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00:03Der Kälte trotzen. Das reizt und fasziniert uns. Immer mehr Menschen suchen die Kälte ganz bewusst.
00:12Für mich hat sich durch das ganze auch mein ganzes Leben gewandelt. Von einer Sekunde auf die andere war ich
00:20einfach bei mir.
00:22Zuerst fühlen wir uns ganz wach und präsent für einen Moment und es werden dann auch Glücksgefühle ausgelöst.
00:31Aber Kälte macht uns auch Angst. Denn für unseren Körper und unseren Geist ist sie eine enorme Herausforderung.
00:41Kälte war meine größte Angst. Aber es inspiriert mich auch mega.
00:46Ich merke, je mehr ich raus aus meiner Komfortzone gehe, desto mehr entdecke ich eigentlich meine Potenziale, was ich erreichen
00:53kann.
00:55Was können wir von denen lernen, die sich der Kälte stellen?
00:59Gott im Himmel, Alter! Boah!
01:01Die sogar extreme Temperaturen von minus 110 Grad aushalten.
01:06Mit Betreten des Raumes ist einfach nur... Es zieht sich alles zusammen.
01:10Raus hier!
01:12Was schön ist, danach tut dir nichts weh. Gar nichts!
01:17Welche heilsamen Kräfte hat Kälte? Und wie können wir von ihr profitieren?
01:23Wir können uns tatsächlich an die Kälte gewöhnen. Der Vorteil, wenn man kältetolerant ist, ist, dass man die reduzierte Temperaturen
01:31als angenehmer empfindet.
01:33Das bedeutet, ich muss zu Hause die Heizung weniger aufdrehen.
01:38Wie können wir unser Kälteempfinden verändern? Und wie viel Kälte ist gut für uns?
01:51Das Spannende an diesem doch einfachen Reiz ist, dass wir ihn uns in der Rehabilitation, aber auch in der Medizin
01:59zunutze machen können, um Schmerzen zu reduzieren, aber auch um die Leistung zu steigern oder eben gar um unsere Gesundheit
02:05zu fördern.
02:06Mein Name ist Schornauer Erich. Ich bin Rehabilitationswissenschaftler an der Fachhochschule Südschweiz in Langquart und Dozent an der Internationalen Hochschule
02:15TIM.
02:15In unserem Labor untersuchen wir, wie sich Kälte auf den menschlichen Körper auswirkt.
02:23Das Faszinierende an der Kälte ist, dass unser Körper sehr sensibel reagiert auf nur geringe Temperaturschwankungen und dass er uns
02:31aber auch ermöglicht, durch ganz gezielte Anpassungsmechanismen immer noch Leistung zu bringen, selbst in extremen Situationen.
02:44Es kostet mich immer wieder Überwindung, ins kalte Wasser reinzusteigen, weil das kalte Wasser wird nicht wärmer. Es ist immer
02:51wieder kalt.
02:54Ich sage, warum tue ich mir das an? Warum kann ich einfach nicht so in der Komfortzone leben?
03:00Aber ich finde es schön, wenn man sich phasenweise so herausfordert und phasenweise sich solche Ziele setzt. Das macht das
03:07Leben viel spannender, viel bunter.
03:13Ich bin Denise Kayedelen. Ich bin Wirtschaftspsychologin.
03:17Wenn ich nicht fulltime arbeite, findet man mich im Wasser. Meine größte Leidenschaft ist Schwimmen.
03:23Und mein nächstes Ziel ist Ärmelkanal zu überqueren und da habe ich riesen Respekt vor.
03:35Der erste Moment, wenn man dann in diesem kalten Wasser ist, mein Herz fängt an richtig zu rasen. Der Kopf
03:42sagt, oh Gott, es ist kalt, du stirbst, geh raus.
03:49Aber mittlerweile habe ich gelernt, dass ich meinen Kopf und meinen Körper kontrollieren kann und weiß, es ist nichts Schlimmes.
03:54Kälte ist nichts Schlimmes.
04:01Mit 18 hatte ich so dieses Traum, Ärmelkanal zu überqueren. Das ist so das ultimativste, größte, was man erreichen kann.
04:09Seit Jahrzehnten gibt es das Ärmelkanalschwimmen. Und die Schwierigkeit ist, das Wasser ist eisekalt.
04:16Und man schwimmt 10 bis 15 Stunden in der Kälte. Und vor allem, es gibt Elbe und Flut, sehr, sehr
04:23viele Wellengänge und sehr viele unkontrollierbare Bedingungen.
04:28Das ist eine absolute Extremleistung. Und man muss an die Kälte adaptiert sein, um so eine Leistung überhaupt erbringen zu
04:36können.
04:40Also ich trainiere jeden Tag mindestens eine Stunde schwimmen. Am Wochenende immer Langstrecken schwimmen, sprich drei Stunden, vier Stunden bis
04:47sechs Stunden Trainings.
04:49Das ist so meine Vorbereitung. Also Ziel ist wirklich, dass man so auf so einem Niveau kommt, dass man unter
04:5415 Grad sechs Stunden nonstop schwimmen kann.
04:59Wir verlieren natürlich im Wasser viel mehr Wärmeenergie, weil wir natürlich viel mehr Kontaktoberfläche haben mit dem Medium Wasser gegenüber,
05:08wenn wir uns draußen in der Natur bewegen, wo wir ja in der Regel auch bekleidet sind.
05:13Bei gleicher Temperatur gibt ein Körper im Wasser etwa 25 Mal mehr Wärme ab als an der Luft.
05:19Das liegt daran, dass die Moleküle im Wasser viel näher beieinander liegen. Dadurch können sie Wärme viel schneller weiterleiten und
05:26so dem Körper entziehen.
