- vor 2 Wochen
Einen Tag nach dem Weltmädchentag öffnete Deutsch-Wagram am 12. Oktober seine Türen für rund 50 Schülerinnen des BORG. Bürgermeister Markus Mentl-Weigl stellte sich ihren Fragen – vom ersten Schritt in die Politik bis zum Gehalt. Vizebürgermeister Matthias Hittinger führte durch das Rathaus.
Zum Abschluss standen die Politikerinnen selbst Rede und Antwort: die Gemeinderätinnen Marie-Luise Klenner, Eva Ewald und Gabriele Benes sowie Mag. Marianne Rickl-List, die erste Bürgermeisterin von Groß-Schweinbarth. Ihr Tipp an die jungen Frauen: Wenn euch jemand fragt, ob ihr kandidieren wollt – sagt einfach „klar“.
Zum Abschluss standen die Politikerinnen selbst Rede und Antwort: die Gemeinderätinnen Marie-Luise Klenner, Eva Ewald und Gabriele Benes sowie Mag. Marianne Rickl-List, die erste Bürgermeisterin von Groß-Schweinbarth. Ihr Tipp an die jungen Frauen: Wenn euch jemand fragt, ob ihr kandidieren wollt – sagt einfach „klar“.
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NewsTranskript
00:05Demokratie beginnt im Rathaus, nicht erst im Parlament.
00:08Am 11. Oktober war Weltmädchentag.
00:11Einen Tag später, im Rahmen von Girls in Politics,
00:14öffnete Deutsch-Wagramm seine Türen für Schülerinnen des Borg.
00:17Politik wurde greifbar, Fragen wurden gestellt und gehört.
00:21Ja, wir sind in Deutsch-Wagramm mit gutem Grund oder aus gutem Grund hier im Stadtamt.
00:27Was spielt sich heute ab?
00:28Wir haben heute Girls in Politics, da kommen rund 50 junge Damen aus dem Borg
00:35und wir wollen ihnen ein bisschen die Arbeit der Kommunalpolitik näher bringen
00:38und ein bisschen auch motivierend hoffentlich wirken,
00:42um da auch die jungen Damen, die Mädels, die Frauen dazu zu bewegen,
00:47sich vielleicht auch einmal politisch zu engagieren,
00:49zumindest einmal hineinzufragen und ein bisschen hineinzuschnuppern
00:51und die Politik zu verstehen auf kommunaler Ebene, sprich auf Gemeindeebene,
00:55nämlich dort, wo man es wirklich am meisten spürt.
00:57Im Rathaus nimmt sich Bürgermeister Markus Mäntlweigl Zeit für die Schülerinnen.
01:01Und die haben ihre Fragen vorbereitet.
01:04Wie wird man Bürgermeister?
01:05Wie viel Privatleben bleibt da noch?
01:07Und was verdient man eigentlich?
01:09Keine Frage ist tabu.
01:11Also meine allererste Frage ist, was ist der allererste Schritt zum Bürgermeister?
01:16Wie viel Privatleben hat man als Bürgermeister?
01:21Meine Frage ist, wie viel man als Bürgermeister verdient?
01:24Mal werden.
01:24Ich habe als ganz Kind mir tatsächlich gedacht, ich möchte mal Bürgermeister werden.
01:29Ein Platz frei, ich war auf Platz 33.
01:32Und wenn man jetzt sagt, 33 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte können hinein,
01:36dann war ich auf dem letztmöglichen Platz, der noch irgendwie möglich gewesen wäre.
01:40Ich habe es tatsächlich nicht geschafft, damals hineinzukommen,
01:43sondern bin erst einen Tag später nachgerutscht als jemand aus.
01:46Und meine Woche hat so um die 70, manchmal 80 Stunden.
01:51Ich hatte auch vorher einen besseren Verdienst, aber ich mache meinen Job wirklich gern.
01:54und hoffe, dass ich ihn noch lange machen kann.
01:58Das Spannende an der Politik, finde ich, ist meine ganz persönliche Meinung,
02:04dass man die Möglichkeit hat, hier in der Gemeinde selbst mitzusprechen,
02:08sich wirklich zu überlegen, was möchte man machen, was möchte man nicht machen,
02:11was muss unbedingt gemacht werden und auch so ein bisschen nicht nur die Sprache
02:16oder die Bevölkerung zu sein, sondern auch ein bisschen Eigenverantwortung zu übernehmen.
