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00:00How can it be a whole life together?
00:04The love to keep you together?
00:06How can you stay together?
00:09What makes the great love out?
00:13Three German pair of the hundred years
00:16tell about their love and their life.
00:19It's very common and very common.
00:22One-year-old love.
00:28It's not my fault,
00:31that I have to love you.
00:35I had the feeling,
00:40we were together together,
00:41how we loved each other.
00:43We have to feel,
00:46that we are together together.
00:48With the black hair,
00:51it felt so good.
00:52I would say,
00:53it got nothing better.
00:55It got nothing better.
00:56What?
00:57It got nothing better.
01:01Gefunkt had it in the Strumpf house.
01:03Geknutscht wurde im Bombentrichter.
01:06And now,
01:07it's still very cute.
01:09But also Krisen
01:10and difficult times
01:11have both sides
01:12and say,
01:13family and love
01:15are the most important.
01:17Hello, where are you?
01:19Oh!
01:21Oh!
01:22Den schönen Strauß
01:23möchte ich dir überreichen.
01:24Oh!
01:24Hast du was Gutes zu machen?
01:26Oh,
01:27Dankeschön!
01:28Für dich, ja!
01:30Der ist ja toll!
01:32Oh!
01:33Ja, freust dich!
01:34Oh!
01:34Ja, viel!
01:35Ja!
01:36Nee,
01:37Dankeschön noch mal!
01:38Fast jede Woche einen Strauß.
01:40Seit 69 Jahren.
01:42Johann Hans Stasch weiß,
01:44wie man die Liebe frisch hält.
01:45I was born on the 2.4.1933 in Bad Salzuflen.
01:56My name is Johan Stasch and I was born on 1911.1931 in Brenzkowicz-Kreis Katawitz, Oberschlesien.
02:09I worked at the Strumpfhorst Elisabeth and we had to decorate it.
02:14And there was on the window of a Tuch.
02:17The people didn't look at it.
02:20I was taken away and decorated it.
02:25I looked at it through the Scheibe.
02:27That was our first contact.
02:36He waited until I came out of the office.
02:39And then he spoke to me.
02:42He wanted to invite me to go to the Ski.
02:45I said yes, I would go.
02:47He had the dark hair.
02:48They looked so beautiful.
02:50There were small walls.
02:52I brought you to the house.
02:53We stood up in the house.
02:55We had to go to the house.
02:57The first time was actually.
02:59The first time was it.
03:01That was almost the first time.
03:02We were driving with the motorbike
03:03to the 4.1.
03:04And all of the pieces were bomben.
03:07We put them together.
03:08We were both in the car,
03:09even knutschend.
03:11But there were several people.
03:12And then I looked at him again and looked at him again and then came from my husband, from my
03:25husband, from my husband, from my husband, from my friend, they looked at him again.
03:30The relationship was at the beginning was not easy. Hans' mother, a Catholic Catholic, was dagegen.
03:36Denn Ruth war protestantisch. Ein Jahr später verloben sie sich dennoch und heiraten.
03:42Ihr Trauspruch? Wo du hingehst, da will auch ich sein. Die Mitgift? Sperrlich.
03:49Und ich hab ne Stehlampe und Fahrradmittel in die Ehe gebracht. Ich hab immer gesagt, das war das Einzige.
03:56Trotzdem hab ich sie genommen, ja. Ja, ja.
04:02Ja, da.
04:07Ich hab mich in ihn verliebt. Es gab nichts Besseres.
04:11Was? Es gab nichts Besseres.
04:14Nehme ich an, ja. Ja, gab's nichts Besseres, ja.
04:18Wir wollten ja nicht heiraten, aber wir mussten.
04:21Denn Ruth ist schwanger. Drei Monate nach der Hochzeit kommt ihr erstes Kind zur Welt, Uwe.
04:27Und der wird erst mal bei seinen Großeltern geparkt.
04:29Wir fuhren dann Motorrad, Hochzeitsreisen mit dem Motorrad am Rhein runter bis Rödesheim.
04:36Und der ist auch so.
05:02Und der wird auch alles in der Nähe, in der Nähe, in der Nähe, in der Nähe von der Nähe.
05:05Sie waren ihr Leben lang in Sportvereinen aktiv.
05:09Beim Buhlen sind sie mit 92 und 93 Jahren die Alterspräsidenten.
05:16Heute ist auch Enkelin Pia dabei.
05:19Buhl in Rüstersiel, ein fester Termin.
05:25Jeden Mittwoch-Nachmittag, von zwei bis vier.
05:30Nach zehn machen wir Pause, gibts ein kleines Wein und dann wieder weitermachen.
05:36Ja, Rotwein muss ja immer dabei sein, das ist ja logisch.
05:40Das ist ja auch Spaß.
05:44Auch die richtige Temperatur, ne?
05:46Ja.
05:46Da könnte man weitermachen, ne?
05:48Prost, Prost, Prösterchen, im Stach ist Medizin.
05:52Prost, Prost, Prösterchen, im Wein ist Sonnenschein.
05:56Prost, Prost, Prösterchen, hinein, hinein, hinein.
06:01Eins, zwei, drei, vier, Prost!
06:08In diesem Haus leben sie seit 1974.
06:12Wenn die beiden nicht unterwegs sind, planen sie ihre Unternehmung.
06:16Der zweite Dienstag im Monat.
06:19Ja.
06:19Mit Frau.
06:20Ja.
06:22Gemeinsame Erlebnisse.
