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00:05Messel ist die Fossilfundstelle überhaupt in Deutschland und eine der, ich sag mal,
00:1010, 20 großen Fossilfundstellen weltweit. Auch ich war als drei Käse hoch schon hier und habe
00:15gedacht, boah, da kannst du was ganz Tolles finden. Tiere und Pflanzen, die ihr Leuchten auch nach
00:21Millionen von Jahren nicht verloren haben. Ich finde, die Farben in der Gruppe Messel leuchten am besten.
00:29Diese kleinen Blüten, die man dann sieht, die ist manchmal nur ein Stecknadelkopf groß und da
00:33stecken unendlich viele Geschichten drin. Schicht für Schicht, Lage für Lage. Insgesamt habe ich hier
00:40in Messel eine knappe Million Jahre Erdgeschichte von einem kleinen Ort mitten in Südhessen. Das
00:47ist natürlich einzigartig und eine Schatztruhe für die Wissenschaft von unschätzbarem Werden.
00:52Also, ich finde es mega. Das ist total mein Ding. Man denkt die ganze Zeit, so gleich findet man das.
00:58Das ist schon sehr aufregend.
01:00Rund 40.000 Besucher kommen im Jahr hierher, um die Grube und das Urpferdchen zu sehen.
01:10Es ist natürlich eine große Ehre, wenn man sagen kann, Mensch, wir sind Welterbe. Das ist ein Magnet und der
01:15hat definitiv eine Strahlkraft für unseren Ort.
01:24Offen sind wir noch nicht, aber ein paar hundert Leute sind auf dem Gelände. Also so genau weiß ich es
01:28nicht.
01:28Die erste Führung ist, die startet jetzt in einer Minute und ich glaube, die ist auch schon aufregend.
01:32Die ist voll, oder? Die ist voll.
01:35Jeden Sommer gibt es hier ein Grubenfest, das Besucher aus ganz Deutschland anlockt. Die Führungen sind heute kostenlos und schnell
01:43ausgebucht.
01:44Ich dachte, wir könnten gleich eine Führung starten, aber wir müssen jetzt noch ein bisschen warten.
01:48Also wir hatten innerhalb kürzester Zeit hier über 1000 Leute an einem Tag in der Grube. Das Ding hat eingeschlagen
01:54wie eine Bombe. Die Leute lieben es.
01:56Da schiebt sogar der Chef persönlich noch schnell eine Führung dazwischen.
02:01Sie haben also das Pech, die Führung für die Nachzügler, die wird von mir gemacht. Hintergrund ist der, ich bin
02:07heute nicht so verplant wie mein gesamtes Team.
02:10Wir gehen mal ganz runter und schauen mal, was heute noch von der Grube Messel übrig ist. Also erstmal so
02:1510 Minuten Fußweg. Folgen Sie mir doch bitte unauffällig.
02:22Philipp Havlik leitet die Weltnaturerbestätte. Der Paläontologe gräbt mittlerweile nicht mehr selbst, sondern gibt sein Wissen über die Grube Messel,
02:31einem ehemaligen Vulkankrater, weiter.
02:36Die Grube Messel ist das Fenster in die Zeit des Eocens. Eocen ist das Zeitalter der Morgenröte und das ist
02:45die Zeit, wo sich die meisten Säugetierarten entwickelt haben.
02:48Auch unsere entfernten Vorfahren stammen aus der Grube Messel. Die sehen noch nicht ganz so aus wie wir, die hatten
02:54noch mehr Fell und waren deutlich kleiner.
02:56Aber wir haben hier auch schon die ersten Primaten, die auftauchen. Ida ist das bekannteste und das seltenste Fossil aus
03:03der Grube Messel.
03:04Das versteinerte Primatenmädchen ging für 750.000 US-Dollar an ein Forschungsteam in Oslo und ist dort im Museum ausgestellt.
03:16Ida ist vor 47 Millionen Jahren in den See des Vulkankraters gefallen.
03:24Wie unzählige andere Tiere und Pflanzen, die heute in Ölschiefer versteinert, wieder ausgegraben werden.
03:32Weniger wertvolle Überreste dieser Urtiere dürfen Besucher während der Grubenführung sogar in die Hand nehmen.
03:39Seht ihr denn irgendwas in diesen Steinen? Das sind manchmal so schwarze Punkte drin.
03:44Diese schwarzen Punkte da drin, das sind Wirbel, Knochen, Zähne von Fischen.
03:51Millionen Jahre alt und bis heute gut erhalten in versteinerten Exkrementen.
03:57Und das ist lustig und in dem Moment kriege ich immer alle zurück.
04:01Koproliten nennt man die.
04:03Solche Koproliten sind für uns mega spannend, weil wir wissen genau, wer was gefressen hat.
04:09Das Urpferdchen als Maskottchen von Messel darf natürlich bei keiner Führung fehlen.
04:14Die heute sind viel, viel größer, oder? So, und was hat sich noch verändert?
04:18Die Urpferdchen haben keine Haare, keine Mähne hier.
04:28Im Museum nur wenige hundert Meter von der Grube entfernt, können die Besucher sehen,
04:33wie sich das rund 50 Zentimeter große Urpferdchen im Laufe der Jahrmillionen bis zum heutigen Pferd weiterentwickelt hat.
04:41Elia ist mit seiner Mutter Judith aus Schleswig-Holstein hergekommen.
04:47Und ich glaube, das hat vor ungefähr 50 Millionen Jahren gelebt.
04:52Also wenn die ein bisschen jünger sind, zum Beispiel nur 500 Jahre, dann könnten sie auch nicht so versteinern.
05:00Das braucht ein paar Millionen Jahre, bis das versteinert ist.
05:06Elia ist ein Riesen-Fossilien-Fan. Und davon findet er hier jede Menge.
05:14Dieses Krokodil besteht aus 600 kleinsten Knochenteilen und ist sogar komplett erhalten.
05:24Draußen dürfen Besucher seit neuestem selbst in Ölschieferresten nach Fossilien suchen.
05:29Im Grabmal. Die Gelegenheit für Judith und ihren Sohn.
05:35Und dann selber mal Hand anzulegen und zu gucken. Und diesen Moment, wo man dann was findet,
05:39da wartet er wirklich seit mehreren Jahren drauf. Deswegen sind wir jetzt auch hier heute.
05:47Das hier hat eine gute Kante, wo du rein kannst.
05:50Das hier.
05:54Für 5 Euro können die Besucher hier eine halbe Stunde selbst spalten.
06:00Mama, das ist ein Fischschuppe.
