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00:02I had a lot of people who had to say that homosexuality is a disease.
00:13I was like this and I was five years old in the class.
00:20There are people who say that Eric is a different, a different, a different,
00:25because I just like off and off.
00:32We had to come back from the beginning.
00:34You had to go into a different village,
00:37and leave the anonymity of the big city.
00:40Why is my love your way?
00:44I have to go into a different place.
01:04I have to go into a different place.
01:12Bitteschön.
01:13It's a totally beautiful picture,
01:16when people can do something good.
01:17We say, okay, we make an offer.
01:19But we don't want to label it on the arm.
01:22We say, we're all there.
01:23We're all there.
01:23We're all there.
01:24What do you want to do?
01:26It's all just on the basis.
01:27What do you want to do?
01:292 €.
01:29Can you take it out?
01:322 €.
01:342 €.
01:352 €.
01:362 €.
01:362 €.
01:36Das ist viel zu viel.
01:37Ich nehme mir den 1 €.
01:382 €.
01:392 €.
01:402 €.
01:41Gerne.
01:42Dankeschön.
01:43Und ich freue mich.
01:44Mein Name ist Eric Stehr.
01:46Ich bin 23 Jahre alt.
01:48Bin Student in Weimar.
01:50Lebe und arbeite ehrenamtlich in Weißenfels.
01:52Und bin selbst schwul.
01:56Ich weiß nicht, ob es die Akzeptanz erhöht,
01:58wenn man als queere Person irgendwo engagiert ist.
02:01Es normalisiert auf jeden Fall den Umgang mit den Personen.
02:04Aber die Leute arbeiten teilweise auch nicht mit mir zusammen,
02:06weil sie sagen, ah, der Eric ist ein komischer Schwuler
02:09oder politisch anders stehen als ich.
02:12Bitteschön.
02:13Lasst's euch schmecken.
02:14Tschüss.
02:16Das erdet auch irgendwie, ohne dass es jetzt blöd klingen soll.
02:19Aber es ist immer wichtig,
02:21nicht den Bezug zum Ort zu verlieren,
02:23sondern zu sagen, ich guck mal, wie es anderen geht.
02:32Weißenfels hat 40.000 EinwohnerInnen,
02:35liegt im Süden von Sachsen-Anhalt.
02:37Relativ unscheinbar, eine alte Arbeiterstadt
02:40und ist aktuell immer noch sehr von Verfall gezeichnet,
02:44auch wenn sich viel tut.
02:49Ich komme ursprünglich vom Land.
02:51Ich bin in einem kleinen Dorf in der Nähe von Weißenfels aufgewachsen
02:54und dann mit zehn Jahren ungefähr direkt nach Weißenfels gezogen.
02:59Am Anfang habe ich mich überhaupt nicht wohl gefühlt
03:02und es gibt auch heute noch Situationen, wo ich sage,
03:04eigentlich nur weg hier.
03:06Ich wollte nur mal fragen, ob du eine Suppe magst.
03:09Wir haben Wirsing-Suppe und Wurstsuppe.
03:12Aber durch das Ehrenamt, was ich hier auf verschiedenste Weise ausübe,
03:16ist es eben Heimat geworden.
03:18Ich danke sehr.
03:19Lass decken, alles gut.
03:21Dankeschön.
03:22Er kommt regelmäßig zu mir.
03:25Er fragt auch, ich kann ja nicht weg, ich kann nicht die Toilette zumachen.
03:29Geht nicht.
03:42Als ich hier in den Kindergarten gekommen bin,
03:44da war eine Kindergärtnerin, die nicht wollte, dass ich ein Schmetterlingskostüm trage,
03:48weil mich das schwul machen würde.
03:58Ja, und ich war der schönste Schmetterling.
04:03Ich bin Joe, ich bin 25 Jahre alt und nonbinär.
04:07Ich komme aus Lokwart, das ist ein kleines Dorf in der Krummhören
04:09und das liegt in Ostfriesland.
04:11Als ich das nominäre Coming Out hatte, habe ich sehr viel weibliche Kleidung getragen,
04:17weil mir das gerade gefallen hat, mich so weiblich zu sehen und mich so zu verändern.
04:21Das war so ein Look, wo ich mich ausprobiert habe für die Uni.
04:24Einfach auch mal ein bisschen bunter.
04:27Das machte ich total gerne.
04:29Genauso wie das dann auch, wo ich mal den Pony so ein bisschen aufgebrochen habe
04:32und so links und rechts zwei Strähnen.
04:41Ich will mich ja gar nicht festlegen.
04:43Ich will ja in der Mitte sein und weder das eine noch das andere,
04:47gleichzeitig aber auch irgendwie beides zugleich.
04:49Und ich will es einfach nicht definieren.
04:52Ich will es einfach undefiniert lassen.
04:54Ich will mir keine Vorgaben setzen in Bezug auf mein Styling, in Bezug auf mein Verhalten,
04:59in Bezug auf meine Ansprache, will ich mich nicht definieren.
05:06Das Leben auf dem Dorf ist einfach nicht besonders anonym, sondern jeder kennt jeden.
05:13Ich würde mich eher nicht als Dorfmensch bezeichnen.
05:16Ich sehe mich eher als Stadtkind und ich bin auch immer, wenn ich in Berlin bin,
05:20dann denke ich auch immer, eigentlich ist das eher so dein Ding.
05:26Ich lebe noch auf dem Dorf, weil mein Freund Hendrik hier lebt.
05:30Hendrik ist ein Dorfmensch, aber ein toller Dorfmensch.
05:32Und er wohnt gerne hier, er hat gerne seine Familie um sich.
05:36Und das respektiere ich und akzeptiere ich.
05:39Hier ist schön, oder?
05:40Ja, hier ist gut.
05:41Hast du?
05:42Ja.
05:43Okay.
