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00:03That was all the memories I had.
00:06Then he worked for a while and told me that he was at home.
00:12He was always at her.
00:15It's like if you have to move on,
00:18as if you're on the sea.
00:22That every step you make,
00:26that the story lies on, that it comes out.
00:31If you hold something big in your mind and it doesn't go out,
00:38then it makes you sick.
00:39It's such a way.
00:40It's psychical or something.
00:42You don't hold it.
00:44You can't take care of yourself.
00:46You can't take care of your child, your wife, your home.
01:13Christian ist verheiratet,
01:14hat eine Tochter und arbeitet als Einzelhandelskaufmann.
01:18Er ist glücklich, bis er mit 40 alles in Frage stellt.
01:31Diese Unruhe, die war einfach da.
01:37Ohne zu wissen, was sie ist, habe ich sie versucht zu verbergen,
01:41weil für diese Unruhe ja auch gar kein Platz da war.
01:45Denn ich war ja eingebunden vollständig in das Leben,
01:49was ich leben wollte,
01:52was in meiner Vorstellung erstrebenswert war.
01:57Plötzlich sind da Gedanken und Träume, die er vorher nicht hatte.
02:02Ich habe ja auch irgendwie nur ein Leben
02:03und das muss ich jetzt irgendwie klären.
02:05Ich kann so eine große Unruhe, so ein großes Fragezeichen,
02:09was da auf einmal ist, nicht wegdrücken.
02:12Und dann ging es darum, so Gedanken mal zuzulassen.
02:15Zuzulassen, wie es mir geht, zuzulassen, wer ich bin.
02:18Und den Gedanken zuzulassen,
02:20dass ich Männer wahrscheinlich anders betrachte,
02:23als ich das von mir erwartet hätte.
02:27Christian beginnt ein Doppelleben.
02:29Er bleibt Ehemann und Vater.
02:31In Gedanken aber sehnt er sich nach einer anderen Welt.
02:39Ich mochte meine Frau.
02:40Ich liebte meine Frau.
02:42Das war alles gewollt.
02:44Das war alles ja auch gut.
02:46Und wir hatten es ja auch gut.
02:48Und wir waren ja auch ein gutes Team.
02:51Aber ich konnte es nicht zurückhalten.
02:53Und ich merkte auch, dass es nicht geht,
02:55dass es mir nicht gut tut, wenn ich es zurückhalte.
02:58Und habe mich dann aufgemacht und gesucht,
03:03wo man sich treffen kann, wo sich solche Menschen begegnen.
03:10Seine Frau ist seine große Jugendliebe.
03:13Nun hat er das Gefühl, sich ihr nicht mehr anvertrauen zu können.
03:17Das hat geschmerzt.
03:19Und dann hat auch geschmerzt, mit diesem Wissen zu sein.
03:24Und sie weiß es eben nicht oder noch nicht.
03:28Weil ich ja gar nicht wusste, wie ich das überhaupt irgendwie ihr mitteilen kann.
03:34Ja, er war sehr in sich gekehrt und war sehr ruhig.
03:41Abends hat er so abgeschaltet.
03:43Und da denke ich, hm, das ist irgendwie ein bisschen seltsam.
03:46Und da habe ich gedacht, irgendwas ist doch.
03:50Aber vielleicht ist er krank oder keine Ahnung, Stress auf der Arbeit.
03:55Oder vielleicht hat er doch eine andere Frau, war noch so der Gedanke.
03:59Also es hat mir dann schon wehgetan, also sehr weh.
04:08Karl ist viel auf Dienstreisen. Er hat drei Jobs. Logistiker, Sicherheitschef und Personenschützer.
04:17Seine Freundin Alina weiß oft gar nicht, wo er gerade steckt.
04:24Du gehst auch nach Hamburg. Warum weiß ich davon nichts? Und davon nichts? Wovon?
04:31Du hast mir davon gar nichts erzählt.
04:34Aber da habe ich, äh, da ist noch nicht fest, weil ich da noch nicht hundert Prozent weiß,
04:38habe ich da, ähm, mit dem anderen Job gefragt.
04:41Aber das ist genau das. Du kannst mir nicht erst die Sachen sagen, wenn sie fest sind.
04:44Wir müssen vorher darüber sprechen.
04:46Ja.
04:48Ein Streitpunkt mit Vorgeschichte.
04:50Karl hat ein Doppelleben geführt. Zwei Jahre lang.
04:53Er lebte mit einer anderen zusammen.
04:56Alina wusste nichts. Und die andere Partnerin auch nicht.
05:05Ich sag mal so, ich hatte vor meiner Partnerin einen sehr großen Vertrauensvorsprung.
05:14Deswegen hat sie nicht viel hinterfragt.
05:17Wenn ich gesagt habe, ich bin auf dem Job, dann war es für sie okay, er ist auf dem Job.
05:21Er meldet sich, wenn er, wenn er kann, wenn er Zeit hat, er schreibt, er ruft dann an.
05:26Von daher hatte ich da viel Spielraum, sage ich mal so.
05:31Auf der anderen Seite halt, wurde viel hinterfragt.
05:35Ähm, ja, warum telefonieren wir nicht abends? Warum kann ich nicht zu dem nach Hause kommen?
05:39Ähm, warum sind wir jetzt im Hotel? Ähm, gib mir doch mal eine Adresse. Ich will dir was zuschicken.
05:45Dann habe ich halt eine andere Adresse gegeben. Ähm, ja, solche Sachen halt, ne?
05:52Das war vor sieben Jahren. Eine Zerreißprobe. Mit verschiedenen Leben zu spielen und sich dabei nicht zu verraten.
06:04Die Schuldgefühle in dem Sinne, weil diese Person ehrlich mir gegenüber ist, aber ich dieser Person nicht ehrlich gegenüber bin.
06:10Ich habe von ihr genommen das, was ich brauchte, aber ihr zum Beispiel nichts zurückgegeben.
