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Ayleen in der Falle
Jan P. sitzt in Untersuchungshaft und schweigt. Einen
eindeutigen Beweis, dass er Ayleen ermordet hat, gibt es
zunächst nicht. Wer ist dieser Mann, der unter Verdacht steht,
ein 14-jähriges Mädchen getötet zu haben? Die Ermittler werten
Handydaten aus, analysieren Chatverläufe und rekonstruieren
das Leben des Verdächtigen. Schon mit 14 Jahren griff Jan P.
ein elfjähriges Mädchen an und wurde späte

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Transkript
00:22Der verdächtige Jan P. sitzt in Untersuchungshaft und schweigt, was die Arbeit der Soko erschwert.
00:28Ein eindeutiger Beweis, dass er Aileen getötet hat, fehlt bisher.
00:33Marc Schneider und seine Kollegin Lara Nohl durchleuchten das Leben des Täters.
00:40In der Sokolakus waren wir roundabout 30 Leute, die gearbeitet haben.
00:45Wir haben dann versucht, die Biografie vom Jan so gut wie möglich aufzuarbeiten und haben uns da verschiedenster Quellen bedient,
00:52also allem, was wir kriegen konnten.
00:57Jan ist das erste Mal im Alter von acht Jahren polizeilich aufgefallen, wegen Diebstahlsdelikten.
01:03Es ging von Zigaretten über Kondome. Und er war auch dann schon damals nie um Ausreden verlegen.
01:09Er hat immer nur das zugegeben, was er zugeben musste. Und selbst wenn es erdrückend war, hat er auch da
01:15noch geleugnet.
01:19Jan ist als eins von zehn Geschwistern auf die Welt gekommen.
01:25Allerdings sind die Lebensverhältnisse vom Jan, möchte man fast sagen, desolat gewesen.
01:29Also es wurde sich nicht um die Kinder gekümmert. Das Jugendamt war sofort auch immer mit befasst mit den Kindern.
01:35Es sind auch im weiteren Verlauf dann irgendwann fast alle Kinder aus der Familie rausgenommen worden.
01:41Wir haben dann aus den Aufzeichnungen aus der Schule und auch aus dem Kindergarten schon gesehen, dass da die Betreuerinnen
01:47und die Lehrer mehrfach gesagt haben, die Kinder sind ungepflegt.
01:50Und es war auch so, dass Jan auch da schon aufgefallen ist.
01:55Ein Sexualdelikt bei ihm wurde tatsächlich erstmalig festgestellt, als er 14 Jahre alt war.
02:08Jan wollte damals ins Schwimmbad. Und auf dem Weg zum Schwimmbad hat er ein elfjähriges Mädchen gesehen.
02:15Jan war auf dem Fahrrad unterwegs und hat dann tatsächlich in der Folge dieses Mädchen versucht, mit einem Gummiband aus
02:23seiner Hose zu würgen und hinter eine Scheune zu ziehen.
02:27Er hat dann auch damals dazu Angaben gemacht, hat gesagt, er wollte mit dem Mädchen Geschlechtsverkehr haben, also er wollte
02:33Sex haben mit ihr.
02:34Ist aber dann durch hinzukommende Zeugen abgehalten worden.
02:41Jan P. wurde angeklagt als 14-Jähriger. Im Rahmen der Hauptverhandlungen hat man festgestellt, dass er aber nur vermindert schuldfähig
02:48ist, weil er eine dissoziale Persönlichkeitsstörung aufweist.
02:52Und der Richter damals hatte sich entschlossen, den Herrn P. in den Maßregelvollzug einzuweisen, also in ein psychiatrisches Krankenhaus.
02:59Und dort hat er dann aufgrund seiner Gefährlichkeit ganze zehn Jahre auch verbracht.
03:04Jan P. fällt in der Klinik wiederholt durch sexuelle Übergriffe auf.
03:09Er klagt gegen seine weitere Unterbringung in der Psychiatrie. Mit Erfolg.
03:152017 hebt das Amtsgericht die Unterbringung daraufhin auf.
03:24Jan P. ist damals nach seiner Entlassung durch die Justiz und auch durch die Polizei in das Programm ZIRS aufgenommen
03:31worden.
