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00:01Hello, my dear, I'm sorry that we're so early to come.
00:04Better to early than to late.
00:06Yeah, that's my life.
00:08Everything has a place, everything is scripted, without a lot of life.
00:11Yeah, if we met us too much so quick, we would have been.
00:14Oh, that's my life.
00:17Na, Gasebis, what's your name?
00:20How it's your man?
00:22It's not that it's not in this film.
00:25Since decades write and write and write Männer Geschichte.
00:30Aber man kann Geschichten nicht wahrhaftig erzählen,
00:32wenn man die Hälfte der Menschheit systematisch beiseite schiebt.
00:35Zeit, endlich das ganze Bild zu malen.
00:38Und die in den Blick zu nehmen, die hier durch die Beifahrertür einsteigen.
00:42Die Frauen.
00:5910. August 1955.
01:04In goldenen Lack getaucht, läuft im Werk von VW in Wolfsburg der eine-millionste Käfer vom Band.
01:15Mit rasender Geschwindigkeit scheint es in der noch jungen Bundesrepublik nur in eine Richtung zu gehen.
01:23Aufwärts.
01:26Mit den Augen der Frauen blicken wir auf das Wirtschaftswunderland.
01:30Worauf hoffen sie?
01:33Wonach strebt sie?
01:35Worauf wartet sie?
01:38Hat sich für sie das Versprechen auf Wohlstand schon eingelöst?
01:43Ist für sie das Glück zum Greifen nah oder noch ein Traum, der auf Erfüllung wartet?
01:50Welchen Anteil haben sie am Wirtschaftswunder?
01:53All die Frauen, denen wir auf den Filmen der Zeit begegnen.
02:00Die Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegsjahre scheinen fast vergessen.
02:06Ein Wirtschaftswunder hat das Land erfasst.
02:09Es verspricht Wohlstand für alle.
02:13Eine neue Chance auf das Glück.
02:16Die Bilder lassen keinen Zweifel zu.
02:18Die Wirtschaftswunderjahre sind eine Erfolgsgeschichte für alle.
02:23Oder doch nicht?
02:24Es wird immer jetzt vom Wirtschaftswunder in den 50er Jahren gesprochen.
02:28Und das betrifft ja wirklich nur einen ganz geringen Teil der Bevölkerung,
02:32die an diesem Wunder schon teilhatten.
02:34Klar gab es Wirtschaftswachstum.
02:36Aber für wen, durch wen, mit wem.
02:39Also ich bin froh, dass ich in eine andere Zeit geboren wurde.
02:551949.
02:57Die Bundesrepublik wird gegründet.
03:01An Wunder glaubt erst mal niemand.
03:04Man sieht es auf den Straßen, vier Jahre nach Kriegsende.
03:08Es gibt drei Millionen mehr Frauen als Männer.
03:13Vielleicht gehört sie zu den über eine Million Frauen,
03:17die der Krieg zu Witwen gemacht hat?
03:19Oder sie ist eine der acht Millionen Flüchtlinge und Vertriebenen,
03:23die in der Bundesrepublik eine neue Heimat suchen.
03:28Viele Männer sind noch in Kriegsgefangenschaft.
03:32Andere kehren als Invaliden heim.
03:37Man kam ja aus einem völligen Ausnahmezustand.
03:40Aus Kriegszeiten, aus Zerstörung.
03:43Die Familien waren gezeichnet in vielfacher Hinsicht
03:46durch Verluste von Familienangehörigen,
03:50Verwundungen von Familienangehörigen, durch Flucht.
03:55Durch den Nationalsozialismus und den Krieg mit all seinen Katastrophen
04:00sind die Frauen ja sehr gebraucht worden.
04:04Sie sind sehr tüchtig gewesen.
04:05Sie haben praktisch das Leben aufrechterhalten.
04:08Und dann geht es los.
04:10Das Wirtschaftswunder der Bundesrepublik.
04:13Im Rohrpott rauchen die Schlote.
04:15Im Hamburger Hafen boomt der Export.
04:17Zwischen 1950 und 1960 wird sich das Bruttoinlandsprodukt
04:22mehr als verdoppeln.
04:24Es herrscht Vollbeschäftigung.
04:26Die Wohnungsnot? Vergangenheit.
04:29Neue Eigenheime versprechen Behaglichkeit.
04:35Stellt euch vor, gestern haben wir eine Wohnung bekommen.
04:38Rattusieren.
04:39Rattusieren.
04:40Nun, was sagt ihr dazu?
04:42Auch Anbaumöbel.
04:44Hier lässt es sich wohnen.
04:45Behaglich und geschmackvoll.
04:47Behaglichkeit auf Lebenszeit.
04:52Alles bestens also?
04:551963 zieht eine Fernsehdokumentation Bilanz.
05:03Sind Deutschlands Frauen unglücklich?
05:05Das war die unerwartete Frage, die viele Gemüter erhitzt
05:09und eine Menge Zeitungen verkauft hat.
05:11Anlass der Erregung war eine Großumfrage
05:14der Kulturorganisation der Vereinten Nationen
05:17unter der weiblichen Bevölkerung der Industriestaaten.
05:20Ihre gemeldeten Resultate.
05:22Erstens, die zivilisierten Frauen seien in der Mehrheit
05:25unzufrieden mit ihrem Los.
05:27Und zweitens, die deutschen Frauen seien noch unzufriedener,
05:30als es die in England, Frankreich und Amerika sowieso schon sind.
05:33Nicht weniger als 80% der befragten Bundesbürgerinnen
05:37fühlten sich die meiste Zeit enttäuscht, entmutigt, unfroh.
05:41Niemand, so hätten diese Frauen geklagt, niemand verstehe sie.
