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Transkript
00:00:01Die Familie des Zeitungsverlegers Alexander Reiter,
00:00:05traditionsgemäß zum Neujahrsessen vereint,
00:00:08bewegt sich im Alltag auf verschlungenen und heimlichen Wegen.
00:00:12Enkelin Walli ist beeindruckt von dem undurchsichtigen Geschäftsmann Marco Gelusitsch.
00:00:20Nein, ich bin im Grunde geblieben, was ich immer war, ein balkanesischer Hirtenjungen.
00:00:24Nein, Sie sind ein Bär.
00:00:25Ihre Cousine, Adrienne, lernt auf einem illegalen Anarchistentreff
00:00:30den Jungsozialisten Josef Prokop kennen.
00:00:38Auf einer Geschäftsreise nach Wien verliebt sich Alexander Reiter in Irene von Claudi.
00:00:47Alexanders Tochter, Ottilie, ist ihrem Mann, Gymnasialprofessor Rankel, davongelaufen.
00:00:53Die Familie ist ratlos und aufgeregt.
00:00:58Wenn Ottilie nicht deine Tochter wäre und die Mutter meines Sohnes,
00:01:02dann würde ich dir jetzt ganz schön...
00:01:04Alin Friedrich!
00:01:06Reiter?
00:01:09Ottilie hat ihre Wohnung verlassen, nach einem Streit.
00:01:13Doch Ottilie wird gefunden, der Skandal ist verhindert.
00:01:18Tante Ottilie?
00:01:21Habe ich vor zwei Stunden in der Konditorei gesehen.
00:01:24Sie sitzt dort aufgelöst in Tränen und schlingt eine Portion Schlagsahne nach der anderen in sich hinein.
00:01:32Heute erwartet Alexander seinen alten Freund und Bankier, Ludwig Seelmeier.
00:01:38Alexander!
00:01:40Alexander!
00:01:42Ludwig!
00:01:45Ludwig!
00:01:48Ludwig!
00:01:49Das finde ich ja wunderbar, dass du dich gerade in diesen Krisentagen von Wien freimachen konntest.
00:01:55Du, ich habe einen Riesenkatalog von Fragen an dich.
00:01:58Ja, die neue Balkan-Krise.
00:02:01Wie viel ist das eigentlich?
00:02:02Gut, mal.
00:02:041909 hatten wir...
00:02:05Na, lass nur, Alexander, es sind zu viele.
00:02:07Jeden Fertschicht wieder einmal auf dem Kopf.
00:02:12Irgendwo habe ich gelesen, dass der Balkan das Pulverpass Europas sei und die Lunde schon blippen.
00:02:17Aber dass die von hier alten Skeptiker die Laune nicht verderben, das ist die Berufskrankheit der Bankiers.
00:02:21Keine Sorge, Ludwig.
00:02:22Die Sonne lacht und Prag hat sich schön gemacht.
00:02:29Die beiden alten Freunde geben sich bei aller Ernsthaftigkeit genussvoll jenem Austausch von Neuigkeiten und Gedanken hin,
00:02:39der auch ihren Geschäften so bekömmlich ist.
00:02:42Da spielt zum Beispiel der allerletzte Bestechungsskandal in der Heeresverwaltung,
00:02:47in den sogar ein Herzog verwickelt ist, eine Rolle.
00:02:52Wie der Bürgerkrieg in Mexiko und die Einmischung der Yankees,
00:02:56oder die Spannungen zwischen Japan und China.
00:03:00Und bei alledem werden natürlich die Reaktionen der Börse nicht vergessen.
00:03:06Ja, die beiden Herren scheinen ganz bei der Sache zu sein.
00:03:10Die Kriegsmartei in Wien ist außer sich.
00:03:12Sie möchten Streit um diesen kleinen Ortskutari zum Losschlagen nutzen.
00:03:15Und ausgerechnet ihre deutschen Gesinnungsfreunde halten sich das mal zurück.
00:03:20Nein.
00:03:20Doch, ich weiß, es ist zuverlässig.
00:03:23Die Pfiffkes halten sich mal ausnahmsweise zurück.
00:03:26Kein deutscher Bürger würde es verstehen, wenn er wegen eines popligen albanischen Fischerdorfes
00:03:30in einen europäischen Krieg ziehen müsste, hieß es in Berlin.
00:03:35Wahrhaftig, die Wege der Politik sind wunderlich.
00:03:38Dort läuft schon so lange so vieles falsch, dass nur noch zweieinhalb übrig bleibt.
00:03:42Ein Wirtschaftsbankrott europäischen Ausmaßes, oder?
00:03:45Der versucht sich durch Raub auf Kosten des Anderen zu sanieren.
00:03:48Und das heißt, die werden den Raub versuchen.
00:03:51Oder ich bin niemals ein Bankier gewesen.
00:03:55Na, Alexander, nun hat's dir doch die Sprache verschlagen.
00:03:59Nein, nein, Ludwig.
00:04:00Nein, nein, das ist was anderes.
00:04:03Weißt du, ich wollte dich eigentlich erst vor deiner Abreise bitten, aber...
00:04:07Aber dann möchte ich's doch gleich tun.
00:04:09Ja, es ist ein Freundschaftsdienst, Ludwig.
00:04:12Ich möchte dich bitten, die Adresse einer Frau Irene von Claudi feststellen zu lassen.
00:04:20Ihr Mann ist Offizier.
00:04:23Mehr weiß ich nicht.
00:04:25Na, so steht es um dich.
00:04:28Nun, weiß ich nicht.
00:04:30Soll ich dich beneiden?
00:04:32Oder bedauern?
00:05:11Adrien?
00:05:15Adrien?
00:05:17Adrien?
00:05:23Adrien, sag mal, soll ich dich ein Stückchen im Wagen mitnehmen?
00:05:26Ja, gern.
00:05:27Wo willst du denn hin?
00:05:29Ist mir ganz gleich.
00:05:30Oder nein, ich werde dich erst zu einer Tasse Kaffee einladen.
00:05:32Und du bist doch jetzt eine junge Dame, ich muss doch meinen Kavalierspflichten nachkommen.
00:05:39Sag mal, Adrien, was ist denn los? Hast du Kummer?
00:05:41Tut dir das Herzchen weh?
00:05:43Oder ist dein Großvater ein schlechter Psychologe?
00:05:45Na, hast wohl recht. Das ist nichts mehr für Großväter.
00:05:49Aber ich weiß doch, was ihnen ansteht.
00:05:52Na, vielleicht hilft das doch ein bisschen, hm?
00:05:55Nein.
00:06:00Na, Adi.
00:06:05Hast du doch Kummer?
00:06:08Nein.
00:06:09Hm? Tieferer Kummer?
00:06:13Nein.
00:06:14Komm, setz dich. Setzen wir uns erst mal.
00:06:18Es ist nicht das, was du vielleicht glaubst.
00:06:21Es ist nur...
00:06:25Es ist nur alles so schrecklich kompliziert, die Welt und überhaupt.
00:06:32Ich meine...
00:06:34Es ist zu schwer, sich zurechtzufinden.
00:06:37Weißt du, man hat zwar ein Ziel, aber man weiß nicht, ob man wirklich auf dem richtigen Weg dazu ist.
00:06:44Ja, weißt du, Erfahrungen von anderen, die sind vielleicht lehrreich, aber sind eben nicht die eigenen Erfahrungen.
00:06:53Die eigenen Erfahrungen, die muss man schon allein machen.
00:06:59Da hilft nix.
00:07:02Du bist also auch allein.
00:07:06Jeder ist in dieser Familie für sich allein.
00:07:11Und jetzt ist es wieder besonders schlimm.
00:07:22Das Gefühl der Lehre, das Helene so unruhevoll umtreibt.
00:07:26Sogar bis in Adrienz Zimmer, was sie sonst kaum betritt.
00:07:34Hier hängt doch die sextinische Madonna.
00:07:42Und diese Bücher überall.
00:07:47Sieh mal da.
00:07:49Zehn Kreuzer-Homane.
00:07:52August Bibel.
00:07:56Gewerkschaftsbewegung und politische Parteien.
00:08:02Gebärstreik für und wieder.
00:08:08Lohn, Preis und Profit.
00:08:12Karl Marx.
00:08:17Schattenseite des Lebens.
00:08:21Schattenseite des Lebens.
00:08:26Der Militarismus hat vom Staat völlig Besitz ergriffen.
00:08:30Er ist der einzige Inhalt unseres Staatslebens.
00:08:32Zerhütte die Finanzen, gräbt die Quellen der Volksgesund.
00:08:38Der Parteitag ruft deshalb die ganze Arbeiterklasse.
00:08:44Mama?
00:08:47Du?
00:08:48Ja.
00:08:49Ich hab dich gesucht, Kind.
00:08:54Ich bin nämlich sehr einsam.
00:09:01Mama?
00:09:05Die Schattenseite des Lebens.
00:09:07Was ist das?
00:09:09Ich meine, was verstehen Sie darunter, diese Leute?
