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00:00Hey, is your clothes always full?
00:04You would love to do it every week, because you can't wear anything like you want to buy new clothes?
00:10If not, you are not alone.
00:13In Germany, every year, more than a million tons of old textiles.
00:18That's about 15 kg per person.
00:22What about the whole thing?
00:24Just to throw away?
00:24Is it too bad?
00:26Is it too bad?
00:27Is it too bad?
00:29Here comes Secondhand into the game.
00:32There are many platforms that sell all the necessary things,
00:36some of them, especially clothes.
00:38This is the Kreislaufwirtschaft at Momox.
00:41Basically, they are good for the environment,
00:44good for your badness.
00:46Stimmt that?
00:48We want to find out with these little trackers here.
00:51They have we in our clothes.
00:54And one of the biggest Secondhand platforms in Europe.
00:58Selpi.
00:59Kennst du nicht?
01:00But H&M?
01:01Maybe already.
01:01And what they have to do with each other,
01:03we will tell you.
01:06More than a year lang,
01:07we have followed the traces of our trackers around the Globus.
01:11We learned things about the Secondhand-Branche,
01:14which have us, let's say, surprised.
01:17The consequence is for me,
01:19that I am probably going to be ashamed of it.
01:22In our eyes,
01:23yeah,
01:24yeah,
01:25a false Versprechen
01:26and just a Vortoushung
01:27from Nachhaltigkeit
01:29and at the end also Verbrauchertäuschung.
01:31What is dran
01:32on the Versprechen
01:33of Secondhand-Plattforms?
01:35Where are our clothes really?
01:37We are all Secondhand-Fans.
01:40Svenja stöbert gerne
01:41through Vintage-Shops,
01:43Carmen lieb Flohmärkte
01:44und ich kaufe Secondhand im Internet.
01:48Ich bin Vanessa.
01:49Gemeinsam haben wir
01:50zu einem der größten Müllprobleme
01:52unserer Zeit recherchiert.
01:53Willst du sehen?
01:54Dann los!
01:55Das ist eine neue Folge Team Recherche.
02:07Das ist Influencerin und Unternehmerin Madeleine Daria Alizadeh,
02:11bekannt als Daria Daria.
02:13Wir treffen sie in Lissabon.
02:15Auf ihrem Insta-Account mit rund 370.000 Followern
02:18dreht sich beinahe alles um Secondhand-Mode und Nachhaltigkeit.
02:22Als ich das erste Mal von Selpi gehört habe,
02:24dachte ich mir, dass das eine sinnvolle Plattform ist wahrscheinlich,
02:28weil man als Verkäuferin relativ wenig Aufwand hat.
02:31Man muss eben nicht mit der Kundin kommunizieren,
02:33man muss keine Fotos machen, das ist ja etwas, was viele stört.
02:36Madeleine hat auch schon Werbung für Selpi gemacht.
02:38Das ist mein Outfit of the day.
02:40Dieses T-Shirt ist eines meiner Lieblings-T-Shirts.
02:43Und das habe ich von Selpi.
02:45Bei Selpi kann man Secondhand-Artikel online kaufen.
02:48Am Ende habe ich mich dazu entschieden, mit denen zu arbeiten,
02:52weil ich einfach jede Bestrebung in diese Richtung unterstützen möchte
02:56und auch es besser finde, wenn eine Kundin sich für ein gebrauchtes Teil
03:00von dieser Plattform entscheidet,
03:02statt sich für ein neues Fast Fashion Teil zu entscheiden.
03:06Also ich glaube, die Alternativen sind immer gut.
03:11Selpi will deiner alten Kleidung eine zweite Chance geben
03:14und verspricht vollmundig, dass du damit für eine nachhaltigere Zukunft sorgst.
03:18Wenn keiner deine alte Kleidung kaufen will,
03:21kannst du sie dir gegen eine Gebühr zurückschicken lassen.
03:23Oder sie wird gespendet oder recycelt, sagt Selpi.
03:30Das klingt doch fast zu schön, um wahr zu sein.
03:33Und Spoiler, ist es auch.
03:35Aber eins nach dem anderen.
03:40Vor mehr als einem Jahr starten wir ein Experiment.
03:43Unser Kollege Caspar näht Bluetooth-Tracker in unsere aussortierten Kleidungsstücke.
03:49Am Ende haben wir zwölf Kleidungsstücke mit Trackern.
