an, denen er aufgrund ihrer Annonce unterstellt,
08:33dass sie Computersoftware anbieten, die illegal kopiert worden ist.
08:37Unter Hinweis auf das verletzte Urheberrecht verschickt er sogenannte Abmahnungen
08:41und fordert jeweils eine Unterlassungserklärung.
08:44Für seine Auslagen berechnet er pro Fall 300 Mark.
08:52Im Hause Kramer löst das Schreiben der Firma Computer Control
08:56dann ein kritisches Gespräch zwischen Markus und seinem Vater aus.
09:00Tja du, das sieht nicht gut aus.
09:03Da wirst du wohl in den sauren Apfel beißen müssen.
09:06300 Mark. Das ist ja ein Taschengeld für drei Monate.
09:10Das hättest du dir vorher überlegen müssen.
09:12Wie kommen die eigentlich dazu?
09:14Was geht dir das an, wenn ich meine alten Computerspiele verkaufen will?
09:17Ganz einfach.
09:18Du machst ihnen Konkurrenz mit illegaler Ware.
09:21Wieso?
09:22Die rechnen sich nach deinem Inserat doch aus,
09:24dass du nicht nur Originalspiele verkaufst,
09:27sondern dass da auch kopierte Programme dabei sind.
09:29Das macht doch jeder.
09:30Guck dir doch an, wie viele solche Anzeigen im Heft drin sind.
09:34Darauf kommt es nicht an.
09:36Entscheidend ist, dass es sich bei deinem Angebot
09:38zumindest zum Teil um Raubkopien handelt.
09:40Und dass die Firma Computer Control
09:42dadurch weniger von ihren Originalprogrammen verkauft.
09:45Schreiben sie hier ja auch.
09:4740.000 Umsatzverlust, sagen sie.
09:50Und wieso soll ich da jetzt Geld bezahlen?
09:52Da gibt es ein entsprechendes Gesetz.
09:53Die können von dir die Unterlassungserklärung verlangen,
09:56weil du sie ja mit unlauteren Methoden praktisch schädigst.
09:59Das Geld, die 300 Mark,
10:00das ist nur für die Unkosten, die sie mit der Schreiberei haben.
10:03So ein Mist.
10:05Und da gibt es keinen Ausweg?
10:07Ich sehe keinen.
10:08Wenn wir es nicht auf einen Prozess ankommen lassen wollen.
10:10Und das könnte noch viel teurer werden.
10:12So wie ein großer Teil der anderen angeschriebenen Inserenten
10:16hat Markus Kramer das scheinbar kleinere Übel gewählt.
10:19Er hat die Unterlassungserklärung abgegeben
10:21und die 300 Mark an die angegebene Postlageradresse geschickt.
10:26Dass es die Firma Computer Control in Wirklichkeit gar nicht gibt,
10:30sondern dass sich hinter der Postlageradresse lediglich ein Betrügerpärchen verbirgt,
10:34das haben Vater und Sohn nicht gewusst.
10:38Um es noch einmal klar zu sagen.
10:40Solche Abmahnungen sind bei Wettbewerbsverstößen durchaus üblich
10:44und können auch berechtigt sein.
10:46Aber es empfiehlt sich, wenn man ein solches Schreiben bekommt,
10:50die Echtheit des Absenders und seine Berechtigung für eine solche Abmahnung zu prüfen.
10:54Im Zweifelsfall kann sich auch der Weg zum Anwalt lohnen.
10:59In dieser Sendung sind übrigens, wie Sie ja wissen,
11:02Namen von Personen und Firmen stets geändert.
11:05Denn es kommt uns ja hier immer nur auf den Trick oder die Masche an,
11:09mit der die schwarzen Schafe eines Gewerbes operieren.
11:14Mit einer solchen ebenfalls sehr windigen Sache aus dem Bereich des Versandhandels
11:20haben wir es hier bei dem nächsten Vorgang zu tun.
