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00:00.
00:08Achtung, Kontrolle!
00:10Ja, das glaub ich geht.
00:12Ihr seid ja schon richtig weit, das ist super.
00:14Das kann ich mir ein bissel einteilen, da rüber.
00:16Es ist immer noch ein Lernprozess.
00:18Also mich selber zu lieben ist echt schwierig.
00:22Also, ich weiß selber, was ich für Macken hab.
00:26and think often, it's incredible.
00:29It can certainly be a toy.
00:33But I have already many Macken, which I have to get into.
00:39But before 20 years were we here.
00:42But before 20 years I was on the train and went to here.
00:49That she would be Schauspielerin to be,
00:51would be, had Corinna Binzer weder planned nor hoffed.
00:56It was in 1. Linie for this story.
01:00We said that we can do it.
01:02If it was for you as a right job,
01:06that was not to see.
01:09We noticed that this is a development.
01:11That there was more fun.
01:14It was very unbeschwered,
01:16because it was not the idea that it was really played.
01:20Mit 36 Jahren stand Corinna zum ersten Mal
01:24mit Sepp Schauer und Hans Schuler auf der Bühne.
01:30Ganz kurz vor der Premiere hab ich mir gedacht,
01:32was tust du da eigentlich?
01:34Was machst du dir an?
01:36Du als Chefsekretärin, als Organisatorin,
01:39gehst jetzt da einfach auf die Bühne.
01:48Vor mich hin, mach dir sein Sinn,
01:53zu dieser schönen Salzmelorie.
02:02Corinna ist ein Münchner Kindl.
02:04Am 17. Januar 1967 im Münchner Osten geboren,
02:09wächst sie in einfachen Verhältnissen auf.
02:11Ihre Viertel sind Heidhausen und Berg am Leim.
02:22Die Trambahn-Haltestelle Amfingerstraße,
02:26früher gelegen am Münchner Milchhof,
02:28ist der Verkehrsknotenpunkt der Kindheit.
02:31Corinnas Oma mütterlicherseits
02:33besitzt einen kleinen Lebensmittelladen.
02:35Der Opa ist Taxifahrer.
02:45Hier hab ich die ersten Jahre meines Lebens verbracht.
02:48Als ich auf die Welt kam,
02:48waren meine Eltern noch nicht verheiratet.
02:50Also haben sie auch noch nicht zusammen gewohnt.
02:52Und da oben im dritten Stock waren meine Uroma,
02:57meine Omi und mein Opi, meine Mama und ich
03:00haben da zu viert gewohnt.
03:02Ihre Mutter Helga ist erst 21,
03:05ihr Vater Reinhard 25, als Corinna geboren wird.
03:09Sie fühlen sich noch nicht reif für ein Kind.
03:12Erst nach der Heirat 1970 ziehen die Eltern zusammen,
03:15nach Unterhaching, jedoch ohne Corinna.
03:18Ihre dreijährige Tochter lassen sie unter der Woche
03:21bei den Großeltern in Berg am Leim.
03:23Sie arbeiten beide ganztags und gehen abends gerne aus.
03:27Das da gegenüber, wo das so bewachsen ist,
03:31sieht man von hier noch zwei Balkone.
03:34Und der oberste Balkon, wo so ein Rangengitter ist,
03:36das war der Balkon von meiner Omi.
03:38Und der Balkon war auch mein Kinderzimmer.
03:41Mein Omi, die hatte schon eine gewisse Strenge
03:44und hat mir auch nicht alles durchgelassen.
03:46Also diese Verwöhn-Omas.
03:51Da waren die Garagen.
03:53Und immer, wenn mein Opi heimgekommen ist,
03:55der hat dann, nachdem er Taxifahrer war,
03:57in der Großmarkthalle gearbeitet,
03:59dann ist er reingefahren und hat gehupt.
04:01Da sind die ganzen Hausfrauen runter zum Auto,
04:03weil er von der Großmarkthalle mitgebracht hat,
04:05Salat und Eier.
04:08Obwohl sie bei den Großeltern aufwächst,
04:10vermisst Corinna nichts.
04:12Im großen Innenhof sind jede Menge Spielkameraden,
04:16die das impulsive Mädchen als Anführerin anerkennen.
04:20Uroma, Oma und Mama, alle sind blutjung Mutter geworden.
04:25Die Großmütter übernehmen die Kindererziehung.
04:28Corinna lebt daher in zwei Welten.
04:30Nur am Wochenende ist sie bei den Eltern in Unterhaching,
04:33wo ihre Mutter heute noch in derselben Wohnung lebt.
04:38Bist du brav da drin? Da störst du keinen, gell?
04:42Magst du ein halber oder ein kleines? So?
04:46Ich bin zum Friseur gegangen,
04:48und mein Mann ist mit dem Kinderwagen dabei gefahren.
04:51Der durfte nicht stehen bleiben.
04:53Da hat die geschrien.
04:54Wenn er wieder losgefahren ist, war wieder Ruhe.
04:57Der ist eineinhalb Stunden bloß am Nachtag.
05:00Scheins hat mir Respekt vor mir.
05:02Und so Angst haben vor dir.
05:03Das schadet nicht.
05:04Mein Vater war die Ordnung.
05:07Also wenn Ordentlichkeit einen Namen hatte, dann Reinhard Binzer.
05:11Da gab's das Kinderzimmer.
05:13Und da hab ich gespielt.
05:15Nee, im Wohnzimmer.
05:16Weil das hieß ja Wohnzimmer.
05:17Das Empfinden als Kind war er schon das strengste von allen.
05:22Meine Mama war dann immer die Harmoniebedürftig.
05:27Und dann öfter hab ich gesagt, ja, dann lass sie halt.
05:29Und so.
05:30Und ja, also mein Dad war schon der strengere.
05:32Der hat in den 70ern schon ein bisschen was von Tarantino gehabt.
05:37Weil mein Dad war klar in seinen Ansagen und in seinem Verboten.
05:42Dann ist man als Kind irgendwann so überdüber.