06:20Aline hatte damals immer wieder den Eindruck, dass Karl ihr etwas verheimlicht.
06:24Ja, wie hat das ange... wie hat sich das geäußert? Ähm, ich war nie bei ihm zu Hause.
06:29Also das war so der größte Punkt, wo ich immer dachte, okay, irgendwas ist da im Busch.
06:33Hab mir aber anfangs nicht wirklich viel Gedanken darüber gemacht, weil wir beide gesagt haben,
06:37okay, wir lernen uns erstmal kennen, es ist erstmal was Lockeres und, ne?
06:42Ja, und irgendwann macht man sich dann natürlich Gedanken, ne? Warum ist er immer nur bei mir zu Hause?
06:47Ich muss sagen, ich bin damals aus einer Beziehung raus, in die mich schon wirklich sehr gefordert hat.
06:56Und ich habe damals immer gesagt, er hat mich so ein bisschen gerettet aus diesem Loch, in dem ich mich
07:00befunden habe.
07:02Und deshalb ist es mir, glaube ich, sehr schwer gefallen, dieses Thema anzusprechen, weil ich einfach Angst vor der Antwort
07:06hatte.
07:07Ja, aber ich wusste schon relativ früh, dass da irgendwie was im Busch ist.
07:15Man ist ein bisschen da drin gefangen. Ich sag mal so, es ist wie eine Drogensucht.
07:23Dass man nicht viel sagt, dass man wirklich versucht, das Wenigste zu sagen, aber man muss sich wirklich an das
07:29Wenigste noch daran erinnern.
07:32Das verschließt einen auch und lässt einen tatsächlich auch ein bisschen abstumpfen von den Gefühlen her.
07:42Warum hast du es überhaupt geheim gehalten?
07:46Weil ich meine Partnerin nicht verletzen wollte.
07:51Es ist nicht richtig, was ich weiß, aber gleichzeitig wollte ich sie auch vor etwas schützen.
08:06Christians Doppelleben beginnt vor zehn Jahren mit einer Plattform, auf der Männer chatten, flirten und sich verabreden.
08:13Das war schon aufregend und es war natürlich auch verwerflich, weil ich hatte ja diese Familie, die ich so sehr
08:21wollte und mochte.
08:23Es brach immer mehr auf und ich wollte dann diese Menschen auch treffen.
08:29Und so war eines der ersten Treffen, tatsächlich ein Treffen am späten Nachmittag auf eine Tasse Kaffee in dem Bewusstsein,
08:39ich sitze mit einem schwulen Mann am Tisch.
08:48Christian lebt dieses Doppelleben über ein Jahr. Jede freie Minute verbringt er mit anderen Männern.
08:55Die Kontakte werden intensiver, die Organisation der parallelen Welt immer aufwendiger.
09:06Es war extrem aufregend und das hat sich dann wiederholt. Es war heute ein Kaffee, das war morgen ein Bier.
09:13Dann gab es eine Umarmung dazu, dann kam die erste Körperlichkeit dazu.
09:17Ich habe mich verabschiedet von meiner Frau, ich habe mich verabschiedet von meinem Kind und bin auf die Arbeit, habe
09:24meinen Job gemacht, so wie das von mir erwartet wurde und wie ich das auch gerne gemacht habe.
09:28Und dann gab es sozusagen diesen Ausbruch aus dieser Welt, die auch völlig ohne irgendeine Orientierung war, die hatte ich
09:37ja nicht.
09:40Natürlich bin ich auch immer wieder in der alten Welt in Situationen gewesen, die auch gut waren und die mich
09:46auch getragen haben, aber es wurde leider immer weniger.
09:50Und der Wunsch und der Wille, dieses neue Leben zu führen, diese Freiheit, die wurde einfach immer größer und das
09:58konnte ich nicht begrenzen.
10:05Und dann wieder zurück, alles wieder einpacken, Deckel draufschrauben und alles zumachen und wieder in die bisherige Welt.
10:14Aber das Doppelleben hat seinen Preis. Es macht ihn krank.
10:21Eine ganz, ganz große Unruhe und Rastlosigkeit, auch immer so auf ganz dünnem Eis unterwegs zu sein.
10:29Also, jede Kleinigkeit hat mich in Aufruhr gebracht und in Überforderung auch gebracht und gestresst.
10:37Und es gab halt am Abend und in der Nacht einfach keine Ruhe mehr.
10:42Also, ich habe irgendwann keinen Schlaf mehr gefunden, keinen dauerhaften.
10:46Und irgendwann festgestellt habe, das kann nicht funktionieren.
10:50Daran gehe ich zugrunde und dann kann ich dieses ganze Konstrukt nicht mehr aufrechterhalten, weil das schaffe ich nicht.
10:58Bis morgen, gell? Tschüss, Dankeschön.
11:02Seine Frau Sonja merkt bald, dass sich ihr Mann verändert.
11:09Also, ich habe schon das Öftere nachgehakt, bis ich dann halt gesagt habe, ob er denn eine andere Frau hat.
11:18Und da hat er dann nur gesagt, das ist viel komplizierter.
11:22Ja, man überlegt natürlich dann, was ist komplizierter.
11:27Man hat nichts Greifbares und das ist dann halt das Schlimme, wo man dann halt gar nicht weiß, in welche
11:34Richtung.
11:35Und dann habe ich gedacht, komplizierter bin ich, wenn es eine Frau nicht ist, ob es dann ein Mann ist.
11:44Ein Verdacht, der plötzlich da ist. Ein Jahr, nachdem Christian angefangen hat, sich zu verändern.
11:52Ich habe dann auf dem Stuhl gesessen und Christian hat sich dann hier so hinter mich gestellt, einfach so ganz
11:58normal.
12:00Und dann habe ich dann gesagt, ja, was ist denn nun?