02:20Dann wird es interaktiv.
02:22Beim Gemeindequiz stimmen die Schülerinnen per Handy ab.
02:25Wie viele Anfragen landen täglich beim Bürgermeister?
02:27Was ist die wichtigste Aufgabe einer Gemeinde?
02:30Und was passiert, wenn Interessen aufeinander prallen?
02:32Ich würde gerne mit euch einen kurzen Start machen mit einem kleinen Quizspiel.
02:38Die müssen nichts wissen, aber es ist einfach so ein bisschen auch zur Auflockerung.
02:42Also 10 bis 20, hier geht es Nachrichten in Form von einer persönlichen Anfrage.
02:49Das stimmt schon.
02:50Für Gesprächsstoff sorgt vor allem eine Frage, wie viele Frauen sitzen eigentlich im Gemeinderat?
02:55Natürlich zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Kleider, weil es halt einfach eine gute Durchmischung einfach viel wichtiger ist
03:03und auch die Mitsprache viel mehr in der Gemeinde hat.
03:07Das heißt, etwa 25 Prozent ist durchaus, hat Potenzial erhoben, meine Damen.
03:12Das heißt, ich möchte euch hier nochmal den Hund mit dem Flugzeug motiviert.
03:17Ihr könnt dazu ganz viel beitragen, dass sich das auch ändert in Zukunft.
03:22Das Ergebnis selbst zeigt mir, es gibt hier gar keine falsche Antwort.
03:26Ich glaube, es ist auch wichtig, dass eine Gemeindeverwaltung nicht irgendetwas Mystisches ist,
03:32sondern dass da Menschen arbeiten und wie das funktioniert.
03:34Ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man das so richtig niederschwellig bringt.
03:44Mit Vizebürgermeister Matthias Hittinger geht es danach quer durchs Rathaus,
03:48auch hinter Türen, die sonst verschlossen bleiben.
03:51Hier wird verwaltet, geplant und umgesetzt, was der Gemeinderat beschließt.
03:55Übrigens, die Sitzungen des Gemeinderats sind öffentlich und auch online nachzusehen.
04:04Zum Abschluss wechseln die Rollen.
04:07Jetzt stehen die Politikerinnen Rede und Antwort.
04:10Gemeinderätinnen aus Deutsch-Wagramm und Marianne Rickel-List,
04:14Bürgermeisterin von Groß-Schweinbad, erzählen, wie sie in die Politik gekommen sind
04:19und was es heißt, sich als Frau durchzusetzen.
04:22Ich bin Bürgermeisterin dort seit elf Jahren und bin die erste weibliche Bürgermeisterin in Groß-Schweinbad.
04:31Aber es ist schon so, dass man sich manchmal ein bisschen behaupten muss.
04:38Ich kann immer sagen, jeder Mann, der gefragt wird, ob er irgendwo an die Spitze will
04:43oder kann es einfach auch dazu nominiert werden will, der sagt sofort klar.
04:49Ich darf immer den Tipp geben, solltet ihr mal in die Situation kommen und euch eindringen wollen
04:55oder engagieren wollen und es fragt euch jemand, wollt ihr da mittun, dann denkt ihr dann noch,
05:03sondern sagt es ganz einfach klar.
05:05Und ihr kennt das, man kann vieles lernen, weil Frauen ja eher dazu neigen, wenn sie gefragt werden,
05:12möchtest du vielleicht für den Gemeinderat kandidieren?
05:16Und die meisten Vorzugsstimmen habe aber ich bekommen, überraschenderweise.
05:21Ich habe genauso die Stimmen bekommen wie meine zwei männlichen Kollegen.
05:26Eine interessante Veranstaltung.
05:28Jetzt natürlich die Frage, wir haben jetzt eine Bürgermeisterin hier, Frauen.
05:33Und ich weiß, in Niederösterreich gibt es relativ viele Bürgermeisterinnen,
05:35gemessen an üblichem Bundesland, also Bundesgebiet.
05:38Ja, das ist richtig.
05:40In Niederösterreich gibt es, wie haben wir es gerade vorher angeschaut, 100 Bürgermeisterinnen.
05:44Das sind über 17 Prozent von den 573 Gemeinden.
05:48Und damit ist der Prozentsatz eigentlich der höchste in ganz Österreich,
05:52weil in Summe im Durchschnitt in Österreich, glaube ich, sind es 12 Prozent.
05:55Wir im Bezirk sind auch etwas weniger.
