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00:01Unser Wetter wird von enormen Kräften bestimmt.
00:06Wie wäre es, wenn wir Menschen diese Kräfte steuern könnten?
00:11Was für eine unheimliche Macht wäre das?
00:15Fragen, die weit hergeholt klingen mögen, doch tatsächlich gibt es bereits Methoden,
00:20mit denen man das Wetter und sogar das Klima beeinflussen kann.
00:23Es geht um Technologien, mit denen man die Erde künstlich abkühlen könnte.
00:28Doch was, wenn diese Techniken nicht nur die gewünschte Abkühlung,
00:32sondern auch Extremwetter- oder Ernteausfälle herbeiführen?
00:38Wer hat dann den Schaden und wer die Schuld?
00:46Viele Forschende sagen, wir wissen noch zu wenig.
00:49Doch längst interessieren sich auch Wirtschaft, Militär und Politik für diese Technologien.
00:54Was, wenn jemand sie nutzt, um Geld zu verdienen oder die eigene Macht auszubauen?
00:59Was kommt da auf uns zu?
01:19Wetter machen. Das ist hier kein Wunschdenken mehr, sondern längst Regierungsprogramm.
01:24In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird viel Aufwand betrieben, um etwas mehr Regen zu bekommen.
01:31In einem der trockensten Länder der Erde.
01:35Ein Stück außerhalb von Abu Dhabi befindet sich die Wetterzentrale des Landes.
01:40Das nationale Zentrum für Meteorologie.
01:43Ich bin gleich mit einem Regenmacher verabredet, der im Auftrag der Regierung versucht, Niederschlag zu erzeugen.
01:58Schön, dass Sie da sind.
02:01Freut mich auch. Hi.
02:03Ahmed Kamali leitet das Cloud-Seding-Programm. Auf Deutsch heißt das Wolkenimpfen.
02:09Doch auch das ist vom Wetter abhängig. Ohne Wolken kann man nichts impfen.
02:15Was sehen Sie hier? Wie ist die Lage bei den Wolken?
02:20Aktuell sehen wir noch nichts. Aber in den nächsten Stunden erwarten wir ein paar Wolken hier, weiter im Osten.
02:26Okay. Also fliegen wir heute noch?
02:28Ja, hoffentlich.
02:32Wie die perfekte Wolke für das Regenmachen aussieht, zeigt mir Ahmed Kamali an diesem Beispiel. Eine Cumuluswolke.
02:39Sie türmt sich mehrere Kilometer in die Höhe und enthält viel, viel Wasser.
02:45Beim Cloud-Seding nähert sich ein Flugzeug der Unterkante der Wolke.
02:49Wenn es ganz nah dran ist, drückt der Pilot einen Knopf, hinten öffnen sich die Zerstäuberdüsen und impfen die Wolke
02:56so mit speziellen Salzkristallen.
02:59Eine Wolke besteht aus winzigen Wassertröpfchen.
03:03Wenn die Salzpartikel in den Wolken versprüht werden, bilden sich um sie herum größere Tröpfchen.
03:09Und genau das ist das Ziel.
03:11Die Tröpfchen sollen größer und damit schwerer werden, bis sie herunterfallen.
03:17So entsteht Niederschlag.
03:20Der Pilot Ahmed Jaberri ist schon Hunderte solcher Cloud-Seding-Missionen geflogen.
03:28Machen Sie das gerne?
03:30Na klar. Ich habe als Pilot auf Linienflügen angefangen.
03:34Da hast du Routine. Fliegst von A nach B. Es gibt feste Routen. Du kannst nichts ändern.
03:40Aber hier bist du der König der Lüfte.
03:46Etwas mulmig wird mir schon bei dem Gedanken, in so ein Flugzeug zu steigen.
03:50Denn normalerweise vermeiden Piloten es ja, in Wolken hinein zu fliegen.
03:55Bevor man in die Wolke hineinfliegt, muss man wissen, wie man wieder herauskommt.
04:00Wenn man drin ist, sieht man nur noch die Wolke.
04:02Für mich klingt das gefährlich, aber wenn Sie meinen, dass es okay ist?
04:06Ja, keine Sorge. Wir kennen die Grenzen des Flugzeugs.
04:11Die Turbulenzen oder die Luftströmungen können die Tragflächen nicht brechen.
04:15Die sind sehr flexibel, bis zu 60 Grad.
04:19Der einzige Unterschied ist der Komfort.
04:22Auf einem normalen Flug kannst du deinen Tee oder deinen Kaffee trinken.
04:25Hier musst du drei Stunden angeschnallt sitzen und sobald du in der Wolke bist, solltest du dich auf nichts anderes
04:31mehr konzentrieren.
04:34Ein kleines Hologramm demonstriert, wie das Cloud-Seeding funktionieren soll.
04:39Und auch, wie stolz die Regierung auf dieses Programm ist.
04:45Wie wichtig ist dieses Programm?
04:50Es geht nicht nur um uns, sondern um alle Länder, die mit Wassermangel zu kämpfen haben.
04:56Das Wolkenimpfen ist eine erforschte Methode zur Erhöhung des Grundwasserspiegels.
05:03Wasserknappheit. Was die bedeutet, sieht man hier überall in der Stadt.
05:07Hier wächst fast nichts, ohne dass ein Bewässerungssystem nachhilft.
05:11Wasser ist in Regionen wie dieser eine umkämpfte Ressource.
05:15Und ein potenzieller Konfliktfaktor.
05:20Während wir darauf warten, dass endlich Wolken gesichtet werden, steigen die Temperaturen auf fast 44 Grad.
05:27Und das, obwohl der Sommer noch nicht mal begonnen hat.
05:31Kein Wunder, dass die Regierung große Hoffnungen in das Programm setzt.
05:37Cloud-Seeding gehört weltweit zu den am meisten genutzten Methoden, um das Wetter zu manipulieren.
05:43Dadurch ist ein Markt für die besten Technologien entstanden.
05:46Hier in Abu Dhabi versucht man, bei dieser Entwicklung vorne dran zu sein.
