- vor 4 Monaten
Der Mord an der Schülerin Anna S. bringt die Wende: DNA-Spuren
am Fundort der Leiche auf dem Rastplatz Scharfenstein an der A
49 stimmen mit den Fällen in Nordrhein-Westfalen überein. Die
Ermittler wissen nun: Der Täter ist ein Serienmörder. Die
Polizei gründet eine länderübergreifende Sonderkommission, die
Ermittlungen werden gebündelt. Im Fokus steht ein
unauffälliger Mann aus dem hessischen Hai
.....
am Fundort der Leiche auf dem Rastplatz Scharfenstein an der A
49 stimmen mit den Fällen in Nordrhein-Westfalen überein. Die
Ermittler wissen nun: Der Täter ist ein Serienmörder. Die
Polizei gründet eine länderübergreifende Sonderkommission, die
Ermittlungen werden gebündelt. Im Fokus steht ein
unauffälliger Mann aus dem hessischen Hai
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TVTranskript
00:03Drei Jahre lang suchen Ermittler aus Nordrhein-Westfalen und Hessen
00:07unabhängig voneinander nach einem Mann,
00:09der drei Frauen brutal ermordete und eine schwer verletzte.
00:13Ohne zu wissen, dass sie demselben Täter auf der Spur sind.
00:18Erst die DNA-Analyse im letzten Fall,
00:21den Mord an der Schülerin aus Kassel, bringt die Wende.
00:27Ich habe damals, glaube ich, gedacht, das ist unfassbar, das kann eigentlich nicht sein.
00:33Die DNA mit den Fällen Köln und Düsseldorf war mit der DNA-Spur von Kassel kompatibel.
00:42Das heißt, jetzt hatten die Ermittler erstmals völlig aus dem Zusammenhang
00:46und ohne Anhaltspunkte Gewissheit, dass eine männliche Person an allen drei Fällen beteiligt war.
01:23Untertitelung des ZDF für funk, 2017
01:25Durch die DNA-Analyse können die Ermittler drei von vier Taten miteinander in Verbindung bringen.
01:32Der Treffer beschleunigt die Ermittlungen in Kassel und Köln.
01:39Man hatte zwar einen DNA-Treffer, aber der Täter war offensichtlich noch nicht in der DNA-Datenbank gespeichert.
01:50Das heißt, er ist noch nicht bekannt im polizeilichen System, sodass wir weiter suchen mussten.
02:00Angst in Nordhessen. Der Mörder der 18-jährigen Anna, ein Serientäter.
02:05Die Polizei konnte in Kassel DNA-Partikel sicherstellen, die zu zwei weiteren bislang ungeklärten Taten passen.
02:15Das Tötungsdelikt an einem jungen Mädchen ist natürlich immer bewegend und mobilisiert natürlich auch die Öffentlichkeit.
02:21Da war natürlich jetzt der Druck enorm, so schnell wie möglich den Täter dingfest zu machen, um weitere Morde definitiv
02:30erhindern zu können.
02:33Die mediale Aufmerksamkeit setzt auch den Täter unter Druck.
02:38Auf dieser Rheinbrücke zwischen Krefeld und Duisburg hinterließ der Täter seine Spuren.
02:43Ein Radfahrer entdeckte in einer Plastiktüte Handy und Portemonnaie des jüngsten Opfers.
02:48Er gab die Fundstücke bei der Polizei ab.
02:51Die beiden Gegenstände hatten eine 18-Jährigen gehört, die vor drei Wochen bei Kassel ermordet wurde.
02:56Vermutlich wollte der Täter die Beweisstücke jetzt im Rhein versenken.
03:02Wir gehen davon aus, dass möglicherweise in einer panischen Reaktion hat der Täter versucht, diese Gegenstände aus dem Auto oder
03:09aus einem Lkw herauszuwerfen,
03:10um diese in den Rhein zu versenken und hat wohl offensichtlich einen Träger der Brücke getroffen, sodass diese auf dem
03:17Gewicht liegen blieben.
03:20Die Rheinbrücke bei Krefeld liegt etwa 250 Kilometer von Kassel entfernt, direkt an der A57.
