- vor 5 Stunden
Israel und die USA greifen den Iran an. Nachdem bis zuletzt zwischen Iran und den USA verhandelt worden ist, scheint es damit jetzt vorbei zu sein.
In dieser Sonderfolge von "Thema des Tages" blicken wir mit Matthias Wasinger vom österreichischen Bundesheer auf die andauernden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Iran, Israel und den USA. Und wir sprechen darüber, ob dieser Angriff zu einem großen Krieg in der Region führen könnte.
In dieser Sonderfolge von "Thema des Tages" blicken wir mit Matthias Wasinger vom österreichischen Bundesheer auf die andauernden militärischen Auseinandersetzungen zwischen Iran, Israel und den USA. Und wir sprechen darüber, ob dieser Angriff zu einem großen Krieg in der Region führen könnte.
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NewsTranskript
00:00Israel und die USA starten am heutigen Samstag einen Angriff auf den Iran.
00:04Nachdem bis zuletzt zwischen dem Iran und den USA über ein Atomabkommen verhandelt worden ist,
00:10scheint es damit jetzt vorbei zu sein.
00:13In dieser Sonderfolge von Thema des Tages blicken wir auf die noch andauernden militärischen Auseinandersetzungen
00:18zwischen Iran, Israel und den USA.
00:21Wir verschaffen uns einen ersten Überblick der Lage und blicken auch in die Zukunft.
00:25Könnte denn die ganze Region bald in Flammen stehen? Darüber sprechen wir heute.
00:30Ich bin Daniel Retschitz-Ecker, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast des Standards.
00:40Matthias Wasinger vom österreichischen Bundesheer ist heute hier im Podcast zugeschaltet.
00:44Grüße Sie, Herr Wasinger.
00:46Grüß Gott.
00:47Herr Wasinger, heute früh beginnt Israel mit einem, wie Sie es selbst nennen, Präventivschlag gegen den Iran.
00:53Was kann man sich genau darunter vorstellen?
00:57Ja, heute der Früh ist offensichtlich ausgebrochen, was sich schon über mehrere Tage und Wochen angekündigt hat.
01:02Es hat eine Zusammenziehung von wesentlichen Teilen der US-Streitkräfte in der Region selbst gegeben.
01:09Eine aufgeschaukelte Rhetorik zwischen dem Iran auf der einen Seite und auf der anderen Seite den Vereinigten Staaten von Amerika
01:16und Israel.
01:19Kern des Problems ist das iranische Nuklearprogramm gewesen.
01:24Das ist immer wieder mitgeschwungen seit dem Aufkündigen des JCPOA, des Joint Comprehensive Plans of Action,
01:32war ja das eine der großen Fragen im Raum, die auch vor einem Jahr grob beim Zwölftagekrieg ausgebrochen ist.
01:38Und jetzt ist es wieder so weit, dass offensichtlich die Annahmen waren, dass der Iran die Anreicherung von Uran so
01:47weit fortgetrieben hat,
01:48dass man nahe dran ist am Zusammenstellen einer Nuklearwaffe zum Erreichen einer nuklearen Fähigkeit.
01:53Und darauf hat nun Israel gemeinsam mit den Vereinigten Staaten reagiert.
01:57Diese Reaktion hat auch einen Namen.
02:00Auf israelischer Seite die Operation Roaring Lion, also der brüllende Löwe.
02:05Und auf Seiten der USA, die das als Epic Fury bezeichnet haben, die Operation.
02:12Die ersten Ziele, soweit es bis dato bekannt ist.
02:15Es handelt sich hier um Luftschläge, also Einsatz von Luftkriegsmitteln, Kampfflugzeugen und Raketen,
02:21Marschflugkörpern bzw. ballistische Raketen.
02:24Immer wieder fällt hier auch der Name des Systems Tomahawk, das eingesetzt wurde,
02:28mit dem gezielt auf der einen Seite militärische Infrastruktur und Kommandoposten angegriffen wurden,
02:34aber auf der anderen Seite natürlich wieder auf die Anreicherungsanlagen,
02:38Uran-Anreicherungsanlagen des Iran wird gezielt sein haben.
02:42Und der Iran hat auch schon geantwortet mit ballistischen Raketen.
02:46Und in Israel gibt es zum Zeitpunkt wiederholte Warnungen vor Schlägen,
02:50gerade von Drohnen bzw. ballistischen Raketen.
02:53Also wir sind wieder in einer heißen Phase des Krieges angelangt.
02:57Sie haben es schon angesprochen, wir sind mitten in dieser Phase.
03:00Wir nehmen hier auf am Samstag gegen halb eins am Nachmittag,
03:04nur falls sich die Zuseherinnen und Zuseher im Nachhinein wundern,
03:07dass vielleicht einige aktuelle Entwicklungen, die Sie bereits in den Medien gesehen haben,
03:10bei uns noch nicht angesprochen worden sind.
03:12Es geht leider an dieser Stelle nicht anders.
03:14Es ist eine ongoing situation, wie man so schön sagt.
03:17Jetzt haben Sie schon angesprochen, dass sich die USA diesem Angriff angeschlossen haben.
03:20Was weiß man denn über die Dimension, wie groß das denn tatsächlich ist?
03:26Man spricht zum jetzigen Zeitpunkt auf der einen Seite von Cyberangriffen,
03:31die wesentlich darauf abgezielt haben, dass die Verbindungen zwischen politischer Führung,
03:36religiöser Führung, das ist im Iran ja ganz, ganz essentiell,
03:39und den militärischen Elementen, dass die hier unterbrochen wurde.
03:43Der Telegram-Channel, den die iranischen Revolutionsgarden betreiben,
03:49der hat sich vom Ton auch geändert, also man geht davon aus,
03:53dass auch da wahrscheinlich gehackt worden ist und das hier eingedrungen worden ist.
03:56Das ist alles einmal im kinetischen Bereich, im non-kinetischen Bereich.
03:59Sprechen wir vom kinetischen Bereich, wie gesagt,
04:01dann sprechen wir hier vermutlich von F-35 Kampfflugzeugen,
04:05wir sprechen hier von Tomahawk-Raketen, die zum Einsatz kamen,
04:08das sind einmal die kinetischen Mittel.
04:10Man kann davon ausgehen, dass natürlich auch der Geheimdienst,
04:13gerade der israelische hier, wieder Aufklärungsarbeit geleistet hat,
04:18und dass zusätzlich dazu Spezialeinärzteskräfte im Raum sind,
04:22die sich bereithalten.
