Skip to playerSkip to main content
  • 6 hours ago

Category

📺
TV
Transcript
00:02Das Gefühl, diesen Film machen zu müssen, kam uns in diesem Moment.
00:07Donald Trump wird erneut US-Präsident.
00:14Bei der Amtseinführung anwesend,
00:17eine Delegation der mächtigsten Tech-Milliardäre der Welt.
00:22Elon Musk wird vorerst zu einem von Trumps engsten Beratern.
00:27Amazon-Gründer Jeff Bezos und Meta-Chef Mark Zuckerberg
00:30spenden Millionen für die Feier.
00:32Tim Cook von Apple ist da und der Google-Chef Sundar Pichai.
00:37Die Herrscher über das Internet verneigen sich vor dem US-Präsidenten.
00:47Tja, und wir? Wir haben uns ihnen ausgeliefert.
00:49Ich meine, unsere Familienfotos liegen in der Cloud von Apple.
00:52Ja, und unsere privaten Nachrichten, die sind bei WhatsApp.
00:54Und Instagram scannt meinen Standort, um mir dann passgenaue Werbung auszuspielen.
00:58Diese Apps, die wissen wirklich alles über uns.
01:01Und keine davon kommt aus Deutschland.
01:03Es geht aber nicht nur um Apps.
01:05Unsere Daten liegen auf US-Servern.
01:07Unsere Verwaltung, unsere Polizei, unsere Bundeswehr.
01:13Alle nutzen US-Software.
01:15Was passiert, wenn die wenigen, die alles über uns wissen und von uns haben,
01:20sich an der Politik eines unberechenbaren Präsidenten ausrichten?
01:23Ja, und was heißt das für uns, wenn diese Leute Kontrolle über Social Media haben?
01:27Also über unsere öffentlichen Räume und über unsere digitale Infrastruktur?
01:31Mein Name ist Daniel Annibal-Bröckerhoff und ich beschäftige mich jetzt seit 25 Jahren
01:35beruflich mit dem Internet, erst als Webdesigner und dann als Medienjournalist.
01:38Ich bin Nadja Kailuli, Journalistin und Reporterin.
01:41Und in diesem Film treffe ich Menschen, die nach Antworten auf all diese Fragen suchen
01:45und nach Wegen raus aus der digitalen Ohnmacht.
01:49Wird Europa von den USA erpresst?
01:51Ja.
01:53Es kamen viele Treffen mit Facebook, mit Google, mit Twitter damals.
01:59Es ist wenig passiert und irgendwann ist es uns zu dumm geworden.
02:02Hier gibt es viele, die einfach in Sorge sind, dass das ihr Geschäftsmodell zerstören könnte.
02:07Das heißt, wir müssen momentan davon ausgehen, dass alle Daten, die auf US-amerikanischen Infrastrukturen liegen, missbraucht werden können.
02:15Wenn wir nicht digital souverän werden in den nächsten Jahren, dann haben wir eine ganz andere Abhängigkeit.
02:21Unsere etablierte Industrie ist in großer Gefahr.
02:35Alexandra Gese ist unterwegs.
02:43Sie fliegt in die USA, nach Washington, D.C.
02:47Ich bin zu sicher mit neuer Technik unterwegs, weil man ja immer mehr Stimmen hört,
02:52dass Menschen an der Grenze abgewiesen wurden aufgrund des Inhalts ihres Smartphones oder dass es komplett ausgelesen wurde.
02:58Gese ist Digitalpolitikerin im EU-Parlament.
03:02Sie will einen nahezu aussichtslosen Kampf führen.
03:07Mittlerweile ist das Internet eben keine freie Landschaft mehr, sondern wird von wenigen Konzernen kontrolliert.
03:14Alexandra Gese gehört zu denen, die Big Tech mit strengeren Regeln zähmen wollen.
03:24Hier in Washington will sie für Maßnahmen werben, wie sie die EU ergreift.
03:30Big Tech mit Gesetzen zur Offenheit und Fairness zwingen und im Zweifel hart bestrafen.
03:38Gerade auf der demokratischen Seite und derjenigen, die auch einen kritischen Blick auf einige Praktiken dieser Tech-Unternehmen haben,
03:46ist die Hoffnung einfach sehr groß, dass die Lösung aus Europa kommt.
03:49Mir wurde mehrmals gesagt, ihr seid die, die es in der Hand haben.
03:53Ihr seid die einzigen, die es geschafft haben, gemeinsam ein gutes Gesetz zu machen.
03:57Und es kommt jetzt auf Europa an.
03:58Ein Gesetz, das auf harte Proben gestellt werden wird.
04:02Und schon die Ausgangslage ist schwierig.
04:05Als Gese Washington im April 2025 besucht, drohen die USA dem Rest der Welt mit einem Handelskrieg.
04:13Sorgenvolle Schlagzeilen.
04:15Jede Maßnahme der EU gegen Big Tech könnte zu einer weiteren Eskalation führen.
04:22Heute auch, das Gespräch findet tatsächlich nicht im Büro dieser Organisation statt, sondern bei einem Bordmitglied zu Hause.
04:29Aus Sicherheitsgründen ja.
04:31Alle Organisationen werden bedroht.
04:34Die Trump-Regierung hat angekündigt, dass sie Strafverfolgung massiv einsetzen will.
04:39Sie bezeichnet das als Vergeltung gegen alle Organisationen, insbesondere die sich mit Extremismus und Desinformation befassen.
04:48Und deswegen müssen die Menschen hier sich schützen.
04:51Deshalb dürfen wir die Gespräche im Haus auch nicht aufzeichnen.
04:54Zu groß ist die Sorge vor unvorhersehbaren Folgen.
04:59Zwei Stunden später.
05:02Die Stimmung war gedrückt.
05:04Es waren Menschen dabei, die ihren Job verloren haben in den letzten Tagen oder Wochen aus dem Weißen Haus.
05:09Aber auch in zivilgesellschaftlichen Organisationen, die keine Finanzierung mehr bekommen, weil der Druck auf die Spender, auf die Geldgeber so
05:17groß geworden ist.
05:18Hier traut sich keiner mehr zu sprechen, weil die Anwälte empfehlen zu schweigen im Falle eines Angriffs oder am besten
05:24gar nichts mehr erstes zu sagen, damit man nicht zur Zielscheibe wird.
05:33Trump macht nicht nur in den USA vielen Menschen Angst.
05:36Seitdem die Big Tech-Bosse bei seiner Amtseinführung saßen, geht es ja auch vielen von uns so.
05:41Laut einer repräsentativen Umfrage nämlich glauben knapp die Hälfte der Deutschen, dass Big Tech inzwischen sogar mehr Macht habe als
05:48die EU.
05:48Ja und diese Machtlosigkeit gegenüber Big Tech, die besteht ja nicht nur auf dieser großen weltpolitischen Bühne, die gibt es
05:54ganz unmittelbar bei den Apps, die wir jeden Tag nutzen.
