Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 2 Wochen

Kategorie

📺
TV
Transkript
00:00Stefan und Tanja Röger sind seit vier Jahren verheiratet.
00:04In der Ehe des Eventmanagers und der Grundschullehrerin kommt es immer häufiger wegen eines bestimmten Themas zum Strand.
00:13Ich will ein Kind. Wir sind seit vier Jahren verheiratet. So glücklich, ja?
00:17Und ich weiß nicht, warum er sich gegen dieses Thema so sträubt. Ich möchte ein Kind. Das ist alles.
00:23Es ist mir im Moment einfach zu viel. Ich bin noch nicht bereit für ein Kind. Ich kann das noch
00:27nicht.
00:28Es ist für mich noch zu viel Verantwortung. Ich fühle mich noch nicht reif genug. Ich will noch kein Kind
00:33haben. Es geht noch nicht.
00:36Die Situation spitzt sich zu, als Stefans Nichte Kim nach einem Streit mit ihren Eltern unangemeldet vor der Tür steht.
00:43Was ist los?
00:44Nichts. Deine Schwester, meine Mutter, die ist total am Ausrasten. Wegen uns nichts. Wieder wegen nichts.
00:51Die ist einfach nur dumm, ey. Das ist voll die Furie. Ich habe einmal eine Fröhre in Deutsch geschrieben, die
00:56rastet wieder aus.
00:56Ich kann mir vorstellen, dass du sauer bist, aber du...
00:58Du kennst doch deine Mutter. Das regelt sich wieder, okay?
01:00Ich darf nicht aufs Konzert nach Belgien.
01:02Was? Das ist die, das übertreibt doch schon wieder, Mann.
01:04Ja, Kim, aber das ist doch immer so. Das ist deine Mutter. Du weißt doch, wie sie ist. Die ist
01:07immer sauer bei solchen Sachen.
01:08Ja, ich gehe da aber nicht mehr hin zurück.
01:10Was willst du denn machen, Kim? Du hast doch keine Wahl.
01:12Ja, ich bleib hier oder ich geh woanders hin.
01:13Kim, was...
01:14Kannst du ja auch entscheiden.
01:15Was willst du denn hier? Du kannst hier nicht bleiben, verstehst du?
01:17Warum kann ich nicht hier bleiben? Du bist doch mein Onkel.
01:19Ja, aber du musst trotzdem, du musst mit deinen Eltern irgendwann mal wieder reden, in Ordnung.
01:22Warum soll ich mit denen reden? Was willst du? Du willst immer mit denen, hä?
01:24Kim.
01:25Das ist eine Furie. Jeder, der mit der redet, da rastet die direkt aus, ey.
01:28Da gehen bei der die Warnlichter an.
01:29Kim, Kim, okay, pass auf. Okay? Du bleibst erst mal hier.
01:32Ja, gleich.
01:33Wir reden mit deiner Mutter und ich werde erst mal... Du bleibst erst mal so lange hier, in Ordnung?
01:37Ja, red mit der, was du willst, aber bringt eh nix.
01:40Ja, gut.
01:41Ich dachte, ich höre nicht richtig. Da sagt er mir, eigene Kinder will er nicht, ja? Aber um seine 16
01:47-Jährige nicht. Darum kann er sich kümmern.
01:49Pff, das kann man nicht miteinander vergleichen. Das ist, das ist was ganz anderes.
01:52Der 16-Jährige in der Pubertät mit einem kleinen Kind, das ist eine ganz andere Verantwortung.
01:57Am nächsten Tag versucht Stefan, die Wogen zu glätten. Er bringt Kim zurück zu ihren Eltern, die wussten, dass die
02:0316-Jährige über Nacht bei ihrem Onkel übernachtet hat.
02:06Schön, dass ihr da seid.
02:07Wir müssen mal reden, Herr Kim.
02:08Ja, klar. Kommt rein.
02:10Komm, Kim.
02:11Hallo, mein Fräulein. Du kommst mal rein, bitte.
02:14Nee, komm ich nicht.
02:14Du kommst nicht erst, wenn ich aufs Konzert darf.
02:16Diskutier nicht rum. Konzert kannst du dir abschminken.
02:18Ja, diskutier nicht rum. Da geh ich halt, weißt du, du kannst mich mal.
02:20Guck, dass du in der Schule kannst du wirst.
02:22Hey, bleib stehen.
02:24Kim, bitte bleib doch.
02:25Heike.
02:26Mann, Heike.
02:26Heike, jetzt hör mir mal zu.
02:29Wir müssen reden.
02:31Dringend.
02:31Okay? Ich kann nicht mehr und Tanja kann auch nicht mehr.
02:35Von wegen für eine Nacht.
02:36Heute hat Kim schon wieder bei uns geschlafen.
02:39Weißt du, langsam fühle ich mich, fühle ich mich echt verarscht.
02:44Wenn meine Frau wüsste, warum mir meine Nichte so wichtig ist, dann, ich glaube, das wäre das Ende von allem.
02:50Ähm, äh, ich bin, ich bin nicht der Onkel von Kim. Ich, ich bin, ich bin ihr Vater.
03:05Zwei bei Kalvers.
03:08Stefan, Sie sind der Vater Ihrer Nichte. Das heißt hoffentlich nicht, dass Sie mit Ihrer Schwester ein Kind gezeugt haben.
03:16Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein, Frau Kalvers. Es hat, damit hat es nichts zu tun. Es ist so,
03:20dass das Kind von mir ist, aber meine Schwester hat es damals nur adoptiert.
03:24Wir haben niemals, es ist also nicht irgendein Inzest.
03:25Das heißt, dieses Kind hat eine andere Mutter.
03:28Es hat eine andere Mutter. Mit 16 Jahren hatte ich mit einem Mädchen Sex gehabt und wir haben dieses Kind
03:33gekriegt und sie hat es mir hinterlassen und auch das Sorgerecht.
03:35Und dadurch ist eben diese Situation entstanden, dass das Familie, meine Schwester und ich, dieses Kind damals aufgenommen haben und
03:42versucht haben, groß zu ziehen.
03:43Zumindest meine Schwester. Und, ähm, das haben wir bis heute auch niemandem gegenüber preisgegeben.
03:48Ja, das haben Sie mir ja bereits gesagt. Weder weiß es Ihre Frau.
03:52Nein, sie weiß es nicht. Und genau deswegen bin ich hier. Meine Frau und ich haben deswegen Probleme, weil ich
03:57einfach, meine Ehe, so wie sie jetzt ist, meine Frau möchte ein Kind.
04:00Meine Frau möchte auch endlich Mutter werden und ich kann es ihr nicht geben, solange dieses Problem, diese Lüge irgendwo
04:06für mich im Raum steht.
04:07Ja, und das ist ja wohl noch schlimmer, denn Ihre Frau droht ja mit Trennung, wenn sie nicht mit ihr
04:12ein Kind bekommt.
04:14Ja, und ich kann es im Moment nicht. Sie ist, sie ist schon ausgezogen. Sie hat mir schon die Pistole
04:17auf die Brust gesetzt und gesagt, wenn, wenn sie jetzt kein Kind bekommt oder wir nicht uns für eins entscheiden.
04:23Ich kann es im Moment nicht verheiratet.
04:24Stefan, darf ich denn mal wirklich eins fragen? Wie lange sind Sie verheiratet?
04:28Wir sind jetzt, wir sind jetzt drei Jahre lang verheiratet.
04:30Warum haben Sie Ihrer Frau nicht die Wahrheit gesagt?
04:32Ich konnte es nicht.
04:33Wieso nicht?
04:33Frau Kaffee, ich konnte es nicht. Meine Schwester und ich haben uns damals geschworen, wir würden unseren Partnern niemals erzählen,
04:40wie die Situation ist.
04:41Also ich meine, das Kind ist ja, wie Sie sagten, kein Kind zwischen Schwester und Bruder, sondern dieses Kind hat
04:48eine andere Mutter.
04:49Richtig.
04:50Und diese andere Mutter wollte das Kind nicht und ihre Schwester hat es adoptiert, weil sie zu jung war.
04:55Warum kann man das denn seinem Partner nicht sagen? Die ganze Situation hätten Sie doch verhindern können.
05:00Es war einfach, es war vor der Zeit, bevor wir mit unseren Partnern zusammen waren und wir haben damit mit
05:05dieser Lüge angefangen und ich hatte das Gefühl, es ist für Kim, für das Kind das Beste.
05:09Wenn es bei dieser Situation bleibt, meine Schwester Heike hatte ihren Freund kennengelernt, den Helmut.
05:15Die beiden kamen miteinander wunderbar klar.
05:17Was ist der es denn?
05:18Nein, der weiß es auch nicht. Es weiß niemand außer meiner Schwester Heike und ich. Wir fanden es am besten
05:23für das Kind, dass sie in einer normalen, ich sag mal, elterlichen Familie aufwacht mit Mann und Frau und wir
05:31wollten es nicht aufliegen lassen.
