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Die Liebesgeschichte von Emma und Johannes nimmt ihren Anfang in den harten Jahren der Weltwirtschaftskrise. Ihrem unter der Arbeitslosigkeit schrecklich leidenden Mann versucht Emma immer wieder etwas Mut zu machen. Die Krise jedoch verstärkt sich weiter und die soziale Demontage erfasst Millionen.
Die Liebesgeschichte von Emma und Johannes nimmt ihren Anfang in den harten Jahren der Weltwirtschaftskrise. Ihrem unter der Arbeitslosigkeit schrecklich leidenden Mann versucht Emma immer wieder etwas Mut zu machen. Die Krise jedoch verstärkt sich weiter und die soziale Demontage erfasst Millionen.
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KurzfilmeTranskript
00:00:08Musik
00:00:40Es waren einmal ein junges Mädchen und ein junger Mann.
00:00:48Sie trafen sich ganz zufällig und liebten einander.
00:00:57Und es erschien ihnen wie ein Märchen.
00:01:01Aber es wurde keins.
00:01:05Denn das war die Zeit.
00:01:10Musik
00:01:23Juli 1930
00:01:25In Berlin sind 400.000 Arbeitslose registriert.
00:01:29Drei Millionen in ganz Deutschland.
00:01:31Ein dunkles Gefühl der Unsicherheit lastet auf dem Volk.
00:01:35Weltwirtschaftskrise.
00:01:37Die Politik der herrschenden Parteien steckt in der Sackgasse.
00:01:41Der Reichspräsident missbraucht die Verfassung und löst den Reichstag auf.
00:01:44Notstandsrecht.
00:01:46Und der Kanzler regiert mit Notverordnungen.
00:01:49Lohnabbau, Zwangsschlichtung, neue Steuern, höhere Steuern, höhere Mieten, Notopfer, verschärfte polizeiliche Maßnahmen.
00:01:58Hinter verschlossenen Türen werden Komplotte geschmiedet.
00:02:00Die Herren der Hochfinanz planen neuen Verrat an der Nation.
00:02:05Faschismus droht.
00:02:08Durch die Straßen flammt Protest.
00:02:10Schluss mit Existenzangst und sozialer Demontage.
00:02:13Sicherheit für alle.
00:02:14Im Mansfelder Revier streiken die Bergarbeiter gegen die Herabsetzung der Tariflöhne.
00:02:2050.000 Metallarbeiter des Ruhrgebietes beweisen Solidarität.
00:02:24Für Millionen einfacher Menschen erhebt sich drohend die bange Frage, was wird morgen?
00:02:57200 Kilometer nördlich von Berlin bratert ein Personenzug durch das besonnte Land.
00:03:03Der Himmel ist hier klar und weit.
00:03:06Ein frischer Wind weht von der Nahen Ostsee her.
00:03:09Aber der junge Mann hat keinen Blick für Land und Meer und Wind.
00:03:13Und er denkt an seine Liebste.
00:03:18Ja, seit jenem Tag am Meer fährt er zwei-, dreimal die Woche hin und her.
00:03:26Denn er wohnt in Duchero und sie im nahen Platz.
00:03:32Heute ist Freitag, der 18. Juli 1930.
00:03:36Und für die beiden ist es ein bedeutsamer, ein ganz besonderer Tag.
00:03:41Deshalb achtet auch unser junger Mann sehr ungeduldig auf sein Lämpchen.
00:03:47Das Mädchen, das eigentlich Emma Mörschel heißt.
00:03:54Entschuldige, Junge.
00:03:56Das ging nicht eher.
00:04:00Böse?
00:04:01Oh, keine Spur.
00:04:03Wir werden bloß endlos lange warten müssen.
00:04:05Es sind mindestens 30 Leute reingegangen.
00:04:06Die müssen ja nicht alle zum Doktor wollen.
00:04:08Und außerdem sind wir ja privat angemeldet.
00:04:11Siehst du nun ein, dass es richtig war, dass wir uns angemeldet haben?
00:04:13Es war richtig und du hast immer recht, Junge.
00:04:19Sie haben mir geschrieben, Herr Pinneberg.
00:04:21Sie können auch kleine Kinder brauchen, weil das Geld nicht reicht.
00:04:25Machen Sie sich immer schon ein bisschen frei.
00:04:28Und nun möchten Sie einen ganz sicheren Schutz wissen.
00:04:31Tja.
00:04:32Einen ganz sicheren, nicht wahr?
00:04:34Ja, ich habe in Ihrem Buch gelesen.
00:04:36Schon gut.
00:04:36Die Bluse hätten wir nun dazu nicht ausziehen brauchen, kleine junge Frau.
00:04:40Jetzt lassen Sie sie schon liegen.
00:04:42Kommen Sie.
00:04:46Einen Augenblick, Herr Pinneberg.
00:04:49So.
00:04:50Jetzt.
00:04:52Jetzt setzen Sie sich mal.
00:04:54Hier.
00:04:55Ja.
00:04:57Jetzt so.
00:04:59Oh.
00:05:05Oh, nice.
00:05:13Bitte schön.
00:05:16Ein bisschen zu spät, Herr Pinneberg, mit der Verhütung.
00:05:18Die Tür ist zu.
00:05:20Ich denke, Anfang des zweiten Monats.
00:05:25Aber,
00:05:27aber, Herr Doktor, das ist doch nicht möglich.
00:05:28Wir haben doch immer so aufgepasst.
00:05:32Dann sag doch selbst, Lämmchen.
00:05:38Es ist so.
00:05:39Irrtum ausgeschlossen.
00:05:40Und glauben Sie mir, Herr Pinneberg, ein Kind ist für jede Ehe gut.
00:05:43Herr Doktor,
00:05:45ich verdiene im Monat 180 Mark.
00:05:48Ich bitte Sie, Herr Doktor.
00:05:49Nein, nein, bitten Sie mich erst gar nicht darum, kommt überhaupt nicht in Frage.
00:05:52Sie sind beide gesund und Ihr Einkommen ist gar nicht schlecht.
00:05:56Gar nicht
00:05:58schlecht.
00:05:59Herr Doktor, 180 Mark.
00:06:01Lass ihn.
00:06:02Lass.
00:06:05Das wird schon gehen.
00:06:07Ja, aber,
00:06:09aber das ist doch ganz unmöglich.
00:06:13Herr Doktor, Sie werden verlangt.
00:06:16Sie sehen.
00:06:17Passen Sie auf, Sie freuen sich noch.
00:06:19Und wenn das Kind da ist, kommen Sie sofort zu mir.
00:06:22Dann machen wir das mit der Verhütung.
00:06:23Also dann, Mut, junge Frau.
00:06:27Herr Doktor, ich möchte gleich.
00:06:31Ach ja.
00:06:32Na, sagen wir 15 Mark, Schwester.
00:06:3815?
00:06:41Lämmchen.
00:06:44Aber ich bekomme das von der Krankenkasse wieder, nicht wahr?
00:06:47Schwangerschaftsdiagnose, ja?
00:06:48Nein, das ersetzen die Kassen nicht.
00:07:14Nein, das wird schon gehen.
00:07:18Gar kein schlechtes Einkommen und nimmt mir 15 Mark ab.
00:07:20Der Halsabschneider.
00:07:22Ich schaff's schon.
00:07:23Ich schaff's schon.
00:07:24Ach du.
00:07:28Jetzt verstehe ich manches.
00:07:29Wieso?
00:07:30Ach nichts.
00:07:32Nur, dass mir morgens immer so schlecht wird und so.
00:07:33Na, wir denken gleich an sowas.
00:07:35Du, vielleicht hat er sich geirrt.
00:07:36Nein, das glaube ich nicht.
00:07:37Das stimmt schon.
00:07:38Na, möglich ist es doch, dass er sich geirrt hat.
00:07:40Nein, ich glaube, dass er recht hat.
00:07:40Bitte hör doch mal zu, was ich sage.
00:07:42Möglich ist es doch.
00:07:43Möglich, möglich.
00:07:45Möglich ist alles.
00:07:46Na, siehste.
00:07:47Vielleicht ist morgen schon wieder alles in Ordnung.
00:07:49Ist ja möglich.
00:07:51Dann schreibe ich dem aber einen Brief.
00:07:54Wohin gehen wir eigentlich?
00:07:56Ich muss nach Hause.
00:07:56Ich habe Mutter nicht gesagt, dass ich wegbleibe.
00:07:59Auch das noch.
00:08:00Schimpf mich, Junge.
00:08:01Ich will sehen, dass ich in einer Stunde noch mal runterkommen kann.
00:08:04Wann fährt dein Zug?
00:08:06Ein Leben ist das.
00:08:07Nimm's nicht so schwer.
00:08:08Ich schaff's schon.
00:08:09Na ja, ich weiß, Lämmchen.
00:08:10Du bist Trumpfass und stichst alles.
00:08:12Also in einer Stunde bestimmt.
00:08:14Und keinen Kuss jetzt?
00:08:15Das geht nicht.
00:08:16Das wird doch gleich weiter getratscht.
00:08:18Tapfer, ja?
00:08:19Also gut, Lämmchen.
00:08:20Nimm du's auch nicht zu schwer.
00:08:22Tschüss, dir wei.
00:08:23Tschüss.
00:08:38Lämmchen!
00:08:40Lämmchen!
00:08:41Ja?
00:08:42Einen Augenblick.
00:08:49Emma Mörschel?
00:08:51Wie wär's, wenn wir uns heiraten würden?
00:08:59Oh Gott, Junge.
00:09:01Wenn du das tätest.
00:09:04Na klar, geht in Ordnung.
00:09:05Machen wir.
00:09:06Und am besten bald, was?
00:09:08Du brauchst es aber nicht.
00:09:10Ich komm schon allein zurecht.
00:09:11Obwohl, es ist schon besser,
00:09:13wenn der Mörkel einen Vater hat.
00:09:14Der Mörkel?
00:09:16Ach ja, richtig, der Mörkel.
00:09:18Nun steh doch auf, Lämmchen.
00:09:19Die Treppe ist sicher ganz dreckig.
00:09:20Dein guter weißer Rock.
00:09:21Lass doch den blöden Rock.
00:09:23Lass ihn sausen.
00:09:23Was kümmern uns alle Röcke der Welt?
00:09:25Och, Hannes, bin ich glücklich.
00:09:27Du, da könnten wir doch eigentlich oben,
00:09:29ich meine bei deinen Eltern,
00:09:31als Brautpaar.
00:09:32Gleich willst du mit?
00:09:33Die wissen doch noch gar nichts von dir.
00:09:35Ach, was doch sein muss,
00:09:36tut man am besten gleich.
00:09:36Komm.
00:09:45Lauf mal schnell in den Keller,
00:09:46Emma, holt Presskohl.
00:09:47Ich kann das dem Karl hundertmal sagen.
00:09:49Mutter,
00:09:51das ist mein Freund Johannes.
00:09:54Finneberg aus Duchero,
00:09:55wir wollen uns heiraten.
00:09:57Du dumm Tüchst,
00:09:58schläppst mir jetzt deine Kerle ins Haus.
00:10:00Geh und hol Kohl,
00:10:01ich hab keine Glut.
00:10:01Er will mich wirklich heiraten.
00:10:03Hol Kohl, sag ich dir.
00:10:04Mutter!
00:10:04Bist du noch nicht unten?
00:10:05Bist du ein Wachs?
00:10:14Ich bin gleich wieder da.
00:10:22Entschuldigen Sie bitte.
00:10:24Wenn Sie mir mein Mädchen in Schande bringen.
00:10:26Ich will Emma hier heiraten, Frau Mörscher.
00:10:27Sie denken wohl,
00:10:28ich weiß nicht, was ist.
00:10:29Seit zwei Wochen stehe ich hier und warte.
00:10:31Ich denke, sie sagt mir was.
00:10:32Ich denke, sie bringt mir den Kerl bald an.
00:10:33Ich sitze hier und warte.
00:10:35Das ist ein gutes Mädchen, sie.
00:10:37Mann, sie.
00:10:38Meine Emma,
00:10:39das ist kein Dreck für sie.
00:10:40Die ist immer fröhlich gewesen.
00:10:41Die hat mir nie ein böses Wort gegeben.
00:10:44Wollen Sie sie in Schande bringen?
00:10:45Nein, nein.
00:10:46Doch, doch.
00:10:47Wie haben Sie das fertiggebracht, sie?
00:10:49Wir sind junge Leute.
00:10:50Ach, sie.
00:10:51Dass Sie mein Mädchen dazu gekriegt haben.
00:10:54Schweinenseitige Männer.
00:10:54Alles Schweinen.
00:10:55Wir heiraten,
00:10:56sobald es mit den Papieren geht.
00:10:57Wo sind Sie denn?
00:10:58Können Sie ihn überhaupt heiraten?
00:11:00Ich bin Buchhalter
00:11:00in einem Getreidegeschäft.
00:11:01Also Angestellter.
00:11:02Ja.
00:11:04Arbeiter wäre mir lieber.
00:11:05Was verdienen Sie denn?
00:11:07180 Mark.
00:11:07Mit Abzügen?
00:11:09Nein, die gehen noch ab.
00:11:10Ach, das ist gut.
00:11:12Das ist nicht zu viel.
00:11:13Mein Mädchen soll einfach bleiben.
00:11:15Aber denken Sie nicht,
00:11:16dass Sie was mitgekommen.
00:11:17Wir sind Proletarier.
00:11:18Bei uns gibt es das nicht.
00:11:19Nur das bisschen Wäsche,
00:11:20das Sie sich selbst gekauft haben.
00:11:21Das ist alles nicht nötig.
00:11:22Sie haben doch auch nichts.
00:11:23Sie sehen auch nicht nach Sparen aus.
00:11:25Wenn man mit solchem Anzug rumlaufen,
00:11:27bleibt nichts übrig.
00:11:28Hat sie dich aufgefressen,
00:11:30armer Junge?
00:11:32Mutter ist ein Literatierkessel.
00:11:34Kocht immer gleich über.
00:11:35Du sei nicht frech, Jens.
00:11:36Sonst kriegst du doch noch einen Bax.
00:11:41Ja, lauft in die Schlafstube,
00:11:43schlägt euch ab.
00:11:44Ich will zuerst allein mit Vater reden.
00:11:53Weißt du,
00:11:55Mutter ist eine einfache Arbeiterin.
00:11:56Die ist so da.
00:11:57Sie denkt sich nichts dabei.
00:11:58Aber sie denkt sich schon was dabei.
00:12:00Deine Mutter warst du Bescheid?
00:12:02Na, was uns der Doktor heute gesagt hat.
00:12:03Ach, natürlich weiß ich das.
