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00:01Guten Abend, meine Damen und Herren.
00:04Geben ist zähliger denn nehmen.
00:07Nach diesem Bibelzitat haben sich Nepper, Schlepper und Bauernfänger noch nie gerichtet.
00:11Die Beweise dafür haben wir hier in unserer Sendung immer wieder geliefert.
00:15Wie rücksichtslos die Betrüger gegenüber ihren Mitmenschen vorgehen, dazu heute wieder einige Beispiele.
00:22Beispiele, die zum Teil selbst mir die Sprache verschlagen haben.
00:26Einmal mehr wird dabei deutlich, dass sich die Täter nicht selten die Schwächsten unter uns aussuchen.
00:31Menschen, die eigentlich Hilfe brauchen. Alte, Kranke und Behinderte.
00:35Eine blinde Familie zum Beispiel, der wir hier den Namen Wagenbach geben wollen.
00:39Vater, Mutter und eine sechsjährige Tochter, die kleine Martina.
00:43Herr Wagenbach arbeitet als Telefonist in einem Kaufhaus.
00:46Frau Wagenbach führt den Haushalt und kümmert sich um die Tochter.
00:49Alle Nachbarn sprechen mit Hochachtung und Respekt von der Familie,
00:53die mit viel Kraft und Lebensmut ihr schweres Schicksal meistert.
00:58Dennoch gibt es Menschen und auch die leben unter uns,
01:01die es gerade auf Leute wie die Wagenbachs abgesehen haben.
01:05Gleich halb eins. Da muss sie rauskommen.
01:21Gleich 12.30 Uhr.
01:29Das Leben der blinden Familie verläuft in festen Bahnen.
01:32Jeden Mittag wiederholt sich zum Beispiel diese Szene.
01:36Frau Wagenbach verlässt für ein paar Minuten die Wohnung.
01:39Die Tür bleibt der Einfachheit halber angelehnt.
01:55Auf der Straße vor dem Haus wartet Frau Wagenbach dann auf dem Bus,
01:58der die Tochter Martina nach Hause bringt.
02:01Guten Tag, Frau Wagenbach.
02:03Guten Tag, Frau Wolff.
02:07Martina besucht jeden Vormittag die staatliche Blindenschule.
02:13Die festen Gewohnheiten bei dem Wagenbachs haben sich natürlich herumgesprochen.
02:18Leider nicht nur bei ehrenwerten Zeitgenossen.
02:23Hier ans Fenster.
02:32Schon was zu sehen?
02:35Nee, sie wartet noch.
02:37Vom Bus noch keine Spur.
02:43Der Bus kommt, beeil dich.
02:45Keine Panik. Hab schon, was ich gesucht habe.
02:47Von der Schlüssel steckt sogar.
03:08Martina, kommst du?
03:09Vorsicht, Stufe.
03:17So, Frau Wagenbach, da ist Ihre Martina wieder.
03:19War brav wie immer.
03:20Hallo, mein Schatz.
03:24Na, wie war's in der Schule?
03:25Prima, wir haben ein neues Lied gelernt.
03:27Ja, lass hören.
03:30Ah, das kenn ich.
03:32Bruder Jakob, schläfst du noch?
03:35Frau Wagenbach, ich fahr dann jetzt. Bis morgen, gell?
03:38Schönen Dank auch. Dann bis morgen.
03:56Ja, gerechnet. In der großen Pause hab ich mit der Marcella gespielt.
04:01Das denk ich mir. Also Marcella muss sein.
04:05Ja.
04:09Eine wirklich üble Geschichte.
04:11Die Wagenbachs haben natürlich Anzeige erstattet, nachdem sie den Diebstahl entdeckt hatten.
04:16Die Angaben, die sie zum Tathergang machen konnten, waren aber naturgemäß sehr dürftig.
04:21Über die Täter konnten sie überhaupt nichts sagen.
04:23Und so führten die Ermittlungen der Polizei auch zu keinem Ergebnis.