05:28Deswegen frieren wir im Wasser schneller. Vor allem, wenn wir uns bewegen, weil wir dann den Wärmepuffer auf unserer Haut
05:34verlieren.
05:36So um die neun bis zehn Grad war es. Und das hat man so richtig gemerkt, dann fängt es an,
05:42so richtig zu kribbeln. Und ich merke halt, meine Finger sind ein bisschen taub.
05:47Die Normaltemperatur vom menschlichen Körper liegt um die 37 Grad Celsius. Der Körper möchte um jeden Preis diese Körperkenntemperatur aufrechterhalten.
05:58Wenn der Körper mit der Kälte in Berührung kommt, dann registrieren das in erster Linie unsere Thermosensoren unter der Haut.
06:05Es wird ein Signal ans Gehirn gesendet. Das kommt dann im Hypothalamus an. Das ist unser thermoregulatorisches Schaltzentrum.
06:13Dort wird dann die Ist- und die Solltemperatur gegenübergestellt. Das Blut wird umgeleitet in die lebenswichtigen Organe.
06:22Und was wir auch noch beobachten können, dass sich eine Gänsehaut bildet. Das bedeutet, die Härchen stellen sich auf.
06:28Und das bildet dann wie einen isolierenden Luftpuffer über unseren gesamten Körper.
06:36Ja, das merkt man so richtig in den Adern. Und ich merke halt, meine Finger sind ein bisschen taub.
06:44Ja, aber es ist halt ein mega geiles Gefühl. Danach fühlt man sich so irgendwie voll erleichtert.
06:54Auf extreme Kälte reagieren wir mittels dem Kälteschock sehr vergleichbar.
07:00Es kommt dabei zu einer massiven Ausschüttung von Stresshormonen.
07:04Die alltägliche Kältewahrnehmung ist jedoch sehr unterschiedlich.
07:14Ich komme aus Polen, deswegen vielleicht das Winter macht mir keine Angst.
07:21Ich heiße Katarzyna Breczko. Ich arbeite in der Spedition River im Tiefkühl-Lager bei minus 18 Grad.
07:30Hey, hey, hey!
07:35Für jemanden, der sich nicht kennt, das ist bestimmt ein Schock.
07:44Also das Gesicht spürt das zuerst. Dann kommen die Hände und Füße nach.
07:55Ich bin die Einzige, die eigentlich damit kein Problem hat.
08:03Kleine.
08:04Ich verstehe selber nicht warum, aber Kälte ist für mich etwas besser als Wärme.
08:11Meine Arbeitskollegen, sie müssen schon manchmal auf die Toilette gehen oder etwas warmes Kaffee trinken.
08:18Weil sie sagen selber, ich kann nichts mehr aushalten.
08:21Also das Körper und das Muskel praktisch bei denen ist ja sehr angespannt.
08:26Wie wir Kälte empfinden, wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst.
08:31Körpergröße und Muskelmasse spielen eine wichtige Rolle.
08:35Größere Menschen verlieren weniger Wärme, weil sie im Verhältnis eine geringere Körperoberfläche haben als kleinere.
08:41Wer mehr Muskelmasse hat, verbrennt bereits im Ruhezustand mehr Energie.
08:46Das sorgt für eine stärkere Wärmeproduktion.
08:48Auch die Gene haben Einfluss.
08:50Jedem fünften Menschen fehlt das Protein Alpha-Aktinin-3.
08:54Ihre Muskeln produzieren Wärme effizienter.
08:58In so einem Kältelager benötigt man Energie, um zu arbeiten, aber man benötigt natürlich auch extra Energie, um den Körper
09:05warm zu halten.
09:06Und dann kann es natürlich schon sehr gut sein, wenn man nicht regelmäßig Pausen macht oder wenn man nicht regelmäßig
09:12Energie zuführt, dass man auskühlt und dadurch sich die Konzentration verschlechtert.
09:18Welche Nummer hast du genommen? Zeig mal.
09:21Ich habe 18.
09:25Wenn man sich schon erwärmt hat und gehen wir wieder zurück mit minus 18 Grad, dann ist ja natürlich so
09:31ein Schock für die ersten fünf Minuten.
09:34Aber dann langsam, man dran gewöhnt sich wieder.
09:40Der häufige Wechsel zwischen warm und kalt ist ein gutes Training für die Gefäße.
09:45Gleichzeitig bedeutet er für den Herzmuskel und die Gefäßwende auch Stress.
09:49Die Kälte löst eine Verengung der Gefäße aus.
09:52Das Herz muss das Blut dann gegen einen erhöhten Widerstand durch die Adern pumpen.
09:56Das heißt, der Blutdruck steigt.
09:58Neueste Forschungsergebnisse belegen, dass das sogar dann passiert, wenn nur das Gesicht gekühlt wird.
10:05Im Normalfall kann unser Körper sehr gut auch mit extremen Temperaturschwankungen umgehen.
10:12Gefährlich kann das Ganze tatsächlich werden, wenn Vorerkrankungen am Herz-Kreislauf-System herrschen.
10:17Dann kann das sein, dass das unter Umständen zum Herzinfarkt führt, was erklären könnte, dass es zu vermehrten Sterbefällen in
10:23der Wintersaison kommt.
10:25Der milde Wechsel zwischen kalt und warm und warm und kalt, das kann aber auch einen positiven Effekt auf unseren
10:33Körper haben.
10:34Wir sind fast nie krank.
10:36Meine Arbeitskollegen sind fast nie erkältet.
10:41Und das wundert uns auch, weil, ja, es ist dort einfach kalt und wir dachten, wir werden etwas auf das
10:48erkältet. Aber irgendwie doch nichts.
