00:00Sie ist ein Gesicht des neuen Montenegro, Ines Murdovic.
00:04Die Mission der Aktivistin, das Land endlich von der Korruption befreien,
00:08die mit dem Namen des Langzeitautokraten Milo Djukanovic verbunden ist.
00:13Erinnern wir uns, seinerzeit kam Milo Djukanovic im Pullover an die Macht.
00:19Einst als junges Mitglied der kommunistischen Partei Jugoslawiens, 30 Jahre war er an der Macht.
00:25Und er ist das Gesicht des alten Montenegro Milo Djukanovic.
00:31Unter ihm entwickelt sich Montenegro zu einer Art Mafia-Staat im Südosten Europas.
00:38600.000 Einwohner, ein gescheiterter Staat, zumindest vorerst.
00:42Wahlfälschung, Drogenschmuggel und eben Korruption, die den Alltag vergiftet.
00:48Sommer 2020, dann die Wende. Massendemonstrationen erzwingen einen friedlichen Machtwechsel.
00:56Jetzt will das Land 2028 in die Europäische Union.
01:00Doch erst einmal muss es sich von der Korruption befreien und das ist nicht einfach.
01:08Ines Murdovic nimmt uns mit zu einem beliebten Urlaubsort in den Bergen, nach Kolaschin.
01:13Hier steht seit ein paar Jahren ein schickes Hotel.
01:34Ines Murdovic ist überzeugt, hier wurde Geld gewaschen.
01:37Doch das ist schwer zu belegen.
01:40Jedenfalls behindere der anbauende Einfluss des Djukanovic-Clans den politischen Neuanfang, sagt sie.
01:47Auch diese Autobahn eine Hypothek, die Montenegros Neuanfang belastet.
01:522014 in Auftrag gegeben von Djukanovic, völlig überdimensioniert und überteuert,
01:59eine Milliarde Euro Baukosten.
02:00Das kann sich der kleine Balkansstaat eigentlich gar nicht leisten.
02:05Über viele Jahre hinweg müssen die Kosten an den chinesischen Staat in Raten abbezahlt werden.
02:12Viele Arbeiten wurden von sogenannten privilegierten Unternehmen ausgeführt.
02:16Dieses Umspannwerk wurde von einer Firma gebaut, die dem Sohn von Milo Djukanovic gehört.
02:24Die Hinterlassenschaften des alten Regimes belasten Montenegro schwer.
02:30Wir treffen Montenegros neue Präsidentin des obersten Gerichts, Valentina Pavlicic.
02:37Sie will die dunkle Vergangenheit Montenegros aufarbeiten.
02:40Aber
02:44Unsere Institutionen waren auf das, was kam, nicht vorbereitet.
02:49In einem Jahr mussten sich die Justizbehörden mit mehreren komplexen Fällen
02:54aus dem Bereich der organisierten Kriminalität beschäftigen.
02:58Doch was machen sie, wenn sie kein qualifiziertes Personal haben?
03:03Wer ist dann schuld?
03:09Das hier ist so ein komplexer Fall und gleichzeitig ein Beispiel,
03:13warum in Montenegro auch nach dem Machtwechsel erst einmal einiges beim Alten blieb.
03:18Ein spektakulärer Einbruch in der Asservatenkammer des obersten Gerichts 2023.
03:24Eine Menge Beweismittel verschwinden, Polizei und Staatsanwaltschaft ratlos.
03:29Die Verdächtigen kommen frei.
03:31Alles sehr verdächtig. Immerhin, Pavlicic wird daraufhin neue oberste Richterin.
03:38Montenegro trägt schwer an der Vergangenheit und treibt dennoch den Neuanfang voran,
03:43zumal die Mehrheit der Bevölkerung den Kurs der Regierung in Richtung EU klar befürwortet.
03:51Korruption zum Messen ist schwierig, aber wir sind uns durchaus bewusst,
03:55dass sie aufgrund ihres Erbes aus der Vergangenheit ein ernsthaftes Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung darstellt.
04:02Außerdem behindert Korruption den Wettbewerb.
04:07Die neue Regierung verweist auf Erfolge auf dem Weg zu mehr Rechtsstaatlichkeit.
04:14Die frühere Präsidentin des obersten Gerichtshofs wurde bereits verurteilt.
04:19Auch mehrere Richter und Sonderstaatsanwälte wurden angeklagt,
04:23sowie der ehemalige Präsident des Handelsgerichts,
04:25der Polizeidirektor, zwei stellvertretende Polizeidirektoren
04:29und der Chef des Nationalen Sicherheitsdienstes.
04:32All das zeugt von Montenegros Kurswechsel im Kampf gegen Korruption.
04:42Auch wenn die Beharrungskräfte der Vergangenheit stark sind,
04:45sie haben jetzt nicht nur eine EU-freundliche Regierung gegen sich.
04:49Anders als früher müssen sie auch auf die öffentliche Meinung Rücksicht nehmen.
04:54Aktuelles Beispiel, eine Straße unweit der Meeresküste wird modernisiert.
04:59Die Bauunternehmen versprachen, die Arbeiten für einen Festpreis auszuführen,
05:03bis sie plötzlich mehr Geld verlangten.
05:07Ein Beamter weigerte sich, die Mehrkosten zu genehmigen
05:10und ging auf Ines Murdovic zu.
05:16Ein lokaler Beamter bat uns um Hilfe,
05:19denn er sollte die Zusatzkosten abzeichnen.
05:23Wir veröffentlichten den Fall in den Medien,
05:26was lebhafte Reaktionen nach sich zog.
05:30Plötzlich brauchten die Bauunternehmen doch nicht mehr Geld.
05:36Montenegro verändert sich.
05:38Die EU hat angekündigt, das Land als 28. Mitglied aufzunehmen,
05:42wenn es europäische Standards erfüllt
05:44und die Schatten der Vergangenheit hinter sich lässt.
05:48Die EU hat angekündigt, das Land als 28. Mitglied aufzunehmen.
05:50Die EU hat angekündigt, das Land als 29. Mitglied aufzunehmen.
05:54Untertitelung des ZDF, 2020
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