- vor 1 Woche
Das US-Unternehmen Palantir wurde von Peter Thiel und Alex Karp mit früher Unterstützung der CIA gegründet. Es zählt zu den mächtigsten und umstrittensten Technologiekonzernen der Welt. Es agiert weitgehend im Hintergrund und liefert Überwachungs- sowie Datenanalysesoftware an Geheimdienste, Militärs, Polizeibehörden und Gesundheitssysteme.
Mit den Kernprodukten Foundry und Gotham werden riesige Datenmengen erfasst. Dazu gehören Patientenakten, Polizeiberichte und Überwachungsvideos. Eine KI verknüpft diese Informationen zu einem gigantischen Netz. Welche Daten einfließen, ist dabei von Land zu Land unterschiedlich.
Was daraus entsteht : Detaillierte Personenprofile, selbst von zivilen Menschen, die öffentlich nicht auffallen.
Warum das ein großes Problem darstellt, wie es dazu kommen konnte und was das für Deutschland bedeutet, erfahrt ihr in Veras Video.
Mehr zu Peter Thiel, dem Gründer von Palantir, erfahrt ihr hier : Der Deutsche, der Trump kontrolliert
Zu den Quellen -> Google Docs
Mit den Kernprodukten Foundry und Gotham werden riesige Datenmengen erfasst. Dazu gehören Patientenakten, Polizeiberichte und Überwachungsvideos. Eine KI verknüpft diese Informationen zu einem gigantischen Netz. Welche Daten einfließen, ist dabei von Land zu Land unterschiedlich.
Was daraus entsteht : Detaillierte Personenprofile, selbst von zivilen Menschen, die öffentlich nicht auffallen.
Warum das ein großes Problem darstellt, wie es dazu kommen konnte und was das für Deutschland bedeutet, erfahrt ihr in Veras Video.
Mehr zu Peter Thiel, dem Gründer von Palantir, erfahrt ihr hier : Der Deutsche, der Trump kontrolliert
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VideospieleTranskript
00:00Das Covid-19 kann als eine Pandemie bezeichnet.
00:32Die Welt steht 2020 still.
00:35Die Wissenschaft ist überfordert, Krankenhäuser kollabieren,
00:39Menschen gehen über ihre eigenen Grenzen hinaus, um anderen zu helfen.
00:42Es ist ein weltweites Chaos und mittendrin macht eine amerikanische Firma
00:48dem britischen Gesundheitssystem ein Angebot.
00:51Sie will helfen, die Pandemie in den Griff zu kriegen
00:54und im Gegenzug wollen sie nur einen Pfund.
00:57Der Name dieser Firma lautet Palantir.
01:00Das hier ist keine Geschichte über Großbritannien.
01:03Es ist eine Geschichte über eine der wichtigsten und wie ich finde
01:07am wenigsten verstandenen Firmen unserer Zeit.
01:10Heute ist Palantir nämlich eine der wertvollsten Firmen weltweit.
01:14Sie ist mittlerweile mehr wert als Netflix, Sony und Nintendo zusammen.
01:19Und trotzdem weiß fast kaum jemand, was Palantir eigentlich macht.
01:22Deshalb schauen wir uns in diesem Video an, wie Palantir genau funktioniert,
01:27aus welcher Not heraus die Firma entstanden ist und weshalb sie ihre Software
01:31sowohl im Gesundheitssystem als auch in der Polizei einsetzen.
01:35Außerdem reden wir über die Firmengründer und ihre Hintergründe.
01:38Wir reden über Palantirs nächstes großes Projekt, Nektar.
01:42Wir werden auch über den Einsatz von Palantir in Deutschland sprechen
01:45und diskutieren, welche anderen Alternativen es gibt.
01:48Kleiner Disclaimer, wir werden auch über Krieg und Terror reden.
01:52Ich blende immer eine Triggerwarnung ein, aber falls euch diese Themen zu sehr belasten,
01:57dann schaut dieses Video nicht oder nicht alleine.
01:59Also fangen wir an.
02:01Warum ist Palantir überhaupt entstanden?
02:14Ich habe mich in den vergangenen Monaten tief in die Recherche rund um Palantir gegraben,
02:19damit ihr es nicht machen müsst.
02:21Aber wenn man über Palantir spricht, dann kommt man an einem Menschen nicht vorbei.
02:26Peter Thiel.
02:26Zu seiner Person, seinem Leben und seinen Machenschaften habe ich schon ein anderes Video gemacht.
02:32Dort bin ich nicht großartig auf Palantir eingegangen, einfach weil das so ein großes Thema ist
02:36und ich dem gerne ein eigenes Video widmen wollte.
02:39Trotzdem werde ich mich in diesem Video auf einige Sachen aus dem Peter Thiel Video beziehen.
02:44Also wenn euch Peter Thiel und sein Einfluss auf die Tech-Landschaft interessiert,
02:48dann schaut euch gerne zuerst das Video an.
02:50Kleiner Fun-Fact zum Anfang.
02:52Wie fast alles aus Peter Thiels Welt hat auch Palantir einen direkten, nerdigen Bezug.
02:58Denn das Wort stand aus Tolkiens Herr der Ringe.
03:01Dort ist ein Palantir ein allsehender Stein.
03:05Mit ihnen kann man also in die Ferne schauen, Leute ausspionieren und sich sogar Bilder aus der Vergangenheit anzeigen lassen.
03:11Und eigentlich beschreibt das den Kern von Palantir schon ziemlich gut.
03:15Die Firma wurde 2003 von Peter Thiel und Alex Karp gegründet, der auch heute noch der CEO von Palantir ist.
03:23Zu Alex Karp werde ich später noch was erzählen.
03:25Spannend an dieser Stelle ist, mit welchem Geld die Gründung finanziert wurde.
03:29Denn Palantir war nie ein normales Start-up.
03:32Es wurde zwar von Thiel und Karp ins Leben gerufen, aber war seither eng verzahnt mit dem US-Geheimdienst rund
03:39um die CIA.
03:40Die wollten damals nach 9-11 eine Software haben, mit der sie vorhersagen könnten, ob sich eine solche Katastrophe wie
03:47in 2001 nochmal wiederholt.
03:49Um so eine Software zu bauen, brauchten Thiel und Karp erstmal eine Methode.
03:53Und die hatten sie im Grunde schon.
03:56Denn Thiel hatte ein paar Jahre zuvor bei PayPal ein ähnliches Problem gelöst.
04:00Nur eben mit Geld statt mit Terror.
04:02Anfang der 2000er hatte PayPal ein massives Betrugsproblem.
04:07Kriminelle räumten über die Plattform reihenweise kontenleer und zeitweise stand deswegen sogar die ganze Firma auf der Kippe.
04:14Besonders hartnäckig war ein russischer Betrüger namens Igor, den man aber nie zu fassen bekam.
04:21Also baute Max Levchin, auch ein ehemaliger Mitarbeiter bei PayPal, ein System, um solche Leute aufzuspüren und benannte es nach
04:30dem russischen Betrüger, Igor.
04:31Igor war ein Programm, das die Zahlungsdaten bei PayPal nach auffälligen Mustern durchsuchte.
04:38Es ging automatisch jede Zahlung durch und achtete dabei auf verschiedene Parameter.
04:44Also zum Beispiel die Höhe des verschickten Geldbetrags oder wie sich ein neues Konto verhält, von woraus es gesteuert wird
04:50und mit welchen anderen Konten es interagiert.
04:53Zuerst wollte man Igor die Entscheidung darüber, ob ein Konto verdächtig ist und gesperrt werden sollte, ganz alleine überlassen.
05:00Aber sobald die Betrüger merkten, worauf das Programm ansprang, änderten sie ihr Verhalten und rutschten wieder durchs Raster.
05:07Was am Ende wirklich funktionierte, war die Aufgabenteilung zwischen dem System und einem Menschen.
05:13Die Software sortierte also die riesige Datenmenge vor und machte sie sichtbar.