12:06Und ja, und dann hat er dann wirklich hier so, ich nehme an, so gestanden und hat gesagt, ja, wenn
12:14ich dir das jetzt sage, dann ist alles kaputt.
12:18Dann ist die Familie zerstört und es ist nichts mehr, wie es vorher war.
12:26Und dann habe ich dann gedacht, sollst du sagen oder sollst du das nicht sagen?
12:30Dann habe ich gesagt, ja, Christian, das dreht sich jetzt hier um ein Mann.
12:35Und da ist er dann wirklich, also ist er wirklich so zusammengekauert und war am Erdboden zerstört und ja, war
12:44schon, war schon heftig.
12:46Also ein schlimmer Moment.
12:49Aber wie war das für dich, dass er dich so lange hintergangen hat?
12:55Ja, ja, vielleicht, weil er dann doch so lange gezögert hat.
13:00Sagen wir es mal so, das war vielleicht dann für mich das Schlimme, dass man wusste, es ist was.
13:07Und man hat als Gefühl, das stimmt was nicht.
13:10Ich glaube, das war fast noch schlimmer, wie an sich die Sache, dass er dann das Doppelleben geführt hat.
13:17Ich meinte, er ruft nochmal an.
13:19Mhm.
13:21Dann muss er noch so einen kleinen Settel abgeben.
13:24Mhm.
13:25Tochter Mia ist zu dem Zeitpunkt neun.
13:27Und im ersten Moment hofft ihre Mutter, dass sie als Familie weiterleben können.
13:33Also tatsächlich habe ich gedacht, vielleicht geht es irgendwie, aber nach kurzen Überlegungen oder, das geht ja gar nicht.
13:45Er hat sich dazu entschieden, mit dem Mann zusammen zu sein und dann brauche ich mir keine Illusionen machen, dass
13:53ich da noch dabei bin.
13:56Ganz kurz habe ich dran gedacht, ob man das irgendwie hinkriegt, aber das geht nicht.
14:03Das Wichtigste war das Kind.
14:06Man macht sich dann erstmal Gedanken, wie sagt man das, ohne dass jetzt ein Drama passiert.
14:14Und das hat halt arg weh getan.
14:16Also wenn du dann siehst, dass das Kind weinend ins Zimmer rennt, also das war schon ziemlich herzerreißend.
14:25Das war schlimm, ja.
14:36Also den Begriff Schuld dagegen, dagegen wehre ich mich, weil ich bin ja nicht schuld daran, dass ich bin, wie
14:44ich bin.
14:45Also ich habe natürlich durch mein Handeln, habe ich meiner Frau und meiner Tochter einen Rucksack aufgehängt, um den die
14:56beide nicht gebeten haben.
14:59Und meine Frau und ich, wir haben ja geheiratet, wir haben uns ein Versprechen gegeben und ich habe nicht Wort
15:09gehalten.
15:10Ja, das tut immer noch weh.
15:16Ich glaube, das liegt jetzt alles schon ein paar Jahre zurück.
15:22Und ich habe auch, am Anfang habe ich mich doch gefragt, wie lange trage ich das mit mir, wie lange
15:28tut es so weh.
15:30Ich glaube, wenn ich hoffentlich ganz alt werde und es dann noch erzähle, dann ist es, glaube ich, immer noch
15:37so schön.
15:40Alina und Karl sind zwei Jahre zusammen, als sein Kartenhaus zusammenbricht.
15:45Die andere Frau, mit der Karl damals zusammenlebt, findet alles heraus.
15:51Dann kam der Anruf von ihr und dann hat sie mir Rheinwein eingeschenkt, dass er quasi da die ganze Zeit
15:57ein Doppelleben geführt hat.
15:59Und so ist es dann rausgekommen. War ein großer Knall. Tatsächlich. Auf beiden Seiten.
16:10Auch wenn man es nicht wahrhaben will, aber insgeheim weiß man, du machst etwas nicht richtig, etwas schlecht und du
16:21verletzt eine Person.
16:22Das ist etwas, was einen mit den Gefühlen hin und her springen lässt und das einfach, du merkst, okay, das
16:33ist ein weiterer Riss praktisch im Eis.
16:36So und an dem Tag, wo es dann halt rausgekommen ist, du bist eingestürzt, du hast aber auch gleichzeitig diese
16:45Erleichterung, weil man selber nicht mehr wusste, sozusagen, wie komme ich jetzt unbeschadet als andere Ufer ohne Einzug, also aus
16:55dieser Situation praktisch rauszukommen.
16:59Und ich finde diese Beschreibung mit dem Eis ganz gut. Ich finde, die passt auch zu mir, nur mit dem
17:05Unterschied, dass ich immer was geahnt habe, aber Angst hatte vor der Antwort und als es dann rauskam, ich ins
17:16Eis gefallen bin und nicht rausgekommen bin.
17:21Ja, so hat es sich angefühlt.
17:31Ich habe mich selbst komplett verloren in dieser Zeit. Ich wusste nicht mehr, was ich mag, was ich nicht mag,
17:38wer ich bin. Ich habe mich einfach nicht genug gefühlt und das wirklich über einen langen, langen Zeitraum hinweg.
17:46Und es war wirklich ein langer Kampf, den ich mit mir selbst geführt habe, um mich wieder lieben lernen zu
17:52können, weil ich immer das Gefühl hatte, ich bin nicht genug, ich reiche nicht.
17:58Nicht nur, dass meine Welt damals zusammengebrochen ist, weil ich gerne diesen Mann haben wollte und mit ihm eine Familie
18:05gründen wollte, dann kam ja auch der nächste Step, dass sie ja schwanger war und sie quasi gerade das Leben
18:11lebt, was ich mit ihm leben wollte.
18:16Karl verspricht Alina, sich von der anderen zu trennen. Doch das ist eine Lüge. Er lebt sein Doppelleben weiter. Dann
18:26wird auch Alina schwanger.
