- 19 hours ago
Category
📺
TVTranscript
00:05Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren, herzlich willkommen zu einer Dokumentation über mich.
00:12Als man mit diesem Vorschlag auf mich zukam, habe ich gesagt, um Gottes Willen, das ist das Letzte, was die
00:17Welt von mir braucht.
00:18Aber, wie Sie sehen, hat man mich auch diesmal überredet, es zu tun.
00:25Mit diesen Bildern katapultiert sich Thomas Gottschalk wieder auf die Titelseiten.
00:30Carina Amross ist die neue Frau an seiner Seite. Thomas Gottschalk wirkt glücklich und das Medieninteresse ist riesig.
00:43Knapp ein Jahr zuvor sieht es für ihn ganz anders aus. Er steht vor den Trümmern seines Lebens.
00:50Waldbrände zerstören im November 2018 seine Villa in Kalifornien.
01:00Kurze Zeit später gibt er nach 43 Jahren Ehe deren Ende bekannt.
01:10Mein Foto in der bunten war so groß, inzwischen Briefmarkengröße und drunter stand TV-Legende.
01:16Also man hat mich da irgendwo einsortiert, ach was, den gibt's auch noch.
01:19Es hat noch gefehlt, dass ich dann in dieser Rubrik erschienen bin, was macht eigentlich Thomas Gottschalk.
01:25Und da sieht man, dass es keine Gerechtigkeit in diesem Geschäft gibt.
01:29Ich habe mich jung verliebt und mir ist das Haus abgebrannt.
01:33Das reicht schon, um auf die Titelbilder zu kommen.
01:36Nichts kann ich besser als früher.
01:38Ich bin nicht schlauer geworden, ich bin nicht schöner geworden.
01:41Aber mir ist die Hütte abgebrannt und mir ist eine junge Frau begegnet.
01:44Das reicht heute, um wieder weltberühmt zu sein.
01:47So geht's.
01:56Und hier ist Thomas Gottschalk.
02:03So kennt ihn ganz Deutschland.
02:05Mit der Samstagabendshow Wetten, dass begeistert er 23 Jahre lang Generationen von Zuschauern.
02:12Er führt ein Leben zwischen riesigem Publikumsinteresse und dem Wunsch nach Privatsphäre.
02:17Herzlich Willkommen zu Wetten, dass.
02:282011, nach dem Ende von Wetten, dass, wird es erstmal ruhig um ihn.
02:34Er sucht nach seinem neuen Platz in der Unterhaltungsbranche.
02:38Ohne Publikum kann er dann doch nicht.
02:46Ich bin eine lebende Legende.
02:48Und ich will keine tote Legende sein.
02:49Das bin ich früh genug.
02:51Aber grundsätzlich ist einfach der Spaß an der Sache größer, als die Lust, Legende zu sein.
02:57Und wenn ich die Chance habe, rauszukommen und zu sagen,
02:59guten Abend, Deutschland, Österreich und der Schweiz, dann tue ich das.
03:02Und wenn einer sagt, mach es, dann mache ich es.
03:05Und wenn ich aber merke, da ist nur noch ein Skelett, das da ein bisschen klappert, dann lasse ich es.
03:10Aber nichtsdestotrotz bin ich nicht langweilig.
03:14Das ist das Entscheidende.
03:18Heute fährt er nach Winsbach in Mittelfranken.
03:22Er hat die Patenschaft des berühmten Winsbacher Knabenchors übernommen
03:25und besucht das Internat in regelmäßigen Abständen.
03:30Herzlich Willkommen!
03:44Ich habe noch nie in meinem Leben mit einem Chor gesichert.
03:46Ja, wunderbar, dann ist es heute das erste Mal.
03:49Halleluja, okay, alles klar.
03:52Mein Fallschirm lasse ich gleich.
03:57Halleluja, halleluja, halleluja, halleluja, halleluja, halleluja.
04:12Sehr überzeugend.
04:13Also ich glaube nicht, dass ich eine echte Versteigung war.
04:15Ja, doch, doch, so ist es.
04:19Ich lebe in einer Welt, in der jeder, der auf mich zukommt,
04:25Gott sei Dank angenehme Erinnerungen mit mir verbindet.
04:28Das ist der Anlass, mich zu fragen, kann ich ein Foto mit dir haben?
04:32Und der ist überraschenderweise bei Zwölfjährigen immer noch und genauso da wie bei 70-Jährigen.
04:38Aber diese Zuneigung, die mir entgegenschwappt, ist ja das Ergebnis meiner Bemühungen, den Leuten nahe zu sein.
04:49Dass ich die Quittung dafür kriege, ist recht und billig und ist natürlich die Währung, in der ich bezahlt werde.
04:56Habt ihr gestern im Radio noch gehört?
04:59Gestern Abend, das war deine Musik, oder?
05:01Meine Mutter hat es sehr gut gemacht.
05:12Jetzt komm, jetzt bin ich dran, ich gucke sie auch mal an.
05:24Aber hochbegabt, oder?
05:32Na ja, also, guten Abend, meine Damen und Herren.
05:37Oder frei, lieber, ja, frei.
05:38Lieber drei, vielleicht doch vier?
05:40Nee, drei.
05:41Selbst für die 7- bis 17-Jährigen hier ist er ein Star, obwohl einige von ihnen nie eine Show
05:47mit ihm gesehen haben.
05:48Fünf, du spinnst ja.
05:51Eins, zwei, drei gibt's, drei gibt's, ich bin schon so geschwächt hier.
05:54Guck dir mal die Schlange an, das ist ja wie am Käsespann hier.
05:57Und abmarschen.
06:02Thomas kommt am 18. Mai 1950 zur Welt.
06:06Seine Eltern stammen aus Uberschlesien und finden im fränkischen Kulmbach eine neue Heimat.