05:45Das ist einfach ein sehr, sehr wichtiger Mensch in meinem Leben,
05:47weil der mich seit acht Jahren schon begleitet und im Prinzip meine ganze Reise
05:51mit begleitet hat als queerer Mensch.
05:53Jeder soll leben so, wie er möchte.
05:55Und so wie jetzt aktuell ist mir das auch nicht ad hoc wichtig,
06:00ob Joe jetzt männlich oder weiblich oder divers ist.
06:04Also ich liebe nicht das Geschlecht, sondern die Menschen.
06:12Nach dem Selbstbestimmungsgesetz kann ich mir jetzt also meinen Namen frei auswählen
06:18und ich kann auch meinen Geschlechtseintrag ändern.
06:20So wie ich es selbst bestimme.
06:23Ich freue mich auf jeden Fall, dass ich meinen neuen Personalausweis bekomme,
06:26wo dann endlich auch mein neuer richtiger Name draufsteht.
06:30Ich brauche ihn eigentlich nicht, um mich vollwertig zu fühlen.
06:33Aber so ist es auch nochmal für die Außenwelt einfach eine Bestätigung,
06:38dass es wirklich so ist, weil man ja oft in Frage gestellt wird.
06:41Und das lief auch alles sehr gut bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.
06:46Und das war für mich auch eines der schlimmsten Telefonate, die ich in meinem Leben geführt habe.
07:00Aktuell leben wir direkt am Alexanderplatz gegenüber vom Roten Rathaus im Schatten vom Fernsehturm.
07:06Und wir sehnen uns nach Ruhe, nach Weite, nach frischer Luft und nach Gartenarbeit.
07:18Ich bin Christian Arnold Krüger, 40 Jahre alt und ich werde demnächst mit meinem Verlobten aus Berlin zurück
07:25in meine Heimat nach Mecklenburg ziehen.
07:27Ich arbeite in der Öffentlichkeitsarbeit für einen Wirtschaftsverband und Jens ist Apotheker.
07:32Ja und das hier, das ist eigentlich so mein Lieblingsplatz.
07:42Es ist eine geile Stadt, ich liebe Berlin auch total, aber die ist auch anstrengend.
07:55Dieses Geräusch, ne?
07:56Das ist meine Mail von der Arbeit.
08:00Ach Krischi, du hast Urlaub.
08:04Ich glaube schon, dass ich die Möglichkeiten, die sich uns als schwulen Paar in Berlin bieten, vermissen werde.
08:11Aber Berlin ist ja nicht aus der Welt.
08:22Der Erbkrug ist einfach ein Gasthof, der seit vielen Generationen im Besitz meiner Familie ist.
08:27Mein Vater wurde hier geboren, ich bin hier als Kind mit aufgewachsen, meine Oma hat hier gewohnt.
08:31Ein Betreiber-Ehepaar hat hier die letzten 30 Jahre Gaststätte und Pension betrieben.
08:36Und wir standen jetzt so ein bisschen vor der Wahl, was machen wir mit dem Haus?
08:40Hier ist schon mal alles raus.
08:42Aber wir mussten uns jetzt entscheiden, ich bin 40 Jahre alt und deswegen haben wir gesagt,
08:46wenn wir diesen Schritt machen und unser Leben komplett umkrempeln, dann jetzt.
08:50Und deswegen haben wir den Pachtvertrag der Gaststätte nicht verlängert und haben gesagt, wir werden hier selbst reinziehen.
08:57Das war der Artikel, den die Gastwirte mal gemacht haben über das Aus des Erbkrugs.
09:05Und das ist ihr gutes Recht.
09:11Aber es war auch sehr einseitig geschrieben, so ein bisschen.
09:15Ja, und es ist vollkommen klar, dass die auch so ein bisschen Frust haben, weil wir den Vertrag haben auslaufen
09:22lassen.
09:25Aber ja, jetzt muss er da nicht mehr hängen.
09:29So, gucken wir uns das an.
09:33Auch wenn jetzt vielleicht noch jemand verärgert oder verstimmt ist, weil die Gaststätte nicht mehr existiert.
09:39Ich glaube aber, wenn sie sehen, was wir hier stattdessen machen, bin ich optimistisch, dass die Leute uns nicht böse
09:45sein werden.
09:50Holzfenster.
09:54Ja.
09:55Ich würde mal sagen, das ist Mecklenburg.
09:57Nicht los.
10:00Und jetzt erinnere dich mal dran, wie wir vor kurzem noch in Berlin am Fenster gesessen haben.
10:05Und die Geräuschkulisse da und jetzt hier hörst du nur eine Elster.
10:13Irgendwie so ganz realisieren, dass das jetzt unseres ist.
10:18So ganz angekommen ist es dann doch noch nicht.
10:20Ich habe jetzt Glück, dass ich mit Jens einen Partner gefunden habe, der sagt, er ist offen dafür, auch hier
10:28nach Mecklenburg-Vorpommern zu kommen.
10:29Was mich total freut und was mich sehr glücklich macht.
10:40So.
10:41Eine Luna.
10:43Für dich?
10:45In unserer Region ist es schon für uns besonders, als zwei Frauen beheiratet zu sein und ein Kind zu haben.
10:53Mit Käse.
10:54Mit Käse.
10:56Ja.
10:57In unserem Dorf sind wir definitiv die Einzigen.
11:02Wir haben hier auf dem Land die Situation, dass wir wirklich in diesem Dorf mit knapp 400 Einwohnern fast jeden
11:09kennen.
11:10Ich bin Tina und lebe mit meiner Ehefrau Sarah und unserem Sohn Samuel als Regenbogenfamilie in einem kleinen Dorf im
11:17Schwarzwald.
11:18Jeder darf ja auch seine eigene Meinung haben.
11:21Was hinter unserem Rücken besprochen wird, das hören wir ja nicht.
11:25Und von daher macht es auch nichts mit uns.