04:28Etwa vier Wochen später erhielt Frau Wagenbach dann an einem Vormittag überraschend Besuch.
04:33Und was nun geschah, das macht diesen Fall in der Tat zu einer der größten Schockereien, von denen ich je
04:40gehört habe.
04:46Guten Tag.
04:47Guten Tag.
04:48Sind Sie Frau Wagenbach?
04:49Ja, und wer sind Sie? Ich bin nämlich blind, wissen Sie?
04:52Natürlich, Frau Wagenbach, das wissen wir.
04:54Mein Name ist Ruck Galla. Ich bin Kriminalkommissar. Hier ist mein Ausweis.
05:02Ja, was gibt's denn? Haben Sie die erwischt?
05:05Nein, noch nicht. Wir haben den Fall neu übernommen und haben noch ein paar Fragen an Sie.
05:09Das hier ist übrigens mein Kollege Herr Brendel. Guten Tag.
05:12Tag, ja. Dann kommen Sie bitte herein. In die Küche, bitte.
05:15Das ist nett von Ihnen, Frau Wagenbach. Das dauert nicht lange.
05:23Man mag es kaum glauben. Die Trickdiebe haben es verstanden.
05:26Sie wollten die Familie Wagenbach ein zweites Mal auszublündern.
05:30Unter dem Vorwand, auf die Toilette zu müssen, holte einer der beiden noch einmal die Geldkassette aus dem Wohnzimmerschrank,
05:36beute diesmal über 1000 Mark.
05:40Es ist schwer, gegen Skrupellosigkeiten dieser Art mit guten Ratschlägen anzukommen.
05:45Aber vielleicht immerhin so viel.
05:47Wenn Sie jemanden in Ihrer Nachbarschaft haben, der aufgrund einer Behinderung solchen Gemeinheiten schutzlos ausgeliefert ist,
05:54dann sollten Sie sich für ihn ein bisschen mitverantwortlich fühlen.
05:57Bieten Sie ihm Ihre Hilfe an.
06:00Zum Beispiel durch Ihre Bereitschaft, sich fremde Besucher erst einmal anzusehen.
06:07Der nächste Fall.
06:08Er liegt völlig anders.
06:10Es geht wieder einmal um Fallstricke, die im Kleingedruckten auf der Rückseite von Verträgen versteckt sind.
06:17In die Verlegenheit hier hereingelegt zu werden, können Menschen kommen,
06:20die sich aus welchen Gründen auch immer hilfesuchend an einen Privatdetektiv wenden.
06:25Das sind zum Beispiel Menschen, die unter übertriebener oder sogar krankhafter Eifersucht leiden.
06:31So ganz frei davon ist ja erfahrungsgemäß kaum jemand unter uns.
06:36Und seit wann geht das so?
06:38Seit ungefähr acht Wochen.
06:40Und es ist immer das Gleiche.
06:42Montags und mittwochs geht Sie um 17.30 Uhr aus dem Haus.
06:46Und wann kommt Sie dann zurück?
06:49Abends. So gegen zehn.
06:52Aber Sie haben Ihre Frau doch bestimmt schon mal gefragt, was sie so macht, wo sie hingeht.
06:56Natürlich. Nicht nur einmal, aber sie sagt es mir einfach nicht.
07:00Sie macht Ausflüchte, speist mich ab.
07:02Angeblich soll es eine Überraschung sein für mich.
07:04Und das glauben Sie nicht?
07:06Vielleicht gibt es eine ganz plausible Erklärung dafür.
07:10Haben Sie zum Beispiel demnächst Geburtstag?
07:11Eigentlich nicht. In gut zwei Monaten.
07:14Vielleicht geht Ihre Frau zu einer Freundin und strickt da ein Pullover für Sie.
07:17Pullover? Quatsch.
07:18Da steckt ein Kerl dahinter, das ist alles.
07:20Meine Frau sieht nämlich verdammt gut aus, müssen Sie wissen.
