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00:00It's funny actually, the older the pictures of one, the younger you see it on the other side.
00:05Well, of course. Here I was with Jürgen von der Lippe, my first TV show.
00:10And your job?
00:13I'm a doctor, or to be a doctor, I'm a doctor in practice.
00:17In 30 years, how I saw it, that doesn't change.
00:21But what is in 30 years?
00:23That could be so or so.
00:27So, damals war Geld oder Liebe die Frage, heute Demenz, ja oder nein?
00:34Es gibt diesen schönen Satz, das Herz wird nicht dement.
00:38Ja, und auch Gefühle bleiben bis zuletzt.
00:44Und so lebe ich, ne? Und ich lebe eigentlich ganz gern, ja?
00:50Fast zwei Millionen Menschen in Deutschland leben mit diesem Bröckeln von Erinnerungen, von Verstand und Persönlichkeit.
00:57Einige davon kenn ich. Und sie wahrscheinlich auch.
01:06Du bist meine Mama. Wir werden das gemeinsam schaffen und du wirst dann nicht alleine sein.
01:13Was ist Demenz? Und was kann ich heute dafür tun, möglichst lange im Kopf fit zu bleiben?
01:22Drei, fünf, drei, vier, sechs. Oh, das ist, da bin ich schlecht drin.
01:30Jungspund, sozusagen, im Hirn.
01:34Aktiv sein, körperlich, geistig, seelisch. Es geht immer weiter.
01:49Wir alle wollen alt werden, aber keiner will alt sein.
01:54Ab 65 Jahren steigt das Risiko für Demenz. Mit 90 ist fast jeder Dritte demenziell erkrankt.
02:00Viele sterben daran. Ich werde bald 60.
02:03In meiner Familie gab es schon viel Demenz.
02:06Und immer wenn ich etwas vergessen habe, zucke ich zusammen und denke, ist das jetzt der Anfang vom Ende?
02:12Wie bekommt man heraus, ob man betroffen ist oder gefährdet?
02:15An der Uniklinik Bonn lasse ich mir dahin schauen, wo man sich ungern hinschauen lässt.
02:19Hinter die Stirn, direkt in meinen Kopf.
02:23Mein erster Termin, die Gedächtnisambulanz.
02:27Demenz kann man nicht mit dem einen Test oder einem Blutwert bestimmen.
02:30Dafür ist unser Hirn zu komplex.
02:33Ich sage Ihnen jetzt drei Zahlen vorwärts.
02:36Und Sie sollen diese Zahlen wiederholen.
02:40Drei, sechs, neun, zwei, fünf.
02:44Drei, sechs, neun, zwei, fünf.
02:47Sechs, drei, fünf, vier, acht, zwei.
02:54Boah, sechs, drei, vier, acht, zwei ist am Ende, aber in der Mitte habe ich nicht aufgepasst.
03:03Eins, zwei, acht, fünf, drei, vier, sechs.
03:12Eins, acht, drei, fünf, drei, vier, sechs.
03:16Ach, da bin ich schlecht drin.
03:19Das ist auch schwierig.
03:21Das ist die Aufmerksamkeit, die uns da Probleme macht.
03:23So viele Zahlen im Gedächtnis oder im Kurzzeitgedächtniszeiten.
03:28Wenn es um die Frage geht, ist es eine Alzheimer-Erkrankung,
03:31dann testen wir vor allen Dingen die Funktion des Hippocampus.
03:34Das Hippocampus ist so die Gedächtnisstruktur in unserem Gehirn.
03:41Puh, drei Stunden hat der Test schon gedauert und das ist erst der Anfang.
03:46Denn Demenz ist nicht eine Erkrankung, es kann so viele verschiedene Ursachen haben.
03:54Hinter Demenz stecken 50 verschiedene Krankheiten, verschiedene Symptome, Verläufe und Ursachen.
04:00Bisher hatten sie eins gemeinsam, es gibt keine Heilung.
04:052025 könnte das entscheidende Jahr sein.
04:08Wir haben jetzt einen neuen Antikörper, ein Medikament, das bei einigen den Verlauf verlangsamen kann.
04:14Wir haben Studien, die zeigen, dass die Impfung gegen Herpes Zoster, sprich Gürtelrose, eine interessante Nebenwirkung hat.
04:21Nämlich, sie verhindert bei vielen Demenz.
04:24Und wir verstehen immer besser, was da im Hirn passiert, auch mit dem Immunsystem.
04:27Aber wie Demenz losgeht, das bleibt weiterhin oft unbemerkt.
04:36Das schleicht sich an.
04:41Und es gab so Verhaltensänderungen bei meiner Frau, wo ich sage, heute, das ist gar nicht mehr meine Frau gewesen.
04:49Sie reagiert normalerweise anders.
04:51Du kennst sie seit Jahrzehnten.
04:54Was ist da los?
04:56Ich habe immer wieder komplexe Sachen immer weniger verstanden.
05:03Ich bin auch körperlich, ich bin langsamer gelaufen.
05:06Und vor allem habe ich oft, was man jetzt gar nicht so denkt, wenn man so mit mir redet, Wortfindungsstörungen.
05:17Du glaubst es nicht, ja.
05:20Ich hole was aus dem Garten, oder Jutta hat mir gesagt.
05:24Und ich finde, ja, Nachricht, ja.
05:27Und dann will ich zurücklaufen.
05:29Also hier, diesen kleinen Dings.
05:32Und konnte es nicht mehr.
05:34Aber das war ein Schock.
05:37Der Schock ist, wenn einem was Vertrautes plötzlich fremd wird.
05:40Aber wie? Ja.
05:42Ja.
05:43Und dann wusste ich wohl, wie weit es ist.
05:49Georg leidet an der häufigsten Form von Demenz, Alzheimer.
05:54Seit Studienzeiten ist er mit Jutta zusammen.
05:57Weil sie Tag und Nacht an seiner Seite ist, kann er überhaupt noch zu Hause leben.
06:02Was löst Alzheimer eigentlich aus?