03:53Und einen Hinweis zu unserer Recherche und einem Kontakt
03:55haben wir jeweils auch dazu genäht.
03:58Wir wollen wissen, was wirklich mit unserer Kleidung passiert,
04:01wenn wir sie zu Selpi schicken.
04:02Die Teile, die wir verkaufen wollen, kommen in die blaue Tüte.
04:06Die, die schon ein wenig mitgenommen aussehen, soll Selpi recyceln.
04:09Dafür gab es zu dem Zeitpunkt noch eine extra grüne Tüte.
04:13Damit geht's ab zur Post in Berlin.
04:16Der erste Stopp unserer Kleidung liegt laut dem Versandschein in Sachsen-Anhalt
04:19bei der Sellhelp GmbH in Sülzital.
04:23Mal schauen, wie es für unsere Tracker von hier aus weitergeht.
04:26In den nächsten Monaten checken wir ständig unser Handy.
04:30Gibt es ein Signal?
04:31Wohin werden sich unsere Tracker bewegen?
04:36Während wir warten, schauen wir uns die Website von Selpi genauer an.
04:39Und dabei fällt uns auf, Selpi gehört mehrheitlich zu H&M Group,
04:43einem der größten Fast Fashion Riesen der Welt.
04:46Nachhaltigkeit und Billigmode, ist das nicht ein Widerspruch?
04:49Klar ist, Fast Fashion ist ein massives Problem für die Umwelt.
04:53Es wird viel mehr Kleidung produziert, als wir überhaupt brauchen und tragen können.
04:58Der Markt wird überflutet.
04:59Wie viele Teile H&M jedes Jahr produziert, verrät das Unternehmen uns nicht.
05:03Über genaue Zahlen verfüge man nicht, heißt es.
05:06Nur, das Gewicht der Handelsprodukte habe 2024 fast 400.000 Tonnen betragen.
05:12Wie viel soll das sein?
05:13Ein Insider spielt uns geheime Dokumente zu.
05:17Allein im dritten Quartal 2025 hat H&M mehr als 94 Millionen Teile auf den deutschen Markt geworfen.
05:25In nur drei Monaten.
05:27In nur einem Land.
05:29Von nur einem Unternehmen.
05:31All das sortieren wir irgendwann natürlich wieder aus.
05:34Und was passiert dann damit?
05:39Das erste Signal unserer Tracker.
05:42Okay, fast jedes unserer Kleidungsstücke ist in Polen gelandet.
05:46In Robarkowo im Westen des Landes.
05:49Laut Maps ist da eine Lagerhalle.
05:51Gemeinsam von Selby und der H&M Group.
05:53So weit, so unauffällig.
05:57In den nächsten 14 Monaten kleben wir quasi an unserem Handy.
06:01Es ist schon verrückt zu sehen, wo sich unsere Tracker überall hinbewegen.
06:06Die Handtasche zum Beispiel reist vom Selby Sortierlager nach Posen.
06:10Dann mit dem Schiff nach Kopenhagen, dann über den Landweg nach Schweden und dann zurück nach Bremen.
06:16Das nenne ich mal einen fetten Umweg.
06:20Andere Klamotten reisen von Polen in die Türkei, nach Schweden, wieder nach Deutschland zurück.
06:25Und für andere geht's nach Dänemark, nach Schweden und dann nach Finnland.
06:32Selby erklärt dazu, sie würden eine erhebliche Menge von gebrauchten Artikeln im Umlauf halten und ihre Lebensdauer verlängern.
06:39Die Produktion eines neuen Kleidungsstücks verbrauche mehr Ressourcen als der Transport.
06:43Die Logistik überprüfe man kontinuierlich, um das richtige Gleichgewicht zwischen betriebsbedingtem Umfang und Umweltauswirkungen zu finden.
06:51Wir finden trotzdem alles ganz schön weite Strecken. Richtig nachhaltig klingt das nicht.
06:57Einige unserer Teile werden wohl über Selby verkauft. Die Tracker schalten wir ab. Ein paar Tracker gehen kaputt.
07:04Es vergehen neun Monate. Und dann wieder ein Signal. Der schwarze Hoodie ist jetzt in Indien.
07:13Und es kommt noch krasser. Wieder vergehen Monate.
07:18Dann tauchen unsere kurze Sporthose und die schwarze Hose wieder auf.
07:22Tausende Kilometer entfernt von ihrem letzten Standort. Und zwar in Pakistan.
07:29Was?
