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00:02It's like a rush, in the way you fall.
00:05It's about people who have a dream.
00:08It means everything.
00:09And some people who use it.
00:14If the contract is delayed, then blast me one.
00:18When I say, what's happening,
00:20then I don't get a job anymore.
00:23It's about my system,
00:24that the mutilies are often belohnt.
00:26I sat with a lot of people who say,
00:29that's so cool.
00:30And that's interesting.
00:32The people see each other with me.
00:34And the people who leave alone.
00:37Also, you don't want to be afraid of them.
00:40Although, there are always times in the light.
00:43There are many black flecks.
00:46You can't even see the show.
00:47Only on sale.
00:49Because it was extremely niedriged.
00:52It's a great job now.
00:54It's a tremendous price.
00:56Wann stoppt es irgendjemand?
00:58Menschen aus Film und Theater sprechen über ihre Erfahrungen.
01:02Es wird sich nichts ändern,
01:03wenn wir weiterhin alle die Schnauze halten.
01:14Vor etwa drei Jahren haben wir mit der Recherche begonnen.
01:17Über eine Branche, die immer wieder Skandale produziert.
01:23Natürlich geht es nicht überall so zu.
01:26Aber Berichte von Beleidigungen, Demütigungen, sexuellen Übergriffen
01:31werden immer wieder öffentlich.
01:34Wir haben mit Menschen gesprochen, die in dieser Welt arbeiten.
01:37Diese Welt lieben.
01:39Mehr als 200 von ihnen haben uns ihre Geschichte erzählt.
01:44Und dabei haben wir gemerkt, dass sich ihre Geschichten sehr ähneln.
01:48Die mutmaßlichen Täterinnen und Täter sind unterschiedliche.
01:51Aber das System scheint das gleiche zu sein.
01:54Wir haben uns gefragt, warum das immer wieder passiert.
01:57Jeder der folgenden Fälle hilft zu verstehen,
01:59was grundsätzlich falsch läuft in dieser Industrie.
02:02In der Stars euphorisch gefeiert werden.
02:04So wie hier.
02:05Der Gewinner der goldenen Kamera.
02:08In der Kategorie bester deutscher Mehrteiler.
02:11Mehrteiler Miniserie.
02:13Miniserie.
02:14Gilt.
02:14An Four Blocks.
02:16You done it!
02:18Ich habe die ersten zwei Staffeln geguckt.
02:20Ich war richtig Fan.
02:22Es gibt ja einen Spruch, don't meet your hero.
02:25Der passt hier ganz gut.
02:28Ich habe bei Four Blocks gearbeitet, hinter der Kamera.
02:31Und ich war in Staffel 3 dabei.
02:34Ich glaube, das war die zweite Staffel.
02:37Das war die dritte Staffel.
02:44Die Menschen, um die es jetzt geht, sind die Unsichtbaren der Filmindustrie.
02:48Sie arbeiten hinter der Kamera.
02:50Diese Bilder sind Beispiele für ihre Tätigkeiten.
02:53Ohne sie gäbe es keinen Film.
02:55Aber sie stehen oft unten in der Hierarchie.
02:57Sie sind die einzigen, die in diesem Film anonym sprechen.
03:01Ich möchte anonym bleiben, weil ich natürlich Angst habe, keine Beschäftigung danach zu finden.
03:06Vielleicht als schwierig zu gelten.
03:08Wir sind halt nach wie vor auf diese Leute angewiesen, die jetzt nicht in den nächsten zwei Jahren ausgetauscht werden
03:15und die halt ja einfach Jobs geben.
03:21Es ist nicht unbedingt zuträglich, jemand von denen zu sein, die das jetzt so öffentlich anprangern.
03:29Die erste Staffel vor Blocks erschien 2017.
03:33Kaum eine andere Serie hat das Gangsterleben in Berlin damals so authentisch und schonungslos dargestellt.
03:42Ihr seid angezählt, Ali. Und das hier ist erst der Anfang.
03:48Nein! Nein!
03:59Also der Start war super und das nahm dann an der guten Laune so nach und nach ab.
04:05Und das lag auch an dem Verhalten vor allem eines Schauspielers.
04:09Die waren nicht alle so, von denen, von der Truppe. Aber der Kida ist halt irgendwie völlig größenwahnsinnig geworden.
04:21Ich würde sagen, sehr impulsiv und super launisch, cholerisch.
04:26Da war einfach nur, was ihnen im Weg stand, dass das irgendwie platt gemacht werden musste.
04:31Wir waren nur Ventile.
04:33Also man möchte sich nicht mit Fotze beschimpfen lassen. Da hört der Spaß dann einfach wirklich komplett auf, finde ich.
04:39Der Vorteil einer Serie ist natürlich, dass man vier Monate angestellt ist.
04:43Und natürlich sehen da viele Leute den Vorteil drin bei so einer Langzeitanstellung.
04:47Und da ist man dann seinen Kollegen in den einzelnen Abteilungen, ja fühlt man sich verpflichtet, das jetzt zu machen.
04:53Wir haben auch gehört, dass tatsächlich mehrere Personen hinter der Kamera regelmäßig geweint haben.
05:01Hast du das mitbekommen?
05:02Ich habe auch geweint.
05:07Kida Ramadan spielten vor Blocks den Berliner Clan-Chef Toni Hamadi.
05:11Selbst in Kreuzberg aufgewachsen, wird Kida Ramadan für seine Darstellungen als Gangster berühmt und preisgekrönt.
05:21Ich kann mich an eine Situation erinnern, da haben wir in einer Wohnung gedreht.
05:25Kida saß am Tisch mit seinem Kollegen und es lag eine goldene Glitzertischdecke auf dem Tisch.
05:31Und Kida fummelte daran rum die ganze Zeit und plötzlich wurde halt die Maskenbildnerin reingerufen, weil anscheinend Glitzer auch in
05:38seinem Bad schon war.
05:40So, sie hat das nicht gleich gesehen und ganz in der Ecke saß an dem Tag ein Zusatzkollege von der
05:45Kamerabühnenabteilung.
05:47Und der hielt die Taschenlampe hoch, weil Glitzer sieht man ja nur in einem bestimmten Winkel.
05:51Und hielt eine Taschenlampe Richtung Kida hoch und sagte, das ist Berlin, war ein bisschen Glitzer.
05:57Und alle am Set waren komplett ruhig, haben Kida angeguckt, weil jeder wusste, was jetzt passieren wird.
06:05Der ist aufgesprungen und wie eine Dampflok hat er losgekeift, hat seinen Stuhl umgeschmissen, hat diesen Bühnenmann beschimpft aufs Übelste.
06:14Der wurde vom Set entfernt, der wusste gar nicht, wie schnell ihm da, also was ihm da geschieht.
06:21Die Produktionsfirma, die den Dreh verantwortete, bestätigt den Vorfall.
06:26Später wird sich Kida Ramadan für Verfehlungen in seiner Arbeit entschuldigen.
06:31Unser Film will aber etwas anderes zeigen.
06:34Es geht nicht nur um ihn, sondern um die, die es geschehen lassen.
06:39Es ist nicht die einzige Situation, bei der Mitarbeitende offenbar alleingelassen wurden.
06:45An den ersten Drehtagen habe ich schon mitbekommen, dass es immer sehr viel Diskussion mit der Maskenbildnerin gab.
06:51Oder besser gesagt, Konfrontation.
06:55Ich kann mich nur noch an diese Situation erinnern, weil ich diese Maskenbildnerin vorher noch nie so gesehen habe.
07:03Also er hat angefangen rumzuschreien, ist ihr sehr, sehr nah gekommen und hat wirklich sie beleidigt und beschimpft.
07:10Die Worte habe ich nicht genau gehört, aber sie ist wirklich immer mehr zurückgewichen und letztendlich waren auch viele Leute
07:16mit dabei und sie haben alle nichts gemacht.
07:18Es wurde nichts gesagt. Sie wurde nicht in Schutz genommen.
07:21Sie hat sich auch an die Produktion gewandt und gesagt, dass sie aufhören möchte.