05:45Man kann sie natürlich einfach ignorieren,
05:48diese Statistik weiblichen Missvergnügens in unserem Land.
05:51Wir haben versucht, die Sache nicht ganz so leicht von der Hand zu weisen.
05:54Wir haben versucht, diesen paradoxen Zeichen der Zeit
05:57ein wenig auf den Grund zu gehen.
05:59Was ist paradox an den Zeichen,
06:02die die Frauen 14 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik aussenden?
06:11Mit dem Grundgesetz von 1949 ist eigentlich festgeschrieben,
06:17Männer und Frauen sind gleichberechtigt.
06:22Dennoch gilt, ihr Mann hat das letzte Wort
06:26in allen Fragen der Kindererziehung.
06:28Und falls sie arbeitet, kann ihr Ehemann ihre Stelle kündigen,
06:33auch über den Wohnort der Familie darf er entscheiden.
06:37Dieses Familienrecht ist jetzt verfassungswidrig.
06:41Wie es neu zu schreiben ist, darüber wird 8 Jahre lang gestritten.
06:45Das war gar nicht so einfach, das zu konzipieren,
06:48wo man sich ja auch gar nicht einig war,
06:50was es überhaupt heißt, Gleichberechtigung,
06:53oder was es heißen sollte,
06:55ob Frauen und Männer dann wirklich die gleichen Rechte haben sollten
06:59oder eben vielleicht doch nicht.
07:15Das Bundesverfassungsgericht musste dann sagen,
07:17ja, das ist wirklich geltendes Recht
07:19und es muss jetzt umgesetzt werden, die Gleichberechtigung.
07:33Es schien ja in der ganzen Debatte ein Niedergang des Abendlandes zu sein,
07:36wenn die Frauen nicht für die Familie sorgen.
07:50Wir wollen uns einmal unverbindlich umsehen.
07:52Suchen Sie etwas Besonderes? Wohnzimmer, Schlafzimmer, Küche?
07:55Eigentlich alles. Wir haben nämlich jetzt eine Wohnung bekommen.
07:57Ein Glückwunsch.
07:57Und die möchten wir einrichten. Und dann wird geheiratet.
07:59Ich stehe gerne zu Ihrer Versicherung.
08:02Hier sitzt man wirklich sehr gut. Setz dich doch auch mal hin.
08:05Falls sie noch darauf hofft, dass sie nach ihrer Heirat
08:08die gleichen Rechte und Chancen wie ihr Mann hat,
08:11sie wird enttäuscht werden.
08:14Das neue Familienrecht, das 1958 in Kraft tritt,
08:19trägt den verheißungsvollen Namen Gleichberechtigungsgesetz.
08:23Aber Hausfrauengesetz wäre treffender.
08:26Ob sie will oder nicht,
08:28sie wird sogar gesetzlich verpflichtet,
08:31sich nach ihrer Heirat um Haushalt und Kinder zu kümmern.
08:34Man hat mit dem Gleichberechtigungsgesetz,
08:37das muss man sich mal vorstellen,
08:39wieder die Hausfrauen-Ehe richtig legalisiert.
08:41Indem die Frau in der Ehe
08:43vorrangig für den Haushalt und die Kinder zuständig war.
08:47Und der Mann als Ernährer galt.
08:49Danner Wetter, das ist ja sehr interessant.
08:52Finde ich gut.
08:53Das können wir notieren.
08:54Es gab eben noch die klare Pflichtenzuweisung
08:57und diesen Halbsatz,
08:58die darf erwerbstätig sein,
09:00aber solange das in Übereinstimmung ist mit ihren anderen Pflichten.
09:04Sich wie im Werbefilm für die Familiengründung neu einrichten,
09:08dieses Wunder können sich nur wenige leisten.
09:13Es waren einerseits Leute, die nichts verloren hatten,
09:16die gab es ja auch.
09:17Andererseits da, wo die Väter einen richtigen, guten Job hatten,
09:22sodass man also verheiratet sein musste,
09:24um das überhaupt praktizieren zu können.
09:26Denn berufstätige Frauen, die verwitwet waren oder alleinstehend,
09:30hatten auch nicht in dieser Weise an dem Wirtschaftswunder teil,
09:33dass sie jetzt sich neu einrichten konnten
09:35und alles kaufen konnten, was es irgendwie jetzt plötzlich gab.
09:38Sie haben nicht viel, sind Witwin oder leben allein.
09:42Und bei den anderen reicht das Gehalt des Mannes nicht.
09:45Sie müssen arbeiten.
09:47Sechs Tage die Woche, 48 Stunden.
09:50Dazu die Doppelbelastung durch Haushalt und Familie.
09:53Eine Überreizung beklagen viele Frauen.
09:56Heute sagen wir Burnout.
10:05Also früh halb fünf aufstehen, halb sechs geht die Arbeit los.
10:11Und um zwei hören wir nachher auf.
10:14Dann geht der Haushalt zu Hause los.
10:16Also auch schnell einkaufen gehen und Essen machen.
10:20Dann um sechs kommt der Mann nach Hause.
10:23Dann muss ich das Kind früh wegschaffen,
10:25ehe ich auf Arbeit gehe, abends wiederholen.
10:28Und wie lange haben Sie noch im Haushalt zu tun,
10:30bis Sie Schluss machen konnten?
10:32Also manchmal um zehn, manchmal wird es auch um elf.
10:35Zwei Drittel der arbeitenden Frauen sind in den 50er Jahren Industriearbeiterinnen.
10:4190 Prozent von ihnen in den untersten Lohngruppen.