05:46Und das hat dann nicht so gepasst, während die Familie schaufgekopft hat.
05:49Da war's dann einfach zu laut.
05:50Und dann kam die Ansage, da sitzt die Herr, die macht Pulver aus dir.
05:54Und dann setzt du dich als Kind da hin und traust dich nicht mehr atmen, weil du Angst hast, dass
05:58du das restliche Leben in einer Dose verbringen musst.
06:01Es ist schon so, dass ich eine Burg um mich rum hab mit Zugbrücke, die ich dann runter lass, wenn
06:07ich meine, dass ich jemandem Zutritt gewähre.
06:11Doch ich bin schon eine sehr empfindsame Seele.
06:14Ich kann mich sehr schnell eigentlich verletzen, was ich dann aber in dem Moment vielleicht auch gar nicht zugib.
06:25Aber ich bin schon ein sehr sensibler, empfindsamer Mensch.
06:31In der Grundschule ist Corinna eine aufgeweckte, fröhliche Schülerin.
06:36Sie verehrt ihre Klassenlehrerin, Fräulein Bauer, die sie fördert und die sie schließlich als erste ihrer Familie aufs Gymnasium schickt.
06:47Dort muss sie sich umstellen. Viele verschiedene Lehrende, neue Fächer, viele ältere Mitschüler.
06:56Ich bin dann ins Gymnasium gekommen, da war ich dann auch immer noch bei meiner Omi.
07:00Da gab's dann Jugendliche, da war halt niemand daheim Nachmittag.
07:04Und die haben dann immer gesagt, das ist total cool, da muss man nicht lernen und so.
07:06Da hab ich mir gedacht, ja, das war für mich auch eigentlich cool.
07:11Und dann war das irgendwie nur ein Telefonanruf, wo ich dann zu meiner Omi gesagt hab, dass ich nicht mehr
07:19kommen möchte.
07:20Das würde ich vielleicht gern rückgängig machen, weil das hat das sie einfach nicht verdient.
07:28Ich hab's auch nicht mehr geschafft, dass ich mich entschuldige, was mir auch wahnsinnig leid tut.
07:32Bei diesem Anruf ist Corinna 14 Jahre alt.
07:35Sie stößt damit ihre wichtigste Bezugsperson von sich und ist von da an unter der Woche auf sich allein gestellt.
07:43Vier Jahre später ist ihre Oma tot.
07:47Ich glaub, ich bin's jetzt nicht mehr so, aber ich war früher schon eine Davonläuferin, also so Vogelstrauß-Taktik vielleicht.
07:58Wenn man einen Kopf in den Sand steckt, dann wird man selber nicht gesehen und dann sieht man nicht.
08:05In der Schule ist das schon angegangen, wenn ich einen Verweis gekriegt hab oder schlechte Noten gehabt hab.
08:13Corinna verändert sich.
08:15Rotzlöffler, aufmüpfiger Rotzlöffler.
08:17Also ich möcht kein Lehrer von mir selber gewesen sein.
08:21Respekt schon, aber immer diskutiert, alles hinterfragt und ich hab gemerkt, das unterhält die Klasse,
08:28dass ich mir selber dabei ins eigene Fleisch schneide.
08:31Dann hab ich natürlich wieder einen Verweis gekriegt und alle anderen haben gelacht,
08:35aber das war mir eigentlich wichtiger als das, dass ich dann einen Verweis gekriegt hab.
08:38Nach zwei Direktoratsverweisen und zu schlechten Noten wird Corinna der Schule verwiesen.
08:46Das ist dem rebellischen Teenager nur recht. Sie wechselt auf die Mädchenrealschule und ins wilde Teenagerleben.
08:53An ihrer Seite Freundin Andi, mit der sie die Diskotheken unsicher macht.
08:58Heute noch besuchen die beiden gerne 80er Jahre Partys.
09:02Die Corinna, wenn sie den Raum betreten hat, das war immer lustig mit ihr. Es war immer was los. Die
09:10konnte einfach ganze Tische unterhalten, damals schon.
09:13Und sie kommt gut an bei den Jungs.
09:17Die ersten, mit denen ich zusammen war, die haben alle Motorradl gehabt, mit denen bin ich rumgefetzt.
09:23Dann war ich auch Teil einer damaligen Rocker-Clique. Das war für mich ein Abenteuer.
09:29Ich hab nie irgendwie als Jugendliche die Vorstellung, mal eine Braut zu sein, Kinder zu haben, so das klassische Familienbild.
09:49Wir waren dann aus und da gab es jemanden, der mir vom Aussehen her genau nah an meinem Traummann war.
09:59Diesen Mann will sie, um jeden Preis.
10:04Ich hab ja, wie man auf gut bayerisch sagt, schon immer eine recht große Goschen gehabt, die ganze Bar unterhalten.
10:09Und dann hat mit ihm gesagt, bist du wirklich so oder tust du nur so?
10:14Und dann hab ich gesagt, musst halt dann ausprobieren.
10:19Das war diese Anziehung in diesem Moment und das musste einfach passieren.
10:25Da hat sich irgendwas, wenn man entladen sagt, das ist ja schon wieder so furchtbar.
10:31Da hat sich was entladen und ich wollt's genauso wie er.
10:33Das war mit dem einzig so eine Sache, die nie wieder mit irgendjemand anders so in der Form passiert ist.
10:42Ja, wohl hat er eine sehr durchschlagende Wirkung, weil dabei die Miriam entstanden ist.
10:53Die 17-jährige Corinna wird schwanger, von einem einzigen Mal.
10:57Sie macht die mittlere Reife und will eine Lehre beginnen.
11:01Bei einer Routineuntersuchung fällt auf, dass sie schon im siebten Monat ist.
11:07Das glaube ich war auch mit meiner Schwangerschaft, dass ich das auch sehr spät, wirklich sehr spät erst gemerkt hab,
11:14aber dann auch einen vielleicht nicht merken wollen und verdrängen.
11:18Also das kann ich schon sehr gut verdrängen und vor allem ganz viele Sachen morgen mit mir selber ausmachen zu
11:26müssen.