07:25Und die Antwort der Produktion war wohl, das würde bei jeder Maskenbildnerin passieren, das bringt gar nichts auszutauschen.
07:32Also, dass niemand mal gesagt hat, also jetzt reicht's aber. Ich meine, klar, du bist hier der Hauptdarsteller.
07:39Aber gut, hinter dir arbeiten irgendwie noch 50 Leute, die eigentlich viel wichtiger sind als du und du behandelst die
07:47wie Dreck.
07:47Ich denke, am Ende war wichtig, dass einfach abgedreht wird. Hat sich aber bestimmt keiner Gedanken gemacht, dass es auch
07:55sicherlich Narben hinterlässt.
07:58Naja, es ist ja schon eine Art von Machtmissbrauch, wenn man weite Teile des Teams dazu bringt, zu verzweifeln und
08:08auch zu sagen,
08:09Ich will eigentlich gar nicht mehr hier arbeiten. Ich will weg hier. Mir geht es nicht gut. Ich habe schon
08:16seelische Probleme, muss ja jeden zweiten Tag weinen.
08:22Und der Typ ist ja nicht dumm. Der merkt das ja, wie die dann zusammenzucken. Das glaube ich schon.
08:29Ja, was mich halt noch interessiert ist...
08:32Ich glaube, ich brauche mal eine kleine Pause.
08:34Ja, voll. Auf jeden Fall. Machen wir.
08:44Wer könnte die Mitarbeitenden in Schutz nehmen? Zum Beispiel die Produktionsfirma, die vom Sender oder Streamingdienst beauftragt wird, den Bre
08:52durchzuführen.
08:54Bei ihr sind die Mitarbeitenden oft angestellt. Produziert hart vor Blogs, Wiedemann und Berg.
09:09Ein großer Player im deutschen Film- und Streaming-Business. Gegründet von Max Wiedemann und Quirin Berg.
09:17Hier nur einige Wiedemann und Berg Produktion. Das Leben der Anderen, Dark, Werk ohne Autor und Folgen des Weimarer Tatorts.
09:27Uns liegt eine Mail vor, aus der hervorgeht, dass die Produktionsfirma schon während der Dreharbeiten zur zweiten Staffel von 4Blogs
09:34darüber informiert wurde, wie sich Kedar Ramadan am Set verhält.
09:38Die Frage ist also, warum sie offenbar die Mitarbeitenden trotzdem nicht besser geschützt haben.
09:43Ein Interview wollen sie uns dazu nicht geben, sie haben uns aber schriftlich geantwortet.
09:49Wiedemann und Berg schreibt, dass ihnen die Sicherheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden am Herzen lägen.
09:55Sie mittlerweile zum Beispiel eine Vertrauensstelle eingerichtet hätten und es Ansprechpersonen am Set gäbe.
10:02Die Vorfälle bei 4Blogs lägen lange zurück und seien schwer zu rekonstruieren.
10:07Bei der Maskenbildnerin habe sich Kedar Ramadan entschuldigt und das dem damals Verantwortlichen selbst mitgeteilt.
10:13Eine Beschwerde der Mitarbeiterin selbst sei der Produktionsfirma nicht bekannt gemacht worden.
10:20Mitten in unserer Recherche, lange nach 4Blogs, entschuldigt sich Kedar Ramadan dann öffentlich, gibt eine Pause bekannt.
10:30Auch uns schreibt er auf Anfrage, er habe jetzt erkannt, dass er in der Vergangenheit viele Personen ungerecht behandelt und
10:37verletzt habe.
10:38Er arbeite hart daran, das zu ändern, auch mit Hilfe einer Therapie.
10:44In einem Podcast äußert er sich ebenfalls einsichtig.
10:49Manchmal schäme ich mich echt dafür, dass ich zu Menschen nicht nett war.
10:55Ich war so im Adrenalin, dass ich das echt teilweise nicht gemerkt habe.
11:01Keiner will, dass jemand so mit deinem Kind umgeht, denke ich mir. Weißt du, was ich meine?
11:06Und dann dachte ich mir, warum mache ich das denn hier alles so? Nur damit die Einstellung super ist, nur
11:11dass ich super Schauspieler bin.
11:13Es ist doch viel schöner, wenn einer Danke sagt am Ende des Tages für deine Arbeit.
11:17Wie es für Kedar Ramadan nach 4Blogs weiterging, dazu später mehr.
11:22Man könnte jetzt fragen, warum berichten wir überhaupt über diese Vorfälle, Kedar Ramadan hat sich ja entschuldigt.
11:29Aber es geht uns nicht nur um ihn, es geht uns darum, wie die Verantwortlichen auf sein Verhalten reagiert haben.
11:35Es wird wahrscheinlich immer Stars wie ihn geben, die sich scheinbar alles erlauben können.
11:39Die Frage ist, ob es ein System gibt, das das zulässt.
11:43Das wohl berühmteste Beispiel war der Schauspieler Klaus Kinski mit seinen mittlerweile ikonischen Ausrastern.
11:56Die Filmindustrie hat zahlreiche Skandale hervorgebracht. Es ging um Vorwürfe von Machtmissbrauch und Cholerik.
12:03Und in einigen Fällen sogar um Vorwürfe sexueller Übergriffe.
12:09Aber immer wieder wurden für mutmaßliche Täter Entschuldigungen gefunden.
12:14Wir haben mit Menschen aus der Branche darüber gesprochen.
12:17Das ist auch tatsächlich ein großes Problem, dass oft, vor allem glaube ich, Produktionsfirmen auch oft hinter diesen Leuten stehen,
12:28weil sie am Ende des Tages Geld bringen und weil sie einen bestimmten Ruf haben, dass Leute in die Kinos
12:35gehen oder einschalten.
12:36Grundsätzlich trägt genau ein Mensch die Verantwortung für Machtmissbrauch. Der Täter oder die Täterin.
12:44Es gibt aber rund um den Täter ein System, das begünstigend mitträgt.
12:54Menschen, die explizit Regisseure, Schauspieler etc. engagieren, von denen eigentlich ziemlich bekannt ist, dass sie sich immer wieder missbräuchlich verhalten.
13:05Du bist schnell austauschbar. Wenn du dich auflehnst, besetzt dich der halt nicht mehr, der Regisseur oder die Regisseurin.
13:12Dann wird halt wer anderer besetzt. Du bist so dankbar, diesen Beruf ausüben zu dürfen, dafür bezahlt zu werden. Das
13:18willst du nicht riskieren.
13:23Wir erfahren von einem Fall aus Österreich, über den dort öffentlich berichtet wurde und der trotzdem bisher kaum Konsequenzen hatte.
13:35Ich glaube, Paulus Manka wird hofiert einerseits, weil er natürlich ein spannendes Phänomen ist.
13:42Also man kann ihn nicht ignorieren, wenn man den sieht, wie er spielt oder auch in echt agiert. Das bleibt
13:47einfach hängen.
13:48In unserer Branche gibt es schon sehr viele Gerüchte. Manche haben Hand und Fuß, manche Gerüchte halt so sind. Eine
14:00große Seifenblase. Über den Herrn Manka gibt es da halt, glaube ich, Enzyklopädie.
14:10Paulus Manka, österreichischer Theateradel könnte man sagen. Die Mutter eine berühmte Schauspielerin. Der Vater Theaterdirektor.
14:20Manka ist selbst Schauspieler, auch in deutschen Kinofilmen und wird gefeiert als Regisseur für seine opulenten bis zu siebenstündigen Inszenierungen.
14:29Unbekannten Talenten soll er zum Durchbruch verholfen haben. Wie er mit Darstellenden umgeht, beschreibt er hier noch betont unschuldig.
14:37Wie gehen Sie mit Schauspielern um?
14:41Oh, das müssen Sie die Kollegen fragen, aber ich denke behutsam.
14:43Es ist wirklich fast jede einzelne Regieanweisung gebrüllt, Leuten ins Gesicht gebrüllt, immer mit Beleidigungen dabei.
14:50Stell dich da hin, du Arschloch! Verstehst du das nicht? Du bist wieder zu dumm, um das richtig zu machen?