06:25Vielleicht ist das ihr Geheimnis einer langen Liebe.
06:27Und natürlich Humor.
06:29Vor allem, dass er so eine Frau gekriegt hat, hat er doch Glück.
06:33Das war auch Glück, das war mein Glück.
06:36Ja.
06:37Wie du sagst du was anderes, du.
06:40Doch mein Vater um meine Hand anfragt.
06:42Die ersten Briefe, die Hans ihr geschrieben hat, hat sie alle aufgehoben.
06:4669 Jahre sind sie alt.
06:48Meine liebe Ruth.
06:49Oh nein, wie süß.
06:50Ich hole mal meine Brille, kann ich.
06:52Ja, warte, ich hole sie.
06:53Ja.
06:54Kann ich, ja, ja.
06:55Das ist vom 06.02.1956.
06:58Dies ist der letzte Brief, den du als Verlobte von mir bekommst.
07:04Ab nächste Woche muss ich Frau Rutschdach schreiben.
07:08In großer Erwartung verbleibe ich dein baldiger Ehemann Hans.
07:12Oh, wie süß.
07:16Ja, siehste, guck mal.
07:19Kannste mal sehen.
07:20Ein alter Schammer.
07:23So was liebst du gerne.
07:24Ja, ist doch süß.
07:25Ja, süß.
07:29Dass Hans so eine große eigene Familie hat,
07:33darüber staunt er manchmal heute noch.
07:35Ein Kommunenbild.
07:37Denn sein Leben beginnt nicht einfach.
07:40Er wächst in Schlesien auf, mit zwei Brüdern und später einer Schwester.
07:45Als er fünf ist, wird seine Familie umgesiedelt nach Emden.
07:49Dort wird er eingeschult.
07:52Erst acht, als die Bombenangriffe zu gefährlich werden.
07:56Und dann wurden wir Kinderland verschickt.
07:58Wir waren drei Jungs.
08:01Alle drei, ein Zug rein und ab ins Vogtland.
08:05Wo keine Flugzeuge, keine Angriffe waren.
08:10Keine Bombenangriffe.
08:12Er wächst getrennt von den Eltern auf.
08:14Seine Brüder sieht er nur an den Wochenenden.
08:171944 kehrt die Familie wieder zurück nach Katowice in seinen Geburtsort.
08:22Aber auch von dort müssen sie bald wieder fliehen.
08:25Er muss Furchtbares mit ansehen.
08:28Januar 1945.
08:29Die Russen kamen an der Runde schon nachts Kanonendonner hören.
08:34Und dann kamen wir durchs Radio.
08:37Der letzte Zug geht um 12 Uhr, nachts um 12 Uhr.
08:41Dann kamen die Trupps von Auschwitz zu Fuß.
08:46Die mussten laufen, hatten keine richtigen Schuhe an.
08:49Manche hatten nur Füße gewickelt.
08:52Und wenn einer umfiel, der musste liegen bleiben.
08:54Die durfte keiner anfassen.
08:56Und wer nicht aufstehen konnte, der hatte gleich zehn bis drei.
08:59Und dann, wo wir konnten daneben stehen, hat er ihn so erschossen.
09:04Er ist 13 Jahre alt und war bis dahin nirgends richtig zu Hause.
09:12Ich war in zehn verschiedenen Volksschulen.
09:17Im April 1945 wurde ich noch aus der Schule entlassen.
09:21Obwohl dann nichts mehr richtig lief, ja.
09:24Entsprechend waren auch die Zensuren.
09:26Aber das war ja nicht so wichtig.
09:29Und dann haben die gesagt,
09:30der hat ja schon Entlassungszeugnis.
09:33Der kommt nicht mehr zur Schule.
09:35Der ist damit durch.
09:37Da habe ich gesagt, so ein Quatsch.
09:39Was mache ich jetzt?
09:41Na, damit ich was zu essen kriege, gehe ich zur Mauer.
09:44Arbeite bei der Mauer.
09:45Da war ich 13.
09:48Und da war Endstation.
09:50Ich hätte gerne auch weitergemacht.
09:52Ich war ja noch lange nicht fertig.
09:57Nee.
09:59Das war nicht gut.
10:01Das fehlt mir manchmal, ja.
10:06Seine Frau hat andere Erinnerungen an ihre Kindheit.
10:10Sie wächst recht geborgen in Nordrhein-Westfalen auf.
10:13Mit zwei Schwestern und einem Bruder.
10:15Ihr Vater arbeitet als Polizist in Wilhelmshaven.
10:19Ihre Eltern führen eine Wochenendehe.
10:22Vom Krieg bleiben sie weitgehend verschont,
10:24leiden keinen Hunger.
10:25Wir haben ja auf dem Lande gewohnt, nicht?
10:28Bei den Großeltern mit im Haus.
10:31Sie bauen vieles, was sie zum Leben brauchen, selber an.
10:35Aber Ruth wird streng erzogen,
10:37erinnert sich an Schläge ihrer Mutter mit dem Feuerhaken.
10:41Also viel Blödsinn haben wir gemacht.
10:42Ja, bei den Nachbarn Äpfel geklaut.
10:45Obwohl wir selbst ja einen Bauernhof hatten und Äpfel hatten.
10:48Aber haben wir geklaut, das war viel, viel schöner.
10:52Nach Kriegsende zieht die ganze Familie zum Vater.
10:55Und da habe ich geweint noch.
10:58Ich habe mich versteckt sogar, weil ich nicht mit wollte.
11:01Aber ich musste ja damit.
