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00:06Unser Darm. Er fordert uns mehr als wir vermuten.
00:10Du siehst es einem schon auf den ersten Blick irgendwie an, wie es dem Darm geht.
00:17Unser Darm hat so eine wichtige Rolle und ich glaube, dass das unsere große Schaltzentrale ist, die alles beeinflusst, was
00:25sonst so in unserem Körper abgeht.
00:27Er bietet Lebensraum für Billionen von Organismen, die uns auf Trab halten.
00:32Wir leben halt in Harmonie mit diesen fremden Zellen, also den Bakterien, Viren, Arche, Pilzen.
00:40Alle die zählen zum Mikrobiom. Also man muss sagen, wir sind eigentlich wandelnde Aliens.
00:45Unser Darm kann uns aber auch unter Druck setzen.
00:48Hier könnte man jetzt entspannt ein Boot fahren. Die Sache hat nur einen Haken, weil es gibt keine Worte mit
00:55Toilette.
00:56Über Darmprobleme zu reden, für viele ein Tabu.
01:00Und deshalb werden wirklich Millionen von Menschen allein gelassen und das auch gerade in so ganz jungen Jahren.
01:07Der Darm kann uns aber auch motivieren.
01:10Ernährungsumstellung war ein Game Changer auch bei mir.
01:13Ich würde sagen, das ist bei mir 90, 95 Prozent vegan.
01:17Was können wir unserem Darm noch Gutes tun?
01:35Welches persönliches Verhältnis sollte der Mensch zu seinem Darm haben?
01:38Ich denke, ein gutes. Also man sollte auch, wie die Bakterien in uns, mit dem Darm in Harmonie leben.
01:43Wenn der sich nicht wohlfühlt und uns ärgert, dann haben wir ihn vielleicht auch geärgert.
01:49Mein Name ist Tanja Kübacher. Ich bin Professorin für Gastroenterologie, Chefärztin im St. Marien- und Anderstiftskrankenhaus in Ludwigshafen am
01:58Rhein.
01:59Und meine Passion sind die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.
02:02Da forsche ich im Rahmen von klinisch-wissenschaftlichen Studien.
02:08Der Darm ist einfach noch der unerkannte Ozean, muss man sagen.
02:13Also das Mikrobiom vor allem, aber auch was man heutzutage auch schon Gutes tun kann für die Patienten.
02:19Das ist spannend und das fasziniert mich am Darm.
02:33Ich will meinen Körper verstehen, weil ich habe nur diesen Körper und ich will versuchen, dass ich den so lange
02:41wie möglich gesund heilt und das Beste wirklich aus dem raushol.
02:50Ich bin Jana, ich bin 26, komme ursprünglich aus Bayern. Ich habe in den letzten Jahren Informatik studiert.
02:58Ich arbeite seit mehreren Jahren als Model. Ich mache viel Sport, bin jetzt seit letztem Jahr auch im Triathlon tätig.
03:07Ich habe mir ein Ziel gesetzt, wo ich hintrainiere und das ist in Zell am See der Airman 70.3.
03:14Und da bin ich jetzt gerade voll im Training. Ich habe vorher auch noch ein paar andere Triathlons.
03:22Ich war immer schon sehr an Ernährung und an Gesundheit interessiert, weil ich einfach ganz viel Nahrungsmittel und Verträglichkeiten auch
03:30habe.
03:31Und dann habe ich mich so mehr mit dem Thema Darm befasst. Was braucht der Darm? Wie funktioniert der Darm?
03:39Seine wichtigste Aufgabe ist die Nährstoffaufnahme. Die passiert im Dünndarm. Mit fünf bis sechs Metern Länge der größte Abschnitt des
03:48Darms.
03:49Durch zahllose Falten und Zotten ist seine Fläche auf 30 Quadratmeter erweitert, um möglichst viele Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei herauszuholen.
04:00Der anschließende Dickdarm ist nur etwa einen Meter lang. Er beherbergt Billionen von Mikroorganismen.
04:07Eine Klappe verhindert, dass sie in den Dünndarm schwappen und dort Beschwerden verursachen.
04:12Im Dickdarm aber sind sie sehr nützlich, denn sie produzieren aus den Nahrungsresten wichtige Stoffwechselprodukte.
04:25Bei meinen Eltern, bei uns war Kochen, ist das heilig. Also wir haben am Wochenende alle halt viel zusammengekocht.
04:33Ich mache jetzt gerade Hummus selber. Das geht immer sehr einfach. Das machen wir uns alle eigentlich immer relativ oft.
04:41Ich esse einfach jeden Tag was Leckeres, Gesundes, wo ich weiß, okay, das sättigt mich einmal im Bauch, aber es
04:49sättigt mich auch quasi im Kopf, dass ich weiß, okay, ich habe die Geschmäcker, die ich haben will.
04:53Weil ich merke jetzt selber, ich mag so ungesunde Sachen gar nicht essen, weil ich schon wieder weiß, was ich
05:00da mit meinem Körper Schlechtes tue eigentlich.
05:03Der Darm als größtes Immunorgan ist natürlich nur dann auch fähig, seine Spitzenleistung selber zu bringen, wenn er auch so
05:10gefüttert wird, sage ich mal, und die Außenbedingungen stimmen.
05:13Wenn ich die richtige Nahrung zuführe und die richtige Energie zum richtigen Zeitpunkt bringe, dann bin ich auch in der
05:18Lage, top Leistung zu machen.
05:20Ich glaube, ich bin schon gut informiert. Aber was ist mein Maximum? Wo kann ich vielleicht noch hin, weil ich
05:27vielleicht noch gar nicht so weit gekommen bin?
05:30Also dafür muss man zu Experten gehen. Die kennen sich damit aus und die wissen ganz genau, wie das funktioniert.
05:40Immer dann, wenn wir Nahrungsmittel aufnehmen, vor allen Dingen dann, wenn wir synthetische, die unser Organismus so in den letzten
05:475000 Jahren noch nie gesehen hat,
05:50wenn wir diese Substanzen aufnehmen, entsteht immer eine leichte Entzündung auf Darmebene.
05:55Und diese Inflammation kann sich dann praktisch so auswachsen, dass wir dann das auch in unserer energetischen Leistungsfähigkeit über den
06:03Tag merken.
