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Broken-Heart-Syndrom · Die unterschätzte Gefahr
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00:02In dem Moment hat man natürlich Todesangst.
00:06Ich habe eigentlich ein gutes Herz immer.
00:08Wie die Ärzte gesagt haben, wenn sie Herz-Ekker gemacht haben,
00:11haben sie gesagt, ist alles okay.
00:14Das ist eine akute Herzschwäche, die lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann.
00:19Der hat dann gemeint, ich müsse sofort ins Krankenhaus.
00:24Und viel Näheres hat er mir nicht erklärt, da wäre irgendwas am Herz.
00:27Die Prognose ist ähnlich schlecht wie bei einem Herzinfarkt, auch auf Dauer.
00:34Das Broken-Heart-Syndrom oder Takotsubo-Syndrom.
00:39Es macht Symptome wie bei einem Herzinfarkt, doch die Blutgefäße sind gesund.
00:45Trotzdem ist etwas zerbrochen, das Herz.
00:49Was nach Kitsch klingt, ist tatsächlich ein medizinischer Notfall.
00:55Wie bei Marion Brüggemann.
00:57Ein Schicksalsschlag vor vier Jahren lässt ihr Herz endgültig zerbrechen.
01:02Die 59-Jährige aus Berlin kommt schon lange an ihre Grenzen.
01:06Sie zieht ihre Tochter allein auf, ist beruflich stark gefordert, lebt in einer Beziehung, die ihr nicht gut tut,
01:12und kümmert sich um ihre pflegebedürftigen Eltern.
01:14Dann die schockierende Nachricht.
01:17Der Tod meines Bruders, den ich erfahren habe morgens und wo ich dann hin bin und es nicht klar war,
01:26ob eigenverschulden oder fremd, also nicht fremdverschulden.
01:31Was sagt man dazu? Suizid? Also weil man es selber macht? Oder weil er nicht wusste, was er dort tat?
01:39Wenn jemand entweder bewusst zu viel Drogen nimmt oder weil er das nicht erkennt, dass es zu viel ist.
01:48Auf jeden Fall eines unnatürlichen Todes war er gestorben, also musste ich da irgendwo auch mich mit der Kriminalpolizei in
01:54Verbindung setzen und, ja, und ich konnte es meinen Eltern nicht sagen, ich konnte es, dazu war ich nicht in
02:00der Lage.
02:01Also das war ja auch für mich dann erstmal ein Schock und dann dachte ich, okay, ich gehe jetzt mal
02:04nach Hause, ich muss auch meiner Tochter sagen, dass der Onkel gestorben ist. Das ist nicht ohne.
02:09Sie muss weitere Angehörige über den Tod ihres Bruders informieren. Der Tag verläuft unter Daueranspannung, gemischt mit Trauergefühlen.
02:19Mitten in der Nacht, es muss morgens um 5, 6 Uhr so gewesen sein, werde ich wach von einem, also
02:28ich weiß nicht was für einen Schmerz, also ich habe sowas noch nie erlebt.
02:31Also einen riesengroßen Schmerz, wie als wenn da ein Holzflock oder irgendwas hier reinkommt und der Schmerz blieb, der Druck
02:43blieb und das Schlimmste war eigentlich dieses keine Luft kriegen, dieses Kurzatmige.
02:52Trotz der starken Herzschmerzen schleppt sich Marion Brüggemann morgens allein und zu Fuß zu ihrer Hausärztin.
03:00Normalerweise brauche ich 15 Minuten zur hausärztlichen Praxis und in dem Fall war es fast eine Stunde, die ich gebraucht
03:09habe.
03:10Ihre Hausärztin weist sie sofort ins Krankenhaus ein.
03:13Etwa zwei Prozent aller Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt haben ein Broken Heart Syndrom, fast immer Frauen ab der zweiten
03:20Lebenshälfte.
03:22In großen Kliniken, wie im Herzzentrum Leipzig, kommen etwa 30 bis 40 Betroffene im Jahr mit einem Broken Heart oder
03:29Takotsubo-Syndrom.
03:31Wir machen erstmal natürlich ein EKG, wir machen Blutwerte, die wir abnehmen, wo wir in der Regel feststellen, dass Herzmuskelenzyme
03:39nach oben gehen.
03:40Und dann kriegen die Patienten einen Herzkatheter, weil wir eben die Verdachtsdiagnose oder die Vermutung haben, dass die Patienten einen
03:46Herzinfarkt haben.
03:48Hier sieht man jetzt das klassische Takotsubo-Syndrom mit der typischen Wandbewegungsstörung in der Vorderwand.