07:24Moment, ich... Ich habe ein paar Fotos dabei.
07:26Hier, bitte.
07:27Oh ja, allerdings.
07:29Eine attraktive Frau.
07:32Sehr sympathisch, so auf den ersten Blick.
07:35Haben Sie denn Grund zu der Annahme...
07:37Ich meine, war da früher schon mal was in der Richtung?
07:41Ach, wenn ich das so genau wüsste.
07:43Verdacht hatte ich schon das Öfteren, aber...
07:45Na, jetzt ist es ja wohl offensichtlich.
07:47Tja, möglich ist alles.
07:49Wenn Sie wüssten, was ich hier schon erlebt habe.
07:51Ich muss jedenfalls wissen, was da los ist.
07:53So geht das nicht weiter.
07:54Und ich selbst kann ja wohl schlecht nachspionieren.
07:56Gut, Herr Riedl, wir übernehmen den Auftrag.
07:58Heute ist Donnerstag.
08:01Am Montag wäre dann der nächste Termin.
08:05Genau.
08:06Okay, da sind wir dann parat.
08:07Und Sie wissen, um halb sechs fährt Sie dann mit dem Auto los?
08:10Ja.
08:10Dann wollen wir noch eben das Vertragliche fixieren.
08:12Bitte sehr.
08:17Personalien können Sie dann selbst eintragen.
08:21Grundhonorar für uns sind 200 Mark.
08:25Dann brauchen wir noch zwei Leute mit Funkwagen, 60 Mark die Stunde.
08:29Und natürlich die Kosten für die Wagen.
08:33200 Mark Grundgebühr, die Detektivstunden und die Autos.
08:38Was kostet mich das alles?
08:40Komme ich da mit 800 bis 900 Mark hin?
08:42Es kommt ganz darauf an, wie lange sie es hinzieht.
08:45Und ob es Besonderheiten gibt.
08:48Das Foto, das kann ich behalten?
08:49Natürlich.
08:50Und Ihre Frau sieht heute noch so aus.
08:53Frisur, Haarfarbe, das stimmt alles noch?
08:54Das ist ein ganz neues Foto.
08:56Kaum ein halbes Jahr alt.
08:57Ja, Herr Riedl, dann tragen Sie doch bitte Personalien und Adresse ein und unterschreiben Sie hier unten.
09:06Ach ja, und dann bekomme ich von Ihnen noch einen Vorschuss.
09:11Gehen 600 Mark?
09:13In Ordnung.
09:14Das ist ja was üblich in Ihrer Branche.
09:17Sie bekommen dann von mir einen schriftlichen Bericht.
09:21Und sonst, Sie haben ja auf der Rückseite unsere Geschäftsbedingungen.
09:27Günter Riedl ist freier Unternehmensberater und arbeitet für kleine und mittlere Betriebe.
09:32Da er beruflich stark angespannt ist, kommt sein Privatleben ziemlich kurz.
09:36Vielleicht mit ein Grund für seinen Verdacht.
09:45Am Montag nach dem Vertragsabschluss bezieht am späten Nachmittag vor Riedls Wohnung ein Detektiv dann tatsächlich Position.
10:00Hast du noch viel zu tun, Günter?
10:02Eine gute Stunde, denke ich.
10:04Warum?
10:04Ach, das ist gut. Bei mir dauert es auch nicht länger heute.
10:07Ach, gehst du wieder weg? Einer deiner heimlichen Ausflüge.
10:09Mhm. Heute ist das letzte Mal. Ich bin nämlich fertig.
10:13Womit fertig?
10:20Wie bitte?
10:22Wie ich dich kenne, würdest du antworten?
10:26Trehova, Altegame. Drei Spiegeleier.
10:28Ich verstehe nicht. Könntest du mir bitte mal erklären, was das sagt?
10:31Ach, Günter. Ich habe ein Italienisch-Kurses gemacht an der Volkshochschule und heute ist der letzte Tag.
