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00:01Raben gelten als schlau, sind streng geschützt, doch sie sollen Nutztiere regelrecht angreifen.
00:09Im Schnitt sind es ungefähr fünf Tiere am Tag, die wir tatsächlich durch Kolkrabenangriffe verlieren.
00:17Tödliche Attacken durch Kolkraben? Viele Freilandhalter verzweifeln sogar.
00:23Es ist nicht schön mit anzusehen, wenn man teilweise so Rabenmassaker sieht, wo sie denn die Tiere 10- und
00:2820-fach abgeschlachtet haben.
00:30Es ist scheiße, kann man nicht anders sagen. Es ist einfach scheiße.
00:34Doch Experten meinen, Raben töten keine Nutztiere. Sie seien Aasfresser, keine Jäger.
00:44Der Kolkraben sagt, ich töte heute mal ein Lamm, ich gehe da hin und mache das. Das ist nicht möglich.
00:48Es ist ein hochemotionaler Streit zwischen Nutztierhaltern und Naturschützern.
00:53Als wir uns auf die Lauer legen, erleben wir Szenen, die selbst renommierten Rabenforscher neu sind.
00:59Also um mehr zu sein, das habe ich auch noch nicht gesehen.
01:03Sind Raben gefährlich? Müssen wir sie weiter schützen oder eher abschießen?
01:15Die Freilandhaltung von Schafen ist seine Bestimmung.
01:18Jan-René Hartmann aus Karlsruhe ist Schäfer mit Herz.
01:22Er liebt seine Tiere und möchte sie idealerweise das ganze Jahr über draußen halten.
01:27Doch so einfach ist das nicht mehr.
01:31Er will uns etwas zeigen.
01:34Auf diesem Solarfeld bei Karlsruhe halten seine Schafe das Gras kurz.
01:39Hier bekommen die Mutterschafe ihren Nachwuchs in freier Natur.
01:43Doch seit zwei Jahren scheint es hier Attacken auf die Lämmer zu geben.
01:46Durch Kollkraben.
01:48Die Raben sind, egal unter welchem Paneel, hatte ich Angriffe hier auf der gesamten Solaranlage verteilt.
01:54Also hier war ein Lamm tot und halt eben auf beiden Seiten und auf die gesamte Fläche.
01:57Und die Vögel sitzen oben in den Bäumen drin und hören wahrscheinlich auch, wie die Mutterschafe in der Geburt sind.
02:04Also wie die die Wehen haben und das Lamm auf die Welt bringen und attackieren halt das Lamm und das
02:10Mutterschaf während der Geburt.
02:13Er zeigt uns seine Handy-Videos. Ein Rabe sitzt auf einem toten Lamm.
02:19Näher komme ich nicht dran.
02:21Der Vogel soll das frisch geborene Tier getötet haben.
02:25Aber ich habe von der Entfernung den Raben gesehen.
02:28Man sieht es ganz deutlich. Während der Geburt werden hier die Augen ausgepickt.
02:31Der Geburtsschleim ist ganz frisch. Das ist ein ganz frisches Lamm von gerade eben.
02:34Das ist noch warm sogar.
02:36Und er fängt dann an, hinten auszuweiden, die Gedärme rauszuziehen.
02:43Das ist einfach eine Katastrophe.
02:45An dieser Stelle soll ein weiteres Lamm angegriffen worden sein.
02:49Es lebt noch. Ihm fehlt ein Auge.
02:59Ach, Mann, hey.
03:03Ach, so eine Scheiße.
03:07Seit über 20 Jahren ist er Schäfer. So etwas habe er noch nicht erlebt.
03:12Aber kaum jemand glaubt ihm.
03:15Es reicht einfach. Es reicht einfach mit diesen Scheißviechern.
03:19Also das ist grausam. Das wird mir jetzt genauso schlecht wie vorher auch.
03:22Also wenn man da das erste Mal dann auf diese guckt. Ich muss es ausmachen.
03:29Das will man nicht sehen als Tierhalter.
03:35Er versucht das Lamm an dem Abend noch zu retten.
03:40Und sucht einen Tierarzt, der dem verletzten Tier helfen kann.
03:46Wir haben jetzt insgesamt 20 Tierärzte in der Umgebung angerufen.
03:49Alle Tierkliniken haben uns abgewiesen.
03:51Die gängigen, weil sie Kleintier zulassen haben.
03:56Dem Lamm geht es immer noch gut.
03:59Ist soweit.
04:01Und wir hoffen jetzt einfach, dass der Doktor uns aufmacht.
04:03Danke.
04:05Mit einem Auge könnte es noch weiterleben.
04:08Das Lamm bekommt ein Antibiotikum.
04:11Doch während der Untersuchung stellt sich heraus, es ist nicht zu retten.
04:17Nicht nur das eine Auge, auch die Zunge wurde mutmaßlich herausgepickt.
04:24Ohne Zunge kann das Lamm nicht trinken und würde verhungern.
04:28Die Zunge haben sie leider auch gefressen.
04:31Das heißt, wir müssen es jetzt einschläfern.
04:36Wenn das Lamm auf die Welt kommt, kommt ja der Kopf zuerst und die beiden Vorderbeinchen.
04:41Und dann kommen die Kollgraben und picken das Auge raus.
04:45Und in den meisten Fällen bei den Lämmern, die direkt tot gewesen sind, war auch das Gehirn mit direkt angepickt.
04:49Also ich habe insgesamt elf Lämmer verloren, immer mit der gleichen Ursache.
04:59Viele Naturschützer sagen, das seien nur Einzelfälle.
05:04Doch auch andere Schäfer, wie Ernst und Stefan Fauser von der Schwäbischen Alb, berichten von solchen Attacken.
05:11Sie sind im Beirat des Landesschafzuchtverbandes Baden-Württemberg.
05:16Viele Schäfer seien betroffen, meinen sie.