03:28Der Autobahn, an der die beiden ersten Taten verübt wurden.
03:38Die Ermittler sehen sich in ihrer Vermutung bestätigt.
03:41Der Täter war an beiden Tatorten und pendelt offenbar regelmäßig zwischen Kassel und Köln und das nicht mit irgendeinem Fahrzeug.
03:51Durch die übereinstimmenden DNA-Treffer Köln, Düsseldorf, Kassel war für die Ermittler in Kassel relativ sicher feststellbar,
04:01dass es sich auch bei dem Mörder von Anna um einen Lkw-Fahrer handeln musste.
04:07Seit den Taten in Köln und Düsseldorf zu Beginn der 2000er Jahre gibt es jedoch auf deutschen Autobahnen eine neue
04:14Technik,
04:15die den Ermittlern jetzt entscheidend helfen könnte.
04:20Nach jahrzehntelanger politischer Diskussion und einer Serie schwerer Pannen war es vergangenen Nacht nun doch soweit.
04:27Punkt Mitternacht ist die Mautpflicht für das rund 12.000 Kilometer umfassende deutsche Schnellstraßennetz in Kraft getreten.
04:36Wenn wir von einem Lkw-Fahrer ausgehen, der unser Täter sein könnte, kann man ja unschwer auf die Idee kommen,
04:43dass man die Mautbrücken, die ja an Bundesautobahnen überall stehen,
04:47die Daten ausliest und guckt, welcher Lkw ist zu welchem Zeitpunkt, der vielleicht mit einer Tat im Zusammenhang steht, an
04:56dieser Mautbrücke vorbeigefahren.
05:00Nach Einschätzung der Kasseler Ermittler könnten die Mautdaten im Fall Anna S. den Kreis der Verdächtigen auf weniger als 50
05:08Lkw-Fahrer reduzieren.
05:10So dicht waren die Ermittler dem Täter noch nie auf der Spur. Doch ein Hindernis bremst sie aus.
05:16Die Betreiberfirma Toll Collect darf Kennzeichen der betroffenen Fahrzeuge aus rechtlichen Gründen nicht herausgeben.
05:25Kritiker befürchten massive Einschnitte in den Datenschutz.
05:29Der Bürger hat ein Anrecht darauf, dass nicht alles verfügbar gemacht wird.
05:34Denn im Umgang mit sensiblen Informationen müssen zuallererst unschuldige Bürger vor Datenmissbrauch geschützt werden.
05:42In diesem Zusammenhang hat der aktuelle Datenschutz eine erhebliche Rolle gespielt und die Ermittlungen waren insofern da nicht durchführbar.
05:53Der Serientäter könnte längst gefasst sein, denn er musste von den Mautkameras an den Autobahnen gefilmt worden sein.
06:00Doch dieses Material darf aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht benutzt werden.
06:04Die Nachbarn von Anna sagen, das darf einfach nicht sein.
06:10Da kann man gar nicht genug sich drüber aufregen, dass sie sich da so anstellen.
06:15Der Täterschutz sollte nicht vor Opferschutz gehen.
06:18Unsere Daten fliegen heutzutage sowieso überall rum.
06:20Das ist für einen Ermittler wirklich völlig unverständlich.
06:24Wir reden ja hier nicht von einem Kaugummiautomatenaufbruch, sondern von einem Mehrfachmörder, den wir ermitteln wollen.
06:32Und wenn der Datenschutz dort noch drüber gestellt wird, finde ich das für mein Rechtsverständnis schon einigermaßen bedenklich.
06:42Den Ermittlern sind die Hände gebunden. Der Lkw-Fahrer bleibt ein Phantom.
06:50Doch nur zwei Wochen nach der Spurenauswertung im Fall Anna S. entdecken die Kriminalbiologen des LKA Wiesbaden neue Hinweise beim
06:58vierten, noch ungeklärten Fall.
07:01Aneta B.
07:04Wir hatten den Slip. Der Slip lag direkt neben dem Opfer im Rahmen der Auffindesituation.
07:09Und das sprach schon dafür, dass der Täter Kontakt zu dem Slip hatte.
