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00:03Im Oktober 1988 beginnt eine der spannendsten Spionagegeschichten des Kalten Krieges.
00:14Es tut sich Geheimnisvolles in einem Waldstück irgendwo im Osten Deutschlands.
00:26Was hier im Herbst vor fast 30 Jahren mitten im Wald vergraben wird, ist ein US-amerikanischer Spion.
00:35Ein kleiner Kasten, randvoll mit hochentwickelter Spionagetechnik.
00:44Es war keine Übung, es war kein Spaß, es war keine Testung von irgendwas, es war tatsächlich amerikanische Spionagetechnik.
00:53Und das war ja wirklich eine, muss man sagen, in aller Anerkennung eine geniale Technik, die die Amis da zusammengeschraubt
00:59haben.
01:02Das Ministerium für Staatssicherheit will diesen geheimen Spion unbedingt finden, koste es, was es wolle.
01:14Hecht, heute mit der Operation Hamster, ein Meisterstück der Spionageabwehr.
01:19Mit exklusiven Zeitzeugen und Bildern, die so noch nie im Fernsehen gezeigt wurden.
01:30Der 7. Oktober 1989 in Berlin.
01:34Der Mauerfall steht kurz bevor, aber immer noch wird marschiert und der Ernstfall durchgespielt.
01:42Und auch die Geheimdienste sind noch voll im Einsatz.
01:46Im November 1989 diese Pressekonferenz.
01:49Spionageenthüllung in Berlin.
01:52Dieses Gerät ist Teil eines hochgezichteten elektronischen Spionagesystems zum Sammeln von wichtigen, militärisch verwertbaren Informationen.
02:02Das, wie man mittlerweile weiß, einem USA-Geheimdienst gehört, in 30 Zentimeter Tiefe im Boden vergraben wird und damit nahezu
02:09unauffindbar ist.
02:13Echt hat viele Monate recherchiert, um diese spektakuläre Spionagegeschichte zu erzählen.
02:19Wir treffen einen Mann, der hautnah dabei war.
02:24Drei Jahrzehnte hat er über die Operation Hamster geschwiegen.
02:29Jetzt will er zum ersten Mal vor unserer Kamera sprechen.
02:37Für mich persönlich war das schon was Besonderes und wie für viele andere, die auch mit dort angearbeitet haben.
02:43Von Funkern, Peilfunkern, Ingenieuren, Chemikern, Radiologen, alle, die da irgendwie mit beteiligt waren.
02:53Unser Zeitzeuge lebt inzwischen ein anderes Leben. Deshalb will er unerkannt bleiben.
02:59In der DDR war er Mitarbeiter einer Spezialeinheit der Staatssicherheit.
03:03Sein Auftrag, feindliche Sender und Spionagefunk zu enttarnen.
03:10Man sieht den Gegner nicht mehr. Man hat ihn nicht mehr in menschlicher Form vor sich. Man hat ihn in
03:14Form von Technik vor sich. Aber er ist da.
03:18Für die Operation Hamster musste er ein halbes Jahr lang jedes Wochenende raus. Jeden Sonntag seine Familie allein lassen. Aber
03:29das war es ihm wert.
03:33Der amerikanische Geheimdienst, das wusste man, hat auf diesem Gebiet spioniert in der DDR. Und man hat sich einfach dagegen
03:41gewehrt.
03:42Und es war eine ernstzunehmende Sache. Das musste bekämpft werden.
03:51Bis heute erinnert sich der Technikexperte an jedes Detail der Operation Hamster.
03:58Alles beginnt mit einem bisher unbekannten Sendesignal.
04:06Die zentrale Funkaufklärung der DDR. Hier werden alle Frequenzen überwacht.
04:14Wenn etwas illegal oder verboten sendet, wird es erkannt und sofort gemeldet.
04:23Und dann, am 6. November 1988, ein Funksignal. Nur ganz kurz. Eine Drittelsekunde lang.
04:33Ist das möglicherweise ein illegaler Spionagesender?
04:38Also ein Funker sieht das sofort. Erkennbar ist es erstmal an der Sendezeit.
04:43Man weiß es aus der Agentenfunktätigkeit.
04:45Die Agenten und deren Technikausstattung der Drang nach immer kürzeren Sendezeiten ist eigentlich permanent vorhanden gewesen.
04:52Und hier haben wir eine Sendezeit von 300 Millisekunden.
04:55Wie man sich mal vorstellen, ist eine Drittelsekunde.