05:50Da kann es vielleicht nicht schaden, dass das Land eine Schlüsselposition besetzt,
05:55um auf internationaler Ebene Empfehlungen zum Thema auszusprechen.
05:59Abdullah Mandus ist Präsident der WMO, der Weltorganisation für Meteorologie.
06:08Beobachten Sie, dass inzwischen auch andere Länder diese Idee des Cloud-Seedings vermehrt übernehmen und ebenfalls nutzen?
06:18Viele Länder kommen auf uns zu, vor allem arabische.
06:21Sie suchen Rat bei uns, weil sie ähnliche Programme aufbauen wollen.
06:26Insofern, ja, ich glaube, das Potenzial ist groß.
06:33Die Technik ist nicht neu. Und sie wurde bereits von mehreren Staaten angewendet.
06:39Schon das US-Militär nutzte Cloud-Seeding, um Wirbelstürme zu schwächen.
06:43Storm Fury nannte man das Projekt, bei dem Silberjudit in die Wolken gesprüht wurde.
06:51Im Vietnamkrieg impften US-Militärflugzeuge die Wolken, damit die Vietcong-Kämpfer im nassen Dschungelboden schlechter vorankamen.
07:02Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl impfte die Sowjetunion verstrahlte Wolken mit Silberjudit, die sich Richtung Moskau bewegten.
07:10Die Radioaktivität sollte lieber über Belarus niederregnen als über dem Kreml.
07:16Dass Israel lange Zeit Cloud-Seeding nutzte, rief Misstrauen bei den Nachbarn hervor.
07:21So mutmaßte ein iranischer General, Israel wolle seinem Land die Regenwolken wegnehmen.
07:32Es gibt Leute, die behaupten, andere würden ihnen den Regen wegnehmen, ihren Regen, aber so etwas gibt es nicht.
07:42Wir bei der WMO müssen die Regierungen auffordern, Regulierungen zu schaffen, damit es nicht zu einem Streit zwischen den Ländern
07:50kommt.
07:54Sehen Sie in dieser Methode auch Konfliktpotenzial?
07:59Wenn wir über das Cloud-Seeding sprechen, dann sehe ich darin keinen Konflikt.
08:03Aber wenn Sie über groß angelegte Klimainterventionen sprechen, dann könnte es Konflikte geben, etwa zwischen Ländern.
08:11Aber nicht bei der Forschung, mit der wir uns hier befassen.
08:14Wenn Sie die Wissenschaft dahinter verstehen, dann wird es keinen Konflikt geben.
08:21Abdullah Mandus ist offenbar überzeugt von dem Programm in Abu Dhabi, das er selbst einst gründete.
08:27Wie genau das funktioniert, würde ich mir gern aus nächster Nähe anschauen.
08:31Aber als ich in den Kontrollraum zurückkomme, schaue ich in ratlose Gesichter.
08:39Aktuell sieht es so aus.
08:41Hier sehen wir die Wolken, genau dort, wo wir sie erwartet haben.
08:46Aber sie sind nicht sehr hell.
08:48Sie sind zwar dort, aber sie entwickeln sich nicht, leider.
08:53Also kein Flug heute?
08:54Kein Flug heute, leider.
08:58Pech.
09:01Zum Trost darf ich mir das Cloud-Seeding immerhin noch ansehen.
09:04Im hauseigenen Kino.
09:16Bin ich hier wirklich in einer Regierungsbehörde?
09:20Fühlt sich eher an wie eine Technologiemesse.
09:28Enttäuscht fahre ich weiter.
09:31Gern hätte ich so einen Wolken im Flug miterlebt.
09:34Denn ich frage mich schon, wie viel man damit überhaupt erreichen kann.
09:40Was bringt das, wenn ein Großteil des Landes so aussieht?
09:45Je größer die Probleme durch Trockenheit werden, desto mehr suchen betroffene Länder nach einer Lösung.
09:51Aber was kann man wirklich mit dieser Technologie bewirken?
09:55Wird hier einfach nur ein Geschäft mit der Hoffnung gemacht?
10:01In Zürich zeige ich die Bilder aus Abu Dhabi Ulrike Lohmann.
10:05Sie kennt sich mit Cloud-Seeding aus wie kaum eine andere.
10:10Wie erfolgversprechend ist es denn, Wolken über der Wüste zu erzeugen?
10:15Nicht besonders erfolgversprechend.
10:17Global gesehen regnet eh nur jede zehnte Wolke aus.
10:20Wenn ich eine Wolke, die von sich aus nicht regnen würde, zum Regnen bringen wollte, das geht nicht.
10:24Der Wasserdampf wird nur umverteilt, aber er kommt nicht an den Erdboden.
10:27Und trotzdem macht man es?
10:29Ja, aus Verzweiflung.
10:31Wenn ich zu wenig Wasser habe, dann gucke ich alle Möglichkeiten an.
10:35Ob ich das Meerwasser entsalze oder ob ich es vielleicht aus dem Himmel ziehen kann.
10:40Würde ich auch.
10:41Wenn ich von Trockenheit bedroht bin, dann würde ich alles anschauen, was ein Minimum an Erfolg hat.
10:49Das Gespräch ist ernüchternd.
10:51Nicht nur ist die Wirkung des Cloud-Seedings nicht ausreichend bewiesen.
10:55Ulrike Lohmann verdeutlicht mir auch, dass wir noch gar nicht genug darüber wissen, was in den Wolken genau passiert, wenn
11:02man Salze in ihnen verteilt.
11:04Und auch insgesamt verstehen wir bislang nicht genug, wie Wolken das Klimasystem beeinflussen.
11:11Klar ist, sie können sowohl kühlen als auch wärmen.
11:16In der oberen Troposphäre, also mehrere Kilometer über der Erde, gibt es Eiswolken, die das Klima aufheizen.
11:24Cirruswolken.
11:25Sie sind milchig und lassen viel Sonnenstrahlung in die Atmosphäre hinein.
11:30Gleichzeitig lenken sie die Wärmestrahlung aus der Atmosphäre zurück zur Erde.