00:12:05Mutter weiß immer alles.
00:12:09Ich glaube, du hast dir gut gefallen.
00:12:11Na, hör mal, so sah es aber nicht aus.
00:12:12Mutter ist so.
00:12:13Mutter muss schimpfen.
00:12:15Ich höre es schon gar nicht mehr.
00:12:15Geh dort rein und da raus.
00:12:16Aber sie ist richtig.
00:12:21Junge,
00:12:23ich muss dich was fragen.
00:12:25Ja?
00:12:27Aber nicht böse sein.
00:12:28Nein.
00:12:31Hast du was gespart?
00:12:33Ein bisschen.
00:12:34Und du?
00:12:35Ich auch ein bisschen.
00:12:37Aber nur ein ganz, ganz klein bisschen.
00:12:39Sag du.
00:12:39Nee, sag du zuerst.
00:12:41Ich, äh...
00:12:42Sag schon.
00:12:43Ach, das ist wirklich nur ganz wenig.
00:12:45Vielleicht noch weniger als du.
00:12:46Sicher nicht.
00:12:48Doch, sicher.
00:12:50Also,
00:12:51ist es mehr als...
00:12:53Als was?
00:12:56Iwo.
00:12:57Soll ich mich schildern?
00:12:59130 Mark habe ich auf der Kasse.
00:13:06470.
00:13:08Oh nein.
00:13:10Wohin du das hin?
00:13:12Das sind glatt 600 Mark.
00:13:14Das ist ein Haufen Geld, nicht?
00:13:16Viel finde ich es ja nicht.
00:13:20Aber...
00:13:22Es dauert lange,
00:13:23bis man so viel zusammengespart hat.
00:13:2670 Mark musste ich abgeben
00:13:27für Kost und Wohnung
00:13:28von meinen 120.
00:13:33Also, komm.
00:13:35Lass uns erst mal rechnen.
00:13:40180 Mark Gehalt.
00:13:42Als Verheirateter kriegst du mehr.
00:13:44Ja, weißt du...
00:13:45Ich weiß nicht recht.
00:13:48Nach dem Tarifvertrag vielleicht,
00:13:49aber mein Chef ist da ein bisschen komisch.
00:13:51Da wollte ich mich doch gar nicht drum kümmern,
00:13:52ob der Chef komisch ist oder nicht.
00:13:54Tarifvertrag ist Tarifvertrag.
00:13:55Lämmchen.
00:13:56Lass uns erst mal 180 rechnen.
00:14:01Wie schön.
00:14:02Erst mal die Abzüge.
00:14:03Ja, an den kann man ja nichts ändern.
00:14:05Also,
00:14:06Steuern 6 Mark,
00:14:09Arbeitslosenversicherung 2 Mark 70,
00:14:11Angestelltenversicherung 4 Mark
00:14:13und Krankenkassenversicherung 5 Mark 40
00:14:15und die Gewerkschaft 4,50.
00:14:18Das macht zusammen 22 Mark 60.
00:14:23Dann bleiben noch 157 Mark 40.
00:14:27Ja.
00:14:28Was macht denn die Miete?
00:14:29Ja, ich weiß doch nicht.
00:14:31Zimmer und Küche möbliert.
00:14:33Sicher 40.
00:14:35Dann sagen wir 45.
00:14:37Dann bleiben noch 112 Mark 40.
00:14:42Was brauchen wir fürs Essen?
00:14:44Na, sag du mal.
00:14:46Ich weiß nicht.
00:14:47Mutter sagt,
00:14:481,50 Mark braucht sie für jeden am Tag.
00:14:51Das sind 90 Mark im Monat.
00:14:54Dann bleiben noch 22 Mark 40.
00:14:57Ja.
00:14:57Und dann haben wir nichts für Feuerung,
00:14:59nichts für Gas,
00:14:59nichts für Licht,
00:15:00nichts für Wäsche,
00:15:01nichts für Kleidung,
00:15:02nichts für Schuhe,
00:15:02und Geschirr muss man sich auch mal kaufen.
00:15:04Komm, wir rechnen noch mal.
00:15:06An den Abzügen kann man nichts ändern.
00:15:08Tja,
00:15:09Zimmer und Küche kriegen wir auch nicht billiger.
00:15:11Vielleicht 5 Mark billiger.
00:15:12Man möchte sie auch in der Zeitung halten.
00:15:15Können wir nur am Essen sparen.
00:15:17Nun gut,
00:15:17sagen wir 10 Mark vielleicht ab.
00:15:19Da kommen wir immer noch nicht aus.
00:15:21Wir machen das bloß die anderen.
00:15:25Furchtbar viele haben noch eine ganze Ecke weniger.
00:15:27Ich verstehe das nicht.
00:15:30Ich auch nicht.
00:15:35Ach, lass.
00:15:37Du,
00:15:38das wird schon gehen.
00:15:41Du,
00:15:42ich gebe dir auch kein Haushaltsgeld.
00:15:43Zu Anfang des Monats tun wir alles Geld in einen Topf
00:15:45und dann nimmt sich jeder, was er braucht.
00:15:47Ja, ich habe einen hübschen Topf dafür,
00:15:48blaues Steingut.
00:15:49Ich zeige ihn dir nachher.
00:15:54Oh Gott, Junge.
00:15:55Den Morgel haben wir ganz vergessen.
00:15:56Der kostet doch auch Geld.
00:15:58Emma, Pfarrwester!
00:15:59Gleich!
00:16:04Guten Tag.
00:16:05Herr Vater.
00:16:07Setzen Sie sich hin.
00:16:16Sie sind also der Jüngling,
00:16:17der meine Tochter heiraten will.
00:16:19Sehr erfreut.
00:16:21Übrigens werden Sie sich's noch überlegen.
00:16:23Was?
00:16:25Wo nur der Karl bleibt.
00:16:27Die ganzen Puffer werden zäh.
00:16:29Überstunden.
00:16:31Sie machen doch auch manchmal Überstunden, nicht wahr?
00:16:33Ja, ziemlich oft.
00:16:34Aber ohne Bezahlung.
00:16:35Leider.
00:16:36Mein Chef sagt...
00:16:37Sehen Sie, darum lehren wir ein Arbeiter für meine Tochter lieber.
00:16:40Wenn mein Kerl Überstunden macht, kriegt er sie bezahlt.
00:16:43Herr Kleinhold sagt immer...
00:16:44Was der Arbeitgeber sagen, das wissen wir lange, das interessiert nicht.
00:16:47Was sie tun, das interessiert uns.
00:16:49Bei euch gibt's doch auch einen Tarifvertrag, nicht?
00:16:52Ja, ich glaube...
00:16:53Glaube ist Religionssache.
00:16:55Damit hat ein Arbeiter nichts zu tun.
00:16:57Aber es gibt ja den Vertrag.
00:16:58Und da steht drin, dass Überstunden bezahlt werden müssen.
00:17:01Warum krieg ich einen Schwiegersohn, Mutter, dem sie nicht bezahlt werden?
00:17:05Weil ihr nicht organisiert seid, ihr Angestellten.
00:17:09Weil's bei euch keinen Zusammenhalt gibt.
00:17:11Keine Solidarität.
00:17:13Darum machen sie mit euch, was sie wollen.
00:17:15Ich bin organisiert.
00:17:16Ich bin in der Gewerkschaft.
00:17:18Mutter Emma!
00:17:19Unser junger Mann ist in der Gewerkschaft.
00:17:21Wer hätte das gedacht?
00:17:21So ein Schniegel in der Gewerkschaft.
00:17:23Und wie nennt sich eure Gewerkschaft?
00:17:25Na, immer raus damit, ich lausche.
00:17:27Deutsche Angestellten-Gewerkschaft.
00:17:28Ich wär verreckt, der Dack.
00:17:31Mutter Emma, haltet mich fest.
00:17:32Unser junger Mann ist ein Dackel.
00:17:34Und das nennt eine Gewerkschaft.
00:17:35Ein gelber Verband.
00:17:37Zwischen zwei Stühlen.
00:17:39Kinder Gottes, so ein Witz.
00:17:40Erlauben Sie mal, wir sind kein gelber Verband.
00:17:42Wir werden nicht von den Arbeitgebern finanziert.
00:17:44Wir zahlen unseren Bundesbeitrag selber.
00:17:47Für die Bonzen.
00:17:48Für die gelben Bonzen.
00:17:50Na, Emma, da hat er dir ja ein Riechtchen ausgesucht.
00:17:53Ein Dackmann.
00:17:54Ein Riechtchen Dackel.
00:17:56Angestellter.
00:17:57Wenn ich sowas schon höre.
00:17:58Ihr denkt, ihr seid was besseres, als wir Arbeiter.
00:18:01Denke ich nicht.
00:18:02Denken Sie doch.
00:18:04Und warum denken Sie das?
00:18:05Weil Sie ihr Arbeitgebern nicht eine Woche Lohnstunde, sondern einen ganzen Monat.
00:18:08Weil Sie unbezahlte Überstunden machen.
00:18:10Weil Sie sich unter Tarif bezahlen lassen.
00:18:12Weil Sie nie einen Streikmacher machen.
00:18:13Weil Sie immer so Streikbrecher sind.
00:18:15Jawohl.
00:18:16Ja, aber es geht doch nicht nur ums Geld.
00:18:18Wir denken auch anders als die meisten Arbeiter.
00:18:20Wir haben doch andere Bedürfnisse.
00:18:22Anders denken, anders denken.
00:18:23Mann, im Grunde genommen denken Sie doch genauso, wie ein Vorleht.
00:18:26Nee, das glaube ich nicht.
00:18:27Ich zum Beispiel.
00:18:28Sie zum Beispiel, ja.
00:18:29Sie zum Beispiel, Sie haben sich doch schon Vorschuss genommen, nicht?
00:18:32Wieso Vorschuss?
00:18:33Na ja, Vorschuss, Vorschuss.
00:18:34Da.
00:18:35Bei der Emma.
00:18:36Stimmt's oder Herrgrecht?
00:18:38Nein.
00:18:38Nicht sehr fein, Herr.
00:18:41Verdammt politarische Angewohnheit.
00:18:42Also ich...
00:18:43Du bist ja jetzt Vater mit deinem Flaxen.
00:18:44Das erledigt.
00:18:45Das geht's gar nichts an.
00:18:47Guten Tag.
00:18:48Guten Tag.
00:18:49Manu, Bier?
00:18:50Das ist der Bräutigam von Emma.
00:18:52Sie wollen bald heiraten.
00:18:53Hat sie doch noch einen abgekriegt?
00:18:55Hm?
00:18:55Na ja, ein Bourgeois.
00:18:57Ein Paulette ist ja nicht fein genug.
00:18:59Siehste?
00:19:00Du zahlst mal lieber dein Kostgeld, den du mir den Mund aufreißt.
00:19:02Was heißt siehste?
00:19:03Ein richtiger Bourgeois ist mir immer noch lieber...
00:19:04Aber Schluss mit eurer Stinkerei.
00:19:06Du wolltest wohl Emmas Bräutigam überzeugen.
00:19:08Geh die Stube, Vater.
00:19:09Und du wolltest doch noch eure Versammlung, Karl.
00:19:12Ich geh ja schon.
00:19:14Na dann, tschüss.
00:19:22Mutter?
00:19:31Von mir aus nimm ihn dir mit dein.
00:19:32Der Karl bleibt heute Nacht weg.
00:19:34Ich schlaf bei Pfarrern.
00:19:38Du, aber ich möchte wirklich nicht.
00:19:40Das ist doch nicht angenehm, hier bei deinen Eltern.
00:19:43Oh Gott, Junge.
00:19:44Ich glaube, der Karl hat recht.
00:19:47Du bist ein Bourgeois.
00:19:48Aber keine Spur.
00:19:50Na ja, wenn es deine Eltern nicht stört.
00:19:53Und wenn Dr. Sesam sich nun doch geirrt hat.
00:19:58Also, setzen wir uns auf die Küchenstühle.
00:20:00Ich komme ja schon, Lämmchen.
00:20:02Wenn du mich willst.
00:20:03Ich bin ein Schaf, Lämmchen.
00:20:06Ich bin ein Schaf.
00:20:10Und passen wir ja zusammen.
00:20:22Die da, die an diesem Augusttag aus dem Zug steigen, sind Herr und Frau Pinneberg.
00:20:28Kurzum hatte sich Pinneberg die Ehe außerordentlich einfach vorgestellt.
00:20:31Zwei heiraten, bekommen Kinder.
00:20:33Das lebt zusammen, ist möglichst nett zueinander und sucht vorwärts zu kommen.
00:20:37Aber nun, aus der Nähe betrachtet, löst sich die ganze Geschichte in tausend Einzelheiten auf.
00:20:43Eines dieser Probleme ist Pinneberg schwitzend und aufgeregt im Begriff zu lösen.
00:20:49Du, komm her.
00:20:50Wir können hier raus.
00:20:52Na ja, ich habe ein Taxi bestellt.
00:20:53Unsere Wohnung ist zu weit.
00:20:55Aber warum denn?
00:20:56Wo wir doch sparen wollen.
00:20:57Du, ich laufe doch gern.
00:20:59Nein, nein, das mag ich nicht.
00:21:00Das sieht dann so aus.
00:21:02Na schön.
00:21:03Wie du meinst.
00:21:04Und noch eins.
00:21:05Wir wollen nicht so verheiratet tun.
00:21:06Wir wollen so tun, wie wenn wir uns nur ganz flüchtig kennen.
00:21:08Aber warum denn?
00:21:09Wir sind doch ganz richtig verheiratet.
00:21:12Weißt du, es ist wegen der Leute.
00:21:13Wir haben doch keine Karten verschickt, überhaupt nichts angezeigt.
00:21:15Und wenn Sie uns jetzt so sehen, dann könnten Sie vielleicht beleidigt sein.
00:21:18Das verstehe ich nicht.
00:21:20Wieso können die Leute beleidigt sein, wenn wir verheiratet sind?
00:21:22Ich erkläre dir alles später, aber jetzt müssen wir...
00:21:25Ach bitte, Lämmchen.
00:21:26Tu ein bisschen fremd.
00:21:27Guten Tag, Herr Pinneberg.
00:21:29Guten Tag.
00:21:30Guten Tag.
00:21:31Guten Tag, Frau Reinhard.
00:21:33Sagen Sie, können Sie das Verdeck nicht hochmachen, wo doch heute ein so schöner Tag ist?
00:21:37Tut mir leid.
00:21:37Herr Pinneberg hat ausdrücklich geschlossen bestellt.
00:21:40Sonst habe ich das Verdeck auch oben bei diesem Wetter.