07:31Alle drei Teile haben wir als Recyclingware in der grünen Selbytüte verschickt.
07:36Warum sind sie jetzt in Südasien?
07:39Okay, wir haben nicht erwartet, dass wir für den Film so weit reisen werden. Aber da müssen wir hin.
07:44Also, Visa beantragen, Temperaturen checken, Tasche packen. Und ganz wichtig, Handy mit Tracker-Daten nicht vergessen.
07:52Es geht nach Pakistan.
07:56Zwölf Stunden und drei verlorengegangene Gepäckstücke später sind wir an dem Ort, von dem wir die letzten Signale bekommen haben.
08:03Die Hafenstadt Karachi. Von den etwa 20 Millionen Einwohnern sind anscheinend alle gerade gleichzeitig unterwegs.
08:10Also, auf zu den Trackern. Rein in den Stau.
08:33Was uns sofort auffällt, Textilien sind in Karachi omnipräsent.
08:38Kein Wunder, Pakistan gilt weltweit als Nummer-eins-Importeur für gebrauchte Kleidung. Oft aus Europa.
08:45Und wer Second-Hand-Kleidung sucht, der darf einen Ort nicht verpassen. Den Shersha Landermarkt.
08:51Der ist, naja, minimal größer als die Märkte, die wir so kennen. Ein Labyrinth aus ca. 5000 Lagerhallen.
08:59Hier lande fast alles an Kleidung, was mit den großen Containerschiffen am Hafen ankommt. Egal in welcher Qualität.
09:07Wenn die Container hier ankommen, öffnen die Händler die Bündel und sortieren die Produkte.
09:13A steht für gute Stücke. Keine Verschmutzung, keine Schnitte.
09:18Die Ware aus C-Kategorie ist verschmutzt und mit Schnitten.
09:23Dieses Geschäft ist wirklich eine Überraschung.
09:26Das ist Wazir. Einer von unzähligen Händlern hier auf dem Markt.
09:30Welche Qualität die Kleidung hat, sehe er erst beim Auspacken der sogenannten Bails.
09:35Ein bisschen wie ein Überraschungsein mit Kleidung sozusagen.
09:39Wie sollen all diese Berge an Textilien wirklich noch verkauft und getragen werden?
09:44Einige sehen eher so aus, als würden sie hier schon Wochen oder Monate rumliegen.
09:49Immer wieder sehen wir Kleidung in einem sehr schlechten Zustand.
09:56Der Shersha-Markt ist der Dreh- und Angelpunkt für Schrott jeder Art.
10:00Das ist definitiv eine Tatsache.
10:03Angel Imdat ist Umweltschützerin und bemüht sich mit ihrem Unternehmen
10:07um die richtige Verwertung von Müll hier in Karachi. Auch von Kleidung.
10:11Sie kritisiert, jedes Jahr kämen hier mehr Altkleider in miesem Zustand an.
10:15Das sollte auch aus Europa besser reguliert werden, sagt sie.
10:21Die Regeln sollten strenger sein, was die Masse der eingeführten Kleidung angeht,
10:26da es für die Menschen hier dann schwierig ist, damit noch zu arbeiten.
10:33Was sie meint, sehen wir hier überall.
10:36Müllberge.
10:38Vor allem Alltagsmüll, aber auch Kleidungsmüll.
10:41Es gibt kaum offizielle Deponien.
10:44Vieles landet hier in Karachi einfach am Straßenrand.
11:06Auf dem Shersha-Markt kommen wir mit anderen Händlern ins Gespräch.
11:09Sie zeigen uns Kleidung, die aus Deutschland kommen soll.
11:14Die Qualität ist nicht besonders gut. Das ist B, C.
11:18Und was passiert mit den Abfällen?
11:20Die werden für verschiedene Dinge verwendet, zum Beispiel verbrannt.
11:24Ah, es wird verbrannt?
11:25Ja, verbrannt. Der Müll.
11:27Die Sachen, die Sie nicht verkaufen, werden verbrannt?
11:30Mhm, sie werden verbrannt.
11:34Und damit kommen wir auf eine Spur, die alles in Frage stellen wird, was wir unter Recycling verstehen.
11:40Und was unsere getrackte kurze Sporthose damit zu tun hat, erfahren wir später noch.
11:45Auch von einem anderen Kleidungsstück bekommen wir wieder ein Signal.
11:49Es ist die braune Hose.
11:50Sie war in einem guten Zustand.
11:52Kaufen wollte sie über Selpi niemand.
