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Der MTV Skandal
1. Juli 2001
MTV knickt ein und disqualifiziert sich selbst. Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte.
Im Juli strahlt der Fernsehsender MTV die lang erwartete MTV Masters Dokumentation über die Böhsen Onkelz aus und setzt damit neue Maßstäbe des Opportunismus. Der persischen Redakteurin Leyla Piedayesch entzieht man zwei Tage vor Fertigstellung die komplette Kontrolle über den Beitrag. Das eigens für die Ausstrahlung geführte Interview mit Frau Dr. Lill, der Ausländerbeauftragten des Landes Bremen, wird rausgeschnitten. Stattdessen interviewt man „die Ärzte“, den Regisseur eines Skinheadfilms und ein NPD Mitglied. Alle eindeutigen Statements der Onkelz zu ihrer Historie, die man vom Tourmaterial 2000 zusammengeschnitten hat, werden durch die Off-Moderation von MTV als unglaubwürdig hingestellt. Die Redakteurin Leyla Piedayesh weigert sich, den Beitrag mit ihrem Namen abzuzeichnen, weil er in ihren Augen nicht die Wahrheit zeigt und nicht das wiedergibt, was sie in ihrer einjährigen Recherche herausgefunden hat. Die Programmleitung erhält nach der Ausstrahlung eine E-mail-Flut von empörten Onkelzfans, die vom Sender mit einem Standard Antwort-E-mail abgeschmettert werden. Die Böhsen Onkelz und ihr Management veröffentlichen ein Statement zum MTV-Skandal auf ihrer Homepage und stellen die Zusammenarbeit mit dem Sender für alle Zeiten ein. Ebenfalls wurde für dieses MTV Masters der Berliner Journalist und Leiter des Archivs der Jugendkulturen Klaus Farin zum Thema Böhse Onkelz interviewt. Obwohl das 30minütige Interview viele interessante Beiträge enthält, schneidet MTV das komplette Gespräch auf einen Satz zusammen, in dem Klaus Farin etwas zu dem Song „Türken raus“ sagt.
Um allen Fans die Möglichkeit zu geben, das Antwortschreiben der Onkelz an MTV nachzulesen, liefern wir es hier für euch nach:
Offener Brief der Böhsen Onkelz und der B.O. Management AG an die Programmleitung von MTV:
Der MTV Skandal
1. Juli 2001
MTV knickt ein und disqualifiziert sich selbst. Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte.
Im Juli strahlt der Fernsehsender MTV die lang erwartete MTV Masters Dokumentation über die Böhsen Onkelz aus und setzt damit neue Maßstäbe des Opportunismus. Der persischen Redakteurin Leyla Piedayesch entzieht man zwei Tage vor Fertigstellung die komplette Kontrolle über den Beitrag. Das eigens für die Ausstrahlung geführte Interview mit Frau Dr. Lill, der Ausländerbeauftragten des Landes Bremen, wird rausgeschnitten. Stattdessen interviewt man „die Ärzte“, den Regisseur eines Skinheadfilms und ein NPD Mitglied. Alle eindeutigen Statements der Onkelz zu ihrer Historie, die man vom Tourmaterial 2000 zusammengeschnitten hat, werden durch die Off-Moderation von MTV als unglaubwürdig hingestellt. Die Redakteurin Leyla Piedayesh weigert sich, den Beitrag mit ihrem Namen abzuzeichnen, weil er in ihren Augen nicht die Wahrheit zeigt und nicht das wiedergibt, was sie in ihrer einjährigen Recherche herausgefunden hat. Die Programmleitung erhält nach der Ausstrahlung eine E-mail-Flut von empörten Onkelzfans, die vom Sender mit einem Standard Antwort-E-mail abgeschmettert werden. Die Böhsen Onkelz und ihr Management veröffentlichen ein Statement zum MTV-Skandal auf ihrer Homepage und stellen die Zusammenarbeit mit dem Sender für alle Zeiten ein. Ebenfalls wurde für dieses MTV Masters der Berliner Journalist und Leiter des Archivs der Jugendkulturen Klaus Farin zum Thema Böhse Onkelz interviewt. Obwohl das 30minütige Interview viele interessante Beiträge enthält, schneidet MTV das komplette Gespräch auf einen Satz zusammen, in dem Klaus Farin etwas zu dem Song „Türken raus“ sagt.
Um allen Fans die Möglichkeit zu geben, das Antwortschreiben der Onkelz an MTV nachzulesen, liefern wir es hier für euch nach:
Offener Brief der Böhsen Onkelz und der B.O. Management AG an die Programmleitung von MTV:
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TVTranskript
00:28Untertitelung des ZDF, 2020
00:59Untertitelung des ZDF, 2020
01:28Untertitelung des ZDF, 2020
01:46Untertitelung des ZDF, 2020
02:26Untertitelung des ZDF, 2020
02:44Untertitelung des ZDF, 2020
02:52Musik ist doch ein Ventil. Ob ich mich jetzt bewege zur Musik und tanze und meinen Tag damit abschüttle, oder
02:59ob ich jetzt wie in unserem Falle Musik schreibe oder Texte schreibe und Musik lebe. Und so entladen wir uns
03:07ja auch.
03:17Musik
03:18Musik
03:20Und so lange das Gefühl noch da ist, treibt es uns auch immer wieder zusammen und bewegt uns. Und dann
03:26darüber hinaus natürlich die Gewissheit zu haben, dass so viele Leute das Zeug kaufen, was du da machst. Das ist
03:34natürlich ein Killer.
03:43Musik
03:46Wenn du über das Leben singst, dann ist natürlich auch das Leben dann Inspiration. Du läufst mit offenen Augen durch
03:51die Welt und verarbeitest. Und irgendwann muss dieser ganze Restmüll, der nach deiner Verarbeitung dann eben da dritt im Kopf
03:58liegt, muss halt einfach mal irgendwie raus.
04:01Musik
04:04So sieht sich die Band gerne selbst. Stolz, im Recht und nicht zuletzt selbstgerecht. Wie die Geschichte der bösen Onkels
04:10begann, woher ihr Image als rechtsradikales Kinnband rührt und was Journalisten und andere Musiker darüber denken im zweiten Teil von
04:18MTV Masters.
04:20Musik
04:42Das Anime der nächsten Generation. Lupin, der Meisterdieb und seine Kumpanen.
