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00:02Asiatische Gelassenheit
00:03Kantig, strahlend weiß und glitzernd.
00:07Wie ein Zuckerwürfel, der vom Himmel gefallen ist.
00:10Ein neues Museum feiert die Asiatische Gelassenheit.
00:14In einer Stadt, die viel gibt auf ihre Geschichte und Tradition.
00:25Moderne Architektur von einem japanischen Stararchitekten.
00:30Randvoll mit abstrakter Kunst.
00:39Ein Fest der Farben.
00:41Und der Freiheit in der Kunst zu sehen, was man will.
00:46Du hast hier so diese blauen Partien und dann in der Mitte so wusch.
00:49Und das ist abstrakte Kunst.
00:51Du kannst sie tausendmal angucken und immer wieder was Neues empfinden und entdecken.
00:58Herzlich willkommen in Wiesbaden, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer.
01:02Die hessische Kur- und Landeshauptstadt hat ein wunderschönes neues Museum und muss dafür keinen Cent bezahlen.
01:09Denn der Wiesbadener Unternehmer und leidenschaftliche Kunstsammler Reinhard Ernst hat sich einen Traum erfüllt und diesen Prachtbau für seine Sammlung
01:18errichten lassen.
01:20Warum er für die abstrakte Kunst so brennt und Kinder seine liebsten Besucher sind, das wird er uns gleich erzählen.
01:27Das Museum Reinhard Ernst, ein klarer Fall für den Museums-Check.
01:41Falls Sie jetzt denken, abstrakte Kunst ist eigentlich nicht so mein Ding, dann freuen Sie sich auf unseren Gast.
01:47Denn der liebt die gegenstandslose Kunst und wird uns garantiert mit seiner Begeisterung anstecken.
01:55Mit Kunst-Comedy begeistert er sein Publikum. Jakob Schwertfeger erklärt Kunst frech, witzig und auf den Punkt.
02:04Er hat Kunstgeschichte studiert und sagt, dass Kunst viel einfacher zu verstehen ist, als man denkt.
02:12Sein Buch über den hemmungslosen Kunstgenuss wurde zum Bestseller.
02:19Du bist ja bekennender Kunst-Junkie. Wie oft gehst du ins Museum?
02:22Auch so in guten Wochen schon dreimal pro Woche. Oft. Also zu oft.
02:27Was gibt dir das? Warum machst du es?
02:29Boah, also Museen sind für mich so... Ich glaube, andere machen Yoga oder Meditieren, um diese Ruhe zu empfinden, die
02:36ich im Museum kriege.
02:37Für mich sind es so Orte zum Aufatmen.
02:40Du wolltest unbedingt hierher kommen für diese Sendung. Du hast mir vor einem Jahr, als wir es das letzte Mal
02:45gesehen haben,
02:46hast du gesagt, wenn du jemals einen Check im Museum Reinhard Ernst machst, dann bitte frag mich, was wir hiermit
02:53getan haben.
02:53Warum machst du dieses Museum so?
02:55Weil ich einfach abstrakte Kunst so liebe und es so toll finde, dass es einfach ein Museum in Deutschland gibt,
03:01wo man sich so richtig an abstrakter Kunst satt sehen kann und herrlich.
03:10Farbe ist alles. Das Motto der Sammlung Reinhard Ernst.
03:16Eine Künstlerin fasziniert den Sammler ganz besonders. Die US-Amerikanerin Helen Frankenthaler.
03:27Ab den 1950er Jahren mischt sie die New Yorker Kunstszene auf. Mit der Art, wie sie die Farbe auf die
03:36Leinwand bringt.
03:39Über 50 Werke von ihr sind in dieser Sammlung.
03:47Du bist ja auch ein Fan von Helen Frankenthaler. Was fasziniert dich so an ihr?
03:52Das ist ja einfach Kunst zum Baden. Also man will ja eigentlich einen Bauchklatscher in dieses Bild reinmachen, weil das
04:00einen so diese Formate, das nimmt einen einfach direkt ein.
04:04Und das ist glaube ich das, was mich an ihr so fasziniert. Das scheppert einfach direkt.