07:13Was wir dann machen ist, dass wir den Slip eine umfangreiche Spurensicherung an einem Slip machen.
07:17Innenseite, Außenseite, vorne und hinten. Also mittels sogenannter Spurensicherungsfolien.
07:22Diese Spurensicherungsfolien sind überdimensionale Tesastreifen, wo bestimmte Bereiche abgeklebt werden.
07:27Und dann haben sie auf der klebenden Fläche diese mikroskopisch kleinen Haarspuren, Hautspuren, können aber auch Speichenspuren sein.
07:33Die kann man dann untersuchen. Und das haben wir dann auch gemacht.
07:36Wir haben dann jede Menge Hautpartikel präpariert von dem Slip.
07:40Und da dann halt eine Spur wirklich eindeutig einer Person zu hat, einer männlichen Person zu hat.
07:45Und das passte dann wieder zu unserer Mischspur am BH.
07:48So, jetzt wussten wir eigentlich, dass wir eine tatrelevante Spur hatten.
07:50Und plötzlich kam dann vom LKA Wiesbaden ein Anruf, der den Leiter der Mordkommission KAK Michel erreichte.
08:00Und da hat der Doktor Schneider die Sensation verkündet.
08:05Und zwar mit den Worten, Herr Michel, sitzen Sie oder stehen Sie?
08:10Ich habe diese Spuren, die ihr mir nochmal gebracht habt, nochmal untersucht.
08:15Und habe dort DNA-Spuren, Fremdspuren feststellen können.
08:20Und der größte Knaller ist, wir haben einen Serienmörder.
08:24Und das konnte er natürlich überhaupt nicht glauben.
08:26Er hat gesagt, das kann nicht wahr sein, das gibt es ja wohl nicht.
08:28Und tatsächlich sagt doch, die Spuren sprechen eine eindeutige Sprache.
08:32Und die Fälle gehören wohl alle zusammen.
08:33Also wir haben hier zwei Fälle in Nordrhein-Westfalen.
08:35Wir haben einen Fall in Kassel und wir haben einen Fall in Dillenburg.
08:38Und die sind alle dem gleichen Spurenverursacher zuzuordnen.
08:41Also wir gehen davon aus, dass es sich hier um den gleichen Täter handelt.
08:44Dieses Zufallsereignis, innerhalb von einer Woche zwei Fälle zu haben,
08:48die das identische männliche Spurenprofil zeigen, das war für uns damals so unglaublich,
08:55dass wir erstmal überlegt haben, kann hier ein Fehler vorliegen in der Analyse.
08:59Das heißt, besteht die Möglichkeit, dass im Rahmen der Spurensicherung
09:02vielleicht am Tatort irgendwelche Sachen übertragen worden sein,
09:05die auch in einem anderen Fall vielleicht benutzt worden sind.
09:07Das konnten wir aber sofort ausschließen, weil die Fälle ja weit voneinander entfernt waren,
09:11auch zeitlich voneinander entfernt waren und die Dienststellen überhaupt nichts miteinander zu tun hatten.
09:15In Nordhessen wächst die Angst vor dem Serienkiller.
09:19Und jetzt verdichten sich die Anzeichen, dass er im November 2005
09:24auch eine 31-jährige Frau aus Dillenburg umgebracht hat.
09:28Die Polizei ermittelt fieberhaft.
09:35Wir wussten, jetzt haben wir einen Serienmörder,
09:38hatten aber immer noch keine Ahnung, wer der Serienmörder war.
09:41Wir haben dann mit den Sonderkommissionen von Köln und Düsseldorf Kontakt aufgenommen,
09:47um uns erstmal auf den Erkenntnisstand dieser SOGOS zu bringen.
09:51Diese beiden Sonderkommissionen waren mittlerweile aber auch schon eingestellt worden,
09:57in allen Fällen ohne Ermittlung des Täters.
10:01Also wurde dann unsere Sonderkommission neu belebt
10:05und wurde dann auf, ich glaube, 17 Mann aufgestockt.
10:10Die neue Sonderkommission bündelt die Ermittlungsergebnisse aus allen beteiligten Dienststellen.
10:17Aus Köln, Düsseldorf, Siegen, Dillenburg und Kassel.
