- vor 1 Tag
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SpaßTranskript
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00:46Hey
00:47Hey
00:49Du bist doch beide erwachsen
00:51Du musst mich nicht unter Druck setzen
00:53Das ist im Übrigen auch verdammt unfair
00:56Also, lass uns reden, ja?
00:58Wir finden einen Weg
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04:33Herr Reuter. Darf ich kurz? Aber bitte. Danke.
04:37Bitte nehmen Sie Platz.
04:41Frau Vigan.
04:43Kennt ihr einen Ralf Sternberg?
04:47In welchem Verhältnis stehen Sie zu ihm?
04:50Herr Reuter, was ist passiert?
04:53Herr Sternberg wurde heute Morgen tot in seinem Haus aufgefunden.
04:57Wir gehen von einem Gewaltverbrechen aus.
05:17Herr Sternberg war also Ihr Gehübter.
05:25Alles gut, mein Schatz.
05:28Das ist Oberstaatsanwalt Reuter.
05:30Ja, mein Sohn Leon.
05:33Guten Tag, Leon.
05:37Ein Freund ist gestorben.
05:41Es gibt Fragen, die ich vielleicht beantworten kann.
05:45Brauchst du etwas?
05:49Leon, Sie haben ja den deutschen Nachwuchsspreis gewonnen.
05:52Respekt.
05:53Danke.
05:54Alles eine Frage der Übung, oder?
05:58Leon, kannst du uns bitte?
06:02Ja, klar.
06:09Vielleicht ist es besser, wenn wir draußen waren.
06:13Kann es sein, dass Ihr Mann von Ihrer Affäre weiß?
06:17Ich habe es mir nur gesagt, von Anfang an.
06:19Aus Gründen der Fairness.
06:21Ja.
06:22Und Ihr Sohn? Weißt du vielleicht auch Bescheid?
06:25Sind Sie sicher?
06:27Also, ich hatte den Eindruck, er...
06:28Mein Mann und ich versuchen, ihn aus unseren Angelegenheiten rauszulassen.
06:31Wie alt ist Leon eigentlich?
06:3317.
06:35Ach, Sie meinen, er wäre alt genug, um auch ihm reinen Wein einzuschenken?
06:41Leon ist Musiker.
06:42Wie mein Mann.
06:43Wenn alles gut läuft, steht Ihnen meine internationale Karriere bevor?
06:48Offensichtlich ein Ausnahmetalent.
06:50Ich meine, Deutschland-Aufwuchspreis.
06:52Ja, mein Mann und ich pflegen dieses Talent.
06:55Leon ist sehr empfindsam.
06:57Er braucht Harmonie und geordnete Verhältnisse.
06:59Verstehe.
07:01Abgesehen davon...
07:03Ich bin zwar seine Mutter...
07:06...aber auch ich habe ein Privatleben.
07:08Wann haben Sie Herrn Starnberg das letzte Mal gesehen?
07:11Vor drei Tagen.
07:14Wo finde ich Ihren Mann vor, wie ganz?
07:16In der Musikschule.
07:36Merkst du was?
07:38Mein Handgelenk.
07:39Genau.
07:39Knickst du sehr ein, dann hast du keine Kraft.
07:42Das klingt dann immer so.
07:51Wenn du dir vorstellst, dass hier ein Faden dran ist,
07:54den noch im Handgelenk, der es nach oben zieht,
07:56dann wirst du viel kraftvoller.
07:59Dann klingt das so.
08:16Haben Sie die Affäre, Ihre Frau, gebilligt?
08:19Das war ja nicht die erste.
08:22Meine Frau ist neugierig und lebenshungrig.
08:26Was macht das mit Ihnen?
08:27Mit mir?
08:29Sie glauben noch nicht etwa, dass ich wie Hotello durch die Gegend laufe
08:32und die Liebhaber meiner Frau umbringe.
08:34Also, falls Sie es interessiert.
08:35Ich war gestern Abend hier in der Musikschule zur Unterrichtsvorbereitung.
08:38Allein?
08:39Ja, allein.
08:41Haben Sie eigentlich den Freiraum einer so offenen Beziehung
08:44auch für sich selbst genutzt?
08:46Also so wie Ihre Frau?
08:47Nein.
08:49Ich liebe Verena.
08:51Also für mich klingt das ein bisschen merkwürdig.
08:54Ich liebe Verena und Verena liebt mich.
08:56Wir bringen das nur unterschiedlich zum Ausdruck.
08:59Wie zwei unterschiedliche Instrumente.
09:01Cello und Klavier.
09:03Aber gemeinsam sind wir ein harmonisches Paar.
09:08Ewigen, Ihre Frau hat angedeutet, dass Sie sehr für Rücksicht nehmen auf Ihren Sohn.
09:11Ihr Sohn scheint offensichtlich sehr behütet aufzuwachsen.
09:14Ja, Leon braucht eine intakte Familie.
09:18Meine Frau und ich bieten ihm das.
09:21Was bieten Sie Ihrer Frau?
09:23Jeder braucht einen Hafen, den er zurückkehren kann.
09:25Ich bin der emotionale Anker meiner Frau.
09:29Das ist ein schönes Bild.
09:31Was ist denn Ihr Hafen?
09:36Die Musik, Herr Reuter.
09:38Die Musik.
09:42Die Musik.
09:46Frau Wiegand nimmt sich alle Freiheiten und ihr Mann schaut in die Röhre?
09:50Das ist kein guter Deal, wenn du mich fragst.
09:54Naja, in Beziehungen und Familien gibt es manchmal die merkwürdigsten Verabredungen.
09:58Alles eine Frage der Prioritäten.
09:59Und die Priorität bei den Wiegands?
10:02Ja, eindeutig der Sohn.
10:04Leon ist das Schulz, ein Ausnahmetalent.
10:06Und dieses Talent wollen die Eltern schützen.
10:09Ich habe den Eindruck, dass Benno Wiegand bereit ist, einen sehr hohen Preis dafür zu zahlen.
10:15Hier, das ist der ganze Schriftverkehr der Scheidungsanwälte von Herrn und Frau Sternberg.
10:20Boah, die hatten sich ja viel zu erzählen.
10:24Das ist die Rede von seelischen Demütigungen, die Frau Sternberg durchgemacht haben will.
10:30Seelische Demütigungen?
10:32Sie wissen doch, wie Anwälte sind.
10:34Und treiben Konflikte auf die Spitze, um das Beste für ihre Mandanten rauszuholen.
10:40Na ja, ja, man soll sie gewiss beschimpft haben.
10:43Nutzloses Missstück soll auch eine der freundlicheren Varianten gewesen sein.
10:47Dazu kam Bloßstellung in der Öffentlichkeit.
10:50Ach, alles halb so wild.
10:51Hören Sie, das war alles mit Ralf abgesprochen.
10:53Wir wollten diese Ehe so schnell wie möglich beenden.
10:56Ah, verstehe, Sie wollten das Zahnungsherr verkürzen.
