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00:00:00I got so home we got back in Kufürstendam.
00:00:06I got so home we got back in Berlin.
00:00:12Da schlug das Herz vom West Berlin.
00:00:15Da traf man auch alle.
00:00:17Ganz egal, wo man hingeged.
00:00:20Straße der Eleganz, der Erotik und der Lebensfreude.
00:00:24Der Kufürstendam.
00:00:26Wie sah es hier einmal aus?
00:00:28Für mich war Kudamm immer, sich schön zu machen.
00:00:31Wir gehen dahin, wo es elegant ist und wo es schick ist.
00:00:35Der Kudamm ist durchgehend geöffnet.
00:00:38Hier ist immer was los.
00:00:40Da ist man abends rumgelaufen, weil man ins Theater ging
00:00:44oder weil man tanzen gehen wollte,
00:00:46in entsprechender Ausstattung und Outfit.
00:00:50Torte und Eisbecher im Café Kranzler.
00:00:53Spektakuläre Stacks am Europacenter.
00:00:56Für mich als Kind war das so was wie der Duft der großen, weiten Welt.
00:01:00Da sah man Dinge, die sah man sonst nicht.
00:01:03Wie sah Berlin einmal aus?
00:01:05Wie fühlte sich die Stadt an?
00:01:07Wir sind unterwegs auf dem Kufürstendamm.
00:01:09Die 60er, 70er und 80er Jahre auf West-Berlins schönstem Boulevard.
00:01:22In der ummauerten Stadt ist der Kudamm für viele ein Stück weite Welt.
00:01:26Berühmt für seine Bars und sein ausschweifendes Nachtleben.
00:01:36Das Ohr am Puls des nächtlichen Berlin haben vor allem die Taxifahrer.
00:01:41Sie wissen, wo das Leben tobt und die Nachtschwärmer abschlafen.
00:01:45Die Vermittlung hat in der Sübelstraße ihren Sitz.
00:01:48Die Nachtschicht hat gut zu tun.
00:01:51Bleiben Sie dran und legen nicht auf, ja?
00:01:53Nur Sie wissen nur, dass das Taxi nicht reinfahren kann in die Minisity.
00:01:56Das ist Ihnen ja wohl klar.
00:02:03Am Taxihalteplatz warten um diese Zeit auch schon andere Kollegen auf Fahrgäste.
00:02:08In West-Berlin gibt es sechsmal so viele Taxen wie in Ost-Berlin.
00:02:11Und entsprechend groß ist die Konkurrenz.
00:02:14West-Berlins Taxifahrer sind berühmt für ihre Berliner Schnauze und ihren Humor.
00:02:21Eberhard Bendig deckt sich vorsorglich mit Zigaretten und Lektüre ein.
00:02:25Wer weiß, wie lange es dauert, bis ein Kunde kommt.
00:02:42Hier laufen aber doch jede Menge Touristen rum, Herr Bendig.
00:02:45Bringen die denn nichts?
00:02:46Also mit den Touristen ist das so eine Sache.
00:02:48Wir haben da so eine Redewendung.
00:02:51Die Touristen, die treten sich hier im Grunde genommen nur die Kuhkacke vor die Bene.
00:02:55Das, was das Geld bringt, sind also Geschäftsleute, die vom Flughafen zum Hotel, vom Hotel zum Kongresszentrum
00:03:02oder zu Firmen, die sie hier besuchen und wieder zurück zum Flughafen.
00:03:05Das ist das, was unser Geschäft belebt.
00:03:09Es gab ja eine ganz, ganz, ganz besondere Spezie hier in Berlin.
00:03:15Und das waren die Taxifahrer.
00:03:17Die sind für uns Reklame gefahren.
00:03:20Die haben wir einfach eingeladen und die kamen gern und die haben sich auch ehrlich amüsiert.
00:03:25Sie sind in Ordnung?
00:03:27Ich bin in Ordnung.
00:03:28Sagen wir du zu.
00:03:28Ja, wie heißt du?
00:03:30Ich heiße Wolfgang.
00:03:31Wolfgang, angenehm.
00:03:36Dreieinhalb Kilometer ist der Kudamm lang.
00:03:39Am Rathenauplatz, an seinem oberen Ende, ist er ziemlich gewöhnlich.
00:03:44Viel Verkehr.
00:03:46Die Stadtautobahn um die Ecke.
00:03:57Die Badewiese am Halensee ist gut besucht.
00:04:01Im Halensee ist das Baden auch ohne Badewusse erlaubt.
00:04:06Als so Halbitaliener, ich habe gerne was an, wenn ich schwimmen gehe.
00:04:09Und ich muss auch nicht immer alles sehen.
00:04:12Für viele ist das Nacktbaden ein Zeichen für Freiheit und Toleranz.
00:04:18Doch manche fühlen sich gestört.
00:04:21Die Stadtrundfachten, die halten hier.
00:04:24Wir sind eine Sehenswürdigkeit geworden hier an dieser Stelle.
00:04:27Und Fremde, die in die Stadt hineinkommen, fragen, was ist das hier für ein Schandfleck.
00:04:32Weiter kann ich nichts sagen.
00:04:34Also ich kann nur sagen, dass ich sowohl mit Berlinern als auch mit westdeutschen Gästen
00:04:37nie negative Erfahrungen gemacht habe.
00:04:40Dass im Gegenteil, dass immer so verstanden wurde, dass Berlin eine weltoffene Stadt ist
00:04:45und dass es begrüßt wurde.
00:04:47West-Berlin, sagen viele, ist eine Insel, wo man sein kann, wie man will.
00:04:52Der Kudamm, wie er einmal war.
00:05:06Wasserwerfer, heftige Straßenkämpfe, viel Polizei.
00:05:10Der Kudamm ist Mitte der 60er Jahre bevorzugte Demonstrationsroute der Studentenbewegung.
00:05:20Rudi Dutschke ist das bekannteste Gesicht des Protestes.
00:05:24Mit dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund, der am Kudamm seinen Sitz hat, organisiert er die Demonstrationen.
00:05:30Mit Provokationen können wir uns einen öffentlichen Raum schaffen, in den hinein wir unsere Ideen,
00:05:38unsere Wünsche und unsere Bedürfnisse hineinlegen können.
00:05:41Ohne Provokationen werden wir überhaupt nicht wahrgenommen.
00:05:44Darum sind die Provokationen unerlässliche Voraussetzungen für die Öffentlichkeitsarbeit.
00:05:51Unsere Organisation hat seit langer Zeit in einem alten Haus eine Etage gemietet, wo wir unsere politischen Veranstaltungen durchführen.
00:06:00Dort wohnen wir, andere Mitglieder und Sympathisanten des SDS.
00:06:05Ich lebe mit Gretchen Klotz, einer Amerikanerin, zusammen. Verheiratet sind wir auch.
00:06:10Das hat ja Generationen im Prinzip bewegt. Und das ist ja auch, also Dutschke für Berlin ist im Prinzip sowas
00:06:18wie, lehnt euch auf, macht was, tut was.
00:06:22Und daraus hat sich, glaube ich, ganz viel auch entwickelt.
00:06:25Der Protest gegen Altnazis an den Hochschulen, gegen den Vietnamkrieg, gegen Geschichtsverdrängung.
00:06:31Viele vergessen, der Zweite Weltkrieg war etwas über 20 Jahre her und die Menschen wurden ja nicht ausgetauscht.
00:06:36Und wenn du früher unter Nazis gelitten hast, dann waren die ja immer noch da, auch wenn die sich dann
00:06:41irgendwie anders nannten oder so.
00:06:43Und ich kann die Wut schon verstehen.
00:06:51Rudi Dutschke ist das Hassobjekt der Konservativen.
00:06:56Macht hat ein Springer, Macht hat ein Konzern.
00:06:59In dem Augenblick, wo Arbeiterkontrolle über die Fabriken stattfindet, Selbstverwaltung der Produzenten über ihre Produkte.
00:07:06Kontrolle der Bürokratie durch die Menschen, die in der Verwaltung arbeiten.
00:07:10In dem Augenblick verschwindet das Problem der Macht.
00:07:14Am Gründonnerstag 1968 wird Rudi Dutschke am Kurfürstendamm in der Nähe des SDS-Büros niedergeschossen.
00:07:22Drei Schüsse treffen ihn. In den Kopf, in die Wange, in die Schulter.
00:07:26Er überlebt, schwer verletzt.
00:07:29Wie man heute weiß, hatte der Täter Verbindungen in die rechtsextreme Szene.
00:07:34Furchtbar, grauenvoll. Wir waren entsetzt. Das war eine Katastrophe.
00:07:38Er war eine Leuchtfigur. Wir haben ihn alle geliebt. Er war toll.
00:07:41Und die Reden hört man ja heute noch gerne. Also, wir waren entsetzt damals.
00:07:47Zehn Jahre nach dem Attentat stirbt Rudi Dutschke an den Spätfolgen.
00:07:57Weiter dem Kudamm entlang.
00:08:03Ich hatte ein Kinderzimmer mit Blick auf Kudamm.
00:08:07Und das war damals nicht so glamourös wie heute, muss ich ganz ehrlich sagen.
00:08:11Ich war mir da gar keiner Besonderheit bewusst, aber das war natürlich schon ziemlich cool, ehrlich gesagt.
00:08:15Und zwar haben wir gewohnt Johann-Georg-Straße, Ecke Kurfürstendamm.
00:08:18Und ich glaube, daran liegt das auch, dass ich nach wie vor total gerne an Fenstern sitze und Leute beobachte.
00:08:24New York hat seinen Broadway. Paris seine Champs-Élysées. Berlin hat seinen Kudamm.
00:08:31Zu gucken gibt es immer was.
00:08:37Ins neue Bistro am Leniner Platz darf man sogar mit Rollschulen.
00:08:42Rock'n'Roll zum Ausrasten. Und die Burger irre.
00:08:49Die Milchshakes. Wahnsinn, sagen die Kids.
00:08:53Also hier trifft sich auch alle, die ganzen jungen Leute und so, die hier in der City verkehren, die treffen
00:08:58sich hier.
00:08:59Die ganzen und hübsche Bräute. Das ist natürlich sehr wichtig.
00:09:03So witzig. Ich glaube, das hat auch nur ein paar Jahre gehalten.
00:09:06Aber es war so ein bisschen Amerika in Berlin und auch von der Atmosphäre her einfach cool.
00:09:13Der Mendelssohn-Bau am Leniner Platz ist Anfang der 70er vom Abriss bedroht.
00:09:19Was soll werden?
00:09:21Für 81 Millionen D-Mark wird umgebaut.
00:09:24Die Schaubühne zieht ein.
00:09:27Ich liebe dieses Gebäude. Das ist so leicht. Wenn man da reinkommt, dann ist es schon so freundlich.
00:09:34Und durch diese Glasfenster, man kann da rausgucken auf den Platz oder im Sommer kann man draußen sitzen.
00:09:42Und die Bühnenmöglichkeiten, die sind auch sehr unterschiedlich.
00:09:47Also man kann die Räume total verändern.
00:09:50Wie aus dem Grab und geht wie Geister, damit ihr diesem grauen Recht begegnet.
00:10:00Ich glaube, Deutschlands Kulturlandschaft wäre komplett anders, wäre die Schaubühne nie an Kudamm gezogen.
00:10:08Nur dadurch gab es diesen lässigen Mix aus Provokation, großer Kunst, Großstadt und Stumpfsinn.
00:10:14Alles war da. Das war großartig.
00:10:18Abends hat der Kudamm für viele eine besondere Anziehungskraft.
00:10:23Vergnügungssüchtige Massen strömen über den Boulevard.
00:10:271983 öffnet am Leniner Platz die Backwandiskothek Far Out.
00:10:32Guten Abend, wie zu gestern. Herzlich willkommen in Far Out.
00:10:36Wolfgang ist seit sieben Jahren Anhänger Backwans. Einer von 50.000 in Deutschland.
00:10:42Angefangen hat es in Puna mit freier Liebe, Meditation und der Suche nach dem eigenen Ich.
00:10:47Heute sind die Sanyassin als Mitglieder eines expandierenden Unternehmens vor allem auf der Suche nach irdischem Reichtum.
00:10:53Ihre Arbeit in Diskotheken wie dem Berliner Far Out, in Restaurants, Boutiquen und Geschäften bringt Millionen Gewinne zur Finanzierung des
00:11:00religiösen Zentrums.
