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00:07Insekten sterben massenhaft deswegen, Vögel verirren sich, weniger Früchte hängen am Baum, ganze Ökosysteme verändern sich.
00:14Und uns Menschen kann sie angeblich schlaflos machen und möglicherweise auch ernsthaft krank. Wer ist schuld? Die Lichtverschmutzung.
00:22Hellig der Nacht, Lichtverschmutzung und die Folgen jetzt bei PlanetWist.
00:37Wann haben Sie das letzte Mal nachts draußen gesessen mit einem Glas Wein in der Hand und haben nach oben
00:42und in die Milchstraße geschaut?
00:45Dürfte eine Weile her sein. Wer heute in Europa, zumal in der Stadt, nachts nach oben schaut und den großen
00:50Wagen sieht, der hat schon Glück.
00:53Eigentlich irrsinnig unromantisch, oder? Herzlich willkommen bei PlanetWissen.
00:56Es wird zwar noch Nacht über den Städten, aber dunkel wird es trotzdem nicht. Dafür sorgen Straßenlichter.
01:03Leuchtreklamen, malerisch angestrahlte Sehenswürdigkeiten oder die Skybeamer vom letzten Technoschopen im Gewerbegebiet.
01:10Was das mit uns anstellt, da kommen immer mehr Wissenschaftler langsam dahinter.
01:14Denn diese sogenannte Lichtverschmutzung hat Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und auch auf uns Menschen.
01:19Und so viel können wir jetzt schon mal sagen, keine guten. Da kommen wir gleich dazu.
01:23Erst einmal gehen wir jetzt an einen Ort, an dem man überhaupt noch merkt, was uns in den Städten mit
01:29ihren immer helleren Nächten verloren gegangen ist.
01:32Wie dunkel die Natur wäre, ohne künstliche Beleuchtung, zeigt sich etwa im Biosphärenreservat Rhön.
01:40Das UNESCO-Schutzgebiet im Dreiländereck Thüringen-Hessen-Bayern ist einer der dunkelsten Orte Deutschlands.
01:48Die Hobbyastronomin Sabine Frank findet das auch sehr gut so.
01:51Für mich ist eine natürliche Nachtlandschaft einfach alles. Das ist natürlich einerseits ein natürlicher Boden, das ist klar, oder ein
01:59dunkler Boden, aber natürlich auch ein sternreicher Himmel.
02:02Der Sternenhimmel ist auch ein Naturerbe der Menschheit. Es ist eine Projektionsfläche für Geschichten, Müden und alles, was sich darum
02:09rankt.
02:10Natürlich auch Kalender und so weiter. Und hier haben wir halt eine schöne Verbindung.
02:14Das heißt, wir haben eine natürliche Nachtlandschaft auf dem Boden, die wichtig ist für die Artenvielfalt.
02:19Und wir haben gleichzeitig einen schönen Sternenhimmel, den man natürlich dann auch toll betrachten kann hier.
02:26Weil es hier Nacht so dunkel ist, heben sich unendlich viele Himmelskörper deutlich ab.
02:32Unzählige Planeten, Sterne, Galaxien sind bei klarem Himmel mit bloßem Auge zu sehen.
02:39Sabine Frank will, dass das so bleibt.
02:41Sie will auch den dunklen Nachthimmel im Rahmen des Biosphärenreservats schützen lassen.
02:48Denn Städte wie das nahe Fulda strahlen Unmengen an Licht in die Nacht.
02:53Sterne sind hier in Stadtnähe deshalb nur wenige zu sehen.
03:03Echte Dunkelheit gibt es in Deutschland nicht mehr, beklagen Astronomen.
03:08Aufnahmen von der Schwäbischen Alb und dem Großraum Stuttgart belegen das eindrucksvoll.
03:14In der gesamten Erdgeschichte waren die Nächte stockdunkel.
03:18Einzig der Mond und die Sterne gaben etwas Schummerlicht und das nur bei wolkenlosem Himmel.
03:26Jetzt macht ihnen das künstliche Licht Konkurrenz und erhält die Nacht um ein Vielfaches mehr.
03:33Also ich gebe es gleich offen zu, ich bin jetzt niemand, der jede Nacht im Rotlicht seinen inneren Wehrwolf oder
03:39seine enge Verbindung zur Natur suchen muss.
03:41Ja stimmt, du brauchst eher Scheinwerferlicht.
03:42Nein, das stimmt auch nicht. Ich bin jemand, der braucht definitiv mindestens acht Stunden Schlaf.
03:46Und wenn ich nach 21 Uhr unterwegs bin, muss ich sagen, dass hell erleuchtete Innenstädte mir doch ein Gefühl auch
03:52von innerer Sicherheit schenken.
03:53Ja, ähnlich. Auf jeden Fall. Das fragen wir jetzt auch gleich mal Professor Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie
04:00in Berlin.
04:00Herzlich willkommen.
04:03Lichtverschmutzung. Sie machen Grundlagenforschung dazu. Sollen wir jetzt eigentlich in Deutschland alle Straßenlaternen ausmachen?
04:08Nein, darum geht es nicht. Also es geht eigentlich eher darum, Licht zu nutzen, aber in einer nachhaltigen Art und
04:13Weise.
04:14Also dass man im Prinzip die negativen Auswirkungen auf Mensch, auf Natur, auf Mikroorganismen, auf Pflanzen minimiert, ohne eben auf
04:24Licht zu verzichten.
04:25Jetzt haben wir von der Lichtsuppe gehört. Was ist eine Lichtsuppe? Wie wird die gekocht?
04:30Die Lichtsuppe ergibt sich im Prinzip aus den vielen verschiedenen Formen an Beleuchtung, die wir in einer Stadt zum Beispiel
04:36vorfinden.
04:37Ein Großteil ist auch aus der Straßenbeleuchtung und da werden also viele Organismen direkt beleuchtet.
04:42Aber auch ein Großteil wird nach oben hin emittiert und wieder von den Wolken, von Staubpartikeln, von Aerosolen zurückreflektiert, was
04:49zu einem Lichtdom auch führen kann.
04:51Und das sah man auf einigen dieser Bilder dann auch sehr deutlich.
04:54Also zwei verschiedene Formen an Lichtverschmutzung, die aber auch entsprechend sich auf unterschiedliche Organismen auswirken können.
05:01Wie groß ist denn das Problem der Lichtverschmutzung?
05:05Wir sehen eigentlich seit Jahrzehnten exponentielle Zunahme.
05:08Also jedes Jahr wird das Licht immer heller.
05:12Es gibt Messungen jetzt so zum Beispiel auch so im letzten Jahrhundert im Prinzip, da lag die Zunahmerate bei sechs
05:21Prozent.
05:22Und dieser Trend scheint auch immer weiter zu gehen.
05:26Wir können uns mal von der Karte angucken, wie das so weltweit aussieht.
05:30Oh, da sehen wir schon. Das hat was mit der westlichen Zivilisation offensichtlich zu tun.
05:34Auf alle Fälle. Also zum einen ist natürlich die Populationsdichte wichtig, aber auch die Industriestaaten vor allem emittieren enorm viel
05:44Licht.
05:44Also man sieht die Megacities auf der Welt, man sieht Europa, Nordamerika, was eben sehr hell beleuchtet ist.
05:50Und Indien?
05:52Auch Indien, weil aber da auch sehr viele Menschen leben.
05:54Ganz genau. Afrika hingegen natürlich viele Flächen nicht so stark besiedelt, deswegen auch weniger Licht.
06:00Ja, und auch viele Länder noch nicht so industrialisiert.
06:04Auch dort sehen wir mittlerweile Zunahmen, aber am Anfang auf einem geringeren Niveau.
06:09Aber auch hier steigt das Licht.
06:10Ist das eine aktuelle Karte oder hat sich das jetzt nochmal verändert?
06:14Wie ist da der aktuelle Stand?
06:15Die Daten, die hier verwendet wurden, die sind schon einige Jahre her. Das ist basierend so auf Militärsatelliten.
06:22Mittlerweile gibt es jetzt sehr gute Satelliten, die wir auch, sozusagen die Aufnahmen, die wir eben auch untersuchen,
06:28im Prinzip Licht in der Nacht auch zunimmt, Jahr für Jahr und in welchen Teilen der Erde das der Fall
06:34ist.
06:35Mit einer hohen Auflösung, das ist eben auch sehr wichtig.
06:38Und die sind kalibriert, sodass man die Jahre miteinander vergleichen kann.
06:41Und zwischen 2012 und 2016 sieht man also eine Zunahme von zwei Prozent weltweit an Lichtintensität von schon beleuchteten Gebieten.
06:50Man sieht aber auch eine Zunahme von beleuchteten Gebieten.
06:54Also ehemals dunkle Gebiete werden jetzt zunehmend heller, auch ungefähr zwei Prozent und mehr.
06:59Gibt es denn auch Länder oder Flecken, wo es dunkler wird?
07:02Das sieht man also in diesen Vierjahresfenster sieht man das auch.
07:06Das sind dann aber auch Länder, die zum Beispiel unter Kriegen leiden.