03:31Das ist die Zentralstelle zur Überwachung rückfallgefährdeter Sexualstraftäter.
03:36Das ist ein Programm, das zusammen mit der Bewährungshilfe geführt wird, damit die Justiz natürlich nach einer entsprechenden Prognose oder
03:44Diagnose dann auch Kontakt zu diesen Personen halten kann.
03:49Jan P. kam zu uns und wirkte erst mal sehr kontaktfreudig.
03:54Er hat Themen gehabt, über die er mit uns sprechen wollte, im Speziellen wie er sich entwickeln wollte und was
04:01er für Interessen hat und war sehr aufgeschlossen.
04:08Fünf Jahre ist die Höchstfrist für die sogenannte Führungsaufsicht und die lief dann Januar 2022 aus.
04:16Der Mann, der die 14-Jährige getötet haben soll, ist ein vorbestrafter Sexualtäter.
04:22Er kam frei und wurde bis Anfang des Jahres überwacht. Warum denn dann nicht weiter?
04:26Es gab sogar den Versuch, diese Führungsaufsicht quasi unbefristet zu verlängern.
04:31Dagegen hat sich der jetzt Beschuldigte allerdings gerichtlich gewährt und Recht bekommen.
04:44Drei Monate nach dem Ende des Überwachungsprogramms ZIRS lernt Jan P. Aileen im Internet kennen.
04:51Hätte man die Tat verhindern können?
04:54Haben die Behörden bei der Überwachung eines vorbestraften Sexualstraftäters versagt?
05:01Selbst wenn die Führungsaufsicht zum Zeitpunkt der Tat bei Aileen noch stattgefunden hätte, hätte man die Tat nicht verhindern können.
05:08Man darf sich das nicht so vorstellen, dass dann eine 24-Stunden-Observation stattfindet, dass das Internet überwacht wird, dass
05:15dem jegliche Kommunikationsmittel abgenommen werden können.
05:18Diese rechtlichen Grundlagen finden sich in unserem Gesetz nicht.
05:22Man muss ja auch immer sehen, dass es eine Person, die die Haftstrafe ja schon verbüßt hat.
05:26Die Sokolakus muss klären, was in der Nacht zum 22. Juli 2022 mit Aileen geschah.
05:34Alle Hoffnung liegt nun auf der Analyse der beschlagnahmten Handys von Jan P. und Aileen.
05:42Ich war im Ermittlungsabschnitt Digitale Spuren und habe da alle möglichen Daten und Aussagen zusammengefasst.
05:53Das waren über 50 Datenträger, die wir hatten, wo überall Daten drauf waren, die wir bewerten, sichten mussten und auch
06:02irgendwie einkategorisieren.
06:03Das war schon eine enorme Anzahl an Datenträgern und Speichermedien.
06:13Wir haben den Schwerpunkt erst mal darauf gelegt, viel über den Jan selbst zu erfahren, natürlich auch über die Aileen
06:20und was eventuell an diesem Tag wirklich passiert sein konnte.
06:26Jan hat eine enorme Energie aufgebracht, um Nachrichten zu verschicken.
06:31Grundsätzlich kann man sagen, dass es ihm da tatsächlich auf Masse ging.
06:35Also er hat versucht, jeden Tag möglichst viele Menschen, Frauen, vorzugsweise Kinder, Mädchen zu kontaktieren.
06:42Er hat zum Beispiel auf seinem Haupthandy, waren über 34.000 Nachrichten in tausend verschiedenen Chats.
06:51Lara Nohl und ihr Team finden heraus, dass Jan P. über 100 Mädchen und junge Frauen systematisch angeschrieben und bedrängt
06:58hat.
06:59Zu seinen Opfern gehört auch die getötete Aileen aus Gottenheim.
07:05Das war eine Vielzahl von jungen Mädchen, die mit ihm in Kontakt gestanden hat.
07:11Jeweils initiiert von ihm, niemals initiiert von den jeweiligen Opfern selbst.
07:17Und dort hat sich ein ganz bestimmtes Bild gezeichnet.
07:20Wir haben die meisten auch vernommen.