06:06Bei einer Alzheimer-Erkrankung vermüllt das Hirn mit Eiweißstoffen, die außer Kontrolle geraten sind.
06:12Einer davon ist Amyloid Beta.
06:14Vorhanden in jedem Hirn, aber bei Alzheimer verklumpt dieses Eiweiß und bildet hartnäckige Plax zwischen den Nervenzellen.
06:21Das zweite Eiweiß heißt Tau.
06:24Auch das kommt in jedem Hirn vor.
06:25Bei Alzheimer fängt es jedoch an sich zu verknollen und in den Zellen abzulagern.
06:30Die Folge, Nervenzellen sterben ab.
06:32Erst wenige, dann immer mehr.
06:34Weil wir eine Menge Hirnzellen haben, merkt man es lange nicht.
06:37Los geht die Alzheimer-Erkrankung im Hypocampus, dem Gedächtniszentrum.
06:42Immer mehr Regionen schrumpfen, Nervenzellen sterben, das Hirn gibt sozusagen den Geist auf.
06:46Bis heute versteht man nicht komplett, womit der Verklumpungsprozess losgeht und ob nach andere Dinge den Gedächtnisverlust verursachen.
06:55Daher ist es auch bis heute schwer, das Voranschreiten genau vorherzusagen.
07:00Während einige nach den ersten Symptomen innerhalb von zwei Jahren komplett abbauen, dauert es bei anderen 20 Jahre.
07:08Im Schnitt sind es acht bis zehn.
07:15Georg und Jutta versuchen, trotz seiner Demenz noch so viel wie möglich gemeinsam zu unternehmen und zu erleben.
07:22Reisen war und ist ein ihrer großen Leidenschaften.
07:29Das sind ja wahnsinnig viele Reiseführer hier. Waren Sie da überall?
07:33Ja. Ja, waren wir überall.
07:35Rund um die Welt.
07:37Ja, nicht ganz, aber ...
07:39Gibt es eine Reise, Georg, an die Sie sich sofort erinnern können? So Bilder?
07:46Wo ist die Welt besonders schön?
07:49Das war ...
07:51Ja, das kann ich nicht mehr sagen.
07:55Ja.
07:55Glaube ich, das kann ich nicht mehr sagen.
08:03Deine Oma hatte Alzheimer. Dein Vater ist auch schon vergesslich.
08:07Klarer Fall liegt in den Genen.
08:10Nee, so einfach ist es nicht.
08:12Nur ein Prozent der Alzheimer-Patienten hat eine klar definierte genetische Form, die dann auch zu 100 Prozent krank macht.
08:18Dann gibt es das APO-E4-Gen. Wenn man das zweimal hat, dann erhöht das auch deutlich das Risiko. Das
08:25haben aber nur zwei Prozent der gesamten Bevölkerung.
08:30Die Gene sind es nicht bei Georg.
08:36Was haben Sie gearbeitet?
08:38Ich war Personalleiter in verschiedenen Unternehmen, auch international.
08:44Also Ihre Sprache ist ja auch erst mal so, dass ich gar nicht auf den Verdacht käme, dass Sie dement
08:51sind.
08:51Das ist gut. Machen Sie weiter so.
08:56Seit wann wissen Sie, dass Sie Alzheimer haben?
08:58Boah, das weiß ich zum Beispiel nicht mehr.
09:02Aber Jutta weiß das nicht mehr.
09:03Ja, so zwölf Jahre.
09:05Haben Sie eine Idee, warum es Sie so früh getroffen hat?
09:09Wir haben gehört und rund gehört. Also nicht, dass wir wüssten.
09:14Sie machen auch einen ganz fitten Eindruck. Und wenn ich die Fotos sehe, waren Sie ja auch immer auf Aktion
09:19unterwegs.
09:19Also kein Leistungssport. Das ist gar nicht. Das ist eher abgelehnt. Aber Fahrradfahren natürlich.
09:25Ja.
09:27Gewandert auch in den Bergen.
09:29Wir sind da völlig raus. Er hat alles richtig gemacht.
09:34Also wir wissen es nicht.
09:37So wie Jutta und Georg geht es ganz vielen. Wie die Ursachen genau verkettet sind, bleibt unklar.
09:43Zurück zu meiner eigenen Reise, meiner eigenen Risikoeinschätzung.
09:48Herr von Hirschhausen. Hallo.
09:50Sie können gerne mit zum Ultraschall. Wir brechen die.
09:56Eins ist klar, wenn kein Blut in den Kopf kommt, kann der auch nicht arbeiten.
09:59Nach dem Typ Alzheimer ist die zweithäufigste Form von Demenz die vaskuläre Demenz auf gut Deutsch verstopfte und verengte Adern.
10:08Wie verkalkt bin ich in den Blutgefäßen?
10:13Also hier ist ganz kleine Platt. Also das ist in Ordnung.
10:22Der Mensch ist so jung wie seine Gefäße heißen doch immer.
10:25Ja. Das ist der Spiegel unserer Seele.
10:28Ohne Hirn keine Seele.
10:31Für Demenz gelten die gleichen Risikofaktoren wie für Herzinfarkt und Schlaganfall, Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhtes Cholesterin.
10:39Was ist so Ihr Fazit?
10:41Also Ihre Gefäße sehen ziemlich gut aus auf den ersten Blick und machen sie weiter so. Das wäre immer ein
10:48Fazit.
10:49Zum Glück habe ich nie angefangen mit dem Rauchen. Dann muss man auch nicht aufhören.
10:53Aber jeder hat seine Macken, seine Risiken. Welche sind entscheidend?
10:58Seit 2024 glasklar. Es gibt 14 relevante Risikofaktoren für Demenz.
11:03Und das Gute daran, sie sind nicht nur bekannt, wir können vieles davon ändern, manches persönlich und vieles als Gesellschaft.
11:11Unser Hirn verändert sich ein Leben lang.
11:13Entscheidend für Demenz im Alter ist die Zeit zwischen 40 und 60, wo man noch gar nichts davon ahnt.
11:19Aber auch die Kindheit. Je mehr wir unser Hirn trainieren und ausbilden, desto länger hält es frisch.