11:22Da bietet eine Schweizer Versandfirma ein geheimes Erfolgsrezept an,
11:28wie man mindestens einmal bei Preißerschreiben im Lotto oder in der Lotterie gewinnen kann.
11:33Der Weg zum Lottokönig ist zwar nicht ganz billig, er kostet 39 Mark,
11:39aber der Erfolg wird ja, wie es hier heißt, garantiert.
11:43Ein Zuschauer ist im Angebot für uns auf den Grund gegangen.
11:46Hier das Ergebnis.
11:47Ein Büchlein mit Ratschlägen, die es in sich haben.
11:51Da heißt es zum Beispiel zum Thema Preisausschreiben,
11:56ein wesentliches Prinzip ist die häufige Teilnahme.
11:59Je mehr korrekte Lösungen Sie einsenden, umso größere Gewinnchancen haben Sie.
12:07Und zum Thema Teilnahme wörtlich.
12:12Sie werden also bestimmte Materialien benötigen.
12:15Ganz oben auf der Liste der Utensilien steht ein Stift.
12:18Welche Farbe er hat, spielt keine Rolle.
12:21Gott sei Dank versorgt die Industrie sie ja heute mit einer reichen Auswahl solcher Stifte.
12:26In dieser Qualität geht es dann weiter.
12:29Wie gesagt, zum Preis von 39 Mark.
12:34Für 100 Mark kann man bei zahlreichen anderen zwielichtigen Firmen ein anderes Geheimnis erwerben.
12:39Das Rezept nämlich, wie man bei der Bundespost ein Darlehen von 10.000 Mark erhält, das im Grunde genommen gar
12:45keins ist, weil man es angeblich nicht zurückzahlen muss.
12:49Wer die 100 Mark bezahlt, bekommt ein solches hektografiertes Papier.
12:57Darin wird auf den ersten Blick ein recht verblüffender Vorschlag gemacht.
13:02Er basiert auf der Tatsache, dass man ein Postgirokonto für vier Wochen um 1.000 Mark überziehen kann.
13:0913 Postgiroämter gibt es in der Bundesrepublik.
13:13Also, so empfehlen die Verfasser des Reports, braucht man nur bei den 13 Giroämtern jeweils ein Konto zu eröffnen und
13:21diese dann der Reihe nach um 1.000 Mark zu überziehen.
13:2513.000 Mark hat man auf diese Weise bekommen, wenn man dann 2.000 oder 3.000 Mark dafür verwendet,
13:31die Konten zum Ende der Überziehungsfrist, gewissermaßen im Rotationsprinzip, für kurze Zeit wieder aufzufüllen.
13:38Dann entsteht sozusagen ein Kreislauf, der dazu führt, dass auf mindestens 10 Konten stets ein Kredit von 1.000 Mark
13:45gewährt ist.
13:46An Rückzahlung dieser 10.000 Mark braucht man dann nicht zu denken.
13:51So verblüffend dieser Vorschlag auch ist.
13:54Er hat natürlich zwei ganz entscheidende Haken.
13:58Erstens ist der Überziehungskredit bei der Post nicht zinslos.
14:02Er kostet im Jahr mehr als 10 Prozent von den Kontoführungsgebühren, ganz abgesehen.
14:07Und zweitens hat die Bundespost diesem unerwünschten Kreditverkehr einen ganz entscheidenden Riegel vorgeschoben,
14:13in dem sie nämlich sicherstellt, dass Einzelpersonen nur in einem der 13 Giroämter ein Konto unterhalten dürfen.
14:20Das stört die Verkäufer dieses angeblichen Geheimrezepts zum Reichtum natürlich wenig.
14:26Denn ihnen kommt es nur darauf an, für ihr wertloses Papier die 100 Mark einzustreichen.
14:32Das nächste Thema führt uns auf den an krummen Geschäften ja nicht gerade armen Wohnungsmarkt.