05:22Da ist das jetzt, wo sie hinter den Rücken aufgepickt haben, da haben sie am Schwanz rumgepickt.
05:29Da ist jetzt, das Lamm hat noch gelebt, wo mein Pfalge gekommen ist.
05:35Angriffe während der Geburt seien häufig.
05:39Ab Lammzeit sei Rabenzeit, sagen sie.
05:46Eine Freilandgeburt geht normalerweise relativ schnell.
05:51Danach versuchen die Lämmer aufzustehen, um an die Milch der Mutter zu kommen.
05:57Da sieht man jetzt halt, dass das Lamm die erste Stunde oder so relativ schwach ist.
06:03Weil bis das mal zu Kräften kommt.
06:07Das ist natürlich eine leichte Beute für die Raben.
06:10Das Lamm ist schwach.
06:11Und dann fangen sie gleich an zu picken.
06:14Irgendwie wieder hinter dem Schwanz.
06:16Oft fangen sie hinter dem After an.
06:19Oder dann Augen, Zunge.
06:21So Sachen.
06:24Auf YouTube finden wir ein Video eines britischen Jagdkanals.
06:28Es zeigt einen Vorgang einer schwereren Geburt bei einem Schaf.
06:33Der Kopf des Lammes hängt heraus.
06:36Ein Rabe pickt zu.
06:38Es ist unklar, ob das Lamm bereits tot ist.
06:41Das Video bestätigt die Berichte vieler Züchter.
06:45Die sagen, Raben picken bereits während des Geburtsvorganges zu.
06:51Ich will das Lamm schon beschützen.
06:54Wegen dem geht es immer im Kreis.
06:57Dahinter ist der Geburtsvorgang.
06:59Das kann natürlich zum Tod führen vom Lamm.
07:04Wäre das ohne den Raben auch gestorben?
07:06Es ist eine Schwergeburt. Heißt das sofort?
07:09Nicht immer, nicht immer.
07:10Klar kommt es mir vor, dass es tot auf die Welt kommt.
07:13Aber natürlich konnte ich das nicht auch erleben.
07:16Ich habe schon ein Lamm gehabt, das hat noch gelebt.
07:18Wo ich gekommen bin, das war auch eine Schwergeburt.
07:21Aber im Endeffekt konnte ich es noch erlösen,
07:23weil die komplette Zunge gefällt hat.
07:26Wodurch?
07:26Durch die Raben.
07:32Immer wieder gibt es Berichte über solche Verletzungen.
07:34Raben sollen verantwortlich sein für hohe Todeszahlen bei Weidetieren.
07:40Sie seien für mehr tote Schafe verantwortlich als Wölfe.
07:44Killer-Raben, so heißt es, würden Gänse und Kälber todhacken.
07:49Es sei wie bei Hitchcock.
07:52Doch viele Landwirte beklagen,
07:54dass weder Politik noch der Naturschutz das Problem ernst nehmen würden.
07:59Ein Grund, es gibt kaum verlässliche Zahlen über mögliche Tötungen durch Raben.
08:05Deswegen starten wir eine bundesweite Abfrage nach möglichen Attacken von Raben auf Nutztiere.
08:11Wir fragen Freilandhalter von Rindern, Schafen, Schweinen und Gänsen sowie deren Verbände.
08:17Welche Körperteile werden verletzt? Gibt es Opfer? Und wenn ja, wie viele?
08:26Wir bekommen viele Fotos und Videos zugeschickt.
08:30Verletzte und tote Tiere.
08:34Laut deren Halter alle durch Raben angegriffen.
08:40Herausgepickte Augen.
08:42Verletzte Hinterteile.
08:47Die Rede ist von einer Bedrohung rund ums Jahr.
08:51Im freien Ablammen ist kaum möglich.
08:54Wir sind machtlos.
08:56Manche sagen aber auch, wer Probleme mit Raben habe, bei dem stimmt es mit dem Management nicht.
09:03Sei selber schuld. Das würde aufgeblasen.
09:05Der gleiche Kram wie mit dem Wolf.
09:10Raben zwischen Schweinen.
09:12Ein Landwirt aus Niedersachsen schickt uns diese Handyvideos.
09:16Von toten Ferkeln.
09:23Hier leben Schweine in Freilandhaltung. Öko-Standard.
09:28Für Landwirt Torben die natürlichste Form, seine Schweine zu halten.
09:32Doch Raben lassen ihn verzweifeln.
09:34Es kommen immer mehr, sagt er.
09:41Was ich jetzt zeige, sind die Ergebnisse der Kollgrabenangriffe, die auf unserer Saunhaltungsanlage stattfinden.
09:49Das sind alles frisch geborene Ferkel.
09:52Diese Ferkel waren komplett gesund.
09:55Die kleinen Tiere werden meistens am Schwanz attackiert.
10:00Es wird einfach weiter entlang des Schwanzes gepickt, bis die Weichstellen offen sind und die Gedärme angegriffen werden können.
10:09Und irgendwann fallen die Tiere dann um und die Kollgraben fressen sie dann bei lebendigem Leibe auf.
10:17Gerade als wir drehen, sind die Raben wieder da.
10:22Momentan sind die Kollgraben da vor der Hütte.
10:26Und wahrscheinlich sind ein paar Ferkel gerade draußen und werden von den Kollgraben attackiert.
10:31Das ist meine Vermutung momentan.
10:34Jetzt fliegen sie alle weg.
10:38Hier sieht man das Tote. Sie haben eins erwischt.
10:43Die Sau haben tränken und die hatten genug Zeit.
10:52Das war komplett gesund.
10:54Das war kein Kümmerer oder irgendwas. Das hatte eine normale Größe und schon komplett aufgegessen.
11:01War das Ferkel schon tot?
11:07Es laufen hier noch andere herum mit typischen Pickverletzungen hinten am Schwanz.
11:12Aber fangen meistens am Schwanz an, kriegen die dann kaputt.
11:16Und Kollgraben sind eben permanent in Bedrohung von oben.