11:25Deshalb ist geringe Bildung hohes Risiko.
11:28Im mittleren Alter lohnt es sich zu achten auf hohes LDL-Cholesterin, Typ 2 Diabetes, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Fettleibigkeit oder Rauchen.
11:37Alles, was Herz und Kreislauf belastet, belastet auch das Hirn.
11:42Bisschen überraschend, auch schlechtes Hören ist schlecht fürs Hören, genauso wie Kopfverletzung, Depression oder Alkohol.
11:48Wer aus Eitelkeit auf eine Brille verzichtet, riskiert Hirnabbau.
11:52Auch Einsamkeit beschleunigt Demenz und viele Dinge, denen man kaum aus dem Weg gehen kann, wie Abgase und Feinstaub in
11:59der Luft.
12:02Diese Studie ist echt der Hammer. Sie sagt im Kern, fast die Hälfte aller Demenzschicksale könnten wir im Prinzip vermeiden.
12:09Aber dafür müsste sich eine Menge ändern. In der Politik, in der Prävention und in der Umwelt.
12:16Haben Sie sich auch schon über diese fixierten Plastikdeckel aufgeregt?
12:20Worüber wir uns wirklich mehr aufregen sollten, ist, dieses Plastik findet sich wieder.
12:26Und zwar in Ihrem Hirn, in meinem Hirn, überall. Mikroplastik.
12:31Und so sieht das unter dem Mikroskop aus. Das hier ist ein Blutgefäß aus dem Hirn.
12:37Und hier innen drin sieht man rote Blutkörperchen und hier außen in den Zellen, in den Ablagerungen entlang des Gefäßes,
12:46sieht man lauter kleine weiße Punkte.
12:50Das ist Plastik.
12:52In einer amerikanischen aktuellen Studie hat man das Hirn von Menschen untersucht, die an Demenz verstorben sind.
12:58Wenn man all diese winzigen kleinen Mikroplastikteilchen rauszieht, sind das sieben Gramm. Vier solcher Verschlüsse.
13:08Was dieses Plastik aus den Verschlüssen im Hirn macht? Wahrscheinlich verschließen. Ja, die Blutgefäße.
13:14Wie das genau auch mit dem Immunsystem interagiert, darüber wird intensiv geforscht. Endlich!
13:19Demenz ist eine medizinische und gesellschaftliche Herausforderung.
13:24Da wir immer älter werden, gibt es auch immer mehr Menschen mit Demenz und noch viele andere Herausforderungen im Pflegesystem.
13:30Ich treffe Wolfgang Hoffmann, einen der besten Versorgungsforscher des Landes.
13:34Wenn wir jetzt einfach mal einen Sprung nach vorne machen, 20 Jahre, dann sind unsere Boomer-Jahrgänge,
13:40wir sind beide in den 60ern geboren, plötzlich in der Situation pflegebedürftig und wer soll das machen?
13:47Es wird nicht mehr funktionieren. Also das System wie jetzt wird in 20 Jahren nicht mehr so sein.
13:54Das heißt also, wir sollten schon sehr viel effektiver mit unseren Ressourcen umgehen und darauf achten,
13:59dass man möglichst nicht so krank wird, wie wir das Generationen vor uns geworden sind.
14:04Heute arbeiten ungefähr 1,5 Millionen Pflegefachkräfte für 5,5 Millionen Menschen, die auf Pflege angewiesen sind.
14:12Ein Verhältnis von 1 zu 3,5. In den nächsten Jahrzehnten, also bis 2050, kommen geschätzt 1,2 Millionen Menschen,
14:21die auf Pflege angewiesen sind, noch dazu. On top!
14:24Und deshalb ist die große gesellschaftliche Frage, wer bitte soll uns Boomer-Jahrgänge in 30 Jahren pflegen?
14:33Wo sollen all die Fachkräfte dafür herkommen?
14:36Also einen Rollstuhl kann jemand schieben, aber vier gleichzeitig unmöglich.
14:51Einen demenzerkrankten Menschen zu begleiten, erfordert erheblich mehr Zeit.
14:57Es müsste für Demenzerkrankte einen speziellen Pflegeschlüssel geben, meiner Ansicht nach.
15:03Das heißt also, da müsste mehr Personal möglich sein.
15:06Der Übergang in die Demenz ist schrecklich, will ich nicht absprechen.
15:11Aber wenn man einmal über diesen Berg ist, haben die doch Wohlbefinden,
15:20empfinden Glück, Appetit, Wünsche.
15:25Und wenn die halt erfüllt werden, haben die schon ein zufriedenes Leben, würde ich sagen.
15:32Und das ist halt auch das, was ich versuche denen zu ermöglichen.
15:35Ich glaube, dass die Pflege, wenn da nicht irgendwann mal was passiert, ganz schrecklich den Bach runtergeht.
15:44Und davor habe ich Angst, wenn ich auf Pflege angewiesen bin.
15:50Wie mobil muss auch nach vorne raus unser Gesundheitswesen werden,
15:53damit Menschen auch in der Häuslichkeit möglichst lange bleiben können?
15:56Weil das ist ja immer noch auch volkswirtschaftlich eigentlich und für die eigene Lebensqualität das erstrebenswert.
16:01Genau. Über 80 Prozent der Pflege wird ja nicht von den professionellen Pflegenden erbracht,
16:07sondern eben gerade von den pflegenden Angehörigen sind auch Freunde dabei.
16:11Also die machen das sehr gut, aber die sind natürlich dann auch stark eingespannt.
16:16Und speziell, wenn es dann um Menschen mit Demenz geht, das kann ein mehr als Fulltime-Job sein.
16:21Deswegen brauchen wir immer, wo ein Angehöriger pflegt, einen professionell Pflegenden im Hintergrund,
16:27der angesprochen werden kann und der auch mal kommt, wenn es zu viel wird.
16:30Dann kann ich viel mehr leisten, auch viel länger.