10:55Die Studienlage zu Kältetraining in Bezug auf das Immunsystem ist relativ dünn und wird kontrovers diskutiert.
11:05Das Ziel von unserer Studie im Labor ist es, die entscheidende Komponente herauszufinden, die dazu beitragen kann, ob das Kältebad
11:13einen positiven Einfluss haben kann auf den menschlichen Körper.
11:17Tief durch die Nase einatmen, Mund ausatmen. Okay. Und die Zeit läuft.
11:24Die Probandin wird jetzt fünf Minuten in zehn Grad kaltem Wasser verbringen und während dieser Zeit werden wir die Körperkerntemperatur
11:32kontrollieren, aber auch überprüfen, wie sich die Herzfrequenz verändert und die subjektive Wahrnehmung.
11:38Dann darfst du mir bitte nochmal sagen, wie sich das anfühlt für dich, die Wassertemperatur?
11:45Minus vier immer noch.
11:46Minus vier, sehr kalt. Und wie empfindest du das Minus vier?
11:51Ich würde sagen, drei.
11:53Sehr unangenehm.
11:55Das Problem ist tatsächlich, dass es sehr viele beeinflussenden Parameter gibt in diesem Bereich.
12:01Beispielsweise, wie lange bade ich? Bei welcher Temperatur bade ich?
12:04Und natürlich haben auch die Probanden selber einen riesen Einfluss auf den Effekt des Kältebades.
12:10Da spielen wesentliche Rollen, wie beispielsweise der Trainingsstatus, der emotionale Zustand von den Probanden, aber auch, wie stehen sie dem
12:19Ganzen gegenüber.
12:24Mir hilft die Kälte jeden Tag aufs Neue, mich einfach selber nochmal zu spüren und wie so einen kleinen Reset
12:30zu machen im Nervensystem.
12:33In meinem früheren Leben war ich Unternehmensberater und habe dann vor einigen Jahren für mich festgestellt, dass das nicht unbedingt
12:39der gesündeste Lifestyle ist, den man haben kann,
12:41sondern dass man da sich viel mehr um den Körper kümmern muss.
12:47Und hier war für mich das beste Instrument, was ich irgendwie finden konnte, war eben die Kälte.
12:56Mein Name ist Rolf Duda, ich bin Biohacker und strebe danach, die beste Version von mir selbst zu werden.
13:052014, da hatten wir eine Fehlgeburt und ich habe das erste Mal gemerkt, dass sich das, was ich gerade tue,
13:17eben nicht mehr richtig anfühlt.
13:20Nach diesem Ereignis bin ich im Januar in den Thuner See hier gegangen. Der hatte damals so vielleicht fünf, sechs
13:28Grad.
13:30Und das war dann wie ein magischer Moment. Also von einer Sekunde auf die andere war ich einfach bei mir.
13:37Das heißt, ich war das erste Mal vollkommen mit mir im Gleichgewicht, habe mich selber wahrgenommen, gespürt und auch gemerkt,
13:45dass nachdem dieser erste Schockmoment vorbei war, ich selber Ruhe und Kontrolle in meinen eigenen Geist bringen konnte.
13:53Und das war ein Gefühl, was mir bis zu diesem Zeitpunkt völlig fremd war.
13:58Grundsätzlich ist es so, dass die Exposition gegenüber Kälte so einen Arousal-Zustand auslöst.
14:03Das heißt, man wird aktiviert, auch nicht nur körperlich, sondern auch psychisch und fühlt sich für einen Moment eher wacher
14:09und präsenter.
14:12Mein Name ist Katharina Hüfner, ich bin Fachärztin für Neurologie sowie Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin
14:18und habe eine Universitätsprofessur für Sportpsychiatrie.
14:22Wenn eine Stressreaktion ausgelöst wird, dann gibt es ja immer einen bestimmten Stressort, auf den sich dann der Körper und
14:29die Psyche fokussiert.
14:30Dann wird eben alles darauf ausgerichtet, diesen Stressort zu bewältigen und alles drumherum wird sozusagen in dem Moment vernachlässigt.
14:44Kälte ist für mich mittlerweile ein Werkzeug. Auf das will ich nicht verzichten, weil das dich einfach in Nullzeit in
14:50der Extremsituation bringt.
14:52Und in der Kälte siehst du, wie du dich in schwierigen Situationen verhältst.
14:57All die verrückten Ideen, die man sich selber aufsagt, wie ich kann das nicht oder ich muss früher raus, die
15:03in der Kälte hochkommen,
15:04die werden auch in jeder anderen schweren Situation in deinem Leben eben aufpoppen.
15:07Und das zu beobachten und gleichzeitig zu wissen, dass du selber die Kontrolle hast, dich aus dieser hohen Stressphase wieder
15:15runter zu regulieren und Kontrolle in deinem Leben zu übernehmen,
15:18das gibt dir eine unglaubliche Power und hilft dir natürlich in allen Lebenssituationen.
15:30Das Einsteigen ins Eis ist ein ganz meditatives Erlebnis und wenn du dann einmal drin bist und merkst,
15:40wie du aus dieser Explosion der Unruhe mit jedem Atemzug dich beruhigst und ruhiger wirst und mehr zu dir kommst,
15:46das ist einfach unglaublich, das kann man kaum beschreiben.
15:59Du merkst, wie dir das Blut sprichwörtlich in den Adern gefriert und du merkst aber auch, wie dein Geist innerhalb
16:07von einer Millisekunde alles um dich herum ausblendet.
16:10Bei einem extremen Kälteerlebnis schaltet unser Hormonsystem auf Alarm.