04:10Aber das haben ja ganz viele amerikanische Expressionisten gemacht, dass sie so riesen Formate gemalt haben.
04:15Bei ihr ist schon noch ein bisschen mehr. Sie hat ja wirklich die Kunst ein bisschen revolutioniert mit ihrer Technik,
04:21oder?
04:21Ja, genau. Sie hat Soak and Stain heißt die Technik. Das heißt eine ungrundierte Leinwand und da hat sie die
04:27Farbe dann drauf geschüttet, stehen lassen und dann hat die sich halt so in diesen Bildträger so richtig eingesogen.
04:34Und so entstehen diese wolkenartige Strukturen. Es lag auf dem Boden, wie ein Teppich. Das war ja auch so ein
04:42Move, den dieser ganze abstrakte Expressionismus, so nennt man ja diese Kunstrichtung, zu der sie auch gehört, das gemacht haben.
04:49Dass die die Leinwand von der Staffelei auf den Boden gelegt haben, hat ja vorher keiner gemacht.
04:53Wie guckst du solche abstrakten Kunstwerke an, wie die von Frankenthaler? Viele Leute würden ja davor stehen und sagen, ja,
05:02ist irgendwie bunt, aber was soll ich da jetzt drin sehen?
05:06Ich glaube, ich gucke dich vor allem einfach lange an. Also ich stelle mich da vor und gucke, okay, wie
05:12ist es komponiert?
05:13Ja, also das ist diese Komposition ist ja der Wahnsinn. Wie diese ganzen Farben verteilt sind und es so ausgewogen
05:20ist, das sind dann so Details.
05:22Hier, dieses Gelb, ja. Da stelle ich mich dann davor und denke so, ja, ohne das Gelb wäre das Bild
05:27viel langweiliger.
05:29Okay, hier ist die Farbe relativ dick aufgetragen. Da hat sie offensichtlich dann mit dem Pinsel gearbeitet.
05:34Hier ist die Farbe irgendwie eher nur in die Leinwand gesogen und gucke einfach, wie unterschiedlich ist es gemalt, wie
05:39ist es komponiert.
05:41Und ich meine, das ist ein geiles Bild.
05:43Viele tun sich einfach schwer damit, weil sie sagen, ja, kann ich auch.
05:47Ja, interessiert doch niemanden, dass du das auch kannst.
05:48Ja, ich könnte es ja auch gar nicht. Wer das mal versucht hat, würde gläglich scheitern.
05:54Ja, aber selbst wenn du es könntest, ist doch vollkommen egal. Es geht doch darum, dass jemand als Erster die
05:57Idee hatte.
05:58Und ich glaube auch diese Haltung, das kann ich auch, bringt einen nicht weiter.
06:02Das ist einfach nur eine Ausrede, um sich nicht mit Kunst beschäftigen zu müssen.
06:06Und ich sage immer, guckt es euch einfach an.
06:08Nicht versuchen, darin irgendwas zu sehen oder sonst was. Einfach genießen.
06:25Hier in Wiesbaden ist die weltweit größte Privatsammlung mit Werken von Helen Frankenthaler.
06:30Und jetzt lernen wir den Mann kennen, der einfach nicht widerstehen kann, wenn Werke von ihr auf Auktionen zu haben
06:37sind.
06:40Der Unternehmer Reinhard Ernst sammelt aus purer Leidenschaft, ausschließlich abstrakte Kunst.
06:49Seit den 1970er Jahren sind rund 1000 Werke zusammengekommen und die haben jetzt ein spektakuläres Zuhause.
06:57Entworfen hat es der japanische Star-Architekt Fukihimo Maki, Pritzker-Preisträger und Freund des Sammlers.
07:07Sein zehntes Museum ist sein einziges in Europa.
07:14Wie glücklich sind Sie denn jetzt, wenn Sie eine Skala von eins bis zehn nehmen mit diesem Bau für Ihre
07:19Kunst?
07:20Ich würde sagen elf.
07:22So glücklich.
07:23Ja.