11:54Deswegen wurde sie laut App gespendet.
11:56Dazu verspricht Selpi,
12:03Nur, auf der Website des Spendenpartners steht, er wisse gar nicht wohin mit der ganzen Kleidung.
12:15Deshalb können vorübergehend keine neuen Spenden angenommen werden.
12:19Was ist da los?
12:23Wir fahren hin, nach Warschau, ins Industriegebiet.
12:28Schon am Zaun sehen wir auch hier huge Overflow, Klamottenberge überall.
12:37Ein Interview will uns hier niemand geben.
12:39Aber dann sagt uns ein Mitarbeiter doch noch was, quasi im Vorbeigehen.
12:44Es ist wie eine riesige Flut von Textilien, die den Markt überschwemmt.
12:48Die Menschen wissen nicht, was sie damit machen sollen.
12:50Sie können sie nicht wegwerfen.
12:52Und der Zustrom war riesig.
12:54Wir konnten einfach nicht mehr mithalten.
12:56Und die Qualität wurde immer schlechter.
12:58Es ist ein Kampf, aber im Grunde zeigt es einfach die Realität.
13:04Selpis einziger offizieller Wohltätigkeitspartner, über den angeblich alle Kleiderspenden verteilt werden sollen, erzählt uns hier also gerade einfach mal so,
13:13dass das System kollabiert ist?
13:14Wir haken nochmal schriftlich nach.
13:17Sowohl Selpi als auch der Charity-Partner schreiben uns, dass Ubrania do Odanja 2025 die Annahme von Spenden nur von
13:25Privatpersonen ausgesetzt hat.
13:27Die geschäftliche Zusammenarbeit mit Selpi während dieses Zeitraums sei aktiv gewesen und die Spendenannahme nun wieder geöffnet.
13:34Von unserem Gespräch vor Ort distanziert sich der Charity-Partner.
13:41Unsere braune Hose, die angeblich gespendet wurde, meldet sich allerdings von einem ganz anderen Ort. Und zwar von genau hier.
13:50Laut Unternehmensregister gehört das Grundstück einem Händler für Autoteile.
13:53Was macht unsere Hose hier? Hinter dem Zaun sehen wir einen Container und einen Bulli, aus dem Kleidung hängt.
14:01Gemeinsam mit unserem Kollegen Marcin Swixer erfahren wir von den Nachbarn, der Mann, dem das Grundstück gehöre, verkaufe nicht nur
14:08Autoteile, sondern auch Kleidung.
14:10In afrikanische Länder. Also auch die, die Selpi angeblich spendet.
14:15Zwei Monate lang versuchen wir immer wieder, den Händler zu erreichen. Nach gefühlt tausend Anrufen haben wir endlich Glück.
14:26Seit drei Jahren handele er mit Secondhand-Kleidung, sagt er. Er bekomme sie von wohltätigen Organisationen, auch von Selpis Spendenpartner.
14:35Kennen Sie die Organisation Obrania do Dania? Also ist es auch eine Organisation, mit der Sie zusammenarbeiten?
14:43Ja, ja, ja, ja, ja, ja.
14:46Sie bekommen auch Kleidung von Ihnen?
14:48Ja, genau. Das tue ich.
14:50Er sagt, er lagere die Kleidung auf dem Grundstück und verschiffe sie dann nach Nigeria und Togo.
14:56Aber es handelt sich nicht um eine Spende, sondern um ein Geschäft, oder?
15:00Nein, es ist keine Spende.
15:03Er erzählt uns ganz offen, 38 Cent zahle er pro Kilo und verkaufe die Ware anschließend für 45 Cent weiter.
15:11An Händler in afrikanischen Ländern.
15:14Okay, wow. Die Sachen, von denen Selpi auf der Homepage groß verspricht, sie an bedürftige Menschen zu spenden, werden einfach
15:21weiterverkauft?
15:22Erst durch Nachfrage beim Charity-Partner erfahren wir, Kleidungsstücke würden hier auch verkauft.
15:27Das eingenommene Geld würde aber gespendet. Auf der Homepage von Selpi lesen wir davon nichts.
15:33Und dass unsere Kleidung womöglich in afrikanischen Ländern wie Togo oder Nigeria landet und Zwischenhändler damit weiter Kohle machen, verwundert
15:41uns dann doch sehr.