11:26Zuerst haben wir es ja lange nicht gewusst. Die hat das gut verheimlichen können.
11:30Wie meinen Sie, dass sie es gewusst hat?
11:33Ich glaub schon.
11:35Oder wollt's auch nicht wahrhaben, aber ich denke schon, irgendwie merkst du das ja, aber das schien wir weg.
11:41Glaub ich, so war das. Und so war das ja bis zum siebten Monat, als sie aus ihrem Zimmer kaum
11:47rausgegangen ist, dass wir nichts merken.
11:51Bis sie dann zu meinem Mann gesagt hat, da stimmt ja, irgendwas stimmt nicht, das hast du ja dann angesehen.
11:56Aber da hat sie bloß so rübergeschaut, dass wir sie ja nicht sehen.
12:00Wo meine Mama dann da war und der Arzt dann gesagt hat, ja, jetzt freuen Sie sich halt drauf.
12:06Also vertraut sie sich ihrer Mutter an.
12:08Die reagiert gefasst auf die Schwangerschaft der minderjährigen Tochter.
12:12Doch was wird der strenge Vater sagen?
12:15Wir haben uns dann am Abend getroffen und haben dann so beratschlagt, weil es gab ja da meinen Dad, um
12:22Gottes willen.
12:23Mein Dad hat nie den Ausspruch getätigt, du, wenn du mal ein Kind heimbringst, musst du ausziehen, ich schmeiß den
12:28raus.
12:29Aber selber, jetzt sag ich meinem Dad, ich bin schwanger, dann sagt er, pack deine Koffer und schleich die.
12:34Sie bittet ihre Mutter, mit dem Vater zu sprechen.
12:39So, und jetzt geht gleich die Tür auf und mein Dad donnert rein und dann ist das alles ganz schlimm.
12:47Ich bin so am Badewannen ran gesessen und dachte mir, ich muss irgendwann, muss ich aus dem Bad wieder raus
12:51und dann werde ich meinem Vater begegnen.
12:54Weil der sitzt in der Küche mit Blick zum Bad und ich kann ihn ja nicht ignorieren.
12:58Und dann bin ich nach einer gefühlten Ewigkeit, bin ich raus aus dem Bad und hab einen Versuch gestartet, ihn
13:05zu ignorieren und wieder in mein Zimmer zu gehen.
13:07Und das hab ich dann so zwei Schritt geschafft und dann hat er gesagt, geh einmal her.
13:11Und dann bin ich in die Küche rein und dann zieht er mich so auf seinen Oberschenkel zum Hinsetzen und
13:21dann setze ich mich hin und dann hat er gesagt, was glaubst du eigentlich, wie ich bin?
13:29So, Vorwurf und so, mir die Tränen schon runtergelaufen und dann hat er gesagt, bis jetzt sind wir drei durchgefahren,
13:36dann werden wir vier auch durchgefahren. Das war's.
13:40Am 21. Januar 1985 bringt Corinna ihre Tochter Miriam zur Welt. Der leibliche Vater will keinen Kontakt zu seiner Tochter.
13:50Corinna fällt es schwer, sich auf ein Leben mit Kind einzustellen.
13:54Ich glaube, dass das für meine Mama eine katastrophale Situation war, als sie es erfahren hat, dass sie schwanger ist.
14:05Weil, also realistisch gesehen, und ich bin auch alt genug, dass ich damit wirklich gut umgehen kann, ist man in
14:11dem Alter einfach keinen Wunschkind.
14:13Das ist so tief verankert in der menschlichen DNA, dass die noch die Welt kommt.
14:18Nach Miriams Geburt empfindet Corinna keine große Mutterliebe.
14:23Hast du mich an den Füßen auch aufgehangen, an der Wäscheleine, um zu schauen, ob dieser Klammerkrieg bei Kindern geht?
14:28Nein, die waren arm, gleich nach der Geburt.
14:33Ganz anders ihr Vater. Seine neugeborene Enkelin ist sein Engele.
14:38Für Mama Helga wird Miriam wie eine zweite Tochter, für die sie sogar ihren Beruf aufgibt.
14:43Sie ermöglicht Corinna damit, eine Lehre zu beginnen.
14:47Zusammen mit dem Baby wohnt Corinna weiterhin in ihrem Kinderzimmer.
14:52Sie sehnt sich nach einem eigenen Leben und einer Partnerschaft.
14:57Im Sommer 1985 begegnet sie dem Schauspieler Sepp Schauer.
15:03Ich glaub, das war bei mir im Lokal in Grünwald, als hab ich sie zum ersten Mal bewusst wahrgenommen.
15:10Es war so ein ...
15:12Opa, da schau her.
15:13Und dann kommt dieser Sepp aus der Tür raus und dann bin ich Corinna sprachlos.
15:18Erstens einmal ist sie ja nicht klein und große Frauen ist einfach schon was Schönes irgendwie.
15:26Und einer hat dann gesagt, der Sepp aus, wer bist denn du?
15:30Und ich bin mir vorgekommen, ich bin mir vorgekommen, ich bin die Corinna.
15:34Ich hab halt einfach in erster Linie mal nur Grösgott gesagt, weil ich zu allen Gästen ja immer Grösgott gesagt
15:40hab.
15:40Und dann war der Blick vielleicht um fünf Sekunden länger.
15:45Ich war selig, ne, denk mir. Das ist er.
15:50Mit 13 Jahren hatte Corinna den Schauspieler das erste Mal auf einer Münchner Bühne gesehen und für ihn geschwärmt.
15:58Schnell entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre.
16:01Doch nach ein paar Monaten macht Sepp Schluss.
16:04Ich war damals 36, die Corinna war 18.
16:08Also das ist eigentlich keine Basis für eine ernsthafte Beziehung in diesem Alter.
16:16Weil die Interessen sind doch sehr unterschiedlich.
16:20Und wenn man ein bisschen ein Verantwortungsbewusstsein hat, dann muss man das für sich auch so sehen.
