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00:03The Olympic Games are the most important sporting event in the world.
00:08Millions of people fieber with me as a moderator.
00:20For Olympia, a medal to win.
00:23For the athletes and athletes, what they can achieve.
00:30And then, when the games are over...
00:32I've never experienced that in my life.
00:36I've come to the peak of my sports life.
00:41I've had the feeling that I'm not worth it.
00:47I wonder if it's all worth it, what I put in there?
00:52Only if you can win one medal.
00:59Meistens say, a Olympia-Zyklus is four years.
01:01But that's not only the four years,
01:03the you train on this one, but it's a life.
01:07Jeder Vierte fällt nach Olympia in ein psychisches Loch.
01:12Die andere Seite der Medaille.
01:17Ich glaube, die alte Generation, wie ich ja auch aufgewachsen bin,
01:21ist einfach nur die harten Kommen im Garten.
01:24Sind mentale Probleme im Spitzensport ein Tabu?
01:28Was verlangen die Spiele unseren Sportlerinnen und Sportlern ab?
01:32Und was steckt hinter einer Post-Olympia-Depression?
02:05Wie ist das Problem für die einförder?
02:06Anchein und die Anchein und die Anchein und die Anchein über die Bежierengren Sieme,
02:06In the area of Rosenheim,
02:08is the statue of Jessica Bredow-Werndl and her family.
02:14She won the last two Olympic games in Tokyo in 2021
02:20and in Paris 2024 gold.
02:23She won four gold medals.
02:32I know the Dressur-Reiterin is a long time ago
02:35about her unique success.
02:45I also know her,
02:47because she is a few,
02:50she speaks about mental health and mental strength.
02:56Hello.
02:57Hello, I found you.
03:00Hello, Jessica.
03:01How are you?
03:02How are you?
03:03And I can see you both.
03:09You and your gold medalera.
03:12Hello.
03:13I have a bit of respect for Pferden.
03:15Yes, it makes sense.
03:16But here I trust you.
03:18Yes, she is also great.
03:20And she is not alone.
03:22She is not alone.
03:23She is not alone.
03:24She is not alone.
03:26She is also emotional for you,
03:28the two Olympic-Siegers,
03:29or the four Olympic-Siegers.
03:32All with her.
03:35My name is Jessica Bredow-Werndl.
03:37I am 39 years old
03:39and I am a Tresur-Reiterin.
03:44I was four years old
03:46with my auntie.
03:49And the highlight of the week
03:50was always,
03:51when I could go to the Ponys
03:52and when I could go to the Ponys.
03:53and when I could go to the Ponys.
04:001996.
04:02Atlanta looked at it.
04:03Isabel Werth won.
04:04And I said it to my parents
04:05that I would like to do that.
04:09So I can definitely
04:10speak of a child's dream,
04:12which I fulfilled myself.
04:14The medalist
04:15at the Olympic games
04:17is going to go to gold.
04:18With the championship
04:19yesterday,
04:19the Bredow-Werndl
04:21winner Jessica
04:21from Bredow-Werndl
04:22today gold
04:23in the competition.
04:25So that I was
04:27in Tokyo
04:27Doppel-Olympiaskierin
04:28won,
04:29it was for me
04:30so,
04:30boah,
04:31krass.
04:32You've managed it.
04:35And then
04:36I came home
04:38and it
04:39went so fast.
04:41I didn't feel anything
04:41I didn't feel
04:41I didn't feel
04:42I didn't feel
04:49like that.
04:50First of all
04:50you swam
04:50in the sky
04:52and then
04:52we flew a few days later
04:53to go home
04:56for just a week.
04:57We were
04:59my son
04:59and my husband
05:00and I
05:02could not move
05:04and then
05:05I couldn't move
05:05after this
05:06emotion,
05:07which was then
05:07immediately
05:08came
05:09this
05:10absolute
05:11mental
05:11shock.
05:13I was
05:13like
05:1520,
05:1630
05:16Kilo
05:16schwerer.
05:17I was so
05:18erschöpft
05:18and so
05:20träge
05:20in all
05:20was I
05:21did
05:21that I
05:22was
05:22morning
05:23from the
05:24bed
05:24to the
05:24buffet
05:24to the
05:25buffet
05:25to the
05:25buffet
05:26to the
05:26buffet
05:26buffet
05:31to the
05:32so
05:32it
05:32it
05:34was
05:35a
05:36moment
05:38the
05:39charm
05:40because
05:40you
05:40thought
05:41okay
05:42I
05:43stood
05:43here
05:43with
05:44two
05:44gold
05:44and
05:44and
05:46I
05:46don't
05:46know
05:46know
05:47I
05:48don't
05:49I
05:49don't
05:49I
05:51don't
05:52know
05:55I
05:55don't
05:56don't
05:56I
05:56don't
05:56don't
05:56know
05:56I
05:57don't
06:20don't
06:26I
06:27don't
06:27I
06:27don't
06:27I
06:29don't
06:31I
06:34don't
06:37see
06:37it was a
06:39nice moment
06:39but
06:40I've never
06:41ever
06:42see
06:42when I
06:43came to my
06:46sport
06:47life
06:48and
06:48When I came to my house, I had the feeling that I had nothing to do with it.
06:56That's so funny.
07:01What did you do with this moment?
07:05It made me sad.
07:07But I couldn't just say, now it's time to go out there.
07:14It took the time, the time it took.
07:16Can you answer the question, why it came so?
07:20I think it's because Olympia is the highest, what we can achieve.
07:29And after the high, it can be too high, because many think about it now.
07:38Now today, years later, is Jessica's final ride from Tokyo.
07:49And now, 100% of attention to Jessica from Bredow-Werndl and D'Alehrer.
08:02The beautiful movements of D'Alehrer.
08:05The great, great seat of Jessica from Bredow-Werndl.
08:13talent of Bredow-Werndl.
08:17The failures of C versus the Great-Werndl.
08:21The great job is here.
08:25And this has to be in the absolute Zoe of Bredow-Werndl.
08:38It takes months, until Jessica wins the mentality.
08:45Even when she wins in Paris again gold, she fights with the pain.
08:49The viewers are still hiding.
08:54For her Olympia is a huge spectacle.
09:00Eine Show, die die Athletinnen und Athleten zu Helden stilisiert.
09:18Doch Olympia, das ist nicht nur Glanz und Glamour.
09:22Wie schwer ist es für die Sportlerinnen und Sportler, die bei den Spielen scheitern?
09:28Ich erinnere mich an die deutsche Kanutin Ricarda Funk.
09:32Sie geht in Paris als amtierende Olympiasiegerin an den Start und verpasst wegen eines Fehlers im finalen Lauf die Goldmedaille.
09:55Ein Jahr nach den Spielen in Paris bin ich am Augsburger Eiskanal.
10:00Eine Wildwasserstrecke für den Kanusport.
10:03Heute finden die Weltcup-Läufe in der Disziplin Kayakross statt.
10:11Auch Ricarda ist am Start. Ich will sie treffen, um zu erfahren, wie es ihr heute geht.
10:29Und Ricarda Funk kann sich wieder super durchsetzen. Super!
10:37Sieg zu Hause! Gratulation! Ricarda Funk gewinnt!
10:47Geschafft!
10:51Malakum, Germany!
11:01Ich bin Ricarda Funk. Ich bin Slalom-Kanutin. Ich liebe Harry Potter. Ich wünschte, ich könnte zaubern. Ich kann es
11:10leider nicht.
11:10Aber dafür bin ich ganz ohne Zaubern in Tokio Olympiasiegerin geworden.
11:17Slalom-Kanutin Ricarda Funk hat die erste Goldmedaille für das deutsche Team geholt.
11:27Diese olympische Medaille, im Endeffekt ist es doch irgendwo so fast ein Lebenswerk.
11:35Ich habe mich nicht nur vier Jahre darauf vorbereitet. Ich arbeite an diesem Sport, seitdem ich sechs Jahre alt bin.