05:32Das ist ja Kim, ne? Dort.
05:34Das ist Kim, ja.
05:35Sie geht davon aus, dass Ihre Schwester Heike, heißt sie, ja?
05:40Heike, ja.
05:40Dass Heike ihre Mutter ist.
05:42Und sie geht davon aus, dass Sie Ihr Onkel sind.
05:45Richtig.
05:46Obwohl es genau umgekehrt ist. Sie sind der Vater und Ihre Schwester ist die Tante.
05:50Ja, ganz genau.
05:51Aber ich verstehe immer noch, darf ich denn mal sagen, das wird jeder fragen, der es nicht weiß und heute
05:57erfährt.
05:57Darf ich mal fragen, warum Sie wenigstens unter den Erwachsenen das nicht klären konnten? Was ist das Problem?
06:03Frau Kölner, wissen Sie, wie schwer so eine Situation ist? Wenn wir das seit Jahren machen, seit 16 Jahren geht
06:08das so.
06:08Was haben Sie denn überhaupt geschworen? Auf was haben Sie denn geschworen?
06:11Ich muss, meine Schwester und ich haben uns gegenseitig geschworen, dass wir das nicht dem anderen Partner erzählen und dass
06:17wir diese Sache für uns behalten.
06:18Einfach auch zum Wohle unserer...
06:19Was haben denn Ihre Eltern dazu gesagt?
06:21Meine Eltern sind damals zu der Zeit, als ich Kim gekriegt habe, sind sie durch einen Autounfall gestorben.
06:26Unsere Beziehung, unsere Familie war belastet.
06:28Also, Cassessa, es war alles durcheinander.
06:30Es war zu dem Zeitpunkt durcheinander.
06:31Und in diesem Durcheinander haben Sie diese, muss man sagen, folgenschwere Entscheidung getroffen.
06:33Und ein Schwur, schuldigen Sie sich hier machen, ein Schwur, sich gegenseitig gegeben.
06:39Ja, es war für... Ich war jung, ich wusste nicht, was ich machen sollte.
06:41Also, das heißt, wir haben heute die Situation, in der Sie das nachholen müssen, was Sie nicht gemacht haben.
06:45Ja, und das will ich heute.
06:45Und das wird sicherlich nicht angenehm werden.
06:47Ich weiß, aber ich muss es machen.
06:49Wenn ich meine Ehe, Frau Kölner, was irgendwie retten möchte, und deswegen bin ich bei Ihnen...
06:53Ich möchte klaren Tisch machen. Ich möchte mit den Leuten... Ich kann nicht mehr schlafen.
06:56Ich kann mit meiner Familie nicht mehr umgehen.
06:59Meine Frau ist schon weg aus der Wohnung.
07:01Wenn ich ihr nicht erkläre, warum ich dieses... Mit ihr kein Kind machen kann.
07:05Also heißt das, Sie rücken jetzt nur mit der Wahrheit raus, weil Ihre Frau so viel Druck macht und droht,
07:10sie zu verlassen?
07:11Nein, ich muss einfach... Ich muss einfach für mich klaren Tisch machen.
07:13Ich muss unbedingt für mich klaren Tisch machen und ich kann mit dieser Lüge nicht mehr leben.
07:17Und ich bin mir einfach sicher, dass das für den Rest meines Lebens Probleme macht.
07:21Heike und Helmut sind da.
07:23Ja.
07:24Frau Kölner, bitte, können wir vielleicht meine Schwester zuerst reinholen?
07:27In der Situation möchte ich Sie gerne als Erste sprechen, bitte.
07:29Das ist sicherlich sinnvoll, ja.
07:31Okay.
07:32Heike, kommen Sie bitte.
07:39Hallo, guten Tag.
07:41Hallo.
07:42Hallo.
07:45Ich würde es Ihnen direkt sagen, es geht nicht darum, dass Ihre Tochter sozusagen in einem pubertären Anfall, weil Sie
07:52ihr was verboten haben, zu Ihrem Bruder gezogen ist.
07:55Es geht um was viel Wesentlicheres. Es geht um ein Schwur zwischen den beiden.
07:59Nein, nein.
08:00Heike, ich musste mit ihr reden.
08:02Nein, Heike, der Termin heute ist einfach, ich denke, zwar für mich in der Hauptsache, aber es ist für uns
08:07okay, auch für uns als Familie.
08:08Ich kann so nicht mehr weitermachen.
08:10Ich habe, du merkst selbst, was los ist.
08:12Ich habe dir letztens noch gesagt, dass ich dringend mit dir reden muss und dass ich nicht mehr kann, dass
08:16Tanja nicht mehr kann.
08:17Ihr habt eine Abmachung, gell.
08:18Ja, das weiß ich.
08:18Ja, und ich wollte vor vier Jahren schon da einen Punkt setzen.
08:22Das weiß ich, Heike.
08:23Und du hast gesagt, wir haben eine Abmachung und das wird eingehalten und das halten wir ein.
08:26Ja, Heike, ich habe nur nicht damit gerechnet, dass diese Konsequenzen irgendwann dazu führen, dass ich noch meine Frau verliere
08:31und meine Frau, sie merkt, dass dieses Problem irgendwo ansteht.
08:34Vielleicht nicht das, aber sie hat mich gestern verlassen.
08:37Zumindest ist sie ausgezogen und gesagt, wenn wir kein Kind machen und sie glaubt nicht mehr an unsere Liebe.
08:42Was ist denn das für ein Problem?
08:44Nein, Heike, ich kann nicht einfach ein Kind machen.
08:46Diese Lüge belastet mich.
08:47Sie belastet mich ungemein.
08:49Also, Ihren Bruder hat offenbar das Gewissen eingeholt.
08:52Das Gewissen, was Sie irgendwie 16 Jahre zum Schweigen gebracht haben.
08:57Ich verstehe wirklich etwas nicht an Ihnen beiden.
09:01Diesen eigenartigen Schwur.
09:03Er war 16.
09:04Wie alt waren Sie?
09:0427.
09:05Ich habe gehört, Ihre Eltern sind verstorben.
09:07Gut, es war eine katastrophale Situation damals, als offenbar dieses Kind aus heiterem Himmel auftauchte.
09:12Aber, und die Mutter ja offenbar sich...
09:15Abgedampft, sie ist abgedampft, auf gut Deutsch.
09:17Weg, bumm.
09:19Wir haben versucht, sie anzuhören.
09:19Hat sich jemals gemeldet?
09:20Nein, nichts.
09:21Es tat uns damals gut.
09:23Wir hatten ein Baby vor der Tür stehen mit Geburtsurkunde, mit Stefan eingetragen, mit
09:28wir können machen damit, was wir wollen.
09:29Also er eigentlich, nicht ich.
09:31Und er war einfach zu jung.
09:32Und ich habe gesagt, die Kleine kommt nicht weg.
09:34Die war wie ein Geschenk vom Himmel.
09:37Und ich habe gesagt, ich adoptiere sie.
09:39Ich meine...
09:40Aber Kai, wir waren noch so jung.
09:41Das war ein Problem.
09:42Das war überhaupt kein Problem.
09:44Gut, also ich meine, dass Sie diesen in meinen Augen Wahnsinn gemacht haben.
09:47Mit Wahnsinn meine ich, dass Sie diesen Schwur geschworen haben.
09:49Das führe ich darauf zurück.
09:50Die Eltern waren totes.
09:51Sie waren völlig überfordert.
09:53Was ich nicht verstehe ist, dass Sie Ihrem Lebensgefährten nichts gesagt haben.
09:59Was ich nicht verstehe, ist, dass Sie Tanja nicht vorher was gesagt haben.
10:02Das ist ein Stück...
10:03Ein Schutz von der Kleinen.
10:04Was ich nicht verstehe, ist, dass Sie die Kleine nicht irgendwann in einem Alter, in dem
10:07man immer noch Kindern eine schöne Geschichte erzählen kann, dass Sie es ihr nicht erzählt
10:11haben.
10:12Das heißt, Sie müssen jetzt etwas nachholen in einer Zeit, in der Sie in einer schwierigen
10:15Phase ist in der Pubertät.
10:17In der Ihr Lebensgefährte ausflippen wird, weil Sie ihn belogen haben.
10:20Das war ja auch so nicht geplant.
10:22Das Familienleben war gut.
10:23Ja, was hatten Sie denn vor?
10:24Frau Kalvers, wir hatten keine Befürchtung, dass das nicht klappt.
10:26Sie hätte es nie wissen müssen, oder?
10:28Es steht doch was.
10:29Frau Kalvers, wir merken im Moment einfach die Spannung in der Familie mit Heike und Helmut
10:34und sie wendet sich immer oft an mich mittlerweile.
10:38Ich meine, ich hatte nie Vatergefühle, richtig.