00:11:01Im Far Out war ich auch ab und zu mal.
00:11:04Und da habe ich gedacht, Kinders, ihr seid mir hier jetzt ein bisschen zu irre, weil da fehlte mir dann
00:11:09wieder die Eleganz.
00:11:10Weil ich habe gerne das Wilde mit der Eleganz.
00:11:13Man konnte da so richtig schön tanzen, discomäßig. Und bis morgens um, ja.
00:11:18Und der Witz am Fahrout, da gab es morgens Kaffee.
00:11:20Natürlich waren da auch etliche Leute an Personal, aber auch auf der Tanzfläche mit diesen üblich verdächtigen Holzperlen, Kettchen und
00:11:28Gedöns und so Buttons, wo das Gesicht vom Backbarn drauf war.
00:11:32Und ja, aber da war ja jetzt nicht so ein Bekehrungstourismus oder so.
00:11:40Am Adenauerplatz werden die Spuren der Nacht beseitigt.
00:11:51Eine kleine, dreieckige Fläche. Der Adenauerplatz ist nicht die schönste Ecke am Kudamm.
00:12:00Der Brunnen in der Mitte, selten genug, dass er überhaupt im Betrieb ist, wirkt ebenso als Verlegenheitslösung wie die Sitzmöglichkeiten
00:12:08vor trostloser Supermarktkulisse.
00:12:12Der Adenauerplatz, über den habe ich mich immer ein bisschen lustig gemacht und habe das auch gerne auf meinen Rundfahrten
00:12:17erzählt.
00:12:18Weil ursprünglich sollte ja der Kaiserdamm umbenannt werden nach Adenauer, Konrad Adenauer.
00:12:23Und die Berliner, die Westberliner sind sehr verärgert über Konrad Adenauer, denn der hat es nicht für nötig befunden, nach
00:12:29Berlin zu kommen, als die Mauer gebaut wurde.
00:12:33Als Adenauer 1967 stirbt, wird der Kaiserdamm in Adenauerdamm umbenannt.
00:12:39Doch die Berliner sind dagegen. Über 150 Eingaben gehen im Bezirksamt ein.
00:12:45Und so haben die Berliner protestiert, dass nichts umbenannt, schon gar nicht der traditionsreiche Kaiserdamm, sollte nichts nach ihm umbenannt
00:12:53werden.
00:12:53Und dann sah sich der Senat genötigt, ihm einen Platz zu widmen, einen Platz sozusagen zu bauen.
00:12:59Im Mai 1974 bekommt Adenauer seinen Platz, hier am Kudamm.
00:13:09Kurfürstendamm, gegen 21 Uhr. Jeden Abend um diese Zeit beginnt hier die Nachtrundfahrt.
00:13:15Für 63 Mark organisiertes Vergnügen, drei Getränke inklusiv.
00:13:19Ein 150 Jahre alter Name steht allerdings hier zuerst seit etwa 18 Jahren.
00:13:25Ja, es gab damals auch eine Nachtclub-Tour. Die habe aber nicht ich durchgeführt. Das war ein bestimmter Kollege, der
00:13:31hat diese Nachtclub-Tour gemacht.
00:13:32Nun fahren wir quer durch die Stadt zurück zum Kurfürstendamm, zu dem New Eden Saloon.
00:13:37And now we go back to the City Center, to the New Eden Saloon.
00:13:41Der Chef will die Show selber leiten. Das ist das, was er mir gestern Abend gesagt hat.
00:13:45Aber sie werden nicht nur Sex sehen, sondern auch Kulturfilme.
00:13:50Das New Eden verspricht das, was Touristen vom Kurfürstendamm erwarten. Nackte Brüste und wilde Partys.
00:13:59Die hatten eine ganz tolle Show eigentlich. Also die hatten da auch ganz tolle. Einer hieß Carol Cabouchard.
00:14:06Der trat als Frau auf mit riesigen Silikonbrüsten und am Schluss ganz schnell einmal irgendwie Kleid auf und hatte dann
00:14:12noch einen Penis.
00:14:13Und das war dann damals ganz aufregend.
00:14:19Miss Nasses T-Shirt, Miss Popo. Die Bars und Clubs von Rolf Eden prägen die Westberliner Amüsier- und Ausgehkultur.
00:14:30Ich meine, wer tanzt in Berlin rum und kennt Rolf Eden nicht?
00:14:35Also Leute, die viel ausgehen, glaube ich eh, weil der hat ja ungefähr gefühlt, 90 Prozent aller Clubs in Berlin
00:14:40hatten irgendwas mit Eden im Namen und das nicht ohne Grund.
00:14:44Sechs Clubs am Kudamm gehören Rolf Eden. Der Geschäftsmann kennt Unter- und Oberwelt ganz gut.
00:14:53Sein Big Eden lockt mit dem Motto, was sollen wir reden, gehen wir ins Eden.
00:14:58Warum gehen Sie ausgerechnet hierher?
00:15:00Fahnen auf die Gabel.
00:15:02Ich war in anderen Diskotheken und die haben mir nicht zugesagt, absolut nicht.
00:15:05Freier Eindruck für Mädchen.
00:15:07Unter 18 nach Hause, zum Mutti, zum Papa oder zum Freund. Uns ist das ganz egal. Alle nach Hause, unter
00:15:1318. Und hier sind wir mal die Contation.
00:15:15Eden ist Herr über 70 Beschäftigte und setzt 5 Millionen Mark pro Jahr um.
00:15:19Er ist stolz auf seinen gastronomischen Titel stellvertretender Fachspartenleiter für Ballhäuser und Nachtbetriebe in Berlin.
00:15:32Eden hat Ideen ohne Ende. Er macht den Kudamm attraktiv für Nachtschwärmer und westdeutsche Spießer.
00:15:46Er war ein Kulturmensch und er konnte super Klavier spielen. Er konnte wundern, wenn er sich in seiner Wohnung ans
00:15:54Klavier setzte und da uns mal, wenn wir mal bei ihm waren, er hat was vorgespielt.
00:15:58Das war phänomenal. Er war Richard Jasper, der war ganz toll. Und er war einfach von einem Charme beseelt. Man
00:16:05konnte sich in ihn verlieben.
00:16:10Nach Portiers, Ganoven, Kellner, Fremde bummeln ohne Ziel. Während sie noch Runden drehen, da müssen andere zur Arbeit gehen.
00:16:23Keiner weiß recht, was er will. Alle haben so ein Gefühl. Irgendwo ist immer noch was offen in Berlin.
00:16:32Irgendwo ist das unübertroffen in Berlin. Irgendwo wird immer noch gesoffen in Berlin. Es kann auch mitten in der Nacht
00:16:40sein. Irgendwo ist immer was zu machen in Berlin.
00:16:44Um die Ecke am Adenauerplatz das Studiokino.
00:16:49So spät spielt kein anderes Kino in Deutschland. Zwischen der letzten und der ersten U-Bahn laufen noch zwei Filme.
00:16:56Von der Disco ins Kino und dann zum Frühstück. Oder wieder zurück in die Disco.
00:17:01Pause von der Action mit reichlich Süßigkeiten, einem Gratis-Café und etwas Halbschlaf im Dunkel.
00:17:08Da verirren sich auch mal ein paar Herren, die sicher sind, dass um diese Zeit nur noch Pornofilme laufen und
00:17:14verlassen verstört nach ein paar Minuten das Kino.
00:17:19Berlin durchgehend geöffnet. Mit diesem Slogan lockt West-Berlin-Touristen an.
00:17:25Der Kuhdamm hat einen verbotenen Reiz. Großzügiger und rauer ist das Leben hier. Anders als in der anständigen Kleinstadt.
00:17:36Sperrstunde? Was ist das?
00:17:41Currywurst-Station am Kurfürstendamm nach Mitternacht. Die Currywurst ist hier bekanntermaßen eine der populärsten Spezialitäten der Stadt.
00:17:50Kaum einer, der nicht seiner sehr entschiedenen Meinung über sie hätte. Zwischen Suchtverhalten und sich schüttelnder Ablehnung wogt der Streit
00:17:58hin und her.
00:17:59Ein Berliner ohne Currywurst geht ja eigentlich gar nicht. Man wächst ja mit auf.
00:18:03Das fand ich auch immer ganz toll, vor allen Dingen, wenn die so in Soße fast ertrunken ist.
00:18:08Ich mochte die Soße nicht und das fanden alle ganz abartig, weil ich immer gesagt habe, ja, aber nur die
00:18:15Wurst bitte, nichts dazu.
00:18:17Und die haben natürlich gesagt, wir machen die Soßen selber und das sind die Besten und so.
00:18:23Kuhdamm 185. Der kleine Currywurstladen ist Treffpunkt für Nachbarn, Schauspielerinnen, Müllmänner.
00:18:31Da traf man alle. Da kamen nachts die Leute und man rauchte, man trank Champagner, man aß eine Currywurst.
00:18:43Und wenn du dieses Ding vor dir hattest und hast diesen Dampf in die Nase gekriegt, dann wusstest du, wo
00:18:48der liebe Gott wohnt.
00:18:49Aber es waren alle gleich. Es gab diesen Unterschied nicht. Und ich glaube, das ist das, was Berlin so ausmachte.
00:18:58Westberlin ist eine Insel. Zu allen Seiten hin ist Osten.
00:19:06In den Nebenstraßen des Kuhdammes leben junge Leute, viele Kreative, Alteingesessene.
00:19:16Ein gutbürgerliches Quartier.
00:19:23Das ist für mich so ein bisschen Klein-Paris. Bleibtreustraße, Schlüterstraße, Momsenstraße.
00:19:28Das hat auch noch so seinen Charme bewahrt bis in die heutige Zeit. Das war immer schon gut.
00:19:34Da gab es tolle Läden, da gab es tolle Kinos, da gab es tolle Kneipen. Und da waren, also in
00:19:39diesen Pizzerien da, da war das eigentliche Leben.
00:19:46Kneipen und Cafés haben als Orte der Begegnung bei der Entstehung des Viertels eine besondere Rolle gespielt.
00:19:54Es gibt im Viertel nicht weniger als 177 Kneipen.
00:19:59Die neuen Kneipen jedoch wurden im Unterschied zu den alten fast ausnahmslos von Leuten gemacht,
00:20:04die nicht aus der Gastronomie, sondern aus völlig anderen Berufen kamen.
00:20:07Und sie wurden für Leute gemacht, die nicht nur Bier und Buletten, sondern neue Begegnungsformen suchten.
00:20:15Eine der eigenartigsten, das Achwach. Achwach ist griechisch und heißt so viel wie Owe.
00:20:22Achwach, ja. Da habe ich mal Roland Emmerich kennengelernt.
00:20:27Ich dachte, ich weiß nicht, was ich mit ihm reden soll.
00:20:31So ganz doof. Und es war so eine ganz komische, beklemmende Situation.
00:20:37Da saß ich dann mit dem und das war's dann.
00:20:42Nein, ich bin nicht nach Hollywood gegangen.
00:20:47Die alten Straßenzüge sind noch gut erhalten.
00:20:50Geschäfte oft, wie die Drogerie rechts an der Ecke, seit 60 Jahren an der gleichen Stelle.
00:20:55Die Zentren anderer Großstädte sind durch ihre rein gewerbliche Nutzung am Tag belebt, am Abend tot.
00:21:02In Berlin aber, durch das Fehlen des ökonomischen Druckes, konnte sich in der besten Lage ein städtisches Leben,
00:21:08eine Funktionsgliederung entwickeln, von der Planer und Soziologen nur träumen können.
00:21:15In der Bleibtreu-Straße gab es so viele kleine Boutiquen.
00:21:18Zum Beispiel eine, da ragte so ein riesen Baumstamm raus.
00:21:21Also das war total toll.
00:21:22Da waren halt so ganz individuelle Läden und das hat mir sehr gefallen.
00:21:26Also das fand ich auch sehr schön.
00:21:28Kaufhaus Schrill ist doch, glaube ich, auch da gewesen irgendwo.
00:21:31Da habe ich irre viel Zeug gekauft.
00:21:33Also Strass gab es da ja immer in allen Darreichungsformen wichtig.
00:21:38Und wilde Ohrringe und so, ja, keine Ahnung.
00:21:42Die hatten immer total bescheuerte Krawatten, das weiß ich noch.
00:21:45Also zum Angucken fand ich die echt lustig.