07:24Wenn man acht Jahre seines Lebens vorwiegend mit dem Bau eines Museums, mit der Planung, mit dem Bau verbracht hat
07:30und man ist nicht glücklich, dann hat man irgendwas falsch gemacht.
07:33Und warum Fukihimo Maki? Warum wollten Sie unbedingt den?
07:37Wir kennen uns, wir haben uns bevor wir mit der Planung begonnen haben, 25 Jahre schon gekannt.
07:41Also wir sind befreundet.
07:42Für mich war klar, wenn ich was plane, dann mit ihm.
07:45Was macht dieses Gebäude mit der Kunst?
07:48Das Gebäude ist wirklich für die Kunst gebaut und wenn hier die Mona Lisa hinge, würde die auch gut aussehen.
07:53Und dann die Schönheit, die Schlichtheit dieses Gebäudes macht es natürlich aus und hier kommt die Kunst natürlich zur Wirkung.
08:07Diese beiden sechs Meter hohen Skulpturen haben Sie bei dem berühmten Künstler Toni Gregg in Auftrag gegeben.
08:14Das ist ja aufregend, oder?
08:16Das stimmt. Ich bin mit meiner Frau nach Juppertal gefahren und wir haben uns kennengelernt.
08:21Sehr sympathisch und ja, für uns war klar, Toni Gregg war der Mann und ja, das war eine schöne Zeit.
08:27Die sind ja wirklich gewaltig. Was wiegen die dann?
08:30Die wiegen insgesamt etwa fünfeinhalb Tonnen, was zur Folge hatte, dass man die Statik des Bodens komplett verändern musste.
08:37Und wenn ich jetzt diese wunderschöne Bronze anfasse, dann kriege ich keinen Ärger mit Ihnen?
08:44Nein, Sie bekommen keinen Ärger.
08:47Das war auch ein Gedanke von mir. Die Haptik, wir fordern niemanden auf, hier anzufassen, aber wir haben nichts dagegen,
08:54dass man sie anfasst.
08:57Das ist das einzige Kunstwerk, was man bei Ihnen hier anfassen darf, nämlich an, oder?
09:02Ja, sag ich mal, die Leinwände sollte man besser nicht anfassen.
09:08Kunst ab 1945. Das einzige Museum in Deutschland, das ausschließlich abstrakte Werke zeigt.
09:19Was begeistert Sie so an abstrakter Kunst, dass Sie nichts anderes sammeln?
09:24Das ist ganz einfach. Das ist die Kunst, die mir nicht sagt, was ich zu sehen habe.
09:29Jeder Mensch kann sehen, was er will und das kann nur die Abstraktion. Deshalb ist sie so wichtig, auch gerade
09:34für Kinder.
09:34Und Farbe ist alles, sagen Sie auch. Warum ist Ihnen Farbe so unglaublich wichtig?
09:41Dazu muss ich sagen, ich bin ein Farbenmensch. Ich liebe Farben und ich liebe Rot.
09:47Und wenn Sie sich hier umsehen hinter mir, das Bild von Chubaschen mit den vielen Farben, die leuchtenden Farben.
09:55Das ist einfach wunderbar, muss man sagen. Farbe begeistert mich immer wieder.
10:05Und Helen Frankenthaler ist ja Ihre Lieblingsmalerin. Was lieben Sie so an ihr?
10:11Schauen Sie sich die Farbe an. Haben Sie schon mal sowas gesehen? Die Farbe?
10:15Nie.
10:17Sie ist einfach diejenige, die Farben entdeckt und Farben zusammenbringt, die man vorher nie sieht.
10:22Das hier, diese beiden Farben, die macht man einfach nicht zusammen und sie hat die zusammengebracht.
10:29Deshalb habe ich auch vorwiegend großformatige Bilder gesammelt, weil hier kommt erst das raus, was sie ausmacht.
10:51Kinder und Jugendliche haben hier sowieso freien Eintritt, aber vormittags ist es ausschließlich für die reserviert.
10:57Das heißt vor allem für Schulklassen. Warum machen Sie das?
