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00:06Afrika.
00:08Von den ersten Vormenschen bis zu den modernen Menschen.
00:12Hier haben sie ihren Ursprung.
00:16Doch die Menschheitsgeschichte verläuft weder geradlinig noch nach Plan.
00:23Teilweise leben mehrere Arten nebeneinander
00:26und werden zu erbitterten Rivalen im Kampf ums Überleben.
00:33Am Ende überlebt nicht die körperlich stärkste Art,
00:37sondern eine eher schwache, aber anpassungsfähige.
00:41Doch selbst das Erfolgsmodell Homo Sapiens steht mehrmals am Rande des Aussterbens,
00:46bevor es sich endgültig durchsetzt.
01:09Eine der vielen Stationen der abenteuerlichen Reise der Menschen ist Südostafrika, Malawi.
01:18Nicht weit von den Ufern des Malawi-Sees liegt die Grabungsstätte Malemma.
01:261991 brachte ein spektakulärer Fund diesen Ort ins Rampenlicht der Wissenschaft.
01:31Ein Unterkiefer einer bis dato unbekannten Frühmenschenart.
01:38Nordmalawi ist seitdem ein Zentrum der Frühmenschenforschung und der deutsche Wissenschaftler Friedemann Schrenk
01:45einer der bedeutendsten Paleoanthropologen weltweit.
01:49Mit einem Team malawischer Wissenschaftler hat er hier in mühevoller Kleinarbeit wichtige Funde
01:55zum großen Puzzle der Menschheitsgeschichte ausgegraben.
02:02Hier begann die Geschichte der Menschheit in Afrika. Das fasziniert mich, seitdem ich zum ersten Mal auf diesem Kontinent war.
02:10Mit jedem neuen Fundstück lernen wir mehr über unsere Vergangenheit, auch wenn es nur ein Zahnfragment ist.
02:17Aber wir lernen auch, was heute wie eine Erfolgsgeschichte aussieht, war über Jahrmillionen ein Kampf ums Überleben.
02:24Heute gibt es auf der Erde knapp 8 Milliarden Individuen der Gattung Homo. Sie bestimmen das Schicksal des Planeten.
02:36Ihr Ursprung wird sich nie exakt bestimmen lassen.
02:39Heute geht man davon aus, dass sich der Stammbaum der Menschen von dem der Menschenaffen vor ca. 7 Millionen Jahren
02:46abspaltet.
02:48Die Suche nach wissenschaftlichen Belegen gleicht der Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhausen.
02:55Okay. Überreste früher Menschen sind extrem selten.
02:59Wir haben hier in Malawi 20 Jahre lang geforscht, tausende von Tierfossilien entdeckt, aber nur einige Zähne von Urmenschen und
03:06einen Unterkiefer.
03:07Im Durchschnitt kommt auf 100 Generationen Menschheitsgeschichte gerade mal ein Pfundstück.
03:12Das ist fast so, als ob man die Geschichte Mitteleuropas der letzten 2000 Jahre nur anhand einer Gürtelschnalle eines römischen
03:19Legionärs und einer Coca-Cola-Flasche rekonstruieren müsste.
03:23Etwas Überraschendes haben wir aber in den letzten Jahren gelernt.
03:26Die Menschheitsgeschichte ist keine gerade Linie, sondern eher wie ein stark verzweigter Busch.
03:34Mehrere Menschenarten haben gleichzeitig gelebt. Und wir sind noch gar nicht so lange die einzigen auf der Erde.
03:44Über große Zeitspannen haben also verschiedene Menschenarten gleichzeitig den Planeten bevölkert.
03:50Das zeigt, wie vielfältig sich die Evolution am Modell des Menschen ausprobiert hat.
04:04Mit vielen Sackgassen, Abzweigungen und Vormenschen, von denen wir oft nur wenig wissen und vieles Spekulation bleiben muss.
04:13Und mit dem modernen, heutigen Menschen als aktuellem Zwischenstand.
04:22Doch wo, oder besser, mit wem beginnt der Stammbauen des Menschen?
04:34Äthiopien. Die Ausgrabungsstätte Middle Awash.
04:37Seit Jahren sucht hier ein internationales Team unter der Leitung von Tim White nach dem Uran des Menschen.
04:45Bist du hier fertig?
04:48Die Funde von White und seinem Team haben ergeben, dass diese Landschaft einst ein dicht bewachsener Urwald war.
04:56Und dass es die Heimat einer Art ist, die nicht mehr Affe, aber auch noch kein Mensch ist.
