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00:00:00Guten Abend meine Damen und Herren. Guten Abend meine lieben Freunde. Guten Abend meine lieben Freunde.
00:00:06Er ist drei Jahrzehnte lang ein Held im deutschen Fernsehen.
00:00:10Bernhard Gzimek erreicht mit seiner Sendung ein Platz für Tiere, Einschaltquoten von 70 Prozent und 35 Millionen Zuschauer.
00:00:19Er hat Sendungen gemacht, die für das breite Publikum waren.
00:00:22Er hat natürlich auch immer die Sendung genutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen.
00:00:26Zur besten Sendezeit klärt Bernhard Gzimek über Robbenschlachten und Legebatterien auf.
00:00:35Das waren Themen, die spielten einfach keine Rolle, aber das hat er aufgegriffen und publik gemacht.
00:00:41Seine Filme werden weltberühmt bis hin zum Oscar.
00:00:45Serengeti shall not die. Bernard Grissnick.
00:00:52Bis heute ist sein Name mit dem Nationalpark Serengeti verknüpft.
00:00:58Nicht nur positiv, denn er fordert unberührte Natur.
00:01:02Gerade die Umsiedlung würde man heute viel sensibler sich anschauen.
00:01:07Ist Gzimeks Ansatz, Platz für wilde Tiere zu schaffen, indem man die Menschen umsiedelt, visionär oder menschenfeindlich?
00:01:18Gzimek ging es nicht um uns, nur um die Tiere.
00:01:38Die Serengeti. Die berühmteste Wildnis der Erde.
00:01:43Inbegriff einer spektakulären, schützenswerten Natur.
00:01:53Doch die Serengeti ist nicht nur die Heimat einer faszinierenden Tierwelt. Es leben auch Menschen hier.
00:02:01Seit Jahrtausenden ziehen Nomaden wie die Maasai mit ihren Rindern durch die Savanne der Serengeti.
00:02:10Moses Uleshangai ist einer von ihnen.
00:02:15Das Leben war gut. Unsere Rinder grasten in Frieden. Wir hatten immer genug Milch.
00:02:28Wäre es nach ihm und seiner Familie gegangen, es hätte für immer so bleiben können.
00:02:38Mein Vater wollte die Serengeti nicht verlassen.
00:02:43Ich habe oft mit ihm gesprochen und ihm angesehen, dass es schrecklich gewesen sein muss.
00:02:50Er erinnert sich an jedes Detail. Es war Unrecht.
00:03:00Er ist einer von vielen Maasai, die noch heute umtreibt, was damals geschah.
00:03:111958 landete ein Flugzeug mit Zebrastreifen vor unserem Haus.
00:03:18Danach kamen immer mehr Weiße und redeten davon, dass dies ein Nationalpark sei.
00:03:28Und dann befahlen sie allen, zu gehen.
00:03:39Die beiden weißen Männer aus dem gestreiften Flugzeug stammen aus Frankfurt.
00:03:44Bernhard Gzimek und sein Sohn Michael.
00:03:47Welche Rolle spielten sie bei der Umsiedlung der Maasai aus der Serengeti?
00:03:58Gzimeks Nachlass verwaltet heute sein Enkel, Christian Gzimek.
00:04:04Das ist das Arbeitszimmer, wo er früher seine Bibliothek hatte, also hier auch noch existiert.
00:04:09Aber das wollte ich Ihnen noch zeigen. Das hat er immer in seinem Arbeitszimmer gehabt.
00:04:14Die Leute waren immer entsetzt, dass er sowas hatte.
00:04:17Aber es war natürlich künstlich.
00:04:20Aber alle haben sich natürlich erst mal echaufführt und haben gesagt,
00:04:22Herr Professor, wie können Sie sowas bei sich zu Hause haben?
00:04:26Nicht, das ist doch gegen Artenschutz und was auch immer nicht.
00:04:32Sowas hat Ihnen mal einen Riesenspaß bereitet.
00:04:37Das sind also alles hier seine Süßerles-Eltes, die er verfasst hat.
00:04:47In allen möglichen Ausgaben.
00:04:51Angefangen, er hat ja schon als 14-Jähriger oder 12-Jähriger das erste Buch geschrieben über Hühnerhaltung.
00:04:57Hier haben wir das zum Beispiel.
00:05:02Auch ein Klassiker, der nach wie vor noch auf dem Markt ist.
00:05:06Das ist eine Bücher, das also wirklich 50, 60 Jahre lang immer wieder nachgedruckt wurde.
00:05:11Ja, das ist ja selten, dass ein Darts so lange praktisch immer noch aktiv und aufgelegt wird.
00:05:17Der junge Autor Bernhard Gschemek wird später eine ganze Enzyklopädie über die Tierwelt und viele weitere Bestseller schreiben.
00:05:26Zunächst nutzt er aber die Nachkriegswirren dazu, den Grundstein für seine Karriere zu legen.
00:05:33Er ist damals mit dem Fahrrad in Frankfurt gelandet und da ist er auf jeden Fall dem Bürgermeister beim Weg
00:05:40gelaufen von Frankfurt.
00:05:42Und das war sein früherer Redakteur für die Illustrierte, die er geschrieben hat.
00:05:47Und der machte ihn erst mal zum Polizeipräsidenten, aber der Job gefiel ihm nicht so gut.
00:05:53Und dann hat er sich aber gesagt, nee, ich möchte Zodirektor werden.
00:05:57Ja, und das natürlich in einer Zeit, wo Frankfurt total flach war, es war also kein Stein mehr auf dem
00:06:03anderen.
00:06:04Und es war natürlich eine vollkommen irrwitzige Idee in einer Zeit, wo die Leute noch mit Lebensmittelmarken hantierten,
00:06:09wo sie wenig zu essen hatten und die Wasserleitungen nicht funktionieren, da einen Zoo aufzubauen.
00:06:15Nur wenige Tiere hatten die Bombenangriffe überlebt.
00:06:19Den Zoo zu retten hält Tiermediziner Gschemek trotzdem für wichtig.
00:06:24Die amerikanische Besatzungsmacht, die wollten das eigentlich alles schleifen und es gab ja große Wohnungsnot, also man wollte eigentlich Häuser
00:06:31da bauen.
00:06:32Und dann hat der Bernhard Gschemek den Amerikanern offensichtlich plausibel erklärt, nee, wir müssen diesen Zoo hier erhalten.
00:06:39Und dann hat er auch noch aus ein paar anderen Zoos ein paar Tiere hergeschafft.
00:06:44Bernhard Gschemek erkennt, dass die Bevölkerung nach dem Krieg nicht nur Wohnraum benötigt, sondern auch Ablenkung.
00:06:52Und dann sind die alle in Massen in den Zoo geströmt.
00:06:56Da haben sich Besatzungsmächte und Einheimische und Kinder und Alte und Junge und alle haben sich im Zoo Frankfurt getroffen.
00:07:03Und wir kennen das auch heute noch, wenn wir Tiere beobachten, dann vergessen wir plötzlich alles um uns herum.
00:07:11Aber er belässt es nicht bei bloßen Tiere gucken.
00:07:14Der Unternehmer und Zirkusfan zieht alle Register, um Publikum anzulocken.
00:07:19Und dann hat er damals eine Achterbahn hergeholt und auch einen Zirkus, hat also große Ruhmplatzveranstaltungen gemacht.
00:07:26Es gab dann zum Beispiel auch Sketchveranstaltungen, Schlammschlachten, Frauenkämpfe und alles mögliche in dieser Art.
00:07:34Und damit hat er natürlich sehr viel bewegt und Gelder eingesammelt.
00:07:39Innerhalb weniger Jahre erweitert und modernisiert Gzimek den Frankfurter Zoo und sorgt für mehr Tierwohl.
00:07:47Gitterstäbe ersetzt er durch Wassergräben. Viele Tiere bekommen Zugang zu einem Außengelände.
00:07:55Und von daher merkt man schon, also dieser Bertrand Tschimek hatte einfach ein unglaubliches Gespür über seine Zeit hinaus.
00:08:04Und das betrifft nicht nur die Tierhaltung.
00:08:07Schon ganz früh inszeniert sich der Zoodirektor vor der Kamera.
00:08:11Die Tiere stammen aus der Handaufzucht des Zoos. Die Ideen von seinem Sohn Michael.
00:08:16Mein Vater war ja so der Filmmann. Alle zwei Wochen hat er in der Wochenschau einen kleinen Film gemacht über
00:08:23den Frankfurter Zoo.
00:08:24Und dann natürlich auch über die Tiere, die in der Wohnung gehalten wurden.
00:08:28Da gibt es natürlich vieles so ein bisschen arrangiert, viele verrückte Sachen gemacht oder den Leoparden, eine Badewanne, Wächt und
00:08:35all solche Dinge.
00:08:37Ja, aber das muss natürlich aus der Zeit heraus gehen.
00:08:43Die Wohnung des Zoodirektors wird zum Studio. Die Filme werden zu einer wirkungsvollen Werbung für den Zoo.
00:08:55Heute würde man sowas auf jeden Fall nicht mehr machen.
00:08:58Man würde sagen, Tiere sollten sich immer möglichst natürlich entfalten können.
00:09:02Es war ein anderes Bild, was man da hatte von den Tieren. Und ja, und Bernhard Tschimek hat es genutzt.
00:09:10Exotische Tiere vor der Kamera. Das sollte ein Erfolgsrezept der Tschimeks werden.
00:09:16Und so nehmen sie natürlich die Kamera auch auf ihre erste Afrika-Reise mit.
00:09:21Damals ging es um Schaffung von Schimpansen für den Frankfurter Zoo.
00:09:25Und dass dann jemand um 1950 in ein afrikanisches Land reist, das war noch sehr ungewöhnlich.
00:09:30Und schon bei dieser ersten Reise begleitete Tschimeks damals 16-jähriger Sohn Michael, sein Vater.
00:09:34Die haben sich noch Tropenkleidung anfertigen lassen, mit langen Stiefeln, weil sie Angst hatten vor Schlangenbissen.
00:09:41Die müssen ein Bild für die Götter gewesen sein, weil beide ja nun gut aussehend, groß, schlank, blond waren.
00:09:47Und dann mit dieser vollen Tropenmontur ankamen.
00:09:52Ja, das war das erste Mal Afrika.
00:09:58In der heutigen Elfenbeinküste schlagen sie ihr Basislager auf.
00:10:02Das Ziel ist, ins Landesinnere zu kommen, um dort Tiere in freier Natur beobachten zu können.
00:10:09Die hatten ja nicht viel Geld.
00:10:11Also die haben dann irgendwo sich einen alten Lastwagen gekauft.
00:10:13Und das beschreibt er sehr schön mit einer ausgeschlagenen Lenkung.
00:10:18Wo sie auch mal, glaube ich, mit überschlagen haben mit dem Auto.
00:10:22Weil das einfach, weil die Straßen ja nicht eben und weil sie einfach mal irgendwie von der Straße abgekommen sind.
00:10:29Und das ist ein anderes Reisen als heute.