11:20Sie sind klug. Sie wissen, was wir tun, wenn wir was anderes tun.
11:25Wir haben Vogelscheuchen aufgebaut. Nach einer Woche haben die sich dran gewöhnt.
11:28Wir haben etliche Sachen probiert.
11:30Dementsprechend müsste man jede Woche irgendwie was ändern.
11:34Und das kann natürlich kein Mensch leisten, wenn er normal auch noch alle möglichen anderen Verpflichtungen hat.
11:41Ja, ist nicht schön mit anzusehen, wenn man teilweise so Rabenmassaker sieht, wo sie denn die Tiere 10- und
11:4720-fach abgeschlachtet haben.
11:49Es ist scheiße, kann man nicht anders sagen. Es ist einfach scheiße.
11:54Eine Attacke zu beweisen, ist für Landwirte oft unmöglich.
11:58Die Raben fliehen schnell, bemerken jede Veränderung.
12:02Wir versuchen es. Doch auch wir sind trotz Tarnnetz scheinbar viel zu auffällig.
12:13Wir kommen noch einmal vor Sonnenaufgang.
12:19Aus einer der Schweinebuchten beobachten wir die Vögel.
12:23Die Raben sind die ganze Zeit zwischen den Schweinen. Und tatsächlich.
12:28Sie gehen auf die Schwänze, picken immer wieder zu. Aber bisher keine tödlichen Attacken.
12:37Um weitere Beweise zu sammeln, installieren wir Wildkameras.
12:42Sie filmen von allein und lösen bei Bewegung automatisch aus.
12:53Diese Bilder zeigen mehr.
13:03Dieser Rabe geht gezielt auf ein Ferkel los.
13:16Verschiedene Raben jagen die Ferkel.
13:20Ziehen an den Schwänzen, bis die Tiere umkippen.
13:44Hier haben die Raben ein Ferkel scheinbar erlegt. Vorher lag dort keines.
13:51Zur Abferkelzeit findet Landwirt Torben täglich mehrere tote oder schwer verletzte Ferkel.
13:58Auch mal bis zu 20 Stück.
14:01Manche Sauen verlieren ganze Würfe an die Raben, sagt er.
14:04Hier haben wir eins, was, ja, nicht mehr zu retten ist.
14:13Und noch lebendig, wie man sehen kann.
14:16Noch lebt's.
14:18Das muss ich jetzt gleich nottöten.
14:21Solche Funde setzen ihm zu.
14:24Das ist auch noch hier eine Ferkelleiche, die da grad mal trittiert wird.
14:29Hier picken sie weiter auseinander.
14:31Mit den Videos kann man eindeutig sehen, dass Kohlgraben aktive Raubtiere sind und keine Aasfresser.
14:38Dass sie, ja, das, was sie aus ihrer Intelligenz her gelernt haben, was sie kriegen können,
14:47also attackieren können und was sie eben jagen können quasi, dass sie das eben auch tun.
14:53Dadurch, dass es eben ein Raubtier ist, muss es in meinen Augen auch kontrolliert werden durch Jagd.
14:59Und das passiert eben auch nicht.
15:00Per Ausnahmeantrag durfte sein Betrieb vor Jahren einmal sieben Raben schießen, doch sie kamen wieder.
15:07Eine weitere Bejagung wurde abgelehnt.
15:10Für Bauertorben werden die Raben noch Folgen haben.
15:15Wir wollen mit dem Naturschutzbund über die mutmaßlichen Attacken sprechen.
15:19Dieser hat sogar eine Bundesarbeitsgruppe Rabenvogelschutz.
15:23Ein Interview lehnt der NABU ab, verweist an die Wissenschaft.
15:27Schriftlich heißt es, im weit überwiegenden Teil der Fälle, in denen Kohlgraben der Vorwurf gemacht wird,
15:33Nutztiere zu töten oder zu schädigen, betrifft dies nachweislich Kranke und Geschwächte oder tatsächlich bereits tote Tiere.
15:42Eine gängige Sicht auf Raben, der wir noch öfter begegnen werden.
15:48Wir fahren nach Österreich. Wer sich mit Raben beschäftigt, kommt an einem Forscher aus der Nähe von Salzburg nicht vorbei.
16:02Montagvormittag, eine neue Ausgabe SW1 Leute und ich begrüße ganz herzlich Thomas Buckner.
16:07Hallo.
16:07Schönen guten Morgen. Sie sind seit 25 Jahren einer der bedeutendsten Rabenforscher, weltweit anerkannt.
16:14Wir wollen erstmal über Mythen und Klischees aufklären. Gibt es da was, was sich ganz hartnäckig hält?
16:20Eines dieser Mythen ist, dass er Tieren oder auch Menschen, Kindern die Augen aushackt.
16:26Er stimmt nur zum Teil. Und zwar, er nimmt Augen raus, aber immer nur von toten Tieren.
16:32Also er ist nicht der Jäger?
16:34Er ist nicht der Jäger. Er jagt alles bis zu einer Maus oder einer kleinen Ratte, aber alles darüber geht
16:39nicht.
16:40Viele Freilandhalter, mit denen wir telefonieren, sehen das ganz anders.
16:46Die Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau-Almthal.
16:52Wir treffen Professor Thomas Buckner.
16:59Die großen Singvögel gehören zu den intelligentesten Vögeln.
17:04Aktuell geht es der Rabenpopulation sehr gut. Der Rabe wird als nicht gefährdet eingestuft.
17:11In den 50er Jahren fast ausgestorben, steht er mittlerweile EU-Wald unter Schutz und darf nicht bejagt werden.
17:19Zu diesem Raben hat Thomas Buckner so etwas wie eine Beziehung.
17:24Kannst du es mal was geben?
17:26No, einen Stein will ich.
17:30Einmal noch.
17:31Wilder Rabefutter muss er dem Forscher dafür etwas geben.
17:34Super.