06:05Schuppen, Käfer, es ist der Wahnsinn, was da los ist. Die reinste Party.
06:09Was? Haben Sie alle schon gefunden?
06:10Wir haben zwei Käfer und ein paar Schuppen gefunden.
06:12Schwarz?
06:13Es ist ein schwarzer Schleck, aber unter dem Mikroskop glitzert er.
06:17Ich gucke dir auch meistens an den unter dem Mikroskop an und versuche herauszufinden, wie das wohl gestorben ist.
06:29Ich kann es in meinem kleinen Minimuseum zu Hause ausstellen.
06:35So hat es bei Philipp Havlik auch angefangen und nie wieder aufgehört.
06:40Seit drei Jahren leitet der 47-Jährige die Grube Messel.
06:44Das Ministerium hat ihn engagiert.
06:46Ich muss den ganzen Tag durchhalten.
06:49Er soll die 30 Jahre alte Welterbestätte attraktiver und bekannter machen.
06:54Das war auch meine Motivation, hierher zu kommen.
06:58Ich habe mir gedacht, aus dem Ding kannst du so viel mehr machen, als das, wie es jetzt ist.
07:02Bisher war das Thema einfach, hier ist ein Vulkan mit Fossilien drin.
07:06Nice, ja? Das kann man sagen.
07:08Jetzt ist das Thema, wir haben hier ein Fenster in die Vergangenheit, wo wir ein Ökosystem aktiv beforschen können.
07:14Und was mir am meisten Spaß macht, hier sind fast nur Kinder unterwegs.
07:17Und das finde ich genial.
07:18Und das will ich auch.
07:19Ich will Familien, ich will die nächste Generation hier haben.
07:23Ich will die Leute da abholen, wo sie sich für Dinos begeistern, damit wir Hunderttausende Paläontologen haben in Deutschland.
07:32Dinos gibt es in der Grube Messel zwar keine, dafür haben Wissenschaftler bis heute 1400 verschiedene Tiere und Pflanzenarten im
07:40Gestein nachgewiesen.
07:49Mit dem ersten Licht des Tages startet das Grabungsteam des Senckenberg-Instituts.
07:55Immer in der Hoffnung, etwas Neues zu entdecken.
08:00Ein Pferd muss es nicht unbedingt sein, da haben wir schon so viele von, aber irgendwas anderes und auch ruhig
08:04was Neues.
08:07Es muss auch nicht groß sein. Irgendwas Kleines. Ich hätte ja gerne einen Chamäleon oder so einen Flughund oder sowas.
08:13Das wäre schon schön.
08:16Bruno Bär weiß, wie selten die hier sind.
08:20Aber wünschen kann man sie viel, finden muss man es nur.
08:28Gut, da haben wir einen Fisch. Geht gut los.
08:32Was aussieht wie ein brauner Fleck im Ölschiefer, bekommt eine Nummer.
08:36Was war das hinten? Sechs?
08:37Acht, neun, sechs.
08:39Wird vermessen und in seiner Fundposition fotografiert.
08:45Später wird der fossile Fisch vermutlich auf seinem Schreibtisch landen.
08:50Bruno Bär ist Präparator.
08:52Während der Grabungssaison im Sommer unterstützt er das Team in der Grube.
08:56Jeder Tag zählt, um möglichst viel umzusetzen.
09:00Wie es die Wissenschaftler nennen.
09:04Jetzt werden die Platten rausgegeben, die werden jetzt in die Schubkarren verteilt.
09:07Erst wird immer eine voll gemacht.
09:09Und dann geht das immer so schrittweise, bis da alle voll sind.
09:11Also wir verteilen jetzt nicht willkürlich in den Schubkarren hin und her.
09:14Nicht, dass wenn doch noch irgendwo ein Fund drin ist, dass wir den uns aus sechs Schubkarren zusammensuchen müssen.
09:22Jetzt wird fein gespalten.
09:35Jeder noch so kleine Fund muss zur Dokumentation mitgezählt werden.
09:39Auch, wenn er direkt danach auf der Resterampe landet.
09:48Dieser orange Punkt hier, das ist nichts weiter als fossile Scheiße.
09:53Koprolit. Und wir kürzen das halt ab, weil wenn wir das Koprolit, Koprolit, Kopro, Kopro.
09:58Das geht einfach über die Lippen und schneller.
10:01Bruno Bär macht das seit 30 Jahren.
10:05Schon dreimal war er dabei, als ein Urpferdchen entdeckt wurde.
10:09Das erste Pferdchen, das wurde von einer Praktikantin gefunden.
10:14Die saß mit dem Rücken zu mir.
10:16Und die sagte, oh, ich habe Beine.
10:19Ich sage, das kann wohl sein, ich habe auch welche.
10:21Und hier sagt sie, ja, aber meine sind älter als deine.
10:25Und dann hatte sie die Hinterbeine vom Pferdchen angestochen.
10:28Das war dann am Ende auch so groß.
10:31Hatten Sie da Herzklopfen?
10:32Ja, beim ersten schon.
10:34Das ist schon ein Pferd.
10:38Reinhild Kliniotz ist das erste Mal dabei.
10:41Sie studiert Geowissenschaften und hat einen der begehrten Praktikumsplätze bekommen.
10:47Ich finde es mega.
10:49Das ist total mein Ding.
10:51Ich habe tatsächlich gleich am ersten Tag zwei Rüsselkäfer gehabt, die sogar mitgenommen wurden.
10:56Und da habe ich mich riesig drüber gefreut.
10:59Also jeder kleine Fund macht irgendwie was mit allem.
11:01Und Strukturen und irgendwie dann glitzert was.
11:04Und man denkt, was ist das?
11:05Das ist ja auch was Besonderes für Messel, dass so diese Farbstrukturen erhalten sind.
11:11Das habe ich so auch noch nie gesehen und gehört von anderen Ausgrabungsstellen.
11:15Und das ist schon was Besonderes.
11:16Und es ist sehr Spannendes zu sehen.
11:20Ich war mir nicht sicher, aber ich glaube, da ist ein Zang vorne, oder?
11:22Ja, das ist nochmal ein bisschen.
11:24Schuppe, Koko.
11:25Schuppe, Koko.
11:26Also gerade ein frischer Fund.
11:29Also da oben ist der Kopf mit den Mundwerkzeugen.
11:32Ein Hirschkäfer, der kommt mit.
11:36Sonja Wehtmann hat auch mal als Studentin hier angefangen.
11:39Heute leitet die Paläontologin die Grabungsstelle des Senckenberg-Instituts in der Grube Messel.
11:45Für sie als Insektenforscherin sind bunte Käfer die besten Funde.