04:58Und eine Frequenz, die man zuordnen konnte zu einem Spionagesystem.
05:10Das geheimnisvolle Signal wird auf der Frequenz 306,450 empfangen.
05:16Und das nur einmal pro Woche. Immer sonntags.
05:24Dieser Spionagesender versteckt sich zwischen den Sendefrequenzen von Radio, Fernsehen und Amateurfunk.
05:36Wenn man dort auf dieser Frequenz was sendet, man stört niemanden.
05:40Weder das Rote Kreuz, Polizei, Taxi, Hilfsdienste oder was auch immer.
05:46Und man stört auch nicht keinen Funkamateurbereich, weil man liegt außerhalb.
05:50Selbst wenn man dort sendet und jemanden stören würde, es würde niemand merken.
05:54Man ist also sozusagen allein auf der Frequenz und kann dort eigentlich machen, was man will.
06:00Die Männer sind alarmiert.
06:02Was hier passiert, ist ein Angriff auf das Gebiet der DDR.
06:07Irgendwer oder irgendwas sendet geheime Informationen.
06:14Es kann nicht jeder an der DDR rumfunken.
06:16Es wurde eine Frequenz benutzt, die wurde nicht zugeteilt, die war unbekannt, die wurde illegal benutzt.
06:21Und dann tritt natürlich die Funkabwehr auf die Tagesordnung.
06:24Dann wird es zur klassischen Aufgabe der Funkabwehr, mit geeigneten Mitteln dem entgegenzutreten.
06:32Die Zentrale der Staatssicherheit in Berlin, die Hauptabteilung 3, ist schon informiert.
06:40Der Fall wird zur Chefsache und bekommt einen Namen.
06:44Operation Hamster.
06:49Die Frequenz 306,450 wird ab sofort rund um die Uhr überwacht.
06:56Wer sendet hier geheime Informationen?
07:02Der Geheimdienst der DDR weiß, womit er es zu tun hat.
07:07Denn schon drei Jahre zuvor war ein anderes mysteriöses Funksignal entdeckt worden.
07:13Schnell war klar, dahinter verbirgt sich ein Funkspion.
07:17Aber wo ist er versteckt?
07:19Wo genau ist er vergraben?
07:21Ein Doppelagent verrät schließlich den genauen Lagerort.
07:27Dieser Originalfilm zeigt, wie der Sender im Mai 1985 gehoben wird.
07:37Bei der Bergung der Feintechnik wurde unter anderem berücksichtigt, dass möglicherweise Alarmsignale abgestrahlt oder Einrichtungen zur Selbstzerstörung ihres Grundkörpers ausgelöst
07:48werden.
07:53Warum wurden solche technischen Spione vergraben?
07:56Welche Informationen sammelten die dazugehörigen Bodensensoren und wer steckte dahinter?
08:03Die Antworten auf diese Fragen kennt dieser Mann.
08:07Militärhistoriker Dr. Rainer Bröckermann.
08:11Wir treffen ihn in Potsdam.
08:15Die Sonden selber waren deshalb so hervorragend, weil sie einfach Fakten, Fakten, Fakten geliefert haben.
08:22Und zwar Tag und Nacht.
08:26Mehr oder weniger unabhängig vom Wetter.
08:28Und unabhängig von vielleicht der ein oder anderen Stimmung oder Einstellung eines Spions, der das Gleiche gesehen hätte.
08:36Die Sonden sammelten geheime Informationen.
08:40Im Kalten Krieg wollten die US-Amerikaner wissen, welche Waffen die NVA und die Sowjets wo in Stellung bringen.
08:55So auch der Funkspion von 1985.
08:59Er lag in der Nähe von Eberswalde bei Berlin.
09:03Die US-Amerikaner überwachten hier eine strategisch wichtige Verbindungsstrecke.
09:10Und zwar zwischen dem sowjetischen Militärflug Platz Fino und dem Munitionslager Biesenthal.
09:20Und genau hier wurde die Sonde platziert.
09:26Diese Sonde konnte aufklären, wie viele Fahrzeuge fahren in das Munitionslager, wie viele Fahrzeuge verlassen das Munitionslager.
09:35Sind es vielleicht einzelne Fahrzeuge, ist es eine ganze Kolonne?
09:38Und aus diesen Informationen konnte man entnehmen, muss man sich Gedanken machen, macht da jemand mobil,
09:44führt jemand eine größere Übung durch, wird Munition von einem Ort zum anderen verlagert.