05:57Gib an dein Handy, Nadja.
05:58Warum?
05:59Ich muss da was löschen.
06:00Oh.
06:01Guck mal hier, wenn du das ernst meinst, da muss eigentlich alles runter davon.
06:04Also da kannst du Gmail wegschmeißen, WhatsApp auch weg, Instagram weg, Facebook weg, Paypal natürlich auch.
06:12Guck mal, das ist dein Handy ohne US-Apps. Ich meine, es gibt da Alternativen für Mail, zum Beispiel so
06:18Proton oder für Chat-Skid-Streamer, aber eigentlich muss das ganze Smartphone weg.
06:22Hey, sag mal.
06:24Ja, das Betriebssystem kommt auch aus den USA. Wir sind den einfach mittlerweile komplett ausgeliefert.
06:28Dabei fing doch alles mal so schön bunt an in der digitalen Welt und gerade wir hier in Deutschland waren
06:34am Anfang der Digitalisierung ganz vorne mit dabei.
06:38Die erste E-Mail aus den USA landet 1984 in der Uni Karlsruhe.
06:44Ab jetzt können Forschende ihre Ergebnisse papierlos über den Atlantik schicken. Damals dauert das noch rund einen Tag lang pro
06:51Nachricht.
06:53Doch mit der Kommerzialisierung kommt das Internet in Fahrt. AOL und Telekom bringen Deutschland online, prominent unterstützt.
07:04Bin ich da schon drin oder was?
07:07Ich bin drin.
07:08Das Web schafft Abwechslung im Alltag. Zwischen...
07:11Kasenmin oder Interneten.
07:13Was machst du da alles im Internet?
07:15Ich hab ne eigene Homepage, ich chatte.
07:18Und die Deutschen lieben es, nicht nur im Internet zu surfen, sondern auch daran mitzubauen.
07:22In den frühen 2000ern ist die Domain mit der Endung .de nach .com die verbreitetste der Welt.
07:28In Deutschland herrscht Aufbruchstimmung.
07:33Das Internet revolutioniert auch Medienkonzerne.
07:36Damals gehören vier Deutsche zu den 50 umsatzstärksten Unternehmen der Welt.
07:40Auch Axel Springer.
07:42Chef Matthias Döpfner strebt früh nach Digital Leadership.
07:46Nur wer sich dem Fortschritt nicht verweigert, wird überlegen.
07:51Ein paar Jahre später, 2016, schickt er seine Führungsriege sogar zum Schnupperkurs in Silicon Valley.
07:57Ein schickes PR-Video verbreitet Startup-Flair.
08:00Uns war es wichtig, in Silicon Valley zu fahren und unsere Strategie-Tagung zu machen, weil wir uns das Ziel
08:05gesetzt haben, das führende digitale Medienunternehmen zu werden.
08:15Bei Axel Springer denken die meisten wahrscheinlich hier an die Bild oder an die Welt.
08:19Zum Verlag gehören aber auch die Medienmarken Politico und Business Insider.
08:23Die sind aber eher in den USA bekannt.
08:25Springer, der ist schon lange nicht mehr nur ein Verlag.
08:28CEO Matthias Döpfner hat das Traditionshaus zu einem Digitalkonzern transformiert.
08:32Und dazu gehören zum Beispiel E-Commerce-Plattformen wie Idealo.
08:36Aber Springer ist auch an Tech-Unternehmen wie Stepstone, Airbnb oder an Uber beteiligt.
08:42Wir treffen Matthias Döpfner im Headquarter in Berlin.
08:47Der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer gehört zu denen, die vor allem die Chance in neuer Technologie sehen.
08:54Ich erinnere mich noch, als ich bei der FAZ angefangen habe als 18-Jähriger und gedrängt habe, warum der Artikel
09:02nicht morgen schon erscheinen kann, weil er ist doch fertig geschrieben, hat man mich angelächelt und hat gesagt,
09:08Herr Döpfner, merken Sie sich, bevor etwas in der FAZ nicht gestanden hat, hat es nicht stattgefunden.
09:13Also insofern sehe ich das auch nicht nur negativ.
09:15Oh, hier sind die bösen sozialen Medien, die machen uns unser gutes, altes journalistisches Geschäftsmodell kaputt.
09:20Nein, wenn wir es richtig machen, ist das auch eine Riesenchance.
09:24Döpfner bewunderte Musk & Co. Axel Springer verlieh ihm sogar Preise.
09:28Aber auch die Tech-CEOs begegneten Döpfner herzlich.
09:34Ich bin nach Berlin gereist, um heute mit dem CEO des größten Nachrichtenverlags Europas zu diskutieren.
09:41Danke für das Gespräch, Elon.
09:44Lange sieht Matthias Döpfner vor allem das Gute in den Tech-Bossen.
09:49Glauben Sie auch, dass es Big Tech gut mit uns meint, langfristig?
09:54Ich glaube nicht an die große Verschwörungstheorie, dass da finstere, James-Bond-Filmartige Figuren sitzen,
10:00die die Weltverschwörung planen und die Menschen entmündigen wollen. Das glaube ich nicht.
10:05Ich glaube, dass Tech und Big Tech in Summe viel mehr Gutes geschafft hat für die Gesellschaft.
10:10Ich glaube, dass die meisten, die dort arbeiten, auch getrieben sind von guten Absichten.
10:15Matthias Döpfner begegnet den Tech-Bossen aber auch nicht völlig unkritisch.
10:19Schon vor über zehn Jahren hat Döpfner einen offenen Brief an Google-Chef Eric Schmidt geschrieben.
10:24In dem hat er etwas Unerwartetes gesagt.
10:28Ich habe Angst vor Google oder wir haben Angst vor Google erst mal das Tabu-Wort in den Mund genommen,
10:33dass man ja als Manager nie in den Mund nehmen darf, weil Manager haben keine Angst zu haben.
10:37Was ich für eine etwas kindische Haltung halte, weil wer keine Angst hat, kann auch keinen Mund haben.
10:42Also ich hatte erst mal zum Ausdruck gebracht, hier gibt es viele, die einfach in Sorge sind,
10:48dass das ihr Geschäftsmodell zerstören könnte und dass das auch nicht gut für eine plurale Medienlandschaft
10:54und für eine Inhaltevielfalt und für eine Wettbewerbsvielfalt sein könnte.
10:58Döpfner lehnt zu viel Regulierung ab, will lieber Wettbewerb.
11:02Doch der sei gerade nicht möglich, denn Big Tech strebt nach Monopolen und er drückt so die Kleineren.
11:08Das haben in der Vergangenheit schon einige vielversprechende Tech-Unternehmen aus Deutschland zu spüren bekommen.
11:15Es waren einmal zwei soziale Netzwerke mit zusammen bis zu 17 Millionen Nutzenden.
