Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 1 Tag
Gesucht wird...

Kategorie

📺
TV
Transkript
00:00Ein Trümmerfeld im Leipziger Süden. Ausgebrannte Autos. Die ruinierten Fahrzeuge gehören den Stadtwerken.
00:09Wer hat diesen Brandanschlag verübt und warum? Das Landeskriminalamt ermittelt.
00:18Die Spuren des Brandes, der an dieser Stelle vier Elektrofahrzeuge des Versorgungsunternehmens Leipziger Gruppe in Wracks verwandelte, sind noch gut
00:26zu erkennen.
00:28Am 28. April 2026 gehen am frühen Morgen Notrufe bei der Feuerwehr ein.
00:36Die Einsatzkräfte rücken aus in Richtung Eichendorfstraße im Leipziger Stadtteil Connewitz.
00:43Unser erstes Fahrzeug war gegen 4.08 Uhr dort vor Ort und bereits gegen 4.14 Uhr haben die ersten
00:50Löschmaßnahmen so viel Erfolg gehabt, dass die Fahrzeuge komplett gelöscht gewesen sind.
00:55Obwohl der Einsatz an brennenden Elektrofahrzeugen bestimmten Regeln unterliegt, verlief der Löschvorgang sehr zügig und ohne Probleme.
01:05Das Bild von selbst brennenden oder gar explodierenden Elektroautos hat nichts mit der Realität zu tun.
01:12Für uns ist ein Pkw-Brand erstmal ein Pkw-Brand und die Antriebsart ist erstmal gar nicht entscheidend.
01:19Wir können unsere Maßnahmen entsprechend darauf einstellen.
01:22Der Akku des Fahrzeugs oder der Fahrzeuge, die waren nicht betroffen und damit ist da auch keine weitere Gefährdung, auf
01:28die man hätte achten müssen.
01:29Die völlige Zerstörung der Fahrzeuge konnte die Feuerwehr nicht verhindern.
01:35Der Schaden wird von der Polizei auf circa 200.000 Euro geschätzt.
01:40Verletzt wurde zum Glück niemand.
01:42Schnell wird klar, dass es sich hier um vorsätzliche Brandstiftung handeln könnte.
01:47Und zwar mit einer bestimmten Zielrichtung.
01:51Das Landeskriminalamt hat mit dem polizeilichen Terrorismus, Extremismus und Abwehrzentrum die Ermittlungen übernommen,
01:58da wir nach derzeitigen Erkenntnissen davon ausgehen, dass eine politische Motivation nicht auszuschließen ist.
02:04Denn unmittelbar nach der Tat taucht auf der linken Internetplattform Indymedia ein anonymes Bekennerschreiben auf.
02:12Darin steht, wie die Elektrofahrzeuge in Brand gesetzt wurden. Und das schon zum zweiten Mal.
02:19Bereits am 16. Juli des vergangenen Jahres hatten an derselben Stelle bereits zwei elektrisch betriebene Fahrzeuge des Versorgungsunternehmens gebrannt.
02:32Und auch da liegt ein Selbstbekenerschreiben vor.
02:36Auch da wird quasi die Stadt Leipzig in Verantwortung genommen.
02:41Ob die beiden Taten miteinander in Verbindung stehen, ob das auch die gleichen Täter waren, das werden die Ermittlungen dann
02:48zeigen.
02:49Damals ging es um die Kritik an der Auslieferung von Maya Tee, Mitglied in einer linksgerichteten Gruppe an Ungarn.
02:58Dieses Mal geht es um den Dritten Weltkrieg.
03:00Mit der Bildung eines Rüstungsnetzwerkes mit dem Fraunhofer-Institut diene die Stadt Leipzig der Kriegsvorbereitung, heißt es in der Selbstbezichtigung.
03:10Die Herausforderung liegt hier, dass wir natürlich mit dem vorhandenen Bekennerschreiben prüfen müssen, handelt es sich um die wahren Täter,
03:18die die Tat begangen haben,
03:20oder möglicherweise um Trittbrettfahrer. Und das gilt es jetzt herauszufinden und auch abzugleichen.