14:57Und so geht es quasi die ganze Zeit dahin. Das ist nur so der Grundton. Das sind nicht die Ausraster,
15:02das sind nicht die schlimmen Zwischenfälle, von denen man vielleicht hört.
15:05Das ist einfach der Grundton.
15:08Aber es waren Beschimpfungen, grauslich der Art und Weise, täglich, stündlich, manchmal Gebrülle und Beleidigungen.
15:19Die Zitate waren, beweg dich du Fotze, du bist ein Mannsweib, das keiner ficken will.
15:24Wieder Leute fertig gemacht. Ich habe in meinem Leben noch nie so Leute hysterisch, also da sind die Leute fertig
15:31gewesen.
15:33Im klassischen Theater, wie hier im Burgtheater, gibt es meist mehrere Hierarchie-Ebenen.
15:39Etwa Intendanz, Geschäftsführung, Direktionen und Regie.
15:46Anders bei Paulus Manka. Er ist alles in einer Person, tritt de facto als Veranstalter, Arbeitgeber und Regisseur auf und
15:54spielt selbst in den Stücken mit.
15:56Viele berichten uns beim Vorsprechen, noch gute Erfahrungen mit ihm gemacht zu haben.
16:01Wer dann bei ihm spielen will, muss aber zum Teil restriktive Verträge unterschreiben.
16:06Das Gehalt bei Vollzeit betrug manchmal 1.600 Euro brutto monatlich.
16:14Versäumt die Darstellerin aus Gründen, welche sie zu vertreten hat, eine Aufführung, so ist eine Penale in Höhe von drei
16:22Monatsgehältern fällig.
16:24Darüber hinausgehende Schadensersatzforderungen bleiben dem Veranstalter vorbehalten.
16:29Es gibt nur Paulus Manka, der über allem thront, schwebt, herrscht und man macht, was er will.
16:37Man arbeitet so, wie er will, wann er will, wie viel man will, woran er will.
16:41Man kriegt sehr wenig bezahlt und man wird sehr schlecht behandelt.
16:47Wir recherchieren in Paulus Mankas Vergangenheit.
16:50Das heißt, wir schauen uns an, wir hatten in den letzten Jahrzehnten alles mit ihm gearbeitet.
16:54Insgesamt haben wir dafür rund 50 Schauspielerinnen und Schauspieler angeschrieben.
17:01Die Interviewten haben bei verschiedenen Produktionen in einem Zeitraum von mehr als 15 Jahren mit dem Regisseur und Schauspieler zusammengearbeitet.
17:10Doch nur einen kleinen Teil ihrer Erlebnisse können wir hier wiedergeben.
17:20Besonders viele Berichte erreichen uns in Bezug auf die Inszenierung ALMA – A Show bis ans Ende – zur Geschichte
17:26von Alma Mahler-Werfel.
17:27Paulus Manka führt es seit 1996 international auf, führt Regie und spielt selbst einen von Almas Geliebten.
17:38Das Stück ALMA verläuft ja seit 30 Jahren gleich und es kommen immer wieder Leute und schauen sich junge Mädchen
17:49an, die von Paulus Manka ausgezogen werden.
17:51Ich hatte nie ein Problem mit Nacktheit.
17:57Aber irgendwann, und zwar so ziemlich mit Beginn der Vorstellung, drehte Paulus Manka völlig durch.
18:06Und dann bei einer der, weiß ich, ich schätze mal so die siebte Vorstellung vielleicht oder so, hat er die
18:18Szene, in der ich eben quasi nackt war, auf einmal vollkommen abgeändert.
18:25Er hat angefangen zu improvisieren und wollte, dass ich ihm immer mehr hole.
18:29Also ich sollte immer wieder aus dem Saal verlassen, immer wieder diesen ganzen langen Saal nackt entlang des Publikums und
18:37sollte ihm dann jetzt noch ein Geschirrhandtuch und dann ein Glas Wein und dann ein Glas Wasser und dann noch
18:42ein weiß ich nicht mehr was holen.
18:45Und da merkte ich, dass ich total wütend werde.
18:51Das war so ganz normale Vorstellung und das war ja dann eben so die finale Szene.
18:56Und wir kamen da an und begannen so zu spielen und ich merkte, er ist irgendwie komisch.
19:03Er war irgendwie super angepisst, aggressiv irgendwie.
19:08Ja, dann habe ich halt weitergespielt und dann gab es eben diese Szene, nachdem ich diese Puppe ausgepackt habe.
19:17Und dann bewege ich die Puppe und er tanzt quasi mit der Puppe, aber ich halte die Puppe.
19:22Und in diesem Tanz hat er mich irgendwann so rumgerissen, dass es mir so in den Rücken, also es hat
19:28richtig weh getan.
19:29Meine Requisite, also meine Kerze, war nicht eingerichtet, deswegen musste ich kurz noch in die Garderobe, um diese Kerze zu
19:35holen, zu suchen.
19:36Ich kam zehn Sekunden zu spät, habe quasi das Stichwort verpasst.
19:41Er schaut mich wütend an, kommt auf mich zu, hochroter Kopf kommt auf mich zu.
19:46Vor allen Leuten holt aus mit der Faust und bam, haut mir richtig mit der Faust volle Kanne aufs Ohr.
19:54Das war für mich natürlich so erstmal Tinnitus, es ist mich überhaupt nicht ausgekannt, was ist jetzt los, was ist
20:00jetzt passiert.
20:02Hab dann die Szene abgebrochen, ich konnte nicht mehr weitermachen.
20:07Und jedenfalls dann bei der nächsten Szene war er völlig durch, also wirklich völlig ballerballer, hat irgendwie nur noch rumgeschrien
20:16und so.
20:16Und irgendwie erstmal hat er mich, glaube ich, geschubst oder irgendwie bin ich halt hingefallen und dann hat er, während
20:20ich auf dem Boden lag, hat er mir so gegen den Bauch getreten.
20:24Und das war richtig krass, also es war so, dass die Leute im Publikum, es ging richtig so einen Rauen
20:31durchs Publikum, es war klar, dass niemand mehr weiß, was jetzt echt ist und was geprobt.
20:37Und ich war, glaube ich, in dem Moment auch, also ich war komplett draußen.
20:42Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber ich schätze, ich bin einfach aufgestanden und rausgegangen.
20:47Hab heulend meinen besten Freund angerufen, dem erzählt, was da gerade passiert ist.
20:51Ja, aber ich habe nicht geheult, weil es jetzt so sonderlich wehgetan hat, sondern weil es einfach extrem erniedrigend war.
20:59Das hat wirklich, also ich war fix und fertig, ich habe total gezittert.
21:03Dass ich mir gewünscht habe, als ich aufs Fahrrad gestiegen bin, dass irgendjemand aus dem Publikum gegangen ist, weil das
21:09so scheiße war und weil das so unglaublich,
21:11also wie, was für ein Vollidiot, da so eine junge Frau einfach zu treten, es gegangen wäre und sozusagen, ich
21:20würde die Person auf der Straße treffen
21:22und die würde mir nochmal sagen, hey, alles okay und das ging ja gar nicht, was da war oder sowas.
21:27Also so eine Begegnung hätte ich mir gewünscht, das ist nicht passiert.
21:30Paulus Manka scherzt öffentlich unverhohlen über seinen Umgang mit Schauspielern dann.
21:37Die Schauspielerinnen, die mit dir gearbeitet haben, berichten davon, dass es fantastisch war, dass du natürlich ein Besessener bist, dass
21:43es auch viele blaue Flecken gibt.
21:45Du verlangst den Schauspielerinnen und den Schauspielern.
21:47Nur auf der Seele, nur auf der Seele.
21:48Na, auch an den Armen.
21:50Ist das weniger schlimm?
21:51MeToo ist an mir spurlos vorübergegangen.
21:53Ja, das hat mich auch gewünscht, dass dein Name nie auftaucht.
21:56Ja.
21:57Nicht der Funke eines Verdachts.
21:59Warst du enttäuscht oder warst du…
22:01Bisschen schon.
