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00:16Thank you, thank you, Julian, this is your beat.
00:30Es stimmt ja auch, herzlich willkommen bei Sträter und ja, ich habe mal wieder zugenommen,
00:35keine Ahnung, wie, ich esse jetzt nicht mehr, ich bewege mich auch nicht weniger, weil weniger
00:42auch gar nicht ginge.
00:43Naja, ich bleib dran.
00:45Noch was, da es die erste Sendung in 2023 ist, frohes neues Jahr.
00:52Es war zwar schon Ostern, 1. April, Zeitumstellung, Tag der Arbeit und die Kölner Göbel-Festspiele,
00:57aber da Sie mich noch nicht gesehen haben, frohes Neues.
01:00Viel passiert im ersten Quartal, zu viel im Prinzip, um da jetzt konkret drauf einzugehen,
01:05war auch kaum Erfreuliches dabei.
01:07Was mich momentan besonders irritiert, ist künstliche Intelligenz, Chat-GPT, um wie die alle heißen.
01:13Es ist mittlerweile möglich, jede Stimme zu imitieren, jedes Bild, jedes Foto durchzukomponieren,
01:18ganze Texte, Wahrheit und Realität zu verbiegen und einzubeulen.
01:23Vermutlich hat das damals alles mit dem Taschenrechner angefangen.
01:26Ein Gerät, das die komplexesten Aufgaben lösen konnte und dabei in jede Tasche passte.
01:30Damals, als ich ein Schuljunge war, war das jenseits von Science Fiction.
01:34Ein echter Game Changer oder wie meine Oma sagen würde, Gamschanger.
01:38Gut, dass wir die Dinger im Unterricht gar nicht benutzen durften,
01:44hat der ganzen Innovation so ein bisschen den Wind aus den Segeln genommen.
01:47Aber wenn wir sie hätten benutzen dürfen, hätte ich ja trotzdem keinen gekriegt.
01:50Ich war mathematisch aber ohnehin jenseits von Gut und Böse, beziehungsweise jenseits von Gut.
01:58Und Lieder wie 2 mal 3 macht 4 Widiwidiwit und 3 macht 9 waren da auch nicht hilfreich.
02:05Zumal der Wert von Widiwidiwit auch komplett unbekannt ist.
02:09Und heute haben wir Terminator, Aufstand der Maschinen.
02:15Mittlerweile kann Künstliche Intelligenz mehr als ich, konnte sie vorher wahrscheinlich auch schon,
02:20aber wirklich alles, bis auf das Unvorhergesehene.
02:23Denn auch diese KI muss sich ja an Regeln halten, im Gegensatz zu mir.
02:28Wenn Flamingos zu warm ist, pissen sie sich auf die Beine.
02:33Das haben sie nicht kommen sehen. Und es stimmt.
02:39Neulich habe ich einem Flamingo auf die Beine gepisst.
02:43Ich wollte nur nett sein, wir haben dann gekämpft.
02:48Vielleicht war es nicht warm genug.
02:49Keine KI der Welt hätte dieses Muster voraussehen können.
02:54Es ist trotzdem beängstigend.
02:58Immerhin ist die Wissenschaft ja nicht untätig.
03:00Und da arbeiten ja noch richtige Menschen, keine künstlichen Intelligenzen.
03:03Und diese richtigen Menschen haben neulich wirklich Mammutfleisch geklont und eine Frikadelle draus gemacht.
03:11Das ist mein größter Respekt dafür.
03:14Die darf aber keiner essen.
03:16Die Wissenschaftler meinten wohl auch als Rechtfertigung, es wäre eine frühe Phase zur Beendigung des Welthungers, Kikiriki.
03:22Ich persönlich glaube, die haben versucht, wie in Jurassic Park, ein Mammut zu klonen.
03:26Das aber um das Verrecken nicht ans Tröten gekriegt.
03:29Und deswegen zack, hack.
03:31Erzähl mir nix.
03:33Und jetzt darf es keiner essen, weißt du?
03:35Das will auch keiner.
03:37Wenn sie sich für ungenießbare Snacks aus der Eiszeit interessieren, holen sie sich ein Frikadellenbrötchen an der Tanke.
03:41Naja, bevor die Welt entgültig den Bach runter geht, sollten wir noch ein paar Sendungen machen.
03:47Diese hier zum Beispiel.
03:51Da ich eh schon in Geberlaune bin, schließe ich direkt an mit Folgematerial, nämlich eine Ansprache an die Lage der
04:01Nation.
04:02Beachten Sie bitte den Hintergrund, er ist wunderschön.
04:06Sieht doch fantastisch aus, oder?
04:07Ich grüße Sie hier aus Takatukaland folgendes.
04:11Das ganze Licht ist völlig weiter.
04:16Heute möchte ich mit Ihnen über eine besondere Gruppe sprechen.
04:19Sie sind unter uns und sie sind viele.
04:22Zudem sind sie, wenn man mal mega-hippe Verwertungsplattformen wie YouTube außer Acht lässt, überwiegend, ehrlich gesagt, die Zuschauer dieser
04:29Sendung.
04:29Ich rede von den Seniorinnen und Senioren des Landes, also etwa 20 Millionen Menschen, die ich aber für meine Sendung
04:36nicht komplett aktiviert kriege.
04:37Komischerweise, da wäre ja noch was.
04:3920 Millionen Zuschauer für das hier.
04:42Wahrscheinlich würden manche Fernsehleute die Quote gar nicht begreifen.
04:45Weil in Deutschland die werberelevante Zielgruppe auf zwischen 14 und 49 beziffert wird.
04:51Das heißt also, nicht mal ich bin in meiner eigenen Zielgruppe mit drin.
04:56Schade.
04:58Komisch, wie wir mit unseren alten Leuten umgehen, oder?
05:01Möglicherweise ist das eines Tages anders.
05:03Ich denke, das dauert noch so 30 Jahre, bis die ganzen nachrückenden Rentner bis zum Hals tätowiert sind und Sachen
05:09sagen wie,
05:09Herr Torben, ich gehe geisteskrank Tauben füttern, lass mal Stadtpark abpimmeln, safe, gutes Wetter fühle ich.
05:14Aber heute...
05:16Schwierig.
05:18In Deutschland bist du als alter Mensch so ein Durchlaufposten, der dann einen Internetkurs bei der VHS macht, um überhaupt
05:25auf dem Laufenden zu bleiben, digital.
05:26Weißt du?
05:28Das brauchen die überhaupt nicht, die alten Menschen.
05:30Die haben völlig andere Skills.
05:31Ich selbst bin alt genug, um eBay zu belächeln.
05:35Die ganzen Jungspunde, die haben überhaupt keine Ahnung, wie wir damals gebrauchtes Zeugs gekauft haben.
05:40Ich weiß gar nicht, ob Sie es hier kennen.
05:41Wir hatten den Reviermarkt.
05:44Merken Sie?
05:45Das kennt keiner mehr.