07:09Syrien, Jemen wären tatsächlich dunkler, weil dann auch die Industrie letztlich quasi auch nicht mehr richtig zum Tragen kommt.
07:17Und das macht sich dann tatsächlich auf die Lichtemissionen bemerkbar.
07:22Viele sagen ja, es kommt uns irgendwie heller vor und das ist ja kein wissenschaftlich haltbarer Satz.
07:28Und deshalb versucht unser Studiogast Professor Hölker zusammen mit anderen Forschern Daten zu sammeln.
07:32Daten, die zeigen, wie sich das Verhältnis von Licht und Dunkel verändert.
07:38Verlust der Nacht heißt das Projekt, bei dem der Physiker Christopher Kaiba arbeitet.
07:44Es ist weltweit einzigartig.
07:47Mediziner, Biologen und Ingenieure machen mit.
07:50Sie leisten Pionierarbeit.
07:53Über das Thema Lichtverschmutzung wissen Forscher noch nicht sehr viel.
07:59Etwa bei der ganz einfachen Frage, wie groß die Lichtverschmutzung überhaupt ist.
08:04Beispiel Berlin, Alexanderplatz. 22 Uhr. Kaum Passanten, aber es ist strahlend hell.
08:14Diese Lichter sind die ganze Nacht hell.
08:17Und der Grund für diese Lichter ist, das schön zu machen.
08:22Und die meisten Leute sind nicht hier zwei Uhr nachts unterwegs.
08:26So eine Möglichkeit wäre, das ein bisschen dunkler zu machen, mitten in der Nacht.
08:31Die andere Dinge ist zum Beispiel beim Hotel und beim Fernsehturm.
08:38Man kann überlegen, ob es wäre möglich, einen schönen Effekt zu haben mit weniger Licht.
08:43So mehr mit Licht und Schatten zu tun, statt einfach alles beleuchtet.
08:48Die Technik wird immer effizienter und sparsamer.
08:51Gleichzeitig aber steigt weltweit der Stromverbrauch für die öffentliche und private Beleuchtung.
08:58Wie viel Licht also erzeugt eine Stadt wie Berlin?
09:02Christopher Kaiba will das von einem Forschungsflugzeug ausmessen, mit einer Spezialkamera.
09:12Sein Ziel? Eine Karte aller Lichtquellen Berlins.
09:17Das nach oben strahlende Licht jeder Straßenlaterne, jeder Werbefläche,
09:21jedes Scheinwerfers, der ein Gebäude anstrahlt, will er fotografieren und zuordnen.
09:27Wie viel künstliches Licht geht sinnlos in die Atmosphäre verloren, als Lichtverschmutzung?
09:32Das will Christopher Kaiba herausfinden.
09:36In einer eiskalten, sternenklaren Nacht geht es los.
09:49Berlin-Alexanderplatz. Gefilmt durch eine Öffnung im Flugzeugrumpf.
09:54In der Bildmitte oben die Scheinwerfer, die den Fernsehturm anstrahlen.
09:58Rechts darüber die grellen Lichter an der Fassade eines Hotels.
10:05Ebenso blendend strahlen die Lichter am Flughafengebäude in Tegel in den Nachthimmel.
10:15Insgesamt 3000 Fotos hat die Kamera während des Rundflugs über Berlin geschossen.
10:20Bilder, die Christopher Kaiba jetzt mit eigens dafür entwickelten Analyseprogrammen auswertet.
10:33Auf den Quadratmeter genau kann er das von oben gemessene Licht der Quelle zuordnen.
10:39Eine erste Einschätzung, ein Drittel des Lichts strahlt ungezielt nach oben.
10:44Für die ganze Geschichte von der Erde war es immer dunkelnachts, und besonders wenn wir hatten Wolken.
10:51Jetzt in Berlin ist das zehnmal heller nachts als eine normale Nacht.
10:57Und dann, wenn wir haben Wolken, ist es nochmal zehnmal oder elfmal so hell.
11:03Und es sollte sein, dass mit Wolken ist der Welt dunkel.
11:06Das bedeutet, in Berlin, hier am Rand Berlin, haben wir bewogte Nacht, das sind 200 Mal heller, als was früher
11:14war.
11:15Wolken reflektieren und streuen das künstliche Licht und erhellen den Nachthimmel zusätzlich.
11:21Sein Fazit? Ein Großteil des Lichts strahlt einfach irgendwo hin, ungenutzt und sinnlos.
11:28Also, diese Form von Erleuchtung ist schon mal grober Unfug, können wir festhalten.
11:34Herr Hölkow, ich würde gerne Sie jetzt mal eine Runde beleuchten.
11:37Wir haben ja schon gehört, Sie kommen von der Gewässerökologie.
11:39Das heißt, Sie sind nah ans Wasser gebaut, thematisch.
11:42Aber wie kommen Sie denn jetzt zur Lichtverschmutzung, zu diesem Thema?
11:47Naja, auch wenn man sich mit aquatischen Organismen, Gewässerorganismen beschäftigt,
11:51geht es auch darum, tagaktive, nachtaktive Organismen zu untersuchen oder dämmungsaktive.
11:57Und da kommt man dann sehr schnell dazu, dass das plötzlich auffällt,
12:00dass eigentlich nachtaktive oder dämmungsaktive Organismen, Fische zum Beispiel,
12:04war das in dem Fall für mich, sich in ländlichen Bereichen anders verhalten als in der Stadt.
12:09Und was machen die auf dem Land anders als in der Stadt?
12:12Sie in den dunklen Nächten, also auch ohne Vollmond, sind ja halt wenig aktiv, nehmen keine Nahrung auf,
12:17was sie dann plötzlich in der Stadt gemacht haben.
12:19Und da haben wir uns gefragt, was kann das sein? Kann das wirklich das Licht der Stadt sein,
12:24das im Prinzip dazu führt, dass solche Verhaltensänderungen bewirkt?
12:27Und in dem zusammen kamen schon die ersten Publikationen zu diesem Aspekt eben.
12:32Und das hat uns eben auch dazu veranlasst, dann auch einen Forschungsverbund zu gründen,
12:37wo die unterschiedlichsten Expertisen zusammenkommen, um dieses Licht oder dieses Problem der Lichtverschmutzung sozusagen zu betrachten
12:45und auch aus der Perspektive von Schlafforschern, von Fernerkundern, von Ökologen und von Sozialwissenschaftlern zu betrachten.
12:54Straßenbeleuchtung gibt es in Europa schon über 200 Jahre.
12:56Warum war das wissenschaftlich vorher noch nie irgendwie ein Thema, wo sich jemand darum gekümmert hat?
13:02Na ja, anfangs war es auch nicht sehr hell. Das war dann Kerzen-Gasbeleuchtung, die noch nicht so besonders hell
13:08ausfällt.
13:09Und erst so in den letzten Jahrzehnten, eigentlich mit dem elektrischen Licht,
13:14aber auch mit jedem Technologiesprung, den man erfährt, sagen wir dann kontinuierliche Zunahme.
13:19Und natürlich hängt das auch damit zusammen, dass wir Menschen, wir sind tagaktive Primaten, wenn man so will.
13:25Unsere ganzen Sinnesorgane haben sich auf den Tag eingestellt.
13:28Aber insofern haben wir auch sehr viele positive Konnotationen mit Licht.
13:32Also wir sprechen von Erleuchtung und Umnachtung.
13:35Also wir haben das sogar in unsere Sprache aufgenommen.
13:39Und wir verbinden das mit Ästhetik.
13:41Sieht ja auch sehr schön aus, diese Flugzeugauflahmen einer Stadt haben, was Ästhetisches.
13:47Und so liegt uns das nicht so nah, erst mal Licht so auch zu sehen,
13:52dass es eventuell auch negative Auswirkungen auf Menschen und Natur haben kann.
13:55Und das ist etwas, was sich jetzt so langsam ändert.
13:59Aber da ist auch noch viel Arbeit zu machen, die Leute eigentlich auch darüber aufzuklären,
14:04dass es positive und negative Sachen gibt.
14:06Letztlich ist Beleuchtung in der Nacht auch ein Kompromiss.
14:08Da ist uns da auch, was verloren geht und was fehlt.
14:11Das deutet ja schon der Titel des Forschungsverbandes an.
14:16Verlust der Nacht.
14:17Das ist das erste Mal, dass man in so einem größeren Rahmen da kooperiert.
14:22Also mit den vielen Expertisen, Disziplinen, die da beteiligt sind, schon.
14:26Und das ist aber notwendig, weil wenn es auch zu Lösungen kommt,
14:30dann geht es ja um Verkehrssicherheit.
14:32Es geht um Tiere, um Pflanzen, um Menschen.
14:35Und die unterschiedlichsten Bedürfnisse, warum brauchen wir zu einer bestimmten Zeit der Nacht dann eben auch Licht?
14:41Und wie können wir das vielleicht lösen, indem wir dann die negativen Auswirkungen so gut es geht minimieren?
