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Abenteuer, Antike ,Mythologie
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00:10Musik
00:16Angkor. 600 Jahre lang war es das sagenumwobene Königreich der Khmer.
00:24Viele Jahrhunderte lang lagen seine Tempel im Dschungel versteckt.
00:30Die Archäologen des Greater Angkor Projects wollen wissen, war Angkor einst die größte Metropole der Welt?
00:38Sie vermuten, dass das ausgefeilte Wassersystem der Stadt darauf eine Antwort bereithält.
00:44Die Wissenschaftler entdecken eine neue, bisher unerforschte Welt jenseits des bekannten Zentrums.
00:54Sie treten in die Fußstapfen des deutschen Wissenschaftlers Adolf Bastian.
01:021863 machte er eine überraschende Entdeckung.
01:07Nicht nur Buddhisten haben dieser glanzvollen Hochkultur den Weg bereitet.
01:33Vor mehr als 1000 Jahren erhob sich aus dem tiefen Dschungel Kambodschas eine Zivilisation, die beeindruckende Tempel errichtete.
01:43Die Sakralbauten der Khmer sind bis heute die größten, die Menschen jemals gebaut haben.
01:50Das zentrale Heiligtum Angkor Wat ragt als krönender Höhepunkt aus dem Dschungel.
01:57Eine Meisterleistung der Architekten und Ingenieure des 12. Jahrhunderts.
02:06Allein für die Anlage von Angkor Wat wurden ebenso viele Steine verbaut wie für die Cheops-Pyramide von Gizeh.
02:13Und doch konnte der Tempel nach nur 30 Jahren Bauzeit eingeweiht werden.
02:23Angkor Wat, der symbolische Sitz der Götter.
02:27Eine geheimnisvolle Welt, in die Mitte des 19. Jahrhunderts ein deutscher Gelehrter eindrang.
02:391863 erreicht der deutsche Ethnologe Adolf Bastian mit seinem kambodschanischen Zeichner und Übersetzer nach langem Marsch die Tempel von Angkor.
02:50Bastian will dem Ursprung der rätselhaften Stadt auf die Spur kommen, die einige Jahre zuvor von französischen Forschern wiederentdeckt wurde.
03:00Ihre Berichte und Zeichnungen hatten für Furore in Europa gesorgt.
03:07Noch konnte niemand erklären, wer diese fantastischen Tempel im Dschungel erbaut hatte.
03:16Das sind die größten Bauwerke, die ich je gesehen habe.
03:21Wissen die denn nicht, wer diese Bauwerke erschaffen hat?
03:26Wenn ich das wüsste, mein Guter.
03:28Wäre ich jetzt nicht hier?
03:30Wissen!
03:31Große Wissen!
03:33Da!
03:33Die Löcke!
03:35Wissen haben ihre Finger allein gesteckt, um die Steine zu heben.
03:41Dass ich mir das noch nie mal gesagt habe.
03:44Komm!
03:52Dass die einheimischen Riesen für die Erbauer der Tempel hielten, kann Bastian verstehen.
03:58Aber er teilt nicht den herablassenden Blick vieler Europäer auf diese offensichtlich hochentwickelte Kultur.
04:05Es ist eine weit verbreitete Meinung im 19. Jahrhundert, dass kein Volk Südostasiens solche Monumente geschaffen haben könnte.
04:13In vielen anderen Ländern hatte Bastian schon die Zeugnisse alter Zivilisationen gesehen.
04:19Er war in Süd- und Mittelamerika, Arabien, Afrika und Indien.
04:24Überall gab es Hochkulturen, die sich ohne Einflüsse von außen herausgebildet hatten.
04:31Der studierte Geschichts- und Sprachwissenschaftler entwickelte eine Theorie der gemeinsamen Wurzeln aller Zivilisationen.
04:39Auf seinen ausgedehnten Reisen, ermöglicht durch das reiche Erbe seines Vaters, sucht er nach den Beweisen.
04:46Nun ist er in Kambodscha angekommen und Angkor soll sein Meisterstück werden.
04:56Vom 9. bis zum 15. Jahrhundert erstreckte sich das Territorium der Khmer-Fürsten von der Grenze zu China im Norden
05:04bis zum südchinesischen Meer im Süden.
05:06Von Burma im Westen bis zur Küste des heutigen Vietnam im Osten.
05:12Aus einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft erwuchs eine der einflussreichsten Mächte Südostasiens.
05:18Was war das Geheimnis dieses Aufschwungs?
05:23Dass die verzweigten Wasserwege Ancors dabei eine Rolle gespielt haben könnten, vermuteten französische Forscher schon in den 1950er Jahren.
05:32Doch sie konnten nie den Beweis für ihre Theorien erbringen.
05:37Jahrzehntelang wurde über die Funktion des Wassersystems gerätselt, bis Wissenschaftler eine neue Hypothese aufstellten.
05:48In den 80er Jahren gab es von britischen Gelehrten eine neue Erklärung.
05:54Sie behaupteten, es gebe keine Ausgänge der großen Wasserbecken und auch keine bedeutenden Kanäle,
06:00sondern dass das Wasser allein rituellen Zwecken dient.
06:11In der Mythologie der Khmer stellen die Wassergräben weite, unergründliche Ozeane dar.
06:18Hier sind sich alle Experten einig.
06:21Aber sind die Glaubensvorstellungen der Khmer wirklich die einzige Antwort auf die enorme Anzahl von Becken und Verbindungskanälen?
06:33Ich betrachte Ancors unter ganz pragmatischen Gesichtspunkten.
06:37Ich bin an der Stadt interessiert und an der Frage, wie haben sie das Wasser im täglichen Leben genutzt.