11:30Ich hatte tatsächlich im Bekanntenkreis viele Menschen, die der an sich sind, dass Homosexualität eine Krankheit ist.
11:37Dass das einfach nicht normal ist, dass sich das auch nicht gehört, weil das nicht der Norm entspricht, die man
11:43in unserer Gesellschaft erwartet.
11:46Also wenn du mir ein halbes Brötchen gebe magst, das wäre cool.
11:51Wir entscheiden uns tendenziell dazu, nicht sichtbar zu sein, um keine Anfeindungen zu erhalten.
11:58Und andererseits auch, weil wir nicht die Typen sind, die uns jetzt auf einer Parkbank intensiv küssen würden.
12:14Die Leute, die uns hier kennen, die wissen natürlich, dass wir verheiratet sind.
12:19Leute, die wir neu kennenlernen, da müssen wir uns natürlich outen, weil man es uns nicht anzieht.
12:24Und die Leute wissen auch, dass Samu zu uns gehört.
12:30Wir haben uns dazu entschieden, zurückzuziehen in mein Heimatdorf, als der Kinderwunsch bei uns zustande kam.
12:37Es war wirklich schön, auf dem Land aufzuwachsen.
12:40Man hatte viel Freiheit, die wir unserem Kind in Heidelberg nicht geben hätten können, mitten in der Stadt.
12:47Was auch noch ein sehr großer Aspekt bei uns war, das ist natürlich hier mein Elternhaus, in dem wir mietfrei
12:54wohnen dürfen.
12:59Das Besondere hier im Haus ist, dass vier Generationen zusammen wohnen.
13:03Früher als Kind war das für mich schon ganz schön, mit meinem Opa essen zu können.
13:08Und das wollen wir jetzt auch fortführen.
13:10Deshalb ist der Samu jeden Abend um 18 Uhr pünktlich beim U-Opa, beim Vesper.
13:15Kannst du dir so vorstellen?
13:18Nee, nee, danke. Esst du nur.
13:21Einerseits ist es uns ganz wichtig, dass er eben auch männliche Vorbilder hat.
13:26Und zum Beispiel Saras Papa, mein Papa, mein Opa. Aber auch, dass er diese Tradition kennenlernt.
13:41Das ist tatsächlich schön, um ein gemeinsames Vesper zu erleben oder verschiedene Aktionen, aber auch sehr, sehr herausfordernd.
13:53Insbesondere auch für uns als Familie.
14:05Ich denke, man sieht so wenig queere Menschen hier auf dem Land, weil sie auch Angst davor haben, diskriminiert zu
14:11werden.
14:18Ich bin auf die Realschule gegangen und bin dort von der fünften bis zur zehnten Klasse durchgemobbt worden.
14:24Und zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, was Queerness überhaupt ist.
14:28Weiß ich bis heute nicht, woran es gelegen hat.
14:30Aber ich wurde halt auserkoren und ich war fünf Jahre lang die Klassenschwuchtel.
14:37Am Ende des fünften Jahres, ungefähr in der Mitte, war ich dann so weit, dass ich mich umbringen wollte.
14:44Ich bin in den Spar gelaufen und ich wusste genau, wo die Rasierklingen hängen.
14:48Ich muss ein bisschen Geld sparen und dann könnte ich sie mir kaufen und dann kann ich mir damit die
14:53Pulsadern aufschneiden.
14:57Und das, was mich davon abgehalten hat, war perfiderweise einfach das Schulende.
15:06Ich habe einfach nie einen Ausweg daran gesehen.
15:12Und ich habe mich versteckt vor allem und habe mich zurückgezogen und
15:21habe wirklich, wirklich mit dem Gedanken nicht nur gespielt, sondern wirklich darüber nachgedacht, mich umzubringen,
15:26weil rein sachlich gesehen mein Leben einfach keinen Sinn mehr hatte.
15:42Das hat mich so nachhaltig beeinträchtigt und ich war so lange nicht ich selbst.
15:49Und jetzt, jetzt bin ich wieder ich selbst, total ich selbst, weil ich mich auch als Nomina geoutet habe.
15:57Ich hatte gerade ein Telefonat mit der Frau vom Standesamt Emden, die mich seit Mitte des Jahres ungefähr mit meiner
16:12Namensänderung begleitet.
16:14Zwei Wochen vorher ist sie jetzt aufgefallen, dass mein Name, dass das ja gar nicht passt.
16:21Dann habe ich gesagt, was soll ich denn jetzt machen? Ich heiße ja schon seit fast zwei Jahren Jo.
16:29Und dann hat sie mich unterbrochen und hat gesagt, nein, nein, nein, heißen tun sie Deadname, Deadname Konradi, also Vor
16:34- und Zwischenname Konradi.
16:35Und solange ich das nicht ändere, bleibt das auch so.
16:38Und ich hatte ein richtiges Streitgespräch, wo ich mich mit ihr darüber gestritten habe.
16:43Ich war total fertig, ich habe irgendwann gesagt, ist das jetzt hier gerade ihr Ernst?
16:48Aber, dass es ein Name ist, dass es meine Identität ist, mein Leben, mein Innerstes nach außen gekehrt, mein Herz
16:54auf dem Tisch,
16:55das hat sie überhaupt nicht verstanden und die hat mir wirklich einen tiefen Schlag versetzt damit.
17:04Das ist die Realität von queeren Menschen.
17:11Wir hatten heute auch ein sehr wichtiges, schönes Gespräch.
17:15Wir haben in letzter Zeit oft mit den vorherigen Mietern gesprochen.
17:18Jetzt haben die Betreiber hier des Erbkruxes auch eingesehen, gesundheitlich.
17:25Und ja, dass es auch für sie besser ist, jetzt den Generationenstab zu übergeben.
17:31Und das macht uns sehr, sehr froh, dass wir jetzt wirklich gemeinsam das Gute hingekriegt haben
17:37und dass wir Frieden geschlossen haben mit der ganzen Sache.