14:46Kann man denn schon mal so eine globale Zusammenfassung der Ergebnisse und Erkenntnisse festhalten?
14:54Ja, also man sieht immer mehr Studien, die jetzt auch veröffentlicht werden.
14:58Das Thema wird quasi auch von der Wissenschaft aufgenommen.
15:03Aber was wir schon sagen können, dass also von den Mikroorganismen, von Bakterien, Algen bis hin zu Wirbeltieren, Säugetieren, Menschen,
15:13Auswirkungen von künstlichen Licht in der Nacht auf die Physiologie, auf das Verhalten stattfinden.
15:17Und mit zum Teil für einige Organismen negativen, dramatischen Auswirkungen.
15:22Haben Sie da ein Beispiel?
15:24Das Beispiel, das eigentlich jeder kennt, das sind diese großen Mengen an Insekten, die um eine Straßenlampe herumfliehen.
15:31Das, denke ich, kennt jeder sozusagen aus der eigenen Erfahrung.
15:34Das sind Tiere, die sozusagen aus benachbarten Habitaten angezogen werden und dort in dem Bereich dieser Straßenlampen verbleiben.
15:44Man spricht in der Ökologie mittlerweile von einem Staubsauger.
15:47Wie ein Staubsauger werden diese sozusagen angezogen?
15:49Dann gibt es Profiteure wie Spinnen zum Beispiel, die auch in diesen großen Dichten zum Beispiel bei diesen Straßenlampe zu
15:57finden sind.
15:57Kreuzspinnen zum Beispiel.
15:59Und das heißt also im Prinzip, in diesem direkten Umfeld verändert man diese Räuberbeutebeziehungen zwischen den Insekten und den Räubern.
16:07Und in den benachbarten Habitaten fehlen dann diese Insekten womöglich anderen Tieren als Nahrungsgrundlagen.
16:12Nun gibt es ja ohnehin weniger Insekten. Durch das Insektensterben schon.
16:16Genau. Das ist ein Phänomen, das wir beobachten, schon seit Jahrzehnten.
16:24Und Lichtverschmutzung als ein Faktor, den man eigentlich berücksichtigen müsste, wird jetzt immer mehr diskutiert.
16:30Und ist also im Prinzip auch schon im Aktionsprogramm Insektenschutz des Umweltbundesministeriums zum Beispiel Bestandteil geworden.
16:39Wir haben zum Beispiel eine Studie, die letztes Jahr sehr durch die Medien ging.
16:43Da wurde berichtet, dass eben 75 Prozent der Biomasse im Laufe von 27 Jahren, das ist eine Langzeitstudie, das sind
16:49Sardaten, die man nicht oft zur Verfügung hat.
16:51Aber 75 Prozent der Biomasse haben die Insekten an unterschiedlichsten Standorten in Deutschland abgenommen.
16:56Und wir haben dann nochmal überprüft, wo lagen denn diese Standorte und der Großteil dieser Standorte waren überdurchschnittlich Licht verschmutzt.
17:04Das deutet auch darauf hin, dass das eben ein wichtiger Faktor ist.
17:07Und es gibt jetzt sehr viele Studien auch, die zeigen, dass Insekten in der Nacht durch künstliches Licht enorm beeinflusst
17:13werden.
17:14Und es ist zu erwarten, dass eben auch dann im Bereich dieser Beleuchtung auch dann die Population runtergehen.
17:20Jetzt kommen wir nochmal zum anderen Insektenfresser.
17:22Vielleicht haben Sie ja auch den einen oder anderen Vogel vor dem Fenster, der mitten in der Nacht wirklich zu
17:27gesanglicher Hochform aufläuft.
17:30Ich kenne da so einen Kandidaten bei uns im Garten.
17:32Das wäre dann eine spürbare Auswirkung auch der Lichtverschmutzung.
17:36Und Forscher am Max-Planck-Institut für Ornithologie haben aber noch viel, viel mehr entdeckt.
17:42In Radolfzell am Bodensee untersucht der Biologe Jesko Pateke, wie zu viel Licht in der Nacht auf Vögel wirkt.
17:52Was die Ornithologen am Max-Planck-Institut bereits wissen, Vögel, die in Städten leben, Stadtvögel, brüten früher als ihre Artgenossen
18:00auf dem Land.
18:01Die Forscher wissen aber noch nicht, warum.
18:04Mögliche Ursachen könnten sein, mehr Futter in den Städten.
18:08Es könnte dort wärmer sein. Das Fehlen natürlicher Feinde in der Stadt oder mehr Licht in der Nacht.
18:16Mit einem Langzeitversuch wollen die Wissenschaftler die wahren Gründe finden.
18:21Dazu fangen sie Amseln, in der Stadt und auf dem Land.
18:28Jede Amsel bekommt ein Messgerät mit Lichtsensoren.
18:32Die Sensoren in diesem Mini-Rucksack zeichnen rund um die Uhr auf, wie viel Licht in der Umgebung vorhanden ist.
18:40Mehrere Wochen lang tragen ihn die Amseln.
18:45Ebenfalls im Rucksack ist ein Peilsender.
18:47So können die Forscher ihre Amseln auch tatsächlich wiederfinden und die Sensoren wieder einsammeln.
18:58Die Messungen zeigen, Land- und Stadtamseln erleben nachts zwei völlig unterschiedliche Formen von Dunkelheit.
19:06Im Wald ist es wirklich dunkel, wenn du Neumond hast.
19:10In der Stadt hast du immer ein diffuses Nachtlicht, was einen Einfluss haben könnte natürlich auf die Tiere.
19:19Die gemessenen Werte für Stadt und Land nehmen Jesko Partecke und seine Kollegen und stellen die Lichtsituation im Labor nach.
19:28Zwei Gruppen mit jeweils 20 Amseln leben zwei Jahre unter fast exakt denselben Bedingungen.
19:34Temperatur und Futter sind gleich.
19:36Einziger Unterschied?
19:38Bei der einen Gruppe sind die Nächte stockdunkel, so wie es natürlich wäre.
19:44Die zweite Gruppe dagegen erlebt Nächte mit genau den Helligkeitswerten, die in den Städten gemessen wurden.
19:56Schnell wird klar, die Amseln, die unter Stadtlichtbedingungen leben, sind nachts aktiver als die anderen.
20:05Doch das ist noch nicht alles.
20:10Regelmäßig fangen die Wissenschaftler die Versuchstiere und untersuchen sie.
20:14Gewicht, Wachstum, Größe.
20:17Außerdem nehmen die Forscher von allen Amseln immer wieder Blutproben.
20:24Sie messen die Konzentration bestimmter Hormone, etwa Testosteron.
20:29Und sie überprüfen, wann die Vögel geschlechtsreif werden.
20:35Das Ergebnis?
20:36Bei den Stadtamseln mit Licht in der Nacht ändert sich sowohl der Tag-Nacht-wie auch der Jahresrhythmus.
20:45Sie beginnen eine Stunde früher zu singen und werden einen Monat früher geschlechtsreif.
20:51Was noch dazu kam, was wir eben auch gemessen haben, waren jetzt eben Hormone, unter anderem das Testosteron, was für
20:57das Territorialverhalten verantwortlich ist.
21:00Und auch da zeigte sich, dass die Ausschüttung des Testosteron früher war in der Gruppe, die künstliches Licht in der
21:07Nacht bekommen hat.
21:09Der einzige Unterschied zwischen den beiden Gruppen war die Lichtsituation in der Nacht.
21:14Das alleine reicht aus, um die Tiere aus ihrem biologischen Rhythmus zu bringen und ihren Hormonhaushalt empfindlich zu stören.
21:23Also das viele Licht in der Nacht animiert nicht nur zum Singen, es bringt die Vögel innerlich auch völlig durcheinander.
21:29Sie kommen früher in die Pubertät, das ist ja bei Stadtkindern vermutlich auch so.
21:34Aber inwiefern ist das relevant? So einen Monat früher klingt erstmal nicht dramatisch.
21:39Ja, das ist aber immer die Frage des Timings. Also wenn zum Beispiel dann Vögel früher ihre Eier legen und
21:44die Küken früher schlüpfen,
21:47dann ist vielleicht noch gar nicht das Nahrungsangebot da an Insekten, um die Tiere dann zu versorgen.
21:51Und das ist eigentlich ein sehr aufeinander abgestimmtes, jahreszeitliches, saisonale Abfolge von solchen Prozessen.
22:00Also das Vorkommen von bestimmten Insekten und dann das Aufkommen der Jungvögel.
22:04Und wenn das eben nicht mehr stimmt, dann riskieren man eben, dass dann zum Beispiel ein Gelege dann eben gar
22:10nicht erfolgreich durchkommt.
22:12Wenn wir einen gestörten Hormonhaushalt haben, dann gibt es wahrscheinlich auch Probleme generell bei der Fortpflanzung, oder?
22:17Ja, das kann man so sagen. Also wurde jetzt im Einspieler ja auch schon darauf hingewiesen.
