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Transkript
00:00Ein Kollege hat Sie ja an mich überwiesen, wegen einer ungeklärten, somatisch jedenfalls nicht weiter zu begründen, Lichtallergie.
00:11Frau Kalvers, meine Frau kann sich nur noch in diesem Outfit bewegen und wir haben schon alles abgeklappert an Ärzte,
00:18so kann es nicht weitergehen.
00:20Und Sie sind eigentlich unsere letzte Hoffnung.
00:32Margot, leiden Sie denn schon von Geburt an an einer Lichtallergie?
00:35Nein, nein, erst seit wenigen Monaten.
00:38Ach, das ist neu ausgetreten.
00:40Ja, das ist ungefähr seit sechs Monaten.
00:43Jetzt hat es bei ihr angefangen und ist jetzt in diesem Stadium, das geht einfach gar nicht mehr.
00:47Also es steht ja wirklich im Raum, das ist die Anregung des Kollegen, weil er nichts Medizinisches gefunden hat, dass
00:55er sagte, es könne ja sein, dass es eine psychosomatisch bedingte Lichtallergie ist.
01:00Nein, das glaube ich nicht.
01:01Ich habe doch keinen an der Klatsche, das ist doch eindeutig, das bilde ich mir doch nicht ein.
01:08Und was sollte Sie haben, was psychologisch darauf hinweist, dass Sie diese Lichtallergie hat?
01:13Nein, das weiß ich nicht. Es ist ja oftmals plötzlich aufgetreten und es ist auch ziemlich von Null auf Hundert
01:18gegangen, sodass Sie ja wirklich jetzt auch völlig vermummt sind.
01:22Und Sie haben auch gesagt, auch bei künstlichem Licht ist es schwierig.
01:25Was würde denn jetzt genau passieren, wenn Sie keinen Schutz an den Händen oder im Gesicht hätten?
01:30Ich kriege sofort Ausschlag, es kriegt Pusteln, die Nässen, die Jucken, die Schmerzen.
01:35Also wie ein richtiger Sonnenbrand, wie Blasen.
01:38Ja, und ich fühle mich auch von innen her, als würde ich verbrennen. Ich fühle mich wie so ein Tier,
01:43das so irgendwie verletzt ist.
01:45Ich kann es gar nicht beschreiben. Es ist schmerzhaft, es juckt, ich will kein Licht mehr.
01:53Und das heißt, Sie gehen jetzt nicht mehr ans Licht, Sie sind auch in der Wohnung abends nicht im Licht.
01:59Wie leben Sie denn?
01:59Ich lebe verdunkelt zu Hause. Alles habe ich zugezogen.
02:03Und Sie? Und Ihre Familie? Haben Sie auch Kinder?
02:05Ja, wir haben zwei Kinder.
02:07Und wie leben Sie?
02:07Ja, wir müssen mit der Situation umgehen, aber für uns ist das Wichtigste, das ist meine Frau, die Mutter meiner
02:12Kinder.
02:13Wir müssen sehen, dass es da vorangeht und irgendwas muss ja passieren.
02:16Ja, aber...
02:17Wir leben mit der Situation, aber irgendwo muss ja mal ein Ende sein.
02:20Naja, aber es ist Ihnen ja klar, wenn Sie hier sind und wenn eben auch der Arzt ebenfalls der Meinung
02:26ist, dass Sie hier hingehören, dann gehe ich ja davon aus, dass bei Ihnen irgendein psychisches Problem vorliegt.
02:32Nein.
02:33Nein, das kann gar nicht. Also Familie kann es schon mal gar nicht sein. Also das können wir komplett ausschließen.
02:38Also wirklich komplett.
02:39Sind Sie berufstätig?
02:40Nein, ich bin nicht berufstätig. Aber, wenn Sie zu Hause sind und kein Licht mehr kriegen, dann...
02:46Das ist unsere Familie.
02:47Das sind Sie?
02:47Ja, das war noch vor einiger Zeit, bevor diese Lichtallergie kam. Und wenn Sie sehen, also wir sind eine glückliche
02:55Familie, uns fehlt es an gar nichts.
02:57Weder finanziell, welche Probleme, die Kinder, das ist alles in Ordnung bei uns. Also wirklich...
03:02Sie strahlen in die Kamera.
03:04Ich war so gerne draußen. Ich habe einen wunderschönen Garten, da habe ich ganz viele gearbeitet. Ich habe mich dort
03:10mit meinen Freundinnen getroffen.
03:12Und ich war viel schwimmen und Radfahren. Also ich habe die Sonne geliebt.
03:17Sonntagsspaziergang im Stadtpark. Es geht alles gar nicht mehr.
03:20Es geht nichts mehr.
03:22Haben Sie denn irgendetwas, was begründen könnte, dass Sie vielleicht ein seelisches Problem haben, das Sie nicht spüren?
03:32Wenn man sagt, Sie haben Schmerzen, Sie fühlen sich wie verbrannt, innerlich verbrannt.
03:37Es gibt nichts bei uns. Es gibt nichts.
03:39Bist du die Ehe? Entschuldigung, ich frage jetzt mal.
03:41Wir sind ja eine... Ah Gott, ich...
03:42Entschuldigung.
03:44Eigentlich könnte man wirklich...
03:45Ritter und Jan sind da.
03:46Ach, die Kinder?
03:46Ja, wahrscheinlich, ne?
03:47Ja, die holen uns ab. Vielen Dank, Frau Kralbers.
03:50Achso, die wollen uns wahrscheinlich auch noch abholen.
03:51Das war aber ein etwas kurzer Termin. Also so schnell kann ich gar nicht...
03:54Ich wollte ja auch gar nicht...
03:56Entschuldigung, dass wir so spät sind. Wir waren mit der Bahn, hat ein bisschen länger gedauert.
03:59Schön, dass wir uns abholen.
04:00Hallo, Mama.
04:01Na?
04:01Kommt.
04:02Hallo, Jan.
04:03Kommt, wir gehen irgendwie...
04:05Was ist denn los? Warum ist denn hier so Aufbruchstimmung?
04:08Ja, was wollt ihr hier? Frag ich euch jetzt.
04:10Ja, wir wollen wissen, was mit Mama ist.
04:12Ja, Mama unterstützen und...
04:13Wir haben uns einfach nur einen Rat holen wollen, aber es ist eigentlich alles soweit in Ordnung.
04:17Naja, der Rat, den habe ich Ihnen ja gegeben und indirekt hat ja sicherlich der Kollege Ihnen das auch gesagt,
04:21denn Sie haben ja den Arztbrief gesehen, schätze ich.
04:23Ja, natürlich, wir waren nicht nur bei einem Arzt, wir waren bei vielen.
04:26Also der Arzt, der Ihre Mutter behandelt, ist der Meinung, dass es sich um eine psychosomatische Erkrankung
04:30oder zumindest ein weitgehend psychosomatisch bedingter Erkrankung handelt.
04:34Das heißt, dass Ihre Mutter möglicherweise irgendwelche Probleme hat, die Sie nicht benennen kann, nicht benennen mag.
04:41Ja, ganz einfach, weil es keine gibt. Es gibt keine bei uns.
04:44Ich kann kein Licht ertragen und das ist alles.
04:47Und das hat nichts mit einem psychischen Problem.
04:47Und das stehen Sie ja hier auch nicht. Indirekt stehen Sie jetzt hier auch im Licht zu stehen.
04:50Aber Mama, guck mal, wir waren bei so vielen Ärzten und keiner konnte...
04:53Ich konnte dir helfen. Wir machen uns jetzt wirklich...
04:55Ich bitte auch raus hier, bitte.
04:55Wir haben auch die Hoffnung, dass heute endlich mal was irgendwie herausgefunden werden kann.
04:58Das kann man jetzt nicht die Ernst sein, dass Sie gehen. Das ist doch kein Leben.
05:00Ich denke mir, das ist auch für Sie Zeitverschwendung. Also ich denke mir nicht, dass Sie uns helfen können.