11:02Und so sind wir nach Wilhelmshaven gezogen.
11:05Wo sie und Hans sich kennenlernen.
11:10Sie bekommen insgesamt drei Kinder.
11:13Uwe, Andreas und Martina.
11:17Ruth bleibt zu Hause bei den Kindern.
11:20Hans ist inzwischen als Schlosser für Förderanlagen
11:22in ganz Deutschland auf Montage.
11:25Seine Abwesenheiten hat er damals notiert.
11:27Ich habe im Schild sogar Wochen, Wochen, eine Woche, vier Wochen, zwei, acht Wochen.
11:35Sie leidet sehr darunter.
11:39Auch so wie Sonntagsvormittags sah ich die Leute hier spazieren gehen mit den Männern.
11:44Und ich saß da allein.
11:45Wir haben uns zusammengesetzt und gesprochen.
11:47Und dann die Kinder hatten ja auch gesagt, du warst ja nie da.
11:50Das war auch ein Grund, wo ich gesagt habe,
11:51Schluss aus, ich fahre nicht mehr.
11:54Bums, der Chef war beleidigt.
11:57Dann kommt mir da so, jetzt verdiene ich nur noch die Hälfte von dem,
12:00was ich da verdient habe.
12:02Aber jetzt können wir gemeinsam was unternehmen.
12:08Familie war ihnen beiden immer das Wichtigste.
12:11Dafür haben sie alles getan.
12:14Und alle drei Kinder und die meisten der sechs Enkel und Urenkel
12:17wohnen nur wenige Kilometer entfernt.
12:22Anstoßen auf 92 Lebensjahre.
12:25Ruth Stasch hat Geburtstag.
12:29Oh, wie schimpft ihr die?
12:31Gute Frage.
12:33Lube.
12:33Nein.
12:35Aldium.
12:36B-L-U.
12:36Bitte?
12:37Aldium.
12:38Eine Aldium-Fuhr.
12:40Das sieht man doch.
12:41Die ist ja schön.
12:44Und Hans bleibt sich treu.
12:4892 ist auch die 72.
12:51Ah, ah, ah, ah.
12:55Die Lebe hoch, die Lebe hoch.
12:58Drei mal hoch, die Lebe hoch.
13:10Die Lebe hoch, die Lebe hoch, die Lebe hoch, die Lebe hoch.
13:29Just a few minutes from their house is the Rüstersieler Hafen, one of their favorite places in the area.
13:44They often talk about their thoughts and feelings.
13:52Oma and Opa have always told me something to tell.
13:56If it's from the beginning, what they've experienced.
14:00Is it going to be for us?
14:03No.
14:04Then I would make me also worry about it.
14:07I'm very proud of this Zufriedenheit.
14:10And that they do so much.
14:16They are, I think, that's the opposite of foul.
14:18And they experience so much.
14:20And I'm sure that it's very young.
14:23That young people are trying to do better than their generation,
14:28they are sad.
14:29They talk to each other.
14:32Only so can a relationship really work, say both.
14:36But would you say that you have led a happy life?
14:40Yes, yes.
14:41Are you satisfied?
14:43Yes, very much.
14:44That's good.
14:45I think I would do nothing else.
14:47I would do the same thing again.
14:49Yes.
14:50Yes.
14:50Yes.
14:56Here is the music.
14:58Can you smile?
14:59Can you smile?
14:59Yes, yes.
15:22A first glance reached out to their love to find their love.
15:26They have their life not much, but they have their own life.
15:30Their Eherecept is their comfort,
15:32their comfort, their comfort and care.
15:35Every evening and every morning a half hour to sleep.
15:42They are now together together,
15:46at least once a week,
15:48despite Jürgens Schlaganfall and Infarct.
15:52I am Anna Groth,
15:56born in Beranek,
15:58am 20.10.1934 in Laas.
16:03Das liegt im Sudetenland.
16:05I am Jürgen Joachim Theodor Groth,
16:08am 10.12.1931 in Dargun,
16:13in Mecklenburg geboren.
16:15Wir sind 69 Jahre verheiratet.
16:22Gisela.
16:23Gisela.
16:23Gisela.
16:25Wir machen immer so einen Quatsch.
16:28Und genau so lange leben sie gemeinsam in Rostock.
16:36Kennengelernt haben sie sich am 15. September 1953
16:39im Urlaub in der Oberlausitz.
16:42Die Hauswirtschafterin Anna und der Hygieniker Jürgen.
16:46Sie war mit drei Freundinnen dort, er mit einem Freund.
16:49Und schon beim Anmelden im Urlaubsquartier
16:51hat es Zoom gemacht.
16:54Sie hatte ein nettes Lächeln.
16:57Ein nettes Lächeln im Gesicht.
16:59Er war erst mal gut angezogen und das Tanzen.
17:03Wir haben ja dann gleich den ersten Abend zusammen getanzt.
17:07Wenn ich damals dieses kleine Mädchen in meine Arme gehabt habe,
17:12beim Tanzen als Mann, im Still, habe ich das so gedacht,
17:16die möchte ich noch mal wiedersehen.
17:21Anna wohnt damals in Sachsen-Anhalt.
17:24Jürgen in Rostock.
17:25Drei Jahre lang schreiben sie sich Briefe.
17:27Jede Woche einen.
17:28Anna hat sie heute noch alle.
17:30Das war schwerste Arbeit für mich.
17:36Meine Briefe hat nicht einen aufgehoben.
17:40Also das trage ich dir heute noch mal.