18:37Ich habe es auch versucht, allen irgendwie recht zu machen. Aber das kann man nicht. Das kann man absolut nicht.
18:45Ja, dabei habe ich dann halt auch gelogen, weil ich den Leuten das Gefühl geben wollte, sie zu beruhigen halt
18:54mit Worten. Aber ja, es waren halt nicht immer die ehrlichen Worte.
19:01Und in dem Zeitraum wollte ich mich trennen, aber es hat einfach nicht funktioniert. Ich bin einfach nicht von ihm
19:07weggekommen und er hat mich aber auch nicht in Ruhe gelassen.
19:14Nach der Trennung sieht Christian seine Tochter Mia vorwiegend an den Wochenenden. Manchmal auch unter der Woche.
19:24Ich versuche halt natürlich auch immer interessiert zu sein und dann irgendwie viel mitzubekommen.
19:28Wenn ich sie dann mal von der Schule abhole, was jetzt irgendwie nicht zweimal die Woche vorkommt, sondern irgendwie zweimal
19:33im halben Jahr vielleicht,
19:35dann gucke ich vielleicht natürlich ein bisschen intensiver, wer stärkt jetzt alles mit ein und wo lassen wir die jetzt
19:40raus und was sind das für Mädels und Jungs.
19:42Und dass man dieses Umfeld des eigenen Kindes halt wahrnimmt.
19:47Aber je älter Mia wird, desto seltener werden die gemeinsamen Wochenenden.
19:52Ich habe ja auch viel zu tun mit der Schule und mit Hobbys und Freunden und bin auch oft unterwegs
19:58und oft auch nicht bei der Mama, sondern irgendwo anders.
20:03Und ich glaube, da geht es dann ab und zu auch einfach ein bisschen unter. Und dann ist es aber
20:07auch schön, wenn man sich wieder sieht.
20:09Aber bevor sie getrennt waren, weil der Papa ja auch oft arbeiten, von daher war ich es jetzt auch nicht
20:15gewohnt, dass der Papa irgendwie den ganzen Tag irgendwie mitbegleitet oder so.
20:19Und ich glaube, das hat dann auch ein bisschen geholfen, dabei, dass es dann weniger wurde.
20:25Aber natürlich ist es trotzdem schwer.
20:38Bei der Zeugnungsvergabe hat unser Tutor mit uns darüber gesprochen und dann haben eigentlich alle das Gleiche gesagt.
20:50Ja, sie war es, mein Schatzi.
20:52Oh, gut hier.
20:54Hallo, grüß dich, hallo.
20:57Sonja und Christian sind im selben Ort aufgewachsen.
21:00Sie haben früh geheiratet.
21:02Mia ist jetzt 18 und im Vorabistress.
21:07Ich habe diesmal gar kein Foto vom Zeugnis bekommen.
21:10Fällt mir an, ich habe nur ausgewählte Informationen mitgekriegt.
21:12Ach ja, hast ein paar mal noch gar nicht gezeigt.
21:15Ja, das kann ich ja noch machen.
21:16Ja, ja.
21:17Dann mache ich jetzt mal Englisch weiter.
21:20Ja.
21:21Dann bin ich vielleicht nicht so nervös.
21:23Würde ich früh schlafen.
21:24Die Trennung ist nun Jahre her.
21:26Die Narben bleiben.
21:29Hat sie alles vor.
21:30Wir waren ja ein gutes Team, will ich jetzt mal so sagen.
21:33Also mal ganz plump.
21:35Und es hat jeder so seine Macken oder die wusste man halt.
21:41Und es hätte jetzt so noch eigentlich weitergehen können.
21:54Es tut dann doch noch irgendwie weh.
22:00Ja, wenn man jetzt so drüber nachdenkt, gell.
22:06Was hast du in der Zeit durchgemacht?
22:09Das kann man auch nur dem Mia verdanken.
22:11Weil ich glaube, wenn die nicht gewesen wäre, weiß ich auch nicht, ob ich die Kraft gehabt hätte.
22:26So auch nicht immer.
22:27Also es gab auch schwache Momente.
22:29Also die gab es mehr wie genug dann abends, gell.
22:36Nein, ich wollte dir auf gar keinen Fall wehtun.
22:38Ob ich das jetzt damit geschafft habe oder das weniger ihr wehgetan habe, das weiß ich nicht.
22:44Aber ich würde das heute, glaube ich, wieder so machen, weil ich keinen anderen Weg finden würde, das für mich
22:50herauszufinden.
22:52Also den Fall.
22:54Dann komm gut heim, gell.
22:55Ja, ich bis zum nächsten Mal.
22:56Schau, gut, bis dem nächsten Mal.
22:58Tschüss, Christian.
23:00Den Fall vorsichtig.
23:01Tschüss, Mia.
23:06Kein Anschluss.
23:07Auf die Plätze, wer ist los?
23:08Karl hat damals die andere Beziehung beendet.
23:12Und Alina ist bei ihm geblieben.
23:14Sie sind zusammengezogen.
23:16Ihr gemeinsamer Sohn ist jetzt sechs.
23:18Und sie leben den Alltag als Familie zusammen.
23:23Ich würde schon sagen, dass es ein Teil emotionaler Abhängigkeit ist.
23:27Definitiv.
23:28Also ich sehe ihn einfach als meine Familie an.
23:33Und Familie geht durch dick und dünn.
23:37Ich habe meine Grenze da anscheinend noch nicht gefunden.
23:40Und das, obwohl mir alle in meinem engen Umkreis sagen, renn.
23:46Aber letztendlich ist es halt meine Entscheidung.
23:49Und ich habe den Cut einfach nicht geschafft.
23:52Bis heute nicht.
23:54Ich will weg.
23:55Ich bitte, ja.
23:57Warum bist du?
23:58Ich muss raus, du musst los.
24:00Aber wohin?
24:01Ihre Beziehung aber bleibt kompliziert.