10:58Und deshalb steht in diesen Schriftsätzen etwas von seelischer Demütigung.
11:03Ralf und ich waren einfach nicht glücklich.
11:05Aber eine Ehehölle sieht anders aus.
11:07Um ehrlich zu sein, ich hatte Mitleid mit ihm.
11:11Warum?
11:12Er wollte nochmal alles mitnehmen, was sich ihm bietet.
11:15Ah, Mitleid-Crisis.
11:18Vielleicht.
11:21Früher, da hatte er immer eins hier vor Augen.
11:24Ein Lebensplan.
11:25Ich war Teil dieses Lebensplans.
11:28Aber ich fürchte, ich habe ihn überschätzt.
11:31Ich muss wieder rein.
11:33Also, Frau Dr. Steinberg, eine seiner Wo waren Sie gestern Abend?
11:36Zu Hause.
11:37Allein?
11:38Sagen Sie, was hätte ich davon, Ralf zu töten?
11:43Beziehungstaten sind selten rational motiviert.
11:47Also, wenn ich eins bin, dann das.
11:49Rational.
11:59Hi.
12:00Oh, Kerstin.
12:01Ach, Fischer liegt hier.
12:03Ja.
12:03Ah, ich habe gerade mit Eva Sternberg gesprochen.
12:06Und?
12:07Ja, alles halb zu wild, sagt sie.
12:09Und was denkst du?
12:11Schwer zu sagen.
12:13Aber vielleicht kann mir ja Frau Wiegand ja erzählen, wie ihr Liebhaber das alles gesehen hat.
12:18Bist du sicher?
12:21Bist du sicher, einer wie Fischer freut sich über Blumen?
12:24Jeder freut sich über Blumen.
12:27Natürlich.
12:28Grüß ihn.
12:29Gute Besserung.
12:30Mach ich.
12:39Hi.
12:41Blumen.
12:42Gut beobachtet, Sherlock.
12:44Danke, Kerstin.
12:45Bernd hat recht.
12:47Einer wie du freut sich nicht über Blumen.
12:48Nein, die sind zauberhaft.
12:50Es zählt ja auch die Geste.
12:52Wie hast du das eigentlich geschafft?
12:54Ich habe einen Waldlauf gemacht, klingelt das Handy, ich gehe ran, gucke aufs Display und nicht auf die Wurzel vor
12:59mir und zack.
13:00So.
13:01Frau Klar, Herr Dr. Sternberg, das ist ja eine kleine Welt.
13:05Ach, ihr kennt euch.
13:06Soll ich lieber rausgehen?
13:08Nee, lass mal.
13:09Wie lange brauche ich denn das Zeug noch in der Nase? Die Schwester gerade hat gesagt.
13:12Und sie hat recht. Drei bis fünf Tage. Geduld, Herr Fischer.
13:15Na gut, dann mach ich mich mal auf die Socken.
13:18Geht ja auch schon wieder ganz...
13:21Wie nehmen wir noch eine Kleinigkeit fürs Schwindengefühl mit.
13:24Max, leg dich einfach wieder hin.
13:26Frau Kollegin,
13:29die Oberschwester erzählt mir,
13:30Sie haben der Patientin auf Zimmer 214 Tramadol verschrieben.
13:33Ja.
13:34Haben Sie damit ein Problem?
13:35Kommen Sie bitte vor die Tür.
13:37Nein, ich bin mitten in der Visite.
13:40Herr Kollege.
13:44Einmal ganz kurz meinen Finger folgen, bitte.
13:47Okay.
13:51Nee, sieht alles gut aus.
13:53Sie bleiben liegen.
13:54Und wir sehen uns morgen wieder.
13:56Frau Klar.
13:58Tschüss.
14:00Wer war denn der Pinsel gerade?
14:02Ja, noch viel wichtiger.
14:03Wer ist eigentlich sie?
14:05Deine Ärztin.
14:06Und die Witwe des Mordopfers.
14:08Nicht viel mehr ernst.
14:10Na ja, komm, erzähl mal.
14:11Ich langweile mich hier zu Tode.
14:12Jetzt schon.
14:13Was soll denn das heißen?
14:14Ich liege hier seit Stunden.
14:15Ich bin schon ganz wund.
14:28Frau Sternbeck.
14:29Ah, Frau Klar.
14:30Ja, tut mir leid wegen vorhin.
14:32Ja, man kann sich ja seinen Chef nicht aussuchen.
14:34Dr. Mehring war mal mein Chef.
14:36Ach.
14:37Ja, er ist die Karriere leider runtergefallen.
14:39Aber das vergisst er gerne mal.
14:40Weil er es gewohnt ist, mir ans Bein zu pinkeln
14:42und weil ich die Ex von Reif bin.
14:45Gab es denn ein Problem zwischen Dr. Mehring und Ihrem Ex-Mann?
14:48Na ja, Ralf war dafür verantwortlich,
14:50dass Dr. Mehring nicht mehr mein Chef ist.
14:53Ach.
14:57Ach, Frau Wiegern.
14:59Hallo, haben Sie einen Moment für mich?
15:01Ich habe zehn Minuten Verhandlungspause.
15:03Was kann ich für Sie tun?
15:05Mich würde interessieren,
15:06wie Sie die Beziehung zwischen Herrn Sternbeck
15:07und seiner Frau gesehen haben.
15:09Wie waren die beiden zuletzt aufeinander zu sprechen?
15:11Abgesehen vom Scheidungskrieg?
15:13War es ein Krieg?
15:15Das kann ich so genau nicht sagen.
15:17Ralf hat seine Ehe außen vor gelassen.
15:20Da war er ganz Gentleman.
15:21Ich stand für ihn immer im Mittelpunkt.
15:24Sowas geht wahrscheinlich nur,
15:25wenn man sich nicht allzu oft sieht, oder?
15:27Wahrscheinlich nur dann.
15:28Er hat mir den Himmel auf Erden bereitet.
15:31Nächste Woche wollten wir einen Ausflug machen
15:32mit seinem alten Sportwagen.
15:34Ich liebe Oldtimer.
15:36Ach, ist das Ihrer bei Ihnens Haus?
15:38War toll.
15:40Ja, und hier in diesem Raum übrigens
15:42haben wir uns kennengelernt.
15:43Ah ja?
15:44Er war Gutachter an einem Prozess,
15:46dem ich vorgesessen bin.
15:48Er hat mir vom ersten Moment an imponiert.
15:52Ich frage mich, wie funktioniert so etwas?
15:56Ich meine, wie funktioniert so etwas
15:58wie eine offene Beziehung für Sie?
16:02Ja, ich bin immer neugierig,
16:03wie Menschen sich ihr Leben einrichten.
16:07Wichtig ist,
16:09die Grenzen des Anderen zu respektieren.
16:12Ihr Mann hat die Grenzen offensichtlich so weit gesteckt.
16:16Dafür liebe ich ihn.
16:17Und er hat jede Chance, es mir gleich zu tun.
