- vor 2 Tagen
Am Morgen des 25. November 2019 steht Dresden unter Schock. In
den frühen Morgenstunden werden aus dem bis dahin als
topsicher geltenden Grünen Gewölbe – der Schatzkammer im
Dresdner Schloss – mehrere hundert Jahre alte Schmuckstücke
der sächsischen Kurfürsten gestohlen. In nicht mal fünf
Minuten verschwinden 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300
Diamanten mit einem Versicherungswert von über 100 M
den frühen Morgenstunden werden aus dem bis dahin als
topsicher geltenden Grünen Gewölbe – der Schatzkammer im
Dresdner Schloss – mehrere hundert Jahre alte Schmuckstücke
der sächsischen Kurfürsten gestohlen. In nicht mal fünf
Minuten verschwinden 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300
Diamanten mit einem Versicherungswert von über 100 M
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TVTranskript
00:00Das Grüne Gewölbe ist die Schatzkammer der sächsischen Kurfürsten, eine der bedeutendsten Schatzkammern der Welt.
00:10Bis zum 25. November 2019 galt das Grüne Gewölbe eigentlich als total sicher.
00:19Der Einbruch, der ging unglaublich schnell. Für diese ganze Aktion benötigten die Täter lediglich 4 Minuten 28 Sekunden.
00:27Ihre Beute, Schmuckstücke aus dem 18. Jahrhundert von unermesslichem Wert.
00:34Genau das wollten wir in Dresden nie erleben. Das ist eine furchtbare Situation, ein Albtraum.
00:42Es ist der größte Kunstdiebstahl der deutschen Nachkriegsgeschichte. Schaden 116 Millionen Euro, die Versicherungssumme, ein Blitzeinbruch.
00:57Strangely, the calms of this night
01:06Die Sorteil und die Musik
01:28Polizei, Notruf PD Dresden, ganz schönen guten Tag.
01:51Ja, Leitzentrale im Residentschloss. Und zwar haben wir bei uns Einbrecher gerade in den Kameras gesehen und zwar im historischen grünen Gewölbe.
01:59Zwei Personen. Wir bräuchten polizeilige Unterstützung. Okay, ich schicke die Kollegen sofort los.
02:05Wir haben den Einbruch über Funk erhalten mit dem Hinweis, Täter sind noch im Objekt.
02:15Wir sind ohne Sirene und ohne Blaulicht losgefahren, damit wir die Täter, wenn möglich, noch im Objekt stellen.
02:21Ich bin Christina Katte, bin Kriminalhauptkommissarin und ich saß im ersten Funkstreifenwagen, nachdem der Einbruch ins grüne Gewölbe passiert ist.
02:37Gerade wenn man diese Meldung noch kriegt, Täter im Objekt, ist das Adrenalin sehr, sehr hoch.
02:42Wir kamen am Residenzschloss an und dort kamen uns zwei Wachmänner entgegen und zeigten uns ein Handyvideo, wie die Täter kurz zuvor geflüchtet sind.
03:00Wir konnten nur ein silberfarbenes Auto erkennen, leider keine Automarke und auch kein Kennzeichen.
03:10Das Handyvideo hatte uns so weit geholfen, dass wir sehen konnten, zumindest in welche Richtung es ging.
03:19Das war in Richtung Augustusbrücke.
03:21Nordruf, Rettungsdienst und Feuerwehr, schönen Tag.
03:33Hallo, ich bin hier in der Altstadt an der Brücke unter Bremsen, an der Hofkirche.
03:38Ist das schon irgendwie gemeldet worden?
03:40Ne, okay, ich schicke Hilfe zu.
03:41Als ich im Schloss war, ereigneten sich dann auch schon neue Tatorte.
03:52Das war dann der Brand in dem Stromhäuschen.
03:55Dort habe ich dann eine weitere Funkstreifenwagenbesatzung hingeschickt,
03:59damit die ersten Spuren auch dort gesichert werden können.
04:05Mein Kollege und ich haben uns dann dem Sicherheitsmann das angegriffene Fenster angeschaut
04:10und sahen dort, dass das Teil aus der Vergitterung fehlte.
04:16Dann bin ich mit einem Sicherheitsmitarbeiter in die Sicherheitszentrale gegangen,
04:20wo die ganzen Monitore stehen, wo die ganzen Überwachungskameras einlaufen.
04:27Das Vorgehen der Täter wirkte für mich sehr zielgerichtet, ziemlich vehement.