11:49Die Strukturfarbenerhaltung in der Grube Messel ist schon was Besonderes.
11:54Das kommt weltweit an relativ wenigen Fundstellen vor.
11:58Wenn es vorkommt, dann eben nur in so Mar-Fundstellen wie in der Grube Messel.
12:04Vor Millionen von Jahren füllte sich der Krater nach dem Vulkanausbruch mit Wasser.
12:10In den Tiefen des Mar-Sees herrschten so sauerstoffarme Bedingungen,
12:14dass die Fossilien besonders gut konserviert und erhalten geblieben sind.
12:18Die Gegend hier war damals deutlich wärmer als heute.
12:22Wie in einem Urwald.
12:29Die Grube Messel vor 47 Millionen Jahren, das war im Prinzip das perfekte Urlaubsparadies.
12:35Genauso wie man es sich vorstellen würde.
12:3720 Grad Jahresmitteltemperatur, das sind volltropische Bedingungen.
12:41Dementsprechend auch alle irgendeinen denkbaren Tiere, die man sich vorstellen kann.
12:45Vom Flamingo bis zur Python, von den Urpferdchen bis zu absurden, bis heute unbekannten Echsen, die man so gar nicht
12:53mehr kennt.
12:56Schicht für Schicht kommen sie durch die Grabungen wieder zu Tage.
12:59Das Ganze ist so hochauflösend, dass wir in einem Zentimeter Gestein, also gerade mal in so viel, rund 100 Jahre
13:07enthalten haben.
13:08Und insgesamt haben wir hier in der Grube Messel fast eine Million Jahre dokumentiert.
13:13Eine Million Jahre Klima- und Biodiversitätsgeschichte von einem kleinen Fleck in Südhessen.
13:19Das ist natürlich einzigartig und eine Schatztruhe für die Wissenschaft von unschätzbaren Jahren.
13:26Ohne sie wäre diese Schatztruhe heute eine riesige Müllkippe.
13:30Hi, moin, grüß euch.
13:32Gertrud Holischowski konnte mit ihrer Bürgerinitiative die Deponie im letzten Moment verhindern.
13:38Schau mal, das ist hier alles noch, das ist der Dreck von damals.
13:41Die Verladerampe der Mülllaster war bereits gebaut und verrottet heute neben dem Museum.
13:46Ich bin ein Kind dieses Dorfes und ich wollte, dass diese Umwelt erhalten bleibt, so grün und so schön, wie
13:52sie war.
13:53Und ich wollte nicht, dass da plötzlich ein Loch aufgetan wird und der Rhein-Main-Müll da reingekippt wird.
14:01Landespolitik und die Abfallentsorgungsfirma wussten nicht mehr, wohin mit dem ganzen Hausmüll.
14:06Und so war die Deponie in der Grube Messel schnell beschlossene Sache.
14:11Stündlich sollten hier 66 Laster ihren Müll abkippen.
14:14Ja, es war ein Riesenschreck und da wusste ich auch nicht, wie.
14:18Und dann habe ich gedacht, da muss man sich organisieren.
14:21Da müsstest du drauf sein.
14:23Das war diese erste Demonstration, wo wir zusammen waren, wo du noch ganz klein warst.
14:28Da war ich 10, 12 Jahre alt gewesen.
14:31Und das war schon für uns damals eine Sache, da wird unsere Heimat zerstört.
14:37Also das Ort Grube Messel, in dem ich geboren und aufgewachsen bin, liegt ja 300 Meter von dem Grubenrand entfernt.
14:45Und eigentlich hat auch wirklich niemand geglaubt, dass wir das verhindern können.
14:49Das fühlte sich schon wie David gegen Goliath an, aber man wird da so angetrieben, weil man etwas will.
14:54Die Lehrerin beauftragt selbst einen Anwalt.
14:5810.000 Mark zahlt sie dafür aus eigener Tasche.
15:01Denn es geht ihr nicht schnell genug.
15:04Große Teile der Deponie sind bereits gebaut.
15:07Noch wehren sich die Bürger, das Land Hessen und die Abfallentsorgungsfirma vor Gericht streiten.
15:1340 Millionen sind bereits verbaut.
15:15Die Müllentladestation fast fertig.
15:18Eine Kläranlage in den Konturen sichtbar.
15:2110 Jahre dauert der Streit, bis der hessische Verwaltungsgerichtshof die Mülldeponie 1988 endgültig stoppt.
15:29Der Grund, Fehler im Planfeststellungsverfahren, Verkehrsbelastung, Rundwasser- und Schwellbrandgefahr waren nicht ausreichend geklärt.
15:39Als dann noch rauskam, dass die Nachbesserungen über 300 Millionen nochmal kosten würden,
15:44dann war die Sache langsam auf sehr wackeligen Beinen gewesen.
15:50Und dann letztendlich wurde die Befreiung erst dadurch erzielt, als dann die UNESCO die Grube zum Weltnaturerbe erklärt hat.
15:58Das war 1995.
16:01Ministerpräsident Hans Eichel nimmt die Urkunde der UNESCO feierlich entgegen.
16:06Die Deponiegegner wurden vergessen, dann noch kurzfristig nachgeladen.
16:11Eine angemessene Anerkennung oder Entschädigung gab es bis heute nicht. Und trotzdem.
16:16Das ist ein tolles Gefühl. Also wenn ich so sehe, dass hier jetzt statt einer Mülldeponie ein Museum steht,
16:22das 40 Millionen gekostet hat, von demselben Land Hessen, gegen das wir gekämpft haben.
16:28Da bin ich jetzt stolz. Ich habe mich jetzt auch nochmal damit auseinandersetzen müssen und merke, so langsam kann ich
16:33das auch an mir anerkennen.
16:34Und das ist jetzt so die Ecke, da fände ich es eigentlich ganz cool, wenn wir hier das Thema Bürgerinitiativ
16:40aufgreifen.
16:42Historische Fotos der Grubenrettung will Philipp Havlik hier anbringen, als kleine Wertschätzung.
16:48Denn ohne ihr außerordentliches Engagement wäre die Grube Messel heute nicht Weltnaturerbe.
16:55Die höchste Auszeichnung, die ein Naturschatz bekommen kann.
16:59Es ist natürlich eine große Ehre, wenn man sagen kann, Mensch, wir sind Welterbe.
17:03Und insbesondere bei Weltnaturerbestätten ist das eine riesige Auszeichnung, wenn wir bedenken, dass es im Prinzip fast keine gibt.
17:11Es sind in Deutschland gerade mal drei Weltnaturerbestätten versus über 50 Weltkulturerbestätten.