11:21Dann werden wir in wenigen Minuten SchülerVZ starten.
11:255, 4, 3, 2, 1, 2!
11:31Mitte der 2000er Jahre sind Studi und SchülerVZ die sozialen Plattformen mit der größten Reichweite in Deutschland.
11:38Und das Interesse an der Erfolgsstory ist riesig.
11:41Kann man mit StudiVZ Geld verdienen?
11:43Natürlich.
11:44Wie?
11:44Ja, indem man es verkauft.
11:46Zum Beispiel an Mark Zuckerberg.
11:48Der will die Konkurrenz aus dem Trend-Vulkan Berlin-Mitte vom Markt kaufen.
11:52Doch statt in Facebook aufzugehen, entscheiden sich die Gründer für den Holzbrink-Verlag.
11:58Gebracht hat es nichts, Facebook verdrängt die VZ-te trotzdem.
12:03Noch so eine gute Idee aus Deutschland?
12:06Ein digitaler Marktplatz für Bewerbungen und Stellenanzeigen.
12:09Ein Social Network für die Karriere.
12:12Xing aus Hamburg.
12:14Hier arbeiten rund 40 der 65 Beschäftigten aus 13 Nationen.
12:19Unter www.xing.com werden mithilfe von Such- und Mail-Funktionen Kontakte geknüpft.
12:25Gründer Lars Hinries bringt Xing 2006 an die Börse.
12:29Wir wollten an die Börse gehen, weil wir ein Unternehmen sind, was stark wächst und was jetzt international expandieren will.
12:35Doch das Timing ist ungünstig.
12:37Ein Jahr vor Xing wird der US-amerikanische Konkurrent LinkedIn gegründet und sticht Xing auf internationaler Bühne aus.
12:46Noch ein Beispiel gefällig, bitteschön, TerraVision.
12:49In den 90er Jahren erfinden zwei Berliner Tüftler ein Programm, mit dem man aus dem All zum Beispiel bis nach
12:55San Francisco zoomen kann.
12:56Kommt Ihnen bekannt vor?
12:58Google soll geklaut haben und macht daraus Google Earth.
13:01Jedenfalls behaupten das die Erfinder, aber ihre Patentklage scheitert.
13:05Sie werden trotzdem zu tragischen Helden im Film.
13:09Wir haben eine der wichtigsten Erfindungen des Computerzeitalters gemacht.
13:13In welchem Jahr war das?
13:141994.
13:16Und wann hat Google Google Earth präsentiert?
13:202005.
13:21Wie können TerraVision und Google Earth so absolut identisch sein?
13:25Jedes gescheiterte Startup scheitert ja doch auf seine ganz eigene Art und Weise.
13:30Aber dass es hier bei uns bisher kein deutsches Meta oder Amazon gibt, das hat dann schon tiefer liegende strukturelle
13:37Gründe.
13:37Und hier sind drei davon.
13:39Ziemlich viel Geld vom Staat.
13:40Während des Kalten Krieges hat die US-Regierung schon Milliarden von Dollar in die Entwicklung des Silicon Valley gesteckt.
13:46Eben um der Sowjetunion mit Mikrochips, Satelliten und dem ganzen anderen Kram technologisch überlegen zu sein.
13:51Das Ganze war also ein militärisches und ein politisches Projekt.
13:55Und auch die ganzen US-Regierungen nach ihm, die haben super viel Geld in die Textlinie gepumpt.
14:01Mehr Geld von Privatleuten.
14:02In den USA, da gibt es einfach viel mehr Risikokapitalgeber.
14:05Also Menschen, die bereit sind, ihr eigenes Geld in Startups in neue Unternehmen zu stecken, weil sie glauben, dass die
14:11irgendwann mal groß werden könnten.
14:122024 flossen in Deutschland rund 7,4 Milliarden Euro Risikokapital in Startups.
14:18In den USA waren es umgerechnet etwa 193 Milliarden Euro.
14:23Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist das viermal so viel wie in Deutschland.
14:27Und dann die Uni-Connection.
14:29Denn die Tech-CEOs, die waren fast alle auf denselben Elite-Unis, zumindest mal kurz.
14:34Und diese Verbindungen, die halten wirklich teilweise bis heute.
14:37Mark Zuckerberg und Bill Gates zum Beispiel, also zwei der Megabosse, die waren in Harvard.
14:41Aber vor allem Stanford gilt wirklich als die Kaderschmiede.
14:45Investor Peter Thiel, Google-CEO Sundar Pichai und deren Gründer, CJ Brink und Larry Page,
14:50sowohl als auch LinkedIn-Gründer Ray Hoffmann, die haben alle da studiert.
14:54Genau wie die Instagram-Gründer Mike Krieger und Kevin Zistrom,
14:57Sam Altman von OpenAI und Elon Musk.
15:00Der soll aber nur für zwei Tage da gewesen sein, bevor er abgebrochen hat.
15:05Die Universitäten in Deutschland leisten zwar exzellente Forschung.
15:11So hat das Fraunhofer-Institut zum Beispiel die MP3 entwickelt.
15:15Aber aus guten Ideen entstehen hierzulande viel seltener eigene Unternehmen.
15:20Und was ich immer wieder gehört habe in den Gesprächen war, wir müssen da was tun.
15:24Aber das verspricht die Politik ja schon seit Ewigkeiten.
15:27Wir sind ein Land, das hat den ersten Computer gebaut.
15:29Heute haben wir zuzugucken, wie in ganz anderen Teilen der Welt dort Geld mitverdient wird.
15:34Wir müssen wieder von der Idee zum Produkt kommen und vorne mit dabei sein.
15:38Wir wollen die innovativste Region der Welt werden. Das ist unsere Chance.
15:42Wir können nicht der billigste Anbieter der Welt sein, wir müssen der Beste sein.
15:45Wir wollen Wohlstand auch mit Daten und Digitalität in Deutschland erreichen.
15:50Das ist auch die Aufgabe mit in meinem Haus.
15:52Und wir werden gemeinsam dieses digitale Wirtschaftswunder in Deutschland schaffen. Dankeschön.
15:58Digitales Wirtschaftswunder, das sind ja echt große Worte.
16:00Aber passiert ist relativ wenig, obwohl ja immer so viel versprochen wurde.
16:05Ob jetzt beim Aufbau eigener Datenclouds oder der Glasfaserausbau.
16:08Die Witze über die verschleppte Digitalisierung, besonders der Verwaltung, die sind ja fast so alt wie dieses Faxgerät.
16:16Die Bundesregierung hat die eigene Tech-Branche bei der digitalen Infrastruktur also lange im Stich gelassen.
16:22Sie haben aber auch Konkurrenten aus den USA von Anfang an freie Bahn gelassen.
16:27So sieht es jedenfalls Martin André.
16:30Der Wissenschaftler forscht im Bereich digitale Medien und spricht zuletzt immer häufiger vor Publikum.