04:33Im Juwelzimmer, dort bin ich dann als Einzige reingegangen, um erstmal zu schauen,
04:43was wurde angegriffen und welche Teile fehlen.
04:49Und dabei ist mir auch aufgefallen, dass weißes Pulver langsam herunterrieselte.
04:53Ich konnte mir das tatsächlich nicht erklären.
04:59Ich bin dann raus, wo mich dann ein Verantwortlicher vom Grünen Gewölbe ansprach
05:04und fragte, was ist leer, was fehlt.
05:07Dem beschrieb ich das dann.
05:10Und er sagte dann, um Gottes willen, das sind Millionen.
05:13Und ich dachte mir, gut, das wird was Großes hier.
05:16Kommen wir nun zu der Nachricht des Tages.
05:18Der Tatort sähe aus wie ein Schlachtfeld.
05:21Die Diebe kamen im Morgengrauen. Ihr Ziel Dresdens Schatzkammer.
05:25Die Ermittlungen sind in vollem Gange.
05:27Noch wissen die Fahnder nur wenig.
05:30Am frühen Morgen sind zwei Täter durch ein Fenster im Erdgeschoss
05:33ins Dresdner Residenzschloss eingebrochen.
05:35Die Beute, Juwelengarnituren aus dem berühmten grünen Gewölbe.
05:39Ich heiße Heike Römer-Mensche. Ich bin Fernsehjournalistin
05:46und begleite den Fall, den Einbruch ins grüne Gewölbe seit 2019.
05:53Man kann sagen, das war ein Jahrhundertkuh.
05:55Dieser Einbruch war in vielerlei Hinsicht besonders spektakulär.
05:59Da ist zum einen der Tatort, ein Museum von Weltrang.
06:03Das grüne Gewölbe, das kann sich vergleichen mit der Hermitage oder dem Louvre.
06:09Sehr besonders war auch die Beute.
06:15Das sind 300 Jahre alte Schmuckstücke.
06:24Kronjuwelen sozusagen, die gehörten August dem Starken
06:28und seinem Sohn und dann den Nachfolgern.
06:30Das war der Staatsschatz von Sachsen, der da angegriffen wurde.
06:34Mein Name ist Jörg Bozenhardt.
06:40Ich war stellvertretender Sokoleiter bei der Soko Epaulett.
06:42Und bei mir liefen alle Informationen zu den Ermittlungen zusammen.
06:46Die ersten Bilder, die uns zur Verfügung standen,
06:49waren die vom Überwachungsvideo innerhalb des Residenzschlosses.
06:54Dort konnte man sehen, wie zwei Personen sich durch die verschiedenen Räume
07:02des Museums bewegt haben.
07:10Durch den Preziosensaal, durch das Wappenzimmer,
07:14hinein in das Juwelenzimmer
07:15und wie diese dann mit Ächsen auf die Vitrine eingeschlagen haben.
07:23Also der Einbruch, der ging unglaublich schnell.
07:26Für diese ganze Aktion benötigten die Täter lediglich 4 Minuten 28 Sekunden.
07:33Aufgrund dieser hohen Geschwindigkeit, mit der der Einbruch stattgefunden hat,
07:37war das für uns offenbar, dass es sich hier um Täter handelte,
07:43die das möglicherweise nicht zum ersten Mal gemacht haben.
07:53Kurz bevor die Täter das Objekt verlassen haben,
07:56haben sie rund um die Vitrine einen Feuerlöscher entleert.
08:01Und wollten damit ganz augenscheinlich Sporen vernichten.
08:07Man muss zu dem Zeitpunkt der Spurensicherung
08:17quasi alles mitnehmen,
08:20was irgendeinen Hinweis auf eine Person geben könnte.
08:31Zigarettenreste, Kaugummis, Taschentücher,
08:34quasi alles, was dort rumliegt,
08:36da kann man nicht auf Lücke setzen,
08:38weil man weiß zu dem Zeitpunkt ja noch nicht,
08:41ist es eine Spur von einem Täter.
08:51Mein Name ist Franziska Scheitauer.
08:53Ich bin Kriminalhauptkommissarin im LKA Sachsen
08:56und ich leitete nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe
09:00die Spurensicherungsmaßnahmen.
09:02Die Mauer, die sich direkt gegenüber vom Einstiegsfenster befindet,
09:14die war für uns ein sehr relevanter Spurensicherungsbereich.