11:35Sie verursachen dadurch einen Treibhauseffekt.
11:39Weiter unten gibt es Wolken, die mehrheitlich aus Wasser bestehen.
11:42Sie haben eine höhere Tröpfchenkonzentration und lassen daher weniger Licht durch.
11:46Sie haben einen kühlenden Effekt.
11:49Es sei denn, sie hängen im arktischen Winter über dem Eis.
11:53Dann kühlen sie nicht, weil die Sonne ohnehin nicht scheint.
11:57Daher können sie auch keinen Schatten werfen.
12:00Aber sie halten, wie eine dicke Decke, die Wärmestrahlung zurück.
12:06Berechnungen zufolge könnten 10 Prozent mehr Wolken den Klimaeffekt der CO2-Emissionen ausgleichen.
12:16Wenn man Wolken manipulieren will, muss man sie natürlich erst mal verstehen.
12:22Ich fahre raus zu einer Wolkenforschungsstation.
12:29Was für eine Suppe!
12:31Aber im besten Fall ist das genau das, was wir brauchen.
12:36Bei Erisville im Kanton Bern in 900 Metern Höhe kann man die Wolken von innen anschauen.
12:43Uuh!
12:45Boah, ist kalt.
12:47Beste Voraussetzungen.
12:48Denn heute geht es darum, zu beobachten, wie sich beim Cloud-Seating die Wassertröpfchen verändern, die uns hier die Sicht
12:55vernebeln.
12:58Seedy wird ausgepackt.
13:00Die Drohne wurde speziell für das Cloud-Seating entwickelt.
13:04Allerdings nicht, um das Wetter zu verändern, sondern um es besser zu verstehen.
13:20Die Forschenden wollen eine Methode entwickeln, wie man die Wirkung des Cloud-Seatings beobachten kann.
13:26Denn auch wenn viele Länder die Technik schon nutzen, es fehlen belastbare Daten dazu, wann es funktioniert.
13:35Dazu müsste man in die Wolke hineinschauen und direkt dort Daten sammeln, wo der Regen entsteht.
13:41Und solch eine Methode entwickeln die Forschenden hier gerade.
13:44Der Schlüssel dazu ist dieser Ballon.
13:49Was genau machen wir jetzt?
13:52Wir lassen einen Ballon steigen, der wird dann in der Wolke schweben.
13:57Idealerweise auf mehr oder weniger gleicher Höhe.
14:00Und somit mit dem Wind, mit einem Luftpaket mitgehen und die Wassertröpfchen und Eiskristalle, die dort in diesem Luftpaket sind,
14:10messen.
14:11Bist du bereit?
14:12Ja, du kannst starten.
14:14Helium, Marsch!
14:23Ready to go?
14:25Ja.
14:26Okay, dann.
14:26Ready?
14:27Ja.
14:28Drei, zwei, eins, lass los!
14:33Tschüss!
14:34Guten Flug!
14:36Als der Ballon in der Luft ist, steigt die Anspannung spürbar.
14:40Der Ballon wird nun von der Wolke kontrolliert, in der er mitschwebt.
14:45Wie sie sich genau bewegt, ist schwer vorherzusagen.
14:48Alle hoffen, dass der Ballon an einem gut erreichbaren Ort niedergeht, der auf der Karte zu sehen ist.
14:56Und dann geht es plötzlich ganz schnell.
14:59Ich bin jetzt hier bei diesen Häusern.
15:03Ah, ich bin gelandet!
15:05Ah, das ist nicht so schlecht.
15:06Perfekt!
15:10Also, die Höhe ändert sich nicht mit.
15:13Ich bin jetzt ziemlich genau hier.
15:16Ah, super!
15:17Wir springen ins Auto, um den Ballon zu suchen.
15:20Immer dem GPS-Signal nach.
15:22Bis wir an einem Einfamilienhaus ankommen.
15:28Hi!
15:29Habt ihr was gefunden von uns?
15:32Ja!
15:32Wo kam es denn her?
15:34Zwei Kinder haben den Ballon im Garten gefunden.
15:37Erleichtert sammelt Sebastian Käser seinen Forschungsballon wieder ein.
15:41Der Testflug ist geglückt.
15:43Der Tag in der Schweiz hat mir gezeigt, dass wir noch nicht genug über die Rolle von Wolken im Klimasystem
15:49wissen.
15:49Und auch nicht genug darüber, was genau in ihnen passiert, wenn man sie impft.
15:54Trotzdem nutzt man diese Technik bereits und liebäugelt offenbar auch mit noch größeren Interventionen.
16:01Geoengineering, das sogar das Klima verändern soll.
16:05Wahnsinn, oder?
16:06An all diesen Orten hier beschäftigt man sich mit dem Thema Geoengineering.
16:11Und hier an den gelben Punkten geht es ganz speziell darum, die Sonne zu dimmen.
16:18In den USA entwickeln Forschende Space-Bubbles, die man zwischen Erde und Sonne am sogenannten Lagrange-Punkt platzieren könnte, um
16:26unseren Planeten zu beschatten.
16:29In Kalifornien schickt ein Start-up Chemikalien in die Stratosphäre, um etwas Sonnenlicht abzuschirmen, bevor es in die Erdatmosphäre eintritt.
16:39In Australien versucht ein lokales Projekt mit künstlich aufgehellten Wolken das berühmte Great Barrier Reef zu beschatten.
16:49Die Suche nach Forschenden, die sich mit Geoengineering-Methoden befassen, führt mich weiter.
16:55An die Uni Delft in den Niederlanden.
16:58Hier bin ich jetzt mit einer Frau verabredet, die untersucht, wie man Wolken manipulieren kann, und zwar im großen Stil.
17:08Isabel Steinke bewegt sich auf sehr kontroversem Terrain.
17:11Sie hat eine Assistenzprofessur für Climate Engineering.
17:15Sie gehört zu einem kleinen Team, das die künstliche Aufhellung von Meereswolken erforscht.
17:21Und dazu braucht man erstmal die richtige Technik.