22:23Und es gibt eben auch jetzt schon Studien, die dann auch im Zusammenhang bei Freilandstudien zeigen, beim Eisen war das
22:29der Fall,
22:30dass also je näher, die im Prinzip im Bereich der Lampen sind, dann eine Stressantwort auch im Hormonhaushalt stattfindet.
22:36Und die Tiere mit einer höheren Stressantwort, die haben auch weniger Jungvögel dann pro Weibchen.
22:44Man liest ja auch immer wieder, Zugvögel seien in ihrem Orientierungssinn gestört. Wie ist denn das? Fliegen die nachts?
22:52Viele Zugvögel fliegen nachts, wahrscheinlich eigentlich um Räubern zu entgehen. Das ist sehr viel sicherer.
22:59Und benutzt zum Teil auch noch einen Magnetsinn, um sich zu orientieren.
23:03Und besonders bei Schlechtwetterphasen, bei beleuchteten Gebäuden, da sind die da sehr empfindlich gegenüber Beleuchtung in der Nacht.
23:11Das kennt man schon von Leuchttürmen, da ist das lange bekannt und wurde auch schon dokumentiert.
23:15Aber eben auch beleuchtete Gebäude eben oder Skybeamer, die in den Himmel gehen, die sind absolut desorientiert.
23:22Und die neueste Studie in New York, von dem 9-11-Memorial, da sind ja so zwei Licht-Skybeamer, die
23:28in den Himmel gehen.
23:30Und da sieht man dann, wie die Tiere, die Vögel sich da herum konzentrieren.
23:33Und das heißt dann für Arten, die jetzt lange wandern, dass sie sehr viel Zeit dort verlieren.
23:38Das ist wichtig, weil die zur gleichen Zeit irgendwo ankommen, um sich zu verpaaren zum Beispiel oder Nahrung zu finden.
23:43Und sehr viel Energie verlieren, weil die fliegen manchmal Tausende von Kilometern.
23:48Und wenn es jetzt mehrere von diesen Barrieren auf dem Weg gibt, dann wird auch sehr viel Energie verschwendet,
23:55welche dann vielleicht am Schluss gar nicht mehr zur Verfügung steht für eine erfolgreiche Reproduktion.
24:00Dramatisch. Wie sieht denn das jetzt aus?
24:01Wir haben ja über die Insekten schon gesprochen, dass die Motten immer zur Laterne fliegen
24:07und dann die Kreuzspinne auch sich freut und sagt, fest mal, dass das schon das Gleichgewicht auch durcheinander bringt.
24:14Ich würde gerne mal wissen, ist es jetzt genauso dramatisch, die Lichtverschmutzung für das Insektensterben, wie der Einsatz von Pestiziden?
24:21Also das kann man noch nicht sagen, würde ich.
24:23Aber man weiß, dass es, oder wir gehen davon aus, dass es auch ein Stressfaktor ist, den man jetzt berücksichtigen
24:29muss.
24:31Und das ist eben auch wichtig, weil eben auch ganz viele Insekten eine ganz wichtige Funktion in Ökosystemen erfüllen.
24:39Zum einen sind es die Nahrungsgrundlage von ganz vielen Vögeln, Fischen, Säugetieren, anderen Insekten.
24:46Sie remineralisieren, sie bauen totes Material.
24:48Aber ganz wichtig, dass eben Nachtinsekten oder Nachtbestäuber eine ganz wichtige Rolle spielen.
24:54Das sind nicht nur die Bienen, die tagaktiven Bestäuber, die wichtig sind, sondern eben auch nachtaktive Bestäuber.
24:59Und jetzt eine Studie auch aus dem letzten Jahr hat gezeigt, dass diese Bestäubungsfunktion gestört wird durch einfach eine Straßenlampe,
25:08die in dem Bereich war.
25:09Und die Tagbestäuber konnten das gar nicht mehr kompensieren, sodass also letztlich der Bestäubungserfolg, also das Bilden von Früchten, signifikant
25:17runterging.
25:18Und das ist natürlich ein Aspekt, der speziell auch Licht betrifft und dann natürlich auch im Ökosystem eine große Rolle
25:23spielen wird.
25:24Warum zieht denn eigentlich das Licht die Insekten an?
25:26Es gibt da verschiedene Möglichkeiten. Es gibt zigtausend Insekten und entsprechend viele Konzepte, wie die auf Licht reagieren.
25:34Aber zum einen gibt es bei vielen Arten eine sogenannte positive Phototaxis.
25:39Die werden so wie auf so ein Magnet angezogen.
25:42So ganz genau weiß man es noch nicht, warum das ist.
25:44Andere fliegen vorbei.
25:45Und das sind ja eigentlich Insekten, die Schwachlichtsensoren, wenn man so will, ausgebildeterweise.
25:49Weil sie an der Nacht sich orientieren, nur der Mond, die Sterne als Lichtquelle vorhanden ist.
25:54Kommen die in den Bereich einer Lampe, dann sind die Systeme komplett überfordert.
25:58Sie werden geblendet, orientierungslos für Räuber, für Artgenossen, für Nahrung.
26:04Und bleiben oft in diesen Bereichen dann sitzen am Boden oder vielleicht direkt am Masten.
26:09Und es gibt noch die Möglichkeit, dass einige Insekten, die eigentlich sich so an den Sternen, an den Mond, orientieren.
26:16Das ist, wenn man die Autobahn entlang fährt, dann hat man den Mond immer in einer festen Position.
26:21Das ist eine wunderbare Landmarke, um sich zu orientieren.
26:24Wenn so ein Insekt jetzt an einer Lampe vorbeifliegt und den Mond mit dieser Lampe verwechselt, ändert sich der Winkel.
26:30Und das kann eben auch zu solchen Flügen dann um diese Lampe führen, bis eben die Tiere erschöpft sind und
26:36sich dann vielleicht irgendwo niederlassen und gefressen werden von Spinnen, von Fledermäusen,
26:40die dann diese hohe Dichte an desorientierten Insekten wie an einem Buffet zu nutzen wissen.
26:47Unser nächsten Experten im Beitrag, den kennen Sie schon. Wir begleiten Franz Hölke und sein Team.
26:51Sie gehen Hinweisen nach, was Licht unter der Wasserlinie verändert.
26:56Das Thema Lichtverschmutzung beschäftigt auch Biologen am Leibniz-Institut für Gewässerökologie.
27:03Zum Beispiel bei Flussalen. Sie wandern und jagen nachts.
27:08Nächtliche Beleuchtung, etwa an Brücken, stört sie dabei.
27:14Das Hauptaugenmerk der Forscher aber gilt Flussbarschen.
27:18Tagaktiven Räubern, die nachts ruhen und dazu Dunkelheit brauchen.
27:22Heller Tag und dunkle Nacht.
27:24Auch für Barsche ein lebenswichtiger Rhythmus.
27:30Ähnlich wie bei den Amseln lebt auch hier eine Gruppe Barsche nachts im Dämmerlicht, statt in völliger Dunkelheit.
27:43Eine zweite Versuchsanordnung geht weiter.
27:47Die Fische werden mit rotem Licht bestrahlt.
27:50Die Forscher stellen so die verschiedenen Farbtemperaturen des Tageslichts nach.
27:55Das hat in der Natur morgens und abends einen höheren Rotanteil als zur Mittagszeit.
28:09Die selbe Versuchsanordnung, diesmal mit blauem Licht.
28:14Dessen Anteil ist im natürlichen Tageslicht mittags besonders hoch.
28:18Diese Fische hier erleben also extrem helle Tage.
28:24Wasserproben sollen Aufschluss über die Folgen geben.
28:33Für die Auswertung haben die Biologen ein aufwendiges Testverfahren erst neu entwickeln müssen.
28:40Mit Erfolg.
28:43Inzwischen haben sie die ersten Ergebnisse für die Versuche mit hellen und dunklen Nächten.
28:48Bei den Barschen, die die Nächte bei Dämmerlicht verbrachten, ändert sich die Konzentration des Hormons Melatonin dramatisch.
28:56Melatonin jedoch ist ein wichtiger Signalgeber, der den Tag-Nacht-Rhythmus im gesamten Organismus steuert.
29:03Es scheint so zu sein, das sind natürlich jetzt vorläufige Ergebnisse, das muss jetzt auch in mehreren Wiederholungen noch bestätigt
29:10werden,
29:10dass schon solche geringen Lichtwerte auch ausreichen, die Melatonin-Produktion zu stören und auch den Rhythmus abzuflachen.
29:18Das heißt also, es wird jetzt permanent, in diesem Fall Melatonin, ausgeschüttet.
29:23Das heißt eben auch, dass das Signal, jetzt ist Tag oder jetzt ist Nacht, für die verschiedenen Zellen und Organe
29:28innerhalb eines Barsches dann nicht ausreicht,
29:32dann vielleicht um bestimmte Tag- oder Nachtprozesse synchron ablaufen zu lassen.
29:40Der Versuch mit den unterschiedlichen Lichtfarben läuft noch.
29:43Was sich abzeichnet, auch die Farbgebung scheint einen großen Einfluss auf die Melatonin-Produktion zu haben.