10:47Während Frauen um die 25 oftmals schon kaufmännische Ausbildungen hatten und auch mittlere Schulabschlüsse,
10:53war es bei den 45, 50-Jährigen so, dass dort der Anteil der Schulabschlüsse geringer war.
10:59Aber dementsprechend auch die Ausbildungsabschlüsse nicht so häufig vorhanden waren.
11:03Sie haben keine Ausbildung, sind Angelernte oder gar Ungelernte.
11:08Von steigenden Löhnen im Wirtschaftswunder profitieren vor allem die männlichen Facharbeiter.
11:15Die Frauen? Eine billige und flexible Arbeitskraftreserve.
11:19Auch darauf baut das Wirtschaftswunder.
11:23Wenn Sie sich den Gender-Pay-Gap aus der Zeit ansehen, dann sind es etwa 45 Prozent.
11:29Ein Mann in der Zeit hatte durchschnittliches Gehalt von 450 D-Mark und die Frau lag bei 260 D-Mark.
11:37Aber der eigentliche Skandal war, dass es sogenannte tarifliche Abschläge gegeben hat für Frauenarbeit.
11:44Gleiche Arbeit, gleicher Lohn? Fehlanzeige.
11:48Frauen verdienen bis zu einem Drittel weniger als die Männer.
11:52Im exakt gleichen Job.
11:55Ihre Rechte in Anspruch zu nehmen, das war Frauen von der Sozialisation her absolut fremd.
12:00Man machte sich immer unbeliebt oder man gefährdete die Ehe oder auch die Arbeitsstelle,
12:05wenn man auf seinen Rechten bestand.
12:07Darüber können die Gewerkschaftsfrauen ja ganze Bibliotheken schreiben.
12:11Wie schwierig es war, Frauen zu finden, die den Lohnstreit anfingen.
12:191955 gab es dann ein wegweisendes Urteil vom Bundesarbeitsgericht.
12:24Und das hat gesagt, dass diese Abschläge, diese tariflichen, dass die nicht mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz aus dem Grundgesetz vereinbar sind.
12:31Und man hat sich dann ein anderes tarifliches Konstrukt überlegt und hat dann einfach Entgeltgruppen beschrieben, die halt auf Frauen
12:39passen.
12:40Und damit waren die Leichtlohngruppen geboren.
12:42Und da waren, oh Wunder, auch über 90 Prozent Frauen drin beschäftigt.
12:47Und das Thema Entgeltgerechtigkeit oder gleiches Entgelt, gleiche Arbeit, das zieht sich wirklich seit den 50er Jahren bis heute durch.
13:011955 wirbt die IG Metall mit einem Werbespot für die Fünf-Tage-Woche.
13:07Samtags gehört der Vati mir.
13:11Und Mutti?
13:12Wenn sie arbeitet, arbeitet auch sie sechs Tage die Woche.
13:16Vati soll dank der Fünf-Tage-Woche die Zeit mit der Familie genießen.
13:22Mutti ist immer im Dienst.
13:26Nervöse Störungen, Kreislaufschäden, totaler Schöpfung.
13:29Lang und deprimierend ist die Liste der Leiden, mit denen die doppelt belasteten Frauen in die Müttergenesungsheime unseres Landes kommen.
13:37Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hätten 70 Prozent der Haushalte, in denen Mütter mitverdienen, weniger als 500 Mark im Monat,
13:45wenn die Frau daheim bliebe.
13:47Wenn Sie nun die Möglichkeit hätten, zu Hause zu bleiben, würden Sie das vorziehen, also nicht zu arbeiten?
13:52Natürlich würde ich das vorziehen, aber es geht nicht.
13:56Wenn ich es mal geschafft habe, dann bleibe ich sofort zu Hause und kümmere mich um meine Familie.
14:00Arbeiten gegen Lohn war noch für einen erheblichen Teil der weiblichen Bevölkerung nicht das größte Ziel in der eigenen Lebensplanung.
14:12Warum auch, wo Ihnen, anders als Ihren männlichen Zeitgenossen, eine erfüllende Karriere nicht offen steht?
14:19Gut bezahlte Stellungen bleiben Ihnen weitgehend verschlossen.
14:24Schreibarbeit im Sekretariat ist Frauenarbeit.
14:28Ihr Chef natürlich ein Mann.
14:32Was dann nachher Wirtschaftswunder genannt war, ist eben getragen von den Männern, die einfach auch dafür sorgten, dass Frauen keine
14:39Konkurrenz sind.
14:43Junge Frauen beginnen in den 50er Jahren keine Ausbildung, um Karriere zu machen.
14:48Sie arbeiten, wenn möglich, nur vorübergehend, sparen noch ein bisschen an, häufig für die Aussteuer.
15:00Ich gehe mal davon aus, dass es auf jeden Fall damals Frauen gab, die was ganz anderes wollten und die
15:07sich auch im Beruf verwirklichen wollten.
15:10Es war die Adenauer-Ära und prägend für die Zeit war das Thema mit den 3K, Kirche, Küche, Kinder.
15:19Die ledigen jungen Frauen, die so zwischen 25 bis 35 waren, die haben zu über 80 Prozent gearbeitet.
15:28Mit dem Eintritt in die Ehe, mit der Heirat, ging das dann auf 17 Prozent zurück.
15:32Die 50er Jahre sind das goldene Zeitalter der Ehe- und Kleinfamilie.
15:39Nie zuvor haben in Deutschland so viele Menschen geheiratet, wurden so wenige Ehen geschieden, so viele Kinder geboren.
15:47Die Frau, die an der Seite eines Ernährers ihre Bestimmung als Hausfrau und Mutter findet,
15:52das ist das Leitbild und das ist die wechselseitige Rollenerwartung im Wirtschaftswunderland.