16:15Kälte bedeutet für unseren Körper Stress. Das führt zu einer Ausschüttung der Stresshormone Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin.
16:24Interessanterweise werden aber auch Endorphine, also Glückshormone ausgeschüttet.
16:28Sie tragen dazu bei, dass wir uns trotz der Stressreaktion nach dem Kältebad gut fühlen.
16:34Was wir sicher wissen, ist, dass während dem Kältebaden Glückshormone ausgeschüttet werden und was wir auch mit Sicherheit wissen, ist,
16:42dass eine Vielzahl von Stresshormonen ausgeschüttet werden.
16:47Wir wissen da noch nicht, was die korrekte Dosierung ist.
16:50Hallo, herzlich willkommen.
16:53Und wir wissen auch noch nicht, was die entscheidende Komponente ist, die man dazu beitragen kann, dass es einen positiven
16:59Einfluss auf das Immunsystem hat.
17:01Dann bitte einmal komplett drehen.
17:07Sobald du bereit bist, kannst du einsteigen und das Ganze wird dann für fünf Minuten durchgeführt.
17:17Ja, sehr gut. Perfekt. Hände noch verschränken und die Zeit läuft.
17:24Was wir jetzt schon sehr schön feststellen können, ist, dass Rolf viel weniger zittert als die nicht kältetrainierte Person von
17:33gestern.
17:33Das bedeutet, dass das Muskelzittern nimmt ab. Er ist schon an diese kalten Temperaturen gewöhnt und dementsprechend reagiert sein Körper
17:41nicht mehr so heftig auf diese Stressreaktion.
17:43Und wie empfindest du das?
17:45Okay, super.
17:48Wir sehen, dass kältetrainierte Personen einfacher ihre Körperkerntemperatur absenken können.
17:54Wir sprechen da von einer sogenannten Hypo-Thermen-Adaption.
17:58Und was wir auch sehen, ist, dass die kältetrainierten Personen die kühlen Temperaturen als angenehmer empfinden gegenüber denjenigen, die nicht
18:08kältetrainiert sind.
18:09Dann darfst du im Anschluss jetzt rauskommen.
18:12Bitte den Körper nur etwas abtrocknen.
18:18Interessant ist, direkt nach dem Aussteigen beginnt der kältetrainierte bereits wieder seinen Körper stark zu erwärmen.
18:26Außerdem können wir durch den regelmäßigen Kältereiz, so die Annahme der Wissenschaft, unseren Körper dazu bringen, mehr weiße Blutkörperchen zu
18:34produzieren.
18:35Diese arbeiten als eine Art Polizei im Körper und sind darauf spezialisiert, Krankheitserreger wie Bakterien, Pilze oder Viren zu erkennen
18:43und zu zerstören.
18:44Mehr Leukozyten führen also zu einer stärkeren Immunantwort.
18:49Allerdings sorgt zu viel Kältestress für eine vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen.
18:53Das schadet den Zellen des Immunsystems und schwächt es wieder.
18:59Wenn man sich die Resultate in der wissenschaftlichen Literatur ansieht, dann kann man feststellen, dass man früher postuliert hat, dass
19:07so die ideale Applikationsdauer bei 10 bis 13 Minuten lag, bei einer Wassertemperatur von ungefähr 10 Grad Celsius.
19:15Neuere Studien zeigen jedoch, dass kürzere Applikationsdauer vermutlich einen besseren Effekt haben als längere Eintauchzeiten.
19:23Wenn ich jetzt mit so einer Vergleichsperson im Wasser wäre, ohne Ende, wäre das dann für mich schneller gefährlich oder
19:31switcht mein Körper dann irgendwann in einen anderen Modus?
19:33Es ist tatsächlich so, dass kältetrainierte Personen mehr Wärmeenergie abgeben können, gerade im kalten Wasser, und dass sie auch diese
19:42Kälte als angenehmer empfinden.
19:44Und dadurch ist es für kältetrainierte Personen einfacher, dass sie in dieses Unterkühlungsstadium fallen, weil sie nehmen eben dieses kalte
19:53Wasser gar nicht mehr so extrem wahr.
19:56Und darum sollten eben genau auch kältetrainierte Personen besonders Acht geben, dass sie nicht unterkühlen, auch wenn sie sich vermeintlich
20:03im Wasser wohlfühlen.
20:05Mhm.
20:11Die letzten drei Jahre, kann ich sagen, sind all meine Urlaubstage ins Schwimmen reingeflossen.
20:16Es ist sehr, sehr wichtig, dass man nochmal so eine Generalprobe macht.
20:21Kamil Recha Aysaran ist mein Trainer. Er ist sozusagen der English Channel Gurgu aus der Türkei. Er hat selber mehrfach
20:28den Ärmelkanal überquert.
20:33Und er muss wissen, wie ich im Wasser agiere, wie ich agiere, wenn ich gereizt bin, wenn ich müde bin,
20:38wenn es mir nicht mehr gut geht.
20:43Eigentlich hatten wir die Hoffnung gehabt, dass es so 15 Grad ist oder 14.
20:47Und als ich dann da ankam, es war, ich glaube, 13 Grad. Und es war sehr herausfordernd, weil ich bin
20:54noch nie lange bei 13 Grad geschwommen.
21:04Und das war so eine Grenzerfahrung wieder für mich.
21:10Kälte war meine größte Angst, weil als ich 21 war, hätte ich die Chance gehabt, in den Nationalmeisterschaften zu schwimmen.
21:17Das Wasser war eisekalt, 17 Grad. Nach einer halben Stunde sind 90 Prozent aller Schwimmer rausgegangen.