10:29Die Kripobeamten suchen nach einem Muster, nach bisher unbekannten Details.
10:34Nach einem Hinweis, der die Identität des Täters endlich enthüllt.
10:39Schnell zeigt sich, vor allem die letzte Spur, die nach Dillenburg führt, könnte entscheidend sein.
10:48Dieser DNA-Trefferbefund hat dem Verfahren eine ganz andere Wendung gegeben.
10:54Denn bei dem Fall Siegen-Dillenburg war ja kein Lkw im Spiel.
10:58Das heißt auf Deutsch, der Täter hat einen Pkw benutzt, definitiv.
11:04Und das hat wiederum zur Spekulation geführt, dass der Täter im Nahbereich wohnen muss,
11:11weil er nämlich sich in dem Ablageort Siegen, Eisern und der Umgebung offensichtlich ausgekannt hat.
11:17Das heißt, jetzt haben wir plötzlich jemanden gesucht, der in unserem Sprengel möglicherweise wohnt und lebt.
11:28Ein Hinweis, der zusammen mit den Erkenntnissen der Kölner Ermittler jetzt endlich den entscheidenden Durchbruch bringen könnte.
11:37Das Interessanteste war, dass bei dem zweiten Fall, wo das Opfer die Asta J war, den Angriff des Täters überlebt
11:47hat.
11:47Und dieses Opfer hat von dem Täter ein detailliertes Phantombild herstellen können,
11:53inklusive eines auffälligen Narbenbildes, das dieser Täter im Bauchbereich hatte.
12:04Da jetzt plötzlich ein Bezug zum Lahn-Dill-Kreis hergestellt werden konnte, haben sich die Ermittler entschlossen,
12:11das Phantombild, was nur ursprünglich im Kölner Raum war, jetzt auch lokal bei uns hier zu veröffentlichen.
12:20Kaum erscheint das Bild in Dillenburg und Umgebung, melden sich die ersten Zeugen bei der örtlichen Polizei.
12:29Das kam jeden Tag ein-, zweimal vor, dass ein Hinweis auf einen Mann mit Narben am Bauch bei uns einging.
12:37Aber man konnte aufgrund der Erscheinung des Narbenbildes relativ schnell auch vor Ort schon sagen, das kann er nicht gewesen
12:45sein.
12:49Wenige Tage später gehen gleich mehrere Hinweise ein, die alle zu ein und derselben Person führen.
12:57An dem Tag sind zwei Kollegen von der damaligen Schutzpolizei aus Herborn losgezogen und der eine Kollege sagte noch so
13:06süffisant zu mir,
13:07Michael, wir zwei Schutzleute fahren jetzt raus und fangen deinen Täter.
13:15Die sind so den mutmaßlichen Täter gefahren, haben sich das Narbenbild angeschaut, haben mich dann angerufen und haben gesagt,
13:24hier, das sieht wirklich so aus bei dem wie auf dem Fahndungsfoto.
13:28Wieder jeglicher menschlicher Erwartung, ist er nicht in Panik verfallen, fing nicht an zu schwitzen, ist nicht weggelaufen, hat nicht
13:35die Tür zugeschlagen.
13:36Der hat sich im Prinzip völlig unverdächtig und unauffällig verhalten, wie alle anderen überprüften Personen auch.
13:42Die Ermittler fordern den Mann auf, eine DNA-Probe abzugeben. Der Verdächtige ist kooperativ und lässt freiwillig einen Abstrich nehmen.
13:53Auch das lief völlig unverdächtig ab, was allerdings, wie gesagt, aufgrund dieses doch relativ einmaligen Narbenbildes den Verdacht schon schürte,
14:04dass er es gewesen sein könnte.
14:06Aber wir mussten halt die Analyse abwarten.
14:10Und die bestätigt, was die Ermittler längst vermuten.
14:19Der Mann ist der Täter, den sie seit drei Jahren suchen.
14:32Er ist gefasst, der mutmaßliche Brummimörder.
14:36Der Festgenommene ist 29 Jahre alt, stammt aus Haiger in Hessen.
