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Heiner Müllers „Hamletmaschine“, gespielt von einem Ensemble mit eigenen Erfahrungen von Krieg und Flucht. Mutig, feministisch, aufwühlend. Jetzt im LESSINGTHEATER-WIEN, Rennweg 89/A. 🎭
#Hamletmaschine #TheaterWien
Transkript
00:17Dann schließt sich über ihm der Augenblick.
00:22Auf den schnell verschütteten Stehplatz
00:26kommt der glücklose Engel zur Ruhe.
00:31Wartet auf Geschichte.
00:37Ich war Hamlet.
00:52Ich stand an der Küste und redete mit der Brandung.
01:04Im Rücken die Ruinen von Europa.
01:08Drei Gestalten im kalten Licht.
01:11Ein Ruf.
01:12Im Rücken die Ruinen von Europa.
01:15Das Lessingtheater Wien zeigt am Rennweg Heiner Müllers Hamlet-Maschine.
01:20Den Abgesang auf die großen Utopien des 20.
01:23Jahrhunderts und holte ihn mitten in unsere Gegenwart.
01:27Ich stoppte den Leichen zu, öffnete den Sarg mit dem Schwert.
01:36Dabei brach die Klinge mit dem stumpfen Restgelanges
01:41und verteilte den Totenerzeuger
01:46Fleisch und Fleisch gesellt sich gern
01:48an die umstehenden Elendsgestalten.
01:55Hast du kein Blut an deinen Schuhen?
01:58Was geht mich deine Leiche an?
02:01Sei froh, dass der Henkel noch heraussteht.
02:04Vielleicht kommst du doch noch in den Himmel.
02:07Worauf wartest du?
02:09Die Hähne sind geschlachtet.
02:12Der Morgen findet nicht mehr statt.
02:16Seit Jahren arbeitet das Haus seine Stücke mit partizipativ-performativen Methoden.
02:21Man spürt es in jeder Minute.
02:23Hamlet ist auf viele Stimmen verteilt, die einander ins Wort fallen.
02:27So wird daraus die Erfahrung einer ganzen Generation, die ihre Rolle verloren hat.
02:32Ich spiele nicht Hamlet.
02:34Ich spiele keine Rolle mehr.
02:37Meine Worte haben nichts mehr zu sagen.
02:41Meine Gedanken saugen den Bildern das Blut aus.
02:47Mein Drama findet nicht mehr statt.
02:52Nach dem neuen Dänemark schöne Augen.
02:55Ich werde dich wieder zur Jungfrau machen.
02:58Mutter, damit dein König eine blutige Hochzeit hat.
03:02Der Mutterschoß ist keine Einbahnstraße.
03:07Seinen eindlichen Sog entwickelt der Abend in den Frauenfiguren.
03:12Ophelia zerstört die Werkzeuge ihrer Gefangenschaft.
03:16Elektra spricht im Namen der Opfer.
03:18Im Bett, auf dem Tisch, auf dem Stuhl, auf dem Boden.
03:22Ich lege Feuer an mein Gefängnis.
03:26Ich werfe meine Kleider in das Feuer.
03:28Ich grabe die Uhr aus meiner Brust, die mein Herz war.
03:31Ich reiße die Türen auf, damit der Wind herein kann und der Schrei der Welt.
03:39Ich reiße die Türen auf, damit der Wind herein kann und der Schrei der Welt.
04:01Ich will eine Frau sein.
04:04Ja, zunächst einmal, mir hat es wirklich sehr gut gefallen.
04:09Ich habe das sehr avantgardistisch auch irgendwie erlebt.
04:15Manchmal sogar historisch weltkritisch natürlich.
04:23Aber auch in Zeiten wie diesen gesellschaftskritisch.
04:28sehr feministisch.
04:30Du hast das vollkommen richtig gesagt.
04:32So habe ich zumindest empfunden.
04:36Und mir ist aufgefallen, weil du den weiblichen Part angesprochen hast,
04:42dass die zur Revolution aufgerufen haben.
04:46Und die Hamlet-Figuren mehr oder weniger in diesem Macho-Gehabe irgendwie gescheitert sind.
05:01Zum Ensemble gehören Menschen, die Krieg, Armut und Flucht selbst erlebt haben.
05:07Wenn hier jemand auf beiden Seiten der Front steht, ist das kein Textspiel mehr.
05:12Die Krisen des 21. Jahrhunderts treffen auf Müllers Text.
05:16Mein Drama setzt Panzer ein. Mein Platz.
05:20Wenn mein Drama noch stattfinden würde, wäre er auf beiden Seiten der Front.
05:25Zwischen den Fronten.
05:26Darüber.
05:27Ich stehe im Schweißgeruch der Menge und werfe Steine auf Polizisten, Soldaten, Panzer, Panzerglas.