11:48Anfangs wollte ich eigentlich eher tanzen. Ich war eigentlich so das klassische Mädchen.
11:53Ich sage immer irgendwie, habe ich doch meine Bühne gefunden. Es ist nicht die Bühne fürs Tanzen, aber dafür auf
12:00dem Wasser.
12:01Denn am Ende ist es ein Spiel mit dem Wasser, ein Tanz mit dem Wasser, ein Tanz um die Torstangen.
12:05Ich muss den Rhythmus des Wassers aufnehmen, den fühlen und im Endeffekt für mich nutzen.
12:10Das Wasser ist wie für mich mein Tanzpartner am Ende.
12:16Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie ich zu Schulzeiten einen Text geschrieben habe.
12:22Und da spreche ich über die Olympischen Spiele, dass ich da eines Tages mal hin möchte.
12:26Und ich spreche davon, wie hart und steinig dieser Weg ist und wie lange er ist.
12:31Aber um ehrlich zu sein, ich hatte keinen blassen Schimmer.
12:38Ricarda Funk gewinnt in Tokio im Jahr 2021 ihre erste olympische Goldmedaille und reist mit großen Erwartungen zu den Spielen
12:49nach Paris.
12:50Sie ist Deutschlands einzige Hoffnung auf eine Goldmedaille im Kajak.
12:59Paris, olympische Spiele, die ja eh schon extrem hochgehangen wurden, weil es waren die ersten wieder nach Corona mit Zuschauern.
13:08Wie hast du die Zeit davon erlebt?
13:09Also nach Tokio war für mich klar, mein Ziel, olympische Spiele in Paris.
13:13Vor Zuschauern mit Publikum, meine Eltern, meine Geschwister mittendrin.
13:18Und im Endeffekt stand ich dann oben am Start. Ich habe ein Bild immer im Kopf, wie eine Raubkatze, die
13:26im hohen Gras lauert, ganz ruhig wird und sich bereit macht für den Angriff.
13:37Da ist sie am Start. Ricarda Funk.
13:46Im Moment ist sie mit Bestzeit unterwegs.
13:58Oh, und jetzt eine Berührung und jetzt weiß sie, das war die Goldmedaille.
14:08Man stellt sich die Frage, war es das alles wert?
14:13Ist es das alles wert, was ich da reinstecke?
14:16Nur, dass man im Endeffekt, am Ende vielleicht diese eine Medaille gewinnt.
14:23Ja, und dann steht man da eben vor dieser, dieser großen Leere.
14:29Und man weiß plötzlich nicht, wohin mit mir.
14:33Was glaubst du, welche Erwartungen hatten die Menschen an dich?
14:41Ähm, ja, ich hatte immer das Gefühl, dass die Menschen denken, dass es normal ist, wenn sie es schafft.
14:53Und die Riki, die macht das schon.
14:56Ähm, ja, und es löst natürlich irgendwo Druck aus.
15:02Und dass, ähm, ja, teilweise gar nicht gesehen wird, wie schwer das doch am Ende ist, diesen Lauf, diesen Einlauf
15:14darunter zu bekommen, diesen, naja, perfekten Lauf.
15:18Ähm, teilweise wird einem das Gefühl vermittelt, dass es ja, ja, vielleicht was Leichtes ist für einen.
15:28Aber das ist es nicht.
15:33Zwei Tage nach den Sommerspielen in Paris empfängt die Stadt Augsburg ihre Olympiateilnehmer.
15:39Mit dabei auch die enttäuschte Kanutin Ricarda Funk.
15:45Ich hab's direkt schon gemerkt, dass ich ein bisschen emotional jetzt werde.
15:49Da ist einmal kurz alles über mir eingebrochen.
15:56Gab es nach Olympia in Paris auch mal einen Moment, in dem du darüber nachgedacht hast, ob du überhaupt weiterfahren
16:01möchtest?
16:03Äh, natürlich stellt man auf einmal alles in Frage.
16:06Wie?
16:07Äh, für mich war klar, die Saison schließe ich auf jeden Fall ab.
16:12Ähm, und dann bin ich, ehrlich gesagt, erstmal in die Normalität geflüchtet, in meine Routinen geflüchtet.
16:20Und hab wahrscheinlich diese Frage, wo es mit mir hingeht, erstmal von mir weggeschoben.
16:28Wann hat dich dieser Moment angeholt?
16:31Ähm, ich würde sagen, naja, es passiert schleichend.
16:36Das kommt nicht von dem einen Tag auf den anderen.
16:38Es ist nicht so, dass jetzt auf einmal, zack, da vielleicht eine Bombe platzt, so nach dem Motto.
16:42Sondern ich hab schon langsam gespürt, oh, da hab ich doch irgendwie eine ganz schöne Last auf mir.
16:50Wir alle kennen das Gefühl, nach einem großen Ereignis oder einer Enttäuschung in ein Loch zu fallen.
16:57Doch was, wenn dieses Gefühl bleibt?
17:02Ricarda steckt ein Jahr nach den Olympischen Spielen in einer Sinnkrise, fühlt eine große Leere.
17:12Auch Dressurreiterin Jessica ging es monatelang schlecht, trotz Goldmedaillen bei Olympia.
17:20Ricarda werde ich später noch einmal besuchen.
17:23Zunächst fahre ich aber nach Köln, an den dortigen Olympia-Stützpunkt.
17:27Hier arbeitet der Experte für Sportpsychologie Moritz Anderten.
17:33Er betreut seit Jahren Topathleten verschiedener Sportarten, auch Olympiateilnehmer.
17:39Von ihm möchte ich wissen, warum es Ricarda und Jessica nach Olympischen Spielen so schlecht geht.
17:47Inwieweit würdest du denn von einer Last der Spiele sprechen?
17:50So viele Höhepunkte, die so Olympischen Spiele natürlich auch mit sich bringen,
17:54gibt es ja eben auch noch die andere Seite der Medaille im wahrsten Sinne des Wortes.
17:57Absolut. Und das müssen wir als Sportpsychologen auf dem Schirm haben, dass wir auch schauen,
18:02okay, wenn wir jetzt unsere Athleten zu Hause wieder in Empfang nehmen, sie kommen vom Großereignis wieder,
18:07das auch mit zu beobachten, wie verhält sich der Athlet.
18:11Sozialer Rückzug kann mit einhergehen so, es kann eine Traurigkeit mit reinkommen,
18:15dass die Leute schneller am Wasser gebaut sind, dass viele Alltagsdinge auf einmal belastend werden.
18:22Das sind alles so Anzeichen, die mit einer post Olympischen Depression einhergehen.
18:27Was sind die genauen Symptome einer Post Olympiadepression?
18:30Die Post Olympiadepression hat im Grunde genommen ähnliche oder gleiche Symptome wie eine normale Depression auch.
18:36Das macht es häufig auch in der Unterscheidung so schwierig.
18:39Also die Betroffenen klagen auch über die Antriebslosigkeit, über die Müdigkeit, über die Traurigkeit, über die dunklen Tage.
18:46Das machen ja Depressive auch ganz genauso.
18:48Aber häufig ist es so, dass eine post Olympische Depression vergleichbar ist eigentlich mit einem emotionalen Erschöpfungszustand,
18:55weil sich die Athleten ja über einen langen, langen Zeitraum auf dieses Ereignis darauf vorbereitet haben und auf einmal ist
19:01es weg.
19:02Das heißt, das große Ziel bricht von jetzt auf gleich eigentlich weg und dann stellt sich erstmal die große Frage,
19:08und was passiert jetzt eigentlich?
19:10Wie häufig kommt sowas vor bei Athleten und Athletinnen?
19:14Eigentlich kann man sagen, das ist so der Erfahrungswert, dass es 25 bis 30 Prozent etwa sind, die zumindestens in
19:20ein psychisches Loch erstmal reinfallen,
19:22in eine Ermüdung, in eine Erschöpfung und sich davon auch erstmal wiederholen müssen.