05:59Wir haben acht Bürgermeisterinnen von 44.
06:02Also auch nicht so schlecht, aber Luft nach oben.
06:05Luft nach oben, überall, also ganz generell.
06:08Ja, durch Gespräche verändert man eigentlich häufig seine Meinung.
06:13Und deswegen ist es ja auch so wichtig, dass wir alle miteinander reden.
06:17Ich bin der Klassensprecher.
06:22Und du als Klassensprecher eben, wenn du die Punkte heranträgst,
06:26also ihr nehmt so Punkte, wie die nicht nur die Klasse betreffen,
06:29sondern auch oftmals die gesamte Schule.
06:31Das heißt, nicht nur die Bereine oder sonstige,
06:35sondern es gibt auch Veranstaltungen.
06:36Zum Beispiel, es gibt es bei uns in Deutsch-Warkham für Frauen,
06:41eine Veranstaltung heißt Mädelskampf.
06:43Ja, wir haben uns vor drei Jahren zusammengetan.
06:47Frauen aus Deutsch-Warkham, egal was für Couleur.
06:50Und wir wollten einmal etwas für Damen machen,
06:53für Frauen machen wir ab 18, ohne Männer, tanzen,
06:59mit Freundinnen hingehen, am Abend ganz nett unterhalten.
07:04Wir haben ja eine DJ.
07:06Also es ist nächste Woche soweit, leider für euch noch nichts,
07:10weil es erst ab 18 ist.
07:12Aber die Motivation war ab, dass wir uns die Frauen aus Deutsch-Warkham
07:16einmal einen Abend gemeinsam verbringen,
07:19plaudern, lachen und einen netten Abend verbringen.
07:24Das ist halt das zweite Mal.
07:25Das erste Thema, das ihr angehen würdet,
07:28was jetzt damit etwas verändert.
07:30Einfach ein Wort, ein Thema.
07:33Ich glaube, bei der Schule, das ist jetzt anfangen,
07:37bei den Jugendlichen, was sie sich wünschen.
07:40Ja.
07:43Ich würde vielleicht Umwelt.
07:49Ich komme schon auch für Jugendliche,
07:53auch für ein bisschen Umwelt.
08:14Ich habe einen schönen Spruch von der Michelle Obama gefunden,
08:22die eben auch gesagt hat, die Dinge ändern sich nicht,
08:26indem wir uns über sie beschweren,
08:29sondern indem wir handeln.
08:31Bereut Sie den Weg in die Politik?
08:33Nein, überhaupt nicht.
08:34Ich finde, man muss die Erfahrung selber mal machen.
08:36Man muss wirklich den Mut finden
08:38und sich einfach mal direkt mit dem auseinandersetzen,
08:40weil, wie du auch schon vorher gesagt hast,
08:43am Beschweren kann man sich schnell einmal,
08:44ja, aber das Wichtige ist ja, dass man irgendwas tut
08:46und umso wichtiger ist, dass man sich selber aktiv einbringt, finde ich.
08:49Und dein Eindruck von den Mädchen?
08:51Ja, sie haben schon aufmerksam zugehört.
08:54Ich meine, natürlich, ich kann mich erinnern,
08:55in dem Alter, ja, hört man sich das an,
08:58es ist nicht so richtig greifbar.
09:00Deswegen finde ich die Veranstaltung super, ja.
09:02Und ich habe vor allem im Gespräch mit dem Bürgermeister auch gehört,
09:05sie sind tatsächlich, sie haben gute Fragen gestellt,
09:07sie waren sehr interessiert.
09:08Also ich glaube, das hat auf jeden Fall Potenzial
09:11und sollte beibehalten werden, ja.
09:13Aus Sicht von anderen falsch behandelt zu haben,
09:15als gar nicht behandelt zu haben,
09:16ich glaube, das ist ja gerade ein wichtiger Punkt.
09:18Ein Vormittag im Rathaus und vielleicht der erste Schritt,
09:21was die Schülerinnen selbst mitnehmen, erzählen sie hier.
09:24Ja, wir haben eine tolle Veranstaltung hier erlebt,
09:27wie hat es denn euch gefallen?
09:28Also mir hat es sehr super gefallen.
09:29Ich finde, es ist wichtig, dass man Informationen
09:32so den Leuten sagt und Events veranstaltet,
09:36damit die Leute auch wissen, zu wen sie kommen können
09:38oder was sie sagen können.
