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  • vor 2 Tagen
Die 23-jährige Medizinstudentin Hanna W. kehrt nach einem
Besuch im Eiskeller-Club nicht nach Hause zurück. Tags darauf
wird sie tot in der Prien gefunden – ein Albtraum für ihre
Familie und Freunde. Zeugen berichten von einem Jogger in
Hanna W.s Todesnacht: Es ist Sebastian T., der in jener Nacht
vom 2. auf den 3. Oktober 2022 durch Aschau läuft. Nach einem
Zeugenaufruf in den Medien rät ihm sein
.....

Kategorie

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Transkript
00:02Sie wollte ursprünglich mit ihrem Nachbarn gemeinsam nach Hause gehen.
00:05Diese Diskothek ist überwacht, Kamera überwacht mit 13 Kameras, aber es ist ihr niemand hinterhergegangen.
00:16Sie hatte die Turnschuhe noch an, hatte keine Hose mehr an.
00:22Es gibt eigentlich gar nichts und vor allem gibt es auch keine Spuren am Verdächtigen.
00:27Und das finde ich wiederum verdächtig.
00:30Nur wegen einer Aussage kann ich doch jemanden nicht wegen Mordes anklagen.
00:36Die klären sogar Tötungsdelikte auf, die gar keine sind.
01:02Strange is the absence of the light.
01:09Strange is the absence of the light.
01:23Aschau im Chiemgau. Es ist der Nachmittag vor dem 3. Oktober 2022.
01:29Dem Tag der Deutschen Einheit.
01:33Aschau ist eine kleine Gemeinde in Bayern, die wahrscheinlich genau so ist, wie man sich jetzt als, sagen wir, US
01:40-Amerikaner Bayern vorstellt.
01:41Das ist ein kleines Dorf direkt an der Kampenwand gelegen. Es gibt mitten drinnen in Hohenaschau eine Burg mit einer
01:49Falknerei.
01:50Man spürt richtig, da gibt es eine Dorfgemeinschaft, die hält zusammen, die unterhält sich über alles.
01:55Es wird alles weitergereicht. Das ist eine sehr, sehr große, paar tausend Einwohner zählende Nachbarschaft.
02:02Viele Jugendliche aus dem Ort haben Partypläne für das lange Wochenende.
02:08Auch die 23-jährige Hannah W.
02:26In der Familie war es so, dass es ein ganz normales Wochenende war.
02:30Das war ja Samstag, Sonntag. Montag war der Feiertag, Tag der Deutschen Einheit.
02:34Also ihre Freundin, mit der sie zusammen in Kusch in Rumänien Medizin studiert, die war schon am Samstag geflogen.
02:42Sie wollte noch da bleiben, weil sie eben am Montag mit Freunden ein Fest gehabt hat.
02:50Also da gibt es das sogenannte Hungerbaumaufstellen.
02:52Und allein der Umstand, weil sie eben bei dieser Feierlichkeit dabei sein wollte, war der Grund, wieso sie überhaupt noch
02:58in Aschau war.
02:59Am Freitag, glaube ich, haben die Familienfilme abends zusammen gemacht, ihren Mafia-Film angeschaut.
03:03Am Samstag hat sie mit ihrer Mutter gemeinsam auf dem Bett gelesen, Musik gehört, ein bisschen geratscht.
03:11Ich bin Benedikt Warmbrunn und arbeite als Gerichtsreporter für die Süddeutsche Zeitung und begleite den Fall aus Aschau seit dem
03:18Herbst 2023.
03:24Der 20-jährige Sebastian freut sich über die freien Tage. Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker fordert ihn.
03:31Für einige Dinge braucht er mehr Zeit als Gleichaltrige. Sebastian hatte unter der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen.
03:38Ich bin, war das Wochenende nicht so gut benannt. Und dann bin ich halt eher da daheimgegangen oder so.
03:50Und hab halt einen Tag eher so gefaulinst, sagen wir mal so, in der Art.
03:58Er chattet mit einer Freundin.
04:26Aufgrund des schlechten Wetters verschieben Sebastian und Verena ihr Treffen.
04:32In der Region südöstlich vom Chiemsee regnet es am Nachmittag des 2. Oktober in Strömen.
04:40Trotzdem ist für viele im Ort am Abend Party angesagt.
04:46Hanna W. sendet gegen 14 Uhr eine Sprachnachricht an ihre Freundin.
04:57Meine Motivation liegt bei minus 3000 und ich bin saumüde. Und es schüttet wie Sau.