05:05Tim White hat hunderte von teils winzigen Knochenfundstücken restauriert und konnte so die körperlichen Merkmale der frühen Menschenarten rekonstruieren, die
05:15hier vor 4,4 Millionen Jahren leben.
05:20Adi ist ein weibliches Exemplar des Adipithecus Ramidus.
05:24Sie ist etwa 120 Zentimeter groß und hat einen ungewöhnlichen Körper mit einem relativ kleinen Kopf und langen Armen und
05:33Beinen.
05:34Ihre Füße sind wie die eines Affen geformt und können Gegenstände greifen.
05:39Das deutet darauf hin, dass Adi in und auf Bäumen lebt.
05:46Die eigentliche Sensation von Tim Whites Fund ist Adis Becken, das eindeutig für den aufrechten Gang auf zwei Beinen geeignet
05:54ist.
05:57Für das Team von Tim White hat sich die mühevolle Feinarbeit in der Hitze Äthiopiens gelohnt.
06:03Er hat ein weiteres Postelstück in den verzweigten Stammbaum der Menschen eingepasst.
06:16Die Erkenntnisse durch Adipithecus haben das Wissen über die menschliche Evolution revolutioniert.
06:21Man kann jetzt nicht mehr von etwas sprechen, das auf halbem Wege zwischen einem Schimpansen und einem Menschen liegt.
06:27Wir haben hier etwas Neues, etwas Einzigartiges.
06:33Solche Funde wie die von Tim White sind selten. Und oft sind es nur winzige Stücke.
06:39Man geht am besten ins Museum, um die vielen Einzelteile zusammenzusetzen.
06:44Zum Beispiel ins Hessische Landesmuseum in Darmstadt.
06:49Hier können wir am komplizierten Puzzle der Menschwerdung basteln.
06:53Wo sonst? Bekommt man seine nächsten Verwandten alle zusammen an einen Tisch?
06:57Ist das hier der letzte Affe? Oder der hier der erste Mensch?
07:01Vor dieser Frage steht auch Tim White. Was hat er denn nun in Äthiopien gefunden?
07:06Noch einen Affen? Oder schon einen Menschen?
07:09Auf jeden Fall jemand, der aufrecht auf zwei Beinen gehen konnte.
07:13Und das ist die Sensation. Der erste Beweis für den aufrechten Gang.
07:18Und damit hatten die Menschen ihre erste entscheidende Hürde genommen.
07:30Die Evolution probiert vieles aus. Aber sicher ist, wesentliche Veränderungen folgen nicht einfach dem Zufall.
07:38Sie müssen Vorteile bringen.
07:43Worin bestehen diese Vorteile bei einem Leben, das sich noch überwiegend in den Bäumen abspielt?
07:50Adipithecus ramidus hat die Hände frei, kann besser greifen, Nahrung aufsammeln und tragen und hat bei kurzen Ausflügen auf dem
07:58Boden eine bessere Übersicht.
07:59Nicht unwichtig, denn diese Vormenschen können sich nur langsam bewegen und sind leichte Beute für Raubtiere.
08:14Niemand weiß, ob sich die Zweibeinigkeit für ein Leben auf den Bäumen durchgesetzt hätte.
08:19Denn das Schicksal hat für Ramidus eine Überraschung parat.
08:29Die Heimat verändert sich.
08:39In Ostafrika, dem Lebensraum von Ramidus, bricht die Erdkruste auf.
08:45Es entstehen Gebirgszüge und damit eine natürliche Barriere zwischen dem Inland und der Küste.
08:56Das Klima verändert sich dramatisch. Die Berge halten Regenwolken ab.
09:01Der östliche Teil des Kontinents wird immer trockener und der Wald wird weniger.
09:13Der einst üppige Urwald, Lebensraum für viele Tiere, verschwindet.
09:18Das Nahrungsangebot verändert sich.
09:26Vor etwas mehr als vier Millionen Jahren wird Adipithecus Ramidus zum ersten bekannten Urahn der aufrechtgehenden Vormenschen.
09:48Eine geologische Umwälzung sorgt für den Beginn einer Erfolgsgeschichte.
10:01Plötzlich überwiegen die Vorteile des aufrechten Gangs, den Ramidus schon in den Bäumen entwickelt hat.
10:14Denn er kann nicht nur geschickt Nahrung sammeln und an Ort und Stelle verspeisen, er kann sie nun mit freien
10:21Händen über weite Strecken transportieren.