03:27Ob es tatsächlich ein politischer Anschlag war oder Vandalismus, werden die Ermittlungen zeigen.
03:37Unsere Brandursachenermittler waren vor Ort, haben ausreichend Spuren auch gesichert, die gegenwärtig auch ausgewertet werden.
03:47Der Tatort des Brandanschlages liegt im Leipziger Stadtteil Connewitz.
03:53Zwischen der Richard-Lehmann-Straße und der Eichendorff-Straße befindet sich ein großer Parkplatz, der auch von der Leipziger Gruppe
04:00genutzt wird.
04:01Im Umkreis stehen vorwiegend gewerbliche Gebäude und Hochschuleinrichtungen.
04:06Vielleicht gibt es deshalb bisher kaum Zeugen.
04:14Möglicherweise hat aber ja doch jemand etwas beobachtet.
04:17Damit herzlich willkommen zu Kripo Live.
04:19Wer hat am frühen Morgen des 28. April, das war ein Dienstag, verdächtige Personen oder Fahrzeuge im Bereich des Parkplatzes
04:27in der Eichendorff-Straße in Leipzig-Connewitz wahrgenommen?
04:30Oder auch schon in den Tagen davor?
04:32Und auch nach dem Brandanschlag haben die Täter möglicherweise dazu in den sozialen Medien etwas gepostet.
04:38Und auch das ist für die Ermittler relevant.
04:40Hinweise also bitte an das LKA Sachsen unter der Telefonnummer 0351 855 2055.
04:49Jetzt zu einem Fall, der sprachlos macht.
04:52Ein Thüringer glaubt, mit Kryptowährungen im Internet große Gewinne zu machen und verliert.
04:58260.000 Euro.
05:00Geld, das für seine Altersvorsorge gedacht war.
05:02Und besonders alarmierend dabei, solche Fälle nehmen rasant zu, weil die Täter äußerst skrupellos vorgehen.
05:11Mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin und zahlreichen anderen Anlageprodukten sind Menschen schon sehr reich geworden.
05:20Die Aussicht auf hohe Gewinne ist verlockend.
05:24Und genau das nutzen Anlagebetrüger für ihre schmutzigen Geschäfte.
05:28Allein im Jahr 2025 haben wir hier im Schutzbereich der LPI Jena bereits einen Schaden zu verzeichnen von 3,8
05:35Millionen Euro.
05:35Allein nur im Phänomenbereich des Anlagebetruges.
05:39Jetzt sind wir bis April 2026 schon bei 2,8 Millionen.
05:44Was natürlich bedeutet, dass die Tendenz stark steigend ist.
05:46Die Betrügerbanden werben online für ihre unseriösen Trading-Plattformen.
05:53Auch mit gefälschten Bildern oder KI-generierten Videos von Prominenten.
05:58Sie können jederzeit und überall Gewinne erzielen, sogar im Schlaf.
06:04Die Plattformen wirken sehr echt und wecken Vertrauen.
06:08Doch sie sind fake.
06:09Auch dieser Thüringer wird auf eine solche Anzeige aufmerksam.
06:14Er spricht mit uns, erkannt werden möchte er aber nicht.
06:18Wir nennen ihn Lutz W.
06:22Die haben dann dort in dieser Anzeige geschrieben, dass man dort einen eigenen Broker bekommt, der vor sie speziell arbeitet.
06:32Und das war dann auch im Nachhinein so.
06:35Da habe ich mir gedacht, mein Gott, wenn die so etwas machen, dann kannst du dir das ja mal angucken.
06:40Und wenn die wirklich so gut sind, wie sie das hier beschreiben, dass die dir in kurzer Zeit auch eine
06:47gute Rendite da garantieren,
06:50naja gut, da habe ich mich da mal reingedenkt.
06:54Kurz darauf meldet sich ein Mitarbeiter des angeblichen Finanzdienstleisters bei ihm.
07:00Er empfiehlt dem Thüringer eine Investition von 250 Euro.
07:04Dann würde er ihm helfen, das Geld durch den Handel mit Aktien, Rohstoffen und digitalen Währungen zu vermehren.