00:21:47Ich habe mich aber damals schon mal gefragt, wer trägt sowas.
00:21:50Boutiquen, Galerien, Antiquariate.
00:21:54In jeder Seitenstraße gibt es etwas.
00:21:57In der Wielandstraße 31 hat Eva Milotzki ihren kleinen Laden.
00:22:02Ende der 70er besucht das Fernsehen, den Tante-Emma-Laden am Weltboulevard.
00:22:07Das kostet 10 Pfennig, nicht mehr.
00:22:09Ja, das kostet 25 Pfennig.
00:22:11Nein, 10.
00:22:12Nein, das kostet hier 10, guck mal.
00:22:14Oder hier der Bazooka kostet 10 Pfennig.
00:22:17Haben Sie ein Wassereis da?
00:22:20Äh, ja, Wassereis habe ich auch.
00:22:22Oder hier eine Brause für 10 Pfennig.
00:22:24Nein, nein, nicht ein Wassereis.
00:22:25Du bist ein Wassereis.
00:22:27So, Augenwidmer.
00:22:29Eva Milotzki ist bekannt für ihre klaren Ansagen.
00:22:33Am Montag habe ich denen fast immer den gleichen Ärger,
00:22:36dass die Milch angesäuert ist.
00:22:39Ja, was heißt, wir kriegen ja keinen Umsatz mehr ab 1.6.
00:22:42Sonst konnten wir es immer noch vorher rausstellen.
00:22:44Aber jetzt ist es ja vorbei.
00:22:46Es gibt, was man so braucht.
00:22:49Ich muss den Überblick im Geschäft behalten.
00:22:52Es muss ein reichhaltiges Angebot sein.
00:22:56Denn wir Kleinen haben es ja schwer, zwischen den Großen zu bestehen.
00:23:00Ich bin 14 Stunden von zu Hause weg.
00:23:02Viel vom Leben habe ich nicht.
00:23:04Und mein Mann hat auch nicht viel von mir.
00:23:07Zum Glück macht mein Mann abends sehr viel im Haushalt.
00:23:11Jetzt bin ich abends geschafft, wenn ich rüberkomme.
00:23:15Ich könnte mir das Leben ohne das Geschäft gar nicht mehr vorstellen.
00:23:211988 schließt Frau Milotzki ihren Tante-Emma-Laden am Weltboulevard.
00:23:25Fast 40 Jahre hat sie durchgehalten.
00:23:28Der Kudamm ist West-Berlins Vorzeigestraße.
00:23:32Schaufenster des Westens nennen ihn viele.
00:23:45Wir sind in der Pestalozzi-Straße.
00:23:48Das Istanbul ist das älteste türkische Restaurant Berlins.
00:24:15Die junge Berlinerin hat gerade ihr Studium geschmissen.
00:24:22Dann habe ich eine Anzeige gelesen für orientalische Tanzschule, Partnerin gesucht.
00:24:27Keine Erfahrung notwendig, das bin ich.
00:24:31Dann bin ich da hin und dann habe ich gedacht, na ist ja am Kudamm, gehst du mal hin.
00:24:35Dann habe ich geklingelt, Tür geht auf, steht ein stockschwuler Mann von mir.
00:24:38Und ich dachte, Gott sei Dank.
00:24:39Und das war ein ganz netter, lieber Mensch.
00:24:43Der hieß Önder Tama, der war Tänzer und konnte als Türke alleine nicht auftreten,
00:24:48weil die türkische Gemeinde ihn nicht so akzeptiert hat alleine.
00:24:52Und dann hat er sich gedacht, naja, dann mit einer Partnerin.
00:24:54Und dann hat er gesagt, ich gebe dir Unterricht.
00:25:03Können wir mal irgendwie besprechen, was wir für Musik machen?
00:25:07Ja.
00:25:12Was Schnelles zum Reinkommen?
00:25:14Was Schnelles?
00:25:16Zum Reinkommen vielleicht der Azizung oder ohne Moment auf.
00:25:20Was Schnelles zum Reinkommen?
00:25:23Normal so Azizung.
00:25:24Azizung.
00:25:25Das ist der.
00:25:26Ja, Azizung.
00:25:27Da, da, da, da, da.
00:25:29Okay, danach?
00:25:30Gut.
00:25:31Danach, was Langsames, wird sich den rosa Schleier weg haben.
00:25:40Ihre Auftritte sind legendär.
00:25:46Die Frauen waren ganz süß, die haben mich immer gekniffen, haben gesagt, Fistik, das heißt Nüsschen.
00:25:51Also wenn irgendwie so man, wenn jemand so jung ist und so schöne Haut hat, möchte man den ja irgendwie
00:25:56kneifen.
00:25:57Das geht einem ja oft so.
00:25:58Und die waren ganz süß.
00:26:01Das Publikum zeigt seine Zuneigung mit 10 oder 20 Markscheinen.
00:26:08Also ich mochte nicht so gerne ein tanzendes Sparschwein sein.
00:26:13Das gehörte aber dazu.
00:26:14Also das abzulehnen wäre auch eine Beleidigung gewesen von jemandem, der es ja gut meint, der es eigentlich nett meint.
00:26:21Ab und zu war mal jemand bei, der meinte es nicht ganz so nett und wollte einem an die Wäsche,
00:26:25aber ich meine, ich kann mich schon wehren.
00:26:30Beate Zeibler tanzt freitags und samstags in den Lokalen der City West.
00:26:36Dann geht's nach Hause, nach Steglitz.
00:26:43Der Kudamm in den 60er, 70er und 80er Jahren.
00:26:4810 Uhr. Abfahrt der Busse vom Kudamm.
00:26:54Guten Tag meine Damen und Herren.
00:26:56Bevor es jetzt also endgültig losgeht, möchte ich mich jetzt erstmal vorstellen.
00:26:59Also Ihre Frempführerin hier für Berlin-West.
00:27:01Mein Name ist Gisela Rosemann.
00:27:03Damals in den 80er Jahren gingen alle Stadtrundfahrten dort los.
00:27:07Es gab mehrere Firmen.
00:27:09Severin & Kühn, Berolina, BVB.
00:27:11Das waren die drei großen Firmen und jeweils eine Ecke voneinander entfernt.
00:27:17Das geht hier dann also gleich los auf dem Kurfürstendamm, hier an der Kreuzung Joachimsthaler Straße.
00:27:24Sind wir jetzt angelangt?
00:27:25Ich habe in Frankfurt gewohnt, ich habe in Kiel gewohnt und bin dann 1981 nach Berlin gekommen.
00:27:33Ich habe erstmal geguckt, was könnte ich machen mit Menschensprachen und bin dann bei der Berliner Stadtrundfahrt,
00:27:39Severin & Kühn gelandet und die haben erstmal gesagt, wir brauchen niemanden.
00:27:43Und ich habe gesagt, ich kann aber Spanisch, ich kann Englisch und habe mir gesagt, Spanisch?
00:27:46Oh, wir brauchen dringend jemanden. Sofort eingestellt.
00:27:49So, und das war der Beginn meiner Laufbahn als Stadtführerin, 1984.
00:28:04Die Stadtrundfahrten dauern zwei, drei Stunden. Schöneberg, Kreuzberg, Potsdamer Platz. Dann geht's wieder zurück zum Kuhdamm.
00:28:15Es war immer sehr anstrengend. Dann kam ich zurück, kurz hoch, Toilette, dann nächste Abfertigung und dann die nächste Stadtrundfahrt.
00:28:22Also das heißt, ich hatte den ganzen Tag nichts zu essen, kaum was getrunken und dann bin ich abends halt
00:28:27mit Kollegen gerne in diesen Burger King gegangen.
00:28:30Damals war ich noch nicht so viel gesundes Essen wie heute.
00:28:34Mitte der 70er zieht amerikanisches Fastfood auf den Kuhdamm. Eine Schnellgaststätte mit Selbstbedienungsbetrieb wird genehmigt, inklusive gläsernen Vorbau.
00:28:47Einige Markisenbrände in den Jahren zuvor und dadurch verstärkte Brandschutzbestimmungen führten zu diesen neuen, stabilen Vorbauten.
00:28:53Ein Kontakt zwischen drinnen und draußen, zwischen Kaffeehaus und Boulevard ist nicht mehr möglich.
00:28:59Eine wirklich gesellschaftsfeindliche, also boulevardfeindliche Architektur, die der Idee eines Vorgartencafés völlig auf ihren Kopf stellt.
00:29:08Was die Kritiker erzürnt, stört die meisten jungen Leute nicht im Geringsten. Der Burger schmeckt.
00:29:22Burger King ist neu, aufregend und günstig.
00:29:29Der Clou des Ganzen, ein Wopper. Mit echtem Rindhackfleisch, dazu Salat, Jurkige, Würze, Ketchup und Käse.
00:29:38Das obligate pappige Brötchen verschönt die Kost. Und den Pappteller gibt's immer gratis.
00:29:44Alles in allem, mit kaum 5 Mark ist man dabei.
00:29:47Als erstes kannte ich das McDonalds in der Clayhalle.
00:29:515 Mark, 5 Mark, jetzt bitte.
00:29:54Und dann kam der Burger King an Kudamm. Es war was Besonderes, auch ein Treffpunkt für viele junge Leute.
00:30:02Ich war einmal da drin, weil Freunde da rein wollten. Und ich hab dann einen Burger ohne Fleisch bestellt.
00:30:09Also einfach nur alles, nur nicht das Fleisch. Und dann ist der Koch aus der Küche gekommen, der wollte die
00:30:13Person sehen, die hier einen Burger ohne Burger bestellt.
00:30:17Aber ich hab's gekriegt. Da waren dann nur Salatblätter, ein bisschen Mayonnaise drin. Ich hab's gekriegt.
00:30:23Der Kudamm. Für ihn ist er ein Zuhause. Bernhard nennt sich König der Kloschars. 1977 begleitet ihn das Fernsehen.
00:30:36Und in den Müllkasten, da schmeißen die Schulkinder ihre Stullen rein.
00:30:41Einer fragt, sag mal Bernhard, wie alt bist du denn?
00:30:43In vier Wochen werde ich 110, die Antwort. Und kannst du ausrechnen. Gefangenschaft, Wehrmacht.
00:30:49Dann kommen zwei Jahre 17. Juni. Das zählt alles doppelt. Sein Lieblingsdichter ist Theodor Storm.
00:30:55Und er zitiert, hüte deine Seele vor dem Karrieremachen.
00:31:01Um etwas zu der beschissenen Rente zuzuverdienen, besorgt er sich nachts ab zwei Zeitungen.
00:31:05Und die verkauft er dann links und rechts am Kudamm.
00:31:09Wenn es regnet, fährt er mit der U-Bahn. Dreimal die Strecke Ruhleben-Schlesisches Tor, bis der Regen vorüber ist.
00:31:17Luxus und Armut. Alltag auf dem reichen Boulevard.
00:31:21Was tun Sie denn so im Allgemeinen?
00:31:23Was zu essen? Ich habe kein Geld.
00:31:25Findet man denn was zu essen?
00:31:28Manchmal ja. Manchmal muss man auch weiter rumlaufen.
00:31:30Was ist denn das denn?
00:31:32Kuchen oder Brot.
00:31:34Schmeißen die Leute so weg? Sollte ganze Kuchen oder was?
00:31:37Manchmal finden sie sogar eine ganze Stolle.
00:31:40Gibt es denn gute Straßen oder schlechte Straßen?
00:31:44Ja, das ist nur ... Morgens ist ja am besten.
00:31:49Warum morgens?
00:31:50Ja, nachmittags laufen zu viele. Morgens früh. Um vier.
00:31:55Dann können sie auch manchmal geschnappt werden, dann hauen sie mit ihnen ab.
00:32:00Und hier in der Straße gibt es natürlich besonders viele?
00:32:03Ja, hier in Kudamm ist mit dem Weißen und Neukölln.
00:32:07Neukölln?
00:32:08Und Tempelhof. Die Dreie.
00:32:15Wurden Sie euch schon mal beschimpft von Passanten?
00:32:18Ja, die wollten wir schon angreifen.
00:32:20Ja?
00:32:20Da habe ich gesagt, die sollen sie sich vorsehen.
00:32:22Ein paar Meter weiter am frühen Abend.
00:32:3416 ständig und ca. 20 nicht ständig spielende Sprechbühnen machen Berlin zur deutschen Theaterstadt schlechthin.