17:48Ich weigere mich einfach, hier auf dem Land mich anders zu verhalten, mich zu verstecken, mich irgendwie anzupassen, weil eventuell
17:54mal jemand guckt.
17:55Hallo.
17:56Hallo.
17:58Mit dir, Leute reden immer, ob du hetero bist oder schwul bist oder lesbisch bist.
18:03Denn wenn du hetero bist, dann reden sie über die Figur oder über die Frisur oder über das Auto.
18:07Also Leute reden einfach.
18:10Ach, Krischi.
18:12Ja.
18:14Ich wollte unbedingt direkt auch zur Feuerwehr gehen, weil ich weiß, wie wichtig eine Feuerwehr für das Dorf ist.
18:20Ja, moin. Hallo, Connell, Christian.
18:22Ja, Christian.
18:23Hi, Jens.
18:24Partner.
18:24Genau.
18:25Ja, schön, dass das geklappt hat.
18:29Vor 23 Jahren oder so habe ich hier Tropan-Ausbildung gemacht.
18:31Das sind schon dann doch ein paar Tage her.
18:33Ja.
18:34Früher war hier noch ein Holztor drin und da haben wir eine Luke jetzt.
18:37Und da haben wir dann noch Abseilen geübt, ja.
18:39Da bist du noch gut da?
18:40Ja.
18:40Oha.
18:43Ich glaube nicht, dass dieses Dorf homophob ist.
18:45Ich glaube, das ist den Leuten relativ egal.
18:48Ich glaube, die Leute sind froh, wenn jemand herkommt und sich einbringen will.
18:52Dahinter ist nur die Kalthalle.
18:54Man sagt immer, mit einem Mecklenburger musst du einen Sack Salz essen.
18:57Und dann hast du ihn aber fürs Leben.
18:58Also wenn du das geschafft hast, so wie du sagst, dauert eben ewig, bis ein Mecklenburger sich öffnet.
19:04Aber dann ist da auf die Isse auch Verlass.
19:06Ich kenne Mecklenburger, ich weiß, wie ein Mecklenburger sein kann.
19:10Und dass die so freundlich waren, so offen, das hat mich total positiv überrascht.
19:16Gute ist ja, dass du hier die Gegend schon ein bisschen kennst.
19:19Weißt du auch, mit den Leuten umzugehen und so weiter.
19:21Ja.
19:21Aber die Gegend kennt mich nicht.
19:31Ich habe mir schon relativ lange an CSD hier im ländlichen Raum oder auch konkret in Weißenfels gewünscht.
19:39Schön, dass ihr alle da seid.
19:40Auch, dass ihr euch bereit erklärt habt, Ordnerinnen oder Ordner zu sein.
19:44Und es steht ja einiges auf dem Plan für den CSD.
19:48Frage zum Ernstfall, der hoffentlich nicht eintritt.
19:51Aber wenn ich jetzt zum Beispiel an der Seite des Demo-Zuges sichere, wie sollen wir das halten mit dem
19:57Platzverlass?
19:58Wenn du siehst, dass die Polizei das in den Griff bekommt oder…
20:01Bei großen CSDs sind die Routen meist vorher schon bekannt.
20:05Und wir halten das aber geheim, weil bei uns ist die Gefährdungssituation im ländlichen Raum halt einfach deutlich höher.
20:10In Hörweite, aber man ist nicht zwingend in Sichtweite.
20:13Es gibt eben eine offizielle Gegendemo durch den dritten Weg.
20:17Angemeldet sind 15 Personen, das ist aber schon mit deutlich mehr zu rechnen.
20:21Allein, weil es im letzten Jahr 25 waren.
20:23Im letzten Jahr hatten knapp 25 rechtsextreme Gewalttäter den CSD angegriffen, mit Flaschen beworfen und sonstige Sachen.
20:34Und als es dann plötzlich hieß, ihr lauft schon den ganzen Tag bei Tagesschau 24,
20:38dann ist es auch kein schönes Gefühl in der Tagesschau und in den Tagesthemen zu sein,
20:43weil man weiß, man hat ja eigentlich was Nettes organisiert.
20:50Der Burgenlandkreis, in dem Weißenfels liegt, ist aus meiner Sicht auch eine rechtsextreme Hochburg.
20:55Also wir haben ja verschiedene rechte Strömungen und auch Zentren, wo sich Rechtsextreme aus ganz Europa treffen.
21:02So war gestern im sächsischen Bautzen der CSD nur unter Polizeischutz möglich.
21:07Da brauchte es Mut, dabei zu sein.
21:11Nur wenige Meter hinter den Regenbogenfahnen versammeln sich etwa 680 Rechtsextremisten.
21:18Aus meiner Sicht ist das schon schockierend, weil die Lage hat sich in den letzten Jahren oder auch im Vergleich
21:24zum letzten Jahr einfach deutlich verschlimmert.
21:26Und ich erwarte daher auch einen nicht so positiven Ausgang für unseren CSD in Zeit und ich hoffe aufs Beste.
21:35Viele Leute in meinem Umfeld machen sich schon Gedanken, bleibt man in der Heimatregion oder verlässt man sogar das Land?
21:42Und das geht halt nicht nur queeren Leuten so, sondern generell Minderheiten.
21:47Und ich denke auch immer mal wieder drüber nach, was wäre denn jetzt ein guter Plan B?
21:51Na ja, ich bin hier.
21:55Ich bin hier.
22:05Mein non-vinäres Coming-out, das war nicht so positiv.
22:09Das hat damit zu tun, dass ich ja meinen Namen geändert habe.
22:13Du willst Klonche?
22:15Okay.
22:16Also richtigen kann jetzt?
22:17Ja.
22:22I think that was for my parents like a Stich in my heart,
22:25because they gave me this name.