14:37Da hat sich in letzter Zeit eine recht üble neue Masche breitgemacht.
14:42Betroffen sind wieder einmal vor allem einfache Menschen, die ohnehin keine Mark zu viel haben.
14:46Ausländer, die noch Sprachschwierigkeiten haben oder Aussiedler, die mit den Verhältnissen in der Bundesrepublik noch nicht so gut vertraut sind.
14:57Die 64-jährige Karla Broschinski lebt seit knapp zwei Jahren in der Bundesrepublik.
15:02Sie ist als Aussiedlerin mit ihrem Mann aus Polen gekommen, in der Hoffnung, ihren Lebensabend in etwas besseren Verhältnissen verbringen
15:09zu können.
15:10Doch die Umstellung auf das Leben in der neuen Heimat ist nicht leicht.
15:14Und seit dem überraschenden Tod ihres Mannes muss sie alle Schwierigkeiten allein meistern.
15:19Nach ihrer Ankunft in der Bundesrepublik hat sie zwar eine kleine Wohnung bekommen,
15:23aber weder in dem Haus noch in der Gegend fühlt sie sich wohl.
15:32So ist sie erneut auf Wohnungssuche.
15:34Und sie hat sogar Aussicht, etwas Passendes zu finden.
15:41Denn auf eine Anzeige hin hat sich bei ihr eine Firma gemeldet, die preisgünstige Zwei-Zimmer-Wohnungen anbietet.
15:48Dass die Firma erst seit wenigen Tagen in der Stadt residiert, weiß Frau Broschinski nicht.
15:52Und das provisorische Firmenschild an der Tür ist für sie kein Alarmzeichen.
16:03Frau Broschinski, guten Tag. Nehmen Sie doch Platz.
16:07Danke.
16:11Gut, dass Sie so schnell gekommen sind.
16:14Wir sind nämlich schon bald wieder ausverkauft.
16:16Aber Sie haben doch gesagt am Telefon, dass Sie haben fünf Wohnungen, die für mich in Frage kommen können.
16:20Ja, sicher. Das war heute Vormittag.
16:22Aber unsere Wohnungen sind nicht nur schön, sondern auch sehr preisgünstig.
16:25Die gehen ruckzuck weg.
16:27Eine Zwei-Zimmer-Wohnung brauchen Sie.
16:30Parterre und im ersten Stock ist noch eine Wohnung frei.
16:33Erster Stock wäre gut.
16:36Parterre, wissen Sie, ich bin ein bisschen ängstlich.
16:40Erster Stock, das wäre gut.
16:41Kein Problem.
16:43Erster Stock.
16:45Das sind 52 Quadratmeter, zwei Zimmer, Küche, Bad, kleine Balkon und eine Abstellkammer.
16:50Und dazu Kellerraum und Waschküchen mit Benutzung.
16:53Brauchen Sie eine Garage?
16:55Ne, ne, du meine Güte.
16:57Auf meine alten Tage ein Auto.
16:58Das kann ich mir doch gar nicht leisten.
17:00Aber, aber, Frau Broschinski.
17:02Nun, was kostet denn die Miete?
17:03Miete zahlen Sie bei uns gar nicht.
17:05Das ist ein Erwerbermodell.
17:06Sie kaufen die Wohnung.
17:07Um Gottes willen.
17:09Keine Angst, das kostet Sie im Monat nicht mehr, als wenn Sie zur Miete wohnen würden.
17:13Ich weiß nicht.
17:14Das geht doch also nicht.
17:16Doch, doch, Frau Broschinski.
17:17Ich zeige Ihnen das gleich mal.
17:19Es ist doch besser, Sie zahlen für die eigene Wohnung, als für einen fremden Hauswirt.
17:22Nun ja, aber bei meiner kleinen Rente.
17:25Keine Bange, wir haben schon ganz anderen Leuten zu einer Eigentumswohnung verholfen.