04:49Musik
04:50Kämpfen sich durch die Unterwelt
04:52In einer Zeit zwischen Tradition
04:57Und Moderne
05:03Lupin, Mittwoch, 22 Uhr und 22 Uhr 30
05:07You better believe
05:15Unwiderstehliche Brillanz
05:17Neu, Schein Delicieux von L'Oreal
05:19Transparent schimmernder Lippenstift mit Vitamin C
05:21Für seidig weiche, brillante Lippen
05:24In 15 fruchtig frischen Farben, die duften
05:27Einfach zum Anbeißen
05:28Einfach Delicieux
05:30Neu, Schein Delicieux von L'Oreal
05:32Lassen Sie sich verführen, weil Sie es nicht wert sind
05:35Just Visiting, die schönste Zeitreise aller Zeiten
05:38Total verrückt
05:41Total sexy
05:43Total schockier
05:45Ja so, scheiße
05:46Just Visiting, jetzt überall im Kino
05:49In diesem Fiat Forschungszentrum verfolgen wir eine revolutionäre Idee
05:55Warum unsere Dummies nur für Crash-Tests nehmen?
05:58Die können noch mehr, die können uns zum Beispiel sagen, wie geräumig der Punto ist
06:02Hier Bob
06:03Oder wie viel Spaß man haben kann
06:06Was ist das für ein Test?
06:09Entschuldigung
06:09Fiat Punto, das erste Auto, das getestet wurde
06:13Auf Vergnügen
06:16Jetzt mit sechs Airbags serienmäßig
06:40Junge, geh mal wieder früh ins Bett
06:43Sorry, Mom
06:45Maxim, das neue Lifestyle-Magazin für Männer
06:48Jetzt für drei Mark am Kiosk
06:51Schick deine Sinne auf Reisen
06:53Erlebt die neue DVD-Technologie für noch intensivere Spielewelten
06:58PlayStation 2!
07:00The third place!
07:09Die Geschichte der bösen Onkels beginnt 1979
07:12Sie starten als No-Name-Punk-Band in Hürsbach
07:15Einen winzigen Kaff bei Aschaffenburg
07:17Punk, das war für Stefan, Kevin, P. und Gonzo die Befreiung
07:20Sie schmierten sich Seife in die Haare
07:22Schmückten sich mit Sicherheitsnadeln
07:24Und kotzten aus, was ihnen auf den Sack ging
07:26Sie schrieben stumpfe Sauf- und Stimmungslieder
07:29Auf unterstem Stammtischniveau zum Mitsingen
07:31Schimpften auf Bullenschweine
07:33Und weil sie als Punks oft Krügel bezogen
07:35Nutzten sie die Musik als Ventil
07:37Um ihre angestauten Aggressionen loszuwerden
07:39Und verbal brachial zurückzuschlagen
07:42Unreflektierter Hass, vermeintlich wahre Gefühle
07:44Statt schwammiger Statements
07:45Und den betont verständnisvollen Geschleime
07:47Von Eltern und Lehrern
07:48Das war genau das, wonach sich offenbar
07:50Viele gesehnt haben, die sonst nicht viel zu melden hatten
07:53Musikalisch waren ihre Darbietungen
07:55Mehr als dürftig
07:56Klar, außer Gonzo beherrschte keiner von ihnen
07:58Auch nur annähernd ein Instrument
08:00Kennengelernt haben wir uns
08:02Es sind eigentlich 21 Jahre
08:05Die Bandgründung ist 20 Jahre her
08:07Das fing an und zwar wir sind
08:08Ich und Stefan sind fast im selben Augenblick
08:12Nach Hösbach bei Aschaffenburg gezogen
08:14Stefan von Frankfurt, ich von Hamburg mit meiner Familie
08:27Ich war in der achten Klasse, Anfang neunte
08:30Dann hab ich dann Kevin kennengelernt
08:32Als erstes
08:34Haben sogar noch Clicker zusammengespielt
08:37Murmeln
08:38Und dann hab ich irgendwann Stefan auf der Schule gesehen
08:41Er ist gleich aufgefallen
08:43Er hat irgendwie
08:44Was hat er denn gehabt?
08:45So einen Flanellanzug
08:46Einen weißen Flanellanzug
08:48Und einen Aktenkoffer
08:50Eingeschlagene Zähne
08:50Oder abgefault
08:51Ich weiß nicht was war
08:52Auf jeden Fall
08:52Wir haben drei Stunden im Mund gehabt
08:53Und hat die ganze Schule in Aufruhr gebracht
08:56Ab da waren wir eigentlich zu dritt
08:58In Stefan seinem Keller
08:59Und haben Blödsinn gemacht
09:01Haben gesoffen
09:02Haben Musik gemacht
09:03Auf Töpfen rumgetrommelt
09:04Und haben halt unseren Spaß so gehabt
09:06Und immer wenn der Alde von ihm weg ist
09:09Der musste nach Frankfurt halt einen Puff fahren
09:11Und dann ging natürlich die Party los
09:13Das war immer geil
09:14Alde weg
09:15Schön gehört
09:15Super
09:16Klack
09:17Dann ging's los
09:18Yeah
09:18Laute Musik
09:19Und yeah
09:19Schepper, Schepper
09:20Und da kam man dann auch auf die Idee
09:22Dann erst den Verstärker zu holen
09:24Und der P hat daheim schon so ein Radio umgebaut
09:27Und hat da selber schon Rock-Gitarre gespielt
09:29Und so kam er halt auch sowieso sofort zur Musik
09:32Und Punk-Rock und alles mögliche
09:34So fing's ja an
09:41In unseren Gründungstagen waren wir den Punk verschrieben
09:46Und haben wir auch dementsprechend ausgesehen
09:48Grün gefärbte Haare
09:50Sicherheitsnamen
09:51Man kennt das ganze Prozedere
09:53Wie gesagt
09:54Sind über die Straße gelaufen
09:55Und irgendwann haben uns Kinder rausgedeutet
09:58Und haben geschrien
09:59Guck mal die bösen Onkels
10:00Und dann war klar
10:01Dass das unser Bandname sein wird
10:11Ich hab damals noch im Taunus
10:14Von meinen Eltern gewohnt
10:15Und bin mit einem Freund
10:17Jedes Wochenende nach Frankfurt gefahren
10:19Um Punks da zu treffen
10:20Ja, weil wir waren die einzigen Punks bei uns im Kaff
10:23War natürlich total langweilig
10:24Also wir fahren nach Frankfurt
10:25Um ein paar andere Punks zu treffen
10:27Sind wir wollten nach Sachsenhausen
10:29Mit der Straßenbahn fahren
10:30Und an der gegenüberliegenden Straßenbahn
10:31Haltestelle stand Kevin
10:32Stefan und P
10:34Und natürlich hat man sich so angeguckt
10:36Aber nichts gesagt
10:37Weil als Punk musste man ja auch
10:38Bis zu einem gewissen Grad äußerst cool sein
10:41Bis der Stefan natürlich wieder
10:43In seiner unnachahmlichen Art rübergerufen hat
10:45Ey, wo wollten ihr hin?