06:1120 Jahre Altersunterschied trennen Mutter Rutila und Vater Hans.
06:15Thomas ist das Älteste von drei Geschwistern.
06:19Raffaela, die zehn Jahre jünger ist, lebt heute weitgehend zurückgezogen von der Öffentlichkeit.
06:40In Kulmbach, am Fusse der Plassenburg, wachsen die drei wohlbehütet auf.
06:46Zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Christoph besucht Thomas die Stadt seiner Kindheit und Jugend.
06:58Das ist Downtown Kulmbach, also hier pulsiert, wie man sieht, das Leben.
07:02So sieht's in Kulmbach aus, wenn richtig viel los ist.
07:04Das ist der Marktplatz, da gibt's allerdings immer noch den Wochenmarkt.
07:07Ich weiß nicht, ob's den noch gibt, aber da hat meine Mutter ihre Eier gekauft.
07:10Jeden Samstag.
07:11Jeden Samstag, da kommen die Bauern aus dem Umland, ich glaube es gibt noch drei insgesamt,
07:15und verkaufen dann ihre Eier und ihre Butter.
07:18Das ist das Vereinshaus, da haben die großen Bands gespielt.
07:21Da hab ich meine ersten Auftritte gemacht.
07:23Kulmbacher Vereinshaus, da gab's den Pop-Treff für junge Leute, da drin hab ich Shocking Blue angesagt.
07:28Oh, Venus.
07:29Ja genau, Klaaschi van der Waal, Cornelie van der Beek, Rob Löwenhoek und Mariska Verres sind Shocking Blue.
07:35I'm your Venus, I'm your fire, our desire.
07:39Ja?
07:39Die lebt aber nicht mehr, Mariska Verres.
07:42Ich lebe nicht.
07:55Das war das Fenster der Kulmbacher Ausnüchterungszelle.
07:59Das muss man sich wegdenken, hier war der Knast.
08:01Da gab es eine, weißt du das Christoph?
08:03Nee.
08:05Da war das Polizeipräsidium und das ist das Fenster hier.
08:09Hier haben, also die haben nur Besoffene, da gab's, also es gab ja keine Verbrecher in Kulmbach.
08:13Und da war Kulmbach erst der Sechsladen.
08:16Wer war das?
08:19Da war ich schon zu alt für sowas.
08:24Und ja, das ist, ja, so ist Kulmbach.
08:27Das Haus ist noch aus meiner Zeit das zweite von hier.
08:31Also gut, das war teilweise mein Schulweg.
08:34Und jetzt kann man ermessen, woher ich komme.
08:39Jetzt kommst du zum Gymnasium, aber jetzt wird's ernst.
08:42Keine Fluchtversuche hier.
08:44Hier war mein Abiturfoto.
08:45Da haben wir uns alle aufgestellt.
08:48Ja, Mensch.
08:51Hallo?
08:51Oh, je.
08:53Ei, ei, ei.
08:55Ich hab ja nicht die Hoffnung.
08:56Oh.
08:57Dieser Wohlklingel, die Gomp gab's, der finde ich auch wieder nicht.
09:00Das ist geklingelt.
09:02Hallo, Thomas.
09:03Hallo.
09:04Na?
09:06Keine Schuhe?
09:07Welche Klasse seid ihr?
09:08Sechs A.
09:09Kommt ihr hoch zu uns in Kunst.
09:11In Kunst?
09:12Ich bin oder ich, habe keine Ahnung von Kunst.
09:15Aber ein bisschen vor oben.
09:17Wir haben mir gerade gefilmt.
09:20Habt ihr noch Unterricht überhaupt?
09:22Ja.
09:23Nein, ich bin schon, aber ich darf zu Ihnen.
09:25Ich denke, um eins zu Schluss.
09:27Nein, wir haben Ganztagsklasse.
09:28Bis halb vier.
09:29Überstunden, oder?
09:30Nein, Ganztagsklasse.
09:31Ganztagsklasse.
09:33Hier, Thomas, das waren wir auch hier.
09:35Da ist der Proksch.
09:37Der Barndolf Engel.
09:38Ja, genau.
09:39Der Korinek.
09:41Korinek, Mensch.
09:43Back good memories.
09:44Na ja.
09:45Mit einigen seiner früheren Schulkameraden ist Thomas heute noch in Kontakt.
09:50Manfred Ritter, endlich im Fernsehen.
09:52Hat lang gedauert.
09:53Wo kommst du her?
09:55Grüß dich.
09:56Von zu Hause bei dem Sauwetter.
09:57Ach so, Mensch.
09:59Es war mir klar, dass es dir so kalt ist.
10:01Da draußen jetzt.
10:02Ja, ja, ich bin.
10:04Christoph, ja, nicht sehr.
10:05Christoph, na klar.
10:05Christoph, mein kleiner Bruder.
10:08Servus.
10:09Mensch, ihr habt euch überhaupt nicht verändert.
10:11Ja.
10:12Hier unten, da ist der Thomas.
10:15Man erkennt ihn an seinem breiten Lächeln.
10:18Der war damals schon immer gut drauf.
10:20Der hatte Humor ohne Ende.
10:22Auch deswegen waren wir beide sehr eng miteinander.
10:24Obwohl das Schulleben, das schulische, unsere schulischen Leistungen, das eigentlich nicht hergegeben haben.
10:32Aber wir waren trotzdem immer gut drauf, weil wir sehr lustig waren.
10:35Und der Thomas hat dann natürlich auch dafür gesorgt, dass immer wenn das Jahresende, das Schuljahresende nahte und wir irgendwelche
10:46Sachen vorne auf, vor der Klasse zum Besten geben konnten,
10:51da war der Thomas einer der Ersten, der Lehrer imitiert hat oder irgendwelche Sachen gemacht hat, die einfach so lustig
11:01und so gut waren, dass man ihn immer wieder hören wollte.