21:24Aber ich wollte unbedingt dieses Ziel erreichen. Ich bin geschwommen, geschwommen. Ich habe meine Orientierung irgendwann verloren.
21:31Schiedsrichter sind gekommen, haben gesagt, Denise, du musst raus. Ich wollte nicht raus. Ich wollte bis zum Ende schwimmen.
21:44Am Ende habe ich mich im Krankenhaus gefunden, meine Augen geöffnet mit einer Elektro-Decke.
21:51Das heißt, ich hatte eine komplette Unterkühlung, mein Bewusstsein verloren.
21:56Die Unterkühlung beginnt, wenn unsere Körperkerntemperatur über 2 Grad abfällt, also sprich unter 35 Grad Celsius abfällt.
22:05Sollte die Körperkerntemperatur dann aber nur noch um wenige Grad weiter senken,
22:09dann hat das Bewusstseinsstörungen, aber auch dann Herzrhythmusstörungen zur Folge.
22:14Nach dieser Situation habe ich mega Angst vor Kälte gehabt. Kaltwasser war für mich assoziiert mit Sterben.
22:23Deswegen habe ich sogar zehn Jahre lang nichts gemacht. Ich habe noch nicht mal kalt geduscht.
22:28Es war ein sehr, sehr langer Prozess.
22:36Das Training in der Türkei war sehr, sehr wertvoll. Die sechs Stunden bei 13, 14 Grad, das war Wahnsinn.
22:45Es war eisekalt. Ich war mega erschöpft. Aber am Ende habe ich es geschafft.
22:57Bravo!
23:05Es war nicht einfach, aber jetzt bin ich sehr froh und dass ich es geschafft habe.
23:13Ich freue mich jetzt auf die warme Dusche.
23:23Dadurch, dass man lernt, es zu überwinden, kann man sozusagen seine Resilienz steigern.
23:27Also man kann widerstandsfähiger werden. Und wenn man widerstandsfähiger gegen Kälte wird,
23:32kann man das natürlich auch auf andere Lebensbereiche übertragen.
23:36Nachdem ich die Kälte einmal kennengelernt habe als Freund, konnte ich nicht mehr darauf verzichten
23:41und versuche jetzt das Wissen anderen mitzugeben.
23:45Als Recht ist das, wenn wir sagen, jetzt schreien wir mal beim Ausatmen.
23:48Die Freiheit, die ich mir immer gewünscht habe, die kann ich jetzt spüren.
23:53Und die kann ich jetzt sogar leben.
24:01Die Technik hinter diesem Eisbaden ist, dass wir erstmal erkennen, in welchem Zustand unser Körper sich befindet.
24:08Und dann willentlich eine Entscheidung treffen, dass wir uns herunter regulieren wollen, also aus dem Stress eben rauskommen wollen.
24:16Und das Tool, was uns da hilft, ist die Atmung.
24:29Das Besondere an der Atmung ist, dass man über das bewusste Atmen und auch das verlangsamte und tiefe Atmen
24:37den Parasympathikus, den Nerv, der eben für die Entspannung zuständig ist, aktivieren kann.
24:42Und darüber kann man sozusagen von einer Stresssituation, wenn man sich sehr angespannt fühlt,
24:48bewusst sich in eine Entspannungssituation begeben.
25:00Bei meinen Events gehen wir nicht nur kalt baden, sondern wir gehen ja auch kalt wandern in Badehose durch den
25:06Schnee.
25:10Und eben durch eine sehr ruhige, gleichmäßige Atmung kann ich dann in Kontakt mit meinem Gehirn treten und sagen,
25:17hey, wir sind gerade sehr gestresst, das ist eine Extremsituation, aber schau mal, so will ich mich nicht fühlen.
25:24Und dann fragt mein Gehirn logischerweise noch ein paar Mal nach, Junge, bist du sicher?
25:28Ja!
25:30Wir sagen ja, und so regulieren wir uns Stück für Stück eben nach unten wieder.
25:41Die Regulationsfähigkeit von meinem Körper, die hat sich natürlich massiv erhöht durch das Ganze.
25:46Was ich merke, ist, wenn ich jetzt irgendwo rausgehe zum Beispiel, dass ich einfach weniger Kleidung nutze,
25:50dass ich im Auto die Sitzheizung, die hat mich ewig nicht mehr begrüßt.
25:54Letzten Endes brauche ich einfach weniger Wärmequellen, weil man sich seine eigene Körperheizung sozusagen antrainiert hat.
26:01Der Vorteil, wenn man kältetolerant ist, ist, dass man bereits reduzierte Temperaturen als angenehmer empfindet.
26:09Das bedeutet, ich muss zu Hause die Heizung weniger aufdrehen.
26:13Ein weiterer wesentlicher Vorteil ist, dass der Körper Energie spart.
26:17Also sprich, er muss nicht Energie aufbringen, um den Körper auf Betriebstemperatur zu halten,
26:23sondern er ist bereits zufrieden, sage ich jetzt mal, wenn die Körpertemperatur etwas tiefer ist.
26:27In den letzten 100 Jahren ist die durchschnittliche Körperkerntemperatur in unseren Breitengraden
26:33um etwa ein halbes Grad auf 36,6 Grad Celsius gesunken.
26:37Das liegt vor allem am Rückgang von chronischen Entzündungen wie Tuberkulose.
26:41Ein weiterer Grund, heutzutage sind wir meist weniger Temperaturschwankungen ausgesetzt,
26:47da wir uns an kalten Tagen oft in beheizten Räumen bewegen.
26:50Unser Körper wird weniger herausgefordert.
26:53Deshalb erzeugen wir im Ruhezustand weniger Wärme und frieren schneller.
27:01Ganz wichtig ist, dass man den Körper langsam erwärmt.