00:10:47Dann ist er in diese riesigen Naturlandschaften gekommen in Afrika, die Megafauna Afrikas kennengelernt.
00:10:54Also in direkter Anschau.
00:10:56Und das hat ihn unglaublich fasziniert.
00:11:27Also Bernhard Cimic kam ja aus Deutschland.
00:11:29Und schon damals war Deutschland ein dicht besiedeltes Land.
00:11:33Praktisch Wildnis gab es bei uns gar nicht mehr.
00:11:35Und diese Natur an sich, ohne die Dominanz des Menschen, das war sicher etwas, was ihn geprägt hat in seiner
00:11:42Sicht auf die Wildnis.
00:11:47Die Wildfänge, die Großwildjäger ihnen anbieten, nehmen sie nicht an.
00:11:51Aber sie kaufen Tiere aus der Gefangenschaft und wollen sie nach Deutschland bringen.
00:11:57Den Heimtransport allerdings soll Michael alleine organisieren.
00:12:06Mein Großvater hatte ja nicht so viel Urlaub, beziehungsweise nicht so viel Zeit auch, weil er den Zoo betrieb.
00:12:11Der flog dann zurück und hat meinen Vater dann mit 16 Jahren auf den Frachtdampfer gesetzt mit all diesen Tieren,
00:12:18die er dann verpflegen musste.
00:12:20Und da war er dann sechs Wochen auf diesem Fracht da unterwegs.
00:12:24Die Reise des jungen Michael geht gut. Aber die Tropen fordern letztlich doch ihren Tribut.
00:12:32Michael hat leider dann eine starke Infektion mitgebracht von dort.
00:12:36Man hat lange nicht rausgefunden, was das war. Malaria war es wohl nicht.
00:12:40Aber der hat zwei Jahre immer wieder mit Fieberschüben und schwerer körperlicher Erschöpfung zu kämpfen gehabt.
00:12:47Aber die Strapazen lohnen sich. Die Tiere überstehen die Reise gut und werden schnell zur neuen Attraktion im Frankfurter Zoo,
00:12:55den Gzimek geschickt zu internationalem Renommee führt.
00:13:04Er war getrieben davon, immer besondere Tiere im Zoo Frankfurt zu zeigen.
00:13:10Es war ein großer Sport für ihn, wirklich, das kann man echt Sport nennen, zu schreiben, zum ersten Mal zu
00:13:15sehen.
00:13:15Er wollte einen Okapi unbedingt haben und, und, und.
00:13:18Und hat oft damit getrommelt, dass etwas bei ihm zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal europaweit, weltweit zu
00:13:25sehen war.
00:13:27Die Kunst mit exotischen Tieren, sein Publikum zu begeistern, beherrscht Bernhard Gzimek in Perfektion.
00:13:34Auch als Autor. Sein Buch über die erste Reise mit seinem Sohn, Flug ins Schimpansenland, wird ein Bestseller.
00:13:43Aber ihr nächstes Projekt soll nicht nur ein Buch mit Fotos werden, sondern ein Kinofilm.
00:13:50Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht sogar Michael da auch die treibende Kraft war,
00:13:55der wirklich in seinen jungen Jahren sehr engagiert war.
00:13:59Und dazu kam eben das Marketing-Genie Bernhard dazu, in der Kombination,
00:14:04dass sie gesagt haben, da können wir dann zum einen aufklären, aber auch Gelder generieren,
00:14:11wo sie das ja erstmal alles selbst finanziert haben.
00:14:13Das war natürlich ein großes Unterfangen, denn die haben sich auch sehr stark verschuldet damals,
00:14:18um das überhaupt zu machen.
00:14:20Und als Zodirekter verdient man nicht mal die Welt.
00:14:24Also die haben große Kredite aufgenommen, um das durchzuziehen.
00:14:28Das waren ja extreme Kosten damals, was Filme noch kosteten und Entwicklung und das wegzuschicken.
00:14:34Also das kann man sich gar nicht vorstellen.
00:14:371954 brechen die Gzimeks in den Kongo auf.
00:14:41Als erste Deutsche fangen sie Afrikas Tierwelt in Farbe ein.
00:14:49Buch und Filmprojekt haben den Titel »Kein Platz für wilde Tiere«.
00:15:01Das hat er natürlich in Afrika gesehen, Bevölkerungsdichte, die immer wachsenden Dörfer,
00:15:08die in den Busch hineingehen, die dadurch die wilden Tiere immer mehr verdrängen aus ihren angestellten Umgebungen
00:15:16und es immer an den Grenzen natürlich zu Konflikten kommt.
00:15:19Das hat er sehr früh gesehen.
00:15:21Auch über den dunklen Erdteil wälzt sich der schwere Leib der Technik.
00:15:26Obenauf ein farbiger, dem die Erde gehorcht.
00:15:30Die Signale unserer Tage leuchten auch in Afrika, in den Straßen seiner Städte,
00:15:36in denen der Verkehr genauso brandet wie bei uns und wo seine Regeln genauso eingehalten werden müssten wie bei uns.
00:15:45Das ist im Grunde eine sehr alte imperiale Erzählung.
00:15:48Also die Vorstellung, dass sich in Afrika eine Ursprünglichkeit bewahre,
00:15:51die in Europa im Zuge von Urbanisierung, Modernisierung, Industrialisierung verloren gegangen sei.
00:15:58Das war auch ein Motiv, was im 19. Jahrhundert schon viele Missionare etwa nach Afrika getrieben hat
00:16:03und bot dann eben auch für Gzimek Anknüpfungspunkte, um sein Publikum zu erreichen.
00:16:08Der Europäer Gzimek sieht sich in der Pflicht, die Tiere Afrikas vor der wachsenden Zahl der Afrikaner zu schützen.
00:16:17Das war sehr mutig, weil in einer Zeit in Deutschland oder Amerika,
00:16:22wen hat das interessiert letztendlich, ob wir mal überbevölkert sind oder nicht,
00:16:27überhaupt so ein Thema überhaupt anzustoßen.
00:16:29Aber sie war mit dem Film natürlich sehr erfolgreich.
00:16:32Bei der Berlinale 1956 tritt der Film mit der bitteren Botschaft
00:16:38gegen einen sentimentalen Disney-Tierfilm an
00:16:41und gewinnt den Goldenen Bären und den Publikumspreis.
00:16:47Ein Redakteur des Hessischen Rundfunks wird auf den filmschaffenden Zoodirektor und seinen Sohn aufmerksam.
00:16:53Es stellt sich heraus, die Gzimeks verstehen es, Unterhaltsames mit Wichtigem zu kombinieren.
00:16:59Und dann gab es diesen Sendeplatz, 20.15 Uhr, beste Sendezeit, so wie man ihn dann auch später kannte,
00:17:06im Studio immer mit einem wilden Tier.
00:17:08Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich habe Ihnen einen kleinen Wüstenfuchs heute mitgebracht.
00:17:14Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich habe Ihnen heute aus dem Frankfurter Zoologischen Garten,
00:17:20die Schimpansin Uschi, mitgebracht.
00:17:22Wir sind heute zu vieren hier erschienen. Außer mir zwei kleine Gorillas und ihre Pflegemutter Frau Podolzer.
00:17:28Sowas hatte man ja vorher noch nicht gesehen. Also wir kennen ja heute diese YouTube-Clips und kleinen Filmchen,
00:17:35wie Leute mit den exotischen Tieren agieren. Damals war das komplett neu, solche Aufnahmen zu sehen.
00:17:41Wir haben die kleine Koki vor 14 Jahren, mein Sohn Michael und ich, aus dem Herzen des Kongo mitgebracht,
00:17:48aus dem Eturi-Urwald.
00:17:51Bernhard Gzimek zeigt nicht nur exotische Tiere. Er nimmt sein Publikum mit auf Abenteuerreise.
00:17:59Nach Afrika wollen wir auch in unsere heutigen Sendung gehen. Ich habe nämlich im letzten Jahr im Sommer mir ein
00:18:06Schwimmauto gekauft.
00:18:08Das ist ein richtiges Spielzeug für ausgewachsene Männer.
00:18:22Ja, er hatte über 70 Prozent Einschaltquoten und deswegen war es eben ein Straßenfeger.
00:18:31Gzimek hat seine Fernsehsendung sehr geschickt auch als Instrument der Spendenakquise eingesetzt.
00:18:36Er hat in jeder Folge zu spenden auf das von ihm eingerichtete Sonderkonto für die bedrohte Tierwelt aufgerufen.
00:18:41Einige von Ihnen haben mich gebeten, während der letzten Sendungen Ihnen doch Wege zu nennen, wie Sie diesen Tieren helfen
00:18:49könnten.
00:18:51Sie müssen den Mut haben, selbst etwas zu tun und wenn Sie noch mehr tun wollen, dann bitte schicken Sie
00:18:58eine Spende an das Konto Natur in Gefahr.
00:19:01Inzwischen darf ich Sie aber nochmals wieder auf unser Konto wie üblich hinweisen.
00:19:07Irgendwann war es den Verantwortlichen der Sendung beim Hessischen Rundfunk auch mal zu viel.
00:19:12Man wollte gerne die Sendung, man wollte die tollen Aufnahmen, man wollte ihn als Zugpferd, aber dass er immer und
00:19:17immer wieder auf dieses Spendenkonto hinwies.
00:19:20Man hat versucht, ihm das zu untersagen, tatsächlich.
00:19:24Er war von Grund auf eigentlich Beamter und hat nur den Grundsatz gehabt, ich kann alles machen als Beamter.
00:19:30Und damit war sein Wahlspruch immer, ich lasse mich mindestens dreimal abmahnen, verspreche dann, ich tue es vielleicht nie wieder.
00:19:42Nach heutigen Maßstäben ist sowohl die Einnahmen- als auch die Ausgabenseite dieser Spendengelder intransparent.
00:19:52In welcher Millionenhöhe sich das bewegt, kann ich tatsächlich nicht sagen, war extrem.
00:19:57Also ganze Nachlässe wurden ihm, nicht ihm, sondern dem Naturschutz überlassen, was er dann einsetzen konnte.
00:20:05Gimeks Augenmerk richtet sich bereits während der Dreharbeiten zu kein Platz für wilde Tiere auf einen einzigartigen Flecken Natur.
00:20:16Die Serengeti.
00:20:22Weltweit der letzte Ort, an dem noch große Säugetierherden umherziehen.
00:20:31Um diese zu bewahren, macht die britische Kolonialregierung die Serengeti 1951 zu einem Nationalpark.
00:20:41Zu der Zeit leben Massai darin.
00:20:44Sie werden von der Kolonialregierung toleriert, nicht aber von internationalen Naturschützern.
00:20:53Die Briten führen Ende der 1950er Jahre im benachbarten Kenia einen blutigen Krieg gegen die dortige Mau-Mau-Bewegung.
00:21:02Sie wollen nicht einen weiteren Konflikt in der Serengeti riskieren. Und schon gar nicht mit den wehrhaften Massai.