16:38Ihn treibt um, dass Google, Meta, Microsoft nahezu unbehellig Monopole errichten konnten.
16:44Und die machen nicht nur reich, sondern auch unheimlich mächtig.
16:49Wenn ich eine Mauer um mein Monopol errichte und dieses Monopol quasi unangreifbar ist, dann kann ich es über viele
16:56Jahre ökonomisch ausbeuten, ohne dass jemand was damit tun kann.
17:00Und hier kommt natürlich dazu, wir reden über Medien.
17:02Ich kontrolliere ja zugleich auch noch die digitale Öffentlichkeit und das ist die Grundlage unserer Demokratie.
17:07Und da merken wir, wie schlimm das ist.
17:10Und diese Monopole hätte man verhindern können.
17:12Aber man habe bei der Zulassung der Plattformen einen fatalen Fehler gemacht.
17:17Anders als zum Beispiel Herausgeber einer Zeitung müssen Social Media Plattformen nämlich nicht für Inhalte haften.
17:25Das Hauptproblem liegt darin, dass schon vor 30 Jahren diese Unternehmen, die später die Big Tech Konzerne geworden sind, bestimmte
17:34Regeln durchgesetzt haben.
17:35Ein typisches Beispiel ist zum Beispiel das Haftungsprivileg.
17:39Denn die haben damals gesagt, ja wir sind nur sowas wie ein Netzwerk.
17:43Wenn zum Beispiel Terroristen über ein Netzwerk telefonieren, dann ist das Netzwerk natürlich auch nicht für die Inhalte verantwortlich.
17:49Es ist tatsächlich bis heute so, dass Plattformen mit strafbaren Inhalten, also mit Rassismus, Diskriminierung, Verleumdung, Holocaust-Leugnung, Aufforderung zu
18:00Straftaten, Geld verdienen dürfen.
18:02Und das ist der Grundfehler.
18:04Und in meiner Meinung ist ganz einfach, sobald Plattformen mit konkreten Inhalten Geld verdienen, müssen sie haften.
18:12Die Frage, wer jetzt für die Inhalte auf Social Media verantwortlich ist, die spitzt sich in den 2010er Jahren zu.
18:17Denn Hass und Fake News, die rücken da immer mehr in den Mittelpunkt.
18:222014 geht Pegida das erste Mal auf die Straße. Organisiert wird der Protest auf Facebook.
18:29Was will ich ihm bewegen, dass ich gegen die Ausländer bin, dass so viele hier reinkommen.
18:33Als Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kommen, schäumt der Hass aus dem Netz über und trifft Politiker wie Walter Lübcke.
18:44Die Stimme in diesem YouTube-Video gehört Stefan Ernst. Vier Jahre später erschießt er den CDU-Politiker.
18:51Ich habe auf Kopfhöhe gehalten und habe gedrückt.
18:55Doch zunächst Brexit-Votum. Trump und der Einzug der AfD in den Bundestag.
19:02Auf Facebook hat die Partei mehr Fans als die damaligen Regierungsparteien zusammen.
19:10Während Rechtspopulisten jubeln, zeigen ihre Gegner mit dem Finger auf Social Media.
19:14Haben die Plattformen Fake News und Hate Speech salonfähig gemacht und daran verdient?
19:20In den USA gerät Facebook unter Druck.
19:22Die Firma Cambridge Analytica hatte die Profile von Nutzern gescannt und an politische Kampagnenmacher verkauft.
19:32Eines der weltweit ersten Gesetze gegen Hass auf Online-Plattformen war das, Achtung, schönes deutsches Wort, Netzwerkdurchsetzungsgesetz, kurz NetzDG.
19:40Das sollte Betreiber wie Facebook und Twitter dazu zwingen, strafbare Inhalte wie Hassrede und Hetze schnell zu löschen.
19:46Vater des Gesetzes war Heiko Maas, der war damals Justizminister.
19:50Und im Bundestag hat er 2017 erklärt, wie er damit diese Straftaten verhindern will.
19:55Es geht um Mordaufrufe, es geht um Aufrufe, Flüchtlingsheime anzuzünden oder andere Gewalttaten zu begehen.
20:02Es geht um Bedrohungen und Beleidigungen, es geht um Volksverhetzung oder es geht um die Auschwitz-Lüge.
20:09Maas versucht damals zunächst die Plattformen dazu zu bewegen, freiwillig und selbstständig Kontrollmechanismen einzuführen.
20:17War das zu naiv gedacht?
20:19Es gab viele Treffen mit Facebook, mit Google, mit Twitter damals und es ist darüber diskutiert worden,
20:27kann selber von den Plattformbetreibern etwas getan werden, um diese Auswüchse einzudämmen.
20:34Da gab es viele Ankündigungen und viele Versprechungen, es ist wenig passiert und irgendwann ist es uns zu dumm geworden.
20:41Die schwarz-rote Koalition verabschiedet das Gesetz.
20:43In dieser Zeit wird der Justizminister zur Zielscheibe. Der Vorwurf lautet Zensur und kommt nicht nur von rechts außen.
20:52Als dieses Gesetz verabschiedet wurde, ist es ja als Teufelswerk bezeichnet worden, dass ich die Meinungsfreiheit abschaffe wegen diesem Gesetz.
21:00Heute würde ich sagen, es ist viel zu lasch gewesen.
21:03Tatsächlich versuchten die Plattformen mit Faktenchecks und Filtern zunächst auf die Kritik zu reagieren.
21:09Doch in Trumps zweiter Amtszeit scheint es mit den gezähmten Plattformen nun endgültig vorbei zu sein.
21:15Wie empfinden Sie das? Wie haben Sie reagiert, als Sie gehört haben, Musk hat Twitter übernommen, Facebook streicht den Faktencheck?
21:22Na ja, ehrlich gesagt, wenn ich mir die Leute angucke, von Musk bis Zuckerberg, mit welcher Ehrerbietigkeit man dem neuen
21:32Präsidenten gegenübergetreten ist,
21:33kann ich solche Leute nur noch als wirklich extrem peinliche Menschen empfinden.
21:38Diese Debatte um Zensur versus Freiheit im Internet, die gab es schon vor Heiko Maas und es gibt sie auch
21:43heute noch.
21:44Besonders angeheizt von Rechtspopulisten und anderen Radikalen.
21:47Aber geht es da den Plattformen wirklich um Meinungsfreiheit?
21:51Die Tech-Plattformen hängen sozusagen die Meinungsfreiheit schon seit 20 Jahren vor unsere Nase und das ist wie so ein
21:58rosa Plüschhäschen.
21:59Und sie sagen, guckt mal, ihr kriegt jetzt erstmals die Meinungsfreiheit, was ja erst mal übrigens schon mal Quatsch ist,
22:06weil wir hatten ja die Meinungsfreiheit auch schon bevor es das Internet gab.