22:03Ab mir haben wir schon was erhofft, dass man…
22:05Aber du hast zum Beispiel mit…
22:07Aber ich habe sehr viel Geld und habe das natürlich so erledigt.
22:10Die Sache mit dem Fußtritt liegt länger zurück.
22:12Dieser und weitere Vorfälle landen damals vor Gericht.
22:16Der Prozess endet mit einem Freispruch.
22:19Seit Jahren nutzt Paulus Manka seinen Ruf, um ungeniert Eigenwerbung zu betreiben und profitiert davon.
22:26Der Gewinner des Publikumspreises, Paulus Manka.
22:37Heute bei uns zu Gast der Theatermacher und Schauspieler.
22:41Und muss man sagen, auch ein bisschen das Enfant Terrible, wenn ich das so formulieren darf.
22:46Schauspieler, Regisseur, Enfant Terrible, wie man so schön sagt.
22:49Also man muss sich sehr zusammenreißen, um den schlechten Ruf wirklich aufrechtzuerhalten.
22:53Aber ich glaube, es gelingt mir noch, auch mit dieser Sendung natürlich.
22:56Wir tun unser Bestes.
22:58Wir möchten mit Paulus Manka selbst über die zahlreichen Vorwürfe sprechen und reisen nach Niederösterreich.
23:05Genauer gesagt nach Semmering, wo Paulus Manka gerade inszeniert.
23:14Paulus Manka sitzt am Eingang der Location. Er verkauft und kontrolliert die Tickets.
23:18Ich war gerade bei Paulus Manka und habe mich mal ohne Kamera vorgestellt.
23:23Und dann habe ich gefragt, ob er sich ein Interview vorstellen kann.
23:26Das hat er erst mal verneint. Er möchte kein Statement abgeben.
23:30Er meinte dann aber, dass meine Chancen auf jeden Fall steigen, wenn ich mir erst mal eine Karte kaufe und
23:36mir das Stück ansehe.
23:39Paulus Manka spricht für diesen Film nicht mit uns, aber mehrere Zuschauerinnen und Zuschauer.
23:46Es eilt ihm halt dadurch einen Ruf voraus und vielleicht eine gewisse Erwartungshaltung auch an diesen Abend heute,
23:51wenn man halt nicht so genau weiß, was passiert oder was auf einen zukommen könnte.
23:56Wenn Sie jemandem sagen müssten, Paulus Manka, was ist das für ein Typ?
24:01Extrem unsympathisch.
24:03Warum?
24:07Weil er, also es hat bei der Maler eine letzte Szene gegeben mit einer nackten jungen Schauspielerin und es war
24:16extrem widerlich für mich.
24:18Ich war knapp dran rauszugehen.
24:19Schauen Sie, man kann immer nur eine Seite der Medaille sehen.
24:23Man ist selbst nicht dabei.
24:25Man kennt Sachverhalte nicht genau und der Snoop is like Showbiz.
24:30Gäbe es denn eine Grenze, wo Sie sagen, man hat als Zuschauerin auch eine Verantwortung, wo man hingeht?
24:36Also, dass man sagt, ab irgendeinem Zeitpunkt würde ich nicht mehr kommen?
24:38Da dürfte ich in viele Theater nicht gehen.
24:40Wenn wir hier von einem verurteilten Straftäter sprechen würden, würde das Konsequenzen für mich zu Trage bringen.
24:48Aber solange das nicht der Fall ist, halte ich es juristisch unschuld,
24:54solange bis die Schuld bewiesen ist und werde mit großem Vergnügen dieser Inszenierung zuschauen.
25:02Überraschend erhalten wir eine Drehgenehmigung für das Stück.
25:18Die Inszenierung dauert ca. 6 Stunden. Es geht um den Ersten Weltkrieg.
25:34Und in den schützten Graben geblüht. Er sagt, dass das immer ein Blut ist.
25:40Sogt ihr das Blut mir aus den Adern mit euren Luft und Meer?
25:47Ja, ich zweifle am Entschied. Ich zweifle!
25:54Das Publikum wird Teil der Szenen, folgt den Darstellenden durch das Gebäude.
26:03Dabei werden Essen und Getränke gereicht.
26:19Am Ende lehnt Paulus Manka ein Interview erneut ab.
26:41Wir senden Paulus Manka daher per Mail Fragen und eine Liste mit allen Vorwürfen.
26:47Daraufhin antwortet sein Anwalt.
26:50Selbstverständlich werde sich seine Mandantschaft zu unseren entbehrlichen und völlig unangemessenen Fragestellungen nicht äußern.
26:57Und er schreibt, ich ersuche um Verständnis, dass meine Mandantschaft kein Interesse daran hat, offensichtlich provokative Anfragen zu beantworten.
27:06Er kündigt stattdessen eine Rufschädigungsklage an.
27:15Unsere Recherche geht über mehrere Jahre. Immer wieder passiert Unerwartetes.
27:21In Österreich wird in dieser Zeit eine Debatte losgetreten.
27:29Man sagt, wenn die Welt untergeht, muss man nach Wien, weil da passiert alles 50 Jahre später.
27:33So auch MeToo.
27:35Das heißt, wir hatten tatsächlich zum ersten Mal in Österreich in den Wochen vor der Filmpreisverleihung 2022 die Situation, dass
27:45in einer breiten Öffentlichkeit über MeToo gesprochen wurde.
27:50Also über sexualisierten Machtmissbrauch in der Kunst- und Kulturbranche.
27:54Unter diesen Vorzeichen hat die Preisträgerin Luna Jordan in ihrer Dankesrede ihre Wut zum Ausdruck gebracht.
28:05Es ist sehr selten, dass man die Möglichkeit bekommt, vor solch einem Publikum zu sprechen, weshalb ich gerne diese Plattform
28:11nun nutzen würde.
28:12Ich habe auch total gehofft, dass ich nicht diesen Preis gewinne, weil ich wusste, okay, wenn jetzt mein Name gesagt
28:19wird, muss ich auf diese Bühne gehen und das sagen.
28:21Gerade erst vor einigen Wochen wurde ich zum vierten Mal Opfer eines sexuellen Übergriffs am Arbeitsplatz.
28:27Und ich bin nicht die Einzige.
28:29Gerade in den letzten Tagen haben sich die MeToo-Meldungen überschlagen.
28:32Doch was passiert?
28:34Zu wenig.
28:35Weil es keinen Raum gibt für dieses Thema, zu wenig Verständnis und zu viel Angst.
28:40Es ist vielmehr Teil unserer Branche, Teil der Film- und Theaterindustrie, Teil unserer Gesellschaft.
28:46Ich will kein Teil davon sein.
28:48Deshalb appelliere ich an alle, die sich nicht trauen zu sprechen.
28:52Lass uns gemeinsam das Schweigen brechen und diese Schweine stellen.
28:56Für die Zukunft des Films und für die Freiheit der Kunst.
29:00In diesem Sinne, all together now.
29:05Im Nachhinein war ich halt voll so, oh Gott, fuck, was habe ich gerade gesagt?
29:09Weil die Presse wird sich natürlich auf mich stürzen.
29:12Zwei Sekunden später waren halt Rufe im Publikum so, Namen, Namen, Namen.
29:16Und ich stehe halt auf der Bühne und bin so, ich kann ja jetzt keine Namen sagen.
29:20Also, was glaubt ihr gerade so? Das ist leider nicht so einfach.
29:23Also, das hat mich wütend gemacht, diese Namenrufe.
29:28Weil es wieder die Verantwortung auf die eine singuläre Person überträgt.
29:33Wir als System, als Gesellschaft, als Branche müssen das ändern.
29:38Viele Betroffene möchten keine Namen nennen. Sie haben zum Beispiel Angst vor Klagen oder beruflichen Konsequenzen.
29:45Das heißt, wir haben viele Erlebnisse gehört, bei denen wir die mutmaßlichen Täterinnen oder Täter nicht nennen dürfen oder wollen,
29:52die wir aber trotzdem abbilden möchten.
29:54Wir kennen die Namen und haben die folgenden Fälle natürlich auch geprüft.