17:44Oh Gott.
17:48Sie erzählen sich in ihren Briefen, was jeder täglich erlebt.
17:52Aber ab und zu kommt sie durch, seine romantische Ader.
17:59Verzeih mir, du kleine Süße.
18:03Mein Streichel und den Kuss ist ja nicht mein Verschulden,
18:12dass ich dich lieben muss.
18:15Schmalzig.
18:20Ja.
18:21Da könntest du mal sagen, wie ich verliebt war.
18:23Wenn ich war, entschuldige, das bin ich heute noch.
18:27Ja.
18:30Jürgen Joachim Theodor wächst in Dagun auf.
18:33Als Sohn eines Kolonialwarenhändlers.
18:36Im Zweiten Weltkrieg zieht er mit der Mutter
18:38und den vier Geschwistern nach Rostock.
18:40Und erlebt mit zehn Jahren die Bombardierung der Hansestadt
18:44durch die britische Luftwaffe.
18:48Rostock ist damals mit den Heinkelwerken
18:50Hochburg der Rüstungsindustrie.
18:53Was wir erlebt haben als Kinder,
18:56man kann das gar nicht wiedergeben.
18:59Was ich für tote Menschen gesehen habe,
19:03mit denen wir um 12 Uhr gespielt haben,
19:08alle 13, 14 Jahre alt, Mädchen und Jungs.
19:12Zwei Stunden später können wir rauf,
19:15da waren die alle tot,
19:16lagen die alle da im Schutt und Asche.
19:19Und wir mussten das mit ansehen.
19:2260 Prozent der Innenstadt kaputt gebombt.
19:26Hunderte Tote.
19:27Tausende werden obdachlos.
19:31Anna Elisabeth wird in eine Großbauernfamilie hineingeboren.
19:35Hat eine tolle Kindheit, sagt sie.
19:39Bis sie Hals über Kopf weg müssen.
19:421946 aus dem Sudetenland.
19:45Dem heutigen Tschechien.
19:50Wir mussten innerhalb von einer Stunde gepackt haben.
19:5530 Kilo pro Person.
19:59Und wir hatten meine Großmutter noch da.
20:01Mein Vater war ja noch vermisst.
20:03Wir wussten nicht, wo er ist, ob er noch lebt oder nicht.
20:07Kamen dann ins Lager, also in der Kreisstadt.
20:11Und dabei wurden alle Papiere abgenommen.
20:17Grund- und Bodenpapiere, Sparbücher.
20:21Nach sechs Monaten in Lagern
20:23bekommen sie ein kleines Zimmer in Sachsen-Anhalt.
20:26Gemeinsam mit anderen Vertriebenen.
20:28Zu acht auf engstem Raum.
20:31Und dort sind wir nur weggekommen,
20:33weil mein Vater aus der Gefangenschaft kam
20:36und gesucht hat übers Rote Kreuz.
20:39Der hatte schon auf dem Lande gearbeitet,
20:43bei Stendal auf Osterburg.
20:45Und da hat er uns hingeholt.
20:47Und daher sind wir auf dem Lande gelandet.
20:49Wir beide wissen, was das Wort Hunger ist.
20:55Wir haben nicht nur Tage, wir haben Monate oder Jahre gehungert.
21:00Wenn wir bei meinen Großeltern in Tagun waren,
21:04wir haben so oft Kartoffelschalen sauber gemacht
21:07und die gekocht und gegessen.
21:10Wenn im Frühjahr die Stare kamen,
21:13haben wir die jungen Stare, bevor sie flügge waren,
21:16haben wir die rausgeholt und haben die gegessen.
21:21Schwarzmarkt.
21:22Nur wer etwas zu tauschen hatte, blieb vom Hunger verschont.
21:25Auch der damals 18-jährige Jürgen hat was zu tauschen.
21:29Er ist Bäckerlehrling.
21:30Ein Rat seiner Mutter, um Brot für die Familie zu sichern.
21:34Für Mehl und Brot haben wir dann Damenstrümpfe.
21:39Und das war wichtig, links gewebte Damenstrümpfe,
21:44die hinten eine Naht hatten.
21:47Ja, und die haben wir dann geschmuggelt.
21:51Dann haben wir uns die drei, haben uns die im Bauch gewickelt
21:55und sind dann mit dem Zug nach Berlin gefahren.
22:00Und von Berlin sind wir dann nach West-Berlin gegangen,
22:04über Ruinen.
22:06Und da haben wir dann diese schönen links gewebten Strümpfe
22:10an den Frauen verkauft.
22:13Und mit dem Geld haben wir uns dann ein paar schicke Schuhe gekauft
22:17oder ein schickes Hemd.
22:19Und dann sind wir wieder nach Hause gefahren mit dem Zug.
22:23Anna ist 18, als sie sich kennenlernen.
22:25Arbeitet als Hauswirtschafterin im Krankenhaus.
22:28Von ihrem ersten Gehalt kauft sie den Eltern Tisch und Stühle.
22:33Jürgen hat studiert und ist mittlerweile Hygieniker und Bakteriologe.
22:37Nach drei Jahren Liebe auf Distanz holt er seine große Liebe nach Rostock.
22:42Hochzeit am 21. April 1956.
22:46Ihre ersten Möbel, Marke Eigenbau.
22:49Dann hatten wir...
22:50Also einen Baum haben wir in 30 cm Höhe.
22:55Diese Klötzer.
22:56Und das waren die Beine.
22:59Und da eine Kasten, so eine Kastenmatratze,
23:01wie das früher gab.