17:17Da sieht man schon, da muss man schon ein Stückchen ganz, ganz besondere Natur sein.
17:22Diese schillernden Käfer sind einzigartig. Selbst nach Millionen von Jahren sind ihre Farben erhalten geblieben.
17:31Warum das bei Strukturfarben anders ist als bei Pigmenten, zeigt der Paläontologe im Museum.
17:38100.000-fach vergrößert sieht die Farbe Grün in ihrer Struktur wellenförmig aus.
17:44Blau hat die Form kleiner Tannenbäume.
17:47Ich habe es durch unseren 3D-Drucker durchgejagt. Und jetzt können wir auch zeigen, Tannenbaum ist gleich blau.
17:53Im 3D-Drucker hat Philipp Havlik auch diese Lampen gedruckt. Blütenpollen 50.000-fach vergrößert.
18:02Ganz, ganz hinten haben wir Wiesensalbei. Das sind diese komischen Dinger mit den Streifen dran.
18:07Und diese Morgenstern-ähnlichen Dinger, die finde ich eigentlich am süßesten. Das ist einfach nur Gänseblümchen.
18:13Also sowas ganz harmloses, sieht aber aus wie eine mittelalterliche Kampfwaffe.
18:18Gänseblümchen gab es zwar damals noch nicht, aber Lindenpollen haben schon die ersten Bienen gerne gefressen.
18:27Die letzte Mahlzeit von fossilen Insekten kann Wissenschaftlerin Sonja Wehtmann unter dem UV-Licht ihres Fluoreszenz-Mikroskops erkennen.
18:37Und das hier im Hinterleib sind Teile des Gedärms. Und ja, die sind gefüllt mit Pollenkörnern.
18:47Jedes einzelne Pünktchen da ist ein Pollenkorn.
18:50Ein winziges Puzzleteil, das wichtige Hinweise liefert über die Flora und Fauna vor 47 Millionen Jahren.
18:59So haben die Forscher kürzlich Pollen in Messel entdeckt, deren Pflanzen heute nur noch in Australien vorkommen.
19:07Biologin Sonja Wehtmann hat sich auf Insekten spezialisiert und inzwischen tausende Hautflügler archiviert.
19:14Glycerin bewahrt sie vor dem Austrocknen.
19:17Jedes Döschen hat eine Nummer und wir sind jetzt bei über 20.000. Also wir sind bei 21.500 oder
19:24so gerade.
19:27Sonja Wehtmann hat schon als Kind gerne im Tümpel nach Insektenlarven gesucht.
19:35Ich finde es eigentlich super schade, dass so wenig Leute die Insekten faszinierend finden.
19:41Weil eigentlich sehen die auch wirklich optisch auch super schön aus.
19:47Und natürlich sind die für uns ganz wichtig, also für unser Leben, für das Ökosystem.
19:53Guck mal, ich habe hier diese Biene. Kannst du da nochmal gucken, ob danach bei der Flügeladerung was zu machen
20:00ist?
20:00Ich habe so den Eindruck, da ist ein bisschen noch was drüber.
20:04Ja, ich glaube, da kann man ein bisschen was noch rausholen.
20:08Die Präparation dauert je nach Insekt und Zustand des Fossils auch mal mehrere Tage.
20:14Mit filigranem Werkzeug.
20:16Da sind winzig kleine Insektennadeln vorne eingespannt, die sind gebogen und mit der Biegung gehe ich da ganz vorsichtig ran.
20:23Ich darf eigentlich das Insekt selber gar nicht berühren, sondern nur das Gestein im Umfeld, damit das dann quasi einen
20:28kleinen Impuls kriegt, um abzuplatzen.
20:31Pollen sind so zart, dass sie manchmal sogar mit feinsten Nasenhaaren bearbeitet werden.
20:38Kollege Bruno Bär hat in der Grube einen besonderen Vogel gefunden.
20:43Er nennt ihn liebevoll seine glitzernde Disko-Eule.
20:47Die wartet jetzt in der Werkstatt auf ihre Präparation.
20:50Da haben wir sie, die Disko-Eule.
20:54Wenn ich es dann jetzt ins Licht halte, dann sieht man hier, wie sich das hier, der Mageninhalt deutlich grün,
21:02grünlich-blau schimmert.
21:06Das ist die letzte Mahlzeit, die dieser Vogel gefressen hat und das ist eine Schabe.
21:11Das ist ganz, ganz selten.
21:13Und das macht dieses Stück so besonders und da sind sie jetzt auch alle ganz wild drauf, den möglichst schnell
21:18in die Finger zu kriegen.
21:21Der versteinerte Vogel wird heute im CT des Senckenberg-Museums in Frankfurt gescannt.
21:26Denn das Fossil bereitet Sonja Wehtmann Kopfzerbrechen.
21:34Als Insektenforscherin interessieren mich hauptsächlich natürlich die Insekten, aber für unseren Vogelexperten ist natürlich der Knochen ganz wichtig.
21:43Beides gut zu erhalten ist eine Herausforderung.
21:47Zum Präparieren der Vogelknochen bräuchte es Kunstharz.
21:50Darin würden aber die glitzernden Insektenteile verblassen.
21:54Deshalb hofft Wehtmann auf gute Bilder der Knochen.
21:57Als Alternative für den Vogelforscher.
22:00Aber wir sehen auf jeden Fall hier, wo der Vogel ist und wir können teilweise die Knochen jetzt im 3D
22:05schon ein bisschen.
22:06Und vielleicht hilft es ja doch.
22:08Hoffen wir, dass da alles zu sehen ist, was er braucht.
22:13Philipp Haflik drückt sich hin und wieder gerne vor seiner Büroarbeit.
22:18Der Sandkasten auf dem Spielplatz des Museums wurde auf dem Grubenfest von den Besuchern fleißig umgegraben und muss ganz dringend
22:27mal wieder aufgeräumt werden.
22:29Irgendwo da, da haben wohl Kinder sich ein schönes Lagerfeuer vorbereitet.
22:35Wenn einer genau schaut, ich glaube, das ist hier irgendwo.
22:39Lass mich mal suchen.
22:42Da haben wir es.
22:43Also hier im Sandkasten sind, glaube ich, im Moment fünf Fossilien versteckt.
22:48Hat mal was zu tun.
22:51Das weckt Kindheitserinnerungen.
22:57Die erste Grabung, die ich organisiert hatte, war im Kindergarten, wo ich herausgefunden hatte, dass in dem Sand von unserem
23:05Spielplatz Haifischzähne drin waren.