05:18Jedes Konto wurde zu einem Punkt, jede Zahlung zu einer Linie zwischen zwei Punkten.
05:22Und je höher der Betrag, desto dicker die Linie.
05:26Wir machen eine kleine Werbeunterbrechung für den Sponsor von diesem Video und das ist Nuki.
05:31Einige von euch kennen das Smart Lock ja schon, was ich seit einiger Zeit an meiner Haustür nutze und ich
05:36liebe es nach wie vor.
05:38Klar, die Tür mit einem klassischen Schlüssel aufzuschließen, ist eine Sache von Sekunden.
05:41Aber die Tür mit dem Smart Lock Pro aufschließen zu lassen, dauert noch kürzer und benötigt auch weniger Handgriffe.
05:48Am meisten nutze ich dafür das Keypad von Nuki, was außen an meiner Tür hängt und womit ich entweder per
05:53Fingerabdruck oder Code das Smart Lock im Inneren aufschließen kann.
05:57Falls ihr kein Keypad habt, geht es auch mit der Nuki App auf dem Handy oder der Smart Watch.
06:01Wenn ihr dasselbe mal ausprobieren wollt, mit meinem Code TECHLIKEVERA bekommt ihr bis zum 31. Oktober 15% auf das
06:08Nuki Smart Lock Pro und das Nuki Smart Lock Ultra.
06:12Den Link findet ihr in der Videobeschreibung und jetzt geht's weiter.
06:15Heute ist Palantir fester Bestandteil des Staatsapparats, vor allem in den USA.
06:20Dort steckt die Software in der US-Armee, im Pentagon zur Steuerung der Kriegsführung und bei der Einwanderungsbehörde ICE.
06:28Aber Palantir hat auch Verträge mit Großbritannien, Frankreich, Kanada, Dänemark, Deutschland, der Niederlande, der Ukraine, Griechenland und Israel.
06:37Außerdem setzt auch die NATO auf Palantirs Software und die meisten Länder nutzen sie für ihre eigene Landespolizei oder ihr
06:45Verteidigungsministerium.
06:47Also wird Palantir eigentlich zum Großteil für den Zweck verwendet, für den die Firma auch geschaffen wurde – zur Terror
06:54- und Verbrechensbekämpfung.
06:55Und bestimmt werden jetzt einige Leute sagen, dass sie das gut finden.
06:59Runtergebrochen ist es ein löbliches Ziel, Terrorzellen auf der ganzen Welt den Kampf anzusagen und TäterInnen frühzeitig dingfest zu machen.
07:06Ich glaube, auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner können wir uns wahrscheinlich alle einigen.
07:10Das Problem mit Palantir ist nur, um dieses Ziel zu erreichen, braucht es zwangsläufig eine weltweite Überwachung aller Menschen.
07:20Und deshalb erzähle ich euch jetzt, wie Palantirs Software eigentlich funktioniert.
07:32Um die Funktionsweise zu verstehen, müssen wir uns anschauen, welches Problem Palantir eigentlich löst.
07:38Jede große Organisation, Behörde oder Krankenhaus sitzt auf einem riesigen Berg von Daten, der oft komplett aufgeteilt ist.
07:46Die Polizei hat eine Datenbank für Fahrzeuge, eine andere für Personen, eine dritte für Fälle, dazu Akten als Textdokumente, Bilder
07:54von Überwachungskameras und Notrufprotokolle.
07:57Ein Krankenhaus hat die Patientenakten im einen System, die Dienstpläne im nächsten, die Materialbestände in einem dritten.
08:03Und diese Systeme kommunizieren nicht miteinander.
08:07Sie stammen oft von verschiedenen Herstellern oder aus verschiedenen Jahrzehnten.
08:11Und da kommt Palantirs erstes Produkt zum Einsatz.
08:14Nochmal kurz zur Klarstellung. Palantir ist nur die Firma, die aber im Grunde zwei Produkte verkauft.
08:20Foundry und Gotham.
08:23Foundry ist das Fundament, auf dem alles aufbaut und das funktioniert so.
08:28All diese Daten von Krankenhäusern oder Behörden, die ich eben gerade aufgezählt habe, können in Foundry gesammelt gespeichert werden.
08:36Und dann kommt die sogenannte Ontologie dazu.
08:39Das heißt, Foundry zerlegt die Daten in ihre kleinsten Bausteine und gibt jedem Baustein eine Bedeutung.
08:46Nehmen wir ein Krankenhaus als Beispiel.
08:49Aus einer Zeile in einer Tabelle wird das Objekt PatientIn mit Eigenschaften wie Name, Geburtsdatum und Diagnose.
08:56Aus einem Eintrag in einer anderen Datenbank wird ein Objekt Gerät, zum Beispiel ein Beatmungsgerät mit Standort und Status.
09:05Eine Behandlung wird zum Objekt Ereignis, eine Station zum Objekt Ort.
09:09Und dann, und das ist der entscheidende Schritt, zieht Foundry die Verbindungen zwischen all diesen Objekten.
09:15Dieser Patient liegt auf jener Station, wird von diesem Beatmungsgerät versorgt und von dieser Pflegekraft betreut.
09:22Aus Millionen einzelner Datenpunkte, die vorher in Dutzenden getrennten Systemen lagen, wird so ein einziges riesiges Netz, in dem alles
09:32mit allem verknüpft ist.
09:34Auf dieses Netz setzt Palantir dann noch ihre eigenen KI-Modelle rupend drauf.
09:38Erst durch die künstliche Intelligenz werden Fragen beantwortbar.
09:42Fragen wie, zeig mir alle PatientInnen, deren Zustand sich gerade verschlechtert, die ein Beatmungsgerät haben und die von dieser einen
09:51Pflegekraft betreut werden.
09:53Ohne das Netz von Foundry wäre das eine Frage, die man nur beantworten kann, wenn man drei verschiedene Systeme aufruft.
09:59Mit Foundry spart man also Zeit, eine Ressource, die in einem Krankenhaus essentiell ist.
10:05Das Ganze kann man natürlich auch auf eine Polizeibehörde übertragen, die dann ihre ganz eigenen Daten aus Polizeiakten einspeisen können.
10:12Und Sie können dann zum Beispiel fragen, zeig mir alle Personen, die Person X im letzten Monat getroffen hat, die
10:19außerdem ein rotes Auto besitzen und in der Nähe dieses einen Orts waren.
10:23Auch hier ist es eine Frage, für die man verschiedene Datenbanken durch Forsten und Verknüpfungen selbst herstellen müsste, wenn es
10:31nicht Foundry tun würde.
10:32Und weil Palantir Software eben alles mit allem verknüpft, hängen in diesem Datennetz auch völlig Unbeteiligte drin.
10:39Ihr könntet dort beispielsweise auch als Zeugin, Opfer oder Kontaktperson auftauchen, wenn jemand in eurem Umfeld durch Foundry abgefragt wird.
10:47Denn sobald jemand von der Polizei eine Anfrage startet, in der ihr auftaucht, kann Palantir Software in Sekunden alles zusammenziehen,
10:57was in den angeschlossenen Datenbanken über euch drin steht.
11:00Foundry ist dabei die Basis, mit dem jetzt das zweite Produkt, Gotham, weiterarbeiten kann.
11:07Gotham ist quasi das zweite Level und richtet sich speziell an die Polizei, das Militär und Geheimdienste.
11:14Die Software macht aus dem Netz von Foundry durchsuchbare Personenprofile, wo alles Mögliche über euch drin stehen kann.
11:22Und das geht nicht nur bei TäterInnen, sondern auch bei x-beliebigen Menschen.
11:27Welche Daten dort am Ende wirklich verknüpft werden, ist von Land zu Land unterschiedlich, denn das ist eine Frage der
11:34Rechtslage.
11:35Aber keine Angst, wir kommen darauf noch zu sprechen.
11:38Foundry und Gotham sind die zwei zentralen Produkte von Palantir.