10:40Ich war immer der Onkel und war für Sie da, aber sie wendet sich an mich und sie hat die
10:43Zuneigung zu mir und ich merke...
10:44Aber sie wendet sich doch an Sie, weil sie mit Ihren Eltern die typischen pubertären Probleme
10:48hat und Sie sind sozusagen jemand da, der Sie auffängt.
10:51Nicht, weil sie ahnt, dass Sie der Vater sind, sondern weil sie mit Ihren Eltern nicht
10:54zurechtkommt.
10:55Ja, aber deswegen merke ich einfach, dass ich einen Schlussstrich ziehen muss, dass
10:58ich endlich auch zu meinem Kind stehen muss, damit ich überhaupt mit meiner jetzigen
11:02Frau ein weiteres Kind kriegen kann.
11:04Aber da haben wir schon wieder die Kopplung.
11:06Nein, ich möchte einfach, dass auch für Kim, auch für mich, Kim muss wissen, dass
11:09sie vielleicht ein Schwesterchen oder ein Brüderchen kriegt.
11:12Stefan, dann mach doch ein Kind.
11:13Es kann doch alles so weiterlaufen wie bisher.
11:15Heike, ich kann es aber mit mir nicht ausmachen.
11:17Aber ich muss es mit mir ausmachen.
11:19Was wird denn aus Kim?
11:20Was meinst du, was passiert, wenn die das erfährt?
11:22Hast du dir das mal überlegt?
11:23Stefan, ich bin völlig Ihrer Meinung.
11:25Und zwar nicht nur aus Ihrem Interesse heraus, das Sie haben, sondern wirklich aus einem
11:28psychologischen Interesse.
11:30Aber Frau Kalvers, ich...
11:30Es ist für ein Mädchen von 16 Jahren, dass sie in der Pubertät ist.
11:33In der Pubertät ist man dabei, seine eigene Rolle im Leben zu finden.
11:37Man sucht seine eigene Identität.
11:39Und es ist ganz wichtig, dass der Hintergrund, die Vergangenheit stabil ist.
11:42Frau Kalvers, die Kim ist ein starkes Mädchen.
11:44Die kann solche Sachen auffangen.
11:45Die ist kein Laibchen.
11:46Aber sie ist 16.
11:48Tanja ist da.
11:50Ach.
11:51Was denkt...
11:52Die denkt jetzt, sie kommt her?
11:54Warum?
11:55Was haben Sie der erzählt?
11:57Naja, ich habe sie hierher gebeten zumindest.
11:59Ich denke, sie wird davon ausgehen, dass wir das gemeinsame Problem, was wir haben, klären.
12:03Sie weiß nur die Ursache noch nicht.
12:04Ich werde mit ihr drüber reden.
12:06Und wenn du mit Helmut nicht redest, rede ich mit ihm.
12:08Es tut mir leid, Heike.
12:09Ich muss das heute alles auf den Tisch bringen.
12:11Vorher du mit ihm redest, bin ich mit ihm.
12:13Tanja?
12:13Aber das ist echt scheiße gelaufen.
12:16Aber vielleicht ist es im Moment besser, wenn Sie die Beine lassen.
12:20Hallo, Tanja.
12:21Was macht Heike hier?
12:23Komm mit dir her.
12:23Frau Kalvers, was macht denn Heike?
12:26Warum ist sie da?
12:27Tanja, ich muss mit dir reden, okay?
12:33Du weißt, wie es um uns im Moment steht.
12:35Du weißt auch die Probleme, die wir haben.
12:36Und ich möchte unbedingt einen klaren Tisch machen.
12:38Es liegt nicht daran, dass ich dich nicht liebe.
12:40Und es liegt auch nicht daran, dass ich mir nicht vorstellen kann, mit dir ein Kind zu bekommen.
12:44Perni, hör mir mal zu.
12:45Was ist jetzt los?
12:46Ich habe ein Kind.
12:47Okay.
12:48Ich bin gerade nur ein bisschen irritiert.
12:49Was hast du mir gerade gesagt?
12:50Was hast du gerade gesagt?
12:51Es liegt nicht daran, dass ich dich nicht liebe.
12:53Und es liegt auch nicht daran, dass ich mir nicht vorstellen kann, mit dir ein Kind zu bekommen.
12:57Perni, hör mir mal zu.
12:57Was ist jetzt los?
12:58Ich habe ein Kind.
12:59Okay.
13:00Ich bin gerade nur ein bisschen irritiert.
13:01Was hast du mir gerade gesagt?
13:02Was hast du gerade gesagt?
13:03Himm ist mein Kind, Tanja.
13:05Das hast du nicht.
13:06Frau Kalvers, ich bin gerade ein bisschen überfordert hier.
13:08Anja, es ist wichtig, dass du das weißt, ich musste dir das heute sagen, verstehst du, egal was ist es,
13:12es ist wichtig, dass du das weißt.
13:13Kannst du mal eben bitte, kannst du mal bitte eben ruhig sein.
13:17Kannst du mir bitte mal kurz erklären, was hier los ist?
13:19Ich komme hier rein, hier ist Heike, meine Schwägerin und dann ist ja, du erzählst mir irgendwas vom Kind.
13:23Und ich bin so ein bisschen, ich weiß gerade, ich denke, sie sind wegen einem ganz anderen Thema hier.
13:29Das hängt alles zusammen.
13:31Okay.
13:31Sie sind, habe ich gehört, zu ihrer Freundin gezogen, weil sie den Eindruck haben, sie können keinen, also Stefan will
13:37mit ihnen kein Kind bekommen.
13:38Ja.
13:39Und er will ihnen eigentlich die Antwort sagen, warum er das nicht kann.
13:42Es gibt nämlich ein großes Geheimnis zwischen seiner Schwester, zwischen Heike und ihm.
13:47Und dieses Geheimnis ist, dass offenbar Kim sein Kind ist, dass seine Schwester dieses Kind adoptiert hat, als eigenes Kind
13:55großgezogen hat.
13:56Davon wisse sie nichts, davon weiß nichts ihr Lebensgefährte.
13:59Das ganze Bombe platzt heute.
14:02Oh Kim, komm wieder nach Hause.
14:04Nein, Mann, ich habe keinen Bock auf Mama.
14:08Weißt du, wie die sich aufhört?
14:09Ja, wir kriegen das wieder hin.
14:10Nee, ganz ehrlich.
14:12Helmut?
14:13Ja?
14:13Kommst du bitte mal, ich möchte mit dir reden.
14:24Und?
14:26Komm, wir setzen uns mal gerade.
14:29Was gibt es denn zu bereden?
14:31Setz dich mal hin.
14:36Ich muss dir was sagen.
14:38Was musst du mir denn jetzt sagen?
14:43Kimi ist nicht meine Tochter.
14:46Ich bin die Tante von Kimi.
14:48Stefan ist der Papa.
14:55Tut mir leid.
14:56Tanja, ich habe es einfach verschwiegen, weil die Situation mit Kim und Heike und Heike war in meinen Augen damals
15:04das Beste, was passieren konnte.
15:06Wie kommst du überhaupt zu Kim? Wie kommt Heike zu Kim jetzt? Was ist denn da überhaupt los?
15:11Stefan ist...
15:12Der Vater von Kimi.
15:14Wer ist die Mutter?
15:16Die gibt es nicht mehr.
15:17Ich habe Kimi adoptiert, als ich ein Baby war.
15:22Heike, Heike.
15:24Sag mal, wir sind 14 Jahre zusammen.
15:2714 Jahre sind wir zusammen.
15:29Gib ich dir das Gefühl, dass man zu mir keinem Vertrauen haben könnte?
15:32Hör mal, nicht nur, dass du mir nicht die Wahrheit erzählst, du belügst mich.
15:35Und jetzt, hör mal, mit Kim haben wir genug Probleme.
15:39Jetzt kommt sowas hier ans Tageslicht.
15:41Das tut mir einfach leid.
15:44Mir ist das echt ein bisschen zu viel.
15:46Ich bin hier, um es dir zu erklären.
15:47Ja, aber ich habe...
15:48Das hättest du mir schon vor zwei Jahren...
15:50Ja, das hätte ich auch.
15:51Zwei Jahre möchte ich...
15:52Red ich mit dir über ein Kind.
15:54Ich möchte ein Kind von dir und du blockst...
15:55Aber ich kann kein Kind bekommen, ohne diese Sache vom Tisch zu kriegen.
16:00Kann ja.
16:03Verstehen Sie die Verwirrung, die Sie jetzt anrichten?
16:06Ein paar Jahre früher.
16:07Und es wäre einfacher gewesen.
16:11Frau Kallwass, das geht doch nicht.
16:12Was macht er denn hier?
16:14Er will aufräumen.
16:17Ich habe den Eindruck, dass Stefan aufräumen will, weil er sie wirklich liebt.
16:20Und weil er ihnen klar machen will, dass er mit ihnen ein Kind möchte.