09:18Irgendwie müssen die Täter ja auf das Gelände des Schlosses gelangt sein
09:23und wir sind davon ausgegangen, dass sie die Mauer überstiegen haben.
09:31Wir haben Spurensicherungsklebeband eingesetzt
09:34und haben die Teile, große Teile der Mauer
09:38mit Spurensicherungsklebeband abgeklebt.
09:41Alles, was sich auf der Oberfläche befindet,
09:43befindet sich dann auf der Klebefläche des Klebebandes.
09:46Das können Hautschuppen sein, das können Faserspuren sein
09:49oder andere Substanzen.
09:58Die Vitrine an sich habe ich in meiner Erinnerung
10:02das erste Mal gesehen am 25. zu sehr vorgerückter Stunde.
10:06Also ich vermute irgendwann zwischen 22 Uhr und Mitternacht.
10:09Da war ich tatsächlich, ich würde es nennen, beeindruckt
10:21von der Dimension dieses Einbruchs.
10:27Es waren Schmuckstücke von den Platten gerissen,
10:31die Befestigungen gelöst, die waren in Teilstücke zerbrochen, einige.
10:36Teilweise lagen welche auf dem Boden.
10:46Es war ziemlich schwierig manchmal auseinanderzuhalten,
10:49sind das jetzt Glasbruchstücke und Glassplitter
10:51oder sind das noch Teile von den Schmuckstücken.
10:53Das ist einer der furchtbarsten Tage sowohl in meinem Berufsleben
11:06als auch in meinem Privatleben, gar keine Frage.
11:10Das, genau das wollten wir in Dresden nie erleben.
11:13Und wir haben sehr viel getan, damit das nicht passiert.
11:16Das ist eine furchtbare Situation, ein Albtraum.
11:19Bis zum 25. November 2019 galt das grüne Gewölbe
11:25eigentlich als total sicher.
11:27Die Alarmanlage bestand aus verschiedenen Bestandteilen.
11:31Da sah man Fassadenscanner, da sah man Kameras,
11:34auch Bewegungsmelder im Inneren.
11:36Aber über die Details war natürlich nichts bekannt.
11:38Wir im MDR haben sogar schon mal einen Film
11:43über dieses Sicherheitskonzept gemacht.
11:46Und in diesem Film, ja, Priesen, die Verantwortlichen,
11:51ihr System, waren sehr stolz darauf.
11:53Das war natürlich alles eine Legende.
11:55Und es stellte sich dann heraus, dass das eben nicht so sicher war.
11:58Das Hochsicherheitskonzept am Dresdner Schloss ist streng geheim.
12:05Fast 30 Kameras haben das gesamte Gelände
12:08rund um das Schloss im Blick.
12:11Außerdem bauen Bewegungsmelder eine unsichtbare Wand auf.
12:17Das Schutzschild des grünen Gewölbes.
12:20Wer hier einen Schritt zu viel macht, löst den Alarm aus.
12:25Dieses Einstiegsfenster, das war eigentlich der neuralgische Punkt
12:33am ganzen Schloss.
12:34Das war eine ganz dunkle Ecke.
12:35Dort reichten eigentlich die Kameras nicht hin.
12:40Dieser Fassadenscanner deckte das Fenster,
12:43das Einstiegsfenster übrigens nur teilweise ab.
12:46Es gab einen großen Blindenfleck, quasi offen, ungeschützt,
12:50nicht überwacht.
12:51Also das war wirklich ein riesengroßes Einstiegsfenster.
12:55Eine Einladung für Einbrecher oder Kriminelle,
12:58wenn man irgendwie in dieses Schloss rein wollte.
13:02Wie konnte dieser spektakuläre Juwelendiebstahl von Dresden
13:05überhaupt gehen?
13:06Wie konnte ein Sicherheitssystem, das als vorbildlich galt,
13:09überwunden werden?
13:09Außerdem verrichten sich die Hinweise,
13:12dass bei dem Raubüberfall Insider geholfen haben mussten.
13:15Mein Name ist Olaf Richter.
13:21Ich bin Leiter der Sonderkommission E-Polett.
13:24Für mich war ein Einbruch in das grüne Gewölbe unvorstellbar.
13:29Dass er dennoch stattgefunden hat, ließ den Schluss naheliegen,
13:32dass hier Insider ihr Wissen preisgegeben haben.