16:26So schön, wie das auf der einen Seite ist.
16:29Aber auf der anderen Seite muss man halt sagen, du darfst diesen Menschen jetzt mit 18 nicht einsperren.
16:34Das geht nicht.
16:36Corinna ist wieder die junge Single-Mutter.
16:39Sie bemüht sich für Miriam da zu sein, will aber auf ihr eigenes Leben nicht verzichten.
16:45Natürlich ist es eine ganz schwierige Situation, wenn es eh nur einen Elternteil gibt.
16:54Und meine Mama hatte ja zum Glück dann auch die Möglichkeit, dass sie ihre Ausbildung und ihr Leben dann doch
17:00auch ein Stück weiter verfolgt.
17:02Weil meine Großeltern halt auch so dahinter gestanden sind.
17:06Es hat ja halt die Möglichkeit dann gegeben und dann bei den Großeltern zu sein, ist sehr schwierig zu verstehen
17:12in dem Alter.
17:14Heute kann ich das alles nachvollziehen.
17:16Aber natürlich war es da sehr schwierig, wenn auch die Mama nicht da war.
17:21Genauso wie früher Corinna wird auch Miriam von ihren Großeltern aufgezogen.
17:281989, Miriam ist gerade vier Jahre alt, bekommt Corinna von ihrem Chef ein tolles Angebot.
17:34Wenn sie in die Filiale der Firma nach Niederbayern wechselt, kann sie Chefsekretärin werden.
17:42Jetzt muss ich das natürlich auch mit meinen Eltern besprechen, weil da war die Miriam ja noch klein.
17:47Mein Chef hat in mich grenzenloses Vertrauen gehabt.
17:49Ich konnte mich einfach weiterentwickeln.
17:51Ich war Chefsekretärin und hab wirklich viel, viel selbstständig auch entscheiden dürfen.
17:58Sie zieht nach Münchsdorf in Niederbayern.
18:01Der Wechsel von der Großstadt aufs Land schreckt sie nicht ab.
18:05Zweimal die Woche fährt sie heim.
18:06Die neuen Kollegen nehmen Rücksicht darauf, dass sie eine kleine Tochter hat.
18:12Maria!
18:14Corinna!
18:16Ich will das mal ziehen.
18:18Wir waren ja damals eine eingeschworene Truppe, kann man sagen, bei uns da in Münchsdorf.
18:24Und sie hat von Anfang an reingepasst.
18:26Sie war ja nicht aufs Mai gefallen, wie man mir in Niederbayern sagt.
18:31Sie hat auch rausgegeben können und hat wirklich sofort von Anfang an da reingepasst.
18:35Und selbst wenn sie mal irgendwie Reibereien gegeben hat, man hat ja einfach nicht böse sein können.
18:43Über dem Dach ist das Chefbüro, oder?
18:46Ja, das ist das Chefbüro, das linke.
18:48Und da, wo das Fenster auf ist, da bin ich gesessen vor seiner Tür.
18:52Wie der Cerberus.
18:54An mir, es gab keinen Weg an mir vorbei.
18:57Naja, aber man tat und sofort wieder.
19:00Ist der Karrieresprung auch eine Flucht vor Verantwortung?
19:04Danke.
19:05Ciao, ciao.
19:06Bitte, bitte.
19:07Wir sehen uns.
19:08Ganz gewiss.
19:09Dankeschön.
19:18Auch wenn Corinna das Leben in Niederbayern gefällt, die Entfernung zu Miriam macht ihr zu schaffen.
19:25Ich bin einmal die Woche dann auch heimgefahren.
19:27Ich bin mittwochs meistens nach München gefahren.
19:30Eigentlich immer ein schlechtes Gewissen gehabt.
19:33Und die Miri hat mir dann aber immer ganz liebe Briefe geschrieben und Beudel gemalt.
19:37Dann habe ich nur ein schlechtes Gewissen gehabt.
19:39Aber das war dann so, dass das Wochenende ihres war.
19:42Ich war dann am Freitagnachmittag daheim und sie hat dann bestimmen dürfen, was wir machen.
19:47Und meine Mama und meine Eltern waren dann so, wenn ich den Tag mit Miriam verbracht habe,
19:52und die hat abends geschlafen, dann haben sie gesagt, jetzt hau ab und geh fort.
19:57Es hat wehgetan und da war sehr viel Sehnsucht dabei.
20:01Und es gab eine Situation in der dritten Klasse, wo dann wirklich jemand auch gesagt hat,
20:08ja, wer mag dich denn, wenn nicht mal deine Eltern da sind.
20:13Diesen Schmerz kann Corinna ihr nicht nehmen.
20:21In Niederbayern wartet eine neue Liebe auf Corinna.
20:25Ein Mann, der sie faszinierend findet.
20:32Es war eine bisschen komplizierte Beziehung, weil er hat mir gesagt, er lebt in Trennung.
20:38Und er wird sie für mich trennen.
20:41Und er ist eigentlich schon getrennt, was man ja dann glaubt.
20:44Und wenn man dann auch verliebt ist, dann wartet man.
20:48Und dann wartet man.
20:50Und dann wartet man immer noch.
20:52Und irgendwann weiß ich nicht, ob ich dann das Gefühl hatte, ob ich mir nur beweisen wollte, dass ich es
20:59wert bin, dass sich ein Mann trennt.
21:02Und das hat er letztendlich nicht getan.
21:06Aber es war vielleicht schon für mich auch ein Grund, dass aus dem drei Jahr vielleicht Arbeit hier, dass da
21:15dann fünf Jahre draus geworden sind.
21:19Miriam mag diesen Mann nicht und reagiert sehr sensibel auf ihn.
21:24Sie war immer auch nicht gut drauf und nicht unbefangen, wenn wir zusammen waren.
21:29Das hätte mir eigentlich schon eher zu denken geben können, aber ich war da sehr ignorant und egoistisch.
21:34Und das tut mir jetzt, wenn ich das alles so Revue passieren lasse, dann tut es mir eigentlich unglaublich leid.