14:42Gestern Abend hatten ihn 20 Beamte eines Sondereinsatzkommandos an seinem Wohnort in Haiger festgenommen.
14:47Der Mann leistete bei seiner Festnahme keinerlei Widerstand.
15:00Das Phantom aus Köln hat endlich ein Gesicht. Marco M. Er wohnt nur acht Autominuten von der Polizeidienststelle in Dillenburg
15:10entfernt.
15:12Nachdem der Täter festgenommen wurde, haben wir mit zwei Mann den Täter dann zur Sache vernommen.
15:22Die Vernehmung wurde ja auf einem, ich sag mal, altertümlichen Tonaufzeichnungsgerät gemacht, sogenannte Kompaktkassetten.
15:32Die gibt es heute, glaube ich, überhaupt nicht mehr.
15:41Die erste Tat habe ich begangen vom 14. auf 15. November 2003.
15:51Warum ich das getan habe, weiß ich bis heute nicht.
15:55Ich bin anfangs in der deutschen Fernverkehr gefahren und war auch öfter mal im Kölner Raum.
16:07Am stärksten im Gedächtnis geblieben ist mir die Emotionslosigkeit des Täters.
16:13Wir reden ja immerhin von einem Menschen, der drei Personen umgebracht hat und eine Schwester verletzt hat.
16:19Ich habe selten einen unaufgeregteren Menschen vor mir sitzen gehabt.
16:23So wie es dann zu den Taten kam, auch zu der zeitlichen Einordnung der Taten, zu den Gesprächen mit den
16:28Opfern,
16:29zu seiner eigentlichen Absicht, warum er das gemacht hat, wurde er doch sehr wortkarg und irgendwie selbst auch ratlos.
16:35Und das fand ich schon beeindruckend, dass dieser Widerspruch zwischen dieser Vielfalt der Taten und auch dieser Grausamkeit,
16:43aber dann dieser Wortlosigkeit, dieser Sprachlosigkeit diesbezüglich.
16:51Marco M. gesteht den Mord an Nicole U. in Köln.
16:57Den Angriff auf Asta J., die schwer verletzt überlebt hat.
17:03Sowie die Morde an Anita B. aus Dillenburg und der Schülerin Anna S. aus Kassel.
17:17Michael Michel erhält nun endlich Antworten auf bislang offene Fragen, vor allem zu dem Fall, den er betreut.
17:25Er erfährt, was mit dem Opfer Anita B. nach ihrem Verschwinden auf dem Weg an der Schule passiert ist.
17:39Die Frau, die war da zu dem Zeitpunkt, sind wir noch bewusstlos.
17:45Ich habe sie dann zu meinem Auto getragen, habe sie dann in den Kofferraum gelegt und bin dann halt mit
17:53sie losgefahren.
17:56Und ja, ich hatte halt dann vor, mit dieser Frau zu schlafen.
18:04Von dort hat er sie zu einem Haus gebracht, dieses Haus gehörte ihm, war allerdings unbewohnt und befand sich im
18:12Umbau bzw. in Renovierungsarbeiten.
18:15Dort hat er, ich glaube zwei Tage oder drei Tage, die Anita quasi mehrfach sexuell missbraucht, hat sie dann in
18:27diesem Haus auch umgebracht.
18:30Und er beschreibt das aber sehr einsilbig und gibt nicht so wirklich Preis, was er da eigentlich gemacht hat.
18:36Er sagt dann auch, ja, die hätte sich da freiwillig ausgezogen und er hätte sie auch geküsst.
18:40Ich kann mir vorstellen, dass er seine Tat vielleicht dadurch auch ein bisschen beschönigen möchte, was öfters vorkommt auch bei
18:47Tätern.
18:49Je mehr Details ans Licht kommen, desto klarer wird, es gab kein erkennbares Muster, keine Warnung.
19:00Ja, ich würde einfach so sagen, zur falschen Zeit am falschen Ort.
19:05Bei einem geständigen Straftäter denkt man, jetzt ist die Arbeit erledigt.
19:10Schluss, wir haben den Täter, er ist es. Jetzt fängt die Arbeit aber eigentlich erst an.
19:15Denn wir haben ein Geständnis, das kann jederzeit widerrufen werden.