07:23Und das digitale Ich dieser jungen Mädchen und das analoge, diese beiden Aspekte hatten nichts miteinander zu tun.
07:30In der digitalen Welt waren sie häufig frech, aufreizend, freizügig.
07:35In der echten Welt hatten sie noch nie einen sexuellen Kontakt, waren eher schüchtern.
07:45Der Täter oder die Täterin bestimmt durch das, was sie da reinschreiben, wie das Gespräch verläuft.
07:51Und häufig machen sie das wahnsinnig pornografisch.
07:54Und die betroffenen Kinder und Jugendlichen antworten auch entsprechend.
07:58Die passen sich an, zum Teil auch, weil sie selber schon Pornos gesehen haben,
08:05weil sie sehr früh mit Pornografie in Berührung kommen,
08:08weil es einfach nach wie vor total einfach ist, im Internet mit Pornografie in Berührung zu kommen.
08:14Wenn die sich auf eine sehr pornografische Sprache eingelassen haben im Chat,
08:18heißt das nicht, dass sie selber unglaublich viele Pornos konsumiert haben und deswegen so anfällig waren,
08:23sondern auch, dass in der Dynamik der Tat sie versuchen zu gefallen, weil sie ja Zugehörigkeit erleben wollen.
08:30Und gleichzeitig aber schon aus ihrer, wie man so schön sagt, Komfortzone total aussteigen
08:36und damit verloren sind und nicht mehr genau wissen, wie sie sich navigieren.
08:42Warum ist der digitale Raum für Sexualstraftäter wie Jan P. so attraktiv?
08:55Das ist total klar, dass Sexualstraftäter und Täterinnen immer dorthin gehen, wo sich Kinder und Jugendliche aufhalten.
09:03Und digital habe ich den direkten, ungestörten Kontakt zum Kind oder jugendlichen Menschen zu jeder Zeit.
09:22Der Täter, die Täterin agiert strategisch, verfeinert ihr Werkzeug, hat sich irgendwas überlegt,
09:29trifft auf Kinder und Jugendliche in der Präpubertät oder Pubertät.
09:34Also in einer Entwicklungsphase, in denen die oft auch echt verloren sind,
09:39wo alles Kopf steht, wo die Hormone alles Mögliche machen, wo Eltern per se ätzend werden,
09:46wo Freundschaften sich neu definieren müssen.
09:51Diese Kinder und Jugendlichen sind wie wir alle auf der Suche nach Zugehörigkeit, nach Halt,
09:56nach irgendwie Geborgenheit, nach Liebe, nach all diesen Dingen.
10:06Als mir die Auswertungsergebnisse zum ersten Mal vorgelegen haben, war ich sehr schockiert darüber,
10:11wie schnell und einfach es zu sein scheint für Täter, die eine bestimmte Neigung haben,
10:17an solche Nacktfotos von jungen Mädchen oder auch von Jungs zu kommen.
10:26Wir sind auf eine Vielzahl von jungen Mädchen gestoßen, die diesem Modus operandi verfallen waren,
10:32die relativ freizügig im Netz agiert haben, aber offenbar aus einer völligen Naivität heraus.
10:40Sie können diese Folgen der Übersendung dieser Bilder offenbar gar nicht absehen,
10:44rechnen scheinbar gar nicht damit, dass das letztendlich Erpressungsmaterial ist.
10:49Für die jungen Mädchen ist es eine ausweglose Lage.
10:53Meist sind sie emotional überfordert und nicht in der Lage, sich Hilfe zu holen.
10:57Sie ziehen sich immer mehr zurück, so auch Aileen.
11:04Also wir haben selbstverständlich im Rahmen unserer Ermittlungen auch Familienangehörige vernommen,
11:08insbesondere die Mutter, die ein sehr enges Verhältnis hatte zu Aileen.
11:13Und die hat uns ein sehr gutes Bild vermittelt über die Entwicklung von Aileen,
11:17die ja schon als lebenslustig beschrieben worden ist, etwas schüchtern, aber dennoch lebensfroh.
11:21Und dass sich das in den letzten drei Monaten vor der Tat massiv verändert hat.
11:25Dass sie häufiger geweint hat, dass sie immer zurückgezogen war, nicht mehr so gerne vor die Tür wollte.