17:26Ah ja.
17:27Isabel Steinke zeigt mir einen winzigen Zerstäuber, wie ihn ihre Forschungskollegen an der Uni Cambridge gerade entwickeln.
17:37Wir wollen damit Wolken erzeugen.
17:40Das heißt, die Idee ist wirklich, dass du halt so kleine Salzkristalle da rauskriegst, die dann eben hochtransportiert werden.
17:47Die Zerstäuber verteilen Partikel über dem Meer, um die sich winzige Tröpfchen bilden.
17:52Die sind allerdings zu leicht, um auszuregnen.
17:55Sie sollen die Wolken stattdessen möglichst hell machen, damit sie viel Sonnenlicht reflektieren.
18:02Die Idee dazu stammt ausgerechnet aus einer gar nicht klimaneutralen Branche, dem Schiffsverkehr.
18:08Denn was viele Schiffe lange ausstießen, war Schwefeldioxid, durch das Wolken entstehen können.
18:13So zeigte sich auf Satellitenbildern, dass Wolkenbänder genau entlang der Schiffsrouten verliefen.
18:22Das heißt, die sind dann heller hinterher, die Wolken?
18:25Genau, die sind heller, also so wie über diesen Schifffahrtsrouten.
18:28Das ist genau die gleiche Idee.
18:30Und das bedeutet, dass wir mehr Sonnenlicht reflektieren würden.
18:34Das heißt, du würdest Energie aus dem System rausholen, also aus dem Erdsystem.
18:39Und das würde bedeuten, dass du dann, wenn es so funktionieren würde, auch eine Kühlung erzeugen könntest.
18:43Ich höre noch ziemlich viel Konjunktiv.
18:47Das ist absolut richtig, ja.
18:50Also, du kannst dir vorstellen, dass da super viel Komplexität drin ist.
18:55Und darüber hinaus ist dann aber die Frage, selbst wenn man beantworten könnte, kann das wirklich funktionieren?
19:01Gibt es natürlich die Frage, hat es dann weitere Auswirkungen auf das Klimasystem?
19:06Mit fein zerstäubtem Salzwasser die Meere abkühlen.
19:10Die Idee klingt für mich erstmal bestechend einfach und harmlos.
19:15Schließlich sind die Rekordtemperaturen auf den Ozeanen ein echtes Problem.
19:19Wo, frage ich mich, ist der Haken?
19:24Und was habt ihr schon rausgefunden, was für Nebenwirkungen könnte es geben?
19:29Wenn du jetzt eine bestimmte Region hier abkühlst, hat es Auswirkungen auf die ganze Zirkulation.
19:35In der Atmosphäre.
19:37Und damit verändern sich eben auch die Wettermuster, zum Beispiel, wo es irgendwie mehr regnet, weniger regnet oder so.
19:43Und daher kommt es halt, dass wenn du zum Beispiel hier über Westafrika irgendwas machst,
19:49dass es potenziell Auswirkungen eben hier in Brasilien haben könnte.
19:53Das klingt nach einem ziemlich großen Haken.
19:56Wir kühlen das Meer ab und dafür wird vielleicht der Regenwald trockener?
20:02Wo wäre da der Gewinn für unseren Planeten?
20:05Technisch ist es noch nicht ausgereift und man weiß auch noch gar nicht ganz genau, was für Nebenwirkungen es vielleicht
20:11haben.
20:11Genau, also es ist auf jeden Fall kein Quick-Fix.
20:14Langsam wird mir klar, die wichtigsten Fragen sind noch ziemlich offen.
20:19Kein Wunder, dass die Methode umstritten ist.
20:22Im April 2024 machte ein Feldversuch der Universität Washington Schlagzeilen.
20:28Von einem ausgemusterten Flugzeugträger sollten Salze versprüht werden.
20:33Doch das Experiment wurde schnell gestoppt, nachdem Bedenken laut wurden.
20:38Ich frage mich, wie Isabel Steinke damit umgeht, an so einer kontroversen Sache mitzuarbeiten.
20:46Was sagst du zu Leuten, die sagen, das ist einfach eine komplett verrückte Idee?
20:51Es ist auch ein bisschen eine verrückte Idee.
20:54Und wie wir auch gesehen haben, sind einfach so viele Fragen noch offen.
20:58Das heißt, wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass das wirklich eine Lösung ist, die dazu beitragen kann, die Klimafolgen
21:04abzumildern.
21:06Ist es auch gefährlich?
21:09In der heutigen geopolitischen Lage kann es tatsächlich sein, dass es zu Spannungen dann kommt.
21:14Aber die Frage ist halt, ist die Gefahr größer, wenn wir einfach nichts tun und einfach abwarten und dadurch Konflikte
21:20produzieren?
21:21Oder ist es besser, einen Plan C zu haben, der uns im Fall der Fälle dann eben helfen kann?
21:27Nach dem Gespräch habe ich den Eindruck, als hätten wir die Wahl zwischen zwei schlechten Alternativen.
21:33Entweder eine gescheiterte Klimapolitik führt zu Konflikten oder die verzweifelte Suche nach einer technischen Notbremse.
21:41Einem Plan C.
21:42Sieht es wirklich so schlecht aus?
21:44Und was waren eigentlich nochmal Plan A und B?
21:48Als Plan A in der Klimapolitik wird die Reduktion der Treibhausgase bezeichnet.
21:53Unter Plan B versteht man Maßnahmen, mit denen man CO2 wieder aus der Atmosphäre ziehen kann.
21:58Doch diese Methoden können die steigenden Kohlendioxid-Emissionen bislang nur zu einem verschwindend kleinen Teil kompensieren.
22:08So kommt Plan C ins Spiel.
22:11Methoden, mit denen man die Erde vor der Sonne schützt und abkühlt.
22:15Neben dem Marine Cloud Brightening ist die bekannteste Methode das sogenannte SAI.
22:21SAI steht für Aerosol-Injektion in der Stratosphäre.
22:25Die Methode setzt über der Wetterschicht mit Wind, Wolken und Regen an.