00:21:12Die Massai sind eines der großen Kriegervölker Afrikas. Technisches Spielzeug wie das Auto oder die Armbanduhr ist ihnen egal.
00:21:21Sie interessieren sich nur für Rinder. Je mehr Rinder ein Mann hat, desto reicher ist er.
00:21:28Um die Massai nicht umsiedeln zu müssen, sucht die Kolonialregierung eine pragmatische Lösung.
00:21:34Den Nationalpark verkleinern, damit die Massai weiterhin die Savanne als Weideland nutzen können.
00:21:40In Jimex' Augen ein fatales Zugeständnis.
00:21:45Im Kampf um neuen Raum für die Menschen sind auch die letzten Tiere Afrikas von der Vernichtung bedroht.
00:21:51Afrikas Tiere müssen weichen.
00:21:57Er ist der festen Überzeugung, in einem Nationalpark ist kein Platz für Menschen.
00:22:05Es wäre ihm das Liebste gewesen, eine von Menschen unbeeinflusste Wildnis zu haben.
00:22:11Und dazu gehören auch Menschen, die in der Region eben immer schon gelebt haben.
00:22:19Tauta Mapi lebt mit seiner Familie am Rande des Serengeti-Nationalparks.
00:22:25Seiner Meinung nach harmoniert die Lebensweise seines Volkes sehr gut mit dem Ideal eines Nationalparks.
00:22:33Es gibt zum Beispiel keine Wilderei.
00:22:42In der Kultur der Massai, dank der Weisheit unserer Vorfahren, ist es tabu, Fleisch von wilden Tieren zu essen.
00:22:56Die Massai sehen sich als Teil der Serengeti.
00:23:00Ihrer Meinung nach fügen sie und ihre traditionelle Viehhaltung sich perfekt in das Ökosystem der Savanne ein.
00:23:09Wenn man durch die Stammesgebiete der Massai geht, sieht man noch wilde Tiere.
00:23:14In anderen Gebieten nicht?
00:23:20Dennoch waren die Gzemeks überzeugt.
00:23:23In Gebieten, in denen der Mensch lebt, auch wenn es die Massai sind, wird es irgendwann keinen Platz mehr für
00:23:30wilde Tiere geben.
00:23:39In Frankfurt schmieden sie deshalb einen ungewöhnlichen Plan.
00:23:46Das Geld, was außerdem keinen Platz für Tiere erwirtschaftet hat, wollten sie eigentlich dafür nutzen, um einen Teil der Serengeti
00:23:53zu kaufen, um das als Schutzgebiet einzurichten.
00:23:57Er wollte ja eigentlich eine Farm dort kaufen und selber wie eine Arche im Prinzip ein Land gründen.
00:24:04Das war die Ursprungsidee.
00:24:07Die Gzemeks laden den damaligen Direktor der Kolonial-Nationalparkbehörde Peter Melloy nach Frankfurt ein und machen ihm das als Vorschlag.
00:24:15Doch der lehnt dankend ab.
00:24:18Er hofft stattdessen, die beiden Deutschen beschaffen ihm dringend benötigte Erkenntnisse über das Ökosystem Serengeti.
00:24:25Der damalige Direktor Melloy hat gesagt, macht lieber Forschung darüber, wie sind die Tierwanderungen.
00:24:32Und das haben sie dann eben auch gemacht.
00:24:35Gzemeck und sein Sohn lernen fliegen und schaffen sich ein Kleinflugzeug an.
00:24:47Wie fliegt man nach Afrika, wenn man ein paar Wochen vorher in einer Dornier neun Meter lang spärlich ausgerüstet fliegen
00:24:55gelernt hat?
00:24:56Man legt sich einen ADAC-Straßenatlas auf die Knie und fliegt los.
00:25:04Kein Navi, keine Peilung, zwei Männer und ein Ziel.
00:25:09Und das Ziel durften sie ja nicht mal bekannt geben, denn sie hätten nie die Genehmigung bekommen, nach Afrika zu
00:25:14fliegen.
00:25:14Das heißt, sie haben nicht bekannt gegeben, als sie von Egelsbach losflogen, wohin sie eigentlich wollten.
00:25:20Und sie sind dann immer in Etappen schön geflogen und mussten auch mal wieder zurückfliegen, wenn das Wetter zu schlecht
00:25:26war.
00:25:27Das war also ein echtes Abenteuer.
00:25:421958 kommt Gzemeck mit seinem Sohn in der Serengeti an.
00:25:46Dem Ort, der zu ihrem Schicksalsort werden sollte.
00:25:54Gzemeck hat sich dann überlegt, zusammen mit seinem Sohn Michael, also wie können wir das eigentlich ermitteln, wo diese Tiere
00:25:59da laufen.
00:26:00Und dann haben sie versucht, die Zebras zu fangen, vom fahrenden Jeep aus, weil auch so diese ganze Narkosetechnik nicht
00:26:07so etabliert war.
00:26:08Und hat dann versucht, den so bunten Farbbänder umzuhängen.
00:26:11Das war alles nicht so richtig zielführend.
00:26:14Ja, und dann wurde ihnen schon noch mal die Dimension klar.
00:26:17Also, dass wir über weit über 10.000 Quadratkilometer reden.
00:26:22Also, das sind schon riesige Flächen.
00:26:24Das ist so wie ein Viertel der Schweiz oder sowas.
00:26:26Jetzt müsste ich da die Tiere zählen.
00:26:28Und so sind die in die Luft gegangen.
00:26:30Und haben dann tatsächlich eigentlich pioniermäßig angefangen, Tiere aus der Luft zu zählen.
00:26:39Die Arbeit, die die Gzemecks damals anfangen, wird bis heute fortgeführt.
00:26:50Einer seiner Nachfolger ist Grant Hopcraft.
00:26:53Mit seinem Team erforscht der Biologe seit einem Vierteljahrhundert die mittlerweile weltberühmten Tierwanderungen in der Serengeti.
00:27:08Sie wollten vor allem zwei Dinge wissen.
00:27:10Wie viele Tiere gibt es und wohin ziehen sie?
00:27:14Und diese beiden Fragen beschäftigen uns bis heute.
00:27:19Heute haben wir allerdings GPS-Halsbänder, die in Echtzeit Daten liefern.
00:27:24Jeden Morgen bekomme ich 40, 50 E-Mails von Gnus, in denen steht, wo sie genau sind.
00:27:32Bernhard wäre begeistert gewesen und Michael ganz bestimmt auch.
00:27:39In jahrzehntelanger Feldforschung kann Grant Hopcraft bestätigen, was Gzemeck bereits vermutete.
00:27:51Gzemeck erkannte, dass eine Tierart eine Schlüsselrolle in diesem Ökosystem innehat.
00:27:56Die Gnus und deren Wanderungen.
00:28:00Heute sind es 1,3 Millionen Tiere. Zu Gzemecks Zeiten waren es gerade mal 200.000.
00:28:06Seit Gzemeck hat sich die Zahl versiebenfacht.
00:28:15Die weltberühmten Herden der Savanne sind zu Gzemecks Zeiten nur ein Bruchteil von dem, was sie heute sind.
00:28:21Auch Ostafrikas Bevölkerung ist damals auf die Hälfte reduziert.
00:28:26Die Folgen einer Katastrophe.
00:28:32Es gab eine Krankheit namens Rinderpest, die um 1890 nach Afrika kam, eingeschleppt über das Horn von Afrika durch Viehtransporte.
00:28:41Das Virus tötete massenhaft Rinder- und Wildtierbestände.
00:28:45Damit brach für viele Menschen die Lebensgrundlage weg, denn sie waren auf die Tiere und Ökosysteme angewiesen.
00:28:55Es war die größte Epidemie, die Afrika je getroffen hat. Viel schlimmer als Covid oder die Aids-Krise.
00:29:13Die Gzemecks dokumentieren ein stark verzerrtes Bild der Tierwanderungen in der Serengeti.
00:29:20Gzemeck war es ein wichtiges Anliegen, Argumente zu schaffen, um die Serengeti weiterhin abzuschotten vor menschlicher Nutzung.
00:29:28Um dann eben mit diesem imposanten Datenmaterial sein Argument zu unterfüttern, dass dieses Gebiet akut bedroht sei, wenn Menschen dort
00:29:36Viehweide betreiben dürften.
00:29:39Nach fast zwei Jahren reichen sie das Ergebnis ihrer Forschung bei der britischen Kolonialregierung ein.
00:29:46In der Hoffnung, das schlagende Argument gegen die geplante Verkleinerung des Nationalparks geliefert zu haben.
00:29:55Sie hatten beobachtet, wie die Tiere nur im Süden der Serengeti wandern, was das Gebiet um den Gorongoro-Krater für
00:30:03die Herden überlebenswichtig macht.
00:30:07Doch die britische Kolonialregierung entscheidet anders. Das Kratergebiet soll nicht mehr zum Nationalpark gehören.
00:30:15Stattdessen wagt sie ein Experiment. Ein Naturschutzgebiet, in dem auch Menschen leben dürfen.
00:30:25Eine Multi-Use-Area, wie sie das damals genannt haben. Also da soll schon Naturschutz geben, da soll es auch
00:30:31Tourismus geben, soll eigentlich keine Jagd mehr geben.
00:30:34Aber es soll auch Beweidung geben und Menschen dürfen da auch siedeln. So, das war so der Gedanke.
00:30:39Das fand Cimek fatal. Also nach seinen Vorstellungen war das eben eigentlich so Richtung Ende der Serengeti.
00:30:45Und daher eben dieser Film, Serengeti darf nicht sterben.
00:30:50Soll nicht wenigstens die Serengeti, dieser letzte Platz der riesen Steppenherden in Afrika, erhalten bleiben, wie Gott ihn erschuf.
00:31:01Die Kolonialregierung versucht, Cimek und anderen Naturschützern entgegenzukommen.
00:31:09Zum Ausgleich für den abgetrennten Teil im Südosten fügt sie dem Nationalpark im Norden ein Gebiet hinzu,
00:31:16das nach Auffassung der Cimeks allerdings völlig wertlos ist für den Erhalt der großen Herden.
00:31:23Und dann hat es eigentlich eine echte Ironie der Geschichte ergeben.
00:31:27Weil nämlich die Cimeks gedacht haben, okay, der zentrale Teil der Serengeti und der Süden und Osten, das ist das
00:31:33Entscheidende.
00:31:34Und den Norden kann man eigentlich vergessen. Der Norden schließt aber an an den Mara-Fluss, den Grenzfluss nach Kenia.
00:31:41Und heute wissen wir, das ist der einzige Fluss im gesamten Ökosystem, der ganzjährig immer Wasser führt.
00:31:47Und der ist extrem wichtig für diese großen Huftierbestände.
00:31:51Also tatsächlich wäre es so gewesen, wenn man Cimeks Vorstellung gefolgt hätte, hätte die Serengeti, wie wir sie kennen, vielleicht
00:31:58nicht überlebt.
00:32:01Mit dem Zugang zum Wasser ist ein wichtiger Baustein für die Zukunft der Tiere gesichert.