00:21:43Na schön.
00:21:44Wenn es Herr Pinneberg bestellt hat.
00:21:59Du wolltest mir erzählen, warum die Leute beleidigt sein können?
00:22:03Ja, nachher.
00:22:03Es redet sich wirklich schlecht jetzt.
00:22:05Das Pflaster ist miserabel bei uns.
00:22:08Also nachher.
00:22:22Na schön ist es nicht.
00:22:25Du, aber Ihnen ist es wirklich nett.
00:22:27Ja?
00:22:30Na ja.
00:22:32Komm.
00:23:00Hier kann man leben.
00:23:04Der ganze Sommer.
00:23:07Ach so.
00:23:11Nun wollen wir uns das Zimmer ansehen.
00:23:26Aber ich finde, hier gibt es sehr gemütliche Winkel.
00:23:29So.
00:23:32Winkel.
00:23:40Oh Gott.
00:23:43Oh Gott.
00:24:04Da.
00:24:05Na ja, es ist ein bisschen staubig.
00:24:07Ein bisschen.
00:24:09Wer soll denn das sauber machen?
00:24:11Du hältst meine Frau, ja?
00:24:14Diese 93 Möbel mit ihren Kerben und Knäufen und Muscheln und Sollen.
00:24:18Na, ich hätte es noch getrotzt.
00:24:19Dem ist sündhaft so eine Quatscharbeit.
00:24:20Und diese Papierblumen.
00:24:22Und hier soll der Murkel aufwachsen?
00:24:24Bis dahin haben wir vielleicht eine Wohnung.
00:24:26Und wer soll denn das heizen?
00:24:28Ein halben Zentner Brikett geschleppt und dann noch geklappert.
00:24:30Ja, weißt du, möbliert es nie so wie eigen.
00:24:32Das weiß ich auch, du.
00:24:38Aber sag selber.
00:24:41Wie findest du denn das?
00:24:43Gefällt dir das?
00:24:45Möchtest du hier leben?
00:24:47Denk dir doch mal aus.
00:24:48Du kommst nach Haus und rennst zwischen Eiern rum.
00:24:52Und überall diese Däckchen.
00:24:54Aber dachte ich mir doch, ein Stecknadeln festgepickt.
00:24:59Ja, aber wir finden nichts Besseres.
00:25:01Ich find was Besseres, verlass dich drauf.
00:25:03Wann können wir kündigen?
00:25:05Am 1. September, aber...
00:25:06Zu wann?
00:25:08Zum 30.
00:25:10Sechs Wochen.
00:25:12Naja, ich werde es überstehen.
00:25:15Aber wir können doch nicht sofort wieder kündigen.
00:25:16Natürlich können wir.
00:25:18Gleich jetzt, heute, diese Minute.
00:25:22Weißt du, Lämmchen...
00:25:23Ja?
00:25:25Ich...
00:25:26Ich hab dich mir ganz anders gedacht.
00:25:30Viel sanfter.
00:25:35Natürlich bin ich ganz anders, als du gedacht hast.
00:25:38Das...
00:25:39Das weiß ich doch.
00:25:42Ich bin nicht Zucker.
00:25:44Tja, weißt du.
00:25:52Los, Junge.
00:25:52Du schnappst die grässliche Uhr.
00:25:54Ich pack die erste Lade und die Däckchen zusammen.
00:25:56Und dann besuchen wir Frau Scharrenhöfer.
00:25:58Das schickt sich so.
00:25:59Willst du wirklich gleich den ersten Abend?
00:26:00Die soll gleich heute noch Bescheid wissen.
00:26:04Sie sind die jungen Leute.
00:26:07Ich muss mich nur ein wenig zurecht machen.
00:26:12Ich weine abends immer ein bisschen.
00:26:14Ja?
00:26:15Aber wenn wir stören, wir wollten...
00:26:17Nein, nein, nein.
00:26:18Bleiben Sie, junge Leute.
00:26:19Bleiben Sie.
00:26:20Ich erzähle Ihnen gleich, warum ich geweint habe.
00:26:23Ich mache auch Licht.
00:26:25Ja?
00:26:25Ich erzähle es Ihnen gleich, warum ich geweint habe.
00:26:30Ja, ja, du mein lieber Gott.
00:26:32Ja, liebe junge Leute.
00:26:33Es ist so.
00:26:35Sie müssen wissen, mein Mann und ich.
00:26:38Ja.
00:26:38Zeig.
00:26:40Ich erzähle es Ihnen gleich.
00:26:43Die jungen Leute.
00:26:44Bei mir.
00:26:46Die jungen Leute.
00:26:50Wir wollen aber wirklich nicht stören.
00:26:52Wie können Sie stören?
00:26:54Zu mir kommt keiner mehr.
00:26:57Ja, als mein guter Mann noch lebte.
00:27:01Aber es ist recht, dass er nicht mehr lebt.
00:27:05War denn schwer krank.
00:27:06Sehen Sie, junge Leute.
00:27:08Wir hatten vor dem Krieg gut und gern unsere 50.000 Mark.
00:27:13Und nun ist das Geld alle.
00:27:15Wie kann das Geld alle sein?
00:27:18So viel kann eine alte Frau doch nicht verbrauchen.
00:27:21Die Inflation.
00:27:2450.000.
00:27:27Graubtata ist mir.
00:27:29Ich will Ihnen die Bücher zeigen.
00:27:33So viele Nullen.
00:27:36Nein, nein, das ist nicht nötig.
00:27:38Nicht nötig.
00:27:58Die jungen Leute haben mir meine Uhr wiedergebracht.
00:28:02Es gefällt den jungen Leuten nicht bei mir.
00:28:06Sie bleiben auch nicht bei mir.
00:28:10Keiner bleibt.
00:28:16Das kommt vom Tragen.
00:28:18Sie verträgt das Tragen nicht mehr.
00:28:20Sie schlägt.
00:28:22Schlägt immer zu.
00:28:24Und dann schlägt sie nie wieder.
00:28:26Ich höre sie zum letzten Mal.
00:28:32Alles geht von mir weg.
00:28:38Bitte, Frau Scharrenhöfer.
00:28:40Verzeihen Sie, dass ich Ihre Uhr angefasst habe.
00:28:43Ich bin schuld.
00:28:44Ich allein.
00:28:48Gehen Sie, junge Leute.
00:28:50Gehen Sie.
00:28:51Das soll so sein.
00:28:53Guten Abend, junge Leute.
00:29:04Vergessen Sie Montag nicht die Anmeldung bei der Polizei, sonst habe ich Schere rein.
00:29:12Ein neuer Tag, der 30. August, ist in strahlender Bläue erwacht.
00:29:17In Duchero rüstet man sich zu neuem Beginn.
00:29:20Auch bei Emil Kleinholz, Getreide, Futter und Düngemittel, rührt es sich.
00:29:24Doch das Aufstehen ist dort an keinem Morgen erfreulich.
00:29:27Denn direkt aus dem Bett ist man hier stets besonders schlechter Laune und geneigt, einander Wahrheiten zu sagen.
00:29:36Schande ist so ein Mann.
00:29:37Schleicht heimlich aus dem Haus und rührt mit Paprikflitzen rum.
00:29:41Du herrige Mutter.
00:29:42Ach, sollst Sie was schämen, so rumzuludern.
00:29:44Du halbende Gorschen.
00:29:45Sollst Sie wenigstens von deiner Tochter schämen.
00:29:47Die sitzt in der Stube und heimt.
00:29:49Ja, die soll sich lieber um einen Mann kümmern.
00:29:52Die kommen hier sofort aus dem Haus.
00:29:56Endlich heiraten.
00:29:58Jetzt ja, wie ist die Zeit.
00:30:02Ja, da hast du recht, Emil.
00:30:03Natürlich.
00:30:04Wozu püttelst du da draußen die drei Hoherlager eigentlich immer noch weiter?
00:30:08Richtig.
00:30:10Sonst ist der tot.
00:30:12Jawohl.
00:30:13Einer muss ran.
00:30:14Ja, aber wer?
00:30:19Aber das ist erst einmal Lauterbach.
00:30:21Der Gnom Lauterbach.
00:30:23Mitarbeiter von Pinneberg und Fachmann für Saatgut bei Kleinholzens.
00:30:27Kennzeichen, ein bisschen doof, SA-Mann, Bullenkraft.
00:30:32Johannes Pinneberg, pünktlich wie die Uhr, ist schon im Kontor.
00:30:36Ja, es ist ein besonderes, ein sehr angenehmes Gefühl, den Ring am Finger zu tragen, findet Johannes Pinneberg.
00:30:44Aber was sein muss, muss sein.
00:30:53Hey, da, Pinneberg.
00:30:54Moin.
00:30:55Steht dir vor, wir haben neue Abzeichen.
00:30:57Ich finde das einfach genial.
00:30:59Bisher hatten wir nur uns verstorben, aber...
00:31:01Na toll, aber gib mir doch bitte mal den Auszug 1128.
00:31:03Du weißt doch, Pinneberg, Arabisch, wir stecken dir Ziffern am rechten Spiegel.
00:31:08Nun haben wir noch eine Zweifarbenschnur am Kragenrand gekriegt.
00:31:11Genial ist das.
00:31:12Jetzt kann man schon von hinten sehen, zu welchen Sturm hier der SA-Mann gehört.
00:31:15Renkt dir aus, was das praktisch bedeutet.
00:31:18Wir sind in der Kopperei, will ich mal sagen.
00:31:20Und ich sehe, wie einer einen in der Wache hat.
00:31:22Und ich sehe auf dem Kragen...
00:31:23Ja, fabelhaft, aber sag mal, war eigentlich München 38, 75, 36 eine Sammelladung?
00:31:28Der Weizenwagon.
00:31:30Ja.
00:31:31Denk mal an...
00:31:32Unser Groove trägt jetzt einen Stern am linken Spiegel.
00:31:34Das ist ein Groove?
00:31:36Das ist kein Groove.
00:31:38Das ist Schulz.
00:31:39Der dritte Kleinholzsche Angestellte und Hungerleiter.
00:31:42Schulz, der König aller Dienstmädchenherzen.
00:31:44Das Idol aller Ladnerinnen.
00:31:46Der Traum jeder Kleinbürgerin.
00:31:48Kurz, der Mann mit der unheimlich glücklichen Hand bei Frauen.
00:31:58Moin.
00:31:59Moin.
00:32:02Ist der Altschöter?
00:32:04Nö.
00:32:07Na?
00:32:08Ihr wisst natürlich nicht, hä?
00:32:11Na?
00:32:12Welche Tante hast du denn gestern wieder zur Schnuppe, Schnappe, Schnäppe gemacht?
00:32:16Dummes, kleines Ding.
00:32:18Ihr sitzt da, ihr rechnet Frachtbriefe aus, ihr macht Kontokohärenten.
00:32:22Und dabei.
00:32:23Na, was dabei?
00:32:24Emil.
00:32:26Emil und Emil, ihr gestern Abend im Tivoli.
00:32:30Was im Tivoli? Der Chef und die Chefin?
00:32:32Hat das die mal mitgenommen? Also sowas lebt nicht.
00:32:34Die Haferproben müssten auch endlich mal raus.
00:32:36Wer macht denn das? Du oder Lauterbach?
00:32:37Na, du?
00:32:39Mit der kleinen schwarzen Friede.
00:32:41Aus der Rahmenfabrik hat der Chef geschaut.
00:32:44Nein.
00:32:45Nein.
00:32:46Ich zwei Schritte haben.
00:32:48Und plötzlich, die Olle.
00:32:50Kinder, ihr glaubst nicht.
00:32:51Die Olle, auf die Nähe.
00:32:53Was, die Chefin?
00:32:54Emil, ja.
00:32:55Im Morgen.
00:32:56Da hat sie wahrscheinlich nur ein Hemd gehabt.
00:32:58Im Tivoli.
00:32:59So ist der, Herr Scholz.
00:33:00Na, so war ich hier sitze.
00:33:01Die Harmonie hatte Familientanzabend.
00:33:03Mit die Kirchkapelle von Platzfein, mit Ei.
00:33:05Reichswehr, mit Ei.
00:33:06Und plötzlich, unsere Emilie, nieder auf ihren Emilie.
00:33:11Hat die Mannen geklebt?
00:33:13Du, oder?
00:33:13So konntest du hier beides haben?
00:33:25Der Pinneberg muss ran.
00:33:29Ja, hast recht, Emil.
00:33:31Jawohl.
00:33:32Nach diesem Sommer gehen die beiden zum Pastor.
00:33:35Marie und der Knabe.
00:33:37Recht, Emil.
00:33:40Für eine neue Käzchen.
00:33:43Lass mal in den Sauschen.
00:33:44Sufkopp!
00:33:56Sufkopp!
00:34:07Frau Kleinholz, kommt also in den Saal.
00:34:10Kann man das immer noch nicht vorstellen.
00:34:13Durch welche Tür denn?
00:34:14Wann hast du sie zum ersten Mal gesehen?
00:34:17Na, was soll ich da erzählen?
00:34:18Du weißt doch schon alles.
00:34:20Also, sie kommt rein.
00:34:22Durch die Tür vom Gang her.
00:34:24Hochrot.
00:34:25Du weißt mal nicht, Frau Thomas Krohn.
00:34:27Blaulie.
00:34:29Sie kommt doch rein.
00:34:32Im Ordner, Kleinheutsch.
00:34:35Rationalisieren.
00:34:39Wo Dreie faul sind, können zweefleißig sind.
00:34:47Na, wir sind mit Ihnen, Pinneberg.
00:34:50Sie sind der Jüngste hier.
00:34:54Ja, natürlich.
00:34:56Da kann keiner antworten.
00:34:58Aber vorher.
00:35:00Und wie sieht meine Olle aus?
00:35:02Sie Olle Bock.
00:35:02Blau, lila, rot.
00:35:04Soll ich Sie auf der Stelle raussmeißen?
00:35:06Wir haben überhaupt nicht von Ihnen gesprochen, Herr Kleinholz.
00:35:08Na und Sie, Sie!
00:35:11Jawohl, Herr Kleinholz.
00:35:13Abbauen tu ich Ihnen von euch Brüdern.
00:35:15Ihr sollt sehen.
00:35:17Und die anderen sitzen noch lange nicht sicher.
00:35:19Von euch laufen genug rum.
00:35:21Gehen Sie zum Weizensacken, Lauterbach.
00:35:23800 Sack.
00:35:26Und Schulz.
00:35:28Ziehen Sie ihn mit.
00:35:30Sie sehen ja heute wieder aus wie Ihre eigene Leiche.
00:35:33Ich werde Ihnen gut tun, Säcke heben.