10:25Ein erster Schritt zum organisierten Leben in größeren Gruppen?
10:38Möglicherweise entstehen damals schon stärkere persönliche Bindungen innerhalb der Gemeinschaft.
10:48Auch die Zähne von Adi sprechen dafür, dass sich das soziale Verhalten verändert haben könnte.
10:54Sie hat deutlich kleinere Eckzähne als ihre Menschenaffenvorfahren.
11:02Die Zeit der großen Drohgebärden, mit denen die Rangordnung in der Gruppe festgelegt wird, scheint vorbei zu sein.
11:09Das spricht für ein kooperatives und fürsorgendes Sozialverhalten, wahrscheinlich die wichtigste Änderung am Beginn der Menschwerdung.
11:21Was zeichnet den Menschen aus? Soziale Verantwortung, Kommunikation und natürlich der aufrechte Gang.
11:31Möglicherweise hat sich das Laufen auf zwei Beinen in einem Lebensraum am Wasser entwickelt.
11:39Für die Entwicklung hin zum aufrechten Gang gibt es viele Gründe.
11:42Neben der Möglichkeit, etwas zu tragen, wahrscheinlich auch die Suche nach Nahrung in Gewässern, wie hier am Malawi-See.
11:50Schalentiere und Algen liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren, quasi als Ersatz für die Früchte des verschwundenen tropischen Regenwaldes.
11:59Weder Affen noch Vormenschen können schwimmen.
12:02Dafür sind sie in der Lage, aufrecht auf zwei Beinen durchs Wasser zu warten, um Muscheln oder Krebse zu sammeln.
12:10Das Fettgewebe unserer Haut spricht für diese Theorie. Denn es ist eine frühe Anpassung an ein Leben am Wasser.
12:18Wahrscheinlich ist der Aufrechtegang an verschiedenen Orten aus unterschiedlichen Gründen entstanden.
12:24Mit dem Ergebnis, dass die Vormenschen irgendwann dauerhaft ihre Hände für neue Aufgaben frei hatten.
12:32Vor rund 3,7 Millionen Jahren verschwinden die ostafrikanischen Wälder vollständig und an ihrer Stelle entstehen weitläufige Savannen.
12:43Die frühen Menschen müssen sich ihren Lebensraum mit deutlich stärkeren und gefährlicheren Rivalen teilen.
12:50Wie konnten unsere Vorfahren hier bestehen?
12:55Einen Hinweis auf die Überlebensstrategie der Vormenschen haben Forscher hier in Laituli in Norden Tansanias gefunden.
13:06Federführend bei der Entdeckung, die heute zu ihrem Schutz mit Steinen bedeckt ist, war Fidelis Massau, ein tansanischer Paleoanthropologe.
13:17Hier drüben fand ich die ältesten Fußspuren unserer frühesten Vorfahren. So etwas gibt es sonst nirgendwo.
13:28Diese Fußabdrücke sind 3,7 Millionen Jahre alt. Hinterlassen hat sie Australopithecus afarensis in einer wahrscheinlich von leichtem Regen durchfeuchteten
13:40Asche,
13:40die von einem 20 Kilometer entfernten Vulkan stammt.
13:44Die Sonne härtete die Spuren aus, die dann zum Glück der heutigen Forscher von weiteren schützenden Ascheschichten bedeckt wurden.
13:54Die Wissenschaftler konnten mehrere Individuen identifizieren.
13:59Hier war kein einzelner Vormensch, hier war eine ganze Gruppe unterwegs.
14:09Sie hatten keine Speere. Nur in einer großen Gruppe konnten sie sich erfolgreich gegen Raubtiere verteidigen.
14:18Vielleicht hatten sie Äste von Bäumen oder Steine benutzt, um sich irgendwie zu wehren.
14:29Irgendwann vor etwas mehr als drei Millionen Jahren tauchen diese wehrhaften Vormenschen in den Savannen Ostafrikas auf.
14:42Wahrscheinlich streift Afarensis in festen Verbünden auf Nahrungssuche durch die Savanne, manchmal mit mehr als einem Dutzend Individuen.
14:56Die berühmteste Vertreterin von Australopithecus Afarensis ist Lucy, deren Skelett 1974 im heutigen Äthiopien entdeckt wurde.
15:10Lucy ist etwa 105 Zentimeter groß. Ihre männlichen Artgenossen sind mit 150 Zentimetern etwas größer als heutige Schimpansen.