16:34Rund 1,4 Millionen pflegende Angehörige kümmern sich rund um die Uhr um Menschen mit Demenz. Eine Riesenaufgabe.
16:42Das ist Sönke. Seine Demenz macht ihn rastlos. Bis zu zehn Mal pro Stunde läuft er in die Kirche.
16:49Er leitet an FTD, frontotemporaler Demenz. Das hat er mit Bruce Willis gemeinsam.
16:56FTD verändert weniger das Erinnern, mehr die Persönlichkeit und das Verhalten.
17:01Seit 25 Jahren an seiner Seite seine Frau Anna Claudia.
17:05Erzählt über unsere schöne Reise nach China zum Beispiel.
17:10Ja, wir waren in China zusammen. Das habe ich ihr zum 50. geschenkt.
17:18Und waren dann in Shanghai und Peking und so weiter. Wollen wir gehen?
17:28Ah, Moment. Ich muss noch zahlen.
17:31Sönke ist Ende 40, spricht noch immer fünf Sprachen und jettete vor wenigen Jahren als Top-Manager noch um die
17:38Welt.
17:40Untertags ist mein Mann eher ruhig, aber nachts ist er total unruhig.
17:46Diese Woche noch war ich um zwei Uhr nachts im Pyjama unterwegs mit ihm, weil er immer wieder raus will.
17:55Und dann jeden Tag bis zwei, drei Uhr nachts wach zu sein und den nächsten Tag arbeiten zu müssen und
18:02die Kinder zu kommen, den ganzen Haushalt.
18:04Und es ist alles schwer zu koordinieren und weil es um Verhalten geht.
18:11Und okay, gehst du noch mal zur Kirche. Alles klar, dann bis gleich.
18:27Nach der Diagnose, ich weiß noch, war Stille.
18:33Wir sind ins Auto gegangen und sie meinte dann ganz ruhig und leise, ich will dir nie eine Last sein.
18:42Und ich habe dann ihre Hand genommen und meinte, das wirst du auch nie, weil du bist meine Mama.
18:50Wir werden das gemeinsam schaffen und du wirst dann nicht alleine sein.
18:54Ich habe 2015 aufgehört zu arbeiten als Geschäftsführer im IT-Bereich, um mich mehr um meine Frau kümmern zu können.
19:01Es gibt bestimmt Schicksale, die deutlich schlimmer sind wie meins.
19:05Und das baut mich auch auf und versetzt mich in eine Lage, wo ich sage, warum beschwerst du dich? Mach
19:12einfach weiter.
19:14Weil ich die Krankheit annehme, wie sie ist. Das schafft mir auch immer wieder Mut, immer wieder was, sich was
19:23einfallen zu lassen, dass es eben noch lange noch mal geht.
19:33Das macht doch Leune, gell? Ja.
19:39Unser gesellschaftliches Bild von Demenz ist geprägt von schwer erkrankten Menschen im Pflegeheim, die teilnahmslos vor sich hin stachen.
19:47Ja, das gibt es. Aber das ist nur das kurze, bittere Ende.
19:53Was viel zu selten gezeigt wird, die allermeisten Betroffenen wohnen noch zu Hause, nehmen am Alltag teil.
20:01Und das geht nur, weil sie unfassbar engagierte, pflegende Angehörige haben.
20:10Seit zwölf Jahren stemmen sich Jutta und Georg gegen das Voranschreiten seiner Alzheimer-Erkrankung, unter anderem mit solchen Büchern.
20:19Hier halten sie Georgs Erinnerungen fest, solange sie noch da sind, um später einmal davon zehren zu können.
20:29Wie war deine erste Arbeitsstelle? Was hat dich bewogen, deinen Beruf zu ergreifen?
20:34Also genau, das sind so Themen, über die man nicht automatisch spricht oder eben auch persönliche Sachen.
20:40Also strukturiert, ja.
20:41Was hast du an deiner Oma besonders geschätzt?
20:45Ja, und da kommt auch wieder mehr hoch, als man denkt.
20:50Die stabilsten Erinnerungen sind oft, was wir in der Kindheit und Jugend erlebt haben.
20:54Und vor allem die Musik, zu der wir das erste Mal getanzt, geküsst und mitgesungen haben.
21:02Bach ist auch gut, ist immer gut.
21:04Die sind sehr gut.
21:05Aber hier Udo Lindenberg, machen wir es ganz anders.
21:07Der natürlich.
21:08Udo Lindenberg ist es?
21:09Ja, na.
21:10Okay.
21:11Bob Dylan.
21:12Bob Dylan.
21:12Es ist klar, dass er da dabei ist, ja.
21:16Da.
21:18How many roads must a man walk down?
21:23Before you call me a man?
21:28The answer is blown in the wind.
21:31Moment.
21:33Das muss ich jedes Mal holen.
21:39So ergreift mich das.
21:41Woran erinnert Sie das?
21:43Ja, das ist Amerika.
21:46Ähm, Amerika?
21:48Ja.
21:50Ja.
21:53Yesterday
21:56Don't we start the long that I didn't make.
22:01I need a place to get away.
22:05Oh, I believe in yesterday.
22:10Why she had to go.
22:15I don't know she wouldn't say.
22:21I said to go.
22:23I said to go.
22:23Es gibt diesen schönen Satz, das Herz wird nicht dement.
22:26Ja.
22:28Und auch Gefühle bleiben bis zuletzt.
22:31Die vergehen nicht.
22:34Man muss sich da irgendwie durch vorstellen.
22:37Und eigentlich, ich meine, wir haben das ja schon lange,
22:40wir haben das eigentlich ganz gut hingekriegt.
22:42Also, finde ich irgendwas.
22:44Finde ich auch.
22:45Dass man diese Krankheit nicht nur vom Ende her denkt,
22:48sondern dass man ein gutes Leben haben kann mit dieser Krankheit.
22:52Was wären so Momente, wo es zu Hause nicht mehr geht?
22:58Wenn es richtig so in die Pflege geht.
23:03Also, oder die Nächte ständig unerträglich werden.
23:07Das halte ich nicht durch.
23:09Das weiß ich.