11:42Aber nach außen treten sie oft gar nicht unter diesen Namen auf.
11:45Je nach Kunde bekommt dieselbe Software einen eigenen Produktnamen.
11:49Beim US-Militär heißt sie Maven, bei der deutschen Polizei Vera, bei der US-Einwanderungsbehörde Immigration-OS und so weiter.
11:58Bis hierhin macht Palantir mit seiner Software vor allem eins. Sie zeigt Zusammenhänge auf.
12:03Es ist quasi das Igor-Prinzip, nur ins Gigantische skaliert.
12:08Und vielleicht versteht man jetzt auch, wieso das britische Gesundheitssystem so verzweifelt auf der Suche nach einer solchen Plattform war,
12:16um die Covid-19-Pandemie im eigenen Land eindämmen zu können.
12:20Aber obwohl sie damals nur einen Pfund für den Vertrag mit Palantir gezahlt haben, hat es sie im Nachhinein viel
12:27mehr als das gekostet.
12:37Der National Health Service von Großbritannien, kurz NHS, war zu Corona-Zeiten maßlos überfordert.
12:44Wie so ziemlich jedes Gesundheitssystem damals.
12:47In diesem Notstand durften Aufträge an Firmen ohne öffentliche Ausschreibungen vergeben werden.
12:53Normalerweise bewerben sich unterschiedliche Firmen auf einen solchen Vertrag.
12:56Aber hier musste es schnell gehen und Palantir hat sich angeboten.
13:00Sie sollten in der Krise ein System zur Verfügung stellen, das in Echtzeit ein Lagebild verschafft.
13:06Es sollte die über die Krankenhäuser des Landes verstreuten Daten zusammenführen.
13:10Also Anzahl der Krankenhausbetten, Beatmungsgeräte, Materialbestände, Personenausfälle und so weiter.
13:17Aus dem Ein-Pund-Vertrag ist mittlerweile ein Millionengeschäft geworden.
13:22Schon drei Monate nach Vertragsabschluss kostet die Erstverlängerung des Vertrags rund eine Million Pfund.
13:29Im Dezember des selben Jahres sind es dann nochmal 23 Millionen Pfund.
13:34Und 2023 kam dann die nächste Vertragserhöhung.
13:38Mittlerweile sind es 330 Millionen Pfund für die nächsten sieben Jahre Palantir.
13:44Der Ein-Pund-Vertrag war also eher symbolischer Natur, um den Fuß in die Tür zu kriegen.
13:49Aus der Not heraus hat das Gesundheitssystem ein D abgeschlossen, von dem sie zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten, wie
13:55viel er sie wirklich kosten würde.
13:57Und Palantir hat sich wahrscheinlich gedacht, Krise kann auch geil sein.
14:01Der NHS musste viel Geld blechen, aber nicht nur das.
14:06Der Vertrag zwischen beiden Parteien wurde wenige Monate nach Abschluss geleakt und, oh Wunder, es ging auch um Daten.
14:13Obwohl Palantir von sich selbst immer wieder sagt, sie sammeln und besitzen keine Daten, die würden immer noch dem Kunden
14:19gehören und Palantir selbst sei ja nur der Software-Lieferant, lässt der gelegte Vertrag etwas anderes durchblicken.
14:26Denn er verschaffte Palantir Zugriff auf hochsensible Daten von Covid-Erkrankten.
14:31Open Democracy deckte außerdem auf, dass Palantir diese Daten für über 300 verschiedene Verwendungszwecke nutzen durfte.
14:40Und in einem weiteren Vertrag zeigte sich, dass die Firma zunächst sogar seine eigene künstliche Intelligenz mit diesen Daten trainieren
14:49durfte.
14:49Palantir mag nur der Software-Lieferant sein und der Kunde selbst entscheidet, was für Daten in das System gespeist werden.
14:56Aber dass Palantir selbst gar keinen Zugriff auf die Daten hat, stimmt so nicht.
15:01Wie wir sehen, ist es ja keine technische Hürde, sondern eine vertragliche Bestimmung.
15:06Und was technisch noch so möglich ist, zeigt Palantir sogar in seiner eigenen Dokumentation.
15:11Die Datenbank, mit der zum Beispiel Krankenhäuser arbeiten, und die Datenbank, die die Polizei nutzt, teilen sich dasselbe technische Fundament.
15:20Daten lassen sich also zwischen beiden per Drag-and-Drop hin- und herschieben.
15:26Dass die Krankenakte auch im Polizeisystem landet, ist also technisch möglich und wird momentan nur durch Regeln verhindert.
15:34Aber Regeln lassen sich ändern.
15:44In Großbritannien ist das aktuell noch verboten.
15:48Aber die rechtspopulistische Partei Reform UK plant bereits, Daten von Gesundheitssystemen, Finanzamt, Banken und Polizei automatisch abzugleichen, um Menschen abzuschieben.
16:01Und in den USA ist das, worüber man in Großbritannien noch diskutiert, bereits Realität.
16:07Dort werden riesige Mengen an Daten dafür genutzt, um Menschen aufzuspüren und des Landes zu verweisen.
16:13Die Daten kommen von Kennzeichenscannern, Strafverfolgungsdatenbanken, Gesichtserkennungskameras, öffentliche Register, E-Mail-Anbieter, Beschäftigungsdaten, Schul- und medizinische Akten, Bewegungsprofile, Kredit
16:27- und Kontoauszüge, psychische Diagnosen, Familienbeziehungen, Gefängnisbesuche und Social Media Posts.
16:34Teilweise kommen diese Daten von staatlichen Behörden, die diese dann einfach an die Einwanderungsbehörde ICE weiterleiten.
16:41Anfang 2025 hat Donald Trump nämlich per Dekret angeordnet, dass die Bundesbehörden ihre Datentöpfe zusammenlegen sollen.
16:50Alle fehlenden Daten werden dann von ICE oder dem FBI eingekauft.
16:55Es gibt einen ganzen Markt von Datenhändlern, die Standortdaten aus Apps, Finanzdaten, Social-Media-Daten und Gesundheitsdaten verkaufen.
17:04KritikerInnen, Abgeordnete und sogar ehemalige Palantir-Mitarbeitende warnen inzwischen offen vor einer Master-Datenbank über jeden einzelnen Amerikaner.
17:16Dass das auch in Großbritannien passiert, davon träumt Palantirs Executive Vice President Louis Mosley.
17:22Der hat Palantirs Vordringen in den britischen Staat maßgeblich mitgestaltet.
17:27Insgesamt leitet er die Firmengeschäfte in ganz Europa.
17:31Also fällt auch Deutschland in seinen Zuständigkeitsbereich.
17:35Mosley wünscht sich ganz offen ein behördenübergreifendes Dachsystem,
17:40wo eben alle Behörden Informationen über jeden Menschen miteinander teilen.
17:46Ähnlich wie es jetzt in den USA der Fall ist.
17:48Darauf vorbereiten soll Projekt Nektar, das seit 2025 von Palantir in mehreren Polizeibehörden in Großbritannien getestet wird.
17:58Mit Nektar kann das System die sensibelsten Daten, die es überhaupt gibt, verarbeiten.
18:03Politische Ansichten, sexuelle Orientierung, Gewerkschaftsmitgliedschaft, Gesundheitsdaten, ethnische Herkunft und so weiter und so fort.
18:12Die Daten stammen aus anderen Behörden und sollen die Personenprofile der BürgerInnen erweitern.
18:19Teil des Projekts ist auch, dass die Profile nicht nur über Verdächtige angelegt werden,
18:23sondern auch über ZeugInnen, über Opfer, über gefährdete Personen und über Kinder.
18:30Das Ziel ist der landesweite Ausbau von Nektar.
18:32In Deutschland müsste sich eine Behörde diese Daten mit einem richterlichen Beschluss holen.
18:37Und hierzulande gibt es die sogenannte Zweckbindung.