00:32:16Gzimek weiss das damals nicht. Sein Fokus liegt weiterhin auf dem Kratergebiet.
00:32:24Denn hier bringen die Gnus ihre Kälber zur Welt.
00:32:34Die Kinderstube der großen Herden will er keinesfalls den Massai überlassen.
00:32:43Diese hochgewachsenen Hirten töten kein Wild, sondern leben nur von ihren eigenen Rinderherden.
00:32:49Aber sie sperren den großen Gnu-Herden in der Trockenzeit die letzten Wasserlöcher ab.
00:32:54So bringen sie die letzten Quellen zum Versiegen und vernichten ihre eigene Zukunft.
00:32:59Aber welches schwarze oder weiße Hirtenvolk hätte sich schon um das fernere Schicksal seiner Heimat Gedanken gemacht.
00:33:08Er hat das Leben der Massai eigentlich doch sehr geschätzt.
00:33:13Aber was er nicht wollte, war in Gebieten, die einen Schutzstatus bekamen, dass dort gesiedelt wurde oder viele Menschen waren.
00:33:21Und da war er, glaube ich, auch gnadenlos und hat das manchmal dann auch später nicht so ganz deutlich gesagt,
00:33:30wie viele Menschen eigentlich aus diesen Gebieten dann umgesiedelt werden mussten.
00:33:36Die britische Kolonialregierung kommt der Forderung der Gjimex und anderer internationaler Naturschützer nach einem Nationalpark ohne Massai nach.
00:33:45Sie müssen das Gebiet verlassen.
00:33:48Tausende verlieren das Recht, in der Serengeti zu leben.
00:33:52Viele der umgesiedelten Familien leben heute in der damals eingerichteten Multi-Use-Area am Gorongoro-Krater.
00:34:00Einer von ihnen ist Joseph Oleshangai.
00:34:07Meine Familie, mein Vater und seine Eltern, lebte in der Serengeti und wurde von dort vertrieben.
00:34:16Sie kamen mit einem Lastwagen, der die Kranken und Alten aus dem Park brachte.
00:34:23Dann wurde allen gesagt, ihr müsst gehen.
00:34:28Also brachten er und sein Vater das Vieh nach Ngorogoro.
00:34:32Sie mussten umsiedeln.
00:34:38Joseph Oleshangai macht Gjimex und sein Verständnis von Naturschutz dafür mitverantwortlich.
00:34:49Die Maasai waren für ihn wie alle anderen Afrikaner.
00:34:53Und sie sollten nicht in einer Wildnis wie der Serengeti leben.
00:34:57Er drängte darauf, dass die Maasai woanders hingehen sollten, denn dieser Ort sei zu wertvoll.
00:35:03Die Tierwelt hier sei das Erbe der Menschheit.
00:35:07Ich erinnere mich, wie Professor Bernhard das immer wieder betonte.
00:35:16Man könnte ja auch sagen, ja, du hast ja ein gutes Leben in Frankfurt geführt mit deiner Familie und nimmst
00:35:21anderen etwas weg.
00:35:22Das ist, glaube ich, die Kritik, wie man es zusammenfassen könnte, wo man sagen könnte, du bist da hingekommen.
00:35:29Thema Kolonialisierung, so ein bisschen wie der weiße Herrscher und sagst, hier, wir müssen das alles ganz anders machen.
00:35:36Auch wenn die Entscheidung gefallen ist, Gjimex und sein Sohn hoffen, dass das Kratergebiet bald wieder Teil des Nationalparks wird.
00:35:45Ihr Film soll genau dafür werben.
00:35:56Michael wollte nochmal losfliegen, er wollte gucken, wo sie am nächsten Tag drehen konnten.
00:36:02Also er wollte schon abends eruieren, wo welche Tierherden gerade sind.
00:36:08Die Dreharbeiten sind fast abgeschlossen. Am Folgetag will er nach Hause fliegen.
00:36:21Mein Vater war eigentlich der guter Flieger, was ihm halt leider passiert ist, dass ihm ein Geier in die Tragfläche
00:36:26reingeflogen ist.
00:36:28Das hat ja schon meine Mutter immer erzählt, dass es sehr schwierig ist, in der Luft zu beurteilen, fliegen die
00:36:33auf einen zu oder fliegen sie weg.
00:36:34Und das hat wohl starke Schäden am Flugzeug gegeben, die Steuerung unmöglich gemacht.
00:36:41Aber er hatte noch den Motor abgestellt, sodass es also nicht explodiert, die Maschine.
00:36:46Aber gut, er war halt auch sehr niedrig und konnte also nicht segeln.
00:36:52Und er ist aus relativ niedriger Flughöhe abgestürzt und war dann auch sofort tot.
00:37:00Am 10. Januar 1959 verunglückt Michael Gschemeck. Er ist 24 Jahre alt.
00:37:11Niemand mag sich vorstellen, wie das ist, ein Kind zu verlieren.
00:37:15Noch dazu eines, was er so geliebt und geschätzt hat und auch als seinen legitimen Nachfolger gesehen hat.
00:37:22Für meinen Großvater war es natürlich ein sehr großer Schock, ein sehr großer Schmerz.
00:37:27Es war ja nicht nur sein Sohn, sondern wie er auch mal selber gesagt hat, auch sein bester Freund.
00:37:32Ja, also das war natürlich ein ganz tolles Team, die zwei.
00:37:35Und die haben ja noch sehr viel gemeinsam erarbeitet und geschaffen.
00:37:48Es war für die gesamte Familie eine Tragödie, natürlich nicht nur für Bernhard.
00:37:54Denn Michael war mittlerweile jung verheiratet, hatte bereits einen kleinen Sohn und der zweite Sohn war unterwegs.
00:38:01Und dieser Sohn, Enkelkind von Bernhard Gschemeck, hat seinen Vater nie kennengelernt.
00:38:08Ich bin auch ein Riesenschlag für meine Mutter, meine Damen und Herren, damals, was war sie, 27?
00:38:16Und ja, mit zwei kleinen Kindern, weil ich weiß, was eigentlich wird.
00:38:22Also einmal natürlich der persönliche Schmerz hat, aber auch dann natürlich der finanzielle, ob das ein Erfolg wird oder nicht.
00:38:28Ich bin auch ein Riesenschlag für meine Mutter, aber ich bin auch ein Riesenschlag für meine Mutter.
00:38:30Bernhard Gschemeck macht das, was er am besten kann.
00:38:41Der hat sich komplett in die Arbeit gestürzt.
00:38:44Er hat über diesen Verlust, über diese unfassbare Trauer und diesen Schmerz weggearbeitet.
00:38:48Er wusste, der Film muss zu Ende gestellt werden.
00:38:51Und ich mag mir nicht vorstellen, wie es gewesen sein muss, im Schnittraum zu sitzen und natürlich auch ganz viel
00:38:57Michael zu sehen.
00:39:00Denn er hatte ihn ja auch gefilmt. Sie haben sich ja gegenseitig auch immer wieder gefilmt und das Material in
00:39:05den Händen zu haben und verarbeiten zu müssen.
00:39:24At the Pantagious Theater, it's Hollywood's Big Night, the 32nd Annual Oscar Award,
00:39:29with a dazzling crowd of Dundon's great names packing the house,
00:39:32and the attention of the nation focused on the ceremony.
00:39:40Bernhard Gschemeck bringt die Arbeit nicht einfach nur zu Ende.
00:39:50Ich glaube, einen größeren Erfolg als einen Oscar für einen Film zu gewinnen gibt es kaum.
00:39:55Und den hat er ja mit Serengeti darf nicht sterben gewonnen.
00:39:59Serengeti shall not die, Bernard Gschemeck.
00:40:05I thank you in the name of my late friend and son, Michael, who has been killed just when finishing
00:40:13our research work in Africa and this film.
00:40:17He should stand this evening on my place. Thank you.
00:40:25Der erste Oscar, der nach dem Krieg wieder nach Deutschland gegangen ist.
00:40:29Und das war natürlich eine unglaubliche Bühne.
00:40:32Und wenn er Gebiete für wichtig erachtet hat, hat er versucht natürlich, die auch publik zu machen.
00:40:37Und das ist mit der Serengeti in einer Art und Weise gelungen, wie wir es eigentlich von keinem anderen Nationalpark
00:40:42der Welt kennen.
00:40:43Herr Dr. Gschemeck, Sie sind soeben von einer Afrika-Reise zurückgekehrt.
00:40:47Sie haben noch einen Film gedreht, Serengeti darf nicht sterben, und Ihnen an Ort und Stelle, also den Akteuren, vorgeführt.
00:40:53War das nicht etwas gewagt?
00:40:56Ach, na ja, Sie meinen, man mogelt so etwas bei Afrika-Filmen und möchte dann den Fachleuten das nicht gern
00:41:02zeigen, ja.
00:41:03Aber wir haben es gewagt. Und es ist an sich ja doch ganz gut, wenn Politiker, einflussreiche Leute, wie zum
00:41:12Beispiel der neue schwarze künftige Ministerpräsident von Tanganyika, Julius Nierere, gezwungen sind, sich so einen Film zwei Stunden lang anzuhören
00:41:21und anzusehen.
00:41:22Ich glaube, das war ganz gut so.
00:41:29Julius Nierere ist der Hoffnungsträger der Tansania. Er soll das Land in die Unabhängigkeit führen.
00:41:37Naturschützer wie Bernhard Gschemeck fragen sich allerdings, ob die Nationalparks diesen Wandel überstehen.
00:41:43In Ostafrika erschien Naturschutz erstmal als etwas, was die Kolonialmächte eingeführt hatten.
00:41:49Naturschutzgebiete als etwas, wo weiße Jäger sozusagen ihren Sport betrieben und wo die, in Anführungszeichen, normale Bevölkerung nicht hin dürfe.
00:41:57Also man betrachtet das als ein Instrument kolonialer Fremdherrschaft.
00:42:01Die Begeisterung für die kommende Unabhängigkeit kann Gschemeck deshalb nicht zurecht teilen.
00:42:06Er befürchtet, dass in Tansania das passieren würde, was er kurz zuvor bereits im Kongo selbst miterleben musste.
00:42:16Das Negativbeispiel galt dann immer der Fall des Belgisch-Kongo, wo ja die Kolonisation in einer Katastrophe mündete.
00:42:25Nach Ausschreitungen gegen die belgischen Kolonialbeamten sind halt ganz viele Belgier geflohen.
00:42:29Die Staatsverwaltung brach zusammen, ein Bürgerkrieg brach aus und das führte in kurzer Zeit zum kompletten Staatszusammenbruch.
00:42:36Und eben auch zum Zusammenbruch des Schutzes der Naturschutzgebiete.
00:42:39Mit aller Kraft versucht Gschemeck, ein solches Unglück in Tansania, damals noch Tanganyika, zu verhindern.
00:42:47Ich war hinbeordert zu dem Staatspräsidenten, Herrn Dr. Julius Nyerere von Tanganyika, das ja jetzt ganz selbstständig geworden ist im
00:42:56Dezember.
