00:06ARD Text im Auftrag von Funk
00:08Viel Spaß beim Feiern!
00:11Ciao!
00:30Alter, sag herzlichen Glückwunsch!
00:35Hör mal, hör mal, hör mal!
00:36Wir hätten da eine Sache, weißt du, wir bleiben noch ein paar Tage in den Bergen.
00:44Häng ihn an!
00:47Ich bin die Mona und du bist wahrscheinlich der Fabian!
00:52Hör an!
00:57Ich bin hier, um jeden deiner Wünsche zu erfüllen!
01:01Ich bin dein Geburtstagsgeschenk!
01:05Geburtstagsgeschenk!
01:06Ich werde alles tun, damit du dich wie im siebten Himmel fühlst!
01:10Wir haben da gefunden, es war bei meiner Geburtstagsfeier 2022, Magda und Valdi waren eingeladen
01:17und bei der Verabschiedung sagte der Valdi zur Magda,
01:22Am Abendstück lernt man mal ein Anstieg über Menschen wie mich!
01:35Schreib doch mal ein Stück über Menschen wie mich!
01:38Ja!
01:38Er sagt so, ja natürlich, mache ich kein Problem!
01:41Und dann erst zu Hause nackt bin ich mir so, hm, wie mache ich das?
01:47Das ist natürlich der Satz, wenn Valentin gesagt hat, über Menschen wie mich hat mir da sofort so ein bisschen
01:54wehgetan,
01:56weil er sich selbst in diesem Satz so schugladiert hat, so ausgegrenzt hat und ich dachte mir so ein Kapitel.
02:18Ich habe nur verdammt verstanden. Könntest du vielleicht deutlicher?
02:24Redet mir auch nicht!
02:27Okay, das habe ich jetzt verstanden!
02:29Aber ehrlich gesagt verstehe ich dich trotzdem nicht!
02:31Also ich verstehe was du sagst, aber nicht was du meinst!
02:35Ja, ich habe nichts mitzureden gehabt, aber zugehört!
02:38Und es war dann so, dass ich, wie man das halt beim Casting so macht, man begrüßt jede Person, die
02:43dort ist,
02:44man möchte ja höflich und nett sein und ich begrüße auch den Valentin und habe genau nichts verstanden
02:49und habe mir dann auch noch gedacht, das wird spannend, wenn wir zwei dann zusammenspielen
02:55und genau so passt dann auch und ich weiß noch, wie ich nervös war und bei der Probe, wie ich
02:59erkannt habe,
02:59okay, ich spiele seine Mutter und innerhalb kürzester Zeit war es aber so, dass der Valentin mich verstanden hat,
03:06aber ich brauche ihn.
03:08Also für mich ist die, wir sagen immer, er spricht Wallisch, er hat einfach einen eigenen Dialekt
03:14und den muss man halt zuhören und wenn man ein bisschen zuhört, dann versteht man es auch.
03:18Für mich ist es so, dass der Walli, also ich setze einfach die Silben in meinem Kopf zusammen,
03:24für mich sind es einfach Silben, die der Walli sagt und die kombiniere ich halt dann zu dem Satz.
03:29Und es ist nicht immer so, dass ich ihn verstehe, aber dann frage ich halt nach
03:36und manchmal frage ich halt auch zehnmal nach.
03:37Also das war irgendwie höfliches Nicken, dass er hasst.
03:42Es ist viel besser, fünfmal zu fragen, was meinst du, oder zu sagen, ich verstehe dich nicht,
03:48oder Text zu nicken und das zu übersetzen, als einfach höflich nicken, so aha, aha, aha.
03:56Das machen Menschen, weil für denen unangenehm ist, glaube ich, einfach zu sagen,
04:00kannst du bitte wiederholen, ja.
04:03Wenn man mit Walli kommunizieren will, es ist überhaupt nicht schwer.
04:07Man muss nur aktiv zuhören, sich ein bisschen gewohnen an diesem Dialekt.
04:16Ja.
04:16Es ist für mich nicht viel schwieriger als Schweizerdeutsch zum Beispiel, ja.
04:20Da stehe ich auch noch vor.