22:10Aber das ist das, was sie uns zeigen. Warum zeigen sie uns das Plüschhäschen?
22:15Das ist wie beim Zauberer. Interessant ist, was geht hinter dem Rücken vor sich.
22:19Hinter dem Rücken installieren sie die Monopole, die Netzwerkeffekte schlagen durch und wer kontrolliert dann die Plattform?
22:26Die Plattforminhaber.
22:28Und der Plattforminhaber, der wie kaum ein anderer Free Speech zu seinem Lebensthema gemacht hat, ist Elon Musk.
22:35Das hat er immer wieder unmissverständlich klar gemacht.
22:37Wir müssen die Meinungsfreiheit verteidigen. Meinungsfreiheit ist nur dann entscheidend, wenn es um Aussagen geht, die dir nicht gefallen, von
22:45Leuten, die du nicht magst.
22:47Bei Meinungen, die dir gefallen, ist es natürlich einfach.
22:51Und mit diesem Versprechen, also dem Schutz von Meinungsfreiheit und Demokratie, kaufte Musk 2022 Twitter und benannte es in X
22:59um.
23:00Wir haben jemanden getroffen, der damals mit dabei war.
23:03Daniel Weimert war bei Twitter. Zuständig für die Kontakte zur Öffentlichkeit und in die Politik.
23:09Uns gibt er heute exklusiv sein erstes Fernsehinterview.
23:13Weimert meint, dass die Plattform vor Elon Musk auf einem sehr guten Weg war.
23:17Hate Speech und Fake News habe man ernsthaft bekämpft.
23:20Aber es war nicht nur aufwendig und teuer, es brachte auch wenig Applaus.
23:25Und da waren Plattformen plötzlich manchmal in so einer schwierigen Situation, wo sie fast schon strenger als Staaten waren.
23:34Und manchmal saß man in einem Raum mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, wo die einen sagen, ihr macht viel zu viel.
23:40Und die anderen sagen, ihr macht viel zu wenig.
23:42Und das ist eine sehr schwierige Balance, ich glaube, für jedes soziale Medium.
23:45Und das war es natürlich auch für Twitter.
23:46Was ist heute noch übrig von der Plattform, so wie sie einmal war?
23:53Meiner Meinung nach hat sich die Plattform sehr stark verändert im Ton und auch in den Richtlinien, die es gibt,
24:01um die freie Rede auf der Plattform zu ermöglichen.
24:05Ich würde tatsächlich sagen, dass es in gewisser Weise eine U-Turn war oder so eine 180-Grad-Wendung.
24:11Und dass wir hier gerade einfach ein Gegenmodell erleben zu dem, wie es davor war.
24:16Kommt das der Plattform zugute oder nicht?
24:26Weimar sagt, er habe wegen Ile Maske kündigt. Aber er möchte nicht explizit über die neue Führung sprechen.
24:35Die totale digitale Abhängigkeit. Wir hatten uns gefragt, wie konnte es eigentlich so weit kommen?
24:40Fassen wir also alles bis hierher doch noch einmal zusammen.
24:43Also, es gibt nicht den einen Grund, warum Deutschland digital so abhängig wurde, sondern es gibt einen ganzen Blumenstrauß.
24:51In den USA gab es mehr Risikobereitschaft, es gab mehr Risikokapital.
24:55Und außerdem hat das Land als Weltmacht ja eh einen Vorteil, denn alles, was von da kam, galt lange Zeit
25:00fast automatisch als cool.
25:02Aber es gibt eben auch diese Konstruktionsfehler, dass die Netzwerke keine Verantwortung übernehmen mussten für die Inhalte, die bei ihnen
25:09veröffentlicht wurden.
25:10Und als die Europäer dann versucht haben, das in den Griff zu kriegen, da sind sie ja einigermaßen krachend gescheitert.
25:17Zumindest bis jetzt.
25:21Kann man Big Tech noch in Ketten legen?
25:24Alexandra Gese sagt ja, um zu verhindern, dass Plattformen zur Bedrohung für den öffentlichen Diskurs und damit für die Demokratie
25:31werden.
25:33Gese will dazu auf einer Konferenz in Chicago sprechen.
25:50Auf der Konferenz spricht Gese darüber, wie die EU Big Tech reguliert.
25:54In den letzten Jahren hatten Gese und ihre Kolleginnen und Kollegen im EU-Parlament zwei weitreichende Gesetze beschlossen.
26:02Das eine ist der DSA, der Digital Services Act.
26:06Der zieht auf die Inhalte der Plattformen ab und er gilt für Anbieter mit über 45 Millionen Nutzenden.
26:12Laut DSA müssen die Unternehmen offenlegen, warum Nutzern welche Inhalte ausgespielt werden.
26:18Das heißt, sie müssen sich in ihre geheimen Algorithmen gucken lassen.
26:22Und sie müssen Inhalte, die in der analogen Welt illegal sind, auch im Internet offline nehmen.
26:27Das zweite Gesetz ist der DMA, der Digital Markets Act.
26:32Der DMA zielt auf die Wirtschaftsmacht der Big Player.
26:35Es geht um die Champions League der Tech-Unternehmen.
26:38Die dürfen laut Gesetz ihre Vormachtstellung nicht ausnutzen, sondern müssen auch mal kleinere nach vorn lassen.
26:47Konkret bedeutet das, wer zum Beispiel einen Flug über Google sucht, dem werden nicht nur die Angebote von Google selbst,
26:53sondern auch die von anderen Buchungsportalen weiter oben angezeigt.
26:58Im März 2025 feiert der Digital Markets Act ersten Geburtstag.
27:03Andrea Schwab ist im Parlament für das Gesetz verantwortlich.
27:07Und bei der EVP, der konservativen Fraktion im EU-Parlament.
27:11Ehrengast ist die EU-Kommissarin für Wettbewerb, Teresa Ribera.
27:17Wir sind sehr dankbar, dass du heute Abend mit uns feierst, Teresa.
27:24Die Frage ist sicherlich, wie schnell deine Gesetze zu Bußgeldern führen werden.
27:28Ich kann mir vorstellen, dass noch weitere Fragen im Raum stehen, die ich aber nicht alle aufzählen werde.
27:35Ich möchte dich einfach nur willkommen heißen, Teresa.
27:39Eine Feier mit vielen Fragezeichen. Dennoch hat der DMA nicht bewiesen, was er kann.
27:45Bußgelder für Verstöße gegen den Wettbewerb hat die EU zu diesem Zeitpunkt noch nicht verhängt.
27:52Ich glaube, es ist wichtig, konsequent zu sein. Wir müssen den Rechtsstaat verteidigen und anwenden.
27:58Das ist sehr wichtig, denn manchmal vergessen die Menschen, dass die Sanktionen nicht die Ursache, sondern die Folge sind,
28:05wenn man nicht tut, was man tun muss.
28:10Es ist so eine gute Idee zu feiern. Vielen Dank.