15:42Selpi sagt zum Weiterverkauf in afrikanische Länder, im Vertrag mit dem Spendenpartner sei geregelt, dass Artikel nicht außerhalb Europas verkauft
15:51werden dürften.
15:52Selpi erhalte regelmäßige Berichte, um zu verifizieren, dass die Verträge eingehalten würden.
15:57Der Spendenpartner bestätigt das.
16:00Vor Beginn der Zusammenarbeit durchläuft jeder Partner einen gründlichen Überprüfungsprozess.
16:05Wir untersuchen derzeit gemeinsam mit Selpi den Sachverhalt, um sicherzustellen, dass dies nicht wieder vorkommt.
16:11Für Ruth Preivisch von der Verbraucherzentrale reiche das aber nicht aus.
16:16Wenn solche Versprechen abgegeben werden, ohne dass ein Unternehmen wirklich ganz genau weiß, wo die Kleidung am Ende landet und
16:24wie mit der Ware am Ende umgegangen wird,
16:26dann ist das in unseren Augen ein falsches Versprechen und am Ende auch Verbrauchertäuschung.
16:33Eine Frage, die uns während der Recherche nicht aus dem Kopf geht.
16:37Was hat H&M eigentlich von Selpi?
16:39Laut Geschäftszahlen macht H&M mit der Plattform kaum Gewinn.
16:44Wir schauen nochmal in die internen Unterlagen von H&M, die uns ein Insider zugespielt hat, und finden einen Hinweis.
16:51Obwohl die Vorteile von Selpi nicht die wichtigsten Leistungsindikatoren der Mitglieder beeinflussen, können sie sich positiv auf die Wahrnehmung der
16:59Marke auswirken.
17:01Wir verstehen das so. Es geht hier vor allem ums Image der Marke, also darum, wie H&M durch Selpi
17:07nach außen hin wirkt, nämlich nachhaltiger.
17:10Übrigens, H&M sagt uns, das widerspreche ihrer Auffassung und dass sie das Dokument nicht kennen würden.
17:16Komisch. Wir schon.
17:19Aber wie nachhaltig ist H&M tatsächlich?
17:22Nach Monaten der Recherche bekommen wir Kontakt zu einer Person, die mehr als zehn Jahre für die H&M Group
17:28gearbeitet hat.
17:29Unter anderem hat sie versucht, dort ein Nachhaltigkeitsprojekt aufzubauen.
17:33Um sie zu schützen, haben wir einen Schauspieler gebeten, die Aussagen nachzusprechen.
17:40Ich hatte nicht das Gefühl, dass es ein ehrliches Interesse an Nachhaltigkeit gab. Dafür müssten sie auch strukturell etwas verändern.
17:48Ich habe mit anderen versucht, eine Veränderung von innen anzustoßen, aber das ist in dem bestehenden System nicht leicht.
17:56Die Person erzählt uns, man habe sich bei H&M eigentlich nie damit beschäftigt, was mit der Kleidung passiere, nachdem
18:02sie verkauft wurde.
18:05Ich halte das Nachhaltigkeitsversprechen von H&M und damit auch Investitionen in Unternehmen wie Salpi nicht für glaubwürdig, solange sie
18:12sich nicht kritisch selbst hinterfragen.
18:14Also ihre Struktur und ihr ganzes Geschäftsmodell.
18:18Hast du das Gefühl, dass Salpi in deinen Augen auch eine Form von Greenwashing sein könnte für H&M?
18:29H&M widerspricht diesen Aussagen. Ihnen gehe es bei der Nachhaltigkeitsarbeit nie um Greenwashing.
18:36Das würde kategorisch den Grundsätzen von H&M widersprechen.
18:39Stattdessen würden sie daran arbeiten, Verschwendung zu reduzieren, die Produktlebensdauer zu verlängern und bessere Praktiken in ihrer Lieferkette zu fördern.
18:48Was sagt Unternehmerin und Fair-Fashion-Influencerin Madeleine Alisadeh dazu?
18:53Wenn es um Claims zu Nachhaltigkeit geht, bin ich, glaube ich, die kritischste Person, die man fragen kann.
18:59Deswegen, ich glaube, den wenigsten Plattformen, dass sie nachhaltig agieren.
19:04Also ich glaube schon, dass man vieles will dort.
19:08Ich glaube, vieles ist aber in dem System, in dem wir uns bewegen, nicht möglich.
19:13Und ich glaube, es ist so ein bisschen, ja, den Teufelskreis, den man sich selber gebaut hat, aus dem man
19:18nicht raus kann.