09:51Das Funktionsprinzip ist relativ einfach.
09:54Es werden alle, vor allem seismischen, Erschütterungen im Boden aufgefasst.
10:00Sie werden teilweise in diesen Sonden verarbeitet schon, gesammelt und einmal die Woche mit einem,
10:07wir wollen sagen, Funkstoß in den Weltraum geschickt.
10:12Die Sonden liegen also gut versteckt unter der Erde.
10:16Und zwar immer dort, wo Militärkolonnen über die Straße rollen.
10:23Die gesammelten Informationen werden zu einem Satelliten geschickt.
10:32Und solche geheimen Militärinformationen sammelt und sendet auch die Sonde, die im Oktober 1988 im Boden verschwindet.
10:46Irgendwo zwischen Ostsee und Erzgebirge.
10:53Wie soll die Funkabwehr jemals diese Stelle finden und den Spion aufspüren?
11:03Die Funkaufklärung der DDR steht vor einem Rätsel.
11:07Woher kommt das Signal? Aus dem eigenen Land? Aus Polen? Oder der Tschechoslowakei?
11:12Die Operation Hamster wird gestartet. Absolute Priorität, höchste Geheimhaltung.
11:20Die Herausforderung ist gewaltig. Wie einen Sender finden, der nur einmal in der Woche ein kaum wahrnehmbares Signal von sich
11:30gibt.
11:30300 Millisekunden lang.
11:35Dies ist schon nicht ganz harmlos. Dies ist schon extrem kurz für Peiltechnik, für Empfangstechnik und auch für menschliche Reaktionen.
11:44Muss man dann halt schon alle sieben Sinne Konzentrationskraft und Willen dazunehmen, sich dem zu stellen.
11:54Nicht nur, dass es die Technik macht, nein, der Mensch muss auch mitmachen. Und 300 Millisekunden ist wirklich nicht viel.
12:01Bis jetzt weiß die Funkabwehr nur, es passiert immer sonntags. Aber wann genau?
12:08Wie also kann man die Sendezeit ganz präzise bestimmen? Jetzt schlägt die Stunde der Mathematik.
12:17Und die Rechengenies schaffen das fast Unmögliche.
12:21Aus den aufgezeichneten Sendungen bestimmen sie den zukünftigen Sendeplan auf die Sekunde genau.
12:31Der Algorithmus war erkennbar. Aber ich muss sagen, meine mathematischen Erkenntnisse reichen bis heute nicht aus dafür, um dort einen
12:39Sendeplan zu entwerfen.
12:40Aber es gab Mitarbeiter, die konnten das. Von dem ziehe ich mir einen Hut.
12:44Es gab nicht eine reguläre Fehlsendung. Der Sendeplan stimmte genau auf die Sekunde genau. Und das über alle Sendungen.
13:00Die Staatssicherheit der DDR weiß nun ganz genau, wann der Hamster sendet, aber nicht von wo.
13:07Jetzt startet ein Lauschangriff, der die gesamte Funkabwehr der DDR mobilisiert. Und Volker Liebscher ist hautnah dabei.
13:15Wir treffen Volker Liebscher auf dem Flugplatz Berlin-Gatow. Vor einer Antonov 26. Sein damaliges Arbeitsgerät.
13:28Der gelernte Mechaniker kam schon als 19-Jähriger zur Spionageabwehr der DDR.
13:36Als Mitglied der Spezialfunkdienste war er Teil der Operation Hamster.
13:47Aus der Luft soll er die Sonde aufspüren.
13:54Das hier sind Originalaufnahmen mit Volker Liebscher an den Empfangsgeräten.
14:08Wir haben nur auf einen bestimmten Moment gewartet.
14:12Du warst anderthalb Stunden in der Luft oder zwei Stunden nur wegen einer einzigen Sekunde.
14:19Das ist schon ganz schön aufwendig.
14:31Dieser Maßnahmeplan vom 16. Januar 1989 zeigt genau, auf welchen Routen geflogen wurde.
14:39Es ging von Speerenberg nach Großenhain, von Cottbus nach Dresden, von Stendal nach Falkensee und von Gotha nach Zwönitz.
14:53Und die ganze Zeit wird diese eine Frequenz überwacht.
15:02Oftmals hat man oben während der Fliegerei das nicht mal gehört.
15:08Es ist so kurz und man hat so einen hohen Geräuschpegel in so einem Flugzeug.
15:15Dazu so eine Militärmaschine, die ist ja nicht so geräuschgedämpft wie heutzutage ein Passagierflugzeug.