19:28Etwa 25 bis 30 Prozent. Das ist jeder vierte Olympiaathlet. Dieses Ausmaß überrascht mich. Es kann also jeden treffen.
19:39Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass, bis auf Ausnahmen, offen darüber gesprochen wird.
19:45Ich mache mich auf den Weg nach Italien. Es ist November 2025 und die Vorbereitungen für die Winterspiele Mailand-Cortina
19:54im Februar 2026 laufen.
19:58Ich möchte wissen, wie Athletinnen und Athleten mit dem großen Druck vor Olympia umgehen, wie wichtig generell mentale Vorbereitung ist.
20:08Doch auf unsere Anfragen bei Verbänden und Sportlern melden sich nur wenige zurück.
20:16In Cortina, einem der Austragungsorte für die Spiele, treffe ich einen der wenigen Athleten, der sprechen möchte.
20:23Er trainiert gerade auf der neu gebauten Olympischen Bahn in Cortina, die noch nicht ganz fertig ist.
20:31Axel Jung, deutsche Medaillen-Hoffnung im Skeleton.
20:35Skeleton, das ist die Sportart, bei der Athleten Beuchlings mit dem Kopf voran auf einem Schlitten durch den Eiskanal rasen.
20:43Ziemlich mutig, wie ich finde.
20:58Ich bin Axel Jung, Skeleton-Fahrer aus Dortmund, aufgewachsen im Erzgebirge in Sachsen.
21:06Das Ding ist, ich wusste damals gar nicht, was Skeleton ist.
21:09Ich war ja, seitdem ich vier war, Skispringer.
21:12Meine beiden großen Brüder waren Skispringer.
21:14Und so war es bei mir, dass ein Skelettentrainer zum Sport in der Naht nach Oberwiesenthal gegangen ist
21:19und in den verschiedenen Sportarten rumgefragt hat, wer Interesse hätte.
21:24Und dann bin ich halt zum Probetrain, bin das erste Mal runtergefahren.
21:27War eine Katastrophe. Hat wehgetan, hat keinen Spaß gemacht.
21:30Aber ich dachte mir irgendwie, das kannst du jetzt auch nicht so stehen lassen.
21:34Olympia, das ist die Spitze des Eisbergs, die du als Sportler erreichen kannst.
21:41Das ist es! Und Axel Jung zieht sich die Silbermedaille!
21:48Da hab ich mich halt wirklich wie ein kleines Kind gefreut.
21:52Axel Jung!
21:54Ich stand da, hab die Hände so gerieben, auf die Medaille geschaut.
21:59Es war wie ein Schatz, der mir da überreicht wurde.
22:03Einer der schönsten Momente meines Lebens auf jeden Fall.
22:08Olympia ist natürlich eine ganz, ganz andere mentale Belastung, viel höherer Druck da.
22:14Du weißt, viel, viel mehr Leute schauen drauf.
22:16Aber ich versuche es natürlich so gering wie möglich zu halten.
22:21Bei den letzten Spielen in Peking gewinnt Axel Silber.
22:25Für Mailand Cortina 2026 muss er sich zu diesem Zeitpunkt noch qualifizieren.
22:31Und hier ist der Countdown, ja?
22:33Genau, hier ist der Countdown.
22:35Und wo ist die Zeit dann?
22:37Ah, hier.
22:37Ja, hier drunter steht hier.
22:39Ah, also 80 Tage.
22:4180 Tage.
22:42Das wird immer weniger.
22:44Bist du jetzt doch nervös?
22:45Noch nicht, aber.
22:46Das werden hoffentlich deine dritten Olympischen Spiele.
22:50Zwei hast du schon erlebt, aber das erste Mal wäre es dann hier in Europa.
22:54Ja, es ist super besonders.
22:55Also der Druck ist größer, aber ich weiß, dass ich im Sommer gut trainiert habe, dass ich mich nicht verstecken
22:59brauche.
23:00Ich bin, glaube ich, selbstbewusster als in den letzten Jahren.
23:02Und ich will einfach meine Leistung abrufen, das, was ich weiß, was ich drauf habe.
23:06Und ich glaube, wenn ich das abrufe, dann wird es für ganz vorne reichen.
23:13Motivationssätze gehören zur mentalen Vorbereitung von großen Wettkämpfen dazu.
23:19Eine Post-Olympia-Depression hat Axel selbst nicht erlebt.
23:23Aber mentale Krisen.
23:30Wie würdest du es denn grob umschreiben, wenn du jetzt jemandem ganz simpel erklären musst,
23:34was alles dazugehört, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren und die Medaille zu holen?
23:41Da hängt ein Leben dran.
23:43Nicht nur das von dem Sportler, sondern das von ganz vielen.
23:46Also es ist endlos.
23:47Und meistens sagt man ja, ein Olympia-Zyklus ist vier Jahre.
23:50Aber das sind ja nicht nur die vier Jahre, die du auf diesen einen Wettkampf trainierst,
23:54sondern du hast ja davor weitere vier, weitere vier, weitere vier.
23:57In meinem Fall jetzt, ich mache jetzt seit 18 Jahren den Sport.
24:00Wie wichtig ist der Kopf?
24:03Ja, also Kopf ist da alles entscheidende Faktor an Tag X.
24:07Ich sage mal so, ohne ein gewisses Training etc.
24:09funktioniert es ja gar nicht, dass du überhaupt diese Leistung hast.
24:12Aber dass du sie abrufen kannst am Ende an Tag X,
24:15ohne irgendwelche Einschränkungen wirklich das hundertprozentige Performance rausholen kannst,
24:19das entscheidet zu hundertprozentig Kopf am letzten Tag.
24:22Axel, du hast in deiner Karriere viele Hochs erlebt, aber auch sehr, sehr viele Tiefs.
24:27Teilweise auch bedingt durch Verletzungen.
24:30Kannst du dich noch daran erinnern, als du das Gefühl hattest,
24:33oh Gott, weiß ich überhaupt, wie ich jetzt hier wieder rauskomme?
24:36Ja, schon.
24:39Also bei mir geht es dann oft so, dass ich dann das Gefühl habe,
24:41in dem Moment, wo du dich verletzt, fängt natürlich zum Beispiel beim Trainerteam schon das Rad an zu drehen.
24:47Wer könnte jetzt als Ersatz dazu kommen etc.
24:50Und dass man dann schon, ohne dass die Trainer glaube ich das bewusst wollen oder irgendwas,
24:55aber man schon schnell das Gefühl bekommt, ah, ich bin jetzt eigentlich nur eine Nummer.
25:00In dem Fall halt gerade noch Nummer eins oder Nummer zwei oder Nummer drei.
25:03In dem Moment, wo ich mich verletze, fahre ich eigentlich weg und es wird sich um den Ersatz gekümmert.
25:09Wie leicht ist es dir denn damals gefallen, dich zu öffnen, als du in dieses Loch gefallen bist?
25:15Ich glaube, das fällt mir bisher immer noch ein bisschen schwer.
25:18Also eigentlich geht es nur meiner Freundin gegenüber, dass die glaube ich relativ schnell merkt,
25:23in welcher Phase ich mich befinde, ob ich jetzt gerade einfach mental richtig stark bin
25:27oder ob ich gerade eher angreifbar bin.
25:29Hast du das Gefühl generell, dass Männer und Frauen mit dem Thema unterschiedlich umgehen?
25:34Ja, würde ich auf jeden Fall sagen. Also Frauen sind ja grundsätzlich offener.
25:38Also das ist meine Einschätzung und können besser über Gefühle etc. sprechen als Männer.
25:43Es hat was mit Stärke und Schwäche zu tun, was es eben einfach nicht ist,
25:47sondern es ist eher normal, dass man halt Höhen und Tiefen hat.