11:04Und da hat er das schon gezeigt.
11:06Und man ging schon davon aus, dass er irgendwo in diesem Bereich wohl später mal tätig ist.
11:14Na, ist er? Nein!
11:17Jetzt bin ich gespannt.
11:21Heim!
11:22Ja!
11:22Mein Gott!
11:23Das ist der einzige Überraschungsgast.
11:26Ich habe ja gestern angerufen und gesagt, wir haben uns Lust zu kommen, Herr Heim.
11:29Und er kommt.
11:32Nein, das war das schon ein Brummer, he?
11:34Ja, genau.
11:35Josef Heim hat Thomas in Deutsch unterrichtet.
11:41Mensch, das freut mich.
11:44Servus.
11:44Alles Gott.
11:45Herr Christoph, grüß das mal.
11:47Natürlich.
11:48Das ist mir doch Herr Christoph nicht.
11:51Das ist eine Überraschungsgast.
11:53Das ist eine Straße mit dem Kinderwegerladen.
11:54Ja.
11:56Er hat ja bei uns in der Gegend gewohnt.
11:58Ich dachte, ich habe das, dass ich kleiner geworden bin.
11:59Na ja, aber.
12:00In der größten Zeit, die waren es so lange, weil die ist schon immer.
12:03Ja.
12:04Aber ich bin kleiner geworden.
12:05Und blonder.
12:07Ja, wie er.
12:0892.
12:09Die Legende lebt.
12:10Alfred Wiedermann.
12:11Dr. Alfred Wiedermann.
12:13Immer drehe ich Ihnen einen Doktor an.
12:16Hallo, Herr Wiedermann.
12:17Ich bin doch.
12:18Alfred Wiedermann hat ihn als Griechischlehrer bis zum Abitur begleitet.
12:22Oh Gott, dieser scheiß Griechischabitur.
12:24Das verfolgt mich heute noch in meinen Träumen.
12:26Also, das ist das Griechischabitur.
12:28Jawohl.
12:29Ich habe das ja schon mal gegeben.
12:30Ja, das ist.
12:31Und hinten ist dann die Übersetzung von mir, ja.
12:34Ja, wenn ich sie, wenn ich nur die gehabt hätte, äh, rechtzeitig.
12:39Ich könnte.
12:40Jetzt, 50 Jahre.
12:42Jetzt gibt es die Übersetzung.
12:43Und dadurch, dass ich durch kunstvoll gestaltete Reden mein Leben gestaltet habe, das ist das, was ich mitgenommen habe.
12:56Thomas ist kein guter Schüler.
12:59Er bleibt zweimal sitzen.
13:01Macht sein Abitur aber schließlich doch im Alter von 21.
13:09Zehn Gehminuten vom Gymnasium entfernt, am Galgenberg, steht Thomas' Elternhaus.
13:21Hier haben er, Christoph und Raffaela ihre Kindheit und Jugend verbracht.
13:30Die Eltern leben beide nicht mehr.
13:32Doch das Haus haben die Geschwister behalten und alles so gelassen, wie es war.
13:37Eine Haushälterin kümmert sich darum.
13:39Und immer mal wieder kommen Thomas oder Christoph vorbei.
13:45Wir haben natürlich beide hier unsere besten Jahre erlebt, weil die Jahre zwischen 22, das sind die besten Jahre des
13:52Lebens, das ist gar keine Frage.
13:54Und das dann, das Schöne dran, man macht die Tür auf und es ist eigentlich alles so, wie es war.
13:59Wir haben natürlich auch so eine Art von Erinnerung hier, die wir mit niemandem teilen und da zieht auch niemand
14:06mit hierher.
14:08Mein Vater kam da aus Oberschlesien, heutigen Polen, sind hier aus dem Zug gefallen oder gestiegen und er musste aus
14:16dem Nichts anfangen, hier seine berufliche Praxis wieder zu öffnen.
14:22Er war Rechtsanwalt und war dadurch arbeitsam, fleißig.
14:27Wir haben ihn so oft gar nicht gesehen, obwohl er tüchtiger Fahrradfahrer war.
14:31Er kam dann zum Mittagessen, dann hat er sich da hinten auf die Couch gelegt.
14:35Da hat Ruhe, der Vati schläft, also da durfte sich keiner bewegen.
14:39Das war die anerkannte Autorität.
14:41Das war halt das Weltbild der 50er. Meine Mutter hat sich um Kinderküche und Kirche gekümmert und mein Vater hat
14:47gearbeitet und hat natürlich hier mit seiner Anwaltskanzlei auch nicht die großen Mordfälle und Wirtschaftsfälle gehabt.
14:55Ein sehr liebevoller, sehr geduldiger Mann konnte selten sauer werden, aber ich habe es mal geschafft.
15:00Was war das? Da habe ich Prügel bekommen, irgendwas im Garten gemacht. Aber er war wirklich, da musste man ihn.
15:05Er hat natürlich auch zu pädagogischen Peitschen geneigt, also nicht jetzt im Sinne von irgendwelchen Prügelaktionen, sondern ich habe mal
15:13gelogen und dann hat er mit mir eine Woche nicht mehr gesprochen.
15:18Meine Mutter, das war natürlich das Gegenteil von meinem Vater, impulsiv, man könnte sogar sagen cholerisch.
15:24Und musste natürlich nach dem Tod meines Vaters, und sie war 20 Jahre jünger, jetzt das Ruder in die Hand
15:31nehmen und hat eben gemeint, mit Gewalt ist falsch, aber mit resoluter Energie hier durchregieren.
15:41Und das hat sie also gemacht. Insbesondere ja bei uns, meine Schwester, die war brav und war jünger.
15:49Und dann hat sie mir gesagt, das war nicht einfach, aber ich habe euch beide durchs Abitur gekriegt, das war
15:53nicht einfach.