11:30Und das passte natürlich genau zu dem Beginn der Kommunikation mit unserem Tatverdächtigen.
11:36Aileen hat gemerkt, irgendwas stimmt nicht.
11:39Aileen hat sich bemüht, den Kontakt abzubrechen.
11:42Das, was sie eben leider nicht geschafft hat, ist, sich jemandem mitzuteilen.
11:49Also sie hat versucht, das alleine zu tragen.
11:54Ich glaube, dass wir wirklich nicht gut begreifen, wie groß diese innere Hürde ist, mit diesem Wahnsinn nach außen zu
12:03treten.
12:06Und schlimmerweise ist das aber der Schritt, den nur die Betroffenen machen können.
12:11Also diesen Mut müssen die irgendwie in sich finden.
12:16Und warum ist es für Betroffene so schwer, sich mitzuteilen?
12:19Weil sie sich schämen, weil sie sich verantwortlich fühlen, weil wir als Gesellschaft ihnen oft das Gefühl geben, sie sind
12:26auch verantwortlich.
12:27Schließlich haben die ungefähr 17 Milliarden Medienkompetenz-Workshops durchlaufen, bis die 14 sind,
12:33in denen wir ihnen immer sagen, was richtig und was falsch ist.
12:36Und darüber vergessen, dass Kommunikation, Beziehung ganz schön kompliziert ist.
12:41Und auch die berechtigte Angst, dass in der Sekunde, in der sie das mitteilen, sich der Blick aller Menschen auf
12:53sie für immer fundamental verändert.
12:56Ab dieser Sekunde sind sie stigmatisiert als Opfer.
13:03Ich bin mir sicher, dass sie sehr wohl wahrgenommen hat, dass die Mutter die Hand ausstreckt.
13:09Und dass sie sich sicher auch gewünscht hätte, sie könnte sie nehmen.
13:13Aber es gab in ihr viele Gründe, warum das für sie nicht möglich war.
13:21Und der letztendliche Grund wird immer ein großes Fragezeichen bleiben.
13:31Ein Rätsel bleibt auch, warum Aileen überhaupt in Jan P.'s Auto einstieg
13:36und warum sie während der langen Fahrt von Gottenheim nach Hessen nicht floh.
13:39Sie hätte die Chance dazu gehabt, denn Jan P. hielt unterwegs mehrfach an.
13:45Das zeigen die Auswertungen der Ermittler.
13:52In unserem verzweifelten Bemühen, zu verstehen, was da passiert ist, gelingt es uns oft nicht so richtig gut, dem Opfer
13:59nicht doch eine große Schuld zu geben.
14:01Also es ist die Frage, warum ist sie eingestiegen?
14:04Gehen wir mal davon aus, sie hatte Angst vor Entdeckung, sie hatte Angst vor diesem Typen.
14:13Vielleicht auch, weil der ja wirklich sehr unangenehm, fast schon ekelig im Kontakt ist, war das auch nochmal so ein,
14:21oh mein, was ist das denn hier jetzt?
14:23Damit komme ich überhaupt nicht gut klar.
14:25Und ich betrete so ein paralleles Universum, das mit meinem eigentlichen bisherigen, auch normal, Elternhaus, Großwerden und so weiter nichts
14:37zu tun hat.
14:38Ein paralleles Universum, bei dem ich irgendwie nicht mehr weiß, wie ich das navigieren soll.
14:43Und ich finde das, was es am allerbesten beschreibt, ist der Schock.
14:47Der absolute Schock und immer noch die verzweifelte Hoffnung, ich kriege das aber irgendwie hin.
14:57Wir befinden uns in diesem parallelen Universum.
15:00Wie soll Aileen denn bitte ihrer Mutter erklären, dass sie diesem Typen Fotos von sich geschickt hat und pornografisch mit
15:08dem unterhält?
15:10Dann müsste ich alles dieses offenlegen. Es ist ja noch viel schrecklicher, als ich immerhin schon angenommen habe.
15:17Also versuche ich das für mich selber zu regeln.
15:23Jan P. nahm Aileen das Handy offenbar nicht weg. Denn während der Fahrt nutzte sie es weiterhin.