22:28Then he had to be outed again.
22:33He didn't really get outed.
22:34He had to be developed somehow.
22:37I had to be outed once again.
22:40When?
22:40I was here in the kitchen and told you that.
22:43Hoppala.
22:45Vor 1,5, 2 Jahren, da warst du mit dabei.
22:48Ach dieses, dass du sie, Personalpronomen sie und so.
22:53Das war das.
22:53Ja.
22:54Das war schwerer.
22:56Das war schwerer.
22:57Das fand ich tatsächlich schwerer,
22:58weil dann auf einmal war er nicht mehr er, sondern er war sie.
23:01Und da konnte ich mich sehr schwer daran gewinnen.
23:05Wenn ein queerer Mensch auf dich zukommt und sich gegenüber dir outet,
23:09dann ist das eine große Wertschätzung gegenüber,
23:11weil der Mensch dir zeigt, dass er dir wichtig ist.
23:13Und er möchte, dass du weißt, was mit ihm los ist.
23:16Das war für mich total schwer nachzuvollziehen.
23:19Also er hat mich auch ignoriert.
23:21Wenn ich mit ihm geredet habe und ich habe *** gesagt,
23:23er hat mich so ignoriert.
23:24Bitte den Deadnam nicht erwähnen.
23:26Ach so, Entschuldigung.
23:27Das durfte ich nicht sagen.
23:29Entschuldigung.
23:29Der Name, den ich bei meiner Geburt bekommen habe,
23:32ist ein sogenannter Deadname, also ein toter Name.
23:36Mit dem Namen ist für mich sehr viel Schmerz und Wut, Trauer,
23:42sehr viele negative Assoziationen stecken in diesem Namen drin.
23:47Und deswegen habe ich ihn abgelegt und mir einen neuen ausgesucht.
23:52Und damit angesprochen zu werden, ist, als wenn einem jemand doll auf die Füße tritt.
23:56Ja, ich glaube, dass das vielleicht deine Aufklärungsarbeit noch nicht zu Ende ist.
24:01Dass du das noch mehr erklären musst.
24:03Auch anderen Leuten.
24:05Und bis jetzt habe ich das immer gemacht.
24:08Anderen Leuten gegenüber erklärt, warum du dein Deadname nicht mehr haben willst.
24:12Und da hättest du auch einfach sagen können, ihr könnt sie selber folgen oder ihn selber fragen.
24:15Ja, das ist für die.
24:16Aber du weißt genau, wie das hier ist.
24:18Vielleicht ist es ja auch wieder so aus Friesendingen,
24:20dass man nicht hinten vorne rum fragt, sondern hinten rum.
24:22Ja.
24:23Mit dem Deadname und so, das ist für viele Leute total neu.
24:27Die wissen das nicht, was das ist.
24:29Ja, das ist auch okay, dass das neu ist.
24:30Aber, weiß ich nicht, es ist ja auch keine Entschuldigung für Diskriminierung, wenn es passiert.
24:38Grundsätzlich ist es hier so, dass alles, was anders ist, erstmal beäugt wird.
24:45Die Kennenleute kennen Homosexualität aus dem Fernsehen, aber nicht so.
24:52Aber ich kann nur sagen, seitdem Joe sich geoutet hat, ist es so oft,
24:57also auch hier in der Gegend passiert, dass sich andere Leute auch geoutet haben.
25:02Also es ist, manchmal ist es so ein Domino-Effekt, dass der eine anfängt und dann die anderen denken,
25:07jetzt kann ich mich auch endlich outen.
25:19Oh, Gesundheit!
25:23Ich bin ein bisschen erkältet.
25:24Ich bin sehr konservativ erzogen worden und das macht natürlich was mit einem.
25:29Also ich muss sagen, ich hatte große Schwierigkeiten, mich selbst zu akzeptieren, wie ich bin.
25:48Es ist schon eine Hürde, sich zu outen.
25:50Man weiß nicht, was auf einen zukommt.
25:52Ich persönlich habe gewartet, bis ich das Abitur hatte, bis ich in der Stadt gezogen bin zum Studieren
25:59und habe mich dann bewusst geoutet, dass ich dem Outing vor Ort hier in meinem Dorf,
26:04in meiner Heimatgemeinde, im Gymnasium nicht ausgesetzt bin.
26:08Ich hatte dann das Glück, dass, bis ich wieder vom Studium zurückkam, das Thema schon durchgekaut war.
26:17Er war so ein bisschen zu früh gebürzt, nicht ganz so ruhig.
26:22Apfel, kennst du das?
26:23Apfel, ah ja.
26:26Das ist ja in Kaffee drin, die Apfel und den.
26:35Da war ich schon enttäuscht.
26:39Da denkt man ja noch nicht, dass überhaupt Nachwuchs kommt.
26:42Da wäre ja fast niemand mehr da gewesen.
26:46Aber jetzt haben wir ja doch den kleinen Samu.
26:51Ich habe nichts mehr dagegen, wenn es neu ist.
26:56Wenn man wohl es nicht so wahrhabern, hat er gedacht, das ist eine Spinnerei in der Pubertät.
27:01Und wo dann nur klar war, das übert jetzt doch langsam, dann war es auch erst ein bisschen ein Schock
27:06nachher.
27:07Weil ich bin in der Hinsicht, ich denke, sagen viele Leute völlig offen.
27:12Aber wenn es das eigene Kind ist, das ist nochmal was ganz anderes nachher.
27:18Und ja, und dann so Stück für Stück hat man sich drauf gewöhnt.
27:21Aber immer noch so ein bisschen mit der Hoffnung, vielleicht schwenkt sie noch um und vielleicht wird sie ja doch
27:26noch anlascht.
27:27Man muss die Leute ja für die Offenheit auch schätzen, aber ich wäre lieber nicht am Tisch gewesen.