06:09Mein Name ist Jens Freese. Ich bin neben Sportwissenschaftler auch Psycho- und Neu-Immunologe und habe zudem auch noch
06:16Ernährungswissenschaften studiert
06:17und beschäftige mich seit roundabout 30 Jahren mit dem Thema Darm, sodass ich heute eben sehr viele Patienten, aber auch
06:25Leistungssportler berate, betreue, coache im Bereich Darm.
06:31Hallo!
06:33Hi!
06:33Hi!
06:34Schön, dich zu sehen!
06:34Ja, freut mich!
06:37Ich erhoffe mir von dem Termin mit dem Dr. Freese, dass er mir nochmal zeigt, wo fehlt es an meinem
06:43Körper.
06:44So, hey, wir untersuchen jetzt wirklich alles. Wir untersuchen Stuhl und wir untersuchen Blut und wir schauen, hey, kommt es,
06:51was du zu dir nimmst, auch wirklich so an, wie es sein sollte?
06:53Ich glaube, da kann man schon nochmal einiges rausholen.
07:02Unser Darm hat so eine wichtige Rolle. Man denkt immer so, der Darm, ja, da esse ich und da kommt
07:07halt der Stuhl raus. Aber der Darm ist einfach ausschlaggebend für alles in unserem Körper, für wirklich alles.
07:16Hi, mein Name ist Philipp Stähler. Ich bin mittlerweile 36 Jahre alt. Ja, vielleicht hat mich jemand schon mal im
07:21Fernsehen gesehen. War auch mal irgendwie 2014 bei der Bachelorette. War bei GZSZ mal kurz dabei und so Geschichten. Also
07:29habe schon so einiges ausprobiert. Alles, was mir Spaß macht.
07:37Ich verwirkliche gerade meinen Traum und bin mit meiner Frau aufs Land gezogen. Ich bin stolzer Papa eines einjährigen Sohnes.
07:44Wir wollen jetzt hier einen großen Pferdehof aufbauen, ausbauen und betreiben.
07:52Wenn man irgendwas im Kopf hat, wo soll die Reise hingehen in deinem Leben, war das immer so eine Terrasse,
07:57ein weißer Zaun, Pferde. Dass es jetzt echt so gekommen ist.
08:02Ja, ist schon schön. Hier wird der Betrieb dann sein und hier ist das private Wohnhaus. Und da haben wir
08:09eigentlich schon ganz gut geschafft.
08:10Wenn du vor zwei Monaten hier angekommen wärst, war das gras kniehoch. Also es war wirklich Dschungel. Deswegen, jetzt glaubt
08:16man es noch gar nicht so, aber da ist schon echt viel passiert.
08:24Bei mir ist 2010, 2011 die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Colizio ulcerosa diagnostiziert worden.
08:36Man hat mir den Dickdarm entfernt, aber alles ist besser, als es irgendwie war, als ich einen entzündeten Dickdarm im
08:42Körper noch hatte.
08:44Ich würde sagen, runtergebrochen kann man damit ganz normal leben.
08:50Colitis ulcerosa zählt neben Morbus Crohn zu den häufigsten schweren Darmerkrankungen.
08:57Etwa 650.000 Menschen in Deutschland leiden daran. Tendenz steigend.
09:01Bei beiden ist hauptsächlich die Darmschleimhaut chronisch entzündet.
09:06Bei Colitis ulcerosa nur im Dickdarm.
09:09Die genauen Ursachen sind noch unklar.
09:12Genetische Veranlagungen könnten eine Rolle spielen.
09:15Aber auch Umwelteinflüsse, ein gestörtes Mikrobiom oder der Lebensstil.
09:20Wir sehen das zum Beispiel bei Menschen, die in anderen Gegenden der Welt leben, die eine sehr gesunde Ernährung immer
09:29hatten
09:29und jetzt mehr durch den Einfluss der westlich industrialisierten, prozessierten Nahrung daherkommen
09:37und mehr raffinierten Zucker zum Beispiel zu sich nehmen, andere Kohlenhydrate, andere Fette.
09:43Und dass es da zum Anstieg zum Beispiel von solchen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kommt.
09:50Nach meinem Abitur bin ich zur Bundespolizei, war fasziniert vom Kraftsport und hab da richtig Gas gegeben
09:55und hab dementsprechend auch einen hohen Proteinkonsum gehabt.
09:58Damals noch viel Milch getrunken und irgendwie supplementiert und alles.
10:02Und hatte dann häufig Durchfälle und jeder war laktoseintolerant und ich dachte, ja, das hast du auch.
10:09Als ich blutigen Stuhlgang hatte, da war irgendwie so, okay Philipp, da hört jetzt auf jeden Fall der Spaß auf.
10:14Blut hat im Stuhlgang nichts zu suchen normalerweise. Du musst zum Arzt.
10:18Und dann meine erste Darmspiegelung. Narkose, werd wach und dann sagt er, jo, du hast eine Kolizolzirrhose.
10:23Ich sag, schön. Und jetzt, was heißt das? Ja, das ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung.
10:28Dann musst du jetzt halt leben. Ich so, alles klar.
10:31Entzündungen können entstehen, wenn die Schutzfunktion der Darmschleimhaut versagt.
10:37Im gesundem Zustand ist sie eine geniale Barriere.
10:40Denn sie schafft es gleichzeitig, unerwünschte Stoffe fernzuhalten und Nährstoffe aufzunehmen.
10:46Dafür ist die oberste Zellschicht, das sogenannte Epithel, mit fadenförmigen Ausstülpungen ausgestattet.
10:52So wird die Oberfläche maximal ausgenutzt für eine größtmögliche Nährstoffaufnahme.
10:58Um schädliche Stoffe abzuwehren, ist die Darmschleimhaut von einer schützenden Schleimschicht bedeckt.
11:04Diese wird von becherförmigen Zellen im Epithel produziert.
11:08Bei manchen Menschen funktioniert dieser Mechanismus aber nicht richtig.
11:12Und das alarmiert die Immunzellen, die in großer Menge direkt unter der Schleimhaut sitzen.
11:17Und dann geht ein Abwehrmechanismus los im Immunsystem.
11:21Und es bilden sich dann pro-inflammatorische Zytokine.
11:25Das heißt, die sind da, diese Botenstoffe, die sagen, hier mach Entzündung.
11:29Und dann gibt es die Gegenspieler, die irgendwann sagen, so jetzt reicht es aber mal, jetzt ist genug Entzündung gemacht,
11:34jetzt hören wir wieder auf.
11:35Die sind normalerweise im Gleichgewicht.
11:37Bei der chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist eine Dysbalance dann da.