15:21Ihre Zähne geben Hinweise darauf, was sie vor allem gegessen hat. Wahrscheinlich Wurzeln, Pflanzen und Insekten.
15:39In der weiten Savanne lauern jedoch viele Gefahren. Auch Lucy stirbt als junge Erwachsene. Woran wissen wir nicht? Vielleicht durch
15:49einen Sturz?
15:49Das Leben ist für die Vormenschen ein täglicher Überlebenskampf.
16:13Und doch wird Afarensis ein Erfolgsmodell. Eine Million Jahre lang behaupten sich diese Vormenschen gegen alle Widrigkeiten.
16:22Doch dann stehen sie vor einer neuen Herausforderung.
16:35Umweltveränderungen sorgen dafür, dass die Menschen sich weiterentwickeln.
16:38Zum Beispiel durch das Klima.
16:42Vor 2,8 Millionen Jahren wird es zunehmend trockener.
16:46Die damals üblichen Regenzeiten werden kürzer oder fallen ganz aus.
16:50Für unsere Vorfahren heißt das, es gibt weniger weiche Früchte, weniger Knospen.
16:56Dafür mehr hartschalige Nahrung, etwa Nüsse, harte Samen und Fasern.
17:09Aber wie sollen unsere Vorfahren damit umgehen? Es gab zwei ganz unterschiedliche Lösungen für ein und dieselbe Herausforderung.
17:16Biologische Evolution sorgt dafür, dass Vormenschen ein hoch spezialisiertes Nussknackergebiss entwickeln und gewaltige Kaumuskeln bis auf die Oberseite des Schädels
17:26reißen.
17:27Gleichzeitig begann die kulturelle Evolution mit der Erfindung von Steinwerkzeugen, um diese harte Nahrung zu zerkleinern.
17:35Hier in Nordmalawi haben wir nachgewiesen, dass beide Entwicklungen parallel abgelaufen sind.
17:40Denn wir haben sowohl die Nussknacker-Menschen als auch die frühesten Urmenschen gefunden.
17:45Obwohl dann beide Strategien eine Million Jahre lang erfolgreich waren, wird eine davon schließlich zur Sackgasse.
17:53Eine Million Jahre existieren die beiden Urmenschen gemeinsam. Dann fällt die Evolution ihr Urteil.
18:07Der Zweig der Nussknacker-Menschen wird zur Sackgasse.
18:14Das körperlich zwar unterlegene, aber innovationsfähigere Modell setzt sich durch.
18:31Vor etwa zwei Millionen Jahren machen unsere Vorfahren den nächsten Schritt hin zu einem Lebewesen mit fast universalen Überlebensfähigkeiten.
18:58Weil sie sich so gut anpassen können, sind diese Frühmenschen die ersten, denen die Wissenschaft den Gattungsnamen Homo, Mensch, gönnt.
19:06Eine Zuordnung, die nicht unumstritten ist. Genauso wie ihre Ernährungsgewohnheiten.
19:27Möglicherweise nutzt dieser Frühmensch bereits gezielt Fleisch als energiereiche Ergänzung des Speiseplans.
19:33Und zwar zunächst als Aasfresser. So die gängige Theorie.
19:39Eine ziemlich einzigartige Form der Nahrungsbeschaffung unserer Vorfahren.
19:44Die Frühmenschen behaupten sich gegen alle Widerstände und dehnen ihren Lebensraum immer weiter aus.
19:50Weil sie sich immer besser anpassen, haben sie einen weiteren Vorteil.
19:55Im Unterschied zu ihren meisten Konkurrenten sind sie nicht auf eine bestimmte Umgebung festgelegt.
20:00Auch Küstengebiete wie hier am Malawi-See werden zunehmend attraktiv.
20:07Spätestens vor zwei Millionen Jahren verlassen die Frühmenschen den afrikanischen Kontinent und breiten sich vor allem entlang der Küsten aus.
20:15Weiter im Landesinneren folgen sie den Beutetieren.
20:19Mehr Fleischnahrung bedeutet schneller verfügbare Energie.
20:22So können auch die Gehirne der Säuglinge besser versorgt werden und stärker wachsen.
20:28Um Jagdbeutel möglichst gut zu verwerten, erfinden die Frühmenschen immer bessere Werkzeuge.
20:34Daher auch ihr Name, Homo habilis, der fähige Mensch.
20:58Jetzt zeigt sich die Innovationskraft früher Menschen. Sie erkennen den Nutzen von Werkzeugen.