05:03Gar keinen Bock da oben hinzugehen. Aber ich hab's mit der Julia ausgemacht. Also zumindestens vorglühen.
05:09Aber ich kann's mir auch vorstellen, dass ich nach dem Vorglühen heimgehe. Weiß nicht. Schauen wir mal.
05:17Bereits gegen 20 Uhr treffen sich Hanna und ihre Freunde zum Vorglühen.
05:22Sie trinken ein paar Gläser. Anschließend steigen einige auf Wodka-Soda um. Auch Hanna.
05:28Bevor die Gruppe aufbricht, nehmen sie weitere zwei bis drei Shots.
05:33Ihr Ziel ist der Eiskeller-Club. An diesem Abend findet ein Season-Opening statt.
05:42Es ist nach 23 Uhr, als die Freunde dort eintreffen. Sie bestellen eine Liter Flasche Wodka.
06:12Am darauffolgenden Nachmittag geht ein Notruf bei der Polizei ein.
06:18In der Prien treibt ein Körper im Wasser.
06:22Die am Fundort eintreffenden Beamten stellen fest, es ist die Leiche einer jungen Frau.
06:35Sie war an einem Wurzelstock hängend, nur halb bekleidet.
06:42Also sie hatte die Turnschuhe noch an, hatte keine Hose mehr an, nur noch ihren Slip und ihr Oberteil.
06:52Und so ist sie von einem Spaziergänger aufgefunden worden.
06:56Mehr als 30 Rettungskräfte von Feuerwehr und Wasserwacht sind im Einsatz, um die Tote zu bergen.
07:02Die Kriminalpolizei Rosenheim ist vor Ort, um möglichst frühzeitig Spuren zu sichern.
07:09Später analysiert auch der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel das Vorgehen.
07:13Man hat eine Medizinerin hinzugezogen, die den Leichnam untersucht hat und dann relativ schnell die Entscheidung getroffen, dass eine gerichtliche
07:23Sektion durchgeführt werden soll.
07:26Auch die Identität war ja noch nicht eindeutig geklärt.
07:29Das kommt natürlich immer darauf an, wie lange ein solcher Leichnam im Wasser gelegen hat.
07:34Insofern ist das natürlich die Identifizierung erstmal über das Gesicht erstmal möglich.
07:40Bei der äußeren Besichtigung solche Dinge wie Körpergröße, Körpergewicht, besondere Merkmale, die man auf der Haut eventuell findet.
07:56Man konnte anhand eines Stempels dann feststellen, dass sie offen am Eiskeller gewesen waren der Nacht zuvor.
08:03Woraufhin dann die Betreiber vom Eiskeller informiert wurden und dann ist die Polizei mit ihnen so ein bisschen das Videomaterial
08:09durchgegangen.
08:12Auf den Aufnahmen der Überwachungskameras des Clubs erkennen die Ermittler die unbekannte Tote aus der Prien.
08:24Am späten Abend des 3. Oktober geht eine Vermisstenmeldung bei der Polizei ein.
08:29Ein Vater sucht nach seiner Tochter. Vermisst wird die 23-jährige Hanna W. aus Aschau.
08:38Das ist bei ihr schon vorgekommen, dass sie, wenn sie unterwegs war, dann hat sie bei einer Freundin übernachtet, also
08:45es war nichts Ungewöhnliches.
08:46Dann ist man das erste Mal eigentlich irgendwo hellherrig geworden, wie eben der ganze Tag vergangen ist.
08:54Und da hat dann die Mutter langsam sich Gedanken gemacht, wo ihre Tochter ist und hat ihr eine Nachricht geschrieben.
08:59Herzlich, bist du bei der Magda? Und es kam keine Antwort. Und es blieb auch so, bis der Vater dann
09:05am früheren Abend zurückkam.
09:07Und dann haben sie angefangen, alle Freundinnen und Freunde anzuschreiben, anzurufen.
09:12Niemand konnte irgendwas sagen. Und um 23 Uhr haben die Eltern dann die Hanna als vermisst gemeldet bei der Polizei.
09:18Und die Polizei hat sofort gesagt, wir kommen gleich vorbei.
09:21Sie kamen dann mit einem Foto aus dieser Nacht aus dem Eiskeller von der Hanna und einer kleinen Tüte mit
09:29einem, mit einer Kette mit ihrem Schutzengel dran.
09:48In der Nacht wird Hanna W.'s Leiche in der Rechtsmedizin München untersucht.