15:33Aileen konnte ja dann, als sie wieder Hotspot hatte, durch den Jan auch verschiedene Nachrichten noch verschicken und auch Nachrichten
15:42formulieren.
15:43Wir konnten über die Handy-Auswertung nachvollziehen, dass Aileen gegen 18 Uhr nochmal eine Nachricht geschrieben hat an ihren Bruder,
15:51die suggerierte, dass sie bald zu Hause sein werde und dass er sich keine Sorgen machen müsse.
15:55Das war eine der letzten Nachrichten, die durchgegangen sind.
16:00Auf der A5 Richtung Hessen hält Jan P. gegen Viertel nach Acht an der Raststätte Rennchtal-Ost, um zu tanken.
16:08Aileen bleibt im Auto und wartet, bis er zurückkommt.
16:14Das Handy der Aileen hatte Schritte wahrgenommen und in einem nachträglichen Versuch haben Kollegen festgestellt,
16:21dass den Weg, den der Jan gegangen ist, genau die Schritte erheben würde, die Aileens Handy hatte.
16:30Sodass wir da unterstellt haben, dass der Jan beim Betreten der Tankstelle das Handy von der Aileen mitgenommen hat.
16:37Wir haben uns auch die Frage gestellt, warum hat Aileen nicht einfach das Fahrzeug verlassen, vor allem an der Tankstelle.
16:43Dafür haben wir in den Ermittlungen zweierlei Erklärungen gefunden.
16:47Einmal muss sie große Angst gehabt haben, weil wie hätte sie das erklären sollen zu Hause,
16:52dass sie plötzlich 60 Kilometer entfernt von ihrem Wohnort an einer Autobahn ist.
16:56Und zum anderen hatte Herr P. bei dem Auftrag an der Tankstelle ihr das Handy abgenommen, sodass sie gar nicht
17:02telefonieren konnte.
17:03Ich glaube, es war vor allem eine psychische Barriere, die dazu geführt hat,
17:09dass sie subjektiv keinen Ausweg gefunden hat aus dieser schrecklichen Situation.
17:15Ich glaube, eine große Rolle spielt, ich bin erstarrt, ich bin im Schock, ich komme nicht gut klar.
17:23Dann sitze ich über viele Stunden mit dem im Auto, was auch immer da alles passiert.
17:30Der Schock wird größer, die Erstarrung wird größer, die Ohnmacht wird größer.
17:38Und ich schaffe es nicht, aus diesem parallelen Universum wieder in mein Universum zurückzufinden.
17:46Am späten Abend erreichen Jan P. und Aileen Hessen und steuern zunächst Jans Wohnung an.
17:54Doch sie kommen dort nie an. Wohin bringt Jan P. Aileen?
17:59Die Soko durchforstet unzählige Handydaten auf der Suche nach Antworten.
18:06Dann wurde schlussendlich dann in Bad Nauheim abgefahren.
18:10Das war gegen ungefähr Mitternacht, dann ist man da in den Waldbereich reingefahren.
18:21Hat dort einen längeren stationären Aufenthalt, nämlich über etwa drei Stunden.
18:25Da haben wir keinerlei Handyaktivität.
18:31Wir sind dann davon ausgegangen, dass in dieser Zeit die Tat passiert sein muss.
18:37Da gab es noch die Besonderheiten, dass auch das Handy von der Aileen abkühlte.
18:43Das hatte grundsätzlich eine Temperatur von ungefähr 36, 37 Grad.
18:47Und dann in diesem möglichen Nachtszenario fällt die Temperatur rapide ab.
18:54Und da konnten wir dann nachvollziehen, dass das möglicherweise dann nicht mehr im Wirkungsbereich von der Aileen war.
19:02Und Aileen wohl nicht mehr am Leben war.
19:08Jan P. verlässt den Ort gegen Viertel nach drei.
19:11Er steigt in sein Auto und fährt Richtung Teufelsee, der 30 Kilometer entfernt liegt.
19:22Im Anschluss konnten wir rekonstruieren, dass er mit dem Leichnam an den Teufelsee gefahren ist,
19:31den Leichnam dort eingebracht hat in das Wasser.