11:41Der Körper denkt, er muss Entzündung machen, die aber dann auch nicht mehr reguliert wird.
11:46Und dadurch haben wir eine Entzündungsreaktion im Körper, die eben sich auf allen Ebenen auswirken kann, weil der Darm eben
11:53einen so großen Einfluss hat.
12:01Das heimtückische an der chronisch entzündliche Darmerkrankung, Colizolzorosa, ist, dir geht es mal drei Wochen gut, mal vier Wochen gut,
12:06vielleicht auch mal sechs Wochen gut.
12:07Und dann kriegst du diesen sogenannten Schub.
12:09Und dieser Schub äußert sich dann halt durch starke Durchfälle, Schmerzen, Blut im Stuhl und so weiter.
12:14Und jedes Mal, wenn du diesen Schub überstanden hast, dann hast du wirklich keine Symptome großartig.
12:19Und das ist heimtückisch. Das heißt, du sagst dir, ich überstehe das jetzt kurz wieder und dann geht es mir
12:23wieder gut.
12:27Da kann ich nur jedem raten, da kann man ganz viel gut machen, indem man sich halt wirklich selber ernst
12:31nimmt und wirklich Sachen nicht schleifen lässt und nicht irgendwie verschleppt.
12:36Weil es wurde dann, ja, kontinuierlich schlimmer.
12:45Jana möchte jetzt einen Triathlon durchführen und sie muss sehr viel dafür trainieren.
12:51Und die Sportwissenschaft beschäftigt sich inzwischen eben mit dem Darm und auch mit dieser Interaktion Darm und auch den anderen
12:58Organen, wie zum Beispiel der Muskulatur.
13:01Wir können wirklich heute alle Bakterienarten, alle Keimarten im Darm auch bestimmen.
13:07Und unser Problem heute ist vielleicht noch, dass wir noch nicht so ganz genau wissen, was diese Keimarten letztendlich machen.
13:12Bei einigen wissen wir es, bei anderen wiederum nicht.
13:16Und deshalb ist die Forschung auch in den letzten zehn Jahren, kann man wirklich sagen, explodiert.
13:22Tatsächlich gibt es nach neuesten Erkenntnissen knapp 3600 verschiedene Arten von Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten, die den Darm besiedeln.
13:32Jeder Mensch trägt davon rund 300 bis 500 Arten in sich.
13:36Mit einem Gewicht von etwa zwei Kilogramm.
13:40Als Faustriegel gilt, je vielfältiger das Mikrobiom, desto besser.
13:45Die exakte Zusammensetzung ist dabei sehr individuell.
13:49Ob das Mikrobiom bereits im Mutterbauch entsteht, wird immer noch erforscht.
13:53Klar ist, spätestens beim Geburtsvorgang nimmt das Baby das Mikrobiom der Mutter auf.
14:00Und wie es sich dann aber beeinflusst, das hängt davon ab, wo wir leben und wie wir leben, wo wir
14:06arbeiten, wo wir hinreisen, was wir tagtäglich tun.
14:10Das alles beeinflusst auch unser Mikrobiom.
14:13Und unser Mikrobiom heute zum Beispiel ist auch ein ganz anderes als unser Mikrobiom vielleicht von unseren Urgroßeltern, die noch
14:21unter ganz anderen Bedingungen gelebt haben.
14:26Ja, Jana, schauen wir mal in deine Ergebnisse.
14:29Also du bist aus Sicht des Stuhls bist du kerngesund.
14:33Das heißt also, es liegen keine akuten Entzündungen vor.
14:36Das ist schon mal wichtig, weil Entzündungen kosten dich ja auch immer viel Energie.
14:41Wir haben auf anderen Stellen Optimierungsbedarf und zwar eine leichte Verschiebung deines pH-Wertes im Darm.
14:48Das heißt nicht, dass du krank bist, sondern das heißt, dass diese, wir nennen sie auch immunmodulierende Bakterien, dass die
14:56stark abgenommen haben vermutlich.
14:59Wenn wir die noch in den optimalen Bereich bringen, dann kannst du mehr Lactat und Gutirat bilden im Darm.
15:06Und das sind sehr wichtige Substanzen, um den Darm richtig schön anti-entzündlich zu halten.
15:11Was kann ich jetzt genau tun, damit sich das verbessert, damit ich aus diesen roten Bereichen rauskomme?
15:17Du solltest in jedem Fall die Ballaststoffmenge deutlich erhöhen.
15:20Das bedeutet Gemüse, Gemüse, Salate, Salate und Gemüse.
15:25Wir sind heute ungefähr bei einer Ballaststoffmenge von 10 Prozent unserer Vorfahren angekommen.
15:31Das heißt, wir müssten eigentlich zehnmal mehr Faser- und Ballaststoffe essen, als wir das aktuell tun.
15:37Ich würde sagen, bei meinen Hauptmahlzeiten, das besteht zum größten Teil eh schon aus Gemüse.
15:42Wie kann ich das dann noch erhöhen? Soll ich einfach die Menge erhöhen?
15:47Ich würde dir ein Präbiotikum empfehlen, was du einfach morgens, auch mittags oder zwischendurch im Wasser gibst und dann einfach
15:53trinkst.
15:54Okay.
15:57Präbiotika sind Ballaststoffe. Sie kommen in Gemüse- oder Vollkornprodukten vor.
16:02Oder hochkonzentriert in Leinsamen- und Flohsamenschalen.
16:06Für unsere Darmbakterien sind Präbiotika ein Festmahl.
16:11Einen positiven Einfluss auf unseren Darm haben auch Probiotika.
16:15Das sind ganze Bakterienstämme, die gesundheitsfördernd wirken können.
16:20Es gibt sie in probiotischen Lebensmitteln wie Joghurt und Kimchi.
16:25Oder als Pillen, Pulver oder Drinks.
16:33Also wenn ich auf Klo muss, muss ich halt auf Klo.
16:35Und dann habe ich halt, wenn es gut kommt, noch fünf Minuten.
16:38Wenn es schlecht ist, vielleicht so eine.
16:41Ich bin Kari, ich bin 31, wohne in Süddeutschland in der Nähe von Stuttgart und bin seit letztem Jahr selbstständige
16:50Social-Media-Managerin.
16:51Ja, warum ihr hier seid, hat vielleicht auch so ein bisschen was mit meinem Instagram-Account zu tun, auf dem
16:57ich seit zwei, zweieinhalb Jahren auch über meine chronische Krankheit berichte.