05:05Also ich fände es gut, wenn Mama mit Frau Kahl was reden würde.
05:07Aber worüber denn?
05:08Ja, fände ich auch gut.
05:09Mama, bitte.
05:10Worüber denn?
05:11Rede doch nicht.
05:12Es gibt doch aber nichts, Britta.
05:13Es gibt nichts, wo wir Probleme haben, oder?
05:15Haben wir irgendwelche familiären Probleme? Nein.
05:19Du weißt es nicht, Mama, bitte. Du weißt, worüber ich meine, was du reden sollst.
05:25Was?
05:26Bitte.
05:26Wenn du nicht reden möchtest, dann rede ich mit Frau Kahl was. Ich würde gerne mal mit Ihnen...
05:30Gut, ich kann Sie nicht davon abhalten zu gehen, aber ich kann den Wunsch Ihrer Tochter entsprechen.
05:35Was?
05:36Lass mich machen. Ich würde gerne mal mit...
05:38Bitte.
05:40Also ich denke, es wäre gut, wenn Sie vielleicht doch bleiben. Wissen Sie, ich habe mir das
05:44die ganze Zeit vorgestellt, wie sich das anfühlen mag, wenn man eigentlich nur noch in einem
05:48abgedunkelten Raum lebt. Das ist doch im Grunde genommen, als wäre man im Grab, oder?
05:52Ein Spukschloss ist das bei uns ganz recht. Aber es gibt bestimmt noch eine andere Lösung.
05:57Also wir müssen jetzt hier bei der Psychologin herum. Also ich halte da sowieso nichts von.
06:03So.
06:06Ich hatte den Eindruck, da drängt doch etwas, ne?
06:11Ja, also...
06:12Wie soll ich es sagen?
06:14Ich hatte eigentlich gehofft, dass Sie schon vielleicht was rausgekriegt haben.
06:20Ich hatte nicht viel Zeit.
06:22Okay, also...
06:23Eltern wollten deutlich die Sache hinter sich bringen und gehen.
06:26Ja, also ich habe eine Vermutung.
06:30Ich meine, ich hätte meine Mutter dabei erwischt, wie sie sich das Leben nehmen wollte.
06:39Also, naja...
06:40Wann war das?
06:41Vor zwei Monaten ungefähr. Ich bin von der Schule gekommen und, naja, sie ist halt immer in ihrem Raum.
06:47Aber da war sie also schon vier Monate an dieser Lichtallergie erkrankt?
06:50Ja. Und ich habe halt Hallo gerufen und es kam keine Antwort. Und dann habe ich mir erst mal nichts
06:55dabei gedacht.
06:56Aber dann habe ich gemerkt, dass ich nichts höre, gar nichts. Und dann bin ich halt bei ihr ins Zimmer.
07:01Und sie lag quer über dem Bett auf dem kleinen Tischchen daneben. Eine leere Packung Schlaftabletten und eine angebrochene Flasche
07:13Rotwein.
07:14Und ich war... Es war für mich... Ich habe gedacht, sie ist tot. Weil ich habe die ganze Zeit gerufen,
07:19Mama, Mama, hab sie durchgeschüttelt.
07:21Nichts... Ich weiß nicht, was ich noch alles gemacht habe. Ich habe einfach dann ein Glas genommen mit Wasser und
07:26ihr es über das Gesicht geschüttet.
07:28Und sie kam dann langsam zu sich. Also habe ich ihr dann auf der Toilette den Finger in den Hals
07:33gesteckt, damit sie sich halt übergibt, weil...
07:35Also Sie haben sie geschleppt zur Toilette?
07:37Ich habe sie dahin geschleppt. Sie war auch ziemlich schwer und sie hat nicht wirklich was mitgekriegt.
07:41Und ich hatte so eine Angst nur. Ich wollte ihr erst mal helfen. Ich wollte eigentlich auch den Notarzt rufen.
07:46Aber sie kam eigentlich schnell zu sich und sie meinte, ich soll auf keinen Fall den Notarzt rufen.
07:50Sie wollte ja nur schlafen. Und ich weiß nicht, was ich glauben soll, ob sie jetzt echt nur schlafen wollte
07:55oder...
07:56Also für mich... Was denken Sie denn?
07:58Für mich sah es so aus, als wäre es echt ein Selbstmordversuch.
08:02Haben Sie ja mit Ihrem Vater oder Ihrem Bruder darüber geredet?
08:04Nein, ich habe ihr versprochen, nichts zu sagen. Deswegen, ich habe das bis jetzt noch keinem gesagt.
08:09Nur jeden Tag denke ich daran, dass es vielleicht nochmal passieren könnte.
08:13Würden Sie denn sagen, dass Ihre Mutter auch schon vor der Erkrankung depressiv war?
08:18Also ich meine, einen Selbstmordversuch macht man ja eigentlich, wenn es einem wirklich...
08:21Ja, wenn man schlichtweg das Leben satt ist.
08:23Nun kann ich mir vorstellen, dass eine solche Lichtallergie wirklich sehr, sehr, sehr belastend ist.
08:30Und vielleicht auch wirklich das Leben damit lebensunwert ist.
08:35Aber ist denn Ihre Mutter sonst glücklich? Würden Sie sagen, es ist nur diese Erkrankung?
08:41Naja, also dadurch, dass mein Vater halt Bürgermeister ist, ist es ziemlich Stress.
08:45Er kommt sehr genervt nach Hause.
08:47Und ich könnte mir schon vorstellen, dass das nicht mehr so wie früher ist.
08:51Also ich glaube, sie ist nicht mehr so glücklich.
08:54Also es ist alles ziemlich viel Stress und es könnte auch damit was zu tun haben.
09:00Es kann sein, dass ich davon irgendwann Gebrauch mache, von dem, was Sie gerade gesagt haben,
09:04Ihrer Mutter gegenüber, ja?
09:06Ja, es wäre nur gut, wenn Sie ihr vielleicht sagen würden, dass ich das nicht gerne gemacht habe.
09:10Also ich wollte ihr nicht in den Rücken fallen, wirklich nicht.
09:11Ja, aber ich denke, das war sehr verantwortungsvoll von Ihnen.
09:14Gut, okay.
09:17Ich gehe mal rüber, ja?
09:18Okay.
09:23Wo ist Britta?
09:24Ja, was war denn los?
09:26Im Arbeitszimmer. Sie gucken so demonstrativ auf die Uhr.
09:28Also wir hatten 45 Minuten vereinbart.
09:31Ich finde, wir kommen nicht weiter, aber können Sie mir wieder sagen,
09:35was hat Britta jetzt so etwas Wichtiges zu Ihnen erzählen gehabt, was wir nicht hören dürfen?
09:38Ihre Tochter macht sich auch große Sorgen und hat mir etwas erzählt,
09:41worüber ich gerne mit Ihnen alleine reden möchte.
09:44Frau Kalbers, wir haben keine Geheimnisse voreinander, das können Sie ruhig vor uns sagen.
09:49Jan kann ja vielleicht rausgehen, aber...
09:50Leben Sie noch zu Hause?
09:52Nee, ich wohne im Internat.
09:53Ah ja.
09:54Ihre Tochter hatte einen Vorfall berichtet, der wohl zu Hause stattgefunden hat.
09:59Ich würde Sie einfach bitten, und gehen Sie davon aus, dass es nicht gegen Sie gerichtet,
10:03dass Sie mich kurz mit Ihrer Frau alleine lassen.
10:04Ja?
10:05Ich werde dann draußen.
10:06Jan.
10:07Auf, Jan.
10:07Könnten Sie bitte auch mit Ihrem Vater gehen?
10:09Ja.
10:18Was hat sie Ihnen erzählt?
10:21Von einem Vorfall vor zwei Monaten.
10:24Das heißt, Sie hatten da schon vier Monate lang die Lichtallergie.