23:15So einer Dauerbelastung nicht gewachsen zu sein,
23:19das fürchten viele, die einen Menschen mit Demenz pflegen.
23:25Entlastung und Pflegeplätze zu finden, ist unfassbar schwierig.
23:29Anna Claudia hatte Glück.
23:31An zwei Tagen pro Woche kann Sönke jetzt in die Tagespflege.
23:34Hier gibt es viele gemeinsame Aktivitäten.
23:37Der Münchner Verein Wohlbedacht
23:40ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie es auch gehen kann.
23:46Auf den ersten Blick ist hier gar nicht so klar,
23:48wer hat Demenz und wer nicht.
23:52Wir schmieren jetzt Semmel und dann kriegt jedes Kind was mitgenommen.
23:59Genau.
24:01Und was machst du hier?
24:03Ja, ich arbeite hier auch.
24:06Und es macht eigentlich richtig Spaß, muss man wirklich sagen.
24:10Hallo.
24:11Hierbei Wohlbedacht haben sich die Mitarbeitenden an Heike angepasst.
24:16Heike denkt, dass sie für uns arbeitet, dass sie mit im Team ist.
24:20Und sie ist auch so integriert.
24:23Sie kam selber auf diese Idee.
24:25Und wir versuchen immer unsere Gäste mithelfen zu lassen, solange es geht.
24:30Sie fühlt sich sehr wichtig hier.
24:32Übergebraucht.
24:33Stimmt ja auch.
24:35Und so hat es eine gute Zeit für uns.
24:38Und das geht es ja.
24:40Der Verein ist deutschlandweit bekannt für seinen konsequent personenzentrierten Pflegeansatz.
24:46Sanftmutig pflegen nennen sie das.
24:49Sanftmutig pflegen und betreuen, das bedeutet für uns, dass wir einfach für die Rechte der Demenzerkrankten einstehen,
24:57dass sie so frei wie möglich leben können.
25:00Also uns geht die Freiheit vor der Sicherheit.
25:03Und das heißt, dass man bei uns einfach rausgehen kann, wann man will, natürlich begleitet.
25:08Und man darf so lange schlafen, wie man will.
25:10Man darf so lange aufbleiben, wie man will.
25:14Noch ein Beispiel.
25:15Andreas hat fünf Jahre lang in der geschlossenen Psychiatrie verbracht, bis ihn Wohlbedacht aufgenommen hat.
25:20Hier hat er Alina, seine individuelle Bezugsperson.
25:24Wenn Andreas weglaufen will, läuft sie mit.
25:27Am Anfang bin ich um 10.30 Uhr mit ihm los und um 14 Uhr wiedergekommen.
25:32Also wir waren fast vier Stunden hier in dem Wald.
25:35Sind nur gelaufen.
25:37Und er hatte danach noch Power.
25:38Also man kann ihn nicht auspowern.
25:43In der Psychiatrie hat Andreas jahrelang nicht gesprochen.
25:48Mittlerweile redet er aber nur mit Alina.
25:51Er hat Vertrauen aufgebaut, ist ruhiger geworden, ohne Medikamente, ohne Wegsperren.
25:55Was ihm hilft?
25:57Waldbaden, Bewegung, Mitmenschlichkeit.
26:03Das Bauchgefühl ist in der Arbeit das aller, allerwichtigste.
26:06Es muss alles ganz sanft, ganz langsam und wertschätzend ohne Ende sein.
26:11Und das ist das Vertrauen, was du aufbaust.
26:14Und das ist bei FDD-Erkrankten halt besonders schwierig, weil sie so wenig Mimik zeigen.
26:19Und oft werden sie beschrieben, dass sie keine Gefühle haben.
26:23Und das stimmt einfach überhaupt nicht.
26:27Die kriegen ganz, ganz, ganz viel mit.
26:30Geschafft!
26:35Ist das jetzt nur was für Reiche und Privatversicherte?
26:38Zum Glück nicht.
26:40Der Verein finanziert sich über die Regelversorgung und zeigt, es geht anders.
26:44Individuell angepasst, mit guter Stimmung, mit Rücksicht auf die Bedürfnisse von allen, auch der Angehörigen.
26:49Seit Neuestem gibt es die Nachtpflege, damit die pflegenden Angehörigen daheim auch mal ausschlafen können.
26:55Wenn ich dement werden sollte, wünsche ich mir keine Roboter, sondern genau sowas.
27:01Apropos, wie steht es um meine Hirngesundheit? Heute bekomme ich es schwarz auf weiß mit hochauflösendem MRT.
27:092018 habe ich mich für Hirschhausens Quiz des Menschen schon mal in die Röhre gelegt.
27:13Ich konnte zeigen, dass bereits zehn Tanzstunden mein Hirn verjüngten.
27:18Da werden wir jetzt heute zwei Aufnahmen machen. Das eine mal eine standardklinische Aufnahme und das andere mal wirklich eine
27:25spannende Forschungssequenz, die uns perspektivisch ein bisschen was darüber sagen kann, wie gut die Regenerationsfähigkeit ihres Gehirns ist.
27:32Also wir sprechen für die Laien häufig davon, da gucken wir uns ihre Waschanlage im Gehirn an, wie gut kann
27:37da was ausgewaschen werden über die Zeit.
27:40Wie bitte? Es gibt eine Waschanlage? Das Hirn kann sich selbst feucht durchwischen? Das will ich sehen. Dafür halte ich
27:48gern nochmal meinen Kopf hin.
28:05So starke Magnetfelder, alles dreht sich. Dann schauen wir uns mal die Aufnahmen an.
28:11Jetzt schon ein bisschen aufgeregt. Ja, ich kann Ihnen die Aufregung gleich nehmen. Also das sieht sehr gut aus.
28:19Wir haben jetzt im Vergleich einmal sozusagen die aktuellen Aufnahmen und das sind die Aufnahmen, die wir vor sieben Jahren
28:25aufgenommen haben bei Ihnen.
28:26Man muss ganz klar sagen, da ist also praktisch kein Unterschied zu sehen. Das heißt, ich darf mein Kompliment aussprechen,
28:33da hervorragend gealtert.