19:36Wir haben natürlich auch eine Vielzahl von Zeugen vernommen.
19:40Es gab auch einen Vogelkundler in dieser Nacht.
19:44Der hatte geschildert, dass er dort nachts Beobachtungen machen wollte.
19:48Und dann auf ein Fahrzeug getroffen war, plötzlich abländlich.
19:52Dann ist er wieder zurückgefahren.
19:53Das muss Herr P. gewesen sein.
19:55Das hat sich mit unseren digitalforensischen Daten gedeckt.
20:02Von dort aus ist er dann nach Hause gefahren.
20:04Das ist alles zeitlich komplett nachvollziehbar anhand auch dort der Verbindung wieder mit dem WLAN-Router, mit dem häuslichen.
20:13Er hat sich offensichtlich dann erst mal schlafen gelegt.
20:16Als er dann wach wurde, hat er direkt weiter Nachrichten verschickt, hat weiterhin Kontakt zu verschiedenen Frauen und Kindern gehabt.
20:32Wir konnten nachvollziehen, dass er etwa drei Tage nach der Tat zurückgekehrt war zu dem Teufelssee.
20:37Offenbar, um zu überprüfen, ob man den Leichnam auf dem See sieht oder ob er mittlerweile abgesunken war.
20:46Wir hatten auch vorher in den digitalforensischen Auswertungen entsprechende Ergebnisse nämlich gesehen, dass er sich mit dieser Frage beschäftigt hat.
20:53Was mit einem Leichnam im Wasser nämlich passiert, da hat er entsprechende Google-Recherchen unternommen.
20:59Das sind diese Suchen in der Quick-Search-Box, wie wir sie alle tagtäglich nutzen würden.
21:04Und da hat er ganz explizit Sachen gefragt, nach vermissten Sachen, wann verwest eine Leiche und auch rund um den
21:13Teufelssee hat er ganz explizit sich informiert, ob es da zu Auffälligkeiten kam.
21:18Den Ermittlern gelingt es, den Verlauf des Abends mithilfe der Geodaten zu rekonstruieren.
21:24Wie Aileen starb und aus welcher Motivation Jan P. handelte, bleibt unklar.
21:32Unsere These war schon, dass es sich um eine sexuell motivierte Tötung handelt.
21:36Sie war nur zu diesem Zeitpunkt schwer objektivierbar.
21:40Diese These leitete sich vor allem aus dem Umstand ab, dass wir es mit einem Beschuldigen zu tun hatten, der
21:45entsprechend vorbestraft war
21:46und der dieses Mädchen ganz offensichtlich von Gottenheim nach Hessen verbracht hatte.
21:57Unser Hauptverdacht war zuerst einmal, dass Aileen nicht an einer irren Todesursache gestorben ist, also kein natürlicher Tod.
22:07Die Frage des Sexualdeliktes war sehr schwierig gestaltet aufgrund eben der Leichenveränderungen und einen Nachweis von Spermaspuren haben wir auch
22:17nicht machen können.
22:18Was an der Tatsache lag, dass sieben, acht Tage im Wasser, dort findet man keine Spermaspuren mehr, die sind durch
22:23mikrobiologische Prozesse längst verschwunden, abgebaut, zerstört.
22:26Es blieb weiterhin der Verdacht. Einen weiteren Beweis, Schleimhautanrisse oder ähnliches haben wir nicht gefunden.
22:35Für einen späteren Prozess muss genau geklärt werden, wie Aileen starb.
22:40Ist sie vielleicht doch ertrunken oder war sie bereits tot, als Jan P. sie in den Teufelsee legte?
22:48Also im Rahmen der Abduktion fanden wir dann im Mundraum und später auch in den Luftwegen und der Lunge schwarze
22:54Partikel, die an Sand erinnert haben.
22:56Wir haben das auch verglichen mit dem Untergrund des Sees und tatsächlich, das hat einigermaßen gut gepasst.
23:02Von der Farbe, von der Konsistenz her und so war die Idee geboren, naja, es könnte tatsächlich sein, dass Aileen
23:08noch gelebt hat und sie ertränkt worden ist.