10:29Eine Situation, in der sie sie gefunden hat und große Angst hat,
10:34dass Sie entgegen Ihrer eigenen Aussage, Ihr Gegenüber, vorhatten, sich umzubringen.
10:41Das hat Sie falsch gesehen.
10:44Ich habe Wein getrunken und dann wollte ich schlafen und habe eine Schlaftablette genommen.
10:51Ja, Sie scheinen ja wohl ein bisschen mehr als eine Schlaftablette genommen zu haben.
10:54Vielleicht, aber das hat Sie in den falschen Hals gekriegt.
10:58Ich habe ihr das auch gesagt, dass sie das falsch erlebt hat.
11:00Also das wollte ich bestimmt nicht tun.
11:02Wissen Sie, ich denke, wir sollten wirklich mal versuchen, offen miteinander zu reden.
11:06Es ist sicherlich etwas, was Ihnen nicht leicht fällt.
11:08Jemand, der möglicherweise psychosomatisch krank ist, hat ja genau das Problem,
11:13dass es nicht ihm leicht fällt, über seine Probleme zu reden.
11:16Er lässt seinen Körper reden.
11:18Und Ihr Körper hat eine ganz deutliche Sprache.
11:21Schon aus dem wenigen, was Sie gesagt haben und dem, was ich über eine Lichtallergie im extremen Maße weiß,
11:27heißt es, es herrschen vor Schmerzen, es herrscht vor Angst, Verzweiflung und in der Gruft,
11:37ich nenne es mal so, dem dunklen Raum, wo kein Licht reinkommt,
11:40also dafür darf ja wahrscheinlich noch nicht mal so viel Licht reinkommen,
11:42ist doch auch eine verdammte Einsamkeit.
11:44Ja.
11:50So, wenn Sie jetzt zu mir sagen würden, ja Frau Kalbers, es ist so, eigentlich konnte ich nicht mehr und
12:08ich wollte nicht mehr.
12:13Es ist schwer.
12:15Ja, das glaube ich Ihnen.
12:17Ich bin einsam, ich habe keine Freude mehr, ich habe keine Kontakte mehr.
12:25Jan ist weg, er ist im Internat, Britta ist bei ihren Freundinnen,
12:29mein Mann ist immer weg, weil er im Moment auch wieder viel zu tun hat mit dem Wahlkampf und ich
12:36wollte raus.
12:37Ich fühlte mich gut an dem Tag und dann wollte ich raus in den Garten, die Sonne schien nicht, es
12:43war alles berührt.
12:43Das war ein Wahlkampf, also ihr Mann ist mir jetzt vom Gesicht ja kein Begriff.
12:46Er ist Bürgermeister, so.
12:48Im kleinen Ort.
12:49Ja, und jetzt sind wieder die Neuwahlen und er möchte wieder kandidieren.
12:54Und ist natürlich sehr, sehr viel unterwegs und hat viel Arbeit und Sitzung.
13:01Und ich wollte einfach nur mal raus und frische Luft schnappen und nach wenigen Minuten ging das alles wieder, es
13:08fing alles wieder an.
13:11Ich musste sofort wieder rein.
13:14Ja, das, ich wollte nicht mehr.
13:17Sie wollten nicht mehr?
13:20Ich sah in dem Moment wirklich...
13:22Wie gehen Sie denn mit diesem, ich wollte nicht mehr mit Ihrer Familie um?
13:25Ich meine, es ist ja Ehemann und den müssten Sie doch eigentlich...
13:30Frau Kalvers, bitte erklären Sie mir jetzt, was ist hier passiert?
13:35Ich erfahre hier ganz komische Sachen, merkwürdig.
13:38Erzählen Sie mir das.
13:38Oder Margot, erzähl du mir, was bitte los ist.
13:40Das würde ich auch langsam gerne mal wissen.
13:42Also hier ist doch irgendwas faul, ich möchte es gern wissen.
13:45Ja, ich meine, also hier ist, glaube ich, weniger faul, sondern wir versuchen eigentlich dem, was faul ist, auf die
13:49Spur zu kommen.
13:51Haben Sie Ihren Vater und Ihren Bruder informiert?
13:54Das heißt, Sie wissen jetzt alle, dass Ihre Mutter mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Selbstmordversuch hat.
13:59Aber bitte...
13:59Ja, aber ich würde es gerne von dir mal hören, Mama.
14:01Stimmt das wirklich?
14:03Ach, ach, ach, ach.
14:04Wenn ja, warum hast du mir denn nichts gesagt?
14:05Ich hätte dir doch helfen können.
14:06Ach, Jan, glaubst du wirklich im Ernst daran, dass deine Mutter versucht hat, sich das Leben zu nehmen?
14:12Wie kommst du überhaupt darauf, weil Tabletten da alle gelegen haben?
14:15Vielleicht waren das ihre Vitamintabletten, die sie nimmt.
14:17Und du, Carsten, hast einfach nur falsch interpretiert.
14:19Aber Papa, Mama hat es doch wohl scheinbar selber jetzt gerade gesagt und Britta hat es doch gesehen.
14:23Aber nein, hat sie ihm kein Wort gesagt.
14:24Ach, bitte, Jan, ist jetzt gut.
14:26Sie hat das mit einem Wort gesagt.
14:28Sie hat gerade gesagt, das war wieder eine Situation, in der sie einfach Sehnsucht hatte nach Licht.
14:34Und offenbar, ich weiß nicht, an welcher Tageszeit war das?
14:37Gegen, ja, Vormittag.
14:39Das heißt, Sie sind wirklich ins helle Licht rausgegangen.
14:41Und dann überfiel sie eine massive allergische Reaktion.
14:48Und die allergische Reaktion war so, dass du dich umbringen wolltest.
14:51Das kann man nicht vorstellen.
14:53Frau Kalfers, niemand, kein Familienmitglied aus der Familie von Gottfried Falkenberg hat es nötig oder einen Grund, sich das Leben
15:00zu nehmen.
15:00Aber das ist doch deine Meinung.
15:01Fragen wir doch einfach mal Mama, was sie dazu zu sagen hat.
15:04Ja, Margot, sag doch mal was.
15:06Ist das richtig?
15:08Nein.
15:09Nein.
15:10Haben Sie denn schon mal Ihre Frau in einem Zustand gesehen, in dem wirklich die Allergie blühte?
15:16Ja, aber natürlich, Frau Kalfers.
15:18Das muss ja noch, ich kann das jetzt nur mal so sagen, das muss ja so was sein wie ein
15:22massiver Sonnenbrand, der wirklich die Nerven unter der Haut, ich meine, unter der Haut haben wir die meisten Nerven erfasst.
15:29Das heißt, das muss ja am ganzen Körper höllisch, ich sage wirklich höllisch wehtun.
15:35Das bin ich auch überzeugt.
15:36Das ist ja wahrscheinlich Sonnenbrille, selbst ein Sonnenbrand in den Augen.
15:40Es muss höllisch wehtun.
15:42Und dass man dann vielleicht manchmal sagt, ich will nicht mehr.
15:45Das kann schon sein.
15:46Vielleicht auch in einer Kurzschlussreaktion einfach sagt, ich will nicht mehr.
15:50Das muss ja nicht geplant sein.
15:51Das müssen Sie doch in Erwägung ziehen.
15:52In Erwägung ziehen, aber ich werde es auf keinen Fall glauben.
15:55Auf keinen Fall glaube ich.
16:06Aber wie kannst du das denn sagen?
16:07Wir können es doch nicht einfach totreden.
16:08Wenn sie Probleme hat, dann müssen wir doch super sprechen.
16:11Fragen Sie sie doch mal.
16:12Margot.
16:13Komm, erzähl mal.
16:15Lassen Sie Frau Kalfers.
16:17Nein, nein.
16:18Meine Frau wollte sich das Leben nicht nehmen.
16:19Mama, sag es mir bitte.
16:20Ist da was dran?
16:21Und ich würde sagen, lass uns gehen.
16:22Komm, Leute.