22:30Dort oben sollen winzige, das Sonnenlicht reflektierende Partikel verstreut werden.
22:34Fachleute sagen Aerosole.
22:37Durch kräftige Ost- und Westwinde verteilen die sich dann relativ gleichmäßig entlang der Breitengrade um den Globus.
22:45Inspiriert wurde diese Methode durch die Natur.
22:48Genau das passiert nämlich auch bei großen Vulkanausbrüchen, wie etwa 1991 auf den Philippinen.
22:55Der Pinatubo spuckte Lava, Asche und Gestein kilometerweit in die Höhe.
23:00Mehrere Megatonnen Schwefeldioxid gerieten in die Stratosphäre und verdunkelten den Himmel.
23:05Im folgenden Jahr kühlte sich die Erde um etwa 0,4 Grad Celsius ab.
23:12Verantwortlich für diesen Effekt sind Schwefeldioxidmoleküle, die sich mit Wasser verbinden und zu Schwefelsäure werden.
23:18Diese winzigen Tröpfchen reflektieren das Sonnenlicht und sorgen für Abkühlung.
23:23Allerdings haben sie Nachteile. Sie sind giftig und schwächen die Ozonschicht.
23:31Hier an der Uni Utrecht wird SAI erforscht. Also die Technik, bei der Aerosole in der Stratosphäre die Sonne dimmen
23:37sollen.
23:38Was hätte das für Folgen, wenn das wirklich jemand machen würde?
23:44Claudia Wieners gehört zu den wenigen Wissenschaftlerinnen, die sich trotz aller Kritik und Warnungen mit dieser Technologie befassen.
23:51Die Idee mit SAI ist, wenn Pinatubo das kann, können wir das auch. Wir müssen nur hoch genug, eine hinreichend
23:57große Menge an SO2 injektieren.
24:01Und im Moment sieht es so aus, dass die technisch plausibelste Lösung ist, das mit Flugzeugen zu machen.
24:09Die einzigen Flugzeuge, die bis in die Stratosphäre fliegen können, sind Militärflugzeuge.
24:14Allerdings könnten die nicht die für SAI nötigen Mengen transportieren.
24:18Also müsste man spezielle Flugzeuge bauen, die sich an Militärflugzeugen orientieren.
24:24Länder, die das könnten, gibt es genug.
24:29Die USA haben natürlich solche Kenntnis, die EU auch. Also Frankreich und Deutschland haben Flugzeugindustrie, Russland auch.
24:37Als die Physikerin mir die Liste der Länder aufzählt, wird mir klar, wie schnell diese Idee Wirklichkeit werden könnte.
24:45Was kann dabei schiefgehen?
24:47Wenn du jetzt eine Halbkugel abkühlst, also sagen wir massiv SAI auf der nördlichen Halbkugel betreibst, dann wird relativ gesehen
24:55die Nordhalbkugel kälter und die Südhalbkugel wärmer.
24:57Und dann wird sich dieses tropische Regenband weiter nach Süden verschieben.
25:01Und das gibt dann Probleme in den Gebieten, die darauf angewiesen sind, wie zum Beispiel die Sahelzone, die jetzt also
25:09im Sommer immer noch so den Rand dieses tropischen Regengebiets, das hier sich hoch und runter schiebt, mitbekommt.
25:16Und wenn jetzt der tropische Regen sich weiter nach Süden verschiebt, dann fehlt ihnen dieser Regen.
25:21Also eine asymmetrische Abkühlung, eine Halbkugel sehr viel stärker behandelt als die andere, ist deswegen einfach eine schlechte Idee.
25:27Was immer du tust, mach es symmetrisch.
25:30Kein Gespräch hat mich bisher derart umgehauen wie das mit Claudia Wieners.
25:35Ich habe das globale Ausmaß dieses Ansatzes noch gar nicht verdaut und schon sprechen wir über die Details der Umsetzung.
25:43Tatsächlich ist die Idee zu den Schwefelinjektionen nicht neu.
25:47Der sowjetische Wissenschaftler Michael Boudicco schlug schon 1974 vor, damit die Erde zu kühlen.
25:54Doch Boudiccos Idee fand nur wenige Anhänger.
25:5824 Jahre später, 1998, präsentiert Pentagon-Waffenentwickler Laurel Wood das Boudicco-Modell auf einer Konferenz.
26:06Wood war bekannt dafür, den Weltraum militarisieren zu wollen.
26:09Die meisten anwesenden Wissenschaftler waren skeptisch.
26:14Das änderte sich, als 2006 der niederländische Nobelpreisträger Paul Kruzen die Idee der Schwefelinjektionen wieder ins Spiel bringt.
26:23Seine Befürchtung?
26:24Angesichts rasant steigender Temperaturen müssen wir diese Maßnahme in Erwägung ziehen.
26:30Kruzens Idee damals, das solare Geoengineering könnte eine Art Notbremse sein.
26:36Sobald die CO2-Reduktion erreicht wäre, könnte man mit den Stratosphäreninjektionen wieder aufhören.
26:46Auch Ulrike Lohmann in der Schweiz hatte ich auf kurzem Vorstoß angesprochen.
26:52Als damals diese Veröffentlichung rauskam, was haben Sie da gedacht?
26:55Ich war entsetzt. Und nicht nur ich. Wir waren uns eigentlich alle einig, dass das ein Tabuthema ist, das fast
27:02auf gar nicht aufgemacht werden, darüber nachzudenken, dass wir das Klima manipulieren sollten.
27:06Inwiefern hat sich das verändert?
27:09Ja, es ist seit der kurzen Publikation sehr wenig passiert. Emissionen steigen weiter ungebremst.
27:17Und je weiter die Erwärmung fortschreitet, je mehr Wetterextreme wir erfahren, desto mehr kommt der Wunsch danach auf, doch bitte
27:26was dagegen zu machen.
27:27Und in dem Sinne habe ich das Gefühl, dass ich als Forscherin auch die Verantwortung habe zu sagen, okay, Methode
27:33A könnte funktionieren, hat aber die und die Nebeneffekte.