04:23Also man kann hier nicht von einer Invasion im eigentlichen Sinne sprechen,
04:28die zeichnet sich auch noch nicht ab,
04:29aber man kann von dem, was der amerikanische Präsident
04:31in seiner grob achtminütigen Rede hier schon mitschwingen hat lassen,
04:35ableiten, in welche Richtung das Ganze gehen kann.
04:38Der amerikanische Präsident hat davon gesprochen,
04:41dass alle Teilstreitkräfte des Iran unter Umständen bewirkt und vernichtet werden,
04:46so einmal die aufgebaute Drohkulisse, dass das iranische Volk zu Hause bleiben soll
04:52und eventuell dann bei einem Regime-Change auf die Straße gehen soll
04:55und dort dann quasi die eigene Regierung in die eigene Hand nehmen soll.
05:00Also die Drohkulisse, die hier aufgebaut wurde, ist schon substanziell.
05:04Hier geht es dann von der Rhetorik her um mehr als nur das Nuklearprogramm.
05:07Hier geht es um eine Änderung der Regierung, um einen Regime-Change.
05:11Das war bis dato immer sehr, sehr fraglich, ob das gangbar ist.
05:15Da es ja im Iran unverändert keine glaubwürdige Alternative,
05:20keine glaubwürdige Opposition zur aktuellen Regierung gibt.
05:22Also die Ziele sind als maximal aktuell definiert.
05:26Was kann man sich in weiterer Folge noch erwarten von der Rhetorik her?
05:29Das wird grob davon abhängen, ob man nicht durch dieses Escalate to Deescalate
05:34vielleicht dann doch einen Durchbruch schafft auf der diplomatischen Front,
05:37dass man sich einigt, dass der Iran Konzessionen macht.
05:39Wenn es um die Anrechnung von Uran geht, wenn es um das Nuklearprogramm geht.
05:43Und auf der anderen Seite, und das ist ja die Erwartungshaltung des Iran,
05:46dass sich in Sachen Sanktionen etwas tut.
05:48Also dieses Fenster kann man nicht völlig zur Seite schieben.
05:50Das ist absolut nicht vom Tisch,
05:54sondern es könnte sich hier auch um ein Escalate to Deescalate handeln.
05:57Also im ersten Ansatz Luftschläge, Luftschläge, die massiv waren.
06:01Wie es jetzt weitergeht, es ist das gesamte Portfolio
06:04an militärischen Einsatzmitteln im Raum.
06:06Die Frage wird sein, kann man sich diplomatisch auf etwas einigen?
06:11Mich würde interessieren, wie überraschend denn diese Angriffe tatsächlich waren?
06:14Sie haben es schon angesprochen, man hat ja bis zuletzt über einen Atomdeal verhandelt
06:19und jetzt heute am Samstagvormittag eben dieser Angriff.
06:22Hatte man da einen Überraschungsmoment auch auf seiner Seite,
06:24von Seiten Israels und den USA?
06:27Ja, auf dieses Überraschungsmoment wird natürlich immer wieder gezählt.
06:31Und dieses Überraschungsmoment trifft gerade auch uns Europäer immer wieder.
06:34Da all diese Dinge in der Regel an einem Wochenende passieren,
06:37wo relativ wenig Betrieb ist auch bei uns,
06:41darum sind dann die diplomatischen Reaktionen von Europa auch von der Seite relativ eingeschränkt.
06:45Denn ja, man ist hier am Wochenende.
06:47Gehen wir in den Raum hinein.
06:48Der Freitag, das ist der Tag, an dem in islamischen Ländern, das ist quasi deren Sonntag,
06:54aus deren Zeitrechnung heraus ist Samstagmorgen sowas wie bei uns der Montagmorgen,
06:58das Leben beginnt langsam wieder anzulaufen.
07:01In Israel, der Samstag ist es der Schabbat,
07:03da rechnet man grundsätzlich nicht damit, dass da viel passiert.
07:06Das kann sich durchaus jetzt bei Gegenschlägen jedoch das Iran als positiv bewirken,
07:11da das zivile Leben etwas eingeschränkt ist.
07:13Also es gibt hier zeitlich durchaus einen Überraschungsfaktor bei der Überschneidung
07:17eben an einem Samstag zwischen der islamischen Montag, wenn man so will,
07:21der Schabbat in Israel und die eingeschränkte Handlungsfähigkeit in Europa aufgrund Wochenende.
07:26Das ist durchaus ein Überraschungsfaktor, der hier genutzt wurde,
07:28der aber auch positiv eben sich auswirken kann aufgrund eines eingeschränkten zivilen Lebens,
07:33zumindest in Israel.
07:36Derzeit mehren sich auch die Berichte darüber, dass dieser Angriff von langer Hand geplant war,
07:40dass das keine spontane Aktion ist, sondern eben seit Monaten vorbereitet wurde.
07:44In der Außenbetrachtung mit dem militärischen Auge, wie sehen Sie das?
07:50Ja, es hat sich natürlich, also der wesentliche Zusammenzug,
07:54das Zusammenziehen von Streitkräften auf amerikanischer Seite im Raum,
07:58hat natürlich ein Maß erreicht, das darauf schließen hat lassen,
08:02dass es hier zu einem militärischen Schlag gibt.
08:04Also man hat mehr als zwei Flugzeugträgergruppen hier im Raum gehabt.
08:07Das ist durchaus substanziell.
08:08Gerade wenn man im Hinterkopf behält, dass die Vereinigten Staaten von Amerika
08:12ja mit dem Asian Pivot einen Interessensraum mehr in den asiatischen Raum verlegen wollten.
08:17Das war ja auch die Intention von Präsident Donald Trump,
08:20sowohl bei seiner letzten als auch bei der aktuellen Präsidentschaft,
08:23dass man sich nicht wieder im Nahen Osten verfängt,
08:25in kriegerischen Handlungen und dort dann hängen bleibt.
08:29Also von daher war das schon merkbar,
08:32diese Zusammenziehung von militärischen Kräften,
08:34dass das wahrscheinlich mehr als nur eine Drohkulisse war.
08:37Es hat sich aber trotzdem immer wieder hinausgezögert,
08:40weil man vermutlich durch dieses Aufbauen von Druck
08:43trotzdem darauf gehofft hat, dass es zu einer Verhandlungslösung kommt.
08:47Hier ist es nun wichtig, auf die Positionen beider Seiten,
08:50mit beiden Seiten meine ich den Iran und die Vereinigten Staaten,
08:54hier einen Blick darauf zu werfen.
08:55Das war schon bei der Präsidentschaft Trump 1 absehbar,
08:59dass die Policy der USA war, Maximum Pressure,
09:02also ein maximales Maß an Druck auf die iranische Regierung auszuüben.