09:53Die Obduzenten stellen eine Vielzahl von Verletzungen fest.
10:00In Hamburg wird der Rechtsmediziner Klaus Püschel später als Parteigutachter hinzugezogen.
10:05Es geht um Abschürfungen, um Platzwunden bzw. Risswunden. Es geht auch um Frakturen und Unterblutungen.
10:15Insbesondere auch zwei ungewöhnliche Frakturen im äußeren Anteil der Schulterblätter an einer Struktur, die wir Akromion nennen, der sehr selten
10:25bricht.
10:25Und dass dann nach der Sektion in der Nacht Überlegungen entstanden sind, wie ist das ziemlich komplizierte Verletzungsmuster der Frau
10:38zu erklären, das ist für mich auch nachvollziehbar.
10:43In ihrem ersten Sektionsprotokoll beschreiben die Obduzenten der Rechtsmedizin München ihre vorläufige Diagnose.
10:50Da heißt es wörtlich, darüber hinaus zeigten sich am Kopf insgesamt fünf Quetschrisswunden, die sich auf eine umschriebene stumpfe Gewalteinwirkung
11:00zurückführen lassen.
11:01Und weiter, aufgrund der Größe ist an einen kleinflächigen Gegenstand wie zum Beispiel einen Hammerkopf zu denken.
11:08Die Verletzungen können laut Obduktionsbericht durch Schläge auf den Kopf entstanden sein.
11:13Hanna ist ertrunken, klare Diagnose, weil sie in den Baerbach hineingelangt ist.
11:22Und die Kollegen stellen die Diagnose, dass vor dem Hineingelangen ins Wasser tatsächlich stumpfe Gewalteinwirkung auf den Kopf mehrfach, fünf
11:33bis sieben Mal stattgefunden hat.
11:35Und sie haben auch gesagt, dass sie die Verletzungen im Bereich der Schulterblätter nur erklären können über Einwirkung eines Täters.
11:55Hanna W.'s Körper trieb im Baerbach und in der Prien mehr als zwölf Kilometer durchreißendes Gewässer, bevor er aufgefunden wurde.
12:09Die Nachricht über den Leichenfund verbreitet sich unter Anwohnern.
12:14Noch während die Einsatzkräfte vor Ort sind, tauschen sie sich in Chats aus.
13:05Es wurden über 1000 Zeugen vernommen. Die Ermittlungen gingen bis dahin, dass Taucher des Bachbettes, sowohl des Baerbachs wie auch
13:16der Prien, abgesucht haben bis zum Auffindeort von Hanna.
13:22Die Ermittler erhoffen sich noch Spuren zu sichern und suchen nach den fehlenden Kleidungsstücken von Hanna W.
13:28Entlang des Baerbachs und der Prien werden nach und nach Gegenstände der Toten gefunden.
13:34Der Gürtel ihrer Jacke, ihrer Handtasche, die Jacke selbst und nahe des Fundortes der Leiche auch ihre kunstlederne Hose.
13:49Durch Zeugenaussagen und Überwachungsvideos vom Eiskeller können die letzten Stunden von Hanna W. weitgehend rekonstruiert werden.
14:00Um 2.19 Uhr geht sie zur Garderobe, um sich ihre Jacke zu holen.
14:05Im Eingangsbereich trifft sie auf zwei Freundinnen. Die eine bietet ihr mehrfach an, sie heimzufahren.
14:11Doch Hanna lehnt mit der Begründung ab, sie würde mit ihrem Nachbarn nach Hause gehen.
14:17Dann verlässt sie um 2.21 Uhr den Club und hält sich noch einige Minuten vorm Eingang auf.
14:28Die Hanna wollte ursprünglich mit ihrem Nachbarn gemeinsam nach Hause gehen, hat dann auf ihn gewartet.
14:33Und nachdem er mehrere Minuten lang nicht kam, hat sie irgendwann beschlossen, alleine zu gehen.
14:37Es ist ja auch wirklich ein kurzer Weg, muss man sagen, es war wenig los in Aschau und man würde
14:41davon ausgehen, im Normalfall passiert da nichts.
14:46Um 2.28 Uhr wird sie das letzte Mal von der hinteren Überwachungskamera der Diskothek erfasst.
14:52Sie biegt nach rechts in die Kampenwandstraße.
14:54Ab hier verliert sich ihre Spur.
14:59Vom Eiskeller nach Hause sind es für Hanna W. nur knapp 900 Meter.