18:40Daten, die für das eine erhoben wurden, dürfen nicht einfach für alles andere verwendet werden.
18:45Außerdem gibt es das Trennungsgebot, das Polizei und Geheimdienste ausdrücklich auseinander hält.
18:51Das hat man aus der Zeit der Gestapo gelernt.
18:53Das heißt die Polizei würde nicht automatisch sehen, was der Verfassungsschutz für Daten hat und umgekehrt.
18:59Aber diese Trennung basiert eben auf rechtlichen Mauern, keinen technischen und kann mit genügend politischem Willen eingerissen werden.
19:07Sollte diese Gesetzmäßigkeit irgendwann geändert werden, zum Beispiel mit dem Aufstieg von rechtsextremen Parteien,
19:13steht der technischen Machbarkeit von Palantir nichts mehr im Weg.
19:25Personenprofile mit solch sensiblen Daten nennt das Good Law Project den Einstieg in dystopisches Predictive Policing.
19:33Denn wozu sonst werden diese Profile angelegt?
19:37Von dem Hintergrund, weshalb Palantir überhaupt gegründet wurde, ist die Annahme, dass es am Ende auf ein System hinausläuft,
19:44das vorhersagt, wer als nächstes eine Straftat begehen könnte, durchaus berechtigt.
19:50Palantir bestreitet das ausdrücklich. Man nutze die Software nicht für solche Vorhersagen.
19:55Aber ironischerweise haben sie in genau sowas bereits Erfahrung.
20:01In New Orleans lief von 2012 bis 2018 heimlich ein Predictive Policing Programm, das Palantir gemeinsam mit der Polizei dort
20:10aufzog.
20:11Die Software sagte voraus, wer wahrscheinlich Täter oder Opfer von Gewalt sein wird.
20:16Enthüllt wurde das Ganze durch The Verge und zwei Wochen später ließ die Stadt den Vertrag mit Palantir auslaufen.
20:23JournalistInnen sind sich heute einig, dass das Projekt in New Orleans nur das Testlabor für das heutige Projekt Nektar in
20:32Großbritannien war.
20:33Denn die Polizei von Bedfordshire, also in Großbritannien, musste ihre Unterlagen zu Palantir aufgrund einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz rausgeben.
20:43Dort steht unter anderem drin, dass Personen automatisch durch die Software von Nektar gekennzeichnet werden sollen, die kurz vor einer
20:52Straftat stehen.
20:53Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber das klingt schon sehr nach einem Vorhersagetool mit Gefährlichkeitswerten.
21:00Und da stellt man sich doch direkt die Frage, wie wird denn dieser Wert überhaupt berechnet?
21:06Also was wird wie stark in der Analyse gewichtet?
21:09Das werden wir wohl leider nie erfahren.
21:11Denn die einzigen Menschen, die das wissen, arbeiten bei Palantir.
21:15Wenn man also als Polizeibehörde nicht nachvollziehen kann, wie diese Zahl zustande gekommen ist, kann man auch schwer überprüfen, ob
21:22das Ergebnis überhaupt am Ende stimmt.
21:25Ob da vielleicht ein Fehler gemacht wurde und ob am Ende immer dieselben Personen markiert werden.
21:30Denn schaut man sich die Logik an, auf der so ein System vermutlich basiert, dann wird die Schwachstelle auch ziemlich
21:39schnell klar.
21:40Damit dieses Tool überhaupt aus all den eingespeisten Daten einen Gefährlichkeitswert berechnen kann, muss es ja erstmal wissen, welche Merkmale
21:50in der Vergangenheit einen Menschen tendenziell gefährlich gemacht haben.
21:54Das System hat also aus historischen Polizeidaten gelernt.
21:58Aber Polizeidaten sind kein neutrales Abbild davon, wer Straftaten begeht.
22:04Sie zeigen vor allem, wo die Polizei im Einsatz war. Kontrolliert die Polizei also über Jahre bestimmte Viertel stärker, entstehen
22:13dort automatisch mehr Einträge.
22:15Die Software lernt also daraus, dass es dort wohl besonders gefährlich sein muss und dort noch mehr Streifen gebraucht werden.
22:22Was wiederum zu noch mehr Einträgen führt.
22:25ForscherInnen nennen das Dirty Data, also schmutzige Daten aus einer ohnehin schon voreingenommenen Polizeiarbeit.
22:33Dass das natürlich auch gegen das Fundament eines Rechtsstaats agiert, sollte klar sein.
22:38Sobald man damit aber auch noch ein KI-System trainiert, welches diese Vorurteile in großem Stil weiterspinnt, tritt man die
22:47Unschuldsvermutung mit Füßen.
22:49Sie besagt, dass jeder Mensch als unschuldig gilt, solange seine Schuld nicht bewiesen ist.
22:54Ein System wie dieses dreht das Prinzip komplett um.
22:58Man muss gar nichts mehr verbrochen haben, um ins Visier zu geraten.
23:02Es reicht, ins falsche Muster zu passen.
23:13Man könnte meinen, dass spätestens jetzt bei den Leuten, die so etwas bauen, die Alarmglocken schrillen müssten.
23:19Bei einem System, das solch offensichtliche Probleme mit sich bringt, da hält man doch mal kurz inne und fragt sich,
23:26ob das noch der richtige Weg ist.
23:28Aber der Mann, der am Palantirs Spitze steht, sieht in all dem kein Problem. Er sieht eine Mission.
23:35Alex Karp ist bis heute der CEO von Palantir und ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was man auf
23:42dem Führungsposten eines Überwachungskonzerns erwarten würde.
23:46Er hat in Frankfurt promoviert und zwar in Sozialtheorie in der Tradition der Frankfurter Schule.
23:53Was ist die Frankfurter Schule, fragt ihr euch? Nun ja.
23:56Die Frankfurter Schule war eine Gruppe von Denkern rund um Theodor Adorno, Max Horkheimer und eine Generation später Jürgen Habermas.
24:06Das waren überwiegend jüdische, marxistisch geprägte Intellektuelle.
24:11Sie trieb nach dem zweiten Weltkrieg vor allem die Frage um, wie eine aufgeklärte Gesellschaft in den Faschismus kippen konnte.
24:19Also eigentlich auch wieder eine sehr aktuelle Fragestellung.
24:22Ihre Antwort darauf ging ungefähr so.
24:25Eigentlich ist eine aufgeklärte Welt etwas Gutes.
24:29Denn so sind Menschen mündig und können durch Vernunft und Wissenschaft freie Entscheidungen treffen.
24:35Aber Vernunft hätte auch eine Schattenseite.
24:38Nämlich dann, wenn alles nur noch rational gesehen wird und auf maximale Effizienz getrimmt ist.
24:46Sie waren der Meinung, wenn nur noch diese Seite einer Gesellschaft zählt, dann kippt die Vernunft vom Befreiungswerkzeug zum Kontrollwerkzeug.
24:55Und das beste Beispiel dafür sind wohl die Nazis.
24:59Sie haben den Massenmord im zweiten Weltkrieg mit eiskalter technischer Effizienz organisiert.
25:06Zum Beispiel mit einem kompletten Umbau des Staatsapparats.
25:09Ausgerechnet die Werkzeuge einer modernen, aufgeklärten Welt, nämlich Technik und Organisation, wurden zum perfekten Werkzeug des Krieges.
25:19Habermas, die Philosophen-Generation danach, war etwas optimistischer.
25:24Er sagte, es gibt noch eine andere Art von Vernunft.
25:28Nämlich, dass Menschen offen miteinander streiten können, sich widersprechen dürfen und viele verschiedene Meinungen nebeneinander zulassen können.
25:36Für ihn lebt Demokratie genau davon und dieses Nebeneinander vieler Meinungen nennt man Pluralismus.
25:44Karp wurde ausgerechnet in der Schule unterrichtet, die davor warnt, dass kühle Effizienzlogik zum Machtinstrument wird und hat dann die
25:53Maschine gebaut, die genau das verkörpert.