16:23Nein, Papa, ich habe jetzt wirklich keinen Bock darauf, dass du ihr hier die ganze Zeit den Mund verbietest.
16:27Ja.
16:27Sieht doch scheinbar offensichtlich die Probleme.
16:29Ja, langsam.
16:30Ja, nee, nichts langsam.
16:31Darüber muss doch mal geklärt werden.
16:32Ja, es muss geklärt werden.
16:33Es ist geklärt.
16:34Also deine Mutter hat keine Probleme.
16:35Ja, aber du kannst das doch hier nicht die ganze Zeit einfach so runterspielen.
16:38Es dreht sich doch jetzt hier gerade nicht um dich.
16:40Bitte, Frau Kalfers.
16:41Erklären Sie mir das dann bitte.
16:43Aus Ihrer Sicht, psychologischer Sicht, hat sie sich versucht, das Leben zu nehmen.
16:47Also ich könnte es nachvollziehen und Ihre Frau hat es mir so geschildert, dass ich das annehme.
16:52Ja.
16:53Ja, siehst du, da hörst du es.
16:54Ich glaube es nicht.
16:55Nein, auf gar keinen Fall.
16:56Aber es geht ja nicht um Glauben.
16:58Wenn ich sage, es ist eine psychosomatische Erkrankung und ich höre, wie Ihre Frau sagt, es brennt, es tut weh,
17:06ich habe Schmerzen von innen und außen und zwar so, dass ich es nicht aushalte, dann sage ich mir, dann
17:11müsste eigentlich das Pendant zu den körperlichen Schmerzen ein seelischer Schmerz sein.
17:15Das heißt, was ist los, dass Ihre Frau in der Seele einen Schmerz hat, der brennt, der sie verbrennt, der
17:23sie zum Wahnsinn treibt, dass sie sich umbringen will, sie ihn aber nicht spüren darf oder kann und stattdessen das
17:29körperliche Symptom entwickelt.
17:30So, was ist los?
17:33Was ist in dieser Familie los?
17:35Ja, ich würde es gerne mal geklärt haben.
17:37Also hier gibt es gar nichts zu klären, bei uns ist alles in Ordnung.
17:39Pass mal auf, Papa, ich habe keinen Bock, dass du hier die ganze Zeit einfach alles abbügelst und so, ich
17:42möchte das geklärt haben, wenn du das nicht kannst.
17:45Das haben Sie mir gar nicht mehr wiedergegeben, Frau Pfeiffer.
17:47Ach, das habe ich in kein Acht, das habe ich eingesteckt, ja, Entschuldigung.
17:50Ist mir schon aufgefallen.
17:53Vielleicht, weil es so ein schönes Foto ist.
17:54Ja, ist es auch und es spiegelt einfach nur wieder, was wir sind.
17:57Eine glückliche Familie, das sehen Sie doch auf dem Bild oder meinen Sie, das ist gespielt?
18:01Das ist auf unserer ganzen Wahlplakaten, das ist drauf.
18:03Ach, weißt du was, Papa, ich habe keinen Bock da drauf, dass du hier die ganze Zeit so ein blödes,
18:07gestelltes Foto raushust und das alles niederredest.
18:09Wenn du hier nicht ernsthaft zum Gespräch bereit bist, dann muss ich mir das nicht antun, dann gehe ich halt.
18:12Ja, dann geht es auch besser.
18:13Ja, die brauchen wir sowieso hier nicht.
18:15Geh, geh in dein Internat, da passt du auch hin zu deinen anderen Kollegen.
18:19Geh, da ist die Tür, geh.
18:22Brauchen wir uns nicht antun, dieses Gesüße.
18:24Und Margot, weißt du was, das Beste ist, wir gehen auch.
18:26Ritter, komm, lass uns nach Hause gehen.
18:28Nein, sie bleibt jetzt hier.
18:29Also was tut er?
18:30Gottfried, noch mal zu Ihrer Orientierung, ich werde jetzt mit Ihrem Sohn reden.
18:34Und es kann sein, dass ich gleich hier reinkomme.
18:37Und wir nicht mehr da sind vielleicht?
18:38Bitte?
18:39Und wir vielleicht gar nicht mehr da sind?
18:40Doch, Papa, wir bleiben jetzt hier.
18:41Das wäre sehr bedauerlich.
18:43Gut, ich gebe Ihnen noch ein paar Minuten.
18:47Wir gehen nicht ohne, Jan.
18:49Ich konnte Sie jetzt einfach nicht gehen lassen, weil ich das an den Eindruck hatte.
18:53Eigentlich wollten Sie nicht gehen, sondern auspacken, aber Sie haben dann letztlich auf Ihre Mutter Rücksicht genommen und auf Ihre
18:58Schwester Rücksicht genommen.
18:59Ja, mit meinem Vater kann man ja scheinbar nicht reden.
19:01Der bügelt ja immer direkt alles runter und ab.
19:03Ja, er hat eine gewisse Dominanz, um das mal vorsichtig zu sagen.
19:06Aber er scheint sich ja auch so politisch als Bürgermeister zu betätigen.
19:09Wie groß ist eigentlich?
19:11Ach, eine kleinere Gemeinde.
19:13Heißt, das ist keine Großstadt, aber schon eine gute Gemeinde.
19:15Und er ist von so einer Kreisstadt, also er ist dort der, vom Kreis der Bürgermeister.
19:21Und das hier ist das denn, Sie haben sich für das Bild etwas verächtlich geäußert, ist das so für die
19:27Lokalzeitung ein Pressefoto?
19:28Also das ist jetzt kein Foto von uns zu Hause, was über dem Kamin steht, sondern das ist halt so
19:32ein Wahlkampffoto gewesen, schön gestellt und das spiegelt überhaupt nicht das wieder, was zu Hause bei uns stattfindet.
19:37Was findet denn statt?
19:39Ja, das ist eigentlich total verlogen alles und ein Zerrbild eigentlich von dem, was wir da darstellen sollen.
19:43Warum sind Sie denn eigentlich ins Internat gegangen?
19:46Ja, das war auch nur so eine halbfreiwillige Geschichte von mir, das war eine Idee von meinem Vater.
19:51Mein Vater ist nämlich eigentlich gar nicht der Mann, wie er versucht sich hier darzustellen.
19:54Dass der Bürgermeister nach außen hin, familienfreundlich, offen und immer für alle da, das ist auf keinen Fall mein Vater
20:02so, wie er im wirklichen Leben ist.
20:03Ich kann Ihnen auch mal was zeigen, nicht, ob ich es noch habe.
20:06Ich habe nämlich meinen Vater einmal frischer Tat erwischt.
20:09Er hat nämlich eine Affäre laufen, jetzt schon seit mehreren Monaten.
20:13Da waren wir nämlich auf dem Schützenfest und ich war auf Toilette und bin dann wieder rausgekommen und da habe
20:17ich meinen Vater mit einer anderen Frau erwischt.
20:19Ich kenne sie nicht, war mir auf jeden Fall auch egal, wer es ist.
20:21Es war auf jeden Fall nicht meine Mutter und da habe ich die Fotos hier gesehen.
20:25Ich kann ihn mal angucken.
20:26Ich finde sehr eindeutig.
20:29Beim ersten Foto spricht er noch nur mit ihr.
20:32Beim zweiten umarmen sie sich schon.
20:35Beim dritten, wenn sie dann mal gucken, wo er seine Hand da hat.
20:38Ich finde, er hat eigentlich einen Ehemann die Hand nur bei seiner Frau hinzulegen.
20:43Ja, ich habe ihn da auf jeden Fall in Flagranti erwischt und habe dann meine Kamera rausgeholt.
20:46Ich wollte es nämlich mal abfotografieren.
20:48Und haben Sie Ihren Vater damit konfrontiert?
20:50Ja, mein Vater nicht.
20:51Mein Vater ist nicht so der Typ, der sich von mir mit irgendwas konfrontieren lässt.