09:07Das war durchaus ein bisschen ein Wechsel zu der Vorgängerregierung,
09:11das sehen wir dann bei Barack Obama schon,
09:14wo es mit dem Jesse Poer ja durchaus zumindest eine gewisse Entspannung gegeben hat,
09:18dass man sich zumindest auf Elemente mit dem Nuklear-Deal hat einigen können.
09:21Auf dieses Maximum Pressure der Regierung Trump 1
09:24hat der Iran ja geantwortet mit Maximum Resistance,
09:29also absolute maximale Widerstandsfähigkeit.
09:32Ja, und mit einer kurzen Unterbrechung mit dem 46. Präsidenten,
09:35nun bei der 47. Präsidentschaft wieder angelangt,
09:38ist man wieder dort, wo man vorher schon war.
09:41Maximaler Druck auf der einen Seite, maximaler Widerstand auf der anderen Seite.
09:44Es gab ja bei den Verhandlungen, die in Genf gelaufen sind,
09:48gab es ja auch keine direkten Verhandlungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten,
09:52sondern das waren ja über Vermittlung stattfindende,
09:55über Dritte stattfindende, indirekte Verhandlungen
09:57und trotzdem war die Hoffnung da, dass man hier einen gewissen Mindestkonsens schafft,
10:02dass man hier auf die Kernpunkte zurückkommt.
10:04Der Iran wollte eine Linderung der Sanktionen, zumindest in Teilbereichen, haben
10:09und aus Sicht der USA war es zumindest das Nuklearprogramm,
10:12wobei da schon etwas mehr dann von der Erwartungshaltung dabei war bei den USA.
10:16Da ging es auch um die Rolle des Iran an und für sich in der Region,
10:19der mit seinen Proxys, mit den Stellvertretern von der Hezbollah,
10:23über die Milizen in Syrien, über die Milizen im Irak, über die Houthis,
10:28immer wieder für Unruhe gesorgt hat.
10:29Das wollte man hier mit hineinnehmen in die Verhandlungen.
10:32Genauso wie man mit in die Verhandlungen hineinnehmen wollte,
10:34die ballistischen Forschungsprogramme, was ballistische Raketen betrifft.
10:38Also wäre es jetzt rein nur um das Nuklearprogramm gegangen,
10:41dann wäre man wahrscheinlich wieder bei einem JCPOA geendet,
10:44dass ja Donald Trump selbst und seiner Wählerschaft zu wenig war.
10:47Also hier war die Erwartungshaltung wahrscheinlich schon so groß,
10:51dass es wirklich schwer war, eine Schnittmenge zu finden
10:53mit den Forderungen der USA und der Erwartungshaltung des Iran.
10:57Ja, und offensichtlich konnte man sich über diese indirekten Verhandlungen nicht verständigen,
11:03konnte sich nicht einigen,
11:04dass man nun bei einer ersten Eruption in einer heißen Phase des Krieges ist.
11:08Das bedeutet jetzt nicht zwangsläufig, dass man auf einer Rutsche ist,
11:11von der man nicht mehr runterkommt und das jetzt immer weiter eskaliert.
11:13Und das kann noch immer Teil einer Escalate-to-Deescalate-Rhetorik
11:19und eines Escalate-to-Deescalate-Ansatzes sein.
11:22Denn das hatte man ja schon beim Zwölftagekrieg,
11:24wo man das so weit eskalieren hat lassen,
11:27bis man gesichtswahrend auf beiden Seiten sagen konnte,
11:30die Ziele wurden erreicht.
11:31Das, was wir jetzt sehen, ist, offensichtlich wurden sie das nicht.
11:33Denn der amerikanische Präsident hat damals verkündet,
11:35das iranische Nuklearprogramm ist nicht mehr existent.
11:38Und jetzt stellen wir fest, weniger als ein Jahr später,
11:41offensichtlich war es durchaus noch immer existent,
11:44denn so schnell kann auch der Iran nicht auf 60 Prozent Anreichung von Uran kommen.
11:51Wenn Sie jetzt sagen, es könnte immer noch die Strategie sein,
11:53dass man quasi eskaliert, um dann im Anschluss deeskalieren zu können,
11:56halten Sie das zum derzeitigen Zeitpunkt wirklich viel wahrscheinlich?
11:59Wir sehen ja auch, dass jetzt andere Länder und andere Regionen
12:02von diesen Angriffen getroffen werden,
12:04beispielsweise eine Militärbasis in Bahrain,
12:07aber auch in Saudi-Arabien soll es Einschläge von iranischer Seite gegeben haben.
12:11Noch einmal zur Erinnerung an die Zuseherinnen und Zuseher,
12:13das ist eine ongoing situation,
12:15das heißt, es könnte sich noch einiges ändern in den nächsten Stunden.
12:18Aber trotzdem, für wie wahrscheinlich halten Sie,
12:20dass das dann auch ein paar Tage wieder vorbei ist,
12:23wie der Zwölftagekrieg?
12:25Aus aktueller Sicht sieht es nicht danach aus.
12:28Eine der wesentlichen Forderungen ebenfalls wird auch sein,
12:30die anderen arabischen, die anderen islamischen Staaten im Raum,
12:33inwieweit die Vermitteln da eintreten können,
12:36beziehungsweise ob hier Druck aufgebaut werden kann auf die Vereinigten Staaten von Amerika,
12:41beziehungsweise was man an Konzessionen vom Iran abbringen kann.
12:44Was man zurzeit noch nicht sieht, ist,
12:46dass die sogenannten Verbündeten des Iran hier ihr Gewicht in den Ring werfen.
12:53Also weder Russland, das ja in letzter Zeit durchaus auch militärische Kräfte in den Raum verlegt hat,
12:58für gemeinsame Übungen, nicht um den Iran zu verteidigen,
13:01aber um symbolisch zu zeigen, man hat Kooperationen da,
13:04man hat auch Flugzeuge nach Teheran geschickt,
13:08mit denen man theoretisch die Regierung ausfliegen könnte.
13:11Das hat bis dato auch nicht stattgefunden.
13:13Also hier ist es noch relativ ruhig.
13:15China, das ebenfalls eigentlich ein Interesse hat,
13:17über die Ressourcen des Irans dann einen Regime-Change zu vermeiden,
13:22da hat man bis dato auch noch nichts gehört.
13:23Also auf der einen Seite, da ist es noch sehr, sehr ruhig.
13:25Wenn man jetzt zurückgeht, ein Dreivierteljahr zum Zwölftagekrieg,
13:28hat auch Pakistan damals sich zur Verteidigung des Irans ausgesprochen,
13:31gesagt, sollte jemand auf die Idee kommen, den Iran nuklear zu bewirken,
13:35dann würde Pakistan seinen nuklearen Schutzschirm,
13:38also seine Nuklearwaffen, zur Verteidigung des Irans in den Ring werfen.