16:22Verurteilen Sie mich?
16:24Nein.
16:25Ach was?
16:26Ich frage mich nur,
16:28ob Sie die Grenzen Ihres Mannes
16:29vielleicht etwas überschätzen.
16:31Sie glauben doch nicht etwa,
16:32dass er etwas mit Ralfs Tod...
16:37Das ist absurd.
16:38Aber ich verstehe,
16:39dass Sie so denken.
16:41Warum?
16:42Was mein Mann und ich leben,
16:44das ist nicht nach jedermanns Geschmack.
16:46Aber ich bin mir sicher,
16:47dass viele Paare so leben wollen würden,
16:49wie Benno und ich.
16:50Nur würden sie es niemals zugeben,
16:52weil sie Angst haben.
16:57Angst wovor?
17:00Alles vom Leben zu wollen.
17:05Danke, Frau Biber.
17:06Gerne, Herr Reuter.
17:10Hat es geschmeckt?
17:14Ah, Familienglück.
17:16Die haben wirklich alles vom Leben.
17:18Oder auch nicht?
17:20Was heißt das eigentlich,
17:21alles vom Leben?
17:23Na, das heißt normalerweise,
17:25man nimmt alles mit,
17:27was man kriegen kann, oder?
17:28Okay.
17:29Und welchen Preis hat man dafür?
17:31Welchen Preis?
17:34Als ich noch Arzt war,
17:36hatte ich verdammt viel.
17:37Aber ich wollte mehr.
17:39Man könnte auch sagen,
17:40ich wollte alles vom Leben.
17:42Also habe ich mir Tabletten eingeworfen,
17:43bis zur Halskrause,
17:45mit den Ihnen bekannten Konsequenzen.
17:47Schlimm?
17:49Das Beste, was mir passieren konnte.
17:51Der Punkt ist doch der,
17:52ja, man kann alles haben vom Leben.
17:54Nur nicht alles auf einmal.
17:56Wenn überhaupt.
17:57Gut.
17:59Aber das beantwortet nicht meine Frage.
18:01Welche Frage?
18:03Na, welchen Preis man dafür zahlt?
18:07Ich denke mal drüber nach.
18:09Kassi.
18:10Bernd, sagt dir der Name Dr. Günter Mehring, was?
18:13Nein.
18:14Das ist der ehemalige Chefarzt in der Klinik,
18:16wo Frau Dr. Sternberg arbeitet.
18:18Und?
18:19Ich denke, wir sollten uns den mal genauer ansehen.
18:29So.
18:31Dann bitte schön einmal für die Dame.
18:35Entenbrust.
18:36Man hat mich viel zu lange nicht mehr gemacht.
18:37Leon.
18:44Schau mal, Leon.
18:45Papa hat sich richtig ins Zeug gelegt.
18:48Sieht lecker aus.
18:49Danke.
18:50Gibt es einen Anlass?
18:51Aber hallo,
18:52unser bevorstehendes Konzert
18:54haben wir so lange für geübt.
18:56Darauf trinken wir.
18:59Prost, mein Schatz.
19:07Lasst es euch schmecken.
19:08Sieht so gut aus, Papa.
19:27Schatz, hast du keine Ahnung?
19:28Mama?
19:31Ich, ich habe eine Magenverstimmung.
19:35Kein Problem.
19:37Lässt sich hervorragend aufwärmen.
19:39Entschuldigt mich bitte.
19:45Was ist denn mit ihr?
19:48Der Tod ihres Bekannten.
19:52Ich koche jetzt wieder öfter, okay?
19:55Ja.
19:56Muss ja nicht immer Ente sein.
19:58Wieso?
20:00Hallo?
20:01Das nennt man Füterbauch.
20:11Danke für das tolle Essen.
20:12Hast du gut gemacht.
20:14Freut mich, dass es dir geschmeckt hat.
20:18Stopp, Benno.
20:20Wenn du glaubst, du hast jetzt Oberwasser.
20:25Sag mal, spinnst du?
20:37Herr Dr. Merink, im vergangenen Jahr wurden Sie wegen Abrechnungsbetrugs verurteilt.
20:41Wegen angeblichen Abrechnungsbetrugs.
20:43Ja, wie auch immer.
20:44Also in der Verhandlung unter dem Vorsitz von Frau Wiegand hat Herr Sternberg als Gutachter gegen Sie ausgesagt.
20:51Der Mann ist gut darin, Tatsachen zu verdrehen.
20:53Ansonsten kann er nichts.
20:55Haben Sie Herrn Sternberg nach dem Prozess noch einmal gesehen?
20:58Natürlich nicht.
20:59Was stellen Sie mir so eine absurde Frage?
21:01Herr Reuter, verschwenden Sie doch bitte nicht unsere Zeit.
21:04Warum versuchen Sie es nicht einfach mal bei dieser merkwürdigen Agentur?
21:09Wo bitte soll ich es versuchen?
21:10Die Agentur, die Sternberg vermittelt hat.
21:13Als Gutachter.
21:15Und warum könnte Ihrer Meinung nach diese Agentur für mich interessant sein?
21:19Sie waren doch sicherlich letzte Woche auch auf dem Wiesbadener Benefizball.
21:23Nein.
21:25Nein?
21:25Nein.
21:27Ganz Wiesbaden war dort.
21:28Ja, das kann schon sein, Herr Dr. Merink.
21:30Aber ich glaube nicht, dass das gerade unser Thema ist.
21:35Stefan Lorenz, der Chef jener Agentur, hat sich mit Herrn Sternberg am Buffet gestritten.
21:40Worum ging es bei dem Streit?
21:41Ich habe beobachtet nicht gelauscht.
21:46Ich bin froh, dass ich Ihnen helfen konnte.
21:48Ich danke Ihnen für Ihren Besuch.
21:50Ja, Dr. Merink.
21:52Guten Tag.
21:56Bin ich unsichtbar?
21:58Ja.
21:59Und jedenfalls für Leute wie Dr. Merink.
22:00Hallo, Kerstin.
22:01Und?
22:02Was sagt er?
22:03Das frage ich mich auch gerade.
22:04Er hat ein Motiv, aber er beantwortet keine Fragen zu einem Alibi.
22:08Hm.
22:09Ich check das mal.
22:10Vielleicht hilft uns sein Bewegungsprofil weiter.
22:12Ja, gute Idee.
22:13Kaffee.
22:16Hier.
22:18Das war ein brausendes Bewegungsprofil.
22:20Na ja, bis morgen.
22:21Oh, du rettest mein Leben, ey.
22:22Ach ja?
22:23Na klar, ich habe mich hier fast so Tode gelangweilt.
22:26Hier, statt Blumen.
22:30Vollmilchschokolade.
22:32Ja, du magst ja nur zartbitter.
22:37Na ja, die Geste zählt.
22:40Ja, ja, ja.
22:43Glaubst du wirklich?
22:44Ich habe es vergessen.
22:45Ach.
