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Transkript
00:00Es kann nicht sein, dass dieser Staat noch immer im Herzen einen Antisemiten auf diese Art und Weise ehrt.
00:05Dass man nicht ihrer Meinung folgt, notwendigerweise, heißt ja nicht, dass man Jüdinnen und Juden nicht achtet, das ist völliger
00:14Quatsch.
00:14Karl Uega gilt als Vorbild Hitlers und als Wegbereiter des politischen Antisemitismus.
00:19Seine Statue in Wien wurde nun um 3,5 Grad nach rechts gekippt, als künstlerische Kontextualisierung des ehemaligen Bürgermeisters.
00:25Die jüdische österreichische Hochschülerinnenschaft protestiert dagegen und fordert weiterhin die Entfernung der Statue.
00:31Der Lueger wird irgendwann wegkommen, das werden wir schaffen, wenn nicht jetzt, dann in zwei Jahren, dann in zehn Jahren,
00:35dann in 20 Jahren.
00:36Für mich war nie eine Option, dass das Ganze wegkommt, weil ich möchte eigentlich durch Kunst Dinge in Bewegung bringen
00:43und in Bewegung lassen.
00:44Wie ich innerhalb des Bauzauns davor war, hatte ich das Gefühl, ich muss mich ein bisschen auf meine Beine konzentrieren,
00:53es gerät was ins Wanken und der Gleichgewichtssinn ist etwas irritiert.
00:57Irgendein Otto-Normal-Österreicher, der hier vorbeigeht, würde niemals auf die Idee kommen, dass diese wirklich kaum mehr sichtliche Schiefstellung
01:04irgendetwas mit Antisemitismuskritik zu tun hat.
01:07Wenn das angenommen 20 Prozent wäre oder so, das wäre etwas Karikaturhaftes, etwas Comikhaftes.
01:13Ich sage mal, bist du sicher, ist das jetzt schief oder nicht? Diese Unsicherheit, um die geht es eben. Ich
01:20halte das für eine Qualität der Arbeit.
01:22Wir haben auch vereinzelt am Bauzaun rechte Zeichen gesehen. Wir werden ihn nicht wegnehmen, wir werden ihn kontextualisieren, um hier
01:29vor Ort zu diskutieren.
01:31Was hat denn dieser Mann getan? Das ist bei weitem noch nicht aufgearbeitet.
01:34In einer demokratischen Gesellschaft, wenn wir so viel Energie investieren, auch in die Vermittlung, wer der Loega jetzt war und
01:41warum er schlimm war,
01:43dann geben wir trotzdem sehr viel Raum einer Figur, die wir eigentlich ablehnen.
01:47Wenn wir so viel Geld investieren, würde ich mich sehr freuen, wenn wir das tatsächlich in Humanismusbildung, in Menschenrechtsbildung in
01:54dieser Stadt machen.
01:55Ein besseres Vermittlungsangebot wäre, diese Statue wegzuräumen und halbjährlich hier Interventionen gegen Antisemitismus zuzulassen und zu finanzieren.
02:03Ich denke, es wäre eine gute Möglichkeit, ihn einfach vom Sockel zu holen und den Sockel stehen zu lassen und
02:09kontextualisieren.
02:10Das ist eigentlich immer das Mittel der autoritären Systeme gewesen.
02:15Wenn ein neues System kommt, tun wir das alte wegräumen und tun es zur Seite stellen.
02:19Schauen Sie sich das in Russland an. Schauen Sie sich die Lenin-Skulpturen und ich weiß nicht was alles an.
02:24Und das sollte eigentlich hier für mich ein europäischer Weg sein, des Differenzierens, des Darüberredens und der Sache ins Auge
02:32blicken, was unsere Geschichte denn ausmacht.
02:34Aleda Aßmann, eine fantastische Größe und Expertin der Erinnerungskultur, hat etwas sehr Kluges gesagt. Über Leerstand lässt sich nicht sprechen.
02:43Ich muss ehrlich sagen, mich ärgert dieses Narrativ, weil niemand von uns verlangt hier, dass eine Leerstelle passiert.
02:48Der Kano-Egering wurde auch umbenannt und es hat funktioniert. Diese Statue gehört in ein Museum und dann kann man
02:54trotzdem noch immer oder weiterhin darüber reden.
02:55Wir sagen immer und immer wieder, es ist wichtig hier ein Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus zu machen.
03:01Und diese 3,5 Schiefstellung ist das nun wirklich nicht.
03:04Dann wird gepfiffen. Das müssen wir aushalten. Aber schlimmer war es auszuhalten. Die rechten, alten Menschen, die wütend waren, wenn
03:14wir am Land Kameradschaftsbund-Denkmäler zur Seite gestellt haben.
03:18Pfeifen ist doch gut. Ich kämpfe gegen Antisemitismus mit der Kunst und mir ist es wohl nicht gewidmet, glaube ich.
03:25Wir haben trotzdem für 750.000 Euro einen Antisemiten gewaschen und poliert und wieder aufgestellt. Also ich finde, das sagt
03:32alles aus.
03:32Die Statue war vor der Reinigung deutlich besser kontextualisiert, als sie jetzt ist.
03:36Und vor allem ärgert mich aber, und das ärgert mich und sehr gut uns alle, aber allermeisten, dass die Stimmen
03:41von Shoah-Überlebenden und von der jüdischen Gemeinde einfach ignoriert wird.
03:45Und es wird immer so getan, als hätte man einen Dialogversuch. Aber die Position der jüdischen Gemeinde, der Betroffenen in
03:50diesem Diskurs ist klar. Die Entfernung dieses Schandmals.
03:53Dem muss ich widersprechen. Wir haben sie immer eingeladen, auch heute. Wir haben immer eine offene Hand und eine offene
03:59Gesprächskultur.
04:00Außerdem haben sich ganz viele gemeldet gehabt, auch aus der IKG und jüdische Bewohner dieser Stadt, die selbstverständlich diesen Prozess
04:08unterstützt haben.
04:09Die gesagt haben, eine radikale Geste fänden sie nicht richtig.
04:12Natürlich versuchen sie sich damit dann reinzuwaschen, dass sie eh einen Juden irgendwo drinnen hatten.
04:17Und das ist so dieses Some of my best friends are Jews. Und ich kenne auch viele Juden.
04:21Was aber trotzdem zeigt und nicht das weggibt, dass sie die jüdische Gemeinde, das offizielle Statement der jüdischen Gemeinde und
04:31der jüdischen österreichischen Hochschule ihnen ignorieren.
04:33Im Kern der Sache sind die Ansichten ja gar nicht so unterschiedlich.
04:37Ich hätte mich gefreut, wenn mehr Zustimmung gerade aus jüdischen Hochschuleinenschaft kommt.
04:42Aber ich sehe ein, dass das sozusagen da einen Unterschied gibt.
04:47Ja, ich muss damit leben und ich kann damit leben.
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