24:05Noch heute weiß Alina oft nicht, wohin Karl geht.
24:07Misstraut ihm immer wieder.
24:10Denn vor einem Jahr hatte er wieder eine andere Frau.
24:13Heimlich.
24:16Aber wie konnte das denn passieren,
24:18dass du nochmal ein Doppelleben eingegangen bist?
24:25Es gab halt sehr oft Streitigkeiten.
24:31Und da hat wirklich jeder vor sich hingelebt in dieser Beziehung.
24:38Es war ein Zusammenleben mehr wie in einer WG, würde ich jetzt mal sagen.
24:47In der Beziehung hat mir was gefehlt.
24:50Es war mir einfach die Anerkennung, die Gespräche, das Aufbauen.
24:58Es war immer dieses ständige Fordern.
25:02Männer können halt nicht gut über ihre Gefühle sprechen oder auch mal sagen,
25:07hey, Stopp, es reicht.
25:08Ich bin gerade selbst am Limit, ich kann nicht mehr.
25:11Dann habe ich mir halt diese Bestätigung, diese Aufbauen halt woanders gesucht.
25:23Ich könnte jetzt nicht von jetzt auf gleich sagen, ich gehe jetzt.
25:27Wir haben eine Familie zusammen.
25:29Ich wollte diese Familie, ich kämpfe nach wie vor für diese Familie.
25:34Ich glaube, wäre das nicht der Fall, würde ich auch ganz anders damit umgehen.
25:39Ich liebe ihn zu 100 Prozent, aber ich kann ihm das, was er mir angetan hat,
25:46nicht einfach so verzeihen.
25:48Und das ist halt ein großes Problem zwischen uns.
25:50Das Vertrauen fehlt, alles fehlt.
25:54Die Zuneigung, die er von mir braucht, die er nicht bekommt.
25:59Trotz allem hält Alina die Familie zusammen.
26:03Karls Sohn aus seinem ersten Doppelleben ist jetzt acht
26:06und verbringt jedes zweite Wochenende bei Alina, Karl und seinem Halbbruder.
26:16Auch wenn es jetzt das andere Kind aus der anderen Beziehung gibt,
26:21möchte ich diesem Kind nicht dieses Gefühl geben,
26:23weil das war das schlimmste Gefühl für mich.
26:25Deswegen haben wir auch Fotos in der Wohnung stehen, wo wir vier zusammen drauf sind
26:28und nicht nur, wo wir drei zusammen drauf sind,
26:31weil ich da einfach Wert drauf lege.
26:33Das sind Brüder und die werden sich brauchen später.
26:37Denn Alina weiß, wovon sie spricht.
26:40Schon ihr Vater führte ein Doppelleben und war kaum zu Hause.
26:44Und dass sie noch Halbgeschwister hat, erfuhr sie erst mit zehn.
26:48Ich kann mich nicht daran erinnern,
26:50dass meine Eltern eine normale Beziehung geführt haben.
26:54Meine Mama war halt immer alleine und mein Papa hat nie bei uns gewohnt.
26:58Und ich habe mir nichts anderes gewünscht, als meine Familie bei mir zu haben,
27:02meinen Mann und mein Kind.
27:04Und ich glaube, dass ich einfach Angst davor hatte,
27:10doof gesagt, so zu enden wie meine Mama.
27:14Zwar hat Karl die Affäre längst beendet,
27:17aber die Beziehung bleibt mehr als angeknackst.
27:23Was glaubst du denn, dass das spurlos an mir vorbeigeht?
27:28Natürlich denke ich darüber nach, dass ich mehr verdient habe,
27:31dass ich Besseres verdient habe teilweise.
27:36Was ist denn Besseres?
27:38Ein Mann, der mich respektiert und der mich nicht anlügt
27:41und der immer ehrlich zu mir ist.
27:43Und das Argument zu sagen, du wolltest mich nicht verletzen,
27:45dann hast du mich deswegen angelogen, ist einfach schwach.
27:47Okay, welches Argument hätte ich dir sonst geben sollen?
27:51Es ist ja Tatsache, dass ich dich nicht verletzen wollte.
27:55Das ist Schwachsinn.
27:57Wenn du mich nicht verletzen wolltest, hättest du dich trennen müssen.
28:00Hättest du sagen müssen, hör mal zu, ich habe da ein Kind,
28:02das ist mein Erstgeborener,
28:04ich möchte diese Familie mit dieser Frau haben.
28:06Hast du das getan?
28:09Nein, das war einfach nicht fair von dir.
28:12Du hättest einen Cut machen können.
28:14Karl schlägt eine Paartherapie vor.
28:16Ja, das verstehe ich.
28:17Er will Alina nicht verlieren.
28:20Also helfen würde uns das schon, ja.
28:23Aber ich denke auch, es würde uns dann dadurch,
28:25man weiß nicht, in welche Richtung das geht.
28:28Aber kann ich mich auch darauf verlassen,
28:29dass du mit offenen Karten dich dann dahinsetzt
28:32und auch wirklich ehrlich bist und überlegst,
28:35ob es Dinge gibt, die ich noch wissen muss,
28:37bevor wir dahin gehen.
28:43Vor zehn Jahren zog Christian in eine kleine Wohnung
28:46und war erst mal allein.
28:52Es war in der Anfangsphase ganz viel Veränderung,
28:56weil natürlich mein eigener Fokus auf alles war,
28:59was da neu ist.
29:00Ich habe, glaube ich, selten so viel Schmerz ausgehalten und geweint
29:04und gleichzeitig so viele Glücksmomente gehabt
29:06und mich am Leben gefreut.
29:09Er sucht Gleichgesinnte
29:11und findet einen Ort in Frankfurt,
29:13an dem sich schwule Väter treffen.
29:23Ich dachte ja wirklich,
29:24ich bin der einzige Mensch auf der ganzen Welt,
29:27der hier rumläuft, verheiratet ist,
29:29ein Kind hat und die 40 überschritten hat
29:31und dann irgendwie realisiert, dass er schwul ist.