00:32:42Am Boulevard bestehen seit den 20er Jahren zwei Theater.
00:32:46Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften meines bemerkenswerten Mannes ist die Fähigkeit, sich mit absoluter Klarheit unklar auszudrücken.
00:32:54Sophie, das ist erschütternd!
00:32:56Brigitte Grothum und Günter Pfitzmann. Am Kudamm spielen die Stars des Boulevards.
00:33:02Es war Theater für die Menschen. Es war nicht ein kopfiges Regie-Theater oder irgend so. Man hat Theater für
00:33:10die Leute gemacht.
00:33:13Lustspiele fürs Volk. Wer an den Kudamm kommt, soll sich vergnügen. Familie Wölfer engagiert große Namen.
00:33:23Das war meine künstlerische Heimat. Und ich habe alle drei Intendanten, alle Generationen persönlich kennengelernt und unter ihnen gespielt.
00:33:33Hans Wölfer der Erste damals mit Herrn Sanden zusammen war mein erster Intendant in den 60er Jahren.
00:33:41Das Haus ist plüschige Gemütlichkeit.
00:33:45Das hatte irgendeine Faszination, also auf mich als Kind. Wenn man in ein Theater geht, dann ist da irgendwie ein
00:33:51Zauber. So ganz anders als in allen anderen Berufen.
00:33:55Und den wahrscheinlich als Kind habe ich immer gemocht und geliebt.
00:33:58Ja, und die Schauspieler sind bereit und schon sozusagen auf dem Weg zur Bühne.
00:34:03Vielleicht kann ich noch ganz schnell eine letzte Frage. Sie haben tausendmal auf der Bühne gestanden vor der Kamera. Haben
00:34:07Sie eigentlich Lampenfieber?
00:34:08Ja, also vor Premieren ist es entsetzlich, aber jetzt nicht.
00:34:12120 Mal haben wir es heute, da haben wir keinen Lampen mehr. Ich jedenfalls nicht.
00:34:16Gut, also dann toi toi toi für die 120. Es heißt also in wenigen Minuten zum 120. Mal in der
00:34:24Komödie nächstes Jahr gleiche Zeit.
00:34:26Man darf nicht vergessen, das Kudamm-Theater hat viele Künstler deutschlandweit bekannt gemacht.
00:34:36Und unter Jürgen kamen doch dann die ganzen Stücke zur Hauptsendezeit überhaupt ins Fernsehen.
00:34:41Weil es ist ja das ganze Theater dem großen Publikum erst mal klar geworden.
00:34:45Richtig.
00:34:45Unter Jürgen Wölfer war das, wir haben früher die ganze Kindheit die ganzen großen Stücke gesehen.
00:34:50Über mein Freund Harvey, über, ich weiß nicht, jedes, alle großen Klassiker.
00:34:55Also die Komödien.
00:34:57Alle Stücke wurden aufgezeichnet an der gewissen Zeit.
00:34:59Und im Fernsehen, beste Sendezeit.
00:35:01Ja.
00:35:02Für Touristen aus Westdeutschland gehört ein Besuch im Kudamm-Theater zum Berlin-Programm.
00:35:10Einmal 80, wenn ich bin.
00:35:15Die Atmosphäre im Haus ist sehr familiär.
00:35:20Während auf der Bühne das Spiel mit dem Feuer läuft, nun schon seit Januar, währenddessen ist für die Damen der
00:35:26Garderobe Eiszeit.
00:35:28Wenn man uns jetzt würde die Oper anbieten oder so, wir wollen nicht mal nebenan arbeiten.
00:35:33Da gefällt uns das Klima nicht.
00:35:35Die sitzen nicht so nett zusammen wie wir, ehrlich.
00:35:38Wir vertragen uns ja gut.
00:35:40Na, was?
00:35:40Nicht, ja.
00:35:42Nicht?
00:35:42Und darauf kommt es ja auch an.
00:35:44Und darauf macht es auch Spaß, dass man dann jeden Abend herkommt, nicht?
00:35:48Ja, es war alles sehr privat.
00:35:50Ich war am Anfang irritiert sogar, weil ich dachte, so wollen die Theater machen.
00:35:56Wie funktioniert das denn?
00:35:58Und mir kam das klein vor irgendwie, weil es war eine verhältnismäßig kleine Mannschaft.
00:36:08Also im Büro kannte man jeden und das war so eine ausgesuchte Anzahl an Personen einfach.
00:36:17Und im Laufe der Zeit habe ich das zu schätzen gelernt.
00:36:21Ihre ganze Anklage steht und fällt mit ihr.
00:36:24Richtig?
00:36:24Richtig.
00:36:25Richtig.
00:36:27Ah, Buenos Dias.
00:36:331986 stehen die Berliner Schlange.
00:36:36Nach zehn vor halb sechs stehen wir hier und da waren wir die vorletzten.
00:36:40Da war hier schon alles voll.
00:36:42Wir machen uns warme Gedanken.
00:36:44Mary und Gordy sind zu Gast.
00:36:47Damals bei den Wühlmäusen oder am Kudamm-Theater, dann und die Leute da anstanden.
00:36:54Dann sind wir im Winter, dann sind wir losgegangen, haben Thermoskan gekauft und haben Tee und Kaffee ausgeschenkt.
00:37:02Und hatten schon so eine Verbindung zu den Leuten.
00:37:09Von Frauen, die man erwartet, ist mir gut aus.
00:37:11Und geht's denen auch so?
00:37:12Frauen brauchen nicht klug sein, Frauen müssen schön sein, nicht?
00:37:15Männer können besser gucken als denken.
00:37:24Ich glaube, es war etwas bei unserer Show, was die Berliner, wo sie sich verbunden fühlten.
00:37:35Das war mit dieser Schnurrigkeit und mit der Ehrlichkeit, aber ohne irgendjemanden zu verletzen.
00:37:46Bösartig sein mit Liebe.
00:38:02Mary und Gordy gehörte dann einfach zu Berlin.
00:38:06So wie Currywurst und Goldelse, habe ich immer gesagt.
00:38:11Das gehörte einfach dazu.
00:38:13Viele Jahre wohnt Georg Preuße am Kurfürstendamm.
00:38:17West-Berlin ist für ihn Aufbruch und Freiheit.
00:38:23Auf dem Kudamm lässt sich die Weltlage leicht vergessen.
00:38:27Doch West-Berlin ist die Stadt zwischen den Weltmächten.
00:38:31Unter dem Boulevard gibt's einen neuen Atombunker.
00:38:35Nur die wenigsten Berliner wissen, dass es mitten im Herzen der größten Stadt Deutschlands, am Kurfürstendamm, einen öffentlichen Schutzraum gibt.
00:38:42Für 3.500 Personen.
00:38:45Der erste und bisher einzige bei mehr als zwei Millionen Einwohnern.
00:38:51Ich bin einmal rein, die ersten zehn Schritte.
00:38:57Es ist so bedrückend.
00:38:59Ich habe es nicht durchgestanden.
00:39:00Ich bin wieder raus.
00:39:01Es ist furchtbar.
00:39:06Auf dem Wege zu den Zivilschutzräumen des Kurfürstendamm-Karrees passieren wir jetzt die Dosierungsanlage und gelangen anschließend in einen Schleusenraum.
00:39:16Eine eingebaute Brauseanlage ermöglicht die Dekontaminierung von Personen, die bereits durch verseuchtes Gebiet hierher gelangt sind.
00:39:25Dieser Vorgang wird vom Bunkerwart durch ein Panzerglasfenster beobachtet.
00:39:29Und dann sind wir da runtergegangen und dann sind das riesige Räume und da sind dann so Stoppetten und es
00:39:38ist alles vorbereitet.
00:39:40Und das war unglaublich.
00:39:44Ich finde ja, dass Berlin die Stadt damals war, wo man am meisten gespürt hat, dass es Krieg gab vorher.
00:39:55Und dass da eben nicht alles in Ordnung war.
00:40:02In Essen habe ich das nie gesehen, in Österreich auch nicht.
00:40:05Nirgendwo ich vorher war, war mir diese Vergangenheit, diese deutsche Vergangenheit so präsent wie in Berlin.
00:40:12Und dieser Bunker war für mich nur eine Bestätigung dessen eigentlich.
00:40:191975 staunen die Passanten nicht schlecht.
00:40:22Was könnte das sein?
00:40:24Vielleicht von der Polizei so eine, so eine, naja, Mensch, was soll denn das sein?
00:40:31Ist das eine Richtungsanzeige für ein Omnibus?
00:40:33Für ein Verkehrssender da so ein Blitzding da ist.
00:40:37Das ist doch Volksverarschung, der ersten Rang ist, was da steht.
00:40:42Volksverarschung? Was hier Ecke Uhlernstraße aufgestellt wird, ist eine Uhr.
00:40:46Was soll das sein, eine Uhr?
00:40:49Das können Sie mir nicht erzählen. Jetzt komme ich blöder Düsseldorfer hier hin und da wollen Sie mir erzählen, das
00:40:54wäre eine Uhr.
00:40:54Mit farbigen Feldern zeigt die Uhr die Zeit an.
00:40:58Ja, wie spät ist das nun auf der Uhr?
00:41:01Momentan sehe ich da gar keine Zahlen dran.
00:41:03Und die habe ich dann auch immer gern erklärt, aber es war natürlich sehr hektisch in zwei Sprachen.
00:41:07Die oberen fünf Lichter sind ja vier, zählen jeweils fünf Stunden.
00:41:11Die unteren zählen jeweils fünf Minuten.
00:41:17Nee, eine Minute? Wie war denn das?
00:41:22Können Sie mir sagen, wie spät es ist?
00:41:23Nein, kann ich Ihnen nicht. Tut mir leid.
00:41:26Tut mir leid. Aber außerdem will ich doch nicht studieren, wenn ich auf der Uhr sehe.
00:41:29Die habe ich auch nicht so ganz verstanden. Dabei müsste ich.
00:41:31Ich bin in Berlin eingeschult worden, als Mengenlehre noch richtig Thema war.
00:41:35Also ich bin eins von den Kindern, was behelligt wurde zur Einschulung mit diesen Metallkästen, mit diesen komischen, andersfarbigen Plättchen
00:41:44drin, mit denen man Mengenlehre verstehen sollte.
00:41:47Ich glaube, es waren vier rote Lichter oben und dann kam nochmal unten. Man musste dann alles addieren.
00:41:52Das ist eine Uhr für Rentner, die Zeit haben, mal hinzugucken.
00:41:55Die obere runde Lampe brennt alle zwei Sekunden.
00:41:59Diese Reihe steht für fünf Stunden, diese Reihe für eine Stunde, diese Reihe für fünf Minuten und diese Reihe für
00:42:07eine Minute.
00:42:07Also Fünfer, Einer, Fünfer, Einer. Hier brennen also jetzt drei Fünfer-Einheiten, das ist also 15 Uhr und drei Einer
00:42:16-Einheiten, ist also 18 Uhr, plus vier Fünfer-Einheiten für die Minuten, ist 20 Minuten, plus drei Einer, ist 23
00:42:25Minuten.
00:42:26Das ist also 18 Uhr und 23 Minuten. Wie Sie sehen, ist das ganz einfach.
00:42:33Ganz einfach. Naja, in Wirklichkeit versteht die Uhr niemand.
00:42:44Wie Flafrance auf dem Kurfürstendamm.
00:42:47Pariser Charme auf Berliner Pflaster.
00:42:49Vor dem Maison de France am Kurfürstendamm zeigte heute Nachmittag das Moulin Rouge Ballett einen Ausschnitt aus seinem Programm.
00:42:57Die Truppe gastiert zurzeit für zwei Monate in einem Nachtlokal im Europa-Center.
00:43:04Gastspiele, Konzerte, Ausstellungen, Sprachkurse.
00:43:08Das Programm im französischen Kulturzentrum ist abwechslungsreich.
00:43:12Das Haus will den Berlinerinnen und Berlinern die französische Lebensart näher bringen.
00:43:24Du gehst jeden Abend Theater spielen und sonst weißt du gar nichts.
00:43:29Und dann wurde ich dann auch noch schwanger und dann dachte ich, ja, also wirklich, jetzt habe ich ganz viel
00:43:35Zeit.
00:43:36Und dann habe ich in Maison de France einen oder zweimal einen Französischkurs belegt.
00:43:44Und das war eine ganz schöne Zeit und ich bin bis heute noch mit den Leuten, die daran teilgenommen haben,
00:43:51befreundet.