21:41Corinna nimmt unverhältnismäßig zu. Sie kann ihrem Freund nichts recht machen und sie fühlt sich unglücklich.
21:49Um sich abzulenken und wieder ins Leben zu stürzen, sucht sich Corinna einen Nebenjob als Kellnerin am drittgrößten Volksfest Bayerns,
21:58in Karpfamm in Niederbayern.
22:03Ich war das letzte Mal tatsächlich da, 1994. Das ist schon gut irgendwie.
22:10Ich gehe eigentlich nicht gern auf Volksfest, weil ich auch keinen Alkohol trinke und so.
22:15Aber jetzt, wenn ich so da bin, das Arbeiten auf einem Volksfest, das hat schon was.
22:22Hier lernt sie Henrike kennen, die als Wirtin auf dem Volksfest ein eigenes Zelt hat und mit der sie noch
22:28heute befreundet ist.
22:29Die sind gleich geworden.
22:33Aber die noch her.
22:36Die auch.
22:38Natürlich ist das immer interessant, wenn man neue Mitarbeiter dabei hat.
22:43Dann haben wir gedacht, nein, das ist eine gestandene Frau, die bringt bestimmt schon einiges raus.
22:52Und ich kann mich tatsächlich noch total gut erinnern.
22:55Ihre ersten 14 Mastis weggetragen hat, mit einem Urschrei von der Theke weg.
23:01Also Wahnsinn.
23:04Im Festzelt ist sie stark und positiv.
23:07Doch im Privatleben sieht es ganz anders aus.
23:10Die Beziehung bringt Corinna an ihre emotionalen Grenzen.
23:14Ihr Freund lebt weiterhin sein Doppelleben und will sich nicht trennen.
23:18Ihr Wunsch nach einer gemeinsamen Familie mit Miriam rückt in weite Ferne.
23:23Ich wurde dann nochmal schwanger.
23:26Ich hab ihn dann natürlich angerufen und gesagt, ich bin schwanger.
23:29Und dann kam die Frage von wem.
23:31Und das war für mich so ein Schlag ins Gesicht eigentlich.
23:35Wo ich mir gedacht hab, man kann mir viel nachsagen. Wirklich viel.
23:39Aber ich bin ungefähr die treueste Seele, die es gibt.
23:42Und in einer Beziehung auch die ehrlichste.
23:45Diese Frage von wem, die hat ja alles impliziert, dass ich bloß, weil ich schon mal ein Kind gekriegt hab.
23:52Alle fünf Minuten mit einem anderen ins Becken.
23:54Das hat mich so verletzt.
23:55Da hab ich mich dann ganz bewusst gegen das Kind entschieden.
23:59Dann noch ein Kind von einem Vater, der dann auch nicht bereit ist, für das Kind da zu sein.
24:05Das wollte er nicht.
24:06Und das war ganz eine schnelle, emotionslose Entscheidung.
24:13Endlich schafft sie es, sich zu trennen.
24:15Sie geht zurück nach München und macht einen weiteren Karrieresprung.
24:19In ihrer Firma wird sie Abteilungsleiterin für Messen International und hat ein eigenes Budget von zwei Millionen D-Mark.
24:28In ihrer Mitarbeiterin Tosca findet sie eine wirkliche Freundin.
24:32Ich hab in der Firma angefangen.
24:34Es war mein erster Arbeitstag und stand da am Empfang und wurde so eingewiesen.
24:38Und dann ist die Lifttür aufgegangen.
24:41Ja, und dann kamen eigentlich erst mal nur Haare aus dem Haus.
24:46Viele, viele Haare.
24:48Und eine Frau dazu.
24:50Und die ist dann an uns vorbeigerauscht.
24:51Und am Donnerstag in der Früh ist dann reingekommen.
24:53Und er sagt, ich hab dich am Dienstag gar nicht begrüßt.
24:55Ich bin die Corinna.
24:56Wo kommst du her?
24:57Und ich hab gesagt, sie aus Unterhaching.
24:58Ja, sie auch.
24:59Von dem Moment an hat's passt.
25:01Zusätzlich zu ihrem Job kellnert Corinna am Oktoberfest.
25:06Sie bezieht eine Wohnung unter ihren Eltern.
25:09Doch mit Miriam gibt es ständig Streit.
25:14Eines Abends sieht sie im Fernsehen ihre Jugendliebe Sepp.
25:19Kann man Ihnen helfen?
25:20Nee, danke.
25:22Ich glaube, ich muss nur meine Geheimwaffe einsetzen.
25:25Alte Gefühle werden wach.
25:29Lachen Sie nur.
25:31Als ihre Mutter sie kurze Zeit später bittet, sie aus einem Lokal in Grünwald abzuholen,
25:36erschrickt sie.
25:37Es ist die Kneipe von Sepp.
25:40Corinna und Sepp Schauer begegnen sich nach 13 Jahren wieder.
25:46Das war im November 1999.
25:49Da ging's wieder los.
25:51Und zwar, indem sie nach Grünwald in mein Lokal kam.
25:54Ich hab was mitgebracht.
25:55Ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst.
25:58Oh, das weiß ich natürlich, was das ist.
26:03Das hast du angehabt, wie du gekommen bist.
26:05Sie stand da und ich kam aus der Küche und hab sie im ersten Moment gar nicht wahrgenommen.
26:10Dann hab ich gesagt, guten Abend Herr Schauer, früher bin ich da anders begrüßt worden.
26:15Ja, so hab ich es auch noch im Gedächtnis.
26:18Und dann hab ich mir gedacht, wenn du jetzt hinter deiner Theke rumgehst und mich in den Arm nimmst,
26:23dann wär ich ohnmächtig.
26:24Und so war's.
26:25Ich bin fast ohnmächtig geworden, aber das weiß ich noch ganz genau.
26:29Und wie lässig ich dir dann, wo wir gegangen sind, meine Visitenkarten hingeschoben hab und gesagt hab,
26:35wenn du mal Zeit hast auf einen Kaffee, dann kannst du ja anrufen, muss nicht sein.