17:35Zum Beispiel einen Stein.
17:38Danke.
17:41Wenn sie so intelligent sind, können sie dann auch Weidetiere aktiv töten?
17:46Es gab in den letzten Jahrzehnten und Jahren immer wieder Meldungen, dass Raben Weide oder Zuchttiere attackieren.
17:53Wie bewerten Sie dieses Thema? Gibt es das?
17:56Ich würde auf keinen Fall sagen, dass es das nicht gibt.
18:00Ich kann wirklich nicht einschätzen, wie hoch die Problematik ist.
18:06Es gibt keine Evidenz in der gesamten Literatur über die letzten 50 Jahre, dass das der Fall ist.
18:12Habe ich auch persönlich in meinen 30 Jahren Erfahrung mit Kolka nie gehabt.
18:15Kann sein, dass sie sie leicht so backen.
18:18Aber das ist jetzt keine Attacke im Sinne, dass sie die umbringen wollen, sondern es ist eher ein Ausprobieren, was
18:23geht mit dir.
18:24Und warum ist das für Raben generell interessant? Weil sie Aasfresser sind.
18:28Die warten unter normalen Umständen, bis ein Tier tot ist und dann versuchen sie es zu essen.
18:35Der Rabe als Aasfresser. Nur kleine oder schwache Tiere. Ausnahmefälle.
18:42Solche Aussagen ärgern die Fausers und viele andere Landwirte.
18:45Der Senior hatte sich sogar in der Radiosendung mit Rabenforscher Thomas Bugner bei ihm beschwert.
18:52Gerade kommt die Mail von einem Schäfer, Herr Fauser.
18:56Der sagt nämlich, er ärgert sich über die Aussage, dass Raben kein lebendes Fleisch fressen würden.
19:01Er hat nämlich 400 Lämpchen und die würden immer wieder von Raben attackiert.
19:05Thomas Bugner, was sagen Sie?
19:07Ja, okay. Also ich stehe zu meiner Aussage, dass sie keine lebenden Tiere die Augen aushacken.
19:16Also das habe ich bis jetzt keinen einzigen Fall, wo das gezeigt worden ist.
19:22Dennoch werden die Lämpchen attackiert.
19:24Die Lämpchen, also ich würde mich interessieren, was sie unter attackieren.
19:28Also was Raben sehr wohl machen, ist immer wieder austesten, ob die Tiere fressbar sind, ob sie sich bewegen.
19:36Wenn sie weglaufen, dann ist das das.
19:38Warum haben Sie da angerufen? Warum haben Sie geschrieben? Das waren Sie, ne?
19:42Das war ich, ja. Weil mir das einfach so auf den Keks gegangen ist, weil das immer wieder heißt, die
19:50Raben machen das nicht.
19:51Wir haben es so oft in der Wirklichkeit, er soll doch wenigstens in so einem Betrieb mal rausgehen und das
19:57mal sich vor Ort angucken, dann sieht er das in Wirklichkeit.
20:03Wir zeigen dem Rabenforscher Thomas Buckner erst einmal die Videos von den Ferkeln und fragen nach seiner Einschätzung.
20:13Ist mir lieber, ich sehe was, dann kann ich das nachher, da kann ich dazu Stellung nehmen.
20:24Haben Sie solche Bilder so schon mal gesehen, dass Sie die umschmeißen?
20:27Nein, also dass sie so umschmeißen, das kenne ich in dem Fall so nicht.
20:30Dieses Umwerfen ist ja wirklich etwas Neues. Also das ist offensichtlich eine Technik, die sie da gelernt haben, die immobil
20:39zu machen.
20:40Und wenn sie quasi, oder zu schwächen oder zu verletzen, das weiß ich jetzt nicht genau.
20:45Aber offensichtlich haben sie gelernt, das musst du machen und dann bewegt sich der irgendwann mal nicht mehr und dann
20:49kannst du den draufhauen und den essen.
20:52Wir zeigen ihm auch das Video vom frisch geborenen lebenden Lamm ohne Auge.
20:56Frisch gebrochenes Lämmchen, Mann.
20:59Ja.
21:01Also um ehrlich zu sein, wie gesagt, das habe ich auch noch so noch nicht gesehen.
21:06Wir können da halt schwer sagen, das machen Raben immer.
21:09Aber offensichtlich können sie an bestimmten Orten bestimmte Dinge lernen.
21:15Die Evidenz da scheint durchaus gegeben, also dann mag ich nicht irgendwas dagegen sagen.
21:21Also ein neues Verhalten bei Raben? Wenn ja, wie verbreitet ist es?
21:27Das wollen wir auch in unserer Abfrage wissen.
21:30Etwa 600 Betriebe nehmen daran teil.
21:33Als wir die Anzahl der angegebenen toten Tiere auswerten, sind wir überrascht.
21:39Etwa 3000 bis 5000 tote Nutztiere soll es 2024 durch Raben gegeben haben.
21:45Das wären ähnliche Zahlen wie beim Wolf.
21:50Dies ist nur ein Stimmungsbild, keine valide Studie.
21:56Die meisten Rückmeldungen kommen aus Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
22:02Manche berichten von mehr als 100 toten Tieren pro Jahr durch Raben.
22:08Aus Brandenburg meldet sich ein Gänsezüchter.
22:11Etwa 4000 Gänse leben hier in Freilandhaltung.
22:15Dass Raben nur in Ausnahmefällen gesunde Tiere attackieren, erlebt er hier ganz anders.
22:22Im Schnitt sind es ungefähr fünf Tiere am Tag, die wir tatsächlich durch Kohlgrabenangriffe verlieren.
22:28Also das Schlimmste, was wir bis jetzt hatten, war tatsächlich so, dass wir fast durchgehend eine Population von 200 Kohlgraben
22:36hier hatten.
22:37Und dann ist es auch nicht mit fünf Tieren am Tag getan, sondern dann können es tatsächlich mehrere hundert Gänse
22:42sein.