10:36Wie? Aber das gibt's doch nicht.
10:38Wir wollen doch in Urlaub in die Toskana fahren. Und da habe ich mir gedacht, wenigstens einer von uns sollte
10:43ein bisschen Italienisch können.
10:46Holt sie mich also ab? So gegen acht?
10:48Na klar, mach ich.
10:50Jetzt muss ich aber los, sonst komme ich am letzten Tag noch zu spät.
10:53Arrivederci, Günter.
10:55Ja, ja, Sissi.
11:16Teddy A1, für Teddy 2, bitte kommen.
11:18Geht's los, Altegame.
11:20Jawohl, so ist es. Sie fährt Richtung Innenstadt. Ich häng mich dran. Ende.
11:36Also wirklich, Sie müssen die Aktion sofort abblasen. Hat sich erledigt.
11:40Gut, ich kann meine Leute über Funk schon erreichen. Wenn sie im Auto sind. Aber die Kosten haben sie natürlich
11:47trotzdem.
11:48Naja, aber je eher Ihre Leute aufhören, desto weniger kostet's mich doch, oder?
11:53Im Prinzip schon, Herr Riedel. Ich versuche das gleich mal. Und Sie bekommen dann in den nächsten Tagen die Rechnung.
12:00In Ordnung. Es tut mir leid, dass ich Sie umsonst bemüht habe. Aber so ist es mir natürlich viel lieber.
12:06Auf Wiederhören.
12:09Das Happy End, meine Damen und Herren, war nur von kurzer Dauer. Denn schon zwei Tage nach diesem Telefongespräch erhielt
12:16Günter Riedel die Rechnung des Detektivbüros.
12:19Die Gesamtforderung belief sich auf sage und schreibe 1.485 Mark und 88 Pfennig.
12:25Zu den Grundgebühren von 200 Mark kamen zwei Stunden Beratung durch den Chef des Unternehmens, wobei die angefangene Stunde natürlich
12:32voll zählte.
12:33Für die beiden Detektive waren je drei Stunden berechnet worden, der Mindestsatz pro Tag.
12:38Hinzu kamen für jeden Detektiv je zwei Stunden für An- und Abfahrt.
12:42Für die Zeit ab 18 Uhr waren Zuschläge berechnet. Die Fahrzeuge schlugen jeweils mit den drei täglichen Mindeststunden zu Buche.
12:48Dazu kamen Kilometergeld, Spesen sowie Telefonen und Porto.
12:52Inklusive Mehrwertsteuer, wie gesagt, 1.485 Mark und 88 Pfennige.
12:58Gedeckt war das Ganze durch die Geschäftsbedingungen auf der Rückseite des Vertrages, die Günter Riedel, beinahe möchte man sagen natürlich,
13:07erst gelesen hat, nachdem er die Rechnung in den Händen hielt.
13:10Mit den allgemeinen Geschäftsbedingungen, dem sogenannten Kleingedruckten, gibt es erfahrungsgemäß, und das gilt nicht nur für das Detektivgewerbe, immer wieder
13:19Ärger.
13:20Speziell gegen einige Schwach-zu-Scharfe unter den Detektiven sind die Verbraucherschutzverbände mit Erfolg vor Gericht gezogen.
13:27Der Bundesverband der Deutschen Detektive hat schließlich für seine Mitglieder Geschäftsbedingungen und ein dazugehörendes Vertragsmuster empfohlen, die man als korrekt
13:37bezeichnen kann.
13:38Für den ahnungslosen Kunden bedeutet das aber keine absolute Sicherheit.
13:43Denn erstens gehören nicht alle Detektive diesem Verband an.
13:47Und zweitens haben diese recht ordentlichen und sogar vom Kartellamt genehmigten Geschäftsbedingungen nur empfehlenden Charakter.