06:44Wozu das Wasser auch immer gut war, natürlich wurde es getrunken und sicher auch für weitere Zwecke genutzt.
06:53Die Wasserwege Ancors werden noch heute, genau wie vor 1000 Jahren, für den Transport genutzt.
07:01Aber Roland Fletcher ist nicht nur von einem Fluss oder Kanal fasziniert, sondern besonders von einem Wasserbecken.
07:08Es wurde von der unglaublichen Anzahl von 200.000 Arbeitern in über drei Jahren erbaut.
07:15Das West-Barei.
07:31Vom Barei aus ist der Angkor Wat in Sichtweite.
07:36Doch selbst der weltgrößte Tempel wirkt im Vergleich mit dem Barei eher bescheiden.
07:45Selbst wenn man das gesamte Gebiet des Angkor Wat betrachtet, ist es dennoch nur ein kleiner Teil des West-Barei,
07:51diesem riesigen Wasserbecken.
07:54Angkor Wat ist tatsächlich nur ein mittelgroßes Bauwerk in der Welt der Khmer.
07:58Das hier dagegen ist wirklich spektakulär.
08:06Mit einem Fassungsvermögen von 50 Millionen Kubikmetern war der Barei das größte Wasserreservoir des Mittelalters.
08:14So groß wie 17.000 olympische Schwimmbecken, acht Kilometer lang und zwei Kilometer breit.
08:22Beeindruckende Dimensionen und dennoch nur ein Teil eines ganzen Systems von Wasseranlagen.
08:30Der West-Barei hat ein Pendant östlich der Stadt mit fast den gleichen Ausmaßen.
08:36Der Unterschied ist nur, der östliche Barei ist ausgetrocknet und wurde nie wieder befüllt.
08:42Perfekte Bedingungen für Archäologen.
08:45Noch immer sind die Umfassungslinien des einstigen Beckens zu erkennen.
08:49Roland Fletcher hat nur wenige Meter vom Barei entfernt eine gemauerte Struktur ausgemacht.
08:57Vielleicht der Ausfluss des Wasserreservoirs?
09:01Fletcher nimmt an, dass die kolossalen Bareis nicht nur zur Bewässerung der nahen Reisfelder dienten,
09:06sondern dass sie Teil einer komplexen Struktur von Zu- und Abläufen waren.
09:11Sollten die Khmer tatsächlich über ein ausgefeiltes Wassersystem verfügt haben, dann ist hier der Platz, dies zu untersuchen.
09:20Innerhalb weniger Stunden haben die Arbeiter eine Mauer von der alles überwuchernden Vegetation befreit.
09:29Löcher sind in der Mauer erkennbar.
09:33Von Menschen in die Steinblöcke aus Laterit gebohrt.
09:37Laterit ist ein sehr harter Stein.
09:39Für das Hineintreiben dieser Löcher muss es einen guten Grund gegeben haben.
09:54Hier war einmal eine Barriere, die bis zur anderen Seite reichte.
10:00Diese Löcher gibt es auch in der Mauer gegenüber.
10:04Das bedeutet, dass es irgendwann eine Art Zaun gab, mit ziemlich großen Balken, die den Kanal überspannten.
10:15Damals wurden Matten an den Balken befestigt, um den Kanal als Schleuse zu nutzen.
10:20Die Vegetation wurde gegen die Matten gespült und staute das Wasser.
10:25Dann konnten die Matten eingeschnitten werden und das Wasser konnte fließen.
10:33Diese Balken müssen äußerst stabil gewesen sein.
10:37Mit ihrer Hilfe konnte das einströmende Wasser kontrolliert weitergeleitet werden, um so die wichtigsten Tempel zu erreichen.
10:50Die Wassersysteme Ancors wurden von der Archäologie jahrzehntelang nicht ausreichend beachtet.
10:56Zu stark war die Anziehungskraft der Tempel selbst.
11:03Damien Evans und Roland Fletcher vom GAP-Team sind auf dem besten Wege, das grundlegend zu ändern.
11:13GAP steht für Greater Anchor Project.
11:17Das Untersuchen des Wassermanagements der Stadt steht im Mittelpunkt ihrer Forschung.
11:24Sie wollen einer Hypothese nachgehen, die möglicherweise die Antwort für eine der Schlüsselfragen liefert.
11:31Machten die Kanäle und Wasserbecken Ancor zu einer Stadt, die weitaus größer war als bisher angenommen?
11:43Eine Stadt, deren bekannte Tempel wie der Bayonne oder Angkor Wat nur das Zentrum der Macht bildeten,
11:50deren Wasserversorgungssystem aber das Potenzial für weit mehr hatte.
11:56Für eine Großstadt mit Außenbezirken, die sich möglicherweise bis weit in das Hinterland hineinzogen.
12:04Wie groß war Angkor wirklich?
12:171863 konzentriert Adolf Bastian seine Forschung zunächst auf die Tempel im Herzen Angkors.
12:24An den Wänden des Angkor Wat fällt dem weitgereisten Ethnologen ein Relief besonders auf.
12:30Es gibt einen Mythos wieder.
12:33Götter und Dämonen kämpfen um das Elixier des Lebens.
12:39Es ist merkwürdig. Angkor galt bis dahin als heiliges Zentrum der Buddhisten.
12:45Doch diese Reliefs erinnern Bastian an die Bilder, die er in den Tempeln der Hindus in Indien gesehen hatte.
12:51Und es sind auch ihre Götter, die hier abgebildet waren.
12:55Wie kam der Hinduismus nach Angkor?
13:00Das ist fantastisch.
13:04Kennst du diese Geschichte hier?
13:06Ja, sicher.
13:08Das ist die Wutelung des Milchozeans.
13:10Die Schöpfungsgeschichte der Buddhisten.