25:51Was Axel beschreibt, ist in Studien belegt. Männer gehen oft anders mit psychischen Krisen um.
25:59Sie sprechen seltener darüber und suchen seltener Hilfe.
26:03Geprägt von erlernten Rollenbildern und einem Männlichkeitsideal, bei dem Stärke zählt.
26:10Im Spitzensport verstärkt sich dieser Druck noch. Am Ende zählen Leistung und Medaillen.
26:16Dass nur wenige offen sagen, dass es ihnen schlecht geht, überrascht deshalb nicht.
26:25In Baden-Württemberg besuche ich die Athletin, die als erste in Deutschland öffentlich
26:30über ihre schwierige Zeit nach den Olympischen Spielen gesprochen hat.
26:35Judoka Anna-Maria Wagner.
26:38In einem langen Instagram-Post schrieb sie über ihre psychischen Probleme.
26:42Die sogenannte Post-Olympia-Depression hat mich erwischt.
26:48Zum ersten Mal benennt eine deutsche Athletin dieses Phänomen.
26:52Hallo. Hallo Anna-Maria. Ich bin Esther.
26:55Herzlich willkommen.
26:57Schön, dich persönlich kennenzulernen.
26:59Das Bild finde ich ja echt schön.
27:01Das war kurz nach meinem Medaillengewinn.
27:03Natürlich wie ein Schloss.
27:04Das verstehe ich.
27:07Das ist quasi mein historischer Weg zur Mathe.
27:10Ja.
27:11Wo ich nochmal Selbstgespräche geführt habe.
27:14Machst du das immer?
27:15Ja.
27:16Ich bin einer ganz anderen Welt vor meinem Kampf.
27:20Ich bin Anna-Maria Wagner, 29 Jahre alt und Judoka.
27:24Ich glaube, als Mensch macht es mich aus, dass ich ein sehr großes Herz habe.
27:28Also ich bin sehr harmoniebedürftig und schaue immer, dass es allen gut geht.
27:32Ja, bin ein sehr sozialer Mensch.
27:37Ich habe in der zweiten Klasse eine Judo-AG besucht und es hat mir ziemlich gut gefallen.
27:42Daraufhin habe ich mich im Verein angemeldet und so bin ich zum Judo gekommen.
27:48Eine Medaille.
27:49Anna-Maria Wagner, ich ziehe das Ding durch bis zum Schluss.
27:53Egal welchen Sport ich gemacht hätte, ich hätte ihn irgendwie auf Leistung gemacht.
27:57Und irgendwann will man dann größere Medaillen, schönere Medaillen.
28:03Jetzt nur noch wenige Sekunden.
28:06Und dann ist es vollbracht.
28:08Da hat sie es tatsächlich geschafft.
28:10Bronze für Anna-Maria Wagner aus Ravensburg.
28:19Es war total surreal.
28:21Und ich war glücklich und gleichzeitig konnte ich es, glaube ich, auch gar nicht richtig glauben und fassen,
28:26dass es wirklich eine olympische Medaille ist.
28:32Man wartet so lange auf diesen Moment, man selber tut alles dafür und dann hat man irgendwie alles erreicht.
28:37Und die ganzen Ziele sind auf einmal weg, wie so eine Art Neufindungsphase. Man muss sich erstmal finden.
28:44Ich habe von Anfang an aber mit meinem Sportpsychologen engen Kontakt auch gehabt.
28:48Und er hat mir dann irgendwann diesen Begriff Post-Olympia-Depression gesagt und meinte, Anna, ich glaube, das hast du.
29:06Da war ich im ersten Moment irgendwie total erleichtert, dass ich etwas Greifbares hatte, dass ich wusste so, ah, das
29:13habe ich irgendwie gerade und ich bilde mir das jetzt irgendwie nicht ein.
29:17Und warum genau hat dir das dann einen Halt gewissermaßen gegeben? Am Zustand hat sich ja wahrscheinlich erstmal nichts geändert.
29:25Nee, hat sich nichts geändert, aber ich war irgendwie erleichtert, dass es einfach einen Grund dafür gibt, warum es mir
29:30gerade so gibt.
29:31Davor wusste ich ja nicht, warum geht es mir gerade schlecht. Und jetzt wusste ich, okay, ich habe einen Grund,
29:37warum es mir gerade schlecht geht.
29:39Klar macht es es nicht besser, aber es war für mich einfacher, die Situation zu akzeptieren.
29:45Wie hat dir denn dieses Sichtbarmachen auf, ja, auf dem Weg der Heilung oder Erholung geholfen?
29:54Ja, erstmal, wie es schon gesagt, war es eine Befreiung und dann habe ich natürlich eben nur positive Nachrichten bekommen.
29:59Also ich habe nicht eine einzige Geschlechte bekommen, was natürlich auch schön ist.
30:14Wir haben auch einige Sportlerinnen und Sportler geschrieben, die sich bedankt haben, also privat, dass ich darüber rede, denen es
30:21auch so geht.
30:22Oder die auch Leute kennen, denen es so geht und die halt einfach nicht öffentlich drüber sprechen möchten.
30:29Kannst du das verstehen?
30:31Ja, natürlich. Also es ist ja trotzdem ein sehr intimer Einblick und man zeigt sich ja in dem Moment schwach.
30:42Und wobei ich das so, nee, ich wollte gerade sagen, ich habe es so nie gesehen, aber ich kann es
30:46verstehen, weil es nach außen hin schwach wirken kann.
30:48Aber für mich war das so, ich bin nicht schwach, sondern das bin ich.
30:52Und das gehört genauso zu mir wie die Medaille, die ich die Jahre davor geholt bin.
30:56Und ich bin die gleiche Person, nur geht es mir halt gerade nicht gut und es ist irgendwie okay, dass
31:01es mir nicht gut geht.
31:02Ich bin keine Maschine.
31:04Und da war ich irgendwie relativ aufgeklärt, wenn man das so sagen kann.
31:10Bei Anna-Maria schwingt etwas deutlich mit.
31:15Der Stolz, nicht geschwiegen zu haben.
31:18Das macht sie stark und kommt gut an.
31:21Athleten und Fans wählen sie 2024 zur Fahnenträgerin für die Eröffnung der Sommerspiele in Paris.
31:29Bei Anruf, pures Glück.
31:33Anna-Maria Wagner, Dennis Schröder.
31:36Sie werden die Fahne hochhalten.
31:41Im Herbst 2025 beendet sie ihre Karriere und bleibt doch ein Vorbild für viele über den Sport hinaus.
31:56In Garmisch-Partenkirchen treffe ich einen Ex-Sportler, der nicht rechtzeitig Worte dafür gefunden hat, was in ihm vorgeht.
32:05Der weiß, wie hoch der Preis im Spitzensport sein kann, wenn man zu lange funktioniert.
32:11Depressionen, Burnout, psychischer Zusammenbruch, Karriereende.
32:18Sven Hannawald, einer der erfolgreichsten deutschen Skispringer seiner Generation.
32:23Ich kenne ihn auch persönlich, weil er für die ARD als Experte arbeitet.
32:30Hallo Sven.
32:31Ah, der hohe Besuch.
32:32Und du genießt den Ausblick.
32:33Herzlich willkommen in einem meiner Wohnzimmer.
32:35Ja.
32:36Ich genieße es immer.
32:37Ja, das kann ich mir vorstellen.
32:38Ich muss nicht mehr springen, aber Genuss ist da.
32:412002 gewinnt Sven als erster Skispringer alle Wettkämpfe der Vierschanzentournee, dem wichtigsten Skisprungwettbewerb der Welt.
32:51Sven Hannawald und sein Flug ins Geschichtsbuch der Tournee.
32:56Jetzt fliegt, Adi, fliegt, wie du noch nie geflogen bist.
32:59Und jetzt ist er in der Luft und fliegt.
33:02Das geht weit, weit, weit, weit.