22:44300 bis 400 tote Gänse pro Jahr, schätzt er.
22:50Mit einem Gasschussapparat will er die Vögel vertreiben.
23:02Doch das hilft nicht lang. Die Raben gewöhnen sich daran.
23:05Das berichten auch andere Halter in unserer Befragung.
23:11Immer wieder schickt uns Paul Isenberg Videos. Große, mobile Gänse, schwer verletzt.
23:18So sieht eine Gans aus, die von Kohlgraben einfach nur angehackt wurde.
23:25Am lebendigen Leib, alles offen hinten.
23:28Und jetzt haben die Kohlgraben da hinten in der Ecke eine mangert.
23:32Also ich bin vor zwei Stunden hier gewesen. Das ist jetzt Gans Nummer zwei, die ich jetzt mitbekomme heute.
23:39Sie machen die Tiere mürbe, indem sie permanent über die Gänse fliegen.
23:44Und ich sag mal, wenn eine Gans dann hundert Meter gesprintet ist, dann ist sie irgendwann nochmal erschöpft, setzt sich
23:51vielleicht einmal kurz hin.
23:52Und das ist dann der Moment, wo drei oder vier oder manchmal auch tatsächlich nur ein einziger Rabe dann sofort
23:59da ist und anfängt, ein Loch in die lebende Gans zu hacken.
24:04Jagen Raben ausgewachsene Gänse wie ein Greifvogel?
24:08Wir verstecken uns in diesem alten Melkstand in der Nähe der Gänseherden und versuchen so eine Jagd zu filmen.
24:20Zum Morgengrauen sind sie da, auf ihrem Lieblingsbaum.
24:28Dann, gegen Mittag, ein Rabe jagt eine Gans. Immer wieder pickt er von hinten.
24:46So eine Jagd haben wir in unserer Recherche bisher nicht finden können.
24:55Der Rabe jagt so lang, bis die Gans erschöpft anhält.
25:03Diese Gans kann später noch flüchten.
25:06Doch nach solchen Angriffen sind viele andere Tiere oft nicht mehr zu retten.
25:11Die Gans ist komplett offen hinten.
25:14Wie gesagt, Eingeweide guckt raus, Damschlingen.
25:18Ach, so armes Tier.
25:20Dafür wäre es wahrscheinlich sinnvoll, den Kohlgraben nicht mehr als streng geschütztes Tier zu behandeln.
25:26Weil wir ja sehen, was wir an Populationen hier haben.
25:31Und ich glaube, da bin ich auch nicht alleine.
25:33Was andere Landwirte auch an Übergriffen auf ihre Tiere haben.
25:37Wenn man die Population ein bisschen regulieren würde, wäre das mit Sicherheit der erste Schritt,
25:44das weitere Übergreifen der Kohlgraben hier zu verhindern.
25:47Solche Forderungen nach Regulierungen sind bei Tierschützern umstritten.
25:52Denn das heißt unter anderem Abschießen.
25:55Die Frage ist, welche Tiere wollen wir schützen? Raben oder Nutztiere?
26:01Und was macht die Politik für die Halter?
26:04Es gab in der Vergangenheit vereinzelt kleine Anfragen und Anträge bei den Landesregierungen, ob der Schutz des Rabens aufgehoben werden
26:12müsse.
26:13Da es wenige Belege gibt, wurden die oft abgelehnt.
26:17In Baden-Württemberg geht es vor allem um die Schafe.
26:21Wir treffen im Landtag Klaus Burger von der CDU.
26:25Auch er hat letztes Jahr eine kleine Anfrage gestellt.
26:28Der Rabe ist EU-weit geschützt.
26:31Trotzdem möchte er eine schnelle Lösung.
26:34Unkompliziertere Abschüsse.
26:36Wir brauchen diese Problemtiere im Jagdrecht.
26:41Das heißt überhaupt nicht, dass wir die ausrotten wollen.
26:44Das darf es auch nicht sein.
26:47Aber so haben alle Nachteile, alle Sorgen, alle Probleme auch finanziell, die Landwirte zu erdulden und irgendwann geben die auf.
26:59Zuständig ist das Umweltministerium in Baden-Württemberg.
27:03Die Schäferei sei für Naturschutz und Landschaftspflege unverzichtbar, heißt es hier.
27:12Doch Staatssekretär André Baumann von den Grünen sieht bei den Raben bisher keinen Handlungsbedarf.
27:19Das Problem scheint zu klein.
27:23Und wenn es tatsächlich eine Verhaltensänderung bei Raben in Baden-Württemberg gibt, dass die jetzt auch töten, dann müssen wir
27:33das auch angehen.
27:33In der Vergangenheit war es so, dass die Tiere, die untersucht waren, die waren schon tot, die waren sehr geschwächt.
27:40Das war manchmal auch der Betrieb geschwächt wegen irgendwelcher Krankheitserreger, die dann eben auch in der Herde drin waren.
27:47Und das war dann die eigentliche Ursache.
27:49Und als man das abgestellt hat, war auch das Rabenproblem plötzlich dann eben davon geflogen.
27:56Der Rabe ein Aasfresser. Er bezieht sich auf eine Untersuchung, die sein Ministerium selbst in Auftrag gegeben hat.
28:05Auch Experte Thomas Bugner und der NABU berufen sich darauf.
28:09Vor etwa zehn Jahren hat ein Biologe auf dem Truppenübungsplatz in Münsingen auf der Schwäbischen Alb zu Kolkrabenattacken auf Lämmer
28:17geforscht.
28:20In der Untersuchung spricht er von Halbwahrheiten der Medien. Über Treibungen über das Töten.
28:30Häufige Mythen seien, Kolkraben würden jagen. Es gäbe Killerraben.
28:37Für ihn ist ganz klar, Raben sind Aasfresser. Gezielte Verletzungen gibt es nur vereinzelt.