25:55Dabei bezeichnet sich Karp selbst als Sozialist und Progressiven, aber nicht woke, natürlich nicht.
26:02Er hat 2016 Hillary Clinton gewählt, macht Tai Chi und lebt ziemlich zurückgezogen in den Bergen von New Hampshire.
26:10Also ein linker Intellektueller, der an einer philosophischen Schule gelernt hat, Herrschaft und Machtmissbrauch kritisch zu unterfragen,
26:18baut das mächtigste Überwachungs- und Kriegswerkzeug der Welt? Wie passt das zusammen?
26:22Naja, um das zu verstehen, begeben wir uns jetzt wieder mal in die abgedrehte Gedankenwelt eines Menschen, der offenbar zu
26:29viel Zeit und zu viel Geld hat.
26:31Alex Karp ist in seiner Welt derjenige, der das Silicon Valley wieder zurück zu altem Glanz führt.
26:38Denn ursprünglich war das Silicon Valley eng mit dem US-Staat und dem Militär verbunden.
26:43Klar, wir haben jetzt erstmal die ganzen Garagen-Gründungs-Stories im Kopf, wenn wir an das moderne Silicon Valley denken.
26:50Aber vor dieser Zeit gab es das auch schon und die ersten Chips wurden vor allem für Atomraketen und die
26:58Mondmission gebaut.
26:59Und der erste Vorläufer des Internets entstand aus einem Projekt des US-Verteidigungsministeriums.
27:09Carbs Meinung nach hat sich die neue Generation des Silicon Valley von diesen harten Dingen abgewandt.
27:17Jetzt würden die besten Köpfe der Welt nur noch Apps bauen, mit denen man Essen bestellt, Werbeanzeigen,
27:24die einen möglichst lange am Bildschirm halten und Social-Media-Plattformen, deren einziges Ziel es ist, die Aufmerksamkeit zu verkaufen.
27:31Die ganze Energie fließe in Konsum, Bequemlichkeit und Profit.
27:36Ich meine, er hat nicht Unrecht.
27:38Aber was er daraus macht ist…
27:40Naja.
27:41Laut ihm würde sich das Silicon Valley davor drücken, dem eigenen Land und dem Westen zu dienen.
27:47Oder ganz konkret formuliert, dem Militär helfen, den Staat zu verteidigen.
27:51Sein Paradebeispiel sind die Google-Proteste 2018.
27:55Damals protestierten Google-Mitarbeitende dagegen, dass ihre Firma für das Pentagon an einem KI-Militärprojekt arbeitet.
28:03Und Google zog sich daraufhin zurück.
28:05Für Carb ist das quasi Hochverrat.
28:08Leute, die sich weigern, ihrem eigenen Staat bei der Verteidigung zu helfen, weil sie sich nicht die Hände schmutzig machen
28:14wollen?
28:15Diese Verantwortung seit Carb hole er jetzt zurück.
28:19Palantir baut das, wovor sich alle anderen drücken.
28:22Die Software fürs Militär, für die Geheimdienste und für den Grenzschutz.
28:29Und in seiner eigenen Erzählung ist er der Einzige, der mutig genug ist, das Unbequeme zu tun, das alle anderen
28:41nicht anfassen wollen.
28:42Der Patriot, der sich die Hände schmutzig macht, damit der Westen überlebt.
28:47Es ist absolut verrückt, wie diese Leute ihr Handeln immer wieder mit ihrem eigenen vermeintlichen Heldentum rechtfertigen.
28:56Peter Thiels Position zu alledem ist auch nochmal ganz spannend.
29:00Denn eigentlich ist er jemand, der nicht so wirklich Fan von Staaten ist.
29:04Wie gesagt, über ihn habe ich schon ein ganzes Video gemacht, deshalb hier nur das Nötigste zur Einordnung.
29:11Peter Thiel ist Mitgründer von Palantir und bis heute Aufsichtsratsvorsitzender der Firma.
29:16Er finanzierte den heutigen US-Vizepräsidenten J.D. Vance massiv und hat die Tech-Elite rund um Trump zusammengescharrt.
29:24Vor allem aber ist er einer der lautesten Gegner der Demokratie der USA.
29:30In einem Essay schrieb er einmal ganz offen, er glaube nicht mehr daran, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar seien.
29:37Für ihn ist Palantir kein Überwachungswerkzeug, sondern ein Werkzeug zum Schutz der Freiheit.
29:44Thiel verkaufte Palantir nach 9-11 ausdrücklich als Tool, das den Terrorismus reduziert und zugleich Bürgerrechte wahrt.
29:54Thiel ist Libertärer und somit auch gegen einen Sozial- und Regulierungsstaat.
30:00Den Sicherheits-, Verteidigungs- und Grenzteil des Staates findet er dagegen gut.
30:07Sein Weltbild lebt stark von Gruppeneinteilung.
30:10Die eine Gruppe kann ruhig überwacht werden, vor der müssen wir uns ja schützen.
30:15Die andere, also auch er selbst, aber bitte nicht.
30:19Da sollen nicht mal Gesetze und Regulierungen gelten.
30:22Diese Gruppe soll bitte schön in Freiheit leben.
30:26Dass eine Gesellschaft so nicht funktionieren kann, ist ihm sicherlich klar, aber wahrscheinlich auch ziemlich egal.
30:33Er gehört zur Elite, er kann sich da einfach rausnehmen.
30:37Man merkt, wie beide Männer gerne mit vermeintlich positiven Schlagwörtern und einer Agenda um sich hauen.
30:44Sie wollen Freiheit, Bürgerrechte und Sozialismus.
30:48KritikerInnen finden, Carbs sogenannte Sozialismus habe mit echtem Sozialismus herzlich wenig zu tun.
30:55Denn der Begriff steht im Kern für wirtschaftliche Gleichheit, für Umverteilung von Macht und für Solidarität mit den Schwächsten.
31:03Wie offen Carb mit seinen Ideen hausieren geht, das wird spätestens im April 2026 klar.
31:09Palantir veröffentlicht auf der Plattform X eine Art Manifest.
31:1422 Thesen, die die Werte und Ziele beschreiben sollen.
31:17Eigentlich ist es aber nur eine Zusammenfassung von Alex Carbs eigenem Buch, The Technological Republic.
31:24Grob kann man die 22 Thesen in drei Blöcke sortieren.
31:28Der erste Block ist Werbung fürs eigene Geschäft.
31:32Da steht zum Beispiel sowas drin wie das Silicon Valley, Schulde dem Staat, Militärtechnologie,
31:38KI-Waffen würden ohnehin gebaut werden, dann lieber von uns als von den Feinden.
31:42Und besonders für uns hier in Deutschland interessant, die Entmilitarisierung von Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein
31:51Fehler gewesen.
31:52Der zweite Block handelt vom Kulturkampf.
31:55Da geht es gegen Cancel Culture, gegen Sufi-Pluralismus und gegen Intoleranz gegenüber Religion.
32:01Und eine ziemlich steile These ist folgende.
32:05Manche Kulturen seien dysfunktional, regressiv und schädlich.
32:10Carb oder Palantir versucht damit, Kulturen eine Rangordnung zu geben, von wertvoll bis schädlich.
32:21Das ist eine Denkweise, die man direkt der rechtspopulistischen und in Teilen faschistischen Ideologie zuordnen kann.
32:30Der belgische Technikphilosoph Marc Köckelberg nennt das ganze Technofaschismus.
32:36Und der Medienwissenschaftler Dave Kaff kommentierte es so.
32:40Es gebe in diesem Manifest nichts, das nicht auch in ein modernes Mussolini-Regime passen würde.
32:45Der dritte Block des Manifests ist schließlich Selbstlob.
32:49Palantir sei eine Rebellion gegen die Tyrannei der Apps, das iPhone als Zeichen kultureller Verweichlichung
32:56und dazu gibt es ausdrückliches Lob für Elon Musk.