29:50Bei blauem Licht stoppt sie.
29:53Das ist im Prinzip auch sinnvoll.
29:56Viel Blau heißt in der Natur Mittagszeit, kein Bedarf also für ein Nachthormon.
30:02Doch gerade dieses blaue, kaltweiße Licht verstrahlen auch viele Straßenlaternen.
30:08Herr Hölker, inzwischen ist die Studie abgeschlossen. Was zu was für Ergebnissen sind Sie gekommen?
30:13Also es wurde ja nicht nur die Auswirkung von Licht auf die Melatonin-Produktion untersucht,
30:19sondern eben auch noch auf Cortisol, also eine Stressantwort, und Reproduktionshormone untersucht.
30:26Und wir konnten eben auch da feststellen, dass schon das geringe Licht eben kurz oberhalb des Vollmonds ausreicht,
30:32im Prinzip die ganze Reproduktionsphysiologie zu beeinflussen.
30:36Also Gonadotropine, Sexualhormone wurden signifikant eben auch hier beeinflusst.
30:43Interessanterweise das Cortisol nicht.
30:45In dem Fall haben die Tiere also gar keine Stresserfahrung, wenn sie im Bereich einer beleuchteten Brücke oder so sind.
30:52Und da haben eigentlich auch gar keinen Grund, keine Veranlassung, diese Bereiche zu verlassen,
30:55obwohl der Melatonin-Haushalt, also das Nachthormon ist das ja im Prinzip,
30:59das über Tag und Nacht informiert alle Zellen, die ja sonst blind wären und diese Informationen brauchen.
31:05Und die Reproduktionsphysiologie wird gestört.
31:07Die Tiere haben aber gar keinen Grund, daraus zu schwimmen, weil sie es gar nicht als unangenehm empfinden.
31:11Also sie sind nicht gestresst, aber haben keinen Bock mehr.
31:13Ja, das kann das ja auch sein.
31:15Was sind die Auswirkungen im Endeffekt?
31:18Das kann sich eben auf ganze Populationen auswirken, was wir aber noch nicht so weit untersucht haben.
31:25Und interessanterweise waren ja diese Studien als Dosiswirkungsstudien angesetzt.
31:30Wir dachten, ein Luchs ist so wenig, da sehen wir vielleicht gar keine Antwort.
31:34Tatsächlich war der Unterschied zwischen einem Luchs und 100 Luchs kaum vorhanden.
31:39Sobald dieses Licht da war, wurde zum Beispiel die Melatonin-Produktion runtergeschraubt.
31:44Und wir sind jetzt dabei, eben auch geringere Lichtdosen zu untersuchen.
31:48Und es sieht so aus, als wären die auch auf noch geringere Lichtwerte sensitiv.
31:52Also sehr sensible Tiere da.
31:54Sehr sensible Tiere, ja.
31:56Der Barsch.
31:56Wir kommen zur Initiative Stars for All.
32:00Da haben Sie sich mit der Uni in Mailand, Madrid und anderen zusammengeschlossen.
32:04Und da geht es dann um Menschen und Licht?
32:07Da geht es um Menschen und Licht und die verschiedensten Aspekte, warum Licht halt negative Auswirkungen hat.
32:14Und da werden Leute eingeladen mitzumachen.
32:17Das ist eine sogenannte Collective Awareness Plattform zu dieser Thematik Lichtverschmutzung.
32:22Und da kann man, wenn man Interesse hat, eben die Plattform kontaktieren.
32:28Man kann Lichtverschmutzung-Initiativen anregen.
32:31Zum Beispiel Fotos machen von guter Beleuchtung, schlechter Beleuchtung.
32:37Sternbeobachtung machen mit den Augen, sagen wir mal, zählen.
32:40Wie viele Sterne sehe ich gerade?
32:41Und dann kann man darauf Ausschluss, das kann man sozusagen so nutzen, dass man dann weiß, wie hell es da
32:48gewesen sein muss.
32:49Da gibt es zum Beispiel eine App, die man da benutzen kann.
32:51Und so gibt es ganz viele Initiativen, die da jetzt schon sind.
32:54Das wird dann unterstützt, sichtbar gemacht.
32:57Wir unterstützen auch mit Crowdfunding-Aktivitäten, dass die Leute ein bisschen auch Geld dann dafür bekommen für ihre Initiativen.
33:04Und auch bei der Datenauswertung.
33:06Ein Link dazu, können wir gleich noch sagen.
33:08Auf unserer Homepage planet-wissen.de finden Sie den Link zu Stars for All.
33:13Glauben Sie, dass die Leute mal auf die Straße gehen, auch gegen die Lichtverschmutzung?
33:16So wie es jetzt auch schon gegen Pestizide-Demonstrationen gibt?
33:21Ich glaube, da brauchen wir noch ein bisschen Zeit.
33:22Weil in der Bevölkerung selber, wie ich ja schon angangs sagte, noch einfach dieser positive Aspekt überwiegt.
33:29Aber man sieht jetzt schon in der Politik kommt es allmählich an.
33:32Auch die Forschung sowieso schon, die sich da sehr kurz darauf schon das als Thema angenommen hat.
33:37Und auch sehr viele Studien jetzt sozusagen auch publiziert werden oder Projekte beginnen.
33:43Aber ja, vielleicht in Zukunft.
33:46Aber wie gesagt, wichtig ist es jetzt erst mal, dieses Bewusstsein zu schaffen, dass Licht in der Nacht durchaus etwas
33:54ist, was man nutzen kann.
33:55Aber man muss damit sorgfältig umgehen und versuchen, so wenig negative Auswirkungen auf Menschen und Natur zuzulassen.
34:03Jetzt haben wir über Flussbarsche, Nachtfalter, Insekten und Singvögel gesprochen.
34:08Noch nicht geklärt haben wir so richtig, ob das elektrische Nachtlicht auch Menschen aus dem Tritt dringt.
34:13An der Ludwig-Maximilians-Universität erforscht Thilo Rönneberg den biologischen Rhythmus des Menschen.
34:19Das gesamte Nervensystem, alle Organe und selbst den Stoffwechsel in den einzelnen Zellen steuert eine innere Uhr.
34:28Wie die tickt, haben Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft in einem spektakulären Experiment zwischen 1964 und 1982 untersucht.
34:39Im oberbayerischen Andex bauten sie einen Bunker.
34:42Darin befanden sich komfortable Wohnungen, allerdings ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Fenster, ohne Uhren, ohne Radio und Fernseher.
34:52Insgesamt mehr als 300 Freiwillige verbrachten hier jeweils mehrere Wochen.
34:57Mediziner zeichneten Schwankungen etwa der Körpertemperatur und beim Hormonhaushalt der Probanden auf.
35:04Diese Daten gaben Aufschluss über den zeitlichen Rhythmus, den sich die Freiwilligen individuell suchten.
35:10Ohne das Signal eines äußeren Zeitgebers, also einer Uhr oder der Sonne.
35:16Das Ergebnis?
35:18Zwar gingen die Versuchspersonen zu völlig unterschiedlichen Zeiten ins Bett.
35:23Nahezu alle aber lebten nach einem 24 bis 25 Stunden Takt.
35:27Das beweist, alle Körperfunktionen werden von einer inneren Uhr gesteuert.
35:33Damit deren Takt mit der Außenwelt zusammenpasst, braucht es jedoch einen Taktgeber, die Sonne.
35:38Das zeigen auch Untersuchungen von Till Rönneberg.
36:11Was in unserem Körper passiert, das erklärt uns jetzt Dr. Dirk Schwerthöfer, Chef des Schlaflabors am Klinikum Rechts der Isar
36:16in München.
36:17Herzlich willkommen.
36:18Herzlich willkommen, danke.
36:19Wie müssen wir uns das denn vorstellen?
36:20Wir werden jetzt von außen synchronisiert, also wie so eine unsichtbare Funkuhr?
36:25Der Vergleich mit der Funkuhr ist gar nicht so schlecht.
36:29Insofern kann man davon sprechen, man hat es in dem Beitrag ja auch gerade gesehen, dass wir einen inneren Rhythmus
36:34haben.
36:35Auch wenn man in Dunkelheit zum Beispiel ist, laufen viele Körpervorgänge, Körpertemperatur, Stoffwechselvorgänge, laufen immer regelhaft ab.
36:43Etwas über 24 Stunden meistens, drei bis 25 Stunden viele.
36:47Wir brauchen aber einen äußeren Zeitgeber, einen Taktgeber.
36:50Da ist Licht der stärkste Taktgeber, der diese Uhr synchronisiert, auf 24 Stunden festlegt.
36:56Wir Menschen haben noch andere Taktgeber, Termine, Arbeit, Wecker.
37:00Aber dieses Zusammenspiel, da ist der Vergleich von der Funkuhr durchaus treffend.
37:05Wo sitzt denn unsere innere Uhr eigentlich?
37:08Die innere Uhr sitzt im gesamten Körper, in allen Zellen.
37:12In jeder einzelnen Zelle gibt es Gene, die dafür verantwortlich sind.