10:46Geht schon seit drei Stunden in hier
10:48Drei Stunden in Kreis
10:50Was ist mir?
10:51Die Wisse steht mir
10:53Bis zum Heiz
10:54Bis zum Heiz
10:55Bis zum Heiz
10:55Bis zum Heiz
10:56Wir haben ihn einfach angehauen
10:58Und haben gesagt
10:58Gonzo, komm hier
10:59Hast du nicht Bock bei uns mitzuspielen?
11:00Weißt du?
11:01Wir sind total geil natürlich
11:03Und wir waren schon immer geil
11:04Weil sie geil sind und so
11:05Und Gonzo natürlich
11:06Ja, geil, mach ich mit und so
11:08Und dann fingen wir an
11:09So ein bisschen
11:10Dann haben wir auch zusammen geprobt
11:12Und so
11:12Und dann wurde das wirklich ernst
11:13Weil der Gonzo hat als erster Musik reingebracht
11:15Der konnte schon Gitarre spielen
11:16Oh, wir waren begeistert
11:17Von Gonzo seinem Klimber
11:19Und weißt du
11:19Das war der Hammer
11:20Aber wir konnten ja nichts
11:30Viel versprochen habe ich mir von der ganzen Sache nicht
11:32Nicht, weil die Jungs
11:34Sie konnten ja absolut nichts
11:35Ja
11:36Nichts, gar nichts
11:37Also jedenfalls
11:40Das heißt, sie konnten schon was
11:41Aber es war jedenfalls so
11:42Dass du gesagt hast
11:43Naja
11:45Spielt ihr mal
12:14Vor allem der inhaltlich absolut
12:16Frankreich 84
12:17Zeugen von einer bedenklichen Gesinnung
12:19Solche Texte einfach als Jugendsünden abzutun
12:22Zeugt von immer noch mangelnder Reflexion
12:33Der Titel ist erstmal so schwachsinnig
12:35Wer den Text einmal sich durchgelesen hat
12:36Der muss eigentlich feststellen
12:37Dass das ja nicht mehr aussenderfeindlich sein kann
12:39Weil der einfach nur blöd ist
12:55Ich glaube für die Onkels damals
12:57Als sie ihn aufgenommen haben
12:59War er überhaupt nicht wichtig
13:01War einer von vielen Hass-Songs
13:02Bei den Onkels ging es am Anfang immer um Aggressivität
13:05Gegen Polizei
13:06Gegen Religion
13:08Gegen kirchliche Institutionen
13:09Gegen Spießer
13:10Gegen alle möglichen Leute
13:12Hippies
13:13Gegen andere Fußballfans
13:14Und auch
13:15Gegen Türken
13:16Wenn du auf dem Schulweg 20 Mal Spießruten läufst
13:19Weil du von ausländischen Gangs auf die Fresse bekommst
13:21Dann rutscht dir sowas als Teenie mal irgendwann raus
13:23Als erwachsener Mensch muss man das natürlich
13:25Kann man das differenzierter sehen
13:28Aber wie gesagt
13:29Ich würde ja auch einen solchen Titel garantiert
13:32Wir wollten es damals nicht veröffentlichen
13:34Und wir würden den Teufel tun
13:35Sowas heute nochmal zu tun
13:36Das ist doch ganz klar
13:37Ich bin heute 36
13:38Aber ich meine
13:41Soll ich mal sagen
13:42Wie viele Ausländer sagen
13:43Scheiß Deutsch oder was auch immer
13:44Da kümmert sich keine Sau drum
13:45Und das ist auch in Ordnung so
13:46Denn man muss ja einmal von mir
13:47So eine Wut mal ein bisschen Luft machen lassen
13:49Natürlich
13:51Ist es natürlich fatal
13:52Dass wir letztendlich so zu Ruhm gekommen sind
13:54Und man uns so ein Ding irgendwie nachsagen kann
13:57Das ist klar
13:58Hast du wirklich dran geglaubt
14:02Dass die Zeit nicht weiter geht
14:06Hast du wirklich dran geglaubt
14:10Dass dich alles um mich dreht
14:22Natürlich gibt es eine bestimmte Phase der Onkels
14:24Die haben sich selber nie als Nazis begriffen
14:26Das glaube ich ihnen schon
14:27Also als politische Nazis
14:29Allerdings
14:29Ein Song wie Türken raus ist eindeutig
14:32Den kann man nicht entschuldigen
14:33Der ist rassistisch
14:34Und zweitens
14:36Wenn ich vor 200 Leuten spiele
14:37Fast ausschließlich neonazistische Glatzen
14:41Die Sieg Heil Deutschland
14:43Den deutschen Ausländer rausgründen
14:44Und ich stehe auf der Bühne
14:45Muss ich mir gefallen lassen
14:46In dieser Phase als Naziband bezeichnet zu werden
14:49Ohne Zweifel
14:50Das kann man nicht verharmlosen
14:51Allerdings
14:52Das war eine Phase
14:53Zwischen vielleicht 1981 und 85
14:56Im Kern
14:57Und das ist inzwischen
14:58Mindestens 15 Jahre her
15:04Die frühen 80er waren in Deutschland
15:07Jahre der zunehmenden Politisierung
15:09Auch in der Musikszene
15:10Politisch aktive Bands waren en vogue
15:12Die Mehrheit der Gruppen
15:14Waren jedoch eher linksorientiert
15:15Auch deutlich linksgerichtete Bands
15:17Wie Slime
15:18Hatten zu dieser Zeit mit der Zensur zu kämpfen
15:20Ein in Deutschland damals neues Phänomen
15:22In England sahen sich Skins und Punks
15:24Schon länger den Vorwürfen der Gesellschaft ausgesetzt
15:28Gibt's 30 Jahre
15:29So
15:30Also so ungefähr so alt wie ich
15:32Sind also diese deutsche Skinhead Bewegung
15:3469 fing das an
15:35Natürlich in England
15:36Wo sonst
15:37Wo wären alle Kulte geboren
15:39London
15:39East End
15:41Und dann schwappte das allerdings mit großer Verzögerung
15:44So kann es fast sagen
15:46Zehn Jahre später kam das dann nach Deutschland
15:4879, 80
15:49Nämlich mit der Punk Bewegung
15:51Und da hat sich dann auch diese Eul Bewegung entwickelt
15:54Eben ein
15:55Das ist im Grunde genommen Punk
15:56Mit anderen Texten
15:57Punk war damals sehr intellektuelle Texte
16:00Und die Eul Bewegung hat gesagt
16:02Nein, wir reden nur über uns
16:03Über unser Leben
16:04Working Class
16:05Also diese Unterschichtsgeschichten
16:08Meine Freundin
16:09Was weiß ich
16:10Mein beschissener Chef
16:11Solche Sachen
16:12Also ganz persönliche Sachen
16:14Du denkst
16:15Du denkst
16:16Das bisschen angepasst
16:18Dafür mach ich am Weekend
16:20Den Teufel los
16:22Doch du wirst noch
16:23Eine Nummer
16:25Während die bösen Onkels hauptsächlich blinden Hass propagierten
16:28Beschäftigte sich der überwiegende Teil der deutschen Punk-Szene
16:31Offensiv mit gesellschaftlichen Problemen
16:37Und dann ist das leider 79, 80, 81 in England von der National Front unterwandert worden
16:44Die ganze Skinhead Bewegung
16:45Über diese Hooligen-Geschichten ging das
16:47Also in den Stadien haben die rekrutiert
16:49Und da seitdem ist Skinhead eigentlich
16:52Hat diesen Virus
16:55Rechtsradikal
16:55Und das kommt eben auch
16:57Leider wieder rüber geschwappt eben
16:59Auch wieder mit ein paar Jahren Verzögerung
17:00Bei uns ging das so Mitte der 80er Jahre los
17:02So 84, 85
17:03Auf einmal war Skinhead rechtsradikal
17:05Und da hat sich aber Gott sei Dank
17:07Da wieder ein Teil der Szene von distanziert
17:09Und hat gesagt
17:10Nee, Moment mal
17:10Das kann ja nicht sein
17:11Wir hören hier Ska
17:13Das ist eigentlich Musik von Farbigen
17:16Wie kann das sein?