27:38Methode B hat noch mehr Nebeneffekte. Methode C am besten die Finger davon lassen.
27:44Auch Claudia Wieners arbeitet sich daran ab. Ein sinnvolles Szenario könnte so aussehen.
27:51Angenommen, wir brächten unseren CO2-Ausstoß in den kommenden Jahrzehnten auf Null.
27:56Dann würde die Temperaturkurve trotzdem erstmal steil ansteigen und erst einige Jahrzehnte später sinken.
28:04Also die Idee wäre hier, dass wir in der Zeit, wo die Temperatur gefährlich hoch ist, dass wir die drosseln
28:10wollen mit SAE.
28:11Das wird auf Englisch Peak Shaving genannt, also diesen Temperaturpeak wegrasieren.
28:19Aber das heißt, letztlich ist das schon sowas wie so ein Best-Case-Szenario?
28:23Ja, denn hier ist angenommen, dass wir CO2 kräftig zurückdringen.
28:28Ich fand nicht ganz so sehr, wie wir wünschen, aber eben doch energisch, dass wir uns über SAE so einigen
28:35können, dass wir hier kein Chaos stiften.
28:38Und natürlich, dass SAE funktioniert, was sehr wahrscheinlich ist, aber natürlich ganz sicher kann man nicht sein, bevor wir es
28:43probiert haben.
28:44Und wie sieht dein Horrorszenario aus?
28:45Also das Horrorszenario, hier haben wir wieder die Zeit, hier haben wir die Aufwärmung.
28:50Zutat Nummer 1, im Gegensatz zu vorhin haben wir nicht das CO2 reduziert, sondern stoßen weiter und weiter CO2 aus.
28:57Das heißt, ohne SAE haben wir eine riesige Aufwärmung von, was weiß ich, 5 Grad oder schlimmer.
29:02Okay, nehmen wir jetzt an, dass wir SAE versuchen.
29:04Wir halten die Temperatur eine Zeit lang vielleicht einigermaßen konstant.
29:07Aber jetzt passiert irgendwas, Krieg, Uneinigkeit, Naturkatastrophe und wir hören auf mit dem SAE.
29:15Dann kriegen wir innerhalb von kürzester Zeit, werden wir die Aufwärmung, die wir von dem CO2 haben müssen, sozusagen nachholen.
29:21Und die Temperatur schießt hier nach oben auf die CO2-Kurve drauf.
29:26Also das ist ein absolutes Horrorszenario, der sogenannte Termination-Schock, also Beendigungsschock,
29:31dass man die Aufwärmung auf einmal nachholt, sobald dieser dämpfende Effekt von dem SAE wegfällt.
29:37Mich gruselt die Vorstellung, dass diese Technologie außer Kontrolle geraten könnte.
29:43Mit dieser Sorge bin ich nicht allein.
29:45Unter Fachleuten ist SAE stark umstritten.
29:48Manche sagen, man sollte gar nicht erst dazu forschen.
29:51Ich spüre, wie sehr auch Claudia Wieners diese Diskussion beschäftigt.
29:56Ich würde diese Forschung auch nicht machen, wenn wir nicht schon ein Riesenproblem hätten.
30:00Es ist bizarr, dass wir überhaupt an diesen Punkt gelangt sind, wo wir so eine Schweinerei ernstlich überlegen.
30:08Ach, aber das Dumme ist, wir machen schon Geoengineering. Wir machen Geoengineering mit CO2.
30:13Was ist denn aus deiner Sicht gefährlicher? SAE oder Klimawandel?
30:16Physisch gesehen der Klimawandel, wenn SAE sinnvoll angepackt wird.
30:21Also wenn es dieses demokratisch legitimierte, rational handelnde SAE-Gremium gäbe, dann würde SAE Risiken vermindern, nach allem, was wir
30:31bis jetzt wissen.
30:31Aber wenn du die politischen Risiken mitnimmst, finde ich das unglaublich schwierig zu beurteilen.
30:42Als ich das Gespräch sacken lasse, wird mir klar, dass die größten Gefahren vielleicht gar nicht in der Technologie selbst
30:48liegen.
30:48Die Physikerin sagt, SAE könnte Klimarisiken abmildern.
30:54Aber sie sagt auch, die größeren Gefahren lauern in der Politik.
31:04Im Potsdamer Helmholtz-Zentrum bin ich mit einem Politikwissenschaftler verabredet.
31:09Stefan Schäfer beschäftigt sich seit seiner Promotion mit Geoengineering in der internationalen Politik.
31:16Wie kurz davor sind wir denn, dass Solaris Geoengineering auch angewendet wird?
31:20Ich denke, wir stehen nicht kurz davor. Ich denke aber, dass es bestimmte Entwicklungen gibt, die es immer wahrscheinlicher machen.
31:25Stefan Schäfer erzählt mir, dass bereits erste private Unternehmen das Thema Geoengineering als zukünftiges Geschäftsfeld entdeckt haben.
31:34Eines heißt Stardust Solutions und hat etwa 15 Millionen US-Dollar Risikokapital eingesammelt.
31:41Die Firma rechnet damit, dass in den kommenden Jahren SAE nachgefragt wird und positioniert sich als technischer Dienstleister.
31:49Das kalifornische Start-up Make Sunsets schickt bereits regelmäßig Wetterballons mit Schwefeldioxid in die Stratosphäre.
31:56Und verkauft dafür sogenannte Cooling Credits für diejenigen, die schon jetzt helfen wollen, den Planeten abzukühlen.
32:05Stefan Schäfer beobachtet diese Entwicklungen mit Sorge.
32:10Also es gibt mittlerweile Interessengruppen, die sich dafür einsetzen, dass man die Klimaeffekte von Unternehmen oder Sektoren beispielsweise nicht mehr
32:17nur anhand einer Treibhausgasbilanz beurteilen sollte, sondern anhand einer Strahlungsbilanz.
32:22Wie das aussehen könnte, sieht man wohl am besten am Beispiel der Abgase über den Ozean.