23:07Eigentlich total normal. Es gibt total viele Sandkuben, da sind fossile Haifischzähne drin.
23:12Und mich hat es damals so fasziniert, dass ich meine Kindergartenkumpels angestachelt habe und wir systematisch den ganzen Sandkasten durchsiebt
23:21haben.
23:21Ich habe damals schon dafür gesorgt, dass die wissenschaftlich relevanten Funde alle bei mir geblieben sind.
23:27Seit seinem vierten Lebensjahr ist für ihn eigentlich klar, er wird Paläontologe.
23:33Während des Studiums bereist Philipp Havlik die Welt, gräbt nach Dinos in den USA.
23:39Also das ist so der absolute Adrenalinkick, wenn man als erster Mensch ein Lebewesen aus der Vergangenheit sieht.
23:46Ich schlage auf einen Stein drauf und da ist irgendwas drin, völlig egal, ob ein Dinosaurier oder irgendeine Muschel oder
23:52eine Schnecke.
23:53Es erzählt mir Geschichten.
23:57Diese Geschichten dann so zu vermitteln, dass sie auch ein Nichtwissenschaftler versteht, ist genau sein Ding.
24:03Neben seiner Vorliebe für Espresso.
24:06Der muss fast den ganzen Tag sein. Leben ohne Kaffee ist möglich, aber sinnlos, hat mal ein bekannter deutscher Komiker
24:13gesagt oder irgendwie so ähnlich.
24:15Also daran halte ich mich auch.
24:20Und damit geht es dann auch leichter an den Schreibtisch.
24:23Zu Videokonferenzen mit dem Ministerium, Mitarbeitergesprächen, E-Mails, Ausstellungsplanung.
24:30Alles, was für den Zeitmanager einer Welterbestätte ebenso ansteht.
24:34Oft bekommt Havlik Fossilien von Privatsammlern angeboten.
24:38Kürzlich profitierte er sogar von einer Wohnungsauflösung.
24:4390 Prozent der Fälle ist es gar nichts.
24:45Und jetzt hat sich herausgestellt, das war die Sammlung von einem Physiker, der in den 70er Jahren hierher gefahren ist
24:51mit seinem Fahrrad und mit seinem Sohn.
24:53Und dann hier in der Grube gebuddelt hat, dass das alles noch legal war.
24:56Und ja, eine Ladung Fische gefunden hat, aber auch cooles Zeug.
25:00Also einen tollen Fund. Den habe ich da drüben.
25:03Da haben wir einmal den Hinweis, hier Messel 1974.
25:07Das heißt, es ist ganz, ganz klar, das ist ein uralter historischer Fund und stand auch noch aus der Zeit,
25:13als Privatsammler hier tatsächlich buddeln durften.
25:15Das ist ein weitgehend vollständiges Skelett von einem fossilen Vogel.
25:19Also sowas ist echt ein Jackpot.
25:21Ihm geht es dabei natürlich um den wissenschaftlichen Wert.
25:25Aber Fossilien können durchaus auch eine Wertanlage sein.
25:29Solche Fische werden im Internet für ein paar hundert Euro gehandelt.
25:33Nach oben gibt es auf dem Fossilienmarkt kaum Grenzen.
25:37Ähnlich wie hochwertige Kunst werden da Rekordsummen bezahlt.
25:41Dinosaurier liefern auch mal zweistellige Millionensummen.
25:44Also es ist wirklich ordentlich, um was es da geht.
25:47Messelfossilien gab es erst gerade kürzlich einen Verkauf von einem Krokodil.
25:51Und der hat immerhin 200.000 Euro eingebracht.
25:55Die Fossilien, die die Wissenschaftler in der Grube finden, sind natürlich unverkäuflich.
26:00Und kommen ins Museum oder in die Forschungssammlung.
26:07Bis jetzt sind die Funde heute eher klein, aber nicht weniger interessant.
26:12Der kleine schwarze Punkt, das ist eine Ameise.
26:17Also wenn man da jetzt mit der Lupe durchguckt und hält das so ein bisschen in die Sonne.
26:23Und Sie das vergleichen mal mit einer Ameise, die jetzt über den Waldboden läuft.
26:28Dann ist ja genau dasselbe.
26:29Also das erkennen Sie, dass das eine Ameise ist.
26:31Also wir haben hier auch relativ große Ameisen.
26:34Die haben eine Flügelspannweite von 16, 17 Zentimeter gehabt.
26:38Die waren so groß wie ein Kolibri.
26:39Und das waren die größten Ameisen, die je gelebt haben.
26:44Thorsten Wappler leitet das Grabungsteam des Hessischen Landesmuseums Darmstadt.
26:50Nur sie und die Wissenschaftler des Senckenberg-Instituts dürfen im Weltnaturerbe nach Fossilien suchen.
27:01Der nächste Quadrant wird freigelegt, mit möglichst glattem Schnitt, damit versehentlich geteilte Fossilien wieder gut zusammengesetzt werden können.
27:13Schicht für Schicht arbeitet sich das Grabungsteam durch den Ölschiefer.
27:18Wenn man das mit einem Puzzle vergleichen würde und wir würden das Puzzle, sag ich mal, mit 100 Teilen ansetzen,
27:23würde ich sagen, haben wir jetzt ungefähr vielleicht nach fast 150 Jahren Fossilgrabung in der Grube Messel,
27:30haben wir vielleicht jetzt 20 Teile gefunden.
27:32Der Rest ist noch unbekannt.
27:34Eigentlich ist das ein Riesenschatz, ja, den wir hier noch heben müssen.
27:36Also in den vier Wochen, die wir jetzt hier sind, werden wir sicherlich an die 70.000 Funde machen.
27:44Fünfmal pflanzen.
27:46Es ist doch schon körperlich sehr anstrengend, hier sechs, sieben Stunden am Tag dann in der Hitze dann zu graben.
27:53Es ist jedes Jahr eine neue Herausforderung.
27:55In der 60 Meter tiefen Grube heizt es sich im Sommer ziemlich auf.
28:00Da kommt eine kleine Abkühlung von Philipp Havlik sehr gelegen.
28:04Moin.
28:05Ihr arbeitet hier alles, sag mal.
28:08Hey.
28:09Ihr müsst essen.
28:10Die schmelzen.
28:15Jetzt kriege ich da einen Anschiss vom Torsten, oder?
28:17Weil ich euch alle vom Arbeiten abhalte.
28:19Das ist eine super Abdeckung.
28:20Gerade weil die Temperaturen heute wieder so heiß sind, ist das immer eine sehr, sehr nette Idee.