00:35:36Ruf ab!
00:35:44Und nun zu Ihnen, Pinneberg.
00:35:46Bitte, Herr Kleinholz?
00:35:47Ach, Sie schreiben wegen dem Rotklee.
00:35:49Lassen Sie das doch Lauterbach.
00:35:51Mit den Waggons, das ist in Ordnung?
00:35:54Ist in Ordnung, jawohl, Herr Kleinholz.
00:35:55Ja, sehr gut.
00:35:57Müssen wir heute alle fest daran, um Weizensacken.
00:36:01Meine Weiber müssen euch mithelfen, Säcke zu binden.
00:36:05Ja, Herr Kleinholz.
00:36:07Die Marie, die ist ganz tüchtig bei sowas.
00:36:11Das ist überhaupt ein tüchtiges Mädchen.
00:36:14Nicht gerade eine Schenheit, aber tüchtig ist er.
00:36:18Gewiss, Herr Kleinholz.
00:36:22Na, Herr Pinneberg?
00:36:24Haben Sie sich das nun mal überlegt?
00:36:27Wie ist es denn nun damit?
00:36:30Womit, Herr Kleinholz?
00:36:32Mit dem Abbau.
00:36:36Wen würden Sie denn entlassen, wenn Sie an meiner Stelle wären?
00:36:40Na?
00:36:44Das kann ich doch nicht sagen.
00:36:46Ich kann doch nicht gegen meine Kollegen reden.
00:36:48So.
00:36:49Sie würden Sie nicht entlassen, wenn Sie ich wären.
00:36:54Wenn ich Sie?
00:36:57Ich selbst.
00:37:00Aber ich kann mich doch nicht selbst entlassen.
00:37:04Nein, ich bin überzeugt, Sie überlegen sich die Sache.
00:37:12Sie haben ja wohl monatliche Kündigungen.
00:37:17Das wäre dann also am 1. September zum 1. Oktober, nicht wahr?
00:37:31Ja, Herr Kleinholz.
00:37:33Also, dann gehen Sie gleich hoch nochmal zum Weizensacken.
00:37:37Beim Weizensacken haben Sie Zeit zum Überlegen.
00:37:47Schwein.
00:37:55Dann sind Sie Sattelricht drauf, verlaut, aber...
00:37:58Natürlich.
00:38:00Richtiges Sattelricht?
00:38:01Ja, selbstverständlich.
00:38:02Ich wiege nach, meiner Herr.
00:38:04Darauf können Sie sich's mal lassen.
00:38:06Was ist denn da los?
00:38:08Wer hat den Satt zugebunden?
00:38:10Sie schmitten?
00:38:11Gottverdammt, Sie sollten doch mit Säcken umgehen können.
00:38:14Sie sind doch auch keine Jungfrau mehr.
00:38:16Plotzen Sie nicht, Pinneberg.
00:38:17Ihre Waage hat Aufschlag.
00:38:19Kicken Sie nicht so dämlich.
00:38:20Wenn Ihnen hier was nicht passt, bitte, Sie können gehen.
00:38:23Abbau und ruhig einen von euch Brüdern sowieso.
00:38:25Noch ein bisschen Haublebe, noch eine Kleinigkeit.
00:38:30Schulz!
00:38:33Schulz, Sie Bock!
00:38:34Lassen Sie sofort die Macheinige los!
00:38:40Machen Sie keinen Blödsinn, Schulz!
00:38:43Will der Kerl, Sie auf meinem Hof mit den Weibern loslegen!
00:38:47Na, das ist was ist!
00:38:49Ja.
00:38:50Kube, was haben Sie rausgewogen aus dem Haufen?
00:38:55Ach, du neunzig Zentner, hundert Walens.
00:38:58Wo haben Sie die zwei Zentner gelassen?
00:39:00Ist nicht die zusammengeschnurrt in der Hitze, der Walzen.
00:39:03War höre nicht zack, als er kam.
00:39:04Kauf nicht zack, Walzen!
00:39:06Hast nach Hause getragen zu muttern, was?
00:39:09Geklaut ist er!
00:39:11Hier mausen doch alle!
00:39:12Das habe ich nicht nötig, Herr.
00:39:14Dass Sie mir hier was von Klauen sagen.
00:39:17Was melde ich denn verbannt?
00:39:19Habe ich was gesagt, dass du ihn geklaut hast?
00:39:21Keinen Ton, habe ich gesagt.
00:39:23Mäuse klauen auch.
00:39:25Mäusefraß haben wir immer.
00:39:27Müssen wir mal wieder mehr zwiebeln, Kube?
00:39:29Sie haben gesagt, Herr Kleinholz, dass ich ihr Walzen geklaut habe.
00:39:33Dafür sind Sie alle Zeugen draußen auf dem Hof.
00:39:36Ich gehe zum Verband.
00:39:37Ich zeige Sie an, Herr Kleinholz.
00:39:40Nichts habe ich gesagt.
00:39:41Kein Wort habe ich zu Ihnen gesagt.
00:39:44Hey, Herr Schulz!
00:39:45Ja?
00:39:45Habe ich was zu Kube gesagt von wegen Klauen?
00:39:48Ich habe nichts gehört, Herr Kleinholz.
00:39:50Was ist denn, Kube?
00:39:53Pinnewerf!
00:39:54Haben Sie was gehört?
00:40:00Nein, nichts!
00:40:01Na also, ewig du mit deinen Stänkereien.
00:40:07Und das will ein Betriebsrat sein.
00:40:09Na, machen Sie mal ein Sachte, Herr Kleinholz.
00:40:13Sie wissen schon von wegen.
00:40:16Dreimal sind Sie wegen dem ollen Kube schon reingefallen vor's Gericht.
00:40:21Ich gehe auch ein Viertes.
00:40:23Ich habe keine Bank.
00:40:25Quasseln tust du.
00:40:26Du bist ja alt, Kube.
00:40:28Du weißt ja nicht mehr, was du sagst.
00:40:31Pinneberg!
00:40:32Passen Sie auf, dass weitergemacht wird.
00:40:34Frühstückspause gibt's nicht, verstanden?
00:40:36Sie stehen hier dafür, Pinneberg.
00:40:39Na, warum der heute so aus der Tüte ist, das weiß man ja.
00:40:42Soll er gehen auf die Lampe gießen, da wird keiner anders da werden.
00:40:45Ich sag bloß, Tivoli.
00:40:51Frühstück, Frühstück, Leute.
00:40:53Ich bitte Sie, Herr Kube, machen Sie doch keine Geschichten,
00:40:55wo es Herr Kleinholz ausdrücklich verboten hat.
00:40:57Ist Tarif, Herr Pinneberg.
00:40:59Frühstück ist Tarif, das kann uns da alle nicht nehmen.
00:41:01Aber ich kenne den schlimmsten Krach.
00:41:03Was geht das mir an?
00:41:05Wo Sie nicht einmal gehört haben, dass Sie mir Maushaben geschickt haben.
00:41:07Das sind Sie in meiner Lage, wenn Sie nicht.
00:41:09Herr Westig, Westig.
00:41:13Wenn alle so dächten wie Sie, junger Herr,
00:41:15dann würden wir für die Herren Arbeitgebern Ketten schuften
00:41:18und für jede Stücke Brot und Xalm singen.
00:41:21Na ja, Sie sind noch jung.
00:41:23Sie haben was vor sich.
00:41:25Sie werden auch noch einsehen,
00:41:26wohin Sie mit ihr als Scheißgrücherei kommen.
00:41:29Also Frühstück.
00:41:30Können wir weiter, sagt uns die Herren.
00:41:32Ich weiße Fuß machen bei Emil.
00:41:34Dann lässt er Sie mal am Königer gerichten.
00:41:36Nee, und Mariechen, sind alle drei?
00:41:38Hör, die ist nicht so, die nimmt doch alle drei.
00:41:45Nein, Schultz, wenn das nur gut geht.
00:41:48Was mache ich bloß?
00:41:51Ich mache das nicht länger mit.
00:41:53Habe ich das nötig,
00:41:54mich vor allen Alten bockschimpfen zu lassen?
00:41:57Oder
00:41:58ich mache der Marie ein Kind und lasse sitzen.
00:42:01Man sollte hier auflauern,
00:42:02wenn er sich nachts besoffen hat
00:42:03und ihn gehörig vertrimmen.
00:42:05Das hilft.
00:42:06Tun tut keiner was.
00:42:07Die Arbeiter haben ganz recht, wir haben ewig Schiss.
00:42:09Wenn du welchen hast, ich hab keinen.
00:42:13Ich auch nicht.
00:42:15Überhaupt, ich hab den ganzen Laden hier satt.
00:42:17Na, dann tun wir doch was.
00:42:19Ich will euch was sagen.
00:42:21Mir hat er heute früh erst von der Marie vorgefraselt,
00:42:23was die doch für ein tüchtiges Mädchen ist.
00:42:24Und dann, ob ich mich am ersten Freitag nicht abbauen lassen will,
00:42:27weil ich doch der Jüngste bin.
00:42:28Na, dann wird er bei mir was auch so, weil ich mich doch gern mal kloppe.
00:42:31Davon hat er so Uneinigkeits, meint er.
00:42:33Bei mir ja auch.
00:42:36Der ist ja bloß neidisch,
00:42:37weil ich so eine unheimlich glückliche Hand bei Frauen habe.
00:42:39Na und?
00:42:40Wieso und?
00:42:42Ja, was wollt ihr denn zum Ersten sagen?
00:42:44Was sagen?
00:42:45Ob ihr die Marie wollt.
00:42:46Och, ganz ausgeschlossen.
00:42:48Lieber Stimmeln hier.
00:42:49Also, da sind wir uns ja einig.
00:42:52Aber da können wir doch was verabreden.
00:42:54Naja, aber was?
00:42:55Tja, was?
00:42:58Zum Beispiel, wir geben unser Ehrenwort darauf,
00:43:01dass alle zur Marie Nein sagen.
00:43:03Von der wird doch schon nichts reden.
00:43:04So dumm ist Emil hier nicht.
00:43:05Marie ist kein Kündigungsgrund.
00:43:08Also, dann, dass wir ausmachen?
00:43:10Wenn er einen von uns kündigt,
00:43:11kündigen die beiden anderen auch.
00:43:13Ehrenwörtlich ausmachen.
00:43:14Alle drei lässt er uns sicher nicht gehen.
00:43:16Na, da hat Binneberg recht.
00:43:18Sowas wird er jetzt nicht machen.
00:43:19Also gut, ich gebe meine Ehrenwort.
00:43:21Ich auch.
00:43:21Und du schon?
00:43:24Meinetwegen.
00:43:25Mach mit.
00:43:27Frühstück vorbei.
00:43:28Wenn sich die Herren Beamten bemühen wollen.
00:43:33Also, es ist fest.
00:43:40Ehrenwort?
00:43:43Ehrenwort.
00:43:44Ehrenwort.
00:43:50Liebe Frau Pinneberg.
00:43:54Liebe Frau Schwiegermutter.
00:43:57Quatsch.
00:43:59Liebe Mutter.
00:44:02Ich bin Ihre neue Schwiegertochter Emma,
00:44:04genannt Lämmchen.
00:44:06Und Hannes und ich haben geheiratet.
00:44:08Wir sind glücklich und zufrieden
00:44:10und würden ganz glücklich sein,
00:44:11wenn Sie sich mit uns freuen würden.
00:44:14Es geht uns gut,
00:44:16noch hat leider der Hannes die Konfektion aufgeben müssen
00:44:18und arbeitet in einem Düngemittelgeschäft,
00:44:20was uns nicht so gefällt.
00:44:22Es grüßt Sie,
00:44:23Ihr
00:44:26Lämmchen.
00:44:31Ah ja, Pinneberg,
00:44:32was ich noch sagen wollte.
00:44:33Machen Sie mal morgen Stalldienst
00:44:35für den Lauterbach.
00:44:36Hat mich um Urlaub gebeten.
00:44:37Tut mir schrecklich leid, Herr Kleinholz,
00:44:39aber morgen kann ich nicht.
00:44:39Ich habe das Lauterbach auch schon gesagt.
00:44:41Ah, das wird sich bei Ihnen doch aufschieben lassen.
00:44:44Sie haben doch noch nie was Wichtiges vorgehabt.
00:44:46Diesmal leider doch, Herr Kleinholz.
00:44:47Hören Sie, Pinneberg,
00:44:48machen Sie keine Geschichten.
00:44:50Ich habe dem Lauterbach Urlaub gegeben,
00:44:51ich kann es nicht rückgängig machen.
00:44:54Sehen Sie, Pinneberg,
00:44:55der Lauterbach ist ja nicht wofür Nuss,
00:44:56aber er ist nun mal im Sportclub,
00:44:58und sein Clubvorstand ist der Müller-Rotsprack.
00:45:00Mit dem möchte ich es nicht gern vertreiben.
00:45:02Der hilft uns immer mal aus,
00:45:03wenn wir schnell was zu malen haben.
00:45:05Aber ich kann wirklich nicht, Herr Kleinholz.
00:45:07Ja, könnte ja mal der Schulzeinspringen,
00:45:10aber der kann auch nicht.
00:45:11Der hat morgen Familienbegräbnis,
00:45:13da will er was erben.
00:45:14Da muss er hin, das sehen Sie ein.
00:45:16Ja, Herr Kleinholz.
00:45:18Ja, und was mich angeht, Pinneberg,
00:45:20ich würde ja gern Dienst machen.
00:45:22Ich bin nicht so, das wissen Sie.
00:45:23Nein, nein, Sie sind nicht so, Herr Kleinholz.
00:45:24Na, sehen Sie.
00:45:25Aber wissen Sie, Pinneberg,
00:45:27morgen kann ich auch nicht.
00:45:29Morgen muss ich nur wirklich über Land
00:45:30und sehen, dass wir Klebestellungen reinkriegen.
00:45:32Wir haben dieses Jahr noch gar nichts verkauft.
00:45:34Und wenn du mal der olle Kube das Futter ausgibst.
00:45:37Der olle Kube?
00:45:40Dem soll ich die Futterschlüssel in die Hand geben?
00:45:43Der Kube ist schon seit Vatern da,
00:45:45aber die Futterschlüssel hat er noch nie in die Hand bekommen.
00:45:47Nee, nee, nee, Herr Pinneberg.
00:45:48Sie sehen es ja jetzt ein,
00:45:49Sie sind der Mann an der Spritze.
00:45:50Aber ich habe keine Zeit, Herr Kleinholz.
00:45:56Aber ich habe Ihnen doch eben das auseinandergesetzt,
00:45:57dass keiner Zeit hat wie Sie.