16:23Aber sein Gewissen verbietet es ihm, dieses Kind zu bekommen,
16:26solange er seine andere Tochter verleugnet.
16:28Das ist was ganz Magisches, was in seinem Kopf stattfindet.
16:30Aber er kann doch nicht...
16:30Deshalb das drängen.
16:31Aber verstehen Sie, er lügt mich doch an.
16:33Er hat mich jetzt sechs Jahre angelogen.
16:35Und er hätte mir das doch im Vorfeld sagen können.
16:37Keine Frage.
16:37Und dann wäre...
16:38Alle Probleme wären doch...
16:40Keine Frage.
16:40Und jetzt plötzlich...
16:42Boah, das ist so eine...
16:44Der lügt mich an.
16:45Wer weiß, weiß, hey Mutter.
16:46Von weiß, weiß, von...
16:47Und überhaupt ist Heike...
16:48Es weiß keiner.
16:49Aber es ist Heike die Mutter.
16:51Nein, nein, nein, nein, nein, nein.
16:52Nein, nein, nein, nein.
16:52Es war nicht zwischen den Geschwistern.
16:54Eine andere junge Frau, die verschwunden ist und dieses Kind einfach abgelegt hat,
16:58ich glaube im Alter von sechs Wochen, die ist verschwunden und die ist die Mutter.
17:02Und die zwei haben, diese Geschwister haben ein dickes Geheimnis.
17:06Und dieses Geheimnis ist, dass dieses Kind eigentlich das Kind von Stefan ist.
17:09Und ich glaube, wenn Sie nicht vom Kind geredet hätten, wenn er nicht das Gefühl gehabt hätte,
17:13sie will ein Kind und eigentlich will ich auch mit ihr ein Kind,
17:15dann hätte er nicht diese alten Gewissenswisse gehabt nach dem Motto,
17:18ich kann kein Kind kriegen, wenn ich nicht meinem anderen Kind gesagt habe,
17:22dass es mein Kind ist, denn sonst verleugne ich es.
17:24Der ist da ganz...
17:25Der ist irgendwie völlig neben der Kappe.
17:27Aber ich glaube, er wird es durchziehen.
17:29Ich halte es nicht gut, der 16-jährigen Kim zu sagen,
17:36deine Mutter ist eigentlich deine Tante und dein Onkel ist eigentlich dein Vater.
17:39So verrückt, wie wir gerade alle reagieren.
17:42Ich bin auch etwas durcheinander, weil ich das etwas viel finde.
17:44Was meinen Sie, was das für eine 16-Jährige bedeutet?
17:46Ist es denn so, dass...
17:47Also Kim weiß nichts davon.
17:48Nein, Kim...
17:49Aber Kim muss es dann ja auch erfahren.
17:51Ich meine, das ist für mich ein Schock und das wird für Sie ja auch ein Riesenschock sein.
17:54Aber das muss sie erfahren, oder was?
17:55Ja, aber nicht jetzt.
17:57Ich finde, es reicht doch erst mal, wenn unter den Erwachsenen diese Verwirrung
18:01etwas sich beseitigen lässt
18:04und alle irgendwie wieder auf den Boden zurückkommen.
18:06Und der Boden der Tatsache ist,
18:08dass Sie sozusagen eine Stieftochter haben.
18:12Weil nämlich Ihr Mann der Vater von Kim ist.
18:15So, das ist doch schon mal etwas, was Sie verkraften müssen.
18:18Ich weiß nicht, was jetzt gerade Heike Ihrem Mann erzählt,
18:21der muss auch was verkraften.
18:23Und ich denke, man sollte Kim erst mal aus dieser ganzen wirklich existenziellen Verwirrung rauslassen.
18:28Ein bisschen Zeit vergehen lassen.
18:30Ja, okay.
18:30Ein bisschen Zeit.
18:31Es soll erst mal das nachgeholt werden, was in der Tat hätte gemacht werden müssen,
18:35beim Kennenlernen, nämlich Ihnen die Wahrheit gesagt.
18:37Und Sie hätte, wie heißt nochmal der Ehemann von Heike?
18:39Helmut.
18:40Helmut ist auch sagen müssen.
18:41Aber wissen Sie was?
18:42Ich möchte, dass ganz klar ist.
18:43Er räumt mit dieser Lebenslüge absolut auf.
18:48Ich wünsche mir immer noch ein Kind.
18:49Und wenn er das nicht klärt und auch nicht mit Kim klärt,
18:52meinetwegen auch später,
18:54ich trenne mich von ihm.
18:55Das habe ich ihm gesagt und das bleibt bestehen.
18:56Ich möchte, dass das klar ist.
18:57Gut, das besprechen wir.
18:58Wobei ich denke, Sie können auch ein Kind kriegen,
19:00ohne dass Kim jetzt schon eingeweiht wird.
19:02Wieso ist das denn eigentlich so drängend bei Ihnen mit dem Kind?
19:04Ich bin 35.
19:05Ja, also irgendwie.
19:06Okay, okay.
19:07Ja, gut.
19:08Ich weiß nicht, wie lange ich noch warten soll.
19:10Gut.
19:10Ja, danke.
19:12Soll ich mit?
19:12Ja, sicher.
19:15Sie können verstehen, warum ich das so mache, ja?
19:17Ja.
19:17Sie können sich nicht einfach nicht in Ordnung, wie es laufen ist.
19:22Das hättest du mir vorher sagen können.
19:23Ja, ich weiß, dass ich es dir hell vorher sagen kann.
19:24Das hättest du mir viel früher sagen können.
19:25Ich konnte es nicht.
19:27Warum?
19:27Warum konnte ich das?
19:28Geh du mit mir?
19:29Ja.
19:29Sag es mir, warum nicht?
19:31Es fiel mir einfach zu schwer.
19:32Verstehst du nicht?
19:32Das ist alles hier nicht leicht für mich.
19:34Verstehen Sie sich eigentlich selbst?
19:36Stefan, das sind ja super Neuigkeiten.
19:37Frau Kalvers.
19:38Ehrlich.
19:39Erstmal hallo.
19:40Sie wissen alles.
19:41Ja.
19:42Helmut.
19:43Mein Lebensgefährchen hat mir eingeweiht.
19:45Du wusstest auch nichts davon, oder?
19:47Wovon denn auch?
19:49Ich war ja schön zusammen unter einer Decke gesteckt.
19:52Es ging nicht anders.
19:54Es ging nicht anders.
19:54Und zu keinem besten Zeitpunkt, als es mit Kim jetzt noch so läuft.
19:57Wir haben es nie böse gemeint.
19:59Es war für uns beide ein Versprechen, was wir geschworen haben, niemals preiszugeben.
20:03Aber dieses Versprechen, ich sag es jetzt zum allerletzten Mal, hätten Sie irgendwann mal in Frage stellen können,
20:08als Sie erwachsen waren und Sie noch älter waren.
20:10Sie haben beide Ihre Partner belogen.
20:14Und Sie haben völlig recht, Helmut hat völlig recht.
20:17Der Zeitpunkt jetzt, um Kim die Wahrheit zu sagen, ist der ungünstigste, den man sich vorstellt.
20:22Und ja, vielleicht nicht.
20:24Aber ich kann nicht mehr, Frau Keifers, ich verliere meine Frau, ich verliere meine Ehe.
20:27Wenn ich das nicht erklären kann...
20:28Hättest du dir nicht vorher das einfach überlegen?
20:30Ja, vielleicht hätte ich das vorher erklären können.
20:32Was ist jetzt los? Verlieben wir unsere Tochter oder was?
20:34Ja, und was ist das passiert?
20:35Helmut, nein, ich will gar keine Vaterrolle einnehmen.
20:37Ich will auch jetzt keine Vaterrolle einnehmen.
20:39Können Sie nicht einfach mit Ihrer Frau das Kind bekommen?
20:42Ich möchte es gerne.
20:43Sie haben es ihr jetzt gesagt, Sie haben Ihre Skrupel gesagt, Sie haben ihr die Wahrheit gesagt.
20:46Ich möchte das Kind mit ihr bekommen.
20:47Sie wissen untereinander Bescheid.
20:48Können Sie nicht Ihre Tochter, Sie haben 16 Jahre geschwiegen, können Sie nicht vielleicht noch ein, zwei Jahre,
20:53Sie in Ruhe ankommen lassen, in Ihrer Identität.
20:56Vielleicht hat sie einen Freund, das haut sie nicht mehr um.
20:59Es geht mir aber gerade, es ist mir gerade wichtig, dass die Leute es wissen, dass ihr es wisst.
21:03Ihr es wisst.
21:05Aber dafür bin ich heute hier, um es den Leuten zu sagen, um es euch zu sagen, meiner Familie.
21:09Du weißt, wie Kimi drauf ist zurzeit.
21:11Du weißt es doch.
21:12Helmut, ich weiß es, aber ich weiß es, du weißt aber auch, dass sie ein starkes Mädchen ist.