28:25Wir haben jetzt hier gerade aktuell im Container sind es gerade 26 Grad.
28:31Wir hatten Maximum hier schon mal 52 Grad.
28:34Hitze frei gibt's trotzdem nicht.
28:36Ja, dann setzt man sich ein bisschen mehr in den Schatten, aber wir versuchen dann doch schon immer noch ein
28:41bisschen weiterzuarbeiten.
28:42Alles das, was wir aufzubieten haben, ist gerade unten in der Grube, damit wir maximalen Erfolg und maximalen Umsatz haben.
28:51Denn die Grabungszeit ist begrenzt.
28:54Im Schnitt insgesamt acht bis zehn Wochen im Frühjahr und Sommer, wenn die Studierenden Semesterferien haben.
29:02Mit ihren Resten aus der Grube wird das Grabmal regelmäßig neu befüllt.
29:07Heute ist das Internet im Büro ausgefallen.
29:10Deshalb helfen alle mit.
29:13Damit die Besucher einfach viele Fossilien finden, es wird ja doch am Ende immer ein bisschen dünner.
29:18Es ist zwar noch genug hier drinnen, aber es macht natürlich Spaß, wenn man größere Stücke hat.
29:26Ich bin schon öfters im Büro, als ich hier bin, aber es ist ja auch schön.
29:30Man hat immer dann so die Abwechslung draußen drin und kann das auch genießen.
29:35So spart man sich das Fitnessstudio.
29:40Ich glaube, wir haben es schon zuvor gemacht, oder?
29:42Nicht, wenn es nach dem Chef geht.
29:44Bist du verdichten oder so, oder?
29:46Bitte?
29:46Bist du verdichten?
29:49Ja, verdichten, stell dich mal drauf.
29:51Ja, ja, ohne Scheiß, ja.
29:54Nicht der Tanz auf dem Vulkan, sondern der Tanz auf dem Wildschiff.
29:57Ach so, auch auf dem Vulkan.
29:59Auch auf dem Vulkan, ja.
30:00Komm mal.
30:06Wie viele der SDRs, so ist es jetzt?
30:09Das sind nicht so viele gewesen bisher.
30:12Maximal Nummer 4 oder so.
30:15Ich hatte noch.
30:16Der aussortierte Ölschiefer muss zurück in die Grube.
30:20So sind die Vorschriften im Weltnaturerbe.
30:23Und die sind streng geregelt.
30:25Jedes Jahr wird zwischen Wissenschaft und Denkmalpflege neu verhandelt,
30:29wo genau und wie oft gegraben werden darf.
30:33Bis 1971 wurde über 80 Jahre lang Mineralöl aus dem Gestein gewonnen.
30:40Lange bevor die Grube Weltnaturerbe war.
30:43Durch den Bergbau ist viel zerstört worden.
30:46Es ist ganz klar, die Industriegeschichte
30:49oder diese über 100 Jahre intensiver Abbau des Ölschiefers
30:52haben zig Hunderte, zig Tausende wichtige Wirbeltierfossilien zerstört.
30:57Das ist gar keine Frage.
30:59Und ja, das ist natürlich traurig.
31:01Auf der anderen Seite, ohne diesen industriellen Abbau,
31:04hätte man diese Fundstelle nie in ihrer Größe,
31:07in ihrer Einzigartigkeit erkannt.
31:09Also der Abbau hat erst dazu geführt,
31:11dass die Grube Messe so bekannt wurde,
31:13hat erst dazu geführt, dass die ganzen Fund rauskommen konnten.
31:20Rund 1000 Meter hat die Grube Messe im Durchmesser.
31:23Gerne nimmt Philipp Havlik eins der drei E-Mobile,
31:27um von A nach B zu kommen.
31:31Also ich liebe es ja, also mein Credo ist ja, ich liebe die Natur,
31:35aber alles, was man fahren kann, sollte man auch fahren,
31:38weil umso schneller ist man bei den Fossilien.
31:40Und dementsprechend liebe ich unsere kleinen E-Mobile,
31:43die haben jetzt auch Offroad-Bereifung drauf.
31:45Und für mich ist das jedes Mal so eine kleine Safari,
31:48wenn ich hier runterfahren darf und mal schaue,
31:50geht vielleicht noch mal 2 kmh mehr mit den Dinger.
31:57So, die Biodiversität in der Grube Messe
32:03ist ca. 3-mal so hoch wie in den Wäldern außenrum.
32:06Das ist natürlich schon eine Nummer.
32:07Also wenn man sich überlegt, nur durch Zerstörung
32:10entsteht ein Ort, der heute ein absoluter Biodiversitäts-Hotspot ist.
32:14Kleine, kommen wir hier wieder raus?
32:18Mal was Rezentes, mal was von heute.
32:20Die kleine Gottesanbeterin,
32:23die war wohl gerade auf dem Weg zu ihrem Frühstückscafé.
32:26Und jetzt stören wir sie hier.
32:27Das ist ja echt unverschämt.
32:34Es ist Herbst geworden, die Grabungssaison beendet.
32:37Jetzt beginnt die Arbeit in der Forschungsstation.
32:42Reparator Bruno Bär hat einen besonders gut erhaltenen Vogel
32:46unter seinem Binokular.
32:51Und der Bereich jetzt hier, das ist ein bisschen wie Malbuch,
32:55wie Ausmalen.
32:57Nur, dass ich quasi den Ölschiefer wegmale.
33:01Man muss natürlich halt auch mit der Präpariernadel sehr vorsichtig sein.
33:05Gerade dadurch, dass das Gestein so weich ist,
33:08spürt man nicht so schnell einen Widerstand.
33:10Und dann ist man mal schneller in so einem Knochen drin,
33:13als einem das lieb ist.
33:14Und wenn ich jetzt auf Knochenmaterial treffen würde,
33:17würde man auch deutlich krr, krr, krr hören.
33:20Ja, es ist schon, da geht einem ein bisschen die Düse,
33:23weil wenn man es auf dem Ölschiefer freigelegt hat
33:27und nachher umgießt, ist es keine Garantie,
33:29dass es mit rüberkommt, dass sich das erhält.
33:33Die Fossilien werden in Kunstharz eingegossen,
33:36um sie stabil und haltbar zu machen.
33:39Nach der Trocknung präpariert Bruno Bär
33:41die andere Seite des Vogels mit noch feinerem Besteck.
33:46Jeder Präparator hat sein eigenes Werkzeug,
33:50was er sich mitunter auch tatsächlich selber zusammenbastelt.
33:53Also es gibt viel, was man aus dem Zahnarzt-Handwerk nehmen kann.