23:03Da drauf und das war unser Bett.
23:06Und das Zimmer war so klein, dass wir auf alle vier reinkriegen mussten.
23:13Und wir waren so glücklich beide, dass wir eine kleine Wohnung hatten.
23:22Im November 1956 kommt ihr Sohn Rüdiger zur Welt.
23:26Es folgen Thomas und Martina.
23:29Ihre Kinder, ihr ganzer Stolz.
23:401958 ziehen sie in ihre 65 Quadratmeter Wohnung in Rostock, in der sie heute noch leben.
23:47Umsorgt von ihren drei Kindern sechs Enkeln. Geliebt von acht Urenkeln.
23:54Hast du den Kaffee schon durchlaufen lassen?
23:56Der kocht schon, ja.
23:58Der kocht schon, das ist schon viel wert.
24:00Seit Jürgen Rentner ist, packt er mit an im Haushalt.
24:05Er deckt morgens den Kaffeetisch.
24:08Das macht er alleine.
24:11Und abräumen auch.
24:12Das machen wir gemeinsam.
24:14Aber abwaschen tut meine Frau.
24:16Da habe ich nichts mit zu tun.
24:20Dafür schwingt er den Staubsauger.
24:22Sonntag ist Familientag bei den Groots.
24:25Schon immer.
24:28Schmeckt der auch gut.
24:30Stefan, auch Milch?
24:33Ja, gut.
24:34Hast du?
24:35Kinder, Enkel, Urenkel kommen für das sensationelle Gulasch von Anna oder einfach nur zum Kaffeeplausch.
24:42Alle spüren, dass diese beiden etwas ganz Besonderes verbindet.
24:47Dass sie immer noch diese Liebe versprühen, sag ich mal, was man sonst nirgendwo so hat.
24:52Sie fassen sich an, sie lieben sich, das merkt man.
24:56Selbst wenn man nicht alles so hinkriegt, hat einem das doch schon gezeigt, dass es auch an es geht und
25:01dass es sowas gibt.
25:03Einfach lange und ewig zusammen zu bleiben und immer noch glücklich zu sein.
25:07Darf ich das sagen?
25:08Ja.
25:09Ich sage immer, ihr seid meine durchgeknallten Alten.
25:13Sie tanzen viel, sie sind eigentlich immer unterwegs.
25:16Also man muss wirklich hoffen, dass sie mal zu Hause sind, wenn man sie besuchen möchte.
25:20Das bewundere ich und ich muss ganz ehrlich sagen, sie sind mein großes, großes Vorbild.
25:23Doch, doch.
25:24Mit Schokolade.
25:28Danke.
25:30Ja, der Opa oder der Uropa hat Wünsche, oder?
25:33Dies nicht, ne?
25:34Nein.
25:34Sie planen Ostsee-Urlaube, allein und mit Freunden und ihre Tanzausflüge.
25:41Gerade suchen sie Outfits für den Fasching.
25:45Die Uniformen aus Jürgens Dienstzeit als Gesundheitsinspektor im Überseehafen.
25:50Sich schick anzuziehen, für beide schon immer selbstverständlich.
25:54Wir machen das einfach, weil wir das mögen.
25:57Auch wo wir jung waren, ist gleich, wo wir sind.
26:00Und wenn wir wo spazieren gehen, sind wir immer gut angezogen, schon eh und je.
26:07Stimmt das?
26:07Ja.
26:08Das stimmt.
26:09Das stimmt.
26:11So.
26:12Und dann habe ich dieses gedacht.
26:14Ja, und das ist das, was ich gerne möchte.
26:17Das möchtest du zum Fasching.
26:18Zu DDR-Zeiten näht Anna sich viele Kleider selbst.
26:22Jürgen hat sie dafür sogar mal mit einer Nähmaschine überrascht.
26:25Immer wenn er dann zurückkam, hatte ich schon wieder ein neues Kleid genäht.
26:32Bisschen Stoff, günstig gekauft und habe mir ein neues Kleid genäht oder Rauch und Bluse.
26:38Also immer dicker Probe genäht, billig.
26:42Und wenn ich dann reinkam, dann stand meine Frau im Flur.
26:47Hallo, das sieht ja schick aus.
26:50Hatte sie Silber genäht, für mich.
26:53Inspiration findet sie in zahlreichen ostdeutschen Frauenzeitschriften und im DDR-Fernsehen.
26:5916 Modelle mit etwa 200 Teilen auf einen Bogen, der kaum einen halben Quadratmeter groß ist.
27:06Selber machen war Trend und wichtig, um up-to-date zu sein.
27:12Nach der Wende reisen sie um die Welt.
27:15Und jedes Mal sucht Jürgen für seine Anna ein besonders schickes Outfit aus.
27:19Ihr Fitnessprogramm, täglich ein Spaziergang in ihrem Kiez.
27:30Und mindestens einmal die Woche gehen sie tanzen.
27:34Zum ersten Mal nach 72 Jahren tanzen sie heute noch einmal nach dem Lied.
27:41Draußen vor der Stadt im kleinen Hafen
27:46Bei dem sie sich ineinander verliebt haben.
27:49Wo das weite Wind zu Ende geht.
27:55Ich freue mich ganz toll, dass ich das Lied heute doch mal hören darf und danach tanzen kann.
28:01Das war unser erster Tanz.
28:03Und der erste Kuss.
28:06Den haben wir ja auch gezeigt.
28:13Einmal im Jahr, an ihrem Hochzeitstag, gehen sie in die Kirche, in der sie getraut wurden.