27:34Deshalb wünsche ich einfach den queeren Menschen, die es gibt, dass ihr Outing in der Familie besser verläuft.
27:41Und es gibt viele tolle Outings. Ich würde sagen, auf dem Land eher weniger, in der Stadt eher.
27:48Aber ich würde mir wünschen, dass es anders läuft wie bei mir.
27:52Ich finde es auch toll, wenn es mal so weit kommt, dass das einfach Normalität hat.
27:57Aber ich finde, man muss auch den Menschen oder den Müttern, wie jetzt zum Beispiel mir oder Sarahs Eltern,
28:03wenn man da am Anfang irgendwie geschockt, man kommt aus einer anderen Zeit.
28:09Es kommt immer wieder der Gedanke, ob es vielleicht einfacher wäre, in der Stadt zu leben, anonym und gleichgesinnten.
28:18Und die Antwort ist eindeutig ja, es wäre einfacher.
28:21Die Frage ist nur, wem man damit dann einen Gefallen tut.
28:26Wenn wir an Samu denken, würde er dort vermutlich kein so ein freies, lebendiges, naturverbundenes Leben führen können.
28:50Es ist ganz aufregend. Ich habe jetzt das erste Werkzeug für Blacken See gekauft.
28:54Die Kraniche ziehen, die rufen hier und es ist so schön, der krasse Kontrast zu Berlin.
29:02Na, schleichst du wieder zum Auto?
29:06So, hier nach oben.
29:08Und einmal auf drei. Eins, zwei, drei.
29:12Wir tasten uns langsam vor.
29:15Ja, ansonsten ist hier weiter noch nichts passiert.
29:22Wir selbst sind nicht die größten Handwerker, aber ich glaube, nach diesem Projekt werden wir es sein.
29:40So eine Frau fürs Grobe ist ja was Feines, ne?
29:45Kaffeepause!
29:48Ich wollte nicht schwul sein. Mein Outing war schwierig, vor allem für mich persönlich, weil ich wollte immer eine Familie
29:54haben. Ich wollte immer ein eigenes Haus und Hof und Kinder haben.
29:59Und als ich mich damals vor 20 Jahren geoutet habe, da war das alles so noch nicht möglich.
30:19Wenn man in der Öffentlichkeit steht, egal ob man jetzt ehrenamtlich aktiv ist oder Rollenvorbild ist oder sein möchte, steht
30:27man auch immer unter Beschuss.
30:30Das belastet mich definitiv. Also ich versuche dann mit guten Freundinnen und Freunden darüber zu sprechen, gehe dann auch relativ
30:37offen mit meiner Depression um zum Beispiel.
30:41Bin da auch in Behandlung. Da spielt das Ehrenamt schon eine entscheidende Rolle, weil ich persönlich auch dazu tendiere, irgendwann
30:48zu viel zu machen und dann die Kräfte auch falsch einzuschätzen.
30:53Viele meiner Freundinnen und Freunde aus Weißenfels selbst sind weggegangen und ja, das bringt manchmal schon so Momente der Einsamkeit
31:02vielleicht.
31:09Die Zukunft für mich in Weißenfels hängt davon ab, ob ich hier eine gute Anstellung in der Nähe finde, wie
31:15sich die Stadt auch weiterentwickelt und natürlich auch partnerschaftlich, ob ich irgendjemanden finde, der sagt, ich will jetzt nach Weißenfels
31:21ziehen.
31:23Ich sage offen, es ist eine Problemstadt, wir haben viel zu tun und da muss man halt dran arbeiten.
31:37Die Zähne übereinander, aber ein bisschen frei lassen, dass die Luft rauskommt.
31:44Die Lippe oben und unten auf die Zähne.
31:48Und probieren wir mal, ansetzen.
31:57Die Menschen sind schon noch sehr traditionell eingestellt, sehr konservativ eingestellt.
32:03Aber man kann auf jeden Fall auch sagen, dass die jungen Menschen sehr viel Offenheit mitbringen.
32:12Einfach üben, üben, üben.
32:14Ich komme zu euch.
32:17Spielen wir es nochmal mit Wiederholung.
32:24Als wir dann zurückgezogen sind aufs Land, kannten wir keine queeren Menschen.
32:29Es gab verschiedene Personen, die sich geoutet haben, die aber in der Regel dann vom Land in die Stadt gezogen
32:34sind.
32:38Bist du Mama?
32:39Ich bin Mami, ja.
32:40Ich bin Mama, ja.
32:42Das ist witzig.
32:44Wie hat sich das bei euch entschieden?
32:45Einfach so.
32:47Ich habe gesagt, ich möchte gerne Mamas sein.
32:49Ich habe ja auch die Vorarbeit.
32:51Dann habe ich mir das rausgenommen.
32:54Wir haben ein Netzwerk gegründet, das nennt sich Ilse.
33:00Ilse bedeutet Initiative für lesbisch-schwule Eltern.
33:04Das gibt es in ganz vielen Städten auf dem Land eher selten.
33:07Und wir haben für uns gesagt, weil wir eben hier kein Netzwerk haben, keine Regenbogenfamilien kennen, möchten wir auf jeden
33:14Fall für unseren Sohn ein Netzwerk gründen und andere Familien kennenlernen, dass die sich austauschen.
33:20Das ist ein Punkt, in dem wir hoffen, ihn stärken zu können.
33:25Findest du?
33:26Ja, findest du.
33:26Ja, ja.
33:28Ich nehme mal.
33:28Bitte schön.
33:30Danke.
33:31Das Besondere bei den Treffen mit anderen Regenbogenfamilien ist, dass man dieselben Themen hat.
33:38Das sind alles ganz, ganz relevante Themen, die wir so im Dorf nicht besprechen können.
33:44Doch, wir hatten kurz vor Weihnachten, hatte ich dann den Beschluss von der Stiefkindadoption, genau.