29:59Indem wir mit Leuten gesprochen haben, die dabei waren, die die Umstände bezeugen können oder die mit derselben Person Ähnliches
30:06erlebt haben.
30:06Ich bin in so eine Situation gekommen, wo es hieß, entweder du eiskalt hieß es,
30:12okay Sarah, du willst, der Vertrag soll verlängert werden, dann blas mir ein und dann schauen wir weiter.
30:19Und ich bin sehr stolz auf mich, weil ich gesagt habe, nein, das mache ich nicht.
30:24Der Regisseur verlangt von dir Dinge, die du eigentlich nicht gerne tun würdest, sagt aber, das braucht das Stück.
30:31Ich hatte das mal am Theater tatsächlich mit einem Regisseur und es ging ganz, es klingt dann auch wieder so
30:40ein Klischee, aber es war so, dass ich mich nackt ausziehen sollte.
30:46Und ich habe gesagt, ich möchte das nicht oder ich finde auch, ich bin jetzt überhaupt nicht, ich denke nicht
30:51grundsätzlich, Nacktheit ist schlecht.
30:53Aber wenn ich als junge, weiblich gelesene Person auf der Bühne mich nackt ausziehen soll und alle anderen nicht und
30:59es macht innerhalb der Geschichte überhaupt keinen Sinn und es kann mir auch nicht inhaltlich begründet werden,
31:04dann werde ich halt auch irgendwie bockig und denke mir, warum sollte ich das machen.
31:07Ich habe mich ausgeliefert gefühlt, ich saß am Klon abgeheult, aber ich habe mich nicht machtlos gefühlt, ich hätte es
31:12nicht gemacht.
31:14Aber du hast geweint.
31:16Warum?
31:18Was war da, was hat das so ausgelöst?
31:21Jetzt muss ich wieder weinen.
31:22Es ist ein irrsinniges Ohnmachtsgefühl, es ist ein Ohnmachtsgefühl und gleichzeitig eine gewisse Wut auch dabei.
31:33Einfach, dass man in diese Lage kommt, dass man so ausgenutzt wird.
31:45Ehe wir über einen Verdacht von Machtmissbrauch oder sexuellen Übergriffen berichten und dabei einen Namen nennen, müssen wir uns als
31:52Journalistinnen sehr, sehr sicher sein.
31:54Denn es steht viel auf dem Spiel, nicht nur für die mutmaßliche Täterin oder den Täter, sondern auch für die
32:00Betroffenen.
32:00Deshalb sprechen wir mit vielen Zeuginnen und Zeugen.
32:04Wir haben mit mehr als 200 Menschen gesprochen.
32:06Rund 70 haben uns eine eidesstattliche Versicherung gegeben.
32:10Das heißt, sie haben ihre Aussage schriftlich bestätigt, sodass wir sie gegebenenfalls auch vor Gericht vorlegen könnten.
32:16Und fast 40 Personen haben wir zum Interview getroffen.
32:21Die Zahlen auf den Filmklappen zeigen, wie viele Menschen mit uns gesprochen haben.
32:26Alleine an die Öffentlichkeit zu gehen, würde sich kaum jemand trauen.
32:31Wir sehen, dass eine Täter-Opfer-Umkehr passiert, dass Betroffene als Lügnerinnen bezeichnet werden, dass man sagt, die machen sich
32:41nur wichtig, die wollen nur Aufmerksamkeit.
32:43Und das ist einfach so ungerecht, weil ich weiß, dass jede Person, die sich traut zu reden, sich das sehr
32:51lange überlegt und immer dabei ein mulmiges Gefühl hat, weil wir ja alle wissen, dass diese Anschuldigungen auf uns zukommen.
32:59Diese Leute haben dann oft auch einfach schon sehr einflussreiche Freunde. Das ist mir zum Beispiel auch angedroht worden, wenn
33:08ich quasi sage, was da passiert ist, dann sorgt er dafür, dass ich nie wieder einen Job irgendwo bekomme.
33:14Warum habe ich mich entschieden, dazu zu sprechen? Weil ich einfach auch will, dass es aufhört.
33:23Das Einzige, was ich machen kann, ist, dass ich mich hinsetze und sage, okay, das ist wahnsinnig unangenehm, das muss
33:29mal irgendjemand sagen, dass man so nicht arbeiten kann und dass es aufhören muss.
33:34Während unserer Recherchen hören wir immer wieder einen weiteren Namen, bei dem wir uns entschieden haben, ihn hier zu nennen.
33:41Ein österreichischer Filmregisseur, Julian Roman Pölzler.
33:45Einer seiner größten Erfolge war der Kinofilm Die Wand mit Martina Gedeck in der Hauptrolle, für den er ausgezeichnet wurde
33:53und den Preis freudig entgegennahm.
33:55Our prize goes to the Austrian production, Die Wand.
34:07Thank you very much. Thank you to the jury.
34:11It was a pleasure to be here at the Polinale and it's a great honor now to win this prize.
34:18Julian Pölzler hat bei uns am Konservatorium der Stadt Wien, also jetzt das MUK.
34:25Er hat auch Arbeiten vor der Kamera unterrichtet.
34:27Er kam so immer mit seinem Motorrad und in Motorrad Lederkluft und das war ganz cool.
34:32Das hatte so den Hauch von, wow, das ist ja toll, der unterrichtet jetzt.
34:40Ich habe es dann immer irgendwie so bemerkt, wenn dann Kolleginnen gesagt haben, hast du gesehen, wie er mich ansieht
34:46und so, achte mal drauf und so.
34:48Und dann hat man darauf geachtet und dann habe ich mir gedacht, ja stimmt, das ist eigentlich schon so ein
34:53bisschen so ein Abscannen von oben nach unten.
34:57Es waren immer wieder Situationen, Abstände einhalten, Berührungen.
35:04Hätte ich jetzt eine Wahl, dann würde ich auf jeden Fall mindestens einen Schritt zurück machen.
35:10Wir erhalten weitere schriftliche Aussagen.
35:13Auch da geht es um mutmaßlich anzügliche Bemerkungen und um unangenehme Berührungen durch den Dozenten Julian Pölzler.
35:21Diese Berichte sind aber nur ein kleiner Teil der Vorwürfe, die uns zu ihm erreichen.
35:26Und sie spielen in einem Umfeld, in dem potenzielle Grenzüberschreitungen schwer einzuordnen sind.
35:35Die Schauspielausbildung ist extrem fordernd. Studierende müssen emotional offen sein, gleichzeitig ein dickes Fell haben, bei Körperkontakt nicht empfindlich sein.
35:45Viele sind bereit, alles für den Beruf zu geben und dafür eigene Grenzen zu überschreiten.
35:52Für viele Darstellende, die mit uns sprechen, war ihre Ausbildung eine prägende Zeit.
35:59Wenn du auf einer staatlichen Schule bist, dann freust du dich sehr.
36:03Und dann geht aber erst so richtig das los, dieses, bei mir ging das los, dieses Gefühl, das, wie ich
36:09bin, reicht nicht aus.
36:12Du musst besser sein, weitergehen.
36:14Meine persönlichen Grenzen sind nicht in Ordnung, die müssen erweitert werden.
36:17Wir haben auch damals in der Ausbildung reines Zimmer gelernt, Leiden, Schwitzen, Blut, man hört das immer wieder.
36:22Ich glaube, so geht es schon vielen Schauspielern und das ist ja auch die Krux, sage ich mal, an dem
36:27Beruf, dass man sehr weit gehen möchte auch.
36:31Ich möchte nicht schwierig sein, ich will nicht kompliziert sein, ich will nicht das Problem sein.
36:38Und dadurch kommt man dann in so eine Machtspirale rein.
36:43Gerade am Anfang der Karriere wissen offenbar viele Schauspielende noch nicht, wo sie Grenzen ziehen dürfen.
36:48Was gehört dazu und was eben nicht?
36:51Auch bei Julian Pölzler fällt auf, dass die mutmaßlichen Grenzüberschreitungen vor allem Frauen am Anfang der Karriere betroffen haben.
37:01Eine Studentin bekommt nach dem Studium von Julian Pölzler eine Rolle in einem seiner Filme.