19:19Wir haben ein Geständnis, was auf Plausibilität zu überprüfen ist.
19:22Deswegen ist es, sage ich mal, aus der Vernehmungstaktik her in so einem Fall besser,
19:27wenn man den Täter nicht mit Tatsachen konfrontiert, die man selbst weiß,
19:32sondern die Tatsachen sich vom Täter liefern lässt, die man in der Kriminalistik absolutes Täterwissen nennt.
19:40Das heißt, ich muss ihn Sachen fragen, die ich zwar weiß, die aber nur er wissen kann.
19:47Schon im ersten Verhör bringt Michael Michel den Täter dazu, präzise Angaben zu machen.
19:52Und liefert damit einen entscheidenden Hinweis, der die Spurenlage verdichtet.
19:58In diesem Fall war es so, dass er nach der Entnahme der DNA-Probe von den Kollegen,
20:04Fesselwerkzeug, Messer, Handschuhe, danach entsorgt hat.
20:08Und hat uns dann auch in der Vernehmung gesagt, wo er es deponiert hat.
20:12Das hätte ja kein Mensch finden können, außer ihm, der es dort deponiert hat.
20:17Noch während der Befragung fahren Streifenpolizisten zum genannten Ort.
20:23An einer Kirche finden die Ermittler in einem Laubhaufen die Tatwerkzeuge.
20:27Die Handschuhe und ein Seil, mit dem er seine Opfer erwürgte.
20:32Und das Messer, mit dem er Aster J. erstechen wollte.
20:46Wichtige Beweise für die spätere Anklage.
20:50Bis zum Prozess bleibt Marco M. in Untersuchungshaft.
20:54Frank Späth übernimmt den Fall als leitender Staatsanwalt.
20:58In der Folgezeit habe ich die Aufgabe gehabt, dieses Geständnis noch mit Indizien und Beweismitteln zu untermauern.
21:05Die Herausforderungen waren tatsächlich die Koordination der Beweismittel.
21:10Wie gehe ich mit den Verfahrensakten aus den anderen Bundesländern um?
21:13Wie koordiniere ich das?
21:14Und letztendlich dann auch so viele Beweismittel im Gerichtssaal zu präsentieren,
21:20dass auch eine adäquate Verurteilung rauskommt.
21:26Im Haus von Marco M., in dem Aneta B. festgehalten wurde, sichern Ermittler weitere Spuren.
21:37Auch das Führerhaus seines Lkw wird durchsucht.
21:41Dort finden sie die Kette der Schülerin Anna S.
21:47Während sich die Beweislage zunehmend verdichtet,
21:50nimmt die Staatsanwaltschaft jetzt auch das Persönlichkeitsbild des Täters ins Visier.
22:04Wir haben ein Team abgestellt, das die Vita des Angeklagten lückenlos vom Tag der Geburt bis zur Inhaftierung aufgeklärt hat.
22:12Wir hatten also jede Zeugnisse, wir hatten jede Beziehung durchleuchtet.
22:17Wir haben alle vernommen und das sind die ersten Momente, in denen man dann den Menschen kennenlernt.
22:22Auch mit seinen positiven Seiten und negativen Seiten natürlich.
22:27Angemerkt hat man ihm nichts.
22:28Der Lkw-Fahrer gilt als ruhig.
22:31Seit seiner Scheidung lebt er mit seinem Sohn in diesem Haus seiner Eltern in Haiga.
22:35Marco M. sucht Entspannung in der Dorfkneipe.
22:37Er ist ein gern gesehener Gast, trinkt kaum Alkohol und ist ein hilfsbereiter junger Mann.
22:44Wenn die Mädchen, wenn die halt noch jung sind und in der Lehre und so,
22:48dann haben die noch nicht so viel Geld, dass sie mit dem Taxi als hinten herfahren können
22:51und wie das abends in der Kneipe so ist, dann ist woanders noch was los, dann wollen die da mal
22:54gucken.
22:55Dann hat er, wenn die da hinwollten, der hat die da hingefahren, der hat die wieder abgeholt.