16:04Das Ganze galt als Modernisierung. Es war eine moderne Familie, die so war.
16:10Das ist das Verrückte. Dabei war es ein Rückschritt.
16:19Man musste auch zu Hause bleiben. Das war sozusagen der gesellschaftliche Zwang,
16:24der auch mit allen politischen Maßnahmen unterstützt wurde.
16:27Und das dann auch noch überhöht wurde als das Familienglück.
16:31Und da ist es auch interessant, dass gerade die DDR, die das ja andersherum machte,
16:35indem sie die Erwerbstätigkeit förderte und Frauen auch zwangen, kann man sagen, erwerbstätig zu sein,
16:40dass das uns als Gegenbild, als Kollektivismus, als Sozialismus entgegengehalten wurde.
16:47Die Kindergärten waren ja sowas von verschrien.
16:53Ein neues Frankfurt ist erstanden. Schöner und größer denn je.
16:58Dieser Film ist von 1954. Seit einem Jahr gibt es ein Bundesfamilienministerium.
17:05Mutterberuf ist Hauptberuf und hat höheren Wert als jeder Erwerbsberuf.
17:10Erklärt der Bundesfamilienminister.
17:12An die Wirtschaft appelliert er, vorzugsweise Familienväter einzustellen.
17:20Kindergärten gelten als Notbetreuungseinrichtungen.
17:23Nur für Kinder, deren Mütter aus finanziellen Gründen arbeiten müssen.
17:311954 wird ab dem dritten Kind ein Kindergeld eingeführt.
17:37Es ist keine Sozialleistung für notdürftige Familien, sondern soll ein Steueranreiz sein,
17:43mehr Kinder zu bekommen und Mütter von der Arbeit abzuhalten.
17:47Frauen Erwerbstätigkeit unattraktiv machen.
17:52Dafür wird 1958 ein weiteres neues Steuermodell eingeführt.
17:57Das Ehegattensplitting.
18:00Es gab eine Denkschrift vom Bundesfinanzministerium und die sprach von familienzerstörerischer Wirkung der Erwerbstätigkeit der Ehefrauen.
18:09Im Wesentlichen war die ganze Diskussion immer, wie kann man diese Familienideologie möglichst bis ins Steuerrecht durchdeklinieren.
18:18Und wie kann man die Frauenerwerbstätigkeit, wenn man sie nicht bestrafen kann, doch so möglichst unattraktiv machen.
18:25Das Ehegattensplitting bedeutet, je größer die Differenz zwischen den Einkommen der Ehepartner, desto größer die Steuerersparnis.
18:34Am höchsten ist sie, wenn ein Ehepartner sehr viel und die andere, und das ist fast immer die Frau, sehr
18:42wenig oder gar nichts verdient.
18:46Das Ehegattensplitting ist definitiv ein Kind dieser Zeit.
18:50Und das wirkt bis heute nach, weil es immer noch ein absolutes Fundament unseres Sozialstaats ist.
18:58Vom Bungalow bis zum Reihenhaus bedeutet neue Heimat, neues Glück.
19:09Sorgen um die Figur, um das Wirtschaftsgeld, um Ehe und Kindererziehung.
19:14So problembeladen ist das Frauenleben heute, dass allein Konstanze in jedem Monat mit 5.000 bis 6.000 Anfragen überschüttet
19:21wird.
19:21Die Trostabteilung von Konstanze, der meistgelesenen Frauenzeitschrift der Zeit.
19:27Frauen an Schreibmaschinen. Ihr Chef, der auch das Interview geben darf, ein Mann.
19:32Und dann die große Einsamkeitsfrage, die immer wieder kommt.
19:37Ich bin so schrecklich einsam, ich habe keinen Kontakt mit den Menschen.
19:41Es ist die Eifersucht.
19:43Der Mann ist heute ja, im Gegensatz zu früher, viel länger von zu Hause weg, die Frau ist viel mehr
19:50allein.
19:54Ins Auto springen und mal wegfahren aus der Einsamkeitsfalle, das ist nicht so einfach.
19:59Weniger als 5 Prozent aller Haushalte haben überhaupt ein Auto.
20:04Und wenn, dann fährt meistens der Mann.
20:06Eine Frau am Steuer in den 50er Jahren eine absolute Ausnahme.
20:21Machen wir eine Landpartie.
20:27Noch mehr als ein Drittel der Bundesdeutschen leben in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern.
20:35Auch auf dem Dorf ist der Mann als Oberhaupt der Familie unbestritten.
20:40Aber ein einsames Hausfrauen-Dasein, sie kennen es nicht.
20:45Mehrere Generationen leben hier gemeinsam unter einem Dach.
20:48Frauen arbeiten selbstverständlich mit.
20:53Die Motorisierung der Landwirtschaft bringt einen tiefgreifenden Strukturwandel.
20:59Kleine Höfe, für die sich die Motorisierung nicht lohnt, geben auf.
21:02Oder werden von den Frauen im Nebenerwerb betrieben.
21:06Vor allem wie hier in Süddeutschland.
21:08Denn dort sind die Höfe aufgrund des Erbrechts traditionell kleiner.
21:12Das Besondere der 50er Jahre ist nun, dass zum einen Trakturen in diese Landwirtschaften kommen.
21:19Und zum anderen, dass meistens das Moped dem Ehemann ermöglicht, weitere Arbeitswege in Kauf zu nehmen und zur Fabrik zu
21:28fahren.
21:30Ein reines Hausfrauen-Dasein führen auch die Frauen der kleinen Gewerbetreibenden nicht.
21:35Sie arbeiten im Geschäft mit.
21:39Firmeninhaber sind aber überwiegend ihre Männer.