32:59Mittlerweile wird das Manifest als eine Loyalitätserklärung an Trump gesehen.
33:04Die Botschaft an die Trump-Regierung lautet, wir hassen dieselben Leute wie ihr.
33:09Wir stehen auf eurer Seite, also gebt uns die Staatsaufträge.
33:13Ihr müsst euch dieses Kapitel bitte mal auf der Zunge zergehen lassen.
33:16Wir haben hier einen Typen, der rassistisches, faschistoides, militaristisches, kulturschauvinistisches
33:23und zutiefst antidemokratisches Gedankengut verbreitet und der gleichzeitig die mächtigste
33:29Überwachungssoftware der Welt kontrolliert.
33:32Tja, was kann da schon schief gehen?
33:42Ich sehe das als eine Kommunalität.
33:44Amerika braucht eine Dominanz auf der battlefield.
33:49Maven, was publicly known about Maven, ist einer dieser Projekte,
33:53die tatsächlich genommen haben, was Amerika am besten in der Welt ist.
33:56Software.
33:56Software.
33:57Und es in den Händen unserer Krieger.
33:59Ich hatte Menschen hier protestieren, hunderte,
34:01die sich in den Händen befinden, um uns Nazis zu stellen,
34:05weil wir den amerikanischen Menschen beteiligt wurden.
34:08Als Google sich 2018 nach massiven internen Protesten gegen das KI-Militärprojekt vom Pentagon
34:15entschieden hat, ging der Auftrag an Palantir.
34:18Daraus entstanden ist Project Maven.
34:21Ein Vorzeigekriegssystem, das Daten aus Satelliten, Drohnen, Radar und abgefangenen Funksprüchen
34:29zusammenzieht und ebenfalls ein Datennetz daraus erstellt.
34:32Eine KI erkennt und sortiert daraus automatisch mögliche Ziele.
34:36Also Fahrzeuge, Gebäude oder auch Menschen.
34:40Palantirs Technikchef beschrieb das Firmen intern als die Kill Chain optimieren.
34:45Also die Kette von der Zielerkennung bis zum Abschluss zu beschleunigen.
34:58Project Maven wird vor allem in der Ukraine eingesetzt.
35:02Nach der russischen Invasion 2022 reiste Karp höchstpersönlich nach Kiew,
35:08traf Präsident Zelensky und bot ihm Palantirs Software an.
35:11Seitdem ist die Ukraine so etwas wie das reale Testlabor für KI-Kriegsführung.
35:17Karp selbst sagt ganz offen, Palantir sei verantwortlich für den Großteil der Zielerfassung in der Ukraine.
35:25Und ich könnte mir vorstellen, dass jetzt viele so etwas wie eine Ambivalenz verspüren.
35:30Im Fall der Ukraine erscheint Karp's Vorschlag wie ein Hilfsangebot.
35:35Ein Land wird überfallen und verteidigt sich und Palantir stellt seine Mittel dabei zur Verfügung.
35:41Das ist die eine Seite der Geschichte, die Palantir nach außen auch immer wieder feierlich darstellt.
35:47Sie wären die Verteidiger angegriffener Demokratien.
36:04Und seit Januar 2024 hat Palantir auch eine strategische Partnerschaft mit dem israelischen Verteidigungsministerium.
36:14Welche Vereinbarungen zwischen Israel und Palantir genau getroffen wurden, ist nicht ganz klar.
36:20Die UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese sieht jedoch viele Anhaltspunkte dafür,
36:26dass Palantirs KI im Gaza-Krieg bei einer unrechtmäßigen Gewaltanwendung eingesetzt wurde.
36:34Auch Amnesty International zählt Palantir zu den Firmen, die von diesem Krieg profitieren.
36:40Und obwohl Palantir einen Teil der Vorwürfe zurückweist, sagt Karp selbst, er sei außerordentlich stolz auf die Arbeit in Gaza.
36:50Für ihn geht es im Grunde nicht darum, die richtige Seite zu unterstützen.
36:54Das sieht man auch daran, dass Palantir auf der einen Seite die Ukraine im Krieg gegen Russland unterstützt,
37:00Karp aber gemeinsame Sache mit der Trump-Regierung macht, die Putin ziemlich offen bewundert.
37:16Egal gegen was Palantir eingesetzt wird, Karp verdient an jedem dieser Konflikte.
37:22Denn jede Spannung und jeder Krieg bedeutet am Ende nur höhere Verteidigungsbudgets seitens der Regierung.
37:29Und ein großer Teil davon fließt zu Firmen wie Palantir.
37:33Karp muss sich also gar nicht für eine Seite entscheiden, weil sein Geschäftsmodell von Aufrüstung als Dauerzustand lebt.
37:41Und je gefährlicher die Welt, desto besser läuft dieses Geschäft.
37:53Über Palantir wird auch in Deutschland diskutiert.
37:57Und schon heute setzen vier Bundesländer Palantir Software bei der Polizei ein.
38:02Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.
38:05Hier läuft sie unter verschiedenen Namen, zum Beispiel VERA oder Hessendata.
38:11VERA steht hier übrigens für verfahrensübergreifende Recherchen und Analyse.
38:15Die vier Bundesländer haben Palantir Software aus verschiedenen Gründen eingeführt,
38:20vor allem zur Bekämpfung von Terror und schwerer Kriminalität.
38:24Der größere politische Hintergrund ist aber die Saarbrücker Agenda.
38:29Diese wurde 2016 beschlossen und besagt, dass Bund und Länder eine gemeinsame, moderne und einheitliche Informationsarchitektur der Polizei haben sollten.
38:40Palantir wird in der Saarbrücker Agenda nicht namentlich erwähnt und wurde auch erst nach 2016 als Lösung für dieses Problem
38:48eingeführt.
38:49Auch hierzulande ist es so, dass die Software nicht nur für Kriminelle eingesetzt wird.
38:54In den Datenbanken stecken zig Millionen Datensätze und ein großer Teil davon sind Personen, die nie einer Straftat verdächtigt wurden.
39:03Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2023 legt der Polizei im Umgang mit Palantir auch Regeln auf.
39:11Zum Beispiel darf sie nicht einfach ins Blaue hinein die Daten von Millionen Menschen durchfügen.
39:16Es braucht einen konkreten Anlass, eine echte Gefahr und einen klar begrenzten Zweck.
39:22Palantir Software ist hier in Deutschland also eine in ihren Befugnissen eingeschränktere Variante als in den USA.
39:29Technisch gesehen ist es aber genau das gleiche.
39:32Schaut man sich an, wofür Palantir in Deutschland tatsächlich genutzt wird, geht es längst nicht immer um eine große Gefahrenlage.
39:39In Bayern wurde die Software in einem Jahr über 100 Mal benutzt, aber nur bei rund einem Drittel ging es
39:47um schwere Straftaten.
39:49Bundesinnenminister Dobrindt will die Entscheidung über den Einsatz von Palantirs Software nicht nur den Bundesländern überlassen, sondern sie bundesweit einsetzen.
39:57Also für die Bundespolizei und das BKA.
40:00Er sagt, die Bundesbehörden würden auf riesigen aber verteilten Datenbeständen sitzen.
40:06Palantir soll diese verschiedenen Datenbestände technisch zusammenführen und automatisiert auswerten, um Terror und organisierte Kriminalität schneller zu erkennen.
40:16Dobrindt ist der Meinung, dass es dafür keine andere Alternative als Palantir gäbe, worüber man durchaus diskutieren kann.
40:23Worüber man nicht diskutieren kann, ist die Behauptung, dass Palantir Software in Deutschland schon mehrere schwere Anschläge verhindert hätte.
40:31Diese Behauptung stimmt so nicht.
40:34Solche verhinderten Anschläge, die nur durch Palantir gestoppt werden konnten, sind in Deutschland öffentlich nicht bekannt.