23:01Also es hat mir nochmal gezeigt, wie normal und angepasst eigentlich auch der Marco war.
23:06Also der war eben nicht anzüglich irgendwie schmierig, auch was Frauen betraf,
23:11sondern er war so ein Mann, der einfach auch Frauen geholfen hat
23:14und sie zum Beispiel aus der Kneipe dann nochmal nach Hause gefahren hat,
23:18ohne dass er denen was angetan hat.
23:19Also so ein Gentleman, was natürlich auch dafür sprechen könnte,
23:22dass er wirklich so Frauen eingeteilt hat in Heilige und Huren.
23:29Nach außen unauffällig freundlich.
23:33Nachts ein brutaler Serientäter.
23:36Marco M. führt ein Doppelleben.
23:43Im Nachhinein, das hat er angegeben, hat er nach der ersten Tat an der Nicole seine Fahrt von Köln aus
23:51fortgesetzt,
23:53ist dann nach Siegen in die Kinderklinik gefahren.
23:56Dort lag seine Frau im Wochenbett, kurz vor der Niederkunft seines Kindes.
24:03In einer der Vernehmungen hat er gesagt, dass dieser Tag der Schönste seines Lebens war.
24:08Und das ist ja schon an Perversion kaum zu überbieten.
24:16Nach der Scheidung von der Mutter seines Kindes lädt Marco M. bis zu seiner Verhaftung mit einer neuen Partnerin zusammen.
24:24Die Freundin hat gesagt, dass er ein sehr liebevoller Partner gewesen sei.
24:28Und das zeigt schon an, aus meiner Sicht, dass die Sexualität für ihn so abgespalten war.
24:35Für die Ermittler bleibt es schwer, die Aussagen aus Marco M.s Freundes- und Bekanntenkreis mit der Schwere seiner
24:41Taten in Einklang zu bringen.
24:46Was über ihn bekannt ist, dass er ja schon ein besonderes Verhältnis zu seiner Mutter hatte.
24:50Aus meiner Sicht erscheint es so, als wäre er nicht wirklich abgelöst.
24:54Das kann eben auch sein, dass er ein ambivalentes Verhältnis zu ihr hat.
24:57Also, dass er sie einerseits als liebevoll, aber auch als überbehütend zum Beispiel wahrgenommen hat.
25:02Und das kann dazu führen, dass er auch eine besondere Sicht auf Frauen bekommt.
25:07Während die Ermittler letzte Befragungen durchführen und Beweise für den Prozess sichern,
25:12hoffen Angehörige und Freunde der Opfer auf ein schnelles Verfahren.
25:18Anna S. aus Kassel entkam dem Mörder nicht.
25:21Ihre Mitschülerinnen trauen sich nach dem Mord nicht mehr allein auf die Straße.
25:24Nun ist der mutmaßliche Mörder von Anna gefasst und alle hoffen auf eine schnelle Verurteilung.
25:29Ich bin auf jeden Fall erleichtert, weil es geht einem auf jeden Fall besser,
25:33wenn man weiß, dass der Mörder der besten Freundin gefasst worden ist.
25:39Die Polizei prüft derzeit, ob Marco M. noch mehr Morde zugeschrieben werden können.
25:44Für Annas Freundin zählt allerdings nur eins, dass der mutmaßliche Mörder für immer hinter Gitter kommt.
25:58Am 16. April 2007, fast ein Jahr nach dem Mord an der Schülerin Anna S., beginnt in Limburg der Prozess.
26:07Der als Brummimörder bekannt gewordene Lastwagenfahrer, der auch im Rheinland gemordet haben soll, steht seit heute vor Gericht.
26:14Hauptzeugin gegen ihn ist die 27-Jährige aus Bonn, die seinen Angriff überlebt hat.
26:26Die Anklage lautete dreifachen Mord, Heimtücke und zur Befriedigung des Geschlechtstriebs.
26:33Dann ein Versuch der Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zum Nachteil der Überlebenden.
26:39Und es wird beantragt, die Sicherungsverwahrung anzuordnen.
26:46Die überlebende Asta J. tritt als Nebenklägerin auf und ist gleichzeitig die wichtigste Zeugin für das Verfahren.