05:46Ich erkläre es kurz.
05:47Der Reviermarkt war so, weiß ich nicht.
05:50Tageszeitungsgroße Publikation für Kleinanzeigen kamen mittwochs und samstags, glaube ich.
05:54Das waren so 50 Seiten und diese Seiten waren so dünn.
05:57Das Bibelpapier wirkt dagegen wie Rigips.
06:00Wirklich.
06:01Und das alles in Schriftgröße drei.
06:04Drei.
06:04Deswegen hieß das Kleinanzeigen.
06:07Wirklich jetzt.
06:09Man konnte es nur mit dem Tageslichtprojektor lesen.
06:12Das ist so krass.
06:17Und jede dritte Anzeige war das letzte Wort Schloss immer so mit Chiffre an.
06:22Ich hab ja damals viel James Bond gelesen und dachte immer, alles von Chiffre.
06:25Sag mal, wie viel Brocken hat der Verbrecher zu Hause rumstehen?
06:27Und ehrlich gesagt, Sie kennen den Film nicht?
06:29Vorbei.
06:30Die meisten Anzeigen waren sowieso aus Kostengründen bis zum mentalen Abriss eingekürzt.
06:36Das waren immer so Anzeigen.
06:43Und dann saß man da und dachte, ja, will der jetzt Kontakt oder mir die Kellertreppe versiegeln?
06:47Oder sind das Koordinaten?
06:48Oder hat der einen Schlaganfall an der Schreibmaschine?
06:51Ich ruf mal an.
06:52Nee, ist wieder Chiffre.
06:53So war das damals.
06:54Ebay.
06:54Geh mir weg.
06:56Wo war ich?
06:57Alte Menschen.
06:58Wären sie alt und Japaner wären sie längst so eine Art Gottheit.
07:03Der Shinto-Buddhismus bei den Japanern fußt darauf, seine eigenen Vorfahren zu ehren.
07:08Also quasi irgendwann demnächst auch sie.
07:10Aber die Japaner sind generell so ein bisschen anders geschnitzt als wir.
07:15Bahnangestellte entleiben sich schon mal direkt auf dem Bahnsteig, wenn der Hochgeschwindigkeitszug
07:1820 Sekunden zu spät einfährt.
07:20Während ich schon mal eine Übernachtung im Sitzen hatte, während man den Hamm versuchte,
07:23mit Schamanismus den Zug zu teilen.
07:25Das war wirklich ein Albtraum.
07:28Rebellieren Sie endlich.
07:29Ich meine das ernst.
07:30Auch wenn Sie keine werberelevante Zielgruppe mehr sind, auf sowas kackt man sowieso.
07:34Ich meine, alles was Sie mit über 60 an Werbung kriegen, sind so Postwurfsendungen,
07:37nach denen Sie gar nicht gefragt haben.
07:39Es sind Gleitsichtwochen bei Vielmann.
07:43Was für ein unfassbar düsterer Satz.
07:46Ich habe nichts gegen Vielmann, ich kaufe da auch mal was.
07:48Aber du bist auch so eine Gleitsichtwoche.
07:50Gleitsichtwoche, wie das nach Jenseits klingt, oder?
07:54Jürgen, zieh die Übergangsjacke an, es sind Gleitsichtwochen.
07:58And don't pay the ferryman.
08:00Weißt du, was ist das für eine Scheiße?
08:02Hören Sie zu.
08:09Sie sind deutsche Senioren.
08:12Sie brauchen keine Gleitsichtbrille.
08:14Sie haben die Kaufkraft und Macht, Mercedes Benz zu zwingen, Windschutzscheiben mit neuen Dioptrien zu bauen.
08:21Da können Sie mit dem vergrößerten Riesenschild aus der Garage bis Holland gucken.
08:25Mann!
08:32Es geht schon wieder.
08:35So, liebe Zielgruppe, Dankeschön.
08:39Willkommen bei meiner neuen Rubrik, die da lautet Akte Wix.
08:55Es gibt ja Formulierungen, die sich hochwillkommen in die deutsche Sprache eingeschlichen haben,
09:00zum Beispiel durch regional typische Verknappung.
09:04Formulierungen wie eben jene, die klingt, als wäre man mit ihr verwandt.
09:07Gemeint ist ein familiär klingendes Kommando zur Erhöhung des Geräuschpegels,
09:11nämlich Mama lauter.
09:13Finde ich schön.
09:14Auch unfreiwillig erhellende Antworten gehören in diesen Formulierungsschatz.
09:18Zum Beispiel, wenn auf die Aussage, Jürgen, dein Sohn will irgendwas kiffen,
09:22die Antwort lautet, da kann er bis zum jüngsten Tag warten.
09:26Das ist kein gutes Wortspiel.
09:28Schwamm dritter.
09:30Unsere Sprache ist ganz was Feines.
09:33Umständlich bis der Arzt kommt zwar klar, denn wo sonst kommt es vor,
09:37dass das Nomen verließ bedeutet, dass man eingeschlossen festsitzt,
09:41das Verb verließ aber, dass man schon lange weg ist.
09:43Da müssen Sie mal zehn Minuten drüber nachdenken.
09:45Wir sind das Land der Dichter und Denker.
09:49Und wir sind uns dieser Verantwortung natürlich jederzeit bewusst.
09:52In deutschen Wohnungen finden Sie hinter jeder dritten eingetretenen Tür ein Carpe Diem-Wandtattoo.
09:58Und jeder Deutsche soll so krass den Diem karpeln, wie er möchte.
10:01Aber im Deutschen gibt es auch die wirklich dunkle Seite des Dahingesagten.
10:08Und auf dieser dunklen Seite steht eine matschige Wiese, auf der Aussprüche von bestürzender Hirnlosigkeit wachsen und vor sich hin
10:15stinken.
10:15Wie zum Beispiel das oft benutzte und sehr sehr dumme, ein Stück weit.
10:22Oft wird diese so scheißige wie vage Wegmessung mit Worten wie spannend oder betroffen kombiniert.
10:28Also ich fände es ein Stück weit spannend, wenn.
10:33Wie weit das Stück ist und ob überhaupt, wird nicht geklärt.
10:36Was ist Stück denn für eine Maßeinheit und was für ein Stück?
10:39Ein Stück Butterkuchen oder ein Stück von Bert Brecht?
10:41Was für ein Stück? Und was für ein Stück weit? Und was für ein weit?
10:45Weit geht ja oft nicht nur nach vorne, sondern auch nach links und rechts.
10:48Das ergibt alles überhaupt keinen Sinn.
10:49Und wenn man ein Stück weit sagt, warum dann nicht auch ein Liter tief?
10:54Ich fände es, ja, ich fände es ein Liter tief spannend, wenn die Leute nicht so Kackphrasen erfinden würden.
11:00Udo.
11:01Oder warum ersetzt man nicht weit durch noch was Blöderes, so was wie Hochkant?
11:06Also die Brigitte war wirklich ein Stück hochkant betroffen.