13:12Da muss ich dich enttäuschen, mein Lieber.
13:14Ich habe diese Geschichte schon einmal gesehen.
13:18Aber in Indien.
13:19Die Hindus sagen, es ist ihre Schöpfungsgeschichte.
13:23Ich will dich nicht beleidigen.
13:26Du bist ein sehr gebildeter Mann.
13:28Aber du glaubst wirklich, dass in der heiligsten Kriegerstätte die Buddhistin
13:32die falsche Schöpfungsgeschichte in Stein steht?
13:37Die falsche nicht.
13:41Aber vielleicht nicht die einzige.
13:47Je mehr Bastian von den Tempeln Angkor sieht, desto mehr Parallelen zu Indien erkennt er.
13:53Auch die Reliefs der Himmelsjungfrauen, der sogenannten Apsaras, kommen ihm vertraut vor.
14:00Ein Gedanke lässt ihn von jetzt an nicht mehr los.
14:03Hatten etwa Hindus Angkor erbaut, statt wie bisher allgemein angenommen Buddhisten?
14:24Ich brauche einen Waisen.
14:28Kennst du jemanden?
14:30Einer, der die Geschichte seiner Vorfahren kennt.
14:35Es gibt da einen alten Weißen Tempelpriester in einem kleinen Dorf.
14:42Aber da kommen wir nicht hin. Das ist zwei Tage entfernt.
14:46Doch, kommen wir.
14:49Abreise morgen, sieben Uhr.
14:52Sattel rechtzeitig die Pferde.
14:57Aber...
15:03So wird es wohl etwas länger als zwei Tage dauern.
15:07Oh, es tut mir leid.
15:10Ich habe Ihnen ja gesagt.
15:12Ich konnte leider keine Pferde bekommen.
15:15Die sich verlängernde Reisezeit stört Bastian nicht.
15:19Er ist beeindruckt von den Ruinen, die er außerhalb des Zentrums im Dschungel sieht.
15:26In sein Tagebuch schreibt er...
15:29Es war wohl einmal ein so gut bevölkerte Distrikt, dass man das nächste Dorf von dem Vorhergehenden schon sah.
15:35Die Einheimischen sagen, die Dörfer der alten Zeit haben hier innerhalb eines Hundegefells gelegen.
15:43Bastian war einer der ersten Europäer, der sich mit dem Reich der Khmer auch abseits der großen Tempelanlagen beschäftigte.
15:50Es sollte weitere 150 Jahre dauern, bis die Vororte Ankhurs erneut in den Fokus der Wissenschaft rückten.
15:58Damien Evans und sein Kollege Sam sind im Dschungel im Nordwesten Ankhurs unterwegs.
16:0330 Kilometer entfernt von den bekannten Tempeln des Zentrums.
16:10Sie untersuchen eine Region, die in der Archäologie bisher kaum eine Rolle gespielt hat.
16:15Auch hier finden die australischen Archäologen einen versteckten Schrein.
16:26Wie die großen Tempel im Zentrum steht auch dieser Tempel auf einem leicht erhöhten Fundament.
16:32Ein Hinweis auf seine Funktion als Mittelpunkt einer Ansiedlung.
16:46Während Ankhur bisher als eng begrenzter Tempelbezirk definiert wurde, erkennen wir jetzt, dass sich das Leben ebenso außerhalb dieser Stadtmauern
16:55abgespielt hat.
16:58Wir vermuten ein großes Netzwerk von Siedlungen, das sich jenseits des Zentrums ausbreitete.
17:09Wo beginnt Ankhur? Und wo endet es?
17:13Auf der Suche nach weiteren Vororten dehnen die Wissenschaftler ihre Suche immer weiter aus.
17:21Eine andere Siedlung soll sich wenige Kilometer von hier entfernt befinden.
17:25Die Forscher machen sich auf den Weg, quer durch den Dschungel.
17:30Dass sie hier bei jedem Schritt vorsichtig sein müssen, liegt nicht allein an Schlangen oder Skorpionen,
17:35sondern vor allem an Kambodschas düsterer Vergangenheit.
17:50Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer von April 1975 bis Dezember 1978 hat auch vor Ankhur nicht Halt gemacht.
18:00Die großen Tempel wurden verschont. Noch nicht einmal Pulpott traute sich an diese Symbole von nationaler Bedeutung heran.
18:08Die mittelalterliche Gesellschaft von Ankhur galt ihm sogar als Vorbild.
18:14Doch die Truppen der Roten Khmer verminten riesige Flächen in der Umgebung der Tempel.
18:19Erst in den 90er Jahren begannen Spezialkommandos mit dem Aufspüren und Zünden der Tretminen.
18:29Und ihre Arbeit ist noch längst nicht beendet.
18:33Jenseits des Zentrums bleibt Archäologie eine lebensgefährliche Arbeit.
18:39Bis heute hat das Team um Fletcher die Suche nach entlegenen Vororten Ankhurs ohne eine Verletzung überstanden.
18:46Der Hauptgrund dafür ist, dass sie ihre Exkursionen in den Dschungel aus der Luft vorbereiten.
18:52Auch wenn diese Luftaufklärung zunächst eher abenteuerlich begann.
19:072004 stieg Damien Evans in ein Ultraleichtflugzeug.
19:11Ausgerüstet mit mehreren Kameras, um archäologische Strukturen auf dem verminten Terrain aufzuspüren.
19:25Schnell wurde dabei deutlich, mit herkömmlichen Aufklärungsflügen kommt man im dichten Regenwald von Kambodscha nicht weit.
19:33Der Dschungel hielt die Geheimnisse von Angkor gut versteckt.
19:38Die Forscher brauchten andere Instrumente, mit denen sie das Blätterdach durchdringen können.