19:19Innerhalb eines Systems, das auf Fast Fashion ausgelegt ist, seien viele Veränderungen also kaum möglich, meint Madeleine Alisadeh.
19:26Es sei ein strukturelles Problem.
19:31Okay, also, unsere Tracker reisen tausende Kilometer durch Europa und so gab es nach Indien und Pakistan.
19:39Die angeblich gespendete Hose meldet sich von einem dubiosen Hof in Polen, bei einem Händler, der offenbar Kleidung in afrikanische
19:46Länder verkauft.
19:47Als Kundinnen haben auch wir das Gefühl, uns wurden hier falsche Versprechen gemacht.
19:52Nachhaltig und wohltätig geht irgendwie anders.
19:59Was ist mit dem anderen Versprechen von Selby, unsere Kleidung zu recyceln?
20:03Dafür müssen wir zurück zu unserer Hose in Pakistan.
20:06Das letzte Signal, das unser Tracker uns sendet, führt uns zu diesem Gebäude in Karachi.
20:14Wir sind hier übrigens mit dem pakistanischen Investigativ-Journalisten Mohamed Subair Khan unterwegs.
20:20Gemeinsam mit ihm sprechen wir den Mann an, der hier Kleidung verkauft.
20:25Surprise! Der Händler kann sich an unsere Sporthose natürlich nicht erinnern.
20:29Wie auch bei diesen Massen.
20:31Den Großteil der Kleidung will der Mann hier noch verkaufen.
20:34Aber einiges ist auch in einem echt miesen Zustand.
20:37Wie unsere Hose übrigens auch.
20:42Die untragbare Kleidung hier wird abgeholt.
20:46Seine Identität halten wir geheim, um ihn zu schützen.
20:49Denn das, was er uns nun erzählt und zeigt, ist auch in Pakistan illegal.
20:56Auf dem Shersha-Markt gibt es einen geheimen Ort, an dem viele Leute diese Arbeit machen.
21:01Können wir den sehen?
21:02Könnt ihr, wenn sie es euch erlauben.
21:07Wir haben Glück.
21:08Für uns werden Stahltore geöffnet und wir bekommen Einblick in etwas, das nicht öffentlich zu sehen sein soll.
21:15Und immer wieder das gleiche Bild.
21:17Tonnen an Textilien, die hier ankommen.
21:19Übrigens auch einige Marken, die wir aus Deutschland gut kennen.
21:23Auch H&M.
21:25Die Kleidung, die hier abgeladen wird, ist kaputt und nicht mehr tragbar.
21:29Wie diese Kunstlederjacke zum Beispiel.
21:31Was passiert mit der Kleidung?
21:33Mohamed übersetzt für uns.
21:35Das Problem hier ist, einige Kleidungsstücke sind zerrissen oder es gibt nur eine Socke und die zweite fehlt.
21:40Das alles wird aussortiert und dann verwenden sie es als Brennmaterial.
21:47Moment mal.
21:48Also wirklich verbrannt?
21:51Und warum wird es verbrannt?
21:54Er sagt, Energie sei teuer und Treibstoff auch.
21:58Deshalb nehmen sie dafür alte Kleidung.
22:05Er sagt, dass diese Praxis seit 10, 15 Jahren so etabliert ist.
22:11Der Kleidungsmüll wird hier in Ballen gepresst und dann an einem anderen Ort ins Landesinnere gebracht, um dort verbrannt zu
22:18werden, sagt er.
22:19Ist das auch unserer Hose passiert?
22:21Am liebsten würden wir selbst in eine der Regionen fahren, wo die Kleidung angeblich verbrannt werden soll.
22:26Geht leider nicht. Aus Sicherheitsgründen.
22:30Aber wir können Kontakt zu einem Journalisten vor Ort herstellen.
22:34Nadim Mandriou lebt im Südosten Pakistans.
22:37Von ihm erfahren wir, Kleidung wird dort vor allem verbrannt, um Ziegelsteine herzustellen.
22:42Er filmt das für uns.
22:44Auch er sagt uns, Textilabfälle seien als Brennstoff für die Öfen billiger als zum Beispiel Holz oder Kohle.
22:50Ach so, und falls du dich das gerade fragst, ja, die Verbrennung passiert hier unterirdisch.
22:59Also das geschieht schon seit mehreren Jahren.
23:03Also alle Spenden, Kleider und Schuhe, die aus Europa kommen, werden hier bei der Ziegelstangenherstellung verbrannt.