04:22Da muss ich mich auch konzentrieren.
04:24Doch wenn man will, dann geht das.
04:28Ja, also ich glaube, wir haben die ersten zwei Wochen nur Text besprochen und angeschaut
04:33und manchmal habe ich meinen Senf.
04:36Also zum Beispiel bei, der Fabian sagt sehr oft, ich weiß nicht.
04:41Aber ich habe gecheckt schon beim ersten oder zweiten so Text vorlesen,
04:48dass eben diese Ziehschlauten so viel schwieriger für ihn sind und alle Vokale einfacher so gehen.
04:56Deswegen haben wir, ich weiß nicht, keine Ahnung.
05:04Also da habe ich natürlich, mir war es auch wichtig, dass er nicht so sein Körper jedes Mal so strapazieren
05:15muss
05:16und das Publikum eventuell auch ihn besser versteht.
05:21Eigentlich war das auch mein Ziel, dass nach ersten, sagen wir, zehn bis 15 Minuten
05:30das Publikum fängt an, ihn besser zu verstehen, ja.
05:34Das ist fast wie eine Einführung in Wallisch, in sein Dialekt.
05:42Guck mal, ich bin mehr in der Arbeit, verstehst du?
05:46Ich will dir nur meine Rechnungen bezahlen, den scheiß Strom und den scheiß Gas.
05:51Weißt du, was die Heizung momentan kostet? Weißt du das überhaupt?
05:54Zeigst du deine Rechnungen eigentlich selbst?
05:56Ich schon. Und dafür muss ich schwer hacken oder es ist nicht einfach.
05:59Oh nein, das ist überhaupt nicht einfach. Oder glaubst du, dass es einfach ist?
06:04Genau, mein Freund, das ist nicht einfach. Und du, du bist nicht einfach.
06:08Du bist ein junger, hübscher Mann, der sich aus irgendeinem Grund wie ein bockiges Kind verhält.
06:12Wie ein Arschloch. Ich liebe jede... Ich liebe jede Rolle, die ich spielen darf.
06:19Das sind aber meistens kleine Rollen. Sehr kleine Rollen. Meistens ohne Text.
06:26Aber mein Traum... Mein Traum wäre Lady Macbeth. Eine einsame Frau, sehr einsam. Aber stark.
06:38Eigentlich eine geile Sache. Na klar.
06:46Aber in Shakespeare ist es auch so, dass Lady Macbeth dramaturgisch gesehen, sie übernimmt eben diese männliche Part.
06:54Also sie ist die aktive Part, weil der Macbeth selbst, sagen wir das auf Deutsch, ist eine Flasche.
07:03Also er weiß nicht, er würde gerne erzählen das, aber nein. Und sie muss dann... Ja.
07:09Und in diesem Stück ist es auch so dramaturgisch, dass der Fabian, dadurch, dass er, sagen wir, Beeinträchtigungen hat, ist
07:18schon von Anfang an eine passive Part.
07:21Und die Mona kommt eben als diese aktive Figur, die die ganze Action sozusagen in der Wirkung bringt.
07:30Wobei es immer klar sein muss, Walli ist nicht Fabian.
07:35Es gibt Themen, die vom Walli in diesem Stück sind, aber die beiden sind eindeutig nicht dieselbe Person.
07:41Aber so vorne. Ich bin übrigens auch keine Sexarbeiterin.
07:45Ich war schon wieder ja, aber Sexarbeiterin nein. Auch nicht Sextelefon, also sorry.
07:49Nein. Aber ich wäre sicher gut.
07:58Ja, ja, ja.
08:01Ich weiß nicht, wenn man auch Möglichkeiten.
08:03Ja, ja, wenn sie sich auch damit klappen sollte.
08:05Dann habe ich eine Möglichkeit.
08:07Oder zu viel eine dritte Mahnung, dann...
08:09Ja, ja, ja, wenn die Mahnung zu viel werden, dann...
08:12Aber so.
08:13Ja, ja.
08:14Darf ich was sagen und du kannst sagen, ob es falsch ist?
08:20Ja.