07:13Außerdem müsse er eine bestimmte App auf seinem PC installieren, wo er sein Handelskonto, Kursverläufe und seine vermeintlichen Gewinne einsehen
07:22kann.
07:23Man hätte nicht gedacht, dass man da irgendwie jetzt in eine Sache reingeht, die nicht recht ist oder irgendwas.
07:30Und die Investition scheint sich zu lohnen.
07:33Nach kürzester Zeit sieht Lutz W., dass sich die 250 Euro schon verdoppelt haben.
07:40Fast täglich hat der Thüringer nun Kontakt zu seinem Broker. Und der wird sehr persönlich.
07:46Und da er mir von seiner Familie erzählt, seine Mutter ist in Italien, da fährt er nur in Urlaub, sein
07:53Vater ist Deutscher, die sind aber geschieden.
07:57Also das war wirklich fast schon irgendwie ein persönlicher, guter Kontakt.
08:03Sina Poser von der Polizei Jena weiß, das ist kein Zufall, sondern Masche.
08:09Die sind psychologisch geschult und insbesondere auf den Fokus ein Vertrauensverhältnis aufzubauen zu dem Geschädigten.
08:15Und über dieses Vertrauensverhältnis auszuloten, was gibt es zu holen und was ist derjenige bereit zu investieren.
08:22Und das geht sogar so weit, immer wieder nachzufragen, immer noch mehr Vertrauen aufzubauen und denjenigen immer wieder dazu zu
08:29bringen,
08:29neu zu investieren und wieder Geld zu überweisen.
08:33Lutz W. glaubt, alles unter Kontrolle zu haben und lässt sich zu immer größeren Investitionen verleiten.
08:40Innerhalb weniger Monate legt er einen sechsstelligen Betrag an und verfolgt in der App, wie sich seine Kapitalanlagen entwickeln.
08:48Sein Gewinn beläuft sich inzwischen angeblich auf 402.000 Euro.
08:54Das ist natürlich alles nur schöner Schein. Das Geld wurde nie investiert und ist längst schon in Auslandskonten geflossen.
09:01Das heißt, dieses Bild oder diese vermeintliche App mit Gewinn, die man dort sieht, ist reiner Fake.
09:06Die Täter sitzen meist im Ausland mit Briefkastenfirmen und sind für uns als Ermittlungsbehörde nur ganz schwer greifbar.
09:12Der Thüringer bemerkt erst, dass etwas nicht stimmt, als er sich seinen Gewinn auszahlen lassen möchte.
09:19Jetzt passiert etwas sehr Deutsches. Er sollte nämlich Steuern zahlen in Höhe von 80.000 Euro, die, um einen Gewinn
09:25abzurufen, fällig wären, was er leider auch tat.
09:28Lutz W. überweist die vermeintliche Steuer an die Betrüger. Trotzdem, seinen Gewinn bekommt er nicht.
09:37Ein harter Schlag für den Thüringer, der insgesamt 260.000 Euro durch den Betrug eingebüßt hat. Geld, das für seine
09:44Altersvorsorge bestimmt war.
09:46Im Nachhinein kann ich es nicht mehr zurückholen. Ich kann es nicht mehr verändern. Ich habe manchmal natürlich mächtig darüber
09:53geärgert, dass ich so blöd war. Das muss ich echt sagen.
09:56Um solche finanziellen Desaster zu vermeiden, rät die Polizei, Geldanlageangebote genau zu prüfen.
10:03Seien Sie misstrauisch bei Angeboten, die zu gut klingen, um wahr zu sein.
10:07Hohe Renditen, ein sicheres Depot, geringes Risiko, hohe Gewinne. Dann sollten immer die Alarmglocken angehen.
10:15Die nächste Möglichkeit ist relativ einfach. Gehen Sie ins Internet und recherchieren Sie nach der Firma, dieser vermeintlichen Firma, ob
10:22es sich dabei um eine Fake-Firma handelt.
10:23Da kommt man relativ schnell zu einer Antwort. Und wenn man da nicht weiterkommt, gern auch die Verbraucherzentrale anrufen.