23:15Und allein in unserem Bezirk Hüderabad gibt es Schätzungen zufolge zwischen 200 und 300 solcher Fabriken, wo Kleidung und Schuhe
23:24verbrannt werden.
23:31Energie ist zurzeit verdammt teuer.
23:33Und Pakistan ist da nicht das einzige Land, das sich da gerade Abhilfe schafft, indem es Altkleider verbrennt.
23:39Es ist ein globales Umweltproblem.
23:42Nadim sagt uns, das Verbrennen sei schon seit 2014 verboten.
23:46Geändert habe sich seither aber nichts.
23:50Die Umweltschutzbehörde wird nur dann aktiv, wenn darüber in den Medien berichtet wird.
23:54Also die hören dann auf, sobald keiner mehr darüber redet.
23:59Das Problem, wer Kleidung aus Polyester, Polyacryl und anderen synthetischen Fasern verbrennt,
24:05verpestet Luft und Boden mit giftigen Chemikalien.
24:08Nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch ungesund.
24:13Das Verbrennen hat natürlich direkte Auswirkungen auf ihre Atemwege und ihre Lunge.
24:18Und ich würde sagen, es ist ein langsames Gift.
24:22Unsere Sporthose haben wir in Pakistan nicht wiedergefunden.
24:25Sie war aus Polyester und in einem schlechten Zustand.
24:28Gut möglich also, dass auch sie zu giftigen Qualmen verfeuert wurde.
24:32Unter Recycling verstehen wir etwas anderes.
24:34Und Selphie eigentlich auch.
24:36Beim Recycling werden Textilien zerlegt, um daraus neue Produkte herzustellen.
24:41Durch die Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern stellen wir sicher,
24:45dass die Materialien im größtmöglichen Umfang ein neues Leben erhalten.
24:49In Pakistan haben wir einen anderen Eindruck bekommen.
24:52Hier arbeiten zwar viele Menschen daran, alte Kleidung weiterzuverwenden.
24:56Das haben wir bei den vielen Händlern auf den Straßenmärkten gesehen.
24:59Doch die großen Mengen an billiger und kaputter Ware aus dem Ausland scheinen dieses System zu überfordern.
25:06Deshalb wird viel Kleidung verbrannt.
25:08Das zerstört nicht nur die Umwelt, sondern mache auch die Menschen hier krank.
25:12Genau das Gegenteil von dem, was Selphie seinen Nutzerinnen und Nutzern eigentlich so vollmundig verspricht.
25:21Wir haben Selphie gebeten, zu all dem Stellung zu beziehen.
25:25Wieder verweisen sie pauschal an einen Partner, diesmal Luper.
25:29Luper kann Artikel an globale Märkte, zum Beispiel Pakistan, versenden,
25:33wenn sie von Selphie während des ersten Sortiervorgangs als unverkäuflich eingestuft werden.
25:38Luper halte sich an europäische Vorgaben.
25:412025 habe der Partner nur 10 Prozent der sortierten Kleidung entsorgt.
25:46Außerdem schreibt Selphie,
25:48Textildeponierung ist ein ernstes Problem.
25:50Unsere Partner exportieren keine unsortierten Textilien in großen Mengen.
25:55Stattdessen arbeiten sie mit vertrauenswürdigen Second-Hand-Händlern.
25:59Das heißt also, auch der Partner arbeitet wieder mit anderen Partnern zusammen.
26:04Kann Selphie so überhaupt wissen, was mit der Kleidung passiert?
26:08Unserer Meinung nach werden sie so ihrer Verantwortung nicht gerecht.
26:12Der Partner Luper hat sich auf unsere Anfrage bis Redaktionsschluss übrigens nicht geäußert.
26:18Wir zeigen auch Daria Daria, welche Zustände wir durch unsere Tracker-Recherche in Pakistan aufgedeckt haben.
26:28Ja, ich muss mich gut sammeln.
26:30Mich berührt das immer sehr, weil es halt, ja, wir machen das.
26:36Wir verursachen das.
26:39Und ich meine, solche Bilder haben mich dazu gebracht, vor 13 Jahren mich diesem Thema anzunehmen.
26:44Die Konsequenz ist für mich, dass ich mich jetzt wahrscheinlich erst mal schäme, dass ich mit so einem Unternehmen zusammengearbeitet
26:52habe.
26:54Dass ich mich verarscht fühle.