19:44Sie fanden sie. 15.000 Kilometer von Angkor entfernt.
19:57Geh nicht dorthin, wohin der Weg dich führt. Betritt stattdessen unbekannte Gebiete und hinterlass eine Spur.
20:06So lautet das Motto einer ganz besonderen Abteilung der amerikanischen Weltraumbehörde NASA.
20:12Im kalifornischen Pasadena, einem Vorort von Los Angeles, werden seit 60 Jahren Technologien entwickelt,
20:20mit deren Hilfe der Mensch immer weiter in den Weltraum vordringen will.
20:25Die ausgeklügelten Bewässerungsanlagen der alten Khmer sind für die NASA von besonderem Interesse.
20:31Sie waren besser als die Systeme anderer Kulturen und der Grund, das australische Team zu unterstützen.
20:42Wir wollen verstehen, wie der Mensch die Erde gestaltet, in der Vergangenheit, wie auch in der Zukunft.
20:48Die Zivilisation von Angkor existiert über 1000 Jahre und hatte immensen Einfluss auf die ganze Region.
20:56Hierüber mehr zu erfahren, ist für die NASA wichtig.
21:03Auf einem der Flüge des Space Shuttle machte die NASA auch Aufnahmen mit einem wärmesensiblen Kamerasystem,
21:09um sich einen Überblick über die gesamte Region von Angkor zu verschaffen.
21:17Die Bilder, die von der Crew des Space Shuttle übermittelt wurden, waren nicht nur beeindruckend,
21:22sondern sie lieferten der NASA auch wertvolle Informationen über die Oberflächenbeschaffenheit der Region.
21:34Reste der archäologischen Strukturen erheben sich oft nur Zentimeter über den Erdboden.
21:41Über Infrarotbilder versuchte Scott Hensley, die Temperaturunterschiede zwischen Gestein und Vegetation sichtbar zu machen,
21:49um archäologischen Strukturen auf die Spur zu kommen.
21:57Wir wussten, dass es an vielen archäologischen Fundorten feine Höhenunterschiede gibt,
22:02im Bereich von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern,
22:06in einer Ausdehnung von 20 Metern bis zu einem Kilometer.
22:10Wir versuchten, die Monumente herauszufiltern, indem wir ihre Erhebungen einfärbten.
22:18Der Wissenschaftler schickte die farbcodierten topografischen Informationen nach Siem Rehab,
22:24in das Hauptquartier der australischen Forscher.
22:32Es waren hunderte von hochauflösenden Fotos.
22:36Damien Evans war sich sicher, dass nur ein kleiner Teil tatsächlich auf versteckte Monumente hinweisen würde.
22:42Doch nach der Auswertung jedes einzelnen Bildes entstand eine Karte, die die wissenschaftliche Sicht auf Angkor revolutionierte.
22:55Es war ein neues Bild von Angkor.
22:57Eine Stadt, die mit archäologischen Strukturen übersät ist.
23:03Über 70 unbekannte Bauten und tausende archäologischer Städten.
23:08Auf einem Gebiet mit einem Durchmesser von 25 mal 45 Kilometern.
23:15Das ist Angkor.
23:20Für den geübten Blick der Archäologen waren Überreste von kleinen und großen Gebäuden und Tempeln zu erkennen,
23:28von denen die meisten seit hunderten von Jahren unentdeckt im Dschungel schlummern.
23:39Es war ein Durchbruch in der Archäologie. Ein Ergebnis, mit dem Damien Evans nicht gerechnet hätte.
23:49Die neuen Karten liefern uns ein Bild der Landschaft über die unmittelbare Umgebung der Tempel in der Mitte Angkors hinaus.
23:55Wir haben hunderte von neuen Städten dokumentiert. Dazu gehören Tempel und Kanäle, die die Größe Angkors verdeutlichen.
24:03Man muss aus der Luft auf die Stadt schauen, um es zu verstehen.
24:07Angkor dehnt sich mindestens über 1000 Quadratkilometer aus.
24:10Damit kann man die Stadt durchaus mit unseren modernen Großstädten vergleichen.
24:17Eine Metropole mit ähnlichen Dimensionen wie New York City heute.
24:22Ein Mittelpunkt des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens einer riesigen Region.
24:29In seiner gesamten Ausdehnung war Angkor sogar größer als New York.
24:34Ohne seine Wasserflächen nimmt die Stadt New York eine Fläche von 800 Quadratkilometern ein.
24:40Ganz Angkor dehnt sich auf über 1000 Quadratkilometer aus.
24:48Die größte Stadt in der vorindustriellen Welt.
24:54Und die spirituelle und religiöse Metropole einer vergangenen Zivilisation.
25:10Adolf Bastian ist dort einer der ersten Forscher.
25:13Er dokumentiert genau die Sitten und Gebräuche der zeitgenössischen Kambodschaner und lebt mit ihnen.
25:21Zwei Wochen ist er bereits Gast eines Mönches in einer kleinen Tempelanlage, weit entfernt vom Zentrum Angkors.
25:29Er versucht sich dem Leben der Mönche anzupassen und beginnt zu meditieren.
25:33Doch die angestrebte Lehre stellt sich nicht ein.
25:40Es ist sinnlos, ich muss weitermachen.
25:43Ich muss dieses Rätsel anders lösen.
25:57Dein Studium ist sehr interessant, aber es ist ein Studium in der Welt von Zahlen und Fakten.
26:04Wenn du meditierst, dann kannst du die eigentliche, die wahre Welt sehen.
26:12Aber wie soll ich die Mönchheit weiterbringen ohne Wissen?
26:17Vielleicht waren deine Vorfahren Hindus und Nicht-Buddhisten.
26:21Das ist doch wichtig.