33:04Und er hat es geschafft.
33:05Er hat sich ein Denkmal gesetzt.
33:10Schon zu diesem Zeitpunkt gibt es Anzeichen dafür, dass Sven psychische Probleme hat.
33:17Das ist sensationell.
33:18Also ich kann wirklich nur noch flucken.
33:19Ich bin auf der einen Seite wirklich froh, dass ich die 10 Tage jetzt rumkriegt habe, weil ich so extrem
33:23jeden Tag so angespannend und nervös war.
33:25Also ich hätte sicher nicht länger mitgemacht.
33:27Aber dass mir wirklich zur 50. Vierschanze, zum Jubiläum der Grand Prix gewinnt.
33:32Also dass ich das einfach, dass ich das schaffe.
33:38Verrückt.
33:39Ja.
33:40Und schön.
33:41Und dann vor allen Dingen mit dem Publikum da unten.
33:44Das ist, ja, ja.
33:44Ja.
33:45Das ist wie so ein Fußballstadion.
33:48Nur dass es halt von oben reinfliegt.
33:50Ja.
33:54Aber nimmt man das beim Springen auch wahr?
33:56Nee.
33:58Da ist es wie Lichtschalter, als ob alle Zuschauer nach Hause gegangen sind.
34:03Und wachst dann unten halt wieder auf in der Meute oder in der Masse.
34:07Aber da bist du so hoch konzentriert, kriegst dann halt die Fahrgeräusche im Wind, den Wind kriegst du mit.
34:12Und dann weißt du, was du tust.
34:21Ein Jahr nach dem Triumph holt sich Sven professionelle Hilfe und weist sich selbst in eine Klinik für psychosomatische Erkrankungen
34:30ein.
34:31Für Sven ist es die Rettung.
34:33Heute ist er Botschafter für mentale Gesundheit.
34:36Und wann war dir das erste Mal wirklich klar, ich brauche dringend Hilfe?
34:42Irgendwie ist mir das erst aufgefallen ab dem Zeitpunkt, wo ich dann die Tournee im Sack hatte.
34:47Ich beschreibe es heute so, das Mobiltelefon sagt ja eben was.
34:51Wenn das neu ist, dann hält das zwei Tage.
34:53Wenn das gleiche Telefon aber dann auch mit Benutzung mal fünf Jahre alt ist oder sechs,
34:58dann merkst du, wenn du das ansteckst, ist es zwar voll, aber es ist nach einem halben Tag wieder leer.
35:03Ja, und so ging das irgendwie. Ich bin eigentlich in die darauffolgende Saison, nach meiner Supersaison,
35:08fit rein und konnte sechs Springen gewinnen und dann aber ab der Hälfte der Saison nichts hingekriegt.
35:13Und dann ging das los, dass ich nie wieder irgendwie vorwärts gekommen bin.
35:17Also auf der einen Seite müde, auf der anderen Seite wie so ein, äh, ne?
35:21Also irgendwie, ich konnte mich nicht zurückziehen und ausruhen.
35:24Bin ja auch aufgewacht, schweißgebadet und immer irgendwie so viel Tränen in den Augen gehabt, obwohl ich ja nicht so
35:29bin.
35:30Und anhand von dem sind wir zu einem Arzt für Psychosomatik.
35:33Und der meinte dann innerhalb von einer halben Stunde Burnout dringendst in der Klinik.
35:38Du hältst Vorträge, du gibst den Leuten aufgrund deiner Erfahrung mit, dass sie Mut haben sollen,
35:44dass sie auch zu sich selbst ehrlich sein sollen. Welches Feedback bekommst du da?
35:48Ich merke schon, jetzt gerade, wenn ich immer unterwegs bin mit meinem Thema,
35:54dass ich den Leuten dann irgendwo auch so ein bisschen dieses neue Bewusstsein gebe,
35:58ach stimmt, siehste, genau das, was er sagt, habe ich schon seit zwei Jahren.
36:02Und der hat das gemacht und das mache ich jetzt, ab morgen.
36:05Es kommen immer mehr nach den Veranstaltungen, die Frauen, die Männer, Jung, wie alt, kommen zu mir und öffnen sich.
36:12Und das ist eigentlich das, wo ich immer wieder positiv sehe, dass ich ihnen einfach jetzt so ein bisschen den
36:19Schlüsselmoment gegeben habe,
36:20auf den sie vielleicht gewartet haben, auf den sie vielleicht schon eine lange Zeit vor sich hergeschoben haben,
36:27weil sie vielleicht, es doch so war, dass sie sich in der Familie nicht getraut haben zu öffnen,
36:31weil vielleicht eine andere Philosophie gelebt wird.
36:35Welche? Wovor haben die Menschen Angst?
36:37Ich glaube, die alte Generation, wie ich ja auch aufgewachsen bin, ist einfach nur die harten Kommen im Garten.
36:42Und heute merkst du schon, dass das speziell auch die neue Generation anders damit umgeht.
36:48Wie lautet deine Botschaft an die Gesellschaft, an die Sportler?
36:52Hör einfach auf dein Inneres.
36:54Ich habe es ja unwissentlich rausgezögert bis zum Schluss. Es war zu spät am Ende.
37:00Das holst du nicht mehr zurück, das ist vorbei. Und dieses Beispiel mit mir zeigt ja allen.
37:04Nimm es wahr, wenn es ist, und kümmere dich darum. Hast du am Ende für deine Zukunft viel mehr davon.
37:13Psychische Erkrankungen wie Depressionen sind keine Randerscheinung.
37:16Das aktuelle Deutschlandbarometer Depressionen zeigt, fast jeder Zweite ist direkt oder indirekt betroffen.
37:24Durch eine eigene Erkrankung oder im nahen Umfeld.
37:37Zurück in Augsburg bei Kanuten-Rikada Funk. Sportlich ist sie nach wie vor sehr erfolgreich.
37:44Europameisterin, Gesamtweltcup-Siegerin.
37:49Gerade trainiert sie für die Weltmeisterschaft.
37:51Doch wie geht es hier wirklich? Könnte es sein, dass Ricada in einer Post-Olympia-Depression steckt?
38:00Ricada, erstmal herzlichen Glückwunsch. Läuft doch diese Saison alles perfekt.
38:04Ach, um ehrlich zu sein, es sieht einfacher aus, als es ist.
38:09Diese Saison ist geprägt von Höhen und Tiefen.
38:13Die Tiefen sieht man vielleicht nicht von außen, aber dennoch sind sie da und habe gedacht, das kriege ich schon
38:20in den Griff.
38:20Das ist doch gar nicht so schlimm.
38:22Naja, bis dann auf einmal der Mann mit dem Hammer so richtig kommt und man dann doch sehr, sehr emotional
38:29auf einmal wird.
38:30Plötzlich nicht mehr schlafen kann.
38:32Schlaflose Nächte mit, ja, Gedankenkarussell und mit ganz, ganz vielen Fragen, auf die ich plötzlich keine Antwort mehr hatte.
38:44Für mich war immer klar, wo ich hin möchte. Für mich war immer klar, worin der Sinn am Ende liegt.
38:52Und plötzlich steht man da und man weiß es nicht mehr.
38:56Wann hast du diese Momente konkret erlebt?
38:59Vor dem Wettkampf, während des Wettkampfes. Ich bin in Tränen ausgebrochen, plötzlich an der Strecke, obwohl ich mich eigentlich auf
39:07meinen Lauf konzentrieren wollte.
39:09Ja, irgendwann habe ich ganz verzweifelt meine Eltern angerufen und habe gesagt, guck mal, ich bin gerade wie so ein
39:17Hamster im Hamsterrad.
39:19Ich laufe und laufe und komme nicht an mein Ziel.
39:22Wie schwer war es für dich, dann doch auch immer wieder weiterzumachen?