00:46:00Na, Sie werden doch nicht verlangen,
00:46:01dass ich morgen früh Dienst mache,
00:46:02nur weil Sie Launen haben.
00:46:03Was haben Sie denn vor?
00:46:05Ja, ich habe...
00:46:05Na, also sehen Sie.
00:46:07Ich werde mir doch mein Kleegeschäft nicht verbuttern,
00:46:09nur weil Sie nicht wollen, Pinneberg.
00:46:11Seien Sie vernünftig.
00:46:12Ich bin vernünftig, Herr Kleinholz,
00:46:13aber ich kann bestimmt nicht.
00:46:16Ich habe mich schwer in Ihnen getäuscht, Herr Pinneberg.
00:46:28Schwer in Ihnen getäuscht.
00:46:38Wie schön das ist.
00:46:42Wie friedlich.
00:46:45Wollen wir noch mal runtergehen?
00:46:47Jetzt nicht.
00:46:48Lass uns noch mal hier stehen.
00:46:52Ich will Dich auch noch was fragen.
00:46:55Ach, komm ins Bett, Lämmchen.
00:46:56Komm, wo ich noch ein bisschen nach oben bleiben?
00:46:59Ich will Dich doch noch was fragen.
00:47:01Na, frag schon.
00:47:03Frag schon, Lämmchen.
00:47:07Du willst es also nicht sagen.
00:47:09Ich weiß doch gar nicht, was Du fragen willst.
00:47:11Du weißt.
00:47:12Also bitte, Lämmchen, sei vernünftig, frag.
00:47:14Du weißt.
00:47:16Also dann nicht.
00:47:18Junge, erinnerst Du Dich,
00:47:19wie wir beim Platz im Schlafzimmer saßen?
00:47:21Natürlich weiß ich alles.
00:47:22Und?
00:47:24Weißt Du noch, was wir da besprochen haben?
00:47:26Na ja, da haben wir uns eine schöne Menge zusammengequasselt.
00:47:28Wenn ich das alles noch wissen soll.
00:47:29Wir haben was ganz Bestimmtes besprochen.
00:47:32Uns versprochen sogar.
00:47:33Weiß ich nicht.
00:47:36Wir haben uns in die Hand versprochen,
00:47:39dass wir immer ehrlich zueinander sein wollen
00:47:40und keine Geheimnisse voneinander haben.
00:47:42Erlauben wir mal, das war anders.
00:47:43Das hast Du versprochen.
00:47:44Und Du willst nicht ehrlich sein?
00:47:46Natürlich will ich das, aber...
00:47:48Es gibt Sachen, die brauchen Frauen nicht zu wissen.
00:47:55So.
00:47:57Und dass Du dem Chauffeur fünfmal gegeben hast,
00:47:59wo das Taxi nur 250 macht,
00:48:01das sind solche Sachen, die wir Frauen nicht wissen brauchen.
00:48:04Und warum hast Du die rechte Hand in die Tasche gesteckt,
00:48:06dass niemand den Ring sieht?
00:48:08Und warum können die Leute beleidigt sein,
00:48:10wenn wir verheiratet sind?
00:48:11Lämmchen, Lämmchen, ich möchte wirklich nicht...
00:48:12Das ist doch alles Unsinn.
00:48:18Du darfst einfach keine Geheimnisse von mir haben.
00:48:21Wenn wir erst Geheimnisse haben,
00:48:22fangen wir an zu lügen
00:48:23und dann wird's bei uns wie bei den anderen.
00:48:25Das schon, Lämmchen, aber...
00:48:27Du kannst mir doch alles sagen, Junge, alles.
00:48:29Ich weiß doch Bescheid,
00:48:31wenn Du mich Lämmchen nennst.
00:48:35Ich hab Dir auch gar nichts vorzuwerfen.
00:48:36Ja, ja, Lämmchen,
00:48:38das ist nur alles nicht so einfach.
00:48:40Ich möchte ja schon, aber...
00:48:42das sieht so dumm aus
00:48:44und das klingt so...
00:48:45Ist es was mit einem Mädchen?
00:48:46Nein, nein.
00:48:48Oder doch.
00:48:49Ja, aber nicht so, wie Du denkst.
00:48:51Na, wie denn?
00:48:53Oh Gott, Junge, erzähle doch schon, du.
00:48:55Ich bin so schrecklich gespannt.
00:48:58Also, meinetwegen.
00:49:00Ach, kann ich's Dir nicht ein andermal erzählen?
00:49:01Jetzt auf der Stelle.
00:49:02Glaubst Du, ich kann einschlafen,
00:49:03wenn ich mir so den Kopf zerbreche?
00:49:05Es ist was mit einem Mädchen.
00:49:06Es ist doch nichts mit einem Mädchen.
00:49:07Du, das klingt so geheimnisvoll.
00:49:10Na, schon.
00:49:11Bei Bergmann hat's angefangen.
00:49:13Du weißt doch, am Anfang war ich hier bei Bergmann.
00:49:15In der Konfektion, ja.
00:49:16Und ich find das ja auch viel netter
00:49:17als Getreide und Düngemittel, Düngemittel.
00:49:20Verkauft ihr auch richtig Mist?
00:49:21Wenn Du mich jetzt veräppelst, Lämmchen.
00:49:23Ich veräppel Dich nicht, ich hör schon.
00:49:25Also, bei Bergmann war ich erster Verkäufer mit 170 Mark.
00:49:29Was?
00:49:29Erster Verkäufer mit 170 Mark?
00:49:31Bist Du stille, Du bringst mich ganz durcheinander.
00:49:35Also, und da musste ich immer Herrn Emil Kleinholz bedienen.
00:49:38Der hat viele Anzüge gebraucht.
00:49:40Weißt Du, der säuft.
00:49:41Na ja, das muss er schon von Geschäfts wegen
00:49:42mit dem Bauern und Gutsbesitzer.
00:49:44Aber er verträgt das Trinken nicht
00:49:46und da liegt er auf der Straße und bekotzt seine Anzüge.
00:49:49Gittlingke, wie sieht denn der aus?
00:49:51Nun, hör schon.
00:49:53Einmal hatte ich Krach mit Bergmann,
00:49:55weil ich anstelle eines Lehrlings die Post geholt hatte
00:49:57und der olle Bergmann wollte, dass ich das immer tun soll.
00:50:00Aber wie komme ich denn dazu als erster Verkäufer?
00:50:02Da gab es natürlich Krach und da,
00:50:04Witz der Teufel, kommt Emil Kleinholz
00:50:06und bietet mir eine Stelle als Buchhalter bei sich an.
00:50:10Wie klein das hier alles ist.
00:50:12Ach, wo es groß ist, ist es auch nicht anders.
00:50:16Aber nun kommt's, Lämmchen.
00:50:18Vier Jahre kannte ich Emil Kleinholz.
00:50:21Und alle haben gewusst,
00:50:22dass er seine Tochter mit Gewalt verheiraten will.
00:50:25Nur ich nicht.
00:50:26Die Mutter ist schon schlimm genug.
00:50:28Sie keift den ganzen Tag und zottelt so in Hekeljacken rum.
00:50:30Aber die Tochter,
00:50:31Maria ist das Aß.
00:50:34Und die sollst du nun heiraten, arme Junge.
00:50:36Ist sie denn wenigstens eine gute Partie?
00:50:39Ach wo, das ist sie ja gar nicht.
00:50:40Das Geschäft bringt schon nicht mehr viel
00:50:42und der olle Kleinholz seucht zu sehr.
00:50:44Deswegen beißt ihr auch keiner an.
00:50:46So ist es also.
00:50:48Und das wolltest du mir nicht erzählen.
00:50:51Deshalb bist du heimlich verheiratet?
00:50:52Mit der Ringhand in der Hosentasche?
00:50:55Ja, darum.
00:50:56Ach, alles.
00:50:57Mein Gott, Lämmchen.
00:50:59Wenn die mitkriegen, dass ich verheiratet bin.
00:51:01Die Weiber ekeln mich doch in einer Woche raus.
00:51:03Und was dann?
00:51:05Dann gehst du wieder zu Bergmann.
00:51:07Aber ich denke ja gar nicht daran.
00:51:10Der Bergmann hat es mir doch vorausgesagt,
00:51:11dass das schief gehen würde mit Kleinholz.
00:51:15Und dann hat er noch gesagt,
00:51:18Pinneberg, Sie kommen wieder zu mir.
00:51:20Wo sollen Sie auch hin in Duchero?
00:51:22Sie kommen wieder und ich nehme Sie auch wieder.
00:51:24Aber ich lasse Sie betteln.
00:51:25Mindestens einen Monat müssen Sie aufs Arbeitsamt laufen
00:51:27und bei mir betteln um Arbeit.
00:51:29Strafe muss sein.
00:51:31Kann ich da jetzt nicht wieder zu ihm.
00:51:33Nee, nee.
00:51:34Ich tue es und tue es nicht.
00:51:38Aber wenn er doch recht hat.
00:51:41Lämmchen.
00:51:43Bitte, Lämmchen.
00:51:44Bitt mich nie darum.
00:51:46Natürlich hat er recht und ich bin ein Kamel gewesen.
00:51:48Wenn du noch lange bitten würdest,
00:51:50dann würde ich hingehen zu ihm
00:51:50und er würde mich auch wieder nehmen.
00:51:52Aber ich könnte es dir nie verzeihen.
00:51:59Ich bitte dich nicht.
00:52:02Es wird schon so gehen.
00:52:05Aber glaubst du nicht, dass es doch rauskommt,
00:52:07auch wenn wir noch so vorsichtig sind?
00:52:09Es darf nicht rauskommen.
00:52:12Hörst du?
00:52:14Das darf nicht rauskommen.
00:52:17Ich habe doch alles so heimlich gemacht.
00:52:18Und jetzt wohnen wir ja auch hier draußen.
00:52:20Und wenn wir uns wirklich mal auf der Straße treffen,
00:52:22dann grüßen wir uns einfach nicht, weißt du?
00:52:26Gut.
00:52:28Aber du spürst doch auch,
00:52:30dass dies nicht auf die Dauer ist.
00:52:32Dass wir so nie und nie ganz glücklich sein können.
00:52:36Ach, Lämmchen.
00:52:39Nur nicht arbeitslos werden.
00:52:40Was sagst du?
00:52:43Nur nicht arbeitslos werden.
00:52:50Es ist Sonntag geworden.
00:52:53Der 31. August.
00:52:55Die Heide blüht.
00:52:57Durchsäumte Kiefernwälder
00:52:58durften Herb nach Harz und Wacholder.
00:53:02Pinneberg und Lämmchen wandern.
00:53:06Hannes!
00:53:07Mama!
00:53:08Sophia!
00:53:11Hilfe!
00:53:12Mama!
00:53:17Hilfe!
00:53:20Oh!
00:53:21Oh, Gott.
00:53:21Bin ich glücklich.
00:53:27Oh, Gott.
00:53:33in meinem Leben habe ich eine Reise gemacht.
00:53:35Mit vier Mädels nach Oberbayern.
00:53:39Aber glaubst du,
00:53:40das war nie so schön wie jetzt mit dir?
00:53:43Bei mir ist es doch genauso, Lämmchen.
00:53:45Ich bin doch immer allein gewesen.
00:53:46Keine Geschwister.
00:53:48Und Mutter hatte nie Zeit für mich nach Vaters Tod.
00:53:51Ich glaube, ich stand ihr bloß
00:53:53immer am Wege. Bei ihren Liebhabern.
00:53:55Na hör mal.
00:53:57Seit 20 Jahren ist sie Witwe.
00:53:59Und du hast doch auch schon mehr Mädchen
00:54:01als mich gehabt. Na hör mal, das ist ja was ganz anderes.
00:54:04Und dann hatte sie so einen schrecklichen Beruf.
00:54:06Sie war Bardame.
00:54:08Na und?
00:54:10Aber ist sie da jetzt nicht ein bisschen alt dafür?
00:54:12Ich weiß gar nicht, was sie jetzt macht.
00:54:14Aber Junge, das ist doch deine Mutter.
00:54:17Was mache ich bloß mit Kleinholz?
00:54:20Wenn ich ihm nichts sage, kündigt er mir doch
00:54:21bestimmt am Ersten.
00:54:23Und ob auf meine beiden Kollegen Verlass ist?
00:54:26Und wenn ich ihm nun die Wahrheit sagen würde,
00:54:27wenn ich ihm einfach sagen würde, dass ich verheiratet bin,
00:54:29er soll mich nicht auf die Straße setzen.
00:54:31Das ist dem doch Piepe.
00:54:33Früher, ja, vielleicht.
00:54:34Da gab's ab und an noch ein paar Anständige.
00:54:36Aber heute, wo so viele arbeitslos sind
00:54:38und so durchkommen müssen,
00:54:39ist das dem doch egal.
00:54:41Noch schlechtes Kleinholz eigentlich nicht.
00:54:43Nur so gedankenlos.
00:54:45Man müsste es ihm richtig auseinandersetzen,
00:54:47dass wir einen Murkel erwarten und so.
00:54:48Das willst du dem erzählen?
00:54:49Wem, der dich erpressen will?
00:54:50Nein, Junge, das tust du und tust du nicht.
00:54:52Ja, aber irgendwas muss ich doch tun.
00:54:54Ich muss ihm doch was sagen.
00:54:55Halte dich an deine Kollegen.
00:54:57Du hast doch schon ganz gut angefangen.
00:54:58Wenn er alle zusammenhaltet,
00:55:00allen dreien wird er nicht kündigen.
00:55:01Tja, wenn sie ihn bloß nicht sitzen lassen.
00:55:03Lauterbach ist ja nicht so gefährlich.
00:55:05Der ist schon viel zu doof dazu.
00:55:06Aber Schulz!
00:55:08Deine Kollegen werden dich nicht reinreißen.
00:55:10Nein, nein, Junge.
00:55:11Das wird schon werden.
00:55:12Komm, wir setzen uns.
00:55:14Komm.
00:55:15Ich glaube immer,
00:55:16es kann uns gar nicht schlecht gehen.
00:55:18Warum denn eigentlich?
00:55:20Fleißig sind wir,
00:55:21sparsam sind wir,
00:55:23schlechte Menschen sind wir auch nicht.
00:55:25Den Murkel wollen wir
00:55:25und gern wollen wir ihn.
00:55:27Warum soll es uns da eigentlich schlecht gehen?
00:55:29Das,
00:55:30das hat doch gar keinen Sinn.
00:55:32Ach, Lämmchen.
00:55:42Es ist so schrecklich gut,
00:55:43dass wir uns haben.
00:55:44Echt?
00:55:56Warum gucken die denn so blöde?