26:31Der Mönch führt Adolf Bastian zu den heiligen Wassern der tausend Linga von Kambalsbeern, 30 Kilometer vom Zentrum Angkors entfernt.
26:42Bastian glaubt inzwischen fest, dass das Khmer-Reich nicht nur buddhistische, sondern auch hinduistische Wurzeln hat und sucht nach Hinweisen,
26:51seine Theorie zu untermauern.
26:53Das Flussbett hält für den Forscher eine Überraschung bereit.
26:57Die Verbindung zu einem der wichtigsten Götter der Hindus.
27:13Der Gott der Schöpfungskraft.
27:16Seine Vorfahren haben gesagt, der Gott kam aus dem Land der untergehenden Sonne.
27:22Aus Indien.
27:23Shiva.
27:24Der Gott der Erhaltung.
27:27Erhaltung.
27:38Und der Zerstörung.
27:51Bastian hat einen weiteren Beweis gefunden, dass die Glaubenswelt der Khmer, mit der der Inder, wohl verbunden gewesen,
28:01Die fünf Türme einer typischen Tempelanlage Angkors und ihr Umfassungsgraben.
28:08Das Weltbild der Khmer in Stein gehauen, umspült von ebenso heiligem Wasser, wie die Wasser des Ganges in Indien.
28:15Und das Flussbett von Kabals Bärn war voller weiterer Hinweise auf hinduistische Wurzeln.
28:24Linga nennen Archäologen die Steine in Phallusform, die wie in Indien den hinduistischen Gott Shiva in seiner absoluten Form repräsentieren.
28:34Eine kosmische Säule, die der Welt Stabilität verleiht, verehrt als Zeichen der Schöpfungskraft.
28:41So weihen die Linga auch für die Buddhisten, noch heute symbolisch das Wasser von Kabals Bären.
28:52Die Indisierung ist vermutlich auf Seeleute und Händler aus Südostasien zurückzuführen,
28:57die nach Indien reisten und Teile der indischen Kultur und vor allem den Brahmanismus importierten.
29:05Ihre religiösen Einflüsse auf Angkor waren so stark, dass der Buddhismus erst im 13. Jahrhundert Staatsreligion wurde,
29:13als das Khmer-Reich bereits 400 Jahre existierte.
29:23Die Linga-Symbole heiligen das Wasser auf dem Hochplateau von Kabals Bärn,
29:28damit es seine fruchtbare Kraft hinab in die weite Ebene von Angkor tragen kann.
29:35Die Flüsse wurden auf ihrem Weg zu den Siedlungen und Tempeln von den Khmer begradigt, geteilt und umgeleitet.
29:42Noch heute sind die Überreste der über 1000 Jahre alten Kanäle zu erkennen.
29:49Das Satellitenbild des GAP-Teams zeigt, ganz Angkor bestand aus einer riesigen Ansammlung von Wasserbecken und Kanälen.
29:56Es waren Hunderte, Tausende, die einst Angkor durchzogen, bis das Wasser schließlich in das Verteilungssystem der Tempel geleitet wurde.
30:08Vor unseren Luftbildaufnahmen wussten wir nur von zwei Dutzend Kanälen.
30:12Heute kennen wir 200, wahrscheinlich eher 250 Kanäle.
30:18Damit sind viele der alten Argumente, die gegen ein perfektes Wassermanagement in Angkor sprachen, vom Tisch.
30:26Es wurde behauptet, dass das Kanalsystem nicht komplex war, dass es kein Verteilungssystem gab.
30:31Unsere Forschung stellt all diese Theorien auf den Kopf.
30:35Tatsächlich war das Wassermanagement enorm effektiv und versorgte eine große Zahl von Menschen.
30:45Die Bevölkerung des Königreiches von Angkor wuchs ab dem 9. Jahrhundert stetig.
30:51Die Bewirtschaftung der Felder musste intensiviert werden.
30:59Das Wasserverteilungssystem stand vor großen Herausforderungen.
31:04Bereits 3000 Jahre vor Christus wurde hier Reis angebaut.
31:08Doch erst die Ingenieure Angkors perfektionierten das Bewässerungssystem.
31:14Die raffiniert angelegten Kanäle verhalfen den Khmer zu einer dreimaligen jährlichen Ernte.
31:21Der Grundstein ihres Wohlstandes.
31:24Dafür gruben und hackten ganze Kolonnen von Arbeitern überall und unablässig.
31:36In der Regenzeit entwässerten die Kanäle und Auffangbecken die Felder.
31:41In der Trockenzeit konnten sie Wasser in ein Verteilungssystem einleiten.
31:45Es gelang ihnen, die heftigen Regenfälle der Monsunzeit optimal zu nutzen.
31:51Nichts konnte dem Wachstum Einhalt gebieten. So schien es.
32:00Heute arbeiten die Nachfahren der alten Khmer wieder an einem Kanal.
32:05Und sie fördern eine Überraschung zutage.
32:10Eine weitere Mauer.
32:13Aber eine Mauer, die nicht parallel verläuft, sondern ein Querriegel, der den Kanal in seiner ganzen Breite durchzieht.
32:22Ein Fund, der die Theorie eines Ausflusses aus dem Barai zu widerlegen scheint.
32:34Das hier zeigt, dass der Kanal, der einmal nach Osten hin geöffnet war, zu einem bestimmten Zeitpunkt von dieser immensen
32:40Mauer verschlossen wurde.
32:44Es ist eine massive Struktur, die den Wasserausfluss aus dem Barai blockierte.
32:49Mehr als zwei Meter breit und einen Meter hoch.
32:54Fletcher datiert diese Mauer auf das zwölfte Jahrhundert.
32:57Einige Jahrhunderte nach dem Bau des Kanals selbst.