13:37Also in dem Fall dann das Wachpersonal.
13:44Im Fokus der Ermittlungen zu den Insider waren die Mitarbeiter der Nachtschicht
13:50und der Tagschicht in der Leitstelle.
13:55Die Ermittlungen, die verliefen im Sande.
13:58Also wir konnten keinen hinreichenden Tatverdacht gegen eine Person begründen,
14:01die da irgendwie Tipps gegeben hat.
14:05Leider.
14:06Es liegt der Verdacht nahe,
14:10dass alles zu einem brennenden Starkstromkasten begann.
14:13So brannte es unter anderem zeitgleich zum Raub am Morgen
14:15in den Katakomben an der Augustusbrücke.
14:18Doch es wurde bald klar,
14:19dass dieser Brand offenbar nur der Anfang sein sollte.
14:32Wir hatten zwei Taturte.
14:34Das war zu einem das Residenzschloss,
14:36wo eingebrochen worden ist.
14:37Und zum Zweiten das Pegelhaus,
14:39was in unmittelbarer Nähe sich befand.
14:41Die Strecke
14:57Mein Name ist Thomas Redmer. Ich bin seit 35 Jahren Brandursachenermittler.
15:22Das Pegelhaus ist ein völlig unscheinbares Gebäude.
15:28Man sieht von außen nichts, was darauf hinweist, was sich in dem Gebäude überhaupt befindet.
15:33Nachdem wir das Pegelhaus erstmalig betreten konnten, haben wir als erstes gesehen,
15:40dass zwei Schaltstränke zerstört waren durch Brandeinwirkungen.
15:45Alle anderen Bereiche des Raumes waren komplett beruhst und noch verraucht.
15:51Es ergaben sich keine Hinweise, dass als Brandursache ein technischer Defekt vorliegt,
16:00sondern dass es sich um Brandstiftung gehandelt haben muss.
16:06Wir haben einen Kochtopf aufgefunden, in dem offensichtlich eine brennbare Flüssigkeit gebrannt hat.
16:15Das Ziel der Täter bestand darin, die Straßenbeleuchtung rund um das Schloss auszuschalten.
16:24Das hat funktioniert und die Beleuchtung ging aus.
16:31Es hat sich für uns so dargestellt, dass die Täter wahrscheinlich diesen Tatort auch noch generiert hatten,
16:39um sich die Bedingungen für den Einbruch ins Grüne Gewölbe zu erleichtern.
16:43Wie sich dann herausstellte, gab es sogar noch einen dritten Tatort auf der anderen Elbseite.
16:48Die Täter
17:15In einer Tiefgarage ging ein Auto in Flammen auf.
17:18Das Auto wurde etwa 15 Minuten nach dem Einbruch angezündet.
17:20Die Polizei schließt einen Zusammenhang mit dem Kunstraub nicht aus.
17:24Ich bin Elke Hase und bin durch die Täter in Lebensgefahr gebracht worden.
17:34Ja, ich bin wie gewohnt aufgestanden.
17:39Bin auf der Rasse gegangen in Rauchen, hab meinen Kaffee getrunken.
17:44Gegen fünf Uhr gehe ich normalerweise in die Tiefgarage.
17:51Habe ich an diesem Tag nichts getan.
17:53Warum weiß ich nicht.
17:54Vielleicht hatte ich eine innere Eingebung oder sowas in der Art.
17:59Bin ein paar Minuten später in die Tiefgarage ruhen und hab meine Jacke genommen, meine Tasche genommen.
18:03Und als ich die Türe von der Tiefgarage aufgemacht habe, kam mir alles ein bisschen komisch vor, weil ich das Licht nicht anging.
18:11Nur die Notbeleuchtung ging an.
18:13Und es roch nach Rauch unten.
18:16Und dann konnte man schon sehen, dass die ganze Tiefgarage unter Qualm stand.
18:24Schwarzer Rauch, weißer Rauch.
18:28Dann bin ich weiter in die Tiefgarage rein.
18:31Also ich war ja kurz vor meinem Auto.
18:34In dem Moment, wo es eine Explosion gab.
18:39Und dann kam der Feuerball raus.
18:42Aus der Ecke.
18:43Es war bloß ein paar Meter entfernt von mir.
18:47Ja und dann denkt man eigentlich gar nichts weiter.
18:51Es war Panik.
18:53Es war pure Panik.
18:56Einfach nur rumdrehen und versuchen hier lebend rauszukommen.