15:20Da ist alles ein bisschen lauter.
15:21So dass man erst im Nachhinein unten durch Abhören des Bandes festgestellt hat, aha, zu der und der Zeit, wie
15:30vorgesehen war, war tatsächlich ein Signal.
15:33Und wir haben uns zu diesem Zeitpunkt an diesem Punkt über dem Territorium befunden.
15:40Anhand der Signalstärke können die Spezialisten ermitteln, wo sie weitersuchen müssen.
15:49Aus unseren Kenntnissen über Ausbreitungsbedingungen von solchen Funksendungen können wir also sagen, das könnte ungefähr dort sein oder dort sein.
16:02Und so gelingt endlich, nach drei Monaten, eine erste konkrete Eingrenzung auf ein Gebiet südlich von Frankfurt an der Oder.
16:13Ein ganz wertvolles Ergebnis war zu sagen, es liegt in der Mitte der DDR rechts an der polnischen Grenze.
16:21So, und das war schon ein Ergebnis, auf dem konnte man weitere Maßnahmen ableiten und weitere gezielte Handlungen in die
16:29Wege leiten.
16:31Irgendwo hier unten liegt eine kleine, unscheinbare Sonde vergraben.
16:37Auf einer Fläche von 30 mal 30 Kilometern.
16:43Ab jetzt beginnt die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, auf einer Fläche von 900 Quadratkilometern.
16:49Gesucht wird ein kleiner Kasten, nicht größer als ein Schuhkarton.
16:54Und das Ministerium für Staatssicherheit selbst hat die Suche damals filmisch nachinszeniert.
16:59Einmalige Bilder, die so im Fernsehen noch nie gezeigt wurden.
17:08Einige Agenten tarnen sich als Mitarbeiter der Post.
17:12Das Ziel der Bodenoperation ist klar.
17:16Die Position der feindlichen Sonde muss immer weiter eingegrenzt werden.
17:22Es ist eigentlich keine Woche vergangen, wo Stillstand herrschte.
17:26Es kam immer, und wenn man nur ein paar Kilometer gewonnen hat, dann war das schon was.
17:33Nach einem Monat gelingt die weitere Eingrenzung.
17:38Fünf mal fünf Kilometer östlich von Besko, gleich neben Krügersdorf.
17:46Hier liegt auch ein Munitionslager der NVA.
17:49Ein lohnendes Ziel für eine Spionageaktion.
17:59In das kleine, verschlafene Krügersdorf kommt Leben.
18:02Denn hier tauchen jetzt die Agenten der Funkabwehr auf.
18:06Operation Hamster in Krügersdorf.
18:12Da fällt man natürlich auf.
18:14Immer sonntags vormittags muss man sich wirklich vorstellen, Dörfer, da ist sonntags vormittags nichts.
18:20Da ist Ruhe.
18:21Wenn man da mit einem Pkw durchfällt, stört man die idyllische sonntägliche Ruhe.
18:24Das waren dann aber keine Pkw, die da gefahren sind.
18:27Da waren dann schon viele Militärfahrzeuge unterwegs und zivile Fahrzeuge unterwegs.
18:32Und alle zu diesem Ort, immer sonntags vormittags.
18:35Da kommen natürlich Fragen.
18:37Mitten im Dorf ein Barkas, in dem Menschen für viele Stunden verschwinden.
18:43Kein gewohntes Bild im kleinen Krügersdorf.
18:48Und da haben wir halt auch zu solchen Sachen gegriffen, dass nicht immer wieder das gleiche Fahrzeug dort auftaucht
18:54und immer wieder an der gleichen Stelle steht zur gleichen Zeit.
18:56Da wurde halt das Fahrzeug auch mal in eine Plane gesteckt und auf einen Lkw gepackt.
18:59Da war aber das gleiche Fahrzeug mit der gleichen Technik drin.
19:01Und da wurde halt dann mit dem Lkw durch die Gegend gefahren, mit dem Fahrzeug drauf.
19:14Im Wald um Krügersdorf werden jetzt mobile Peilantennen aufgestellt.
19:20Auch hier überwacht die gesamte Technik die eine Frequenz.
19:25306,450.
19:29Und tatsächlich.
19:35Da ist es wieder.
19:38Wer genau hinsieht, erkennt die Form einer Ellipse.
19:46Mit einem aufwändigen Peilverfahren wird das Gebiet noch weiter eingegrenzt.
19:57Das Ergebnis sind diese 400 mal 400 Meter.