00:09:12Die diese...
00:09:13Dein Heftchen hier schreiben.
00:09:16Was wollt ihr überhaupt?
00:09:19Du und die, mit denen du immer beisammen bist.
00:09:22Das möchtest du wissen?
00:09:25Wirklich, Mama?
00:09:27Oh du, das wär schön.
00:09:28Komm.
00:09:29Komm, setz dich dahin.
00:09:30Komm.
00:09:34Was wir wollen.
00:09:36Wir wollen eine schönere Welt, verstehst du?
00:09:40Eine neue Welt, in der es kein Privatbesitz an Produktionsmitteln mehr gibt und keine Ausbeutung und...
00:09:52Ja?
00:09:55Warum redest du nicht weiter?
00:09:56Es soll keine Privatmittel mehr geben.
00:09:58Was ist los?
00:10:01Ich weiß nicht richtig, Mama.
00:10:04Ich fürchte, ich ermüde dich.
00:10:05Aber nein.
00:10:07Es interessiert mich natürlich.
00:10:11Besonders das von dieser Schattenseite des Lebens.
00:10:14Wirklich.
00:10:16Es interessiert mich immens.
00:10:18Das kannst du mir glauben.
00:10:20Ich sehe, du bist viel zu müde, Mama.
00:10:24Du musst dich ausruhen.
00:10:26Und ich muss gleich wieder weg. Eine wichtige Sache.
00:10:39Adrien ist auf dem Weg in eine neue Welt.
00:10:44Sie weiß nun schon, es ist eine Welt der Arbeit, des Mangels, aber auch die Welt der Hoffnung, des Mutes
00:10:53und des Glücks.
00:10:56Sie weiß, wie ihr das Herz klopft.
00:10:59In heißen Wellen durchflutet sie Erwartung, Angst, Bereitschaft.
00:11:04Denn schließlich ist da noch etwas.
00:11:08Die neue Welt ist auch Josefs Welt.
00:11:12Guten Tag.
00:11:13Sind Sie Frau Kalivorda?
00:11:15Kalivorda?
00:11:15Ja, das bin ich, Fräulein.
00:11:16Ich heiße Adrien Reiter.
00:11:18Ich wollte gern zu Ihrem Untermieter, Josef Prokop.
00:11:21Prokop?
00:11:22Ja, ja, ich habe schon von Ihnen gehört.
00:11:23Kommen Sie erst mal rein, Fräulein.
00:11:25Ah, ja.
00:11:30Ich habe mir gleich gedacht, dass Sie von auswärts sind.
00:11:34Weiß denn der Prokop, dass Sie heute hier ankommen?
00:11:36Nein.
00:11:38Was machen wir da mit Ihnen?
00:11:41Der Prokop wird erst abends zurückkommen.
00:11:44Der ist auf einer Wanderung, wie gewöhnlich, mit seinem Mädchen.
00:11:51Aber, aber, was ist denn mit Ihnen?
00:11:58Fräulein, Sie sind ja weiß wie ein Leinentuch.
00:12:02Wollen Sie vielleicht ein Glas Wasser?
00:12:05Nein, danke.
00:12:06Nichts.
00:12:08Mir ist gar nichts.
00:12:10Sagen Sie bitte Herrn Prokop.
00:12:14Sagen Sie ihm nichts.
00:12:15Moment, wohin?
00:12:17Setzen Sie sich.
00:12:20Eine Droschke bringt Walli zum Rolli.
00:12:25Diesmal wird es entscheidend sein, fühlt sie.
00:12:31Das große Leben liegt vor ihr.
00:12:35Ganz nah.
00:12:36Geheimnisvoll.
00:12:38Und will erobert sein.
00:12:43Ohne Schleier.
00:12:45Schön.
00:12:46Aber unvorsichtig.
00:12:48Da müssen wir gleich Abhilfe schaffen.
00:12:53Ah.
00:12:56Ist das Ihre Art meiner Unvorsichtigkeit, Abhilfe zu schaffen?
00:13:00Gut verriert.
00:13:01Ich wusste immer, dass in Ihnen das Zeug zu einer Frau von Format steckt.
00:13:05Leider fehlt noch ein bisschen Erfahrung.
00:13:08Das soll beileibe kein Vorwurf sein, meine Liebe.
00:13:10Nein.
00:13:11Ich schätze Sie ganz so, wie Sie sind.
00:13:13Ein großes Versprechen auf die Zukunft.
00:13:20Oh.
00:13:21Oh.
00:13:24Herrlich.
00:13:26Das ist ein Homar.
00:13:28Ein echtes arabisches Schleier.
00:13:31Das Gesicht der arabischen Frau ist unkeusch.
00:13:34Man darf nur einen ganz kleinen Schlitz von Ihren geheimnisvollen Augen sehen.
00:13:46Entzickend.
00:13:50Ha.
00:13:53Darf ich mal die Peitsche haben?
00:13:55Nein, lieber nicht.
00:13:55Ich möchte mal den dreifachen Knall probieren, von dem Sie mir erzählt haben.
00:13:58Sie andalusischer Pferdezüchter.
00:14:00Aber Vorsicht.
00:14:01Das ist kein Droschkengau.
00:14:02Ah.
00:14:03Das werden wir sehen.
00:14:06Hoho.
00:14:07Uiuiui.
00:14:08Ach, was machen Sie denn da?
00:14:10Das hört sich an, als würden Sie die Pferdesprache verstehen.
00:14:13Wo lernt man das?
00:14:15Lernen?
00:14:16Die Kunst, Pferde zu verstehen, kann man nicht lernen.
00:14:19Damit wird man geboren oder man bleibt ein stimmbarer Zeitlebens.
00:14:22Das ist ganz genauso wie mit den Frauen.
00:14:24Wollen Sie damit sagen, dass Sie Frauen und Pferde auf die gleiche Stufe stellen?
00:14:29Nicht ganz.
00:14:30Es gibt Unterschiede, natürlich.
00:14:32Schauen Sie sich Draga an.
00:14:34Sie hat die Ohren zurückgestellt und schaut ganz heimtückisch aus.
00:14:37Gerade wie ein eifersüchtiges Frauenzimmer.
00:14:39Und ich wette, sie ist eifersüchtig.
00:14:42Nicht sie!
00:14:44Sie certificat sind, sie sind hier.
00:14:46Und ich habe den Bumen des Koch.
00:14:47Nein.
00:14:54Vogel bist du qu сложно?
00:14:56Das ist wichtig.
00:14:59Wo decline Sie, 215 Jahre in 30 May, haben Sie sie gespielte Schuinski?
00:15:03Ja sein Sie, 1个 Platz Secき.
00:15:04Ja nicht.
00:15:0552 Jahre in 30 Jahre in 30 Jahren.
00:15:11In 12 Jahren habe ich relatee Kopen sehr gut.
00:15:38Oh, come here.
00:15:40Oh, come here, come here.
00:15:44My heart, I love you.
00:15:49Oh, come here.
00:16:09Das hätte uns beide das Genick kosten können.
00:16:12Merken Sie sich ein für allemal, ein Pferd schlägt mal nicht.
00:16:14Was fällt Ihnen einzig, Robby an? Sie brechen mir alle Knochen.
00:16:17Sie haben schon recht, ich hätte nicht das Pferd schlagen sollen, sondern Sie.
00:16:21Oh, come here.
00:16:25Oh, come here.
00:16:34Oh, come here.
00:16:37Oh, come here.
00:16:50Oh, come here.
00:17:11Oh, come here.
00:17:12Oh, come here.
00:17:20Oh, come here.
00:17:24Oh, come here.
00:17:45Marco.
00:17:49Bär.
00:17:55Bärchen.
00:17:58Bärchen.
00:17:59Wie hast du mich genannt?
00:18:00Bärchen?
00:18:00Ich bin kein Bär.
00:18:03Was gibt's?
00:18:03Mich so lange allein zu lassen.
00:18:11Ich habe nur mein Pferd versorgt.
00:18:14Und dann wollte ich noch etwas holen.
00:18:19Rakia.
00:18:19Kennst du Rakia?
00:18:21Wo bleibst du denn?
00:18:25Die Leute in meiner Heimat sagen, weißt du, was die Leute in meiner Heimat sagen?
00:18:34Die Leute in meiner Heimat sagen, drei Dinge sind es, die den Mann glücklich machen.
00:18:39Eine schöne Geliebte.
00:18:44Ein schnelles Pferd und Rakia.
00:18:49Man kann ihn aus der Flasche trinken.
00:18:55Hier.
00:18:56Er sieht harmlos aus.
00:18:57Wie die Tränen einer Jungfrau.
00:18:59Aber er ist stark wie der Teufel.
00:19:02Probier.
00:19:13Was soll das heißen?
00:19:15Was das heißen soll?
00:19:17Dass es neben mir niemanden zu geben hat.
00:19:19Keine Pferde und keinen Rakia.
00:19:21Das soll es heißen.
00:19:28Bescheiden bist du nicht gerade.