20:54Aber ich bin zu meiner Mutter gegangen, habe sie ja gezeigt.
20:57Ich wollte sie halt aufklären, dass mein Vater hinter ihrem Rücken noch eine zweite Frau hat oder irgendwas verheimlich auf
21:02jeden Fall.
21:04Und wann war das?
21:05Vor sechs Monaten.
21:08Aber meine Mutter wollte davon gar nichts wissen.
21:09Ich habe auch gedacht, normalerweise, wenn man doch mit so Fotos zu der Mutter hingeht, also zur Ehefrau, würde sie
21:14ausrasten.
21:14Aber da kam gar nichts.
21:17Sie legen mir jetzt einfach einen Verdacht nahe.
21:20Es wäre natürlich sehr plötzlich.
21:21Aber dennoch frage ich mal, hatte Ihre Mutter denn zu dem Zeitpunkt schon die Lichtallergie?
21:26Das weiß ich nicht.
21:27Ich glaube, war ja auch ungefähr so.
21:29Danach irgendwann fing es an.
21:31Aber das ist jetzt nicht das einzige Beispiel dafür, dass mein Vater so ein Tyrann ist.
21:35Sie haben mich ja gerade darauf angesprochen, das ganze Thema Internat.
21:39Und zwar ist es so, dass ich in Wirklichkeit schwul bin.
21:42Das hat Ihnen heute keiner gesagt und das wird Ihnen niemals jemand sagen.
21:45Das weiß nämlich auch eigentlich nur mein Vater und ich.
21:47Ich habe es auch nicht mal meiner Mutter gesagt und meine Schwester weiß es auch nicht.
21:50Und zwar war es so vor ungefähr zwei Jahren halt.
21:54War halt mitten in der Pubertät und habe langsam festgestellt, dass ich mich mehr für Jungs als für mich interessiere.
21:58Und das war, weiß Gott, nicht leicht für mich damals, weil Homosexualität ist ja immer noch nicht so ein Thema,
22:02mit dem man um sich wirft.
22:04Und ich habe mich damals mit einem Jungen aus der Nachbarstadt getroffen im Park und wir sind uns da ein
22:09bisschen näher gekommen das erste Mal.
22:11Und mein Vater hat uns dabei erwischt.
22:12Er ist dazwischen gegangen, hat mich am Abend dann durch den Park gezogen, was mir super peinlich war.
22:17Hat mich die ganze Zeit darüber angebrüllt und zu Hause hat er mich in mein Zimmer eingesperrt.
22:20Gemeint, ich wäre eine schwule Sau und abartig und dass es peinlich wäre, so etwas wie mich zu haben, dass
22:25ich nicht mehr sein Sohn wäre, dass er sich schämen muss.
22:27Und am Tag darauf, ohne dass noch irgendwie ein Gespräch kam, meinte er, ja, jetzt gehst du morgen ins Internat.
22:33Von einem Tag auf den anderen musste ich alle Zelte abbrechen, weil er meinte, ich wäre eine Schande für seinen
22:37Wahlkampf und er ist der Bürgermeister.
22:40Und Sie haben aber auch nicht, wie alt waren Sie, als das passiert ist?
22:4216.
22:4216.
22:4316.
22:43Sie sind nicht zu Ihrer Mutter gegangen und haben gesagt, Mama, so und so ist die Situation, ich will nicht
22:46weg.
22:46Ja, ich bin zu ihr hingegangen, ich habe jetzt nicht direkt gesagt, Mama, ich bin schwul, ich weiß nicht, ob
22:50er es ihr erzählt hat, aber ich meinte auf jeden Fall zu ihr, ich möchte nicht ins Internat.
22:55Das war ja nicht mein Wunsch, sondern mein Vater.
22:56Und ich habe ihr gesagt, ich habe hier meine Freunde, ich habe hier mein Leben, ich möchte nicht weg.
23:00Und sie hat auch Verständnis gehabt, sie hat auch viel gewandert an dem Abend, aber sie meinte, sie kann mir
23:04nicht helfen.
23:06Also sie hatte nicht die Kraft, sich zu wehren.
23:08Ja.
23:09Ja, und deshalb bin ich dann auch vor zwei Jahren weggegangen.
23:11Ich meine, mittlerweile bereue ich es nicht mehr unheimlich, weil ich dann endlich von meinem Vater mal weg bin.
23:16Aber schön war es nicht und es war sicherlich nicht mein Wunsch.
23:20Ihre Schwester hat ja vorhin auch nur unter großer Vorsicht mir erzählt von dem wahrscheinlichsten Selbstmordversuch Ihrer Mutter.
23:29Ja.
23:30So, ich sage Ihnen jetzt mal etwas.
23:33Ich bin ziemlich sicher, dass Ihre Mutter einen Selbstmordversuch gemacht hat.
23:37Ich sehe, wie sehr Ihr Vater Sie wirklich alle im Griff hat.
23:41Ich frage mich, wodurch.
23:42Es ist einfach nicht so, der Mann, bei dem man sich vielleicht auch...
23:45Was macht er denn, wenn Sie sich ihm widersetzen?
23:47Ja, er verprügelt mich jetzt nicht oder so.
23:48Er hat halt so ein Auftreten.
23:50Ich meine, gerade noch vor ein paar Jahren, wo ich zu Hause gewohnt habe, da war ich 16.
23:53Als 16-Jähriger stellt man sich nicht breitbeilig vor seinen Vater.
23:57Diese Situation, erinnern Sie sich noch, als das Bild gemacht worden ist?
24:00Ja.
24:00Wie war wirklich die Situation, bevor der Fotograf kam?
24:04Ja, wirklich die Situation war, mein Vater hat mich angerufen und meinte, du musst am Wochenende mal zu uns kommen.
24:08Nicht, weil ich dich vermisst habe oder so, sondern ich brauche hier ein Foto für einen Wahlkampf.
24:12Ich hatte natürlich überhaupt keine Lust drauf, weil ständig in irgendwelchen Käseblättern eine Familie darzustellen, die man nicht isst, das
24:18macht ja keinen Spaß.
24:18Dann zwingt er mich dahin, ist die ganze Zeit, äh, zieh dein Hemd richtig an, zieht zu, dass deine Schuhe
24:23sauber sind, mit so blöden Kommentaren wie so ein Feldwebel und sobald dann die Kamera angeht, strahlt er, lächelt es
24:28zu allen Leuten nett.
24:29Und Ihre Mutter, wie hat sie geguckt, bevor das Foto zustande kam?
24:33Ja, hat jetzt auch nicht gerade gestrahlt vor Glück. Tun wir alle nicht mehr. Ist ja nicht das erste Foto,
24:37was wir schießen müssen.
24:40Also ich werde nicht verhindern können, wenn Ihr Vater Ihre Mutter nimmt, dass die beiden gehen.
24:45Nein. Ich kann auch nicht verhindern, wenn Sie oder Ihre Schwester gehen. Ich sage Ihnen nur, dass Ihre Mutter in
24:51meinen Augen nicht nur sehr krank ist und sehr leidet, sondern dass Ihre Mutter in meinen Augen gefährdet ist.
24:57Wer so viel Schmerzen hat, zögert nicht, einen erneuten Selbstmordversuch zu machen. Das heißt, irgendjemand muss die Sache jetzt auffliegen
25:05lassen.
25:06Also denken Sie wirklich, meine Mutter ist in Gefahr, wenn Sie jetzt...
25:09Ja.
25:11Ja. Ich weiß nicht, ich bin auf jeden Fall immer für Sie da und wird Ihren Rücken stärken.
25:16Gut, dann hoffe ich, ich habe Sie an meiner Seite, wenn ich versuche, Ihrer Mutter zu sagen, was los ist.
25:29Danke, dass Sie noch hier sind.
25:30Ja, ja, ich wollte mir das Schauspiel nochmal angucken, was jetzt passiert hier.
25:35Ja, ich weiß nicht, ob es ein Schauspiel ist, Papa.