21:43Es gibt sie ja auch, die Unternehmerinnen.
21:46Vielleicht führt eine dieser Frauen ihr eigenes Geschäft?
21:50Vielleicht kann sie es sich leisten, eine Haushaltshilfe und ein Kindermädchen einzustellen?
21:55Aber wird sie dann nicht eine Rabenmutter?
22:01Für die mitarbeitende Ehefrau des Bäckers, Maurermeisters oder Spediteurs gilt jedenfalls, der Haushalt ist allein ihre Sache.
22:10Wer kochte im Haushalt? Damals kochten gerade mal zwei Prozent der Männer.
22:21Alles, was mit Haushalt zu tun hatte, mit Kindererziehung zu tun hatte, war Verantwortungsbereich der Frauen.
22:27Es war nicht immer der eigenen Neigung entsprechend, aber der Anteil, der das fraglos akzeptierte, war doch sehr groß.
22:39Also die Ausstattung der Haushalte war ja noch auf einem Niveau, das können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen.
22:45Selbst rund 15 Jahre nach Kriegsende hatten nur knapp über die Hälfte der Bevölkerung einen Kühlschrank,
22:55ein Drittel etwa eine Waschmaschine und etwa zwei Drittel der Bevölkerung besaßen einen Staubsauger.
23:01Großer Waschtag an der Mosel.
23:04Der große Waschtag war für Hausfrauen ja anderthalb Tage voll Beschäftigung und war eigentlich für eine Person auch ohne fremde
23:14Hilfe kaum.
23:16Hier hilft kein Schreien und kein Klagen, das muss man halt mit Fassung tragen.
23:25Was soll man da noch weiter sagen?
23:28Frau Müller läuft und hetzt.
23:31So nimmt der Waschtag seinen Lauf mit Mühen und mit Hasken.
23:36Frau Müller muss nun wieder rauf.
23:38Sie darf nicht ruhen und rasten.
23:40Der Film Flirt mit einer Maschine inszeniert 1955 den Tag einer Hausfrau und verspricht Erlösung durch einen Waschvollautomaten.
23:52Für die Mehrheit ist ein solches Gerät aber noch unerschwinglich.
23:55Es kostet fünf Durchschnittsmonatslöhne eines Arbeiters und fast neun einer Arbeiterin.
24:01Anders als dieser Film es vorliebt, müssen die meisten Frauen weiterhin die Wäsche von Hand schrubben, walken, kochen, rühren, auswringen.
24:11Hier kommt die schmutzige Wäsche rein.
24:15Dann schalte ich die Konstrukte ein.
24:20Waschmittel gebe ich sparsam nun.
24:22Mehr habe ich nicht dabei zu tun.
24:25Frau Müller wird feststellen, dass sie doch mehr zu tun hat.
24:29Denn wo eine Waschmaschine vorhanden ist, wird nun häufiger gewaschen.
24:34Leibwäsche täglich gewechselt und der Ehemann möchte jetzt öfter als zuvor mit einem frisch gewaschenen und gebügelten Hemd im Büro
24:42erscheinen.
24:43Von der Werbeindustrie unterstützt, weckt die neue Technik ganz neue Bedürfnisse.
24:49Das Wirtschaftswunder dankt es.
24:53Das diente natürlich auch dem Ankurbeln der Nachfrage.
24:57Also diese Werbefilme zielten einmal darauf, was gibt es denn jetzt, um den Haushalt zu unterstützen.
25:02Zum anderen aber auch, das Wirtschaftswunder aus der Richtung nochmal zu unterstützen.
25:09Unter diesen Dächern wohnen Menschen wie du und ich.
25:12Sie alle sind so ziemlich zufrieden.
25:14Aber Wünsche, Wünsche sind viele offen.
25:18Herr Willmann, Frau Willmann, Lore und Wolfgang.
25:27Das Reich der Hausfrau, die Küche.
25:30Eine alte, unter uns gesagt sehr wenig praktische Küche, die viel überflüssige Arbeit macht.
25:39Auf dem Sofa da hinten schläft übrigens Wolfgang.
25:43Ja, so eine Hausfrau hat es nicht leicht.
25:46Vor allem dann nicht, wenn der Herd noch ein Erbstück der Urgroßtante ist und das Geschirr auf dem Küchentisch gespült
25:51werden muss.
25:52Und so wurde ganz gezielt die Hausfrau zur Konsumentin, Miss Consumer, war in den USA eine Figur, die es seitens
26:04der Industrie zu befriedigen galt.
26:08Und die auch als Expertin gefragt war, um Produkte genau so zu stylen und funktional so zu gestalten, dass sie
26:17für die Bedürfnisse der Hausfrau optimal waren.
26:22Erinnern Sie sich noch an die alte Küche, Frau Willmann?
26:25An den Herd?
26:27An das Spülen auf dem Tisch?
26:30Hier ist die Hausarbeit eigentlich keine Arbeit mehr, sondern ein Vergnügen.
26:35Es wurden auch Träume gelebt mit diesen Werbefilmen.
26:39Lorchen kümmert sich um den Kaffee, im Expresskocher sprudelt schon das Wasser.
26:44Diese schillernden Filme hatten etwas sehr Erstrebenswertes und haben auch eine heile Welt kreiert.
26:51Na Kinder, ist das ein Gefühl? Der erste Sonntag im eigenen Heim?
26:56Ich komme mir immer noch vor wie zu Besuch.
26:58Abgesehen davon, dass natürlich dank dieser Werbung und dieser ganzen Bilder, die einem von Frauen seien, eingeimpft wurden,
27:05man auch diese weibliche Rolle wunderbar spielen konnte.