33:48Ich finde es immer noch extrem krass, dass das Jugendamt einen Hausbesuch macht und guckt, ob wir gut leben.
33:55Und die anderen, die treffen sich in der Disco, haben Spaß und dann, ups, ne?
34:00Als das Jugendamt kam, war es für mich ganz, ganz schwierig, weil ich das Gefühl hatte, ich habe etwas falsch
34:03gemacht.
34:04Oder ich dachte jetzt so, im Ort dann ...
34:06Oder ich dachte auch, ich hatte richtig Angst, zieht man irgendwie der Frau an, dass sie vom Jugendamt ist oder
34:12so, weil was denken denn die Nachbarn, wenn das Jugendamt zu uns kommt?
34:14Also, das ist eigentlich eine blöde Idee.
34:15Weil es den Leuten ja auch gar nicht bewusst ist, dass man das überhaupt machen muss.
34:20Die Treffen mit den Regenbogenfamilien sind ganz besonders wichtig dafür, dass Samu realisiert, dass es ganz viele davon gibt.
34:28Es gibt vielleicht in seinem Kindergarten oder in seiner Grundschule oder in seinem Gymnasium keine oder nur ganz wenige andere
34:34Regenbogenfamilien.
34:37Aber insgesamt gibt es ganz viele.
34:40Musik
35:02Früher habe ich das allein getragen, aber ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste.
35:07Heute feiern wir die Generationsübernahme von Jens und von mir und so ein bisschen meinen 40. Geburtstag feiern wir nach.
35:14Auf ist es schon.
35:17Oha!
35:18Okay, es ist uns nichts um die Ohren geflogen, das ist schon mal gut.
35:22Ein Abend vor unserer großen Party sind wir ja noch durchs Dorf gelaufen und haben wirklich an jeder Tür geklingelt.
35:30Eine Person hat gar nichts gesagt, hat uns nur angeguckt und hat genickt, haben bei uns dann bedankt und sind
35:38dann wieder gegangen.
35:40Aber alle anderen waren schon zum großen Teil neugierig.
35:45Wir meinen das wirklich ernst, wir wollen hierher kommen, das wird nicht so ein Wochenendhaus, sondern wir wollen einfach hier
35:50mit euch eine gute Nachbarschaft führen.
35:54Und das war uns wichtig.
35:55Musik
36:07Hallo Christian, hallo Christian Krüger, hi.
36:12Moin.
36:13Hi Christian.
36:15Hi.
36:16Ja sehr schön, schön, dass ihr da seid.
36:20Es hat uns sehr überrascht, dass so viele Leute dann aus der Nachbarschaft dann wirklich gekommen sind.
36:25Als die dann nachher wirklich in Gruppen so über die Straße rüber kamen, dachte ich so, oh Gott, das waren
36:29auch die Ersten.
36:30Die ganzen Berliner und aus dem Umland, die kamen später, aber die Nachbarn, die waren schon pünktlich da.
36:36Ich werde mal einmal euer Wasser stibitzen.
36:38Wir haben eine Sektschorle, man muss hier irgendwie durchhalten.
36:41Das Wasser weglassen hier.
36:44Dann ist schneller Schluss, als man denkt.
36:50Seine eigene Bubble bricht man hier auf dem Land viel mehr auf und ist eben mit dem Nachbarn, die dann
36:57vielleicht auch schon mal älter sind oder so.
36:59Also man ist hier viel diverser unterwegs, ironischerweise, weil wir eben nicht nur in unserer queeren Bubble unterwegs sind.
37:08Herzlich willkommen, schön, dass ihr da seid.
37:10Man hat ja so ein bisschen Bedenken, wenn man, ich sage mal, als schwules Paar aufs Land zieht, wo man
37:17denkt, außer Anonymität der Großstadt, besonders auch mit den aktuellen politischen Entwicklungen, das ist natürlich etwas, was im Hinterkopf mitschwingt.
37:25Und es freut uns umso mehr, dass unserem Ruf so viele Leute gefolgt sind und uns das Gefühl gegeben haben,
37:32hey, schön, dass ihr da seid. Wir sind gespannt auf euch. Mal sehen, was ihr macht.
37:39Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was die Aufnahme von Christian und Jens hier angeht, von den Langsehern. Und insofern
37:50ein guter Start, würde ich sagen. Guter Start.
37:56Es war so eine herzliche und offene Atmosphäre. Also ich war so, so dankbar und froh darüber, dass es wirklich
38:05eine so schöne Feier geworden ist. Hätte ich nicht mit gerechnet, muss ich ganz ehrlich sagen.
38:11Ich habe Jens hier einen Heiratsantrag gemacht, bevor wir das mit Blankensee gestartet haben und ich wollte eigentlich so ganz
38:17romantisch, wir heiraten und dann machen wir das als Ehepaar gemeinsam, diesen Umbau.
38:22Und Jens ist da etwas pragmatischer als ich und der hat gesagt, warte mal ab, wir wollen erstmal gucken, ob
38:27wir uns nach dem Umbau immer noch mögen und wenn es gut geklappt hat, dann können wir heiraten.
38:33Also ich bin da ganz optimistisch und ich glaube, ich werde meine Hochzeit kriegen, glaube ich.
38:41Ich bin da schon aufgeregt, oder?
38:54Ich bin also so unendlich aufgeregt, das war ich schon lange nicht mehr.
38:58Ja, ich bin dabei, ja.
38:59Ja, das ist so schön.
39:03Ich gehe jetzt ins Standesamt und werde dort mit der Standesbeamtin sprechen, die dafür zuständig ist, dass mein Name geändert
39:09wird.
39:12Das ist nicht einfach nur ein Name, das ist, was ich bin und das löst so viel in mir aus
39:16und diese Frau hat überhaupt gar keine Ahnung, worum es da ging und was sie da gemacht hat.
39:21Der Prozess der Namensänderung war erstmal wieder ein bisschen holperig und das war auch das erste Mal, wo ich sie
39:27dann gesehen habe.