00:43:51Nach etwa zwölf Monaten beginnen die Lernwilligen, jung wie alt, Flügge zu werden.
00:43:56Ihre Aussprache klingt zwar noch kannibalisch, aber mit dem Verstehen klappt es schon ganz gut.
00:44:01Jetzt wollen sie lesen, selbstständig.
00:44:03Ich heiße Gérard Blottier, bin 29 Jahre alt und mache die Bibliothek.
00:44:08Bei uns können Sie fast alle Bücher sehen, zum Beispiel ernste Bücher wie ein Buch über Malraux,
00:44:15aber auch witzige Bücher wie Asterix, der bei uns viel gelesen ist.
00:44:21Das Maison de France steht für die Präsenz der französischen Alliierten in West-Berlin.
00:44:29Im August 1983 ist das Haus am Kurfürstendamm 211 Ziel eines Terroranschlages.
00:44:37Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:44:39Politischer Terrorismus in Berlin, ein Fragezeichen, hinter dieser Feststellung ist kaum noch erlaubt.
00:44:44Ein Sprengstoffanschlag im französischen Generalkonsulat am Kurfürstendamm-Ecke Ulandstraße
00:44:49hat heute Mittag kurz nach 11 Uhr einen Todesopfer und 23 Verletzte gefordert.
00:44:54Die Wirkung des Sprengsatzes, der um 11.20 Uhr vermutlich im Kinosaal des französischen Kulturinstituts zündete, war verheerend.
00:45:02Er riss ein etwa 25 Meter tiefes Loch in das Gebäude, das gerade renoviert wurde, und durchtrennte sogar Stahlträger.
00:45:10Außerdem brachte er Teile der Fassade und des Daches zum Einsturz.
00:45:14Ein 26-jähriger Maler aus Charlottenburg fand in den Trümmern den Tod.
00:45:20Die bisherige Bilanz des Terroranschlags? 22 Menschen wurden verletzt, neun davon schwer.
00:45:26Das war 1983 und ich bin mit meinem Sohn, der war da ein Jahr alt, auf dem Arm, auf der
00:45:33Straße lang und plötzlich knallt es.
00:45:36Und ich gucke und da ist in der Mitte der Straße wie so ein Feuerschwall.
00:45:41Und da ist die Explosion gewesen. Aber uns ist nichts passiert.
00:45:46Ich erinnere mich, dass ich in der Schule saß, auf einmal Panik war, weil es hieß so, die Terroristen greifen
00:45:52an.
00:45:54Und wie so, hä? Ja, Bombe in der Mitte in der Stadt irgendwie so.
00:45:57Und dann mussten wir nach Hause gehen, obwohl wir in Neuversand waren.
00:46:00Und das war dieser Anschlag damals von Carlos, diesem Terroristen, in Maison de France.
00:46:07Und das war so wie so ein Schlag. Auf einmal kommt die große, weite Welt hier nach Berlin.
00:46:14Carlos ist der meistgesuchte Terrorist der Welt. Ein Mitglied seiner Bande soll die Bombe im Haus versteckt haben.
00:46:22Ziel ist es, die deutsche Ehefrau von Carlos freizupressen. Berlin trauert um einen Toten und viele Verletzte.
00:46:33Zwei Jahre später ist der Kudamm wieder abgesperrt.
00:46:37Im Oktober 1985 eröffnen Frankreichs Präsident François Mitterrand, Bundeskanzler Helmut Kohl und der regierende Bürgermeister Eberhard Diebken das renovierte Maison
00:46:47de France.
00:46:53Frankreich steht weiterhin fest an der Seite West-Berlins. Es ist ein guter Tag für den Kurverkehr.
00:47:04Um die Ecke ist Deutschlands bekannteste Wahrsagerin zu Hause.
00:47:10Gabriele Hoffmann wohnt Kudamm-Ecke Uhlandstraße. Sie gehört zur High Society West-Berlins.
00:47:23Wer die Zukunft wissen will, kommt zu ihr. 270 Quadratmeter am Kudamm.
00:47:33Sie ist 22 Jahre alt, waschechte Berlinerin und behauptet steif und fest, in die Zukunft blicken zu können.
00:47:39Gabriele Hoffmann, einzige und jüngste im Handelsregister eingetragene Wahrsagerin Deutschlands.
00:47:47Zu mir kamen sehr viele prominente Menschen. Zum Beispiel die Hildegard Knef, der Harald Juntke, Finanzminister Apel, also Kurt Jürgens,
00:48:01Udo Lindenberg.
00:48:03Also ich habe eine riesen Helga Feddersen. Ich habe unheimlich viele prominente Klienten gehabt.
00:48:10Juni 77 liegt die Hochzeit. Die liegt gut.
00:48:15In August 77 liegt ein Abschluss eines beruflichen Projektes, der sich sehr günstig entwickeln wird.
00:48:26Dieses Jahr 1977 liegen drei gravierende Erfolge.
00:48:34Davon werden zusätzlich zwei dieses Jahr in Angriff genommen, 78 dann zum Durchbruch kommen.
00:48:43Sie nennen sich Wahrsagerin. Glauben Sie eigentlich daran oder ist das, was Sie tun, nur Geschäft?
00:48:49Nein, wenn ich an das, was ich tue, nicht glauben würde, egal in welchem Beruf ich wäre, dann würde ich
00:48:54diesen Beruf nicht ausüben.
00:48:56Denn das, was ich tue, empfinde ich nicht nur als einen Beruf, sondern auch als eine Berufung.
00:49:00Eigentlich falle ich in eine Art Trance. Und dann sehe ich Dinge aus dem Leben des Menschens, die ich ihm
00:49:08sage.
00:49:08Um ihren Fähigkeiten auf den Zahn zu fühlen, schickten wir den Schlagerstar Gunter Gabriel zu Frau Hoffmann,
00:49:15die aus freien Stücken nie zu einer Wahrsagerin gegangen wäre.
00:49:18Wenn man seriös ist, muss man den Menschen auf den Kopf hinzusagen können, sie haben das und das Problem.
00:49:26Und dann eintauchen in die Zukunft, was kommt, was kann man daraus machen.
00:49:31Oder die Vergangenheit zu sehen. Wenn man den Menschen sagt, sie sind zweimal geschieden, sie haben drei Kinder, eins lebt
00:49:40im Ausland.
00:49:41Dann kann der Mensch sich darauf verlassen. Wenn man das ohne Fragen weiß, dann stimmt auch die Zukunft.
00:49:48Seine Skipsis hat Gabriel nach dieser Sitzung nicht verloren. Dennoch...
00:49:52Glauben Sie, Frau Hoffmann?
00:49:55Ich kann natürlich nur das glauben, was passiert ist, ob sie da recht gehabt hat.
00:50:02Also wenn sie zum Beispiel zu mir auf den Kopf gesagt hat, dass ich als Kind lebensgefährlich erkrankt gewesen bin,
00:50:10dann muss ich sagen, ja, das stimmt, sie hat recht gehabt.
00:50:12Das stand in keiner Zeitung?
00:50:13Das stand in keiner Zeitung.
00:50:14Zu mir kommen ja viele Menschen aus anderen Städten. Aus Hamburg, aus München, aus der Schweiz, aus Österreich.
00:50:23Die Klienten, die zu mir kommen, die kommen von überall her.
00:50:26Und dann ist natürlich eine Adresse am Kuhdamm etwas, was auch Leute von außerhalb schnell finden.
00:50:33Und dann war es eben toll, wenn die gleich das Herzstück von Berlin sehen konnten, wenn sie bei mir waren.
00:50:52Man ist jetzt nicht im Jogginganzug über den Kuhdamm gelaufen. Heute ist das ja in.
00:50:57Aber nee, man hat sich schon fein angezogen.
00:51:02Für mich hat es nichts mit Eitelkeit zu tun, sondern eigentlich eher, dass man dem Gegenüber nicht zumutet, scheiße auszusehen,
00:51:10sondern gepflegt auszusehen und hübsch auszusehen. Das ist eigentlich eine Art der Rücksichtnahme ist.
00:51:17Haben Sie sich heute schick gemacht?
00:51:19Nö.
00:51:20Wie denn?
00:51:21Wie gehabt.
00:51:22Wie jeden Tag.
00:51:23Ich habe mich nur warm eingezogen.
00:51:25Und Sie?
00:51:26Nö, ganz normaler Dress.
00:51:27Ich bin immer schick, nicht nur heute.
00:51:31Der Kuhdamm ist der längste Laufsteg der Stadt.
00:51:36Viele Couturiers und Modesalons gibt es hier.
00:51:40Models posieren gern bei Fotoshootings auf dem Kurfürstendamm.
00:51:53Das war auch toll, weil die da mal so eine interessante Art hatten zu posen.
00:51:58Also die haben mich nicht böse angeguckt.
00:52:00Ich denke auch heute noch, wenn man mich immer so böse anguckt, das kaufe ich nicht.
00:52:03Tut mir leid.
00:52:11Berlins jüngsten Couturier Werner Machnick, ganze 28 Jahre alt, treffen wir inmitten seiner Mannequins am Kurfürstendamm.
00:52:18Er prophezeit für den nächsten Herbst und Winter das Ende des Mini- und Maxi-Looks.
00:52:23Seine Kollektion ist ganz im Midi-Stil gehalten.
00:52:26Von links zwei Tageskleider aus Velourschiffon und Seiden-Jersey mit passenden Strümpfen.
00:52:30Aus rein wollendem Jersey mit einem pelzgefütterten Midi-Cape ist dieser Apres-Ski-Anzug.
00:52:37Traut man sich heute nicht mehr an zu ziehen, Pelz, dann kriegt man gleich ein Ei auf den Kopf.
00:52:46Mitte der 80er kommen die unkonventionellen Modemacher an den Kurfürstendamm.
00:52:51Junge Designer aus den Hinterhof-Ateliers in Kreuzberg erobern die City West.
00:52:56Offline heißt ihre Modemesse.
00:52:59Wortwechsel sind jetzt weniger gefragt.
00:53:02Ohne Trends und ohne Mode langweilte Mann sich zu Tode.
00:53:07Beständigkeit, das ist zu wenig.
00:53:10Wer den Trend kennt, der ist König.
00:53:13Der Kudamm ist für viele ein großer Abenteuerspielplatz.
00:53:17Musik auf den Ohren, frei sein.
00:53:22Rollschuhfahren auf dem Boulevard.
00:53:24Sinnbild für die Lebenslust in der eingemauerten Stadt.
00:53:37Dann haben wir Rollschuhe gekauft und sind mit Rollstunden über dem Kudamm gefahren, bis zum Hotel gelaufen.
00:53:44Also das war, das war, ja, es hat sich aber keiner danach umgedreht, weil in Berlin gibt es nur Verrückte.
00:53:52Der Kudamm in den 60er, 70er und 80er Jahren.
00:53:59Musik
00:54:01Das Kempinski an der Ecke Fasanenstraße ist mehr als ein Hotel.
00:54:06Das Kempi ist ein Mythos.
00:54:10Nicht wenig überrascht war heute diese junge Dame über den Wirbel, der um sie entfacht wurde.
00:54:15Kempinski-Direktor von Eberstein begrüßte sie als den Gast, der die 750.000. Übernachtung des Hotels gebucht hatte.
00:54:22Die junge Dame heißt Ingrid Tietze, ist 26 Jahre alt und Stewardess von Beruf.
00:54:29Das Hotel Kempinski an der Fasanenstraße, vor 13 Jahren eröffnet, beherbergte schon so manchen prominenten Gast.
00:54:35Erzbischof Makarios, König Mahendra von Nepal und König Hussein von Jordanien wohnten hier.
00:54:41Es ist anzunehmen, dass es auch einer Stewardess gefällt.
00:54:46Musik
00:54:52Als ich ganz klein war, war das für mich immer irgendwie so ein Sehnsuchtsziel, weil mein Opa war der Direktor
00:54:59vom Kempinski und das bedeutete, wenn es zum Kudern fahren war, war was Besonderes.
00:55:05So flink können Kellner sein? Na, das kommt doch wohl nur alle 25 Jahre einmal vor.
00:55:10So ist es denn auch. Das 25-jährige Bestehen des Kempinski-Hotels am Kurfürstendamm brachte heute Nachmittag Ober- und
00:55:17Pagen auf Trab.