21:17Sie ist 16 Jahre, sie ist keine 8.
21:18Hören Sie mal zu, was Helmut sagt.
21:19Sie ist so ein starkes Mädchen, dass wir nur Probleme haben, dass sie abhaut von zu Hause.
21:23Ja, Helmut, das weiß ich, das weiß ich doch.
21:25Aber denkst du, für mich ist das hier alles leicht?
21:26Sie weiß es doch jetzt.
21:28Ich meine, da kriegt man halt ein Kind.
21:29Wen stört das denn?
21:31Lass doch Kimi da raus.
21:32Ja, es ist einfach wichtig heute gewesen, dass es rauskommt.
21:36Stefan, hören Sie doch mal zu, was Ihre Schwester und Ihr Schwager sagen.
21:39Sie sehen das immer so einfach.
21:40Nein, nein, nein, es ist überhaupt nicht einfach.
21:42Wir wissen es alle.
21:43Wir wissen es.
21:44Darf ich dir noch, was ich ja weiß, ist, dass Kim weggelaufen ist.
21:48Ich möchte kurz.
21:48Zu Ihrem Onkel gegangen ist, zu Ihnen gegangen ist, weil...
21:50Ich möchte kurz raus, ich möchte kurz raus.
21:52Sie machen aber jetzt bitte keinen Unsinn, Sie kriegen einen solchen Tage mit mir, Stefan.
21:55Und mit mir auch.
21:56Stefan.
21:58Na, bravo.
22:20Stefan, was ist los?
22:21Nee, Kim.
22:24Kim, ich muss mal mit dir reden.
22:26Was ist los?
22:28Stresst Tanja wieder oder was?
22:30Habt ihr Streit?
22:31Nein, nein, Quatsch.
22:32Pass auf, Kim, es geht um dich, okay?
22:34Der Termin ist heute nicht alleine, nur wegen dem Streit zwischen dir und Helmut und Heike.
22:41Verstehst du?
22:41Deswegen dann?
22:43Ja, ich...
22:44Eigentlich möchte ich was sagen.
22:45Ja, kommt schon, was denn?
22:46Ja, pass auf, ich bin...
22:48Heike, Heike, Heike ist nicht deine... Heike ist nicht deine Mutter.
22:53Also es wäre...
22:53Ja, das sind 14 Jahre.
22:54In meinen Augen wäre es wirklich jetzt eine für Ihre Tochter, die gerade von Ihnen weggelaufen ist, weil sie sich
22:59mit Ihnen gestritten hat, eine Katastrophe, wenn Sie jetzt erfahren würden, dass Sie gar nicht die Eltern sind.
23:05Denn man kann nur von Eltern weglaufen und sich mit Ihnen auseinandersetzen, wenn man weiß, dass Sie sicher sind.
23:10Habt ihr mich 16 Jahre lang belogen?
23:13Ja, wir haben es dir nie erzählt, das ist richtig.
23:15Und jetzt kommst du einfach so hierhin? Denkst du, dass jetzt...
23:18Kim, es ist... Ich wollte es dir unbedingt heute sagen, verstehst du? Vielleicht... Du musstest es einfach...
23:24Das ändert aber nichts daran, dass sie mich ja anscheinend 16 Jahre lang belogen hat. Sag mal, spinnt ihr oder
23:28was?
23:29Für uns war es das Sicherste, dass es dir in der Familie...
23:32Ja, für dich war ich das nicht, hätte...
23:32Mit mir hättest du keinen... Ich hätte dir keine Familie so wie Heike und Helmut geben können.
23:36Ja, schön.
23:37Bitte, Kim.
23:38War... War Mama damals schon mit... War Mama damals... Boah, du regst mich auf, ey.
23:44Kim, Kim.
23:45Kannst du nicht mal... Nein.
23:47Super, vielen Dank.
23:48Kim, bleib.
23:49Kim.
23:52Nochmal, meine dringende Empfehlung ist, auch wenn es schwer fällt.
23:55Ja, deswegen haben wir ja auch nie was gesagt.
23:59Sie hätten es viel früher sagen sollen.
24:01Das früher meine ich, spätestens bis zur Einschulung, dann gehen Kinder noch anders damit um.
24:05In der Latenz und dann in der Pubertät ist es eine Katastrophe.
24:08Dann sollte man wieder warten, bis sie gesichert angekommen sind.
24:12Also, ich weiß es nicht.
24:15Warum sollten Sie kein Kind kriegen können?
24:17Sie können ein Kind kriegen.
24:18Ich wünsche Sie nicht so sehr.
24:20Was ist das denn?
24:22Hallo?
24:23Hallo, Frau Kallvers, ich bin's, Alex.
24:25Ich wollte nur kurz Bescheid sagen, der Stefan hat dummerweise gerade im Foyer der Kim die Wahrheit gesagt.
24:29Den ist er natürlich direkt rausgelaufen.
24:31Informieren Sie mich sofort, wenn Sie sie gefunden haben.
24:33Bravo.
24:34Gut, bis gleich.
24:35Kim!
24:36Du Spinner, was willst du von mir?
24:38Kim, jetzt bleib doch mal stehen.
24:40Nein.
24:41Kim, bitte.
24:42Was willst du von mir, Mann?
24:44Was bringt es denn, wenn du jetzt wegläufst?
24:46Ja, was bringt das denn da drinnen?
24:47Mein ganzes Leben ist eine Lüge.
24:49Es ist so spät.
24:50Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein.
24:51Was soll das denn jetzt?
24:52Jetzt ist Kim weg?
24:53Wo ist sie denn jetzt?
24:54Warte, sie musste es einfach wissen.
24:56Jetzt ist sie weg?
24:57Super.
24:58Sie musste es einfach wissen.
24:59An wen denken Sie eigentlich?
25:01Ich denke zwar an meine Tochter und ich denke auch an die...
25:04Du denkst an dich alleine.
25:06Ich denke daran, dass meine Familie irgendwann mal entstehen muss.
25:09Ich bin jetzt weg.
25:10Was bringt es, wenn du jetzt wegläufst?
25:12Ja, keine Ahnung.
25:13Ich will weg von denen.
25:15Die gehen mehr...
25:15Nee.
25:16Dann sprich zumindest mit Frau Kalvers.
25:18Die hat ihr doch nichts getan.
25:19Mit Frau Kalvers?
25:20Ja, schön.
25:20Dann kannst du aber doch zumindest...
25:21Was soll ich denn mit ihr klären?
25:23Versuch herauszufinden, warum es so gelaufen ist.
25:26Du hast doch keine Ahnung, warum es jetzt so ist, wie es ist, oder?
25:29Ja, weiß ich.
25:29Du weißt nicht, warum das passiert ist.
25:31Nee.
25:31Du könntest doch zumindest reingehen und mit Frau Kalvers sprechen und einfach versuchen
25:36herauszufinden, warum die Situation jetzt gerade so ist, wie sie ist.
25:39Ja, aber wie dreist die mich anlügen?
25:40Was ist das denn bitte?
25:41Ich weiß, es ist scheiße.
25:43Ja.
25:43Aber du möchtest doch auch wissen, warum, oder nicht?
25:45Kim versteht es.
25:46Sie wird es verstehen.
25:47Sie wird es nicht verstehen.
25:48Und ich brauche das für meine Ehe, Helmut.
25:49Stefan, jetzt mal etwas für Ihren Realitätssinn.
25:52Ich weiß nicht, in welcher Veranstaltung Sie innerlich sind.
25:54Die hat sehr viel mit einem schlechten Gewissen zu tun.
25:56Irgendwas, Sie müssen sich outen, weil Sie sonst ein schlechter Mensch sind.
25:59Aber haben Sie realisiert, dass Ihre Tochter weggelaufen ist?
26:02Sie können sich gar nicht vorstellen...
26:20Ja, ich wollte es.
26:21Richtig.
26:22Mir reicht das.
26:23Heike, es war das Beste so.
26:26Stefan.
26:26Hey!
26:27Sie reden nur von sich.
26:28Ja, Frau Kalvers, ich muss im Moment...
26:30Wie ist jetzt Ihre Tochter?
26:31Wie hat sie denn reagiert?
26:32Ja, sie ist erschrocken natürlich.
26:34Es ist ungewohnt.
26:35Sie wusste das natürlich nicht.
26:36Haben Sie mitgekriegt, dass sie rausgerast ist?
26:37Haben Sie mitgekriegt, dass Alex hinterhergelaufen ist?
26:40Ja, das habe ich gesehen.
26:41Ich habe es mitgekriegt.
26:42Sie ist ein junger Mensch.
26:42Sie muss das erst mal verarbeiten, Frau Kalvers.
26:44Vielleicht verarbeitet sie es auf der Straße, indem sie vor das nächste Auto läuft?