15:54Ich wollte ja hier zur Bayerischen Rundschau gehen, da gab es in Kulbach eine Zeitung, die hieß Bayerische Rundschau, ich
15:58glaube, die gibt es gar nicht mehr.
16:00Und als ich zum zweiten Mal durchgeflogen bin, habe ich dann die Notbremse gesagt, Mutti, ich bleibe in Kulbach, ich
16:06werde Redakteur bei der Bayerischen Rundschau.
16:08Bist du wahnsinnig.
16:141964 nimmt sein Leben eine Wendung. Sein Vater erkrankt an Krebs und stirbt. Die Mutter ist am Boden zerstört.
16:22Sie ist 44 und steht mit den drei Kindern allein da. Thomas tut alles, um sie zu trösten. Es ist
16:30ihm unerträglich, sie leiden zu sehen.
16:32Mit seinen Scherzen kann er sie schließlich etwas ablenken. Und anstatt selbst zu trauern, entwickelt er sich zum Entertainer.
16:48Ich war 13 oder so, als er gestorben ist. Also da bist du relativ noch unfertig.
16:55Also mich hat dann doch mehr die Situation geprägt, in die ich gekommen bin, nachdem mein Vater gestorben ist.
17:01Dass ich nämlich als Ältester doch eine gewisse Verantwortung hatte, Thomas, du musst an die Schule vom Christoph.
17:06Der Christoph war natürlich dann im Internat und hat ja auch nicht dazu geneigt, sich besonders willfährig zu verhalten,
17:13sondern da gab es dann so Situationen, da hat er einen Verweis gekriegt.
17:17Da war irgendwo wegen Gotteslästerung, das hat sich natürlich furchtbar angehört, aber da gab er einen Schein im Internat.
17:23Da gab es Maria, die Schutzfrau Bayerns, da hat ja dann die Putzfrau Scheierns draus gemacht.
17:28Da musste ich dann die Wogen glätten.
17:30Und ansonsten halt die Anwesenheitspflicht, das war natürlich das, ich wollte mit 17 ausgehen,
17:36aber meine Mutter saß allein zu Hause und ich habe das schlechte Gewissen gehabt, mich da dünne zu machen.
17:41Also statt irgendwo rumzukriechen, außerdem gab es in Kulmbach nicht viele Orte, wo man sich hätte auffallen wollen mit 16.
17:46Also war ich viel zu Hause und habe dann, als ich aus war, habe ich als Discjockey gearbeitet
17:52und habe dann im Old Castle oder im Apple oder wie das hier alles hieß, Platten aufgelegt
17:57und habe dann 30 Mark am Abend verdient. Das war dann, das hat meine Mutter okay gefunden.
18:02Aber das war natürlich irgendwo eine glückliche Zeit.
18:13Dann kam, und das war ausschlaggebend, er war ein Austausch hier, es kam ein Mädchen aus England
18:19und er hat sich in die Bonnie aus London verliebt. Große Geschichte.
18:24Und damit war die Welt, Cannabis Street, London, Beatles, die Musik, das ist dann hier reingekommen
18:32und wurde von ihm aufgenommen und da hat er dann also das ausgelebt.
18:42Es war eben auch ein ganz besonderes Fenster, das ich erlebt habe. Ich sage das immer wieder.
18:46Es war nicht meine Genialität, sondern es war auch die Gunst der Stunde.
18:49Du hast einfach in den 60ern diesen Aufbruch erlebt. Selbst in Kulmbach wurden die Haare länger
18:55und ich war eben 17, als The Summer of Love die Welt mitgerissen hat.
19:15Der Mittelpunkt und Höhepunkt war eben der Samstag in dieser örtlichen Diskothek Old Castle
19:21und er als Dishockey hat also den Vermitteln sowohl vom Musikgeschmack als auch sonst hier eigentlich jeden gut behandelt
19:31und da war er eine gewisse Größe und anerkannt.
19:34Es gab, da gab es zwei, also erstens war es so, dass in dieser Diskothek, anders als heute,
19:39natürlich alle Schichten gepflegt werden mussten.
19:42Ich habe also dann Christian Anders gespielt, es fährt ein Zug nach nirgendwo, rechts, links
19:47und dann Deep Purple und alles, was an Heavy Metal gab, Led Zeppelin und das war alles am gleichen Abend
19:57möglich.
19:58Ich habe ja viele Veranstaltungen gemacht, wo man mich von der Bühne runter gepfiffen hat,
20:02wo ich bedroht wurde von der Ortsjugend, die mir gedroht haben, mit den Marskrügen den Schädel einzuschlagen.
20:07Ach, ich bin ja mitgefahren oft, weißt du noch, das Mikrofon entlang, und hinten hat einer gezogen
20:12und du musstest immer dem Mikrofon nach, also das war nicht einfach.
20:16Ja, ja, nee, nee.
20:17Aber ich glaube, da hast du viel gelernt.
20:31Ich habe ja in Kulmbach nie den Plan gehabt, ich saß ja nie an diesem Tisch beim Frühstück,
20:36habe gedacht, ich wäre mal berühmt.
20:38Ich wollte zum Radio, dass das Radio quasi mir die Möglichkeit gegeben hätte, die Musik
20:43zu spielen, die ich mochte, und mich da wichtig zu machen, das war mir schon klar.
20:48Dass ich aber da berühmt würde, dass ich da Fanbriefe bekäme, das war nie meine Absicht.
20:53Fernsehen habe ich überhaupt nie am Radar gehabt.
21:011971, nach dem Abitur, zieht Thomas nach München, um dort Deutsch und Geschichte auf Lehramt zu studieren.
21:08Nebenher beginnt er als freier Mitarbeiter beim Jugendfunk des Bayerischen Rundfunks.
21:13Mit Beiträgen, Interviews und schließlich als Sprecher der Nachrichten in der Abendschau verdient er sein erstes Geld.