26:41Und von da ab hab ich mir das Telefon an den Körper transplantiert und du hast am Mittwoch drauf erst
26:47angerufen.
26:47Das waren viele Tage.
26:48Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn.
26:51Nach diesem Anruf kommt es zu einem Treffen und dann zu vielen weiteren.
26:55Doch Sepp erzählt Corinna schnell, dass er gerade aus einer langen Beziehung kommt und sich jetzt nicht festbinden will.
27:06Ist es wieder eine einseitige Liebe?
27:14Ein Rückzieher deswegen, weil ich ja keine feste Beziehung wollte.
27:19Der kann so viele Frauen haben, warum ausgerechnet ich?
27:24Das war ja ganz interessant, weil ich gesagt hab, ja, ich will aber keine Beziehung oder so.
27:29Nein, ich auch nicht, das ist mir nicht wichtig.
27:32Und dann fahr ich nach Hause und dann liegt vor der Haustür eine rote Rose,
27:37da liegt ein Zahnbürstchen und dieses Gefäß, wo die Kontaktlinsen rein können.
27:42Wenn du dich dann mit einem anderen Menschen näher beschäftigst, merkst du schon, was der alles hat und ob das
27:51passt oder in der heutigen Zeit sagt man, ob das matcht.
27:55Und ich hab mich dann auch mit ihr sehr wohl gefühlt, wenn wir unterwegs waren.
28:01Das geht schleichend.
28:02Ich war einfach total glücklich und hab mir gewünscht, dass das jetzt wirklich so bleibt und dass wir jetzt zusammen
28:13können.
28:13Und dann war es gleichzeitig so unglaublich.
28:15Der Sepp, also dieser Sepp, den ich immer angeschaut hab in der Kellerschenke und dann einmal im Fernsehen und der
28:24sitzt jetzt da wirklich mit mir auf der Couch.
28:26Und wir haben jetzt gerade beschlossen, dass wir eine Beziehung haben werden.
28:31Kaffee kommt.
28:33Danke.
28:34Seit 15. März 2000 sind Corinna und Sepp ein Paar.
28:40Hätten Sie gedacht, dass der Christoph Salfeld so gewissenlos ist?
28:442009 ziehen sie in eine gemeinsame Wohnung.
28:49Sie führen eine Beziehung auf Augenhöhe, trotz des Altersunterschieds.
28:55Fangen wir noch mal an.
28:56Das sind meine Töne manchmal, tatsächlich.
28:58Sie unterstützen sich gegenseitig, nicht nur, wenn sie mit ihm den Text für seine Rollen lernt.
29:06Corinna findet endlich eine eigene Familie, wie sie es sich insgeheim immer gewünscht hat.
29:13Magst du was Süßes?
29:15Ja.
29:16Ernsthaft?
29:17Ja.
29:18Schau nicht hin.
29:20Die Sonntage gehören ihrer Tochter Miriam, deren Ehemann Marco, Sepp und Corinnas Mama Helga.
29:27Oh.
29:29Oh.
29:29Das ist ja noch nicht so gefahren.
29:33Ja.
29:34Wow.
29:35Ihr Vater, dessen Liebling Miriam war, verstirbt 2010 an einem Herzinfarkt.
29:41Wenn sich die Familie trifft, ist der Vater in Gedanken dabei.
29:47Lesen.
29:47Die Verbindung von Corinna und Sepp ändert auch für Miriam Grundlegendes.
29:53Der Sepp ist nicht der Sepp, sondern der Sepp ist mein Papa.
29:57Deswegen sind es auch nicht Mama und Sepp, sondern es sind meine Eltern.
30:01Und ich bin so froh, dass die Mama einen Sepp hat, dass sie auch geheiratet haben.
30:09Und dass er jetzt halt, also er will zum Glück glaube ich gar nicht auskommen, aber jetzt
30:14kann er es sowieso nicht mehr und mich würde er auch nie wieder loswerden.
30:19So sehe ich das auch.
30:21Und auch als sie geheiratet hat, da habe ich ihr ein Vater-Tochter-Lied gesungen und solche
30:27Sachen.
30:28Also das ist von mir schon genauso.
30:30Wenn du ein Kind mit 15 kriegst, dann ist ja das Schwierigste, denkt man, schon ausgestanden.
30:40Und das Schwierigste war ja in der Pubertät wirklich die Mutter-Tochter-Beziehung, die
30:46jetzt wieder sensationell gut ist.
30:48Aber damals war es halt schwierig.
30:50Und da war es für mich relativ gut und relativ einfach mit ihr umzugehen.
30:57Mutter und Tochter haben sich ausgesprochen.
31:01Deswegen meine Mama bedeutet unheimlich viel für mich.
31:05Und ich freue mich, dass wir, klar hatten wir nicht das engste Verhältnis, als ich klein
31:11war, weil es auch von der Distanz her nicht so möglich war.
31:14Und haben es aber geschafft.
31:16Und da bin ich sehr froh drüber, dass wir es über die Jahre einfach so richtig aufbauen
31:23und gut aufbauen und jetzt wirklich vielleicht sogar ein besseres Mutter-Tochter-Verhältnis
31:28haben, wie andere.
31:32I know it all.
31:36Ich hoffe, es schmeckt.
31:39Ich habe es mich dieses Mal ein bisschen anders gemacht.
31:42Also, einen guten.
31:45Einen guten.
31:46Dankeschön.
31:47Ernsthaft.
31:48Wenn es euch nicht schmeckt, kriegt ihr es mit heim.
31:51Doch während privat das Glück einzieht, kommt sie beruflich in eine Krise.
31:56Corinna verliert ihren gut bezahlten Job.
31:58Sie arbeitet in Teilzeit bei einer Agentur und übernimmt die Organisation eines Bühnenstückes.
32:05Ja, das war für mich Aufregung pur, weil es war ja wirklich mein allererstes Mal.
32:12Klar, Kulissen bauen, da waren wir ja dabei.
32:15Wie entsteht jetzt da eine Bühne?