10:32Und Achtung, wenn Sie selbst Opfer eines solchen Anlagebetrugs geworden sind und anschließend von angeblichen Anwälten oder Firmen kontaktiert werden,
10:40die versprechen, ihr Geld zurückzuholen, seien Sie auch dann misstrauisch. Denn oft steckt dahinter schon die nächste Betrugsmasche.
10:47Wie Sie sich schützen können und woran Sie unseriöse Angebote erkennen, das erklärt die Polizei unter diesem QR-Code.
10:54Und kommenden Sonntag zeigen wir Ihnen bei Kripo Live die fünf häufigsten Betrugsmaschen, mit denen Kriminelle gezielt an das Geld
11:01ihrer Opfer wollen.
11:02Mehr dazu dann also in der nächsten Sendung.
11:05Und jetzt weitere Fälle, in denen die Polizei auf Ihre Hinweise setzt. Kripo Live Kompakt.
11:14Magdeburg. Am 30. September 2025 soll dieser Mann in einer Richtung Bukau fahrenden Straßenbahn einen anderen Mann mehrfach mit der
11:24Faust gegen den Kopf geschlagen haben.
11:27Schon vorher an der Haltestelle Hasselbachplatz soll der spätere Angreifer den Mann gegen 17.30 Uhr mehrfach beleidigt haben.
11:36Dabei wurde der Geschädigte unter anderem als Nazi beschimpft.
11:41Eine Zeugin war mutmaßlich in den Streit verwickelt und fuhr im Anschluss auch mit in der Straßenbahn.
11:48Die Polizei fragt, wer kennt die auf den Bildern der Überwachungskamera gezeigte Person.
11:53Auffällig ist hier auch die Tätowierung am Unterarm.
11:57Oder wer kann Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort oder zu Kontaktpersonen geben.
12:01Die Kripo Magdeburg ist erreichbar unter 0391 546 3295.
12:12Saalfeld. Am Samstag, dem 7. Februar 2026 dringen unbekannte Täter in eine Halle des Stahlwerkes Unterwellenborn bei Saalfeld ein.
12:22Sie entwenden mehrere Tonnen eines speziellen Stoffes, der zur Stahlherstellung benötigt wird.
12:28Für den Abtransport müssen die Diebe schweres Gerät eingesetzt haben.
12:33Laut Polizei wurde die Tat professionell geplant und ausgeführt.
12:38Für Hinweise, die zur rechtskräftigen Verurteilung der Täter führen, hat das geschädigte Unternehmen eine Belohnung in Höhe von 10.000
12:45Euro ausgesetzt.
12:48Haben Sie im besagten Zeitraum etwas beobachtet? Oder können Sie sonstige Hinweise zur Tat oder Tätern geben?
12:55Dann melden Sie sich bitte bei der Kripo Rudolstadt unter der Telefonnummer 03672 417 1464.
13:06In unserem nächsten Fall hat sich eine junge Frau an Kripo live gewandt, eine junge Frau aus Oschatz.
13:12Denn dort haben Diebe diese Garage aufgebrochen.
13:15Der Schaden, den sie anrichteten, ist nicht nur materiell.
13:18Und die Frage ist, wussten die Täter, was sich in der Garage befand?
13:25In dieses Moped der Marke Simson wurde viel Liebe, Zeit und Geld investiert.
13:31Für Lena Böhme ein Kultobjekt. Etwas ganz Besonderes.
13:36Meine Kumpels haben sich sehr viel Mühe gemacht, dafür, dass ich dann eines Tages mal fahren kann.
13:42Auch ganz viel von meiner Familie haben daran rumgeschraubt.
13:45Als die Besitzerin der S51 und ihr Vater am 29. April 2026 ihre Garage in Oschatz aufsuchen,
13:54fährt beiden der Schreck in die Glieder. Die Simson ist weg.
13:59Als wir das entdeckt haben, dass das Moped nicht mehr da ist, haben wir natürlich auch die Polizei angerufen.
14:05Die war dann auch hier vor Ort und hat eben auch feststellen müssen, dass es sich um Einbruch handelt.