37:17Aber das ist ein Zusammenspiel aus Nervenzellen, aus Nervenstrukturen, aus Hormonen, aus Botenstoffen.
37:23Und es gibt eine übergeordnete Instanz, einen Taktgeber, der sitzt im Gehirn, ungefähr hier, strategisch auch gut in der Nähe
37:31der Augen,
37:31weil das Licht ja als Zeitgeber benötigt wird.
37:33Es nennt sich Nucleus Supra Chiasmaticus, also ein Kern, der über einer Nervenkreuzung sitzt.
37:39Und der projiziert, sagt man, also der hat Nervenverbindungen ins Nervensystem, bis zu den Organen, über Botenstoffen und koordiniert das
37:47alles.
37:47Also der stellt die wirklich dann, diese Uhr in allen Zellen?
37:51Empfängt über das Licht zum Beispiel Informationen und gleicht das dann mit dem Rest der Organe und der Körperfunktionen ab.
37:59Sensationell.
38:00Das heißt, diese falsche Lichtmeldung, die die Tiere jetzt auch durch Lichter, Lampen etc. bekommen,
38:05die kommen wir als Menschen auch dann zum Beispiel über Fernseher, Handys, Laptops, Innenbeleuchtungen?
38:11Das ist ja die Frage, inwiefern man diese wichtigen und interessanten Beobachtungen aus der Ökologie und der Tierwelt auf den
38:19Menschen übertragen kann.
38:20Der Mensch ist ja schlau und schützt sich und geht natürlich in seine Höhle oder in sein Zimmer und macht
38:25die Jalousien zu.
38:26Das macht er ja auch nicht erst seit ein paar Jahren, sondern schon länger.
38:29Hat also ganz gut gelernt, damit umzugehen.
38:33Aber es gibt einen Einfluss von Licht und die Frage ist, inwiefern man das als Mensch überhaupt mitbekommt.
38:39Das sind natürlich auch, wenn man dem Falschen, dem Kunstlicht sozusagen ausgesetzt ist, das ist ja nicht etwas, was man
38:45sofort merken würde.
38:46Das ist eine spannende Frage und die ist für den Menschen schwer zu beantworten.
38:49Das heißt, bei den Tieren haben wir ja schon gesehen, da verschiebt sich manchmal der Rhythmus um einen Monat.
38:54Bei den Vögeln mit der Geschlechtsreife, die Barsche sind nicht gestresst, aber sind irgendwie auch ein bisschen lustlos in vielerlei
39:00Hinsicht.
39:01Das heißt, könnten unter Umständen einige sogenannte Zivilisationskrankheiten, die wir haben, durch die Lichtverschmutzung auch kommen?
39:09Das kann sein. Es ist ja generell eher das falsche Licht zur falschen Zeit so.
39:16Wir haben tatsächlich in der Medizin und im Schlaflabor häufiger mit Menschen zu tun, die darunter leiden oder die das
39:23merken, dass sie tagsüber zu wenig Licht haben.
39:26Dass sie hier, also auch in ihrem Studio, hier ist es ja hell, aber auch hier außenrum ist alles dunkel.
39:30Die Menschen sitzen im Büro, sitzen im Dunkeln. Und das Melatonin ist nun abhängig vom Licht.
39:35Melatonin ist unter anderem das Schlafhormon. Das wird im Dunkeln, wenn wir ruhen, ausgeschüttet und fördert den Schlaf.
39:41Und tagsüber muss es durch das Licht einfach gesenkt werden.
39:44Und wenn es nicht gesenkt wird, bleibt man tagsüber überaktiv.
39:47Das führt zu Schlafstörungen, im schlimmsten Fall zu einer Depression.
39:50Und das sehen wir eigentlich, also da weiß man schon einiges.
39:55Über diesen anderen Aspekt weiß man noch relativ wenig, auch wenn das alles theoretisch denkbar ist.
40:01Ja, was machen die hellen Nächte mit dem Menschen?
40:03Erster Schritt, herausfinden, wie viel von welchem Licht wir so im Schnitt abbekommen.
40:10Der Wechsel zwischen Tag und dunkler Nacht steuert also unseren biologischen Rhythmus.
40:16Kann der durch künstliches Licht, durch Lichtverschmutzung gestört werden?
40:21Mit einer Spezialbrille mit Lichtsensoren wollen das Forscher unter anderem an der Berliner Charité herausfinden.
40:29Probanden tragen die Brille eine Woche lang.
40:35Die Sensoren messen, wie viel Licht sie in ihrem Alltag abbekommen und wann.
40:40Beispielsweise in der Früh auf dem Weg zur Arbeit. Später im Büro.
40:46Nach der Arbeit. In der Freizeit.
40:51Und schließlich am Abend zu Hause.
40:54Die Ergebnisse sind erschreckend.
40:56Wir verbringen den Tag in Lichtverhältnissen, die Mediziner als biologische Dunkelheit bezeichnen.
41:02Nachts ergänzt durch künstliches Licht.
41:05In der Evolution hat die innere Uhr sich daran gewöhnt, in Anführungsstrichen, dass es tagsüber hell ist und nachts dunkel.
41:13Das hat sich in den letzten paar hundert Jahren bei uns sehr, sehr stark verändert.
41:16Denn wir können plötzlich Licht machen, nicht nachts.
41:19Das ist ein Punkt der Veränderung.
41:21Der andere Punkt der Veränderung ist, dass wir fast nur noch drinnen leben.
41:25In irgendwelchen Bauten.
41:27Und diese beiden Veränderungen führen dazu, dass unsere inneren Uhren jetzt nur noch sehr, sehr schwache Zeitgeber nennen wird.
41:34Das sind alle Informationen in der Umwelt, die die innere Uhr stellen können, nennen wir Zeitgeber.
41:39Und die sind sehr schwach geworden.
41:40Wir haben nicht mehr einen ganz hellen Tag, unter dem wir draußen uns befinden und eine ganz dunkle Nacht, in
41:47der wir uns zurückziehen, auch bevor wir einschlafen.
41:50Sondern wir haben letztendlich dauernd irgendwie sowas wie Dämmerlicht.
41:56Was das für unseren Körper bedeutet, versuchen Wissenschaftler mit Tests im Schlaflabor herauszufinden.
42:04Sensoren messen Gehirnströme, Muskelaktivität und Augenbewegungen.
42:11Die Mediziner setzen verschiedene Lichtfarben ein und simulieren damit die Tageszeit.
42:18Rotlicht erweckt den Anschein, es sei später Nachmittag oder Abend.
42:23Blaues Licht dagegen ist vor allem im Mittagslicht enthalten.
42:26Der Körper erhält so das Signal, es ist heller Tag.
42:33Zahlreiche Untersuchungen zeigen, das falsche Licht zur falschen Zeit kann den Hormonhaushalt durcheinander bringen.
42:40Die Folge Einschlafschwierigkeiten und Schlafstörungen.
42:49Und das nicht nur im Schlaflabor.
42:52Helles Licht mit einem hohen Blauanteil am Abend und in der Nacht steht im Verdacht, die innere Uhr aus dem
42:58Takt zu bringen.
43:02Wiederholt sich dieses aus dem Taktbringen über einen längeren Zeitraum, erhöht das das Risiko ernsthafter Krankheiten.
43:12Alle Systeme des Körpers werden irgendwie erneuert oder in Schuss gehalten in Form von Schlaf.
43:21Und wenn wir jetzt zu wenig Schlaf kriegen oder wenn wir nicht mehr synchron mit dem Schlaf, den unsere innere
43:29Uhr eigentlich zu einer bestimmten Zeit vorgeben würde, schlafen,
43:33dann kommt es zu, diese ganzen Reparatur- und Vorbereitungs- und Nachbereitungsaufgaben können nicht mehr optimal gemacht werden.
43:41Und letztendlich kann aus Schlafmangel alles entstehen, was man gerne nicht oder nicht gerne haben möchte.
43:47Das kann reichen von Gedächtnisproblemen, sozialer Inkompetenz bis hin zu wirklich körperlichen Problemen.
43:57Besonders betroffen sind Schichterarbeiter, die die Nacht zum Tag machen müssen.
44:03Untersuchungen in den USA zeigen eindeutig einen Zusammenhang zwischen Nachtarbeit und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
44:12Dass das künstliche Licht jedoch diese Krankheiten verursacht, also die Lichtverschmutzung, die die Arbeiter nachts ausgesetzt sind, ist nicht nachzuweisen.
44:22Das klingt alles ziemlich dramatisch und ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, das kann sich auch ganz schön dramatisch
44:28anfühlen.
44:29Also ich hatte mal auch mal eine Zeit lang mit Schlafstörungen zu kämpfen.
44:32Wie ist denn das? Kommen jetzt immer mehr Menschen zu Ihnen jetzt ins Schlaflabor, die auch Schwierigkeiten haben, weil ihre
44:38innere Uhr nicht mehr synchron läuft?
44:41Nein, das kann man so nicht sagen. Aber es wäre ja, wenn Licht eine große Rolle spielt, auch etwas, was
44:47man nicht merken würde.