39:29Sie hat mir das alles ausgehändigt und hat dann gesagt, haben Sie noch Fragen?
39:33Nein, Fragen habe ich nicht mehr, aber ich muss jetzt mit Ihnen noch was besprechen.
39:38Es geht um das Telefonat, was Sie mit mir geführt haben.
39:42Und sie hat überhaupt nicht gewusst, was sie gemacht hat.
39:45Sie war komplett geflasht und hat sich wirklich sehr glaubhaft dafür entschuldigt.
39:52Sie hat dann auch geweint.
39:54Ich mache jetzt gleich direkt online den Termin bei der Einwohnermeldebehörde und dann wird der neue Personalausweis beantragt.
40:01Und dann, wenn ich ihn dann in der Hand halte, dann freue ich mich sehr.
40:18Here it is!
40:21Es ist so krass.
40:22Einfach ein Perso jetzt mit meinem richtigen Namen raus.
40:26Es ist so schön.
40:27Ich freue mich unendlich, dass es jetzt wirklich geklappt hat.
40:32I'm coming clear
40:53Können wir es so machen, dass wenn jetzt tatsächlich viele Teilnehmer kommen, dass wir die ganze Straßenbreite nehmen?
40:58Da muss man dann sehen, wie viele Personen jetzt wirklich ankommen.
41:05Gibt es irgendwie eine Sektorenaufteilung bei Ihnen?
41:07Ja, sie ist die Burgenlandkreis, startet zuerst.
41:15Es ist wie im letzten Jahr, dass immer irgendjemand was von mir will.
41:18Das ist schon stressig.
41:20Aber viele liebe Leute da und ich bin optimistisch.
41:28Wir wollten von dem Morga-Team angesprochen, dass hier zwei Personen stehen, die wahrscheinlich nicht ganz so reinpassen.
41:32Darum hören wir Sie jetzt dazu als Versammlungsleiter.
41:35Ja, die Plakate kommen weg oder ihr geht?
41:37Ja, das ist klar.
41:39Kriegen wir noch eine Begründung dafür?
41:40Wir konnten die Person nicht einordnen, wir wussten nicht, sind das jetzt unsere Teilnehmenden, die das irgendwie unterstützen?
41:48Kommen die vielleicht von der Gegendemo?
41:49Das sind ganz liebe Jungs, die machen wirklich nur ein Gedankenexperiment.
41:52Wir sind zwar politisch, aber wir wollen nicht, dass sich Leute unsicher fühlen und es haben sich Leute offensichtlich unsicher
41:58gefühlt.
41:58Ja, aber wieso darf ich mit dir keine normale Diskussion führen wie zwei normale Menschen?
42:03Weil ich hier keine Zeit habe, stundenlang zu diskutieren.
42:05Heißt, Plakate kommen jetzt weg, dann kommen Müll und dann könnt ihr da friedlich teilnehmen.
42:10Ja, was, wenn ich es mir auf die Stirn schreibe?
42:14Alles klar.
42:15Wir wollen jetzt hier gar nicht irgendwie, Erstversammlungsleiter, packt die Plakate weg, ihr könnt daran teilnehmen, so wie ihr es
42:20gesagt habt und dann ist alles friedlich.
42:23Mit Leuten, die rechts außen stehen und diese Gesellschaft im Kern angreifen und auch die Demokratie angreifen, mit denen wird
42:29nicht geredet und die werden nicht auf den Platz gelassen, weil das am Ende allen schadet.
42:34Man muss mit Toleranz halt da aufhören, wo andere massiv die Axt anlegen wollen.
42:38Ich glaube schon mal einen ganz großen Applaus, dass die Leute das hier im ländlichen Raum machen, das ist ein
42:42wichtiges Zeichen.
42:43Schau mal her, was grad los ist, Musik ist laut, die Stadt so bunt wie nie.
42:51Ey, ich lieb's, wenn es so ist, mag deine Haut, dass ich sie grad seh.
42:58Und der Herr da drüben soll doch schief schauen, nimm das Glitzer und poste zu ihm.
43:13Da gibt's Momente, wo man dann auch ein bisschen realisiert, was man gerade auf die Beine gestellt hat und merkt,
43:18okay, da laufen gerade hunderte Leute durch diese Stadt, die so dringend eine queere Repräsentation braucht.
43:27Die Frage, bleib ich hier oder geh ich weg, das ist immer noch das, was mich jetzt weiterhin ein bisschen
43:32belastet, weil es macht mir Spaß und es raubt nach Kraft.
43:35Aber ich hoffe, dass ich das jetzt so im nächsten Jahr ein bisschen herausfinde, wie der Weg weitergeht.
43:42500 Leute sind heute hier und es hätte nicht besser laufen können, gute Zusammenarbeit mit der Stadt Zeitz, aber auch
43:47mit der Polizei, wo ich ein bisschen skeptisch war und genau, bin zufrieden.
43:52Ich möchte mich einfach nur total bedanken, dass du nach Zeitz gekommen bist als Waisenfelser und hier eine Bride auf
43:57die Beine gestellt hast, was wirklich nicht selbstverständlich ist.
44:00Ja, und das ist wirklich wahnsinnig toll. Dankeschön.
44:03Nein, danke.
44:05So geil.
44:06Toi.
44:16Oh nein.
44:20Toi.
44:21Oh nein.
44:25Toi.
44:28Rose.
44:28PuhralsslJa.
44:33Tja Tja Tja.
44:34Tja Tja.
44:34Diese Videokromie.
44:34Die носيت部分.
44:34Tangentare.
44:34Joah Пусara.
44:35Taurat.
44:35Sigla Tja.
44:35Ah-oh!
44:37Ah-oh!
44:41Ah-oh!
44:42Ah-oh…
44:43Ah-oh yeah yeah yeah yeah.
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