17:02Mein Reizdarm-Syndrom und die damit verbundene Angststörung.
17:05Leute, ich wandere aus, es wird Dänemark, es ist jetzt beschlossen. Es gibt an jeder Ecke eine Toilette, auf irgendeinem
17:12Pimpf-Parkplatz.
17:14Die sind hier auch alle super sauber, die Toiletten.
17:16Ja, mir ist es wichtig, da echt zu bleiben und auch so das wahre Leben irgendwie zu zeigen mit einer
17:22Krankheit, die eigentlich total unsichtbar ist.
17:24Und so diese, ja, diese schillernde Social-Media-Welt auch so ein bisschen realer zu machen einfach.
17:37Früher in der Schule, also auch schon in der Grundschule, wenn irgendwas war, waren es immer Bauchschmerzen.
17:43Nach dem Test, nach der Arbeit, waren sie dann auch wieder weg.
17:48In meiner Abi-Zeit habe ich gemerkt, dass es nicht normal ist.
17:53Die Abi-Prüfungen sind vorbei und ich habe das halt immer noch.
17:56Mir ging es dann wirklich sehr schlecht.
17:58Also ich hatte dann zehnmal am Tag Durchfall, obwohl gar nichts war.
18:03Ich habe dann eine Darmspiegelung gemacht und ich war mir so sicher, die finden was.
18:07Weil mir ging es dann wirklich richtig schlecht.
18:10Und statt mich zu freuen, als der Arzt dann gesagt hat, so, ja, ist doch super, es ist organisch alles
18:14top, wir haben gar nichts gefunden, war ich so, nee.
18:18Nee, ich bin, also mir geht es richtig schlecht, es kann doch nicht sein, da muss doch, da muss doch
18:21irgendwas sein.
18:22Und ich war dann irgendwie total, ja, vor den Kopf gestoßen.
18:26Ich saß dann mit meiner Mama, das weiß ich noch.
18:28Und wir haben aber auch nichts in die Hand bekommen, so geht es jetzt weiter.
18:35Viele Menschen fühlen sich nicht richtig wahrgenommen, was ihre Symptome angeht.
18:40Manchmal wird es auch als Befindlichkeitsstörung einfach abgetan.
18:45Ja, das heißt, dass möglicherweise Patienten auch von Arzt zu Arzt gehen und vielleicht auch weggeschickt werden.
18:52Und deshalb ist keine einzelne Person gibt, die den Überblick hat.
18:58Mein Name ist Miriam Stengel, ich bin Chefärztin in der Medizinischen Klinik von Sigmaringen.
19:05Ich bin ausgebildete Internistin und Gastroenterologin.
19:08Ich beschäftige mich schon seit über 20 Jahren mit dem Themengebiet der Neuro-Gastroenterologie,
19:15zu dem auch Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom oder Reizmagensyndrom gehören.
19:22Rund 10 Prozent der Menschen leiden an einem Reizdarmsyndrom.
19:26Das sind in Deutschland über 8 Millionen.
19:28Die chronischen Darmbeschwerden treten meist im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auf.
19:33Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
19:36Auslöser können Infektionen, psychische Belastungen wie starker Stress oder körperliche Veranlagung sein.
19:43Es gibt unterschiedliche Reizdarmtypen.
19:46Der erste reagiert mit Verstopfung.
19:48Typ 2 hat wechselnde Stuhlgewohnheiten.
19:51Typ 3 leidet an chronischen Durchfällen.
19:55Hallo, wir sind jetzt in Tübingen angekommen.
19:58Toilette ist auch nicht weit entfernt, deshalb bin ich hier super gerne.
20:01Das ist auf jeden Fall ein sehr, sehr schöner Spot.
20:07Ich habe in Tübingen studiert und das ist ja wirklich so eine pulsierende Studentenstadt, wo immer was los ist.
20:14Die ganzen Leute wollen immer was machen, die wollen essen gehen, die wollen rausgehen.
20:18Ja, und ich halt im Herzen auch, aber es ging einfach nicht.
20:23Ja, hier könnte man jetzt entspannt Boot fahren.
20:29Die Sache hat nur einen Haken, weil es gibt keine Worte mit Toilette.
20:36Ich glaube Menschen, die diese Angst im Kopf noch nie irgendwie gespürt haben, die es nicht kennen, was es bedeutet,
20:43dass du wirklich 24-7 drüber nachdenkst.
20:45Wo ist die nächste Toilette? Wann kann ich zur Toilette?
20:48Ich glaube, wenn man das nie gespürt hat, dann kann man das auch einfach gar nicht nachvollziehen.
20:52Und ja, es ist echt schon eine Herausforderung, einfach nur ein Stündchen Boot zu fahren.
21:01Am Anfang habe ich dann irgendwann ganz viel so selber rumgedoktert.
21:04Es gibt ja auch freiverkäufliche Medikamente, auch in der alternativen Medizin.
21:10Es gab manchmal so Sachen, die haben dann kurzfristig geholfen, so für zwei Wochen, wo ich dachte, boah, das ist
21:14es, das ist es, das brauche ich.
21:16Und war wirklich voller Hoffnung.
21:18Und dann war es halt einfach, ja, war es dann wieder so, dass ich dastand und dachte, okay, also ich
21:25bin quasi eigentlich unheilbar, mir hilft sowieso nichts.
21:33Dann ging es weiter bergab leider, als sich die Angststörung dazu gesellt hat.
21:39Soweit ich mich erinnern kann, sobald ich irgendwie einen Moment hatte, wo es mir nicht gut ging oder ich Angst
21:44hatte, also Angst ist wirklich ein ganz fieser Begleiter,
21:47dann hat sich schon mein Bauch gemeldet und andersrum natürlich genauso.
21:51Und dann hat es schon angefangen zu rumpeln und dann habe ich natürlich noch mehr Angst, weil ich denke, ich
21:54muss jetzt auch noch auf Toilette.
21:56Ein ganz fieser Begleiter, also sehr einnehmend, sehr belastend.
22:01Und das ist halt der Punkt, wo ich dann gesagt habe, okay, ich brauche jetzt Hilfe.
22:11Mein Mindset damals war, du warst beim Arzt, du hast deine Pflicht erfüllt, du nimmst sogar Medikamente, mehr kann ich
22:16nicht machen.
22:16Das ganz Wichtige ist, dass die Betroffenen sich wirklich an ein spezialisiertes Zentrum wenden.