27:09Insofern ist man empfänglich, man will ja auch als Frau nicht dauernd irgendwo als Hexe oder als Emanzipierte gelten.
27:15Das war ja ein Schimpfwort.
27:17Das ist eine Emanzipierte.
27:20Oder Blaustrumpf oder was auch immer.
27:21Was ist alles für schreckliche Bezeichnungen für Frauen gehabt, die sich mal aus ihrer Rolle herauswagten.
27:28Und man musste im Grunde aus der Rolle fallen, um etwas anders zu tun.
27:35Eine Frau fällt in den 50er Jahren schon aus der Rolle, wenn sie Hosen trägt.
27:41Eine neue Frauenbewegung erwacht erst im nächsten Jahrzehnt.
27:46Das ist alles wirklich sehr zeitbedingt.
27:50Das wirklich Aufregendste ist ja, dass man in den 50er Jahren die Vergangenheit auch nicht bearbeitet hat.
27:56Sodass also eigentlich ein mangelndes Geschichtsbewusstsein auch dazu führte,
28:01dass Frauen überhaupt nicht wussten, dass es Frauen gegeben hat, die schon mal für die Gleichberechtigung der Frauen gekämpft haben.
28:07Da kommt nichts davon vor, dass es auch Sozialistinnen gab, eine proletarische Frauenbewegung,
28:13oder dass es eben radikale Frauen waren, die schon 1900 die Gleichberechtigung gefordert haben.
28:22Was Vorbilder angeht, ist natürlich die große Problematik gewesen in der damaligen Zeit,
28:29dass die Frauen so an den Rand gedrängt waren.
28:31Dass man sie also mit der Lupe suchen musste in wichtigen Positionen.
28:36Dass es erstmal darum ging, überhaupt welche zu etablieren.
28:39Zum Beispiel an den Gerichten, zum Beispiel in der Regierung, in den Parlamenten.
28:45Und wenn sie dann da waren, dann waren sie ganz, ganz wenige.
28:51Eine der wenigen findet sich in Oberhausen.
28:55Luise Alberts, die erste Oberbürgermeisterin einer bundesdeutschen Großstadt.
29:00Mann und Kinder hatte sie nicht.
29:03Ein Makel aus Sicht ihrer konservativen männlichen Kontrahenten.
29:09In einer Umfrage von 1952 sagen allerdings auch 89 Prozent der Frauen von sich,
29:16sie interessierten sich nicht besonders oder sogar überhaupt nicht für Politik.
29:21Und nur ein Prozent der Männer vertraut auf das politische Urteil ihrer Frau.
29:26Das ist ja ganz bemerkenswert.
29:29Auf der anderen Seite spiegelt das natürlich, dass da so extrem die Vorstellung da war,
29:36dass das öffentliche Leben, die Politik, die Kirchen, die Medien,
29:41dass das primär von Männern hier gestaltet werden muss.
29:46Auch wenn ich sagen muss, dass ich trotzdem diese ein Prozent doch sehr extrem finde.
29:50Zur Bundestagswahl 1953 erhalten alle Frauen Post von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard von der CDU.
30:00Keinem sind die Mühen und Sorgen des Wirtschaftens so vertraut wie gerade Ihnen.
30:04Als Wirtschaftsminister Ihrer Familie geht es Ihnen nicht viel anders als mir, dem Bundeswirtschaftsminister.
30:11Wir plagen uns ab, um mit unseren beschränkten Mitteln und Möglichkeiten den Kochtopf zu füllen,
30:16für Anschaffungen zu sorgen und den Haushalt in Ordnung zu halten.
30:20Und müssen uns schließlich zum Dank dafür gelegentlich anhören,
30:24dass andere das mit spielender Leichtigkeit besser könnten.
30:33Erhard bittet die Frauen, bei der anstehenden Bundestagswahl für die CDU-CSU zu stimmen.
30:39Und die Frauen werden in der Mehrheit dieser Bitte entsprechen.
30:44Die Sozialdemokratie, die bis 1959 sich noch nicht klar als Volkspartei verstand,
30:52sondern als Arbeiterpartei galt, war für viele Frauen nicht wählbar.
30:58Also Frauen, die eben sich selbst als bürgerlich verstanden.
31:02Wie bereits in den 20er Jahren wählen die Frauen auch in den 50er Jahren deutlich konservativer als die Männer.
31:10Was wünschen sie sich von der Politik?
31:13Sicherheit und keine Experimente?
31:16Mit diesem Slogan wirbt die CDU vor der Bundestagswahl 1957.
31:21Also keine Experimente zielte meines Erachtens an Männer wie Frauen,
31:27den erreichten Wohlstand nicht zu riskieren,
31:30indem man jetzt politisch nicht bewährte Kräfte ans Ruder ließ
31:35und indem man sich auf Experimente einließ, die diese erreichten Erfolge infrage stellten.
31:44Ein Zeichen, dass man es geschafft hat, eine Urlaubsreise.
31:52Ende der 50er Jahre kann sich diese Familie das leisten, so wie etwa ein Drittel der Bundesdeutschen.
31:59Auch im Urlaub. Klare Rollenverteilung.
32:09Für die Annehmlichkeiten des Wirtschaftswunders gehen viele Ehefrauen weiterhin arbeiten,
32:15obwohl ihre Familie durch das Gehalt des Mannes versorgt ist.
32:20Ein bisschen Luxus, gepflegte Geselligkeit und mehr Komfort in der Wohnung als bei Müllers Nebenamt.
32:26Aber zu erschwingen ist es für die allermeisten Familien nur, wenn die Frau verdient.
32:31Nur auf ihre Kosten.
32:32Der Teufelskreis dreht sich.