00:55:18Mein Opa war auch immer totschick. Der hatte so Maßhemden, Maßschuhe, Maßanzüge und war immer irrsinnig schick und wahnsinnig manikürt.
00:55:27Das hat mir so gefallen, da reinzukommen und alles war schick.
00:55:33Und ich durfte auch so viel, was man ja sonst nicht darf, zum Beispiel in die Präsidentensuite gehen und alle
00:55:39Wasserhähne auftreten und gucken, wie aus den Löwenmäulern Wasser kommt.
00:55:43Und ich habe immer gar nicht bedacht, dass ja vielleicht die Zimmermädchen die Augen verdreht haben, so wie, ach, das
00:55:48Kind ist wieder da.
00:55:49Ich bin gerne in die Kempinski-Bar gegangen. Ich bin sehr gerne in Hotelbars gegangen, weil das irgendwie so sophisticated
00:55:58war, so anders, so einfach gediegen.
00:56:04Ich hatte so einen Freund und Kollegen, also er war kein Schauspieler, hatte aber im Theater gearbeitet und mit dem
00:56:11habe ich mich dann immer einmal die Woche im Kempinski in der Lounge getroffen.
00:56:18Dann haben wir was getrunken und haben so geguckt. Also so eine rein voyeuristische Angelegenheit.
00:56:24Und das war immer total schön, weil man konnte sitzen bis zum Morgen.
00:56:32In der Küche sorgen 60 Beschäftigte dafür, dass alle Gerichte wohl zubereitet auf den Tisch kommen.
00:56:38Wenn man der Hotelstatistik glauben kann, dann sind in den 25 Nachkriegsjahren 1,5 Millionen Eier verarbeitet worden,
00:56:458 Tonnen Kaviar, 35 Tonnen Hummer und 180 Tonnen Rinderfilet.
00:56:53Der Gastronomiebetrieb geht fast rund um die Uhr. Um sechs öffnet der Frühstücksraum.
00:56:58Bis nachts um drei kann man sich im Grill gütlich tun.
00:57:03Anfang der 70er bekommt das Kempinski einen unterirdischen Swimmingpool.
00:57:09Tot schick.
00:57:10Ich hatte sogar eine Jahreskarte im Kempinski fürs Schwimmbad.
00:57:15Und da bin ich mit meinem Sohn immer zwei, dreimal die Woche hin und da haben wir unsere Schwimmrunden gemacht.
00:57:22Und das Kempinski war einfach ein Stück Berlin.
00:57:26Das Kempinski ist so bekannt wie die Gedächtniskirche und der Funkturm.
00:57:32Politiker wie John F. Kennedy und Prominente wie Sophia Loren steigen hier gern ab.
00:57:41Eine überschaubare Welt, in der man sich gut kennt.
00:57:47Ich habe ja oft im Kempinski gewohnt. Also ich hatte schon immer so ein bisschen den Hang zum Luxus, gebe
00:57:53ich also ganz ehrlich zu.
00:57:54Und die Knef hat ja auch eine Zeit lang da im Kempinski gewohnt, die Hilde.
00:58:00Und dann hat man sich schon getroffen.
00:58:03Lange war sie nicht in der Stadt. Jetzt ist sie wieder da. Die Knef dreht in Berlin.
00:58:10Sie haben sehr oft vom Kurfürstendamm gesungen. Ich habe so einen wie nach dem Kurfürstendamm.
00:58:17Schauen Sie, Berlin ist für mich so etwas wie Familie, nicht wahr?
00:58:20Es hatte natürlich schon einen sehr persönlichen Hintergrund.
00:58:24Es gab Lieder, die mir etwas zu soßig waren, wollen wir sagen.
00:58:29Dann wieder andere, die auf den Punkt trafen.
00:58:33Berlin hat also eben seinen Kurfürstendamm und hat einen Teil davon, der so ein bisschen versnobbt ist und ein bisschen
00:58:42manchmal belächelt wird.
00:58:46Und auf der anderen Seite dann doch wieder dieses sehr Bezaubernde, dass die also ihre Schmuckware da auf der Straße
00:58:55ausbreiten, was mich dann wieder an New York erinnert.
00:58:57Ich habe so Heimweh nach dem Kurfürstendamm.
00:59:02Ich habe so Sehnsucht nach meinem Berlin.
00:59:10Im Januar 1976 stehen die Berliner am Kudamm Spanier. Kino, Weltpremiere.
00:59:18Na, ich will doch unsere Hilde sehen, die lange, die auch eine Berlinerin ist, nicht?
00:59:23Wegen Hildegard Knef.
00:59:25Ich sah, dass die Premiere ist und jetzt warte ich auf Hildegard Knef.
00:59:27Endlich war es soweit. Die nassen Füße nahmen sie für den kurzen Augenblick ihrem Hildchen nahe zu sein gern in
00:59:34Kauf.
00:59:34Für jeden ein Lächeln, für manchen ein Händedruck. Dann glaubte sie, es geschafft zu haben.
00:59:42Doch im Foyer ging der Rummel erst richtig los.
00:59:45Nach fast neunjähriger Filmabstinenz, wie ist Ihnen zumute, wenige Minuten vor der Premiere?
00:59:52Schlecht. Ganz schlecht.
00:59:54Ich sage das gerade meinem Regisseur Alfred Fohrer und Herrn Radatz.
01:00:00Grauenvoll ist mir zumute.
01:00:02Die Premiere ist überstanden. Beifall für die Darsteller, insbesondere für die Knef.
01:00:08Zerbrechlich und erschöpft sieht sie aus und glücklich.
01:00:12Der Film ist kein Kassenerfolg. Aber die Knef ist jetzt wieder öfter in Berlin.
01:00:22Neben den Bars und Restaurants öffnen Peepshows, Pornoshows und Nightclubs.
01:00:36Die Sexbranche hat sich in den letzten Jahren am Kurfürstendamm und in seinen Nebenstraßen immer weiter ausgebreitet.
01:00:43Ein Beispiel dafür, die Peepshow.
01:00:46Fünf Peepshow-Betriebe sind es bisher und wenn die Mietpreise am Kurfürstendamm weiter eskalieren,
01:00:52dann könnte unser Renommierdamm bald mit dem Sexviertel St. Pauli verwechselt werden.
01:00:56Zehn Marken.
01:00:58Die Mannschaft, non-stop, not-like-dancing hier.
01:01:02Bildhübsche, internationale Showgirl.
01:01:06Peep heißt auf Deutsch heimlich schauen.
01:01:09Für eine Mark pro Minute können sich Kunden den Blick auf nackte Haut kaufen.
01:01:22Ich habe viele Peepshow-Tänzerinnen kennengelernt.
01:01:25Ich habe nämlich während meiner Abiturzeit bei Country Jeans am Zoo gearbeitet.
01:01:31Das war der einzige Laden, der bis um 23 Uhr eine Sondergenehmigung hatte, um Jeans zu verkaufen.
01:01:36Und ich hatte die gesamten Peepshow-Tänzerinnen bei mir, die sich dann ihre ganz engen Jeans kauft.
01:01:44Die Westberliner sorgen sich zunehmend um den Ruf ihrer Prachtmeile.
01:01:48Die Mieten sind Ende der 70er Jahre so hoch, dass viele Geschäfte aufgeben.
01:01:53Das Einzige, was sich lohnt, ist das Geschäft mit dem Sex.
01:02:00Immer mehr Erotikläden öffnen auf dem Kurfürstendamm.
01:02:03Auf dem Boulevard bieten sich Frauen an.
01:02:07An den schönen Vitrinen, die da stehen, hast du halt immer auch Prostituierte gesehen.
01:02:12Aber das ist ja auch eine Tradition des Kurfürstendamms.
01:02:16Also diese Art von Nachtleben gab es ja auch schon in den 20er Jahren.
01:02:20Das war ja ganz, also der Kurfürstendamm war im Prinzip auch so ein bisschen Rotlichtmeile.
01:02:26Eine feine Adresse am Kurfürstendamm, Hausnummer 29.
01:02:33Im Gartenhaus ganz oben, vierter Stock, lebt Künstlerin Jeanne Mammen.
01:02:38Eine winzige Zwei-Zimmer-Wohnung mit Atelier.
01:02:42Einen Aufzug hierauf gibt es nicht.
01:02:55Mit leichtem Pinselstrich malt die Künstlerin das Berliner Nachtleben der goldenen 20er Jahre.
01:03:02Während der Nazizeit arbeitet Jeanne Mammen im Verborgenen.
01:03:06Lange wagt sie es nicht, jemanden in ihr Atelier zu lassen.
01:03:11Anfang der 70er gibt sie ihr einziges Fernsehinterview.
01:03:15Jetzt ist der Kudamm amüsant.
01:03:18Jetzt ist er wirklich so, jetzt ist er wirklich erstmal Berlin-Großtag geworden.
01:03:22Mit den Hippies, die sitzen doch da immer abends in Hocke-Stellungen und verkaufen ihre Schmuck.
01:03:29Sie kennen sie ja und machen ihre Musik da.
01:03:32Und das ist lustig und voller Leben und sehr amüsant.
01:03:37Früher war das gar nicht. Früher war Berlin furchtbar langweilig.
01:03:41Im April 1976 stirbt Jeanne Mammen.
01:03:45Ihr Atelier am Kudamm bleibt erhalten.
01:03:49Berlins Boulevard hat sein abendliches Glitzerkleid angelegt.
01:03:53Die Hektik des Tages ist genüsslich im Bummeln gewichen.
01:03:56Immer ist ein aufnahmebereites Publikum da, wenn junge Künstler, oft von weither gereist, mehr oder weniger gekonnt versuchen, ihre Reisekasse
01:04:04aufzubessern.
01:04:08Am meisten gefreut habe ich mich über die vielen Straßenmusiker, die damals waren, die dann tolle Sachen machten, sangen, rumsprangen,
01:04:15tanzten.
01:04:17Und immer damals sehr viel, damals nach Allende, sehr viele so Südamerikaner mit so Panflöten und Ponchos, gefühlt an jeder
01:04:23Ecke.
01:04:24Und haben alle das gleiche Lied gespielt, aber ich als Kind fand es super.
01:04:37Der Kudamm lebt von denen, die ihn zur Bühne machen.
01:04:41Bei schönem Wetter trifft man jeden Abend Musiker, Straßenmaler, Gaukler und Artisten auf dem Boulevard.
01:04:54Ich erinnere mich an einen Pantomimen, der dort immer am Kranzlereck oder gegenüber war.
01:05:00Und der hat dann die Leute, die vorbeiliefen, nachgeäfft.
01:05:04Und die Leute saßen da im Straßencafé und haben sich totgelacht.
01:05:08Und die Leute, die vorbeiliefen, haben das gar nicht gemerkt, dass er hinter ihnen herlief und sie nachgemacht hat, in
01:05:13ihrer Gangweise, in ihrer Mimik.
01:05:17Alle paar Meter fliegende Händler.
01:05:21Zunächst waren es nur wenige, die Silberschmuck zum größten Teil selbst gefertigt und auch selbst gemalte Bilder anboten.
01:05:27Die Auswahl war groß und die Mehrzahl der Berliner und auch die Behörden tolerierten diesen Farbtupfer.
01:05:34Zusehends indessen wurde nicht nur das Angebot, sondern auch die Anzahl der Händler größer.
01:05:39Allmählich nahm das Ganze einen orientalisch anmutenden Bazarcharakter an.
01:05:44Unsere Kunden, ich arbeite hier, die beschweren sich jeden Tag über diesen Rummel.
01:05:48Das ist ein Flohmarkt.
01:05:50Sind Sie möglicherweise auch der Meinung, dass der Rahmen allmählich zu groß wird?
01:05:54Vielleicht ist der Rahmen am Wochenende zu groß, aber nicht tagsüber.
01:05:58Das ist doch eine einwandfreie Touristenattraktion, da können Sie doch gar nichts gegen sagen.
01:06:02Und wenn es nach Ihrer Meinung gehen würde, würde der Kuda schon völlig steril sein und es würde überhaupt gar
01:06:09keine Atmosphäre mehr da sein.
01:06:10Es ist richtig, dass die sich genauso gut ihre Scheibe von den Touristen abschneiden wie die anderen auch.
01:06:15Mir gefällt es, denn in anderen Großstädten hat man ja auch diese Art von Verkauf auf den Straßen.
01:06:20Es belebt irgendwie den Kurfürstendamm.