17:17Also wir können nicht rechtsradikal sein
17:18Das gehört gar nicht zu unseren Roots
17:20Aber der andere Teil hat sich halt doch gesagt
17:23Also doch, wir sind so eben national
17:25So und in Osten ist es natürlich erst recht ein Problem
17:29Seit dieser Wiedervereinigung
17:31Da ist es ja schick rechtsradikal zu sein
17:33Und da ist es auch schick eine Glatze zu tragen
17:35Also tragen alle eine Glatze und sind alle rechtsradikal
17:38Die haben natürlich überhaupt keine Ahnung von Ska-Musik und so
17:41Für die sind aber auch Euskins Punks
17:43Also das ist Pöbel und Gesocks
17:44Zecken, Asseln
17:46Die sind die wahren Skins
17:47Also ich sage dir so viele wahres Skins
17:49Wie ich da im Osten getroffen habe
17:50Also das ist, alle sind da die wahren
17:52Die einzig wahren
17:53Nur sie sind es gar nicht
17:55Nur sagt ihnen das keiner
17:57Das fing eigentlich an
17:58Dass es uns in einem Alter erwischt hat
18:01Wo, weil wir zuerst Punks waren
18:04Und sind in ein Alter reingekommen
18:05Wo, glaube ich, jeder Jugendliche
18:07Irgendwann mal ein geregeltes
18:09In Anführungszeichen Leben führen will
18:11Zumindest ein bisschen mehr aus diesem
18:13Totalen Lotterleben raus will
18:15Und das war eigentlich der Hauptgrund gewesen
18:17Wir hatten alle Arbeit gefunden
18:19Ja, Arbeit macht natürlich auch
18:20Musst du einen anderen Eindruck machen, das ist ganz klar
18:28Da kam das Skinhead-mäßige, weil es auch mit der Rock- und Punkmusik weiterhin verbunden ist
18:32Das kam das eigentlich wie gelegen
18:34Ja, man war halt kurz geschoren
18:36Aber immer noch als Brett gekleidet, ja
18:39Und das war eigentlich auch ein Hauptgrund, ja
18:41Dass wir ein bisschen von diesen totalen Versifften
18:45Weil ich war wirklich total versifft, ja
18:47Ein bisschen was Gediegeneres
18:50Da waren die Eltern auch schon gleich wieder begeistert
18:52Und haben sich ein bisschen gefreut
18:54Das ganze Umfeld hat sich ein bisschen geändert
18:56War ein bisschen geregelt, man hat Arbeit gehabt und alles, ja
18:59Da war nichts Politisches dabei
19:01Damals sowieso noch überhaupt nicht
19:02Das war ein einziges Arbeiterdenk
19:09Es wurde halt total verfälscht
19:11Und durch diese Nazi-Schweine
19:14Die haben sich ihr Futter schon gesucht
19:16Die haben schon ein paar Blödmänner gefunden
19:18Denen sie das einbläuen konnten
19:20Und dadurch wurde die ganze Szene verseucht, ja
19:24Trotz der mehr als deutlichen Aussagen der frühen Böse Onkels-Songs
19:28Sagen und sehen sie sich also selbst erstaunlicherweise nie dem rechten Lager zugehörig
19:32Die bösen Onkels verstanden sich als Kinds
19:35Und das beinhaltete auch, sich nicht vor den Karren einer Institution, einer Partei spannen zu lassen
19:40Wir haben uns verabschiedet in dem Moment, wo die Nazis kamen
19:49Und uns sogar direkt auch angesprochen haben
19:51Auch während Konzerten
19:52Ihre NPD-Sache zu vertreten
19:56Und ein bisschen mitzumischen
19:58Und sie dabei zu unterstützen und so weiter
20:00Das war oft der Fall
20:01Die haben die natürlich in den Harz gekickt, ja
20:03Aber die kamen immer wieder
20:06Und natürlich auch Konzertbesucher von uns
20:08Haben sich natürlich von denen beschwatzen lassen
20:10Sind von diesen wirklich geilen Skinheads, ja
20:13Unpolitischen Skinheads
20:14Zu politischen geworden, ja
20:16Haben sie keil gebrüllt und den ganzen Scheiß
20:19Und wo das anfing, hatten wir keinen Bock mehr drauf
20:21Da war für uns die Skinhead-Arie gelaufen
20:24Und das ging auch ziemlich schnell
20:26Und äh
20:28Also im Kopf bei mir ging es ganz schnell
20:32Von meinen Haaren
20:33Ich hab noch lange kurze Haare auch gehabt
20:34Weil ich hab einfach Bock drauf gehabt
20:36Das war auch praktisch und alles
20:37Aber jetzt vom Kopf her
20:40War ich schon längst davon ab
20:41Mich haben die Leute so angekotzt
20:43Sich von Politik so leiten zu lassen
20:45Und äh
20:46Das war auch nie in unserem Interesse
20:54In den frühen 80ern waren die Grenzen
20:57Zwischen Punks und Skins
20:58Lange nicht so eindeutig und rigoros gezogen
21:01Wie heute
21:01Punks und Skins fanden sich sogar
21:03Relativ unpolitisch
21:04In der Eu-Bewegung zusammen
21:08Rodrigo war auf den ersten Chaos-Tagen in Hannover
21:10Da gab es Szenerien irgendwie
21:14Und die Jungs ja auch dabei war
21:16Ungetragen damals ja auch
21:17Ein Sampler, war auch mit Klein
21:18Also was die Angestellung
21:19Die zweite Auflage war das
21:21Waren sie ja auch mit zwei Songs
21:23An die Ibisong und den Pro-Song-Band
21:27Ich kann mich nicht mehr so richtig erinnern
21:28Also damals hatten sie
21:29Waren sie auch nicht so
21:30Sagen wir mal in der Szene
21:31Auch nicht so richtig akzeptiert
21:32Sie galt mehr als schlechte Hardrock-Band
21:38Der Labelchef von aggressive Rock-Produktionen Karl Walterbach nahm die Bösen Onkels angesichts der zunehmenden Kritik von seiner Compilation Soundtracks
21:47zum Untergang
21:48Prompt stand die versammelte Band bei Walterbach vor der Wohnungstür und drohte diese einzutreten