39:26Ja, ich war natürlich kurz verzweifelt und zugleich, ich glaube, es ist halt der Sportlergeist, der lebt halt in mir.
39:35Und der Sportlergeist ist halt sehr, ja, aufs Positive ausgerichtet, ist versucht irgendwie, voller Ehrgeiz geprägt, voller Disziplin geprägt.
39:50Und ich meine, das bin ich. Ich gehe an den Start und ziehe das dann am Ende durch, egal wie
39:57schwer es dann ist.
39:59Also du funktionierst?
40:01Am Ende habe ich, glaube ich, funktioniert, ja. Auch wenn ich es nicht richtig gefühlt habe.
40:07Ricarda scheint es schlechter zu gehen als bei unserem ersten Treffen.
40:12Sie erzählt mir, dass sie nun mit einem Sportpsychologen vom Augsburger Olympiastützpunkt zusammenarbeitet, um aus ihrer Post-Olympia-Depression herauszufinden.
40:22Ich frage mich, ob ihr das gelingen wird. Ohne Hilfe könnte sich der Zustand weiter verschlechtern.
40:29Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass man von einer post-olympischen Depression auch in eine klinische Depression verfallen kann?
40:35Die ist natürlich gegeben. Das heißt, Leute, die in eine post-olympische Depression reinfallen, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, dann auch
40:42eine tatsächliche Depression zu entwickeln.
40:47Da müssen wir genau schauen, dass diese emotionale Erschöpfung nicht verwechselt wird mit einer tatsächlichen Depression.
40:53Und was ich auch noch ganz spannend finde, mal zu erfahren, wie der Verlauf einer Post-Olympia-Depression ist.
40:58Ist es tatsächlich so, das Turnier ist vorbei und dann könnte sich dieses große Loch auftun oder kann das auch
41:03zeitversetzt passieren?
41:04Das ist häufig sogar zeitversetzt und wir müssen doch unterscheiden, ob die Olympioniken, ob sie erfolgreich waren bei den Spielen
41:11oder weniger erfolgreich waren.
41:12Und zwar auch in meiner Abhängigkeit ihrer persönlichen Zielsetzung. Es kann allerdings alle treffen.
41:18Die Erfolgreichen haben häufig noch aber den großen Vorteil, dass da natürlich einen längeren Zeitraum, die mediale Aufmerksamkeit oft dann
41:25da ist, über mehrere Wochen noch.
41:27Bei denen, die vielleicht nicht ganz so erfolgreich waren, kann es dann viel, viel eher auch stattfinden, dass es dann
41:33unmittelbar danach dann passiert.
41:35Wie ist denn die Arbeit genau mit Athleten und Athletinnen gerade vor den großen Turnieren?
41:40Und wie relevant ist dieser Punkt Post-Olympia-Depression schon?
41:44Das ist halt immer so ein ganz schwieriger Grad. Also auf der einen Seite so Kernaufgabe Leistungsoptimierung.
41:52Wir wollen dich darauf vorbereiten, dass du dann da an Tag X das Beste rausholen kannst oder während des Turnierverlaufes.
41:58Und dann ist es natürlich total schwierig, auch darauf aufmerksam zu machen.
42:01Ach übrigens, wir müssen uns aber nochmal jetzt schon darauf vorbereiten, dass es dir danach schlecht gehen könnte.
42:06Das ist natürlich total konträr zwischen Leistungsoptimierung und wir müssen mal gucken.
42:10Das bedeutet aber gleichzeitig, und so versteht sich ja auch Sportpsychologie, wenn wir langfristig miteinander arbeiten,
42:17dass wir diese Themen vielleicht gar nicht in die unmittelbare Wettkampfvorbereitung reinlegen müssen,
42:22sondern dass wir es im Laufe der gesamten Zusammenarbeit einfach automatisch darauf auch stoßen,
42:27zu sagen, dass es dieses Phänomen gibt und schon frühzeitig darauf zu sensibilisieren.
42:33Sportpsychologie versucht vorzubereiten. Doch am Ende zählt eben doch Gold, Silber oder Bronze.
42:40Ein grundsätzliches Dilemma. Maximale Leistung an Tag X statt langfristiger mentaler Stabilität.
42:48Dazu kommt bei Randsportarten die Abhängigkeit von Großereignissen.
42:53Allen voran Olympia. Förderungen, Sponsorengelder, Kaderplätze.
42:59Also ein fester Platz in einem Team, das alles hängt an den Ergebnissen, an den Medaillen.
43:08In Dortmund trainiert Axel Jung, der Skeletonfahrer, den ich schon in Cortina getroffen habe.
43:15Axel ist in der Sportfördergruppe der Bundespolizei angestellt, hat also immerhin ein geregeltes Einkommen.
43:30Seit kurzem steht fest, dass er sich für die Winterspiele 2026 qualifiziert hat und in Cortina dabei sein wird.
43:39Stuck!
43:42Hallo!
43:43Hallöchen!
43:44Hi Axel!
43:45Na, du hast es geschafft!
43:47Yes!
43:47Du hast dich qualifiziert.
43:48Ja.
43:49Wie geht es dir damit?
43:50Sehr, sehr gut. Also es ist schon ein großer Stein, der vom Herzen gefallen ist.
43:53Aufregung, langsam kommt es.
43:55Aber noch in einem positiven Bereich, aber wir freuen uns auf jeden Fall.
43:58Ist das jetzt erstmal die Erleichterung, ja, ich bin dabei, ich habe nochmal die Chance auf eine Medaille oder ist
44:03es dann auch direkt dieser Druck und diese Anspannung, die aufkommt?
44:05Jetzt ist schon eher das Ziel ganz klar im Fokus. Also jetzt nicht mehr so, hey, ja, ich bin dabei,
44:10sondern jetzt ist es ganz klar dieses Ziel, Medaille und dafür alles geben.
44:15Ja.
44:17Skeleton ist eine klassische Randsportart. Ohne hohe Grundgehälter wie beim Fußball, Medienrechte oder langfristige Sponsorenverträge. Fernab großer Aufmerksamkeit.
44:29Nur bei Olympischen Spielen wird zur Primetime live im Fernsehen übertragen.
44:42So, jetzt beginnt die heiße Phase, Axel. Für jemanden, der aus einer Randsportart kommt, sind Olympische Spiele natürlich auch nochmal
44:51was anderes als für jemanden, der andauernd mit seiner Sportart im Rampenlicht steht.
44:57Was bedeutet das für dich als Skeletoni, bei den Olympischen Spielen teilzunehmen? Also was hängt da alles dran?
45:06Ja, eigentlich sehr viel. Also das Ding ist ja, dass wir wirklich wenig im Fernseher zu sehen sind und Sponsoren
45:13suche ist bei uns wirklich sehr, sehr schwer.
45:15Ich bin tatsächlich in Peking, wo ich Silber gewonnen habe, da dachte ich mir eigentlich, okay, cool.
45:21Das haben ja viele Leute gesehen, es müsste auch irgendwie mal so ein Kick kommen, aber ist leider auch eigentlich
45:27ausgeblieben, was echt auch wehtat, weil man sich dachte, hey, die Leistung war echt cool.
45:32Ich habe ja eine Olympische Silbermedaille geholt und anscheinend interessiert es dann doch niemanden. Also Sponsoren zu finden bei uns
45:36in der Sportart ist wirklich extrem schwer.
45:38Da können ja auch Existenzen dranhängen.
45:40Definitiv. Also in meinem Fall, ich habe großes Glück, ich bin bei der Bundespolizei angestellt, bin Beamter. Aber natürlich, also
45:47das Geld ist halt immer ein wichtiger Faktor und Geld entscheidet auch über Leistung am Ende.
45:52Also wer am meisten Geld hat, der kann sich das beste Material leisten etc. Und da helfen Olympische Spiele grundsätzlich
45:58natürlich schon.