00:42:56Und habe alles Mögliche besprochen über die Hege und den Schutz, die Erhaltung der Tiere in Tanganyika.
00:43:05Und dann war ich bei den schwarzen Ministern eingeladen und was sich so alles ergibt.
00:43:11Es sollte sich herausstellen, dass Bernhard Gschemeck ein besonderes Talent für den Umgang mit den neuen afrikanischen Regierenden hat.
00:43:21Im Jahr 1961 lädt die IUCN, die älteste Naturschutzorganisation der Welt, zu einer Konferenz nach Arusha,
00:43:30um Julius Nyerere vom Wert der Nationalparks zu überzeugen.
00:43:35Gschemeck ist eingeladen und sein ehrliches Engagement beeindruckt das neue Staatsoberhaupt.
00:43:46Bernhard Gschemeck hat dann sehr rasch erkannt, das machen die auch gut und wir sprechen mit denen auf Augenhöhe.
00:43:51Und das hat ja auch eine enorme Entwicklung dann gegeben, eigentlich zwischen zwei Männern,
00:43:56nämlich Bernhard Gschemeck aus Frankfurt und Nyerere, der junge Führer eines gerade unabhängig gewordenen Landes.
00:44:05Und die haben sich sehr gut verstanden und haben sich auch gegenseitig sehr geschätzt und auch ergänzt.
00:44:10Und auch das zeigt, wie Bernhard Gschemeck sich sehr, sehr rasch an diese Gegebenheiten angepasst hat.
00:44:16Und da ist er wirklich schon auch vorangegangen, um mit diesen Staatsführern der unabhängigen Nationen zu verhandeln und eben Naturschutz
00:44:24zu entwickeln.
00:44:27Auf der Arusha-Konferenz versuchen die UNESCO, die schwedische Regierung und zehn Naturschutzorganisationen,
00:44:34die junge tansanische Regierung von der moralischen Verantwortung und zugleich von der wirtschaftlichen Bedeutung der Nationalparks zu überzeugen.
00:44:46Und sie versuchen zu erreichen, dass das Kratergebiet wieder zum Nationalpark wird.
00:45:02Die Kolonialregierung versuchte einen Kompromiss. Ein Teil wurde Nationalpark.
00:45:08Und um den Gorongoro-Krater war mehrfach Nutzung erlaubt.
00:45:12Sie dachten, das sei eine Win-Win-Situation.
00:45:15Ein bisschen den Maasai entgegenkommen und ein bisschen den Naturschützern entgegenkommen.
00:45:22Doch die Naturschützer waren damit nicht zufrieden und machten weiter.
00:45:28So kam es zur Arusha-Konferenz, um sich für mehr Naturschutz einzusetzen.
00:45:34Und tatsächlich ging die Diskussion über die Vertreibung der Maasai außen Gorongoro direkt nach der Unabhängigkeit weiter.
00:45:46Gzimek und Nyerere suchen nach gemeinsamen Interessen.
00:45:51Nyerere will sein Land aus der Armut führen.
00:45:54Gzimek will die Serengeti bewahren und verspricht, dass der Nationalpark Einnahmen und Spendengelder bringen wird.
00:46:01Die beiden haben sich lange und intensiv ausgetauscht.
00:46:06Dem Vernehmen nach auch nicht so, dass der eine geredet hat und der andere gelauscht, sondern es war ein Dialog.
00:46:12Wo Bernhard Gzimek, Julius Nyerere, auch überzeugen konnte, was für einen Wert er mit den Tieren in seinem Land hatte.
00:46:21Denn das hat Nyerere selbst so anfänglich nicht gesehen.
00:46:29Mein Großvater erzählt immer, wie er sich mal mit dem Präsidenten unterhalten hat und ihn davon überzeugt hat,
00:46:34dass also Leute mal nach Afrika reisen, um Tiere zu sehen.
00:46:38Was er natürlich, der selber auf dem Land aufgewachsen war, gar nicht für möglich gehalten hat.
00:46:43Ja, aber er hat ihn dann davon überzeugt und dass es eben auch vielleicht ein Geschäft für das Land sein
00:46:49kann.
00:46:50Zu Beginn aus reinem Pragmatismus entscheidet sich Nyerere, den Nationalpark zu erhalten.
00:47:00Nyerere sagte, ich liebe wilde Tiere zwar nicht, aber wenn sie Geld bringen, meinetwegen.
00:47:08Gzimek hält sein Versprechen.
00:47:10Mit seinen Spendengeldern finanziert er zum Beispiel die Ranger-Ausbildung.
00:47:15Das Mweka Wildlife College besteht bis heute.
00:47:22Auch Julius Nyerere steht zu seinem Wort.
00:47:27Nicht nur der Serengeti-Nationalpark wird erhalten, sondern es werden weitere eröffnet.
00:47:41Er beobachtete aufmerksam die Entwicklung in den benachbarten Kenia,
00:47:44wo der Tourismussektor bereits einen bedeutenden ökonomischen Faktor darstellte.
00:47:49Die Tourismuswirtschaft Tansanias war demnächst immer deutlich kleiner,
00:47:53aber das ließ sich eben als Potenzial bewerten, dass es aus dem, was zu schöpfen gelte.
00:47:58Und in dieser Frage zogen Gzimek und Nyerere an einem Strang.
00:48:03Bernhard Gzimek tut alles dafür, um auch das Versprechen des Geldregens durch den Tourismus wahr werden zu lassen.
00:48:12Dazu können wir alle mithelfen, dass es gelingen wird, diesen einzigartigen Platz auf Erden zu erhalten.
00:48:20Und das wird nur möglich sein, wenn einige von uns herunterfahren und der neuen schwarzen Regierung von Tanganyika
00:48:27jetzt zeigen, dass dieser Platz wert ist, für Europäer besichtigt zu werden.
00:48:33Wenn also welche von Ihnen, die mir hier zusehen, runterfahren, dann brauchen Sie nur leichte Sommerkleidung mitzunehmen
00:48:40und keinerlei Afrika-Ausrüstung etwa.
00:48:43Denn hier liegt ein richtiges Hotel.
00:48:45Diese Hütten sind alle Einzelzimmer mit fließendem Wasser, mit sehr bequemer Einrichtung
00:48:49und fahren in zweieinhalb Stunden mit einem Geländewagen herunter.
00:48:54Und genau so aus derselben Entfernung werden Sie das sehen, wenn Sie das erste Mal sich das ansehen.
00:49:06Gzimek ist der erste, der Afrikas Wildnis nicht als lebensgefährliches Abenteuer darstellt,
00:49:12sondern als erschwingliches Urlaubsziel. Und weckt damit auch neue Sehnsüchte.
00:49:20Er hat im Fernsehen gesagt, es gibt jetzt Pauschalreisen in diese Serengeti.
00:49:25Er hat gesagt, ja, es gibt hier dieses Reisebüro in Frankfurt, da können Sie diese Reisen, die ich mache, auch
00:49:29buchen.
00:49:29Für 1500 D-Mark kann man also für drei Wochen nach Afrika fliegen mit Essen und Hoteln und allem.
00:49:36Diese Reisen gab es gar nicht. Er hat es einfach behauptet und hat es damit in Bewegung gesetzt.
00:49:39Ich muss Ihnen heute eingestehen, dass, als ich es damals sagte, es einfach nicht wahr war.
00:49:46Aber es haben aufgrund dieser Fernsehsendung so viele Menschen bei den Reisebüros nachgefragt.
00:49:53Einige haben sich dann fast gezwungen gesehen, durch die Nachfrage solche Fahrten zu organisieren,
00:49:58in der Dauer, die ich gewissermaßen vorgeschrieben hatte in unseren Sendungen und zu dem Preis.
00:50:03Aber da gab es einen Rann dann auf die Reisebüros und alle wollten eigentlich diese Pauschalreise in die Serengeti buchen.
00:50:10Und ja, dann haben die Büros natürlich versucht, da irgendwelche Reisepakete zusammenzuschmüren.
00:50:13Und damit sind natürlich die ersten Menschen dann auch in die Serengeti gereist und waren dann völlig fasziniert und begeistert.
00:50:35Damals waren Reisen nach Afrika ja überhaupt noch nicht üblich.
00:50:40Damit fing erstmal so ein bisschen dieser Tourismus an, wie wir ihn eigentlich heute noch kennen.
00:50:59Er wollte die Leute dorthin bringen, denn das, glaube ich, war seine Überzeugung.
00:51:04Auch nur das, was man kennt, kann man gut schützen.
00:51:06Und er wollte das wirklich der Weltöffentlichkeit zeigen, was es noch an Schätzen gibt, an Naturschätzen,
00:51:12an Tieren, an Wildnis, die es zu schützen gilt. Und das hat er damit erreicht.
00:51:20Bis heute sichert das Geld der Touristen die Existenz der Nationalparks.
00:51:30Dieser Ansatz des Tourismus hat sich enorm entwickelt.
00:51:33Also das ging immer stallbergauf und das hat Einnahmen hingebracht in die Region.
00:51:38Und dann hat man eben auch Mittel, um die Gebiete zu schützen, um die Ranger zu bezahlen, um Infrastruktur zu
00:51:44machen.
00:51:45Also alles, alles enorm wichtig.
00:51:49Die bescheidenen Anfangszeiten des Tourismus sind allerdings lange vorbei.
00:51:57Wir sind auf den Tourismus angewiesen.
00:52:00Diese Nationalparks könnten ohne Tourismus nicht existieren.
00:52:04Daran besteht kein Zweifel.
00:52:08Joseph Oleshangai und seine Familie haben trotzdem einen anderen Blickwinkel auf den Tourismus in der Natur, die mal ihre Heimat
00:52:16war.
00:52:19Wir haben sieben Siedlungen besucht, in denen mein Vater lebte.
00:52:24Und vier davon sind heute das Geschäft irgendwelcher Leute.
00:52:27Eine Siedlung ist ein Campingplatz.
00:52:29Eine ist das Eingangstor zum Nationalpark.
00:52:33Eine dritte ist nun das Fünf-Sterne-Hotel Serengeti Sopalodge.
00:52:39Und dann gibt es noch den Ranger-Posten.
00:52:41Es ist also nicht so, dass keine Menschen erwünscht sind.
00:52:44Es sind nur bestimmte Menschen nicht erwünscht.
00:52:46Und damit habe ich ein Problem.
00:52:51Mit Safari-Tourismus werden heute Millionen Gewinne gemacht.
00:52:55Es ist die grösste Devisenquelle des Landes.
00:52:58Die Eigentümer der Firmen kommen allerdings oft aus dem Ausland.
00:53:07Leidness Mushi arbeitet als Managerin für einen Hotelbetreiber am westlichen Rand der Serengeti.
00:53:20Willkommen bei Grumeti Hills.
00:53:24Unserer Firma Mount Kilimanjaro Safari Club gehören 14 Anlagen.
00:53:29Aufgeteilt in drei Zonen.
00:53:33Die Küstenzone, die Südzone und die Nordzone.