13:42Von dem sind wir auf der einen Seite noch völlig entfernt,
13:44auf der anderen Seite eben mit Israel und den USA.
13:48Israel wird das aktuelle Wind of Opportunity,
13:51die dieses Zeitfenster nutzen wollen, zum Eigenschutz,
13:54um hier so weit wie möglich das iranische Nuklearprogramm
13:57weiter herabsetzen zu können,
13:59solange hier der internationale Druck nicht zu groß wird.
14:01Und der kann sich nur weiter aufbauen,
14:03wenn es einen Druck gibt auf die Vereinigten Staaten.
14:05Und da kommen eben all die islamischen Staaten
14:07und die arabischen Staaten im Raum, kommen da zum Zug.
14:10Wenn die es schaffen, an die USA heranzutreten
14:12und hier eine Mäßigung einzufordern,
14:15dann kann es durchaus sein, dass das ein kürzerer Krieg wird.
14:18Aus aktueller Sicht, wie gesagt, sieht es nicht danach aus,
14:21dass wir bei etwas vergleichbarem wie dem Zwölftagekrieg bleiben,
14:24da auf der einen Seite die Schnittmenge, wie gesagt,
14:28der Forderungen zu gering ist,
14:29zwischen dem, was der Iran will
14:31und was die Vereinigten Staaten, wo sie Israel wollen.
14:34Das ist sehr, sehr schwer, das in Einklang zu bringen.
14:37Und auf der anderen Seite, es war ja von amerikanischer Seite
14:39schon sehr, sehr wenig Vertrauen auch da in den Iran.
14:43Also Donald Trump hatte das auch wieder angesprochen.
14:45In seiner Begründung für die Aktion, für die Schläge,
14:47die aktuellen, ist man ja zurückgegangen quasi bis zur iranischen Revolution,
14:51bis zur Festsetzung des Botschaftspersonals,
14:54bis zum Bewirken der US Marine Basis im Nahen Osten.
14:58Also das war quasi die gesamte Dauer, die das iranische Regime nun an der Macht ist,
15:02hat man in seiner Gesamtheit dargestellt als,
15:04das ist ein inakzeptabler Zustand für die Vereinigten Staaten von Amerika.
15:08Und das ist auch ein Ausdruck dessen, wie diese Administration den Iran an und für sich sieht.
15:13Da gibt es eine gewisse Kontinuität, seit es die islamische,
15:16seit es dieses theokratische System gibt im Iran.
15:20Aber unter Donald Trump und mit den Republikanern ist es schon sehr, sehr,
15:23wie soll man sagen, sehr, sehr weit fortgeschritten,
15:25wenn es um das fehlende Vertrauen geht.
15:28Darum, ich kann mir nicht vorstellen, dass es diesmal nur einige Tage gibt,
15:32wenn der Iran nicht sofort nachgibt.
15:34Nach dem sieht es aber aktuell nicht aus.
15:36Herr Wasinger, kommen wir zu den Zielen der Konfliktparteien.
15:39Sowohl die US-Seite als auch die israelische Seite sprechen mehr oder weniger von einem Regime-Change.
15:44Es klingt danach, als würde man die Regierung im Iran und deren Infrastruktur wegbomben
15:50und dann sollen die Iraner selbst übernehmen.
15:52Ist das denn wirklich so einfach? Kann das funktionieren?
15:54Das war das, was der amerikanische Präsident in seiner Ansprache gesagt hat.
15:59Fast schon wortwörtlich.
16:01Aus meiner Bewertung heraus ist das nicht praktikabel,
16:03da es im Iran keine glaubwürdige,
16:06keine ausreichend gut aufgestellte und vernetzte Opposition gibt.
16:10Und auch der immer wieder auftretende Nachfolger des Schahs
16:15und auch in Wahrheit als aktuelle Schah,
16:17er befindet sich nur außerhalb, außerhalb Landes,
16:21ist keine, das ist keine Option,
16:23die eins zu eins die Regierungsgeschäfte übernehmen könnte.
16:28Das größte Problem bei allen Ideen bis dato für einen Regime-Change war,
16:33das, wie man es bis dato im Nahen Osten versucht hat,
16:36nämlich mit einer Invasion mit Streitkräften,
16:41dort dann mit den eigenen Invasionsstreitkräften im Nahen Osten,
16:45Beispiel Irak oder Beispiel Afghanistan,
16:48dort dann eine Administration stützen und langsam überleiten,
16:52in der Hoffnung, dass eine demokratische Regierung langsam dahinwächst,
16:57mit einem demokratischen Verständnis.
16:59Das ist aus jetziger Sicht so nicht absehbar,
17:01dass das funktionieren könnte.
17:04Was wäre die Alternative?
17:05Die Alternative wäre eben, dass es eine Opposition gibt,
17:08auch das ist nicht absehbar.
17:10Das heißt, was bleibt?
17:11Das wahrscheinlichste Szenario aktuell wäre,
17:15wenn man die aktuelle Führung,
17:18wenn man die wegbekäme,
17:20dass die Revolutionsgarden übernehmen.
17:22Und hier hat ja der amerikanische Präsident durchaus schon ein Angebot
17:24auch in seiner Ansprache gemacht,
17:26dass er gesagt hat,
17:27wenn die Revolutionsgarden hier sich nicht wehren,
17:32nicht zur Verteidigung übergehen,
17:33die Waffen niederlegen,
17:35dass man ihnen die Straffreiheit garantiert.
17:37Damit appelliert man natürlich an die weniger radikalen,
17:42also mehr in der Mitte befindlichen Elemente
17:45innerhalb der Revolutionsgarden.
17:46Es sieht jedoch nicht so aus,
17:48dass das ein glaubwürdiges und funktionierendes Modell wäre.
17:51Denn der Iran ist in letzter Zeit durch sehr viele Phasen
17:54und sehr viele Erschütterungen gegangen.
17:56Also die Aufstände,
17:57die bis dato in Wahrheit weiterlaufen.
18:00Nun diese Schläge vor einem Dreivierteljahr
18:02der Zwölftagekrieg,
18:03also das ist eine Verkettung,
18:04eine Aneinanderreihung von Schocks von innen und außen.
18:08Und nichtsdestotrotz hatte das Regime permanent
18:11die Zügel in der Hand.
18:12Das Regime war zwar mit jedem Tag,
18:15mit jedem einzelnen Protest,
18:16mit jedem Toten im Iran weiter geschwächt.