14:11Da das Schmuckstück verkauft werden sollte, könnten die Täter durch die Kleinanzeige den Standort des Mopeds herausgefunden haben.
14:19Denn auf den Fotos sind im Hintergrund die Garagen zu sehen.
14:24Da würde ich jetzt auch gerne nochmal, sage ich mal, darauf aufmerksam machen, an jeden anderen, der sein Moped verkauft.
14:30Dass er vielleicht wirklich auch auf die Umgebung achtet, die auf dem Foto zu sehen ist.
14:34Dass es halt wirklich vor einem neutralen Hintergrund ist, weil wir leider den Fehler gemacht haben und das halt direkt
14:39bei der Garage fotografiert haben.
14:41Lena ärgert sich über sich selbst. Aber noch viel mehr über die Diebe.
14:47Über Menschen, die so etwas tun, kann ich einfach nur sagen, finde ich einfach schade.
14:53Also es zerbricht einem das Herz, sage ich mal, oder beziehungsweise mir, zu wissen, dass mein Moped nicht mehr da
14:59ist.
15:00Trotz des Ärgers und der Trauer. Lena Böhme ergreift die Initiative.
15:05Ich habe mich an KripoLive gewandt, auch mit dem Ziel natürlich, auf der einen Seite mein Moped wiederzufinden
15:10oder vielleicht auch Einzelteile davon und natürlich auch mit dem Ziel, dass die Täter gefasst werden.
15:17Die Garage, in der sich die angekettete Simson befand, liegt neben dem Sportplatz an der Merkwitzer Straße.
15:24Sollten Sie Beobachtungen gemacht oder Teile des Mopeds angeboten bekommen haben,
15:30melden Sie sich bitte bei der Polizei in Oschatz unter der Telefonnummer 03 435 650 100.
15:44Ja, und sollten Sie, liebe Zuschauer, auch Opfer einer Straftat geworden sein
15:48und möchten Ihren Fall bei KripoLive öffentlich machen,
15:51dann machen Sie es wie Lena Böhme aus Oschatz und schreiben Sie uns über unser Kontaktformular.
15:56Das finden Sie auf unserer Internetseite.
15:59Morgen ist es zwei Wochen her, dass ein Mann mit einem Auto durch die Leipziger Innenstadt raste.
16:05Zwei Menschen starben, viele weitere wurden verletzt.
16:08Die Ermittlungen, die dauern noch an.
16:10Klar ist aber inzwischen, dass der Täter nicht aus politischen Motiven handelte,
16:14sondern sich offenbar in einer schweren psychischen Krise befand.
16:19Ein Autofahrer ist am Nachmittag in Leipzig in eine Menschenmenge gefahren.
16:24Fest steht allerdings, es handelt sich nicht um einen Terrorakt, es handelt sich auch nicht um einen Unfall.
16:30Alle reden also nun von einer Amok-Tat.
16:32Das ist ja die Tragik, dass er ja bereits in psychiatrischer Behandlung war, also genau in der Klinik, wo er
16:37auch wahrscheinlich hingehört hat.
16:40Ich bin Dr. Gilda Giebel, forensische Psychologin und ich habe in einem Amok-Forschungsprojekt gearbeitet.
16:47Eine 63-Jährige und ein 77-Jähriger sterben.
16:51Wie viele Menschen genau verletzt wurden, kann die Polizei nicht abschließend sagen.
16:55Die Rede ist von etwa 80 Betroffenen.
16:58Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen zweifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs.
17:02Zur Stunde wurde bekannt, der Mann wird in einer psychiatrischen Klinik untergebracht.
17:07Bei dem Täter in Leipzig deutet vieles darauf hin, dass er sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden hat.
17:14Dass er Stimmen gehört hätte, dass er sich auch Wochen vor der Tat in einer Klinik freiwillig hätte einliefern lassen.
17:22Und es gibt auch Tendenzen dahin, dass er auch schon gewalttätig war,
17:27beziehungsweise seiner Ex-Partnerin gegenüber Gewalt angedroht hat.
17:32Also, dass er sich schon auch mit Gewaltideen beschäftigt hat.