11:10Ein Stück weit, ich dreh durch.
11:12Man möchte sich das Gehirn mit einem Drahtkleiderbügel durch die Nase ins Freie ziehen,
11:16auf den Tisch legen und einen Schlappen draufhauen.
11:18Einfach damit der Schmerz endet.
11:20Ich bin ein Mann offener Worte.
11:22Das merkt es zu Wischiwaschi.
11:23Also lege ich hiermit fest, ein Stück sind jetzt genau 450 Gramm Bitumen.
11:28Und weit ist 36 Zentimeter im Radius.
11:31Immer.
11:31Auch draußen.
11:32Und spannend sind Filme wie das Schweigen der Lämmer oder Unterhosen, die im Trockner waren,
11:37aber nichts, was man mit ein Stück weit kombinieren kann und so.
11:42Wer benutzt das?
11:44So wird das ab jetzt bitte benutzt.
11:46So wie ich es gerade gesagt habe, damit jeder weiß, wie dumm diese Phrasen sind.
11:49Damit man endlich mal rufen kann, was redest du da, du dummes Stück?
11:53Komisch, dann passt es dann plötzlich.
11:55Und beim nächsten Mal wenden wir uns einem hochinfektiösen Kleinklugscheißer-Od zu.
12:01Eine Phrase, die dazu führt, dass man sich reflexartig den Finger in den Hals stecken muss.
12:05Das allseits Beliebte merkst du selber, ne?
12:09Ey, das wird das.
12:10Schönen Dank.
12:15Und jetzt sind wir schon wieder mittendrin in meiner eigenen Kindheit, damals 1634.
12:20Spätherbst.
12:21Hier ist in einer meiner zugegebenermaßen Lieblingsrubriken Spielts noch einmal Sam.
12:26Und darum geht's.
12:28Danke.
12:39Ich hatte eine schöne Kindheit.
12:42Dann kam das hier.
12:44Ich dachte, ich bring's mal mit, Sache aber dazu.
12:46Ich bin nicht direkt ein Fan.
12:48Ich weiß auch gar nicht, ob das hier einen Namen hat oder verdient.
12:53Aber das hier, nennen wir es die Klick-Klack-Kugeln, war ein One-Hit-Wonder in den 70er Jahren.
13:00Es ist vermutlich vom gleichen Erfinder, der auch diese Kack-Spiralfeder entwickelt hat.
13:04Die konnte die Treppe runterlaufen und sonst nix.
13:07Obwohl, die hatte zwar wenig Performance, war aber immerhin noch glipschig und spiralig und konnte man so auseinanderziehen.
13:12Oinko, woinko.
13:13Was soll das hier sein?
13:14Pinocchios Hoden.
13:15Zwei Kugeln.
13:17Zwei Kugeln, zwei Strippen, Schwerkraft ist im Kauf enthalten.
13:21Ich wäre wie Sie gern zugegen gewesen, als ein Konsortium von Spielzeugentwicklern an den Zeichenbrettern saß und dachte,
13:29Junge, Junge, guck mal, wir hatten den batteriebetriebenen U-Boot-Motor mit Saugnapf und Schraube, den man so unter Seifenschälchen
13:36pumpen konnte.
13:37Und wir hatten Knicker, die staubgrauen, asozialen Brüder der Murmeln.
13:42Und wir hatten Slime, eine synthetische Rotze im Becher, die zwar nicht zu packen ist, aber super auf Teppichboden hält.
13:49Was soll jetzt noch kommen?
13:51Nach Stunden erhob sich ein findiger Entwickler und rief, Heureka, ich hab's.
13:55Wir machen eine Schnur und unten eine Kugel dran.
13:58Die hält man dann fest, bis man stirbt.
14:03Junger Mann, sagte der Chef, ein immens korpulenter Lebemann von Andi, 60 Jahren, der grad in seinen besten Galoschen die
14:11Halle durchschritt.
14:11Junger Mann, das ist famos.
14:14Aber, wo bleibt da die Verletzungsgefahr?
14:18Nehmen wir doch zwei Strippen und zwei Kugeln.
14:21Dann soll das degenerierte Nachkriegspack mit seinen Lurchi-Büchern und Brause-Ufos mal auf die gute alte Art lernen,
14:27wie es sich anfühlt, gleichzeitig Langeweile und einen Kieferbruch zu haben.
14:32Schwingen sollen sie das Gerät.
14:34Und im Unklaren wollen wir die Kinder darüber lassen, worum es bei dem Teil überhaupt geht.
14:38Das finde ich schon raus.
14:40Also bitte, die Scheiße ist marktreif, VK 6, Mark 50.
14:43Und so kam dies in die Läden.
14:47Zuerst griffen die ganzen Gelsenkirchener Ninjas zu,
14:51die mit diesem Teil hier in der Dämmerung entflogene Sittiche keulten und dann knusprig brieten.
15:00Danach kauften jene Leute die Kugeln abschnitten, weil sie dringend Schnur brauchten.
15:06Und erst dann gelangte dieses Spielzeug in die Hände von uns, den Kindern.
15:11Die ersten Kids dachten sich, komm, der Jürgen und ich nehmen jene Kugel ins Maul
15:14und wer zuerst wegrennt, hat verloren.
15:17Aber dann wurde bei uns im Ort der Zahnersatz knapp.
15:20Und irgendwann schnappte sich ein Mädchen das Teil und begann geschickt.
15:25Ich kann es ja nicht, die Kugeln aneinander zu schlagen.
15:28Das klackte.
15:29Und dann machte sie weiter und es klackte weiter.
15:33Nachbarstochter Bärbel, riefen meine Freunde und ich samt und sonders gottlose Halunken in Ernie und Bert Leibchen im Chor.
15:41Ei, wie fein du die Kugeln aneinander schlägst, Bärbel, Respekt!
15:44Sie lächelte.
15:46Wir lächelten zurück.
15:49Nach etwa 20 Minuten riefen wir dann, Nachbarstochter Bärbel, obacht!
15:55Könntest du uns die Freude machen, jetzt damit aufzuhören?
15:59Der Manni kriegt von dem Geräusch Nasenbluten und ich höre mittlerweile Stimmen,
16:04die mir befehlen, euch in die Fanta zu strullen, Bärbel.
16:08Außerdem lockt das Geräusch alle möglichen Raubtiere an, weil die vermutlich denken, hier morst ein Säugetier um Erlösung.
16:16Dort drüben verkantet sich erregt ein Bussard in der Dachrinne.
16:20Unter Hüben quält sich bereits ein Aal die Einfahrt hoch.
16:23Ich habe es ja gesagt, Bärbel, Bärbel, wir bitten dich schön, halt ein!
16:30Zugegeben, ich gebe mir größte Mühe, das Ganze in die Länge zu ziehen.
16:33Aber, ehrlich gesagt jetzt, ich habe Ihnen diese Klick-Klack-Kugeln, oder wie immer sich das nennt,
16:38nur gezeigt, um dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zu erzeugen.