25:37Was? Was? Was willst du denn?
25:39Was willst du?
25:40Ich finde, es müssen mal über so ein paar Dinge gesprochen werden bei uns in der Familie, wie es wirklich
25:43läuft.
25:43Ja, ich will mal über was sprechen.
25:45Kannst du das?
25:45Ja, kann ich. Vielleicht willst du ja auch mal über was sprechen. Vielleicht willst du uns ja mal was erklären.
25:49Ich euch was erklären?
25:50Was? Was du so hinter unserem Rücken so treibst mit anderen Leuten, anderen Frauen.
25:54An unserem Familienglück ja zu arbeiten.
25:57Familienglück, sag ich dir mal, zeigen, wie unser Familienglück aussieht.
25:59Also ich habe meine Karriere, damit es euch gut geht.
25:59Jan, hör auf, bitte.
26:01Du hilfst mir nicht damit.
26:02Was?
26:02Was willst du mir zeigen, ha?
26:03Ja, kennst du die Frau? Kennst du die vielleicht?
26:05Was?
26:06Ich meine, du hast ja deine Hände auf ihrem Hintern und oh, ich glaube, da küsst du euch, oder?
26:12Woher hast du das?
26:13Spionierst du mir hinterher oder was?
26:14Dafür muss ich dir nicht hinterher spionieren. Du treibst ja in jeder Ecke mit irgendwelchen Frauen, wie ich so einen
26:18Eindruck habe.
26:18Das ist Wahlkampf. So funktioniert Wahlkampf.
26:21Wahlkampf bedeutet mit anderen Frauen rummachen.
26:23Aber natürlich, da ist doch gar nichts. Das war doch einfach nur gespielt, war das ganz einfach.
26:28Das ist doch Quatsch. Das, was du jetzt machst, das ist gerade gespielt.
26:31Jan?
26:31Ja?
26:32Ich glaube, es ist besser, wenn du jetzt gehst.
26:33Nee, ich gehe jetzt nicht. Du konntest mich ja vielleicht vor zwei Jahren mal eben so aus dem Haus rausschmeißen,
26:37aber jetzt schweige ich nicht mehr.
26:38Weißt du, mit wem du redest?
26:39Ja, das weiß ich.
26:41Du redest mit deinem Vater, der auch gleichzeitig Bürgermeister ist.
26:43Von deinem Heimat, deiner Heimatgemeinde.
26:45Wir sind ja aber nicht gerade in unserer Heimatgemeinde.
26:47Das ist ganz egal.
26:47Da wohne ich schon lange nicht mehr. Ist mir egal.
26:48Nein, das ist auch gut so. Und du weißt ja auch, warum du nicht mehr bei uns lebst, ja?
26:51Hört auf. Ich ertrag das nicht mehr. Hört auf.
26:55Wie bitte?
26:55Wie meinst du das mit rausschmeißen?
26:56Ritter, ich habe es dir ja damals nie gesagt, weil ich nicht wollte, dass du auch noch mit reingezogen wirst,
27:00aber ich bin damals gegangen, weil ich schwul bin.
27:02Und ich bin eigentlich nicht gegangen. Ich bin gegangen worden durch unseren lieben Herr Vater, weil er meinte, eine schwule
27:07Missgeburt wäre eine Schande.
27:08Ja, genau. Und da habe ich noch leicht untertrieben. Es ist so, Frau Kalvers.
27:12Ich habe nichts gegen Homosexualität. Wir leben in einer modernen Welt, aber nicht mein Sohn.
27:19Nicht der Sohn von Gottfried Falkenberg.
27:21Ist denn daran so schlimm?
27:23Ja.
27:23Ich finde es sehr schlimm. Ich finde es mehr wie schlimm.
27:25Du bist hier das Einzige, was schlimm ist.
27:28Ja.
27:30Sie leben in einer Scheinwelt.
27:36Das ist das offizielle Pressefoto für Ihre Lokalzeitung.
27:42Weil Sie wieder Bürgermeister werden. Wollten, wollen oder was auch mal.
27:46Ich bin seit zehn Jahren Bürgermeister.
27:47Erzählen Sie mir doch mal, wie war die Situation fünf Minuten, bevor dieses Foto zustande kam?
27:52Ganz im Ernst, der Hund, der hat die ganze Zeit nur geklefft. Der wollte nicht auf dem blöden Foto sitzen.
27:56Selbst der Hund nicht.
27:57Mama hat geheult. Du warst in Tränen nahen, weil du andere Pläne hattest. Und ich wollte schon gar nicht kommen.
28:01Und die ganze Zeit hast du dich wie so ein Feldwebel aufgefühlt.
28:04Öh, zieht euch so an. Öh, grinst deine Kamera.
28:06Ja, natürlich. Wie wollt ihr denn rumlaufen auf so einem Foto? Die ganze Gemeinde, die ganze Stadt guckt da drauf.
28:10Aber das Leben, was da wirklich abgelichtet werden sollte, das sind Tränen und das ist Streit und alles.
28:14Ach, das ist in jeder Familie.
28:15Das ist ganz normal. Das ist überall.
28:18Erzählen Sie doch, Frau Kalvers, Sie kennen Sie doch aus, dass das ganz normal ist.
28:22Es gibt doch überall Streit und Ärger.
28:23Aber in jeder Familie entsteht aufgrund einer solchen Situation, das ist sehr unterschiedlich, wie man mit einem solchen Stress umgeht,
28:30eine so schwerwiegende Erkrankung, die so schmerzhaft ist, dass man sich eigentlich umbringen möchte.
28:36Umbringen, umbringen. Ist immer das Gleiche. Das ist doch gar nicht wahr.
28:39Papa, du hast doch keine Ahnung. Du hast doch nicht miterlebt.
28:42Ich würde gerne mit Ihnen noch mal alleine reden.
28:46Ja.
28:48Mein Gott, mein Gott.
28:51Marco, ich habe noch Termine.
28:53Mama, lass dich von unserem Vater jetzt nicht irgendwie einschüchtern, ja?
28:56Es liegt an Ihnen, ob Sie jetzt bei Ihrem Vater bleiben möchten oder ob Sie ins Wartezimmer gehen möchten.
29:00Ich hoffe, dass Sie auch noch weiter mir die Zeit schenken, die eigentlich angedacht war.
29:04Sie bekommen Ihre Zeit. Jeder Redner bekommt seine Zeit bei mir.
29:11Eigentlich habe ich überhaupt keine Lust, bei so einem Blödmann zu warten.
29:13Komm, Britta, wir gehen ins Wartezimmer.
29:14Jan, ich muss das alles gar nicht mal hören.
29:17Wenn du da rauskommst, mach ganz schnell, sonst schiebe ich dich hier raus.
29:21Und du weißt, wie das funktioniert, ja?
29:23Margot, ich habe den Raum jetzt hier abgedunkelt.
29:26Wir haben kein künstliches Licht, wir haben kein Tageslicht.
29:31Würden Sie sich zutrauen, dass Sie Ihre Sonnenbrille absetzen?
29:37Ich habe Angst, aber...
29:38Wenn Sie was merken, können Sie sie sofort wieder anziehen. Versuchen Sie es einfach, ja?
29:42Sie kennen sich ja, Sie wissen, wie die Reaktion ist.
29:44Ja, es ist sehr angenehm ohne dieses Licht. Ich probiere es.
29:56Ich wollte es gerne, weil ich gerne mal Ihre Augen sehen wollte.
30:00Und dass wir vielleicht gemeinsam erst mal da hingucken, was in meinen Augen zu Ihrer Erkrankung führt.
30:06Was wahrscheinlich der psychische Grund, die Grundlage für Ihre körperlichen Erkrankung, nämlich der Lichtallergie ist.
30:15Ich gehe davon aus, dass Sie schon seit langem sehr unglücklich sind.