11:00Der eine Grund ist der, dass es mir wichtig war, dass man nicht 40 Jahre alt werden muss und an
11:06Kunst herangeführt wird, so wie mir das passiert ist.
11:08Aber der noch wichtigere ist, dass wir überzeugt davon sind, dass wir hier die Kreativität in Kindern wecken können durch
11:18das, was wir hier tun in unserem Kreativraum, in unserem Museum.
11:22Wir haben in der Regel drei bis vier Schulklassen jeden Tag hier und das macht sehr, sehr viel Spaß, die
11:29zu beobachten.
11:31Weil das ist ja die Kunst der Kinder. Schauen Sie mal, wie Kinder malen. Das ist in der Regel erst
11:35mal abstrakt.
11:39Wir erleben das ja, dass Kinder auch später mit ihren Eltern wiederkommen.
11:42Was ist das für ein Ton?
11:44Das macht nämlich besonders viel Spaß, dass Kinder ihre Eltern mitbringen, die noch nie in einem Museum waren vorher.
11:49Das ist ohnehin unser Bestreben, Menschen in unser Museum zu bringen, die noch nie in einem Museum waren.
12:07Hinter dieser riesigen, schönen Glasarbeit von Katharina Grosse können sich Kinder kreativ austoben.
12:13Und nicht wie sonst oft in Museen im Keller, sondern direkt im Eingangsbereich.
12:23Von weitem sieht es aus wie ein abstraktes Gemälde und als wir näher gekommen sind, haben wir gemerkt,
12:28oh, das ist ja eine Collage mit lauter kleinen Teilen drin und der Titel hilft uns dann weiter.
12:34Das Bild heißt Accumulation Renault. Das heißt, es sind alles Autoteile, die wir hier sehen, offensichtlich aus Renaults.
12:42Ich finde es großartig. Wie toll ist es, den Schrott von einem Auto plötzlich zu benutzen,
12:48und daraus ein Bild zu machen. Das ist doch toll, auch diese Materialien zur Kunst zu machen und zu einem
12:54richtig stimmigen Bild.
12:55Aber ganz viele Leute würden damit wahnsinnig fremdeln, glaube ich, sagen.
12:58Das ist doch Mist da irgendwie, Müll zu verwenden, Schrott zu verwenden für ein Kunstwerk.
13:02Ja, also ist Kunst nur aus Bronze und Marmor? Das ist wahnsinnig langweilig auf Dauer.
13:08Also das Schöne ist doch, dass die Kunst immer gesagt hat, ja, wir nehmen jedes Material, alles ist möglich.
13:15Das explodiert ja plötzlich an Möglichkeiten, was du tun kannst.
13:19Ist doch viel interessanter. Ist doch toll, dass man das machen kann und damit ja auch ein Statement setzen kann.
13:24Sagen kann, guck mal, der Müll, den wir tagtäglich wegwerfen, daraus kann man auch tolle Sachen machen.
13:28Im Prinzip ist das ja eine Form von Upcycling.
13:42Adolf Gottlieb mag ich sehr, sieht man sehr selten in Deutschland.
13:45Und das ist so ein Bild, wo ich denke, weißt du, was so mutig ist?
13:49Was ich mich immer wieder frage, guck mal, der war fertig, offensichtlich.
13:52Dieses Kreuz hier unten, da oben diese Art Sonne.
13:55Und dass er dann gesagt hat, so, und jetzt splash ich hier noch Farbe drauf.
13:59Du kannst so ein Bild auch richtig verkacken dann.
14:01Und das hat er nicht getan, sondern erst dann ist es so komplett.
14:04Und da finde ich, sind so mutige Entscheidungen in diesem Bild, die ich echt bewundernswert finde.
14:13Und auf der Bühne und in meinen Büchern ist es halt so, sehe ich es als meine Aufgabe, die Leute
14:19heranzuführen mit Beispielen, zu zeigen.
14:21Abstrakte Kunst ist auch im Alltag, sie ist nicht so weit von euch weg.
14:25Zum Beispiel, weißt du, was abstrakter ist als das hier?