28:35Also wir haben jetzt keine subturalen Blutungen oder halt Krankheiten, die wirklich auch zu einer demenziellen Symptomatik führen können.
28:43Und was wir jetzt hier oben sehen, du siehst diese beeindruckenden bunten Karten.
28:47Was wir da sehen, das ist die Geschwindigkeit des Nervenfassers. Also das Nervenwasser, das rauscht durchs Hirngewebe durch.
28:54Ich dachte immer, das ist so ein stehendes Gewässer, das ist so richtig aktiv.
28:58Genau, das hat man gedacht immer. Nein, das hat sozusagen wirklich einen Fluss durchs Hirngewebe.
29:03Spannend.
29:03Und auf dem Weg durchs Hirngewebe nimmt das eben diese Fremdstoffe mit.
29:07Also unter anderem Amyloid Beta, was eben ursächlich ist dann auch für die Alzheimererkrankung.
29:12Das wird eben dann dadurch ausgespült.
29:15Und ist meine Geschwindigkeit im Hirn okay?
29:19Ja, also für mich sieht das erstmal gut aus und wir gehen davon aus, dass das alles bestens ist.
29:25Ich will mal hoffen, dass das auch so bleibt. Im Moment fehlt noch der Vergleich.
29:29Denn die Forschung an der sogenannten Hirnwaschmaschine ist noch relativ jung.
29:35Erst 2012 entdeckten Wissenschaftler ein Netz aus feinsten Kanälen, das glymphatische System.
29:40Die Kanalisation des Hirns, die könnte dazu gut sein, dass krankmachende Eiweiße ausgespült werden können.
29:47Und das vor allen Dingen im Tiefschlaf. Das kenne ich von mir.
29:50Schlecht geschlafen, schlechte Hirnleistung. Und offenbar schützt guter Schlaf auch langfristig vor Demenz.
29:57Auch andere Reparaturmechanismen werden immer besser verstanden.
30:01Zum Beispiel die Neubildung von Nervenzellen bis ins hohe Alter, die Neurogenese.
30:06Das hat man lange nicht für möglich gehalten.
30:09Oder auch sehr spannend die Autophagie.
30:12Dabei reinigt sich die Zelle selbst, indem sie beschädigte Zellteile abbaut und recycelt.
30:18Aber das geht nur, wenn die Zelle mal Ruhe dafür hat und nicht ständig mit dem Verdauen von Essen beschäftigt
30:24wird.
30:25Deshalb sind Essenspausen und Fasten auch so gesund.
30:31Meine Reise führt mich weiter nach Magdeburg.
30:33Hier werden Menschen untersucht, die keine Anti-Ager sind, sondern Super-Ager.
30:39Tag, sind Sie, der Willi. Guten Tag, genau so ist es.
30:43Das freut mich. Danke für die Einladung.
30:46Ja, bitte.
30:47Einen echten Super-Ager mal kennenzulernen.
30:50Ich will noch viel mehr von Ihnen abgucken.
30:54Willi macht die Forschenden neugierig.
30:57Er hat das geistige Leistungsniveau eines 50-Jährigen.
31:01Mensch Willi, in welchem Jahr sind Sie geboren?
31:041935, in Löblau bei Danzig.
31:08Und wie lange sind Sie schon in Magdeburg?
31:11Seit 45 Weihnachten.
31:14Da waren Sie dann zehn?
31:15Zehn, genau.
31:17Das ist so unglaublich.
31:19Das ist nun mal so.
31:20Das wollen wir mal rausfinden, ob Sie nicht doch eine Menge dafür können, dass Sie heute so fit sind.
31:25Im Verhältnis zu ganz, ganz vielen anderen, die in diesem Jahrgang schon längst krank, tot oder demenz sind.
31:32Ja, da ist was dran, aber ich sage mir immer, man muss selber was tun.
31:40Willis Frau ist bereits verstorben.
31:42So fit wie jetzt mit seinen 90 war Willi nicht immer.
31:45Als junger Mann hatte er chronische Rückenschmerzen und entschied, ich muss aktiv meine Gesundheit verbessern.
31:50Neben seinem Job als Ingenieur legte er sich einen großen Garten zu, baute Gemüse an, wurde Hobbyimker und blieb immer
31:56in Bewegung.
31:59Schickes Auto.
32:02Na ja, das habe ich auch mal gemacht, eine Zeit lang, dass ich so viele Kilometer, wie ich mit dem
32:08Auto gefahren bin, so viele Kilometer bin ich auch gelaufen, gerannt.
32:13Ich sage mal, im Durchschnitt bin ich damals so ungefähr 15.000 im Jahr gefahren und so viele Kilometer bin
32:18ich auch gerannt.
32:18Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie fit Deutschland wäre, wenn jeder so viele Kilometer, wie er im Auto fährt,
32:24auch...
32:25Das müssten aber viele machen.
32:27Sie waren in Bewegung.
32:30Immer.
32:31Und Sie haben sich dann auch für Ernährung interessiert. Wann ging das los?
32:36Na ja, da war ich ungefähr so 35.
32:40Und da bin ich mal davon ausgegangen, was haben unsere Vorfahren gemacht.
32:45Die haben sich also von Blättern und Früchten und so weiter ernährt.
32:50Und danach habe ich mich dann auch gerichtet.
32:53Sie essen also bis heute wenig Fleisch?
32:55Wenig Fleisch, ja. Außer weißes Fleisch.
32:57Es gibt ja so eine grobe Formel, wie man sein Leben verlängert, indem man weglässt, was es verkürzt.
33:04Ja, das ist ja richtig. Das ist wie eine Faustformel.
33:09Haben Sie ein Ziel?
33:10Ja, also ein Saunafreund, der ist 102 geworden.
33:17Und das habe ich zu meinem Orthopäden damals gesagt.
33:21Ich habe gesagt, das will ich auch werden. Der hat jetzt auch noch viel Erfolg.
33:24Ob das nun was wird, ist ein anderer Fall.