18:19Trotzdem war man nie an der Kippe,
18:23dass man die Kontrolle über das Land verloren hätte.
18:25Und so sieht es eben aktuell auch noch nicht aus.
18:28Das, was wahrscheinlich wieder eintreten wird,
18:31ist ja, dass egal wie unzufrieden die iranische Bevölkerung
18:34mit der eigenen Regierung ist,
18:36die iranische Bevölkerung will keine Einmischung von außen.
18:40Und am allerwenigsten will man diese Einmischung von außen,
18:44von wie man es im Iran nennt,
18:46der kleine und der große Satan,
18:47also von Israel und den Vereinigten Staaten.
18:49Das heißt, was man vermutlich wieder erleben wird hier,
18:53wird ein Rally around the flag process,
18:55dass die iranische Bevölkerung,
18:57die jetzt lange in Protesten drin war,
19:00sich jedoch nicht auf die Seite dieser Intervention von außen stellt.
19:04Wozu führt nun das alles?
19:06Denn wir können davon ausgehen,
19:07dass das durchaus den Vereinigten Staaten von Amerika bewusst ist.
19:10Also wir sprechen ja nicht von einem Apparat und von einem Staat,
19:14der nicht in der Lage ist, sowas selbst zu beurteilen.
19:16Auf der einen Seite sind das alles Indikatorern dafür,
19:19dass man mit der Rhetorik, mit dem, was man sagt,
19:22mit dem Appell des amerikanischen Präsidenten,
19:24dass die amerikanische Bevölkerung Verluste in den eigenen Streitkräften
19:27ebenfalls in Kauf wird nehmen müssen,
19:29dass man hier weiter ist,
19:31auf maximalen Druck aufzubauen auf den Iran
19:34und das auch glaubwürdig zu machen.
19:37Das ist die eine Variante,
19:38dass man hier weiter in Wahrheit auf die diplomatische Karte setzen will,
19:42jetzt mit noch mehr Druck dahinter,
19:44noch schärferer Rhetorik.
19:45Auf der anderen Seite, ja, dass man hofft,
19:48das wäre nun die Abzweigung der zweite Möglichkeit,
19:53dass man hofft, dass man das Regime wegbekommt
19:55von Seiten der Vereinigten Staaten und seitens Israel
19:59und hofft, dass aus dem aktuell nicht absehbaren Raum,
20:04nämlich der Bevölkerung selbst,
20:06ein Aufstand passiert
20:07und eine Demokratisierung wieder eintritt.
20:10Wie gesagt, aus jetziger Sicht
20:12und aus meiner Bewertung heraus,
20:14mir fällt hier nicht ein,
20:16wer hier die Regierungsgeschäfte übernehmen sollte.
20:20Wenn wir das historisch betrachten,
20:22da kennen Sie sich natürlich deutlich besser aus als ich.
20:25Mir wäre kein Beispiel bekannt,
20:27wo ein Regime aufgrund von Luftangriffen etc.
20:31gestürzt worden wäre.
20:32Da hat es eigentlich meines Wissens nach immer so etwas wie
20:35Boots on the Ground gebraucht.
20:37Oder liege ich da völlig falsch?
20:39Weil ich kann mir nicht vorstellen,
20:40wie dieses Regime mit Luftangriffen
20:41unter Anführungszeichen weggebombt werden soll.
20:45Also was es historisch schon gibt,
20:46sind eben Beispiele,
20:48dass man mit Luftkampagnen ein Regime so wesentlich geschwächt hat,
20:51dass es an die Grenze des Kollapses kam.
20:54Aber wie Sie darstellen,
20:55also rein ohne Boots on the Ground,
20:57das wird so nicht durchführbar sein.
20:59Also am nähersten daran war Libyen,
21:02wo man als Boots on the Ground
21:04ja zumindest die Aufständischen im Land hatte
21:07und diese aufständischen Gruppen,
21:08wo man versucht hat,
21:09die Luftkampagne von außen zu synchronisieren mit denen.
21:14Bis zum heutigen Tag ist das Land destabilisiert,
21:18weil es eben hier dann nichts gab,
21:20nichts Einhellig,
21:21auf das ich alle einigen konnte,
21:22was hier die Regierungsgeschäfte nach Gaddafi übernehmen sollte.
21:25Also das ist durchaus dann ein Teufel,
21:28der sich an der Wand abzeichnet.
21:30Wenn man hier jetzt nichts hinbringen kann,
21:33keine Regierung, die übernehmen könnte,
21:36dann sprechen wir von einer Bevölkerung
21:38von 90 Millionen Iranern,
21:39die über Jahrzehnte traumatisiert wahrscheinlich sind
21:42als Bevölkerung von dem,
21:43was man seit der Revolution erlebt hat.
21:47Ein Land, das mit dieser Größenordnung,
21:49mit diesen Ressourcen,
21:50mit dieser Bevölkerungszahl
21:52in einen Bürgerkrieg hineintrifftet.
21:54Das wird auch für niemanden gut sein.
21:58Es kann ja auch nicht die Wunschvorstellung Israels sein,
22:01wenn man jetzt diese Perspektive wieder einnehmen will.
22:03Bis dato war das ja für Israel,
22:05auch wenn die Anrechnung mit Uran,
22:07das ist natürlich ein Albtraum-Szenario.
22:10Vom großen Setting aber war das ja für Israel nicht so negativ,
22:13weil wir haben ein sehr geschwächtes Regime,
22:15das zwar noch immer da ist,
22:16das berechenbar ist,
22:18aber wie gesagt,
22:19es ja mit sich selbst beschäftigt ist.
22:21Wenn das jetzt wegkommt,
22:22kann das wieder eine weitere Dynamisierung bringen
22:24und ob das Pendel dann Richtung Demokratisierung ausschlägt
22:27oder vielleicht in eine andere Richtung
22:29mit einer anderen Radikalisierung,
22:30ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzbar.
22:35Halten Sie tatsächlich so etwas,
22:36um darauf nochmal zu sprechen zu kommen,
22:38wie Boots on the Ground für absolut ausgeschlossen
22:41oder gibt es ein Szenario,
22:42wo die Amerikaner vielleicht tatsächlich sagen könnten,
22:45na gut, wir müssen reingehen?
22:48Nun, für sowas wird es immer ein Szenario geben,
22:50wo man das zumindest plant,
22:52da ja das Militär mit den Planungsstäben
22:54alle Optionen zumindest mal aufzubereiten hat
22:56und darzustellen hat.
22:57Aber hier muss man nun einfach realistisch auf das gehen,
23:00was unabdingbar ist
23:02oder was unveränderbar ist
23:03und das ist Topografie und Geografie.