00:56:06Lämmchen,
00:56:07wir sind erschossen.
00:56:08Morgen schmeißt er mich raus.
00:56:11Wer denn?
00:56:12Wer?
00:56:12Na, Kleinholz doch.
00:56:14Oh mein Gott,
00:56:15du weißt ja gar nicht.
00:56:16Das waren Kleinholzens.
00:56:18Oh Gott, Junge.
00:56:20Das nenne ich freilich mal Läscher.
00:56:25Es ist Montag geworden.
00:56:28Montagmorgen
00:56:28mit seiner unausgeschlafenen,
00:56:30tristen Schalheit.
00:56:33Dieser Montag,
00:56:34der erste September,
00:56:35wird ein schwerer,
00:56:36ein schicksalhafter Tag werden
00:56:38für Johannes Pinneberg.
00:56:40Und so rafft er
00:56:41all seine innere Kraft zusammen,
00:56:42entschlossen,
00:56:44dem Schicksal
00:56:45die Stirn zu bieten.
00:56:48Morgen.
00:56:49Morgen.
00:56:50Ist der Eifel schon da?
00:56:51Nee.
00:56:52Das ist ein Zeidank.
00:56:53Du bist ein lauter wach.
00:56:54Herr Schwamm macht heute wieder krank,
00:56:56wo wir so viel Arbeit haben.
00:56:57Sieht so aus.
00:56:58Hier, fertig.
00:56:59Na, guten Sonntag gehabt, Schulz?
00:57:01Gott, doch nicht, verdammt.
00:57:03Wieso?
00:57:04Was ist denn los?
00:57:05Du weißt doch, Pinneberg,
00:57:06ich hab dir doch mal erzählt,
00:57:08na, du wirst dich nicht mehr erinnern,
00:57:09vor acht, neun Wochen
00:57:10bin ich doch in Helldorf
00:57:11zum Schwurf gewesen,
00:57:12zu so einem richtigen Kuhschwurf
00:57:13mit den Bauerntrampeln.
00:57:14Ja, na und?
00:57:15Und da behauptet einer,
00:57:16sie kriegt ein Kind.
00:57:17Und ich wäre der Vater
00:57:18und soll brechen.
00:57:20Also, ich denke gar nicht daran,
00:57:21die mache ich meinheitig.
00:57:23Na, wie willst du denn das machen?
00:57:24Ja, stell dir vor,
00:57:25den ganzen schönen Sonntag
00:57:26bin ich in Helldorf rum,
00:57:28um zu hören,
00:57:28mit wem sie noch und so.
00:57:30Aber dieser Bauerntrampel,
00:57:31alles hält zusammen.
00:57:32Na, die soll bloß
00:57:33ihren Meinheit schwören,
00:57:34wenn sie den Mut dazu hat.
00:57:35Und wenn sie den Mut hat?
00:57:36Ich werde dem Richter
00:57:37schon Bescheid stoßen.
00:57:38Nun, sag doch mal ehrlich,
00:57:40zwei Tänzer haben wir
00:57:40bloß zusammen getanzt
00:57:41und da habe ich gesagt,
00:57:42gnädiges Fräulein,
00:57:43habe ich gesagt,
00:57:44es ist hier so rauchig,
00:57:45wollen wir mal rausgehen.
00:57:46Na, und da gleich,
00:57:49einen einzigen Tanz
00:57:50haben wir bloß versäumt.
00:57:51So schnell.
00:57:53Schlägt das Schicksal zu.
00:57:55Und ich soll der
00:57:56alleinige Vater sein,
00:57:57so doof.
00:57:58Na ja, aber wenn du
00:57:59nichts beweisen kannst.
00:58:01Was, die, mach ich meinheitig.
00:58:03Der Richter muss das
00:58:04doch auch einsehen.
00:58:05Was soll ich denn noch machen,
00:58:06Piene, du weißt doch selber,
00:58:08bei uns haben wir Halt.
00:58:09Ja.
00:58:11Und heute ist auch noch
00:58:12Kündigungstag.
00:58:14Ach.
00:58:17Und mir wird immer
00:58:18so schlecht vom Alkohol.
00:58:26Heidler.
00:58:28Mensch, Manni,
00:58:29Dich haben sie auf einer
00:58:30Mache gehabt.
00:58:32Das ist noch gar nichts,
00:58:33was ihr hier seht.
00:58:34Meinen Rücken
00:58:35müsstet ihr erst mal sehen.
00:58:37Und wie ist denn das
00:58:38doch wirklich?
00:58:39Ja, so bin ich.
00:58:40Ich hätte ja gut
00:58:41zu Hause bleiben können,
00:58:42aber ich habe an euch gedacht
00:58:43und wie mein Gruf immer sagt,
00:58:44Treue ist kein leeres Wort.
00:58:46Das war das ja immer
00:58:46in Kündigungstag.
00:58:47Und wenn ich da ist,
00:58:48dann beißen die Hunde.
00:58:49Das war pittig.
00:58:51Pittig?
00:58:52Ja.
00:58:54Wir haben da schließlich
00:58:54noch unser Ehrenwort.
00:59:00Na?
00:59:02Wieder mal ohne Arbeit,
00:59:04meine Herren.
00:59:13Gut,
00:59:14könnte Ihnen so passen.
00:59:15Ihren Rausch für mein
00:59:15teures Geld im Büro
00:59:16ausschlafen.
00:59:18Feuchtes Familienbegräbnis,
00:59:19gehabt was?
00:59:19Nein, Herr Kleinold.
00:59:20Wissen Sie,
00:59:21wissen Sie,
00:59:22Sie können mal
00:59:22auf dem Anhänger
00:59:23vom Lastwagen krabbeln
00:59:24und nach der Weizenmühle fahren
00:59:25und lassen mir
00:59:26feine Bremsen bedienen.
00:59:27Das geht ganz schön
00:59:27bergauf und bergab.
00:59:29Ich werde dem Chauffeur sagen,
00:59:30dass er auf Sie aufpasst
00:59:31und Ihnen eine klebt,
00:59:32wenn Sie das Bremsen vergessen.
00:59:34Augenbeten,
00:59:35Herr Schulz.
00:59:36Sie können nicht
00:59:37bis zwölf zurück sein
00:59:38und bis zwölf
00:59:39kann ich Ihnen nur kündigen
00:59:41nach unserem Vertrag.
00:59:42Wissen Sie,
00:59:45ich weiß immer noch nicht,
00:59:46wem von euch dreien
00:59:47ich kündigen soll.
00:59:50Muss mal sehen.
00:59:53Und da kündige ich Ihnen
00:59:56vorsorglich.
00:59:57Wissen Sie,
00:59:58da haben Sie zu kaum dran
00:59:59während der Fahrt
01:00:00und wenn Sie dann noch
01:00:01tüchtig bremsen,
01:00:02ich denke mir beinahe,
01:00:03Sie werden nüchtern, Schulz.
01:00:05Ab dafür.
01:00:06Und wenn Sie zurückkommen,
01:00:09melden Sie sich bei mir.
01:00:10Ich sage Ihnen dann,
01:00:11ob ich die Kündigung
01:00:12zurücknehme oder nicht.
01:00:15Wenn ich Sie so ansehe,
01:00:17Herr Lauterbach,
01:00:18das ist doch ein wahrer Jammer.
01:00:20Auge blau,
01:00:21nese Mond,
01:00:22mit dem Mund können Sie kaum reden
01:00:24und der Arm.
01:00:27Und das soll
01:00:28eine vollwertige Kraft sein.
01:00:31Vollwertiges Gehalt wollen Sie ja.
01:00:33Daran lassen Sie nicht tippen.
01:00:34Meine Arbeit klappt.
01:00:36Sachte,
01:00:37Herr Lauterbach,
01:00:38sachte.
01:00:40Wissen Sie,
01:00:41Sport ist ja ganz gut,
01:00:43aber dass ausgerechnet
01:00:44ich die Kosten tragen soll,
01:00:46weil Sie es kloppen und bolzen
01:00:47nicht sein lassen können.
01:00:48Ich arbeite.
01:00:50Naja,
01:00:51werden wir sehen.
01:00:54Glaub nicht,
01:00:55dass Sie heute arbeiten.
01:00:57Die Arbeit,
01:00:57die ich habe,
01:00:59Sie sind ja ein kranker Mann.
01:01:00Ich arbeite
01:01:02alles,
01:01:03Herr Kleinholz.
01:01:04Wenn Sie es sagen,
01:01:05Lauterbach.
01:01:07Nur,
01:01:09ich glaube es nicht ganz.
01:01:13die Brom hat mich
01:01:14nämlich in den Stich gelassen.
01:01:17Und da müssen wir
01:01:18die Wintergäste
01:01:19noch mal
01:01:19durch die Klapper jagen.
01:01:22Und da hatte ich eigentlich gedacht,
01:01:24ich wollte Sie bitten,
01:01:26dass Sie die Klapper drehen.
01:01:28Sehen Sie,
01:01:29ich habe es ja gedacht,
01:01:30Sie sind invalide.
01:01:32Gehen Sie nach Hause,
01:01:33Herr Lauterbach.
01:01:34Aber Gehalt zahle ich Ihnen
01:01:35nicht für die Tage.
01:01:36Das ist keine Krankheit,
01:01:37was Sie da haben.
01:01:39Ich arbeite.
01:01:40Ich drehe die Windfege.
01:01:42Haben Sie mal keine Angst,
01:01:43Herr Kleinholz.
01:01:44Na,
01:01:44schön.
01:01:46Ich komme doch mal
01:01:47vor zwölf zu Ihnen rauf,
01:01:48Herr Lauterbach.
01:01:49Und sage Ihnen Bescheid.
01:01:52Wegen der Kündigung.
01:02:02Das sind Kerle,
01:02:03Ihre Kollegen.
01:02:05Einen Haufen Dumm
01:02:07und einen Haufen Mist.
01:02:08Einer wie der andere.
01:02:10Sie sehen ja heute
01:02:11so festlich aus.
01:02:13Da kann ich Ihnen wohl
01:02:13keine Dreckarbeit geben, was?
01:02:16Na,
01:02:16dann machen Sie mal
01:02:16einen Kontoauszug
01:02:17für die Gutsverwaltung
01:02:18Höner
01:02:19per 31. August.
01:02:20Und passen Sie mir
01:02:21vor allem bei den
01:02:23Strohlieferungen auf.
01:02:23Die haben da mal
01:02:25Haferstroh
01:02:25anstelle vom
01:02:26Rockenstroh geliefert.
01:02:27Und der Waggon
01:02:28ist beanstandet.
01:02:28Weiß Bescheid,
01:02:29Herr Kleinholz.
01:02:30Das war der Waggon,
01:02:30der an den Rennstall
01:02:31nach Karlshorst ging.
01:02:33Sie sind einer.
01:02:36Sie sind richtig,
01:02:37Herr Pieneberg.
01:02:38Wenn man laut
01:02:39auf solche Leute
01:02:40wie Sie hätte,
01:02:42na,
01:02:42machen Sie das dann,
01:02:43ja?
01:02:43Guten Morgen.
01:02:44Guten Morgen.
01:02:52und ich Idiot
01:02:54will mit den beiden
01:02:55Kündinnen.
01:02:58Herr Tisch,
01:03:00Sie wissen doch,
01:03:00dass ich montags
01:03:01die Wäsche lege.
01:03:02Augenblick nur,
01:03:02bitte um Entschuldigung,
01:03:03wird gleich bereit sein.
01:03:04Rödeln Sie sich aus,
01:03:05Mann,
01:03:05ich stehe hier mit der Wäsche.
01:03:06Einen Augenblick nur.
01:03:07Augenblick,
01:03:08Augenblick,
01:03:09das hätte alles
01:03:09schon längst gemacht
01:03:10sein können.
01:03:11Dieser Dreck,
01:03:12gerade erst heiligemacht,
01:03:13schon wieder alles dreckig.
01:03:15Wo ist denn das Staubtuch?
01:03:16Weiß nicht.
01:03:16Weiß nicht,
01:03:17weiß nicht.
01:03:18Jeden Sonnen
01:03:19hänge ich ein neues
01:03:20Staubtuch aus
01:03:20und am Montag
01:03:21ist es nicht mehr da.
01:03:22Muss doch direkt
01:03:22einer die Staubtücher klauen.
01:03:24Das verbitte ich mir.
01:03:25Was verbinden Sie sich?
01:03:26Nichts verbieten Sie sich.
01:03:27Habe ich gesagt,
01:03:27dass Sie die Staubtücher klauen?
01:03:29Einer habe ich gesagt.
01:03:30Ich glaube gar nicht,
01:03:31dass so eine Mädchen
01:03:32überhaupt Staubtücher
01:03:33anfassen würden.
01:03:34Das wäre ja viel
01:03:34zu gewöhnliche Arbeit
01:03:35für solche.
01:03:38Hören Sie,
01:03:38Fräulein Kleinholz.
01:03:41Ach, was.
01:03:43Ist auch besser,
01:03:43Sie sind still,
01:03:44sich mit so einer
01:03:45auf offener Straße
01:03:46rumzuknutschen.
01:03:48Ich habe ja nur
01:03:49die Knutscherei gesehen,
01:03:50was sonst noch war.
01:03:51Ich rede ja nur,
01:03:51was ich verantworten kann.
01:03:53Schrecklich aufgedonnert
01:03:54sei die Person aus
01:03:55so gewöhnlich.
01:03:56Mein Vater hat sie sogar
01:03:57schon in der Palmengurte gesehen.
01:03:58Da war sie früher Kellnerin.
01:04:00Aber die Männer lieben eben
01:04:01das Gewöhnliche.
01:04:02Es soll besonders reizvoll sein,
01:04:04sagt mein Vater.
01:04:05Sie tun mir schrecklich leid,
01:04:06Herr Pinneberg.
01:04:07Und Sie mir auch.
01:04:09Wenn Sie frech werden zu mir,
01:04:10sage ich meinem Vater,
01:04:11der schmeißt Sie gleich raus.
01:04:13Wieso frech?
01:04:13Ich habe genau das gesagt,
01:04:15was Sie gesagt haben.
01:04:16Keiß Sie.
01:04:17Und da ist sie ja.
01:04:19Och, die alte Schnippe.
01:04:22Und wie die sich angemalt hat,
01:04:23da kann man sich direkt
01:04:24schütteln vor Ekel.
01:04:25Hören Sie mir den Morgen zu.
01:04:28Wenn Sie so etwas noch einmal sagen,
01:04:31dann haue ich Ihnen ein paar
01:04:32in Ihre Schandschnauze,
01:04:33dass Sie ihn hören und sehen
01:04:34vergeht.