32:20Und weißt du, was das Beste ist?
32:21Ich darf es dir zeigen.
32:2420 Jahre Putzen.
32:29Die zwei haben die Kulissen gebaut beim Hans in der Werkstatt.
32:34Auch Sepp durchlebt in dieser Zeit eine berufliche Krise, hat kaum Rollenangebote.
32:40Zusammen mit seinem Schauspielkollegen Hans Schuler will er zwei Tschechow-Stücke auf Bayerisch
32:45auf die Bühne bringen.
32:47Corinna interessiert, wie Sepp und Hans die Rollen erarbeiten.
32:50Gut, packen wir's.
32:53Bei den Proben liest sie den Text der noch unbesetzten weiblichen Rolle.
32:5920 Jahre nach der Premiere werden nun die beiden Stücke zum letzten Mal gespielt.
33:06Als wir beschlossen haben, dass wir diese beiden Tschechow-Einakter machen, hat uns schlicht
33:11und ergreifend eine Frau gefehlt.
33:13Ja, und haben immer noch überlegt, wen könnte man noch fragen.
33:17Und dann, die eine haben wir gesagt, nein, die wollen wir nicht.
33:21Die andere hat dann wieder keine Zeit gehabt und du lässt ja dann Namen, Revue passieren.
33:28Und das hat alles nicht so richtig gepasst.
33:31Weil ich gesagt hab, du, wie geht's jetzt raus?
33:34Filmt man überhaupt?
33:36Meinst du, dass wir noch eine Frau finden?
33:37Und währenddessen haben wir aber schon geprobt.
33:40Und die Corinna war immer dabei und hat immer diesen weiblichen Part gelesen.
33:45Hat die Texte immer mehr verinnerlicht und hat sie immer mehr hineingesteigert und hat
33:51immer mehr diese Figur, diese Siglinde gespielt beim Lesen.
33:56Und darum rede ich auch mehr oder weniger von einem Zufall.
33:58Plötzlich hab ich mir gedacht, ja, da haben wir's ja eigentlich, unser Siglinde.
34:03Und dann hab ich blauäugig gesagt, oh, freilich mach ich das.
34:07Erst später, als das dann gesickert ist, sag ich mal zu mir selber, spinnst du eigentlich?
34:12Was machst du dir da an?
34:14Ich mein, ich hab ja ganz einen anderen Job gehabt, ich wollte ja nur das Theater organisieren,
34:19wo wir spielen, Einladungen verschicken, aber nicht selber mit auf die Bühne gehen.
34:24Und dann hab ich wirklich Muffensausen gekriegt.
34:26Und ich, mich, wo keiner kennt, mit euch zwei, die immer im Fernsehen sind,
34:31ich soll auf so eine Bühne gehen und dann das Proben.
34:35Also mit dir war das Proben ja immer angenehm.
34:38Wenn wir zwei dann geprobt haben, dann hat er, naja, was heißt, der Ton schärfer nicht,
34:43aber ungeduldiger.
34:44Bis ich dann echt das Buch irgendwann fast durch die Wohnung geschmissen hab und gesagt hab,
34:50dann such da halt doch eine, die es kann.
34:53Und dann hab ich gesagt, ja, passt, Drama, Kunst schon, jetzt können wir weiter proben.
34:59Ja, das können sie, die Hupfhaufe.
35:04Schnaufen, du, da auch nicht mehr. Schnell, Doktor, schnell!
35:10Jetzt hat er grad ein bissel gelebt.
35:13Ob Schauspielerei einmal ihr Beruf werden könnte, darüber denkt Corinna nicht nach.
35:19Was dieses Stück betrifft, hat sich unsere Spielweise nicht verändert.
35:23Und wir spielen das heute noch so, wie wir es vor 20 Jahren gespielt haben.
35:29Ich glaub, ich hab alle Gefühlswelten durchlebt.
35:32Ich weiß auch gar nicht, ob ich wirklich richtig geschlafen hab.
35:35Ja, ich hab deinen Finger.
35:36Ich mein, bei mir geht das mit Gefühl und zack.
35:38So, alles klar.
35:40Er hängt.
35:41Ich weiß, dass wir auch hier waren, aufgebaut haben, Generalprobe gehabt haben.
35:47Und da war ja niemand da, nur wir drei.
35:49Und da hab ich mich eigentlich ganz gut gefühlt.
35:51Weil das Schlimmste war für mich gewesen, wenn ich meinen Text nicht kennen hätte.
35:54Das weiß ich noch ganz genau.
35:55Und dann war das wunderbar.
35:57Ich probier.
35:58Ja, probier.
36:00Gut, und jetzt geht's auch entsprechend streng.
36:02So war's gut.
36:03Ist schief genug.
36:03Ja, locker.
36:06Und dann sind wir heim und dann kamen wieder diese Zweifel.
36:10Warum tue ich das?
36:11Ich kann's ja eigentlich gar nicht.
36:14Und ich glaub, ich hab nicht wirklich gut geschlafen.
36:18Und dann hab ich in der Nacht auch Traum, wirklich Albträume, dass ich auf die Bühne gehe.
36:23Und der Hans und der Sepren französisch.
36:26Und ich kann ja nicht französisch.
36:28Also hab ich dann Angst gehabt, ich kann gar nicht mitspunnen.
36:30Es war wirklich ein Gefühlschaos pur.
36:36Wie vor 20 Jahren steht Freundin Tosca Corinna auch heute zur Seite.
36:50Die anderen zwei haben schon improvisieren können, wenn er mal ein Hänger war oder was.
36:54Und das war natürlich von Corinna komplett schwer als Anfängerin.
36:58Mir sind Sachen durch den Kopf gegangen von, ich geh jetzt einfach nicht raus, das kann ich nicht machen.
37:04Gibt's noch irgendwo einen Schnaps?
37:06Ich war hinterm Vorhang gestanden und hab mir echt gedacht, ich brauch jetzt glaube ich erst einmal einen Spuck einmal
37:11für sie.