33:02Warum sollten die Khmer aber einen Kanal stilllegen, an dem sie so intensiv gearbeitet haben?
33:10Warum verschlossen sie den Wasserabfluss aus dem Barai?
33:14Die Antwort ist, weil das Wasser an dieser Stelle nicht mehr aus dem Barai heraus sollte, sondern hinein.
33:23Irgendwann im zwölften Jahrhundert bekam der Kanal eine neue Funktion.
33:28Aus einem Abfluss wurde ein Zufluss.
33:32Für diesen Zufluss neuen Wassers wurde eine weite Öffnung in eine der Längsmauern des Kanals gerissen
33:38und ein Wasserlauf aus der Umgebung in den Kanal und weiter in den Barai geleitet.
33:49Sie haben die ursprüngliche Funktion des Barai, das Wasser in Angkor zu verteilen, geändert.
33:56Und da stellt sich die Frage, was waren die Konsequenzen?
34:00Wenn sie das Wasser hier stoppen, wofür nutzen sie das Wasser stattdessen?
34:06Und was passiert mit den Gegenden, die nun nicht mehr mit Wasser versorgt werden?
34:16Mussten die Khmer auf eine Wasserknappheit reagieren?
34:20Sicher ist, dass in der Glanzzeit Angkors, im elften und zwölften Jahrhundert, immer mehr Tempel gebaut wurden.
34:27Ein Anstieg des Wasserbedarfs ist sehr wahrscheinlich.
34:31Das größte Bauprogramm, das jemals von einem Herrscher dieses Volkes geplant wurde, begann um das Jahr 1200.
34:38Der umtriebige Baumeister war König Yaya Warman, der Siebente.
34:42In seiner 30-jährigen Amtszeit ließ er mehrere Monumente gleichzeitig errichten.
34:49Experten vermuten, dass allein für den Bau und das Instandhalten des Tarprom-Tempels bis zu 80.000 Menschen arbeiteten.
35:00Zahlen, die in den alten Inschriften zu finden sind.
35:04Inschriften, die von keinem Forscher verstanden wurden.
35:07Bis Adolf Bastian nach Angkor kommt.
35:12Er führt ständig die Stiche und Berichte des Velgiers Henri Mou-O mit sich, der drei Jahre zuvor in Angkor
35:19war.
35:20Mou-O berichtete von einer Schrift, die der indischen Schrift ähnlich sieht.
35:26Er hatte sie in einem Tempel entdeckt.
35:28Doch leider hatte Mou-O nicht notiert, in welchem Tempel er diese Inschrift fand, sondern diesen Tempel gezeichnet.
35:41So vergleicht Bastian jeden Tempel mit den Zeichnungen seines Vorgängers.
35:47Mou-O war Naturforscher und hatte keines der Schriftzeichen, die er fand, entziffert.
35:52Er schrieb, nur ein Gelehrter der Schriften könnte helfen, die Herkunft des alten Volkes von Kambodscha zu erheilen.
36:00Wenn Bastian mit seiner Hypothese einer Verbindung Angkors zu Indien überzeugen will, muss er eine Inschrift finden, die eindeutig ist.
36:11In diesem Schrein findet er endlich einen Text in einer indischen Sprache.
36:17Schriftzeichen nicht in der Sprache der Khmer, sondern eine Inschrift, die sich aus dem Indischen herleiten lässt.
36:23Der Text enthält den Lobgesang auf einen König, Jaya Warman, den Siebten.
36:32Inzwischen kennen Archäologen einige der Inschriften, die von diesem König erzählen.
36:37Seine Nachwelt lässt Jaya Warman wissen, wie sehr er mit seinem Volk fühlte.
36:42Eine Inschrift liest sich, unter dem Leid seiner Untertanen litt er mehr als unter seinem eigenen.
36:49Ein Herrscher mit Mitgefühl?
36:52Vielleicht war es so. Sicher ist jedoch, zwei Millionen Steinblöcke mussten für einen mittelgroßen Tempel in Angkor bewegt werden.
37:01Eine Herkulesaufgabe, die besonders an den Städten deutlich wird, an denen Archäologen versuchen,
37:07die ursprüngliche Anordnung der Mauern und Ornamente wiederherzustellen.
37:12Am Baphoren-Tempel versuchen es die Experten seit 50 Jahren, oft mit mäßigem Erfolg.
37:28Ein deutsch-kambodschanisches Team dagegen versucht, die Tempel in einem Bruchteil dieser Zeit virtuell wieder aufzubauen.
37:35Ihr Trainingsgelände ist der Präakan-Tempel, ein weiteres Monument von König Jaya Warman, dem rastlosen Baumeister.
37:46Das Projekt wurde von der Universität Heidelberg initiiert, allerdings nicht von der Fakultät Altertumswissenschaften, sondern vom Fachbereich Mathematik.
37:59Mich als Mathematiker interessiert, wenn ich diese raffinierte Bauweise sehe, mit der die Khmer hundert und mehr Tempel über fünf
38:06Jahrhunderte errichtet haben,
38:08wie kann ich die Bauprinzipien der Khmer-Architektur in einige wenige mathematische Grundprinzipien so reduzieren,
38:14dass ich daraus ein Computerprogramm entwickeln kann, mit dem eine einzelne Person innerhalb kurzer Zeit,
38:20dass man eigentlich etwa in 30 Jahren einen authentischen Angkor-Tempel, wie etwa dem Präakan, bis ins kleinste Detail authentisch
38:29rekonstruieren kann.
38:33Die Software, der sogenannte Angkor-Tempelgenerator, fußt auf einer simplen Erkenntnis.
38:40Jeder Steinblock, den die Khmer in einem Tempel verbauten, wurde perfekt an die Struktur des benachbarten Steins angepasst.