13:55Es bleibt somit eigentlich gar nichts anderes übrig, als nach wie vor bei jeder Auftragsvergabe den Vertragstext und auch das
14:03Kleingedruckte auf der Rückseite genau zu studieren,
14:06klärende Rückfragen zu stellen und gegebenenfalls auch Streichungen vorzunehmen, und zwar bevor man unterschreibt.
14:14Übrigens, damit ich es nicht vergesse, soweit in unserer Sendung Namen von Firmen und Personen erwähnt werden, sind sie aus
14:21rechtlichen Gründen stets geändert,
14:23denn wir wollen uns hier ja mit den gezeigten Fallbeispielen nicht gegen bestimmte Firmen oder Personen wenden,
14:29sondern nur vor Tricks und Maschen warnen, die von einigen schwarzen Schafen angewendet werden.
14:37Und damit zum nächsten Fall. Er wird vermutlich bei vielen von Ihnen Staunen hervorrufen.
14:44Staunen über ein unglaubliches Maß an Niedertracht.
14:48Wieder suchen sich die Täter Opfer aus, die ihnen nicht viel Widerstand entgegensetzen können.
14:54Alte Menschen, die gerade ihren Partner verloren haben.
14:58Die Stadtwerke in einer norddeutschen Großstadt. Ein Haus mit viel Publikumsverkehr.
15:11Für betriebsfremde Personen ist es kein Problem, sich im Inneren des Hauses frei zu bewegen.
15:16Unter den Besuchern ein seriös wirkender Herr, der sich lediglich für die internen Informationen am schwarzen Brett interessiert.
15:29Ganz besonders genau studiert er dabei die Todesanzeigen.
15:58Guten Tag, Frau Kurz. Ich komme von den Stadtwerken von der Sozialabteilung.
16:03Dr. Nomeos ist mein Name. Darf ich einen Moment reinkommen?
16:07Ja, bitte.
16:09Um was geht's denn?
16:11Um die Betriebsrente Ihres Mannes, Frau Kurz.
16:13Ja, holst du mich rein?
16:14Bitte.
16:15Dankeschön.
16:16Na, komm.
16:22Zunächst möchte ich Ihnen auch persönlich noch einmal mein Beileid aussprechen, Frau Kurz.
16:27Danke.
16:28Ja, das kam wirklich sehr überraschend.
16:30Wir wussten gar nicht, dass jemand krank war.
16:34Es hat keiner gegrüßt.
16:36Keiner.
16:37Es ging auch alles so schnell.
16:40Frau Kurz, ich will Sie auch gar nicht lange aufhalten.
16:43Es ist so, ich habe festgestellt, dass Sie eigentlich viel mehr Rente von der Firma bekommen müssten.
16:49Wieso das denn?
16:51Ich habe den Vorgang jetzt noch mal auf den Tisch bekommen und da ist mir das beim Nachrechnen aufgefallen.
16:56Haben Sie die Unterlagen mal zur Hand?
16:58Ja, ja.
17:03Mein Schwiegersohn hat mir das ja alles geordnet.
17:07Moment.
17:09Dann gehst du auch ganz schnell.
17:15Ist immer gut, wenn man alles beieinander hat.
17:25Hier, Rente.
17:27Und da ist auch die Betriebsrente.
17:30Finden Sie?
17:31Ja, genau.
17:33Ja, da steht es ja.
17:34532 Mark.
17:37Zustehen würden Ihnen aber 780 Mark.
17:43Das heißt, jetzt wo Ihr Mann tot ist, natürlich nur 60 Prozent.
17:47Das wären 468 Mark im Monat gegenüber 319 Mark und 20.
17:54Bei dem alten Satz, so wie es hier steht.
17:57Das wären ja 150 Mark im Monat mehr.
18:01Tja, und die sollten Sie doch eigentlich nicht verschenken.
18:03Nein, das will ich auch nicht.
18:06Aber wie kommt das denn, dass hier in den Papieren weniger steht?
18:10Ach, wissen Sie, das ist ein bisschen mysteriös.