37:12Unmittelbar vor dem Auftritt wollte ich den ersten Satz, den ich gleich sagen muss, einfach für mich nochmal sagen, er
37:18war nicht da.
37:19Also in meinem Kopf war gar nichts und das war eigentlich total schlimm.
37:22Mein Gott, auch wenn ich da grad besser schlafen könnte, gell.
37:26Komm, geh ins Bett.
37:28Was das bloß ist, die Reißerei und das da, die Kupfe und Leberweh und Nürnzüge und Lungensteher und neuerdings hab
37:37ich da an der Seite auch noch so ein Brennen.
37:44Und dann ist er da, der Moment, in dem Corinna zum ersten Mal vor Publikum spielt.
37:59Sie merkt, wie sie sich langsam stabilisiert und ins Spielen kommt.
38:05Im Premierenpublikum sitzt auch die Regisseurin Steffi Kammermeier.
38:08Da hab ich die gesehen, da bin ich vor Verzückung fast vom Stuhl gefahren, muss ich wirklich sagen.
38:13Weil die so eine Präsenz hatte, das war unfassbar.
38:19Eine Frechheit, eine Derbheit.
38:22Also toll, weil sie diesen Charakter so was von direkt gespielt hat und stolz auch.
38:29Und dann bin ich da raus und dann war das, ich bin mir vorgekommen als eine Hochseilkünstlerin und das war
38:35ein super gutes Gefühl.
38:37Und dann die Verbeugung nach der Premiere, da hab ich mir gedacht, das habt ihr jetzt davon.
38:42Das möchte ich jetzt immer haben und möchte immer mit euch Theater spielen.
38:47Nachdem ich ja die Komödienstadelbücher auch selber schreiben konnte, hab ich mir gedacht, jetzt schreibe ich dir was rein.
38:53Und hab sie dann, glaub ich, im Februar 2004, mein ich, hab ich dann gesagt, du, wie wär's, probieren wir's.
39:02Ja, holli, Spatzl, du musst dir jetzt doch mal trauen.
39:05Ja, wie denn?
39:07Mein Glieb kennt doch keine Grenzwurst.
39:10Hingeh, anpacken, zack, aus die Maus.
39:13Als ich angefangen hab mit den ersten Komödienstadel, war ich in einem Alter, das es gar nicht oft gab.
39:22Erstens durch meinen Dialekt noch.
39:25Und dann war ich noch nicht die alte, aber auch nicht mehr die ganz junge.
39:31Das werden sie auch noch nicht lustig machen, Herr Burgermeister. Für viele von uns ist ein ...
39:35Damals war's halt so, dass ein Regisseur auch noch sagen konnte, die hätt ich gern.
39:39Aber Sie lassen da keine Zweifel aufkommen.
39:41Wie meinst du denn das?
39:42Die hat mir gefallen und hatte da noch mehr Mitspracherecht, wie's ja heut oft eben nimmer ist.
39:48Bist du denn vielleicht jemand, der mir eineinhalb Stunden so was auf sich aufpassen kann?
39:52Und dann wirst du so weitergereicht und weiterempfohlen und oft fragst du, wie kommen die jetzt auf mich?
39:57Und das ist ganz toll, bis hin, dass du dann mal in einem Münchner Tatort,
40:03auch wenn's nur ganz eine kleine Rolle war, für mich war die so sichtbar und es steht in meiner Vita
40:09drin,
40:09dass ich in einem Tatort mitgespielt hab, also das ist unglaublich.
40:12Darf ich mich kurz setzen?
40:16Dankeschön.
40:19Die Lena ist jedes Wochenende gekommen und hat uns im Stall geholfen.
40:25Sie wollten ja nach München, sie wollten wieder zurück.
40:30Ich bin bis zu einem gewissen Grad schuld, dass ihr Lebensweg ein ganz anderer geworden ist.
40:36Und wir wissen ja alle, dass Schauspielerei jetzt bei uns nicht was ist, was sehr hoch gelobt und sehr hoch
40:47bezahlt wird.
40:48Also schon, wenn du Arbeit hast, das ist der schönste Beruf der Welt, wenn du Arbeit hast.
40:53Wenn du keine Arbeit hast, ist es nicht ganz so schön.
40:56Das ist eigentlich das Schlimmste für mich, dass dieses Nichtwissen kommt Arbeit oder kommt Chorarbeit,
41:05weil ich bin ja eine totale Planerin.
41:07Die Corinna ist Mitte 50. Schwierig. Schwierig für, sogar für Stars, mit Mitte 50 Arbeit zu bekommen.
41:17Dann ist sie bayerisch.
41:18Meine Agentin ruft an und sagt im leisen Ton, du Corinna, es ist leider nichts geworden.
41:30Die Hauptrollen, die spielt jetzt die Ander.
41:37Ich spiele Verständnis, du nein, das macht mir nichts aus.
41:42War ja noch ein Casting und ich bin halt raus, ja.
41:46Mit zwei, drei, vier Drehtagen ist es immer schwierig, so in Erscheinung zu treten,
41:54dass irgendjemand sagt, die brauche ich unbedingt.
41:57Schreiben hilft mir insofern, als dass ich damit immer Lücken füllen kann.
42:04Ich schaffe das, ich schaffe das.
42:06Hat sie keine Engagements, arbeitet Corinna an Soloprogrammen
42:10und entwickelt auch zusammen mit Sepp eigene Bühnenstücke und Drehbücher.
42:15Sie hat ihre Berufung gefunden.
42:19Viele meiner Träume haben sie bewahrheitet, dass ich mit meinem Traummann zusammen sein darf.
42:27Dann ist natürlich so ein Traum auch, dass aus deinem Kind ein guter Mensch wird.
42:32Und Miriam ist wirklich eine so wünschenswerte Tochter.
42:36Also ja, mein Traum ist es einfach auch, dass es so weitergeht mit uns als Familie.
42:41Und ein paar Träume soll man sich ja auch immer aufbewahren,
42:45weil es wäre ja schade, wenn man dann keinen Traum mehr hat.
42:49so.
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