28:45Ernsthafte Pick-Verletzungen treten nur an Tieren auf, die vorher – aus Gründen, die nichts mit den Kolkraben zu tun
28:52haben – bewegungsunfähig geworden sind.
28:58Viele Schäfer, mit denen wir sprechen, sind verärgert über die Untersuchung.
29:04Ich habe diesen Wisht gelesen. Ich sehe es nicht, wie es da spielerisch beschrieben wurde.
29:11Die Kolkraben versuchen die Vitalität der Lämmer zu überprüfen, indem sie am Schwänzchen picken.
29:16Es verharmlost die ganze Situation.
29:18Denn die Kolkraben, die bei mir attackieren, sind alles andere als vorsichtig.
29:24Sondern die gehen gezielt während der Geburt, während das Lamm gerade den Kopf rausstreckt, aufs Auge und töten das Lamm.
29:33Noch bevor es einen Fuß auf die Erde setzen kann.
29:35Ich kenne keinen Schäfer, der das Problem hat, der sagt, die Studie ist gut.
29:41Jetzt sind zwei Meinungen da.
29:43Unsere Meinung wird nicht akzeptiert.
29:46Oder unsere Sichtweise wird nicht akzeptiert, dass das so ist.
29:54Hier in Hamburg sitzt der Verfasser der Untersuchung, über die es so verschiedene Meinungen gibt.
30:02Biologe Veit Hennig arbeitet an der Universität.
30:08Wir hatten auch mit den Schäfern in Baden-Württemberg bei allen Untersuchungen einen engen Austausch.
30:13Es ist nicht so, dass man da akademisch über diese Herden gegangen ist und nicht im Gespräch war.
30:19Man hat sie gefragt, was haben sie gesehen. Die wenigsten Schäfer haben auch solche Beobachtungen gemacht, was eigentlich passiert ist.
30:24Also ich habe, glaube ich, mehr Angriffe von Kohlgraben auf Lämmer gesehen als irgendwelche Landwirte.
30:31Der Forscher zeigt uns seine Videos vom typischen Schwänzepicken bei Lämmern.
30:37Wenn man jetzt mal das Video anschaut, dann sieht man, wie so etwas Austesten der Vitalität ist.
30:44Der Kohlgrabe nähert sich dem Lamm und er geht selten von vorne ran, eigentlich so gut wie nie, sondern immer
30:49von hinten.
30:50Wenn Pickverletzungen am Kopf sind, dann ist es wirklich nur ein Lamm, das eben auch festliegt.
30:55Aber Sie meinen, der hört dann auf?
30:58Wenn das Lamm liegen bleibt, dann hört er natürlich nicht auf.
31:01Aber das Lamm kann ja gesund sein. Nach der Geburt ist es ja schwach, aber gesund und könnte theoretisch liegen
31:06bleiben.
31:09Normalerweise stehen die Lämmer auf, sie müssen ja Kolostralmilch trinken.
31:12Wenn sie liegen bleiben, dann stimmt etwas nicht.
31:14Aber es könnte ja trotzdem überleben, also wenn der Rabe nicht wäre.
31:17Ja, aber das lässt sich nicht so einfach sagen.
31:18Die Sterblichkeit in Baden-Württemberg war über 12 Prozent nochmal an einem zweiten Tag.
31:24Also wir haben eine Sterblichkeit von 20 Prozent in den ersten Tagen.
31:27Auch wenn ein Tier noch gelebt hat, selbst bei der Geburt heißt es nicht, dass es überlebensfähig gewesen wäre.
31:34Also Lämmerverluste ohne Zutun des Raben.
31:37Das Verhalten der Raben liest er in vielen Fällen als Imponiergehabe.
31:43Wir zeigen ihm unsere Videos.
31:45Hier die Rabenattacke während des Geburtsvorgangs, mit ausgepickten Augen am Ende.
31:52Das gab es tatsächlich schon, wenn eine Geburt beispielsweise eben länger dauert.
31:57Dieses Schaf hat auch Durchfall gehabt wahrscheinlich.
31:59Hier ist sie sehr stark mit verkrott, verklebt gewesen.
32:02Dass bei Geburtsvorgängen, wenn das Lamm stecken geblieben ist, da sowas vorgekommen ist.
32:06Das hatte ich tatsächlich auch. Das sind aber große Ausnahmen.
32:10Aber uns wird halt berichtet, dass das öfter passiert.
32:13Also...
32:14Wollen Sie jetzt... Ich weiß nicht, ob Sie wollen, dass wir die Gans untersuchen.
32:17Dann können wir das auch abbrechen.
32:18Dann stellen Sie es mal nach.
32:20Quantitativ haben wir das drei Jahre lang untersucht.
32:22Mit allen Herden in Baden-Württemberg.
32:24Bei einer stabilen Kohlgraben-Population.
32:28Aber letztendlich müssen wir...
32:29Es gibt Ausnahmen dazu, die sind aber minimal.
32:33Das nächste Video. Die Rabenjagd auf die flüchtende Gans.
32:39Solche Bilder von verletzten Tieren. Auch da gibt es natürlich immobile Tiere drunter.
32:44Aber Sie haben es ja gesehen, er ist ja richtig nachgegangen einem immobilien Tier.
32:48Auch das macht er immobilien Tieren, dass sie beim Schwänzepicken nachgehen.
32:51Aber es heißt nicht, dass er dann unbedingt auch immer töten kann.
32:54Sondern das ist wie bei Greifvögeln, die in einem Schwarm nachgehen und schauen, welches Tier ist nicht vital.
32:59Aber es muss ja notgetötet werden.
33:02Ja, ich kann dazu nicht viel mehr sagen.
33:06Es ist aber bei Gänsen vielleicht so.
33:08Ich kann dazu noch zum x-mal nichts sagen.
33:10Bei Schafen eben verhält es sich anders.
33:13Die Attacken auf die Ferkel.
33:16Forscherkollege Buckner stufte sie als neues Verhalten ein.