32:34Um gute Verbraucher zu sein, verbrauchen die Frauen sich selbst.
32:37Wenn es erreicht ist, haben sie nichts mehr davon.
32:40Haben Sie größere Anschaffungen vorher noch?
32:42Jetzt? Im Moment. Das nächste kommt ein Auto dran.
32:45Soweit haben wir jetzt alles.
32:47Das letzte war jetzt eine Fernsehtruhe von Telefunken hier.
32:50Die haben wir hier ein Haus gekauft und das möchten wir umbauen.
32:53Und dann müssen Sie also jetzt mitarbeiten, um das zu finanzieren?
32:58Hat sich ein Ehepaar auseinandergelebt, dann ist das in den 50er Jahren allein noch kein Scheidungsgrund.
33:07Bis zur Familienrechtsreform von 1977 kann eine Ehe nur gelöst werden,
33:13wenn die Schuld eines oder beider Ehepartner festgestellt wird.
33:18Für Frauen sind die Konsequenzen einer Scheidung weit gravierender als für ihre Männer.
33:23Denn die Ehe war ja letztlich das Versorgungsinstrument, was die Gesellschaft den Frauen anzubieten hatte.
33:30Das heißt, es war auch gar nicht so einfach möglich zu sagen, darauf verzichte ich jetzt.
33:39Wer schuld ist, verliert nicht nur das Sorgerecht für die Kinder, sondern auch jegliche Unterhaltsansprüche.
33:46Das bedeutet für eine schuldig geschiedene Frau häufig wirtschaftlicher Abstieg oder gar Armut.
33:54Ja, eine Scheidung war in der damaligen Zeit eine absolute Katastrophe für die meisten Frauen.
34:00Rechtlich, weil sie ihre Absicherung verloren.
34:04Hinzu kommt die Stigmatisierung dann natürlich als Beschiedene.
34:26Eine Bildung und Ausbildung, die den Mädchen einen Weg eröffnet, dieser Abhängigkeitsfalle zu entgehen,
34:33das ist in den 50er Jahren nicht vorgesehen.
34:37Weder von der Gesellschaft, noch von den meisten Eltern.
34:40Der Besuch des Gymnasiums war in den 50er Jahren und in den frühen 60er Jahren kostenpflichtig
34:47und kam auch für besserverdienende Familien häufig nur für den ältesten Sohn infrage.
34:54Hier spielte immer die Überlegung eine Rolle, für wen kann ich mir das leisten?
34:59Und im Zweifelsfall war die Perspektive für die Tochter, Ehefrau in einer Hausfrauen-Ehe zu werden.
35:15Schauen wir in Ebingen auf der Schwäbischen Alb rein, wo 24 jüngere Mädchen in einem einjährigen Kurs
35:22die Haushaltsführung in Theorie und Praxis erlernen und dabei eine Fülle von Anregungen für ihre spätere Berufswahl erhalten.
35:30Eine Berufsausbildung wird jungen Frauen vor allem für hauswirtschaftliche und fürsorgende Berufe angeraten,
35:37wie in dieser hauswirtschaftlichen Berufsschule.
35:40In einer Karawane wird die Prüfungsaufgabe der Hausgemeinschaft aufgetischt.
35:47Auf einem Mädchengymnasium hätten sie die Wahl gehabt, zwischen einem klassischen Abitur und einem Pudding-Abitur nur für Mädchen.
35:56Mit vermeintlich weiblichen Fächern.
35:59Damit können sie dann nicht an einer Universität studieren, sondern nur an einer pädagogischen Hochschule.
36:07Wenn es keine Vorbilder gibt, dann ist es natürlich auch total schwierig, eine Gesellschaft irgendwie zu verändern.
36:14Oder dass junge Frauen sich dann vorstellen können, dass auch was anderes denkbar ist als das Leitbild der Hausfrauen-Ehe.
36:22Wir haben in den 50er Jahren weniger Studentinnen als in den 20er Jahren. Das muss man sich mal klar machen.
36:28Ich habe 1958 angefangen zu studieren. Was hatten wir für Vorbilder? Wie konnten wir uns zutrauen, jemals Hochschullehrer zu werden?
36:39Frauen in die Wissenschaft? Sie sind den Männern doch intellektuell unterlegen.
36:43Das denkt Mitte der 50er Jahre die Mehrheit der Hochschulprofessoren. Und die sind zu 98 Prozent männlich.
36:51Ich war interessiert an Recht und Politik. Die fanden das ungewöhnlich. Warum studieren Sie denn Jura?
36:57Ja, also Kunstgeschichte könnte ich mir gerade noch vorstellen.
37:00Also es war einfach eine Provokation, wenn man so etwas macht.
37:03Und da war immer der Druck, wenn man das will, dann muss man zumindest seine Familie in Ordnung halten.
37:09Da muss alles stimmen. Wähl, es stimmt nicht.
37:12Und diese wirklich Doppelrolle und Doppelbelastung der Frauen, die war einfach krass. Die war unerbittlich.
37:22Anfang der 60er Jahre bröckelt das Hausfrauenleitbild.
37:27Immer mehr Frauen wollen arbeiten.
37:31Ich bin zwar sehr glücklich verheiratet, ich habe ein kleines Kind von 10 Monaten.
37:36Ich bin also mehr oder weniger doch an meine Wohnung gefesselt.
37:39Und durch die Tätigkeit im Haushalt, die ja doch auch mehr oder weniger rein manuell ist, fühlt man sich eben
37:47geistig wirklich nicht ausgefühlt.
37:49Man möchte ganz gern sich mal in irgendeiner Leistung wieder bestätigt sehen.
37:54Und das glaube ich ist, da ist die einzige Möglichkeit, dass man tatsächlich irgendwie in einem Beruf arbeiten kann.