40:42Und auch, dass ein Ermittlungsfall ohne die Software nicht lösbar gewesen wäre, auch dafür gibt es keinen einzigen Beleg.
40:51In dieser Debatte sind für mich vor allem zwei Argumente sehr ausschlaggebend.
40:56Und beide entkräften Dobrindts Vorhaben massiv.
41:00Zum einen ist Palantirs Software eine Blackbox.
41:03Der Quellcode gehört der Firma und niemand von außen kann vollständig nachvollziehen, was darin eigentlich passiert.
41:10Wir wissen nicht, nach welchen Kriterien dieses System agiert und wir würden auch nicht bemerken, wenn sich die Kriterien ändern.
41:17Die Polizei würde also ein System einsetzen, in das sie selbst keinen Einblick hat.
41:22Und in einem Rechtsstaat gilt eigentlich, was man nicht kontrollieren kann, kann man auch nicht verantworten.
41:27Das zweite Problem ist die Souveränität.
41:30Palantir ist ein US-Konzern und US-Konzerne unterliegen US-Gesetzen.
41:36Über den sogenannten Cloud Act können US-Behörden von amerikanischen Firmen die Herausgabe von Daten verlangen,
41:44auch wenn diese Daten auf deutschen Servern liegen und deutsche BürgerInnen betrifft.
41:49Klar würde das irgendwie mit der DSGVO clashen, aber es lässt sich schwer abschätzen, was dann passieren würde.
41:57Ich bin keine Juristin, deshalb will ich hier keine Unwahrheiten verbreiten.
42:00Ich denke aber, wir können dennoch festhalten, mit einer US-Firma ist unser Datenschutz strukturell nicht garantierbar.
42:08Dobrindt steht mit seiner Forderung nach einem bundesweiten Einsatz von Palantir ziemlich alleine da.
42:14Viele Parteien und Bundesländer äußern sich kritisch darüber.
42:17Trotzdem ist die Sache immer noch nicht vom Tisch.
42:20Dobrindt lässt auch jetzt noch, Stand August 2026, den Einsatz prüfen.
42:26Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt diesen Vorschlag, da die riesigen Datenmengen ohne Technologie nicht mehr ausgewertet werden können.
42:42Wenn wir über Palantir reden, dann kommen wir an einem Wort nicht vorbei.
42:47Massenüberwachung.
42:48Ich habe am Anfang schon gesagt, dass es das zwangsläufig braucht, um das Ziel von Palantir, nämlich die Terror-
42:54und Verbrechensbekämpfung, zu erreichen.
42:56Es braucht dafür ein System, das alle Menschen durchleuchtet, ihre Aktivitäten, egal welcher Art und Beziehungen zueinander, speichert und bewertet.
43:06Das macht Palantir.
43:08In den USA im großen Stil, in Großbritannien auch schon und hier in Deutschland wird das Ganze Gott sei Dank
43:14noch durch einige Gesetze in Schach gehalten.
43:16Trotzdem werden auch hier Dinge beschlossen, die der Massenüberwachung den Weg ebnen.
43:22Im Juli 2026 wurde im Bundestag zum Beispiel die Modernisierung des Bundespolizeigesetzes durchgewunken.
43:29Damit darf zum einen die Bundespolizei nun künftig Menschen biometrisch anhand ihres Gesichts auf Überwachungskameras identifizieren lassen.
43:40Das soll nur in besonderen Gefahrenlagen passieren und bisher auch nur an besonderen Orten wie Bahnhöfen oder Flughäfen.
43:48Zum anderen darf die Bundespolizei mit dem Gesetz einen Verhaltensscanner einsetzen, der aus einem Kamerabild ableitet, was jemand gerade tut
43:57und auffälliges Verhalten melden.
43:59Die Polizei setzt solche Verhaltensscanner bereits in Innenstädten und an Bahnhöfen ein, zum Beispiel in Hamburg oder Mannheim.
44:07Überwacht werden wir dabei alle. Es muss keine besondere Gefahrenlage vorliegen und der Einsatz ist auch nicht an besondere Orte
44:14gebunden, sondern darf bundesweit angewandt werden.
44:18Das Ganze geht aber noch weiter. Es gibt Gesetzesentwürfe von Dobrindt, die noch nicht beschlossen sind, aber der nächste Schritt
44:26sein könnten.
44:27KritikerInnen sprechen dabei von einer digitalen Überwachungsdystopie, denn das nächste große Ding könnte eine KI-gestützte Megadatenbank sein, so ähnlich
44:38wie sie in den USA bereits von Trump beschlossen wurde.
44:41Laut dem Gesetzesentwurf sollen BKA, Bundespolizei und Staatsanwaltschaften große Datenbestände zusammenführen, automatisiert nach Mustern durchsuchen und selbstständig Verdächtige identifizieren.
44:54Offiziell ist dieser Gesetzesentwurf für die Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität.
45:00In den Entwürfen selbst wird Palantir nicht namentlich genannt. Es ist aber davon auszugehen, dass die Plattform für diesen Einsatzzweck
45:08herangezogen wird, denn Palantir hat in den USA ja bereits Erfahrung mit solch einem System.
45:13Und Dobrindt hört da nicht auf. Fast zeitgleich hat er einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der den Geheimdiensten, also dem Verfassungsschutz und
45:21dem BND, deutlich mehr Macht geben soll.
45:25Heimliches Hacken, das Auslesen von Handys und Computern, mehr Datenanalyse mit KI und Wohnungsdurchsuchungen.
45:32All das soll bei gleichzeitig weniger Kontrolle und Transparenz über solche Einsätze passieren.
45:39Eigentlich ist es auch ein Job für die Polizei, aber sollte das Gesetz in Kraft treten, darf das auch der
45:45Geheimdienst.
45:46Mit Palantir hat es erstmal nichts zu tun, aber es geht in genau dieselbe Richtung.
45:52Das Trennungsgebot, das Polizei und Geheimdienste seit der Gestapo-Zeit strikt auseinanderhält, wird Stück für Stück aufgeweicht.
46:00Was passiert, wenn wir alle überwacht werden? Wenn gegen uns alle ein Generalverdacht erhoben wird?
46:06In der Wissenschaft spricht man dann von sogenannten Chilling-Effekts, die eintreten können, also eine Selbstzensur.
46:13Menschen, die wissen, dass sie überwacht werden, verhalten sich anders.
46:17Sie lesen bestimmte Dinge nicht mehr, sagen bestimmte Sachen nicht mehr, gehen nicht mehr auf bestimmte Demos, treten Gruppen nicht
46:23bei.
46:24Überwachung beeinträchtigt direkt die Meinungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit und Demokratieprozesse insgesamt.
46:31Noch ein bisschen weiter gedacht bedeutet eine solche Massenüberwachung in falschen Händen ein dystopisches Endzeitszenario.
46:38Denn stellt euch vor, an die Macht kommt eine Regierung, die bestimmte Menschen zu Feinden erklärt.
46:43Menschen, die falsch aussehen, die die falsche Sexualität oder Geschlecht haben, die das falsche sagen oder das falsche denken.
46:51Menschen, die an den falschen Gott glauben, der falschen Ethnie angehören, in einem falschen Land geboren wurden, die den falschen
46:58Job ausüben oder schlichtweg Menschen mit einer Behinderung oder solche, die nicht so viel verdienen.
47:03Wer entscheidet, was falsch ist?
47:06Mit einem solchen Überwachungssystem kann die Definition von falsch plötzlich eine gänzlich andere sein.
47:12Es ist egal, ob ihr nichts zu verbergen habt, wenn jemand anderes darüber bestimmt, was morgen als verdächtig gilt.
47:19Überwachung lässt sich leicht ausweiten, aber schwer zurücknehmen.
47:32Eigentlich wäre das jetzt der perfekte Abschluss für das Video gewesen, aber ich möchte euch nicht einfach so entlassen.
47:39Denn all das, was ich euch gezeigt habe, verteidigen BefürworterInnen immer wieder mit demselben Satz.