38:47Das bedeutet, jede Kombination ist einzigartig.
38:51Durch das Ausschließen von allen nichtmöglichen Anordnungen der Steine zueinander, kann nur eine mögliche Kombination übrig bleiben.
39:01Die noch intakten Wände der Tempel liefern den Mathematikern die Vorlagen für das Ableiten ihrer Prinzipien.
39:10Logarithmen statt Schaufeln und Bürsten.
39:12Die Archäologie entwickelt sich seit ihrer Begründung vor 150 Jahren immer weiter.
39:18Doch die Grundlagen für die Arbeit der Wissenschaftler heute wurde von den Entdeckern des 19. Jahrhunderts gelegt.
39:25Sie waren die ersten, die der Bautechnik der Khmer auf die Spur kamen.
39:33Schon damals fragten sich die Gelehrten, wie die Khmer es fertiggebracht hatten, die mächtigen Steine so rasiermesserscharf aufeinanderzusetzen, dass nicht
39:42die kleinste Fuge zu erkennen war.
39:48Und warum hatten die Steinblöcke der Tempel diese charakteristischen Löcher in den Seiten?
39:54Etwas, was man weder bei den Pyramiden in Ägypten noch bei den Bauwerken der Maya oder Azteken in Zentralamerika sieht.
40:12Auch Adolf Bastian gibt die Bauweise Rätsel auf.
40:17Bis er im Bayon-Tempel an einer Wand ein Relief entdeckt, das sich an keiner anderen Mauer in Angkor findet.
40:33Dieses Relief verrät das Geheimnis der alten Baumeister.
40:37Sie erfanden eine Technik, die es ihnen ermöglichte, die schweren Steine aufeinander zu heben, ohne ein Seil um die Blöcke
40:44herumzuspannen.
40:45Da wurden sie aufeinander gestellt und gerieben.
40:49Statt der mysteriösen Riesen, wie von den Einheimischen angenommen, ließen die Khmer das enorme Gewicht der Steine für sich arbeiten.
41:02Dennoch, es blieb eine mühevolle Arbeit.
41:07Bis zu 600 Kilogramm wogen die Steine, die sie gegeneinander rieben.
41:12Angesichts der über 300 Ankor-Tempel, bestehend aus mehreren hundert Millionen dieser Blöcke, gleich die Arbeit der Steineschleifer einer Sisyphos
41:22-Arbeit.
41:23Die Bearbeitung nur eines einzigen Steines dauerte Stunden, denn beide Seiten mussten so plan gerieben werden, dass nicht einmal mehr
41:31ein Palmenblatt dazwischen passte.
41:37Um die Steinoberflächen immer wieder gegeneinander drehen zu können, benutzten sie Bambusstöcke, die sie in die Seiten des Sandsteins steckten.
41:48Die Löcher ihrer Werkzeuge bleiben bis heute sichtbar.
41:57Als sie die Stöcke rausgezogen haben, hinterließen sie die Löcher.
42:03Tut mir leid.
42:04Keine Riesen.
42:07Vielleicht haben sie recht.
42:09Vielleicht aber auch nicht.
42:13Wie der Mönch schon sagte, die Welt, die wir mit geöffneten Augen sehen, ist nicht die wahre Welt.
42:21Es gibt immer zwei Wahrheiten.
42:25Lass uns gehen.
42:27Adolf Bastian veröffentlichte seine Erkenntnisse aus Südostasien in sechs Bänden und hieß unter Kollegen nur noch Don Bombastian.
42:38Er wurde der erste Direktor des Museums für Völkerkunde in Berlin und gilt als Gründungsvater der Ethnologie.
42:48Während Bastian nach den Ursprüngen Angkors forschte, suchen Wissenschaftler heute nach den Gründen für den Verfall des Königreiches.
42:58Es scheint, dass Angkor ab dem 14. Jahrhundert in einen Teufelskreis geriet, der selbst verschuldet war.
43:05Denn größere Tempel und Kanäle verlangten mehr Arbeiter.
43:10Für mehr Arbeiter brauchte man ertragreichere Ernten.
43:14Bessere Ernten aber konnte man nur mit einem immer komplizierteren Bewässerungssystem erreichen.
43:31Betrachtet man dieses riesige System, das eine Fläche von 1000 Quadratkilometern versorgte,
43:37kann man annehmen, dass in Angkor einmal eine Dreiviertelmillion Menschen lebte.
43:41Die Landschaft gab dafür genügend Reis her.
43:49Die große Frage ist aber, wurde die dafür erschaffene Infrastruktur selbst zu einem Problem?
44:00Dickmäher hatten 1000 Quadratkilometer fruchtbar gemacht.
44:04Dieses Gebiet, das heute spärlich besiedelt ist, sah vor 800 Jahren ganz anders aus.
44:11In einer Zeit, in der London und Paris 30.000 Einwohner hatten und Berlin gerade das erste Mal urkundlich erwähnt
44:19wird,
44:20lebten hier fast eine Million Menschen. Die größte vorindustrielle Stadt der Welt.
44:25Wie in den Großstädten unserer Zeit gingen die Vororte ineinander über, verbunden durch ein riesiges Kanalsystem.
44:32Eine blühende Metropole, aber eine Stadt, deren Überleben von einem ausgefeilten Bewässerungssystem abhängig geworden war.
44:43Nach 600 Jahren des Wachstums erlebten die Khmer um 1500 nach Christus einen Wendepunkt.
44:57Die Architekten, die die gigantischen Wasserbecken und die größten Tempel der Geschichte gebaut hatten,
45:03scheiterten nun an wesentlich kleineren Strukturen.
45:07Diese Mauer, die heute einsam in der Landschaft steht, war einmal ein Übergang,
45:13der einen der wichtigsten Kanäle Ankoas überspannte.