00:19:30Neben dir hat es keine Pferde und keinen Rakia zu geben.
00:19:33Hast du sowas schon gehört?
00:19:36Was bist du für ein Teifel?
00:19:38Und du bist mein Bär.
00:19:54Essen sie nur und trinken sie.
00:19:57Das tut auch der Seele gut.
00:20:01Adrien fasst zu dieser einfachen Frau zutrauen.
00:20:05Sie erzählt ihr, weshalb sie ihr Elternhaus verlassen hat und zu Josef gekommen ist.
00:20:11Und sie gesteht auch ihre Enttäuschung.
00:20:14In diesem Augenblick erscheint sie ihr so groß, dass sie meint, nun an nichts mehr glauben zu können.
00:20:21An keinen Menschen, an keine Sache, an keine Idee.
00:20:29Und dann beginnt Mutter Kalivoda zu erzählen.
00:20:33Von ihrem einfachen und schweren Leben als Arbeiterfrau und vom Kampf und Tod ihres Mannes.
00:20:39Adrien fühlt, wie Schmerz und Kränkung zusammenschrumpfen, klein und unbedeutend werden.
00:20:50Lies nur, mein Kind.
00:20:52Das wird dir auch nicht schaden.
00:20:57Die polizeiärztliche Untersuchung des Kalivoda Robert hat ergeben, dass demselben vier Rippen auf der rechten Seite und der linke Unterarm
00:21:08gebrochen worden sind.
00:21:11Der genannte wies überdies Schnitt- und Stichwunden im Gesicht und unterhalb beider Schulterblätter auf, sowie Kontusionen am Halse.
00:21:24Hm?
00:21:26Ich glaub, Sie überlegen sich's noch einmal, Freund Adi. Glauben Sie nicht auch?
00:21:30Was?
00:21:32Zum Beispiel das mit dem neuen Leben.
00:21:36Oh.
00:21:38Tag.
00:21:40Tag.
00:21:40Das ist mein Sohn Robert.
00:21:42Adrienne Reiter.
00:21:44Tag.
00:21:44Tag.
00:21:46Tag.
00:21:47Tag.
00:21:54Tag.
00:21:55Tag.
00:21:56Tag.
00:21:56Tag.
00:21:56Tag.
00:21:56Tag.
00:21:56Tag.
00:21:56Tag.
00:21:58Tag.
00:22:00Tag.
00:22:00Tag.
00:22:01Tag.
00:22:30Guten Tag.
00:22:32Zyklopen-Ogel.
00:22:44Komm, spiel mit mir.
00:23:12Helene hat ihre blaue Stunde.
00:23:18Sie füllt die leeren Stunden ihres einsamen und tatenlosen Lebens mit Träumereien.
00:23:27Dabei helfen ihr gewisse Bilder, Liköre, Verkleidungen, Licht und Schatten
00:23:37und gewisse Bücher wie Das Leben ein Traum und Die Wiegen der Meditation.
00:23:54Liebe Eltern, bitte erschreckt nicht, wenn ich von euch für längere Zeit Abschied nehme.
00:24:05Ich gehe von euch nicht als unverstandene Tochter, sondern in Liebe und Dankbarkeit.
00:24:15Weil ich nach sehr ernster Überlegung zu dem Entschluss gekommen bin,
00:24:22dass ich so nicht mehr weiterleben kann.
00:24:25Adrien.
00:24:30Adrien hat bei Mutter Kalivoda nicht nur Rat und Trost gefunden.
00:24:37Sie lernt auch in Robert einen verständnisvollen und guten Kameraden kennen.
00:24:43Josef hat mir schon von Ihnen erzählt.
00:24:45Sie sind sehr aktiv in seiner Jugendgruppe.
00:24:49Sie brauchen sich doch nicht zu genieren.
00:24:51Ihre Idee, ein neues Leben zu beginnen, ist doch goldrichtig.
00:24:55Nur, wie Sie es angefangen haben, hat der Josef so ein Schafskopf.
00:25:00Na und Sie?
00:25:01Sie tragen Ihr Herz auch nicht gerade auf der Zunge, nicht wahr?
00:25:04Ja, da haben Sie nicht ganz Unrecht.
00:25:07Aber ich bin so froh, dass ich Ihre Mutter kennengelernt habe.
00:25:09Es ist wunderbar, wie Sie mir geholfen hat.
00:25:12Und überhaupt, ich hoffe, Sie fassen es nicht falsch auf.
00:25:16Ich finde auch, Sie sind ein großartiger Mensch.
00:25:18Das heißt...
00:25:19Ach was, ich und großartig.
00:25:21Dazu fehlt mir so ziemlich alles.
00:25:23Los, die elektrische.
00:25:25Die schaffen wir noch.
00:25:28Alexander schreibt einen neuen Leitartikel.
00:25:31Er handelt von dem inzwischen auf allerhöchste Weisung
00:25:36vertuschten Bestechungsskandal in der Heeresverwaltung.
00:25:39Man weiß, alles ist hoffnungslos verfahren.
00:25:43Aber so war es schon die längste Zeit.
00:25:45Und warum sollte es also nicht in derselben Weise weitergehen?
00:25:51Anderswo ist vielleicht die Lage ernst, aber nicht verzweifelt.
00:25:55Bei uns ist sie verzweifelt, aber bei Leibe nicht ernst.
00:26:02Das Fortwursteln wird zum Lebensprinzip.
00:26:10Ja?
00:26:12Gestatten Sie sich, aber ich muss doch bitten.
00:26:14Ich muss Sie bitten.
00:26:15Ach, guck mal, Mann, das ist ja unnachlich.
00:26:16Aber was soll denn das, meine Herren?
00:26:19Verzeihen Sie bitte.
00:26:21Verzeih, lieber Papa.
00:26:23Was für eine angenehme Überraschung.
00:26:26Was, wenn ich das geahnt hätte?
00:26:27Nein, sowas.
00:26:28Ich konnte mir natürlich nicht denken,
00:26:29dass ich einen Verwandten vor mir habe.
00:26:31Ja, jawohl, ich habe den Vorzug,
00:26:34in verwandtschaftlichen Beziehungen zu Ihnen zu stehen, meine Herren.
00:26:37Ich bin nämlich der Sohn einer Cousine von Herrn Reiter,
00:26:38was mir, wie ich hoffe, die Berechtigung gibt,
00:26:40in Ihren beiden gewissermaßen einen Onkel
00:26:43und einen Vetter zu sehen.
00:26:46Und da passiert mir etwas derartiges.
00:26:48Dass ich bin untröstlich.
00:26:51Freilich muss ich zu meiner Entschuldigung anführen,
00:26:53dass mir Herr Reiter nur von einer Jugendfotografie bekannt ist,
00:26:56dass ich da schwerlich den erwachsenen Sohn...
00:26:58Der Schwiegersohn.
00:27:00Wie?
00:27:01Ach, es handelt sich um den Schwiegersohn.
00:27:04Und da bin ich doch völlig gerechtfertigt, meine Herren.
00:27:07Das heißt, wenn Sie gestatten, lieber verehrter Onkel und...
00:27:11Wie war doch der Wertename?
00:27:14Professor Friedrich Rankel.
00:27:16Ach ja, wie konnte ich das nur vergessen?
00:27:18Nichts für ungut, lieber Professor, nichts für ungut.
00:27:21Also ich bin glücklich.
00:27:22Wirklich, ich bin glücklich, dass sich alles so großartig fügt.
00:27:26Guido Frank ist mein Name.
00:27:28Meine Mutter ist ihre Cousine Alexandra.
00:27:30Mein Vater, er ist schon lange tot, war Theologe.
00:27:33Auch ich habe zwei Semester Theologie studiert.
00:27:35Dann Literatur und Journalistik.
00:27:37Weil ich erkannte, dass man der Wahrheit
00:27:38nur auf dem einzig wirklichen, weil modernen Weg
00:27:42über die Druckerprässe dienen kann.
00:27:44Mit einer größeren Arbeit über die Rolle des Gewissens
00:27:47im täglichen Leben und in der Politik
00:27:48wollte ich mir eben Zugang zur großen Presse schaffen,
00:27:51als der plötzliche Tod meiner lieben Mutter
00:27:54mich allermittel beraubte.
00:27:56Ich stehe an einer Lebenswende.
00:27:59Es ist der letzte Wunsch meiner entschlafenden Mutter gewesen,
00:28:03dass ich nach Prag gehe
00:28:04und unter der Anleitung Ihres Lieblingscousins
00:28:07ein Mann der Feder nach seinem Vorbild werde.
00:28:11Lieber Schwiegerpapa,
00:28:13ich kann nicht länger warten.
00:28:15Kurz und gut.
00:28:17Angesichts der düsteren Vorzeichen im Arbeitsleben
00:28:19unserer Stadt und unseres Landes
00:28:21habe ich ganz spontan
00:28:23diese Ode gegen den Klassenkampf geschrieben.
00:28:27Bitte.