33:29So wie ich Willi erlebe, schafft er das.
33:32Jeden Morgen um sechs steht er auf, macht ein einstündiges Fitnessprogramm, das er sich selbst zusammengestellt hat.
33:39Achso, so dehnen, ja.
33:41Ja, und dann so weiterziehen, wegziehen.
33:43Ja.
33:44Und es geht freihändig stehen.
33:46Darf ich mich mal kurz festhalten bei Ihnen Willi?
33:49So was mache ich ja jetzt.
33:50Jeden Morgen? Jeden Morgen.
33:52Wann waren Sie das letzte Mal mal krank?
33:55Richtig krank.
33:56Das kann ich mir auch nicht richtig erzählen.
34:02So, hier ist mein Springseil.
34:03Das ist also Ihr Fitnessstudio hier?
34:06Ja, und da gehe ich dann noch mal raus.
34:08Weil hier, da ist es besser wie hier drinnen.
34:11Mache ich da hundertundfünfmal Springseil.
34:14Hundertundfünfmal Springseil?
34:15Ja, ich mache die fünf hinten dran, weil das kann man sich ja mal verzählen.
34:21Das ist ja immer so.
34:28Sie sind ja auch ein Geschenk für unsere Pflegeversicherung, muss man mal sagen.
34:32Sie brauchen ja nichts.
34:33So ist es.
34:35Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber Willi hat mich echt beeindruckt.
34:39Wie er da in seinem Keller ein Fitnessstudio mit nix gebaut hat.
34:43Mit Handhüllen aus Gurkengläser und Einkaufskörben.
34:47Und Springseil hundertmal am Tag lieber fünfmal zu viel als zu wenig.
34:52Aber genau das bringt's für Herz und Hirn.
34:55Jeden Tag bewegen.
35:03Willi, nach Ihrer Rechnung müssen wir jetzt alle Kilometer, die wir mit dem Auto gefahren sind, rennen, oder?
35:08Ja, das wäre nicht schlecht.
35:11Am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankung und der Uni Magdeburg wird das Geheimnis der Super-Ager erforscht.
35:19Willi wird regelmäßig hier unter die Lupe genommen.
35:23Wir wollen mal bei Herrn Bartz testen, wie gut sein Orientierungsvermögen noch funktioniert.
35:27Und dazu haben wir ein Virtual-Reality-Setup vorbereitet.
35:30Das gibt in unserem Gehirn Zellen und die funktionieren wie ein Navi im Auto.
35:34Und warum das so interessant ist, ist, dass halt die Regionen im Gehirn, wo man diese Zellen gefunden hat,
35:39das sind die Regionen, die bei Alzheimer ganz, ganz früh betroffen sind, in den frühesten Stadien.
35:45Willi bekommt eine VR-Brille auf.
35:48Mit dieser virtuellen Realität kann man seine Orientierungsfähigkeit sehr präzise messen.
35:55Willi muss im ersten Schritt den Korb erreichen und dann abschätzen, von wo bin ich gestartet.
36:03Sehr gut. Und dann einmal bitte wieder die Länge mit der Tastung einstellen, wie weit das jetzt von Ihnen ungefähr
36:09entfernt wäre.
36:12Sehr gut, Herr Bartz. Einmal klicken, genau. Und dann kommt die nächste Runde.
36:16Das Dilemma in der Alzheimer-Behandlung war ja immer, das Gefühl kommt man 20, 30 Jahre zu spät.
36:22Wäre das ein Weg, noch viel früher die Menschen, die von der Behandlung profitieren könnten, rauszupicken?
36:28Das ist genau die Idee, genau. Weil ja auch gerade, wenn wir jetzt von neuen Medikamenten reden, die auf den
36:32Markt kommen,
36:33das ist sehr wichtig, dass die auch so früh wie möglich eingesetzt werden.
36:36Und die Idee ist, dass man hier möglicherweise kognitive Veränderungen sieht, die man mit einem traditionellen Verfahren noch nicht sehen
36:43kann.
36:44Sie haben sich da sofort zurechtgefunden mit diesem hochmodernen Zeug?
36:49Ich meine, das ist ja irgendwie Techniker.
36:51Ja, das ist ja das Tolle an der Forschung, dass sie oft Dinge bestätigt, die man schon wusste.
36:57Nein, das ist gut.
36:59Der Willi macht so viel richtig. Willi hatte auch nie eine Wampe.
37:04Ja, dieses Bauchfett-liebevoll-Schnitzelfriedhof genannt, ist nämlich ein chronischer Reiz für unser Immunsystem.
37:11Macht Neuroinflammationen. Das heißt, chronische Entzündungen nicht nur im Körper, sondern auch im Gehirn.
37:18Und da kommen auch andere Reize noch mit dazu. Zum Beispiel Entzündungen durch die Verbrenner, ja, durch die Abgase von
37:26Autos oder auch durch Viren.
37:30Und weil diese brandheißen neuen Zusammenhänge zwischen Abwehrsystem und Demenz so ein spannendes Thema sind, reden wir weiter darüber.
37:39Aber erst im zweiten Teil von Hirschhausen und das große Vergessen.
37:46Was ist in den Gehirnen von Superagern eigentlich anders? Anders als bei Gleichaltrigen oder bei Menschen mit Demenz?
38:00Wonach schauen Sie?
38:02Wir gucken auf der einen Seite nach dem Hirnvolumen. Dann gucken wir aber auch auf pathologische Veränderungen, die man typischerweise
38:09mit dem Alter sieht.
38:10Können Sie uns mal was zeigen?
38:11Na klar. Also das ist eine Probandin, die ist 84 Jahre alt, ist kognitiv normal.
38:18Und hier sieht man auch typische Atrophie oder Gehirnschwund, wo eben die graue Substanz ein bisschen verschwunden ist.
38:25Zwischen dem Schädel und dem Hirn ist mehr Schwarz, ist mehr Flüssigkeit. Das heißt, das Hirn ist schon auf dem
38:32Rückzug.