32:282020 trat eine neue Umweltverordnung in Kraft. Derzufolge musste der Schwefelgehalt im Schiffsdiesel gesenkt werden.
32:35Das Ergebnis? Weniger kühlende Wolken über dem Meer.
32:39Was wäre, wenn dieselben Schiffe den Effekt nun künstlich erzeugten, um das Meer wieder abzukühlen?
32:45Könnten Firmen dadurch vielleicht den CO2-Ausstoß wieder kompensieren, den sie mit der Schifffahrt verursachen?
32:52Könnten Fluggesellschaften mit ihren Maschinen bald Aerosole verteilen, um dafür Cooling Credits zu bekommen?
32:58Oder könnten geeinzelne Philanthropen bald überall auf der Welt Wetterballons finanzieren, um die Atmosphäre zu kühlen?
33:08Das ist natürlich nicht die Idealvorstellung der Wissenschaft, wie das in den Computermodellen simuliert wird, sondern was ganz anderes.
33:15Aber da folgt es eben einer unternehmerischen wirtschaftlichen Logik, die auch etabliert ist im Rahmen der Klimapolitik.
33:21Und die beobachtet Stefan Schäfer seit langem.
33:24Die Klimapolitik, sagt er, beschränkt sich meist auf ökonomische Steuerungsmittel, wie bei den CO2-Zertifikaten.
33:33Gleichzeitig hat die globale Klimapolitik in den vergangenen zehn Jahren immer schlechter funktioniert.
33:40Diese politische Lage scheint so gar nicht mit den Szenarien der Atmosphärenphysik zusammenzupassen.
33:47Ich zeichne noch einmal die zwei Varianten auf.
33:52Links geordnetes SAI bei einer ansonsten wirksamen Klimapolitik.
33:58Rechts das Desaster-Szenario.
34:00Unkoordiniertes SAI bei stark steigenden Temperaturen.
34:04Es war fast klar, welches er für wahrscheinlicher hält.
34:09Wenn man sich in die Situation begibt, wo man also hofft oder plant, dass es alles geordnet ablaufen wird,
34:16dann aber einem die Politik in die Quere kommt und die Realität nicht so aussieht wie die Modellrechnungen,
34:22dann driftet man sehr schnell in so ein Szenario ab.
34:26Also unkoordiniert oder gar ganz abgebrochen.
34:29Und die Frage für mich ist dann, ob man sich in so eine politische Situation überhaupt begeben sollte oder ob
34:35das nicht viel zu riskant ist.
34:37Der Kontrast zwischen der analytisch-rationalen Welt-Sicht der Physikerinnen und dem düsteren Realismus des Politikwissenschaftlers hätte krasser kaum ausfallen
34:47können.
34:48Wenn Stefan Schäfer recht hat, zeichnet sich eher ein unkoordiniertes Szenario ab.
34:53Droht uns dann wirklich ein Kampf ums Klima?
35:01Ich mache mich auf den Weg nach Berlin.
35:03Eine Studie hat mich hierher geführt vom Dezernat für Zukunftsanalyse der Bundeswehr.
35:08Die befasst sich auch mit Geoengineering.
35:12Dieses Papier ist allerdings von 2012. Zeit für ein Update.
35:18Hallo. Hallo. Ich bin Lena.
35:20Ich bin Lena. Annika. Hi.
35:22Ich bin mit einer der Autorinnen des Papiers verabredet. Ihren vollen Namen dürfen wir nicht nennen.
35:27Alles klar. Dankeschön. Schönen Tag.
35:31Jo.
35:32Sie beschäftigt sich mit den Konflikten von morgen.
35:36Und da könnte Geoengineering laut ihrem Bericht eine Rolle spielen.
35:40Nicht als Waffe, die ein Land gegen das andere einsetzt, sondern als Konfliktverschärfer.
35:46Denn wer sich ins Klima einmischt, könnte Kollateralschäden erzeugen.
35:51Hat sich denn beim Thema Geoengineering in letzter Zeit was verändert?
35:55Ja, es tut sich was. Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass wir im Gegensatz zu einer Studie aus 2012, da
36:04waren es hauptsächlich staatliche Akteure, die Geoengineering finanziert haben,
36:09dass sich das jetzt in den letzten Jahren extremst verschoben hat in den privatwirtschaftlichen Bereich.
36:15Wie bewertet ihr denn das, dass jetzt immer mehr private Akteure auf dieses Thema draufspringen?
36:19Die Privaten stürmen voran und Staaten sind noch so ein bisschen auf diesem Punkt, ja, wir müssen das alles erst
36:28genau abschecken, damit wir halt den Nebenfolgen im Griff haben.
36:32Wo nicht staatliche Akteure halt sagen, nö, wir probieren es jetzt einfach.
36:37Im Sommer 2012 ließ der US-Unternehmer Russ George mehr als 100 Tonnen Eisenpartikel vor der Westküste Kanadas ins Meer
36:45kippen.
36:45Er wollte Algen düngen, die CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen können.
36:50Zu dieser Zeit beobachtete die Globalisierungskritikerin Naomi Klein von ihrem Küchenfenster aus erstmals Orcas.
36:57Ihre Freude wich groß im Ärger, als sie hörte, dass der Unternehmer sich in die marine Nahrungskette eingemischt hatte.
37:04Hatte das etwa die Wale angezogen?
37:07Ihren Groll schrieb sie sich in der New York Times von der Seele.
37:10Seither hat Russ George kein weiteres Experiment durchgeführt.
37:14Inzwischen hat sich herausgestellt, dass Eisendüngung mehr Schaden anrichtet als nützt.
37:19Doch Russ George ist kein Einzelfall.
37:21Der Kryptounternehmer David Schaum will Mondstaub am Lagrange-Punkt verstreuen.
37:26Das ist der Punkt, an dem sich die Anziehungskraft der Erde und der Sonne ausgleichen.
37:30Wenn man hier den Staub verteilte, so die Idee, könnte er dort hängenbleiben und die Sonne dimmen.
37:36Wie gefährlich ist es, dass gerade solche Leute sich dann da auch engagieren?