20:07Die Sonde liegt sehr wahrscheinlich an der Straße zum Munitionslager der NVA.
20:17Hier, irgendwo im Wald, muss die Sonde vergraben sein.
20:22Denn das Signal wird jetzt immer stärker.
20:27Die Messtechnologien sagten aus, du findest dich fast in der Nähe einer sehr starken Sendequelle.
20:32Aber wenn du dich hier umguckst, du hast ja nur Wald vor dir.
20:38Da ist nichts.
20:40Da ist nicht mal ein Trafo-Häuschen, da ist kein Stromkabel, da ist kein Telefonkabel, da ist nicht mal eine
20:45Straßenbeleuchtung.
20:46Da ist überhaupt keine Energiequelle irgendwo in der Nähe, die man hätte benutzen können, um so ein Signal erzeugen zu
20:52können.
20:53Mitten aus dem Wald.
20:55Wie kann das sein?
20:58Allen Spezialisten vor Ort ist klar, dass sie der Sonde näher kommen.
21:03Aber gerade jetzt wird die Suche nicht leichter, sondern immer komplizierter.
21:16Denn die Männer sind nun so dicht dran, dass das Signal jetzt einfach zu stark ist.
21:23Ratlosigkeit vor Ort und das so kurz vor dem Ziel.
21:34Es gab auch schon Momente, wo wir mit Infrarotgeräten durch die Gegend gelaufen sind.
21:41Es gab auch Wärmekameras, die wir in der Hand hatten.
21:44Aber das waren natürlich, das waren alles, sagen wir mal, ja, nicht zielführende Methoden.
21:49Und dann eine neue Idee.
21:54Warum nicht einfach Metallsuchgeräte einsetzen?
21:59Eine sehr akribische Arbeit.
22:01Jeder Quadratmeter muss abgegangen und dokumentiert werden.
22:06Die Aktion dauert tagelang.
22:09Und dann tatsächlich ein Ausschlag.
22:11Ich sprang tatsächlich ein Gerät an und fand etwas Größeres.
22:17Und dann kam natürlich schon hoch.
22:19Was ist das, was da gefunden worden ist?
22:20Das könnte durchaus schon, wenn man jetzt mal böswillig denkt,
22:24tatsächlich, ich sag mal, ein Berührungssensor für irgendein Sprengsatz gewesen sein.
22:30Also Vorsicht.
22:40Was ist das?
22:42Es war nichts Natürliches.
22:43Es war ein metallischer Gegenstand.
22:47Es konnte allerdings sehr schnell festgestellt werden,
22:50es handelt sich um eine Taschenlampe westlicher Produktion,
22:55die einfach nur die Funktion der Taschenlampe hatte.
22:58Und funktionsfähig war.
23:01Eine Taschenlampe aus dem Westen.
23:04Ein entscheidender Hinweis.
23:08Jetzt müssen sie der Sonde schon sehr nahe sein.
23:19Und dann schlägt der Metalldetektor wieder an.
23:23Das war ein Fund, also der war außergewöhnlich.
23:26So reagiert kein Waldboden.
23:27So reagiert auch keine Taschenlampe.
23:29Das muss etwas Größeres sein.
23:33Der feindliche Spion ist gefunden.
23:36Es ist der 26. Februar 1989, fast vier Monate nach dem Aufspüren des ersten Signals.
23:46Man weiß nicht so richtig, was einer erwartet.
23:49Wo es einer erwartet, wann es einer erwartet, was ist das, wenn man sich dem Gerät tatsächlich nähert.
23:54Wenn man anfängt tatsächlich in der Nähe rumzubuddeln, ob das Ding einen Selbstvernichtungsmechanismus hatte.
24:00Einen anderen Mechanismus, der irgendwas zerstört, war zu dem Zeitpunkt völlig unbekannt.
24:05Die Sonde wird beobachtet, in der Hoffnung, einen Agenten zu enttangen.
24:10Niemand lässt sich blicken.
24:12Im Herbst 1989 wird entschieden, sie auszugraben.
24:15Ein Job, um den sich keiner reißt.
24:17Aber einer will zu Ende bringen, woran er seit Monaten arbeitet.
24:21Jetzt ist es soweit.
24:23Jetzt kommt der Moment und da haben halt zwei Mitarbeiter, einer von denen durfte ich sein, das Gerät tatsächlich ausgegraben.
24:36Mit allergrößter Vorsicht nähern sich die beiden Männer der feindlichen Spionagetechnik.