21:12Weil sie messerscharfe Steinwerkzeuge verwenden, können sich die körperlich unterliegenen Urmenschen in der Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum unerwartet gut
21:22durchsetzen.
21:27Homo habilis, der fähige Mensch, macht dadurch einen gewaltigen, evolutionären Sprung nach vorne.
21:35Und seine Werkzeuge machen den Urmenschen zum Menschen.
21:45Vor 1,8 Millionen Jahren betritt dann Homo erectus die Bühne der Evolution.
22:01Homo erectus ist bis zu 1,80 Meter groß, mit langen, schlanken Beinen und nur noch wenig Körperbehaarung.
22:16Langsam nimmt auch die kulturelle Evolution Fahrt auf.
22:20Die Werkzeuge werden feiner und die Frühmenschen machen eine Entdeckung, die sie endgültig von allen anderen Tieren abhebt.
22:37Die Frühmenschen der Art Homo erectus machen einen entscheidenden Schritt. Sie nutzen das Feuer.
22:42Feuer entsteht oft natürlich, zum Beispiel durch Blitzschlag. Aber wenn ich es gezielt nutzen möchte, muss ich es einsammeln und
22:49mitnehmen.
22:50Das erfordert vorausschauendes Bewusstsein. Denn um Feuer am Laufen zu halten, muss ich vorher Holz gesammelt haben.
22:57Die Frühmenschen entdecken, dass gekochte Nahrung sehr viel schneller Energie liefert.
23:04Das Lagerfeuer wird zu einem sozialen Treffpunkt und vor allem, es schützt vor wilden Tieren.
23:13Mit Homo erectus werden die Menschen endgültig zu Jägern. Und ihr einzigartiger Körper ist perfekt an ihren Jagdstil angepasst.
23:27Dieses Tier ist verletzt. Eine Gruppe Frühmenschen folgt ihm.
23:36Ihre Jagd ist ein Geduldsspiel. Sie verfolgen ihre Beute, bis sie erschöpft ist.
23:47Jetzt ist die menschliche Spezies zum Raubtier geworden.
23:59Die meisten Säugetiere haben zu viel Körperbehaarung, um ihre Körpertemperatur effektiv zu senken.
24:07So können sie nicht allzu lange unter der sengenden afrikanischen Sonne aktiv bleiben.
24:12Im Gegensatz dazu können Menschen über weite Strecken rennen, ohne dass sie wie andere Tiere keuchen müssen, um abzukühlen.
24:20Es ist eine Kombination aus verfolgen und warten, laufen und gehen.
24:27Irgendwann wird die Beute so in einen Hitschlag getrieben.
24:43Frühmenschen werden zum globalen Erfolgsmodell.
24:47Homo erectus verlässt Afrika und verbreitet sich in verschiedenen Regionen Asiens.
24:52Dort wird Homo erectus nach seinen fossilen Fundorten als Peking-Mensch und Java-Mensch bezeichnet.
25:01Auch Europa wird von Menschen der Art Homo erectus besiedelt.
25:05Dort passen sie sich den rauen nördlichen Lebensverhältnissen an und entwickeln sich zum Homo neandertalensis, dem Neandertaler.
25:23Jetzt wird es spannend. Wir befinden uns kurz vor dem Auftauchen der modernen Menschen.
25:28Mindestens drei verschiedene Menschenarten leben gleichzeitig auf der Erde.
25:32Zu diesem Zeitpunkt hatten Menschen es fast geschafft, die ganze Welt zu besiedeln, außer Amerika und Australien.
25:38Sie sind erfolgreich, weil sie sich perfekt anpassen können, biologisch und kulturell.
25:44Heute wissen wir, welche Art das Rennen machte. Aber lange war das völlig unklar.
25:55In Asien leben verschiedene lokale Varianten des Homo erectus.
26:05In Europa sind die frühen Neandertaler dabei, sich an die kalten und unwirtlichen Lebensumstände anzupassen.
26:19In Afrika entwickeln sich unterdessen die Prototypen moderner Menschen.
26:24Homo sapiens, der wissende Mensch.
26:28Doch immer wieder steht das Schicksal unserer Vorfahren und damit der heutigen Menschheit auf der Kippe.
26:37Vor etwa 190.000 Jahren beginnt eine Eiszeit.
26:42Um den Äquator herum wird es immer trockener.
26:45Ein Großteil des afrikanischen Grünlandes wird zur Wüste.