33:23Wir haben die Videos auch Herrn Buckner gezeigt.
33:25Er meinte, für ihn sind die neu. Das Verhalten.
33:28Ich kann Ihnen mal das zeigen.
33:30Warten Sie, also haben Sie solche Videos schon mal gesehen?
33:32Also ist das Verhalten bekannt?
33:35Dem hinterherrennen ja.
33:39Das ist ein Mecklenburg-Vorpommern-Betrieb, wo 700 Kollgraben da sind.
33:42Der hatte ähnliche Probleme.
33:44Und der hat eben durch das Aufstellen von den Schutzhütten danach keine Probleme mehr gehabt.
33:47Aber hier stehen ja auch Schutzhütten.
33:49Also die Frage ist, wie bewerten Sie das?
33:51Bei Ferkeln habe ich es nicht gesehen.
33:52Ich habe, wie gesagt, bei Rindern Untersuchungen gemacht, bei Schafen.
33:55Dazu kann ich mal sagen.
33:57Das einfache Töten ist nicht möglich.
33:59Sondern Sie müssen sie festhalten und Sie müssen immobil sein.
34:02Und in der Regel ist es bei anderen Tieren mit einem Vitalitätsverlust.
34:05Bei Ferkeln kann ich nichts dazu sagen.
34:06Aber Sie haben es ja gesehen. Die sind ja mobil.
34:08Ich glaube, wir brechen hier ab.
34:11Sein Vorwurf? Wir würden ihn zu Dingen befragen, die er nicht erforscht habe.
34:21Es bleibt Kritik an seiner Untersuchung. Nicht nur bei Landwirten.
34:27Daniela Bürstl arbeitet für den Schafherden-Gesundheitsdienst in Fellbach-Baden-Württemberg.
34:32Für ihn betreut die Tierärztin täglich Herden im Freiland. Sie behandelt tausende Schafe im Jahr.
34:39In der Untersuchung heißt es unter anderem, Schäfer sollen ihre Tiere gesünder halten.
34:45Dann hätten die Raben weniger Chancen.
34:50Das Problem in meinen Augen von dieser Studie war, dass das sehr immer noch den Fokus darauf hatte, dass der
34:58Rabe immer noch als Aasfresser gilt.
35:00Tatsächlich nicht alle Tiere, die da dem Raben zum Opfer fallen, sind eben schwerstkrank, schwach und festliegend.
35:09Wozu hat denn das geführt Ihres Erachtens?
35:11Ja, es hat ein bisschen dazu geführt, dass erstmal pauschal gesagt worden ist, es macht was an der Tiergesundheit.
35:19Und das stimmt ja so nicht, weil eben auch viele von den von mir betreuten Herden, da haben wir aufwändige
35:26Gesundheitsprogramme.
35:28Und trotzdem berichten mir auch diese Schäfer von Attacken von Raben.
35:32Keine Ahnung, ob noch mehr Forschung gebraucht wird, aber im Prinzip muss die Sicht auf den Kohlgraben als Aasfresser sicherlich
35:40geändert werden.
35:41Der Rabe macht da Schaden und damit eben auch Schmerzen für das betroffene Tier.
35:46Das hat schon die Thematik Schmerzen, Leiden und Schäden, wie man es im Tierschutzgesetz dann auch immer zu stehen hat.
35:54Gibt es Länder, die mit dem Raben anders umgehen?
35:57In Europa finden wir wenig zu Angriffen durch Kohlgraben, nur vereinzelte Berichte.
36:05In Kanada werden wir schließlich fündig. In der Provinz Ontario gibt es ein Kompensationsprogramm, auch für tote Tiere durch Rabenangriffe.
36:17Die Verletzungen durch Raben werden eindeutig aufgelistet. Augen auspicken, Rektum verletzen.
36:25Wir sprechen die Verfasserin der Untersuchung. Sie bezeichnet den Raben als Raubvogel, der gesunde Jungtiere, sogar Erwachsene aktiv tötet.
36:39Sie können mobile, gesunde Tiere töten. Das haben wir herausgefunden. Sie ändern ihr Verhalten.
36:46Sie scheinen schlauer zu werden und ihre Technik anzupassen, sodass sie gesunde Lämmer, Mutterschafe und Kälber mühelos schwer verletzen und
36:53töten können.
36:56Wir schicken dann Ermittler auf die Farmen, die das verletzte oder tote Tier begutachten.
37:01Das eindeutigste Merkmal, dass das Tier vorher noch gelebt hat, ist, wenn noch Blut aus den Augenhöhlen austritt.
37:08Das ist eines unserer wichtigsten Anzeichen.
37:13Ist die Tötung durch den Raben bewiesen, entschädigt das Ministerium die Landwirte anteilig.
37:19So passiert es auch in anderen Provinzen in Kanada und in US-Staaten.
37:24Dazu kommt eine Beratung zur Abschreckung mit Augenballons oder Plastikraben am Galgen.
37:33Zumindest sind das erste Hilfsmaßnahmen.
37:39Viele Landwirte wünschen sich so ein System auch in Deutschland.
37:43Ansprechpartner, Aufklärung.
37:50Dieser Rinderhof in Mecklenburg-Vorpommern hat Probleme mit Rabenattacken auf Kälber.
38:00Die einzige Lösung, die man hier sieht, Raben gezielt jagen. Dies ist nur mit Ausnahmegenehmigung möglich.
38:11Dieser Jäger möchte seinen Namen nicht nennen. Aus Angst vor Anfeindungen.
38:16Sein Bruder betreibt den Hof. Er hat eine Abschussgenehmigung beantragt. Er musste selbst die Schäden belegen.
38:24Anfangs durften er und sein Kollege nur fünf Raben schießen, dann 20.
38:29Bei 300 Raben sei das wenig, meint er. Trotzdem ist er froh über jeden Abschuss.
38:37Die Bewilligung hat fast drei Monate gedauert.