26:59Dass ich es vielleicht auch besser wissen sollte oder vielleicht nochmal meinen kritischen Gedanken nochmal nachschärfen sollte.
27:05Das ist so das, was ich, glaube ich, so bei mir verorte.
27:08Aber natürlich würde ich von einem Unternehmen, das noch dazu ja kapitalisiert an dieser Idee und diese Idee monetarisiert,
27:16dass die ein bisschen verantwortungsvoller dann umgehen.
27:18Ist das nur ein Problem bei Selpi und H&M oder betrifft das noch mehr Anbieter der Secondhand-Branche?
27:24Das hat Greenpeace Österreich untersucht.
27:272024 haben sie 20 Secondhand-Stücke abgegeben, bei verschiedenen Marken, aber auch bei Altkleider-Containern.
27:33Auch sie haben die Kleidung mit Trackern verfolgt.
27:36Und Ursula Bittner erzählt, bei ihrem Versuch seien sieben Kleidungsstücke in afrikanischen Ländern gelandet und drei in Pakistan.
27:43Greenpeace geht stark davon aus, dass die Stücke in Pakistan als Brennmaterial in einem Stahlwerk zerstört wurden.
27:50Was wir klar gesehen haben mit unserer Recherche ist, dass wir uns nicht darauf verlassen können,
27:55dass Kleidungsstücke, die wir spenden oder die wir bei Unternehmen abgeben,
28:02wirklich wiederverwendet werden und hier in einer Kreislaufwirtschaft eingebettet werden.
28:07Das heißt, es muss uns einfach klar sein, dass dieses System nicht funktioniert
28:12und dass das Problem an der Wurzel gepackt werden muss, dass wir weniger Kleidungsstücke überhaupt produzieren.
28:18Während wir recherchieren, kündigt Bundesumweltminister Carsten Schneider im Januar 2026 ein neues Textilgesetz an.
28:25Hersteller von Kleidung sollen künftig an den Entsorgungskosten beteiligt werden.
28:30Mit dem Gesetz soll eine EU-Richtlinie umgesetzt werden.
28:34Wir waren in Brüssel und haben dort mit der Abgeordneten Dillara Burkhardt gesprochen.
28:38Sie war dabei, als diese Richtlinie diskutiert wurde.
28:41Schwierig könnte vor allem die Umsetzung werden, sagt sie.
28:45Es muss irgendeine Form von Registrierung geben.
28:47Es muss ein Wissen darüber geben, wie viele Textilien eigentlich in Umlauf gebracht werden,
28:52um den fairen Beitrag zu den Entsorgungskosten oder zu den Sortierkosten auch zu berechnen.
28:57Denn um zu wissen, wie viel sie bezahlen müssen, müsste man ja zum Beispiel erst mal wissen,
29:02wie viel Kleidung sie überhaupt produzieren.
29:04Und genau das sagen viele Modefirmen nicht offen.
29:07Aber was wir uns ja vor allem gefragt haben, wie können H&M und Selby so vollmundige Versprechungen abgeben?
29:14Das Verbraucherschutzministerium hat gerade ein Gesetz erarbeitet, das ebenfalls auf einer EU-Richtlinie beruht.
29:21Es soll irreführende Umweltwerbung verbieten.
29:23Die Regelungen sollen im September in Kraft treten.
29:26Aber staatliche Kontrollen, ob sich Unternehmen auch daran halten, gibt es nicht.
29:31An einer zweiten EU-Richtlinie zu dem Thema, die deutlich strikter wäre, wird noch immer gearbeitet.
29:37Übrigens schon seit drei Jahren.
29:41Wir sehen. Ein bisschen was tut sich also.
29:43Aber was das am Ende alles wirklich bringt?
29:47Du fragst dich jetzt vielleicht auch, was kann ich jetzt tun?
29:50Das Problem mit unseren übervollen Kleiderschränken ist auf jeden Fall nicht so einfach und nachhaltig zu lösen,
29:56wie Unternehmen wie Selby es darstellen.
29:58Und solange sie vollmundige Versprechen auf ihren Websites machen,
30:02aber gar nicht genau kontrollieren können, was mit der Kleidung eigentlich passiert,
30:06werden sie ihrer Verantwortung nicht gerecht.
30:08Klar ist, Secondhand ist allemal besser als Neukaufen.
30:13Und je weniger Klamotten wir insgesamt shoppen, desto weniger müssen wir am Ende auch wieder loswerden.
30:38Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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