19:04Mein Name ist Frank Wiesner.
19:07Am 25.11. wurde das Fluchtfahrzeug unter meiner Wohnung abgebrannt.
19:11Das war schon eine beängstigende Situation.
19:16Ich hätte weiter geschlafen, hätte mein Schwager mich nicht geweckt.
19:20Also ich war im Tiefschlaf.
19:22Und zum Glück hat er irgendwie die Alarmglocken angehabt und hat uns alle geweckt.
19:28Alles war voller Rauch.
19:29Ich habe gehustet und wusste erst mal nicht, wo ich bin und was hier los ist.
19:37Vielleicht ein schlechter Traum oder sowas.
19:39Genau.
19:40Und dann hat er mir das bewusst gemacht hier.
19:42Es brennt irgendwo.
19:43Wir müssen hier raus aus der Wohnung.
19:44Ja, er war im Tiefschlaf.
19:45Der Weg ist ja irgendwie zufrieden.
19:46Aber man hat auf dem Hof nichts mehr gesehen.
19:50Gar nichts mehr.
19:52Also wie ich durch den Qualen durchgekommen bin, ich kann Ihnen das nicht sagen.
19:57Aber ich hab's geschafft.
20:00Bis vor zur Hauptstraße.
20:01Aber die Feuerwehr kam ja dann gleich.
20:08Da gab es dann draußen vor der Haustür schon viele Menschen.
20:11Da hatte jeder so seine eigene Theorie.
20:13Man hat ja nicht mit so was gerechnet,
20:15dass dort irgendjemand ein Auto abbrennt in einer Tiefgarage.
20:18Woher denn?
20:26Beim Eintreffen war die Feuerwehr noch vor Ort.
20:29Es waren Polizeikräfte zur Absicherung vor Ort.
20:33Das Fahrzeug selbst stand auf einer Stellfläche,
20:36die nicht als Parkplatz vorgesehen war.
20:40Es war völlig ausgebrannt, völlig zerstört
20:43und eigentlich nur noch ein großer Haufen Schrott.
20:48Wer ein Fahrzeug in einer Tiefgarage in Brand setzt,
20:51dem sind die Folgen eigentlich egal, die daraus entstehen.
20:55Welche Gefährdung dort passiert, welche Personen zu Schaden kommen,
20:58welche Schäden am Gebäude entstehen, sind da völlig egal.
21:17Am zweiten Tag nach dem Einbruch in das grüne Gewölbe
21:19haben wir mit den Untersuchungen am ausgebrannten Pkw begonnen.
21:24Man muss sich das so vorstellen, dass der gesamte Brandschutt
21:27aus dem ausgebrannten Fahrzeug Schicht für Schicht durchgesiebt wird.
21:33Das hat die Bewandtnis, dass in dem Brandschutt auch Spurenmaterialien vorhanden sein können,
21:43wie beispielsweise Edelsteine aus dem Einbruch.
21:46Das erste, was wir im Brandschutt gefunden haben, war ein Revolver.
21:56Und ein Magazin.
21:57Dass wir da eine Waffe drin gefunden haben, hat mich nicht überrascht.
22:11Man muss bei so einem Ereignis mit allem rechnen.
22:15Während der Beräumung habe ich zwei Gitterstäbe gefunden,
22:22wo man noch überhaupt gar nicht sagen konnte, wo standen diese Gitterstäbe her.
22:26Irgendwann hat es dann Klick gemacht, indem ich mir dann gesagt habe,
22:43das sind doch die Gitterstäbe aus dem Gitter vom grünen Gewölbe.
22:47Wir sind dann mit den Gitterstäben zum grünen Gewölbe gefahren
22:52und haben dort geguckt, ob die Gitterstäbe daran passen.
22:56Also damit war zweifelsfrei nachgewiesen, dass es sich bei diesem Fahrzeug um das Fluchtfahrzeug handeln musste.
23:10Und das ist lohnende Arbeit.
23:13Drei Tage ist der Einbruch her und das grüne Gewölbe wird wieder ein wenig sicherer.
23:18Eine Firma repariert heute Vormittag provisorisch das von den Dieten zerstörte Stahlgitter an einem der Fenster.
23:23Ihre Beute, Schmuckstücke aus dem 18. Jahrhundert von unermesslichem Wert.
23:2921 Schmuckstücke werden eingepackt, insgesamt 4300 Edelsteiner.