21:53Wenn Walterbach sich nicht gesprächsbereit zeigte
21:55Die Bösen Onkels erschienen nie wieder auf diesem Berliner Label
22:18Der nette Mann wurde auf den Index gesetzt, doch nicht weil der Song nationalistisches oder ausländerfeindliches Gedankengut transportierte, sondern weil
22:26er von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften zurecht
22:31Der nette Mann ist im Prinzip eine Indizierung von einem Lied, der, der sag ich mal auch gerade aus der
22:36heutigen Zeit, wo dieses Thema nämlich, wie soll ich sagen, durch die Medien ging, Pederasten, Kindermorde, Hochzehen, Inzest, ETC, was
22:47da nicht alles dabei gewesen ist.
22:48Das ist heute Modethema, damals hat sich keiner daran getraut und deshalb meines Erachtens auch diese Indizierung
22:56Der nette Mann selber ist ein absoluter Anti-Song gegen alle Pederasten und Kinderficker und alle Menschen, die sich an
23:09Kinder vergreifen
23:11Es ist halt dargestellt aus der Position von einem solchen Triebtäter, ja, und ich sing's in dieser Ich-Fahrt, weil
23:18das ist nicht anders singbar
23:19Ja, sowas kannst du nicht singen, er und der, das sing ich, ich spiel diese Rolle und das ist alles
23:25Die haben es von vorn bis hinten missverstanden, das verstehen sie halt miss, sie meinen, wir würden damit Pederasten unterstützen
23:31wollen und finden das geil, ja, dass man Kinder fickt und all so ein Kram
23:35Aber das bedeutet genau das Gegenteil, ja, das ist so, das von Anfang an bezweckt, ja, und das ist der
23:40Riesenirrtum, der schon immer, immer mit diesem Lied entstanden ist
23:44Ob aus Naivität oder aus taktischen Gründen, die Botschaft der bösen Onkels ging eindeutig nach hinten los
23:50Die Provokation forcierte keine Diskussion über ein brisantes Thema, was blieb, war allein der Skandal
24:09Mit Deutschland im Herbst von ihrem weißen Album versuchten die bösen Onkels, sich von der rechten Szene zu distanzieren
24:16Auslöser für den Song waren die rechtsradikalen Krawalle in Rostock-Lichtenhagen im August 1992
24:22Die Wälder sind gegen jeden, keine Achtung vor sich fällt, keine Achtung vor dem Leben
24:37Warum beginne ich auf, weil ich gegenseitig die Schnauze einzurden
24:43Wir haben nur die Chance, alle gemeinsamen, Freunde aufzumachen
24:52Rechte Skinheads wurden in den 90ern zum gesamtdeutschen Problem
24:56Mit brutalen Gewaltakten gegen Minderheiten verbreiteten sie Angst und Schrecken im wiedervereinigten Deutschland
25:022000 griff der Regisseur Benjamin Reding in seinem Kinofilm Oi Warning diese Problematik auf
25:10Was um die Skins ja auch immer so ein Circle ist von ganz normalen Leuten
25:13Die eben sich nicht, die nicht mutig genug sind eigentlich
25:17Die es eigentlich geil finden, aber eben dann doch sagen, na ich pass doch lieber auf, meine Eltern mögen das
25:22nicht
25:22Und mein Arbeitgeber mag es auch nicht, also warum soll ich dann so rumlaufen
25:26Das ist vor allen Dingen im Westen
25:29Und die hören ja aber auch dieselben, die hört ja auch dieselbe Musik, da findet ja auch ein Austausch statt
25:34Und so ein Support von eben diesen, ich sag immer so diesen Normal-Prolls, den hat eben die bösen Onkels
25:42sehr stark
25:56Das ist wie so ein Sprachrohr, was sie selber nicht formulieren können
26:02Aber diesen Unmut in heißen, überhitzten Wohnküchen so
26:08Abends beim Abendbrot und beim Zappen durch die 34 Kanäle, was sich da so anstaut an Wut
26:14Durch die Musik der Onkels kriegt das auf einmal eine Richtung
26:18Das ist wie ein Ventil
26:20Und dann lässt sich es wieder leben da in der heißen Wohnküche
26:42Bei zwei Drittel aller Skins, ich hab ja in die Plattenschränke geguckt
26:46So, ich wollte ja auch wirklich wissen, was wird wirklich gehört
26:49Okay, natürlich steht da selbstverständlich eine böse Onkels, mindestens eine, mindestens eine entweder Platte oder eben CD
26:56Also die gehört quasi zur Grundausstattung dazu
26:59Das muss man auch so sehen, also ich meine, das ist Ambach, Tatsache
27:02So, und dann sind natürlich klar, die alten, jetzt verbotenen, indizierten CDs gehören natürlich auch, gerade bei den Skins im
27:11Osten
27:11Weil sie verboten sind, ist es Kultpotenzial
27:27Bei den Onkels ist es so, ohne die Geschichte wären die gar nicht so groß
27:33Verstehst du? So
27:34Also ohne die Nazi-Lieder von einst wären die heute nicht so groß
27:46Also ich hab viele in der Szene kennengelernt, die wirklich die Onkels vergöttern
27:50Also Skinheads, ich spreche jetzt nur von Skins
27:52Also die die Onkels wirklich vergöttern
27:54Und da ist es egal, ob das die alten Texte waren oder die neuen
27:58Onkels ist wichtig
27:59Also verstehst du? Ja und okay, die haben jetzt, die machen jetzt, spielen auf antifaschistischen Konzerten
28:07Und also lassen jetzt die Antifa raushängen, so
28:11Aber das ist, Hauptsache sie haben zumindest mal so einen Text gemacht
28:16Das hat auch was von einer unglaublichen Provokation