37:06Ich habe damals während dieses Drehs, und es kommt mir völlig absurd vor, das jetzt auszusprechen, bei ihm gewohnt.
37:17Wie absurd ist das, dass man engagiert wird für ein Projekt?
37:24Und dann wohnt man bei einem ehemaligen Lehrenden Zuhause.
37:33Und wenn ich jetzt darüber spreche, dann komme ich mir so lächerlich vor.
37:42Und als ich dann ganz am Anfang eben bei dem Produktionsleiter einen Termin hatte, hat mir der mitgeteilt, dass der
37:52Herr Pölzler möchte,
37:53dass ich in seiner dort angemieteten Villa, wo er dort wohnt während der Dreharbeiten, dass ich auch dort wohne.
38:05Althaussee, eine Gemeinde in Österreich.
38:08Viele seiner Filme dreht Julian Pölzler hier oder in der Nähe und wohnt in dieser Zeit offenbar vor Ort in
38:14einer Villa.
38:15Immer wieder hören wir von jungen Frauen, die in einem Haus mit ihm übernachten sollen.
38:21Es kommt für mich nicht in Frage. Es gibt geregelte Arbeitszeiten.
38:25Und ich möchte auch nicht mit dem Regisseur in einem Haus wohnen.
38:30Diese Mitarbeiterin eines Verlags war jedoch bei Julian Pölzler untergebracht, als sie eine Buchverfilmung von ihm begleitete.
38:37Dass sie scheinbar allein mit ihm im Haus sein würde, habe sie nicht gewusst.
38:42Spät am Abend, also nach den Dreharbeiten, ist Julian Pölzler dann in die Villa gekommen.
38:48Man hat sich zu mir aufs Sofa gesetzt und war nur im Bademantel bekleidet.
38:52Und wir haben dann weiter geplaudert ein bisschen und so.
38:56Und plötzlich hat er angefangen, mir Avancen zu machen, sich mir auch körperlich anzunähern und hat seine Hand auf meinen
39:02Oberschenkel gelegt.
39:05Und ich wollte mich dann möglichst elegant zur Affäre ziehen und habe dann gesagt, ich gehe schlafen und bin dann
39:12auf mein Zimmer gegangen.
39:13Ich bin geplanterweise dann danach abgereist und habe mir einerseits gedacht, dass das jetzt einfach blöd gelaufen ist.
39:21Und dann lassen wir es einfach gut sein und lassen wir es einfach stehen, wie es ist.
39:25Und das hätte ich auch sicher getan, wenn er dann nicht ein paar Wochen später begonnen hätte, mich beruflich zu
39:31diskreditieren.
39:32Ihr Chef im Verlag hält zu ihr. Sie will aber nicht, dass er Julian Pölzler anspricht.
39:37Die Zusammenarbeit geht weiter.
39:39Sie sagt ihm sogar später, sie sei ihm nicht böse, weil sie es einfach gut sein lassen will.
39:45Uns liegen Aussagen von drei weiteren Frauen vor, die am Anfang ihrer Karriere bei Julian Pölzler eingeladen wurden und bei
39:52ihm übernachteten.
40:03Der Produktionsleiter wusste offenbar von dieser Art von Unterbringung, empfand sie damals aber nicht als Problem.
40:10Die Frauen seien mündig gewesen, hätten Unbehagen artikulieren können, schreibt er uns.
40:15Heute würde er einer solchen Wohnsituation aber nicht mehr zustimmen.
40:22Selbstverständlich kann ich das verstehen, dass man sich nicht traut, abzulehnen.
40:26Es ist eine unglaubliche Hierarchie, Film und eben eine Abhängigkeit.
40:34Wenn ich es mir jetzt verderbe mit einer Produktion oder einer Regie, dann muss ich Angst haben, nicht ich jetzt,
40:43aber gerade am Anfang der Laufbahn, dann hat man Angst, dass man einfach nicht mehr engagiert wird.
40:50Da ist eine junge Frau, die, das klingt jetzt klischeehaft und ein bisschen kitschig, wenn man das sagt,
40:58aber es ist einfach so, die einen Traum hat.
41:02Und das Abstecken der Bedingungen dafür, wie man vermeintlich dahin kommt,
41:12das ist natürlich eine große Grenzüberschreitung und somit auch ein Machtmissbrauch.
41:18Auch in Bezug auf Dreharbeiten von Julian Pölzler hören wir mehrfach von verbal übergriffigem Verhalten.
41:28Es war keine konstruktive, sachliche Kritik.
41:34Es war ein Fertigmachen.
41:37Es war laut, es war aggressiv und es war nichts, womit ein Schauspieler was anfangen kann.
41:44Ich glaube auch nicht, dass ihm bewusst ist, was er mit seinem Verhalten bei wahrscheinlich vor allem jüngeren Schauspielern auslöst.
41:57Was löst er dann aus?
42:01Naja, es ist traumatisierend. Also es ist definitiv eine traumatisierende Erfahrung.
42:09Weitere Personen berichten von negativen Erfahrungen, die sie mit Julian Pölzler bei Castings oder ähnlichem gemacht hätten.
42:16Oft geht es darum, dass sich Frauen ausziehen sollten.
42:20Vor der Kamera wollen sie nicht darüber sprechen.
42:23Eine schreibt, dass sie sich alleine vor Julian Pölzler ausziehen sollte.
42:27Danach habe er gesagt, sie sei ohnehin zu jung für die Rolle.
42:31Sie habe sich danach dreckig und unwohl gefühlt.
42:41Im Laufe unserer Recherche erhalten wir einen weiteren Hinweis.
42:45Es soll ein Video geben, von einem Casting, das Julian Pölzler durchgeführt hat.
42:50Wieder geht es um sehr junge Schauspielerinnen.
42:55Wir können das Video zwar aus juristischen Gründen nicht zeigen, aber dürfen es anschauen.
43:10Beim Casting wird eine Gewaltszene gespielt.
43:12Wir sehen eine Reihe von sehr jungen Frauen, die das Opfer eines sexuellen Übergriffs verkörpern sollen.
43:25Uns fällt besonders eine Bewerberin auf.
43:28Sie trägt ein Kleid.
43:29Als Julian Pölzler ihrem Spielpartner die Szene erklärt, fasst er ihr mehrfach unter den Rock.
43:35Als sie versucht, seine Hände wegzudrücken, entgegnet er, das wäre nicht ihre Rolle.
43:40Sie solle es geschehen lassen.
43:42Aber das ist nicht das Einzige.
43:50Was auf jeden Fall ungewöhnlich war, dass die Gewaltszene, die man sieht, die zeigt er natürlich.
43:58Bei der ersten Darstellerin, die wir sehen, zeigt er sie.
44:01Und dann denkt man auch, okay, er zeigt den Darstellern, wie sie das tun sollen.
44:04Dann zeigt er sie aber bei jeder neuen Darstellerin nochmal und nochmal.
44:08Und man denkt, okay, die Jungs spielen doch die Szene schon die ganze Zeit genauso.
44:12Warum musst du es mit jeder jungen Darstellerin nochmal vormachen?
44:16Warum musst du nochmal eine Frau nehmen und ihr Gesicht in deinen Schritt drücken?
44:20Ist es wirklich notwendig?
44:22Oder gibt es jetzt andere Gründe, warum du das gerade machst?
44:26Wir versuchen, die Frauen im Video zu kontaktieren.
44:29Keine will mit uns vor der Kamera sprechen.
44:39Julian Pfölzler möchte uns auch nach wiederholten Anfragen kein Interview geben.
44:43Als wir ihm Fragen und eine Liste mit allen Vorwürfen schicken, antwortet sein Anwalt.
44:49Mein Mandant weist die von Ihnen vorgebrachten Anschuldigungen aufs Schärfste zurück.
44:54Diese sind insgesamt unrichtig und für meinen Mandanten nicht nachvollziehbar und völlig neu.
44:59Außerdem schreibt er, mein Mandant legt Wert darauf festzuhalten,
45:04dass er in seinem mittlerweile jahrzehntelangen Schaffen immer versucht hat
45:08und es ihm seines Erachtens auch immer gelungen ist,
45:11den entsprechenden brancheninternen Standards nachzukommen.