03:55Und gleichzeitig, und das ist das Entscheidende dafür, unauffälligen Herzkranzgefäßen, ohne dass da irgendwo ein Verschluss eines Gefäßes ist.
04:05Hier wird jetzt Kontrastmittel reingespritzt in die linke Kammer.
04:08Und dann sieht man hier, dass das Herz an der Herzspitze gar nicht pumpt oder sogar in die andere Richtung
04:15pumpt.
04:16Das ist ein klassisches Takotsubo-Syndrom.
04:19Und das nennt sich eben Takotsubo, weil so die Tintenfischfalle bei den Japanern aussieht.
04:24Aufgefallen war diese besondere Silhouette der linken Herzkammer, einem japanischen Mediziner.
04:30Diese Veränderung war in Japan nach Erdbeben gehäuft aufgetreten.
04:34Für ein Takotsubo- oder Broken-Heart-Syndrom gibt es verschiedene Auslöser.
04:40Emotionaler Stress wie Angst, Trauer oder Liebeskummer, körperlicher Stress, also extreme Belastungen oder ein Sturz,
04:48eine Operation oder Krankheiten wie etwa ein Schlaganfall oder auch positive Ereignisse wie eine Hochzeit oder ein Lottogewinn.
04:56Doch um eine eindeutige Diagnose stellen zu können, ist zusätzlich ein MRT vom Herz wichtig.
05:03Nicht jedes Takotsubo-Syndrom, was initial aussieht wie ein Takotsubo-Syndrom, ist auch ein Takotsubo-Syndrom.
05:08Manchmal kann sich dahinter eine Herzmuskelentzündung, eine sogenannte Myokarditis verstecken.
05:13Es kann sich manchmal aber auch ein Herzinfarkt dahinter verstecken, den wir, obwohl wir vorher den Herzkatheter gemacht haben
05:19und kein verschlossenes Gefäß haben, gibt es manchmal trotzdem Herzinfarkte, die sich dahinter verstecken.
05:24Und das kann nur das MRT herausarbeiten.
05:28Man hat die Theorie, dass man im Bereich der Herzspitze mehr Stressrezeptoren oder Stresshormonrezeptoren hat.
05:35Deswegen ist diese Stelle tatsächlich ein bisschen anfälliger.
05:38Das kann man auch auf dem Film tatsächlich ganz gut sehen.
05:41Deswegen hat man im Bereich der Herzspitze so eine Ballonierung, so eine Verformung, Vergrößerung.
05:47Und der basale Teil sozusagen oder vorderer Hals scheint tatsächlich das zu kompensieren.
05:56Aber die Herzspitze bleibt dann stehen.
05:59Dadurch wird der Herzmuskel schlecht durchblutet.
06:02Die Stresshormone verengen die Gefäße.
06:04Folge Herzinfarkt-ähnliche Schmerzen.
06:07Frank Zimmermann ist 78 Jahre alt und topfit.
06:11Regelmäßig fährt er Fahrrad, spielt Tischtennis und steht noch immer täglich in seinem Schuhgeschäft in Leipzig.
06:18Jedes Jahr fährt er mit seiner Frau nach Österreich zu einer Bergtour.
06:22Doch vor drei Jahren gerät das Ehepaar plötzlich in eine brenzlige Situation.
06:26Es war so was wie ein ganz leichter Klettersteig auf dem Kamm über 3000 Meter Höhe.
06:32Und wir wussten nicht so recht, wie es weitergeht, dieser Weg.
06:35Und dann kam auf dem Weg eine Stallstufe, die war fast senkrecht und ziemlich hoch.
06:43Also mit hoch meine ich jetzt zwischen drei und vier Metern und glatt senkrecht.
06:49Und da kam meine Frau nicht hoch.
06:50Und da habe ich mir gedacht, was machen wir jetzt?
06:52Wie kommen wir hier weiter?
06:54Und ich habe dann versucht zu umgehen, diese Stallstufe seitlich und habe das dann auch geschafft.
07:01Und habe dann meine Frau da hochgezogen.
07:04Und ja, das war dann, naja gut, ein wenig problematisch.
07:10Insofern wusste ich ja nicht so recht, wie es weitergeht auf dem Rückweg.
07:15Und ob wir wieder, na ich sag's jetzt mal, brutal heil runterkommen.
07:21Vermutlich ist es diese beängstigende Situation, die bei Frank Zimmermann ein Takotsubo-Syndrom auslöst.
07:28Auch wenn die beiden sich oben am Berg noch keine großen Sorgen machen.