00:53:39Juli, August und September ist unsere Hochsaison.
00:53:45In der Nordzone haben wir dann etwa 5000 Gäste pro Monat.
00:53:54Eine Übernachtung kostet 800 Dollar pro Person.
00:54:06Wenn die Gäste ankommen, können sie eine Walking Safari machen.
00:54:11Danach bereiten wir für sie ein schönes Frühstück.
00:54:15Anschließend gibt es eine Safari im Grumeti-Gebiet.
00:54:18Außerdem bieten wir Nachtsafaris an, Sundowner und viele weitere Aktivitäten.
00:54:27Die Bevölkerung am Rand des Nationalparks profitiert allerdings nicht von dem Lebensmittelbedarf des Hotels.
00:54:38Die Lebensmittel kommen aus Arusha, im Norden Tansanias.
00:54:42Am Ende jedes Monats bringen unsere Lkw sie hierher.
00:54:47Die Provinzhauptstadt Arusha liegt acht Autostunden entfernt.
00:54:53Auch die meisten Arbeitskräfte kommen nicht aus der Umgebung des Hotels.
00:54:59Die Mitarbeiter kommen aus verschiedenen Regionen.
00:55:02Die meisten aus Arusha, andere vom Viktoriasee und von Mount Serengeti.
00:55:09Dafür, dass sie das Naturschutzgebiet mit ihren Touristen nutzen können,
00:55:13bezahlen die Betreiber eine Abgabe an die Regierung Tansanias, die zurück an die Gemeinde Robanda fließt.
00:55:19Eine spürbare Verbesserung der Infrastruktur vor Ort hängt dennoch oft vom freiwilligen Engagement der Betreiber ab.
00:55:28Wir haben derzeit kein gemeinsames Projekt, aber wir unterstützen die Gemeinde, wann immer sie Hilfe braucht.
00:55:37Wenn sie eine Schule oder ein Krankenhaus bauen oder wenn sie nach Wasser für die Tiere bohren.
00:55:42Wir unterstützen sie einfach.
00:55:58Die erhofften und tatsächlichen Effekte des Tourismus sowohl für Menschen als auch für Tiere
00:56:04treiben auch das internationale Forscherteam um Grant Hopcraft um.
00:56:08Sie versuchen, die wirtschaftlichen Daten des Tourismus zusammenzutragen.
00:56:12Den Effekt des wachsenden Tourismus auf das Ökosystem kennen sie.
00:56:16Die Frage ist, gibt es Kennzahlen, die zeigen, dass wir pro Tourist mehr Geld annehmen?
00:56:23Letztlich ist es doch eine Kosten-Nutzen-Analyse.
00:56:25Es gibt einen wirtschaftlichen Nutzen.
00:56:27Wie viel Geld wird erwirtschaftet?
00:56:29Die Kosten sind ökologischer Natur.
00:56:33Es ist wie mit der Gans, die goldene Eier legt.
00:56:39Die Eier werden einfach weggenommen und die Gans wird nie gefüttert.
00:56:43Die Auswirkungen werden letztlich größer, weil die Basis immer kleiner wird.
00:56:48Man nimmt und nimmt und gibt nie etwas zurück.
00:56:55Seit 20 Jahren erforscht der Biostatistiker Joseph Ogutu das Ökosystem der Serengeti.
00:57:01Er sucht nach einer Lösung für ein Dilemma.
00:57:04Einerseits behielt Gzimek recht.
00:57:06Millionen Touristen sichern die Finanzierung der Nationalparks.
00:57:09Andererseits belasten genau sie zunehmend das empfindliche Ökosystem.
00:57:15Tourismus ist ein zweischneidiges Schwert.
00:57:18Einerseits ist er eine sehr gute Sache, aber er birgt auch ernsthafte Risiken.
00:57:24Zum Beispiel viele Fahrzeuge, die Geparden oder Löwen stören und das Jagen erschweren.
00:57:48Gebäude werden dort errichtet, wo man am ehesten Wildtiere beobachten kann, weil die Menschen Wildtiere sehen wollen.
00:57:55Aber dadurch vertreibt man die Wildtiere aus ihrem besten Lebensraum.
00:58:00Wir sehen, dank der Radiosender an den Gnus, dass sie Gebäude in einem Radius von 8 Kilometern meiden.
00:58:10Das ist von hier bis da hinten, 8 Kilometer.
00:58:16Etwa 60 Prozent des Ökosystems liegen im Umkreis von 8 Kilometern um ein Gebäude.
00:58:24Die Touristen werden zu Konkurrenten der wilden Tiere um den Platz im Nationalpark.
00:58:31Zu Gzimeks Zeiten war die Landebahn in der Serengeti noch ein Außenposten der Zivilisation.
00:58:37Heute ist sie ein klimatisierter Flughafen mit bis zu 50 Starts und Landungen pro Tag.
00:58:43Man kann auch sehr, sehr leicht über das Ziel hinausschießen.
00:58:46Und auch das ist etwas, was wir heute in der Serengeti sehen.
00:58:49Wir sprechen dann vom Übertourismus, der tatsächlich dann auch Schaden anrichtet vor Ort.
00:58:55Und das sehen wir an vielen Gebieten dieser Erde, aber wir sehen es eben auch in der Serengeti.
00:59:02Mitte der 1960er Jahre waren es noch wenige Urlauber, die nach Tansania reisten.
00:59:08Auch wenn Gzimeks Fernsehwerbung geholfen hat, Touristen anzulocken,
00:59:11sucht er nach einer Möglichkeit, dauerhaft mehr Touristen ins Land zu bringen.
00:59:16In seinem Haus in Arusha erfährt er von einem Projekt auf einer Insel im Viktoriasee.
00:59:25Ein Versprechen, das Gzimek mit Rubondo Island verbannt, war, dass diese Insel das Potenzial habe,
00:59:30die Touristenströme aus dem benachbarten Kenia auch nach Tansania zu ziehen.
00:59:36Er will Rubondo Island, den grünen Edelstein im Viktoriasee, zu einem Schutzgebiet mit einem besonderen Erlebnis machen.
00:59:48Gzimek hatte keine Angst vor großen Plänen und er begründet, zumindest in seinen eigenen Schriften,
00:59:53dieses Engagement für dieses Rubondo-Projekt auch damit, dass er sich nochmal in ein großes Abenteuer stürzen wolle.
00:59:59Eine Erklärung vielleicht gegenüber sich selbst, vielleicht gegenüber auch seinem Publikum,
01:00:02um nochmal Aufmerksamkeit zu schaffen für ein neues Projekt.
01:00:05Die Schimpansen, die dritte Menschenaffenart, hat sich bei uns schon wiederholt in Gefangenschaft fortgepflanzt.
01:00:13Und zehn solche Schimpansen sind im letzten Sommer von Antwerpen aus losgefahren mit dem Dampfer
01:00:20und durch den Atlantik an Gibraltar vorbei, durch das ganze lange Mittelmeer, durch den Suezkanal,
01:00:27dann recht lange durch das Rote Meer um Afrika herum.
01:00:31Und dann mussten sie nochmal etwa 2000 Kilometer auf dem Auto bis nach Monsa fahren, an der Südspitze des Viktoriases.
01:00:41Nicht alle Schimpansen überleben die Reise. Gzimeks Auswilderungsexperiment ist umstritten.
01:00:53Er hat mit Jane Goodell darüber gesprochen, der großen Affenforscherin, also er war da auch im Austausch.
01:01:00Die hielt es für eine bekloppte Idee, wie irgendwie so ein Showunternehmen für sie wahrscheinlich.
01:01:05Abenteuerlich. Das sind alte Schimpansen gewesen, das sind Zirkusschimpansen gewesen oder in Zoos,
01:01:11die irgendwelche Verletzungen haben, die man nicht mehr zeigen wollte oder konnte.
01:01:14Wird er eingesammelt, hat die Kisten mit denen an den Strand gestellt und hat die da laufen lassen.
01:01:31Die Insel Robondo ist von der Regierung den Tieren zur Verfügung gestellt worden.
01:01:37Die afrikanische Regierung hat überdies noch die menschliche Bevölkerung, die bis vor kurzem auf Robondo gelebt hat,
01:01:43evakuiert und auf Nachbarinseln und auf das Festland übergesiedelt.
01:01:48Als das Land noch deutsch oder britisch war, hätte eine Kolonialverwaltung Angst gehabt,
01:01:53einen Geborenen feindlich zu erscheinen.
01:01:55Sie hätte nie gewagt, Menschen umzusiedeln, zugunsten der Natur oder den Tieren.
01:02:04Gzimeks Hoffnung ist, dass die Schimpansen eine Population gründen,
01:02:08die auf der Insel vor Wilderern in Sicherheit ist.
01:02:13Die Idee, jetzt eine Insel zu haben, wo keine Menschen sind, wo kein menschlicher Einfluss ist,
01:02:18wo Hyänen, Löwen nicht hinkommen können, wo man wieder Arten auswildern kann,
01:02:24die dort wachsen und gedeihen, ist ja eine ganz spannende Idee.
01:02:29Und eine Art Archenoa für bedrohte Tiere, das ist ja auch sehr einprägsam,
01:02:35ein sehr starkes Bild, das er da auch präsentierte.
01:02:38Gzimek schreibt später in einem seiner Bücher, die Welt brauche, dringend einen zweiten Noah.
01:02:45Und so bringt er in den folgenden Jahren nach und nach die verschiedensten Tierarten in kleinen Gruppen auf die Insel.
01:02:52Ohne darauf zu achten, ob es deren natürlicher Lebensraum ist.
01:02:56Auch Giraffen da hinzubringen, die dann praktisch immer ihren Kopf einziehen müssen,
01:03:00wenn sie da im Wald marschieren.
01:03:02Oder auch Elefanten, das sind ja Savanne-Elefanten, das ist ja nicht Waldelefanten.
01:03:06Also das ist schon irre.
01:03:07Und man hätte auch denken können, diese Tiere, die ja eigentlich nie auf Robondo gelebt haben,
01:03:12die machen diese Insel fertig in Nullkommanix.
01:03:20Heute arbeitet die tansanische Biologin Josephine Mzindai auf Robondo.
01:03:27Sie versucht herauszufinden, wie es den Schimpansen und den anderen Tieren
01:03:31in den 60 Jahren seit Gzimek's Auswilderungsexperiment ergangen ist.
01:03:46Über 200 Quadratkilometer unberührte Natur.
01:03:50Seit 1977 Nationalpark.
01:03:55Fast komplett bewaldet.
01:03:58Die Tiere, die Gzimek hier vor 60 Jahren hinbrachte, sind schwer wiederzufinden.
01:04:26Mit Ranger Rottikin dringt Josephine in den Regenwald vor.
01:04:49Nach Stunden stossen sie auf eine erste Spur.
01:05:03Dort oben ist ein Schimpansen-Nest.
01:05:05Es sieht ziemlich frisch aus.
01:05:08Vermutlich erst vor ein paar Wochen gebaut.