23:01Kleinen Moment, bitte.
23:02Danke.
23:05Herr Reuter, ich grüße Sie.
23:07Herr Reuter, ich grüße Sie.
23:08Kommt rein.
23:10Danke.
23:12Setzen Sie sich bitte.
23:14Ja, vielen Dank.
23:15Tja, aber Medizinstrafrecht ist ein weites Feld.
23:19Wer wüsste das besser als Sie?
23:22Herr Lawrence, wenn ich das richtig verstanden habe, vermittelt Ihre Agentur Mediziner, die
23:25als Gutachter oder Sachverständige arbeiten, vorwiegend an die Justiz, richtig?
23:30Richtig, das ist mein Geschäftsmodell.
23:33Und in diesem Zusammenhang haben Sie mit Herrn Steinberg zusammengearbeitet?
23:37Mhm.
23:37Sein Fachgebiet war Abrechnungsbetrug.
23:39War das eine gute Zusammenarbeit?
23:41Tadellos.
23:44Ja, ich werde ihn sehr vermissen.
23:45Auch menschlich.
23:47Ah.
23:49Gab es da nochmal Streit?
23:51Nein, wieso?
23:53Auch nicht in der vergangenen Woche auf dem Benefits-Bahn?
23:59Also, Herr Reuter, wer immer Ihnen das zugetragen hat, täuscht sich.
24:06Wir haben uns angeregt unterhalten.
24:08Worüber denn?
24:09Über das Abrechnungssystem von Krankenkassen.
24:12Darüber kann man sich angeregt unterhalten?
24:15Na klar.
24:16Man kann sogar sagen, wir haben leidenschaftlich Argumente ausgetauscht, wenn Sie so wollen.
24:20Interessant.
24:22Tja.
24:25Kann ich sonst noch was für Sie tun?
24:27Nein, Herr Reuter, das wär's erstmal.
24:30Ich danke Ihnen.
24:33Das ist ja wirklich ein wunderschönes Auto.
24:35Bei den Wiegans vor der Haustür steht genau das gleiche Modell.
24:39Ist ja ein netter Zufall.
24:41Oder?
24:42Nein, natürlich nicht.
24:45Sondern?
24:46Es ist eine Erinnerung an den Wagen.
24:48An welchen Wagen?
24:49An den Wagen, der jetzt Frau Wiegand gehört.
24:52Ach so, Sie haben Ihren Wagen an Frau Wiegand verkauft.
24:55Genau.
24:57Sie ist auch eine Freundin von Oldtimern, genau wie ich.
25:00Ah, verstehe.
25:02Danke.
25:03Danke Ihnen.
25:1120 Uhr 34.
25:13Wie bitte?
25:13Der Todeszeitpunkt.
25:15Wie können Sie das so genau bestimmen?
25:16Das Herz von Dr. Sternberg wurde von einem Schrittmacher angetrieben.
25:20Ich hab die Daten ausgelesen.
25:22Der letzte Protokolleintrag war um...
25:2420 Uhr 34, verstehe.
25:25Ja.
25:27Und diese Drosselspuren?
25:28Da hab ich einen interessanten Abrieb gefunden.
25:31Kaliumkarbonat.
25:32Was ist das?
25:33Das Kaliumsalz der Kohlensäure.
25:35Wird auch gerne als Trieb- oder Trocknungsmittel verwendet.
25:37Zum Beispiel für Lebkuchen, als Bestandteil von Seifen, Feuerlöschmitteln.
25:41Oder für die Rosinen-Trocknung.
25:44Ja, also mehr kann ich Ihnen leider noch nicht sagen.
25:46Ich schick Ihnen dann nachher den Bericht.
25:48Gut.
25:49Schönen Tag noch, Frau Dr. Dappern.
26:02Kassin.
26:02Bernd.
26:03Ich war übrigens bei Lorenz.
26:05Er hat seinen Oldtimer an Verena Wiegand verkauft.
26:08Und?
26:09Na ja, als ich Herrn darauf angesprochen habe, hat er irgendwie merkwürdig reagiert.
26:12So, als hätte ich ihn bei was ganz Schlimm ertappt.
26:14Okay.
26:15Ich check mal, ob das beim Verkauf mit rechten Dingen zugegangen ist.
26:19Gut.
26:20Das ist schon interessant, was man mit Kaliumkarbonat alles machen kann.
26:24Das kannst du als Zusatzstoff für Flüssigseifen verwenden.
26:27Du kannst es als Säuerungsmittel für Kakao verwenden.
26:31Frau Dr. Dappern hat ja einen Abrieb von Kaliumkarbonat auf den Drosselspuren gefunden.
26:35Mhm.
26:36Du hast was für mich?
26:36Ja, ein Eintrag in Sternbergs digitalen Kalender.
26:40Er war mit seiner Frau verabredet.
26:42Oder zumindest hatte er es vor.
26:43Um 19.30 Uhr an seinem Todestag.
26:46Ah.
26:50Das war die Idee von Ralf, dass wir uns treffen.
26:53Und Sie sind der Einladung gefolgt.
26:55Weil?
26:57Ein Lebensplan.
26:59Mit einer verheirateten Frau.
27:01Das ist doch keiner.
27:04Das muss man doch einsehen.
27:06Und hat er es eingesehen?
27:08Gewissermaßen.
27:10Er wollte sie heiraten.
27:13Er wollte Frau Wiegand heiraten?
27:17Auf einmal wirkt er nicht mehr so lächerlich auf mich.
27:20Sondern wie der Mann, in den ich mich verliebt hatte.
27:23Ein Alphatier.
27:26Ralf wollte diese Ehe so schnell wie möglich beenden.
27:29Er wollte alle meine Forderungen erfüllen, damit er endlich...
27:33frei sein kann.
27:35Hat Ihr Mann davon gesprochen, dass Frau Wiegand sich scheiden lassen will?
27:39Davon gehe ich doch mal aus.
27:41Alles andere wäre ja irrational.
27:46Wann genau haben Sie das Haus Ihres Mannes wieder verlassen?
27:50Gegen acht.
27:52Frau Dr. Sternberg, haben Sie Ihren Mann getötet?
27:56Nein.
28:00Gut, Sie müssen damit rechnen,
28:02dass wir einen Durchsuchungsbeschluss für Ihre Wohnung erwirken.
28:13Kassi, Espresso?
28:14Nein, danke.
28:15Keine Tat war für keine anderen Spuren.
28:18War ja nicht zu erwarten, oder?
28:20Frau Sternberg war bei ihrem Mann,
28:22weil sie gedacht hat, dass er zu ihr zurück will.
28:24Hm, sie wird nicht mit einem Drahtseil auftauchen.
28:28Na gut, schick sie nach Hause.
28:32Hier, ich habe mir mal die Kontoauszüge von Frau Wiegand angeguckt.
28:36Sie hat den Oldtimer für 40.000 Euro erworben.
28:4140.000?
28:43Kommt mir wenig vor.