27:05Also man sollte sich warm ankleiden, man sollte warme Getränke zu sich nehmen,
27:09auch sich moderat körperlich bewegen.
27:12Was man auf keinen Fall machen sollte, das ist alkoholische Getränke zu sich nehmen,
27:16weil Alkohol öffnet die Blutgefäße.
27:19Das bedeutet, der Wärmeverlust wird um ein Vielfaches gesteigert
27:23und man nimmt aber auch diesen Wärmeverlust durch den Alkohol nicht mehr wahr.
27:29Ohne den störenden Alkoholeinfluss reagiert der Körper auf die Kälte,
27:33indem er die Durchblutung von Armen und Beinen abriegelt.
27:36Im Notfall würden diese Extremitäten geopfert,
27:38um die lebenswichtigen Organe in der Mitte des Körpers warm zu halten.
27:43Beim Aufwärmen öffnen sich die abgeriegelten Gefäße langsam wieder.
27:46Doch wenn das zu schnell passiert, kann das kalte Blut aus den Armen und Beinen
27:50den warmen Körperkern zu stark auskühlen.
27:54Wenn man unterkühlt ist, dann sollte man den Afterdrop-Effekt berücksichtigen.
27:59Während diesem Afterdrop-Effekt kommt es zu einer Vermischung von kaltem mit warmem Blut.
28:04Und durch diese Vermischung von kaltem mit warmem Blut
28:06kann es zu Herzrhythmusstörungen oder aber auch im schlimmsten Fall zu einem Herzstillstand kommen.
28:12Wichtig ist, dass man auf schnelles Aufwärmen verzichtet.
28:18Wenn es kalt ist, dann benötigen wir irgendwie eine Art Heizung,
28:22die unseren Körper auf der Temperatur hält, die er haben soll.
28:26Und eine Möglichkeit, wie Wärme erzeugt werden kann, ist Muskelbewegung.
28:32Eine andere Möglichkeit, die relativ clever ist und die wir auch in unserem Körper tragen,
28:37ist die Aktivierung von braunem Fettgewebe.
28:41Mein Name ist Sebastian Mayhöfer.
28:44Ich bin hier an der Universität zu Lübeck, der Leiter und Direktor des Instituts für Endokrinologie und Diabetes.
28:50Und in diesem Institut beschäftigen wir uns insbesondere mit Prozessen, die den menschlichen Energiehaushalt regulieren.
28:59Wir wissen, dass Kinder und Babys braunes Fett haben, aber bei Erwachsenen dachten wir lange Zeit, es gibt gar kein
29:04braunes Fett.
29:05Das wurde dann im Rahmen medizinischer Diagnostik durch Zufall sozusagen entdeckt.
29:13Braunes Fettgewebe kommt bei Erwachsenen vor allem im Nackenbereich und entlang der Wirbelsäule vor.
29:18Es gilt als wahres Wundergewebe und ist eine natürliche Körperheizung.
29:22Das Gewebe des braunen Fetts ist dunkler als das weiße, weil es besonders viele eisenhaltige Mitochondrien enthält.
29:29Mit diesen Kraftwerken der Zelle kann das braune Fett Energie produzieren.
29:34Anders als weißes Fett dient es also nicht als Speicher, sondern verwandelt Kalorien direkt in Wärme.
29:40Im Vergleich zu dem, was wir sonst an Fettmasse mit uns rumtragen, ist das braune Fettgewebe mengenmäßig sehr, sehr wenig.
29:47Ist aber von der Effektivität natürlich etwas, was durchaus einen Unterschied machen kann in der Energieverbrennung und dann entsprechend auch
29:54in der Wärmeerzeugung.
29:58Die immer wiederkehrende Kältestimulation ist etwas, was braunes Fettgewebe trainieren kann.
30:05Das ist etwas, was wir bei Sportlern sehen, die beispielsweise Eisschwimmen machen, wo wir einfach nach einer gewissen Zeit des
30:12Trainings sehen, hier ist mehr braunes Fettgewebe vorhanden.
30:16Das kann dann im Endeffekt auch dazu beitragen, dass man eben so eine Kältebelastung besser aushalten kann.
30:22Das braune Fettgewebe ist vielmehr ein Organ, was Energie umsetzt. Im Gegensatz dazu ist heißes Fettgewebe der perfekte Ort, um
30:33Energie zu speichern für schlechte Zeiten.
30:38Als Leistungsschwimmerin habe ich immer auf meine Figur stark geachtet und wollte immer fit sein und Schlangen, wenig Fett haben.
30:46Aber Ärmelkanal darf man nicht mit einem Neoprenanzug überqueren. Das heißt, die haben immer gesagt, du brauchst ein natürliches Neopren,
30:53natürliches Fett.
30:55Für die Ärmelkanalüberquerung musste ich sechs, sieben Kilo zunehmen. Das ist jetzt meine zugenommene Version.
31:05Und es hilft mir in der Kälte, mich weniger wackelig, zappelig zu fühlen. Ich fühle mich robuster.
31:18Das weiße Fettgewebe ist eine gewisse Isolationsschicht, aber der Energiespeicher ist sicherlich eine der Hauptfunktionen.
31:26Und bei längeren körperlichen Aktivitäten kann dann Energie freigesetzt werden, die übers Blut in die Zielorgane, beispielsweise ins Muskelgewebe kommt
31:35und dort dann als Energielieferant dient, um dann die entsprechende Aktivität auch aufrechtzuerhalten.
31:45Alles Freelingssache. Gestern zum Beispiel hat meine Hand sich noch kälter angefühlt und heute ging es. Es ist halt echt
31:55Akklimatisierung.