01:05:11Sie schlafen kaum am Boden, weil auf der ganzen Insel Elefanten umherstreifen.
01:05:16Das wäre zu gefährlich, wenn sie sich dort für die Nacht niederlassen würden.
01:05:24Schimpansen legen pro Tag viele Kilometer zurück.
01:05:27Ein Tempo, das Menschen im Regenwald nur schwer erreichen.
01:05:31Doch Josephine und Rottikin haben Glück.
01:05:35Frische Spuren.
01:05:47Kot bleibt im Wald nicht lange liegen.
01:05:50Die Mistkäfer räumen ihn weg.
01:05:53Nach zwei Stunden ist das weg.
01:05:59Das heißt, sie können nicht weit sein.
01:06:04Lange war unklar, ob die Schimpansen überhaupt hier überleben würden.
01:06:11In den ersten Jahrzehnten nach der Auswilderung gelang es niemandem, sie im dichten Urwald der Insel zu finden.
01:06:18Doch mittlerweile haben Josephine und Rottikin mehr Erfolg.
01:06:32Entgegen aller Erwartungen hat die Schimpansenpopulation sich prächtig entwickelt.
01:06:38Mittlerweile ist die Gruppe auf 45 Tiere angewachsen.
01:06:44Die Tiere haben selbstständig gelernt, sich von Giftschlangen fernzuhalten.
01:06:49Und welche Früchte wann genießbar sind.
01:06:52Äpfel, wie in deutschen Zoos, gibt es hier nicht.
01:06:57Dass die Zooschimpansen überlebt haben, ohne auf das Leben in der Wildnis vorbereitet worden zu sein,
01:07:04stellt Biologen nach wie vor vor ein Rätsel.
01:07:07Bis heute ist Gzimeks Husarenstück die einzige erfolgreiche Auswilderung von Schimpansen.
01:07:16Ich finde es unglaublich, dass die Schimpansen überlebt haben.
01:07:19Dass die Weibchen es geschafft haben, Nachwuchs groß zu ziehen und dass diese Schimpansenpopulation wächst.
01:07:33Dann sieht man halt doch, dass die Schimpansen uns sehr ähnlich sind.
01:07:37Also die haben es tatsächlich geschafft, wie Robinson Crusoe auf dieser Insel da zu überleben.
01:07:42Und das ist phänomenal.
01:07:49Vom Gipfel der Berge auf der Insel Rubondo kann man das Festland und die umliegenden Inseln sehen.
01:07:55Und das Erbe, das Gzimek mit seinem unorthodoxen Projekt hinterlassen hat.
01:08:04Während Rubondo einen letzten Rest zentralafrikanischen Urwald bewahrt,
01:08:09hat die wachsende Bevölkerung das Umland längst in Agrarfläche verwandelt.
01:08:24Wer immer da hinreist zu Rubondo, vor allem wenn er mit dem Flugzeug hinreist,
01:08:29sieht er die anderen Inseln im Viktoriasee und da steht praktisch kein Baum mehr.
01:08:37Und Rubondo ist eine Fülle von Biodiversität, also völlig bewaldet, sehr hohe Artendichte an Vögeln auch.
01:08:47Das Ökosystem, das ist tatsächlich intakt und das ist in allen anderen Inseln nicht mehr der Fall.
01:09:02Und noch eine Tierart, die von Gzimek hier ausgewildert wurde, hat die Insel überraschend zu ihrer Heimat gemacht.
01:09:16Die Savannenelefanten stören sich nicht an dem dichten Wald der Insel.
01:09:20Ihre Population ist zuerst gewachsen und nun seit Jahren auf einem stabilen Niveau.
01:09:26Ranger Reroticon müssen nur ab und zu mit einer einfachen Geste die Angriffslust der Tiere dämpfen.
01:09:34Tiere schießen oder füttern, um die Population zu managen, muss er nicht.
01:09:39Anders als Ranger in vielen anderen Naturschutzgebieten.
01:09:43Das ökologische Gleichgewicht hat sich trotz der ungewöhnlichen Mischung der Tierwelt von selbst eingestellt.
01:09:52Gzimek brachte eine ziemlich zufällige Auswahl an Tieren hierher.
01:10:01Das war ein Experiment und man könnte sagen, dass es nicht natürlich ist, dass diese Arten nun hier leben.
01:10:08Aber jetzt sind sie unabhängig hier, frei von jeglichen menschlichen Eingriffen.
01:10:14In vielerlei Hinsicht ist dies nun eine Wildnis und zur Natur geworden.
01:10:32Der Massentourismus ist auf Rubondo allerdings bis heute ausgeblieben.
01:10:37Die Tiere haben die Insel nahezu für sich allein.
01:10:45Das ist jetzt nicht das Protobeispiel des Naturschutzes.
01:10:48Also sinnvoller wäre es gewesen, Rubondo so zu erhalten, wie es war und nicht irgendwelche Tiere dahin zu bringen.
01:10:54Aber man muss schon sagen, schon auch erstaunlich, dass das so funktioniert hat.
01:11:00Die Insel Rubondo zeigt, dass Naturparadiese bisweilen menschengemacht sein können.
01:11:09Die menschlichen Bewohner mussten weichen.
01:11:12Aber dafür hat sich die Tierwelt frei und beeindruckend entfalten können.
01:11:28Anders im Dorf Robanda am Rande des Serengeti-Nationalparks.
01:11:33Die Bevölkerung wächst hier jedes Jahr, mittlerweile auf 8000 Menschen.
01:11:38Der Biostatistiker Joseph Ogutu erforscht die Folgen für die Tierwelt.
01:11:43Denn die Herden der Serengeti nutzen auch das Gebiet außerhalb des Parks.
01:11:48Die Bewohner des Dorfs Robanda versuchen, einen Kompromiss zu finden durch eine Wildlife Management Area.
01:11:55Aber bisher beobachtet er vor allem, dass die Bevölkerung wächst und zu einem Problem für die Tierwanderungen wird,
01:12:01die Gzimec schon vor 60 Jahren retten wollte.
01:12:07Die Gnus kommen aus dem Osten und ziehen dann in diese Richtung.
01:12:11Dieser Ort liegt genau auf ihrer Route.
01:12:14Durch die Ausdehnung dieser Siedlung sind sie jedoch gezwungen, dieses Gebiet zu meiden und stattdessen nördlich und südlich daran vorbeizuziehen.
01:12:21Das anhaltende Wachstum dieser Siedlung bedeutet, dass die Wanderroute blockiert wird.
01:12:26Es muss etwas unternommen werden, bevor es zu spät ist.
01:12:33Robanda steht exemplarisch für den Kampf um Lebensraum am Rande des Nationalparks.
01:12:41Das Bevölkerungswachstum schreitet rasant voran, hier wie überall im Land.
01:12:50Die Bevölkerung Tansanias beträgt derzeit etwa 62 Millionen.
01:12:55Es ist bekannt, dass sich die Bevölkerung hier ungefähr alle 20 Jahre verdoppelt.
01:13:00In den nächsten 20 Jahren werden es also etwa 124 Millionen Menschen sein.
01:13:11Was in Tansania geschieht, geschieht in den meisten Ländern Afrikas sowie in Teilen Asiens und Lateinamerikas.
01:13:26Das Bevölkerungswachstum bereitete Bernhard Gzimek bereits 1960 grosse Sorge.
01:13:33Heute gibt es 2,6 Milliarden Menschen.
01:13:37Das heißt, in den letzten 150 Jahren vergrößerte sich die Menschheit auf den dreifachen Bestand,
01:13:43der in den voraufgegangenen 500.000 Jahren erreicht worden war.
01:13:48Die Flut steigt.
01:13:50Das hat er später immer und immer wieder mantraartig, überall wo er konnte, wiederholt,
01:13:56dass der, dem Bevölkerungswachstum, und das meinte er insgesamt, jetzt nicht nur auf den afrikanischen Kontinent bezogen,
01:14:03dass dem Einhalt geboten werden muss, dass wir zu viele werden und dass das nicht gut ausgehen wird.
01:14:11Seine Briefe unterschreibt Gzimek mit einem lateinischen Satz, der fordert, den Nachwuchs der Menschen zu begrenzen.
01:14:19Die Fragen, durch welche Methode oder wer das entscheidet, lässt er unbeantwortet.
01:14:26Dass er selber ja nun auch vier Kinder hatte, ist ja auch nicht so, dass er sich an seinen eigenen
01:14:31Spruch,
01:14:32dass die Überbevölkerung gestoppt werden müsste, unbedingt gehalten hat. Muss man ja auch mal sehen.
01:14:41Gzimek ist ein Meister der apokalyptischen Erzählung. In eindrücklichen Bildern zeigt er, wie die Menschheit den Planeten verwüstet.
01:14:50Ein Zeichen der Vernichtung für Afrika. Denn das Land leidet Durst. Das Land verkastet, versteppt, verödet.
01:15:01In wenigen Jahren entsteht eine trostlose Mondlandschaft.
01:15:08Noch heute ist die Erosion der Böden die große Sorge aller Biologen und Viehhirten rund um die Serengeti.
01:15:21Ich sehe mehrere Anzeichen für Überweidung. Das Gras ist wirklich bis auf den Boden abgefressen.
01:15:31Viele Flächen sind kahl. Durch die direkte Sonneneinstrahlung heizt sich der Boden stark auf und trocknet aus.
01:15:38Vor allem in der Trockenzeit.
01:15:45Joseph Ogutu spricht mit Viehhirten und sucht nach Methoden, die Überweidung in den Griff zu bekommen.
01:15:54Das Problem? Mit der wachsenden Bevölkerung ist auch die Zahl der Rinder, Ziegen und Schafe gestiegen.
01:16:01Im Vergleich zu Gzimeks Zeiten sind es laut Ogutu nun mehr als zehnmal so viele.
01:16:08Ogutu weiss, die Zeit drängt. Oder die Landschaft wird sich für immer verändern.
01:16:20An vielen Orten breiten sich dornige Bäume aus.
01:16:24Diese Bäume sind die einzigen, die dem Weidedruck von Rindern, Schafen und Ziegen standhalten können.
01:16:34Für Ogutu ein sicheres Zeichen dafür, dass hier keine Weidetiere mehr sein sollten.
01:16:45Wenn Sie in zehn Jahren wieder hierher kommen und der Weidedruck so anhält wie jetzt, wird dieses Grasland ganz in
01:16:51Waldland umgewandelt sein.
01:16:53Und man wird nicht einmal mehr erkennen, dass hier einst Grasland war.
01:16:58Und dann werden auch Wildtierarten, die Gras benötigen, wie Gnus, Zebras und Gazellen, diesen Ort nicht mehr nutzen können.
01:17:10Joseph Ogutu kann seine Sorgen mit Daten unterfüttern und hat eine vielbeachtete Studie im Fachblatt Science veröffentlicht.
01:17:21Er empfiehlt der tansanischen Regierung, dass die Viehhirten und ihre Herden dieses Gebiet verlassen und auf die Weideflächen verzichten müssen.