44:49Was in den letzten Jahren zunimmt, die Krankenkassen sind da auch sehr dahinter, ist die Arbeitsbelastung.
44:54Da hat man, die haben jetzt auch Daten veröffentlicht, dass die Arbeitnehmer sich einfach gestresst fühlen durch ständige Erreichbarkeit zum
45:02Beispiel und ähnliches.
45:03Schichtarbeit ist einfach ein Sonderfall. Das ist natürlich, das führt auf vielen Wegen zu zahlreichen körperlichen und auch psychischen Erkrankungen.
45:11Die Patienten kommen häufiger zu uns und klagen eben über Arbeitsbelastung, über Stress. Viele klagen über Schlaflosigkeit, wissen nicht warum.
45:20Tatsächlich klagen mehr Menschen auch darüber, dass sie geräuschempfindlich sind, dass sie nachts häufig aufwachen, dass sie subjektiv große Lautstärken
45:29zu ertragen haben.
45:30Über das Licht klagen tun die Patienten nicht. Aber deshalb sind so Untersuchungen ja, wie gerade gesehen, ja auch sehr
45:36interessant, das herauszufinden.
45:38Kann man denn so eine aus dem Takt geratene innere Uhr wieder nachstellen?
45:44Ja, das kann man. Also wenn man jetzt zum Beispiel das Extrembeispiel eines Schichtarbeiters nimmt, das schafft man ja häufig
45:52unter 40, unter 45 ganz gut und irgendwann wird es dann schwer.
45:56Das System wird irgendwie unflexibler darauf zu reagieren. Das kann man schon. Also wir empfehlen Patienten dann erstmal recht grundsätzliche
46:05Maßnahmen.
46:06Wie, also beim Schichtarbeiter ging es darum zu sagen, kann man denn den Schichtplan ändern? Kann man aus der Schicht
46:11rausgehen ab einem gewissen Alter?
46:12Aber generell, wenn man also die innere Uhr aus dem Gleichgewicht kommt, erstmal grundsätzliche Maßnahmen. Schlafhygiene nennt sich das.
46:19Wirklich auf seinen Schlaf zu schauen, regelmäßig zu schlafen, nicht zu früh zu schlafen, erst später, wenn man richtig müde
46:25ist überhaupt.
46:26Und man kann natürlich auch mit Licht einwirken. Also das beste Medikament ist in dem Fall wirklich tagsüber.
46:34Eine Lichtstärke draußen ist wesentlich höher als zum Beispiel Lichtlampen. Man kann auch Lichtlampen verordnen.
46:39Aber das Beste ist tatsächlich, auch wenn es banal klingt, rausgehen, frische Luft und Licht und tagsüber immer ans Licht
46:46gehen, um den Melatoninspiegel eben tagsüber auch zu senken.
46:50Es gibt ja auch sowas wie so Wecker, die einen Sonnenaufgang simulieren. Manche Leute schwören drauf.
46:57Man kann es auch mit digitalen Vogelgeräuschen noch kombinieren. Was halten Sie davon?
47:02Das ist ja so ein... Also Patienten, die zu uns kommen, haben natürlich ein schweres Leiden und kommen dann ins
47:09Schlaflabor irgendwann und haben schon vieles ausprobiert.
47:11Im Schnitt waren sie bei zwei, drei anderen Ärzten in der Apotheke, haben sich beraten lassen.
47:16Und da ärgere ich mich dann häufig auch, dass häufig auch Dinge gekauft werden, die eigentlich nicht hilfreich sind.
47:21Also es gibt eine regelrechte Schlafindustrie. Manches ist sinnvoll, manches ist weniger sinnvoll. Ich will es gar nicht im Einzelnen
47:28bewerten.
47:28Aber wenn dann wirklich Hunderte oder sogar mehr Euros ausgegeben werden für besondere Decken und Matratzen, die einfach nicht wissenschaftlich
47:35untersucht sind und besondere Wecker,
47:37ich finde, das sollte in den Händen der Profis bleiben. Und da wird sicher viel Schindluder mitgetrieben.
47:43Außerdem geht es da ja ums Aufwecken. Bis dahin schon schlecht geschlafen hast, ist die Nacht eh schon wurscht.
47:49Aber man kann sagen, wenn man wirklich wenig Schlaf hat, dann kann das krank machen. Was kann das an einem
47:56anrichten?
47:57Absolut. Das ist bekannt. Also der Stoffwechsel ist beeinträchtigt. Nach ein paar Nächten schlechten Schlafens schon bekommt man Hunger.
48:07Hunger auf ungesunde Sachen auch, auf Süßes, auf sehr energiereiches, Chips, fettreiches und ähnliches.
48:13Das ist das Zusammenspiel der Hormone, das dann bei Schlaflosigkeit gestört ist. Es gibt Leptin, Grelin, so Hormone, die ja
48:18für Appetit zum Beispiel wichtig sind.
48:21Und man kann auch sogar eine Blutzuckerkrankheit entwickeln. Nach ein paar Nächten schlechten Schlafs ist es so, dass das Insulin,
48:29Insulin ist das Hormon, das den Zucker in die Zelle transportiert, das Insulin noch da ist, aber nicht mehr richtig
48:34arbeitet.
48:34In der Folge gibt es einen erhöhten Blutzuckerspiegel und kann dann zu Diabetes führen, kann zu Übergewicht führen.
48:39Wir nennen es dann metabolisches Syndrom. Da sind die Zusammenhänge relativ gut bekannt.
48:44Auch auf das Immunsystem sind die Zusammenhänge bekannt.
48:47Vereinfacht gesagt, macht Schlaf, schaltet oder beeinflusst Schlafmangel das Immunsystem negativ, kann ja nicht mehr arbeiten.
48:54Man ist infektanfälliger. Da wird ja sogar am Ende über Krebserkrankungen, wird ja spekuliert, da gibt es keine Beweise,
49:01aber da wird das Immunsystem auch eine zentrale Rolle spielen.
49:04Wahnsinn. Also es hat wirklich gravierende Folgen. Das heißt, man sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen.
49:08Das haben wir schon gehört. Am besten einfach raus. Dann sagt natürlich der Hautarzt sofort wieder,
49:13Obacht mit der Sonne, aber da kann man sich ja einschmieren.
49:16Also das heißt, wie oft am Tag sollte ich denn rausgehen, damit ich besser schlafen kann auch?
49:23Selbst abends, wenn die Sonne schon untergeht, ist die Lichtintensität und die Lichtstärke hoch genug, um des Melatonins zu beeinflussen.
49:32Also ich denke, man kann, also man soll natürlich keinen Sonnenbrand bekommen, aber man kann generell jedem raten,
49:38es reicht ja auch mit Kleidung und Hut rauszugehen, an die frische Luft zu gehen und ans Licht zu gehen.
49:42Das kann man auch, ohne es jetzt genauestens zu differenzieren, ohne an Sonnenbrand zu kommen, kann man jedem raten.
49:49Hat auch keine Nebenwirkungen.
49:50Also raus, denn es braucht, haben wir jetzt gehört, ordentlich Licht, damit wir auch nachts gut schlafen können.
49:56Das heißt, wir brauchen einen anderen Umgang, ganz generell mit Licht und das geht.
50:00Die Straßenbeleuchtung ist, angesichts der Lichtverschmutzung im Büro und zu Hause,
50:05für den Menschen, anders als für Tiere, kein gesundheitliches Problem. Eher ein ästhetisches.
50:14Dabei geht es auch anders. In Augsburg bemüht sich die Stadtverwaltung um eine moderne Beleuchtung.
50:21Grellweiße Quecksilberlampen wurden schon vor vielen Jahren durch angenehmere, gelbliche Leuchtstoffröhren ersetzt.
50:29Die Augsburger Innenstadt hat eine unheimlich schöne, warme Atmosphäre.
50:34Die warme Lichtfarbe der jetzigen Beleuchtung trägt dazu natürlich für bei.
50:39Daneben ist selbstverständlich die Sicherheit der Bürger gewährleistet.
50:44Und mit dieser Lichtart haben wir etwa 30 Prozent Stromersparnis im Vergleich dazu, was früher da war, nämlich die Quecksilberlampen.
50:53Und bald werden dann die Leuchtdioden kommen, die noch weniger Strom verbrauchen.
50:59Shandor Eschepi, Leiter der Abteilung für öffentliche Beleuchtung, experimentiert bereits mit Leuchtdioden mit LEDs.
51:08Beispielsweise in diesen uralten Straßenlaternen.
51:12LEDs könnten schon bald das warmweiße Licht der alten Gasbeleuchtung simulieren.
51:18Und helfen, dass die Straßenbeleuchtung in Augsburg so angenehm schummrig bleibt.
51:25Dazu trägt auch bei, dass die Beleuchtung teilweise komplett abgeschaltet wird.
51:30Wie hier an dieser Versuchsstrecke in einem öffentlichen Park.
51:33Die Laternen sind mit Bewegungsmeldern ausgestattet.