14:30Fischstäbchen. Ja, Fischstäbchen. Fische sind schnelle, bunte Tiere, die durchs Wasser schießen.
14:35Und der Mensch dachte sich, ja, daraus mache ich einen Quader. Was? Das ist Abstraktion.
14:40Und das machen sich Leute oft nicht klar. Abstraktion ist näher dran an uns, als wir denken.
14:52Jetzt zeige ich dir mal eins meiner absoluten Lieblingsbilder hier im Museum.
14:57Das ist dieses hier, Ernst Wilhelm Ney. Das finde ich so schön und wild.
15:04Das haut mich um. Das war ja eine ganze Bewegung damals in Deutschland gerade in der Nachkriegszeit.
15:10Das ist ja auch von 1960. Warum haben die eigentlich dann wieder an dem angeknüpft, was in den 10er, 20er
15:17Jahren war und haben gesagt, wir machen jetzt nur noch abstrakt?
15:21Naja, ich glaube, das hatte ganz viel damit zu tun, dass die Nazi-Kunst ja total gegenständlich war.
15:26Also die Nazis wollten eindeutige Kunst. Die haben Kunst natürlich total instrumentalisiert.
15:32Und nach dem Zweiten Weltkrieg hat man gesagt, nee, also gegenständliche Kunst ist erstmal verbrannt.
15:37Wir wollen abstrakte Kunst machen. Wir wollen offene, mehrdeutige Kunst machen, die auch unsere demokratische Welt widerspiegelt.
15:43Weil das ist ja das, was abstrakte Kunst ist. Sie ist offen.
15:47Und ich glaube, was die auch nach dem Zweiten Weltkrieg an abstrakter Kunst so mochten, dass abstrakte Kunst das Unfassbare
15:54fassbar machen kann.
15:56Also auch das unfassbare Leid, all das Schreckliche, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist, wie willst du das malen?
16:02Deswegen glaube ich, dass abstrakte Kunst in der Lage ist, genau wie Musik etwas Unfassbares darzustellen.
16:13Abstrakte Kunst entsteht damals in Europa, den USA und auch in Japan.
16:20Hier in Wiesbaden kann man Werke der japanischen Gutai-Gruppe entdecken, die selten zu sehen sind in deutschen Museen.
16:32So interessant finde ich, wenn ich mir die Bilder angucke, ohne jetzt mir die Titel anzuschauen und wer es gemacht
16:37hat.
16:38Ich könnte jetzt nicht sagen, ob das japanisch oder deutsch oder amerikanisch oder sonst was ist, so groß die kulturellen
16:45Unterschiede sind.
16:46Ja, das liegt natürlich irgendwie auch an der Abstraktion. Das ist eben auch das schöne Verbindende.
16:52Hier ist jetzt das Spannende bei Shoso Shimamoto auf der Suche nach Möglichkeiten, die Malerei neu zu denken.
16:59Er hat bei einer der Gutai-Ausstellungen auf dem Dach des Ausstellungshauses eine Papierbahn ausgelegt,
17:07hat einen Stein in die Mitte gestellt und dann hatte er Glasflaschen mit Lackfarbe gefüllt.
17:12Und nacheinander hat er die auf den Stein geworfen.
17:17Sie sehen, was passiert.
17:18Da ist ein Haufen Scherben drauf auf dem Bild.
17:21Die Scherben sind richtig eingetrocknet und das ist natürlich toll, dass wir die hier auch sichern konnten, dass sie nicht
17:26auch irgendwie verloren gegangen sind.
17:27Das ist natürlich dann sehr fragil.
17:36Zur selben Zeit traktieren in Düsseldorf die Künstler ihre Werke mit Nägeln, wie Günter Uecker.
17:45Oder brennen Löcher in die Bilder, wie Otto Piene.
17:53Es ist zwar alles abstrakte Kunst, aber wir sehen schon allein in diesem Raum, wie vielfältig die ist.
17:58Aber es ist auch eine große Freude zu sehen, was alles dazu gehört.
18:01Sei es Malerei auf Papier als Flugdrachen oder japanische Kunst, die auf der Töpferscheibe entsteht.