28:17Für den DMA haben sich Parlamentarier von grün bis konservativ zusammengetan.
28:22Und nur ein paar Wochen später verhängt die EU erste Bußgelder.
28:27Apple nutzt seine marktbeherrschende Stellung, um Konkurrenz zu verdrängen.
28:31Wer zum Beispiel eine App herunterladen will, hat nur einen Weg über den App Store.
28:37Zu wenig Auswahl, sagt jetzt die EU-Kommission und hat zum ersten Mal eine Geldstrafe nach dem neuen Digital Markets
28:44Act verhängt.
28:45Das Gesetz verpflichtet Tech-Konzerne dazu, ihre Plattformen für Konkurrenten zu öffnen.
28:50Apple muss deshalb 500 Millionen Euro Strafe zahlen.
28:54Und auch der Facebook-Konzern Meta bekommt eine Strafe.
28:58Sowohl Apple als auch Meta gehen dagegen in Berufung.
29:01Sicher ist, die Strafzahlungen sind Sprengstoff im Handelskrieg.
29:05Und die Allianz zwischen US-Präsident und Tech-Bossen wird durch die europäische Regulierung nur noch enger.
29:11Die Botschaften kämpferischer.
29:14Wir werden mit Präsident Trump zusammenarbeiten, um uns gegen Regierungen weltweit zu wehren, die amerikanische Unternehmen ins Visier nehmen und
29:21Zensur fordern.
29:22In Europa gibt es immer mehr Gesetze, die Zensur festschreiben und es erschweren, dort etwas Innovatives zu entwickeln.
29:30Wie können wir uns von der Übermacht von US-Big Tech befreien?
29:35Brauchen wir strengere Gesetze, um die großen Monopole zu bändigen?
29:39Oder mehr Wettbewerb, um die europäischen Start-ups groß zu machen?
29:44Wir haben gute Gesetze und die müssen wir jetzt durchsetzen.
29:47Und wir müssen uns auch darauf konzentrieren, eigene Digitalunternehmen besser zu stärken, eigene soziale Netzwerke aufzubauen.
29:53Das ist eine ganz klare Botschaft, die ich von meinen Gesprächspartnern hier auch mitbekomme.
29:58Wir gucken sehr darauf, was ihr in Europa macht.
30:00Und wenn ihr die Demokratie in Europa hochhaltet, dann kann sie auch in den USA wieder gestärkt werden.
30:06Matthias Döpfner dagegen glaubt nicht, dass die Politik allein Big Tech gewachsen ist.
30:11Generell glaube ich, dass Regulierer von der Geschwindigkeit der Veränderungen und von der Komplexität der Materien grundsätzlich völlig überfordert sind.
30:21Das verstehen ja zum Teil noch nicht mal die Experten und Fachleute in den Unternehmen.
30:25Wie soll das denn eine Politikerin in Brüssel richtig einordnen und verstehen?
30:30Und wie soll man in zwei oder drei Jahresprozessen solche Regelwerke schreiben, die da noch gelten, wenn sie fertig sind?
30:36Döpfners politische Antwort sind nicht strengere Gesetze.
30:39Er wünscht sich Förderung für die Tech-Branche.
30:42Es herrscht ein wahnsinniger Reformbedarf.
30:44Und ja, die Tatsache, dass es ein Digitalministerium gibt, ist auf jeden Fall eine Geste, dass die Bedeutung dieses Themas
30:51erkannt wird.
30:52Entscheidend ist natürlich jetzt, wie wird agiert?
30:54Wer agiert wie?
30:55Wird das, wie gesagt, wieder so eine Worthülsenveranstaltung?
30:59Oder entstehen da wirklich Initiativen, die Bedürfnissen entsprechen und denjenigen, die Innovation gestalten können, helfen?
31:08Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben, die neue Bundesregierung hat übrigens erstmalig ein eigenständiges Digitalministerium geschaffen.
31:15Der neue Minister ist ein Manager, und zwar der ehemalige Chef von Mediamarkt und Saturn.
31:21Und der hat ein ziemlich großes Ziel, nämlich digitale Souveränität.
31:26Das Ministerium setzt sich da zum Ziel, uns unabhängig im Internet zu machen.
31:31Die Frage ist jetzt nur, wie das konkret aussehen soll.
31:34Es geht also um Big Tech made in Germany.
31:38Das ist die Aufgabe, vor der der neue Digitalminister Carsten Wildberger steht.
31:42Er hat heute seinen ersten Auftritt in seiner neuen Rolle auf der Digitalkonferenz Republika.
31:48Wir brauchen hier dringend alternative Angebote, die funktionieren und Akzeptanz finden.
31:55Die den Bürgerinnen und Bürgern ein sicheres Gefühl geben.
31:59Und unser Ziel als Digitalministerium ist, dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen.
32:04Wir werden später noch mit ihm sprechen.
32:07Doch erstmal zu den großen Erwartungen an den neuen Minister.
32:12Ich gehe davon aus, dass man sich darüber Gedanken macht, wie man eigentlich die Macht dieser Tech-Konzerne einschränken kann.
32:18Ich glaube, es braucht eine europäische Lösung, ein europäisches Gegenstück.
32:22Und da erwarte ich vor allem von Herrn Wildberger, dass er das tatsächlich mit seiner Erfahrung als Manager auch sehr
32:27gut vorantreiben kann.
32:28Durchsetzung der Regulierung, die schon besteht, Entscheidungen, die auf den Bedürfnissen der Bürger hier beruhen.
32:36Wir sollen endlich mal Gelder in die Hand nehmen, um die Forschung in KI und in IT zu fördern.
32:42Weil diese Abhängigkeit von den großen Tech-Playern aus den USA muss gebrochen werden.
32:48Abhängig ist Deutschland vor allem von den sogenannten Hyperscalern, also den großen drei US-Cloud-Anbietern.
32:55Und das kam so.
32:56Zurück in die 90er.
32:58Gesamtschule Bonn-Boyle.
33:00Bill Gates ist zu Besuch, begleitet vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder.
33:04Damals wird der Softwareentwickler zum Henry Ford des Tech-Zeitalters.
33:14Seine Windows-Software löst einen weltweiten Hype aus, wenn auch der damalige Kanzler noch etwas hinterherhängt.
33:21Ich habe ganz andere Erfahrungen wie Bill Gates mit Computer und Computerei. Nämlich so gut wie keine.
33:30Mit den Jahren läuft fast das ganze Land auf der Computerei von Microsoft.
33:34Ob Personalausweise, Steuererklärungen oder Arztbescheinigungen.
33:41Zunächst liegt noch alles auf Disketten und Festplatten, heute meist in riesigen Rechenzentren.
33:47Von Microsoft, Amazon und Google.
33:50Sie dominieren den Markt für Cloud-Speicher.
33:52Auch Deutschland setzt auf die US-Dienstleister.