38:42Und wenn ich im März merke, hier sind viele Kolkraben und ich stelle den ersten Antrag, dann ist die Zeit
38:49vorbei, bevor da irgendeine Bewilligung eintritt.
38:54Die Rabenjagd ist aufwendig. Man muss erst mal einen Jäger finden, der das machen möchte.
39:00Jede Veränderung wird von den misstrauischen Raben registriert. Und einen Tarnstand aufzubauen, das dauert.
39:10Das will auch nicht jeder. Und da sind wir dann bei dem Punkt, man kann die Raben ja auch nicht
39:17verwerten.
39:18Also nicht wie eine Gans oder eine Ente, dass man die irgendwie essen kann. Die müssen danach noch entsorgt werden.
39:23Und da ist der Punkt, wo viele Jäger sagen, ja, wieso soll ich den ganzen Aufwand machen? Für nichts.
39:30Dafür muss man entweder Urlaub nehmen oder eben das Wochenende opfern.
39:38Zu langsame Behörden, zu viel Aufwand. Viele Halter winken da schon ab.
39:44Auf Anfrage merken wir, es gibt weniger Anträge auf Abschuss. Trotz der Klagen.
39:53Der nächste Morgen. Die Jäger müssen im Tarnstand sein, bevor die Raben kommen. Vor Morgengrauen.
39:59Die Raben dürfen nur dort geschossen werden, wo sie nachweislich Schaden anrichten.
40:04Die Jäger bauen ein Lockbild mit Plastikraben vor dem Tarnstand auf.
40:08Die kommen sowieso. Und mit diesem Lockbild holen wir uns die in Schussentfernung.
40:13Dass wir die auf eine Entfernung rankriegen, auf die wir einen tödlichen Schuss abgeben können.
40:19Es ist umstritten, ob der Abschuss gegen Raben hilft. Der NABU schreibt uns, bei Jagddruck würden die Lücken durch die
40:26Populationen schnell wieder aufgefüllt.
40:37In Baden-Württemberg gab es laut Umweltministerium in den letzten zehn Jahren keine Erlaubnis auf Abschuss.
40:50Hier auf dem Hof in Mecklenburg-Vorpommern dürfen sie die 20 Raben in der Zeit von April bis Juni jagen.
40:56Die Abschüsse verteilen sie auf diesen Zeitraum, um einen Vertreibungseffekt zu erzielen.
41:02Und so müssen sie immer wieder neu vorbereiten. Heute bleibt es bei drei geschossenen Raben.
41:07Wir haben hier wirtschaftliche Schäden. Das ist nicht, dass wir die Raben jetzt hier irgendwie abgrundtief hassen.
41:15Die fügen uns finanziellen Schaden zu. Und das ist das Problem.
41:18Da muss man ganz klar sagen, dass die Raben mehr Schäden machen, also am Ende da mehr tote Tiere durch
41:27die Raben sind als durch den Wolf.
41:30Das ist zwar nicht belegt, aber auch das hören wir in unserer Befragung öfter.
41:36Was ist nun die Lösung?
41:39Abkalbungen oder Ablammungen könnten vorübergehend in den Ställen stattfinden, schlagen Nabu und Forscher vor.
41:45Wer keinen hat, soll häufiger kontrollieren. Also wieder Stall statt Freilandhaltung?
41:52Das sei leicht gesagt, finden die Fausers. Bei ihnen kommen nur die etwas schwächeren Zwillingsgeburten in den Stall.
42:00Für alle Tiere wäre er viel zu klein. Zudem wollten sie ja bewusst weg von der Stallhaltung.
42:09Was im Stall halt das Problem ist, dass ja die Schafe 24 Stunden im Endeffekt fast auf dem gleichen Fleck
42:17ist.
42:18Da brauchen wir viel mehr Hygienemaßnahmen wie zum Beispiel Eikalk mit Kalk oder ja auch viel mehr Medikamente oder sonst
42:26irgendwas,
42:27weil es einfach die Bakterien sich im Stall mehr verbreitet.
42:30Doch manche Freilandhalter bauen extra Ställe zum Ablammen, hören wir in der Umfrage. Wegen der Raben.
42:36Jan Hartmann wollte das nie, entschied sich bewusst für Freilandhaltung.
42:41Draußen haben die Mutterschafe mehr Platz, können sich bei der Geburt zurückziehen.
42:46Das geht jetzt nicht mehr. Er muss seine Lämmer besser schützen.
42:51Hier kommt dann der Schafstall hin, speziell für die Lammzeit.
42:57Einfach nur, um dann sicherzugehen, dass die Kollgraben da dann keinen Zugriff drauf haben.
43:04Es ist natürlich auch für meine Seite mit Kosten und natürlich mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden.
43:12Und die Illusion, irgendwo eine ganzjährige Weidetierhaltung zu ermöglichen oder möglich zu haben, die schwindet natürlich damit.
43:22Manche seiner Kollegen geben ganz auf. Auch wegen der Kollgraben.
43:30Wie der Schweinezüchter Torben. Hier werden die letzten Schweine abtransportiert.
43:40Die Attacken der Kollgraben waren ihm einfach zu viel.
43:55Das war immer psychisch belastend, wenn wir wussten, dass unsere Tiere von den Raben angegriffen werden.
44:01Hätte ich Schweinehaltung weitermachen wollen, hätte ich auf jeden Fall in den Stall reingehen müssen.
44:05Und ja, die Investition wollte ich nicht tätigen.
44:08Ich bin generell froh, dass ich beide Themen quasi jetzt los bin.
44:11Welche?
44:12Schweinehaltung und Raben.
44:15Unsere Recherche zeigt, Attacken von Raben auf gesunde Tiere finden offensichtlich statt.
44:21Welche Tiere wollen wir also schützen?
44:24Fest steht, ohne Anerkennung der Probleme verzweifeln Landwirte wie Torben.
44:43Hier werden keine Probleme verantwortlich.
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