51:36Die stark gedimmten LEDs fahren nur bei Bedarf hoch und blenden nach einigen Minuten wieder ab.
51:44Es ist ja so, dass der Beleuchtungsbedarf nicht kontinuierlich vorhanden ist.
51:49Nicht während der ganzen Nacht das Gleiche ist.
51:52Daher haben wir in Augsburg immer darauf Wert gelegt, dass das Beleuchtungsniveau stufenweise geändert wird und bedarfsgerecht angepasst wird.
52:02So wird die öffentliche Beleuchtung dann reduziert, gedimmt, teilweise abgeschaltet.
52:07Und das Prinzip ist immer, so viel wie nötig und so wenig wie möglich.
52:15Schöner Ansatz aus meiner Heimatstadt Augsburg.
52:17Allerdings hat sich inzwischen auch gezeigt, dass die LEDs auch nicht nur zur Lösung des Problems Lichtverschmutzung beitragen.
52:24Franz Hölker vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie, Sie sind wieder bei uns.
52:30Was ist das Problem mit den LEDs?
52:33Ja, also grundsätzlich haben sie ein großes Potenzial.
52:36Sie sind tatsächlich energieeffizienter, man kann es ja gerichtet beleuchten, man kann es selbst relativ einfach dimmen.
52:43Das Problem ist eigentlich, dass sie eingesetzt werden, um Energie zu spannen in vielen Fällen,
52:49aber sich die Leute wenig Gedanken machen, wie man jetzt wirklich nachhaltig damit umgeht.
52:54Also grundsätzlich muss nämlich, egal welche Technologie man benutzt, man einen guten Grund haben, zu beleuchten.
53:00Warum beleuchte ich da, zu welcher Uhrzeit, in welcher Farbe beleuchte ich da?
53:04Und wenn man das nicht hat, wie man das zum Beispiel in Gärten sieht, wo diese Solarpanels die ganze Nacht
53:08unmotiviert rumleuchten,
53:10dann sollte man das auch nicht benutzen.
53:13Das heißt, die sind auch gegen die Solarlaterne im Baum?
53:16Ja, man sollte sie auch ausschalten können und nicht nur durchlaufen lassen, wie das viele vielleicht aus Gemütlichkeit machen.
53:23Und die LEDs sind natürlich auch ein bisschen verführerisch und das ist so ein Problem, was wir Menschen einfach haben.
53:28Wenn etwas günstig wird, benutzen wir es mehr.
53:30Das kennt man aus ganz anderen energieverbrauchenden Technologien, aber beim Licht ist das ein Klassiker.
53:35Also es gibt eine Studie in England, die hat das seit Jahrhunderten sozusagen untersucht.
53:40Und mit jedem Technologiesprung wurde weniger Energie verbraucht, theoretisch.
53:45Die wurden energieeffizienter, aber die Leute neigten dann dazu, einfach mehr zu verwenden.
53:49Und in der Folge wird es halt immer heller. Das ist ein sogenannter Rebound-Effekt.
53:53Und das sehen wir halt auch weiterhin.
53:55Und das ist auch unsere Vermutung, dass das also auch bei dieser weltweiten Zunahme an Licht in der Nacht eine
54:01große Rolle spielt.
54:03Das heißt, würden Sie dafür so weit gehen und sagen, es gibt irgendwann eine Lichtsperrstunde,
54:08dass man in bestimmten Stadtgebieten vielleicht einfach die Straßenbeleuchtung dann auch ausschaltet?
54:13Ja, oder sagen wir mal, zumindest reduziert.
54:16Aber ich würde mir wünschen, also die ideale Beleuchtung wäre so, dass man erstmal wüsste,
54:20welche Auswirkungen es hat auf die unterschiedlichsten Organismen.
54:23Und dann entsprechend so eine Stadt nach ihrem Kontext unterscheidet.
54:26Wir haben die Wohngegend, da gilt es den Schlaf des Menschen zu schützen.
54:30Da sollte man entsprechend auch Farben, vielleicht weniger blau, benutzen.
54:33Und dann in den Morgenstunden einfach noch weiter runter dem Oder ganz ausschalten.
54:37Dann haben wir die Grünanlagen, die Gewässer, wo eben viele Tiere, Pflanzen lichtsensitiv sind.
54:43Das wissen wir schon.
54:44Und da kann man auch ein entsprechendes Beleuchtungsdesign haben.
54:46Ein Park muss nicht die ganze Nacht beleuchtet sein.
54:48Das ist gar nicht notwendig, weil kaum jemand den um drei Uhr morgens benutzen wird.
54:52Und wir haben natürlich zentrale Stadtbereiche.
54:54Da gibt es wichtige Orte, die vielleicht auch ein bisschen herausgearbeitet werden.
54:57Das ist auch ein bisschen Stadtkultur, die man da durch Licht auch ein bisschen bearbeiten kann.
55:01Jede Stadt hat da ein anderes Konzept.
55:03Und dann wird dann, fällt das Brandenburger Tor eben länger beleuchtet.
55:08Oder bestimmte Orte von wirklich nachweisbarer, besonderer Bedeutung, wie Denkmäler oder so, könnten dann beleuchtet werden.
55:16Aber eben auch nicht jedes Gebäude und nicht jede Bushaltestelle.
55:19Das heißt, ein intelligentes Beleuchtungssystem.
55:21Genau.
55:22Ein Konzept.
55:23Gibt es denn eine Stadt, die schon besonders gut ist?
55:25Ja, also Augsburg gibt sich da ja sehr viel Mühe, in diese Richtung zu gehen.
55:29In Berlin gibt es auch ein Lichtkonzept, wo auch ganz unterschiedliche Disziplinen zusammenkamen, um darüber nachzudenken.
55:38Also Lichtplaner, Ökologen, auch Schlafforscher wurden eingeladen.
55:43Das Problem ist, das dann auf Bezirksebene umzusetzen, weil die da relativ autark sind.
55:48Und dann entsprechend auch die Leute zu überzeugen, dass man im Prinzip das auch wirklich als Vorlage nehmen sollte.
55:55Welches Licht tut denn dem Menschen gut?
55:57Also wenn wir von Schlafhygiene, vielleicht auch von Lichthygiene sprechen zu Hause, auf was sollte ich denn zu Hause achten,
56:02damit ich besser schlafe?
56:06Also generell die Beschäftigung mit Technologie, mit Medien, Abends, Fernsehen, Leuchtdisplays, jetzt unabhängig von der Farbe.
56:14Wenn man Schlafstörungen hat, ist es nicht gut, weil es einfach stimulierend, weil es anregend, aufregend teilweise ist und einen
56:20sicher nicht gut in den Schlaf kommen lässt.
56:22Es gibt ja da so auch Untersuchungen mit dem blauen Licht zum Beispiel von LED-LEDs, dass das ja das
56:28Melatonin weiter senkt und dann einen schlechter schlafen lässt in der Theorie.
56:33Inwiefern das dann in der Praxis so ist, kann man nicht sagen.
56:36Aber der Vorteil ist, es sind ja nebenwirkungslose sozusagen Methoden.
56:41Also man kann das auch auf dem Display, einen Blaufilter zu benutzen, kann man eben, kann man nicht davon abraten
56:47zumindest.
56:49Aber wie Sie schon sagten, man sollte vernünftig damit umgehen.
56:52Und das schärft ja auch das Bewusstsein auch generell für zu viel Energie zu Hause.
56:56Und man sich das mal zu überlegen, ob man einfach weniger zurechtkommt, ist natürlich total sinnvoll.
57:01Und was die Auswirkungen auf die Natur angeht, die neue Große Koalition hat ja ein Aktionsprogramm Insektenschutz, das auch die
57:07Lichtverschmutzung umfasst.
57:09Man will eine insektenfreundliche Beleuchtungslösung empfehlen. Reicht das?
57:17Also, das werden wir sehen natürlich.
57:20Aber ich finde das schon mal sehr begrüßenswert, dass darüber nachgedacht wird.
57:24Also dass das in diesem Aktionsprogramm als Aspekt sozusagen berücksichtigt wird.
57:29Aber das wird ja auch da ausgedrückt, dass man da auch noch einiges zu lernen hat, wie man damit umzugehen
57:34hat.
57:35Und ich denke schon, also wenn man dann wirklich für unterschiedlichste Insekten und auch Gebiete, wo es diese Insekten zu
57:42schützen gibt, dann entsprechende Maßnahmen und Handlungsempfehlungen sozusagen zusammenbekommt, dann hat das auch bestimmt auch positive Auswirkungen.
57:51Das macht schon Sinn, also in diese Richtung auch weiterzugehen.
57:54Die Richtung stimmt also schon mal ein bisschen.
57:56Gut, dann haben wir heute wieder was gelernt, oder?
57:58Vielen herzlichen Dank, dass Sie da waren.
57:59Und Ihnen zu Hause eine geruhsame Nacht, möchte ich fast schon sagen.
58:03Auf jeden Fall bis zum nächsten Mal.
58:05Vielen herzlichen Dank.
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