31:56In drei Tagen fühle ich mich jetzt wohler.
32:04Manche, die können das gar nicht nachvollziehen, die denken, warum machst du das?
32:08Aber der Ernekanal ist für mich so wie, ja, Mount Everest besteigen. Das ist so das ultimative Ziel.
32:18Der Kältereiz kann mild sein, er kann extrem sein. Und mich fasziniert eben genau dieses gesamte Spektrum und wie wir
32:26uns das zu Nutzen machen können in der Rehabilitation und im Sport.
32:34Ich trainiere gute 25 bis 40 Stunden die Woche in den Hochphasen. Und auf den Tag runtergebrochen sind das halt
32:41auch mal gut und gerne sechs Stunden.
32:47Ich bin Christoph Harting, 33 Jahre alt, komme aus Berlin, betreibe Diskuswerfen. Das ist quasi ein Leistungssport aus der Sportfamilie
32:54Leichtathletik.
32:56Und Kälte wird bei uns sehr viel eingesetzt, sehr regelmäßig eingesetzt.
33:01Die Kältekammer ist ein wunderbares, probates Mittel, wenn ich zum Beispiel tieferliegende Verletzungen oder Probleme habe.
33:08Da hilft es natürlich unglaublich gut, Durchblutung reinzubringen. Nur mit Bewegung schafft man das nicht.
33:14Bei der Kältekammer werden extreme Lufttemperaturen von minus 110 Grad Celsius generiert.
33:21Klassischerweise wird die Kältekammer heutzutage im Sport eingesetzt, um die Schmerztoleranz zu heben oder um die Schmerzen nach dem Training
33:29zu reduzieren.
33:31Man zieht sich aus bis auf die Unterhose, Schuhe, Handschuhe hat man an, vielleicht noch was für die Ohren, eine
33:36Maske.
33:36Und dann durchläuft man mehr Kammerensystem.
33:56Sobald man die Tür schließt oder mitbetretenes Raum, ist es einfach nur, es zieht sich alles zusammen.
34:00Man hat ein unglaublich beklemmendes Gefühl von Kälte, was nicht unbedingt gleichzusetzen ist mit Schmerz,
34:08aber es wird im Hirn als Schmerz wahrgenommen.
34:12Man kann sich vorstellen, dass durch den extremen Kältereiz, dass da Nervenrezeptoren aktiviert werden,
34:18die zum Beispiel auch für Schmerzen zuständig sind und dadurch im Gehirn sozusagen eher ein Schmerzreiz ankommt als ein Kältereiz.
34:27Obwohl es nicht weh tut, sagt der Körper, das ist ganz schlimm, das tut weh, ich muss hier raus.
34:35Ja, komm, dass mehr Ruhe ist.
34:39Aber noch scheiße kalt, meine Augen kleben schon zu.
34:43Man zählt quasi jede zehntel Sekunde, bis man endlich wieder raus kann.
35:00Bei minus 110 Grad wird vor allem die Hautoberfläche extrem heruntergekühlt.
35:05Der Blutdruck steigt und sorgt im Inneren des Körpers für eine verstärkte Durchblutung.
35:09Sobald die Temperatur auf der Hautoberfläche unter 13 Grad sinkt, wird die Schmerzweiterleitung der Nerven zum Gehirn gehemmt.
35:18Außerdem wird durch die Kälte der Parasympathikus aktiviert.
35:21Der Teil des Nervensystems, der für Erholung und Entspannung zuständig ist.
35:26Daher fühlt man sich nach der Kältekammer regeneriert.
35:34Drei Minuten. Geil.
35:38Raus hier.
35:40Überleben, überleben, überleben, überleben.
35:44Ja, easy.
35:48Aber das Schönste, danach tut dir nichts weh, gar nichts.
35:53Was wir wissen von der Wissenschaft her ist, dass wenn wir unsere Hauttemperatur auf unter 13 Grad Celsius senken,
36:00dass die Schmerzweiterleitung reduziert ist.
36:02Wenn wir das vor dem Sport durchführen, dann können wir natürlich viel härtere Trainings durchführen,
36:09ohne dass wir ein gewisses Maß an Schmerzen verspüren.
36:12Ob das Ganze nützlich ist oder nicht, das sei dahingestellt, es ermöglicht auf jeden Fall härtere Trainings.
36:19Auch Amateursportler können Kälte für sich nutzen.
36:23Bei intensivem Training können kalte Getränke oder auch Kühlwesten helfen, dass der Körper nicht überhitzt.
36:29So können wir länger leistungsfähig bleiben.
36:31Der Körper muss weniger Energie aufwenden, um seine normale Kerntemperatur zu halten.
36:37Kaltwasserbäder nach dem Training können Entzündungsreaktionen dämpfen und zum Beispiel Muskelkater-Symptome reduzieren.
36:44Dieser natürliche Ansatz ist schonender und oft effektiver als Medikamente zur Schmerzlinderung.
36:53Also man ist danach total euphorisiert. Nach dem Motto, ach toll, es geschafft und war wirklich ein großer Leidensprozess, gefühlt
37:00der riesigste Leidensprozess.
37:03Und ja, also es macht mit dem Kopf eine ganze Menge. Tatsächlich eher so die Herausforderung, okay, gehe ich da
37:08jetzt wirklich rein, mache ich das? Und dann so, ach toll, ich habe es geschafft.
37:13Also psychische und körperliche Aspekte hängen ja immer zusammen und das heißt, es ist zum einen wichtig, sich körperlich an
37:20die Kälte zu gewöhnen und zum anderen ist es aber auch wichtig, psychisch resilient gegen die Kälte zu werden oder
37:26sich da abzuhärten, um dann den Kältestress besser aushalten zu können.