09:40Und ich finde, es ist halt auch eine Art zu repräsentieren
09:43und ich finde das auch super wichtig.
09:45Könntest du dir vorstellen, auch irgendwann einmal politisch tätig zu sein?
09:49Also ich bin mir noch nicht sicher,
09:50aber ich weiß, worüber ich mich schon sicher bin,
09:53ist, dass ich später dann über Menschenrechte studieren werde
09:56und dann habe ich vor, Anwältin zu werden
09:59und auch so für Menschenrechte und auch für Frauenrechte zu kämpfen.
10:04Sie auch so gut wie möglich zu verarbeiten.
10:06Manchmal geht es halt nicht,
10:08weil jedes Anliegen wird man nicht durchbringen,
10:09aber zumindest ein Gehör finden sollte man.
10:11Nicht alles ist Gemeindesache.
10:13Nicht alles ist Gemeindesache,
10:14aber die Dinge, die wir machen,
10:16die können wir so gut wie möglich auch steuern
10:18und mir ist es halt ein großes Anliegen,
10:20auch immer die Bevölkerung zu vertreten
10:22und ich kann auch nicht immer nur Einzelmeinungen
10:24und Gott sei Dank leben wir in einer Demokratie.
10:27Man muss da schon ein bisschen mehr reinfühlen
10:28und manchmal ein bisschen tiefer bohren,
10:31um zu wissen, wo drückt der Schuh.
10:33Die heutige Veranstaltung in Deutsch-Wagen
10:37ist man sich schon gewöhnt, aber es ist etwas Besonderes.
10:40Könnte man sich das vorstellen,
10:41auch in der Gemeinde zu machen?
10:42Ja, ich kann mir das gut vorstellen.
10:45Wir haben halt in der Gemeinde nur eine Volksschule
10:48und die Volksschüler kommen ohnehin einmal im Jahr
10:51zu Besuch ins Gemeindeamt.
10:53Aber ich glaube, es ist am sinnvollsten
10:56auf Basis der Mittelschule.
10:58Das heißt, ab 10, 10 bis 14 oder 10 bis 18,
11:02das wäre, glaube ich, die beste Zielgruppe.
11:04Das wäre dann in der Kooperation mit der Gemeinde,
11:06mit der Schulgemeinde?
11:07Natürlich, genau.
11:08Da muss man mit den Mittelschulen halt dann zusammenarbeiten.
11:11Wunderbare Sache.
11:12Wie hat es gefallen?
11:13Also mir hat es sehr gut gefallen.
11:14Also ich muss auch ein großes Lob aussprechen
11:16an meinen Bürgermeisterkollegen,
11:18der hat das toll vorbereitet.
11:19Es ist schon eine Auffahrt auch dahinter.
11:21Aber ich glaube, darum geht es ja auch,
11:23dass wir als Kommunalpolitiker
11:25auch ein bisschen vermitteln,
11:27wie ist die Situation und wo,
11:28was sind eigentlich die Andockpunkte
11:32oder die Punkte, um die es in einer Gemeinde geht.
11:34Das sind ja lauter sachliche Themen.
11:37Es geht um Busverbindungen,
11:38es geht, wie wir geredet,
11:40um Nachmittagsbetreuung,
11:41es geht um leistbares Wohnen,
11:43es geht um Jugendtreffs.
11:44Das ist ja ganz etwas anderes,
11:46als wenn man abgehoben im Landtag
11:47oder Nationalrat agiert.
11:49Also ich sage immer immer darum,
11:51das ist eine Politik,
11:52die sehr nah am Bürger ist und sein muss,
11:54weil sonst hat man keine Chance.
11:55Auf jeden Fall.
11:57Und es ist auch eine personenbezogene Politik,
12:00weil man natürlich als Person
12:01auch dann die Ansprechstelle ist
12:04und auch das Gesicht sozusagen
12:07zur Kommunalpolitik.
12:08Weil Politik ist nicht in den sozialen Medien,
12:11Politik sollte man schon
12:12von Mensch zu Mensch machen,
12:13wie das ist.
12:13Das ist natürlich am besten.
12:15Das Gespräch ist unersetzlich.
12:17Also ganz zusammenfassend kann man sagen,
12:20Gemeindepolitik und Gemeindeverwaltung niederschwellig.
12:24Niederschwellig und greifbar machen.
12:25.
12:27.
12:27Untertitelung des ZDF für funk, 2017