21:21Schnell wird den Radiokollegen klar, welches Talent in Thomas steckt.
21:24Und fünf Jahre später darf er seine erste Sendung auf dem noch jungen Sender Bayern 3 moderieren.
21:30Guten Morgen, meine Damen und Herren.
21:32Ich darf Sie herzlich begrüßen zu dieser ersten Sendung des Bayerischen Rundfunks auf seiner Service-Welle.
21:37Doch allein bei Staumeldungen, Nachrichten und herrlicher Musik bleibt es nicht.
21:41Kurz nach Sendestart stößt ein junger Kuhlbacher dazu.
21:47Und mischt als Nachwuchstalent die Welle auf.
21:50Bayern 3 präsentiert Thomas Gottscheid.
21:54Hallo, herzlich willkommen. Das ist ein Festtag heute mit der 23. Januar.
21:59Ein Grund zum Feiern. Warum?
22:00In elf Monaten kommt's Christkind-Mensch.
22:15Thomas Gottscheid macht sich schnell einen Namen.
22:181979 holt er Fritz Egner vom amerikanischen Soldatensender EFN zum Bayerischen Rundfunk.
22:24Und die beiden freunden sich an.
22:26Auch wenn sie heute in unterschiedlichen Städten leben und keine gemeinsame Arbeitsstätte mehr verbindet,
22:32die Freundschaft hält bis heute.
22:38James Brown.
22:39You are the Godfather of Soul.
22:41Das Lustige ist, der hat einen Anrufbeantworter gehabt.
22:45Dann kam dann...
22:46Hi, this is the Godfather of Soul, James Brown.
22:49I'm not in at the moment, but please leave the message.
22:52Ja.
22:55Wir sehen uns Monate nicht und wenn wir uns wieder treffen, dann ist es so, als hätten wir uns gestern
23:00getroffen.
23:00Das ist ein Seltenes, eine Fügung irgendwo, die sich nicht entwickeln muss, die da ist,
23:07die über die ganzen Jahrzehnte auch da geblieben ist.
23:10Wir sind auch nie Konkurrenten geworden.
23:12Ich habe nie beneidet, was der Thomas macht und kann, weil ich es selber nicht kann.
23:16Ich habe es höchstens bewundert, was er alles kann, wie weit er gekommen ist,
23:21ohne dass er irgendwie zehn Berater hatte.
23:24Er hat das alles selber gemacht.
23:26Ich finde das erstaunlich.
23:27Ich freue mich, wenn er sich Zeit nimmt für mich.
23:29Und ich habe immer das Gefühl, mir geht es nach einem Treffen mit ihm besser als vorher.
23:35Es ist auch so, dass wir natürlich in ein gewisses Alter gekommen sind.
23:39Der hat mir neulich ein Foto gezeigt.
23:41Da sind wir im Bayerischen Rundfunk in irgendeine Rikscha gestiegen.
23:44Ich solche Haare, der Fritz solche Haare.
23:46Das kann man sich nicht vorstellen, dass das, das ist 40 Jahre her oder sowas.
23:51Wir haben mit einer relativ geringen Selbstleistung es zu hübschen Anzügen gebracht.
23:57Wir sitzen mit 70 da und leben.
24:00Und ich sage immer, das ist ja schon fast ein Klischee von mir, wir fahren mit Deep Purple in die
24:06Grube.
24:08Gottschalks Bekanntheit und Erfolg nehmen immer mehr Fahrt auf.
24:12Seit vielen Jahren hat er im Bayerischen Hof in München eine eigene Suite.
24:16Hier wohnt er, wenn er heute in der Stadt ist.
24:23Nicht nur beruflich, auch privat findet er in München sein Glück.
24:27Denn hier lernt er 1972 bei einer Studentenparty Thea Hauer kennen.
24:32Sie kommt ebenfalls aus Franken, ist fünf Jahre älter als Thomas und arbeitet in einer Werbeagentur.
24:46Da hat er mich mal eingeladen, zu sich nach Hause.
24:49Das war im Lehhell, da hatte er eine wunderbare Altbauwohnung.
24:53Und da hat er mir dann seine Thea vorgestellt, da war er noch nicht verheiratet.
24:57Und ich muss sagen, ich war genauso begeistert wie er.
25:00Das war eine tolle, warmherzige, freundliche, künstlerisch begabte Frau.
25:09Und ich dachte, Mensch, da hat er jemanden, der tatsächlich sein Leben, sein spezielles, sein ganz spezielles Leben mit ihm
25:18teilt.
25:20Vier Jahre später heiraten die beiden.
25:23Thea macht sich als Modedesignerin selbstständig.
25:271982 wird Sohn Roman geboren.
25:30Fünf Jahre später adoptieren sie ihren Sohn Tristan.
25:34Beide leben heute in den USA.
25:38In den ersten Jahren wohnt die Familie in der Nähe von München.
25:41Doch der Medienrummel um Thomas wird immer größer.
25:44Und so entscheiden Thea und er sich Mitte der 90er Jahre, dass ihre Söhne in Malibu, Kalifornien, aufwachsen sollen.
25:55Ich wäre stolz, wenn ich es geschafft hätte, so ein bisschen als Weltmann gesehen zu werden oder sich selber als
26:03Weltmann sehen zu können.
26:04Weil für mich war diese provinzielle Anfangsphase ganz wichtig.
26:09Dann hatte ich in München diese Großstadtphase, die mich aber nicht sehr geprägt hat.
26:14Und dann habe ich in meinen ersten Fernsehjahren bereits diesen Gunter Sachs kennengelernt, der heute niemandem mehr etwas sagt.
26:22Und der hatte ein Weltmannleben.
26:24Der ist mit einer gewissen Regelmäßigkeit im Winter in Gstaad gewesen, im Frühjahr in Palm Springs, im Sommer in St.