38:33Diese weißen Flecken da, was bedeuten die für Sie? Das sind quasi Läsionen oder Schäden der weißen Substanz, die erscheinen
38:42dann hier hell.
38:43Also sind es auch so Mini-Infarkte praktisch?
38:46Ja, genau. Je älter man wird, desto wahrscheinlicher hat man diese Läsionen. Und wenn man jetzt aber Herrn Bartz sich
38:52anschaut.
38:53Das ist jetzt unser Super-Ager-Hirn.
38:55Das ist jetzt unser Super-Ager-Hirn. Und dann sieht man, er hat schon ganz typische Gehirnschwund, aber eben nicht
39:03übermäßig.
39:04Aber was eben bei ihm auffällt, ist, dass die weiße Substanz so wenige Schäden hat.
39:08Er hat ja auch nie geraucht und auch sonst ziemlich viel getan, damit sein Hirn so aussieht.
39:18Jungspund, sozusagen, im Hirn.
39:21Was soll ich nur dazu sagen?
39:23Du kannst dich freuen!
39:28Ich habe mein hohes Alter erreicht durch Schießtennis.
39:35Und durch den Lebenswandel. Das ist alles.
39:41Sport, Bewegung, Lebenswandel.
39:51Aktiv sein. Körperlich, geistig, seelisch.
39:55Sie werden uns nicht erleben, dass wir uns zurücklehnen und sagen, das war's jetzt.
40:01Nee, war nicht. Es geht immer weiter.
40:05Die meisten Menschen so ab 60 bauen geistig ab.
40:09Dann gibt es diese kleine, aber super spannende Gruppe, Super-Ager.
40:15Was machen die anders als die anderen?
40:17Es gibt so ein paar Muster, die sich rausstellen.
40:19Das eine ist, nicht unbedingt die Bildungsjahre, aber dass man ein stimulierendes Leben hatte.
40:26Gerade im mittleren Alter.
40:28Dass man neugierig bleibt?
40:29Auch das, genau.
40:31Wir fragen ab, ob mehrere Sprachen sprechen, ob wir gereist sind,
40:37Musikinstrumente spielen.
40:39Da sieht man so eine Tendenz, dass ein stimulierendes Leben
40:43sogar im mittleren Alter mit Super-Aging im hohen Alter zusammenhängt.
40:49Das andere sind sicherlich die kardiovaskulären Risikofaktoren,
40:52die eben bei den Super-Ager niedriger sind.
40:54Also vermeide hohes Cholesterin, vermeide hohen Blutdruck, vermeide,
40:59sagen, eigentlich alles, was dem Herz schädigend zugeschrieben wird,
41:04ist ja auch gleichzeitig schädigend fürs Hirn.
41:06Was mir auch bei dem Super-Ager, den ich jetzt kennenlernen durfte, so auffällt, ist,
41:12er bleibt dran.
41:14Ist dieses Dranbleiben auch ein Muster bei den Super-Ager?
41:18Ja, also das würde ich so sagen.
41:21Also wir haben das jetzt nicht quantifiziert oder gemessen.
41:25Aber das ist was, was einem so auffällt, wenn man diese Leute sieht,
41:29dass sie ein gutes Durchhaltevermögen haben und auch resilient scheinen
41:34gegenüber schwierigen Ereignissen.
41:36Gleichzeitig frage ich natürlich auch, wie hoch ist dieser Anteil von Genetik?
41:41Also es wurden natürlich noch nicht alle Gene untersucht.
41:43Es wurden so typische Alzheimer-Risiko-Gene schon untersucht, wie das APOE4.
41:48Und es zeigt sich bis jetzt kein Unterschied.
41:50Also die Super-Ager haben genauso viel Alzheimer-Risiko-Gene wie die Nicht-Super-Ager.
42:01Die Studienteilnehmer treffen sich regelmäßig im Super-Ager-Café.
42:06Was haben diese Junggebliebenen gemeinsam?
42:11Wer von Ihnen macht regelmäßig Bewegung? Hand hoch.
42:16Beim Zähneputzen.
42:20Wer singt gerne zum Beispiel? Wer macht Musik?
42:23Ich will Klavierspielen.
42:25Ach echt? Ja.
42:27Und ich darf so was fragen, was sind Sie für ein Jahrgang?
42:3044.
42:31Das heißt, dann sind Sie jetzt?
42:32Ich werde jetzt 81.
42:34Man muss morgens raus aus dem Haus, sich was vornehmen und immer in Gange bleiben.
42:39Ich bin auch Jahrgang 40.
42:42Auch jetzt 85? Ja, ja.
42:44Meine Güte.
42:44Und denke noch, einige 20 Jahre noch zu schaffen.
42:49105?
42:50Genau.
42:51Ich bin in Elberadweg von der Schneekoppel bis Cuxhaven gefahren.
42:56Wow, wie viele Kilometer sind das?
42:581200.
42:591200 Kilometer am Rad? Ja.
43:01Aber nicht am Stück.
43:03Nein, natürlich nicht.
43:05Brauchen wir mal einen Applaus hier.
43:10Diese Menschen machen so viel gute Laune und so viel Mut.
43:13Ich möchte auch Superager werden. Sie nicht auch?
43:17Wie können wir Demenz aufhalten?
43:19Darum geht es in Teil 2 von Hirschhausen und das große Vergessen in der ARD-Mediathek.
43:26Ich begleite eine Patientin, die als eine der ersten in Deutschland das neue Alzheimer-Medikament bekommt.
43:32Ich glaube, Alzheimer-Patienten, die hoffen alle auf dieses Medikament.
43:38Ich zeige noch mehr spannende Forschung. Kann Disco-Licht das Hirn verjüngen?
43:43Wie gehen junge Menschen mit Demenz um?
43:48Werd ich 5 Kilo Bauchfett los? Und ich fordere mich selbst heraus. Kann ich Tischtennis spielen lernen mit der linken
43:56Hand?
43:57Und was hilft noch auf dem Weg zum Superager?
44:03WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR
44:05WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR
44:12WDR mediagroup GmbH im Auftrag des WDR
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