28:28Und das ist das Geheimnis der bösen Onkels
28:32Alle Lieder klingen gleich
28:33Alle Texte sind ganz, ganz ähnlich
28:36Und das sind immer so Texte, so wie du lebst, du kleiner Mann
28:40Ist es richtig
28:41Du machst es richtig, dein Leben ist okay
28:44Und ich sag ja, so eine Banty, die Ärzte, die sagen immer
28:47Nee, es ist nicht so okay
28:48Alles ist eine Verabredung
28:50Und es ist nur ein Spiel
28:51Und die Ärzte, die bösen Onkels sagen
28:54Nein, nein, so wie du lebst, so, das ist richtig
28:57Und verteidige dein Leben und so
29:00Sei stark, geht gegen die anderen
29:02Die anderen sind die Bösen, du bist der Gute
29:04So
29:05Und so eine Message kommt dir überall an
29:07Also du musst ja auch mal sehen
29:09Wie viele Skins gibt es denn vielleicht in der ganzen
29:12In Deutschland, in ganz Deutschland vielleicht 10.000
29:14Ich glaube, da bin ich schon ziemlich weit oben angekommen
29:17Aber die verkaufen ja 400.000, 500.000 CDs pro Jahr
29:21Das heißt also, die restlichen 490.000 sind ganz normale Leute
29:27Ich sag ja, das meiste Prolls
29:42Ich hab ja auch genug Leute, die alle drei berühmten digitalen Bänden in diesem Land hören
29:47Und Newtour, Onkels und AEM
29:49Und ja, also wir, ich glaube, das behagte niemanden, wenn man uns mit dieser Bänze vergleicht
29:56Und meine Bänze existieren ungefähr gleich lang
29:59Und wir kennen halt auch die Vergangenheit teilweise hautnah von den Jungs
30:03Und ich finde halt, wer darauf reinfällt, das sind halt Rattenfänger
30:07Die Texte sind teilweise sehr Rattenfängermäßig
30:09Irgendwie mit diesen Durchhalteparolen, diese Lanza-Romantik, der teilweise verwaltet wird
30:13Und das auch schon alles
30:14Und das auch schon alles
30:50Who are you?
30:51Stellbahn Kreuzma!
30:54Where do you come from?
30:56Mach the voice!
31:01MTV Sushi, jetzt gleich
31:04You better believe
31:06MTV Sushi, at the age, with PlayStation 2
31:18The Doctor is back
31:20Yeah
31:20It's me, I forgot my key, open up
31:22To put the wild
31:23By Friday, there won't be a tree standing
31:26Is that a threat?
31:26Back in wildlife
31:28Don't give up without a fight!
31:29I got rabies, I could bite somebody
31:31But I can only do so much
31:32Eddie Murphy
31:33You'll be the most famous bear in all the world
31:34Bigger than Pooh
31:35Doctor Doolittle too
31:38Junge, es wird Zeit, dass du heiratest
31:42Sorry, Mom
31:43Maxim, das neue Lifestyle-Magazin für Männer
31:46Jetzt für drei Mark am Kiosk
32:11Jetzt für drei Mark am Kiosk
32:16Nach ihrer Punk- und der Skin-Phase wechselten die bösen Onkels ein weiteres Mal innerhalb
32:22der Subkultur das Lager
32:23Sie traten ab 1987 als komplett unpolitische Rockband auf
32:31Die dritte Phase hat uns dann dabei gereinigt
32:33Wie das mal aber gut denn auch der Fall ist
32:35Die dritte, ja
32:35Wir haben uns die Haare wachsen lassen
32:37Und wir haben gesagt
32:37Keine, keine Regeln mehr
32:39Keine Uniform mehr
32:41Keine, keine Dr. Martens mehr
32:45Mann, wir mussten uns befreien
32:46Aus uns raus
32:50Cowboy-Stiefel
32:53Ich bin das Schlechter
32:54Das Öl mir steckt
32:58Die Medien nahmen diese Wendung nicht an
33:00Sie trauten dieser Befreiung der bösen Onkels nicht
33:03Für sie blieben die bösen Onkels die bösen Nazi-Skins, die nichts dazugelernt hatten
33:08Die Band war bemüht, gegen dieses Image anzukämpfen
33:11Journalisten, die sie als rechtsradikal bezeichnet hatten
33:14wurden angerufen und um ein persönliches Gespräch gebeten
33:17um etwaige Missverständnisse auszuräumen
33:30Musik
33:30Musik
33:30Musik
33:30Musik
33:58Untertitelung des ZDF, 2020
34:00Ein schwerer Schlag traf die Band 1990, als Trimmy, der beste Freund von Sänger Kevin, ermordet wurde.
34:07An dem Abend war das Spiel Deutschland gegen Saudi-Arabische Emirate oder sowas, was Deutschland glaube ich 5-2 gewonnen
34:15hat oder so.
34:16Und danach wollten wir eigentlich nochmal nach Sachsenhausen fahren, ja.
34:20Und der Trimmy, der hat gar keinen Bock gehabt, der wollte die ganze Zeit gar nicht mit.
34:23Dann haben wir ihn noch überredet, komm geh mit und so, zack, alles ist offen, schön, machen wir eine Party.
34:28Und dann sind wir losgefahren, sind halt in die Kneipe reingefahren und ohne irgendeinen Grund, ohne dass jetzt irgendwas war,
34:35hat er ein Messer in die Brust reingestochen bekommen von so einem Bundeswehrzeitsoldaten, von so einem Vollidioten, mit so einem
34:40riesen, was weiß ich, Messer, ja.
34:44Und ja, ich hab Trimmy nur noch gesehen, wie er wankend zum Ausgang ist, ich hab ihn in den Arm
34:48genommen und dann ist er in meinem Arm gestorben.
34:50Die Zeit halt wundern, doch ich denke oft an dich.
34:57Ganz egal, wo du auch bist, du weißt so gut wie jetzt.
35:04Irgendwann sehen wir uns wieder in meinen Träumen in unseren Leben.
35:19Aber nach seinem Tod und nach der Beerdigung vor allen Dingen, bin ich total aus dem Ruder geraten und hab
35:25mir halt die Birne zugeschossen, wie es nur geht.
35:28Mit allem und so viel wie möglich.