47:44Wir brauchen das, um Terror und schwere Kriminalität zu bekämpfen.
47:49Und ja, niemand will, dass ein Anschlag passiert, den man hätte verhindern können.
47:53Aber ist die Totalüberwachung der Preis, den wir für Sicherheit zahlen müssen?
47:58Oder geht es auch anders?
48:00Dazu müssen wir uns einmal anschauen, ob Palantir überhaupt hält, was es verspricht.
48:05Und überraschenderweise ist die Wirksamkeit von Palantir Software nicht belegt.
48:10Es gibt keine unabhängige Wirksamkeitsevaluation, die ausgewertet hat, ob solche automatisierten Datenanalyseprogramme überhaupt etwas bringen.
48:20Was es gibt, sind Anekdoten von Polizeibehörden.
48:23Das hessische Innenministerium führt zum Beispiel die große Reichsbürger-Razzia an.
48:27Hier hätte die hessische Version von Palantir geholfen, Beziehungsnetzwerke zu erkennen und habe zum Ermittlungserfolg beigetragen.
48:35Das klingt erstmal gut, ist aber eine Selbstauskunft zu einem Einzelfall.
48:39Niemand hat evaluiert, ob der Fall ohne die Software nicht auch gelöst worden wäre.
48:45Was sicherlich stimmt, ist, dass die Software Verbindungen schneller sichtbar macht.
48:49Nur schneller ist nicht dasselbe wie wirksamer.
48:53Dass man Zeit bei der Suche spart, heißt nicht automatisch, dass man mehr Verbrechen verhindert oder aufklärt.
48:59Denn die Suche nach Verdächtigen ist selten der Flaschenhals der Ermittlung.
49:03Meistens hat es am Personal, an der rechtlichen Grundlage oder an überlasteten Gerichten.
49:09Und selbst wenn mehr Fälle durch eine schnellere Suche abgearbeitet werden können, heißt das erstmal nur, dass es mehr Festnahmen
49:17gibt, nicht automatisch weniger Verbrechen.
49:20Diese will Palantir ja auch verhindern können.
49:23Nur wie belegt man, dass man einen Anschlag verhindert hat, der genau deshalb nicht passiert ist?
49:29Nach all der Kritik an Palantir schauen wir uns doch mal an, was es für alternative Datenanalyseprogramme gibt, wie es
49:36so schön heißt.
49:36Hier in Europa ist zum Beispiel Frankreich ganz vorne mit dabei und zwar mit Chapsvision.
49:42Die Firma ist noch relativ jung, wurde erst 2019 gegründet, aber ist mit über 1000 Mitarbeitenden inzwischen ein ernstzunehmender Anbieter.
49:50Der Grund, weshalb die Firma überhaupt ins Leben gerufen wurde, ist digitale Souveränität.
49:55Und da ziehen auch andere EU-Länder mit.
49:58Zum Beispiel hat auch der deutsche Verfassungsschutz für die Datenanalyse Chapsvision statt Palantir gewählt.
50:03Dobrindt hält, obwohl es Chapsvision gibt, weiterhin an seinem Narrativ fest, dass Palantir alternativlos sei.
50:12Generell sagt er erstaunlich wenig zu Chapsvision.
50:14So wenig, dass sogar der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, also der Mann, der unsere Geheimdienste kontrolliert,
50:23sagte, dass nur noch Dobrindt Palantir die Stange hält und seine Beweggründe weitgehend unerklärlich sind.
50:30Mögliche Gründe, die ich aus meiner Recherche ableiten konnte, wären sowas wie Dobrindts eigene Partei und der Bayerische Rahmenvertrag.
50:39Dazu muss man wissen, dass Palantir in Deutschland keinen treueren politischen Fürsprecher als die CSU hat.
50:46Bayern war sehr früh am Start und begeistert dabei, als Palantir seine Software für Deutschland angeboten hat.
50:52Der Bayerische Rahmenvertrag wurde deshalb 2022 zwischen dem Bayerischen Landeskriminalamt und Palantir beschlossen,
51:00damit das Bundesland die Software nutzen kann.
51:03Diesem Vertrag können andere Bundesländer einfach beitreten, ohne einen neuen abschließen zu müssen.
51:09Es wäre für Dobrindt also der bequeme Weg, auch einfach andere Bundesländer in den Vertrag zu holen,
51:16als einen Umstieg auf Alternativen, wo man dann wieder in Verhandlungen gehen und alle Systeme umstellen müsste.
51:23Aber, und das ist der entscheidende Punkt, eine europäische Firma wie Chaps Vision löst nur ein Problem,
51:29nämlich die Abhängigkeit von den USA. Sie löst nicht das Eigentliche.
51:34Denn ob die Software nun Palantir, Chaps Vision oder Deutschlandanalyse 3000 heißt,
51:39es bleibt ein System, das massenhaft Daten von Millionen Menschen zusammenzieht und durchleuchtet.
51:46Ein deutsches Palantir verhindert vielleicht, dass die Daten in die USA abfließen, aber nicht die Massenüberwachung an sich.
51:53Die viel wichtigere Frage ist deshalb, wollen wir diese Art der automatisierten Datenanalyse überhaupt?
51:58Und wenn nicht, wie könnte eine wirkliche Alternative aussehen?
52:02Mein Hot-Tag ist, dass Sicherheit aus vielen verschiedenen Maßnahmen entsteht und nicht mit nur einem Wundermittel erreicht werden kann.
52:11Denn die meisten Anschläge scheitern gar nicht daran, dass zu wenig Daten vorhanden waren.
52:15Nach dem 11. September hat die offizielle US-Untersuchungskommission genau das festgestellt.
52:21Das Problem war kein Mangel an Informationen, sondern dass die Behörden nicht ins Handeln gekommen sind.
52:27In Frankreich waren bei einer Auswertung von 22 Anschlägen 97% der TäterInnen den Behörden vorher bekannt.
52:35Es mangelte also nicht an einer Verknüpfung der Informationen, sondern es wurde zu wenig gemacht.
52:41Und beim Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz 2016 kannte man den Attentäter nicht nur.
52:46Annes Amri war längst als Gefährder eingestuft und wurde observiert.
52:51Trotzdem wurde wegen unklarer Zuständigkeiten, Personalmangels und Fehleinschätzungen zu wenig getan, um den Anschlag zu verhindern.
53:00Meiner Meinung nach könnte eine wirkliche Alternative eine Mischung aus Prävention, Vertrauen und Deradikalisierung sein.
53:08In der Kriminologie ist gut belegt, dass gezielte Polizeiarbeit funktioniert, statt pauschal alle zu überwachen.
53:16Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auch Vertrauen.
53:19Menschen helfen der Polizei, wenn sie ihr vertrauen.
53:23Und die Forschung zeigt sehr deutlich, je fairer eine Polizei auftritt, desto mehr kooperieren die Leute.
53:31Massenüberwachung macht genau das Gegenteil.
53:34Wer sich pauschal beobachtet und verdächtig fühlt, wendet sich ab.
53:38Überwachung kann Sicherheit also nicht nur schützen, sondern auch untergraben.
53:42Ich will mit all dem nicht dafür plädieren, dass wir Technologie gänzlich aus der Polizeiarbeit und Terrorbekämpfung raushalten.
53:50Gerade bei den heutigen Datenmengen braucht die Polizei technische Hilfe.
53:54Aber es ist immer eine Frage der Umsetzung und Palantir oder Chaps Vision können nicht die Antwort sein.
54:02In der Videobeschreibung habe ich euch konkrete Anlaufstellen verlinkt, wo ihr euch explizit gegen den Einsatz von Palantir in Deutschland
54:08aussprechen könnt.
54:09Teilt dieses Video gerne. Ich freue mich auch über ein Abo und ein Like.
54:13Und dann sehen wir uns hoffentlich im nächsten Video wieder.
54:15Ihränder blaę.
54:15Anlaufstellen.
54:16Anlaufstellen.