16:42Einfach, damit Sie zu Hause sagen können, jo, die Scheiße hatte ich damals auch.
16:47Dankeschön!
16:50Und da Sie ja nun mittlerweile wissen, dass ich hier ziemlich viel über Zeugsrede,
16:53das vielleicht nur mich interessiert, habe ich mir vorgenommen, Ihnen dann und wann einen Film ins Gedächtnis zu rufen,
16:58den Sie vermutlich nicht nur einmal, sondern im Laufe der letzten Jahre zigmal gesehen haben.
17:02Vielleicht aber auch nicht.
17:03Und ich nenne diese Rubrik, kann man nochmal gucken.
17:15Der Film, von dem ich heute reden will, heißt Jaws.
17:19Das ist der englische Originaltitel, zu Deutsch Kiefer, also die im Gesicht.
17:23Jetzt könnte man sich natürlich fragen, worum geht es?
17:25Die brutale Rebellion französischer Zahntechniker im flandernden 1920er Jahre Ivo.
17:31Der deutsche Titel macht klar, was Farse ist.
17:34Der weiße Hai.
17:36Nie machte ein Filmtitel transparenter, worum es konkret geht.
17:40Wo einem ein Titel wie Planet der Affen massiv in die Irre führt, ganz zu schweigen von die Blechtrommel,
17:45wo man komplett auf dem Schlauch steht, weil alarmierend wenig getrommelt wird.
17:48Da macht der weiße Hai keine Gefangenen und Nägel mit Köppen und direkt den Sack zu.
17:53Fisch, Farbe, alles geklärt.
17:55Ich liebe diesen Film.
17:56Der Streifen ist von 1976 und wurde vom damals blutjungen Steven Spielberg inszeniert für 9 Millionen Dollar,
18:04was damals schon nicht viel für einen Hollywoodstreifen war.
18:07Der für den Film gebaute mechanische Hai machte damals auch massive Zicken,
18:10weil er nur zu 50 Prozent seiner Tätigkeit nachkam.
18:14Untergehen funktionierte prima, auftauchen nicht so.
18:16Muss gut gewesen sein.
18:18Gott sei Dank sah man den Hai in dem Film aber erstmals nach 81 Minuten.
18:23So lange hockte man im Kino und wunderte sich.
18:25Wenn man jetzt nicht gewusst hätte, wie der Film heißt, hätte man gleich denken können,
18:29geht's um Algen?
18:30Man sah ja nichts.
18:32Der Film hätte nach 6 Minuten auch gut zu Ende sein können, wenn einer gesagt hätte,
18:38weißt du was, da draußen ist ein 8 Meter langer weißer Hai, der schneller in alles reinbeißt,
18:42als man Luftkissen im Fahrzeug sagen kann.
18:44Aber ich weiß, wie wir das in den Griff kriegen.
18:47Wir bleiben an Land.
18:51Macht aber keiner, komischerweise.
18:52Stattdessen besorgt man sich ein größeres Boot und macht weiter.
18:56Jeder, der nicht eine allumfassende Demut gegenüber der Natur in Form des riesigen weißen Hai zeigt,
19:01wird dann auch direkt gefressen.
19:03Das klingt wie eine subtile Kritik am Menschen, oder?
19:06Das ist ziemlich witzig.
19:07Denn in der Realität ist der Hai eher Opfer als Täter.
19:11Eher Opfer ist gut.
19:12Jedes Jahr werden mindestens 100 Millionen Haie aus irgendwelchen idiotischen Gründen getötet,
19:19und das ist ziemlich grausam.
19:20Flosse ab, wieder reingeschmissen.
19:22Naja, zurück zum Film.
19:23Chief Brody sprengt dann am Ende den Hai.
19:27Danach gab's noch einen zweiten Teil.
19:28Wieder mit Chief Brody und noch einem weißen Hai.
19:32Zufälle gibt's.
19:32Und danach gab's noch einen dritten Teil in 3D.
19:36Eine Netzhautpeitsche erster Ordnung, die spritzte so das Blut aus den Augenwinkeln
19:41und seitdem hat es der gepflegte Hai-Horror-Film nie wieder verlassen.
19:45Aber unvergessen bleibt nur das Original.
19:48Und unvergessen da die Szene, in der der alte Seebeer Quint vom Hai, naja, gefressen wird.
19:54Indem er dem Hai ziemlich transu sich von so einer Schräge ins Maul rutscht.
19:58Und wenn ich das Drehbuch geschrieben hätte, was ich nicht habe, aber wenn ich hätte, wäre der Dialog zu der
20:03Szene so gegangen.
20:05Chief Brody, Quint, Sie rutschen!
20:08Quint, Jo, Hilfe!
20:10Chief Brody, Sie rutschen dem Hai ins Maul, lassen Sie das!
20:14Quint, Aua, Aua, er hat mich!
20:16Chief Brody, Allerdings, Sie sind in seinem Maul!
20:19Quint, Scheiße, viel!
20:21Chief Brody, ein Stück weit!
20:30Ist doch wahr!
20:35Quint, Aua, Aua, Chief Brody merkst du selber, ne?
20:39Aber ich habe das Drehbuch nicht geschrieben.
20:42Ich habe es, klatschen Sie nicht, ich habe es nicht geschrieben.
20:44Trotzdem toller Film aus den unschuldigen 70ern.
20:47Und wenn Sie eines Tages den Film mal wieder in die Pfoten kriegen, denken Sie an meine Worte, die da
20:51lauten.
20:52Kann man nochmal gucken.
20:54Dankeschön.
20:59Ich denke, ich käme durch den ganzen Tag auch nur mit Zitaten aus Filmen.
21:04Das müssen nicht mal schlaue Sachen sein.
21:06Auch so James Bond Sachen, die jeder kennt.
21:07Zum Beispiel, ich habe sie erwartet.
21:10Ich benutze das dauernd in jedem Kontext.
21:12Auch beim Paketboden, ist klar.
21:13Aber auch wenn ich selbst irgendwo reingehe, bei Karstadt oder so.
21:16Verkäuferin, guten Tag, was kann ich für Sie tun?
21:18Ich habe sie erwartet!
21:20Inwiefern, Sie sind doch reingekommen.
21:21Und ich dann, keine Ahnung, mehr habe ich nicht vorbereitet.
21:23Ist verpufft.
21:24Erschreckend häufig.
21:25Und ich selten denke, die Leute vermutlich wäre einer von den mentalen Naturbelassenen.
21:30Aber ich habe Freude an sowas.
21:31Nicht mal so verschmitzte, smarte Freude, sondern mehr so stabil.
21:35Kann man nichts gegen machen.
21:36Das einzige, was ich irgendwann gelassen habe, tatsächlich, waren Zitate aus König der Löwen.
21:42Ich habe festgestellt, dass es speziell auf Beerdigung nicht gut angenommen wird, wenn ich Sachen sage wie Simba.