35:31Und das ging halt ein paar Jahre ganz schlimm.
35:34Vorher haben wir auch schon immer Blödsinn gemacht, aber mich nie auf irgendwas süchtig gewesen oder so.
35:40Da war es dann halt richtig schlimm.
35:41Da war ich auf allem drauf, ja.
35:43Alles genommen und das massenweise.
35:45Für mich war es die Band.
35:46Meine Bandkollegen, ohne die hätte ich es nicht geschafft.
35:49Und ich war wirklich am Ende.
35:50Ich war sehr tief gesunken.
35:52Und ohne meine Kollegen von der Band hätte ich es nicht geschafft.
35:55Ganz bestimmt nicht.
35:56Das war der alles antreibende Motor überhaupt.
36:06Nach allen Rückschlägen und der immer weiter geübten Kritik versuchten sich die Frankfurter 2000 in einem neuen Betätigungsfeld.
36:14Sie entschlossen sich zur Produktion ihres ersten professionellen Videoclips Dunkler Ort.
36:23Ich war ein Ausschlaggebend dafür, das Video zu machen, war jetzt nicht, um ein Airplay zu bekommen oder um die
36:29Single zu promoten oder um das Album damit zu promoten,
36:31sondern einfach mal für uns die Möglichkeit, die weitere künstlerische Möglichkeit auszuschöpfen,
36:36einfach mal mit einem Text eine Stufe weiterzugehen, den auch visuell umzusetzen, so wie wir uns das vorstellen.
36:55Zum einen Mal in dieser Realitätsebene, die in einer Großstadt handelt, die eigentlich x-beliebig austauschbar ist,
37:06auf der Flucht vor der Realität und zum anderen in einer, wir nennen es mittlerweile die Giga-Welt,
37:14ein ja schon sehr düsterer Ort, wobei wir den als nicht so düster wie die Realität empfinden.
37:21Und diesen Kontrast eigentlich mit einem dunklen Ort, den jetzt vielleicht der Normalbürger ja viel dunkler ansehen würde als seine
37:29eigene Realität,
37:32wir sind genau der gegensätzlichen Meinung. Und das ist natürlich für uns das Spannende gewesen, das auch so zu realisieren.
37:53Das letztendlich jeder seine Umgebung selbst kreiert. Das heißt, je nachdem, wie ich einen Gegenstand anblicke,
37:58von welchem Blick ich habe, habe ich eine Möglichkeit, das anders zu visualisieren.
38:03Und wenn ich natürlich meine Umwelt schwarz male, dann ist sie halt eben schwarz, obwohl sie vielleicht gar nicht schwarz
38:12ist.
38:12Das heißt also, ich kreiere diese Welt und ich kann sowohl etwas positiv angehen, als auch negativ.
38:19Und ich glaube halt, dass die Menschen dabei sind, einen verdammt dunklen Ort zu kreieren
38:24und sich irgendwann mal ihren Platz und den Arsch wegbomben, wenn sie nicht aufpassen.
38:43Wir hinterlassen letztendlich nichts. Jeder lebt sein Leben irgendwie auf Nummer sicher.
38:48Ich habe eben meinen Job von 9 to 5 und das war's. Damit bin ich zufrieden. Tschüss, keiner ist bereit,
38:53irgendein Risiko einzugehen.
38:54Egal in welcher Form. Es geht ja jetzt hier nicht darum, wie lange jemand arbeitet,
38:58sondern wenn er sich beklagt darüber, dass er einen scheiß Job hat, dann soll er sich verdammt nochmal einen besseren
39:01suchen.
39:02Und das meine ich damit auch mit dem dunklen Ort, den ich kreiere.
39:06Und wenn er damit zufrieden ist, okay, wunderbar, dann ist gar nichts dagegen zu sagen.
39:10Aber eigene Unzufriedenheit, andere damit zu belasten, damit schaffen wir irgendwie diese negative Energie,
39:18die, finde ich, die halt eben auf diesem Planeten mittlerweile zu oft vorkommt.
39:23Das war's.
40:12Da die Kritik an ihren Inhalten und ihrem Verhalten die bösen Onkels eher nervt als zum Nachdenken anregt,
40:19stößt auch die immer wieder geforderte Namensänderung als Zeichen der Abkehr vom alten Image auf rigorose Ablehnung.
40:31Ich halte einen Namenswechsel für sehr verlogen und wer sowas für sich in Betracht zieht, ist für mich auch ein
40:35verlogenes Arschloch.
40:36Muss ich ganz ehrlich so sagen.
40:38Und für uns war das nie ein Thema und wird es auch nie sein.
40:40Ich finde es wesentlich spannender, zu zeigen, dass man sich wandeln kann, auch weil ich mich jetzt nie als rechtsradikaler
40:47gefühlt habe.
40:48Aber für uns war es wesentlich spannender, die Auseinandersetzung anzunehmen und irgendwann mal für einen positiven Wandel zu stehen.
40:55Und eben nicht mehr für die Band, die rechte Band.
41:17Ich bin mittlerweile 37 Jahre alt und habe lange genug Zeit gehabt, solche Gedankengänge zu überlegen.
41:26Und habe irgendwann festgestellt, dass es im Prinzip nur an mir liegt, wenn ich anfange, andere zu hassen, nur weil
41:32ich mit mir selbst unzufrieden bin.
41:34Und das ist einfach die Mäste, die wir halt auch irgendwie rüberbringen wollen, dass andere nicht schuld sind an unserem
41:41Versagen.
42:04Mach's gut, du schöne Zeit, auf Wiedersehen, heißt es in Erinnerungen von ihrem vierten Album Böse Onkels wie wir.
42:10Das war der vermeintlich letzte Gruß an die alten Fans.
42:14Ein weiterer Versuch der Distanzierung von ihrer Vergangenheit.
42:24Uns war die Distanzierung zum Rechtsradikalismus immer wichtig gewesen.
42:29Und das haben wir auch in Statements mehr als genug breitgetreten.
42:36Und wer es halt nicht kapiert hat, der war einfach, der wollte es nicht kapieren.
42:39Und er wollte die Message nicht auffangen und wollte sie nicht weiter verbreiten,
42:43weil dann sonst sein Konstrukt zusammengebrochen wäre.
42:47Und die Medien nichts mehr zu berichten gehabt hätten.
42:50Und keine Aufhänger mehr gehabt hätten für ihre schwachsinnigen Titel.
43:12Das Wichtige ist, dass unsere Fans kapieren, für was wir stehen, wie wir mit unseren Fehlern umgehen,
43:18wie wir auch mit unserer Vergangenheit umgegangen sind und das sich verinnerlichen und verstehen, wie wir es gemeint haben.