00:28:30Tja, mein Bester, ich...
00:28:33ich kann Sie jetzt aber wirklich nicht lesen.
00:28:35Wenn ich mir eine Meinungsäußerung erlauben darf,
00:28:39so würde ich in dieser Sache zu großer Vorsicht raten.
00:28:42Die derzeitigen Spannungen zwischen unserer Unternehmerschaft
00:28:44und den Gewerkschaften haben so...
00:28:46so vielfältige, so verschlungene Ursachen.
00:28:49Ihr Ausgang ist so ungewiss.
00:28:51Das, äh, ja, Zurückhaltung,
00:28:54wie der verehrte Onkel bemerkt hat,
00:28:56die Mutter redaktioneller Weisheit ist.
00:28:59Im Übrigen kann ich mir vorstellen,
00:29:00dass gerade vom patriotischen Standpunkt aus
00:29:03ein Kompromiss zwischen den Parteien...
00:29:06Da sind wir ja eigentlich in einem Rabbiner-Seminar.
00:29:08Das sind wir gewiss nicht.
00:29:10Dort vermeidet man bei Diskussionen
00:29:12persönliche Invektiven, lieber Cousin.
00:29:15Wie meinen Sie das?
00:29:16Was wollen Sie damit sagen?
00:29:17Es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, Frank.
00:29:21Es wird das Beste sein, Sie schreiben mir Ihren Lebenslauf
00:29:23und alles, was dazu gehört, ist auf.
00:29:31Reiter?
00:29:34Schillmeier!
00:29:36Ludwig!
00:29:38Moment, Ludwig.
00:29:39Meine Herren, Sie entschuldigen mich.
00:29:41Jetzt...
00:29:43Alles andere ist später.
00:29:47Ludwig?
00:29:47Nun geht schon.
00:29:49Du spann mich nicht auf die Folter.
00:29:51Aber ich bitte dich, Ludwig.
00:29:54Hast du die Adresse?
00:29:57Die Adresse, Ludwig.
00:30:02Butterpest.
00:30:06Basteikesef.
00:30:07Pia.
00:30:07Doppelgüchsef.
00:30:12Doppelgüchsef.
00:30:17Doppelgüchsef.
00:30:34Doppelgüchsef.
00:30:50Musik
00:31:13Musik
00:31:41Musik
00:31:42Eirene
00:31:44Alexander
00:31:49Alexander
00:31:51Wie kommst du denn hierher?
00:31:55Wenn nicht jemand sieht, du musst sofort hier weg
00:31:58Eirene
00:32:01Mein Lieber
00:32:02Du musst mir nur sagen wo wir uns treffen
00:32:03Nein
00:32:06Was denkst du?
00:32:07Das geht nicht, das ist unmöglich
00:32:09Eirene
00:32:10Ich bitte dich
00:32:15Eirene
00:32:16Ja, ich geh heute Abend ins Konzert
00:32:19Danke
00:32:40Danke
00:32:41Danke
00:32:41Danke
00:32:41Danke
00:32:41Danke
00:32:49Danke
00:32:49Danke
00:32:49Danke
00:32:49Danke
00:32:49Danke
00:32:50Danke
00:32:50Danke
00:33:02Musik
00:33:24Sie haben unseren Schwarm auch entdeckt
00:33:27Herr Eiter
00:33:30Herr Berdung
00:33:31Das Hochstädter als Reservist
00:33:36In Budapest dient
00:33:38Und eigentlich aus Prag kommt
00:33:41Wo er die verehrte Enkelin Walli
00:33:46Kennengelernt hat
00:33:55Ein Prachtwein
00:33:57Und ihr Mann vernachlässigt sie
00:34:00Nicht möglich
00:34:01Aber total
00:34:02Auf Ehre
00:34:04Hier Hauptmann Vigenjagd dient mit dem Garten im selben Bataillon
00:34:07Und sieht der Ehe-Tragöie seit einem Jahr mit blutendem Herzen zu
00:34:10Nicht wahr Vigenjagd
00:34:12Dass ihr Mann immer so maßlos übertreiben müsst
00:34:16Ach so steht ihr Vanhausen von Waren
00:34:18Wer deiner schönen Frau
00:34:19Quatsch nicht
00:34:21Soll ich dir sagen wie man sie gewinnt
00:34:23Nicht mit dem Blick fürs Malerische
00:34:26Sondern damit
00:34:27Das dürfte bei Frau von Claudi nicht so einfach sein
00:34:31Glaubst du Irenchen ist eine Heilige
00:34:33Und hat es nicht gern wenn ihr ein richtiges Mannsbild unter die Rücke greift
00:34:43Glaubst du?
00:34:49Eben
00:34:50Genau
00:35:04mis
00:35:12Der Schlüssel wurde bereits abgeholt.
00:35:40Der Schlüssel wurde bereits abgeholt.
00:36:06Der Schlüssel wurde bereits abgeholt.
00:36:32Der Schlüssel wurde bereits abgeholt.
00:36:43Und das war auch, weil ich nicht wusste, weil ich auf keinen Fall wollte, dass du glaubst, ich erwarte von
00:36:51dir...
00:36:51Irene.
00:36:54Ich habe mich entschlossen. Ich gehe von ihm fort.
00:36:59Ich liebe dich, Irene.
00:37:02Ja.
00:37:05Ja, Alexander.
00:37:12Guido Frank ist stolz geschwellt.
00:37:18Alexander hat ihn eingestellt.
00:37:21Und Dr. Koch hat ihn zum Redakteur erhoben.
00:37:25Das war die Antwort des Chefredakteurs an die Zensur, die Guidos ersten Artikel verbot.
00:37:32Und so etwas zieht seine Kreise.
00:37:46Sie sind Herr Guido Frank, nicht wahr?
00:37:50Ja, das bin ich.
00:37:54Sie wünschen bitte...
00:37:55Ich heiße Adrien Reiter. Ich weiß allerdings nicht, ob Ihnen der Name irgendetwas sagt.
00:37:58Oh, gewiss.
00:38:00Ah.
00:38:01Sie sind eine Enkelin meines verehrten Chefs und Onkels, wenn ich mich nicht irre.
00:38:06Mhm.
00:38:07Ich hatte übrigens das Vergnügen, ihr Fräulein Schwester kennenzulernen.
00:38:11Das muss ein Irrtum sein. Ich habe keine Schwester.
00:38:13Vielleicht meinen Sie meine Cousine Wally.
00:38:15Ach, ja, natürlich.
00:38:19Aber ich darf doch als eine Art Vetter von Ihnen Adrien sagen.
00:38:24Womit kann ich Ihnen dienen, Adrien?
00:38:26Ich wollte Sie um eine kurze Unterredung bitten.
00:38:29Aber nicht hier.
00:38:31Aber selbstverständlich. Bitte?
00:38:43Ich möchte keine langen Einleitung machen.
00:38:46Ich habe Ihren Artikel gelesen, Herr Frank.
00:38:49Ihren verbotenen Artikel.
00:38:52Die Regierung befürchtet offensichtlich eine solche Analyse und Einzelheiten, wie Sie sie ausgegraben haben.
00:38:58Aber wir, meine Freunde und ich, finden, dass eine solche Stimme und solche Fakten nicht unterdrückt werden dürfen.
00:39:06Ja, der Artikel ist nicht schlecht.
00:39:09Es ist aber auch die Aufregung der Herrschaften von der Zensur.
00:39:12Aber die sollen sich verrechnet haben.
00:39:14Der kompistierte Artikel ist bereits Gegenstand einer parlamentarischen Interpolation.
00:39:21Aber wie sehr mich das auch mit Befriedigung erfüllt, so muss ich Ihnen doch gestehen, Fräulein Adrien,
00:39:25dass Ihr Interesse mir wenigstens gleich wertvoll ist.
00:39:29Fräulein Adrien?
00:39:30Also, das ist ausgezeichnet.
00:39:31Wenn der Artikel ins Parlament kommt, dann wird er bekannter als durch irgendeine Veröffentlichung.
00:39:35Jetzt müssen Sie natürlich bei uns sprechen.
00:39:37Also, ach so, ich habe Ihnen ja noch gar nicht verraten, was ich von Ihnen will.
00:39:40Also, hören Sie, wir haben einen sozialistischen Bildungszug.
00:39:45Und dort sollen Sie einen Vortrag über Ihren Artikel halten.
00:39:48Ich darf doch meinen Freunden berichten, dass Sie zugesagt haben.
00:39:51Passt Ihnen ja Dienstag.
00:39:56Ich weiß nicht recht.
00:39:58Na ja gut, dann nehmen wir den Freitag.
00:39:59Pardon, Fräulein Adrien.
00:40:01Ich meine, ich weiß nicht, ob ich überhaupt...
00:40:03Nein!
00:40:05Also, absagen dürfen Sie nicht.
00:40:07Herr Frank, es geht doch um Ihre eigene Sache.
00:40:10Ihr Vorschlag, Fräulein Adrien, ehrt mich sehr.