33:55Und das, obwohl ein ehemaliger Agent namens Edward Snowden 2013 aufgedeckt hatte,
34:00wie uns US-Geheimdienste ausspionieren.
34:03Sie bedienen sich dafür an den Nutzerdaten der Tech-Krisen.
34:07Die Bundesregierung ist sauer.
34:10Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht.
34:13Doch es ändert sich wenig.
34:15Deutschland setzt weiter auf Big Tech aus den Staaten.
34:18Dann, 2018, mitten in Trumps erster Amtszeit, kommt der US-Cloud-Act.
34:24US-Behörden dürfen seitdem auf Daten zugreifen, die von amerikanischen Unternehmen gespeichert werden.
34:30Auch, wenn sie in Deutschland liegen und deutschen Nutzern gehören.
34:34Das riesengroße Problem ist, dass der Cloud-Act es schon jetzt den Tech-Unternehmen erlaubt,
34:40Daten an die US-Regierung weiterzugeben.
34:43Die sind sogar verpflichtet dann dazu.
34:45Und jetzt muss man ja noch obendrauf legen, dass wir momentan sogar noch eine Situation sehen,
34:50wo die US-Regierung sich teilweise überhaupt nicht mehr an rechtliche Rahmenbedingungen hält.
34:54Das heißt, wir müssen momentan davon ausgehen, dass alle Daten, die auf US-amerikanischen Infrastrukturen liegen,
35:02missbraucht werden können.
35:03Was dann die US-Regierung in der Hand hat, um auf allen möglichen Ebenen uns quasi einen Kill-Switch auszuschalten
35:11und unsere Daten eben entweder abzuschalten, zu manipulieren und dergleichen.
35:18Und da sieht man, wie massiv das Problem ist.
35:20Keine schlechte Idee also, hier eigene europäische Lösungen zu haben.
35:25Zurück zur Republika.
35:27Während auch Alexandra Gese noch für europäische Alternativen argumentiert, platzt eine Nachricht herein.
35:35Die Bundeswehr schließt einen Deal mit Google.
35:39Die Zeitenwende auf einer US-Cloud?
35:43Es ist einfach unfassbar.
35:44Also wir müssten es doch eigentlich gelernt haben.
35:47Es geht jetzt um unsere Sicherheit.
35:49Es geht um ein Unternehmen bei Google, das verpflichtet ist, diese Daten an die amerikanische Regierung zu geben.
35:57Weil das ist die amerikanische Gesetzgebung, der Google untersteht.
36:01Und gerade so etwas Sensibles wie Bundeswehrdaten kann doch da nicht in einer amerikanischen Cloud liegen.
36:07Während der neue Minister also noch gar nicht richtig angefangen hat, werden neue Fakten geschaffen.
36:12Aber können wir überhaupt noch europäische Alternativen bauen?
36:16Oder ist eh schon alles mit US-Tech durchdrungen?
36:19Am Google-Stand wird der Minister freundlich empfangen.
36:22Von Sabine Frank.
36:23Die will beschwichtigen.
36:25Und lädt uns zu einem Interview in der Berliner Google-Zentrale ein.
36:32Aber nun sind Sie ja ein amerikanisches Unternehmen.
36:34Und wenn wir jetzt den US-Cloud-Act dazu holen, der besagt ja, dass amerikanische Unternehmen sozusagen die Daten der
36:41Nutzer herausgeben müssen.
36:43Genau. Aber das ja nur, wenn wir können.
36:45Die Kooperationen sehen genau so aus, dass die Schlüssel, um diese Daten aufzuschließen, gar nicht bei uns liegen,
36:50sondern jeweils bei den deutschen Partnern.
36:53Was passiert ist, dass wir unsere Racks dorthin stellen, wo die es vorgeben.
36:58Das ist gar nicht mit dem Internet verbunden.
37:00Das heißt, die Souveränität geht so weit, dass das Gebäude, die Infrastruktur gar nicht von uns kontrolliert wird,
37:07sondern ausschließlich dort von dem Dienstleister kontrolliert wird.
37:11Erst wenn dort gesagt wird, ausschließt mal bitte Teile aus, um Updates reinzuspielen, kann das passieren.
37:16Muss aber auch nicht passieren.
37:18Das System sei also isoliert.
37:20Die Bundeswehr kann die Google-Updates vor dem Einspielen prüfen oder halt auf Updates verzichten.
37:26Wir haben nochmal bei einem Experten nachgefragt, bei Peter Ganten vom Bundesverband für digitale Souveränität.
37:32Der sagt, dass Clouds regelmäßige Updates brauchen würden, um sicher zu sein.
37:36Und hier würde ein Risiko für Hintertüren bestehen.
37:39Also Möglichkeiten von außen in die Systeme einzudringen und Daten abzugreifen,
37:43im schlimmsten Fall einen sogenannten Kill-Switch einzubauen.
37:47Also so eine Art Notausschalter, mit denen könnten die Tech-Krisen dann die Kommunikation oder die Datenspeicher lahmlegen.
37:53Und das ist ja mal echt eine beängstigende Vorstellung.
37:56Es gibt ja aber auch Alternativen, zum Beispiel deutsche Anbieter von Cloud-Diensten.
38:01Die deutsche Alternative kommt hierher.
38:06Neben einem Spargelacker steht das modernste Cloud-Rechenzentrum von SAP.
38:11Hier liegen Daten von über 25.000 Unternehmenskunden aus der ganzen Welt.
38:16Die Anlage bei Heidelberg ist ein Hochsicherheitsbereich.
38:22Thomas Sauer-Essig ist für die Cloud-Infrastruktur zuständig.
38:25Er ist Vorstand im derzeit wertvollsten Unternehmen Europas.
38:29Geschäfte macht SAP weltweit.
38:32Wie deutsch ist SAP eigentlich noch?
38:34Wie abhängig sind Sie von den USA?
38:38Die Frage der Abhängigkeit ist ja eine philosophische.
38:40In welcher Form abhängig? Was ist die Abhängigkeit?
38:42Sie sind Dienstleister des US-Militärs.
38:45Das ist ja schon sehr regierungsnah, wenn nicht in der Regierung drin.
38:48Wir sind auch Dienstleister der Bundeswehr in Deutschland.
38:51Und SAP ist auch Dienstleister für die deutsche Verwaltung.
38:55Für die stellt das Unternehmen die sogenannte Delos Cloud bereit.
38:58Allerdings laufen auf der Weiter-Microsoft-Asia oder Microsoft 365.
39:05Wieder ein Einfallstor durch Updates?
39:08Was hier passiert ist letztendlich, dass bei jedem Update des COM von der Azure-Plattform und Office 365,
39:14dass diese Updates geprüft werden in Zusammenarbeit mit dem BSI,
39:17also mit dem Bundesamt für Sicherheit der Informationstechnologie von Deutschland.