28:18Zur eisernen Hochzeit vor vier Jahren haben sie hier sogar ihr Ehegelübde erneuert.
28:23Das würden sie im kommenden Jahr gern wiederholen.
28:29Die Gnadenhochzeit.
28:30Das hatte ich bisher ein einziges Mal.
28:32Die 70 Jahre.
28:33Und die hätten wir dann ja.
28:36Ihr Motto? Zufrieden sein mit dem, was man hat.
28:40Und vor allen Dingen wünscht man sich ja Gesundheit, Gesundheit.
28:43Und wir haben noch so viel vor in diesem Jahr.
28:48Unsere Freunde, die sagen so oft und wir selber, oh, oh, sagen die, wenn bei euch mal einer geht, ist
28:56gleich fair.
28:58Oh, oh, derjenige wird es sehr schwer.
29:00Schon geprägt durch die Jahre, die man zusammen verbracht hat.
29:04Wie wir schon sagten, Höhen und Tiefen bewältigt.
29:09Wir freuen uns immer, dass wir noch da sind.
29:11Und zwar.
29:13So bist du.
29:14Ja.
29:26Ihre jüdischen Wurzeln prägen ihr Leben und ihre Ehe.
29:29Das erfolgreiche Unternehmerpaar setzt sich jahrzehntelang dafür ein, dass die Judenverfolgung nicht in Vergessenheit gerät.
29:36Dafür nutzt es seine guten Kontakte zu Prominenten, Politik und Medien.
29:42Mein Name ist Dagmar Brüderfers Frankenthal.
29:45Ich bin geboren am 25.07.1934 in Dresden.
30:00Dann hat meine Frau gesagt, ob sie nicht ihren Mädchennamen annehmen könnte, Frankenthal.
30:06Und da habe ich gesagt, das ist eine glänzende Idee.
30:11Aber wenn du ihn annimmst, dann möchte ich ihn auch annehmen.
30:16Das war für mich also eine wirkliche, glückliche Sekunde, dass ich nachher den Namen von meiner Frau tragen durfte.
30:26Mein Name ist Ivar Brüderfers Frankenthal.
30:29Ich bin am 16.01.1933 in Hamburg geboren.
30:35Dagmar und Ivar Brüderfers Frankenthal werden in dieser Halle gleich vor über 800 Menschen sprechen.
30:42Es ist ein Vortrag über ihre Geschichte als Halbjuden im Dritten Reich.
30:46Aber es geht auch um sie als Paar, das seit fast 70 Jahren verheiratet ist.
30:53Mehr als 1600 Mal haben die beiden in den vergangenen Jahren gemeinsam auf der Bühne gesessen.
31:00An diesem Tag in Gandakesee im Kreis Oldenburg wird es ihr letzter Vortrag sein.
31:04Es war ja immer schön für uns, mit so vielen Menschen zusammenzukommen.
31:10Und wenn man sieht, wie die das aufnehmen, die ganzen Geschichten, das ist schon ...
31:19Ich hoffe, es bleibt alles haften bei den Schülern.
31:24Nein, das ist schon ein bisschen komisch, wollen wir mal so sagen.
31:30Ein bisschen traurig bin ich schon.
31:33Während Dagmar Brüderfers Frankenthal Fotos und Dokumente präsentiert,
31:37erzählt Ima aus seiner Kindheit als Halbjude im Dritten Reich.
31:41Davon, wie er als Sechsjähriger von der Schule geschmissen wird.
31:46Und dann auf der Freitreppe stand mein Schulleiter.
31:49Hör genau zu, was ich dir jetzt sage.
31:52Du bist ein kleiner Judenlümmel und du hast in unserer Gemeinschaft nichts zu suchen.
31:59Sieh zu, dass du verschwindest und lass dich hier nie wieder sehen.
32:03Als er das gesagt hatte, kam die gesamte Schülermenge in Bewegung.
32:10Sie beschimpften mich, sie bespuckten mich, sie traten nach mir.
32:15Und ich heulte wie ein Schlosshund und verließ sofort laufend den Schulhof.
32:20Ivars Geschichte steht im Mittelpunkt.
32:23Doch ohne seine Frau Dagmar geht es nicht.
32:27Wenn meine Frau nicht gewesen wäre, hätte es keine erste und keine letzte Veranstaltung gegeben.
32:34Dann hätte es wahrscheinlich mich auch nicht mehr gegeben.
32:37Denn meine Verzweiflung war viel größer, als wie ich hier heute vor Ihnen sitze und mit Ihnen rede.
32:43Dafür waren die Demütigungen mein ständiger Begleiter eine furchtbare Zeit.
32:50Ivar Butafars wird 1933 in Hamburg geboren. Als Sohn eines jüdischen Vaters und einer nicht jüdischen Mutter.
32:58Der Vater wird 1934 von den Nazis verhaftet und kommt ins Konzentrationslager.
33:05Seine Mutter versteckt Ivar und dessen halbjüdische Geschwister bis zum Kriegsende.
33:11Sie hatten uns alles gemacht, um uns vor der Vernichtung zu bewahren.
33:16Wir sind in den kaputten Keller gegangen, ohne Wasser, ohne Strom.
33:21Wir haben uns die Textilieger und alles zusammen geklaut aus alten, zerbombten Häusern.
33:27Auch Dagmas Vater ist Jude. Ihre nicht jüdische Mutter trennt sich auf Druck der Nationalsozialisten von ihrem Mann.