00:40:15Bitte, seien Sie überzeugt, dass ich nicht so sehr wünsche,
00:40:17wie Ihnen gefällig zu sein.
00:40:18Aber in diesem Fall bin ich nicht allein Herr meiner Entschlüsse.
00:40:23Ich meine, ich muss mein Vorgehen mit dem meiner parlamentarischen Freundin
00:40:27in Einklang bringen.
00:40:28Das bedeutet keineswegs eine Absage.
00:40:35Fräulein Adrien, ich bitte Sie nur,
00:40:38mir bis übermorgen Zeit zu geben.
00:40:41Einverstanden.
00:40:42Ich komme mir dann übermorgen Ihre Antwort tun.
00:40:45Schreik! Halt!
00:40:46Die Drucker schreiken!
00:40:47Was?
00:40:47Ein Prager schreiken?
00:40:49Auch ein Vorredner?
00:40:50Dann muss ich sofort in die Redaktion.
00:40:52Natürlich, natürlich.
00:40:53Die Prager Typografen werden demnach guttun,
00:40:55von einem allgemeinen Streik abzusehen.
00:40:58Bitte das letzte Wort unterstreichen.
00:41:00Was gibt es denn?
00:41:00Pardon, verehrte Doktor Koch,
00:41:02aber ich muss Sie in einer dringenden Angelegenheit sprechen.
00:41:05Muss denn das unbedingt jetzt sein?
00:41:06Sie sehen, ich bin mitten in der Arbeit an meinem Leitartikel.
00:41:09Aber Sie als Prokurist werden natürlich nicht begreifen können,
00:41:12was es bedeutet, mitten aus einer solchen Arbeit herausgerissen zu werden.
00:41:15Ich fürchte, für Ihren Artikel wird es keine Verwendung geben.
00:41:18Wieso?
00:41:19Die Typografen haben soeben die Arbeit niedergelegt.
00:41:22Was?
00:41:23Also doch.
00:41:24Ja.
00:41:25Und haben Sie denn nicht versucht,
00:41:26unsere Sätze zur Vernunft zu bringen?
00:41:28Ja, gewiss, sehr verständlich,
00:41:30aber es war nichts zu machen.
00:41:32Ja, ja, die Geschäftsleitung.
00:41:33Vielleicht versuchen Sie es, Herr Doktor.
00:41:35Ich?
00:41:36Na, wie käme ich denn dazu, Geschätzter?
00:41:39Nein, nein, das ist eine Sache,
00:41:41mit der die Redaktion nicht das Geringste zu schaffen hat.
00:41:44Aber wenn die Geschäftsleitung am Ende ihres Lateins ist,
00:41:47dann will ich mal mit den Leuten sprechen.
00:42:01Au!
00:42:05Hilfe!
00:42:10Was ist denn hier los?
00:42:13Herr Frank ist ganz gewaltig gestört
00:42:15und hat sich damit mittelverletzt.
00:42:17Offenbar kein Spaß, Herr Doktor.
00:42:20Du, der Serviet.
00:42:21Ach, wo nicht, der Serviet.
00:42:23Ich lebe selbstverständlich an der Sitzung teil, Herr Doktor.
00:42:25Ja, was ist denn geschehen?
00:42:28Eine Lappalie.
00:42:29Ich bin gleich wieder auf den Beinen.
00:42:31Au!
00:42:31Nein, nein, nein, das hat keinen Zweck.
00:42:33In diesem Zustand können Sie nicht hierbleiben.
00:42:34Sie gehören ins Spital.
00:42:35Oh, Herr Doktor, in diesem Augenblick, wo jeder Mann gebraucht wird.
00:42:39Niemand ist unersetzlich, lieber Frank.
00:42:41Sie sind blessiert und gehören nicht in die Feuerlinie,
00:42:43sondern auf dem Verband Platz.
00:42:45Nein, ich will keinen Widerstruch hören.
00:42:46Man soll eine Droschke holen, und zwei Männer werden sie hintragen.
00:42:59Wollen Sie wirklich, dass es so schlimm ist?
00:43:01Wie?
00:43:02Ach, Sie glauben das, Herr?
00:43:06Nein, nein, das war mir nur für ein Gedanke.
00:43:34Tag.
00:43:36Tag.
00:43:37Da kamen Sie.
00:43:39Hier.
00:43:48Adrienne erfährt, dass Robert in die Streikleitung gewählt ist.
00:43:52Und sie legt sich keine Rechenschaft darüber ab, warum ihre Augen aufleuchten.
00:43:57Wegen der Sache? Oder wegen Robert?
00:44:02Robert aber hört erfreut von Adriennes Gespräch mit Frank.
00:44:06Ja, der kann. Der soll helfen.
00:44:38Hör rein.
00:44:44Guten Tag.
00:44:49Adrienne, Sie?
00:44:50Na, wie geht's Ihnen?
00:44:53Wenn ich das geahnt hätte, Sie kommen zu mir.
00:44:59Ich dachte mir, unter diesen Umständen, ich habe einen besonderen Grund.
00:45:05Ein Auftrag.
00:45:09Auftrag?
00:45:12Ah, oh.
00:45:18Kommen Sie, setzen Sie sich bitte hier an meine Seite, ja?
00:45:26Ich glaube, ich habe Fieber.
00:45:29Fühlen Sie mal meine Stirn.
00:45:33Nein, Fieber haben Sie nicht.
00:45:35Nun, wann werden Sie wieder mobil sein?
00:45:40Oh, das kommt nur darauf an, für welchen Zweck.
00:45:45Ja, darüber wollte ich eigentlich gerade mit Ihnen reden.
00:45:50Wenn Sie zum Beispiel jetzt tanzen wollten, wäre ich ohne weiteres dazu bereit.
00:45:54Ja!
00:45:56Tjam, tjam, tjam, bam, bam, bam.
00:46:05Das ist nämlich nicht echt.
00:46:07Was?
00:46:09Der ganze Unfall war fingiert.
00:46:11Ich wollte nicht zum Notdienst oder, sagen wir es klar, zum Streikbrecherdienst.
00:46:16Schon um Ihretwillen nicht, Adrien.
00:46:20Glauben Sie mir!
00:46:22Das ist aber lustig.
00:46:23Wirklich, das haben Sie nicht schlecht gemacht.
00:46:26Ich bin ja so froh, dass Sie kein Streikbrecher sein wollen.
00:46:29Das heißt, ich wusste, dass Sie es nicht sein würden.
00:46:33Also, kurz und bündig.
00:46:35Ich bin gekommen, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, etwas Wirkliches für die Sache der Arbeiter zu tun.
00:46:41Auf mich können Sie immer rechnen, Adrien.
00:46:46Also, es handelt sich um Folgendes.
00:46:49Sechs Redakteure haben sich zum Notdienst verpflichten lassen.
00:46:52Und Sie, Sie kennen Ihre Kollegen und wissen, wie man Ihnen am besten beikommt.
00:47:01Beikommt.
00:47:03Beikommt.
00:47:06Nun, was ist denn?
00:47:08Wollen Sie uns nun helfen oder nicht?
00:47:12Entschuldigen Sie, Fräulein Adrien, aber so, wie Sie es sich vorstellen, geht es nicht.
00:47:16Oh, wir wollen Ihnen keinen bestimmten Weg vorschreiben.
00:47:20Die Wahl der Mittel bestimmen Sie natürlich.
00:47:26Die ganze Sache ist nun nicht so simpel.
00:47:29Wie?
00:47:30Was meinen Sie?
00:47:34Sie befinden sich in einem grundlegenden Irrtum, Fräulein Adrien.
00:47:37Ich bin leider...
00:47:39Wie soll ich Ihnen das erklären?
00:47:42Ich fühle mich außerstand.
00:47:46Ich muss den Auftrag als solchen ablehnen.
00:47:49Ich verstehe nicht, Herr Frank.
00:47:51Sie haben mir doch eben erklärt, dass ich immer auf Sie rechnen kann.
00:47:53Ja, gewiss.
00:47:55Aber in diesem Fall ist das leider unmöglich.
00:47:57Sie haben doch einen Knöchelbruch vorgetäuscht, um kein Streitbrecher zu sein.
00:48:00Und wenn man von Ihnen Konsequenzen verlangt, dann sagen Sie nein.
00:48:03Ich bitte Sie, Adrien.
00:48:06Aber wenn ich tue, was Sie verlangen, kann ich nicht in der Redaktion bleiben.
00:48:12Ach so.
00:48:19Sie haben Angst um Ihre Position.
00:48:22Und ich dachte, Sie halten es mit den Arbeitern, mit Recht und Gerechtigkeit.
00:48:26Verstehen Sie mich doch, Adrien.
00:48:28Ich bin für das Gute.
00:48:30Für die einzig gerechte Gesellschaftsordnung.
00:48:33Oder wie Sie das nennen, aber...
00:48:34Aber zuerst muss ich ein großer Journalist werden.
00:48:37Sie werden es nie.
00:48:39Adrien!