26:50Die Lebensräume der Menschen schwinden.
26:53Homo sapiens kämpft ums Überleben.
26:57Während ein Großteil der frühen, modernen Menschen ausstirbt, schafft es eine kleine Gruppe mit Neugier, Verstand und dem Mut, Dinge
27:06auszuprobieren, sich den veränderten Lebensbedingungen anzupassen.
27:12Sie überleben und sind unsere direkten Vorfahren.
27:19Weil sie sich so gut anpassen können, erobern sie schnell neue Lebensräume und beginnen, die Welt für sich zu entdecken.
27:30Wie sein Vorfahr Homo erectus verlässt auch der moderne Mensch bald seinen Ursprungskontinent.
27:40Nur wenige Kilometer pro Generation reichen aus, um von Afrika langsam den Mittelmeerraum und den heutigen Nahen Osten zu erreichen.
27:49Es ist keine zielgerichtete Wanderung. Menschen folgen vor allem ihrer Beute und ziehen langsam Tal für Tal, Flussbiegung für Flussbiegung,
27:58Wald für Wald weiter.
28:01Und immer wieder treffen sie auf andere Menschenarten, die in den Jahrhunderttausenden zuvor schon Afrika verlassen hatten.
28:12Im östlichen Mittelmeerraum begegnen die modernen Menschen ihren engsten Verwandten.
28:17Die Neandertalern.
28:37Neandertaler sind robust und überleben in Europa sogar während der Eiszeit.
28:46Im Winter sinken die Temperaturen auf minus 30 Grad Celsius. Nahrung ist schwer zu finden.
28:54Doch Neandertaler entwickeln einzigartige Eigenschaften, um unter diesen harten Bedingungen zu überleben.
29:16Die Neandertaler geben uns viele Rätsel auf.
29:19Vor allem natürlich, wie ähnlich waren sie uns.
29:22Da müssen wir uns auf Indizien verlassen.
29:25Bei einem Skelett eines Neandertalers sieht man, der Mann war am Kopf verletzt und auf einem Auge blind.
29:31Und sein linkes Bein war mehrmals gebrochen. Aber es ist auch wieder verheilt.
29:36Dieser Neandertaler hat also überlebt, obwohl er lange Zeit nicht jagen konnte und wahrscheinlich der Gruppe eher zur Last fiel.
29:42Und, was sagt uns das?
29:45Jemand muss ihn gepflegt oder zumindest versorgt haben.
29:48Vielleicht, weil seine Erfahrungen für die Gruppe wichtig waren.
29:51Das heißt, die Neandertaler kümmerten sich umeinander, waren fürsorglich.
29:56Und das sind zutiefst menschliche Eigenschaften.
30:04Fürsorge und Gemeinschaft sind für die Neandertaler im eiszeitlichen Mitteleuropa überlebenswichtig.
30:11Vor allem bei der Jagd nach Großwild, Wollnashorn oder Mammut.
30:21Eine gefährliche Art der Nahrungsbeschaffung.
30:24Und wahrscheinlich auch ein Grund, warum Neandertaler selten älter als 30 Jahre geworden sind.
30:33Dabei sind sie körperlich weit kräftiger, als wir uns das heute vorstellen können.
30:43Aber Knochenfunde belegen, dass sie trotz ihrer Fähigkeiten oft bei der riskanten und gefährlichen Jagd verletzt und getötet werden.
30:58Im Vergleich zu den körperlich überlegenen Neandertalern muss Homo sapiens die fehlende Kraft durch neue Strategien kompensieren.
31:13Ein Weg ist die Organisation der Jagd in Gruppen, wie sie die modernen Menschen perfektionierten.
31:35Der entscheidende Vorsprung gelingt Homo sapiens durch neue Werkzeuge, wie diese Speerschleuder.
31:52Die Speerschleuder revolutioniert den Jagdstil des Homo sapiens.
31:57Aus dieser Zeit hat man unterschiedliche Modelle davon gefunden.
32:00Durch diese effizienten Waffen müssen die Menschen nicht mehr so nah an ihre Beute heran.
32:05Das spart Energie bei der Verfolgung und verringert das Risiko, selbst zum Opfer zu werden.
32:34Mit Homo sapiens beschleunigt sich die technische Entwicklung rasant.
32:44Die Steinwerkzeuge werden schnell immer feiner und hochwertiger.
32:49Homo sapiens beginnt, rasiermesserscharfe Steine sowie komplexe Werkzeuge wie Knochenpfeile mit Steinklingen herzustellen.