21:49Wenn wir sterben, werden unsere Körper zu Gras.
21:52Und die Antilopen fressen das Gras.
21:55Somit sind wir alle eins im ewigen Kreis des Lebens.
21:59Ich verstehe mittlerweile die Irritation der Leute.
22:01Ich ahne, woran das hier im Ruhrgebiet liegt.
22:03Der erschütternde Mangel an Antilopen.
22:08Ich vermute aber auch, das liegt daran, dass die buchstäblich vom Ruhrgebiet abgestoßen werden.
22:13Also physikalisch.
22:13Es gibt, wie allgemein Konsens sein dürfte, positiv geladene Tiere, die lopen.
22:20Und dann eben Antilopen, also mit negativen Positronen im regressiven Springbokspulenkern geladene Lopen.
22:27Und deswegen werden die durch den Abstoßungsprozess weggeschleudert, oft bis nach Venlo.
22:31Und ich erzähle Ihnen das nicht zur Erhellung komplexer Sachverhalte.
22:36Ich erzähle Ihnen das, weil ich es liebe zu beobachten, wie das Licht in Ihren Augen bricht,
22:41wenn Ihnen klar wird, dass ich mal wieder nur komplette Scheiße erzählt habe.
22:44Es ist fantastisch.
22:49Erinnern Sie sich, wie ich am Anfang sagte, 2020 wäre wie ein schlechter Dia-Vortrag?
22:54Gut, weil ich glaube, ich mache den jetzt.
22:58Ich bin auch sehr gespannt, wie Sie es finden.
23:00Hier also mein Urlaub 2020.
23:14Mallorca, Traumstände, ganz nette Bevölkerung, Mietwagenfirmen am Flughafen,
23:18die auf Vereinbarungen, die man in Deutschland geschlossen hat, kacken.
23:21Traumstrände, landestypisches Essen, Traumstrände, traumhaft.
23:26Man spricht das ja wirklich, Mallorca, das wusste ich lange nicht.
23:29Deswegen habe ich meinem damals sehr kleinen Sohn gesagt, Mallorca.
23:33Und der kam dann eine Stunde zurück und gab mir das.
23:36Und ich sagte, Kollege, Mallorca, die Insel, nicht Mallorca.
23:40Flach, oder?
23:41Scheiß drauf.
23:41Jedenfalls auf Mallorca war ich 2020 genau null Mal.
23:47Nächstes Bild.
23:49Route 66, Amerikas längster und ältester Highway.
23:53War zumindest früher so.
23:55Wenn Sie je planten, an einem Leihwagen die Stoßdämpfer kaputt zu machen,
23:58das ist die Straße Ihrer Sehnsucht.
24:00Einwohner irgendwo zwischen nett und geht so.
24:03Je nachdem, wer du bist.
24:04Da ist zwischen Apple Pie und Schrotflinte alles drin.
24:06Trotzdem.
24:07Lecker essen, nette Leute.
24:10War ich aber auch nicht.
24:12Nächstes Bild.
24:14Der Todesstern.
24:15Habe ich auch 2020 nicht geschafft.
24:18Muss mir deswegen immer die Dokumentation von George Lucas angucken.
24:21Obwohl die Einwohner da ein bisschen angespannt sind.
24:23Und da wird auch permanent dran gebaut.
24:25Außerdem herrscht überall Helmpflicht.
24:27Trotzdem würde ich buchen.
24:30War ich aber noch nicht.
24:32Nächstes.
24:34Mein Keller.
24:37War ich.
24:40Ich habe da noch eine halbe Tonne Eierbriketts liegen.
24:43Und der örtliche Sanitärfachmann rät mir jetzt davon ab,
24:45die Briketts mit der Kaffeemühle klein zu machen,
24:48in die Zentralheizung zu krümmeln.
24:49Also weiß ich jetzt auch nicht.
24:51Dann hängt da auch noch ein Pelzmantel von meiner Oma.
24:55Ich erschrecke mich jedes Mal, wenn ich in den Keller gehe.
24:581988 habe ich da schon eine Silberkugel reingeschossen.
25:01Seitdem geht es aber gruseliges.
25:02Des Weiteren sieht man so halb Farbeimer.
25:06Alle nur viertelvoll.
25:08Behalt dich.
25:09Denn wenn ich jemals eine ganz kleine Wand streichen muss,
25:13und zwar mit einem in der Dunkelheit völlig gekippten Weißton,
25:17dessen Ton auch mittlerweile eigentlich ungut ins Vorhautfarbene changiert,
25:22dann weiß ich, wo ich die einmal finde.
25:25Dann noch, hier auf dem Bild kaum zu sehen, Deko-Klebefolie.
25:30Bestimmt 50 Rollen, 8 Mark das Stück.
25:34Habe ich lange vorgestanden.
25:36Und habe mich gefragt, wer hat das gekauft?
25:40Und für was?
25:42Was war der Plan?
25:43Dass irgendein Kind vom Rücksitz eines Autos aus durchs Fenster weist und ruft,
25:47Schaufati, ein Opel aus Kork?
25:50Ich weiß es nicht.
25:51Aber die Frage ist, was mache ich hier eigentlich?
25:58Ich finde das ja auch ganz toll, diese nostalgische Dia-Nummer und so weiter.
26:02Und ich hatte da auch wirklich große Lust drauf, wie Sie sehen, alles aufgebaut.
26:04Aber ich habe irgendwie nichts zu zeigen.
26:06Ich war nirgends.
26:07Ich habe keine Urlaubsbilder oder so.
26:09Ich bin letzten Sommer vor Autos aufgetreten.
26:11Das bildet den Charakter.
26:12Hup, hup.
26:14Ich hoffe, dieses Jahr wird es was mit Urlaub.
26:16Und ich bin im Prinzip Optimist.
26:19Klar, wenn es bei den ganzen Krisenkonsequenz so weitergeht,
26:22tippe ich ab Mai auf Godzilla in Koblenz, aber hoffen wir das Beste.
26:26Nächstes Mal bin ich bestimmt im Urlaub gewesen.
26:28Und dann kriegen Sie auch Bilder von, keine Ahnung.
26:30Ich auf einer aufblasbaren Banane in der Innenstadt von Florenz.
26:34Oder ich trinke am Vatikan ein Espresso für 12 Euro.
26:37Oder ich komme für einen Kurzurlaub nach Köln.
26:39Ich weiß es nicht.
26:39Das sind ja von Dortmund aus mit dem Auto auch nur drei Tage.
26:42Ich möchte nach Köln.
26:44Es ist so.
26:53Traumstrände, unheimlich nette Bevölkerung.
26:55Also bis dahin solltet ihr eins von beiden hinkriegen.
26:57Vielen Dank.
26:57Also ich wollte es nur jetzt sagen.
26:59Nein, das war ein Spaß.
27:00Kommen Sie runter.
27:01Das war ein Witz.
27:03Und nun, ja, um mal brutal das Thema zu wechseln.