23:05Grenzen kann man natürlich einmal verschieben
23:08im Nachhinein,
23:09aber wenn wir jetzt einfach mal auf die Karte schauen
23:12und an die angrenzenden Staaten um den Iran herum
23:15und die Topografie um den Iran herum,
23:18dann wird man feststellen,
23:20wäre ich verantwortlich dafür,
23:22den Iran zu verteidigen gegen eine Invasion,
23:23dann wäre das eine sehr angenehme Aufgabe.
23:28Da mit den Gebirgszügen,
23:30die sich um den Iran im Norden
23:31beziehungsweise Richtung Nordosten herum ziehen,
23:35das ist sehr verteidigungsgünstiges Gelände
23:37und einfach kein Gelände,
23:38durch das ich hinein mit einer Landstreitkraft
23:40in den Iran einmarschieren wollte.
23:42Wenn ich nun Richtung Westen gehe,
23:45dann gäbe es hier natürlich einige angrenzende Staaten,
23:47die man verwenden könnte,
23:48wo es jedoch wahrscheinlich aus innenpolitischen Gründen
23:51nicht tragbar ist für diese Nationen,
23:53eine Invasion zu unterstützen.
23:55Und das ist ohne dies ein fragiler Raum.
23:57Also hier jetzt mit einer westlichen Streitmacht
23:59oder mit einer westlichen Koalition,
24:01zu der unter Umständen vielleicht auch noch Israel gehört,
24:04hier hineinzugehen
24:05und das als Ausgangspunkt für eine Invasion zu nehmen,
24:08ist sehr, sehr unwahrscheinlich.
24:12Mit Pakistan dann wieder auf die andere Seite gehend,
24:15politisch nicht tragbar
24:17und aus Sicht Pakistans, nein.
24:19Also man kann das nun drehen und wenden,
24:21wie man will.
24:22Am Ende des Tages bleibt dann
24:24der Golf von Hormuz
24:26mit einer amphibischen Anlandung.
24:28Das ist militärisch machbar.
24:31Das ist grundsätzlich geschichtlich wiederholt geschehen.
24:34Das, was jedoch bleibt aus der Geschichte,
24:37das ist vermutlich die blutigste Art und Weise,
24:40eine Invasion in ein Land durchzuführen, amphibisch.
24:44Denn gerade dieses Zusammenwirken
24:45von unterschiedlichen Teilstreitkräften
24:47aus unterschiedlichen Domänen.
24:49Es spielt hier die Marine mit,
24:51die Luftwaffe mit,
24:53dann gibt es Marineinfanterie
24:54und man hat diesen Übergang zu schaffen
24:56von der maritimen Domäne
24:58an die Landdomäne.
24:59Und das ist ein sehr verwundbarer Zeitpunkt,
25:01wo sowas stattfindet.
25:04Das ist, wie gesagt,
25:05es ist machbar,
25:06es ist nur sehr, sehr blutig
25:08und es gibt dem Iran
25:09durchaus Möglichkeiten,
25:11hier Schaden zu verursachen
25:12auf Seiten der Vereinigten Staaten von Amerika.
25:14Und hier,
25:15wenn man hier etwas zurückgeht in der Geschichte,
25:18wie lange das schon her ist,
25:19dass im Rahmen eines konventionellen Konfliktes
25:22ein Staat ein Kriegsschiff verloren hat,
25:26da muss man schon zurückgehen
25:28auf den Falklandkrieg.
25:30Also das ist schon eine Zeit lang her
25:31und bei aller waffentechnologischer Überlegenheit
25:34der Vereinigten Staaten,
25:36der US Navy,
25:36ganz ohne Verluste wäre sowas
25:39vermutlich nicht durchführbar
25:40in dem Raum.
25:41Also die Topografie und die Geografie
25:43macht es dem Iran hier relativ leicht.
25:46Das bedeutet nicht,
25:47dass es nicht machbar ist.
25:48Natürlich ist all das machbar.
25:49Noch dazu für die größte Militärmacht der Welt,
25:51für die Vereinigten Staaten,
25:52gemeinsam mit der entwickeltsten Militärmacht
25:55im Raum,
25:56nämlich Israel,
25:57ja,
25:58das ist machbar.
25:59Es ist jedoch sehr, sehr herausfordernd
26:02und aufgrund dieses Settings
26:04eher als unwahrscheinlich zu beurteilen.
26:06Jetzt kann man natürlich sagen,
26:07so kann man die Worte
26:08des amerikanischen Präsidenten
26:09interpretieren mit.
26:10Es werden Verluste in Kauf zu nehmen sein.
26:13Die Frage ist,
26:14ob er damit
26:15wirklich eine amphibische Anlandung
26:17im Iran meint
26:19und wie sich das auswirkt
26:20auf die Weltwirtschaft,
26:21das möchte man auch jetzt nur mal
26:23hier in den Raum gestellt haben.
26:25Denn was mit den Ölpreisen passiert,
26:27in dem Moment,
26:28wo sowas angedacht und durchgeführt wird,
26:30das kann man sich
26:31jetzt wahrscheinlich noch gar nicht vorstellen.
26:33Also da gehen wir zurück
26:34bis in die frühen,
26:35die Ölkrisen vor Jahrzehnten.
26:37Die werden hier wahrscheinlich
26:38als Analogie nicht ausreichen,
26:39um das zu beschreiben,
26:40was dann passieren würde.
26:41Und hier werden dann natürlich
26:42schon vitale Interessen
26:44gerade von China getroffen.
26:45Für Russland
26:46wäre das eher angenehm.
26:47Wenn die Energiepreise nach oben gehen,
26:48macht man mehr Geld
26:49mit dem Verkauf von eigener Energie.
26:51Für China als den
26:52größten Importeur
26:53und auch für andere
26:54wie Indien
26:55als Großimporteur
26:56ist das wahrscheinlich untragbar.
26:58Und dann bekäme das wahrscheinlich
26:59eine noch globalere Dynamik,
27:01als es ohne Tisch schon hat.
27:04Wenn wir über die wirtschaftlichen Gefahren sprechen,
27:08müssen wir vielleicht noch
27:08über einen wichtigen Punkt sprechen,
27:09der von sehr vielen Beobachtern
27:10immer quasi als die wirtschaftliche,
27:13ich sage es jetzt einfach,
27:14Atombombe des Irans bezeichnet wird,
27:16nämlich eine mögliche Sperrung
27:18der Straße von Hormuz.
27:20Diese Trumpfkarte,
27:20die das iranische Regime
27:22theoretisch in der Hinterhand hätte.
27:24Ist es wahrscheinlich,
27:25dass diese Trumpfkarte
27:26tatsächlich gezogen wird?