17:36Aber dieser psychotische Zustand, worauf er vieles hindeutet, der ist schon, sag ich mal, besonders.
17:41Der kommt jetzt nicht so oft bei Amok-Tätern vor.
17:44Klassischer Amok sind ja eher Menschen, die sehr zurückgezogen sind,
17:48die das Ganze von langer Hand planen, die auch eine Ideologie dahinter haben.
17:57Das Auto an sich ist einfach verfügbar.
17:59Jeder hat es irgendwie zur Hand, gerade wenn man ein eigenes besitzt.
18:03Es ist ja auch überhaupt nicht verdächtig.
18:04Wenn man eine Langwaffe irgendwo transportiert, dann wirkt das auffällig.
18:09Ein Auto verdächtigt niemand.
18:11Und man muss nichts groß planen.
18:13Das ist einfach da.
18:13Man kann maximalen Schaden anrichten.
18:15Das ist auch so ein bisschen so ein Mittel von Dominanz.
18:18Das ist sehr schnell.
18:18Und man ist natürlich in dem Auto selbst geschützt.
18:21Man hat noch Distanz zu den Opfern.
18:23Man muss sie jetzt nicht mit einem Messer erstechen oder irgendwie mit eigenen Händen erwürgen,
18:27was ja eine größere Hemmschwelle darstellen würde.
18:30Das hat man beim Auto dann nicht so stark.
18:40Also die Frage ist ja, warum begehen eher Männer solche schweren Gewaltstraftaten wie Amokläufe?
18:48Ja, tatsächlich gehen etwa 95 Prozent aller Amok-Taten auf Männer zurück.
18:54Warum ist das so?
18:55Und welche Warnzeichen gibt es vor einer solchen Tat?
18:58Antworten darauf geben wir im Video Amok, warum immer Männer?
19:02Und das finden Sie unter diesem QR-Code im ARD-Crime-Kanal auf YouTube.
19:08Ob eine Amok-Tat wie in Leipzig oder andere schwere Straftaten, oft stehen danach die Täter im Mittelpunkt.
19:15Weil gegen sie ermittelt wird, weil man nach Motiven sucht.
19:18Die Opfer geraten dabei schnell aus dem Blick.
19:21Dabei verändert eine Straftat ihr Leben oft für immer.
19:24Und genau dort setzt die Opferschutzorganisation Weißer Ring an.
19:28Wir haben zwei ehrenamtliche Helfer in Dresden getroffen.
19:34Bewaffneter Überfall an einer Haustür in der Nähe von Magdeburg.
19:38Die Bewohner werden gefesselt und ausgeraubt.
19:42Im eigenen Haus, in der eigenen Wohnung ein Opfer zu werden, sei es durch Einbruch oder Raub, ist eigentlich das
19:49Schlimmste, was einem Opfer widerfahren kann.
19:52Dort ungeschützt zu sein oder dort überfallen werden zu können, ist, glaube ich, für viele schon ein ganz großer Einschnitt.
19:58Räuberische Erpressung in einer Bankfiliale in Leipzig.
20:01Der Täter geht brutal gegen die Angestellten vor.
20:05Das ist so eine Erschütterung, die man da erlebt, weil das sind Dinge, also gerade so schwere Gewalttaten, die sieht
20:11man im Fernsehen und die sind ganz weit weg.
20:13Und wenn das dann an einem so nah dran ist, dann ist das ein ganz anderes Gefühl der Bedrohung.
20:18Doch die meisten Tatorte liegen im häuslichen Umfeld.
20:22Dort geht es fast immer um Gewalt gegen Frauen.
20:27Wir können uns jetzt vorstellen, wie groß der Druck eben bei diesen Frauen, die sich dann eben doch dazu entschließen,
20:33das gemeinsame Haus, die gemeinsame Wohnung zu verlassen, wie groß der Druck sein muss.
20:40Es sind Gewaltverbrechen wie diese, die Michelle Reichelt nach ihrer Arbeit am Schiller-Gymnasium in Pirna beschäftigen.
20:47Mehrmals im Monat fährt die Deutschlehrerin am Nachmittag nach Dresden.