17:29Warten Sie, ich zeige Ihnen das mal.
17:31Die Mitarbeiter der zwielichtigen Maklerfirma legen es darauf an, Kunden, die eine Wohnung
17:35mieten wollen, davon zu überzeugen, dass der Kauf einer Eigentumswohnung für sie viel
17:39günstiger sei.
17:40Da sie sich ganz gezielt nur an Bevölkerungsschichten wenden, denen diese Materie völlig fremd ist,
17:46haben sie relativ leichtes Spiel.
17:48So.
17:51Was zahlen Sie denn jetzt zu einer Miete, so mit allem drum und dran?
17:54Na, so mit Heizung und Mill, 450 Mark.
17:59Mhm.
18:01Nun passen Sie mal auf, für die Zwei-Zimmer-Wohnung in dem Objekt, das ich Ihnen eben gezeigt
18:05habe, übrigens eine sehr ruhige Wohngegend, müssen Sie auch nicht mehr hinlegen.
18:09Ist das wirklich wahr?
18:11Haben Sie ein paar Rücklagen?
18:13Ich meine Sparbuch oder so.
18:16Ja, 5000 Mark.
18:18Ungefähr.
18:18Auf Sparbuch.
18:20Naja, ein bisschen wenig.
18:21Aber das macht nichts, das reicht.
18:24Das reicht?
18:26Um Wohnung zu kaufen?
18:27Natürlich.
18:28Passen Sie mal auf, ich erkläre Ihnen das jetzt mal ganz genau.
18:31Die Wohnung kostet komplett, mit allem drum und dran, 140.000 Mark.
18:36Das Eigenkapital, 10 Prozent, macht 14.000 Mark.
18:41Weil Sie das Geld nicht haben, beteiligen Sie sich als stille Gesellschafter bei der Immobilien-Service-GmbH.
18:47Die strecken Ihnen das Eigenkapital von 14.000 Mark vor.
18:50Dafür zahlen Sie 20 Jahre lang im Monat 75 Mark.
18:55Das Rest der Lehnen von 126.000 Mark besorgen wir Ihnen über unsere Hausbank.
19:00Aber dafür brauchen wir natürlich Ihre Rentenbescheinigung.
19:02Mit der Bank werden wir das so regeln, dass Sie mit einer monatlichen Belastung von rund 300 Mark wegkommen.
19:08Das heißt, Sie zahlen also insgesamt 375 Mark.
19:12Somit verbleiben noch 75 Mark für Heißhoch und so.
19:15Sie zahlen also keinen Pfennig mehr als jetzt.
19:20Also das ist ja kaum zu glauben.
19:22Doch, doch, Frau Buschinski, das können Sie ruhig glauben.
19:24Sie machen sogar noch ein kleines Extra-Geschäft.
19:27Wieso?
19:28In den 140.000 Mark ist ja auch die Garage mit drin.
19:31Und weil Sie kein Auto haben, können Sie ja die Garage für 80 bis 100 Mark im Monat vermieten.
19:36Was sagen Sie nun?
19:37Nun, also verstanden habe ich das alles nicht.
19:41Wissen Sie, solche geschäftlichen Dinge, die hat sonst immer der Mann gemacht.
19:45Der hätte Ihnen bestimmt zugeraten.
19:47Nun, vielleicht haben Sie da recht.
19:50Nur, wie gesagt, Sie müssen sich schnell entscheiden.
19:52Die anderen stehen schon in Schlange. Wir können die Wohnung nicht reservieren.
19:55Na, was muss ich denn jetzt machen?
19:56Da wäre als erstes ein Beteiligungsvertrag zu unterschreiben.
19:59Hier unten.
20:00Da.
20:02Dann ein Beratungsvertrag, damit wir uns bei der Bank für Sie um die Finanzierung kümmern können.
20:07Alles andere folgt dann später. Notar, Kaufvertrag und so weiter.