18:12Da ist in den letzten vier Jahren, als Ihr Mann noch gearbeitet hat, irgendetwas schiefgelaufen.
18:16Wieso schiefgelaufen?
18:18Ja, mit den Beiträgen.
18:20Also entweder in der Buchhaltung oder bei der Bank.
18:23Genau konnte ich das nicht mehr feststellen.
18:24Jedenfalls ist zu wenig eingezahlt worden.
18:27Das hat mein Mann aber bestimmt nicht gewusst.
18:29Nein, nein, das sage ich ja auch gar nicht.
18:30Aber es fehlen aus dieser Zeit fast 1000 Mark an Beiträgen.
18:35Moment, genau sind das 978 Mark und 20.
18:39Oh je.
18:39Und wenn das jetzt noch schnell nachgezahlt würde, dann ließe sich der Schaden reparieren.
18:44Geht denn das?
18:45Streng genommen nicht.
18:46Die Frist ist nämlich abgelaufen.
18:48Aber für Sie kriege ich das schon noch geregelt.
18:51Wissen Sie, ich habe Ihren Mann ganz gut gekannt.
18:54Und da sehe ich das eigentlich nicht ein, dass Sie jetzt unter der Schlamperei leiden müssen.
18:57Das ist nett von Ihnen.
19:00Aber fast 1000 Mark, das ist viel Geld.
19:03Schon, aber dafür bekommen Sie auch 150 Mark im Monat mehr.
19:07Ach, da haben Sie das doch in einem halben Jahr wieder drin.
19:10So viel Geld habe ich gar nicht da.
19:12Ach, das macht doch nichts, Frau Kurz.
19:15Wenn Sie mir erst einmal eine Anzahlung geben würden.
19:18Meinen Sie?
19:19Ja.
19:20Dann kann ich die Sache auf alle Fälle schon mal in die Wege leiten.
19:24Wie viel hätten Sie denn da?
19:29500 Mark vielleicht.
19:31Das reicht doch, Frau Kurz.
19:33Den Rest, den hole ich mir dann in der nächsten Woche.
19:35Wieder einmal hat ein Betrüger leichte Spiel.
19:38Frau Kurz kann sich einfach nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die ihre Situation und Unkenntnis so schamlos ausnützen.
19:46Heute weiß sie natürlich, dass es besser gewesen wäre, das Geld nicht gleich aus der Hand zu geben,
19:51sondern zuerst mit ihrem Schwiegersohn zu sprechen oder bei den Stadtwerken anzurufen.
19:56Da hätte sie gemerkt, dass mit dem Unbekannten etwas nicht stimmt.
20:01Und nun kurz Warnungen, bei denen die Opfer übrigens auch in ihrer Wohnung aufgesucht und dann hereingelegt werden.
20:10Im Grunde genommen uralt, aber leider immer wieder erfolgreich.
20:14Der sogenannte Glas-Wasser-Trick.
20:17Zwei Frauen klingeln meist bei älteren Leuten an der Tür.
20:21Sie verwickeln die Opfer in ein Gespräch über den leider nicht angetroffenen Nachbarn und bitten dann unvermittelt um ein Glas
20:27Wasser.
20:28Während die eine Frau die Bewohnerin in der Küche ablenkt, durchsucht die zweite Schränke und Schubladen nach Bargeld und Wertgegenständen.
20:39In einem Fall erbeuteten die Trickdiebenen 1000 Mark.
20:42Sie waren ihrem Opfer schon von der Sparkasse gefolgt, wo die Frau ihre Rente abgehoben hatte.
20:49Auch zwei Hellseherinnen, die im Frankfurter Raum ihr Unwesen treiben, können angeblich nur in der Wohnung die Zukunft voraussagen.
20:56Sie sprechen Passanten auf der Straße an und begleiten sie nach Haus.
21:00Dort verlangen sie ein Glas Wasser, einen Bindfaden, ein rohes Ei.
21:04Dann muss das Opfer, einer der Frauen, tief in die Augen schauen.