20:52Für die Opferschutzorganisation Weißer Ring hilft sie Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind. Ehrenamtlich.
20:59Wenn wir hinfahren, dann haben wir im Vorfeld einen Abend vorher immer schon die Informationen bekommen, um welche Straftaten es
21:07sich handelt bei den Klienten, die dann zu uns kommen.
21:10Aber ansonsten wissen wir vorher nichts. Also weder den Namen noch die genauen Umstände, das erfahren wir dann alles erst
21:16vor Ort.
21:17Für die Treffen mit den Verbrechensopfern nutzen die Ehrenamtler ein unauffälliges Bürogebäude in Dresden.
21:24Der Raum wird dem Weißen Ring von der Verbraucherzentrale Sachsen zur Verfügung gestellt.
21:30Michelle Reichelt arbeitet hier im Team mit einem ehemaligen Polizei-Vizepräsidenten aus Niedersachsen.
21:36Mein Werdegang ist bei der Polizei gewesen. Von daher bin ich recht informiert, was die juristische Seite angeht.
21:43Mein Part in den Beratungen ist neben dem Wissen, was man aus den Grundausbildungen hier natürlich mitbringt, vor allem auch
21:50so ein bisschen der empathische Aspekt.
21:53Da bin ich natürlich als Frau manchmal vielleicht in der Hinsicht mehr angesprochen als mein männlicher Kollege, der gerade mit
21:59mir vor Ort ist.
22:00Besonders in extremen Situationen von häuslicher Gewalt geht es nicht nur ums Zuhören.
22:06Hier können die Ehrenamtler konkret helfen.
22:10Zum Beispiel beim Umzug in eine geschützte Einrichtung oder auch mit bis zu 200 Euro Soforthilfe.
22:17Stellen Sie sich vor, eine Frau verlässt mitten in der Nacht nach eben einer tätigen Auseinandersetzung die Wohnung.
22:22Sie möchte in dieser Wohnung nicht mehr bleiben und nimmt nur das Nötigste mit.
22:26Dann stellt sie fest, mein Gott, ich brauche ja eine Zahnbürste, ich brauche Zahnpasta, ich brauche möglicherweise eine Fahrkarte für
22:33die Bahn.
22:35Und von daher sind diese 200 Euro als Obergrenze eben gedacht, dieser Person für den ersten täglichen Bedarf über die
22:44Runden zu helfen.
22:44Neben der Unterstützung bei psychologischer und anwaltlicher Erstberatung begleiten die Ehrenamtler auch Prozesse.
22:52Mitunter gehen sie dann mit dem Opfer vorab in den leeren Gerichtssaal.
22:56Ich möchte es auf diese dann hier im Gerichtssaal stattfindende Zeugenvernehmung bestmöglich vorbereiten.
23:04Mir ist wichtig zu zeigen, du sitzt da sehr allein.
23:09Da ist dann die Anwältin hier, aber sie ist entfernt.
23:12Also da ist keiner, der eben mal die Hand auf die Schulter legen kann.
23:17Und das muss sie alleine durchstehen.
23:19Also ich sitze da in der Nähe meines Peinigers.
23:22Das macht natürlich alles etwas mit dem Opfer.
23:25Michelle Reichelt und Bernd Deutschmann vom Weißen Ring Dresden haben in den letzten drei Jahren ehrenamtlich vielen Menschen in Notsituationen
23:33geholfen.
23:33Ihr Antrieb ist das Wissen, etwas Gutes zu tun und die Dankbarkeit ihrer Klienten.
23:43Ja und das alles ehrenamtlich, das zeigt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist.
23:49Unter dem Motto, wie er hier Engagement bewegt, zeigen wir deshalb in den kommenden Tagen im MDR immer wieder Menschen,
23:55die sich für andere einsetzen.
23:57Und das war Kripo Live für heute im Namen unseres ganzen Teams.
24:01Danke Ihnen sehr fürs Zuschauen und gern bis nächsten Sonntag. Schönen Abend Ihnen.
24:30Untertitelung des ZDF, 2020
Kommentare

Empfohlen