28:46Was haben wir normalerweise für so ein Auto?
28:49Um die 80.000.
28:51Das heißt, sie hat den Wagen für die Hälfte des Marktwertes bekommen.
28:54Hm.
28:55Ist so ein Ding.
28:57Ja, schon wieder neue Fragen an die liebe Frau Kollegen.
29:00Hm.
29:01Hm.
29:22Guten Tag, Herr Kreuter, Staatshaberschef Wiesbaden.
29:25Hallo.
29:26Äh, wir haben uns schon mal.
29:28Ich bin Mia, Leons Freundin.
29:30Darf ich?
29:31Ja, klar.
29:32Dankeschön.
29:34Bitte.
29:35Danke.
29:39Äh, Leon übt gerade und sein Leid ist unterwegs.
29:42Ich will keinem mit seiner Mutter spielen.
29:44Ah.
29:45Äh, sie müsste eigentlich gleich kommen.
29:48Ich gebe Leon Bescheid.
29:49Nein, nein, nein.
29:50Lassen Sie ihn nur ein Stück Trainer spielen.
29:52Ich höre das wirklich gern.
29:54Sie spielen ja auch.
29:55Ich habe sie ja neulich in der Musikschule gesehen.
29:58Ja.
29:59Aber so gut wie er werde ich nie.
30:01Er ist was ganz Besonderes.
30:04Nicht nur als Musiker, er ist...
30:07total feinfühlig.
30:10Da kann ich schon verstehen, dass ihm das auf den Geist geht.
30:13Wie meinen Sie das?
30:15Naja, die Situation mit seinen Eltern.
30:19Ja, das...
30:21Herr Reuter.
30:23Hallo, Leon.
30:24Äh, mich zu deiner Mom.
30:26Okay.
30:28Haben Sie Besuch?
30:30Mein Vater.
30:31Letzte Nacht.
30:33Ja.
30:34Sowas kommt vor.
30:36Ja.
30:37Ich gehe dann mal wieder nach oben.
30:39Danke, Mia.
30:40Ja.
30:42Sie wissen Bescheid?
30:45Das ist meine Mutter.
30:46Ja.
30:47Und Lava hat.
30:48Und der jetzt tot ist.
30:50Na klar.
30:51Auch wenn hier...
30:52niemand mir was sagen will.
30:55Wie ist das eigentlich für Sie, dass Ihre Eltern diese Art von Ehe führen?
31:00Mein Ding wäre es nicht.
31:02Ihres.
31:03Eher nicht.
31:06Ich habe mir diese Frage aber niemals stellen müssen.
31:09Ich finde, wenn zwei sich lieben, das reicht doch.
31:14Ja, wenn man hat, was man sich gewünscht hat, dann will man oft noch mehr.
31:21Und manche wollen eben alles.
31:23Aber Liebe, das ist doch alles.
31:26Und die Musik.
31:28Das ist doch sicher ein großes Glück für Sie, dass Ihr Vater Ihr Talent so fördern kann, oder?
31:32Ich habe ihm viel zu verdanken.
31:34Ich quatsch alles, ja.
31:41Oh, hör weiter.
31:43Danke, Willian.
31:52Alles okay?
31:56Findest du das eigentlich okay?
31:58Einfach fremde Gespräche mitzuhören?
32:02Sorry.
32:08Hey.
32:10Ich habe nichts gehört, was ich nicht eh schon wüsste.
32:13Das Ding mit deinen Eltern...
32:15Das geht dich nicht an.
32:17Leon, du hast es mir erzählt.
32:25Ich will nichts mehr davon hören.
32:27Okay?
32:30Hey.
32:34Komm.
32:53Deine Eltern kommen schon klar.
33:01Oder machst du dir Sorgen, dass...
33:06Glaubst du, dein Vater hat was mit dem Tod von diesem Typen?
33:15Deine Mutter?
33:22Ich dachte, ich kenne meine Eltern.
33:36Ich habe gehört, Sie haben die vergangene Nacht auf dem Sofa verbracht.
33:42Ja.
33:43Auch ich habe meine Grenzen.
33:46Das ist nicht so einfach für Sie, ist schon klar.
33:49Wie heißt es so schön?
33:51In guten wie in schlechten Zeiten.
33:54Ich nehme das nur sehr ernst.
33:55Na, Ihre Frau doch offensichtlich auch.
33:57Also auf Ihre Art.
34:00Immerhin hat sie nicht vor, sich von Ihnen zu trennen.
34:04Nee.
34:06Dafür ist sie nicht gemacht.
34:10Ihr Sohn hat gerade geübt, als ich gekommen bin.
34:12Also ich finde, das klingt ganz toll.
34:13Ja, das ist wirklich gut.
34:15Wenn Sie wollen, kommen Sie doch morgen in die Musikschule.
34:17Da geben Leon und ich ein kleines Konzert.
34:19Danke für die Einladung.
34:43Frau Wegert, ich weiß, die Situation ist unangenehm für Sie, aber...
34:47Aber das nehmen Sie in Kauf.
34:49Sie hat mich auch in Ihr Büro bitten können, haben Sie aber nicht.
34:52Weil Sie sehen wollen, was der Tod meines Liebhabers mit meiner Familie macht.
34:56Ja, Sie sind neugierig, wie wir uns hier so unser Leben eingerichtet haben.
34:59Nein, was ist doch lieber professionelle Neugier?
35:01Als Juristin sollten Sie wissen, dass ich mir ein Bild machen muss.
35:04Und?
35:04Es ist noch lange nicht fertig.
35:05Es wird immer unvollständig bleiben.
35:08Gab es eigentlich irgendwelche Heiratspläne?
35:11Bitte?
35:11Wollten Sie Herrn Sternberg heiraten oder er Sie?
35:13Wie kommen Sie darauf?
35:15Herr Sternberg hat sich also niemals in dieser Richtung geäußert.
35:19Ralf hatte manchmal romantische Anflüge.
35:21Er hat von Zukunft gesprochen, gemeinsame Urlaube, ein Haus, in dem man zusammenlebt.
35:26Ja, das sind doch alles Zutaten einer festen Beziehung.
35:30Manche Männer reden gerne so daher, wenn der Sex davor gut war.
35:34Ich habe das nie ernst genommen.
35:36Herr Sternberg hat Ihnen also niemals einen Heiratsantrag gemacht?
35:39Er hat mich mal gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, meine Familie zu verlassen.
35:43Und was haben Sie geantwortet?
35:45Das war mir zu blöd. Ich habe das Thema gewechselt.
35:48Herr Sternberg soll ein Mann gewesen sein, der immer einen Plan verfolgte, sagt seine Frau.
35:54Und Sie meinen, er hat einen neuen Plan, mit mir als zweite Ehefrau?
36:03Genau wie Sie war Herr Sternberg jemand, der immer alles vom Leben wollte.
36:16Noch etwas vorwiegend, Herr Oldhammer draußen.
36:19Den haben Sie doch von Herrn Lorenz gekauft.