39:21Und das bedeutet, wir checken quasi jedes Upgrade, bevor wir es einspielen.
39:25Und wenn wir da irgendwas sehen, was uns nicht gefällt, wird dieses Update nicht eingespielt an der Stelle.
39:29Kann ich denn davon ausgehen, dass das BSI mit den High-Techies von Microsoft und den ganzen Updates mithalten kann?
39:36Absolut.
39:37Also meine Daten, die hier bei der deutschen Behörde liegen, mit Ihrer neuen Delos Cloud,
39:43wie sicher sind die vor Zugriff aus den USA?
39:46100% sicher. Da kann kein US-Amerikaner drauf zugreifen, da kann kein Präsident der Vereinigten Staaten sagen,
39:53über den US Cloud wird nicht wilder Zugriff haben, weil es komplett getrennt an der Stelle ist.
39:57Das bedeutet, es ist 100% sicher in deutscher Hand.
39:59Auch oder obwohl Microsoft da mit drin hängt?
40:02Absolut.
40:03Okay.
40:05SAP und die Bundesregierung müssen den US-Dienstleister Microsoft also permanent kontrollieren.
40:11Richtig unabhängig von US-Tech ist selbst der Gigant SAP offenbar nicht.
40:18Kommen wir also zu dem Mann, der uns unabhängig machen soll.
40:21Carsten Wildberger, der neue deutsche Digitalminister.
40:25Welche Strategie verfolgt er?
40:27Wildberger glaubt, dass wir noch Big Tech in Deutschland schaffen können.
40:30Aber wir hätten zu viele komplizierte Regeln.
40:36Regulierung ist eine Sache. Gleichzeitig ist es auch eine Frage des Mindsets, der Haltung zu Technologie.
40:41Und ich glaube, wir müssen unsere Liebe und Freude zu Technologie, zu Innovation ein Stück weit wiederentdecken.
40:47Wildberger ist überzeugt, wir stehen an einem entscheidenden Punkt.
40:50Die künstliche Intelligenz wird alles verändern.
40:53Und wir dürfen jetzt nicht verpassen, ins Spiel einzusteigen.
40:56Wenn wir nicht digital souverän werden in den nächsten Jahren, dann haben wir eine ganz andere Abhängigkeit.
41:02Unsere etablierte Industrie ist in großer Gefahr. Warum ist das so aus meiner Sicht?
41:07Am Ende des Tages geht es um die Frage der künstlichen Intelligenz.
41:10Die künstliche Intelligenz ist wahrscheinlich die größte Revolution, die die Menschheit bisher erfahren hat, gekannt hat.
41:18Vergleichbar vielleicht mit der Erfindung von Feuer, Elektrizität, vielleicht das Internet.
41:25Gleichzeitig ist es so, wenn man KI gut einsetzt, richtig einsetzt, führt das zu Wachstum, auch neuen Jobs.
41:33Man kann Krankheiten heilen, man kann länger leben.
41:36Am Ende kann jeder Mensch damit programmieren.
41:38Ich muss keine Programmiersprache mehr lernen.
41:40Das ist fundamental und das wird jede Wertschöpfungskette, jede Industrie betreffen.
41:44Und ich möchte mir keine Welt ausmalen, wo wir von dieser Technologie nur Kunde sind.
41:50Man könnte sagen, es ist so etwas wie unsere letzte Chance.
41:54Was ich am Ende spannend finde, ist, dass viele, mit denen wir gesprochen haben, eigentlich voller Hoffnung sind.
41:59Nur setzen sie auf ganz andere Dinge.
42:01Medienwissenschaftler André will einen wehrhaften Start und guckt zurück.
42:05Erinnern Sie sich, wie das war, als wir die Covid-Pandemie hatten und auf einmal mussten wir alle in digitale
42:11Meetings.
42:12Und das war für viele Leute erstmal schwer.
42:14Das hat total geruckelt am Anfang und dann hat es aber doch irgendwie funktioniert.
42:17Und ich glaube, wenn wir das tun würden, wenn wir jetzt zum Beispiel Digital-Gipfel der Bundesregierung würde im Dezember
42:23einen mutigen Schritt machen
42:25und wir jetzt auf eigene Alternativen umsteigen, dann würden wir eine Menge lernen dabei.
42:29Und klar würde das ruckeln, aber in ein paar Jahren wären wir eben unabhängig.
42:34Matthias Döpfner glaubt, ebenso wie der Digitalminister, an eine Revolution durch künstliche Intelligenz.
42:41Aber vor allem an eine Chance.
42:43Er hofft auf eine Welt, in der Sprachmodelle wie ChatGPT und Co. den Platzhirschen wie Google Konkurrenz machen
42:49und es wieder echten Wettbewerb gibt.
42:53Was können wir als Unternehmen tun?
42:55Ehrlich gesagt nur versuchen, an der Spitze der Bewegungen zu stehen, selber viel zu entwickeln, selber viel auszuprobieren,
43:02wirklich innovativ zu sein, experimentierfreudig zu sein und nicht darauf zu warten, dass andere für uns irgendwie tolle Lösungen entwickeln.
43:08Das müssen wir selber machen. Da können wir vielleicht ein kleines bisschen zur Vielfalt beitragen. Das wäre mein Wunsch.
43:12Gilt Ihr Satz, die Schnellen fressen die Großen noch?
43:15Die Schnellen fressen die Großen. Das gilt mehr denn je. Größe an sich ist natürlich ein Vorteil.
43:21Das müssen wir nicht wegdiskutieren. Aber Größe an sich reicht nicht.
43:24Wenn Größe langsam macht, macht Größe schwach. Und dann werden die Kleinen schneller sein, besser sein, erfolgreicher sein.
43:30Das ist Wettbewerb, das ist Marktwirtschaft. Ich liebe das.
43:34Und Alexandra Gese? Sie ist zurück an ihrem Arbeitsplatz.
43:40Gerade hat sich die Europäische Kommission endgültig von der Idee verabschiedet, eine Digitalsteuer gegen die Big Tech zu erlassen.
43:47Ein Sieg für Trump und die Konzerne.
43:52Wird Europa von den USA erpresst?
43:54Ja. Andererseits, man soll nie eine gute Krise verschwenden. Und Europa hat sich immer stark gezeigt in der Krise.
44:06Deswegen ist es jetzt an der Zeit, für Europa aufzustehen und die Europäische Kommission, die Bundesregierung, die europäischen Regierungen aufzufordern,
44:16jetzt Rückgrat zu zeigen, damit sie unsere Demokratie stark machen.
44:20Man könnte sagen, der Nachteil ist der Vorteil. So sehen es alle, mit denen wir gesprochen haben. Und alle haben
44:28ein Ziel.
44:29Raus aus dem Bann von US-Big Tech.
44:50kommt, die gute Arlüygge sind ein schönes Mal people das Estamos über avatar hostinges Mal. Wir nehmen
Comments

Recommended