22:23Heute sind wir in der Lage, viel gezielter in das Entzündungsgeschehen einzugreifen, das heißt individueller.
22:29Was das Tolle ist, dass wir halt nicht nur das Cortison wie früher zur Verfügung haben, sondern auch moderne Medikamente,
22:35sogenannte Biologika, Antikörper und kleine Moleküle,
22:38mit denen wir in der Lage sind, eine lange Zeit die Entzündung halt einzudämmen.
22:44Leider werden diese neuen Medikamente immer noch viel zu wenig eingesetzt.
22:49Und ich habe dann ja 2019 ganz krasse Wasserablagung in den Beinen gehabt, hatte Hautveränderungen, bin ins Krankenhaus, Notaufnahme und
22:57mein ganzer Darm war so entzündet,
22:59so richtig schwarze, schwarze, dunkle Stellen, Entzündungsherde, die sich so da festgefressen haben, dass es sehr, sehr ernst wurde, sehr
23:08schnell.
23:11Ich meine, so Entzündung, die hat auch lange gebraucht, um zu kommen, die kommt auch nicht von heute auf morgen
23:14so, das ist, da hat man, da hat man eine Zeit lang sich vernachlässigt.
23:18Und größtenteils ist es echt so, dass man, dass eine Weile was schiefgegangen sein muss, dass es so endet, so,
23:26sag ich mal.
23:27Und das liegt daran, dass häufig auch die Symptome so unspezifisch sind.
23:31Auf einmal verträgt man gewisse Nahrung nicht mehr, kann Milch nicht mehr so gut verarbeiten, obwohl das früher eigentlich kein
23:37Problem war.
23:37Oder hat mehr Blähungen, das kann auch schon sein.
23:40So, und da ist es wichtig, eben den rechtzeitigen Zeitpunkt zu haben und zu sagen, wir müssen mal schauen, was
23:45da los ist.
23:46Und müssen eben nicht erst handeln, wenn jemand ins Krankenhaus kommt und wenn es eigentlich schon fünf nach zwölf ist,
23:54als fünf vor zwölf.
23:55Und dann hieß es, ja, wir sollten jetzt mal über die Kollektomie sprechen, also reden wir hier wirklich von Dickdarm
24:00raus.
24:06Ich habe mich vorher selber meinen Körper definiert, hatte dann bei der Polizei schon gekündigt, war in der Medienwelt, hatte
24:10Fuß gefasst.
24:11Und dann auf einmal Dickdarm raus, Beutel am Bauch, passt nicht.
24:15Deswegen habe ich mich so lange, wie es geht, natürlich davor gewehrt.
24:17Aber irgendwann schaltest du halt auf Überlebensmodus, da sagst du, macht, was immer ihr wollt, hauptsache es geht mir dann
24:23danach besser.
24:27Dann wird immer zuerst der Darm entfernt und vorübergehend ein künstlicher Darmausgang gelegt.
24:33Und dieser künstliche Darmausgang bleibt im Schnitt so um die drei Monate.
24:37Und dann, wenn alles verheilt ist, dann wird dieser Darmausgang zurückverlegt.
24:42Da sollte man natürlich schon dafür Sorge tragen, dass möglichst alles entzündungsfrei ist, bevor man eine Rückverlagung macht.
24:52Die schlimmste Diagnose war mit Beutel wieder zum Arzt.
24:55Da meinte ich, jetzt ist deine Speiseröhre und dein Dünndarm entzündet und die kann ich dir nicht rausnehmen.
25:00Und das war so für mich ein Schlag ins Gesicht.
25:05Das hieß dann für mich, okay, alles klar, ich probiere jetzt alles, alles.
25:09Ich habe viel gelesen.
25:12Ich werde mein Leben komplett jetzt so umstellen, dass nichts eine Entzündung fördert.
25:17Und das ist ultra anstrengend.
25:29Ich finde, man sieht, gerade wenn es dem Darm schlecht geht, sieht man das an der Haut durch Unreinheiten.
25:36Du siehst einfach auch so fahl und trocken aus.
25:39Also du siehst es einem schon auf den ersten Blick irgendwie an, wie es dem Darm geht.
25:49Ich model jetzt seit, ich habe angefangen mit 18, also schon seit einer Zeit und die letzten vier, fünf Jahre
25:56auch wirklich intensiv.
25:59Du arbeitest mit deinem Körper und du arbeitest mit deinem Erscheinungsbild.
26:04Du merkst die Energie, wenn jemand mit sich im Reinen ist, wenn jemand gesund und fit ist, dann finde ich,
26:09sieht man das auch.
26:12Ich merke es auch von anderen, wenn die zu mir sagen, hey, du strahlst voll und es ist so eine
26:19Woche, wo ich wieder voll auf die Ernährung geachtet habe und wirklich gesund war und vielleicht wenig unterwegs war.
26:24Aber ich finde, man merkt schon einen Unterschied.
26:29Man kann sehen, ob zum Beispiel so Einrisse in den Mundwinkeln da sind, dass die Haut rissig erscheint.
26:36All diese Dinge hängen damit zusammen, dass wir vielleicht einen Mangel an Vitaminen und Spurenelementen haben.
26:42Und das wiederum zeigt dann auch, okay, da ist der Darm nicht gesund.
26:48Da funktioniert was nicht.
26:49Zum Beispiel auch, wenn Entzündung da ist und der Darm dann eben diese Nährstoffe gar nicht aufnehmen kann.
26:54Dann sage ich schon mal, okay, da müssen wir nach dem Vitamin B12 gucken oder nach dem Eisen gucken.
26:58Das ist dann wie so ein Doping-Effekt, wenn man das dann gibt.
27:01Und dann sagen halt viele Betroffenen, wow, das ist gut.
27:09Ich schaue mir jetzt gerade schon mal das Streckenprofil an vom Tegernsee-Triathlon.
27:13Der ist in knapp zwei Wochen.
27:15Ich freue mich schon.
27:16Ich habe nämlich jetzt vor drei, vier Wochen quasi den ersten Olympischen wieder gemacht.
27:21Ich fühle mich momentan eigentlich ganz fit im Training.
27:24Und deswegen bin ich jetzt gespannt, wie der läuft.
27:28Ich werde jetzt wahrscheinlich noch eine Woche Vollgas trainieren und dann relativ wenig machen, damit der Körper wirklich dann erholt
27:37ist.