33:57Das sind jetzt ganz stinknormale Stecknadeln,
33:59wie man sie im Handel auch kaufen kann.
34:05Also hier ist der Fuß und dann geht es jetzt rüber.
34:10Da kommen die Schwanzfedern.
34:11Aber in diesem Fall hat es sich wunderbar übertragen.
34:14Und man kann es sehr schön erkennen,
34:16hier diese stark gebogenen schwarzen Krallen.
34:21Das ist schon toll.
34:23Das sind die Hornkrallen, die noch über der Knochenkralle sitzen.
34:26Und die sind erhalten geblieben.
34:27Und das ist sehr selten und macht das ganze Stück dafür
34:30umso spannender für die Wissenschaft.
34:34Bis die Wissenschaftler die fertig präparierten Stücke in den Händen halten,
34:39vergeht bei einem größeren Fossil wie einem Urpferdchen schon mal ein halbes Jahr.
34:46Hetzen lässt sich Bruno Bär bei seiner Arbeit nicht.
34:50Und wenn ich dann aber dieses Gefühl habe, nee, dann mache ich so lange rum,
34:56bis mein innerer Monk zufrieden ist und dann gebe ich es ab.
35:01Den Job, den wir machen, gerade in der Grube Messel,
35:04es war das erste Weltnaturerbe bei der UNESCO, das ist was Besonderes.
35:09Es hat ein gewisses Augenmerk.
35:11Und dementsprechend versuchen wir natürlich,
35:14die Präparate qualitativ so hochwertig in die Bearbeitung zu geben,
35:18wie es uns halt möglich ist.
35:23Die Präparation der Disko-Eule wird seine nächste Herausforderung.
35:27Aber die muss warten.
35:29Die Wissenschaftler haben noch nicht entschieden,
35:31wie genau der Vogel und sein Insekt im Bauch präpariert werden sollen,
35:35um beides möglichst gut zu erhalten.
35:40Interessant ist es dann nachher zu erfahren,
35:42wenn die wissenschaftliche Bearbeitung drübergegangen ist
35:44und man weiß so, das ist tatsächlich was Neues.
35:47Das ist dann schön.
35:48Und wenn man so, aha, den habe ich dann doch gemacht.
35:51Das ist dann wirklich schön.
35:53Da ist dann so ein bisschen, wo das innere Ego so ein bisschen sagt so,
35:57ja, das ist dann schön.
36:00Philipp Hafliks Tag beginnt, wie soll es anders sein, mit Espresso.
36:04Es ist unfair. Jetzt war ich damit zufrieden heute.
36:09Gleich will er ein besonderes Fossil für eine neue Sonderausstellung abholen.
36:14Das ist tatsächlich dann der Moment, wo ich anfange, Klinkenputzen zu gehen.
36:19Er leitet sich von einem außergewöhnlichen Privatsammler.
36:26Bei besagtem Sammler ist das Ganze wirklich völlig eskaliert.
36:31Es ist so weit eskaliert, dass er es in den Supermarkt gekauft hat
36:33für seine Sammlung.
36:34Aber noch viel schöner, er unterhält verschiedene Museen.
36:38Z.B. in Wyoming ein komplettes privates Dinosauriermuseum.
36:42Das war seit, ich glaube, 15, 20 Jahren.
36:44So war es komplett finanziert und ausstattet und erweitert.
36:48Und das hast du nicht gesehen.
36:49Also wirklich pure Passion.
36:54Es ist vermutlich die weltweit größte Privatsammlung.
36:59Der Ort bleibt geheim.
37:02Es sammelt sich doch immer wieder was an.
37:04Ja, und das ist auch neu hier.
37:06Wo ist das her?
37:08Frankreich.
37:08Kreide.
37:09Kreide?
37:10Cool.
37:11Burkhard Pohl sammelt seit fast 50 Jahren Fossilien.
37:15Über 500 Schubladen mit Funden aus aller Welt bewahrt er in einem ehemaligen Supermarkt auf.
37:22Von versteinerten Verwandten der Kellerassel bis zum Flugsaurier.
37:27Ja, okay.
37:29Saugeil.
37:30Das ist halt absolute Museumsqualität.
37:34Die Sammelleidenschaft liegt in der Familie.
37:36Mein Großvater hat gesammelt.
37:38Meine Mutter hat ihr ganzes Leben Mineralien gesammelt.
37:41Und ich habe dann eben das Fossilien-Department übernommen.
37:45Und mein Sohn sammelt jetzt Meteoriten.
37:48Also das Sammelgen ist weitergegeben worden.
37:51Sein Großvater, Miterbe eines bekannten Kosmetikkonzerns, sammelte Kunst auf höchstem Niveau.
37:58Werke von Andy Warhol waren in seinem Besitz.
38:02Und seine Mutter war nicht irgendeine Sammlerin.
38:05Ihre Schätze sind heute in einem großen Mineralienmuseum ausgestellt.
38:11Burkhard Pohl besitzt ebenso kostbare Fossilien.
38:15Über den materiellen Wert will er nicht sprechen.
38:22Die Zähne sind der Hammer.
38:24Cool.
38:26Also es sind so Stücke, ja.
38:28So in der Qualität, ganz ehrlich.
38:31Ich weiß nicht, gibt es vergleichbares Material?
38:34Und wenn ja, dann ein, zwei.
38:36Also es ist halt wirklich so, ja.
38:37Wo ich das erste Mal hier war, hattest du noch Bier hergeholt.
38:41Und dann haben wir hier ein paar Stunden verbracht und eigentlich kaum Bier getrunken.
38:45Weil es war im Wesentlichen, dass man einfach mal die Schubladen aufgemacht hat.
38:48Und boah, was kommt denn hinter der nächsten Schublade raus?
38:51Also es ist wirklich so, ja, das ist hier wirklich wie Shopping nach Wunschliste.
38:57Also alles, was man sich wünschen könnte, gibt es hier.
39:00Für seine Ausstellung 30 plus braucht er ein Fossil, das 30 Kilometer rund um Messel gefunden wurde.
39:09Pernpfalz, Niedernhausen, oder?
39:11Warte mal, den können wir uns mal merken als Option, oder?
39:14Weil der ist wirklich cool.
39:16Weil der Schädel, den ich habe aus dem Odenwald, der ist zerhackt.
39:21Ein Archegosaurus, ein entfernter Verwandter vom heutigen Lurch.
39:25Auch solche Exemplare haben einst in Südhessen gelebt.
39:29Also das hier sind die Augen, die zwei Löcher.
39:31Hier diese Kalositäten auf dem Schädeldach.