33:02Dagegen haben sich die Werkzeuge der Neandertaler in 250.000 Jahren kaum verändert.
33:09Sie haben nie scharfe Steinklingen oder andere fortschrittliche Gegenstände entwickelt.
33:14Warum?
33:21Abri Castanet in Westfrankreich. Am Fuße dieser Klippe befand sich eine riesige offene Fläche von 500 Quadratmetern.
33:30Die Anzahl der ausgegrabenen Werkzeuge und menschlichen Überreste deutet darauf hin, dass bis zu 150 Menschen hier lebten.
33:39Im Gegensatz dazu die Höhle El Sidron in Nordspanien.
33:43Hier wohnte eine kleine Gruppe von Neandertalern. Sie waren alle untereinander verwandt. Das haben Erbgut-Analysen ergeben.
33:54Offensichtlich leben Neandertaler im Vergleich zu Homo sapiens in viel kleineren Familiengruppen.
34:00Mit dem wohl entscheidenden Nachteil, dass sie nicht von den Erfahrungen innerhalb größerer Gemeinschaften profitieren können.
34:15Trotzdem waren die Neandertaler gar nichts anders als wir.
34:19Sie konnten abstrakt denken, machten Musik, hatten schon eine ausgefeilte Sprache und haben Wissen von Generation zu Generation weitergegeben.
34:28Und dennoch sind die Neandertaler ausgestorben. Aber warum?
34:33Sicher nicht, weil Homo sapiens und Neandertaler sich bekämpft haben.
34:37Die Neandertaler wurden ganz allmählich verdrängt durch moderne Menschen, die einfach ein paar kleine Vorteile mitbrachten.
34:45Sie sind kreativer, flexibler und machen schnellere Fortschritte.
34:50Mit dem Auftauchen der modernen Menschen beschleunigt sich vor ca. 40.000 Jahren eine kulturelle Revolution.
34:57Überall entstehen fantastische Höhlenmalereien, Knochen- und Steinskulpturen irdischer und überirdischer Geschöpfe.
35:05Homo sapiens öffnet ein ganz neues Fenster in dem ihm bekannten Universum.
35:18Sind die Höhlenmalereien der Beginn einer wachsenden Spiritualität?
35:24Symbolisieren die Tiere und Fantasiefiguren Bestandteile einer ersten frühen Religion?
35:35Die mystischen Erfahrungen in den von Feuer schemenhaft beleuchteten Höhlen stärken die Gemeinschaft der Menschen.
35:42Es entsteht ein Gefühl der Einheit, der Zusammengehörigkeit.
35:47Man versteht sich als Teil der Welt und ihrer Abläufe.
35:51Aus dem Einzelkämpfer wird endgültig ein soziales Wesen.
36:07Während der letzten Eiszeit suchen extreme Klimaveränderungen Europaheim.
36:14Ein riesiger Eispanzer, der einen Großteil Nordamerikas bedeckt, stürzt in den Ozean.
36:22Meeresströmungen verändern sich plötzlich. Die Temperaturen in ganz Europa schwanken extrem.
36:29Starke Kälte wechselt mit großer Hitze, von einem Jahrzehnt zum nächsten.
36:35Wälder verschwinden. Weite Teile der Pflanzen- und Tierwelt bleiben dabei auf der Strecke.
36:42Und wieder zeigt sich die große Stärke der modernen Menschen. Sie passen sich an, auch unter widrigsten Bedingungen.
36:53Und während Homo sapiens sein Territorium sogar weiter ausdehnt, kämpfen die Neandertaler ums Überleben.
37:09Die Neandertaler leben weiterhin in kleinen Familienverbänden.
37:14Weil Homo sapiens ihnen Konkurrenz macht, finden sie immer weniger Beutetiere.
37:20Im evolutionären Wettstreit mit seinen entfernten Verwandten gerät der Neandertaler immer mehr ins Hintertreffen.
37:33Es klingt so einfach. Der Neandertaler als Verlierer der Evolution.
37:37Aber die Neandertaler waren mindestens 300.000 Jahre erfolgreich.
37:41So lange haben wir noch nicht durchgehalten. Doch mit der Zeit wurden die Neandertaler immer weniger.
37:47Die Menschen, die jetzt aus Afrika nach Europa kommen, sind einfach besser.
37:52Sie nutzen feine Werkzeuge wie Fallspitzen oder Klingen.