18:09Oder eben auch welche Formen Fotografie annehmen kann, wenn man da mit experimentell arbeitet, wie Wolfgang Tillmanns in seiner Freischwimmer
18:17-Serie, wo dann plötzlich der Fotoapparat gar nicht mehr gebraucht wird.
18:21Und das geht eben auch über 80, 90 Jahre, ne?
18:25Ja, von im Endeffekt 1945 bis heute.
18:28Denn Herr Ernst sammelt ja weiterhin und das ist eben auch ein großes Anliegen von uns immer wieder zu zeigen.
18:34Gibt es Gegenwartskunst, die man in diese Erzählung der historischen Position mit einbeziehen kann, um einfach auch deutlich zu machen,
18:40das, was damals passiert ist, das hat noch Auswirkungen auf heute und es hat was mit uns zu tun.
18:45Also es ist lohnenswert, sich damit auch zu beschäftigen.
18:56Weltliteratur als abstrakte Kunst.
18:59Der US-Amerikaner Frank Stella beschäftigte sich über zehn Jahre mit dem Walfänger-Roman Moby Dick.
19:06Von 266 Arbeiten sind fünf hier in Wiesbaden.
19:13Wie hat Frank Stella dann versucht, den Moby Dick ins Bild zu setzen, diesen großen Abenteuerroman?
19:19Er hat bei jedem Relief, was er in dieser umfangreichen Serie erstellt hat, sich mit einem einzigen Kapitel von den
19:26135 beschäftigt.
19:28Und auch wenn wir das Buch nicht gelesen haben, merken wir schon direkt, da ist richtig was los.
19:33Wir haben natürlich insbesondere die Harpune, die hier einmal so diagonal durch das Relief ragt.
19:40Dann gibt es allerlei zerrissene Netze, hier drüben ist diese kreisförmige Anordnung, auch immer mal wieder so Reste, die man
19:47noch entdecken kann.
19:48Es gibt Frackteile, hier im blauen zum Beispiel.
19:52Da oben, da lugt so eine Wallflosse hervor, was natürlich auch ganz toll ist.
19:55Und ja, dann fragt man sich dieses Weiße hier oben, ist das der Blas des Wals?
20:01Ist es der Wal, der sich am Anfang des Kapitels kurz zeigt am Horizont, als sie alle noch schlaftrunken auf
20:06ihren Booten sitzen und die Jagd dann halt wirklich loslegt?
20:15Kann man denn sagen, dass es im Grunde schafft, einerseits mir die Geschichte dieses Kapitels zu erzählen
20:20und andererseits aber auch die Emotionen, die ich beim Lesen habe, die Dramatik, die da drin steckt, einfach so in
20:27dieser abstrakten, ungeheuer dynamischen Form rüberzubringen?
20:31Genau das macht er ja damit.
20:33Also das ist natürlich auch nicht irgendeine Geschichte, es ist der Jahrhundertroman, mit dem wir auch alle Bilder verbinden.
20:38Das heißt, die ruft er hervor und durch allein schon die leuchtenden Farben merkt man halt wirklich diese Dynamik, die
20:45Energie, die Jagd eben.
20:47Und das ist das, was sich alles miteinander verbindet und sich uns vermittelt, wenn wir davor stehen.
21:04In einer Sonderausstellung begegnen wir Helen Frankenthaler wieder und erleben, wie sie bis heute Künstlerinnen und Künstler inspiriert.
21:17Zum Beispiel Jenny Prosinski.
21:26Ina Gerken.
21:38Und Adrian Schies.
21:47Ein schönes Beispiel, wie wichtig auch die Kunst der Gegenwart in diesem Museum ist.
22:04Dieser Raum ist wirklich magisch und bringt mit seinem Licht die Kunst zum Leuchten.
22:0914 Meter hoch ist er und hat seinen Spitznamen hier schon weg. Die Kathedrale.
22:27Wie findest du denn die Architektur hier eigentlich?
22:31Was ich hier glaube ich so toll finde, ist, wie viel Platz zum Atmen die Kunst hat.