37:33Jetzt bin ich hier für mein Solo-Schwimmen.
37:37Ich werde ab und zu die Kraulrate überprüfen. Manchmal werde ich einfach nur aufzeichnen, was auf dem Boot passiert und
37:43um das Boot herum.
37:45Keith ist der offizielle Schiedsrichter und er ist verantwortlich, das Schwimmen von Anfang bis Ende zu kontrollieren.
37:52Es gibt sehr strikte Regeln. Man muss am Anfang raus vom Strand winken, man darf nur eine Badekappe tragen, nur
38:00einen Badeanzug.
38:13Ich bin rein ins kalte, dunkle Wasser. Ich habe gemerkt, wie groß die Wellen waren. Bin dann raus zum Strand,
38:23habe gewunken.
38:28Und ja, somit hat mein Ärmelkanalüberquerung angefangen.
38:36Die herausforderndste Sache ist wirklich der Kopf, weil nach 10 Minuten, nach 15 Minuten fängt es schon an.
38:42Es ist kalt, warum mache ich das überhaupt? Oh Gott, wie schwimme ich noch die nächsten Stunden?
38:46Man hat diese limitierenden Gedanken.
38:53Und ich habe mich halt immer wieder auf meine Pausen versucht zu fokussieren, auf diese kleinen Meilensteine.
39:10Die Essenspausen sind enorm wichtig, weil sie verbraucht Unmengen an Energie für die Schwimmleistung und natürlich um ihren Körper warm
39:17zu halten.
39:18Ganz wichtig ist, dass diese Essenspausen nicht zu lange sind, denn man möchte ja nicht, dass der Körper während dieser
39:24Essenspausen auskühlt.
39:42Nach acht Stunden habe ich die Kälte gar nicht mehr gespürt, weil ich hatte andere Herausforderungen.
39:49Meine Hüfte blockt, mein Hals tut weh, ich kann nicht mehr atmen.
39:53Da ist natürlich wichtig, nicht alle körperlichen Signale zu ignorieren, sondern zu schauen, welche körperlichen Signale sind jetzt in dieser
40:00Situation wirklich Alarmsignale und auf welche kann ich sozusagen mit mentalen Techniken überdauchen, sage ich jetzt mal den Moment.
40:11Ich bin geschwommen und geschwommen und ich hatte das Gefühl, ich komme nicht mehr weiter.
40:22Die starken Gezeiten im Ärmelkanal, das ist die eigentliche Herausforderung.
40:28Würden wir den Kanal einfach geradeaus durchqueren, kämen wir gar nicht voran oder in manchen Situationen oder an manchen Stellen
40:34nur sehr langsam, weil die Schwimmenden nicht gegen die Strömung ankommen.
40:43Ich hatte natürlich die Sorge, dass die Strömung stärker ist als meine Schnelligkeit, weil ich kann nicht mehr schneller.
40:53Ich habe mein Team gesagt, ich werde selber nicht aufgeben, aber ich vertraue euch, dass wenn ihr sieht, dass es
41:01mir nicht mehr gut geht, dass ich an meine Grenzen so stoße, dass es gefährlich wird, nimmt mich raus.
41:06Und ich akzeptiere das 100 Prozent.
41:20Und dann hat mein Trainer gesagt, auf keinen Fall, du machst weiter, stoppe nicht, verliere keine Zeit.
41:27So wie ein Soldat hat er mich so angeschrien und ich habe einfach weitergemacht.
41:34Ich habe mich immer in Frankreich gesehen. Ich wollte einfach diesen Traum verwirklichen.
41:43Die letzten 400 Meter bin ich so geflogen gefühlt. Ich war so glücklich, so müde, so glücklich.
41:51Und dann bin ich so fast am Boden raus. Und dann habe ich getanzt und getanzt und gejubelt.
42:00Am Schluss waren es 15 Stunden, 36 Minuten.
42:07Vor vier Jahren, ich hätte gezittert ohne Ende. Und jetzt habe ich meinen Körper so krass transformiert, im Eiswasser, im
42:16kalten Wasser, Langstrecken schwimmen, dass mein Körper das jetzt auch abhaben kann.
42:25Sich der Kälte auszusetzen, kostet die meisten viel Überwindung.
42:32Kälte stresst den Körper und kann unser Herz-Kreislauf-System an seine Grenzen bringen.
42:38Aber die Komfortzone zu verlassen und der Kälte zu trotzen, tut unserem Körper und Geist auch gut.
42:45Immer wenn mir was unbequem erscheint, weiß ich wie beim Eisbad, du musst da einfach durch und ich genieße einfach
42:52jedes Eisloch, wo ich reinspringen kann.
42:55Wie viel davon gesund ist und unser Immunsystem stärken kann und ab wann Kälte uns schadet, dazu muss weiter geforscht
43:03werden.
43:05Was jetzt schon klar ist? Kälte trainiert unsere Gefäße. Sie kann unser braunes Fett aktivieren.
43:14Mitunter erleben wir sogar Glücksgefühle.
43:19Die Kälte hat mir eigentlich gezeigt, dass ich viel, viel mehr machen kann.
43:22Mein Körper, mein Geist viel mehr kontrollieren kann, als ich das selber geglaubt habe.
43:28Manchen fällt es leichter, sich an Kälte zu gewöhnen, als anderen.
43:32Die körperliche Konstitution, die Psyche und die Gene spielen eine Rolle.
43:37Und trotzdem, wir alle können unsere Kältetoleranz erweitern.
44:00Und trotzdem, wir alle können unsere Kälte realistisch reinigen, so weit wie beim
44:02poorer Les pertama.
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