Mit Unterstützung von Forschenden schicken sich die einst zahlreichen Donau-Störe an, große Teile des Stromes wieder zu besiedeln. Überfischung, Verbauung und die vielen Kraftwerke haben den "lebenden Fossilien" in der Vergangenheit stark zugesetzt, wie der Biologe und Leiter des groß angelegten Schutzprojektes "LIFE-Boat 4 Sturgeon", Thomas Friedrich, der APA bei der Auswilderung des 300.000. Neo-Donaustörs in der Wachau erklärte. Trotz erster Erfolge bleibe viel zu tun.
Credits: APA/mhr; Thumbnail: APA/Helmut Fohringer
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00:00Überfischung, Verbauung und die vielen Flusskraftwerke haben der Population der einst zahlreichen Donaustöre stark zugesetzt.
00:10Mit dem groß angelegten Schutzprojekt Lifeboat for Sturgeon wird nun versucht, vier der ursprünglich sechs Arten wieder anzusiedeln.
00:20Vergangene Woche ist bei Dürnstein in der Wachau der 300.000. Störe ausgewildert worden.
00:27Das hat bei mir schon als Jugendlicher angefangen, als damals Fischer und Aquarianer und dieses urtümliche Aussehen, die Schwanzflosse wie der Hai, die Knochenplatten, die Schnauze und auch, dass sie uralt und riesengroß werden.
00:42Und da ist der Wunsch gereift, was für diese Fische auch zu tun, nachdem sie sehr stark vom Aussterben bedroht sind.
00:46Also wir hatten ja ursprünglich in der Donau sechs Störarten, zwei davon sind bereits ausgestorben und die vier, die es noch gibt, züchten wir nach.
00:53Das ist zum einen der Sterlet, das ist eine reine Süßwasserart.
00:56Die anderen drei Arten, das ist zum Beispiel der Hausen oder Belugastöre, bis zu sieben Metern Größe, der größte Süßwasserfisch der Welt, aber auch der Sternausen und der Wachstig.
01:06Die züchten wir in Wien nach und bringen die Jungfische dann in die untere Donau unterhalb der letzten Kraftwerke im Eisernen Tor und lassen die in Rumänien und Bulgarien aus.
01:16Höchstens rund 25 Zentimeter messen die im April geschlüpften Sterlets.
01:22Sie gehören zur kleinsten Donaustörart, die es im ausgewachsenen Zustand aber immer noch auf eine Masse von 9 Kilogramm und eine Länge von einem Meter bringen kann.
01:36Gezüchtet werden die Tiere auf einem zur Aufzuchtstation umgebauten Frachtschiff, das vor der Wiener Donauinsel liegt.
01:45Ganz essentiell für die Zucht ist bei uns das Donauwasser.
01:49Warum? Tiere oder Fische wollen immer dort die Eier legen, wo sich selbst geschlüpft sind.
01:53Das heißt, die haben eine Prägung, ein sogenanntes Homingverhalten und von daher war für uns immer klar, wir wollen mit Donauwasser operieren.
02:00Wir schauen auch, dass die Fische fit sind, das heißt, die kriegen die Trübe ab, die bekommen zum Teil Lebendfutter gefüttert, um sie so möglichst gut vorzubereiten.
02:09Ganz wichtig ist, dass wir schon vorab schauen, sind unsere Elterntiere aus der Donau oder sind die vielleicht kaspischen Ursprungs?
02:17Wie nahe sind sie miteinander verwandt, um hier auch größtmögliche Diversität zu erreichen?
02:22Die an diesem Tag ausgewilderten 1000 Tiere werden sich voraussichtlich in tiefere Flussbereiche mit starker Strömung begeben
02:31und dort Insektenlarven, Krebstiere, Schnecken, Muscheln und ähnliches fressen.
02:38Der beste Verlauf ist, dass sie dann in vier bis sieben Jahren bei Männchen und Weibchen etwas unterschiedlich laichreif werden
02:46und dann auch hier in diesem Abschnitt in der Donau ableichen und irgendwann die Population so groß wird, dass wir keine Fische mehr auswildern müssen.
02:52Wenn wir die jetzt verlieren, verlieren wir eigentlich innerhalb weniger 100 Jahre ein Tier, das es seit Jahrmillionen gibt
02:59und das wäre eigentlich ein Verbrechen an zukünftigen Generationen, weil die sollen ja solche Tiere auch erleben können und wenn es passt auch nutzen können.
03:07Trotz seines Schutzstatuses kann es beim Fischen im trüben Wasser der Donau natürlich vorkommen, dass ein Angler einen Stör am Haken hat.
03:18Auch gibt es in Österreich kein durchgehendes Fangverbot.
03:22Wenn ich jetzt bei uns in der Donau oder einem anderen Fluss einen Stör fange, sollte der unbedingt freigelassen werden.
03:30Wir haben eine Hotline, man kann uns also erreichen und uns die Informationen zukommen lassen.
03:35Wir belohnen das mit einem Plüschstör.
03:37Es ist auch so, dass es verschiedene nichtheimische Störarten gibt, die in Gartenteichen und Angelteichen gehalten werden
03:43und die sollten idealerweise entnommen werden, weil sich Störer hybridisieren, sozusagen kreuzen können.
03:48Das heißt, wenn man bei uns, wenn man einen dran hat und man kann bei uns direkt anrufen oder bei WhatsApp ein Foto schicken,
03:53können wir da sofort auf der Stelle helfen bei der Bestimmung und auch helfen, wie man mit dem Tier umgehen soll.
03:59Um das vorübergehende Einfangen der Tiere bemühen sich die Forscherinnen und Forscher selbst.
04:06Wir schauen uns an, wie entwickelt sich die Population.
04:09Das heißt, wir sind auch sehr intensiv draußen am Wasser und versuchen Tiere wiederzufangen.
04:13Wir haben die Tiere auch zu einem guten Teil markiert.
04:15Wir schauen uns auch genau an, wo wandern sie, was für Habitate brauchen sie, was fressen sie.
04:21Also es gibt noch sehr viel zur Ökologie dieser Fische, was noch nicht so genau bekannt ist,
04:26wo man auf jeden Fall noch sehr viel wissenschaftlich arbeiten kann,
04:30um dann am Ende des Tages auch in Naturschutzmaßnahmen einfach das umzusetzen und die Maßnahmen zu verbessern.
04:37Bis Ende 2029 sollen etwa 1,6 Millionen Jungtiere in der Donau ausgesetzt werden.
04:46Wie viele davon auch längerfristig den Fluss bevölkert werden, ist noch offen.
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