33:35Der Vater stirbt später im KZ Buchenwald.
33:39Die Parallelen ihrer Kindheitsgeschichte schweißen Ivar und Dagmar besonders zusammen.
33:46Ich hatte eigentlich das Gefühl, wir gehörten zusammen, wie wir uns verliebt hatten.
33:53Also, der hörte das auch auf, nach anderen Männern zu gucken. Ich hatte ja nicht.
34:00Ich sage, wir müssen gespürt haben, dass wir unbedingt zusammengehören.
34:05Da gibt es so irgendwelche telepathische Strömungen und die müssen bei uns beiden besonders ausgeprägt gewesen sein.
34:13Dagmar und Ivar Butafers-Frankenthal lernen sich im Januar 1953 in Hamburg kennen.
34:19Wie genau? Davon gibt es zwei Versionen. Die eine erzählt Ivar bei jedem ihrer Vorträge.
34:28So, und jetzt gebe ich euch das Geheimnis mit, wie man zu einer so langen, kommt du schon näher ran,
34:35Mami, zu einer so fantastischen Ehe kommt.
34:39Hört zu, wie wir das gemacht haben.
34:43Du musst im Moment am richtigen Ort sein. Die Sonne muss scheinen. Du kannst euch ruhig eine Flasche Rotwein bei
34:56dir haben. Mit zwei Gläsern.
34:59Denn gleich kommt jemand, der trinkt mir dir diesen Rotwein. Und du musst dann die Augen ganz fest schließen und
35:08die Arme aufstrecken.
35:09Und wenn du kein großer Sünder warst, dann lässt der liebe Gott dir so einen Schatz in die Arme fallen,
35:17wie ich einen habe.
35:22In der Realität ist der Weg zu einem gemeinsamen Leben nicht so leicht.
35:27Ivar lernt Dagmar kennen, als er sich bei ihrem Stiefvater um einen Job bewirbt. Sie verleben sich sofort ineinander.
35:35Zwar heiraten Dagmar und Ivar im Juli 1955, doch ihre Eltern sind gegen ihre Beziehung zu einem Juden.
35:42Zehn Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches.
35:45Je schwerer, wie es uns gemacht wurde, je enger kamen wir zusammen.
35:50Das war also unmöglich, uns zu trennen.
35:53Auch wenn ihr Stiefvater alles versucht hat, mich schlecht gemacht hat, bis zum Geht nicht mehr, kann man sich gar
35:59nicht vorstellen.
36:00Aber man hat mich immer spüren lassen, dass man das nicht wollte.
36:04Und das hat natürlich auch meine Frau immer wieder mehr und mehr und mehr animiert, dass man uns nicht auseinander
36:10bringen konnte.
36:12Ivar stürzt diese Ablehnung damals in eine schwere seelische Krise.
36:17Die verschlimmert sich, als ihm die Behörden zunächst die deutsche Staatsbürgerschaft verweigern, die ihm die Nazis entzogen hatten.
36:26Auch wenn ich manches Mal aus Verzweiflung gesagt habe, du weißt du was, du musst jetzt alleine leben.
36:32Ich bummel mich auf, ich habe keine Lust mehr.
36:34War sie diejenige, welche, die mir jeden trüden Gedanken ausgeredet hat.
36:40Können Sie sich vorstellen, dass sowas verbindet?
36:42Er hatte immer das Gefühl, er gehört hier nicht hin.
36:48Und dieses Gefühl habe ich ihm gegeben, du bist nicht mehr alleine, wir sind zu zweit.
36:551964 bekommt Ivar seine deutsche Staatsbürgerschaft zurück.
37:00Und auch sonst geht es jetzt bergauf für Dagmar und ihn.
37:03Die beiden bekommen zwei Kinder, Jasmin und Andreas.
37:10Auch beruflich geht es aufwärts.
37:12Sie gründen gemeinsam eine Firma für Fassadensanierungen.
37:19Wir haben in Hamburg ein so großes Geschäft gemacht, können Sie sich gar nicht vorstellen.
37:23Denn wir beschäftigten uns nur mit alten Häusern, die der Krieg verschont geblieben hatte.
37:29Alle Städte waren ja noch in Schutt und Asche.
37:31Und das ganze Baugewerbe befasstete sich nur mit dem Wiederaufbau.
37:35Aber keiner um die alten Häuser. Darum kümmerten wir uns.
37:40Der Name der Firma, Butterfass und Butterfass.
37:46Dagmar und Ivar arbeiten zusammen.
37:48Treffen gemeinsam alle Entscheidungen.
37:51Nicht immer einvernehmlich.
37:55Ich habe mal in der Firma mit dem Loch nach innen geschmissen, weil ich der Meinung war, dass es richtig
38:04ist.
38:05Und er ist gegen angegangen.
38:09Ja, wir haben auch mal kontrolliert diskutiert.
38:13Aber sonst schlagen wir uns nicht.
38:16Das war jedenfalls immer ich, der den ausgezickt ist.
38:22Bendestorf südlich von Hamburg.
38:24Hier leben Dagmar und Ivar Butterfass-Frankenthal seit mehr als 40 Jahren.
38:56Der Partykeller voller Fotos.
38:59Aus ihrem Leben.
39:00Besonders viele von berühmten Boxern.
39:03Ivar wird in den 70er Jahren Manager und richtet Selbstkämpfe aus.
39:12Das war eine schöne Zeit.
39:14Durch die ganze Welt reisen.
39:16Mein lieber Mann, das war toll.