24:45Offenbar keine Sprengfalle.
24:47Alles geht gut aus.
24:51Der feindliche Spion ist endgültig enttarnt.
24:59Eine gute Nachricht für die Zentrale in Berlin.
25:02Hier, im Herzen der Staatssicherheit, wird der Fund stolz präsentiert.
25:07Gleich mehrere Hauptabteilungsleiter lassen es sich nicht nehmen, die Sonde persönlich in Augenschein zu nehmen.
25:17Die Sonde kommt in eine Spezialabteilung zum Röntgen.
25:21Jetzt will die Staatssicherheit natürlich wissen, was sich im Inneren des Kastens verbirgt.
25:26Ist hier vielleicht doch noch eine Sprengfalle versteckt?
25:30Hinter einer Plexiglasscheibe wird die Sonde aufgebohrt und dann endlich geöffnet.
25:43Was in dem Moment erkennbar war, es war ein Gerät, was in sich als homogenes Ganzes funktioniert haben muss.
25:52Es gab kaum Schraubverbindungen, das ganze Ding war alles nur verklebt.
25:59Es war schon, ja, es war Hightech auf diesem Gebiet, was in dieser Zeit überhaupt zu machen war.
26:07Erste geheime Informationen werden noch ausgelesen, aber die Analyse der Sonde kann nicht abgeschlossen werden.
26:21Denn das Ministerium für Staatssicherheit hat schon bald ganz andere Sorgen.
26:26Ab Herbst heißt es Amt für nationale Sicherheit.
26:31Und gleich bei der allerersten Pressekonferenz versuchen die Mitarbeiter aus der Operation Hamster, Kapital zu schlagen.
26:44Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie zum ersten Pressegespräch des Amtes für nationale Sicherheit.
26:53Ein solches elektronisches Aufklärungsgerät wurde in diesem Herbst im Bereich eines Objektes der Nationalen Volksarmee im Bezirk Frankfurt-Oder durch
27:05die Spionageabwehr geborgen.
27:09Bis heute bleibt die Operation Hamster geheimnisvoll.
27:15Westdeutsche und amerikanische Geheimdienste hüllen sich in Schweigen.
27:20Was bleibt, ist ein faszinierendes Stück Spionagegeschichte.
27:25Wenn man sich die Geschichte ansieht, der Auffindung dieser Sonde, dann ist das ein bisschen wie im Krimi, wie Polizeiruf
27:32110.
27:32Da piepst einmal an einem Sonntag. Jemand merkt das, er meldet das. Die anderen pegeln ihre Peilgeräte darauf ein.
27:45Das Netz wird immer enger gezogen, immer, immer enger. Am Ende weiß keiner, wie soll es weitergehen technisch.
27:52Und dann kommt einer auf die rettende Idee, man nimmt hier Minensuchgeräte, man geht in den Wald und sucht.
28:00Also das ist ein, sagen wir mal sagen, ein Meisterstück an Findigkeit, an Organisation.
28:10Und am Ende kommt heraus, ja, da ist etwas gewesen. Wir haben es gehört, da ist es, es liegt auf
28:16dem Tisch.
28:18Die andere Seite ist natürlich, dass mit der Aufdeckung der Sonde ein, ja, im Grunde ein großes Versagen offensichtlich wird.
28:25Denn wie kann es sein, dass in der DDR, wo man 100 Prozent alles unter Kontrolle haben wollte, ein Netz
28:31von amerikanischen Sonden existiert,
28:33das Nachrichten unkontrolliert in den Weltraum sendet und damit etwas verrät, was eigentlich ja die Spionageabwehr verhindern sollte.
28:42Die Spezialisten der Funkabwehr aber lernen schnell.
28:47Und schon im Januar 1990 gelingt ihnen der nächste und letzte Kuh.
28:58Eine Sonde bei Irfersgrün in Sachsen sendet nur fünfmal.
29:03Dann, nach nur sechs Wochen, wird sie enttarnt und geborgen.
29:09Offenbar ein Nachfolgermodell des Funkspions, den die Operation Hamster ans Licht gebracht hatte.
29:17Übrigens, rein technische Spione, wie sie die Operation Hamster aufgespürt hat, gibt es auch heute noch.
29:23Mehr dazu auf unserer Website.
29:25Und wir sehen uns in 14 Tagen wieder bei Echt.
29:28Bis dahin, ciao.
29:29Und wir sehen uns in 14 Tagen wieder bei Echt.
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