26:47Ich bin kein Psychologe, aber sie ist ein junges Mädchen und sie ist nicht die Erste,
26:50die sowas in dem Alter gesagt bekommt.
26:51Sie sind nicht mehr 16.
26:52Ja, das...
26:53Sie sind inzwischen ein erwachsener Mann.
26:54Das weiß ich.
26:55Und Sie haben eine Verantwortung, auch wenn es nur Ihre Nicht- oder Ihr Kind ist, was auch immer.
26:59Sie haben eine Verantwortung.
27:01Ja, es ist alles im Moment schlimmer, weil es muss so sein.
27:04Ja, ich bin's nochmal, Alex.
27:05Ah, Gott sei Dank.
27:06Okay.
27:07Und?
27:07Ja, wir kommen jetzt zurück, okay?
27:09Also, Sie bringen Sie wieder mit, ja?
27:11Danke, Alex.
27:12Ich dachte, dass ich es wissen muss?
27:13Ja, natürlich.
27:14Nicht jetzt.
27:14So, Herr hat ein anderer die Arbeit für Sie gemacht, nämlich Alex.
27:16Sie ist wieder sozusagen ein Stück in sich angekommen und er bringt Sie mit.
27:21Das ist ein Tag.
27:22Das heißt aber nicht, dass sie es verkraftet hat.
27:24Das heißt aber auch nicht, dass sie es verarbeitet hat.
27:25Ich sage Ihnen eins.
27:26Es war in meinen Augen, jetzt bin ich mal, wirklich attackiere Sie jetzt einen Stück.
27:31Sie sind nicht mehr 16.
27:33Das ist richtig, ja.
27:34Sie sind nicht mehr 16, wo es nachvollziehbar war, dass Sie vielleicht mit dem Kind nichts
27:37anfangen konnten, dass Sie einverstanden waren, dass Ihre Schwester es adoptiert hat.
27:42Sondern Sie sind jetzt ein erwachsener Mann und bei dem, was Sie gerade gemacht haben, haben
27:45Sie riskiert, dass Ihre Nichte, beziehungsweise Ihre Tochter rausrast und irgendeinen Unsinn macht.
27:52Das haben Sie riskiert und zwar um Ihre Seele, um Ihr Gewissen zu beruhigen und um Ihre
27:56Frau zu halten.
27:57Dabei wäre Ihre Frau auch bei Ihnen geblieben, wenn Sie ihr vor vier Jahren gesagt hätten,
28:00dass sie Ihre Tochter ist.
28:02Frau Kalver, für mich war einfach nur der Sinn daran das Wichtige, dass ich die Karten
28:05auf den Tisch lege, dass ich ehrlich bin, dass ich endlich ehrlich bin und diese Lüge
28:08vom Tisch kriege.
28:08Das heißt, Ihre Ehrlichkeit, das heißt, Ihr Gewissen war Ihnen wichtiger als Ihre Vernunft
28:12und Ihre Liebe zu Ihrer Nichte.
28:13Nein, nein, nein.
28:15Doch, sonst hätten Sie es nicht getan.
28:16Ich bin der Meinung, dass Sie das verkraften kann, Frau Kalvers.
28:19Nein, das hätten Sie nicht wissen können, denn sie ist rausgerast.
28:22Aber Sie ist ein junges Mädchen und Sie ist nicht das erste Mädchen, was dem Alter
28:26empfährt, dass Sie einen Vater hat.
28:28Ach, dass Ihre Mutter irgendwo in der Wüste ist, dass Ihre Mutter eigentlich Ihre Tante
28:35ist, ich komme auch schon ganz durcheinander, dass eigentlich Ihr Onkel Ihr Vater ist, das
28:38ist das Selbstverständlichste der Welt, ja?
28:39Nein, das ist schwer, das ist klar.
28:40Das ist klar, dass das schwer ist.
28:41Entschuldigung.
28:41Sehen Sie es jetzt mal ein.
28:42Ja.
28:43Vielleicht mal eine Sekunde darüber nachdenken, ob Sie es nicht sich selbst zuliebe getan
28:46haben, weil Sie Ihr Gewissen erleichtern wollten.
28:49Zum Glück wieder da.
28:50Kim ist wieder da, ich habe sie jetzt erstmal ins Arbeitszimmer gesetzt.
28:52Dein Glück, Junge, dein Glück.
28:53Dann würde ich sagen, ich gehe mal zu ihr.
28:57Wie war es denn?
28:57Oh mein Gott.
28:58Ja, sie hat sich aufgeregt irgendwie, verständlicherweise und jetzt hat sie sich über ein bisschen
29:02beruhigt.
29:02Aber Sie haben es ziemlich schnell gekriegt.
29:03Danke.
29:04Danke, Alex.
29:05Gerne.
29:07So, Kim.
29:08Ich bin Frau Kalweis.
29:10Hallo.
29:10Hallo.
29:13Ich finde es gut, dass Sie zurückgekommen sind.
29:15Wir hatten alle Angst.
29:16Ja.
29:16Wir hatten alle Angst um Sie.
29:17Auf der einen Seite, ich kann nicht verstehen, was Sie mit mir gemacht haben.
29:20Ich verstehe das Ganze jetzt gar nicht.
29:23Mein Onkel ist mein Vater.
29:25Meine Mutter ist meine Tante.
29:26Wie hat er das genau gesagt?
29:27Hat er Ihnen einfach vor die...
29:29Das war keine Erklärung.
29:30Er kam da rein.
29:31Kim, ich muss dir was sagen.
29:33Es geht heute nur darum, ich bin dein Vater.
29:36Und das war wie ein Schock für mich.
29:39Haben Sie es geglaubt?
29:40Ich glaube gerade im Moment gar nichts.
29:43Der kann doch nicht mein Vater sein.
29:44Und wenn, haben die mich doch die ganze Zeit angelogen.
29:47Also, ich kann mir das nicht vorstellen.
29:50Also, erstmal halten wir es fest.
29:51Es ist tatsächlich so.
29:53Er ist Ihr Vater.
29:55Und Heike ist die Schwester Ihres Vaters.
29:59Und er hat es mit 16 Jahren verheimlicht.
30:01Beide.
30:01Ja.
30:03Ey.
30:07Ich kann meinem Onkel nicht mehr vertrauen.
30:09Ich hatte Stress mit meinen Eltern.
30:11Und bin zu ihm gegangen, weil ich ihm vertraut habe.
30:13Ich wollte Hilfe von ihm.
30:15Und er...
30:18Der nutzt mich doch schamlos irgendwie aus.
30:20Was ist das denn?
30:21Wie kann er mich so anlügen?
30:22Nein, ich glaube nicht, dass er sich schamlos auslöst.
30:24Er hat ja keinen Gewinn davon gehabt.
30:26Ihr Vater war ja auch noch sehr jung, als er sie gekriegt hat.
30:29Und es war sicherlich ein Wahnsinn, den Heike.
30:33Also, ihre Mutter.
30:34Ja, aber trotzdem, wenn...
30:36Warum müssen Sie mir das heute sagen?
30:37Sie hätten es mir doch über die Jahre schon beibringen können.
30:40Oder nicht?
30:41Das stimmt.
30:41Und jetzt kommen die mitten, äh...
30:43Gerade, wo ich eh...
30:44Ich habe eine schwierige Phase im Moment.
30:46Ich weiß nicht mehr, wo hinten und vorne ist.
30:48Dann habe ich noch Stress mit meinen Eltern.
30:50Und jetzt werfen die mir sowas vor den Kopf.
30:52Das kann doch nicht wahr sein.
30:53Sind die eigentlich noch klar im Kopf, oder was?
30:55Nein, die sind nicht klar im Kopf.
30:56Ja.
30:56Momentan ist da keiner im Kopf.
30:58Da haben Sie völlig recht.
30:59Aber es ist nicht so, dass man sie nicht liebt.
31:01Für die ist das aber einfach, mir das einfach so zu sagen.
31:04Und ich, ich stehe jetzt da.
31:05Was soll ich denn damit anfangen?
31:07Ach, Sie haben ja völlig recht.
31:08Ich, ich, ich verstehe das noch nicht mal richtig.
31:11Das ist meine Mutter, meine Tante.
31:14Kim, Sie haben alle...
31:15Wie soll ich denn damit umgehen?
31:16...eine totale Verwirrung.
31:18Jeder in Ihrer Situation würde denken, spinne ich hier eigentlich?
31:21Spinne ich, spinnen die anderen?
31:23Das ist alles völlig nachvollziehbar.
31:25Auch, dass Sie auf der einen Seite sagen, keiner liebt mich.
31:28Dann aber wieder sauer sind.
31:29Dann wieder traurig sind.
31:30Das ist eine völlig normale Reaktion.
31:32Ja, ich kann im Moment noch nicht mal mehr Trauer empfinden.
31:35Ich habe einfach keine Lust mehr auf diese Leute, die mich die ganzen Jahre lang angelogen haben.