29:34Das passiert ja sonst niemandem.
29:36Und dann saß ich inmitten von lauter Menschen,
29:40die nicht genau die gleiche,
29:43aber doch eine zum Teil
29:44sehr, sehr ähnliche Geschichte von sich selbst erzählt haben.
29:55Jetzt komme ich in diesen Raum
29:58nach so vielen Jahren
30:00und so vielen Erzählungen
30:02und es ist so vertraut, es ist so.
30:06So ein geschützter Ort
30:08und ich weiß noch, wo ich damals
30:10wo ich damals gesessen habe.
30:12Ich saß da und
30:13kann mich noch an einige erinnern,
30:15die damals auch dabei waren
30:16und die heute noch in der Gruppe sind.
30:20Ich bin da anscheinend sehr nah am Wasser gebaut
30:22und das hat mir immer wieder die
30:25die Stimme verschlagen
30:26und die Tränen in die Augen getrieben
30:27und ich kann das und ich bin total dankbar,
30:30dass es diese Gruppe gibt.
30:38Einmal in der Woche
30:39trifft sich Christian
30:40mit der Gruppe für schwule Väter.
30:42Die meisten von ihnen
30:43haben ein Doppelleben hinter sich.
30:47Ja, ich war Anfang 40,
30:50als ich anfing zu spüren,
30:53dass ich mich zu Männern hingezogen fühle
30:55und ich konnte das erst mal nicht einordnen.
30:57Das hat mir Angst gemacht
30:58und ich dachte,
31:00das bin ich nicht.
31:02Für mich war klar,
31:04eine Ehe ist für den Rest meines Lebens.
31:06Ich habe Verantwortung übernommen
31:07für Frau und Familie und Kinder
31:10und ein Doppelleben
31:11war für mich nicht vorstellbar.
31:13Ich habe meine Frau geliebt.
31:15Ich wollte nicht schwul sein,
31:17ich wollte es nicht wahrhaben,
31:18ich hätte es eigentlich
31:19mein Leben lang wissen können.
31:21Ich meine,
31:21ich habe immer ein Doppelleben geführt.
31:24Mein erster Freund
31:25war mein bester Kumpel.
31:27Wir haben damals Computer programmieren,
31:30haben zusammengesessen,
31:31haben Dinge gemacht
31:32und wir haben noch Sex
31:33und haben uns nichts dabei gedacht,
31:34weil dann sagt man,
31:36naja, so eine Phase gibt es immer mal wieder
31:38und so was,
31:39um es nochmal zu sagen,
31:40ich wollte normal sein.
31:41Das ist ja dann,
31:43ob das jetzt das Thema Outing war
31:44oder wann kommt der Blick in den Spiegel
31:47und sagen,
31:47ich bin trotzdem in Ordnung,
31:49ist alles gut,
31:51wann übernehme ich mir Verantwortung
31:52für mein Kind,
31:53für mich selbst,
31:54für meine Frau
31:54oder für das,
31:55was wir gemeinsam hatten.
31:57Das ist so ein Learning.
31:58Aber auch wiederum rückblickend
32:00und fair zu mir selbst,
32:01ich habe genau diese Zeit gebraucht,
32:03es wäre nicht anders gegangen,
32:05ich hätte es nicht geschafft.
32:10An diesem Freitag
32:11holt Christian Tochter Mia
32:12vom Bahnhof ab.
32:14Sie wird wieder mal
32:15das Wochenende bei ihm verbringen.
32:18Es ist halt immer wieder
32:20so ein Abschnitt,
32:21eine Woche weiter,
32:22sie zu sehen,
32:24wie sie heranwächst,
32:25wie sie sich bewegt,
32:26wie Kleidung sich verändert,
32:27wie die Persönlichkeit sich verändert.
32:29Ich weiß nicht,
32:29ob ich da mehr drauf achte,
32:31wie Elternteile die jetzt
32:32die ganze Zeit
32:32mit ihrem Kind zusammenwohnen,
32:33das weiß ich nicht,
32:34aber das nehme ich immer sehr wahr
32:35und freue mich daran,
32:37dass ich dann daran teilhaben darf.
32:39Oh, ist schön, wenn es ein Gartel ist.
32:43Aber was hast du Lust?
32:45Hm, Tomaten.
32:47Ich bin zwei.
32:50Der ist lecker.
32:53Bindel mal bitte.
32:54Dann nehmen wir das.
32:57Tschüss.
32:57Tschüss.
33:03Ich habe die Bettsachen schon
33:06zurechtgelegt.
33:07Vater und Tochter
33:08reden nicht über sein Coming-out,
33:10die Scheidung und alles,
33:11was damals geschehen ist.
33:17Die Trennungsthemen
33:18zwischen ihrer Mutter und mir
33:19sind, glaube ich, auch Dinge
33:20zwischen ihrer Mutter und mir
33:22und da ist ein Kind,
33:23ein Kind, egal wie alt es ist.
33:25Und vielleicht kommt da aber
33:26auch irgendwann nochmal was
33:28und man unterhält sich noch,
33:29auch wenn er nochmal
33:30ein Stück älter ist.
33:30Also wir entwickeln uns ja alle.
33:32Das merke ich ja auch
33:34im Gesprächskreis
33:34mit anderen Vätern
33:36in einer ähnlichen Situation.
33:38Ich hatte so ein bisschen
33:39am Anfang
33:40so ein bisschen den Eindruck,
33:41wir müssen auch beide
33:41jetzt einfach
33:42das, was wir ausgesprochen haben,
33:44wie das in Zukunft wird,
33:45jetzt einfach auch erleben,
33:46dass es so ist
33:47und dass wir uns
33:47da auch wieder
33:48aufeinander verlassen können.
33:49Hat dir dein Vater
33:51manchmal im Alltag
33:53gefehlt auch?