38:02Ach, höchste Zeit zum Aufstehen.
38:05Die nächste Kombo ist eine Überraschung.
38:08Der Titel Klagika.
38:10Ein Familiensonntag in Schwaben.
38:15Um die Rolle der Hausfrau und Mutter mit einer Erwerbstätigkeit zu verbinden, wird den Frauen ein Drei-Phasen-Modell schmackhaft
38:23gemacht.
38:24Erst Arbeiten bis zur Ehe, dann Ausstieg aus dem Beruf in der Familienphase und wenn die Kinder aus dem Gröbsten
38:31raus sind, Rückkehr in den Beruf.
38:33Das war das Modell, das die fortschrittliche Familienpolitik der 60er Jahre vertrat.
38:40Wie man die Frauen sozusagen bezähmen oder beruhigen konnte.
38:43Aber in der Wirklichkeit hat das ja nie funktioniert.
38:46Weil wenn man eine Familienphase einschiebt, ja Frauen beruflich abgehängt sind.
38:51Also das ist ein Modell gewesen, das uns Sand in die Augen gestreut hat und keine Lösung darstellt.
39:01In den 60er Jahren geht das Wirtschaftswachstum weiter.
39:05Es herrscht Vollbeschäftigung.
39:07Die Industrie braucht die Frauen dringend als zusätzliche Arbeitskräfte.
39:12Anfang der 60er Jahre wird ein neues Arbeitszeitmodell erfunden.
39:17Teilzeit.
39:18In Teilzeitarbeiten, das ist Frauensache.
39:22Die Frauen stellen ein volles Drittel aller Beschäftigten in der Bundesrepublik.
39:27Alle Räder stünden still, wenn ihr starker, zarter, armes Wolltel.
39:31Ihre enorm gewachsene Erwerbsamkeit ist ein selten genannter, aber entscheidender Grund für den raschen Anstieg des Massenwohlstands in den letzten
39:38Jahren.
39:39Das sind die Pluspunkte.
39:41Aber es hat keinen Sinn, sich etwas vorzumachen.
39:44So wie hier in einer Schallplattenpresserei werden die allermeisten Frauen in der Industrie zu Arbeiten verwendet,
39:49die so niedrig und monoton sind, dass sie kein Mann heute mehr tun würde.
39:53Ein Mann bekäme an einer solchen Presse binnen kurzem einen Nervenzusammenbruch, wurde uns fachkundig versichert.
40:06Ein Familienfilm aus dem Jahr 1961.
40:11Es ist sicherlich so, dass in dieser Phase des Wirtschaftswunders die Erhöhung des Lebensstandards rasant sich verändert hat.
40:19Aber wir sehen auch, dass sich die Rolle der Frau in der Gesellschaft nicht in fünf, sechs Jahren oder in
40:25zehn Jahren so signifikant verändert hat.
40:34Welche Ausgangsbedingungen eine Generation hat, in welchem Zeitgeist sie aufwächst, das ist einfach lebensentscheidend.
40:49Ich habe mir oft gedacht, was wäre aus meiner Mutter geworden, wenn sie in die Zeit hineingeboren worden wäre, in
40:59die ich hineingeboren worden bin.
41:00Und ich denke, dass sie oft bedauert hat, die Möglichkeiten, die ihr verstellt blieben durch die historischen Entwicklungen.
41:12Die, die in den 50er Jahren geboren sind, wachsen in die Studentenbewegung hinein, die wachsen in den Aufbruch hinein und
41:20sehen auch dann ihre eigene Rolle anders.
41:30Das Wirtschaftswunder. Eine Zeit, die für die Frauen nicht alle Versprechen gehalten hat.
41:38Für diese beiden Schwestern wird der große Aufbruch noch kommen.
41:51Vieles, was damals etabliert wurde, wirkt bis heute nach.
41:56Und was ich erschreckend finde, ist, dass wir das häufig, natürlich auf einem anderen Niveau heute, aber häufig genauso normal
42:04finden, wie wir es damals fanden.
42:08Eins lässt sich mit Sicherheit sagen, dass die Frauenfrage zu einem entscheidenden Teil ein Männerproblem ist.
42:14Ein Problem der Männer, die sich gleichfalls gründlich wandeln müssen, wenn sie ihre gewandelten Frauen nicht im Stich lassen wollen.
42:21Auch die Männer, und sie erst recht, müssen neue Rollen lernen.
42:26Gleichberechtigung heißt nicht, dass man so werden muss wie ein Mann, sondern dass Frauen in keinerlei Hinsicht beschränkt werden, die
42:32Rechte, die auch Männer haben, in Anspruch zu nehmen.
42:34Das heißt also nicht Angleichung, das ist ganz wichtig, sondern es heißt, dass Frauen aus ihrer Sicht die für sie
42:40wichtigen Dinge tun können und wie jeder Mann bei Gleichheit auch die Freiheit des anderen berücksichtigen muss.
42:48Freiheit und Gleichheit gehören immer zusammen. Es ist immer eine Vereinbarung, wie man es macht.
42:53Ich will alles, ich will alles, ich will alles und zwar sofort, jeder letzte Traum in mir zu stauf, verdorrt.
43:04Ich will leben, will nicht geben, so wie ich bin.
43:09Und was mich kaputt macht, nehm ich nicht mehr hin.
43:14Niemand speist mich ab, niemand macht mich satt.
43:19Zu lang hab ich verzichtet und mich selber klein gemacht.
43:25Ich will alles, ich will alles, sperr mich nicht ein.
43:30Ich will nie mehr zu früh zufrieden sein.
43:34Das ist dasatmoo 레instrick.
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