45:14So arbeite er nunmehr mit Intimitätskoordinatoren und zum Beispiel mit einer Beratungsstelle zusammen,
45:20um ein gutes zeitgemäßes Arbeitsklima zu gewährleisten.
45:24Er sei sich der Sensibilität der Thematik bewusst.
45:34Hat Julian Pölzler Grenzen überschritten?
45:37Es bleibt ein Verdacht, denn es gibt kein Urteil in der Sache gegen ihn.
45:41Und meist auch nicht gegen die anderen hier genannten mutmaßlichen Täter.
45:46Doch die beschriebenen Situationen, in denen ein Machtgefälle zu Grenzüberschreitungen führt,
45:51sind in der Branche nicht selten.
45:54Also ich finde es Macht und Ohnmacht.
45:57Einer ist mächtig und die andere Person ist ohne Macht.
46:01Und man hätte vielleicht die Wahl, dass man sagt, das ist mein Körper, ich kann entscheiden.
46:06Aber weil man in diesem System ist von, ich würde gerne die Rolle spielen
46:09und ich weiß, dass diese ganz einzige Person das entscheidet,
46:13ob ich jetzt in diesem Filmprojekt dabei sein werde oder nicht,
46:16bringt mich einfach in eine schwächere Position.
46:20Ich denke zum Beispiel, so wie oft mir Schauspielerinnen davon berichtet haben,
46:27dass sie ein Casting unter vier Augen mit einem Regisseur machen mussten
46:32und sich dabei nackt ausziehen mussten.
46:36Also so eine Situation darf einfach nicht vorkommen.
46:44Castingsituationen in einem geschlossenen Raum nur mit einem Regisseur oder einer Regisseurin sind ein Problem.
46:50Viele berichten uns, dass es immer noch solche Castings gibt.
46:55Also ich kann mich erinnern, dass relativ am Anfang meines Arbeitslebens ein Moment gab,
47:02wo ich von einem Regisseur zum Casting eingeladen wurde
47:07und ich sollte eine Apothekerin spielen, die in einem Film.
47:14Und dann hat er irgendwann gesagt, er möchte jetzt mit mir das Casting machen.
47:18Dann sind wir zu ihm in die Wohnung gegangen.
47:20Also es war, meine Schauspielagentur wusste das, auch meine Schauspiellehrerin wusste das,
47:27dass der das irgendwie, wo das stattfindet, da hat niemand zu mir gesagt, das ist nicht gang und gäbe.
47:31Und dann bin ich also zu dem in die Wohnung rein und wir haben das gemacht.
47:34Der hat mir so einen Kittel gegeben und dann habe ich diese Szene gespielt
47:38und dann kam der mit der Mini-DV-Kamera immer näher an mich ran und so.
47:41Das war halt unangenehm und dann haben wir es sehr, sehr oft gemacht
47:45und ich immer da in meinem Apothekerinnenkittel, Arztkittel
47:49und irgendwann waren wir dann durch damit und dann meinte er so,
47:52also du kannst gerne hier schlafen, weil die S-Bahn fährt ja jetzt gar nicht mehr,
47:55es ist jetzt schon so spät und dann kannst du hier schlafen, es passiert auch nichts,
47:57schläft bei mir im Bett.
48:00Und dann habe ich gesagt, nein, ich habe, ach, ganz blöd,
48:03ich hieß mir, fällt mir gerade ein, mein Freund wartet unten mit dem Auto auf mich.
48:07Und dann bin ich einfach aus dieser Wohnung rausgerannt und bin zur S-Bahn-Station
48:13und habe dann da mehrere Stunden gesessen und auf die S-Bahn gewartet
48:16und mich irrsinnig geschämt und habe gedacht, wie doof bin ich denn jetzt gewesen.
48:19Also es ist so ein, er hat mich, ja, ich habe mich richtig, ich habe mich richtig geschämt.
48:24Ich habe mich geschämt dafür, dass ich dachte, also ich habe in dem Moment,
48:26ich saß wirklich da und dachte so, niemals besetzt er mich nach dieser Aktion,
48:29nachdem ich jetzt da irgendwie rausgerannt bin, ja, und die Tür hinter mir zugeknallt habe.
48:33Ist ja klar. Und warum bin ich da überhaupt, also warum dachte ich überhaupt,
48:38dass das ein Casting ist?
48:39Das ist nur ein Beispiel für die privaten Räume, in denen Castings stattfinden können.
48:44Auch hier haben wir uns entschieden, den Namen nicht zu nennen.
48:47Wir wissen aber, um wen es geht und haben eidesstattliche Versicherungen
48:51von zwei weiteren Frauen, die mit demselben Mann Ähnliches erlebt haben.
48:59Wir haben auf mehreren Wegen versucht, den mutmaßlichen Täter zu erreichen.
49:03Aber keiner Antwort erhalten.
49:16Zurück zum Fall von Kida Ramadan.
49:19Seine Cholerik zu Vorblocks Zeiten liegt schon etwas zurück.
49:22Doch sein Fall zeigt etwas anderes, etwas Strukturelles.
49:29Den Kida Ramadans Karriere nahm nach vor Blocks erst richtig Fahrt auf.
49:34Seit seiner Rolle als Clan-Chef in der Serie 4 Blocks respektiert ihn sogar die Grimme-Preis-Jury.
49:41Ich habe auf jeden Fall verfolgt, wie seine Karriere weiterging.
49:44Und die ging ja steil nach oben, indem er dann selber Sachen geschrieben hat, Regie geführt hat.
49:49Wir freuen uns auf einen Mann, der tierisch erfolgreich ist.
49:54Ich glaube, so erfolgreich, dass er es vielleicht selber noch gar nicht so richtig verstanden hat.
49:58Kida Kuda Ramadan. Hallo!
50:00Dass die Aufmerksamkeit, die Popularität, der Hype um diese Figur viel wichtiger ist als Arbeitsumstände, das wird in Kauf genommen.
50:11Weil klar ist, okay, das kommt gut an, das wird, da gibt es irgendeine gewisse Quote.
50:17Und dann ist das in erster Linie das, was zählt.
50:23Produktionsfirmen und Sender schmücken sich mit Kida Ramadan.
50:26Und das hat er auch selbst erkannt, wie er in einer Doku stolz berichtet.
50:30Der Junge von der Straße hat verstanden, wie man mit diesen Produzenten und mit den Regisseuren klarkommt.
50:39Und die sitzen gerne mit mir am Tisch, fotografieren sich gerne mit mir.
50:42Weil ich mit meiner Jogginghose da sitze, mit meiner Rolex-Uhr und mal das Wort ficken und Fotze ausspreche.
50:48Das ist genau das, was sie schon ihr Leben lang sagen wollten.
50:51Und dann sagen die ihren Freunden, du, ich saß mit Kida da im Branche und der sagt einfach Fotze, das
50:55ist so geil.
50:56Und das ist halt das Interessante, die Leute sehen sich gerne mit mir.
51:032022 führte Kida Ramadan Regie für die Knast-Serie Asbest.
51:08Produziert wurde sie von der renommierten Produktionsfirma Pantaleon.
51:12Für die Serie Asbest wurde Pantaleon von der Digeto beauftragt, einer Tochterfirma der ARD.
51:27Also ich meine, ich finde es schon von den Öffentlich-Rechtlichen dann nochmal extra traurig, irgendwie, muss ich sagen.
51:34Ich meine dann auch noch Erfolg damit zu haben.
51:36Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll.
51:38Ich finde das wirklich erschütternd.
51:41Wir haben mit 18 Menschen gesprochen, die bei Asbest hinter der Kamera gearbeitet haben.
51:46Viele davon haben uns von ähnlichen Vorfällen wie bei Vorblocks erzählt.
51:50In Visier zu sein, das heißt ständige Schikane.
51:54Ständige Schikane für Kleinigkeiten.
51:58Was auf jeden Fall war, dass Leute panisch waren.
52:02Dass Leute sich auf jeden Fall in irgendwelche Ecken verziehen, um sich auszuheulen.