01:06:22Ich finde, das ist eine gute Sache.
01:06:24Kann ich mich gut daran erinnern, weil ich habe meine Lehre da gemacht.
01:06:27Am Kurfürstendamm, Parfümerie der Dame.
01:06:30Da habe ich den Einzelhandelskaufmann gemacht.
01:06:32Meine Tante hatte diesen Laden.
01:06:34Ich habe zum Beispiel heute extra ein paar Ohrringe an, die ich bei einer Straßenkünstler, einer Kunsthandwerkerin gekauft habe, die
01:06:42bei Wertheim saß.
01:06:43Das war 87 vielleicht.
01:06:47Der Kudamm, wie er einmal war.
01:06:50Ein Spaziergang durch die Erzete.
01:06:55Noch rollt der Verkehr am Boulevard.
01:06:57Im November 1973 sieht das anders aus.
01:07:09Keine Autos, nur Fußgänger.
01:07:11Der erste autofreie Sonntag.
01:07:15Autofreier Sonntag.
01:07:16Wir vier Kinder sind mit Fahrrädern über die Autobahn gefahren, bis hoch zum Kudamm, den Kudamm runtergefahren.
01:07:21Wir fühlten uns wie die Könige.
01:07:23Man konnte spazieren über den ganzen Kudamm mit Kind und Kegel, mit Rollschuhn sind die Kinder gefahren.
01:07:28Toll.
01:07:29Der autofreie Sonntag wird ein Volksfest.
01:07:32Halb-Berlin ist auf dem Kudamm unterwegs.
01:07:35Hot, hot, hot, beautiful Sunday.
01:07:41This is my, my, my beautiful day.
01:07:49Berlins organisierte Cowboys und Indianer verließen ihre angestammten Clubreservate und preschten auf der Suche nach einem Saloon ungehindert bis zur
01:07:58Main Street vor.
01:08:07Beim Sheriff ausweisen musste sich jeder, der mehr als eine Pferdestärke bewegte.
01:08:13Hierbei wurden jedoch nur 49 illegale Benzinritter erwischt.
01:08:20An ganz normalen Tagen rollt der Verkehr von früh bis spät über den Kudamm.
01:08:25Die Kreuzung Joachimsthaler Straße ist stark frequentiert.
01:08:31Der Verkehr wird in diesem Glaskasten geregelt.
01:08:35Der Polizist hat die Aufgabe, die Ampeln zu schalten.
01:08:42Die Verkehrskanzel kennt jedes Kind in der Stadt.
01:08:47Ja, wo immer der Schubbo drauf stand, der war doch toll.
01:08:51Also ich wünschte, die würde es noch geben in ihren weißen, die hatten so eine Art, ich weiß nicht, Plastikteil
01:08:57an, falls es regnet.
01:08:59Und gefiffen und so, also das fand ich ganz toll.
01:09:03Wie ich dann später lernte von diesem kleinen Häuschen, wurde per Hand die Ampel geschaltet.
01:09:08Und irgendwann konnte man das technisch aus der Ferne und deswegen war das nicht mehr.
01:09:12Heute Vormittag kletterte der Mann im Schwalbennest über der Kreuzung Kurfürstendamm Joachimsthaler Straße zum letzten Mal über die Hühnerstiege.
01:09:19Von nun an wird er als Verkehrsüberwachungsposten zu ebener Erde seinen Dienst versehen,
01:09:24denn das Ampelsystem wurde jetzt auf automatischen Betrieb umgestellt.
01:09:27Nur noch bei besonderen Anlässen wird die Ampelregelung von einem Beamten übernommen,
01:09:32der von hier aus direkte Verbindung mit der Überwachungszentrale hat.
01:09:37Ob es jetzt mehr oder weniger kracht, ist nicht bekannt.
01:09:42Wer mal am Kurfürstendamm seinen Kaffee trank, kommt immer wieder nach Berlin.
01:09:51So, bitte mein Herr, Ihr Kaffee.
01:09:54Das Kranzler ist eine Institution in der Stadt.
01:09:59Die Abendschau beobachtet Anfang der 60er eine spektakuläre Aktion.
01:10:08So hat wohl noch niemals jemand am Kurfürstendamm seinen Kaffee getrunken.
01:10:12Aber die Technik eröffnet halt immer wieder neue Nuancen moderner Erlebnisgestaltung.
01:10:18Was hier zum kleinen Scherz am großen Boulevard diente, ist eine hydraulische Lkw-Hocharbeitsbühne,
01:10:24die als die größte und modernste Europas bezeichnet werden kann.
01:10:28Die Berliner staunen nicht schlecht.
01:10:32Ich fand es immer toll, entweder im Campi vor der Tür oder beim Kanzler draußen zu sitzen und Leute gucken.
01:10:38War doch besser als Fernsehen. Also das war, habe ich immer geliebt, da zu sitzen.
01:10:49Die Damen vom Kanzler bereiten sich auf den Tag vor.
01:10:53Kaum ein Tourist, der hier nicht einen Kaffee trinkt.
01:10:56Von den Berlinern ganz zu schweigen.
01:10:58Sie lieben ihr Kanzler.
01:11:17Nirgends kann man den Müßiggang besser zelebrieren als hier.
01:11:28Die ganze Möblierung war einfach tippitoppi. Das war ja alles super 50er Jahre.
01:11:34Und diese gebogenen Metallstühle, die Lehne, die sah aus wie so Blumen und dazu die Sitzkissen und das schöne Geschirr.
01:11:45Die Kellnerinnen tragen rosa Schleife.
01:11:49Das Kanzler ist ein Aushängeschild der Westberliner Kaffeehauskultur.
01:11:54In Westdeutschland und im Ausland kennt es jeder.
01:12:00Beliebt sind Sahne-, Sacher- und Schwarzwälder Kirschtorte und die großen Eisbecher.
01:12:11Das Kanzler war schön mit Sahnetorte essen mit Oma.
01:12:15War ein bisschen spießiger.
01:12:16Bisschen spießiger, ja.
01:12:17Waren so wirklich die Omas.
01:12:19Die Omas.
01:12:19Aber meine Mutter war ja zu dem Zeitpunkt auch eine richtige Oma.
01:12:25Und eine kleine Bürgersfrau, die auch gerne so mal guckte, was so in der großen weiten Welt passiert.
01:12:33Wir wohnten in Nikolaussee und sie kamen dann nach dem Kudamm.
01:12:35Es war so ein bisschen staubig, ja, stimmt.
01:12:38Aber es hat eben Tradition gehabt.
01:12:41Und eine Tradition ist immer eine besondere Marke.
01:12:44Und für viele Menschen, die nach Berlin gekommen sind, da war halt das Café Kranzler auch mit dem Ausblick etwas
01:12:52einmalig Schönes.
01:12:54Kein Platz ist mehr frei, als im Juni 1963 der Konvoi des amerikanischen Präsidenten vorbeifährt.
01:13:02Tausende Berlinerinnen und Berliner säumen die Straßen am Kudamm und feiern John F. Kennedy.
01:13:13Ende der 80er tanzten Raver auf den Kurfürstendamm erstmals City Love Parade durch die City West.
01:13:25Ich habe ans Café Kranzler auch noch so eine mega Erinnerung von einer der ersten Love Parades, die ja über
01:13:30den Kudamm gefahren sind.
01:13:31Also als wir da mit dem Wagen vorbeigefahren sind, da waren diese Menschen im Café Kranzler, die waren fassungslos.
01:13:38Also wir sind da wirklich vorbeigefahren an einer kompletten Ansammlung von Menschen in diesem Café,
01:13:44die mit offenem Mund und gezücktem Erdbeerkuchen irgendwie nicht geglaubt haben, was sie da gesehen haben.
01:13:51Das war, fanden wir natürlich mega.
01:13:56Gegenüber das Kudamm-Eck.
01:13:59Berlins prominenteste Ecke kann sich wieder sehen lassen.
01:14:01An der Kreuzung Kurfürstendamm-Joachimstaller-Straße wurde heute das Kudamm-Eck eröffnet.
01:14:06Das riesige Shop-in-Shop-Center beherbergt 109 Geschäfte aller Branchen
01:14:11und gibt so den Einzelhändlern die Möglichkeit, den Warenhäusern mit ihrer Angebotsbreite echte Konkurrenz zu machen.
01:14:17Im Café des Westens wird die Tradition des berühmten Literatentreffpunktes fortgeführt,
01:14:22im Volksmund früher unter dem Namen Café Größenwahn bekannt.
01:14:26Das sah ja auch von draußen gut aus.
01:14:28Also es war jetzt nicht einfach nur ein Eckbau, sondern der hatte halt seine Rundungen und unterschiedliche Eingänge,
01:14:35war sehr weiß, sehr strahlend.
01:14:37Das war so ein richtiger 70er-Jahre-Bau.
01:14:40Und wenn es den heute noch gäbe, ich glaube, das wäre auch so ein kleines Juwel.
01:14:49Neun Verkaufsetagen, 109 Geschäfte.
01:14:52Im Kudamm-Eck finden Kunden alles unter einem Dach.
01:14:56Bowling.
01:14:57Den Friseursalon für die Dame und den Herrn.
01:15:01Eine Tierhandlung.
01:15:05Attraktion ist das Panoptikum.
01:15:08Nicht jeder, der hier ausgestellt wird, ist schon unter der Erde.
01:15:14Ich meine, es war wahrscheinlich nicht zu vergleichen mit Madame Tussauds,
01:15:17aber es gab ein Panoptikum.
01:15:19Dieses Wachsfiguren-Kabinett.
01:15:21Panoptikum habe ich mit der Biggie Mira in der Max- und Moritz-Lehrer-Lesung gemacht.
01:15:26Bestimmt.
01:15:27Hast du erzählt?
01:15:28Ja.
01:15:28Und ich, das weiß ich noch, und sowohl die Biggie als auch ich mochten keine Rolltreppen fahren.
01:15:34Wir hatten Rolltreppen rauf, ja, aber runter.
01:15:37Das ist für mich ein Horror.
01:15:39Und Biggie noch mehr.
01:15:40Die hatte so viel Angst und haben immer irgendwo einen Fahrstuhl gesucht.
01:15:43Aber wir haben keinen gefunden.
01:15:44Das gab, glaube ich, in dem ganzen Ding keine, gab überall Rolltreppen.
01:15:48Das war so müsterisch, es war auch ein bisschen dunkel, alles verschachtelt und verschachtelt.
01:15:52Die verwinkelte Architektur und das Ladenkonzept überzeugen die Berliner nicht.
01:15:58Am Bedarf vorbeigeplant und auch nicht ideal verwirklicht.
01:16:03Hat sich der Kudamm-Passant trotz der kleinen und verbauten Eingänge in das Haus verirrt, drinnen geht das Irren weiter.
01:16:10Rolltreppen und Stufen sollen den Interessierten durch das Haus nach oben lotsen.
01:16:13Doch permanentes, vertikales Flanieren verschreckt die Leute.
01:16:17Die Orientierung bleibt auf der Strecke, der Rest ist Düsternis.
01:16:23Nein, nicht Piepshow, sondern ich war in einem Porno-Kino.
01:16:25Aber ich wusste ja nicht, was das ist.
01:16:26Ich bin mit einem Freund, da wollte man ins Kudamm-Eck-Kino gehen.
01:16:31Und da war unten so Porno.
01:16:33Äh, war Kino drin.
01:16:34Wolltest du mal Berlin zeigen?
01:16:35Ja, wollte ich Berlin zeigen.
01:16:37Das Komische ist, das ist hier so ganz komisch dunkel.
01:16:39Und dann grabbeln die Leute so rum, da war ich im Porno gelandet.
01:16:43Hm, schön.
01:16:45Ende der 90er wird das Kudamm-Eck abgerissen.
01:16:52Wie sah Berlin einmal aus?
01:16:55Wie fühlte sich die Stadt an?
01:17:03Bei schönem Wetter halten die Berliner am Kudamm inne.
01:17:06Straßenmaler pinseln ihre Kunst aufs Pflaster.
01:17:09Vielen ist das eine Mark wert.
01:17:18Ja, ich wollte damals nach Marokko fahren und hab Geld gebraucht.
01:17:22Und Jobs waren kaum zu kriegen.
01:17:25Da hab ich dann halt eines Tages mit meinem Lampenfieber hier auf dem Kudamm gesessen
01:17:28und mein erstes Bild ins Pflaster gerieben.