22:36Also das ist ja wirklich so, auch diese großen Formate sind hier schon toll aufgehoben.
22:40Also es ist sehr gut durchdacht und es ist ja kein Raum wie der andere.
22:45Und man kann sich immer wieder erholen.
22:47Man kann einfach spazieren, schauen in diesem schönen Zen-Garten.
22:51Es gibt wahnsinnig bequeme Bänke.
22:53Schön, absoluter Pluspunkt. Zu selten in Museen gebe ich dir recht.
22:57Und ich meine, das ist schon alles hier vom Feinsten, ne?
23:00Ja, das ist alles richtig schön gemacht.
23:02Auch der Boden, hallo?
23:04Der Boden ist fantastisch, ja.
23:05Das ist zu Ende gedacht, tatsächlich sogar bis zu den Museumstoiletten. Warst du denn schon?
23:08Ehrlich schon? Ne.
23:09Ja, dann gehen wir da jetzt hin.
23:13Ach, das ist aber schön.
23:16Also ich finde es auch, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber ich bin Fan von diesen
23:21Museumstoiletten.
23:22Wirklich, das sind mit Abstand die schönsten Museumstoiletten in Deutschland, finde ich.
23:25Nicht nur in Deutschland. Also ich habe schon viele gesehen und sowas habe ich noch nie gesehen.
23:29Und das ist eigentlich doch völlig folgerichtig, dass man das bis zu den Toiletten runterdenkt.
23:34Matt C. ist eine Graffiti-Künstlerin. Das ist ja auch grandios.
23:37Also Kunst quasi, die von der Straße Graffiti bis zur Museumstoilette, hast du schon sehr zu Ende gedacht.
23:43Geht es drin weiter? Ja, gut.
23:47Oh, das ist aber schön. Das ist doch mal ein Raum zum Händewaschen, oder?
23:51Das stimmt. Es hat ja fast was von einer Skulpturen.
23:54Ja, absolut. Ganz toll.
23:56Und du kriegst hier so ein richtiges Raumschiff-Enterprise-Feeling. Komm mal mit.
23:59Hier nämlich, guck mal, dann öffnet sich so diese Tür.
24:03Und dann hast du auch da Kunst.
24:05Oh, das ist schön.
24:12Wunderschön, wie dieser Handlauf in die Wand eingelassen ist.
24:15Es ist sowieso ein absoluter Genuss, wie hier bis ins kleinste Detail auf Qualität und Harmonie geachtet wird.
24:22Und die Wände sind schalldämmend verputzt, damit es nie zu laut oder hallig wird.
24:37Man merkt hier ja an jeder Ecke dieses Gebäudes, dass sich da ganz viele Menschen viele Gedanken gemacht haben.
24:45Was würden Sie sagen, was ist die Philosophie dieses Hauses?
24:48Dafür haben wir hier genau den richtigen Ort.
24:50Der Innenhof unseres Museums ist nicht nur das architektonische Zentrum, sondern so ein bisschen auch der Kern unserer Inhalte.
24:57Hier umgibt uns die Architektur und Fumikomaki schenkt uns ja das Licht, was hier bis ins Erdgeschoss geht.
25:04Natürliches Tageslicht mitten in einem Gebäude.
25:06Dann haben wir hier bildende Kunst, auf die das Licht fällt.
25:10Und hinter uns haben wir den japanischen Fächer-Auhorn.
25:14Und alle drei Sachen thematisieren das Licht, denn der Baum braucht ja auch das Licht zum Leben.
25:20Worum geht es also hier im Innenhof?
25:23Um das Miteinander von Architektur, bildender Kunst und dem Menschen.
25:27Und das ist das, wozu das MRE einlädt.
25:29Das ist ein zeitgemäßes Museumsverständnis, wenn es gelingt, über Kunst und Kultur Gemeinschaft zu kreieren.
25:37Und um es auf den Punkt zu bringen, unsere DNA ist Museum Building, ist Community Building.
25:43Ein Museum zu errichten, heißt Gemeinschaft zu bilden.