52:06Man hatte das Gefühl, er ist sich seiner Machtposition in diesem Fall halt absolut im Klaren und nutzt das auf
52:18jede erdenkliche Weise aus.
52:21Es war, finde ich, das komplette Ausreizen der Möglichkeiten, die einem gegeben werden, ohne dass es irgendwie mal Konsequenzen gibt.
52:29Mittlerweile haben wir gehört, dass Kida Ramadan sich kurz nach unserer Anfrage bei einigen Mitarbeitenden von Asbest gemeldet hat.
52:36Er bittet sie um ein persönliches Treffen und schreibt,
52:39Ich würde mich freuen, wenn ich die Chance kriege, mich nochmal zu entschuldigen bei euch.
52:44Habe viel Scheiße gebaut und will einfach nur ehrlich Sorry sagen.
52:50Ich werde nicht auf seine Schultern die ganze Schuld legen.
52:53Das Problem waren die Mittäter, würde ich sagen, die das geschehen lassen haben.
52:59Es gibt ja nicht wirklich eine Stelle, die was dagegen machen kann.
53:03Außer halt der Produktionsfirma.
53:06Und wenn die Produktionsfirma sich entscheidet, nichts zu machen oder mal abzuwarten, dann passiert gar nichts.
53:15Dieser Produzent von der Serie, der war die ganze Zeit dabei.
53:20Also das war halt, der war eher da, als dass er nicht da war.
53:26Und die haben nichts gemacht, gar nichts.
53:29Die haben weggeguckt, mitgehört und sich umgedreht.
53:34Die Situation bei Asbest wird für einige untragbar.
53:37Fast eine komplette Abteilung meldet sich krank.
53:41Eine Mitarbeiterin der Produktionsfirma soll sie dann aufgefordert haben, trotzdem weiterzuarbeiten.
53:49Aber sie hat nicht gecheckt.
53:50Krank ist krank.
53:51Das ist keine Verhandlung, die wir führen.
53:53Das ist krank.
53:54Es geht nicht mehr.
53:56Und dann kamen, ihr seid nicht teamfähig, ihr seid Verräter und und und.
54:00Ich werde mich daran erinnern.
54:03Was uns gesagt wurde, war, dass wenn wir jetzt gehen, dass man sich das ja merken würde.
54:07Und die Welt wäre klein.
54:09Was heißt das?
54:10Blacklist oder sowas?
54:12Uns liegen E-Mails vor, die diese Schilderungen stützen.
54:15Darin heißt es zum Beispiel an die Abteilung, ihr alle solltet euch alle richtig, richtig schämen.
54:21Oder in einer anderen Mail, ich werde mir das merken.
54:25Die Produktionsfirma Pantaleon schreibt uns, dass sie davon nichts wüssten.
54:29Eine freie Mitarbeiterin habe offenbar versucht, das Team zusammenzuhalten.
54:33Sie schreiben dazu noch, grundsätzlich dulden wir ein solches Verhalten nicht und wären hier bei entsprechenden Fällen vermittelnd im Sinne
54:42einer Lösung eingeschritten.
54:44Außerdem sagt Pantaleon, bei den Dreharbeiten zu Asbest seien dauerhaft drei Mitarbeitende von ihnen vor Ort gewesen, die bei Beschwerden
54:52umgehend das Gespräch gesucht und geführt hätten.
54:57In Auftrag gegeben wurde die Serie von der Degeto.
55:01Wir haben sie gefragt, warum sie sich, trotz der Vorfälle bei 4Blocks, für Kida Ramadan als Regisseur entschieden haben.
55:08Und ob sie dann mitbekommen haben, wie die Zustände am Set von Asbest waren und warum sie dann gleich die
55:14nächste Serie mit Kida Ramadan als Co-Regisseur produziert haben, wie er selbst freimütig erzählt.
55:20Ich habe vorher schon mal ein Interview gegeben und da habe ich schon gesagt, dass ich Scheiße gebaut habe bei
55:25Asbest, so zwei Monate vorher.
55:28Und dann habe ich irgendwann gesagt, ich mache diesen Testo-Dreh, die Serie heißt Testo und dann gehe ich in
55:37Auszeit, ich will das nochmal machen hier und dann bin ich weg erstmal. Das habe ich mir gesagt.
55:42Die Degeto schreibt uns, dass sie nichts von Kida Ramadans Verhalten beim Set von 4Blocks wussten.
55:47Nach etwa der Hälfte der Drehzeit bei Asbest hätten sie von möglichem Fehlverhalten von Kida Ramadan erfahren und sofort reagiert.
55:55Vertreter der Degeto seien regelmäßig am Set gewesen und hätten das Gespräch mit Cast, Crew, Regie und auch den Produzenten
56:03gesucht.
56:05Produktionsfirma Pantaleon und Auftraggeber Degeto hätten außerdem gemeinsam Maßnahmen ergriffen, die Präsenz am Set erhöht und nach einer Aussprache und
56:14Entschuldigung von Kida Ramadan habe sich das Klima am Set sofort verbessert.
56:18Unsere Gesprächspartner haben das allerdings nicht so wahrgenommen. Pantaleon und Degeto sehen das anders.
56:26Die Degeto betont noch, dass man mittlerweile betroffene Mitarbeitende ermutige, sich direkt an sie zu wenden.
56:32Beim Dreh der neuen ARD-Serie Testo mit Kida Ramadan habe es eine Deeskalationstrainerin gegeben.
56:39Konflikte bei diesem Dreh seien der Degeto nicht bekannt.
56:43Auch Kida Ramadan schreibt, es habe bei seinen letzten Projekten keine Vorkommnisse gegeben.
56:55Werden sich neue Standards durchsetzen? Wird sich grundsätzlich etwas ändern? Für viele wird es Zeit, dass sich die Struktur einer
57:03ganzen Branche wandelt.
57:07Die Namen sind nicht egal. Aber gleichzeitig dürfen wir auch nicht denken, wenn wir jetzt dann die Namen haben und
57:13sie sind draußen, ist alles gut.
57:14Es ist so, dass man damit ein Spiel aufdeckt. Ein Spiel, das die alle miteinander gespielt haben.
57:22In den höheren, besseren Positionen. Produzenten mit Regie etc.
57:29Die Leute, die Sets einrichten oder die Lampen hinstellen, die dafür sorgen, dass morgens um sechs das Catering auf den
57:35Ruf gelassen wird.
57:37Das sind die wichtigen Leute, die man fragen muss, wenn man wissen will, wie es bei einer Produktion zugeht.
57:43Es ist halt so schwierig, gerade eben diese großen Produktionsfirmen zu ändern.
57:48Und die müssen einem gewissen gesellschaftlichen Druck ausgesetzt werden.
57:54Ich hoffe auch, dass es auch interessant nicht nur innerhalb des Berufes ist, sondern da geht es um Arbeitsverhältnisse, die
58:05einfach nicht in Ordnung sind, die menschenunwürdig sind.
58:12Nach etwa drei Jahren Recherchen und etlichen Skandalen, die in dieser Zeit aufgekommen sind, bleibt eins hängen.
58:19Es wird immer Menschen geben, die ihre Macht ausnutzen.
58:23Die Frage ist, ob es ein System gibt, das ihnen genau das ermöglicht.
58:31Es braucht mehr Mut generell in dieser Branche. Nein zu sagen, aufzustehen und zu sagen, das ist Sache, da müssen
58:39wir was tun dagegen.
58:41Und deswegen habe ich mich jetzt entschlossen, auch mein Gesicht zu zeigen und offen darüber zu sprechen und jetzt nicht
58:47irgendwie Angst zu haben.
58:49Es fällt mir noch immer wahnsinnig schwer, darüber zu sprechen.
58:51Und ja, ich würde einfach gerne so damit abschließen irgendwie.
58:57Und ich habe immer das Gefühl, desto mehr ich darüber rede, desto leichter ist es jedes Mal danach irgendwie vom
59:02Gefühl.
59:23Alles okay jetzt?
59:24Ja!
59:25Ciao!
59:25Yeah, ma'am.
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