45:59Und wenn ich jetzt im Weltcup von sieben Rennen sieben gewinne und dann wäre ich bei Olympia Fünfter, dann fragt
46:04da niemand mehr danach und genau das ist andersrum.
46:06Also da merkst du schon, hey, das ist das Rennen, wo wir uns jetzt vier Jahre drauf vorbereitet haben und
46:11das ist vor allem das Rennen, was die nächsten vier Jahre entscheidet.
46:14Nicht nur für uns, sondern auch für den Nachwuchssport, für die Mechaniker, für eigentlich für alle.
46:18Wie stark ist denn auch der Fokus bzw. die Vorbereitung auf nach den Olympischen Spielen, wo es ja auch vielen
46:25Athleten passiert, dass sie in ein Loch fallen, in die Post-Olympia-Depression?
46:29Ich hatte, glaube ich, bei den Olympischen Spielen 22 recht Glück mit der Situation, in der ich war, weil ich
46:36genau eine Woche nach Olympia Zeit für mich hatte.
46:39Und danach habe ich meinen Aufstieg bei der Bundespolizei gemacht. Das war eine komplett neue Situation.
46:44Dadurch stand ich dann auf einmal am Bahnhof im Praktikum und hatte so gar nicht die Zeit, über irgendwas nachzudenken.
46:50Das würde ich jetzt dieses Jahr definitiv anders machen, sondern ich habe mir jetzt wirklich einen Kalender für Februar, März
46:56bisher komplett freigehalten, um einfach, egal wie es ausgeht,
47:01ich will einfach Zeit für mich haben, Zeit hier zu Hause, Zeit mit meiner Freundin, Zeit mit meiner Familie.
47:05Also das ist quasi deine ganz persönliche Prävention. Würdest du sagen, dass das Thema Post-Olympia-Depression ein bisschen unterschätzt
47:12wird?
47:13Definitiv. Also würde ich sagen, dass man da alles, was man da in Prävention steckt und Vorarbeit leistet,
47:20spart man sich später in Fehler ausarbeiten, wenn schon was passiert, das uns vielleicht zu spät ist.
47:27Also ich glaube, umso mehr man, umso früher man an Stützbogen etc. mit Psychologen etc. zusammenarbeitet,
47:33um einfach jungen Sportlern vor allem da schon so einen Leitfaden an die Hand zu geben.
47:38Ja, daran kann nur jeder gewinnen, denke ich.
47:44Zeit für sich, Zeit außerhalb des Sports. Für Axel ist das Teil seiner persönlichen Vorbereitung.
47:51Auf den Wettkampf, aber auch auf das Danach.
47:57Doch Themen wie psychologische Betreuung, die Zeit nach Großereignissen, Karriereplanung oder finanzielle Absicherung
48:06liegen auch in der Verantwortung von Stützpunkten, Verbänden und staatlichen Förderstrukturen.
48:12Wie gut ist das System des Spitzensports darauf vorbereitet?
48:17Ich frage beim Deutschen Olympischen Sportbund nach und spreche mit Präsidiumsmitglied Kim Bui,
48:23eine ehemalige Turnerin und Pressesprecherin Eva Wertmann.
48:27In welchen Bereichen setzt sich der DOSB in Sachen mentale Gesundheit denn ein?
48:32Also der DOSB ist Dachverband. Das heißt, wir können erst mal Informationen bündeln,
48:40schauen, dass wir Wissen, Informationen weitergeben und da ist es so, dass natürlich Sportpsychologen
48:47in den Verbänden und vor allem an den Olympiasturzpunkten unterwegs sind.
48:51Da schaffen wir eine Vernetzung untereinander. Wir machen monatliche Austausche, wir bieten jährliche Tagungen an.
48:58Vor fünf Jahren war Mental Health nicht das Thema, aber das wird jetzt mittlerweile auch öffentlich diskutiert.
49:05Institutionen hören zu, da ist auch viel mehr Verständnis mittlerweile da.
49:09Wie wird dieses Wissen angenommen und wie wird es dann in den einzelnen Verbänden tatsächlich auch umgesetzt?
49:14Wie das dann in den Verbänden umgesetzt wird, ist sehr unterschiedlich, weil man muss auch wissen,
49:19die Verbandslandschaft in Deutschland ist sehr heterogen.
49:21Wir haben sehr große Verbände, die da sehr gut aufgestellt haben, die genügend Ressourcen haben,
49:26um sich dem Thema anzunähern. Wir haben kleinere Verbände, die natürlich kämpfen,
49:31um überhaupt den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten und die dann natürlich Prioritäten setzen müssen.
49:39Und bei denen es vielleicht auch gewisse Unsicherheiten gibt, wie man das Thema systematisch auch angehen kann.
49:45Und das merkt man auch, wenn man mit den Athletinnen und Athleten spricht,
49:48dass die einen sagen, ja, man hat schon das Gefühl, dass man besser abgeholt wird,
49:52aber andere sagen, ich kenne viele, die sich gar nicht trauen zu sagen, ich habe ein mentales Problem.
49:58Das ist natürlich noch irgendwo in vielen Stellen sicherlich irgendwo auch ein Tabuthema.
50:04Also ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Besser geht immer.
50:08Zum Beispiel da, wo es Karriere- oder auch Sponsoring-Folgen hat.
50:14Sponsoring ist das eine Thema. Das andere Thema ist aber auch, dass es sicherlich auch immer noch Trainer gibt,
50:19die sagen, okay, da spricht jemand über mentale Probleme.
50:23Das bedeutet für mich als Trainer, vielleicht setze ich doch lieber auf jemand anderen.
50:30Das wird es geben. Ja, da wird es Trainer geben, die noch genau so denken.
50:37Nichtsdestotrotz, und das ist sicherlich auch eine Aufgabe von uns, da auch immer wieder zu sensibilisieren
50:43und da diese Dinge auch aufzubrechen, dass Athleten sich wohlfühlen, darüber zu sprechen,
50:51diese Safe Spaces bekommen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.
50:56Das Gespräch hinterlässt bei mir gemischte Gefühle.
51:00Ja, es gibt mehr Bewusstsein, mehr Angebote.
51:03Doch es bleibt der Eindruck, dass mentale Gesundheit trotzdem, noch immer weniger zählt als Leistung,
51:11von manchen als Schwäche abgetan, gar belächelt wird.
51:16Um dies nicht mehr hinzunehmen, sprechen Athletinnen und Athleten auch immer mehr untereinander, bilden Netzwerke.
51:28In Stuttgart bin ich mit einer Gruppe von Spitzensportlerinnen und Sportlern verabredet,
51:33die sich im Verein Athleten Deutschland engagieren.
51:37Sie nehmen gerade Videos für eine Social-Media-Kampagne auf.
51:43Anna, warum ist mentale Gesundheit so wichtig im Leistungssport?
51:47Mentale Gesundheit ist die Basis für alles und wenn wir die haben, dann können wir auch erst richtig performen.
51:56Anna-Maria Wagner hat mich auf deren Initiative mehr als Muskeln aufmerksam gemacht.
52:02Sie wurde im August 2025 von der ehemaligen Fechterin Lea Krüger und Rugby-Spieler Ben Ellermann ins Leben gerufen.
52:20Anna-Maria, du bist Mitglied bei Athleten Deutschland und du bist ja auch eines der Gesichter der Initiative mehr als
52:26Muskeln.
52:27Und die wiederum habt ihr beiden ja ins Leben gerufen. Lea, worum geht es genau?
52:31Es geht vor allen Dingen darum, dass wir Athletinnen und Athleten einen sicheren Raum schaffen wollten,
52:36wo man sich mal wirklich über mentale Herausforderungen im Spitzensport austauschen kann.
52:41Ohne dass man irgendwie Angst vor Konsequenzen haben muss und uns zu zeigen, dass wir nicht alleine damit sind.
52:46Wie groß ist die existenzielle Angst davor, was passiert, wenn ich jetzt sage, ich habe mentale Probleme?