27:11Neues aus der Güllekammer der deutschen Sprache.
27:15Willkommen zu Akte Wix.
27:18Hm.
27:22Bundeskanzler Olaf Scholz.
27:24Vielen auch bekannt als das Phantom der Opfer.
27:27Oder die verschwommene Eminenz.
27:30Ist ein wahrer Meister der Phrasen.
27:32Er sagt Dinge, die nicht mal auf Papier gut aussehen.
27:35Nicht nur beginnt er, bevor er irgendwas antwortet,
27:38stets mit schönen Dank für Ihre Frage.
27:41Als hätte man nicht einfach irgendwas gefragt,
27:43sondern ihm den Kaminsims für Umme verputzt.
27:45Er sagt auch, wie viele andere, am Ende eines Gesprächs sehr gern,
27:49ich danke Ihnen.
27:51Nein, eigentlich geht es genau so.
27:53Es läuft immer so ab.
27:54Interviewer?
27:55Herr Scholz, eine Frage.
27:57Um 7.30 Uhr fährt ein Intercity voller Meerschweinchen
28:00von Göttingen aus nach Duisburg.
28:04Zeitgleich startet ein Regionalexpress mit neun Eimern Sülze im Ruhrabteil
28:08mit halber Kraft Richtung Sylt.
28:10Welcher Zug ist zuerst in Mannheim?
28:14Olaf Scholz, schönen Dank für die Frage.
28:18Wir alle müssen dafür Sorge tragen, und ich sage das in aller Klarheit,
28:22dass die Deutsche Bahn in ihrem jetzigen Zustand Zukunft sicher bleibt oder wird.
28:26Und das können, wollen und werden wir nur bis zu einem gewissen Grad
28:29von Meerschweinchen abhängig machen können.
28:31Das ist eine Frage des respektvollen Umgangs mit den Bürgern dieses Landes.
28:36Aber, ich schätze mal so gegen 11 oder, wenn das nicht zutrifft, früher.
28:40Oder, und auch das hat mit aller Klarheit gesagt, später.
28:46Interviewer, danke Herr Bundeskanzler.
28:48Scholz, ich danke Ihnen!
28:50Es geht gar nicht um den Text an sich.
28:52Es geht um dieses, ich danke Ihnen!
28:54Da sitzt einer aber ganz stramm auf dem Betonungsmoped.
28:58Ehrlich, was soll das?
28:59Bedeutet das, dass der eigene Dank krasser ist,
29:02als der von dem, der sich zuerst bedankt hat?
29:04Dieses, Ihnen ist ein derartig überschauspielerter Starlight-Express-Betonungs-Hysterie-Unfall.
29:10Machen Sie das mal beim Bäcker in Gelsenkirchen.
29:14Vier Brötchen, bitte.
29:16Ihr macht 1,20.
29:18Ich hab's passend, danke.
29:20Ich danke Ihnen!
29:23Was?
29:24Ich danke Ihnen!
29:27Wofür?
29:28Ein Brötchen kostet 30 Cent.
29:294 mal 30, 1,20.
29:31Ja.
29:32Ja, sonst noch was?
29:33Nee, das wär alles.
29:34Schönen Tag noch.
29:35Ja, danke auch.
29:36Ich danke Ihnen!
29:38Faustkampf!
29:41Also...
29:46Also lassen Sie das, okay?
29:48Gerade in Fragesituationen.
29:49Wenn einer Danke sagt, sag auch Danke.
29:51Sonst wirkte sie, ich danke Ihnen!
29:53So, als wäre die Frage besser gewesen als die Antwort,
29:56was allerdings im Falle von Olaf Scholz auch oft stimmt.
29:59Das andere Ding, was mich seit Jahrzehnten auf die Palme bringt,
30:04sind Menschen, die einem gewichtig zunicken und dann behaupten,
30:08also ich sage immer, was ich denke.
30:11Aha!
30:12Man weiß jetzt gar nicht so präzise, ob das so eine Art Cerebrallappendurchfall ist,
30:16die also immer alles sagen, was sie denken.
30:18Also zum Beispiel beim Treppe raufgehen, hui, eine Stufe, noch eine Stufe, hui, noch eine Stufe, hui.
30:25Oder ob diese Leute einfach auf jedes Gebot der Höflichkeit pfeifen, wenn sie sagen, was sie denken.
30:30Ich check's nicht.
30:32Bäckereien, Gelsenkirchen.
30:34Guten Tag, was darf's sein?
30:35Sie sehen doof aus.
30:36Ein Brot.
30:39Wie war das?
30:39Ich sag immer, was ich denke.
30:42Kann das sein, dass Sie dumm sind?
30:44Nein!
30:45Ich lasse die Menschen ungefiltert an meinen Überlegungen teilhaben.
30:47Ich bin ein pfiffiger Freigeist, der auf Konventionen pfeift und das bereichert uns alle.
30:53Ja, wenn das so ist, also ich denke, ich werde Ihren schlaffen Körper neben den Idioten legen,
30:57der dauernd ich danke Ihnen gesagt hat.
31:00Dann Faustkampf.
31:01Aber ernsthaft.
31:10Die Zivilisation funktioniert ja so gar nicht.
31:11Das folgt doch gewissen Regeln.
31:13Stellen Sie sich vor, ich würde parallel zu dem, was ich hier mache, ungefiltert sich an meinen Gedanken teilhaben lassen.
31:18Was meinen Sie, wie das wäre?
31:20Dann würde ich hier sitzen und die ganze Zeit so, boah, ich bin im Warm-up immer so krampfig.
31:24Hoffentlich ist das Publikum locker und wie in meiner Hose sieht im Fernsehen wieder braun aus durch das Studiolicht.
31:28Dann flippe ich aus.
31:30Wahrscheinlich lachen die Leute wieder nicht an den Stellen, die ich hammerlustig finde.
31:34Stichwort Sülze im Ruheabteil.
31:36Ich stelle mir das immer vor.
31:37Dieses Ruheabteil.
31:38Überall diese Psstschilder und im Mittelgang steht leicht vibrierend, stehen da so mehrere Eimer Sülze stumm rum.
31:43Da könnte ich mich einkacken vor Freude.
31:45Naja, der Teili zieht sich gerade ein bisschen.
31:48Die Leute wissen gar nicht, was ich will.
31:49Es wird leicht verstörend.
31:51Und warum habe ich mit 55 ein Eimer noch eine Mütze am Schädel?
31:54Komm, ich trage jetzt noch die alten auf und dann ist gut.
31:56Wie viel habe ich noch?
31:57So 80 nach Prost Mahlzeit.
31:58Naja, danach aber Hüte.
32:01Apropos, ich muss gleich diesen einen Anspieler anmoderieren mit den Hüten.
32:04Aber ohne irgendwelche Echtsgeräusche beim Aufstehen.
32:06Die Leute sollen meinen Popo nicht sehen.
32:07Und dann gehe ich zur Markierung und bumm, Anmoderation.