30:19Und ich gehe davon aus, dass Sie eigentlich schon an einem Punkt waren, wo Sie sehr häufig eigentlich vor Schmerzen
30:26am liebsten gebrüllt hätten, geschrien hätten.
30:28Aber Sie haben den Mund gehalten, weil Sie wussten, Sie müssen den Mund halten.
30:36Was haben Sie gesehen, dass Ihr Körper explodiert ist plötzlich in dieser Lichtallergie?
30:45Das weiß ich nicht. Das ist einfach gekommen.
30:47Was muss vor sechs Monaten... Was war denn? Also, Ihr Sohn hat mir diese Fotos gezeigt.
30:53Ihre Reaktion gerade auf die Fotos mit dieser Frau war eigentlich so, als wollten Sie Ihren Sohn beschwichtigen, aber als
31:00wüssten Sie längst, dass Ihr Mann fremd geht.
31:02Mein Mann geht mir schon lange fremd. Schon seit einigen Jahren. Das habe ich lange beobachten können.
31:08Und ich habe es geschluckt. Ich wollte eine gute Familie und eine gute Ehefrau sein.
31:12Nein. Also, diese Lichtallergie, die habe ich doch erst seit einem halben Jahr.
31:25Vielleicht gab es keinen aktuellen Auslöser. Vielleicht war es einfach so, dass irgendwann das Fass übergelaufen ist.
31:36Dieses Tragen und Tragen und Tragen. Nicht vielen fühlen dürfen, aber einen Schmerz in der Seele haben, der immer stärker
31:45wird.
31:46Und es eigentlich nicht mehr aushalten können. Und es eigentlich hinausbrüllen wollen, was nicht geht.
31:53Und dann hat Ihr Körper das übernommen. Jetzt haben Sie einen Grund zu sagen, es tut mir weh.
31:58Der ganze Körper tut mir sehr weh. Als würde ich verbrennen. Ich kann kein Licht auf meinen Augen haben.
32:03Ich kann gar nicht rausgehen. Ich kann nichts sehen. Ich kann gar nicht in die Gesellschaft gehen, der mein Mann
32:07ist.
32:07Ich kann nur in mein Zimmer gehen und ich kann mich einigeln und kann dort einsam vor mich hin leben.
32:13Jetzt haben Sie einen Grund.
32:17Weil es durfte Ihre Seele das nicht fühlen und Ihr Körper muss es für Sie tun.
32:24Ja, vielleicht.
32:28Vielleicht ist es so.
32:34Ich bin seit Jahren einsam.
32:38Ich habe noch meine Kinder. Die machen mich glücklich.
32:41Ich lebe für meine Kinder.
32:44Mein Mann ist weg. Der ist immer auf irgendwelchen Veranstaltungen bei irgendwelchen Frauen.
32:49Der hat beschmierte Hemden.
32:51Der riecht nach Frauen.
32:54Und warum haben Sie sich nicht getrennt?
33:00Wir sind doch verheiratet. Man trennt sich nicht so einfach.
33:04Ich ertrage das, weil ich will, dass er glücklich ist und dass er Bürgermeister sein kann.
33:11Und er war meine große Liebe und ich war so stolz auf ihn.
33:15Und es war toll mit ihm.
33:18Und er auch wusste, dass er sich auf Sie verlassen kann, weil Sie sehr diszipliniert sind.
33:21Und weil Sie wissen, was für eine Frau er an seiner Seite braucht, um seinen Traum zu leben.
33:27Ich halte ihm den Rücken frei.
33:30Und wir sind eine Vorzeigefamilie.
33:34Aber Sie haben eine Wahl.
33:38Sie haben die Wahl, weiterhin so zu leben.
33:44Und irgendwann werden Sie einen zweiten Selbstmordversuch machen.
33:51Vielleicht, wenn Sie wieder gefunden werden, einen dritten.
33:53Und irgendwann wird es gelingen.
33:56Und jeder wird sagen, Sie haben sich umgebracht, weil die Lichtallergie so schrecklich war.
34:02Sie ist sehr schrecklich.
34:03Sie ist sehr schrecklich.
34:04Aber es war vorher auch schon schrecklich.
34:07Entweder Sie riskieren es jetzt.
34:10Ich?
34:10Ins Licht zu gucken.
34:12Das heißt, auch klar zu gucken.
34:13Das heißt, auch klare Worte sprechen zu können.
34:16Und sich für sich zu entscheiden.
34:18Oder Sie entscheiden sich für Ihren Mann.
34:35Und dann wird er irgendwann wahrscheinlich im Lokalblatt eine Todesanzeige schreiben.
34:48Und sagen, meine innigst geliebte Frau, meine beste Lebensgefährtin, die Mutter meiner Kinder ist nach einer langen, schmerzhaften...
34:59Hören Sie auf. Das ist ja furchtbar.
35:01Das ist aber doch so.
35:02Sie sind doch dabei, Sie schon zu beerdigen.
35:04Ich möchte gerne meine Kinder bitte kommen.
35:06Okay.
35:07Alex?
35:08Und wovon soll ich denn leben, Frau Kahl?
35:10Ich habe keinen Beruf.
35:17Ich habe auch Angst, Frau Kahl.
35:18Ich habe Angst, meinem Mann das zu sagen.
35:21Ich habe Angst vor ihm.
35:22Das glaube ich Ihnen.
35:23Ja.
35:23Könnten Sie bitte die beiden jungen Leute, den Jan und die Britta, zu mir bringen?
35:27Gerne.
35:28Das glaube ich Ihnen sofort, dass Sie Angst haben.
35:30Aber haben Sie denn noch eine Wahl?
35:34Sind Sie sicher, dass meine Krankheit dadurch ausgelöst wurde?
35:40Sagen wir mal so.
35:42Ich habe eine sehr große Vermutung.
35:46Und Sie werden das auch nicht mit dieser Sitzung schon in den Griff kriegen.
35:50Ihnen steht eine lange Behandlung, glaubt man, vor.
35:52Aber ich bin sicher, dass Ihre Lichtallergie sich zurückbilden wird.
35:59Hören wir mal.
36:02Und was ist jetzt der Stand?
36:04Der Stand ist, dass ich Ihrer Mutter gesagt habe, dass sie ihre Position an der Seite Ihres Vaters aufkündigen muss.
36:11Sonst wird sie in meinen Augen irgendwann zugrunde geben, uns ganz klar zu sagen, sonst wird sie sich irgendwann umbringen,
36:17weil sie die Schmerzen nicht erträgt.
36:18Also entweder sie tritt ins Licht, sie tritt neben ihn und sie konfrontiert ihn.
36:23Und sie steigt aus aus diesem Spiel.
36:26Mach das, Mama.
36:27Das ist besser.
36:28Ich stehe auf jeden Fall voll hinter dir.
36:31Ihr findet das richtig, dass ich das mache?
36:33Klar.
36:34Wir stehen hinter dir.
36:36Oh, Kinder.
36:37Ich habe nur euch.
36:41Margot, und Sie können von allem ausgehen.
36:43So wie ich Ihren Mann einschätze, wird er, damit er die Form wahrt, Sie schon unterhalten, auch wenn Sie sich
36:50trennen.
36:52Aber was machen wir?
36:54Wohin sollen wir denn gehen?
36:55Ist doch egal, wir können auch in irgendeine andere Stadt ziehen.
36:59Wohnungen, Mieten, können auch so eine Familie sein.
37:02Ich liebe euch, ich brauche euch.
37:05Ich gehe nicht auf.
37:06Sie müssen den Schritt machen.
37:08Es reicht nicht, dass Sie jetzt hier in dieser Gruft, die ich jetzt für Sie hier eingerichtet habe, die Entscheidung
37:13treffen.
37:14Sie müssen die Entscheidung im Licht treffen.
37:16Ziehen Sie wegen mir alles wieder an.
37:18Das ist ja nicht weg, die Lichtallergie, jetzt dadurch, dass ich mit Ihnen darüber rede.
37:21Ziehen Sie alles an.