20:11Nur zu, Frau Buschinski. Seine Chance kommt so schnell nicht wieder.
20:15Frau Buschinski glaubt dem redegewandten Mann.
20:18Sie weiß nicht, dass sie es mit einem Betrüger zu tun hat.
20:20Und dass sie mit ihren Unterschriften Verpflichtungen eingeht,
20:23die mit dem geplanten Erwerb einer Wohnung überhaupt nichts zu tun haben.
20:27Ja.
20:29So.
20:31Damit ist dann alles in Ordnung, Frau Buschinski.
20:34Wie ist es? Haben Sie das Sparbuch dabei?
20:36Das Sparbuch ist zu Hause. Wieso?
20:39Sie müssen jetzt natürlich die drei Prozent aus dem Beratungsvertrag
20:42und die erste Rate für die Beteiligung zahlen.
20:44Das macht 4.275 Mark.
20:46Die sind ja sofort fällig.
20:48Um Gottes Willen.
20:49Da haben Sie ja gerade unterschrieben.
20:51Aber das geht Ihnen ja nicht verloren.
20:53Das wird auf den Kaufpreis für die Wohnung angerechnet.
20:56Hier schauen Sie her. Hier steht es schwarz auf weiß.
20:58Ach so.
20:59Na, Sie müssen schon entschuldigen.
21:00Ich habe das alles nicht so richtig verstanden.
21:02Macht nichts.
21:03Kommen Sie jetzt, Frau Buschinski.
21:05Wir holen das Sparbuch und gehen zur Bank.
21:08Je schneller wir das erledigen,
21:09desto eher sind Sie in Ihrer neuen eigenen Wohnung.
21:13So unglaublich es klingt.
21:16Nicht nur Frau Buschinski hat ihre Ersparnisse ausgeliefert.
21:19Auch in unzähligen anderen Fällen
21:21haben Wohnungssuchende Verträge abgeschlossen
21:23und Zahlungen geleistet,
21:25ohne überhaupt eine Wohnung gesehen zu haben.
21:28Überflüssig zu sagen,
21:29dass es solche Wohnungen auch gar nicht gegeben hat.
21:33Die Polizei hat bei einer einzigen solchen Firma
21:35in den Geschäftsunterlagen
21:36die Namen von 1.300 Geschädigten entdeckt.
21:39Nachdem sie gezahlt hatten,
21:41meist Beträge zwischen 3.000 und 5.000 Mark,
21:43haben sie von der ominösen Firma nichts mehr gehört.
21:47Der Firma kam es nur auf das rasche Kassieren an.
21:51Dann wurde das Büro geschlossen
21:52und in einer anderen Stadt unter anderem Namen neu eröffnet.
21:58Und nun, meine Damen und Herren, wieder ein Experiment.
22:02Unser Mitarbeiter Bernd Schröder testete diesmal einen Trick,
22:05bei dem die echten Täter zwei Dinge kombinieren.
22:08Das gesteigerte Umweltbewusstsein
22:10und den verbreiteten Wunsch
22:12nach einem kleinen Nebenverdienst.
22:14Als Köder diente dieses Inserat.
22:17Achtung Umweltfreunde,
22:19für stundenweise leichte Nebentätigkeit
22:21im Bereich des Umweltschutzes
22:23suchen wir zuverlässige Mitarbeiter.
22:26Verdienst pro Woche 180 Mark.
22:29Das Echo, Sie sehen es, war beachtlich.
22:32Das große Wartezimmer in einem Hotel reichte gerade aus,
22:35um allen Interessenten Platz zu bieten.
22:37Die Namen wurden registriert
22:39und geduldig halten die Umweltschützer
22:41in später Dinge, die da kommen sollten.
22:43Dies hatten wir vorbereitet.
22:45Ein angebliches Messgerät
22:46wehrt nur ein paar Pfennige.