05:33Ich blicke durch die Flügeltür aus Panzerglas auf die andringende Menge und rieche meinen Angstschweiß.
05:38Ich schüttel vor Brechreizgewöck meine Faust in der andringenden Menge gegen mich.
05:46Wie schreibt man Gemütlichkeit?
05:48G-E-M-I-L-C-H-K-E-I-T-Gemütlichkeit.
05:58Die Regie hält die Balance zwischen strenger Form und offenen Spielen.
06:03Chöre, präzise Choreographien und eine eigens geschaffene Musik tragen den Abend auch dort, wo der Text sich den verschwunden ist.
06:13Nichts davon kippt in Klamauk.
06:15Ist eine Narbe.
06:20Ich will eine Maschine bauen.
06:23Arme zu greifen.
06:25Beine zu gehen.
06:26Kein Schmerz.
06:28Kein Gedanke.
06:29Ich verwandle die Milch meiner Brüste in tödliches Gift.
06:33Ich nehme die Welt zurück, die ich geboren habe.
06:36Ich ersticke die Welt, die ich geboren habe.
06:40Zwischen meinen Schenkeln.
06:43Ich begrabe sie in meiner Scham.
06:49Nieder mit dem Glück der Unterwerfung.
06:52Nieder mit dem Glück der Unterwerfung.
06:56Es lebe der Hass, die Verachtung, der Aufstand, ihre Beute, der Tod.
07:03Nach der Vorstellung bleibt das Publikum.
07:07Theater als Verhandlungsraum.
07:09Hier wird nachgefragt und das Ensemble fragt zurück.
07:13Es interessiert mich, wie ihr euch das Stück angenähert habt.
07:16Es ist ja nicht die einfachste Kost, wie der Boss schon gesagt hat.
07:21Habt ihr den Hamlet vorher, den Original-Hamlet probiert?
07:26Ich bin neu in diesem Ensemble und was ich wusste ist, das war schon mal inszeniert.
07:34Und der Stefan hatte schon total die Ahnung davon.
07:37Und wir, uns wurde das so, wir sind da herangegangen, wir haben einen sehr, sehr schwierigen Text bekommen.
07:44Und einfach mal gelesen um zu schauen, wie wir mit dem Text arbeiten.
07:47Und wir haben wirklich gar nichts verstanden.
07:50Und dann haben wir uns aber so durch Zufall immer mehr herangearbeitet.
07:54Und Stefan hat gesagt, okay, das macht Sinn, was ihr da gerade macht.
07:57Und langsam ist aus dem Text und aus dem Nachfragen irgendwie die Bibliografie entstanden.
08:01Und wir haben es über die Wochen hinweg immer besser verstanden.
08:04Und dann ging dann auch so, ach da, wo geht's?
08:07Und das war erst sehr spannend.
08:08Es sind ja auch so viele Referenzen.
08:10Es war jetzt dann nicht der Freund, dass der Stefan so viel Wissen darüber hatte.
08:14Und ich denke mir schon immer wieder, auch jetzt noch bei den Aufführungen,
08:18es ist schon krass, diesen Satz zu sagen, ich will eine Frau sein.
08:21Weil es sich auch viele so im realen Leben erleben gerade eben.
08:26Und diesen Gedanken teilweise noch haben.
08:31Aber wir haben vieles nicht verständigt.
08:34Das ist so ein Punkt.
08:36Was ihr gesagt habt, eigentlich alle Sätze von Rainer Möller können mit anderen Sätzen in Beziehung gestellt werden,
08:43die er irgendwo gefunden hat.
08:46Diese Intertextualität ist ganz, ganz wichtig für ihn.
08:49Spannend ist, was wir damit machen.
08:51Und wenn das für euch zum Erlebnis wird und ihr was davon mitnehmt und das Publikum zum Erlebnis wird,
08:57dann haben wir gewonnen.
08:59Ein Happy End gibt es nicht.
09:02Der Abend gibt die Frage weiter, was wir selbst verändern müssen.
09:06Eine dichte, mutige Produktion, ein Ensemble von großer Intensität, eine hervorragende Regie.
09:14Das Lessing-Theater Wien beweist, auch ein kleines, unabhängiges Theater ist ein Garant für außergewöhnliche Produktionen.
09:22Das ich nicht kenne.
09:24Der Engel.
09:27Ich höre ihn noch.
09:29Aber er hat kein Gesicht mehr als deines.
09:34Das ich nicht kenne.
09:37Schlusswort.
09:38Danke.
09:38Danke liebe Zuschauer.
09:39Danke.
09:39Danke willkommen.
09:43Danke für fiizendich.
09:44Danke schön.
09:45Danke schön.
09:48Dankeschön.

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