43:24Und da bin ich mir ziemlich sicher, dass 98% der Leute das tun.
43:28Und für die restlichen zwei, sorry, ich meine, ich bin nicht verantwortlich für, keine Ahnung,
43:34für die schrägen Gedanken eines jeden Jugendlichen.
43:36Also den Schuh ziehen wir uns nicht an.
44:01Also ich glaube, dass keiner richtig irgendwie, keiner hatte da einen Parteiausweis von irgendeiner Nazi-Partei in der Tasche oder
44:07so.
44:07Und früher, das wissen wir auch irgendwie, das ist völlig klar.
44:10Es geht, aber es geht darum, dass wir halt einfach billigend in Kauf genommen haben,
44:13ihre Fans billigend in Kauf genommen haben.
44:15Und darüber haben wir ja auch eine Erwähnung in einem unserer Songs.
44:18Und das ist es einfach.
44:19Also wir kriegen immer noch mit Hakenkreuzen verzierte Hassbriefe von Onkels-Fans.
44:23Und wenn mir jemand erzählt, dass die Onkels keine rechten Fans haben,
44:25dann kennt er die Fans von den Onkels nicht.
44:27Viele Leute bei uns hören nach wie vor die bösen Onkels.
44:30Das ist vielleicht nicht mal unbedingt die schlechteste Musik.
44:32Ich höre sie mir auch an.
44:35Aber inhaltlich ist da vieles zumindest nicht ernst zu nehmen,
44:40weil sie sich, glaube ich, im Laufe ihrer Geschichte auch sehr unglaubwürdig gemacht haben.
44:44Unter dem Lorbeerkranz mit Eichel
44:47Weißlich schlägt dein Herz
44:50Und Romantik ist für dich
44:53Nicht bloß graue Theorie
44:55Zwischen Störkranz und den Onkels
44:59Steht ne Kuschel Rockgelpiech
45:02Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe
45:07Deine Springerstiefel sehnen sich nach Wörtlichkeit
45:13Ich will natürlich folgendes, dass wir an den Eingängen normalerweise auch schon rundieren.
45:16Also Leute, die sich irgendwie erkennbar als Nazis darstellen,
45:20also durch Embleme, T-Shirts oder was auch immer,
45:22die kommen erst gar nicht in die Hallen rein.
45:24Das ist natürlich äußerst schwierig, weil es auch sehr viele Redskins gibt
45:26und Leute, die halt auch ganz anders orientiert sind als eben die Faschos.
45:30Und das macht es halt natürlich nicht einfacher.
45:33Aber wir sind sehr, sehr aufmerksam.
45:34Ich meine, auch während der Konzerte sollten Händes mit Läppens hochgehen oder brechen.
45:38Wir supporten die Konzerte, die Leute während der Halle vermiesen.
45:40Ich seh, was da für Leute zum Konzert kommen
45:42und ich seh auch, was die alles für Zeichen mit ihren Händen machen, weißt du.
45:45Und wenn dem nicht Einheit geboten wird, weißt du,
45:47dann heißt es für mich schon, dass man das zwar nicht macht,
45:50aber es duldet und vielleicht zum Teil auch daran partizipiert und so.
45:54Ich denk auch, die haben irgendwo eine Verantwortung.
45:56Ich röp für meinen Bruder, denn ich könnte auch des Hauptmann sein.
45:59Falscher Ort, falsche Zeit, da hilft dir auch nicht tapfer sein.
46:02Wie viel Blut muss fließen, denn in der deutschen Krisenalter schau,
46:05die letzten Jahre haben das mir zu oft bewiesen.
46:07Hast die Menschen sich erheben, wenn die Leute nicht überleben.
46:10Doch dann ist es zu spät, ihr solltet etwas drüber reden.
46:12Also sag, wie ist das möglich? Mal ist es doch möglich.
46:15Gefechtigkeit, denn nicht nur Adriano hat das möglich.
46:22Und Onkels Konzert war und ist keine politische Veranstaltung
46:27und die wird es auch nie sein und war es noch nie.
46:43Die Leute kommen, um Spaß zu haben und Musik zu hören,
46:46sich damit zu identifizieren und Dampf abzulassen
46:50und einfach mal richtig auf die Kacke hauen.
46:54Und das ist die Hauptsache.
46:55Und ich glaube, das haben viele Menschen mehr wie nötig heutzutage.
46:59Ist doch besser als so, die gehen nach Onkels Konzert
47:02und lassen richtig mal ihre Aggressionen raus
47:03und handeln sich mal richtig an den Wolf.
47:06Bevor sie rausgehen, hauen die irgendwelche Leute um.
47:08Also ich denke mal, so Onkels Konzert hat absolut Therapiecharakter.
47:27Wir schreiben Songs, also wir haben jetzt oft genug auch schon Songs verpasst
47:30für unsere Fans, weil wir denken,
47:32da müssten sie eigentlich am ehesten mitbekommen, wie wir ticken
47:34und dass wir eine solche Sendung irgendwie nicht akzeptieren.
47:38Und ich denke, wir tun für unseren Teil eigentlich schon recht viel.
47:53Man muss Menschen die Chance geben, sich ändern zu können
47:56und auch zu sehen, dass es eine Scheiße ist.
47:59Aber meine persönliche Meinung ist halt die,
48:02dass wenn rechter Hass geschürt wird,
48:05ist immer so ein kleines bisschen, ist immer noch drin, also wurzelmäßig.
48:09Und wenn man sich vielleicht wegen dem Business ändern möchte, weiß ich nicht.
48:14Also in Frankfurt fragt man sich halt,
48:16haben sie sich jetzt wegen dem Business geändert,
48:18damit sie mehr Platten verkaufen können?
48:20Oder ist es so, dass sie jetzt wirklich denken,
48:22rechts sei eine Scheiße?
48:25Die Bösen Onkels sind keine rechten Skinheads mehr,
48:28aber nach wie vor rekrutieren sich viele ihrer Fans aus dem rechten Lager.
48:32Das ist einer der Hauptvorwürfe der Bösen Onkels-Kritiker
48:35und sie haben recht.
48:36Die Geister, die die Bösen Onkels einst riefen,
48:39werden sie nicht wirklich los.
48:41Man kann der Band natürlich nicht ihre Anhängerschaft zum Vorwurf machen.
48:44Dennoch stellt sich die Frage,
48:46warum gerade die Bösen Onkels so große Resonanz in der rechten Szene finden.
48:50Ihre Vergangenheit, die eigene Stilisierung als Opfer,
48:53und auch die selbstgerechte Art ihrer neueren Texte
48:56sind daran nicht unschuldig.
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