22:49Und der dazugehörige Prüfstab,
22:51gekoppelt mit einer Anzeigeskala.
22:54Außerdem ein sehr amtlich wirkendes Vertragsformular.
22:58Der Köder war also ausgelegt
23:00und schon zappelt der erste Fisch an der Angel.
23:03Was da wirklich alles drin ist.
23:04Und wir wollen jetzt machen
23:05eine flexible und mobile Messung.
23:08Und dafür brauchen wir Mitarbeiter,
23:10die also einfach mal rausgehen,
23:11in ihrem Wohnbereich,
23:13durch die Straße marschieren
23:14und mal wirklich das messen,
23:15was der Fußgänger, der da unterwegs ist, einmacht.
23:17So, das ist unser Gerät.
23:19Ich darf das gerade mal vielleicht demonstrieren.
23:22Das ist das Basisgerät, was Sie hier sehen.
23:23Und dieses ist das Messwerkzeug.
23:26Hier gibt es also, sehen Sie hier vorne,
23:28diese Einführschlitze.
23:29Und da, wo die roten Punkte sind,
23:30da gibt es vier davon,
23:31da führen Sie praktisch dieses Gerät ein.
23:34Jetzt gucken Sie mal auf die Skala hier unten.
23:36Wenn ich das hier einführe,
23:37müsste sich im Prinzip ein bisschen was tun.
23:39Tut sich auch ein kleiner Ausschlag.
23:40Ja, kleiner Ausschlag.
23:41Das ist logisch, weil die Luft hier
23:44natürlich relativ ordentlich ist.
23:46Im roten Bereich ist es praktisch nicht mehr so gut.
23:49Da wird es kritisch.
23:50Im grünen Bereich ist es in Ordnung.
23:52Und Sie haben dann praktisch die Aufgabe,
23:53diese Messwerte auf der Skala
23:55in der Liste aufzuschreiben.
23:57Jetzt ist nur noch eines.
23:59Sie werden verstehen,
23:59dass wir für das Gerät eine Kaution brauchen.
24:01Als kleine Sicherheit für uns 60 Mark
24:03haben wir da vorgesehen im Vertrag.
24:05Ich habe nur 20 Mark dabei.
24:08Das ist dafür...
24:09Ja, da machen wir es.
24:10Da machen wir Folgendes.
24:11Wir vereinbaren jetzt hier die 20 Mark
24:13und schreiben wir drauf,
24:14Rest 40 Mark wird beim Besuch des Mitarbeiters bezahlt.
24:19So, dann wäre es das...
24:19Wie selbstverständlich wird eine Kaution hinterlegt
24:22für die in Wirklichkeit ziemlich wertlosen Geräte.
24:26Und hier ist Kunde Nummer zwei.
24:28Wo sind Sie denn zu Hause?
24:29Wohnen Sie in der Stadt oder...
24:29In Bad Homburg.
24:30Ah ja, da ist ja an und für sich sagt man...
24:32Sagt man noch ein bisschen bessere Luft.
24:33Aber wir werden das mal feststellen.
24:34Sie müssten also im Bereich Ihres Wohnortes messen.
24:37Das ist das Messgerät, was wir Ihnen mitgeben.
24:40Da müssten wir auch eine kleine Kaution Ihnen abverlangen dafür,
24:43dass wir Ihnen das anvertrauen.
24:45Und wenn Sie keine Lust mehr haben,
24:47das Gerät zurückgeben würden,
24:48dann kriegen Sie Ihre 60 Mark Kaution zurück.
24:51Ja?
24:52Ja.
24:52Gut.
24:5260 Mark habe ich quittiert.
24:54Sind wir uns schon einig.
24:56Es leuchtet offenbar ein,
24:58dass die vermeintlichen Umweltschützer
24:59für Ihr spezielles Messgerät
25:01eine kleine Sicherheit verlangen.
25:05Der nächste Interessent kratzt dafür
25:06sogar die letzte Mark zusammen.