31:40So tun, als ob wir eine glückliche Familie wären.
31:44Kim, diese Leute, diese Leute sind Ihre Verwandte.
31:47Und Ihre Mutter, auch wenn sie eigentlich Ihre Tante ist, ist Ihre Mutter, denn sie hat sie adoptiert.
31:52Sie ist Ihre Mutter, das ist ein Faktum.
31:54Das kann ich aber jetzt nicht so ansehen.
31:56Ich will mit denen einfach nichts mehr zu tun haben.
31:58Wie soll ich denn mit den Leuten jetzt umgehen?
31:59Ja, aber was sollen Sie mit 16 machen? Was haben Sie denn vor?
32:01Ja, es gibt doch Wohngruppen.
32:02Dann gehe ich halt lieber in eine Wohngruppe anstatt zu Ihnen.
32:06Kim, ich sage Ihnen jetzt schon, wenn Sie in eine Wohngruppe gehen, dann sind Sie innerhalb kürzester Zeit wieder da.
32:10Denn, wissen Sie...
32:11Aber Sie haben mir noch nicht mal die Fragen beantwortet.
32:13Mir wird vor den Kopf geknallt.
32:15Ich bin von meiner Tante adoptiert worden.
32:19Ich weiß weder, wer meine leibliche Mutter ist.
32:22Ich weiß weder, warum Sie mir das verschwiegen haben.
32:23Die haben Ihnen Rede und Antwort zu stehen.
32:25Da haben Sie völlig recht.
32:26Ihnen das vor den Latz zu knallen und Sie damit stehen zu lassen.
32:29Und Sie auf die Straße rasen zu lassen.
32:31Gott sei Dank war Alex da.
32:33Ich weiß nicht, was sonst passiert wäre.
32:34Ja, das Einzige, was ich aber jetzt nur noch haben will, sind einfach diese Antworten.
32:37Das ist das Einzige, was ich es haben will.
32:38Aber ich habe echt...
32:39Ich kann diesen Kontakt nicht mehr...
32:41Ich weiß nicht, ich habe kein Vertrauen zu denen.
32:44Kim...
32:44Geh mir einfach nur um den Sack.
32:45Ich kriege das nicht in meinen Kopf frei.
32:46Sie wollen Antworten haben, dann gehen Sie und stellen Sie Fragen.
32:49Und ich bin an Ihrer Seite und Sie haben alle Rechte.
32:52Sie haben das Recht auf Fragen.
33:01Kim...
33:01Kim...
33:02Kim...
33:02Wer von euch wusste das?
33:03Es tut mir so leid.
33:04Nein, wer von euch wusste das?
33:05Es tut mir leid.
33:06Ich bin bitte entschuldige.
33:08Ich habe doch...
33:08Wie könnt ihr so einen Pakt schließen?
33:16Kim...
33:23Kim...
33:24Wusstest du das?
33:25Nein, ich wusste das nicht.
33:26Kann ich vielleicht mit meiner Mama, was auch immer und Stefan irgendwie alleine gerade
33:32reden, dass ihr beide bitte rausgeht?
33:35Geht...
33:39Kim, es tut mir leid, das war so abrupt, ich weiß.
33:42Ich habe keine Antworten auf nichts in meinem Kopf.
33:45Ich weiß nicht, dem Grund wie sonst was.
33:46Du müsstest das jetzt heute erfahren.
33:47Wer ist denn meine Mutter?
33:48Ich weiß doch überhaupt nichts.
33:50Kim, ich bin deine Mutter.
33:51Nein, ich meine meine leibliche Mutter.
33:53Ob ich sie bin oder nicht?
33:53Was ist denn passiert?
33:54Du bist mein Kind.
33:56Das steht mal an erster Stelle.
33:56Ich will Antworten haben.
33:58Okay, und jetzt...
33:59Nein, wer ist meine leibliche Mutter?
34:01Wie ist das gekommen, dass ich...
34:02Kim, deine leibliche Mutter, ich kenne sie selbst kaum noch.
34:05Und ich habe sie auch nur kurz gekannt und sie hat...
34:07Du weißt aber doch, wo er es ist.
34:09Jetzt red dich doch nicht raus.
34:10Du, kurz nachdem es war, habe ich lediglich dich vor die Tür gelegt bekommen und es hieß
34:14Kümmer dich drum, ich bin weg.
34:15Verstehst du?
34:16Das war nicht einfach für mich.
34:16Sie fragt, sie hat diese Mutter einen Namen?
34:19Diese Mutter hat einen Namen.
34:20Diese Mutter heißt Cora und ist nirgendwo mehr aufzufinden.
34:24Aber sie wird doch auch irgendeinen Nachnamen gehabt haben, oder?
34:26Ja, sie hieß Schneider.
34:27Cora Schneider.
34:28So viel weiß ich von ihr noch.
34:30Und da habt ihr nicht mal nachgeguckt, ob diese Frau noch irgendwo aufzufinden ist?
34:33Kim, wir haben alles probiert.
34:34Aber sie ist doch nicht vom Erdboden verschluckt.
34:36Sie ist vom Erdboden verschluckt.
34:37Ja.
34:37Das ist doch gut so.
34:39Einfach vor die Tür gelegt.
34:39Einer nach dem anderen.
34:40Ich weiß, Sie wollen Ihnen jetzt alles mitteilen, aber einer nach dem anderen.
34:44Mein wichtigster Punkt ist jetzt, warum habt ihr mich die ganzen Jahre lang angelogen?
34:47Entweder ihr hättet es mir schon mitgeteilt und nicht so plumpf wie heute.
34:51Du kommst da raus und erzählst mir, du bist mein Vater.
34:55Was meinst du, wie ich da drauf reagiere?
34:56Ich weiß es.
34:57Jetzt weiß ich es endlich.
34:58Schön, dass ich die Wahrheit habe, oder was?
35:00Ich weiß, Kim, dass das nicht angenehm für dich ist.
35:02Und ich weiß auch, dass ich das vielleicht nicht taktvoll gemacht habe und nicht gut.
35:05Aber es ging mir einfach nur darum, dass du die Wahrheit davon erfährst, was eigentlich,
35:10wie eigentlich diese Situation zusammenhängt.
35:12Dass ich dein Vater bin, okay?
35:13Und du weißt, dass ich dir kein richtig leiblicher Vater war.
35:17Zumindest nicht so, wie du es dir vorstellst.
35:18Darf ich dir nochmal fragen?
35:19Haben Sie wirklich nie einen Zweifel gehabt?
35:21Es war immer klar, so wie es mit Ihnen umgegangen ist, das ist die Mama.
35:24Ja, sie ist ja auch mein Kind.
35:26Die Sache ändert doch nichts, Kimi.
35:28Es ging dir gut nach wie vor, Kim.
35:29Die Beziehung zwischen uns, sie ändert sich nicht.
35:30Aber ich habe ihm vertraut, ich habe ihr vertraut.
35:32Und sie haben mich jahrelang angelogen.
35:34Ja, das stimmt.
35:35Jahrelang.
35:36Und wie kommst du heute auf die Idee, hierher zu kommen?
35:38Warum?
35:40Kim, ich wollte einfach die Wahrheit sagen.
35:44Warum suchst du genau heute eine Lösung?
35:46Du hättest die ganzen Jahre, hättest es in Ruhe mit jedem aufklären können.
35:50Du hättest Tanja erzählen können, du hättest es mir erzählen können.
35:53Dann wäre es heute nicht so kompliziert.
35:55Warum machst du das?
35:56Weil wir einfach eine Abmachung hatten, Kimi.
35:59Entschuldigung, es ist nicht fair.
36:01Es ist auch nicht schön.
36:02Heute wird die Abmachung doch auch gebrochen.
36:04Heute wird die Abmachung aber auch gebrochen.
36:06Kim, es war ein Fehler, okay?
36:08Nein, nein, damit kommen Sie nicht durch.
36:11Sie haben mir selbst es in einem Moment gesagt, den Sie irgendwie nicht mehr vorrufen.
36:19Ich versuche es Ihnen mal wirklich so zu sagen.
36:21Es ist eine völlig verrückte Abmachung zwischen den beiden gesehen, die sich nur erklären lässt,
36:27weil kurz zuvor die Eltern tötig verungliebt waren.
36:29Die waren in einem Zustand von Chaos und haben einfach gesagt, das ist die beste Lösung,
36:33um Sie als Schätzchen zu behalten.
36:34Wer hätte Sie nicht gekriegt?
36:35Aber Sie kennen das Chaos.
36:36Und jetzt?
36:37Sie wissen genau, wie es ist, wenn man zum Beispiel Elternteil noch verliert.
36:40Ich glaube, Sie haben es vergessen.
36:41Ja, aber eure Eltern sind vielleicht gestorben.
36:44Aber für mich bricht gerade meine ganze Familie zusammen.
36:46Von allen werde ich angelogen, irgendwie ausgestoßen.