32:10Und jetzt sage ich bloß nicht zum Verabschieden irgendwie sowas wie, ich danke Ihnen.
32:14Das lasse ich sein.
32:15Das erwarten Sie ja quasi, weißt du.
32:17Ich klappe einfach Mappe zu und sage einfach so weiter.
32:20Und dann weiter.
32:21Und ich zähle mal runter.
32:223, 2, 1.
32:23So weiter.
32:30Der Winter steht vor der Tür.
32:32Und ich habe ja noch nicht ausreichend Stimmungsschwankungen.
32:34Und mit dem Winter, da kommen auch die ganz sonderbaren Sachen mit.
32:37St. Martin zum Beispiel.
32:40Der finanziell gar nicht schlecht aufgestellte Heilige.
32:43Der seinen Mantel mit einem Bettler teilte, statt ihm Geld zu geben.
32:46Und dann war beiden zur Hälfte kalt.
32:48Nein, das ist zynisch.
32:51Fällt mir gerade auf.
32:53Ich verstehe das schon.
32:54Große Geste.
32:55Mantel teilen.
32:56Läuft lobenswert.
32:58Generell St. Martin.
32:59Ich gehe mit meiner Laterne.
33:00Und meine Laterne mit mir.
33:01Das ist schön und auch inhaltlich.
33:03Völlig richtig.
33:04Aber leider kommt diese Sendung jetzt so derartig spät im Jahr, dass ich nicht dazu gekommen
33:10bin, mit ihnen Erntedank zu zelebrieren.
33:12Und das ist ja ein sehr schönes Fest, wo man sich gepflegt auch mal bedanken kann.
33:17Die Amerikaner nennen es ja Thanksgiving.
33:20Also schönen Dank dafür, dass Natur buchstäblich was rüberwachsen lässt.
33:24Weswegen die Amerikaner dabei auch immer gigantische Vögel braten.
33:27Verständlich.
33:28Bedankt man sich doch auch bei den Truthahnpflückern von Arkansas.
33:33Jedenfalls, wir nennen die gleiche Veranstaltung hierher Erntedank.
33:37Streng genommen müssten wir es natürlich Erntehelferdankfest nennen.
33:41Aber ich kann kein Rumänisch.
33:42Also bedanken wir uns mal schön bei der Ernte.
33:46Das macht man ja oft gar nicht so ausführlich.
33:50Los geht's.
33:52Liebe Erde, schön, dass es dich gibt.
33:56Liebe Bauern und Bäuerinnen sämtlicher Geschlechter und Pronomen, danke, dass sie Sachen für uns
34:00in den Boden pumpen und anbauen.
34:02Aber natürlich vor allem danke, liebe Ernte.
34:08Ihr macht einen super Job, alle wie ihr da seid.
34:11Gerade die ganzen Gewürze.
34:17Kerbel.
34:19Ich hätte schwören können, das ist ein Werkzeug, wenn ich ehrlich bin, oder?
34:24Gibst mir mal den neuner Kerbel.
34:26Es ist aber ein Gewürz.
34:30Oder Salbei.
34:32Erste Wahl für alle, die gerne mal ein Stück Fleisch essen, dabei aber nicht auf das Aroma
34:35einer guten Mechaniker-Kernseife verzichten wollen.
34:39Koriander finde ich auch.
34:41Und ich sage das nur, weil ich mich nicht traue zu sagen, wie mega aggressiv Koriander schmeckt.
34:46Da ist so eine ganz feine Note aus
34:48Was das denn?
34:48Und nachts die Tür eintreten, aber als Kraut.
34:52Trotzdem danke, liebe Ernte.
34:54Du bist stabil.
34:55Danke, danke.
34:58Außer Süßkartoffel.
34:59Ich meine, wie sehr?
35:01Kann man's übertreiben als Kartoffel?
35:03Lass die normale Kartoffel einfach machen, du Angeber Maus.
35:07Das kann ja sein, dass du von Nährstoffen kaum gehen kannst, aber das interessiert bei
35:10Pommes keine Sau, also mach dich locker.
35:14Und Kohlrabi, du Vitamin C-Bombe.
35:17Es mach ja sein, dass du roh besonders bekömmlich bist und auch angenehm nach Wind, also gar
35:21nichts mundest.
35:23Aber gekocht, Fräulein, gekocht schmeckst du wie Rasputin im Schritt.
35:27Man will um Hilfe rufen.
35:33Das ist ja wohl Konsens.
35:37Kohlrabi, unterlass dies.
35:38Wenn du dich nützlich machen willst, geh mit der Schwarzwurzel um Block.
35:42Das ist auch so ein Kandidat.
35:43Masse wie ein Schaufelbagger, aber wenn man die frisst, alles klar.
35:45Und jetzt?
35:46Was ist das?
35:47Und Grüße an alle Pilzsorten, ihr lustigen Russisch-Roulette-Harlekine.
35:51Was ist denn euer Konzept?
35:53Hey, wir sehen alle irgendwie ähnlich aus.
35:55Ich könnte ja komplett tödliche Knollenblätterpilz sein.
35:58Aber auch ein sehr bekömmlicher knüppelsusiger Pupsschwamm, Joachim.
36:01Weiß man nicht.
36:05Kommen wir nun zur letzten Rubrik für heute.
36:08Ich spür's auch selber.
36:09Ja, es ist so.
36:10Nostalgie schwappt durch die Gänge, mir wird ganz warm ums Herz.
36:12Das ist meine Spielzeug-Rubrik und die habe ich natürlich gern, weil die mich immer
36:16so anweht.
36:17Und sie heißt, spiel's noch einmal, Sam.
36:20Und darum geht's.
36:22Oder anders.
36:24Es gibt Begriffe, die sollte man mit Fingerspitzengefühl einsetzen.
36:28Katastrophe zum Beispiel.
36:30Mir hat mal ein Freund gesagt, wirklich.
36:32Ich neulich beim Zahnarzt zeigte er mit so einem kleinen Spiegel wie viel Zahnstein ich
36:36habe.
36:37Katastrophe, ey.
36:38Das ist natürlich Umgangssprache, das weiß ich selber.
36:40Trotzdem, Katastrophen sind streng genommen alles verschlingende Wassermassen oder extreme
36:45Stürme oder alles andere, was Mutter Natur an Brutalitäten im Puffärmel bereithält.
36:50Zahnstein hingegen, ey, so keine Katastrophe, sofern der Zahnstein nicht in faustgroßen Klummen
36:55auf Sauerland niederprasselt.
36:57Oder nehmen wir das Wort, auch im wahrer Fall, nehmen wir das Wort Grenzerfahrung.
37:04Mir wurde mal gesagt, das ist schon Jahre her, aber mir wurde mal gesagt, und zwar mit
37:09Leichenvitamine, also zelten auf Teneriffa schon ne Grenzerfahrung.
37:12Absolut.
37:16Ja.