07:32Na, war ruhiger, wurde ruhiger, sprach nicht mehr so viel.
07:35Und ja, war ein bisschen blass, setzte sich öfter mal hin.
07:40Ja, eigentlich ein bisschen schwach geschwächelt hat er halt.
07:46Aber das ist bei einer Bergtour auch nicht unüblich, dass es einem mal irgendwie doch nicht so gut geht.
07:50Und man sich ausruhen möchte mehr als vielleicht an einem anderen Tag.
07:54Deshalb ist das vielleicht am Anfang nicht ganz so extrem mir vorgekommen.
07:58Doch das schwäche Gefühl bleibt.
08:00Wieder zu Hause geht Frank Zimmermann sofort ins Herzzentrum Leipzig.
08:04Was zunächst nach einem Herzinfarkt aussieht, stellt sich bei der Untersuchung als ein Broken-Heart-Syndrom heraus.
08:11Wie geht's?
08:12Danke.
08:13Gut.
08:13Ja?
08:14Ja.
08:14Wieder mit Fahrrad da.
08:15Ja, natürlich.
08:16Sehr gut, das ist perfekt so.
08:18War denn nochmal, das ist jetzt natürlich drei Jahre her, noch irgendwas anderes gewesen damals,
08:22wo man sich manchmal mit dem Kopf ganz intensiv Gedanken gemacht hat, irgendwas?
08:26Manchmal fällt einem das im Nachhinein nochmal ein?
08:29Also der Effekt war eigentlich, dass ich anschließend, als wir wieder dann von diesem Berg runter waren
08:35und dann mit dem Bus gefahren sind, dann ist mir sehr, naja, schlecht schwummerig geworden.
08:44Ich hatte also einen sehr, sehr niedrigen Blutdruck.
08:46Und dieser niedrige Blutdruck, der war so, naja, 90 zu 45 so in etwa, der hat sich über zwei Tage
08:55erhalten.
09:01Alles, was ich zusammenfassend zu sagen kann, ist, dass die Herzfunktion sich komplett erholt hat seit diesem Takotsubo-Syndrom.
09:08Es gibt keine Wandbewegungsstörung mehr, das Herz pumpt ganz normal.
09:13Und die Herzklappen, die wir uns jetzt hier auch alle angeguckt haben, die sind alle altersentsprechend,
09:17haben keine höhergradigen Undichtigkeiten oder Verengungen.
09:21Also alles tipptopp.
09:22Wir können weiter Sport machen, weiter so Fahrrad fahren, wie Sie es bisher gemacht haben.
09:25Und auch wieder hoch auf den Berg.
09:28Denn davon lässt sich Frank Zimmermann auch weiterhin nicht abhalten.
09:32Man hat immer eine gewisse Furcht im Hintergrund, dass wieder irgendwas sein könnte.
09:37Aber dadurch, dass jetzt so lange Zeit nichts war und auch vorher eigentlich nichts gewesen ist,
09:43ja, bin ich eigentlich ganz optimistisch, dass das so weitergehen wird.
09:49Regina Stroh verliert vor wenigen Wochen ihren Ehemann.
09:52Ein paar Tage an der Ostsee sollen der 68-Jährigen über die Trauer helfen.
09:58Doch ihr geht es nicht gut.
09:59Sie fährt wieder nach Hause.
10:00Auf dem Bahnsteig Berlin-Gesundbrunnen bricht sie zusammen.
10:04Und ab der Zeit, wo ich ausgestiegen bin, konnte ich mich nicht mehr bewegen.
10:08Gar nichts mehr.
10:08Keine Luft, nichts mehr gekriegt.
10:11Sie kommt auf die Intensivstation und muss beatmet werden.
10:15Ihr Zustand ist kritisch.
10:16Doch auch ihr Herz zeigt im Katheter keine Auffälligkeiten.
10:20Die Kardiologin hackt nach.
10:22Es war auch ganz interessant, dass keiner in der Klinik von ihrem Mann wusste.
10:29Weil man die Frage auch gar nicht gestellt hat.
10:32Man sagt ja, warum kommen Sie überhaupt in die Klinik?
10:34Ja, ich habe keine Luft gekriegt.
10:36Und natürlich in dem Zustand will man jetzt auch nicht die ganze Live-Story da erzählen.
10:40Aber das hat sie mir am Katheter-Tisch erzählt, weil ich sie explizit gefragt habe,
10:46ist irgendwas Schlimmes passiert in den letzten Wochen?
