00:00Norwegen, 150 Kilometer von Oslo entfernt.
00:04Das Zementwerk in Breivik produziert pro Jahr mehr als eine Million Tonnen Zement.
00:10Genug, um dutzende Wolkenkratzer damit zu bauen.
00:14Zementwerke verursachen enorme CO2-Emissionen.
00:18Das hier ist das erste weltweit, das CO2 einsammelt und unschädlich macht.
00:24Kann das funktionieren?
00:30Für die Zementproduktion wird Kalkstein benötigt und der liegt unter Tage direkt beim Zementwerk, 300 Meter tief.
00:44Er wird im Malwerk zerkleinert und über Förderbänder ins Werk transportiert.
00:53Hier gelangt der Kalkstein in den sogenannten Drehrohrofen, wo er gebrannt und über mehrere Fertigungsstufen zu Zement veredelt wird.
01:06Nur sehr selten kommen Kamerateams in den 67 Meter langen Ofen.
01:12Dort wird nämlich gerade die Hitzeisolierung erneuert.
01:25In der Mitte des Ofens oder im ersten Drittel befindet sich die heißeste Zone.
01:32Dort beträgt die Materialtemperatur 1450 Grad und die Gastemperatur etwa 2000 Grad.
01:40Ausgekleidet ist er mit Schamottstein.
01:42Der Ofen wird betrieben mit Gas, Kohle und Abfällen.
01:46Das verursacht Kohlendioxid-Emissionen.
01:50Doch auch in den Kalksteinen selbst sind enorme Mengen eingelagert.
01:55CO2, das keiner haben will.
01:58Etwa ein Drittel dieses Steins besteht aus CO2.
02:02Ein Drittel seines Gewichts.
02:03Wenn man ihn auf 900 Grad erhitzt, setzt er das CO2 frei.
02:10Und das ist das Verfahren, das sie hier nutzen.
02:13Mithilfe einer riesigen Filteranlage wird CO2 aus den Abgasen des Ofens abgespalten.
02:19Fertigstellung 2025 kosten rund 400 Millionen Euro.
02:2480 Prozent davon übernimmt der norwegische Staat, der umweltfreundliche Technologien fördern will.
02:31Nur 20 Prozent kamen vom Eigentümer Heidelberg Materials, der global rund 130 Zementwerke betreibt.
02:38Wir wollen wissen, wie der Konzern in Zukunft auch in seinen anderen Anlagen die CO2-Emissionen reduzieren will.
02:47Für das Erreichen der Emissionsziele von Null-Carbonausstoß war es unerlässlich, an der CO2-Abscheidung zu arbeiten.
02:55Und in Norwegen fanden wir in der Regierung einen Partner, der ebenso ehrgeizig war wie wir.
03:01Net Zero heißt das Ziel, aber ist das realistisch?
03:05Der Zement wird für die Kunden teurer, wenn er mit weniger CO2-Ausstoß produziert wird.
03:10Machen die Kunden da mit?
03:12Es ist wichtig, diesen Markt zu erschließen und herauszufinden, welchen Stellenwert die CO2-Neutralität eines Gebäudes für die Kunden hat
03:20und welchen Nutzen die Kunden unserer Kunden daraus ziehen können.
03:27Die Anlage kann nicht die gesamten CO2-Emissionen einfangen, sondern nur die Hälfte.
03:33Neue Befeuerungsmethoden im Ofen und Alternativen zum Kalkstein sollen die Emissionen weiter reduzieren.
03:40Das eingesammelte Kohlendioxid wird dann verflüssigt und in diesen Tanks eingelagert.
03:45Nach vier Tagen sind sie gefüllt. Das CO2 wird dann von einem Schiff abtransportiert.
03:52Als Fracht gelangt es zur rund 400 Kilometer entfernten Pumpstation Eugarten an der norwegischen Küste.
04:01Von dort wird das CO2 über Pipelines rund 2600 Meter tief in den Meeresboden verpresst.
04:11Betreiber der Pumpstation Northern Lights ist ein Konsortium der Firmen Total Energies, Air Liquide und Shell.
04:19Energieunternehmen, die durch die Verbrennung von Öl und Gas massiv zum weltweiten CO2-Ausstoß beitragen.
04:29Momentan liegt die Northern Pathfinder im Hafen.
04:33Vier Tage hat die Reise gedauert, vom Zementwerk bis hierher.
04:40Wir erweitern unsere Flotte um drei neue Schiffe.
04:43Dabei handelt es sich um ein Schiff mit einer Tragfähigkeit von 8000 Tonnen und zwei Schiffe mit 12.000 Tonnen,
04:51die für Kunden der Phase 2 zum Einsatz kommen werden. Kunden aus Schweden, Dänemark und den Niederlanden.
04:581,5 Milliarden Euro hat die Pumpstation gekostet.
05:01Auch davon trägt der norwegische Staat rund 80 Prozent.
05:06Das Land ist der viertgrößte Gaslieferant weltweit.
05:09Es gehört zu den wichtigsten Öllieferanten und muss seine Emissionen senken.
05:14Ein Mitbetreiber ist der Mineralölkonzern Total Energies.
05:18Er investiert hier in die CCS, die sogenannte Carbon Capture Storage Technologie.
05:24Total Energies stößt weltweit derzeit mehr als 33 Millionen Tonnen CO2 aus.
05:30Vor fünf bis sechs Jahren waren es fast 40 Millionen Tonnen.
05:34Wir arbeiten also bereits intensiv daran, unsere Emissionen zu reduzieren.
05:38CCS ist derzeit noch nicht Teil dieser Maßnahmen, wird es aber in Zukunft sein.
05:44Schon bald wollen die Betreiber die CO2-Verpressung ausweiten.
05:48Mit neuen Standorten im Meer.
05:50Kunden sind europäische Stahlwerke, Zementhersteller, Heizkraftwerke, deren Vertreter hier gerade zu Besuch sind.
05:57Sie alle müssen in Zukunft Strafgebühren der EU für ihre CO2-Emissionen zahlen.
06:0370 Euro pro Tonne, bis 2030 sollen es 100 Euro und mehr sein.
06:09Technologien wie die CO2-Abscheidung könnten eine Lösung sein, um Kohlendioxid-Emissionen zu reduzieren.
06:16Doch das ist aufwendig und teuer.
06:18Die Kosten müssen die Verursacher irgendwann selber tragen.
06:22Und Zement könnte so in Zukunft klimaverträglicher, aber auch teurer werden.
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