37:22Aber treten Sie mit Ihrer Seele, mit sich selbst ins Licht.
37:25Und dann hat Ihr Körper eine Chance zu gesunden.
37:30Okay.
37:32Und Sie können sicher sein, Ihr Mann wird nichts riskieren, was seinen Ruf in irgendeiner Weise schadet.
37:43Oh mein Gott.
37:50So, ich hoffe, dass gleich Ihre Familie hinterherkommt.
37:54Das hat ja ein bisschen länger gedauert.
37:55Ich denke, wir können jetzt mit der Show aufhören.
37:57Ja, bitte erzählen Sie mal, reden Sie nicht lange drum herum, ich will wissen, was jetzt los ist.
38:00Was los ist, ist, dass ganz klar ist, dass Ihre Frau aus seelischen Gründen dieses Symptom entwickelt hat.
38:09Was auch klar ist, ist, dass Ihre Frau wirklich in großer Lebensgefahr ist.
38:13Ihre Frau weiß schon seit Langem, dass Sie sie betrügen.
38:16Ihre Frau weiß schon seit Langem, dass Sie offenbar eine feste Freundin haben.
38:20Vielleicht weiß sie es ganz genau seit einigen Monaten.
38:25Nur Ihre Frau ist sehr diszipliniert und sehr loyal.
38:30Sie sagt nichts.
38:32Sie spürt noch nicht mehr, dass sie leidet.
38:35Und das heißt?
38:36Aber Ihr Körper übernimmt das Leiden.
38:38Und zwar in einer solchen Form, dass man davon reden kann, es ist, als würde sie in der Hölle sitzen.
38:44Und das heißt, sie muss sich entscheiden.
38:47Sonst wird sie sich selbst irgendwann aufkündigen.
38:50Das heißt, sie soll aus Ihrem Rampenlicht, aus Ihrem Schatten, den Sie bilden, heraustreten und soll sich selbst zeigen.
39:00Lassen Sie alles an.
39:02Nur ich werde jetzt einen Spot auf Sie richten.
39:04Sie haben das Recht, auch im Licht zu stehen.
39:07Und das Recht, sich wahrzunehmen.
39:10Noch kann Ihr Körper es nicht ertragen.
39:14Aber wenn Sie ihm helfen, wenn Sie Ihren seelischen Gefühlen Ausdruck geben,
39:20Ihren Gefühlen Ausdruck geben, dann kann er irgendwann wieder sich vielleicht daran gewöhnen,
39:24dass er angeguckt wird, dass er gesehen wird.
39:29Ich kann dazu nur eins sagen, Papa.
39:31Als du mich ins Internat geschickt hast, da war ich 16, noch ein Kind.
39:34Aber jetzt bin ich volljährig und jetzt kann ich machen, was ich will.
39:36Und ich gehe aus dem Internat raus.
39:37Und ich werde nicht zu dir zurückhören.
39:39Notfalls nehme ich mir eine eigene Wohnung, aber du wirst mich nicht noch mal so unterdrücken.
39:43Und deshalb schicke ich mich jetzt da hin.
39:45Passt ganz gut, ja.
39:46Ich bin auch auf Mamas Seite.
39:48Rita, hallo.
39:50Mäuslein.
39:51Du hättest dir vorher überlegen sollen, was du machst.
39:54Ich überlege immer, was ich tue.
39:56Hallo.
39:57Ja, das ist aber gemerkt.
39:57Hallo, ich bin euer Vater.
40:00Und was, Margot, was soll das jetzt?
40:03Ihr Satz?
40:05Ich will leben.
40:07Und wenn Sie leben wollen, dann müssen Sie?
40:10Ich will leben.
40:11Ja, tust du doch.
40:12Was für ein schönes Leben.
40:14Und ich will im Licht leben.
40:17Und?
40:17Was willst du machen?
40:19Aus deinem Schatten heraustreten.
40:21Aus dem Schatten heraustreten.
40:22Und das heißt?
40:23Komm, Klartext.
40:25Gottfried, ich...
40:26Was?
40:28Ich leide seit Jahren.
40:31Du lässt mich alleine.
40:33Du behandelst mich schlecht.
40:34Jetzt gehen Sie auf ihn zu, alle drei.
40:36Ach, behandle dich schlecht.
40:38Dir ging es aber doch ganz gut in den 22 Jahren.
40:40Nein, mir ging es überhaupt nicht gut.
40:42Oh, ja?
40:43Nein, mir ging es nicht gut.
40:44Ich habe gelitten.
40:45Und du hast es nicht mal gemerkt, du Egoist.
40:47Ach, ich bin...
40:48Du bist ein ganz egoistisches Schwein.
40:50Du denkst nur an deine Karriere, aber nicht an deine Kinder.
40:52Und noch gar nicht...
40:53Das lasse ich mir von dir doch nicht sagen.
40:55Du hast doch nichts.
40:56Was willst du denn?
40:58Was sie hat...
40:59Ich habe die Nase voll.
40:59Was sie hat, ist die Möglichkeit, an die Öffentlichkeit zu treten.
41:02Und ich sage Ihnen eins, das ist jetzt zwar gemeint, was ich sage, aber das ist der einzige Punkt, mit
41:07dem Sie Ihren Mann kriegen können.
41:08Denn wichtiger als alles andere ist ihm sein, ja, Erfolg.
41:13Ich werde mich scheiden lassen.
41:16Wir werden dich verlassen.
41:18Und was willst du machen?
41:19Willst du putzen gehen?
41:20Dich brauchst du nicht, Papa.
41:21Ganz im Ernst.
41:21Dich doch wahrscheinlich gar nicht, du Weichei.
41:24Willst du sie vielleicht ernähren?
41:25Zu Not würde ich sogar tun.
41:26Ich bin sicher, Sie werden Ihre Frau ernähren.
41:29Denn wenn man eine Frau hat, die sich von einem trennt, weil sie vielleicht mit dem Erfolg des Mannes nicht
41:34zurechtkommt,
41:35dann wird man natürlich großzügig sein und für sie bezahlen, oder?
41:40Ja, ich würde es wahrscheinlich müssen, ja?
41:41Das könnte sonst ihrem Image schaden, ja.
41:43Gut, pass auf, Margot.
41:45Ich komme für alles auf.
41:46Du bekommst Geld, was du brauchst zum Leben.
41:48Zieh in eine andere Stadt, wo auch immer du willst.
41:51Jetzt, ich bezahle alles, aber nichts an die Öffentlichkeit.
41:55Weißt du, würdest du meine Karriere kaputt machen, da lebe ich dafür.
41:58Alles andere ist mir egal.
41:59Ihr kriegt alles, was ihr braucht, aber lass es unter uns bleiben.
42:02Alles klar?
42:03Okay?
42:05Gut.
42:05Sie sind ja richtig kooperativ.
42:06Ja, natürlich bin ich auch.
42:08Ich bin Politiker.
42:09Aber ich werde mich jetzt hier verabschieden.
42:11Ich gehe hier, weil das tue ich mir jetzt nicht noch mehr an.
42:13Oder haben Sie noch irgendwas für mich?
42:15Nein.
42:15Nun gut.
42:16Ich denke, Sie haben die Lösung, die Antwort auf Ihre Frage, weshalb Sie zu mir gekommen sind.
42:20Ja.
42:21Ich wünsche Ihnen alles Gute.
42:22Das wünsche ich Ihnen auch.
42:23Gut, dann lebt mal wohl.
42:31So, jetzt kommen Sie erst mal mit mir.
42:34Wir werden einen Platz in einer Klinik für Sie finden.
42:40Sie müssen und Ihnen einen Anwalt besorgen.
42:46Margot hat die Scheidung eingereicht und lebt inzwischen mit Jan und Britta in einer anderen Stadt.
42:51Zu Gottfried hat die Familie keinen Kontakt mehr.
43:13Nee.
43:18Vielen Dank.
43:48Vielen Dank.
44:29Vielen Dank.
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