23:33Es ist ein Anschlag auf die kulturelle Identität aller Sachsen.
23:37Ja, mein Name ist Marius Winzeler. Ich bin seit Oktober 2021 der Direktor des grünen Gewölbes und der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlung in Dresden.
23:52Die gestohlenen Schmuckstücke gehörten zu den Juwelengarnituren.
23:57Das ist das bedeutendste barocke Juwelen- oder Schmuckensemble, das erhalten geblieben ist.
24:02An erster Stelle ist dabei zu nennen die Epaulette, das Achselstück, also ein Schmuckstück für die Schulter.
24:10Und in dieses Schmuckstück ist der grosse sächsische Weisse eingelassen, ein weisser Diamant von besonderer Schönheit.
24:18Größe fast 50 Karat wiegt er.
24:23Es ist auch die Brustschleife der Königin Augusta Amalie.
24:29Ein auch vom Gewicht her besonders herausragendes Stück. Es ist 556 Gramm schwer.
24:37Das ist das Brustkreuz des polnischen Weissen-Adlerordens, das für die polnisch-sächsische Geschichte von herausragender Bedeutung ist.
24:45Auch als Schmuckstück ein besonders kostbares ist der sogenannte Reiherstutz, eine wunderbare Juwelierarbeit des späten 18. Jahrhunderts.
24:57Und es gehören auch weitere historisch wichtige Stücke dazu. Es ist eine grosse und schmerzliche Lücke.
25:03Wir haben eine Sonderkommission gebildet, die im Übrigen den Namen Epaulette trägt.
25:21Hier wird geführt vom Leiter des Dezernates Einbruch. Momentan umfasst die Sonderkommission zehn Ermittler.
25:32Den Ermittlungsdruck hat man gespürt, dass nahezu stündlich Fragen gekommen sind.
25:37Alle wollten natürlich wissen, was ist da passiert, was ist in Dresden los.
25:41Und sogar der Landespolizeipräsident hat uns unmittelbar besucht und uns klargemacht, wie wichtig dieser Schmuck für den Freistaat Sachsen ist.
25:49Und die Suche nach den Tätern geht unterdessen weiter. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Diebe gut vorbereitet waren und sehr zielgerichtet vorgegangen sind.
26:00Mit ihrem Fluchtwagen, einem Audi, fahren sie zu einer Tiefgarage im Stadtteil Migten, ganz in der Nähe. Dort wechseln sie auf einen Mercedes.
26:07Um möglichst alle Informationen zu erheben, haben wir neben den Überwachungsvideos vom Schloss auch alle möglichen Überwachungsvideos in der Stadt gesichert und ausgewertet.
26:22Ein Video war für uns besonders interessant, weil das ganz in der Nähe von der Tiefgarage Kötschenbroder Straße war, wo das schlussendlich auch zum Abrennen des Tatfahrzeug-Audis gekommen ist.
26:40Dort konnten wir sehen, wie noch vor der Tat dieser Pkw-Audi mit einem weiteren Fahrzeug, nämlich einem Pkw-Taxi, in Richtung der Tiefgarage gefahren ist.
26:55Das Fahrzeug war ein Mercedes-Taxi, eine Limousine. W212.
27:13Das war für uns so besonders interessant, weil wir bereits zuvor Hinweise darauf hatten, dass ein Taxi eine Rolle spielen könnte.
27:21Nach dem Einbruch gab es Hinweise, dass ein Mercedes-Taxi mit einer rasanten Fahrweise auffiel auf der Autobahn A13 in Richtung Berlin.
27:40Als ich das erste Mal von dem Einbruch im grünen Gewölbe in Dresden gehört habe, da sind mir sofort Parallelen aufgefallen.
27:51Das kannte ich als einen typischen Modus Operandi der Remmus aus anderen Einbrüchen.
27:58Also hier in Berlin kennen wir die Großfamilie Remmo seit Jahrzehnten.
28:03Wir können den Angehörigen dieses Clans Überfälle auf Geldtransporter nachweisen.
28:10Einzelne sind hochgradig gefährlich und scheuen nicht davor, Waffen einzusetzen.
28:15Am Tag nach dem Einbruch meldeten sich Berliner Kollegen, diese formulierten sinngemäß, das können unsere Remmus gewesen sein.
28:24Schloss Gonnaen
28:26Adon
28:32Adon
28:35Und
28:37Al
28:47und