00:48:44Dann kann ich doch viel wirksamer für Ihre Ideale eintreten.
00:48:49Ja, ich wäre auch lieber ein stürmischer Idealist, ein...
00:48:52ein kompromissloser Unbedingter.
00:48:55Aber für mich ist das schwer.
00:48:56Ja, unmöglich.
00:48:58Sie sind eine Reiter.
00:48:59Aber wer sorgt für mich?
00:49:01Ich...
00:49:01Ich muss alles alleine arbeiten.
00:49:06Sie tun mir gewiss Unrecht.
00:49:07Der Schein spricht gegen mich, ich weiß.
00:49:18Aber Sie werden es sehen.
00:49:23Die werden es sehen.
00:49:31Genau.
00:49:56Alexander und Irene verbringen im Waldgasthof im Feigerngrund
00:50:03Eine Woche, die ihnen später wie eine einzige weiße Nacht erscheint.
00:50:39Gnädige Frau, Sie gestatten doch, dass Sie Alexander neiderfüllt gratuliere.
00:50:46Na, was habe ich gesagt? Schon hat er sich bei dir eingeschmeichelt. Sie hatte nämlich ein bisschen Angst vor deinem
00:50:51Nimbus.
00:50:52Ich glaube, dagegen habe ich ein Mittel.
00:51:12Ein kleines Geschenk. Ein Glücksambulant.
00:51:18Oh, ich danke Ihnen, Herr Seelmeier.
00:51:23Sie brauchen nur hineinzuschauen und kennen Ihren Wert.
00:51:33Sie machen es einem wirklich schwer, sich hier fremd zu fühlen.
00:51:36Schon gut. Und nun zu unserem Feldzugsplan.
00:51:42Ich glaube, meine Lieben, in Sachen Causa Claudio überlast die Verhandlungen mit dem Herrn Oberleutern vorläufig mal mir.
00:51:49Frau Irene schreibt ihm kurz, dass ihr Wecker unwiderruflich ist und dass sie seine Einwilligung zur Ehescheidung verlangt.
00:51:56Wegen der materiellen Fragen soll er sich mit mir in Verbindung setzen.
00:51:59Eine teilweise Regelung seiner Schulden kann in Aussicht gestellt werden.
00:52:04Tja, das wär's dann wohl, möchte ich denken.
00:52:07Oder können Sie uns da irgendwelche Hinweise geben, gnädige Frau?
00:52:11Namen seiner Gläubiger, Höhe der Verschuldungen und ähnliches.
00:52:21Was ist denn Liebes?
00:52:24Ach, mir ist die ganze Angelegenheit peinlich.
00:52:28Man muss vor allem mit der Unbeständigkeit und mit der Unberechenbarkeit von Kurt von ihm rechnen.
00:52:38Überlassen Sie das nur mir.
00:52:40Sie brauchen sich jetzt um die Schose weiter nicht zu kümmern.
00:52:44Onkel Seelmeier sorgt schon dafür, dass alles richtig läuft.
00:52:48Er hat ja nur selten mit mir über Geschäftliches gesprochen.
00:52:50Nur einmal.
00:52:52Da ist mir ein Name aufgefallen wegen seines merkwürdigen Klanges.
00:52:56Ich glaube, er schuldet ihm viel Geld.
00:52:59Der Name war Marko Gelusitsch.
00:53:07Der Name war Marko Gelusitsch.
00:53:48Ich bin so glücklich, Alexander, dass wir uns begegnet sind.
00:53:52Ja, meine Liebe.
00:53:56Alle Jugend meines Lebens fühle ich in mir.
00:54:00Du bist meine wirkliche Jugend.
00:54:04Ich will lernen.
00:54:06Viel lernen.
00:54:07Ich will alles sehen.
00:54:09Du musst mir viel mehr erzählen über Kunst, Literatur, Geschichte.
00:54:15Du bist so klug und du weißt so viel.
00:54:19Und ich?
00:54:21Was weiß ich schon?
00:54:23Du weißt zu lieben.
00:54:26Du hast natürlichen Charme.
00:54:30Und du bist schön.
00:54:32Ist das nicht genug?
00:54:35Wiederhol das bitte lieber.
00:54:37Ja, vor allem das Letzte.
00:54:40Warum?
00:54:43Keine Frau kann das oft genug hören.
00:54:46Und ich vor allem.
00:54:49Als ich am Mädchen war, da sagte mein Onkel immer,
00:54:52was bist du bloß für eine Hexe?
00:54:54Schau deine langen Finger an.
00:54:56Die roten Haare und die Punkte in den Augen.
00:54:59Brrrr.
00:55:02Ich stand dann stundenlang vor dem Spiegel und starrte mich an.
00:55:07Maßlos unglücklich.
00:55:11Deshalb musst du es wiederholen.
00:55:14Du musst.
00:55:18Du bist schön.
00:55:22Komm.
00:55:24Komm, lass uns gehen.
00:55:46Da.
00:55:51Da.
00:55:52Mopsi? Was ist denn? Was machst du denn, Mopsi? Mopsi?
00:56:05Welche Überraschung, Papa.
00:56:11Oh.
00:56:15Ich wusste gar nicht, dass wir auch hier verwandten Wegen wandeln.
00:56:18Hat man sowas schon gesehen? Lässt eine Dame einfach allein?
00:56:21Bitte.
00:56:23Und klotzt die Brot von allem anderen an!
00:56:27Pardon, Papa.
00:56:30Was unsere Wege betrifft, mein Bester, so sind Sie wohl ebenso wenig verwandt wie unsere Personen.
00:56:36Es handelt sich in beiden Fällen um einseitig erwünschte Verschwägerung.
00:56:41Kolossaler Witz. Na jedenfalls Diskretion auf Gegenseitigkeit.
00:56:55Wer sagte Papa?
00:56:58Ganz so schlimm ist es Gott sei Dank nicht, aber dieser Herr da ist mein Schwiegersohn.
00:57:04Ja, natürlich.
00:57:05Sie sind natürlich entsetzt.
00:57:07Nein, nein.
00:57:08Ich halte es auch für eine ausgemachte Tücke des Schicksals, dass du als erstes Mitglied der Familie gerade ihn zu
00:57:15Gesicht kriegst.
00:57:17Überhaupt.
00:57:19Die Familie.
00:57:23Alexander möchte die Causa Claudi bald zum Abschluss bringen.
00:57:30Der kürzeste Weg führt über den Hauptgläubiger des Oberleutnants von Claudi, Marco Gelusic.
00:57:38Der Kürzeste Weg ist in den letzten Sitzvahller Berg.
00:57:45Der Kürzeste Weg führt über einen Schwiegersen.
00:57:48Untertitel auf der Bronstein von Paul Ström.
00:57:49Der Kürzeste Weg ist für die Stadtkürzeste Weg.
00:57:56Paul Esto ist für die Stadtkürzeste Weg.
00:58:02Der Kürzeste Weg ist für die Stadtkürzeste Weg.
00:58:14Musik
00:58:51Also, das Pfeiffert, das ist gut.
00:58:53Bitte, den Platz. Zigarre gefällig?
00:58:56Nein, danke, danke. Tabak und Champagner passen nicht zusammen.
00:59:00Sag mal, du stehst doch gut mit diesem Herrn Gelositsch.
00:59:09Gut, gut, mein Gott, wir sind auf Grössfuß.
00:59:14Ja, ich dachte, ihr seid intimer.
00:59:19Intimer? Wieso? Ist irgendetwas Unangenehmes mit ihm passiert?
00:59:24Ja, aber nein, die Sache ist die, ich brauche was von dem Herrn und da wollte ich dich bitten, mein
00:59:30Unterhändler zu sein.
00:59:31Ach so, ja bitte, ich bin gern zu Diensten.
00:59:35Dann ist ja alles auf bestem Wege.
00:59:37Na ja, nur, weißt du, meine diplomatischen Fähigkeiten sind halt nicht gerade.
00:59:42Ich meine, ich bin halt nur ein einfacher Krieger.
00:59:45Ich glaube schon, du bist genau der richtige Mann für diese Mission.
00:59:49Diskret, verständnisvoll.
00:59:52Es handelt sich ja auch gewissermaßen um eine Offiziersangelegenheit.
00:59:57Ach so.
00:59:59Na ja, na ja dann.
01:00:03Und Poldi, Soldat und brav, Poldi macht manchen Gang, bis er endlich vorm Karlsbader Pupp steht,
01:00:13wo der gesuchte Gelositsch gerade seine nationalen und internationalen Geschäfte abwickeln soll.
01:01:05Hallo.
01:01:32Marco, hast du einen Wunsch da heute mitgebracht?
01:01:35Ich habe einen Riesenappetit.
01:01:38Ah, mein...
01:01:39Ah, Poldi, Poldi, so ein Bleib doch, du wirst doch als Soldat nicht Reis aus vor einem Mädchen nehmen.
01:01:46Doch dazu sind wir doch auch außergleich wie von mir.
01:02:02Also, das ist ja ein moralischer Tiefstand.