37:58Im Gegensatz dazu waren die Werkzeuge der Neandertaler viel gröber.
38:06Dazu kommt, der Körper moderner Menschen verbraucht weniger Energie und die Kindersterblichkeit ist geringer.
38:13Insgesamt leben sie weniger gefahrvoll, werden älter und sind fruchtbarer.
38:19Und das bringt uns, die modernen Menschen, auf die Überholspur der Evolution.
38:24Die Neandertaler geraten in eine Sackgasse. Gibraltar, an der Südspitze Europas.
38:31Hier sollen die letzten von ihnen gelebt haben.
38:40Bevor sie aussterben, hinterlassen die Neandertaler hier ein letztes Geheimnis.
38:48Kuriose Gravuren in Formen, die als Hashtags bezeichnet werden.
38:53Sie entstehen durch wiederholtes Einschneiden mit Steinwerkzeugen in den Fels.
38:59Spuren. Ein letzter Beweis für die Existenz unserer Verwandten.
39:06Und dann verschwinden sie.
39:15Die Neandertaler sind ausgestorben. Was ist uns von ihnen geblieben?
39:23Das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig.
39:32Hier wird mit der weltweit besten Technik prähistorische menschliche Erbsubstanz untersucht.
39:39Seit Jahren forschen die Wissenschaftler an dem Neandertaler-Genom, das sie schließlich rekonstruiert haben.
39:47Der Genetiker Svante Pébo leitet das Projekt.
39:53Pébo hat das Neandertaler-Genom mit dem des modernen Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt verglichen.
40:00Er hat herausgefunden, dass die Menschen in Europa durchschnittlich etwa zwei Prozent Neandertaler-DNA in sich tragen.
40:16Woher also kommt die Erbsubstanz der Neandertaler?
40:26Funde aus Israel haben gezeigt, dass frühe moderne Menschen auf dem Weg in den Norden zur gleichen Zeit am gleichen
40:33Ort mit Gruppen von Neandertalern gelebt haben.
40:40Doch was ist beim Zusammentreffen der beiden Menschenarten passiert?
40:50Als die moderne Menschen dann in Afrika entstanden sind, hat sich verbreitet und sind dann außerhalb Afrika schon im Mittleren
40:59Osten auf Neandertaler gestossen.
41:01Diese frühen modernen Menschen haben sich mit Neandertaler gemischt und die wurden dann zu den Vorfahren von allen modernen Menschen
41:09aus Alp Afrika und hat diese Neandertal-Komponent in sich mitgetragen.
41:16Mit dem Erbe des Neandertalers verbreiten sich die modernen Menschen rasant über den ganzen Planeten.
41:23Einen Schritt, den Neandertaler nie gewagt haben.
41:27Die Neandertaler haben nie, vielleicht mit einer Ausnahme, haben sie nie Wasser überquert, wo man nicht Land auf der anderen
41:35Seite sieht.
41:36Moderne Menschen verbreiten sich dann außerhalb Afrika und in nur 50.000 Jahren oder so.
41:42Der moderne Mensch ist einfach verrückt und die andere Formen waren nicht verrückt.
41:47Irgendwo da sehe ich eine große Unterschiede. Wir können nie aufhören, nicht?
41:51Wir sind jetzt überall auf der Welt gewesen, dann müssen wir zum Mond fahren, jetzt müssen wir zum Mars fahren.
41:56Es gibt keinen Halt.
42:00Alle heutigen Menschen haben gemeinsame Vorfahren, die sich vor Jahrmillionen auf den Weg gemacht haben.
42:09Anpassungsfähigkeit, Neugierde und Vielfalt waren entscheidend dafür, dass Homo sapiens als einziger Art überlebt hat. Bis jetzt.
42:22Mal abwarten, was von uns übrig bleibt und was meine zukünftigen Kollegen dann in ein paar hundert Generationen erzählen werden.
42:29Denn eins hat sich verändert. Bisher waren es äußere Einflüsse, die dafür gesorgt haben, dass wir uns immer wieder neu
42:36erfinden mussten.
42:37Doch heute schaffen wir uns selbst die größten Herausforderungen, wenn wir unseren Lebensraum verändern und zunehmend vernichten.
42:45Die Frage ist also, werden zukünftige Anthropologen von einer Erfolgsgeschichte berichten können
42:51oder von einer Menschenart, die es geschafft hat, die eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören.
42:58Ausgang der Geschichte? Ungewiss.
43:17Untertitelung des ZDF, 2020
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