10:49Fand ich auch ein bisschen traurig, muss ich sagen, dass es erst dort irgendwie rauskommt,
10:55diese Information, aber zeigt vielleicht nochmal, wie schwierig das für Menschen ist,
10:59drüber offen zu reden.
11:01Und man weiß auch selber nicht, ist es jetzt relevant oder erzähle ich jetzt den Ärzten irgendeinen Quatsch?
11:07Im Gegenteil, es war ein wichtiger Hinweis, dass tatsächlich Stress und Trauer
11:13bei Regina Stroh zu einem Broken Heart-Syndrom geführt haben könnten.
11:17Bei ihrer Lebensgeschichte war es eine Frage der Zeit, wann ihr Herz sprichwörtlich bricht.
11:24Alles so zusammen.
11:25Ich war ja nur auf Stroh gestanden.
11:27Ich habe ja nie Ruhe gehabt, nie.
11:29Oder nie mal mal Urlaub gehabt oder weiß ich was, überhaupt nicht.
11:33Von mir wurde immer gefordert.
11:34Und dann haben wir mal gefordert, dass ich immer bei meinem Mann stehe, auf deutsch gesagt.
11:40Also ich musste immer ran.
11:41Und scheinbar jetzt jedes Lebensjahr schon.
11:43Immer zack, zack, zack, zack.
11:46Weil ich komme aus einer kinderreichen Familie, 19 Kinder.
11:51Meine Mutter starb mit 43.
11:53Das letzte Kind war ein Jahr alt.
11:55Und da musste ich auf die ganzen Kinder aufpassen.
11:57Dann bin ich von zu Hause weg.
11:59Dann bin ich nach Berlin gekommen mit 14, alleine.
12:02Bis ich meinen ersten Mann kennengelernt habe.
12:05Der war Alkoholiker.
12:08Da habe ich mich scheiden lassen auf fünf Jahre.
12:11Dann der zweite jetzt.
12:13Hat mich auch enttäuscht.
12:15Er war für mich nie da.
12:16Also ich für ihn, er nicht für mich.
12:18Aber mein Vater hat immer gesagt, der Mann ist der König und die Frau muss gehorchen.
12:23Ein ganzes Leben lang gefordert.
12:25Dazu die Lungenerkrankung COPD.
12:28Zu viel für ihr Herz, das trotz allem überraschend gesund aussieht.
12:33Nachdem ich gesehen habe, dass die Gefäße so glatt sind, natürlich war mir das ein bisschen,
12:39sage ich mal, verdächt.
12:40Und ich wollte tatsächlich rausfinden, wieso wir so eine auffällige Konstellation haben
12:45mit glatten Gefäßen.
12:47Das ist eine akute Herzschwäche, die lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann.
12:52Deswegen die Antwort lautet ganz klar, man muss es behandeln.
12:56Bei Marion Brüggemann liegt das Broken Heart Syndrom jetzt vier Jahre zurück.
13:01Sie bekommt Beta-Blocker, um den Herzschlag zu dämpfen und ACE-Hämmer, um den Blutdruck
13:06leicht zu senken.
13:07Zusätzlich hat ihr eine Psychotherapie sehr geholfen.
13:11Anhand der Therapie habe ich gelernt, dass ich mehr Druck, den Druck rausnehmen darf,
13:16wie ich das anstelle, indem ich ruhiger bin, nicht mehr so gehetzt.
13:23Und bewusster.
13:26Ja, ich bin einfach bewusster geworden.
13:29Im Umgang auch mit mir selber und im Umgang mit anderen Menschen.
13:34Regine Stroh kann nach zwei Wochen die Klinik wieder verlassen.
13:37Auch sie muss aufpassen, auf sich und ihr Herz.
13:40Auch mit Unterstützung.
13:44Psychosomatische oder psychotherapeutische Anbindung ist äußerst wichtig,
13:47weil es tatsächlich um das Management und auch langfristige Vorbeugung geht.
13:53Es gibt ja ein grundsätzliches Problem, irgendein Trauma, irgendwas, womit der Mensch nicht zurechtkommt.
14:00Und das kriegen wir natürlich mit Herzschwächertabletten nicht weg.
14:09Ich muss mich jetzt auf mich konzentrieren, dass es mir nicht besser geht.
14:13Dass meine Gesundheit auch schneller voranschreitet.
14:16Und dass ich noch was, ich will ja noch was erleben.
14:18Ich will ja nicht jetzt sagen, okay, es ist schon zu vorbei oder so.
14:21Nein, ich möchte jetzt leben.
14:22Ich möchte einfach leben.
14:24Ich möchte einfach leben.
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