37:39Wir wissen halt immer noch nicht genau, wie es wirkt.
37:45Und wir haben dann eventuell Nebenfolgen.
37:48Und diese Nebenfolgen sind auf einer globalen Ebene.
37:54Sodass es zum Beispiel passieren kann, dass Länder, die sowieso schon schwer vom Klimawandel getroffen sind, sich das Ganze verstärkt.
38:02Und dann haben wir Staaten, die, sag ich mal, Opfer, Kollateralschäden von Geoengineering-Nebenfolgen sind.
38:11Mir kommt die ganze Sache ziemlich chaotisch vor.
38:15Hier experimentieren Start-ups und reiche Möchtegern-Weltretter mit riskanten Technologien, die womöglich Krisen auslösen.
38:24Naturkatastrophen würden dann zu Ereignissen, an denen jemand die Schuld haben könnte.
38:28Und schon heute reicht ja oft ein Verdacht, um Konflikte zu provozieren.
38:33Und die Länder, die am meisten unter den Folgen leiden würden, sitzen mal wieder nicht mit am Tisch.
38:40Denn es sind vor allem die Länder des globalen Südens, die zu Opfern eines Großexperiments mit dem Klima werden könnten.
38:48Deswegen haben sich im Mai 2025 in Kapstadt Klimaforschende aus aller Welt getroffen, um über Solaris Geoengineering zu diskutieren.
38:59Organisiert hat die Konferenz Andy Parker, Gründer von The Degrees Initiative.
39:06Wenn Solaris Geoengineering gut funktioniert, dann könnten Entwicklungsländer am meisten davon profitieren.
39:12Wenn aber eine der großen Mächte, China oder die USA, sich dazu entscheiden, und es gibt doch üble Nebeneffekte,
39:19dann würden die schwächsten Länder am meisten leiden, etwa südlich der Sahara oder kleinere Inselstaaten.
39:25Deswegen halte ich es für moralisch geboten, die Forschung in diesen Ländern zu unterstützen.
39:32Mit seiner Initiative bereitet Andy Parker diese Länder auf die Diskussion um das Geoengineering vor.
39:38Unter seinen Geldgebern sind Stiftungen, hinter denen unter anderem ehemalige Facebook-Manager stehen.
39:44Aber auch die Firma Quadrature Capital, die unter anderem in die Auto- und Rüstungsindustrie sowie in Öl- und
39:50Gasförderung investiert.
39:54Es gibt verschiedene philanthropische Organisationen, die sich mit SAI befassen.
39:59Und oft stehen dahinter Geldgeber aus dem Technologiesektor. Das ist doch verblüffend.
40:12Manche Leute aus dem Technologiesektor stecken Geld in Solaris Geoengineering. Aber es ist nicht bei allen so populär.
40:19Die Menschen, mit denen ich gesprochen habe, die unsere Arbeit finanzieren, tun das aus denselben Gründen wie die meisten Wissenschaftler.
40:26Wir steuern mit der Erderwärmung auf eine wirklich schwierige Situation zu.
40:31Und wir müssen wissen, ob wir damit die Risiken verringern, erhöhen oder nur auf andere Regionen der Welt umverteilen.
40:39Das ist die Motivation, die mir begegnet.
40:44Wie so oft bei dieser Recherche bin ich hin- und hergerissen.
40:47Es gibt gute Gründe, Forschungen in den Ländern zu fördern, die das größte Risiko tragen könnten.
40:53Aber was wollen die Geldgeber?
40:56Kümmern sie sich uneigennützig um den globalen Süden oder wollen sie den Boden bereiten für eine umstrittene Technologie?
41:03Das ist bestimmt eine gute Idee, möglichst viele Menschen auch zu informieren, damit man gute Entscheidungen treffen kann.
41:12Und trotzdem spielt es ja eine Rolle, wer solche Arbeit dann auch finanziert.
41:25Über diese Entwicklungen spreche ich auch mit Ulrike Lohmann in Zürich.
41:30Das Thema SAI scheint momentan in der Hand von besorgten Forschenden und privaten Investoren zu liegen.
41:36Aber müsste nicht eigentlich die internationale Politik sich darum kümmern?
41:42Die Professorin hat bereits für den Weltklimarat gearbeitet, dem wichtigsten Ratgeber für die internationale Klimapolitik.
41:50Gibt es da ihrerseits so eine Art Forderung für so ein Gremium, was entscheiden kann?
41:55Ja, natürlich. Es müsste der UN-Klimabeirat sein. Es müsste ein Gremium sein, was das wissenschaftliche Vertrauen hat, wie jetzt
42:03auch der UN-Klimabeirat.
42:05Und es müsste von den Staaten abgestützt werden.
42:08Wie zuversichtlich sind Sie denn, dass wir sowas irgendwann haben?
42:11Leider nicht besonders zuversichtlich. Die internationale Staatengemeinschaft ist brüchiger denn je.
42:18Im Laufe meiner Recherche habe ich eines immer wieder gehört. Wir müssen dringend die Emissionen reduzieren.
42:25Aber was, wenn die Politik daran scheitern sollte? Zieht dann jemand die SAI-Notbremse? Und zwar einfach der, der es
42:32kann und will?
42:34Könnte es sein, dass wir auf eine Zeit zusteuern, in der ein blauer Himmel die Ausnahme ist?
42:40Was für ein Irrsinn wäre es, wenn wir mit solarem Geoengineering weitere und vielleicht sogar noch heftigere Konflikte provozieren würden,
42:48als sie der Klimawandel sowieso schon mit sich bringt?
42:52Eines ist klar. Mit den steigenden Temperaturen wächst das Konfliktpotenzial.
42:58Und mit welchen Mitteln wir auch immer dagegen angehen, es sollte koordiniert ablaufen.
43:05Das gilt besonders beim Geoengineering.
43:09Alle haben mir gesagt, dass eine internationale Klimapolitik unumgänglich ist.
43:15Aber ist die bei der jetzigen Weltlage überhaupt möglich?
43:42Geoengineering
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