27:39Wenn wir jetzt uns sehr stressig bewegen, so wie das eben viele Leistungssportler tun, belasten wir im Grunde den Magen
27:47-Darm-Trakt dadurch,
27:48dass diese ganze Mikrozirkulation zum Darm, die wird eingeschränkt während der Belastung.
27:54Und deshalb ist es so wichtig, dass wenn man sehr viel Leistung bringen muss, ob körperlich oder seelisch oder mental,
28:01dann muss man auch die entsprechende Regenerationszeit daneben setzen.
28:05Jana, ich werde das im Training merken, umso besser ihr Darm aufgestellt ist, dass sie auch dieses Trainingsvolumen besser wegsteckt.
28:14Also momentan geht es mir eigentlich echt gut.
28:16Ich hatte Befürchtungen, dass gerade die Ballaststoffe, die ich nehme, dass mein Körper das nicht gewohnt ist.
28:21Und ich einfach merke, der tut sich schwer mit der Verdauung, aber es fühlt sich extrem gut an.
28:27Also ich habe eher das Gefühl, es fühlt sich viel leichter an alles.
28:38Es ist weg, es ist weg.
28:40Am Anfang war es nicht so lecker, aber jetzt mittlerweile geht es sogar.
28:46Ich merke gerade, dass ich wirklich Fortschritte mache, gerade auch beim Laufen.
28:50Ich habe das Gefühl, dass ich weniger verletzungsanfällig bin.
28:54Es tut sich was.
29:04Ernährungsumstellung war ein Gamechanger auch bei mir.
29:06Also das war wirklich einfach ein Punkt, wo ich sagte, egal ob ich jetzt ein Steak will oder egal ob
29:11ich jetzt die Kuh mit trinken will,
29:13die triggern einen schon angegriffenen, entzündeten Darm.
29:16Was lässt du noch weg? Zucker?
29:18Ultraproblem?
29:20Schlussfolgerung war, erst mal nur selber kochen.
29:22Kurkuma ist auch so ein Ding, was jetzt überall ist, aber was ich erst seit meiner Darmerkrankung erst kennengelernt habe.
29:28Bedachten wir natürlich nochmal ganz besonders drauf, so Mitte der Darmgeschichte und sowas bei Philipp,
29:33dass wir bei ihm da alles so vorsorglich gut machen, wie noch möglich, damit er da keine Probleme bekommt, hoffentlich
29:40nicht.
29:40Ich würde sagen, es ist bei mir 90, 95 Prozent vegan. Und wie gesagt, manchmal ist Käse bei, wobei ich
29:45ja der von uns bin, der auch den veganen Käse echt inhaliert.
29:49Ernährung ist ein Riesenpunkt. Viele Menschen würden wahrscheinlich viel weniger Probleme mit unterschiedlichen Dingen haben, wenn sie sich entsprechend ernähren
29:56würden.
29:56Wir sind mega egoistisch. Also schmeckt geil, ess ich.
30:00Es ist mittlerweile gut erforscht, dass bestimmte Lebensmittel anti-entzündliche Wirkungen haben.
30:07Etwa Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Antioxidantien aus Beeren, Nüssen und dunklem Blattgemüse.
30:15Oder Polyphenole aus Früchten, Kräutern und Gewürzen.
30:19Auch Fastenkuren haben nachweislich positive Effekte auf die Darmgesundheit.
30:31Viel geholfen hat mir, dass ich sensibler mit mir geworden bin. Aber ich bin nicht immun jetzt gegen Stress.
30:40Ich traue mir wieder Arbeiten zu und ich nehme diesen Druck auf mich. Ich würde es gerne morgen perfekt haben.
30:44Geht aber nicht.
30:45Und dieser Druck in mir drin ist da, weil ich ein Mensch bin. Ich arbeite unheimlich gern und ich möchte
30:49gerne erfolgreich sein.
30:50Und dann geht es darum, wie kann ich das mit meinem Körper vereinbaren.
30:55Man muss sich vielleicht auch mal ein Wochenende gönnen, wo man einfach sagt, so, jetzt ist mal Pause angesagt, jetzt
31:01gehe ich zu Bett, jetzt schlafe ich.
31:03Man regeneriert sich im Schlaf. Das bedeutet, dass all unsere Zellen Reparaturvorgänge haben und sich neu aufstellen.
31:11Und da ist es gut, natürlich Wege zu finden, wo ich merke, was tut mir gut. Und das ist für
31:16jeden unterschiedlich.
31:19Für mich hat es sich früher auch Yoga schwierig angehört, auch Meditation.
31:23Aber diese ganzen Therapien, Yoga, Meditation, Atmungsübungen, die haben ein Ziel, dass du dich selber spürst, dass du runterfährst, dass
31:31du dir Zeit nimmst für dich und dass du wirklich dich nur auf dich konzentrierst.
31:34Und das ist da, wo der Körper anfängt zu regenerieren.
31:43Ich habe tatsächlich dann eine Verhaltenstherapie gemacht und wir haben unschöne Kisten aufgemacht, die da ganz tief auch vergraben waren.
31:53Ja, und da habe ich einfach zum ersten Mal festgestellt, wie eng Darm und Psyche eigentlich zusammenhängen.
31:58Und dass es eigentlich gar nichts bringt, nur nach organischen Ursachen zu suchen, weil es wirklich alles zusammenhängt.
32:04Stressige Momente, Emotionen, die ich eben nicht rauslasse, Sachen, die ich mit mir selber ausmache.
32:10Und da ist halt mein Darm, der als erstes schreit so, hey, mach mal langsamer, das ist mein Ventil.
32:17Wie Hirn und Darm zusammenhängen, wird immer besser verstanden.
32:22In der Darmwand sitzen mehr als 100 Millionen Nervenzellen.
32:25Sie bilden das sogenannte Bauchhirn.
32:28Es ist Teil unseres vegetativen Nervensystems und reguliert unsere Verdauung.
32:33Über das Rückenmark, den Vagusnerv und über Hormone im Blut kommuniziert das Bauchhirn mit unserem Gehirn.
32:4190 Prozent aller Informationen gehen dabei von unten nach oben.
32:45Ja, was tauscht unser Magen-Darm-Trag mit dem Gehirn aus?
32:49Also da fällt mir sowas ein wie Appetit, wie die Regulation von Hunger und Sättigung.
32:55Zusätzlich beeinflusst dieses System aber auch unser Immunsystem.
33:00Es kann unsere Emotionen beeinflussen, unsere Wahrnehmung, unser Verhalten, andere Körperfunktionen.