01:17:41Die haben dann den ganzen Tag gemalt.
01:17:44Also wenn man zum Beispiel zur Probe gegangen ist und dann hat man gesehen, ah, jetzt fängt der an.
01:17:50Also der waren meistens Männer, fängt der an, ah, was wird das wohl?
01:17:55Und wenn man dann fertig war mit der Probe, hat man gesehen, ah, die Mona Lisa, sag ich jetzt mal.
01:18:02Und dann, ah, wie toll, ja, super.
01:18:05Großes Können, was darin zum Ausdruck kommt.
01:18:08Und sehr begabter junger Mann sein, der das gemeint hat.
01:18:11Ich finde es sogar sehr schön.
01:18:13Er kann was, er kann was, wirklich, er kann wirklich was, ne?
01:18:17Ich finde das gut.
01:18:19Es ist nur schade, dass das nicht erhalten bleibt.
01:18:23Neben dem KDW ist Wertheim, das größte Kaufhaus in der City West.
01:18:28Ein Warenhaus der besseren Leute mit 1400 Mitarbeitern.
01:18:36Wenn abends Schluss ist, geht vor der Tür die Post ab.
01:18:41Das Wertheim-Kaufhaus, aber ich glaube, wir haben der Wertheim gesagt.
01:18:44Da habe ich die ersten Breakdancer meines Lebens gesehen.
01:18:46Das hat mich nachhaltig beeindruckt.
01:18:48Also da habe ich dann auch schön geübt zu Hause.
01:18:54Das war so beleuchtet, als das Kaufhaus zu war abends.
01:18:58Und da war offensichtlich bodentechnisch alles so, wie die es zum Breakdancen brauchten.
01:19:03Dann standen die da mit Ghetto-Blaster, genau wie man es sich vorstellt, super Klischee.
01:19:07Fünf Typen, so, und haben dann nacheinander immer ein bisschen gezeigt, was sie konnten.
01:19:11Und wir haben mit offenem Mund da gestanden und dachten, wow, wir wollen gar nicht in den Zoo und Tiere
01:19:15angucken.
01:19:15Wir möchten die ganze Zeit hier stehen bleiben und denen beim Breakdancen zugucken.
01:19:20Auf dem Breitscheidplatz tanzt Super Nubi den Robot-Dance.
01:19:25Mit seinen verrückten Körperbewegungen fällt der junge Berliner auf.
01:19:38Vier Stunden trainiert Norbert Drescher am Tag.
01:19:42Robot-Dance ist harte Arbeit.
01:19:46Kleine Gags mit Touristen.
01:19:53Der Breitscheidplatz ist Treffpunkt für Touris, Punks, Penner und Kids.
01:19:59Anfang der 80er wird umgebaut.
01:20:02Das Kernstück der Umgestaltung, ein großer Brunnen samt einer Piazza zum Verweilen,
01:20:08die den neuen großzügigen Kellereingang zum Europa-Center bildet.
01:20:12Heute Mittag nun war es endlich soweit.
01:20:14Noch über zweijähriger Konstruktionszeit wurde der Brunnen um 14 Uhr mit Schinderaser-Bumm und Freibier seiner Bestimmung übergeben.
01:20:23Zahlreiche Berliner waren auf den Beinen, um die Eröffnung des Breitscheidbrunnens nach einem anderen Namen, wird noch gesucht, mitzuerleben.
01:20:31Der andere Name ist schnell gefunden.
01:20:34Wasserklops.
01:20:34Wir haben natürlich die Skulptur erklärt, den Wasserklops, wie die Berliner sagen, und dass das die Erde und das Wasser
01:20:43des Lebens symbolisiert.
01:20:44Aber es ist doch immer wieder schön, dass für so bekloppte Sachen irgendeiner sich findet, der sagt, das machen wir,
01:20:52das stellen wir genau hier hin und dann gucken wir mal, wie die Leute das so finden.
01:20:55Der Wasserklops ist ja jetzt auch, ich hätte jetzt noch nicht einen Menschen getroffen, der den irgendwie schön bezeichnet hätte.
01:21:01Der Tag beginnt, die Zeit verfindet, er zögert noch ein wenig, da ist der Kurs, ich hab's gewusst, Rums, da
01:21:10fällt der König.
01:21:11An den Wasserklops habe ich viel Zeit verbracht, weil ich einen kleinen Sohn hatte, der stundenlang irgendwelche Wasserspiele da vollführt
01:21:23hat.
01:21:23Da fragt einer, wie kommt man am allerschnellsten zur Aussichtsplattform des Europa-Centers hoch.
01:21:30Und da sagt der andere, am allerbesten mit dem Motorrad.
01:21:33Und zwar fahren sie von hier aus immer geradeaus auf diesem Seil.
01:21:42Da sind sie also, wieder einmal in Berlin, die tollkühnen Seilakrobaten der Oskani-Truppe, die zwischen Zuckerhut und Dachsteingebirge pendeln.
01:21:511000 oder 2000 Meter Abgrund scheuen sie nicht, ein Europa-Center ist für sie also nur ein Klacks.
01:21:57Bis zum 27. Juni gastieren sie am Breitscheidplatz.
01:22:01Und nun halten sie mit uns den Atem an.
01:22:20Ein Wahnsinnsspektakel, das den Berlinern in diesen Tagen geboten wird.
01:22:26Nur regnen darf es nicht.
01:22:32Von der Dachterrasse des Europa-Centers haben Besucher einen tollen Blick auf die Stadt.
01:22:39Bahnhof Zoo, Gedächtniskirche, den Kudamm hoch bis Hahnensee.
01:22:46Tief unten erhascht der große Dachgarten die erste Sonne.
01:22:50Fahrzeuglärm dringt heran.
01:22:52Menschen hassten.
01:22:53Vor neun Monaten standen sie noch Spalier am Fuß des Hauses.
01:22:57Neugierig, erwartungsvoll.
01:22:5940.000 waren es.
01:23:01Geladene Gäste fuhren vor.
01:23:03Am 1. April 1965 gibt der Bauherr Karl-Heinz Pepper die Treppen und Ladenstraßen frei.
01:23:12Ich fand zum Beispiel auch, als ich klein war, Europa-Center toll.
01:23:15Da durfte ich im Sommer Eislaufen gehen, das fand ich total cool.
01:23:19Da gab es auch so Spielzeuggeschäfte, die hatten, dass ich so große Elefanten, auf denen man sitzen konnte und so.
01:23:24Das war für ein Kind schon toll, so viel auf einmal.
01:23:27Zumal es ja so Shopping-Center eigentlich noch nicht gab.
01:23:32Das Europa-Center ist eine Stadt in der Stadt mit exklusiven Läden und einem riesigen Springbrunnen.
01:23:40Im Innenhof wird die Uhr der fließenden Zeit eingeweiht.
01:23:44Ein Konstrukt aus Röhren und Kugeln.
01:23:48Wird diesmal jemand die Uhr verstehen?
01:23:51Da war diese Wasseruhr, die ja zur vollen Stunde und besonders mittags um zwölf das ganze Wasser bewegte.
01:23:59Dann gab es eben dieses schöne Mövenpick und da gab es auch so einen Wasserteich.
01:24:04Und das war alles sehr schön. Ich bin da gern hingegangen.
01:24:08Abends wird es ruhiger im Europa-Center.
01:24:12Direkt nebenan liegt ein besonderer Nachtclub.
01:24:19Die Diskothek meiner Eltern war, wenn man so will, am absoluten Ende oder Anfang vom Pudamm.
01:24:25Nämlich hinterm Europa-Center das erste Haus.
01:24:28Das ist Townsendstraße Nummer 8.
01:24:30Da gab es damals was, das hieß Mini-City.
01:24:32Ich glaube, das ist irgendwann im Laufe der Jahrzehnte wegsaniert worden.
01:24:35Da waren, glaube ich, unglaublich viele Shops und da war halt eben auch der Club meiner Eltern im ersten Stock.
01:24:41Das Joy ist eine der noblen Diskotheken in West-Berlin.
01:24:46Viele Kameraaufnahmen gibt es nicht.
01:24:52Ende der 70er filmt das Fernsehen eine Talentshow im Joy.
01:24:56Jeder darf sich ausprobieren.
01:25:06Stars werden heute nicht geboren.
01:25:09Morgen ist wieder richtige Disco.
01:25:11Es war schon sehr glam.
01:25:13Also die haben natürlich auch mal so Licht ausprobiert, wenn ich da saß und Hausaufgaben gemacht habe.
01:25:16Und da waren auch schon mal so ziemlich berühmte Menschen und haben da so Soundchecks gemacht,
01:25:20wenn die abends performt haben.
01:25:22Und das war einfach immer irgendwie total cool.
01:25:26An der Gedächtniskirche fängt der Kudamm an oder hört er auf.
01:25:31Je nachdem.
01:25:32Sie ist ein Magnet für Besucher des Boulevards.
01:25:37Im Krieg wird die Kirche stark zerstört.
01:25:40Anfang der 60er bekommt sie einen Neubau.
01:25:43Die Form der Kirche wird durch ein Stahlgerippe gebildet.
01:25:46In die quadratischen Felder des Stahlgerüstes wurden vorfabrizierte Betongitter eingesetzt.
01:25:53Rund 9000 Buntglassteine wurden für die Fassaden benötigt.
01:25:58Sie sind vornehmlich in sattem Blau gehalten.
01:26:00Professor Eiermann bezog sie von einer französischen Glasgießerei, die in der Herstellung von Kirchenglasfenstern führend ist.
01:26:06Wir sagen ja immer Lippenstiftung, Puderdose zu diesen Neubauten und der hohle Zahn.
01:26:13Ja, Lippenstiftung, Puderdose, was passt besser zu Mary and Gordy als in Gedächtniskirche?
01:26:20Eigentlich hätten wir da mal ein Open Air machen sollen.
01:26:26Alltag am Kudamm in den späten 60ern.
01:26:30Auf den Stufen der Gedächtniskirche machen sich die Gammler breit, wie die Berliner sagen.
01:26:36Junge Leute, die am helllichen Tag Lambrusco trinken und nichts machen.
01:26:53Viele ältere Berliner sind empört.
01:27:00Wenn sie hier gerade liegen, ich komme zum Gottesdienst, da hätte ich am liebsten Rorschel genommen, hätte von hinten drauf
01:27:04gehören.
01:27:05Belästigt nicht, aber ich finde traurig, dass sie existieren in dieser Form.
01:27:08Wir sagen, die Sozialarbeiter arbeiten an uns, die sollen an den Bürgern arbeiten, an der Gesellschaft arbeiten,
01:27:14dass die Gesellschaft mit uns einverstanden ist, dass die Gesellschaft uns akzeptiert, wie wir rumlaufen und dass die uns unsere
01:27:22persönliche Freiheit lässt.
01:27:24Die Gedächtniskirche am geschäftigen Kudamm ist Anlaufpunkt für jeden, der verschnaufen und innehalten will.
01:27:30Ob draußen auf dem Breitscheidplatz oder drinnen in der Kirche.
01:27:36Die Turmruine ist Wahrzeichen der City West.
01:27:40Die Kirche, ein Ort der Ruhe.
01:27:48Es gibt da auch so eine ganz besondere Atmosphäre, die ich schön finde.
01:27:53Weil die Gedächtniskirche mit dem Licht, mit der Musik, da entwickelt man ein offenes Herz und viele Gefühle zum Religiösen,
01:28:05zum Göttlichen.
01:28:06Und das finde ich sehr schön.
01:28:07Ich habe immer Heiligabendgottesdienst dort in der Gedächtniskirche gemacht. Weiß ich nicht warum.
01:28:12Wenn ich abends immer los.
01:28:13Keine Ahnung, es hatte was wahnsinnig Schönes, Heiliges.
01:28:16Die Gedächtniskirche. Jedem Berliner und jedem Deutschen ins Gedächtnis geschrieben.
01:28:25Mythos, Mief und Trubel.
01:28:28Wie war er, der Kudamm?
01:28:31Echt West-Berlin.
01:28:36Berliner zu sein, ist keine Ortszugehörigkeit, sondern ein Lebensgefühl.
01:28:43Ein Lebensgefühl nach Toleranz, nach Liebe und Freiheit.
01:28:50Das ist Berlin.
01:28:52Berliner zu sein, ist Berlin.
01:28:59Berliner zu sein, ist Berlin.
01:29:03But I live, but I live
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