21:08Währenddessen hat die andere Zeit, Geld und Schmuck in der Wohnung zu suchen und zu entwenden.
21:14Beute in einem Fall 90.000 Mark.
21:18Also immer höchste Vorsicht walten lassen, wenn ein Fremder in ihre Wohnung will.
21:25Zur nächsten Betrugsmasche, mit der wir sie jetzt bekannt machen wollen, ist, glaube ich, eine kleine Vorbemerkung notwendig.
21:32In vielen Zeitungen erscheinen neuerdings Anzeigen, in denen sich vornehmlich Frauen als Telefongesprächspachterinnen anbieten.
21:41Hinter diesen Annoncen verbirgt sich ein relativ neuer Bereich des Sexgewerbes.
21:46Die Damen stehen für sogenannte tabufreie Intimgespräche zur Verfügung.
21:51Dieser Service ist natürlich nicht kostenlos.
21:54Wer anruft, muss Namen, Adresse und Rufnummer angeben.
21:57Das wird überprüft und erst dann halten sich die Damen telefonisch bereit.
22:01Vorausgesetzt, dass der Kunde vorher auch Preis- und Zahlungskonditionen akzeptiert hat.
22:08Uns geht es hier natürlich jetzt nicht um eine Wertung dieses verbal-erotischen Zeitvertreibes.
22:14Wir möchten lediglich auf eine betrügerische Variante dieses Geschäftes aufmerksam machen,
22:19die zurzeit offensichtlich eine gewisse Konjunktur erlebt.
22:33Matthias Holzer?
22:35Hallo?
22:37Wer ist denn da? Hallo?
22:43Ärgerlich, wenn das Telefon bei der Arbeit stört, noch zumal, wenn sich dann niemand meldet.
22:49Matthias Holzer, Student, 24 Jahre, steckt gerade mitten in den Examensvorbereitungen.
22:54Er wird an diesem Nachmittag noch öfter vom Telefon gestört werden.
23:02Ja, hallo, Holzer?
23:04Guten Tag, Herr Holzer, Deutsche Bundespost, Fernmeldeamt.
23:06Ich bin vom Prüfdienst. Sie hatten doch vor ein paar Minuten ein Gespräch.
23:11Ja, stimmt. Es war aber niemand dran. Jedenfalls hat sich keiner gemeldet.
23:15Ja, sehen Sie, das habe ich mir gedacht.
23:17Wir sind da nämlich ein paar Schmutzfinken auf der Spur.
23:20Wie bitte?
23:21Verstehe ich nicht.
23:22Ja, kann ich Ihnen erklären, Herr Holzer?
23:24Da ruft offenbar jemand wahllos Nummern an, nur um festzustellen, ob sich da ein Mann meldet.
23:29Kann gut sein, dass er in ein paar Minuten bei Ihnen eine Frau anruft, die Ihnen einen ganz speziellen Service
23:34anbietet.
23:35Ein Service?
23:36Ja, und wir möchten Sie bitten, dass Sie uns von der Post helfen.
23:39Tut mir leid, aber da komme ich nicht mit.
23:41Was denn das für ein Service und wie soll ich da der Post helfen?
23:44Also wissen Sie, da geht es um Sexgespräche per Telefon.
23:47Und diese Damen suchen halt Kundschaft und belästigen dabei die Telefonbesitzer.
23:51Jetzt verstehe ich langsam.
23:53Aber wir von der Post können da nur was machen, wenn wir wissen, hinter welchen Nummern sich die Damen verbergen.
23:58Ach so ist das.
24:00Und was soll ich da machen? Soll ich etwa mit der...
24:02Nein, nein, natürlich nicht der Holzer.
24:04Wir wollen nur, dass Sie im Prinzip Ja sagen. So tun, als ob Sie interessiert sind.
24:09Ja, und dass Sie dann die Nummer der Frau aufschreiben.
24:11Darauf kommt es uns an.
24:13Na gut, das dürfte ja nicht weiter schwer sein.