39:33Hier hinten wäre es Hinterhaupt.
39:35Und er hat noch ein Koprolit abgesetzt.
39:39Der studierte Tierarzt ist gut vernetzt mit Paläontologen wie Philipp Havlik.
39:44Denn er will seine Schätze nicht für sich behalten.
39:48Ja, man will das hier nicht verstecken, sondern es soll ja auch die Wissenschaft weiterbringen, wenn es ein wichtiges Stück
39:52ist.
39:53Der ist ja in guten Händen.
39:57Das sagst du jetzt noch.
39:59Burkhard Pohl gräbt auch selbst.
40:01Mittlerweile meistens nach Dino-Knochen in den USA.
40:05Angefangen hat er aber in der Grube Messel.
40:08Vor 45 Jahren bin ich ein paar Mal selbst dort graben gewesen.
40:14Das war so halblegal.
40:15Das war nicht völlig verboten, aber es war auch nicht völlig erlaubt.
40:18Und dann musste er dann schon morgens um vier unter dem Zaun durchkrabbeln.
40:22Dieses Krokodil hat er zwar nicht selbst ausgegraben, aber es stammt aus Messel.
40:28Es gibt eine Art, die ist viel, viel größer als alle anderen.
40:31So ein hessisches Monster-Krokodil.
40:34Und die erreichen immerhin vier Meter Länge.
40:36Und das da ist einer von zwei Schädeln, die ich jetzt kenne aus dieser Fundstelle, die jemals rausgekommen sind.
40:43Sind Sie da ein bisschen neidisch, dass der Herr Pohl den hier bei sich wieder getrunken hat und nicht sieht?
40:47Ja, ist schon ein bisschen gemein, gell?
40:49Aber ich meine, andererseits, wenn ich weiß, dass es hier beim Burkhard Pohl liegt, dann ist es auch gar kein
40:54Problem.
40:55Weil dann weiß ich, dass ich es mir auch mal ausleihen kann für eine Ausstellung.
40:59Diesmal kommt vermutlich der hier mit nach Messel.
41:04So, erfolgreicher Beutelzug.
41:06Ich geh mal ein Bier trinken.
41:07Ja, komm.
41:10Das muss noch warten.
41:12In einer Kiesgrube in Großostheim am Main will Haflik noch Schotter holen.
41:17Auch den braucht er für die neue Ausstellung.
41:21Heute geht es einfach darum, ganz viel Dreck in den Hänger, was wir für das Kunstwerk benötigen.
41:25Wir wollen in der neuen Sonderausstellung zeigen, wie die Geologie 30 Kilometer rund um Messel aussieht.
41:31Und das sind Rhein und Main zwei ganz, ganz wichtige Gebiete.
41:36Das heißt wirklich, wir fahren raus mit unserem Auto, schaufeln irgendwas hinten rein, immer so einen knappen halben Kubikmeter Material.
41:44Ja, und das wird dann im Messel wieder schön staffiert und keine Ahnung, wie es die Künstlerin dann genau machen
41:49will.
41:49Nicht mein Thema, ich hole den Dreck.
41:53Am Ende soll aus dem Dreck eine Frauengestalt im Steinkleid entstehen.
41:58So wie auf diesen Entwürfen, aus ortstypischem Schotter.
42:04Wie viel Sand braucht ihr denn?
42:07Ich würde so auf die Höhe...
42:10Joachim Lorenz ist Mineralien-Experte und zeigt Philipp Haflik, wo die Steine liegen, die er braucht.
42:17Der Radiolarit, auch Kieselschiefer genannt, ist typisch für den Main.
42:22Dass die Steine jetzt ins Museum kommen, freut ihn.
42:25Ein Messel ist ja sozusagen ein Highlight innerhalb der Geotope in Deutschland.
42:31Und wenn ich jetzt einen Beitrag leisten kann zu dem Gelingen von so einer Ausstellung, das ist doch eine Auszeichnung.
42:39Die Kiesgrube ist für Geologin Laura und ihren Chef ein Abenteuerspielplatz.
42:45Ja, das passt perfekt.
42:47Und dann hier ist es so richtig rein erodiert.
42:50Und hier unten haben wir was richtig Süßes drin.
42:52Da ist ein kleines Stück von einem verkieselten Baumstamm drin.
42:56Also alles, was der Fluss transportiert, hat er ja irgendwo aufgesammelt.
43:00Und das Ding hier ist jetzt so ein Baumstamm, der ist deutlich über 200 Millionen Jahre alt.
43:05Das kommt natürlich mit. Das muss in die Ausstellung.
43:08Das sind Jahresringe, die hier drin sind. Und hier ist es noch deutlicher.
43:12Die sind auf allen Seiten drin. Hier ganz schön erodiert. Das sieht ja aus wie ein Stück Treibholz.
43:19Im Kofferraum liegt noch ein viel Größeres. Ein Jahrhundertfund.
43:24Ich denke, so etwas findet man einmal im Leben. Und das ist natürlich wirklich absolut sensationell.
43:30Ein großer, verkieselter Baumstamm. Das sieht man auch wirklich von der Mitte raus.
43:34Hier mehrere Ecken, wo dann Fäulnis, Pilze, irgendwas reingegangen sind, die das Holz aufgerissen haben.
43:40Wo sich dann später Hohlräume gewildet haben. Und heute sind da Quarzdrußen drin.
43:45Also wirklich schöne Glitzersteinchen.
43:46Und die Geschichte, die Fundgeschichte ist total toll.
43:50Hier im aktiven Kiesgrubenbetrieb haben die wohl so einen großen, blöden Stein gefunden, der denen nur im Weg liegt.
43:56Und der Betriebsleiter war zum Glück hell genug, der hat gesagt, Mensch, das ist kein normaler Stein.
44:01Das ist offensichtlich ein fossiler Baum.
44:04Älter als die Dinosaurier. Aus einer Zeit lange bevor in Messel der Vulkan ausbrach und zur heutigen Grube wurde.
44:13Ein Weltnaturerbe, das Philipp Havlik gemeinsam mit seinem Team beleben und beschützen will.
44:20UNESCO-Welterbe zu sein, das macht einen schon ganz stolz.
44:23Und ein tolles Gefühl zu sehen, dass das Ganze auch angenommen wird.
44:26Und das ist natürlich schon irgendwie cool, wenn man sagen kann, das, was wir jeden Tag hier machen,
44:29führt dazu, dass auch noch in 100, 200 Jahren sich einer diesen Bergbau hier anschauen kann.
44:35Das, was wir für die nächsten Generationen unverändert bewahren möchten.
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