08:21Was eh auch in unserem Stück vorkommt, ist, dass viele Menschen glauben,
08:26dass ein junger Mann, der im Rollstuhl sitzt, eine Sprechbeeinträchtigung hat, auch geistig behindert ist.
08:31Und deswegen nicht verfolgenommen wird.
08:34Das ist ein starkes Thema, oder?
08:36Ja, das...
08:39Das...
08:40Das...
08:40Der...
08:43Der...
08:43Überall.
08:44Und...
08:45Ja, das ist so das Stärkste, würde ich sagen, für mich.
08:50Immer...
08:51Alle...
08:52Alle...
08:53Na, Fabian?
08:55Du bist weniger alleine als ich.
08:57Ja.
08:58Wirklich.
08:59Ich habe keine Freunde.
09:01Nicht mal solche, die mir nutzloses Geschenk machen würden.
09:04Und ich habe zwei gesunde Beine.
09:07Sind übrigens ziemlich geil, oder?
09:09und mich versteht jeder und trotzdem ich finde man muss alles dramatisieren und alles normalisieren
09:23dabei proben wir das so, dass bei dieser Tanzszene, wie wir geprobt haben, da habe ich einfach mal vergessen, dass
09:31er nicht jede Bewegung machen kann
09:43was natürlich sehr erfrischend, glaube ich, für Wally war und da habe ich auch mit deiner Mama gesprochen, Wally's Mutter
09:52hat mir auch gesagt, dass es für sich sehr erfrischend war
09:54entweder ist das Inklusionstheater, wo alles so oder ist das auf einmal ein normales, also ich verstehe den Unterschied nicht
10:04Theater ist Theater, Arbeit ist Arbeit
10:07ich höre dir zu, ich sehe dich, sag keine verdammte scheiß Heuschrecke
10:17ich habe heute in deinem Haus unten eine Heuschrecke an der Wand geobachtet, sie war groß, grün, sehr schön
10:23sie ist dann da drauf und runter gegrabbelt, nach links und nach rechts
10:26sie hat einen Weg nach draußen gesucht, einen Spalt in der Wand, ein Loch oder so
10:32ich habe die Hauste aufgemacht
10:33der Weg war frei, sie hätte sich nur noch umdrehen müssen
10:37hat sie nicht
10:39genau, hat sie nicht
10:40sie war so von der Wand überzeugt, dass sie sich nicht umdrehen wollte
10:52du bist die Heuschrecke und die Wand gleichzeitig
11:12dein Angesicht beim Tannen ist wie ein Buch, wo viele Geschichten stehen
11:17ja
11:18du brauchst keine Wand, an der du kleben musst
11:20oh, ich danke
11:23ich gehe jetzt
11:24soll ich die Tür offen lassen?
11:26ja, bitte
11:39eine Nacht mit Lady Macbeth
11:41ein Stück über Einsamkeit, Sexualität und echte Begegnung und über das Zuhören
11:45Magdalena Marsaukowska erzählt davon mit Witz und ohne falsche Betroffenheit
11:50ihre Figuren dürfen lachen, streiten, verletzen und werden gerade dadurch menschlich
11:55getragen wird der Abend von Andrea Nitsche und Valentin Schuster
11:58Nitsches Mona
11:59bemüht, verletzlich, herrlich, schräg
12:02Schusters Fabian
12:03nie bemitleidenswert, nie ein Fall
12:06sondern eigenwillig, witzig, widersprüchlich
12:08dass Fabian von einem Schauspieler gespielt wird, der selbst im Rollstuhl sitzt, ist keine Geste
12:13es ist künstlerische Substanz
12:16und nach wenigen Minuten versteht man ihn, wenn man nur zuhört
12:19inklusives Theater
12:21nicht als Alibi, sondern als hochkarätige Kunst
12:24Im Theaterexperiment war es vorläufig die letzte Vorstellung
12:27Jetzt sucht das Ensemble neue Bühnen
12:30Man kann jedem Haus nur raten, zugreifen
12:33Es war großartig
12:35Und der junge Mann hat so ein nettes, schönes Lachen
12:41Ja
12:41Ja
12:42Ja
12:42Ja
12:42Ah, das stimmt.