36:21Zu einem Preis, der deutlich unter dem Marktbett liegt.
36:25Können Sie mir das erklären?
36:28Herr Lorenz hat ein erotisches Interesse an mir.
36:31Er dachte wohl, er kann uns stillen, wenn er mir einen Gefallen erweist.
36:35Haben Sie sonst noch Fragen?
36:37Ich will Sie nicht weiter in Anspruch nehmen. Vielen Dank.
36:43Frau Sternberg?
36:47Herr Reuter?
36:48Darf ich fragen, warum Sie hier sind?
36:51Ich war zufällig in der Gegend.
36:54Ich habe eher den Eindruck, dass Sie das Haus auskundschaften wollten.
36:57Auskundschaften?
36:59Entschuldigung, was unterstellen Sie mir?
37:01Warum sind Sie hier?
37:04Es war eine spontane Idee.
37:06Ich wollte mit dir reden.
37:08Sonst nichts.
37:10Reden?
37:11Reden.
37:13Ohne, dass Ihre Familie etwas mitbekommt.
37:15Deswegen habe ich nicht geklingelt.
37:17Dann habe ich Sie hier gesehen und dann...
37:20Herr Reuter, ich bin wirklich durcheinander.
37:22Können Sie das nicht verstehen?
37:24Ich wollte von Frau Wiegand wissen, was da mit meinem Mann gelaufen ist.
37:29Ich meine...
37:30Ralf wollte diese Frau heiraten.
37:32Wie hat er es geschafft, dass sie Ihre Familie für ihn aufgeben wollte?
37:36Ich glaube, in diesem Punkt hat sich jemand etwas vorgemacht.
37:40Wie meinen Sie das?
37:42Frau Wiegand wollte sich niemals schreiben lassen.
37:47Kurz nachdem Frau Wiegand den Oldtimer erworben hat,
37:50macht sie Werbung für die Agentur von Lorenz.
37:53Werbung?
37:54Sie hat eine wichtige Funktion im Richtergrund.
37:57Und macht Werbung in Rundschreiben, Newslettern und persönlichen E-Mails?
38:07Also, wenn du recht hast, macht sie das sehr geschickt.
38:11Das liest sich wie eine Empfehlung, aber nicht wie Werbung.
38:14Ja, genau.
38:15Und ihre sogenannten Empfehlungen schickt sie in Kopie alle weiter an Lorenz.
38:20Ach.
38:20Klarer Fall von Vorteilsnahme.
38:23Ja, kann man so sehen.
38:27Sag mal, und wenn Sternberg davon wusste?
38:30Also, ich habe so langsam das Gefühl,
38:32die beiden sind mehr miteinander verstrickt,
38:34als Frau Wiegand uns weismachen will.
38:35Dafür brauchen wir natürlich Beweise.
38:47Musik
38:48Musik
38:56Musik
39:25Max?
39:27Na? Machst du spät, Schicht?
39:28Ja, klar.
39:30Du, ich hab was für dich.
39:31Na, schieß los.
39:37Bernd.
39:38Hallo, Kerstin.
39:39Liebe Grüße von Max.
39:41Ah, danke.
39:42Er hat von seinem Krankenbett aus Mehrings Alibi überprüft.
39:45Und?
39:46Mehring hat eine knappe Stunde vor Sternbergs Tod 200 Euro an einem Geldautomaten abgehoben.
39:52Na gut, das entlastet ihn nicht wirklich, ne?
39:54Nein, aber das ist noch was.
39:55Dieser Geldautomat ist zwei Kilometer von seinem Zuhause entfernt und liegt nicht auf dem Weg von seiner Arbeit nach Hause.
40:02Ja, gute Folge.
40:04Gut, also ich überprüfe das nochmal und dann bestelle ich ihn ein.
40:07Aber hier, das ist interessant.
40:10Eine Sprachnachricht auf Sternbergs Handy.
40:12Hm.
40:14Hey.
40:16Wir sind doch beide erwachsen.
40:18Du musst mich nicht unter Druck setzen.
40:20Das ist im Übrigen auch verdammt unfair.
40:23Also, lass uns reden, ja?
40:25Wir finden einen Weg.
40:27Ja, das ist wirklich interessant.
40:29Hm.
40:31Sternberg wollte seine Geliebte unter Druck setzen.
40:33Er wollte, dass sie ihn heiratet.
40:36Aber was war sein Druckmittel?
40:37Na, das liegt auf der Hand.
40:40Sein Wissen um Frau Wiegans Vorteilsannahme.
40:43Ja gut, aber wie wollen wir die Lady festnageln?
40:47Na, ich denke, das geht nur bei diesen Lorenz.
40:49Dem Agenturchef.
40:50Ich gehe weiter.
41:04Goodkindern, Papa.
41:05Genau.
41:31Hallo, hier bin ich.
41:40Du bist ein großer Junge, okay?
41:44Was soll das denn jetzt heißen?
41:46Dass du dich ruhig mal von deinen Alten abnabeln kannst.
41:50Okay.
41:52Was sagst du da?
41:55Leon, deine Eltern ziehen ihr Ding durch und wir machen unser Ding so einfach.
42:01So einfach?
42:06Weißt du was, das interessiert mich einen Scheiß.
42:10Es geht hier um uns.
42:11Reicht?
42:12Ja?
42:12Ist genug?
42:13Ja?
42:21Ey, Mia, was soll das?
42:25Unsere Eltern haben nichts mit uns zu tun.
42:27Kapier das doch mal.
42:30Ja, wenn du wieder klar im Kopf bist, meld dich.
42:33Ja.
42:35Schlaf schön.
42:35Ich bin der, der, der, der, der, der, der, der.
43:04Vorteilsnahme, Bestechung? Ich weiß überhaupt nicht, wovon Sie reden.
43:08Frau Wiegand hat Werbung gemacht für Ihre Agentur.
43:11Davon weiß ich nichts.
43:14Na gut, dann nennen wir das mal anders.
43:15Frau Wiegand hat Richterkolleginnen und Richterkollegen über Ihr Geschäftsmodell informiert.
43:20Gefällt Ihnen das besser?
43:21Lennen Sie es, wie Sie wollen. Ich weiß davon nichts.
43:23Ach, Herr Lorenzen.
43:25Frau Wiegand hat Ihnen all diese Empfehlungen in Kopie weitergeschickt.
43:29Und dieses Material haben wir.
43:31Und was beweist das?
43:33Das beweist, dass Sie lügen.
43:40Frau Wiegand hat übrigens angedeutet, dass Sie ein erotisches Interesse an ihr hätten
43:45und dass Sie ihr deshalb den Oldtimer weit unter Marktwert verkauft hätten.
43:49Stimmt das?
43:51Ja, das stimmt.
43:53Und das würden Sie auch so vor Gericht aussagen?
43:56Natürlich.
43:58Gut.
44:00Also Sie sind verheiratet?
44:03Ja.
44:05Ja, dann hoffen wir mal, dass Ihre Frau das auch als Schutzbehauptung versteht.