01:04:35Halten Sie es, Maul.
01:04:36Das ist meine Frau.
01:04:37Hier, verstehen Sie das.
01:04:39Und Sie können froh sein,
01:04:40wenn Sie je in Ihrem Leben
01:04:41eine halb so anständige Frau werden
01:04:42wie die.
01:05:04Ja, mein Gott.
01:05:09So schlimm war es ja nun auch
01:05:11wieder nicht gemeint,
01:05:13Fräulein Kleinholz.
01:05:14Ich kann doch nichts dafür,
01:05:15dass ich so bin.
01:05:17Ich habe Sie immer für einen
01:05:18grundanständigen Menschen gehalten,
01:05:20Herr Pinneberg.
01:05:21Und auf einmal sind Sie
01:05:23ganz richtig verheiratet.
01:05:26Ja, aber...
01:05:28Aber ohne Kirche,
01:05:29Fräulein Kleinholz.
01:05:32Ach so, ohne Kirche.
01:05:36Ich werde auch bestimmt
01:05:37meinem Vater nichts davon sagen.
01:05:40Und das andere,
01:05:41was ich gesagt habe,
01:05:42das meinte ich ja nur,
01:05:43um Sie zu ärgern.
01:05:47Sie sieht wirklich sehr gut aus.
01:05:51Marie, wo bleibst du mit der Wäsche?
01:06:05Ach ja, Pinneberg.
01:06:07Wissen Sie,
01:06:10ich druckse hin und druckse her.
01:06:13Am liebsten behielte ich sie
01:06:15und ließ einen von den anderen laufen.
01:06:16Aber dass Sie mir am Sonntag
01:06:18die Futterausgabe zugemutet haben,
01:06:20bloß damit Sie sich
01:06:21mit Ihren Weibern amüsieren,
01:06:23das kann ich Ihnen nicht verzeihen
01:06:25und darum will ich Ihnen kündigen.
01:06:27Nee, nee, nee, nee, nee, Herr Pinneberg.
01:06:29Das müssen Sie ansehen.
01:06:31So was kann man mit mir nicht machen.
01:06:36Verdammig.
01:06:38Da ist das Frauenzimmer ja schon wieder.
01:06:46Sie sind zum 1. Oktober gekündigt,
01:06:50Herr Pinneberg.
01:07:04Und Pinneberg rennt und fühlt doch schon,
01:07:07dass alles verloren ist.
01:07:08Dass alles ein großer Selbstbetrug war.
01:07:10Die heimliche Heirat,
01:07:11der versteckte Ring,
01:07:12die ganze Hoffnung,
01:07:13sich durchmogeln zu können.
01:07:15Es gibt kein Mogeln.
01:07:17Er wollte das kleinere Dübel wählen.
01:07:20Nun sitzt er bis über die Ohren im Dreck.
01:07:21Wer sich durchmogeln will,
01:07:23der ist allein.
01:07:24Und wer allein ist,
01:07:26der ist verloren.
01:07:28Und in wilder Angst
01:07:29klammert sich Pinneberg
01:07:29wie ein Ertrinkender
01:07:30an den Strohhalm
01:07:31seiner einzigen
01:07:32Achso-Wagen-Hoffnung.
01:07:34Lauterbach
01:07:34muss kündigen.
01:07:36Hör doch!
01:07:39Du musst davor
01:07:39zu Kleinhausen kündigen.
01:07:41Denk an dein Ehrenwort.
01:07:42Er hat mir eben gekündigt.
01:07:46Erstens ist es eine Minute vor zwölf.
01:07:48Bis zwölf Uhr kann ich nicht mehr kündigen.
01:07:49Zweitens müsste ich auch mit Schulz sprechen
01:07:51und der ist nicht da.
01:07:52Und drittens habe ich eben von Marieschen gehört,
01:07:54dass du verheiratet bist.
01:07:55Und wenn das wahr ist,
01:07:56bist du sehr hinterlistig
01:07:57zu uns Kollegen gewesen.
01:07:59Und viertens...
01:08:43Zweitens ist es eine Minute vor zwölf.
01:08:44Es ist Altweibersommer geworden.
01:08:46Pinnebergs letzte Arbeitstage
01:08:48vergehen wie je und je.
01:08:49Arbeit und Lämmchen,
01:08:50Lämmchen und Arbeit.
01:08:53Aber er ist ein anderer geworden.
01:08:55Ein geschlagener Mann.
01:08:57Trostlos, stumm, leer.
01:09:00Etwas treibt ihn umher.
01:09:02Ein dunkles Verlangen nach Solidarität.
01:09:04Ein brennendes Gefühl nach Zugehörigkeit.
01:09:06Tastendes Suchen nach dem Sinn.
01:09:09Vergebens.
01:09:10Nichts bleibt klar.
01:09:13Begreifbar und zuverlässig.
01:09:15Nur eins bleibt.
01:09:17Lämmchen.
01:09:19Sie hat so ein paar feste Begriffe.
01:09:22Dass die meisten Menschen nur schlecht sind,
01:09:24weil sie schlecht gemacht werden.
01:09:25Dass die Solidarität der Arbeitenden
01:09:27alle Widerstände bricht.
01:09:29Solche Sachen hat sie in sich.
01:09:31Nicht ausgedacht.
01:09:33Die sind in ihr.
01:09:35In diesem Augenblick fasst Pinneberg
01:09:37einen großen Entschluss,
01:09:39macht sich auf den Weg
01:09:40und geht in verzweifelter Wut
01:09:42den bittersten Gang seines Lebens.
01:09:44Legt all seinen Stolz ab,
01:09:46erniedrigt sich,
01:09:48bettelt.
01:09:48bettelt um Arbeit.
01:09:51Die sind in der Kirche.
01:10:20Hannes, komm ganz schnell nach Hause, komm ganz schnell, ich bin ja so irrsinnig glücklich,
01:10:24oh Joghurt, wir haben eine Stellung von deiner Mutter in Berlin, komm Hannes, komm, doch.
01:10:35Und wieder fahren die beiden Pinnebergs neuen Erwartungen entgegen, vorbei ist es mit
01:10:40kleinstädtischem Mief, vorbei mit heimlicher Ehe, vorbei, das Abenteuer Berlin lockt, Berlin
01:10:48mit seinen Millionen Menschen, Berlin mit seinem brausenden Verkehr, Berlin mit seinen
01:10:52ungeahnten Möglichkeiten, Berlin mit seinem Warenhaus Mandl und der Aussicht auf einen
01:10:57neuen Lebensbeginn. Die Dame, die gerade aus dem Auto steigt, ist Mia, Mia Pinneberg, des
01:11:03jungen Mutter, gewesene Barfrau, Lebenskünstlerin.
01:11:17Gehen Sie doch weg hier, passen Sie doch auf.
01:11:46Wo ist denn nun deine Mama?
01:11:48Weiß nicht.
01:11:49Ach, da seid ihr ja Kinder, oh ist das schön. Tag mein Junge, siehst ja glänzend aus.
01:11:56Na los, gib mir einen Kuss, mein Liebenstift ist Kossech.
01:11:59Du, Hochlämmchen.
01:12:00Nee, also dich habe ich mir noch allerdings ganz anders vorgestellt.
01:12:04Was hast du denn so gedacht, Mama?
01:12:05Ach Gott, wie ist es nicht, aber Emma und vom Lande und Lämmchen nennt er dich.
01:12:09Du, sag mal, man soll ja bei euch in Mecklenburg noch Flanell unter Wäsche tragen.
01:12:14Nein, Hans, wie du das fertigbringst, so ein Mädchen und Lämmchen.
01:12:18Hohe Brust und stolzer Sinn.
01:12:20Oh Gott, oh Gott, oh Gott, nun wäre bloß nicht rot, du.
01:12:22Sonst denke ich gleich wieder, du, roh, roh.
01:12:24Aber gar nicht rot werde ich, Mama.
01:12:25Natürlich habe ich eine hohe Brust und einen stolzen Sinn habe ich auch, gerade heute.
01:12:29Berlin, Mandl und so eine Schwiegermutter.
01:12:31Aber Flanell, Flanell habe ich nicht mehr, Mama.
01:12:33Ja, Apropos, Flanell, sag mal, wie ist denn das mit euren Sachen oder habt ihr Möbel?
01:12:36Nein, Möbel haben wir nicht.
01:12:37Nein, doch nicht, ihr kriegt bei mir ein Fürst, nicht möbeliertes Zimmer.
01:12:40Kuschelig, sage ich euch.
01:12:42Nee, nee, Geld ist besser als Möbel.
01:12:43Hoffentlich habt ihr recht viel davon, hä?
01:12:45Woher denn? Woher sollen wir denn so viel Geld haben?
01:12:47Was zahlt Mandl denn?
01:12:48Mandl? Wer ist Mandl?
01:12:49Na, das Warenhaus Mandl, wo ich eine Stellung habe.
01:12:51So, habe ich Mandl geschrieben? Weiß nicht mehr.
01:12:53Musst du heute Abend alles mal mit Jachmann besprechen, nicht?
01:12:55Der weiß das alles.
01:12:56Jachmann?
01:12:57Ja, Jachmann, ich gebe nämlich heute Abend eine Gesellschaft und der kommt da.
01:13:01So, Junge, jetzt pass mal auf, da ist der Schalter von der Paketfahrt, ja?
01:13:04Na, du laufst schon, Hans.
01:13:06Halt mal.
01:13:07So.
01:13:08Du, die Sonne aber nicht vor Elbe schicken.
01:13:09Kann ich mir nicht leihen, wenn bei mir vor Elbe geklingelt wird.
01:13:12Du schläfst gern lange, Mama.
01:13:13Na klar, du etwa nicht.
01:13:14Sag mal, ist der Hans immer noch so rücksichtslos?
01:13:16Nein, Mama.
01:13:17Bei mir nicht.
01:13:18Bei mir ist er immer der rücksichtsvollste Mensch in der Welt.
01:13:21Ja, ja. Wie lange verheiratet?
01:13:22Ach, was red nicht, Lämmchen.
01:13:23Ob das Lämmchen muss man sehr wichtig nennen.
01:13:25Na, alles erledigt, mein Sohn?
01:13:27Alles erledigt.
01:13:27Kommt, Kinder, wir nehmen ein Taxi.
01:13:28Ich gebe nämlich heute noch eine Gesellschaft.
01:13:32Du gibst heute eine Gesellschaft, Mama?
01:13:34Doch nicht etwa.
01:13:35Na was, genierst du dich?
01:13:36Euch zu Ehren wirst du sagen, was?
01:13:38Nein, mein Sohn.
01:13:39Erstens habe ich für sowas kein Geld
01:13:40und zweitens ist es doch gar keine Gesellschaft,
01:13:42sondern nur ein Geschäft.
01:13:43Nur ein Geschäft.
01:13:45Ach, du gehst abends nicht mehr?
01:13:46Nicht besetzt.
01:13:47Oh Gott, Lämmchen, wie komme ich bloß zu diesem Sohn?
01:13:50Nur schien er sich schon wieder.
01:13:51Er will mich nämlich fragen, ob ich noch in die Bar gehe,
01:13:54wenn ich 80 bin, wird er mich das noch fragen.
01:13:56Nein, mein Sohn schon lange nicht mehr.
01:13:58Die hat er doch sicher auch erzählt,
01:14:00dass ich in die Bar gehe,
01:14:01dass ich ein Barwildchen bin.
01:14:03Na, hat er es?
01:14:06Er hat es.
01:14:07Na also.
01:14:18Also pass mal auf, Lämmchen.
01:14:20Herrgott, wenn ich doch bloß erst einen anderen Namen für dich wüsste.
01:14:23Also mit der Bar war das nämlich ganz anders, nicht?
01:14:26Erstens ist das schon mindestens zehn Jahre her, nicht?
01:14:28Und zweitens war das nämlich eine ganz große Bar, verstehst du?
01:14:31Mit vier oder fünf Mädchen und einem Mixer.
01:14:33So eine Art Aufsicht war ich da.
01:14:36Verstehst du?
01:14:37Repräsentation.
01:14:38Aber Junge, wie kannst du denn dann sowas erzählen?
01:14:40Das werde ich dir sagen, wie er kann.
01:14:42Durchgeschielt hat er durch den Vorhang am Eingang.
01:14:45Gar nicht geschielt, habe ich.
01:14:47Doch geschielt hast du, Hans, mein Sohn, schwindelig.
01:14:50Natürlich habe ich auch manchmal mit den Gästen, die ich kannte,
01:14:52ein Gläschen Sekt getrunken, nicht?
01:14:53Ja, Schnaps.
01:14:54Ja, in die Kirchen trinke ich auch mal.
01:14:55Wird deine Frau auch trinken?
01:14:57Meine Frau trinkt überhaupt kein Alkohol.
01:14:59Und was ist das für eine Gesellschaft, die du heute Abend hast?
01:15:02Nun, sieh ihn dir an, Lämpchen.
01:15:04Wie ein Untersuchungsrichter.
01:15:05So war der schon mit 15.
01:15:06Mit welchem Herrn hast du Kaffee getrunken?
01:15:08Da lag ein Zigarrenstummel im Aschbecher.
01:15:10Mann, hab ich einen Sohn.
01:15:12Ja, du hast selbst mit der Gesellschaft angefangen, Mama.
01:15:14So?
01:15:16Hab ich?
01:15:17Und nun will ich ihn nicht mehr.
01:15:18Wenn ich dein Gesicht sehe, hab ich keine Lust mehr.
01:15:20Ihr seid jedenfalls dispensiert.
01:15:23Aber was ist denn los, Mama?
01:15:25Wir waren doch eben alle noch so vergnügt.
01:15:28Und wie immer muss der Junge mit dieser blöden Bargeschichte anfangen?
01:15:30Das geht nun schon Jahre und Jahre so.
01:15:32Ja, ich hab nicht angefangen.
01:15:33Du hast.
01:15:34Nee, du hast.
01:15:35Ah, Halschauffeur!
01:15:36Links rum, links rum, links rum!
01:15:50Und wer ist Jachmann?
01:15:52Jachmann?
01:15:54Jachmann, das ist mein augenblicklicher Liebhaber.
01:15:56Mit dem Gehschlaf.
01:15:56Das ist dein augenblicklich stellvertretender Vater, mein Sohn Hans.
01:16:00Vor dem hast du Respekt zu haben.
01:16:02Siehst du, Lämmchen, das ist meine Mutter.
01:16:03Ich wollte sie dir doch gleich richtig zeigen.
01:16:05Na, komm.
01:16:10So, Kinderchen, da sind wir.
01:16:13Passt mal auf.