24:15Und wenn ich die Nummer habe, was dann?
24:17Ich melde mich da nochmal und frage nach, ob sich was getan hat.
24:21Na, da bin ich ja mal gespannt. Wiederhören.
24:23Vielen Dank, Herr Holzer.
24:24Ja, ja, schon gut. Wiederhören.
24:35So, jetzt bist du dran.
24:37Wo ist denn die Nummer?
24:39Steht auf dem Zettel.
24:42Matthias Holzer heißt er.
24:56Na, das geht ja flatt.
25:00Holzer?
25:01Hallo, Matthias.
25:03Hier ist Mandy.
25:06Du bist doch Matthias.
25:07Ja, sicher.
25:09Du, ich habe jetzt Zeit.
25:11Willst du mich nicht mal anrufen?
25:13Wir können über alles sprechen, Matthias.
25:15Über alles.
25:16Ja, in Ordnung.
25:17Gib mir gerade mal die Nummer.
25:19Klar doch.
25:210 6 1 0.
25:26Gut, Mandy.
25:28Danke.
25:28Tschüss dann.
25:44Ja, hallo?
25:45Hier ist nochmal Prüfdienst.
25:47Fernmelder.
25:47Herr Holzer, der Anruf eben.
25:49War Sie das?
25:50Mein lieber Mann, Sie sind aber fix.
25:51Ja, sie war's.
25:53Lief genau, wie Sie gesagt haben.
25:54Haben Sie was zu schreiben?
25:55Ich habe die Nummer.
25:560 6 1.
26:01Die vermeintliche Hilfeleistung für die Post hatte für Matthias Holzer dann ungeahnte Folgen.
26:07Einige Zeit nach dieser Telefoniererei flatterte ihm eine Mahnung ins Haus, weil er das vereinbarte
26:13Honorar in Höhe von 70 Mark für das tabufreie Gespräch mit Mandy nicht bezahlt habe.
26:18Als er darauf nicht reagierte, meldete sich ein paar Wochen später ein Inkassobüro mit einer
26:26umfassenden Rechtsbelehrung und verlangte ebenfalls das angeblich vereinbarte Honorar und
26:31zusätzliche Mahngebühren.
26:33Versteht sich.
26:34Kein Einzelfall.
26:36Aus vielen Gegenden haben uns in den letzten Wochen und Monaten Beschwerden erreicht, in denen
26:41Zuschauer glaubhaft versicherten, dass sie solche Mahnungen erhielten, ohne je ein
26:46entsprechendes Sexgespräch geführt zu haben.
26:49In einigen Fällen kamen die Mahnungen sogar von Rechtsanwälten, die dann auch noch ihre
26:55Gebühren verlangten.
26:56Die Forderungen beliefen sich dann im Einzelfall bereits auf über 125 Mark.
27:02Viele Empfänger solcher Mahnungen sind natürlich verunsichert.
27:06Da sie einen Rechtsstreit in einer solchen zwielichtigen Angelegenheit fürchten und in gewisser
27:11Weise der Respekt vor Anwaltsbriefen auch immer noch sehr verbreitet ist, neigen sie dazu
27:15zu zahlen, bloß um ihre Ruhe zu haben.
27:19Das ist zweifellos falsch.
27:21Wenn man eine Leistung nicht in Anspruch genommen hat, sollte man sich auch nicht ins
27:26Boxhorn jagen lassen.
27:27Nur der Vollständigkeit halber sei noch darauf hingewiesen, dass die Bundespost natürlich
27:32keine Ermittlungen darüber anstellt, wer mit wem am Telefon verkehrt.
27:37Tja, das waren die Tricks, vor denen wir Sie heute warnen wollten.
27:41Ich darf mich bis zum nächsten Mal verabschieden.
27:44Guten Abend.
27:45Guten Abend.
27:48Guten Abend.
28:00Bis zum nächsten Mal.
28:23Bis zum nächsten Mal.