26:34Tropez.
26:35Und dieses etwas, ja, auch irgendwo altmodische Gefühl, sich in jeder Situation entsprechend benehmen zu können.
26:48Ob ich in New York auf der Fifth Avenue unterwegs bin oder in München oder eben in Kulmbach.
26:53Ich bin da, wo ich bin, gerade im Moment glücklich.
26:57Ich sage, hier gehöre ich im Moment hin und hier will ich sein.
27:00Im Moment gehöre ich nach Baden-Baden.
27:01Das war nicht Ziel meines Lebens, aber ich fühle mich da ausgesprochen wohl.
27:05Und ich bin auf der Kurpromenade genauso trittsicher wie auf der Park Avenue.
27:13Seinen riesigen Erfolg verdankt er vor allem der Samstagabendshow Wetten, dass...
27:181987 übernimmt er diese von Frank Elstner.
27:25Herzlich willkommen zu Wetten, dass...
27:28Aus der Rhein-Ruhr-Halle in Düsseldorf.
27:32Guten Abend Deutschland, guten Abend Österreich, guten Abend Schweiz.
27:37Ciao, Italia!
27:38In seine Wettshow strömen internationale Stars wie Tina Turner, Michael Jackson oder Arnold Schwarzenegger.
27:46Bis zu 21 Millionen Zuschauer aller Altersgruppen versammelt Gottschalk damit vor dem Fernseher.
27:53Natürlich frage ich mich auch oft, warum mögen mich die Leute, weil das ist ja mein Kapital.
27:59Ich komme aus einer Zeit, wo man sich das Publikum noch verdienen konnte, indem man eben zum richtigen Zeitpunkt das
28:08Richtige gesagt hat.
28:09Ich habe mir auch nie überlegt, was wollen die Leute gerade hören.
28:12Ich mache keine Unterschiede.
28:15Wenn irgendein Baggerfahrer mit einer Wette reingekommen ist, der irgendwo kein Haar mehr am Kopf gehabt hat und leicht das
28:22linke Bein nachgezogen hat,
28:23habe ich nicht über Kalköpfige und über Hinkende gesprochen, sondern ich habe den Mann als das genommen, was er ist,
28:31nämlich als Baggerfahrer, der was ganz Bestimmtes kann.
28:33Das bedeutet, dass ich die Leute so genommen habe, wie sie sind, ohne sie zu verklären, ohne ihnen zu huldigen.
28:40Ich habe immer versucht, die Kleinen groß zu machen und die Großen klein zu machen.
28:44Und das ist für mich heute natürlich auch der späte Lohn.
28:48Diese Leichtigkeit, mit den Leuten zu korrespondieren, die muss einem gegeben sein.
28:53Ich sehe das in der Tat als eine Gabe.
28:57Die habe ich mir weder erarbeitet, noch habe ich sieben Semester studiert, bis ich es begriffen habe.
29:01Weil entweder du hast es oder du hast es nicht.
29:04Wird mal ein Mann gesagt, meine Frau ist ein Riesenfan von denen.
29:08Die zieht sich zu ihren Sendungen immer schön an und wenn sie reinkommen, dann steht sie auf und klatscht.
29:12Dass da ein Mensch vorm Fernsehapparat aufsteht und klatscht im netten Kleid, auf so eine Idee kommst du gar nicht.
29:18Aber die gibt es.
29:19You keep saying, you got something for me.
29:24Something you call love, but confess.
29:30You've been a messer.
29:31Well, you shouldn't have been a mess in.
29:35Eins, zwei, drei.
29:37Oh, you're best.
29:39Dankeschön.
29:42Ich habe großes Glück und ich bin privilegiert, dass ich in diesem Beruf mein ganzes Leben lang Erfolg haben konnte.
29:49Und das verdanke ich einzig und allein dem Publikum und sonst niemandem.
29:53Das weiß ich.
29:54Deswegen habe ich auch das Gefühl, ich schulde dem Publikum immer was.
29:57Und zwar jedem Einzelnen aus diesem Publikum, der sich mir nähert.
30:03Doch das Märchen währt nicht ewig.
30:06Nach 23 Jahren, wetten das, sinken die Zuschauerzahlen und der Druck auf Thomas Gottschalk wächst.
30:13Ich habe gemerkt, die Konkurrenz wird enger und es wird schriller.
30:18Und irgendwann haben sich Joko und Klaas den Hintern zunähen lassen.
30:21Ich habe gemerkt, ich kann nicht mehr lange mit dem Schritt halten, was Aufregung erzeugt, was Erstaunen erzeugt.
30:29Wir hatten dann bereits Angst vor der Einstelligkeit.
30:32Das muss man sich vorstellen.
30:33Die Einstelligkeit bedeutet also nicht mehr zwölf Millionen, sondern vielleicht nur noch neun.
30:38Das hat uns umgetrieben, die Redaktion und mich.
30:41Und dann fingen wir eben an, uns auch in einer Ecke zu bedienen, in der es gefährlich wurde.
30:47Und als ein junger Mann kam, der gesagt hat, ich springe auf irgendwelchen Federn über Autos, haben wir gesagt, genau
30:54das brauchen wir.
30:55Und wie man sieht, hat die Sache einen üblen Ausgang genommen.
30:59Oh, oh, oh, oh, oh, oh.
31:01Am 4. Dezember 2010 kommt es zur Katastrophe.
31:05Sofort den Arzt bitte. Sofort den Arzt.
31:08Ja?
31:08Sofort den Arzt.
31:11Da kann ich mich noch erinnern, wie ich das Teilchen gegeben habe, kann mich noch erinnern, wie das Auto über
31:18die Markierung gefahren ist und die Verlager mein Gewicht auf das rechte Standbein, um links den ersten Schritt zu machen.