33:10Also die Frage wäre eigentlich andersrum, was beeinflusst es nicht?
33:19Ja, ich bin jetzt gerade auf dem Weg nach Sigmaringen.
33:22Frau Dr. Stengel, die schaut sich jetzt mich und meine Befunde einfach nochmal ein bisschen genauer an.
33:27Ich bin ganz gespannt.
33:29Halte meine Hoffnung aber noch so ein bisschen zurück.
33:35Ja, ich würde mir wünschen, Dinge ganzheitlicher anzugehen, nicht die Psyche vom Körper immer zu trennen.
33:43Ich würde mir auch wünschen, dass man nicht so durch das System fällt bei sowas.
33:48Also dass es einfach einen Weg gibt, der halt nicht mit der Diagnose Reizdarmsyndrom in mir aufhört.
33:56Ja, Sie haben den Weg zu mir gefunden.
33:59Freut mich.
34:00Ich habe auch schon ein paar Vorbefunde im Vorfeld von Ihnen bekommen.
34:03Und dann würde ich damit starten, dass Sie mir erst mal erzählen, warum Sie jetzt heute ihr sind.
34:11Ja, man könnte weiter dauern.
34:15Ja, also tatsächlich hat so meine Geschichte vor 13 Jahren circa angefangen.
34:20Eigentlich war ich schon immer so die Person, die halt Bauchschmerzen hat.
34:23Oho.
34:24Als Kind schon.
34:24Die Symptome des Reizdarmsyndroms sind ja vielfältig, auf den Bauch bezogen.
34:29Und natürlich gibt es viele andere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden machen können.
34:33Und da gibt es Schwerwiegende, die potenziell tödlich verlaufen können.
34:38Und natürlich auch weniger Schwerwiegende.
34:41Alle kann man meistens gut behandeln, wenn man sie früh genug erkennt.
34:47Beschwerden auslösen kann zum Beispiel eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms.
34:51Mit Antibiotika ist sie gut behandelbar.
34:54Bei Unverträglichkeiten, etwa gegen Gluten, Fruktose oder Laktose, helfen Ernährungsumstellungen.
35:01Probleme für den Darm können auch Fehlfunktionen der Schilddrüse,
35:05Nebenwirkungen von Medikamenten oder ein zu hoher Histaminspiegel machen.
35:10Natürlich ist klar, zuallererst müssen Krebserkrankungen ausgeschlossen werden.
35:15Insofern würde ich mich da festlegen, dass Sie einen Reizdarm haben.
35:20Und im Gegensatz zu der Meinung, die Sie oft gehört haben,
35:23ist es so, dass wir tatsächlich einige Dinge haben, um den Reizdarm zu behandeln.
35:29Ein Reizdarmsyndrom zu heilen, das klappt mal, aber es ist eher unwahrscheinlich.
35:34Das heißt, Ihre Erwartung, meine Erwartung wäre eher, die Symptome so zu managen,
35:39dass Sie im Alltag gut zurechtkommen.
35:41Da braucht es mehrere Therapie-Elemente, um die Erkrankung in den Griff zu bekommen.
35:47Zum einen das gute Arzt-Patienten-Verhältnis.
35:52Eine zweite wichtige Säule stellt eine symptomorientierte Medikation dar.
35:58Ja, so pflanzliche Mittel schon mal ausprobiert.
36:01Carmentin, okay, eine Mischung aus Pfefferminzöl und Kümmelöl,
36:06was gerade sehr gut auf Schmerzwahrnehmung, auf Blähung wirkt.
36:12Es gibt einige neuere Studien, die auch zeigen, dass es langfristig gut hilft.
36:17Und eine Ernährungsberatung bzw. eine Ernährungstherapie ist ein ganz wesentlicher Baustein.
36:22Und das wäre etwas, was ich Ihnen unbedingt noch mal nahelegen würde.
36:27Eine weitere Säule stellt tatsächlich die Psychotherapie dar.
36:31Wir wissen, dass Patienten oder Betroffene vom Reizdarmsyndrom häufig auch depressive Störungen aufweisen.
36:38Ich kenne ganz viele Patienten, denen es geht wie Ihnen.
36:41Und Sie sind damit absolut nicht alleine.
36:43Sie reagieren eben in verschiedenen Situationen eher mit dem Darm.
36:48Und so sind Sie eben.
36:49Ja.
36:50Ja, und das ist auch okay.
36:51Okay. Gut.
36:52Dann vielen, vielen Dank.
36:55So das erste Mal, dass ich das Gefühl habe, ich habe das angehört, mir wird zugehört.
37:04Entschuldigung.
37:05Ich verstehe, dass Sie eine lange Leidensgeschichte hinter sich haben.
37:09Ja.
37:10Und wenn man dabei nicht ernst genommen wird, dann macht das was mit einem.
37:15Darf ich Ihnen ein Taschentuch ansprechen?
37:16Ja, das ist absolut.
37:17Es muss immer wieder besprochen werden, was ist gut, was ist schlecht, wo können wir vielleicht noch was zum Positiven
37:23verändern.
37:24Das ist also ein Prozess.
37:25Und so wird das auch weitergehen.
37:37Hallo.
37:38Ja, Jana, wir haben jetzt die zweite Probe.
37:41Was sehr, sehr auffällig ist, ist die Verbesserung der Enterokokken.
37:46Und die Enterokokken sind verantwortlich für die Immunmodulierung.
37:51Und da hat sich auf jeden Fall etwas positiv in die richtige Richtung entwickelt.
37:56Okay, sehr gut.
37:59Zehn Minuten bis zum Stand.
38:03Der Triathlon im Tegernsee ist jetzt auch nochmal ein super Testlauf von meinem Ironman 73.
38:08Hier ist jetzt anderthalb Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radeln, zehn Lauf.
38:13Das ist immer eine gute Probe.
38:15Okay, wo steht man gerade?
38:16Wie viel muss man noch trainieren?
38:17Wo sind die Schwachstellen?
38:18Ja, Traumzeit ist immer eine Drei-Stunden-Marke knacken.
38:26Drei, zwei, eins, go!
38:32Jana hat viel Potenzial, ihre Darmgesundheit zu verbessern.
38:36Ja, was sie jetzt vielleicht, weil sie relativ gut drauf ist, in ihrer Leistungsfähigkeit
38:41vielleicht nur minimal erkennen kann.
38:44Aber man würde es sehen, wenn man im absoluten Spitzensport unterwegs ist,
38:48weil da zählt natürlich jeder Zentimeter, der zählt jede Sekunde.