01:02:06Grenzlose Frivolität.
01:02:07Poldi, du solltest das moralisieren lassen, es hat keinen Zweck.
01:02:11Das klingt doch ganz falsch.
01:02:12Außerdem, wenn ich mich in diesem Bett befinde, so bist du nicht ganz schuldlos daran.
01:02:16Aber wirklich, weil ich muss protestieren.
01:02:18Kannst du ein Gewissen erleichtern?
01:02:20Poldi, ich ersuche dich.
01:02:21Denke doch bitte...
01:02:23Ich sehe schon, es hat keinen Sinn.
01:02:25Ich fürchte, bei dir treffen alle Mahnungen auf taube Ohren.
01:02:27Das fürchte ich auch.
01:02:29Okay, Poldi, ist das alles lächerlich.
01:02:30Komm, dreh dich einen Momental um.
01:02:32Dann erzählst du mir mal, was du hier eigentlich willst und wieso du Marcos Geheimapartement kennst.
01:02:37Also, es tut mir leid, aber das kann ich dir wirklich nicht sagen.
01:02:41Ach, lass dich nicht auslachen, Poldi.
01:02:42Glaubst du denn, ich krieg von Marco nicht eh alles raus?
01:02:46Ja, red schon.
01:02:49Brauchst du Geld?
01:02:50Nein, nein.
01:02:51Ach, Poldi, sei nicht so fad.
01:02:52Übrigens, kannst du dich wieder umdrehen.
01:02:54Ich pudere mir nur noch die Nase.
01:02:57Na, schau ich wieder respektabel aus.
01:02:59Junge Dame ohne Fehl und Tadel.
01:03:01Ach, Poldi.
01:03:02Also, komm, wir gehen ins andere Zimmer.
01:03:05Mir macht es zwar nichts aus, wenn uns Marco hier findet,
01:03:07aber dir ist es wahrscheinlich lieber, er findet uns am Jausentisch, als vor meinem Bett.
01:03:11Ach.
01:03:13Ihr Männer seid ja so sensibel.
01:03:16Also, schieß los.
01:03:19Na, wer sonst, wenn nicht ich, soll dir denn bei Marco helfen?
01:03:23Also, also du kennst doch Alexanders Neue.
01:03:27Na ja, du weißt schon.
01:03:29Und dein Herr Gelusitsch soll helfen, dass er sich scheiden lässt.
01:03:31Sie ist nämlich verheiratet mit dem Oberleutnant von Claudi
01:03:34und der schuldet wiederum deinem Herrn Gelusitsch Geld.
01:03:38Wir müssen also versuchen, Marco herumzukriegen.
01:03:41Oho, ein Komplott?
01:03:43Und was, wenn ich mich nicht herumkriegen lasse?
01:03:46Hm?
01:03:48Nein, nein, die Sache geht schon in Ordnung.
01:03:50Es ist mir eine Freude, Herrn Reiter, in dieser Weise gefällig zu sein.
01:03:52Du erreichst eben alles, was du willst.
01:03:55Aber jetzt lass uns einen Augenblick allein.
01:03:56Ja, mein paar Formalitäten.
01:03:58Du verstehst.
01:04:04Mein Herr, kommen wir gleich zur Sache.
01:04:07Ich war 22, als ich zum ersten Mal Wiener Schnitzel bekommen habe.
01:04:10Ich erinnere mich noch genau, das war ein Schnitzel.
01:04:13Richtig goldbraun, mit Kartoffelsalat und Gurken.
01:04:16Meine Schwägerin hat's gemacht.
01:04:18Die konnte mich zwar nie leiden,
01:04:19und die Gesicht hätte mir eigentlich den Appetit verschlagen müssen.
01:04:22Aber nein, die schmeckt hat mir's wie nie nachher.
01:04:25Na ja, na ja, das interessiert sie natürlich auch nicht so, Schnitzel.
01:04:31Ich bin grad neugierig drauf geworden.
01:04:33Wirklich.
01:04:34Das ist das Wunderbare bei Ihnen.
01:04:36Alles bekommt eine andere Wertung, alles hat einen Sinn.
01:04:39Ihre Welt ist genauso in Ordnung wie Ihre Küche.
01:04:42Wie das Ding an seinem Platz, wo es hingehört.
01:04:45Und Sie selbst, Sie sind so sicher und ausgeglichen.
01:04:48Ach, wenn ich da an mein eigenes Leben denke,
01:04:52ich zahl's Unordnung.
01:04:54Überall Widersprüche.
01:04:55Ach, du mein.
01:04:57Ich denk mir oft, wenn immer alles glatt ginge,
01:04:59das wär am Ende gar nicht so schön.
01:05:01Aber es ist so viel verkehrt bei mir.
01:05:03Wie unnatürlich ist alleine der Widerspruch
01:05:05zwischen meiner Idee vom richtigen Leben
01:05:07und meinem tatsächlichen Leben.
01:05:08Das Verhältnis zu meinen Eltern.
01:05:11Wenn ich hier geboren wäre, aber so,
01:05:13steht immer meiner Existenz
01:05:15mit meiner Erkenntnis in Widerspruch.
01:05:17Doch, die Barrikadengrenze läuft mitten durch mein Leben.
01:05:20Vorsicht, selber können Sie aber nicht weglaufen, Adrienne.
01:05:23Neulich hab ich hier dem Josef die Leviten gelesen.
01:05:26Der ist losgezogen gegen die Intellektuellen, wie er sagt.
01:05:30Da hab ich ihm gesagt,
01:05:31Josef, du schüttest das Kind mit dem Bart aus.
01:05:35Natürlich, was ein Proletarier ist, hat's verteufelt schwer.
01:05:38Aber wenn so ein Studierter es ehrlich meint
01:05:41und er will raus aus seiner eigenen Haut,
01:05:43da hat das bestimmt auch nicht leicht.
01:05:44Tja, das hab ich dem Josef gesagt.
01:05:48Aber nun, unter uns, Adrienne,
01:05:52wir selber sollen uns auch nicht verhätscheln.
01:05:55Wir selber nicht.
01:05:59Alexander ist bei den Vorbereitungen
01:06:01zur offiziellen Einführung Irenes in die Familie.
01:06:06Da sorgt Walli für eine Überraschung.
01:06:08Na, Walli, was ist denn so unaufschiebbar?
01:06:18Ich weiß nicht recht, wie ich es beginnen soll, G.P.
01:06:21Walli, solltest du das wirklich nicht wissen?
01:06:26Ich weiß nicht, wie du es aufnehmen wirst.
01:06:29Ich wollte...
01:06:32Ich wollte dich bitten, dass du einwilligst,
01:06:34dass ich heirate.
01:06:43Ich werde ohnehin im Februar 21 unter...
01:06:45Also volljährig.
01:06:46Und brauchst dann meine Einwilligung eh nicht mehr.
01:06:49Wolltest du das sagen?
01:06:51Nein.
01:06:53Nein, so...
01:06:55So wollte ich's nicht sagen.
01:06:59Aha.
01:07:00Gut, gut.
01:07:02Gut.
01:07:04Ja, und?
01:07:06Wer ist also der Auserwählte deines Herzens?
01:07:12Marco.
01:07:13Marco Gelusisch.
01:07:17Gelusisch.
01:07:20Das darf doch nicht wahr sein.
01:07:28No, no, no.
01:07:42Dann tu.
01:07:44Was du nicht lassen kannst.
01:07:52Danke, bitte.
01:07:55Das heißt, warte mal, Walli.
01:07:59Ich muss dich doch noch was fragen.
01:08:03Ich meine nicht, ob du dir's gut genug überlegt hast.
01:08:06In deinem Mal, da überlegt man sowas eben nicht lange.
01:08:10Nein, was ich wissen möchte, ist, ob du das Gefühl hast,
01:08:13dir so zu lieben oder so zu brauchen,
01:08:16dass du mit ihm leben musst.
01:08:20Bist du dir dessen gewiss, dass das nicht nur eine Einbildung ist oder eine, eine Laune,
01:08:27sondern was Tieferes, Ernsteres?
01:08:31Ja.
01:08:33Na ja, eine Leidenschaft.
01:08:37Ja.
01:08:39Ja, so ist es.
01:08:49Na ja, dann...
01:08:51Dann hast du meinen Segen, wie man so schön sagt.
01:08:54Ach, Bibi.
01:08:57Du bist der Beste.
01:08:59Das werd ich dir nie, nie vergessen.
01:09:03Und ich wünsche dir,
01:09:06dass du selbst sehr glücklich warst.
01:09:12Du weißt es.
01:09:16Da werden wir also der staunenden Familie gleich zwei Überraschungen versetzen.
01:09:23Nur darauf lass uns einen edlen Tropfen trinken.
01:09:28Bibi, du hast mich gefragt, ob es eine Leidenschaft ist.
01:09:31Und ich hab mit Ja geantwortet.
01:09:33Und das war die pure Wahrheit.
01:09:36Aber...