01:16:14Ihr hört jetzt staunen.
01:16:20Also, das ist nur euer Zimmer.
01:16:23Das ist viel zu fein für uns.
01:16:25Wir sind ganz kleine Leute.
01:16:27Das ist ganz echt.
01:16:28Luis 16.
01:16:29Oder...
01:16:30Ich weiß nicht mehr so genau.
01:16:32Müsst du da Jachmann fragen.
01:16:33Der hat es mir geschenkt.
01:16:35Geschenkt?
01:16:36Schenkt ihr Betten?
01:16:38Ich hab's bisher immer vermietet.
01:16:40Meistens an Ausländern.
01:16:43Sieht ja auch glänzend aus, ne?
01:16:45200 hab ich dafür bekommen, aber...
01:16:47Wer zahlt das heutzutage noch?
01:16:50Na schön.
01:16:51Wir lassen es euch für 100.
01:16:54Was 100?
01:16:55Kann ich unmöglich für Mieter ausgeben, Mama.
01:16:57Aber warum nicht?
01:16:58100 mag ist nicht viel für so ein elegantes Zimmer.
01:17:01Telefon könnt ihr auch noch mitbenutzen.
01:17:02Ich brauch kein Telefon.
01:17:04Ich weiß ja noch gar nicht, was ich verdiene.
01:17:08Also, gehen wir Kaffee trinken.
01:17:10Ach, hör mal, Lämmchen.
01:17:11Die Möller, meine Aufwartung, hat mich ausgerechnet heute im Stich gelassen.
01:17:14Hilfst mir doch ein bisschen bei den Vorbereitungen, wa?
01:17:15Mach dir doch nicht aus.
01:17:21Also, diese Möller, da sieht man's wieder.
01:17:24Ich komm ja sonst nie in die Küche und nun macht sich's so.
01:17:26Wozu ich dir immer mein teures Geld in eine Halbstecke?
01:17:29Gleich morgen schmalz ich's hier raus.
01:17:30Hans, mein Sohn, pass ein bisschen auf,
01:17:31dass keine Fusseln von dem Turan in Weingläser bleiben, ja?
01:17:34Ja, Mann, das ist ja sowas schrecklich, Penibel.
01:17:36Er wird so ein Glas einfach an der Wand.
01:17:39Ah!
01:17:41Ja, wen haben wir denn da?
01:17:44Ist das alle, wie es die Möller an dem Schnaps,
01:17:46den sie uns geglaut hat, endlich krepiert?
01:17:53Geizend, ja, Mann.
01:17:54Da stehst du und starbst.
01:17:56Wo ich dir ausdrücklich erzählt habe,
01:17:57ich erwarte meinen Sohn und meine Schwiegertorte.
01:17:59Kein Wort hast du mir erzählt, wenn du weckst.
01:18:01Ja, Mann, du wirst ja auch mal, du wendest an.
01:18:04Und nun auch noch als Schwiegertochter.
01:18:06Nählige Frau.
01:18:11Nählige Frau, ich bin erzückt.
01:18:13Wenn Sie immer hier abwaschen, ja, gestatten Sie.
01:18:16Das ist ein hoffnungsloser Fall.
01:18:18Wie hat Pinneberg Schuhsohlen auf dem Kochwege hergestellt worden?
01:18:21Ja, du redest, ja, Mann, du wendest an.
01:18:31Und du behauptest, ich hätte dir nie von meinem Sohn erzählt.
01:18:34Dabei hast du diesem meinem Sohn eine Stellung besorgt.
01:18:36Beim Handel, selbst höchstpersönlich anzutreten am 1. Oktober, was morgen ist.
01:18:40So bist du, ja, Mann.
01:18:41Ich, ausgeschlossen, ich mach sowas nie.
01:18:44Stellung besorgen in den heutigen Zeiten.
01:18:46Es bringt doch noch Kummer.
01:18:46Oh Gott, was für ein Mann.
01:18:49Und dabei hast du gesagt, die Sache ist perfekt.
01:18:51Sie sollen kommen lassen.
01:18:53Na, mir schwebt sowas dunkel vor.
01:18:56Aber vom Sohn hast du überhaupt nichts erzählt, nicht wahr?
01:18:59Immer deiner verdammte Eitelkeit.
01:19:00Und perfekt, Pinneberg.
01:19:03Perfekt.
01:19:03Da hast du wieder mal Luftschlösser gebaut, du.
01:19:08Mama, soll das etwa heißen, dass du uns aus Duchero hast kommen
01:19:12und dass viele Fahrgeld hast bezahlen lassen, bloß auf dem blauen Dunst hin?
01:19:15Was?
01:19:16Bloß, weil du dein Fürstenzimmer gern für 100 Mark vermietet hättest.
01:19:18Junge.
01:19:19Und bloß, weil du jemanden zum Aufwaschen brauchst.
01:19:21Wir sind arme Leute, Lämpchen und ich.
01:19:24Wahrscheinlich bekomme ich hier ja nicht meine Arbeitslosenunterstützung.
01:19:27Was?
01:19:29Was in aller Welt soll man jetzt bloß tun?
01:19:32No, no, no.
01:19:34Nun weiss man bloß nicht.
01:19:37Zurückfahren nach Duru könnte er immer noch.
01:19:47Herr Yachmann.
01:19:50Sehen Sie,
01:19:53für Sie ist es gar nichts, wenn wir keine Stellung haben.
01:19:56Sie können sich wahrscheinlich immer helfen.
01:19:58Sie sind viel klüger als wir.
01:19:59Hörst du, Pinneberg?
01:20:01Aber wir sind kleine Leute, wir haben nicht viel.
01:20:04Und wir sind sehr unglücklich, wenn man Jungen keine Stellung hat.
01:20:07Und deshalb bitte ich Sie, wenn Sie es können, dann tun Sie es.
01:20:11Dann besorgen Sie uns eine.
01:20:15Kleine junge Frau, wissen Sie was?
01:20:18Ich mach's.
01:20:19Ich besorge dem Jungen deine Stellung.
01:20:20Was soll's denn sein?
01:20:22Aber das weißt du doch alles ganz gut, Yachmann.
01:20:25Verkäufer bei Mandel.
01:20:26Bei Mandel?
01:20:27Ja, Hörnkonfektion.
01:20:29Ja, mögen Sie denn sowas?
01:20:30So eine Knochenmühle?
01:20:32Außerdem glaube ich nicht, dass er da mehr als 500 im Monat verdient.
01:20:34Du bist verrückt, Verkäufer mit 500.
01:20:38200.
01:20:40250.
01:20:41Höchstens.
01:20:43Höchstens.
01:20:44Alles mach ich, Herr Yachmann, alles, wenn ich nur Arbeit kriege.
01:20:47Hör mal zu.
01:20:48Morgen spring ich mit dem Olle Lehmann, Personalschaft bei Mandel.
01:20:51Übermorgen, junge Frau, hat der Mann eine Stellung.
01:20:53Ja, übermorgen.
01:20:54Ja, gut.
01:20:55Sie ist doch gut.
01:20:56Sie ist doch mal.
01:20:58Dann warten Sie wieder, ey.
01:21:00Ja, Herr Yachmann.
01:21:02Ja, gut.
01:21:27Ja, da sind Sie ja.
01:21:31Sehen Sie, bloß sieht Sie besorgt aus, ja?
01:21:33Alles in bester Ordnung.
01:21:34Ich habe dem Lehmann ein Loch in den Bauch geredet und jetzt ist er ganz wild auf Sie.
01:21:37Sag ich mal, haben wir Sie gestern Abend sehr gestört?
01:21:41Bisschen.
01:21:41Wir sind noch nicht daran gewöhnt, aber es kann auch von der beiden Reise gewesen sein.
01:21:44Aber muss ich jetzt nicht zu Herrn Lehmann raus?
01:21:46Ach, lassen Sie doch den dusseligen Lehmann warten.
01:21:48Der ist doch froh, wenn er Sie kriegt.
01:21:49Ich habe mich natürlich auch schwer ansohlen müssen.
01:21:51Vielleicht stellt er denn in solchen Zeiten einen Menschen ein, ne?
01:21:53Aber Sie ist wohl nichts.
01:21:54Ja?
01:21:55Aber ich müsste doch bescheiden.
01:21:56Hey, Bubone, warum müssen Sie denn?
01:21:58Sie können doch gar nicht lügen.
01:21:59Das sieht man doch.
01:22:00Ne, Sie wissen wohl nichts.
01:22:01Klar, kommen Sie ein bisschen rüber ins Café.
01:22:02Nein, danke.
01:22:03Ich möchte jetzt nicht.
01:22:04Ich möchte jetzt Gewissheit haben.
01:22:05Es ist doch für meine Frau und mich so wichtig.
01:22:07Wichtig, zwei nochmal Gehalt.
01:22:09Das zock ich doch in zwei Minuten.
01:22:10Gucken Sie bloß nichts so.
01:22:12Hab's ja nicht böse gemeint.
01:22:13Nun, hören Sie, Mutter Merk.
01:22:14Ich stehe ja nicht nur hier und rede uns.
01:22:17Noch eins.
01:22:17Sagen Sie Ihre Mutter nicht so bald, dass Sie ein Kind erwartet.
01:22:20Ihre Frau natürlich, meine ich.
01:22:21Das ist für Sie das Schlimmste.
01:22:22Schlimme noch als zwanzig und dritten.
01:22:24Hat sicher keine guten Erfahrungen mit Ihnen gemacht.
01:22:26Was?
01:22:27Sagen Sie nichts.
01:22:28Leugnen Sie, hat ja noch Zeit.
01:22:29Ich will sehen, dass Sie hier im Einbruch.
01:22:31Die Seifers lauten doch noch nicht, mein Vater.
01:22:39Hey, hey, hey, Taxi, Taxi.
01:22:41Ich muss jetzt seit einer halben Stunde am Alex sein.
01:22:44Die Brüder wollen mir zeigen, wie viel Zinken einer Haarke hat.
01:22:46Also zweiter Hof rechts.
01:22:49Rehmann.
01:22:49Sagen Sie nichts, ja?
01:22:51Und Hals und Beinbrot.
01:22:54Und so geht also der arbeitslose Johannes Pinneberg,
01:22:58der nach Berlin gekommen ist, um seinem Lämpchen und sich ein neues Leben aufzubauen,
01:23:02So geht er also, voll banger Hoffnung und der fragwürdigen Protektion eines Holger
01:23:08Jachmann vertrauend, auf den großen, imponierenden, beängstigenden Block des Hauses Mandel zu.
01:23:15Im Hause der Mia Pinneberg, in des wartet unruhig Lämpchen.
01:23:20Denn zu wissen, dass jetzt und in dieser Stunde ihrer beider Schicksal
01:23:25in fremde und gleichgültige Hände gelegt,
01:23:29sich zum Guten oder Bösen entscheidet,
01:23:32erfüllt sie mit einer so großen, unsagbaren, alles beherrschenden Angst,
01:23:38dass sie nur in dem einen, alles umschließenden, alles ausdrückenden Gedanken leben kann,
01:23:43der da heißt,
01:23:44es muss,
01:23:46es muss klappen.
01:23:51Zeigen Sie mal Ihre Zeugnisse her.
01:23:55Wie?
01:23:57Ja, natürlich.
01:23:59Bitte sehr.
01:24:03Bitte sehr.
01:24:17Düngemittel führen wir nicht.
01:24:19Ich dachte auch,
01:24:22eigentlich Herrenkonfektion.
01:24:27Das war nur zur Aushilfe.
01:24:29Kartoffeln
01:24:31auch nicht.
01:24:35Also.
01:24:37Wir stellen keine neuen Kräfte ein.
01:24:41Wir dürfen es gar nicht.
01:24:44Denn wir bauen die alten ab.
01:24:50Immerhin.
01:24:53Immerhin dürfen wir Kräfte aus unseren Filialen übernehmen.
01:24:59Besonders tüchtige Kräfte.
01:25:03Sie sind doch eine tüchtige Kräfte.
01:25:05Ich glaube, es sei so.
01:25:05Sie, Herr Pinneberg, werden aus unserer Filiale in Hamburg übernommen.
01:25:10Sie kommen aus Hamburg.
01:25:12Nicht wahr?
01:25:13Ich war einige Jahre in Mecklenburg.
01:25:15Gut.
01:25:16Sie fangen morgen früh an.
01:25:17Sie melden sich um 8.30 Uhr bei Frau Lein Semmler.
01:25:20Wie sagt Ihnen Bescheid?
01:25:21Guten Morgen.
01:25:22Guten Morgen.
01:25:24Guten Morgen.
01:25:25Und
01:25:27grüßen Sie Ihren Herrn Vater bestens.
01:25:29Sagen Sie Ihrem Herrn Vater,
01:25:31ich habe Sie eingestellt.
01:25:33Sagen Sie Jachmann,
01:25:35am Mittwochabend wäre ich frei.
01:25:38Ja.
01:25:39Guten Morgen, Herr Pinneberg.
01:25:41Guten Morgen.
01:25:49Pinneberg ist so müde und zerschlagen,
01:25:51als wäre er in Lebensgefahr gewesen und gerade noch gerettet.
01:25:55Und während er mit der Ungerechtigkeit der Welt hadert,
01:25:58kommt er auf einen der vielen Plätze,
01:26:01auf denen sich die Scharen der Elenden dieser Millionenstadt sammeln.
01:26:05Arbeitslose.
01:26:06Äußerlich gehört Pinneberg nicht zu Ihnen.
01:26:09Ist fein in Schale.
01:26:11Aber innerlich,
01:26:13innerlich fühlt Pinneberg ganz deutlich,
01:26:16dass er zu diesen hier gehört.
01:26:17Jeden Tag kann es kommen,
01:26:18dass er hier steht wie Sie.
01:26:19Und es wird kommen.
01:26:21Nichts schützt ihn davor.
01:26:24Ach, er ist ja einer von Millionen.
01:26:27Minister halten Reden an ihn,
01:26:29ermahnen ihn,
01:26:29Entbehrungen auf sich zu nehmen,
01:26:31Opfer zu bringen,
01:26:31Deutsch zu fühlen
01:26:32und die staatserhaltenden Parteien zu wählen.
01:26:36Aber er glaubt denen nichts mehr.
01:26:39Gar nichts.
01:26:41Und in dieser Minute weiß Pinneberg,
01:26:44heute, nur heute verdient er noch.
01:26:47Morgen, ach morgen,
01:26:50stempelt er doch.
01:27:20Untertitelung im Auftrag des ZDF,
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01:28:02Untertitelung im Auftrag des ZDF,
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01:29:22Untertitelung im Auftrag des ZDF,
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