25:08Man arbeitet auch mit Solarzellen,
25:09also kein Strom,
25:10also ich da drin kann nichts passieren.
25:12Sie sollten es nicht auseinandernehmen,
25:13das ist ganz klar.
25:14Und wir vertrauen Ihnen das ja auch an,
25:15würden aber ganz gerne von Ihnen
25:17eine kleine Kaution haben für das Gerät,
25:19die dann aber verrechnet wird.
25:20Das steht hier auch drin, Sie sehen das.
25:21Könnte ich von den 60 Mark Anzahl machen?
25:24Ja, wir könnten noch vereinbaren.
25:25Also ein bisschen was muss schon sein,
25:26weil es ja auch einen gewissen Wert hat, das Gerät.
25:2820 Mark sind wirklich.
25:29Ja, 20, das sollten wir schon machen.
25:31Da würde ich sagen,
25:32wenn der Kollege vorbeikommt,
25:33dass Sie praktisch die restlichen 40 dann dem geben.
25:35Ja.
25:35Ja, machen wir das so.
25:37Das weiß ich jetzt, wie Sie gleich nicht haben.
25:38Klar geht das.
25:40Upsa.
25:4515.
25:46Warte mal, ob wir die Rückfahrt hat.
25:47Na ja, wir müssen noch was haben.
25:4915 Mark ist in Ordnung.
25:49Mach ich auch.
25:50Schreiben wir 15 Mark ein.
25:51Also 60 Mark trage ich hier im Verpack ein
25:53und schreibe hier unten hin,
25:5515 Mark erhalten.
25:56Genau.
25:56Ja?
25:58Natürlich, auch Kleinvieh macht Mist.
26:02Und wie man sieht,
26:03ist der in Aussicht gestellte Nebenverdienst wohl so verlockend,
26:06dass auch dieser Herr bereitwillig erst mal in die eigene Tasche greift.
26:12Wunderbar.
26:13Es gab allerdings auch eine erfreuliche Ausnahme.
26:16Eine junge Frau ließ sich von den vorgegaukelten Verdienstmöglichkeiten nicht blenden.
26:21Nach reiflicher Überlegung entschied sie so.
26:25Gut, das wäre es praktisch.
26:26Dann bräuchte ich Ihre Unterschrift noch.
26:27Einen Durchschlag bekommen Sie von mir mit in diesem Vertrag,
26:30damit Sie das auch nochmal in Ruhe nachlesen können.
26:44Das ist eine ganz klare Sache.
26:48Wir wollen von Ihnen eine kleine Leistung und honorieren das.
26:52Ich möchte es doch lieber nicht wollen.
26:53Es tut mir leid, wenn ich jetzt Ihre Zeit und meine Antwort brauche.
26:55Ja, nee, es ist da, man muss es nur wissen.
26:56Es ist...
26:59Wo ist das Problem für Sie?
27:00Ich sehe das jetzt eigentlich nicht.
27:02Ich meine, es ist ja immerhin auch Geld, was Sie bekommen.
27:04Es sind 27 Mark im Monat.
27:05Das ist schon richtig, aber es ist mir doch etwas, muss ich ehrlich sagen, etwas zu unsicher.
27:10Zu unsicher?
27:11Ja.
27:12Also was...
27:12Verstehe ich zwar nicht, aber gut, akzeptiere ich.
27:16Keine Unterschrift, keine Kaution.
27:18Die junge Frau behält einfach kühlen Kopf.
27:21Vielleicht haben wir mit diesem Experiment wieder einmal dazu beigetragen,
27:25dass Sie, meine Damen und Herren, bei einer solchen oder ähnlichen Gelegenheit
27:28ebenso kritisch und vorsichtig reagieren.
27:31Schön wär's.
27:32Vielen Dank fürs Zuschauen.
27:33Guten Abend und auf Wiedersehen.

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