27:29Man hat von Seiten des Irans
27:31natürlich immer wieder
27:32mit dem geliebäugelt.
27:33Es war beim letzten,
27:35vor einem Dreivierteljahr,
27:36beim Zwölftagekrieg,
27:37hat man die Straße von Hormuz
27:38nicht gesperrt.
27:39Und man muss bei diesem Begriff
27:39auch aufpassen.
27:40Sperren bedeutet jetzt nicht,
27:41so wie man sich vorstellt,
27:43dass sie eine Linie von Schiffen ist,
27:44die keine anderen Schiffe durchlässt,
27:46sondern es reichte bereits
27:48die Gefährdung eines Raumes
27:50dafür da,
27:51dass sie für die zivile Schifffahrt
27:53und für die Transporte
27:54von Ressourcen,
27:56von Energie
27:56nicht begangbar ist.
27:57Also wenn der Iran signalisiert,
27:59dass man hier mit Seeminern
28:01die Einsatzführung durchübt
28:03beziehungsweise mit
28:05Antischiffsraketen
28:05hier wirksam wird,
28:06dann reduziert das
28:07den Schiffsverkehr
28:08schon in einem Ausmaß,
28:09dass man das
28:10auf dem Markt spürt.
28:12Es hat hier
28:13in der Informationsdomäne,
28:15die ja im 21. Jahrhundert
28:16immer wichtig ist
28:17bei der Kriegsführung,
28:18dass man Botschaften
28:19hinausbringt
28:19und transportiert.
28:20Im Vorfeld
28:22der heutigen Schläge
28:23hat es hier
28:24in der Informationskriegsführung
28:26schon Signale
28:26des Iran gegeben
28:27mit einer gemeinsamen Übung
28:29mit Russland,
28:30indem man genau solche
28:31Szenarien wie ein Sperren
28:32und ein Blockieren
28:33der Straße von Rammuz
28:35geübt hat,
28:35mit Schnellbooten,
28:36mit der eigenen Marine,
28:38mit einer
28:39gemeinsamen Übung
28:40mit den russischen Streitkräften.
28:41Also das Pouvoir
28:42ist hier jedenfalls da.
28:44Wenn das Regime
28:45im Iran
28:46sich gegen die Wand
28:48gedrückt fühlt
28:49und keinen anderen
28:50Ausweg mehr sieht,
28:52dann ist das
28:53durchaus eine
28:53gangbare Variante,
28:54dass man das macht,
28:56um weiter Druck
28:57aufzubauen.
28:58Denn was passiert
28:59dann in weiterer Folge?
29:01Die Sperren der Straße
29:02von Rammuz
29:03ist ja nur
29:04der eine Akt,
29:04aber dadurch geht
29:05die Energiepreise
29:06so in die Höhe,
29:07dass die internationale
29:08Staatengemeinschaft
29:09mehr und mehr Interesse
29:10daran hat,
29:11dass es zu einer
29:11Deeskalation kommt,
29:13dass sich die
29:13Energiepreise wieder
29:14einpendeln
29:15und die Energie
29:15erschwingbar bleibt
29:16für die Masse der Staaten.
29:17Das bedeutet,
29:18dass der diplomatische Druck
29:19gerade auf die
29:20Vereinigten Staaten
29:20von Amerika
29:21größer wird.
29:22Dass man hier
29:23einschreitet
29:24und einen Riegel
29:26vorschiebt.
29:26Also es ist
29:28nicht auszuschließen,
29:29dass das passiert
29:30und je weiter
29:31die Eskalationsspirale
29:32geht,
29:33desto höher
29:34ist die Wahrscheinlichkeit.
29:35Nur eben als Vergleich
29:37beim Zwölftagekrieg
29:38wurde es durchaus
29:39veritablen Einsatz
29:40von Luftkriegsmitteln
29:42auf den Iran
29:43gab,
29:44war diese Schwelle
29:44nicht überschritten,
29:45dass man das tut.
29:47Das heißt,
29:47der Iran wird das
29:48dann machen,
29:49wenn er weiß,
29:49es gibt hier
29:50keine Exit-Strategie
29:52mehr und wenn der Iran
29:53selbst nicht mehr
29:54daran glaubt,
29:55dass man das mit
29:56einer Verhandlungslösung
29:57wird nochmal
29:58hinbekommen.
30:02Herr Wasinger,
30:02vielleicht abschließend
30:03einen Punkt
30:04haben wir bis jetzt
30:05ausgelassen,
30:06den sollten wir
30:06vielleicht ebenfalls
30:07noch nachholen,
30:08zumindest ein bisschen
30:08im Detail,
30:10nämlich die Frage,
30:10wie hoch denn
30:11das militärische
30:13Zerstörungspotenzial
30:14des Iran
30:14derzeit überhaupt ist.
30:16Ich kann mich erinnern,
30:16wir haben nach dem
30:17Zwölftagekrieg einmal
30:18miteinander gesprochen
30:19und haben Sie gesagt,
30:20dass man durchaus
30:20überrascht war,
30:21wie stark denn
30:22die iranischen
30:25Raketeneinschläge
30:25tatsächlich waren
30:26oder die iranischen
30:28Luftwaffen.
30:29Wie sieht es
30:30dieses Mal aus?
30:31Ja, der Iran
30:32hat unverändert
30:33ein bemerkenswertes
30:35Arsenal von
30:36ballistischen Raketen,
30:37Marschflugkörpern
30:38beziehungsweise Drohnen.
30:40Dadurch, dass man hier
30:41sehr, sehr viel
30:41selbst produziert,
30:43weil halt all diese
30:44Dinge selbst produziert,
30:45ist man hier auch
30:46autonom.
30:47Also da hat man
30:48die Fähigkeit,
30:49dass man die eigenen
30:50Bevorratungen wieder
30:51auffüllt, die Depots,
30:52das hat man gemacht
30:53und der Iran
30:54hat die Fähigkeit,
30:55dass er hier wieder
30:57die Luftverteidigungssysteme
30:59überfrachtet und zwar
31:01auf der einen Seite
31:02in Israel selbst,
31:03obwohl es die
31:03entwickelsten auf dem
31:04Planeten sind und
31:05auf der anderen Seite
31:06natürlich auch die
31:06Vielzahl von US-Stützpunkten,
31:08die sich im
31:09Nahumittleren Osten
31:10befinden, die sind
31:11ja ebenfalls angreifbar
31:12und in die Richtung
31:13hat ja auch gezielt
31:15dieser Truppenaufbau
31:16der Vereinigten Staaten,
31:17dass man hier die
31:18eigenen Truppen
31:18vor Ort schützen kann.