39:19In Südafrika haben wir die Ausscheidung zur Weltmeisterschaft gebrocht im Schwergewicht.
39:24Mein Schwergewicht, das sehen Sie da in der Mitte des Bildes mit Muhammad Ali im Kampf.
39:29Da haben Sie die Bilder mit Mike Tyson, Max Schmeling in Las Vegas, die ganzen Boxer.
39:41Dagmar ist immer an seiner Seite.
39:44Es gibt überhaupt nichts, was wir und ich gemeinsam gemacht haben.
39:48Rein, wir gar nichts.
39:50Überhaupt nichts.
39:51Das ist hier auch.
39:56Ab Ende der 80er Jahre beginnt das Paar, sich für ein besonderes Herzensprojekt einzusetzen.
40:02Die im Krieg durch Bomben zerstörte St. Nikolai-Kirche in Hamburg soll als Mahnmal erhalten bleiben.
40:08Ehe ich mich versah, hatte ich restlos die gesamte Scheu verloren.
40:12Vor Beamten, vor Persönlichkeiten.
40:15Und ich habe natürlich dann angefangen zu werben.
40:18Und davon verstand ich eine Menge, das können Sie mir glauben.
40:20Ich habe mitgemacht.
40:22Meine Frau immer dabei, immer dabei, sofort Feuer und Flamme.
40:25Und dann fing ich an, das Mahnmal auszubauen und zu erhalten.
40:29Das ist Wolf Biermann.
40:30Wolf Biermann da oben?
40:32Ich bin ja überall mit dabei.
40:35Als Unternehmer und durch den Boxsport hat Iwa viele Kontakte zu Prominenten und Politikern.
40:41Die nutzt er, um Spenden für die Nikolai-Kirche zu sammeln.
40:45Und dann sagt Kohl zu mir, weil ich ja gut sprechen kann.
40:48Sie werden doch der richtige Mann für die Politik.
40:52Da sage ich, Herr Kohl, bei aller Liebe von Politik verstehe ich überhaupt nichts.
41:00Und das ist das Schicksal, das ich mit den meisten deutschen Politikern teile.
41:05Da hat er sich totgelassen.
41:07Später setzt sich Iwa Butafers Frankenthal auch dafür ein,
41:11dass aus dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel zwischen Hamburg und Bremen eine Gedenkstätte wird.
41:18Er steht in dieser Zeit häufig in der Öffentlichkeit.
41:22Seine Frau Dagmar unterstützt ihn bei seinem Engagement, ohne selbst im Mittelpunkt zu stehen.
41:29Ich war ja immer mit dabei, bin auch manchmal im Hintergrund.
41:34Aber ich bestöre dir das nicht.
41:43Familientreffen in Bendestorf.
41:45Die Urenkelinnen Bella und Leni, Enkel Mario und Tochter Jasmin sind zu Besuch.
41:53Jetzt hat sie ihren Platz.
41:56Ja, ja, jetzt ist gut.
41:58Melini?
41:58Ja.
42:01Eine große Firma, Reisen zu Boxkämpfen um die ganze Welt,
42:06gesellschaftliches Engagement und Einsatz auf vielen politischen Ebenen.
42:10Wie haben Dagmar und Iwa es eigentlich geschafft, sich dabei als Paar nicht aus den Augen zu verlieren?
42:15So, wie ich sie kennengelernt habe, immer alles gemeinsam entschieden und immer alles gemeinsam gemacht.
42:21Auch immer gemeinsam gearbeitet.
42:24Und ja, so kenne ich sie.
42:26Es gibt natürlich überall, das ist ganz klar, Dinge, wo man nicht einer Meinung ist.
42:32Wo man sich teilweise manches Mal auf beider Seiten ruhig etwas hart angeht.
42:38Das ist nun mal in jeder Ehe vorhanden.
42:41Aber meine Tochter hat schon mal angesprochen, der gegenseitige Respekt.
42:46Und es darf nie Langeweile sein.
42:49Das ist das Entscheidende.
42:51Und deswegen hat es auch bei uns so gut funktioniert.
42:55Weil wir waren jeden Tag zusammen.
42:58Und es hat nicht eine einzige langweilige Stunde gegeben.
43:05In Gandakesee endet der allerletzte Vortrag von Dagmar und Iwa Butafers Frankenthal.
43:11Fast zwei Stunden lang haben alle in der Halle gebannt zugehört.
43:17Und dafür möchte ich mich mit meiner Frau auf das Allerherzlichste bedanken
43:23und nehme Abschied von einer der größten Arbeiten,
43:27die mich mein halbes Leben mit meiner Frau gemeinsam begleitet haben.
43:31Und ich hoffe, ihr habt alle eine gute und vernünftige Zukunft.
43:36Dankeschön.
43:37Herzlichen Dank.
43:46Dagmar Butafers Frankenthal ist 90 Jahre alt.
43:49Iwa ist 92.
43:51Sie sind seit mehr als 73 Jahren ein Paar.
43:55Erst jetzt beginnt ihr eigentlicher Ruhestand.
43:58Mit mehr Zeit für Zweisamkeit.
44:01Wir haben alles, was wir brauchen.
44:04Und die Ehe hat ja auch erfolgreich gehalten und ist ja noch lange nicht zu Ende,
44:08wenn der liebe Gott mitspielt.
44:11Und jetzt wollen wir ein bisschen genießen.
44:27Wir sind die Ehe hat ja auch erfolgreich gehalten und ist ja auch erfolgreich gehalten.
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