26:54Die überlebende Zeugin hat sehr detailgerecht ausgesagt, war gefasst und dadurch, dass sie so gefasst war und das auch so
27:02erzählt hat, hat sie auch den gesamten Gerichtssaal mitgenommen.
27:06Alle waren sehr beeindruckt von ihrer Aussage und auch von ihrem Mut.
27:10Sie hat dem Täter dann auch ins Gesicht geguckt und das war auch schon ein ganz bewegender Moment in dieser
27:16Prozesssituation.
27:19Im Prozess lässt Marco M. seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Ja, er habe die drei Frauen umgebracht und es bei
27:29Asta J. versucht.
27:31Die Reaktion im Gericht, die war genauso emotionslos wie bei der Vernehmung.
27:37Er war stoisch gelassen. Er hat einzig einmal eine Reaktion gezeigt und das war für mich typisch.
27:45Er hat in der Vergangenheit einen kleinen Strafbefehl wegen eines Verkehrsverstoßes bekommen, den habe ich angesprochen.
27:52Und da ist er aufbrausend geworden. Es geht also um seine Trucker-Ehre und die war ihm dann anscheinend doch
27:58heilig.
28:00Das Geständnis und die erdrückende Beweislage lassen keinen Zweifel. Nach nur sieben Verhandlungstagen fällt das Urteil.
28:11Höchststrafe am Vormittag vom Landgericht Limburg für den Serienmörder. Der schaut nur nach unten, ins Leere, sagt nichts.
28:18Wenn man jetzt die Urteilsbegründung noch einmal gehört hat, bekommt man den ganzen Horror dessen, was da passiert ist, nicht
28:25scheibchensweise präsentiert, sondern nochmal in der gesamten geballten Ladung.
28:30Und selbst wenn man mit den Fällen so vertraut ist, wie ich das gewesen bin, macht sich da eigentlich wieder
28:34nur noch Fassungslosigkeit breit.
28:37Der Marco war voll schuldfähig. Er hatte keine so starke Intelligenzminderung, dass er schuldunfähig war.
28:44Und er war auch nicht psychisch extrem beeinträchtigt, also dass er jetzt auch wie schizophren war natürlich.
28:49Und sie haben auch gar keine Persönlichkeitsstörung festgestellt, sondern wirklich einfach einen starken Empathiemangel und auch so eine Tötungsbereitschaft.
28:58Wir hatten am Anfang schon vermutet, dass es eben sexuell motivierte Taten waren.
29:02Das Motiv wurde rausgearbeitet. Ich denke, ich habe es auch schon mal gesagt, es ist Sex am weiblichen Körper, egal
29:07ob tot oder lebendig. Das war das Motiv.
29:09Das Gericht urteilt dann auch antragsgemäß insgesamt eine lebenslange Gesamtfreiheitsstrafe.
29:14Schwere der Schuld wurde festgestellt und die Sicherungsverwahrung angeordnet, weil der Täter nicht aus einer Situation gehandelt hat,
29:22sondern ganz gezielt über Menschenleben gegangen ist, um seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen.
29:29Der Angeklagte hat das Urteil erregungslos aufgenommen.
29:35Lebenslang mit anschließender Sicherungsverwahrung.
29:39Frühestens 2028 kann Marco M. einen Antrag auf Entlassung stellen.
29:45Dass er freikommt, gilt selbst dann als unwahrscheinlich.
29:51Für Asta J. bedeutet das Erleichterung. Und für die Hinterbliebenen der anderen Opfer ein kleiner Trost.
30:00Ich habe zahlreiche Tötungsdelikte gehabt, insgesamt über 135.
30:06Aber einen Serienkiller in diesem Ausmaß, den habe ich noch nie gehabt.
30:11Und das sind auch Geschichten, die man dann nicht vergisst.
30:13Das war ja letztendlich fast bundesweit ein einmaliger Vorfall.
30:18Also im Nachhinein, zu meiner Einschätzung, hätten wir den Täter nicht festgenommen,
30:23bin ich ziemlich fest davon überzeugt, dass es noch weitere Opfer gegeben hätte.
30:44Untertitelung des ZDF für funk, 2017