31:20Also auf der einen
31:20Seite, dass man die
31:21Macht projiziert und
31:22diplomatischen Druck
31:23ausüben kann, dass man,
31:24wenn man Einsatzmittel
31:25einsetzen will, die
31:26verfügbar im Raum, aber
31:27auf der anderen Seite, dass
31:28man eben all die
31:29Einsatzmittel hat, um die
31:30eigenen Truppen im Raum
31:31zu schützen.
31:32Der Iran hat hier
31:34unglaubliche Fähigkeiten
31:35unverändert, dass er jetzt
31:36nicht mit Einzelraketen oder
31:38mit Einzelwaffensystemen
31:39durchkommt, sondern durch den
31:41gezielten Einsatz von
31:43unterschiedlichen
31:43Einsatzmitteln, die auf
31:44unterschiedlichen
31:45Eindringhöhen mit
31:47unterschiedlichen
31:48Geschwindigkeiten
31:49synchronisiert
31:50Ziele bewirken
31:51können, dort dann die
31:52Luftverteidigungsmittel
31:54überfrachten können und
31:56kinetische Wirkung erzielen
31:57können.
31:57Dazu hat der Iran
31:58unveränderte Fähigkeit.
31:59Was wir jedoch auch gesehen
32:01haben, wozu der Iran keine
32:03Fähigkeit hat, ist
32:03offensichtlich eine
32:05glaubwürdige eigene
32:06Luftverteidigung aufzubauen.
32:08Denn hier hat man
32:09durchaus auch investiert
32:10in Zusammenarbeit mit
32:11Russland, dass man sich
32:12russische Luftverteidigungssysteme
32:14organisiert hat.
32:15Das waren natürlich mit
32:16Masse ManPets, also
32:17ManPortable Air Defense
32:19Systems, kurzer Reichweite.
32:22Es hat hier keine
32:23größeren Systeme der
32:24Verschiebungen gegeben, aber
32:25der Iran hatte grundsätzlich
32:27Fähigkeiten zur
32:27Luftverteidigung.
32:28All die haben nicht
32:29gewirkt bei den Schlägen
32:30heute in der Früh.
32:31Das war unzureichend und
32:32das wird nicht besser
32:34werden.
32:34Also ganz gezielt wird
32:36von den Vereinigten
32:36Stadten von Amerika und von
32:37den israelischen
32:38Streitkräften natürlich alle
32:40erkannten Luftverteidigungsmittel
32:41weiterhin bewirkt.
32:42Also die Wirkung am Boden
32:44im Iran wird wahrscheinlich
32:46zunehmen, wird intensiver
32:48werden, da man sich
32:49weniger und weniger wehren
32:50kann.
32:50Selbst die Fähigkeiten
32:51zum Schlag hat der Iran.
32:53Zusätzlich hat der Iran
32:54die Fähigkeit, alle diese
32:55Einsatzmittel, ballistische
32:57Raketen, Drohnen und so
32:59weiter, alle in Tunnelanlagen
33:02beziehungsweise unterirdisch
33:03einmal bereit zu halten, vor
33:05dem Einwirkung durch
33:06israelische und amerikanische
33:08Luftkriegsmittel zu schützen
33:09und nur anlassbezogen
33:11herauszubringen, dass man
33:12dann direkt für den Schlag
33:13sie herausstellt und nachher
33:15wieder zurückzieht.
33:16Die Revolutionsgarden sind
33:18unverändert handlungsfähig
33:20im Iran.
33:21Das bedeutet, dass man die eine
33:23koordinierende Stelle, die all
33:25diese Proxys ansteuern kann,
33:27die Hisbola, die Milizen im
33:30Irak, die Milizen in Syrien, die
33:32Houthis, zum Teil auch die Hamas.
33:35Also man hat mit der Kurzbrigade
33:37und mit den Revolutionsgarden hat
33:39man dieses Element noch immer
33:40funktionabel, dass Aldi ansteuern
33:42kann und durchaus für Unfrieden,
33:44für Unruhe sorgen kann.
33:47Das Fähigkeitsportfolio dieser
33:49Proxis, dieser Stellvertreter ist
33:51jedoch stark eingeschränkt worden.
33:52Israel hat hier über die Jahre in
33:55Wahrheit, seit dem 7. Oktober
33:5623 hinweg, die Fähigkeiten all
33:59dieser Akteure drastisch herabgesetzt.
34:02Das bedeutet, die können zwar noch
34:03agieren, aber nicht mehr in einem
34:05Ausmaß, wie das vor Oktober 23
34:07der Fall war.
34:09Also zusammengefasst, der Iran hat
34:11Möglichkeiten, Israel zu treffen,
34:14empfindlich zu treffen.
34:15Der Iran hat die Möglichkeit, dass er
34:18die US-Streitkräfte an deren
34:20Stützpunkten im Raum trifft.
34:22Der Iran hat die Fähigkeit zur
34:25Einsatzführung, zur hindernden
34:27Einsatzführung in der Straße von
34:28Humus, die dazu führen würde, dass
34:30die Straße temporär gesperrt wäre
34:33und damit, wenn man will, provoziert,
34:36dass man in ein konventionelles
34:37Seegefecht mit den US-Streitkräften
34:39in den Raum kommen könnte.
34:40Also da sind noch merkbare
34:43Fähigkeiten da und wie bereits
34:45angesprochen, das Regime selbst hat
34:47die Zügel noch in der Hand.
34:49Es wirkt nicht so, dass das iranische
34:50Regime vor einem Einbruch stünde,
34:54dass man die Kontrolle über alle
34:55diese Wirkmittel verliert.
34:56Danach sieht es aktuell überhaupt
34:57nicht aus.
34:58Matthias Wasinger war das.
35:00Vielen Dank für Ihre Zeit und für
35:01Ihre Einordnungen heute.
35:02Wir werden natürlich schauen, wie sich
35:04das weiterhin entwickelt und
35:05höchstwahrscheinlich in der nächsten
35:06Zeit nochmal miteinander sprechen.
35:08Alles Gute, danke.
35:09Danke vielmals, Herr Retschizek.
35:10Ich wünsche noch einen schönen
35:12Samstag.
35:14Und an dieser Stelle auch noch ein
35:15Hinweis.
35:15Abonnieren Sie bitte unseren Kanal,
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35:18eine Bewertung da und vergessen Sie
35:20auch nicht, die Glocke zu drücken.
35:21Das ist wahnsinnig wichtig für die
35:23Verbreitung unserer
35:23journalistischen Arbeit.
35:25Vielen Dank fürs dabei sein heute.
35:26Ich bin Daniel Retschizek.
35:27Bis zum nächsten Mal.
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