37:17Man spürt geradezu, wie da in der Steppe Teneriffas unter der Bleichhinsichel des Mondes ein
37:22Kugel nach Kot riechender Velociraptoren, das papierdünne Zelt umkreist, bedacht darauf,
37:28einen nächtlichen Schnapper zu machen und Ute und Joachim splitternackt ins Freie zu zerren
37:33und keckernd abzulutschen, eine Grenzerfahrung vom Feinsten.
37:38Es ging aber wohl nur darum, dass man vom Zelt aus 150 Meter zu den Waschräumen gehen musste.
37:44Das ist auch richtig mies.
37:45Klar, wo kommen wir denn dahin?
37:47Zu den Waschräumen.
37:48Aber was für eine Grenzerfahrung, vor allem im Bereich der Umgangssprache.
37:53Oder nehmen wir das schöne Wort Wunder.
37:57Und das ist irgendwie keine Umgangssprache.
37:59Ich meine, was ist ein Wunder?
38:01Es gibt bekanntlich Weltwunder, wie die chinesische Mauer oder die wirklich jordanische
38:05Felsenstadt namens Petra, klingt wie eine Pension ohne WLAN in Bad Salzuflen gehört,
38:09aber zu den sieben Weltwundern.
38:11Wunder bringen uns zum Staunen, Augenreiben, Ausflippen.
38:15Sie sind der goldene Lichtstrahl des Unglaublichen, der unvermittelt in unser Leben fällt, oder?
38:20Nicht wahr?
38:21Das bringt uns direkt hierzu.
38:23Danke.
38:25Die Wundertüte.
38:27Alle Magie der Welt in einem Umschlag mit einem Clown drauf.
38:31Echte Wunder.
38:32Blickdicht umhüllt in keiner Ahnung, was das ist.
38:35Diener 5.
38:35Mir schauert.
38:37Wenn ich diesen Umschlag öffne, hier vor Ihnen stehen uns genau zwei Szenarien zur Auswahl.
38:42Eins.
38:44Tüte auf.
38:45Und die Lahmen werden gehen.
38:47Und ihre Krücken jauchzend von sich schleudern.
38:50Und den Geblendeten fällt der Grint von der Pupille.
38:53Und hier und da tun sich landauf, landab ungünstig Wundmaler auf.
38:59Ein unbestimmtes göttliches Glimm unhüllt uns.
39:02Und ein Kamel geht durch ein Nadelöhr.
39:05Warum auch immer das Tier sich diesen Strapazen antun sollte, ich weiß es doch auch nicht.
39:08Oder Option 2.
39:12Aus der Tüte fällt billigster Teneff, dessen Wert monetär kaum messbar ist.
39:19Ein schlecht entgrateter chinesischer Plastikkowboy.
39:22Eine scheißgrüne Trillerpfeife.
39:25Fünf Gramm Puffreis für die Puppenstube.
39:28Und hier so eine bekackte, essbare Armbanduhr.
39:31Und wenn man reinbeißt, bleibt die eigene Uhr stehen.
39:33Kurz gesagt, Schrott, Klumpatsch, billigstes Gelumpe, Klimbim ohne die geringste Qualität.
39:42So eine Tüte hat früher 2 Mark gekostet.
39:45Das war damals viel Geld.
39:47Nämlich 2 Mark.
39:49Dafür bekam man eine Schubkarre voller Brause-Ufos.
39:53Und zwar die guten von damals, die der Körper gar nicht verdauen konnte.
39:57Mir klebt noch heute die Kanzel so eines Ufos am Gaumen.
40:00Mein Zahnarzt denkt immer, in meinem Maul hätte einer Laminat verlegt.
40:03Oder?
40:03Man bekam, hören Sie zu, für 2 Mark, 2 Liter Benzin.
40:09Und der Opel meines Opas, damals nur deutsche Wertarbeit.
40:12Also beide, Opa und Opel.
40:14Der Opel jedenfalls verbrauchte aus Respekt vor meinem Opa überhaupt keinen Treibstoff.
40:18Der kam mit den 2 Litern bis Rimi nieder und wurde der Rest weggekippt.
40:21Zumindest in meiner Erinnerung.
40:24Das Einzige, was noch krasser war, waren 5 Mark.
40:28Ein Haiermann.
40:29Damit kommt man mit seinem Opel ohne Benzin nach Hamburg fahren.
40:32Eine beliebige Zeppelin-Werft-Latschen.
40:33Ich nehm den aus purem Gold.
40:36Pack ein, den Scheiß-Karvenzmann.
40:37Dann bekam man noch eine Mark raus.
40:41Immerhin, der Produzent der Wundertüte, und ich zweifle nicht daran,
40:44dass es sich dabei um einen James Bond-Schurken mit Sägeblatt im Hut handelt,
40:49ist dadurch reich geworden.
40:51Und das ist das wahre Wunder.
40:53Dass wir für die Sendung einen ganzen Batzen gekauft haben, war sicher auch hilfreich.
40:58Nur wir Schwachköpfe.
40:59Aber wir können etwas tun.
41:01Wir füllen diese Tüte jetzt mit echten Wundern.
41:06Hier, lachende Kinder.
41:12Oder hier, Zufriedenheit ohne Anlass.
41:17Bedingungslose Liebe.
41:21Und die Lottozahlen für Samstag.
41:34Ich weiß allerdings nicht, welcher Samstag.
41:36Das kann, kann schon gewesen sein.
41:40Oder kommt noch.
41:41Kann sich ziehen bis zur Ziehung.
41:42Aber, jemand von Ihnen, ach wissen Sie was, ich geb Ihnen.
41:45Sie können den gut brauchen.
41:47So.
41:48Und was soll ich Ihnen anderen sagen?
41:50Denken Sie daran, Sie dürfen die Hoffnung niemals aufgeben.
41:52Irgendwann wird alles gut.
41:53Bestimmt.
41:54Jeder von Ihnen bekommt sein Wunder.
41:56Handeln Sie bis dahin angemessen.
41:58Und bitte, es wird ein schöner Sommer.
42:01Regen Sie sich nicht unangemessen über Kleinigkeiten auf.
42:06Zwei Mark.
42:07Diese Arschlöcher.
42:10Naja.
42:12Feierabend.
42:13Ja, geht nicht.
42:14Wir googeln lieber.
42:15Jetzt muss ich aufstoßen.
42:17Schade.
42:19Ja, so ein Wort wie googeln, da hätte ich es gut reinpacken können.
42:21Da hat keiner gemerkt.
42:22Wir googeln lieber.
42:24Das war damals viel Geld.
42:26Nämlich zwei Mark.
42:28Dafür bekam man, als ich jung war, eine Schubkalle.
42:31Schub...
42:32Schubkalle, wer kennt ihn nicht?
42:33Der Freund von Schub Udo.
42:36Für uns noch ein.
42:37Die Kabel der Geschwindigkeit für die ARD.
42:39Gibt es?
42:40Hahahaha.
42:44Hahahaha.
42:48Hahahaha.
43:02Hahahaha.
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