01:09:38Wenn ich ganz, ganz ehrlich sein soll,
01:09:41ich könnte nicht darauf schwören, dass diese Leidenschaft ewig sein wird.
01:09:45Du darfst mich nicht für frivol halten, das bin ich nicht.
01:09:49Ich fühle nur,
01:09:52dass ich jetzt nicht anders handeln kann.
01:09:55Dass ich dieser Neigung verfallen bin.
01:09:59Dass ich das alles durchleben muss.
01:10:01Verstehst du mich?
01:10:05Das wusste ich.
01:10:08Eines kann ich dir auch versprechen.
01:10:10Wegwerfen werde ich mich niemals.
01:10:17Und dann ist es endlich soweit.
01:10:21Alexander kann die Geliebte zu sich nehmen.
01:10:23Offen.
01:10:24Ohne Heiligkeit.
01:10:27Das ist mehr als die Erfüllung eines großen Wunsches.
01:10:31Ihm scheint,
01:10:32ein Traum verwandelt sich in Wirklichkeit.
01:10:38Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf, zwölf, zwölf.
01:10:54Frau Schoenberg?
01:10:55Wie schön, die Frau.
01:10:56Ich sehe eben, dass ein Gedeck mehr aufgelegt ist.
01:10:59Haben Sie das so angeordnet, Frau Schoenberg?
01:11:01Jawohl, die Frau.
01:11:03Der Herr hat gesagt, dass heute noch zusätzlich ein Gast da sein wird.
01:11:06Wer bestimmt eigentlich in diesem Haus, wie viel Gedecke aufgelegt werden?
01:11:09Sie, liebe Schoenberg, oder ich?
01:11:12Ich dachte nur...
01:11:13Ich möchte schon bitten, liebe Schoenberg,
01:11:15wenn ich bestimme, dass elf Gedecke aufgelegt werden,
01:11:19elf Gedecke auflegen zu lassen, ohne zu denken.
01:11:21Haben Sie verstanden?
01:11:23Jetzt sagen Sie dafür, dass das zwölfte Gedeck verschwindet.
01:11:26Aber der Gneher hat ausdrücklich befohlen, dass...
01:11:28Genug jetzt, pass da!
01:11:32In Dingen des Haushalts bin ich die oberste Instanz und jetzt weg damit.
01:11:39Kolossal!
01:11:40Wirklich unübertrefflich, verehrte Frau Tante.
01:11:43Aber Sie sehen, ich hatte recht.
01:11:45Er beabsichtigt tatsächlich, diese Person hierher zu bringen.
01:11:49Kannst dich darauf verlassen, lieber Friedrich,
01:11:51dass ich in meiner Meinung von den Pflichten,
01:11:54die ein Familienoberhaupt hat, nicht vorenthalten werde.
01:11:58Gewiss, davon bin ich überzeugt.
01:12:02Allerdings genügt das wohl nicht.
01:12:03Bitte, ich habe nichts dagegen, dass er seinen amorösen Abenteuern nachgeht,
01:12:07obwohl er in seinem Alter schon Ruhe geben könnte.
01:12:10Aber, nun ja, er hat eben etwas heißes Blut.
01:12:14Und ich bin der Letzte, der es einem Mann verübelt,
01:12:16wenn er sich für Unterröcke...
01:12:19Also, ich meine, man ist nicht engherzig.
01:12:21Aber immerhin, der Ruf der Familie.
01:12:25Also, ich darf nicht daran denken, was für Folgen das für meine Karriere als Staatsbeamter haben kann,
01:12:30wenn der Vater meiner Frau öffentlich...
01:12:33Ich habe bisher mit meinen Kenntnissen der alten Sprachen
01:12:48und mit meinem Deutsch immer mein Auskommen gehabt.
01:12:51Aber warum denn so gereizt, mon cher?
01:12:54Gereizt? Keineswegs, verehrte Tante.
01:12:57Ich finde nur, man darf die nationalen Belange nicht lax nehmen.
01:13:03Ja, bitte?
01:13:04Was ist es, Heinchen?
01:13:06Wir denken, die Pee ist da und wir können endlich essen.
01:13:09Mir knurrt schon der Magen.
01:13:10Baldi, was für burschikose Ausdrücke.
01:13:15Großpapa ist noch nicht da.
01:13:16Ihr müsst euch noch ein Weilchen gedulden.
01:13:22Puh.
01:13:39So, da werden wir.
01:13:44Na komm.
01:13:46Komm.
01:13:59Montebello, wieso?
01:14:02Nicht eingedeckt mehr.
01:14:05Wieso?
01:14:09Kommt, Gepis.
01:14:12Zukünftige gar nicht.
01:14:15Was weißt du von dieser Person?
01:14:18Was wissen wir alle eigentlich von ihr?
01:14:21Gar nichts wissen wir von ihr.
01:14:24Psst.
01:14:25Contenance.
01:14:27Ach was?
01:14:28Sollen es doch alle erfahren.
01:14:31Aber vielleicht wollen Sie, liebe Tante, die Familie aufklären.
01:14:36Ich?
01:14:37Ich könnte euch Dinge erzählen.
01:14:39Oh nein, danke.
01:14:41Meine Nerven sind schon angegriffen genug.
01:14:44Was geht hier eigentlich vor?
01:14:47Ich verstehe nichts.
01:14:50Max?
01:14:51Ja?
01:14:51Kannst du mir erklären, was hier vorgeht?
01:14:55Ja, keine...
01:14:56Keine Ahnung.
01:15:03Sieht aus wie...
01:15:05Wie eine Puchette nur.
01:15:11Himmel.
01:15:13Seid ihr alle tierisch ernst?
01:15:15Hm.
01:15:17Meine Lieben.
01:15:19Ich fühle die Verpflichtung,
01:15:22euch mit einer traurigen Tatsache bekannt zu machen.
01:15:24Ging es nicht um den guten Namen
01:15:27und um die Ehre der ganzen Familie.
01:15:30Ich würde schweigen.
01:15:31Aber als Mann von Verantwortungsbewusstsein,
01:15:34als Gatte und Vater,
01:15:36muss ich meine Stimme erheben,
01:15:38wenn das Oberhaupt dieser Familie sich nicht scheut,
01:15:41seine Konkubinen...
01:15:42Friedrich, wie kannst du so reden?
01:15:43Ich weiß, was ich rede, Ottilie.
01:15:46Das kannst du mir glauben.
01:15:49Aber das Kind...
01:15:51Das Kind ist hier.
01:15:52Gerade weil Franz Ferdinand hier ist
01:15:55und dem ich hoffe,
01:15:56dass er ein aufrechter,
01:15:57deutsch-österreichischer Mann werden wird,
01:15:59halte ich es für meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit,
01:16:02die Dinge beim richtigen Namen zu nennen.
01:16:04Jawohl!
01:16:05Das Oberhaupt dieser Familie scheut sich nicht,
01:16:08nebst seinen Kindern und Kindeskindern
01:16:10auch seine Mätresse an diesen Tisch zu laden.
01:16:14Ich glaube, unser Ethos
01:16:16und unsere Achtung vor uns selbst...
01:16:18Pariser!
01:16:19Heuchler, fröhlich, ekelhaft!
01:16:21Was nimmst du dir heraus?
01:16:24Heuchler!
01:16:25Was sagst du da?
01:16:26Friedrich, um Gottes willen, beherrsche dich!
01:16:28Ich soll dir das Geld nicht weg einläuten!
01:16:32Ich feuer die eine!
01:16:56Das ist nett.
01:16:58Ich hatte schon Angst, dass ihr verdrießlich seid,
01:16:59weil ich euch so lange warten ließ
01:17:01und nun finde ich euch in glänzender Laune.
01:17:04Dann darf ich euch mit einem Gast bekannt machen,
01:17:07der von nun an den Blütenkranz unserer Damen bereichern soll.
01:17:12Irene von Claudie.
01:17:15Ja, und das, liebe Irene,
01:17:18das sind meine Nächsten.
01:17:20Pardon, die Herrschaften, ich bitte mich zu entschuldigen.
01:17:23Ich muss hinaus, mir ist nicht wohl.
01:17:26Fritz!
01:17:27Ich freue mich, dass Sie endlich da sind.
01:17:30Sie werden auch bald begreifen, warum.
01:17:33Darf ich Sie beim Vornamen nennen und du zu dir sagen?
01:17:37Ihr entzückend.
01:17:53Meine Schwestern, Caroline, meine Schwiegertochter, mein Sohn.
01:17:56Montebello, ordnen Sie die Geteke nicht aus dem.
01:17:58Dr. Rankel überlegt sich sicher noch.
01:18:00Kommt zurück, meine Enkel und Adrian, meine Tochter und ihr Sohn.
01:18:05Franz Ferdinand.
01:18:06Guten Tag.
01:18:09So, wir sind erst zugegangen.
01:18:15Er will da ein Geteke.
01:18:19Na, egal.
01:18:22Zu Tisch, bitte.
01:18:24Bitte.

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