01:17:32Für den Naturschutz. Um das Ökosystem des Nationalparks und das Überleben der wilden Tiere zu sichern.
01:17:42Naturschutz ist nicht immer eine Win-Win-Situation. Und dass Naturschutz immer heißt, irgendjemand muss auf irgendwas verzichten, weil sonst
01:17:49bräuchten wir den ja gar nicht.
01:17:50Und an dem müssen wir unbedingt arbeiten. Weil es geht eben nicht mehr um, ja, ich schütze irgendeinen Vogel oder
01:17:57einen Elefanten oder einen Leopard, weil ich das Tier schön finde.
01:18:01Nein, nein, ich schütze ganze Systeme und diese Systeme brauche ich, damit wir selber als Menschheit überleben können.
01:18:11In der Multi-Use-Area um den Gorongoru-Krater am Rand des Serengeti-Nationalparks ist das Grasland noch relativ fruchtbar.
01:18:21Hier leben die Maasai-Familien, die im Jahr 1959, zu Gzimeks Zeiten, aus dem Nationalpark vertrieben wurden.
01:18:30Mittlerweile leben nicht mehr wenige tausend Maasai auf einem Gebiet so groß wie Zypern, sondern hunderttausend Maasai.
01:18:38Und sie sollen nun erneut umgesiedelt werden.
01:18:49Die Regierung teilte mit, dass sie neun Grundschulen abreißen will. Und im vergangenen Jahr wurde uns das Wahlrecht entzogen.
01:18:55Unsere Dörfer wurden abgemeldet.
01:18:58Sie nutzen staatliche Leistung und Rechte als Druckmittel, um Menschen zu vertreiben.
01:19:04Dann mussten wir laut werden, weil das nicht richtig war.
01:19:12Im Jahr 2022 kommt es zu Protesten.
01:19:20Joseph Ulishangai kämpft seitdem mit juristischen Mitteln dagegen, dass die Bewohner des Gorongoru-Krater-Gebiets ihre Heimat verlieren und das
01:19:28Gebiet weiter für Nationalpark-Tourismus erschlossen wird.
01:19:37Sie haben 21 Campingplätze ausgewiesen. 21. Innerhalb von drei Jahren.
01:19:43Und dann sagen sie, die Maasai müssen gehen, weil es zu viele werden.
01:19:47Sie nennen es Wildnis. Aber es ist keine Wildnis. Für viele ist es ein Geschäft.
01:19:53Mir gefällt nicht, wenn man Menschen verdrängt, um im Namen des Naturschutzes Geschäfte zu machen.
01:19:58Wenn Naturschutz dazu benutzt wird, die Verletzung von Menschenrechten zu verschleiern.
01:20:07Joseph Ulishangai und sein Vater Moses machen Bernhard Gzimek mit für die Umsiedlung der Maasai verantwortlich.
01:20:15Die Entscheidung habe zwar die Kolonialregierung getroffen, aber sie fußt auf Gzimeks Menschenbild.
01:20:23Er glaubte, dass Menschen im Prinzip böse sind. Komischerweise müssen sie deshalb von anderen Menschen kontrolliert werden, um die Natur
01:20:31nicht zu zerstören.
01:20:33Aber ich glaube nicht, dass Menschen böse sind. Manchmal sind sie moralisch und kümmern sich um das, was sie haben.
01:20:41Manche haben dieses Gebiet über Jahrhunderte geprägt. Vielleicht sollten wir anerkennen, was sie geleistet haben.
01:20:50Bernhard Gzimek hat so einen exotischen Blick gehabt. Also das ist schon auch so, ja, dieser koloniale Blick, ja, wir
01:20:56sind die Weisen, wir sind im Norden, wir sind weit entwickelt, ja.
01:20:59Und das sind mehr, ich sage das jetzt mal in Anführungszeichen, ganz bewusst, weil wir das heute ganz anders sehen,
01:21:05aber die primitiven Menschen.
01:21:06Eigentlich sind die uns ja eigentlich voraus oft, ja, in der Nachhaltigkeit des Umgangs mit den natürlichen Ressourcen.
01:21:18In dem Gebiet, in dem die Maasai heute leben, wird seit mindestens 3000 Jahren Viehhaltung betrieben.
01:21:24Und in all dieser Zeit gab es keine Probleme.
01:21:35Es gibt einige Orte, an denen es immer noch sehr gut funktioniert.
01:21:39Wildtiere gibt es außerhalb von Schutzgebieten, vor allem im Stammesgebiet der Maasai, nicht bei anderen Stämmen.
01:21:47Dass die Maasai so viel Aufmerksamkeit kriegen, liegt zum Teil an deren Kultur, aber auch daran, dass es in ihren
01:21:53Gebieten noch Wildtiere gibt.
01:21:54Und das liegt an deren Kultur.
01:21:59Es ist wissenschaftlich belegt.
01:22:02Die nomadische Lebensweise der Maasai fügt sich geradezu symbiotisch in das Ökosystem der Serengeti ein.
01:22:14Das Multi-Use-Gebiet am Gorongoro-Krater war zu Gzimeks Zeiten der Versuch der britischen Kolonialregierung, diese Harmonie zu erhalten.
01:22:30Es funktionierte gut zu jener Zeit.
01:22:33Aber jetzt, über 60 Jahre später, deutet alles darauf hin, dass dieses Arrangement scheitert, weil die Zahl der Menschen auf
01:22:39über 100.000 gestiegen ist und die Zahl des Viehs auf über 2 Millionen.
01:22:45Das bedroht die Funktionsfähigkeit des Ökosystems.
01:22:54Doch selbst wenn die Anzahl der Maasai mit ihren Herden für das Ökosystem eine Belastung ist, gibt das in Joseph
01:23:01Oleshangais Augen niemandem das Recht, sie einfach zu vertreiben.
01:23:13Ich habe nie behauptet, dass die Bevölkerung der Maasai nicht wächst. Das war nie mein Argument.
01:23:19Ich sage nur, dass das Bevölkerungswachstum auf ethisch vertretbare Weise eingedämmt werden muss.
01:23:26Menschen sollten die Chance haben, sich so zu entscheiden, dass sie es nicht bereuen.
01:23:29Aber einfach pack deine Sachen und hau ab, dem kann ich nicht zustimmen.
01:23:42Nach genau so einer Chance sucht Tauta Mappi.
01:23:45Gemeinsam mit internationalen Forschern entwickelt er Methoden für nachhaltige Beweidung,
01:23:51damit sein Volk weiterhin als Teil des Ökosystems der Serengeti leben kann.
01:24:05Ich bin der Einzige in meiner Familie, der an der Universität studiert hat.
01:24:10Ich wollte eigentlich Tiermedizin studieren, aber ich wurde ausgewählt, Wildtiermanagement zu studieren.
01:24:37Wenn man im Naturschutz arbeitet, muss man auch den Menschen einen Nutzen bringen.
01:24:42Und sicherstellen, dass man sie in die Lage versetzt, Schäden zu vermeiden.
01:24:48Menschen und Wildtiere in einem Lebensraum, sodass beide profitieren, das ist eines der Konzepte, die mir gefallen.
01:25:09Joseph Ogutu sieht es wie Gzimek und glaubt, dass die Umsiedlung zwar hart, aber notwendig ist.
01:25:19Gzimek war weitblickend. Es mag unethisch klingen, aber es war richtig, wenn man bedenkt, dass überall dort, wo Menschen leben,
01:25:29Wildtiere verschwinden.
01:25:31Bis zum Jahr 2100 wird Tansania bei dem aktuellen Trend fast 300 Millionen Einwohner haben.
01:25:39Die Konflikte, über die wir jetzt sprechen, werden dann wie Kinderkram wirken.
01:25:45Aber noch haben wir die Möglichkeit, etwas zu unternehmen.
01:25:54An seinem Lebensende sieht sich Gzimek auf verlorenen Posten im Kampf gegen die wachsende Zahl der Menschen.
01:26:06Wenn man sieht, was man insgesamt erreicht hat, muss ich sagen, das ist doch sehr betrüblich, denn die Welt geht
01:26:12doch immer mehr in den Eimer.
01:26:14Jeden Tag stirbt eine Tierart aus.
01:26:17Und gibt trotzdem die Hoffnung nicht auf.
01:26:23Und wenn morgen die Welt untergeht, brennt sich heute doch noch ein Apfelbaum.
01:26:27Das heißt, man muss kämpfen bis zum letzten, aber ich glaube, die Sache geht schon schief.
01:26:33Gzimek erkannte schon vor 60 Jahren das Dilemma, das heute weltweit gilt.
01:26:39Menschenrechte oder Naturschutz? Oder lässt sich beides vereinen?
01:26:45Die Serengeti ist wie der Vatikan, wie die Sixtinische Kapelle.
01:26:49Ein besonderer Ort, an dem man ein Ökosystem bewundern kann.
01:26:53Gzimek hat das erkannt.
01:26:55Und Gzimek hat das erkannt.
01:27:03Gerade jemand, der sich über Dinge wegsetzt, ist am Ende jemand, der etwas bewirkt.
01:27:08Damit meine ich überhaupt nicht, dass man Tiere über Menschen stellen sollte, um das auch klar zu sagen.
01:27:14Aber er hat es erst mal gemacht.
01:27:16Weil er wirklich in Sorge um die Natur und Umwelt war.
01:27:20Und am Ende hängen wir von der ja ab.
01:27:27Wenn man überlegt, Tansania hat glaube ich jetzt 22 Nationalparks.
01:27:32Das ist ein sehr armes Land.
01:27:34Und wenn man das dann mit Deutschland vergleicht, ist das ja eigentlich relativ lächerlich,
01:27:37dass wir nicht mal in 20 Jahren einen Nationalpark Steigerwald hinkriegen.
01:27:42Also wir können jetzt nicht den Finger zeigen auf Afrika und sagen,
01:27:45ja, ihr müsst euer Bevölkerungswachstum in den Griff kriegen.
01:27:48Ja, ohne gleichzeitig zu sagen, ja, aber wir müssen aber unseren Konsum und unsere Energie
01:27:53und unseren Ressourcenhunger auch in den Griff kriegen.
01:28:06Ich denke, über unsere Generation würde sehr hart geurteilt werden,
01:28:10wenn es uns nicht gelingt, dieses Ökosystem zu bewahren.
01:28:14Wir sind es uns und kommenden Generationen schuldig, dafür zu sorgen, dass es weiter besteht.
01:28:22Vielleicht ist es ungerecht, Menschen umzusiedeln.
01:28:24Aber ich glaube, dass wir in vielen Bereichen menschlichen Handelns gezwungen sind,
01:28:28solche harten Entscheidungen zu treffen.
01:28:39Ich sehe oft Wildtiere in meiner Nähe grasen.
01:28:46Wildtiere und Nutztiere können zusammenleben.
01:28:49Wenn ich Antilopen und Zebras zwischen meinen Tieren sehe,
01:28:53macht mich das glücklich.
01:28:55Ich fühle mich glücklich.
01:29:00Ich fühle mich glücklich.
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