36:49Da müsstet ihr doch wissen, was für ein Chaos jetzt bei mir herrscht, oder nicht?
36:52Das ist nicht wahr.
36:52Ich glaube, ich kann es nicht so erklären, dass es für dich plausibel genug wäre.
36:55Ich kann es leider selbst für mich nicht erklären, warum es so war.
36:58Sie haben...
36:59Aber es ist hier nur um den heißen Brei.
37:00Du hast keine konkreten...
37:01Es ist immer auf, die zwei sind momentan nicht ganz zurechnungsfähig.
37:05Ja, merke ich.
37:06Ja, ne?
37:07Okay.
37:07Ja, entschuldigen Sie, dass ich das so sage.
37:08Äh, hallo.
37:09Das hat aber nicht zu bedeuten, dass wir nicht für Kim nach wie vor da sein möchten.
37:12Nein, bei den beiden ist keine Erklärung gekommen.
37:14Ja, vielleicht will ich aber nichts mit Ihnen zu tun haben.
37:15In irgendeiner Weise, glaubhaft...
37:16Ich glaube, wir haben nicht mal eine Erklärung.
37:19Wir haben einfach mit dieser Entscheidung und mit dieser Abmachung gelebt.
37:23Es ist einfach...
37:24Warum jetzt?
37:25Hören Sie denn nicht die Not Ihrer Tochter?
37:27Also ich frage mich wirklich...
37:28Ich hätte es ihr ja nicht mal erzählt.
37:30Ich hätte es ja nicht gesagt.
37:32Ja, verstehen Sie denn nicht Ihre Not?
37:33Ich verstehe es.
37:34Hören Sie mal zu.
37:36Ihr versteht einfach nicht, wie sauer ihr mich macht.
37:39Auf einmal will er seine Ehe retten, weil er sonst kein Kind kriegen kann.
37:43Nein, nein, nein.
37:43Doch, er sagt das die ganze Zeit.
37:45Er will seine Ehe retten, weil er endlich ein Kind haben möchte.
37:47Und auf einmal hat er ein schlechtes Gewissen.
37:49Darf ich einen Versuch machen?
37:50Ja.
37:51Sie sind alle wirklich schwer unter emotionalem Druck.
37:53Darf ich einen Versuch machen, wie ich es verstehe?
37:57Ja.
37:58Seine Frau, Tanja, das wissen Sie, hat ihn unter Druck gesetzt mit dem Kind, massiv.
38:04Sie hat gesagt, ich gehe, wenn ich nicht ein allmählich ein Kind mit dir kriege.
38:07Und er wusste nur eines.
38:09Und ich glaube, das war ihm nie klar.
38:11Ja, aber dann ist er auch nicht wirklich erwachsen.
38:13Jetzt muss er ja sozusagen hierhin eine Lösung geben.
38:15Da werden Sie jetzt mal einen Moment erwachsen.
38:18Ich weiß, es ist irgendwie bescheuert zu sagen, verstehen Sie Ihren eigenen Vater.
38:21Der ist 16 Jahre älter.
38:24Aber ich verstehe ihn so, dass er irgendwie das Gefühl hat, er hat sie damals verraten.
38:29Und er darf kein Kind kriegen.
38:32Solange er sich nicht zu Ihnen bekennt.
38:35Und das hat er gemacht in einer Situation, die völlig bescheuert ist.
38:39Aber ich glaube, er konnte nicht mehr nachdenken.
38:41Er musste es tun, weil er sich endlich zu Ihnen bekennen wollte.
38:44Das ist fast was.
38:46Aber Frau Kahl war es doch nicht auf so eine Art.
38:49Einfach so plumpend.
38:50Ich spielte hier keine Rolle.
38:51Das ist ihm aber in dem Moment egal.
38:54Kim so ist es leider.
38:55Ja, ich weiß, aber du willst was aufklären.
38:58Aber ihr hättet mir das nicht so, keine Ahnung, so ins Gesicht werfen müssen.
39:02Was soll das?
39:03Das war falsch, das stimmt.
39:04Müsst ihr auch verstehen, dass ich sauer werde, oder nicht?
39:06Ohne, dass diese Sache geklärt ist, kann ich einfach nieder.
39:09Jetzt gehen Sie aber doch einmal in die Generativität.
39:12Das heißt, Sie sind zwar nur 16 Jahre älter.
39:14Aber Sie sind Ihr Vater.
39:16Gehen, seien Sie jetzt einmal ein väterlicher Onkel.
39:19Und sagen Sie, ich weiß, ich habe was gemacht, womit ich dir einfach sehr weh getan habe.
39:26Wo ich auch eine Gefahr eingegangen bin.
39:28Und es tut mir leid.
39:30Ja, Kim, es tut mir leid.
39:32Das war so, dass man es Ihnen glaubt.
39:35Kim, es tut mir leid.
39:36Du kannst ruhig da bleiben, du musst nicht zu mir kommen.
39:38Ich will dir einfach nur sagen, dass es ein Fehler war.
39:41Und ich kann dir nicht sagen im Detail, warum ich es nicht habe besser machen können.
39:45Okay?
39:45Ich habe nie gelernt, so eine Situation zu haben.
39:48Ich hatte nie ein Kind außer dir.
39:49Und auch du warst nie so die Tochter, wie es wahrscheinlich hätte sein müssen.
39:55Für mich warst du immer meine kleine Nichte.
39:58Und ich habe immer ein Gefühl, wie ein Auslöserleger hat.
40:01Aber du musst noch nichtmals mehr, du musst keine Verantwortung für mich haben.
40:06Es tut mir leid.
40:07Weil ich auch gar keine Lust drauf habe.
40:08Ich kann dir im Moment einfach nicht vertrauen.
40:10Das verstehe ich.
40:11Du bist für mich eh keine väterliche Rolle.
40:13Von daher ist es egal.
40:14Mir geht es einfach nur darum, wie ihr mir das sagt.
40:18Ihr verwirrt mich mit so einem Scheiß.
40:21Ist euch das total egal?
40:22Wer ist denn jetzt von den beiden eigentlich?
40:24Natürlich nicht.
40:27Ihr Elternteil.
40:29Meine Mama.
40:31Dann komm doch bitte einfach mal.
40:32Mir geht es nämlich genauso scheiße wie dir.
40:34Was heißt, was Sie, Ihr Freunde, gesagt haben, ich bin dein Vater, vergessen Sie es.
40:37Sie sind nicht Ihr Vater.
40:39Sie zeigen sich nicht als Vater.
40:40Auch jetzt verhalten Sie sich nicht wie ein Vater.
40:43Und Sie können froh sein, dass es da sicher ist.
40:46Ich weiß, dass Sie Fehler gemacht haben, Frau Kall.
40:47Das müssen Sie mir nicht sagen.
40:52Mit wem gehen Sie jetzt nach Hause?
40:54Mit meiner Mama und meinem Papa.
40:56Halt.
40:58Wenn Sie meine Hilfe brauchen, ich bin da.
41:00Dann gehen Sie mit Ihrer Mama und mit Ihrem Papa nach Hause.
41:02Was machen wir mit Tanja?
41:03Sagen Sie, Ihr Mann kommt gleich hinterher.
41:05Okay.
41:06Grüßen Sie sie von mir.
41:16Stefan, Sie hatten mir von den vielen Ausreden erzählt, die Sie Ihrer Frau gesagt haben, warum
41:20Sie kein Kind wollten.
41:21Unter anderem haben Sie gesagt, Sie fühlen sich emotional nicht reif genug.
41:26Ja.
41:27Ich muss Ihnen leider sagen, da ist was dran.
41:31Wissen Sie, Ihre Tochter hat Ihnen wirklich, Ihre Nichte hat Ihnen wirklich eine Brücke gebaut.
41:37Und was für eine?
41:39Jetzt gerade, heute?
41:40Ich sehe keine Brücke.
41:41Die Brücke war eigentlich, warum?
41:43Und wenn Sie gesagt hätten, weißt du, ich habe dich einfach lieb.
41:46Und ich hatte ein so schlechtes Gewissen, dass ich ein Kind kriege, das ich lieb habe, ohne dass ich dir
41:50jemals sagen kann, dass du meine Tochter bist und ich dich auch lieb habe.
41:56Vielleicht habe ich immer zu sehr mit mir selbst gekämpft und Sorgen gehabt, dass ich es einfach nicht hinbekomme, statt
42:01mich auf diejenigen zu bewegen, die es nötiger haben.
42:05Aber das kann man lernen.
42:06Ja, sicher.
42:07Wenn Sie die Hilfe brauchen, ich bin da.
42:10Alles Gute.
42:13Kim wohnt weiterhin bei ihren sozialen Eltern Heike und Helmut.
42:17Eine Familientherapie hilft allen, mit der schwierigen Situation umzugehen.
42:23Bis zum nächsten Mal.
Kommentare

Empfohlen