45:16Durch die Öffnungen der Brücke wurde das Wasser in das Zentrum der Stadt transportiert.
45:24Die Konstruktion wurde nur 100 Jahre nach der Fertigstellung von Angkor Wat gebaut.
45:29Doch ohne die frühere Sorgfalt, offenbar standen die Khmer nun unter Zeitdruck.
45:38Im Gegensatz zu den sorgfältig errichteten früheren Brücken,
45:42haben die Khmer für diese Brücke hier einfach Steine aus einem nahen Tempel herausgerissen.
45:49Man hat den Eindruck, dass in dieser Zeit immer mehr schnelle Lösungen gefunden werden mussten
45:54und dass sie die Probleme der Wasserversorgung nicht mehr meistern konnten.
46:04Die Ingenieure Ankoas hatten alles getan, um das immer weiter wachsende Königreich mit Wasser zu versorgen
46:10und dabei die Natur unterschätzt.
46:14Der Wasserspiegel sackte ab und die Kanäle suchten sich neue Wege.
46:23Die Menschen in Angkor haben die Landschaft der Region komplett verändert.
46:27Der gesamte Wald wurde abgeholzt.
46:29Die Natur wurde in jeder Hinsicht den Bedürfnissen der Menschen untergeordnet.
46:42Seitdem portugiesische Händler im späten 16. Jahrhundert die lotusblumenhaften Türme von Angkor Wat beschrieben haben,
46:50blieb es rätselhaft, warum die einst so prächtigen Tempel vor 500 Jahren verlassen wurden.
46:59Viele Theorien wurden vorgeschlagen.
47:02Plündernde Invasoren, ein religiöser Sinneswandel, geologische Verschiebung der Erdschichten.
47:10Aber die Art, wie die städtische Ordnung zusammenbrach, lässt nun einen anderen Grund plausibel erscheinen.
47:18Die rücksichtslose Ausbeutung der Natur hat zum Schicksal des mittelalterlichen Angkors beigetragen.
47:29Es ist nicht bekannt, wann die Khmer ihren Fehler bemerkten, aber als sie es taten, war es zu spät.
47:38Der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten. Jedenfalls nicht mit technischen Mitteln.
47:53Den letzten verzweifelten Versuch, die Götter umzustimmen und damit den Fall seines Königreiches zu verhindern,
48:01unternahm im 15. Jahrhundert Phonea Jat, der letzte König der Khmer.
48:08Die Überlieferung berichtet über ein Ritual, das sich seit Jahrhunderten immer wieder vollzog.
48:13Bei Vollmond erschien dem König Naga, die Schlangengöttin und Herrscherin über Wohlstand und Reichtum,
48:20in der Gestalt eines schönen Mädchens, um sich mit dem König zu vereinen.
48:29Aber in dieser Nacht verschmähte Naga den König zum ersten Mal.
48:35Phonea Jat hatte seine Rolle als Mittler zwischen Himmel und Erde verloren.
48:42Für die Khmer das endgültige Zeichen, ihre Stadt zu verlassen.
48:54Die Götter hatten sich von Angkor abgewandt und die Elite verließ die Stadt.
48:59Die Paläste und Tempel wurden der Natur überlassen.
49:02Die Banyam-Bäume strecken seitdem Jahr für Jahr ihre Wurzeln tiefer in jeden Spalt der Tempel
49:09und schieben die tonnenschweren Steine zur Seite, als wären sie federleicht.
49:19Eine Zivilisation, die über ihre Verhältnisse gelebt hatte, musste sich ihrem Schicksal fügen.
49:28Eine Entwicklung, die auch der Moderne nicht unbekannt ist.
49:40Schaut man hier genau hin, ist es schon etwas unheimlich.
49:44Wir haben eine gigantische Infrastruktur in einer in den Außenbezirken dünn besiedelten Stadt,
49:51wie in unserer modernen Welt.
49:55Auch die industrialisierte Welt bringt dünn besiedelte Städte mit einer ungeheuren Infrastruktur hervor.
50:04Wenn man dann auch noch davon ausgeht, dass irgendwann zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert
50:10ein globaler Klimawandel stattfand, dessen Auswirkungen wir noch nicht voll verstehen,
50:15dann sieht das nach einem auch für uns aktuellen Problem aus.
50:28Angkor fiel in einen Dornröschenschlaf.
50:31Doch nie wurden die Tempel ganz verlassen.
50:35Eine kleine Gruppe von Tempeldienern und Mönchen versuchte Jahr für Jahr,
50:40die wichtigsten Tempel vor dem Verfall zu bewahren.
50:45Und es gelang ihnen.
50:49Das spirituelle Erbe Angkors hat sich bis heute erhalten.
50:53Anders als griechische oder ägyptische Ruinen blieb Angkor immer auch eine Pilgerstätte.
51:01Es behielt für Buddhisten seine große Bedeutung.
51:05Trotz aller politischen und militärischen Wechselfälle
51:09konnte der Geist und die Seele Angkors bis heute bewahrt werden.
51:20Was zu tun, dass es das Spannschaft gibt,
51:20am Regen, am Regen, am Regen, am Regen, am Regen.
51:22Augen auf aus.
51:25Musik
51:26Im der Zeitungsmacht haben, am Regen.
51:31Die Wachern mit Qual tendern ist,
51:32auf der Zeitung der Zeitung,
51:32die sich mit der Zeitung erinnahmt und wir die Menschen,
51:33in der Zeitung.
51:34Er ist die Zeitung von der Zeitung.
51:38Er ist die Zeitung,
51:39die Zeitung von Gott Gott verforden,
51:40in Ruhe,
51:40und die Zeitung von Gott geistet,
51:48Untertitelung des ZDF, 2020