34:03Es ist schon eine Bürde,
34:05die ich trage dann
34:06in dem Moment
34:07und denk Gott,
34:09was hast du deinem Kind
34:10angetan?
34:11Aber ich finde,
34:13was man auch nicht vergessen
34:14darf,
34:15hätte ich das damals
34:16nicht gemacht,
34:17hätte ich das nicht gesagt,
34:18wäre ich nicht ausgezogen,
34:19hätte ich mich nicht geoutet,
34:21oder was wäre
34:22das Ergebnis gewesen?
34:23Also, da wären ja
34:25nicht alle glücklich gewesen
34:27und hätten fröhlich
34:28gemeinsam zusammen
34:29weitergelebt.
34:30Aber ja,
34:31er sieht sein Kind
34:31schon gerne
34:32irgendwie mit Tränen
34:33in den Augen.
34:37Also, mich hat das,
34:38also, das war halt so,
34:41aber ich habe da jetzt
34:41nie drüber nachgedacht,
34:43als wäre das irgendwie anders.
34:45Also, es hat ja auch
34:46mit uns untereinander
34:48nichts zu tun.
34:49Also, es ist ja...
34:50Ja, die Vater-Tochter-Rolle
34:53bleibt ja weitestgehend
34:55unberührt davon.
34:56Eben.
34:57Was findest du toll
34:58an deinem Vater?
35:01Ich glaube,
35:02so ein Stück weit
35:02auch das Ehrliche,
35:04weil die Mama
35:05ist dann schon immer noch
35:06eher so vorsichtiger.
35:09Und der Papa
35:10sagt es aber ernst
35:11und direkt
35:12manchmal.
35:14Aber das ist halt auch gut,
35:15weil das braucht man ja
35:16auch ein Stück weit
35:17und es ist jetzt nicht so,
35:18dass es einen dann
35:19verletzt oder sowas.
35:20Also, das ist alles
35:21auf einer Ebene,
35:23in der das, finde ich,
35:24manchmal ganz gut ist.
35:35Geschafft.
35:45Alina und Karl
35:46sind auf dem Weg
35:46zur Paartherapie.
35:47Es ist ihre
35:48zweite Sitzung
35:49bei Schasat-Siewert.
35:51Hallo, ihr beiden!
35:52Hallo, ich hier!
35:53Kommt rein!
35:55Wir gehen nach oben!
35:59So, wir haben uns
36:01eine gewisse Zeit
36:03nicht gesehen.
36:04Es ist eine Weile her.
36:05Genau.
36:06Wo steht ihr heute?
36:08Ich bin jetzt
36:09eine Woche lang
36:11zu Hause
36:11aus Haupturlaub
36:12und ich habe mir
36:14an drei Tagen
36:15nach den ersten
36:1745 Minuten
36:18am Tag gedacht,
36:19wäre ich einfach
36:20arbeiten gegangen.
36:21Wenn Harmonion Ruhe
36:22nicht da ist,
36:23gehst du gerne arbeiten?
36:25Nein, nicht gerne arbeiten,
36:27aber ich versuche,
36:30dem aus dem Weg
36:30zu gehen.
36:31Und was gibt dir
36:32dann draußen,
36:34wenn du draußen bist?
36:36Das ist dann für mich,
36:37ich mache was
36:38Sinnvolles.
36:39Ah, das ist klar.
36:41Ich kann für mich
36:42sprechen,
36:43dass er einen Job
36:44angenommen hat
36:45in der Stadt,
36:46in der er eine Affäre
36:47hatte und das
36:49ohne vorher mit mir
36:50darüber zu sprechen,
36:51zu fragen,
36:52ob das in Ordnung ist,
36:53überhaupt mich
36:54mit ins Boot
36:55zu nehmen.
36:56Und das hat bei mir
36:56wieder einiges
36:57kaputt gemacht.
36:59Und was war,
37:00was hörst du
37:02von deiner Partnerin?
37:04Ich höre,
37:06ja,
37:07Frustration raus
37:09und Abwehrhaltung.
37:12Und was hast du
37:13nicht gehört?
37:15Was ich nicht
37:16gehört habe,
37:16ist,
37:18auf ihr Bedürfnis
37:20so zu achten?
37:23Das hast du
37:24nicht gemacht.
37:24Nun, jetzt lasst,
37:25das ist ein super Thema,
37:27dass ich euch zeige,
37:29wie ihr euch
37:29im Kreis dreht,
37:30warum eure
37:31Achterbahn zustande
37:32kommt, ja?
37:33Wenn er dich
37:34vor Tatsachen stellt,
37:36was machst du
37:36mit ihm?
37:38Also entweder
37:38breche ich das Gespräch
37:39sofort ab,
37:40drehe mich um
37:40und gehe.
37:41Ja,
37:41zurückziehen.
37:42Wut.
37:43Ich benenne es
37:43als Wut.
37:44Das ist Wut.
37:45Das sind deine Wörter.
37:47Und sie wird Wut.
37:48Was machst du denn?
37:49Je nachdem,
37:50was kommt.
37:50Entweder gehe ich arbeiten
37:51oder ich gehe ins Schlafzimmer,
37:54sie ist im Wohnzimmer.
37:54Ich gehe weg.
37:55Ja.
37:56Schreib mal auf.
37:57Da.
38:00Das tut ihr immer.
38:03Ja.
38:03Das nennt sich Teufelkreis.
38:05Das heißt,
38:06egal was er macht,
38:08egal was sie macht,
38:09tut ihr das immer.
38:11Und dann ist sie
38:11wieder ignoriert,
38:12dann kommst du,
38:13na, na, na, na, na, na, na.
38:15Da spielt ihr.
38:16Das ist euer Muster.
38:20So,
38:20ich möchte gerne,
38:22dass wir
38:22zu einer Lösung kommen.