31:26Und dann den nächsten Schritt und dann endet meine Erinnerung.
31:32Nach seinem schweren Sturz verbringt Samuel Koch viele Monate im Krankenhaus und ist seitdem querschnittgelähmt.
31:41Thomas sitzt oft an seinem Krankenbett und weiß, dass er wetten, dass so nicht mehr weitermachen will.
31:56Ich glaube, so in der intensivsten Phase auch für meine Familie war Thomas, glaube ich, gerade mit meinen Eltern und
32:05meinen Geschwistern in Kontakt.
32:06Und die haben weitaus mehr den Thomas kennengelernt, den sonst, glaube ich, keiner kennt, der vielleicht auch manchmal sprachlos ist,
32:15der dann auch an seine Grenzen mit Sicherheit gekommen ist, wie das für alle eine Grenzerfahrung war, der mit meinen
32:24Eltern einfach nur still war, mit meiner Familie gebetet hat und auch wahrscheinlich gezittert und gerungen hat.
32:30Und ich habe dann den Thomas wieder kennengelernt in der Klinik im Krankenhaus.
32:34Da war es schön, dann auch jemand wie Thomas zu haben, mit dem er gelacht hat, mit dem er Blödsinn
32:39gemacht hat, mit dem er Quatsch gemacht hat und mit dem er gemerkt hat, naja, viel schöner als weinen ist
32:45eigentlich zu lachen.
32:50Im Dezember 2011 steigt Thomas Gottschalk aus Wetten, dass? aus.
32:56Doch was nun? Es folgen mehrere Shows im Öffentlichen wie auch im Privatfernsehen, die aber alle wegen zu geringem Erfolg
33:04eingestellt werden.
33:09Nun bekommt er die Kehrseite seiner Berühmtheit zu spüren. Sein Scheitern, ob beruflich oder privat, wird öffentlich ausgeschlachtet.
33:20Es gibt die Neugier der Medien, ich will nicht mal sagen der Leute. Die Leute gucken mal gerne über den
33:28Zaun, die Leute sind erfreut, wenn es Klatsch gibt.
33:31Aber es gibt eine Maschine, die diese Neugier füttert. Und dieser Maschine habe ich immer versucht, mich zu verweigern.
33:39Es geht nicht ganz, weil mein Geschäft ein Mischgeschäft ist. Du kannst nicht versuchen, am Samstagabend so viele Menschen wie
33:48möglich zu erreichen und dich von den gleichen Menschen ab Montag verstecken.
33:53Wenn sie mir privat begegnen, habe ich nie ein Problem damit. Das ist für mich der Punkt.
33:58Und dieses, sagen wir mal, ich nenne es mal Schnüffeln in meinem Privatleben, das ärgert mich. Und dem schiebe ich
34:07natürlich so gut es geht auch einen Riegel vor.
34:13Doch so richtig funktioniert das nicht. 2019 zeigt er sich zum ersten Mal mit Carina Mross, der neuen Frau an
34:21seiner Seite.
34:22Kurz davor hatte er die Trennung von Thea nach über 40 Ehejahren bekannt gegeben.
34:28Das Medieninteresse ist riesig.
34:46Da haben sie Thea dann mit dem Einkaufswagen in Malibu fotografiert.
34:51Und jetzt ist die arme Frau, oh Gott, das ist eben ein...
34:55Und warum soll ich Dinge erzählen? Das behalte ich insofern für mich, als es ein ganz entscheidender...
35:02Und ich will und kann der Menschheit nichts erklären.
35:05Und ich stehe natürlich zwischen zwei Welten.
35:09Ich sitze hier in Baden-Baden und ich weiß auch nicht, was da quasi richtig und falsch ist.
35:15Und wenn ich, als ich schon gesagt habe, kein Mensch weiß, ob er sich richtig entscheidet, war das schon ein
35:19großes Thema.
35:19Aber Gottschalk weiß nicht mehr, was er tut. Also du kannst es nicht richtig machen, also mach ich es gar
35:25nicht.
35:26Und diesen Rat befolgt bisher auch Carina Mross.
35:30Dabei gieren alle nach einer Aussage von ihr.
35:39Das kannst du ja ganz gerne so in die Kamera sagen. Was heißt, sie darf kein Wort sagen.
35:43Sie ist selber so schlau, dass sie kein Wort sagen will.
35:47Und das rechne ich ihr hoch an.
35:50Weil... Und ich sag dazu auch kein Wort.
35:55Eine neue Frau, der Umzug nach Baden-Baden.
35:59Thomas Gottschalk hat sein Leben neu sortiert.
36:02Seine Liebe zum Radio ist die alte.
36:04Und so moderiert er auch heute seine Klassik-Rock-Sendung auf Bayern 1.
36:10Hier ist der Tommy.
36:11Und falls ihr es noch nicht gemerkt habt, ich mache das schon drei Jahre jetzt.
36:14And I do the rock.
36:17Hier ist Tim Curry.
36:20Jawohl.
36:24Was die Zuhörer an diesem Dezember-Sonntag nicht ahnen, Thomas wird gleich seinen Rückzug von Bayern 1 bekannt geben.
36:58Ich erinnere mich noch genau in meiner ersten Sendung hier.
37:01Habe ich das gespielt?
37:03Das hört sich immer noch genauso gut an.
37:04Leider sehe ich nicht mehr genauso gut aus.
37:08Ich habe doch viel Kräfte in diesem Hause gelassen hier.
37:12Und ich merke doch, dass der Körper sein Recht fordert.
37:15Mein Arzt hat gesagt, es wäre hoch riskant, wenn ich weiter wie bisher einmal im Monat das Bett verlasse.
37:21Deswegen kann ich leider die Regelmäßigkeit dieser Veranstaltung nicht mehr garantieren.
37:24Denn selbstverständlich werde ich den Kollegen Glas nicht alleine lassen und zu gegebener Zeit wieder in diesem Hause auftreten und
37:31tanzen.