25:50Und das kostet die Stadt Wiesbaden keinen Cent.
25:53Frau und Herr Ernst haben ja gesagt, wir bauen nicht nur das Haus, sondern wir unterhalten das Gebäude.
26:01Wir bezahlen die Kulturarbeit, wir bezahlen die Mitarbeitenden und wir bezahlen auch die Vermittlungsarbeit.
26:07Das heißt, die Reinhardt und Sonja Ernst Stiftung ist die Trägerin dieses Hauses.
26:11Hier steckt kein einziger Euro Landes-, Bundes- oder städtisches Geld drin.
26:17Wovon träumen Sie dann für die Zukunft?
26:20Ich träume davon, dass viele Leute, die die Werte, die wir in diesem Haus leben, teilen und die sagen, ja,
26:28hier will ich mich engagieren,
26:29hier will ich dafür sorgen, dass diese Idee, dass ein Museum ein Ort sein kann, der unsere immer stärker auseinanderdriftende
26:36Gesellschaft zusammenhält.
26:37Da will ich mittun, diese Idee von Museum zu verfestigen.
26:47Und jetzt möchte ich hier mal mein Lieblingsbild hier zeigen, und zwar von Judith Reigel.
26:52Und, ey, das ist so fantastisch, das ist Kunst, da geht mir so richtig das Herz auf.
26:57Da zerplatzt was.
26:59Genau, ja, weil das hier ist pure Energie.
27:02Das ist ja auch die Frage, solche sowas, das kann abstrakte Kunst, wie malst du Energie?
27:06Ja, keine Ahnung, aber so auf jeden Fall.
27:12Ich kann mich an diesem Bild nicht satt sehen, und das ist abstrakte Kunst.
27:16Du kannst sie tausendmal angucken und immer wieder was Neues empfinden und entdecken.
27:24Also ich fand's fantastisch, mit dir hier durchzugehen.
27:26Du hast meine Begeisterung für abstrakte Kunst noch weiter gesteigert.
27:30Ganz danke.
27:31Ich fand's auch, ich fand's einen wunderschönen Tag.
27:33Und was ich so toll fand, was für eine Bandbreite an abstrakter Kunst wir gerade kennengelernt haben,
27:38was das alles für Formen annehmen kann, war großartig.
27:42Und ich muss auch ehrlich sagen, ich wollte schon immer mal eine Museumstoilette auf Dreisat platzieren.
27:47Und das hat heute geklaut.
27:51Hätten Sie gedacht, dass abstrakte Kunst so spannend und gleichzeitig entspannend sein kann?
27:57Einfach abtauchen in die Welt der Farben und Formen.
28:00Sie müssen nichts wissen, nichts verstehen.
28:02Nur spüren, was da gerade mit Ihnen passiert.
28:09Im Museum Reinhard Ernst fühlen Sie sich sofort willkommen und richtig wohl.
28:14Das liegt an den freundlichen Menschen hier und natürlich an der Architektur,
28:18die so modern wie einladend ist und große Ruhe ausstrahlt.
28:21Eine Oase für die Kunst.
28:26Eine wunderbare Sammlung können Sie hier entdecken mit erfreulich vielen Künstlerinnen.
28:32Alles ist so schön wie klug gehängt, gelegt und kombiniert.
28:37Eine tolle Idee ist es, auch die wichtigsten Infos zu den Werken auf den Boden davor zu schreiben.
28:42So bleiben die Wände meist frei.
28:44Und wenn Sie mehr wissen wollen, gehen Sie in die App mit vielen Audio Guides und Filmen.
28:49Oder Sie machen eine Führung.
28:52Großartig, dass Kinder und Jugendliche hier so im Mittelpunkt stehen,
28:56dass ihnen vormittags das ganze Museum gehört.
28:58Und ab 12 ist es dann für alle offen.
29:01Also nix wie hin ins Museum Reinhard Ernst nach Wiesbaden.
29:04Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
29:21Tschüss.
29:22Tschüss.
29:23Tschüss.
29:23Bye.
29:27Ciao.
29:28Bye.
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