38:24Was haltet ihr davon,
38:25dass wir mit dem ersten Schritt
38:26mit Kommunikation beginnen?
38:28Was würdest du jetzt machen?
38:33Am liebsten
38:34umarmen.
38:35Dann mach das jetzt.
38:36Ja,
38:37das ist genau mein Punkt.
38:39Ich weiß nämlich nicht mehr,
38:40wann sie es möchte
38:41und wann sie es nicht möchte.
38:41Und das
38:42üben wir jetzt.
38:43Und wenn sie nicht möchte,
38:44kann sie nicht machen.
38:46Mach,
38:46was du machen möchtest.
38:51Ja, Papa.
38:53Zack.
38:54Ja.
38:54Mir fehlt
38:55diese Zeit zu zweit sehr.
38:57Ja.
38:58Und ich habe dir das
38:59schon oft gesagt.
39:00Ja.
39:00Oder nicht?
39:01Ich weiß das.
39:02Die Zeit fehlt mir auch.
39:04Das zeigst du mir aber nicht
39:06und du sagst es mir auch nicht.
39:07Ich wünsche mir,
39:08dass wir mehr Zeit miteinander haben.
39:10Ja.
39:10Weil wir brauchen diese Zeit
39:12zum Reden.
39:12Ja.
39:15Okay?
39:16Okay.
39:23Ich versuche daran zu arbeiten.
39:25Ich versuche wieder,
39:26die Liebe zu mir selbst zu finden.
39:28Den Respekt vor allem auch
39:29zu mir selbst zu finden,
39:30der ja auch in all den Jahren
39:31verloren gegangen ist
39:32aufgrund dessen,
39:33was alles so passiert ist.
39:35Aber
39:35es ist nicht so leicht,
39:37wenn du ein Kind mittendrin hast.
39:40Ich habe praktisch Schuld daran,
39:42dass sie wirklich
39:44leidet
39:45oder die Hoffnung
39:46in das Gute
39:48sozusagen aufgegeben hat.
39:49Nicht nur,
39:51was mich betrifft,
39:53sondern auch
39:55ans Leben
39:56oder auch generell
39:59an die Menschheit,
39:59an den Menschen selber.
40:00Und das tut mir halt
40:02ja schon sehr leid für mich.
40:10Christian lebt nach wie vor
40:11allein in seiner kleinen Wohnung.
40:15Also,
40:16um es vielleicht vorwegzunehmen,
40:17ich bin der festen Überzeugung,
40:19man braucht keinen Partner,
40:21um glücklich zu sein.
40:23Und
40:24genauso habe ich auch gelebt.
40:25Und in genau dieser
40:26glücklichen Situation
40:28ist mir dann Kai
40:29über den Weg gelaufen.
40:31Dann gibt es halt
40:32das Kennenlernen
40:33und das Aufeinandereinlassen.
40:35Und wir sind ja jetzt
40:36beides keine Menschen,
40:37die irgendwie Anfang 20 sind
40:38und sich im Leben mal begegnen
40:40und ins Leben starten,
40:41sondern
40:41du hast ja einfach
40:42auch ein Stück hinter dir
40:43und hast was mitzubringen,
40:46wo der jeweils andere
40:47auch mit umgehen
40:48müsste oder muss,
40:50sonst funktioniert es ja nicht.
40:51Und das hat sich aber
40:54und das hat sich aber
40:54vom ersten Moment
40:55sehr intensiv
40:57und eng angefühlt
40:59und hat sich auch
41:01so bewahrheitet.
41:05Tochter Mia war 16,
41:06als Christian ihr Kai vorstellte.
41:09Da war keine
41:11Ablehnung oder so.
41:13Das hat sie nicht schockiert
41:15oder so,
41:15sie war eher neugierig.
41:17Und da war sie in dem Moment
41:18aber auch alt genug,
41:19um zu realisieren,
41:20dass es durchaus sein kann,
41:21dass der Papa
41:21nochmal irgendwann
41:23mit einem Partner
41:24um die Ecke kommt.
41:26Und auch Sonja
41:27hat wieder
41:27einen neuen Lebenspartner.
41:32Das sind ihre Geburtstage
41:33zum Beispiel,
41:34bei der man immer
41:35relativ deutlich merkt,
41:36dass Mia gerne
41:37alle zusammen haben möchte.
41:42Das sind Sonja und ich,
41:42glaube ich,
41:43auch erfreulicherweise
41:44ein gutes Beispiel.
41:46Also wenn wir zwei
41:47das hinkriegen,
41:47dann kannst du den Rest
41:48doch gefälligst auch hinkriegen.
41:52Alina und Karl
41:53arbeiten weiter
41:53an einer gemeinsamen Zukunft
41:55und nähern sich an.
41:57Das Thema Vertrauen
41:59ist immer noch
41:59für mich
42:00sehr, sehr schwierig,
42:01sehr, sehr angeknackst.
42:04Ich versuche da
42:04einfach auf mein Bauchgefühl
42:06zu achten
42:07und wenn ich irgendwie
42:09was im Gefühl habe,
42:10dass ich das auch
42:10direkt anspreche
42:11und ich denke,
42:13wenn wir so weiterfahren,
42:14du offen bist
42:15und transparent,
42:16ich genauso,
42:19vielleicht schaffen wir es.
42:23Das Gefühl
42:24mehr von Freude
42:26ist wie dann da.
42:28Also einfach
42:29in aller Hinsicht.
42:30Ob es nur
42:31nach Hause kommen ist,
42:32ob es einfach mal
42:33noch auf der Couch
42:34sitzen ist.
42:35Man geht schon ins Bett,
42:36aber man weiß,
42:38die kommt gleich später nach.
42:39Das sind einfach
42:40die Kleinigkeiten.
42:42Das Gefühl von zu Hause
42:42ist einfach wieder mehr da,
42:44als es vorher da war.
42:45So kommt es auch so.
42:49Also kann es auch so pioneer
43:10machen.
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