37:32Aber jetzt gehen wir es mal ein bisschen langsamer an.
37:34Keine Überraschungen mehr in meinem Alter.
37:48Nur ein paar Stunden später spekulieren die ersten Medien über seinen Gesundheitszustand.
37:54Für Thomas ein weiterer Beleg dafür, dass er zu manchen Dingen lieber nichts sagt.
38:01Ich hatte ja nun auch den ehrenhaften Versuch gemacht, mich zu reduzieren, mich zurückzuziehen und auch in Anführungszeichen vernünftig zu
38:12werden und ein cooler Alter zu werden.
38:14Das ist nicht so einfach und jeder, den ich gesprochen habe, der in diesem Alterssegment ist, hat mir gesagt, also
38:21wenn du aufhörst, dann kannst du dich gleich aufgeben.
38:24Und ich sage, ich mache eben auch, solange ich noch das Gefühl habe, die Leute wollen was von mir.
38:30Und das ist so in dieser DNA drin, wie von irgendeinem Zirkuspferd, das natürlich auch immer, wenn die Lichter angeht,
38:40immer doch dann mal wird.
38:41Wann erst zur traurigen Figur wird, das bestimmen die Zuschauer, die eben einfach aufhören zu klatschen.
38:47Und da hast du schon ein Gefühl dafür, wie lange es noch funktioniert.
38:53Es funktioniert noch. Thomas ist mal wieder unterwegs. Es geht ins fränkische Fürth.
39:00Dort soll er am Abend aus seinem aktuellen Buch Herbstbund lesen. Und die Offiziellen der Stadt haben noch etwas anderes
39:07mit ihm vor.
39:11So, haben wir hier. Wurden Teppich.
39:15Dankeschön, schöne Lesung.
39:17Ja, ich gucke mal, was ich hinkriege. Habe ich mein Buch eigentlich dabei? Ich glaube schon, ja.
39:21Ich kann es jetzt ein bisschen auswendig. Servus. Fahren wir hier mit dem Aufzug.
39:29Drei.
39:35Wie gesagt, das ist mein Licht, ja.
39:38Thomas, du hast ein Lüge vom Frankenfernsehen. Wir haben uns schon mal getroffen.
39:43Ich weiß nicht, hättest du nach dem Vortrag kurz Zeit für ein paar Fragen für die Kamera?
39:46Für die Kamera auf keinen Fall. Ich bin so kamerascheu.
39:49Das weiß ich nicht.
39:50Hier beantworte ich alles, aber nix.
39:52Naja.
39:55Ich nutze meine Größe, auch wenn sie etwas verblichen ist, und mache mit dem Rest noch wenig noch ein bisschen
40:01in der Gegend rum.
40:02Und das ist, das ist okay, mehr muss es nicht sein. Und ich habe Spaß dabei.
40:07Das ist diese große Freude, die ich habe, wenn ich merke, die Leute haben auch Spaß dabei.
40:12So, what?
40:16Chini?
40:16Chini.
40:17Chini.
40:18Ich habe jedes Kapitel mit irgendeinem Songtitel überschrieben.
40:22Also, da gibt es unter anderem Crazy World of Arthur Brown Fire, weil ich einer der wenigen bin, dem die
40:28Hütte abgebrannt ist.
40:30Dann haben wir Everybody Hurts, das sind so die Alten mit Altersleiden.
40:34Dann habe ich zum Beispiel drin Everlasting Love, da musste ich ein bisschen redigieren.
40:41Und, naja, When I'm 64, das musste ja kommen von den Beatles.
40:48Und das Kapitel heißt hier Knocking on Heaven's Door.
41:02Das begegnet mir ja nun fünfmal am Tag, zehnmal, zwanzigmal.
41:06Ich kann aber dem 95. nicht erklären, ich habe jetzt 94 Mal gelächelt, da hat er wenig Verständnis.
41:12Wenn einer nach Hause geht und sagt, ich habe den Gottschalk getroffen, das ist ein echter Depp, ich wollte nur
41:17ein Foto mit dem, da hat er Nein gesagt.
41:19Der sagt doch nicht seiner Frau, der arme Gottschalk hat 95 Selfies schon gemacht, als ich ihn getroffen habe.
41:25Dann habe ich ihn auch noch gefragt, da hat er gesagt, lass mich in Ruhe, ich finde den prima.
41:30Das sagt er doch nicht.
41:37Jetzt erfährt Gottschalk, dass er auch noch einen Teil der Fußgängerzone eröffnen soll.
41:44Also Fußgängerzone ohne mich, weil da bin ich zu geschwächt.
41:50Ja, guck mal hier die Mädels, wie verrückt, als wäre ich Robbie Williams.
41:56So, jetzt gehe ich jetzt mal hier kurz zur Abendandacht, Junge.
42:03Ich habe gedacht, ich lese da ein bisschen aus meinem Buch, plötzlich höre ich noch mehr so eine Interviewgeschichte.
42:10Er flieht vor dem Rummel und kann ohne ihn doch nicht leben.
42:14Das ist im Grunde die Währung, in der ich bezahlt werde, das ist das, dass ich nach Selfies gefragt werde.
42:22Und deswegen meine ich, wenn ich irgendwann merke, da steht keiner mehr, dann sage ich, dann war es das.
42:28Und irgendwo muss die Quote herkommen, das sind die da draußen.
42:32Da darf ich mir nichts einreden.
42:34Die beschmeißen mich ja hier nicht mit Eiern und beschimpfen mich, die freuen sich.
42:39Und ich sage, ja klar, ich war es.
42:41Und jetzt bin ich es immer noch.
42:47Und jetzt bin ich es immer noch.
42:56Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
43:01oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
43:01oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
43:02oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
43:04oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
43:09oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh
Comments