38:55Jetzt kann es losgehen.
39:04Wir sind im Prinzip vom Muskel-Doping zum Blut-Doping jetzt im Darm-Doping gelandet.
39:11Es geht kalt, aber jetzt wird mir, glaube ich, wieder warm.
39:16Es gibt sehr, sehr interessante Studien.
39:18Die hat man im Boston-Marathon vor einigen Jahren gemacht.
39:21Und dort hat man von schnellen Läufern dann Stuhlproben genommen.
39:25Und diese Stuhlproben hat man dann übertragen auf Mäuse und hat dann gesehen, dass diese Mäuse plötzlich leistungsfähiger werden.
39:32Hier hat man auf jeden Fall mal Ansätze gesehen, dass wenn man das Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Bakterien,
39:39die sich da unten im Darm befinden, wenn wir die beeinflussen, zum Beispiel indem wir den Stuhl von schnellen Sportlern
39:47auf langsame Sportler übertragen,
39:49das ist jetzt in die Zukunft gesprochen, dass dann die langsamen Sportler möglicherweise schneller werden.
40:03Dann hat es geschafft und da waren halt Häuser auch.
40:07Und ein paar, die wirklich Triathleten sind, die richtig, richtig stark sind.
40:11Mit denen darf ich mich halt nicht vergleichen als Anfänger, also.
40:15Aber einfach weiter trainieren, stetig, dann wird es besser alles.
40:27Dass es mir heute wieder so gut geht und ich jetzt echt wieder Motivation und Kraft habe, das geht nicht
40:31einfach so von heute auf morgen, ich bin jetzt wieder der Alte.
40:34Ich hatte meine Phasen, wusste einfach nicht, was los ist.
40:37Und dann kam Vanessa in meinem Leben, das hat mir sehr viel Kraft gegeben.
40:39Eine Person, die mir einfach sagt, dass ich mehr bin als die Krankheit.
40:46Das Blöde an der Erkrankung, dass du es oft den Menschen nicht ansiehst, das ist halt in dir drin.
40:50Und da kann man sich aber öffnen und du musst es nicht mit dir selber ausmachen, du kannst da einfach
40:53drüber reden.
40:54Und offen sein, auch mal eine Psychotherapie wahrzunehmen.
40:57Weg davon gehen, von diesem Harten, von diesem Kernigen, was wir Männer oftmals haben.
41:01So, nee, ach, brauche ich nicht drüber reden.
41:03Doch, reden ist ganz wichtig, rauslassen.
41:05Und das hört sich jetzt hier alles so banal und wie so Geplänke an und wie so Sprüche, die man
41:10als Erwachsener hier mit einem Kind sagt.
41:12Also jetzt spätestens weiß ich, dass hinter all diesen Sprüchen auch irgendwo ein Stück Wahrheit ist, so dieses Denkmal positiv.
41:19Und verstehe, es gibt nicht die eine Person, die dir hilft und sagt, du nimmst jetzt die Pille und dann
41:23geht es dir wieder gesund.
41:24Du musst Verantwortung nehmen und gesund werden wollen.
41:33In Italien 2022, da habe ich tatsächlich das erste Mal so in die Insta-Story gequatscht.
41:40Das war eine ganz schreckliche Story, total verwackelt.
41:43Und meine Stimme hat gezittert, in der ich gesagt habe, dass ich einen Reizdarm habe.
41:47Und dann habe ich gedacht, nee, ich erzähle das jetzt.
41:49Wer es doof findet, der kann gehen.
41:51Und tatsächlich ist niemand gegangen, sondern ganz, ganz viele dazugekommen.
41:55Und wo sehr, sehr viele Menschen mir schon nach dieser Story geschrieben haben, danke, danke, dass du das ausgesprochen hast.
42:03Es ist so schön, wenn man sich nicht alleine fühlt, dass ich war einfach so lange in so meinem kleinen
42:07Schneckenhäuschen und habe gedacht, ich bin der einzige Freak.
42:10Der Darm ist tabuisiert. Ganz anders zum Beispiel als in einigen asiatischen Ländern, wie in Südkorea zum Beispiel, wo es
42:17gar ein ganzes Museumsdorf für die Toiletten und Stuhl gibt.
42:21Da redet man ganz anders und offen drüber. Aber das ist bei uns eben nicht so.
42:25Und deshalb werden wirklich Millionen von Menschen alleingelassen. Und das auch gerade in so ganz jungen Jahren.
42:32Ich glaube, wir schaffen auch viel mehr, als wir so uns selber eingestehen und von uns selber denken.
42:38Und es muss nicht immer nur das Safe Space zu Hause sein. Wir können auch rausgehen, wir können auch Sachen
42:42erleben, eben auf unsere Weise.
42:45Aber es kann trotzdem richtig, richtig schön werden.
42:49Der Darm mit seinen Billionen von Organismen. Er ist die Basis unserer Gesundheit und viel mehr als ein bloßer Nahrungsverwerter.
42:57Die Schaltzentrale für unser Wohlbefinden. Umso wichtiger, ihn zu schützen und gut zu behandeln.
43:05Ich glaube, ein gesunder Lebensstil ist der Schlüssel zu einer guten Darmgesundheit. Das mag banal klingen, aber ich glaube, da
43:12gibt es noch viel Potenzial bei vielen Menschen, das deutlich zu verbessern.
43:18Wenn ich merke, beim Darm ist alles im Gleichgewicht und die Verdauung stimmt, dann bin ich auch unfassbar gut drauf.
43:28Ich bin schon wirklich sehr dankbar für die kleinen Schritte. Einfach ein bisschen mehr am Leben teilhaben. Dass ich nicht
43:34irgendwie in 50 Jahren da sitze und sage, ich habe alles verpasst.
43:39Egal, was ich habe, ob es eine Unverträglichkeit ist, ob es eine Allergie ist, ob es ein Hautproblem ist, egal
43:43was, gucke ich zuerst, was macht der Darm.
43:47Und wer einmal einen Darm von innen gesehen hat, der gesund aussieht, wie schön der aussieht, der dünn Darm, mit
43:54dem Darm zornig ist, um das so wunderschön zu erhalten.
43:56Und dafür müssen wir was tun, dafür müssen wir forschen, weil der Darm eben einen so großen Einfluss hat.
44:03Darm des Darmes
44:20Darm des Darmes
44:23Darm des Darmes
44:24Darm des Darmes
44:25Darm des Darmes
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