23:10Denn es ist nicht unüblich, dass wenn man jemanden unter Wasser drückt, der sich wehrt, Schlamm aufwirbelt und dann mit
23:16reflektorischen Atembewegungen diesen Sand oder diesen Untergrund einatmet oder verschluckt.
23:22Das heißt, wir haben eine tiefe Inspiration dieser Partikel.
23:25Die sind in den kleinsten Lungenalveolen zum Teil vorhanden und wir konnten in den histologischen Untersuchungen der Lunge eben sehen,
23:31dort ist kein Sand vorhanden.
23:36Im Endeffekt hat sich herausgestellt, dass eher wahrscheinlich ist, dass sie als Leichnam in das Wasser gekommen ist und durch
23:43Bewegungen am Grund oder durch die Strömungsverhältnisse dort Sand eingeschwimmt worden ist und eher nicht, dass Aileen ertränkt worden ist.
23:51Der Rechtsmediziner findet keinen klaren Hinweis auf ein Gewaltverbrechen. Das erschwert die Mordermittlungen weiter.
24:03Wir hatten den Leichnam von Aileen. Wir hatten eine Unmenge an digitalen Daten, Funkzellendaten, Bewegungsdaten vom Handy und, und, und.
24:15Was wir allerdings nicht hatten, waren tatsächlich, ich sag jetzt mal, greifbare Spurenbilder.
24:22Es gab keine Spuren von Gewalt an dem Körper, es gab keine DNA-Spuren an dem Körper, es gab keine
24:27Faserspuren, es gab keine Fingerspuren.
24:32Wir hatten ja in der Wohnung den Hoodie gefunden, das Oberteil gefunden, die Schuhe gefunden, aber etwas sehr Tatrelevantes fehlte,
24:39nämlich das war die Hose von Aileen und die Unterwäsche.
24:42Und wir haben nichts unversucht gelassen, um diese Beweismittel, die für uns sehr relevant waren, weil sie ja Aufschluss über
24:48eine sexuelle Motivation geben können, aufzufinden.
24:57Wir sind heute hier mit Bereitschaftspolizei Hessen. Die Kollegen der SoCo sind hier und wir werden unterstützt vom DLRG mit
25:06einem Sonarboot und auch Taucher aus Rheinland-Pfalz sind heute hier.
25:10Wir suchen nach weiteren Beweismitteln oder Spuren im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt Aileen.
25:24Mit Kräften der Bereitschaftspolizei wurde dieses unwegsame Gelände rund um den Leichenfundort mehrfach abgesucht.
25:37Aber die Suche blieb zunächst ohne Erfolg.
25:42Keine Spuren, keine Beweise und ein Verdächtiger, der schweigt. Die Ermittler stehen unter massivem Druck.
25:56Die Frage, die wir nicht beantworten konnten, weil uns auch keine entsprechenden rechtsmedizinischen Befunde vorgelegen haben, war, wie ist sie
26:05zu Tode gekommen?
26:07Im Prozess muss die Staatsanwaltschaft diese Fragen vor Gericht beantworten.
26:11Sonst droht die Verurteilung des Tatverdächtigen Jan P. wegen Mordes zu scheitern.
26:20Wir hatten uns entschlossen, dem Beschuldigen eine zweite Vernehmung anzubieten. Er ist ja nicht verpflichtet, dem nachzukommen.
26:26Ich hatte aber dem damaligen Rechtsanwalt signalisiert, dass es eine Reihe von neuen Ermittlungserkenntnissen gegeben hat.
26:34Der Verteidiger und sein Mandant hatten sich bereit erklärt.
26:38Zum Zeitpunkt, als diese Absprache gelaufen ist, wurde bei uns in der Sonderkommission dann entschieden, dass eine Kollegin und ich
26:45die Vernehmung machen durften.
26:47Das haben wir dann auch wirklich wochenlang akribisch vorbereitet.
26:51Also zentral für uns bei dieser Vernehmung war herauszufinden, was ist zwischen 0.30 Uhr und 3.30 Uhr passiert.
27:03Wir konnten die Tötungshandlung nicht objektivieren, sondern wir waren darauf angewiesen, dass er uns sagt, wie es abgelaufen ist.
27:14Untertitelung des ZDF für funk, 2017

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