52:53Natürlich ist eine existenzielle Angst da.
52:56In dem System, in dem wir als Leistungssportler uns hier in Deutschland befinden.
53:01Wir werden nach Leistung bewertet, beurteilt und bezahlt.
53:05Bedeutet also, wir haben keine finanzielle Absicherung.
53:09Wenn wir aus einem Kader rausfliegen, dann bekommen wir kein Geld mehr.
53:12Und dann, wie soll man sich dann noch finanzieren? Und deswegen öffnen sich auch so wenige.
53:17Und da wären wir ja dann wiederum bei diesem strukturellen Problem,
53:19weil es offensichtlich in den Verbänden kein Auffangnetz für diejenigen gibt,
53:23die mit mentalen Problemen zu kämpfen haben.
53:25Ja, es kommt auch, glaube ich, so ein bisschen darauf an, wie das Thema mentale Gesundheit gesehen wird,
53:30weil da ja ein ganz, ganz großes Stigma drumsteckt.
53:32Das ist so ein bisschen das, was wir uns auch zur Aufgabe gemacht haben,
53:36dass wir da ein bisschen drüber aufklären wollen,
53:37dass es ja auch am Ende des Tages nur eine Verletzung ist, eine Erkrankung ist,
53:40nichts, was einen wirklich zu einem Psycho macht, wie das ja auch immer so schön viele sagen.
53:46Das ist eine Beleidigung und auch eigentlich eher sogar ziemlich diskriminierend,
53:50nur auf seine Krankheit, sage ich mal so, reduziert zu werden.
53:53Und ich würde noch einen Satz dazu ergänzen.
53:55Ich finde es sehr interessant zu beobachten, dass es in dem Bereich der physischen Verletzungen,
54:01also wenn es irgendwie um einen Muskelfaserriss geht oder ein Kreuzbandriss,
54:04da gibt es auch für miche Mechanismen.
54:06Da gibt es ein sehr gutes Ärztennetzwerk und auch ein Comeback Stronger-Fonds,
54:11zum Beispiel von der Sporthilfe, auf den man zurückgreifen kann.
54:14Das gibt es aber noch nicht im Bereich der mentalen Erkrankungen.
54:17Welche struktuellen Veränderungen wünscht ihr euch, um diesem Thema angemessen gerecht zu werden?
54:23Erstmal drüber sprechen, Tabus brechen, Überforderungen nehmen.
54:26Das versuchen wir auch gerade ja mit der Initiative zu machen.
54:30Das Zweite ist, Hilfe anzubieten, die unabhängig ist,
54:34um sicher zu sein, dass eben auch keine Konsequenzen da sind, wenn man sich öffnet.
54:37Dritter Punkt.
54:39Grundsätzlich nachhaltig die Strukturen in dem System so zu verändern,
54:42dass wir finanziell und sozial abgesichert sind.
54:45Das Gespräch zeigt mir, dass das Misstrauen gegenüber dem bestehenden Sportsystem größer ist als angenommen.
54:53Unsere Recherchen zeigen auch, dass es kaum Studien zur Post-Olympia-Phase gibt.
54:59Was bedeutet, dass wissenschaftliche Grundlagen fehlen, um wirksame Präventionsangebote zu entwickeln.
55:08Münchner Olympiapark im Januar 2026.
55:11Ich habe mich mit Ricarda Funk ein letztes Mal verabredet.
55:15Bei der Weltmeisterschaft in Australien hat sie das Podest knapp verpasst.
55:19Doch mich interessiert vor allem, wie es ihr geht und was die Zusammenarbeit mit ihrem Sportpsychologen verändert hat.
55:27Hallo, schön dich wiederzusehen.
55:30Ja, auf jeden Fall.
55:30Nach einer ganz schönen langen Zeit.
55:32Wie geht es dir?
55:33Gut an und für sich.
55:35Viel passiert in den letzten Wochen?
55:37Ja, kann man so sagen.
55:38Gute Sache?
55:39Ja, auch.
55:40Ja, auch?
55:40Auch.
55:41Wir müssen drüber reden.
55:46Wir haben so viel über deine Post-Olympia-Depression gesprochen.
55:51Würdest du sagen, du hast sie überwunden?
55:53Ja, ich denke, die Post-Olympic-Depression-Phase, die habe ich überstanden.
55:57Das Jahr 2025 war nicht das einfachste Jahr, aber ich glaube, es war ein ganz, ganz wichtiges Jahr.
56:03Und in diesen negativen Emotionen, die ich im Jahr 2025 erlebt habe, steckt, glaube ich, auch ganz viel Positives.
56:10Denn im Endeffekt hat mich die Zeit in Bewegung gesetzt.
56:15Inwiefern?
56:18Ich habe mir neue Ziele gesucht.
56:20Das war ganz wichtig.
56:21Ich habe mein Masterstudium angefangen.
56:24Das tut unglaublich gut, weil es mir einfach ein bisschen Sicherheit, ein bisschen Stabilität gibt, neue Orientierung, vielleicht auch wieder
56:31so ein Stück weit Kontrolle.
56:33Ich habe in mein Bücherregal geschaut und musste feststellen, welche Bücher lese ich eigentlich in meiner Freizeit?
56:41Ach, Psychologie.
56:43Es ist das, was mich interessiert, es ist das, was mir Spaß macht, worauf ich Bock habe.
56:47Masterstudium in Psychologie?
56:48Also ich glaube, ich kann aus eigener Erfahrung berichten.
56:51Und ja, da möchte ich auch irgendwie anderen Athleten dann, wenn die auch mal in so einer Phase sind, dann
56:59auch irgendwie ein Stück weit weiterhelfen können.
57:01Welche sportlichen Ziele hast du dir denn gesetzt?
57:03Ich mache einfach weiter.
57:05Ja.
57:05Es ist das, was ich schon immer getan habe.
57:09Und man darf auch nicht vergessen, dass es einfach meine große Leidenschaft ist.
57:12Und natürlich werden Olympische Spiele 2028 in L.A.
57:17Das wäre ein Riesentraum.
57:19Okay.
57:20Definitiv.
57:20Ja.
57:21Was wünschst du dir denn für Athleten in der Zukunft, denen es mal genauso geht wie dir?
57:26Ich wünsche Athleten, dass sie ein sicheres Umfeld haben.
57:31Das habe ich gehabt.
57:32Das war ganz, ganz wichtig für mich.
57:34Dass es gesehen wird und dass man ein bisschen an die Hand genommen wird.
57:38Ich freue mich wirklich sehr, dass es Ricarda wieder gut geht.
57:41Dank der Unterstützung von Familie und guten Freunden, psychologischer Hilfe und einem neuen Ziel.
57:48Ich finde, am Ende darf es nicht nur um Medaillen gehen, sondern auch um die Menschen dahinter, die für Deutschland
57:56an den Start gehen, alles geben, um zu gewinnen.
58:00Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir es annehmen, dass wir sagen, okay, es ist so und es ist okay,
58:07dass ich diese oder jene Emotion habe und dann im nächsten Schritt auch einfach darüber sprechen.
58:12Und dann kommt man nämlich irgendwann gar nicht mehr an dem Thema vorbei und im Endeffekt ist es eine Win
58:17-Win-Situation für alle.
58:18Also ich meine, man spricht mehr darüber, das Tabuthema wird gebrochen und gleichzeitig schaut man, dass die mentale Gesundheit einfach
58:25in den Leuten verankert ist.
58:27Druck, Überforderung, das Gefühl funktionieren zu müssen, das kennen wir alle.
58:33Die Athletinnen und Athleten, die ich getroffen habe, beeindrucken mich.
58:37Sie haben ein Tabu gebrochen. Sie sind stark und mutig.
58:41Aber eigentlich sollte es normal sein, offen über mentale Probleme zu sprechen.
58:47Das andere immer wiederher.
58:58Transcription by CastingWords
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