44:10Wie, wie bitte?
44:12Na, Herr Lorenzen, Sie wissen doch, eine Kriegsverhandlung bringt immer eine gewisse Art von Öffentlichkeit mit sich.
44:16Also Presse und so weiter und so weiter.
44:19Und na, da stehen Sie schon in einem bestimmten Licht da.
44:22Als Geschäftsmann.
44:23Und als Ehemann natürlich.
44:33Na, du wolltest es vielleicht doch mal mit der Wahrheit versuchen.
44:40Herr Reuter!
44:41Guten Tag, Frau Wiegand.
44:41Willen Sie bitte mit mir aufs Kommissariat kommen?
44:44So schlimm?
44:45Ich möchte, dass unser Gespräch dokumentiert wird.
44:49Gut, ich hole nur meine Sachen.
45:00Ich verstehe es ja offen gesagt nicht, Frau Wiegand.
45:03Sie haben Ihre ganze Karriere verspielt.
45:06Wofür?
45:08Für einen Oldtimer?
45:09Ich will alles vom Leben.
45:11Dazu gehört das Risiko, das Scheitern.
45:13Wenn ich bereit ist, zu verlieren, braucht gar nicht erst zum Spiel zu erscheinen.
45:18Und Ihre Familie, ist das auch nur ein Spiel?
45:23Leon ist alt genug.
45:25Er hat eine eigene Beziehung.
45:28Und Benno...
45:31Ich weiß, er ist immer für mich da.
45:37Klemmt.
45:39Wenn das mal kein Ohm ist.
45:40Kann ich Ihnen helfen?
45:41Ach, geht auch so.
45:45Frau Wiegand, Herr Sternberg wusste von Ihrer Vortragsannahme.
45:52Ich weiß das von Herrn Lorenz, den Sie gebeten haben, den Kauf des Oldtimers rückgängig zu machen.
46:00Sie bestreiten es nicht.
46:03Nein, ich bestreite das nicht.
46:06Ralf hat mir gedroht.
46:07Wenn ich nicht spure, würde er mich anzeigen.
46:10Wenn Sie nicht spuren?
46:13Was wollte er von Ihnen?
46:15Sie ahnen es, er wollte mich heiraten.
46:17Oh, sehr charmant.
46:20Warum hat dann Herr Lorenz dann doch nicht den Kauf rückgängig gemacht?
46:25Lorenz hat gemeint, es wäre wie ein Schuldeingeständnis, dass es zu einer Vorteilsannahme gekommen sei.
46:30Das hätte alles nur noch schlimmer gemacht.
46:34Herr Sternberg wollte also Ihre Karriere zerstören, wenn Sie seinetwegen nicht Ihre Familie verlassen.
46:40Ich nehme an, das wollten Sie verhindern.
46:43Haben Sie ihn deshalb umgebracht?
46:47Ich hatte einen Plan B.
46:49Wie sah der denn aus?
46:52Auf Zeit spielen, falsche Versprechungen machen, ihm zeigen, dass ich auch kompliziert und anstrengend sein kann.
47:00Ihnen jedes Mal nach einem Rendezvous bitten, den Müll mit rauszunehmen.
47:03Es gibt so viele Möglichkeiten, einen verliebten Mann in die Flucht zu schlagen.
47:06Ich fühlte mich nicht bedroht.
47:08Bei Lorenz sieht das anders aus.
47:11Ich hatte alle Mühe, ihn zu beruhigen.
47:16Sie haben eine Bandage.
47:17Bitte?
47:19Sie haben eine Bandage.
47:23Ja, ich habe eine Arthrose.
47:25Ab und zu brauche ich diese Bandage, um das Handgelenk zu stabilisieren.
47:29Ist das der Grund dafür, dass Sie vorhin Schwierigkeiten hatten, Ihre Aktentasche zu schließen?
47:34Wieso fragen Sie mich das?
47:37Ihre Arthrose behindert Sie also körperlich.
47:40Ja, aber was hat das jetzt?
47:43Frau Wiegand, geben Sie uns bitte die Adresse Ihres behandelnden Arztes oder Ihrer behandelnden Ärztin und befreien Sie sie von
47:50der Schweigepflicht.
47:52Es ist wirklich in Ihrem Interesse.
47:54Danke.
48:00Ja, das ist das Attest der Ärztin von Frau Wiegand.
48:03Also durch die Arthrose ist sie wirklich beeinträchtigt.
48:05Ihre Handkraft ist stark reduziert.
48:07Du glaubst also, sie kann es nicht gewesen sein?
48:09Sie war noch nicht mal in der Lage, Ihre Aktentasche richtig zu schließen.
48:13Also wird sie auch nicht in der Lage sein, jemandem eine Drahtschlinge um den Hals zu legen und da kräftig
48:17zuzuziehen?
48:18Mit anderen Worten, Frau Wiegand hat euch...
48:20Ja, und Lorenz hätte allen Grund nervös zu sein.
48:25Bitte schön.
48:26Machen Sie es bitte kurz.
48:27Tag, Herr Dr. Mehring, setzen Sie sich bitte.
48:32Sie haben vor drei Tagen 200 Euro an einem Geldautomaten abgehoben.
48:36in der Bonner Straße.
48:38Warum ausgerechnet da?
48:41Deswegen haben Sie mich einbestellt.
48:43Beantworten Sie doch einfach meine Frage.
48:45Ich war gerade in der Gegend.
48:47Und was haben Sie da gemacht?
48:51Bin ich tatverdächtig?
48:53Ich will nur Ihr Alibi überprüfen.
48:57Ich beantworte keine weiteren Fragen.
49:01Sie waren im Bordell.
49:04Und weil Sie keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollten,
49:06haben Sie drei Straßen weitergeparkt in der Bonner Straße.
49:10Und dort Geld abgehoben, richtig?
49:18Wenn davon auch nur ein Wort an die Öffentlichkeit drängt.
49:21Es geht nur mehr Alibi.
49:24Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ich so...
49:27Wo waren Sie Sonntagabend?
49:29In einer Bar bei mir um die Ecke auf dem Abschluss...
49:31Mit Freunden, allein.
49:33Allein?
49:33Herr Reuter, Sie denken doch nicht wirklich, dass...
49:35Eine...
49:36Ja, Lorenz, als Sie sich mit Herrn Sternberg auf den Benefizball gezofft haben,
49:39ging es nicht um Abrechnungsmodelle irgendwelcher Krankenkassen.
49:41Sie haben Herrn Sternberg zur Rede gestellt
49:43und ihm zu verstehen gegeben,
49:45dass er es nicht wagen soll, Frau Wiegand zu erpressen,
49:47weil Sie da mit drin hängen.
49:49Richtig?
49:50Das klingt ja gerade so, als hätten Sie unser Gespräch belauscht.
49:53Wollen Sie das bestreiten?
49:58Bernd!
49:59Hallo, Kerstin.
50:00Gibt es was Neues zum Mehrungsalibi?
50:02Er ist hier gerade raus.
50:03Die Überprüfung ist wohl reine Formsache.
50:05Verstehe.
50:06Lorenz können wir wahrscheinlich auch ausschließen.
50:08Er sagt, er war zur Tatzeit in einer Bar.
50:10Ich halte das für glaubhaft.
50:11Überprüft das Dorf, Sicherheitshaber doch mal, ja?
50:14Ja, klar. Schickst du mir die Daten?
50:15Mach ich.
50:17Tja, ich würde sagen, wir sind keinen Zentimeter weiter gekommen.
50:19Naja, dafür haben wir eine korrupte Richterin aus dem Verkehr gezogen.
50:23Ja, da hast du natürlich recht.
50:25Ich frage mich gerade, was das wohl mit Ihrer Familie macht.
50:28Hm.
50:30Na gut, ähm, gibt es was Neues vom Fischer?
50:32Der wird morgen entlassen.
50:33Hey, das ist doch wenigstens mal eine gute Nachricht heute.
50:36Ja.
50:36Also, mach's gut.
50:38Bis morgen.
50:46Herr Schiller.
50:49Ich habe nachgedacht.
50:51Ich höre.
50:53Wenn man alles vom Leben haben will, was macht das Leben denn aus?
50:59Oh, jetzt wird's philosophisch.
51:02Na dann mal los.
51:03Es gibt kein Leben, das allein für sich selbst existiert.
51:07Alles ist mit allem verbunden.
51:08Niemand ist eine Insel.
51:10Ach, Schiller, sag mal auf, mit diesen, diesen Kalendersprüchen.
51:14Ist ja furchtbar.
51:15Aber dann eben nicht.
51:17Herr Schiller, wenn man unbedingt alles vom Leben haben will
51:20und keine Rücksicht nimmt auf andere Menschen,
51:23dann zahlt man einen Preis.
51:24Hm.
51:24Und welcher ist das?
51:31Einsamkeit.
51:33Kaffee?
51:34Unbedingt.
51:44Benno?
51:47Benno, was ist los?
51:49Ich gehe zu meiner Schwester.
51:52Weil meine Karriere zu Ende ist?
51:55Das Urteil ist noch nicht gesprochen.
51:58Willst du uns jetzt wirklich im Stich lassen?
52:00Uns.
52:01Geht doch immer nur um dich.
52:04Du hast dich hinter unserem Sohn versteckt.
52:06Ach was, wir haben uns beide hinter unserem Sohn versteckt,
52:08weil wir dir die Wahrheit nicht in die Augen gucken wollten.
52:11Welche Wahrheit?
52:14Leon kommt mit mir.
52:20Leon.
52:23Come anywhere.
52:25Come anywhere.
52:37Come anywhere.
52:59Ja, ja.
53:15Keimkarbonat.
53:16Der Abrieb der Drosselspuren.
53:19Das ist doch auch nichts anderes als Potasche, oder?
53:22Ja, genau, das ist der Trivialname.
53:24Und wenn man Potasche mit Wasser vermischt, dann entsteht da eine Lauge, richtig?
53:28Richtig, so werden beispielsweise Fette verseift.
53:31Wissen Sie, was damit auch gemacht wird?
53:34Darmseiten für Instrumente werden damit geschmeidig gemacht.
53:37Ach ja?
53:38Ja, das hat mir doch ein Instrumentbauer erklärt.
53:40Sie meinen...
53:43Richtig.
53:45Sternberg wurde mit deiner Schettelseite erdrosselt.
53:51Danke.
53:54Guten Tag.
53:55Ciao.
54:18Guten Tag.
54:21Genau, ich bin heute Abend.
54:42Dankeschön.
54:46Ah, Herr Reuter.
54:48Freut mich, dass Sie kommen konnten.
54:49Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen.
54:51Danke, Vivian. Könnte ich da einen Moment sprechen, bitte?
54:53Jetzt.
54:56Ja, Vivian, Sie waren gestern beim Instrumentenbauer in der Stahlstraße.
55:01Ja, das stimmt.
55:02Ja, ich hatte bei Ihnen so aus die Tüte mit dem Signier des Lahnens gesehen.
55:07Was haben Sie dort eingekauft?
55:09Schalloseiten.
55:10Ist hier neulich eine Seite gerissen?
55:12Ja, es passiert öfter. Aber warum fragen Sie?
55:15Ich würde diese Seite gern sehen.
55:20Okay.
55:23Hier in diesen Kübel habe ich die gerissene Seite reingetan.
55:26Sehen Sie?
55:27Lassen Sie mich mal bitte.
55:28Nee.
55:30Das können Sie mir glauben. Die Müllabfuhr kommt doch erst nächste Woche.
55:33Ich verstehe das nicht.
55:34Aber warum ist das für Sie so wichtig?
55:39Benno, was passiert hier?
55:41Na, keine Ahnung.
55:44Sie wollen wirklich das ganze Haus auf den Kopf stellen?
55:46Ja.
55:50Was macht ihr denn hier?
55:52Ich dachte, wenn man dich herbestellt, dass ich dich nicht allein...
55:54Ja.
55:54Danke.
55:56Ja.
55:57Was ist los?
55:58Danke.
55:58Keine Ahnung.
55:59Ist das die Seite?
56:01Ja, das kann sein.
56:04Kommt in die KTU.
56:05Wo haben Sie die denn gefunden?
56:08In meinem Zimmer.
56:09Mama.
56:11Was?
56:17Mein Vater und ich, wir haben geprobt.
56:20Und...
56:22Und Mama...
56:24War doch vor zwei Nächte nicht da.
56:27Und mein Vater hat gespielt wie...
56:30Wie ein Berserker.
56:31Da hast du die Seite gerissen.
56:40Da haben Sie begriffen, dass Ihre Mutter eine Affäre hat.
56:44Und wie sehr Ihr Vater darunter leidet.
56:47Richtig?
56:48Ich hab das nicht mehr mit angucken können.
56:50Ich wollte einfach, dass es aufhört.
56:54Leon.
56:55Papa.
56:56Ich hab doch gesehen, wie es dich kaputt gemacht hat.
56:59Du hast gelitten wie ein Tier.
57:02Und dann, als Sie die Seite gerissen ist...
57:06Wusste ich...
57:07Es ist wie ein Zeichen.
57:10Leon, wovon sprichst du?
57:12Ich musste was tun.
57:16Ich musste was tun.
57:38Ich hab's für dich gemacht, Papa.
57:43Es konnte doch nicht so weitergehen.
57:54Ich kann nicht fassen, dass ich nichts gemerkt habe.
57:59Ihre Musik?
58:01Für Sie gab es nichts anderes als Ihre Musik.
58:04Ja, die Musik war mein Trost.
58:07Und meine Flucht.
58:10Wovor sind Sie geflohen?
58:14Von dem Leben.
58:17Ja, die
58:17v-
58:25Musik
58:30Musik
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