15:04Ihr Heimweg führt normalerweise von der Schlossbergstraße nach rechts auf die gut beleuchtete Kampenwandstraße.
15:14In den kommenden Wochen gehen die 60 Ermittler der Soko Club mehr als 2000 Spuren nach.
15:19Ohne Erfolg.
15:27Die Rechtsmedizin München verfolgt die Theorie eines gewaltsamen Todes.
15:36Der Rechtsmediziner Klaus Püschel stellt das Vorgehen der Kollegen aus München in Frage.
15:46Nach meiner Überzeugung ist hier nicht das Erfolg, was immer erfolgen soll.
15:52Ein Testen verschiedener Hypothesen mit gleichem Nachdruck, Einwirken von fremder Hand und hineinstoßen oder hineinwerfen ins Wasser und unfallmäßiger Sturz
16:07ins Wasser.
16:07Und die weiteren Dinge, die dann übrigens auch eine Rolle spielen, wie war der Bewusstseinszustand?
16:13Also objektiv, Faktum, sie hatte Schmerzmittel in sehr geringer Konzentration im Körper und Trinkalkohol in einer vergleichsweise hohen Konzentration 2
16:27,06 Promille.
16:33Die Aschauer Jugend ist durch den Tod der jungen Frau beunruhigt.
16:39Verena R. schickt ihrer Schwester eine Nachricht.
16:43Ich habe dir ja gerade ein TikTok geschickt. Ein Mädel ist beim Eiskeller umgebracht worden.
16:51Und der Mörder ist anscheinend immer noch nicht gefunden. Und der treibt sich immer noch rum.
17:06Die örtliche Polizei hat dann nach wenigen Tagen einen Münchner Profiler engagiert.
17:11Und der hat ein Szenario entworfen, dass ein Mann aus einem sexuellen Interesse, das ist kein Zitat, aber so habe
17:20ich es in Erinnerung,
17:21dass der sich der Hanna nähert und dann all diesen sexuell angeschauten Frust in dieser Tat loslässt.
17:28Dass es ein Ersttäter war und eben nicht jemand, der da wie ein Serientäter unterwegs ist.
17:34In seiner Fallanalyse entwirft der Profiler einen möglichen Tatablauf.
17:42Dass die Hanna auf ihrem Heimweg von jemandem von hinten attackiert worden sein muss, der sich auf sie draufgesetzt hat,
17:49deswegen diese Einblutungen am Rücken und die gebrochenen Schulterdächer.
17:53Und der dann mit einem stumpfen Gegenstand, so steht es im Obduktionsprotokoll, auf sie eingeschlagen haben müsse,
17:59weil diese Wunden am Kopf aus verschiedenen Winkeln sind.
18:04Und daher eben dieses Szenario, dass da jemand wild auf sie eingeprügelt hat.
18:12Zwischen dem 6. und 12. Oktober werden weitere Gegenstände von Hanna W. im Flussbett gefunden.
18:19Unter anderem einen Ring, den sie in ihrer Todesnacht trug.
18:23Ein weiterer Ring ist bis heute verschwunden.
18:27Dann gab es noch einen Fund neben dem Ring von der jungen Frau, der im Baerbach gefunden wurde.
18:36Und daneben lag eine Holzkernuhr.
18:38Und man hat dann immer gedacht, bei der Polizei ist ja auch naheliegend, da muss es einen Kampf gegeben haben.
18:44Und dabei hat der Täter die Holzkernuhr verloren.
18:48Da gab es auch noch einen Aufruf bei dieser Fernsehsendung Aktenzeichen XY.
18:53Ein erster Ermittlungserfolg.
18:55Der Besitzer der Holzkernuhr meldet sich.
19:01Es hat sich herausgestellt, dass der eine Woche zuvor dort war, auf diesem Kampenwandbahnparkplatz.
19:08Und genau an dieser Stelle, an der auch der Ring gefunden wurde, zum Urinieren war.
19:15Und der ist dann in den Baerbach gefallen und ist auch kaum mehr rausgekommen,
19:18obwohl der Baerbach dort kein Hochwasser führte, eine Woche zuvor.
19:30Die Eltern sind zu mir gekommen und haben mich darum gebeten, das Mandat anzunehmen,
19:37um auf diese Weise zu erfahren, wie es in den letzten Sekunden ihrer Tochter letztendlich abgelaufen ist.
19:54Die Eltern haben mir dann auch diese Traueranzeige, die die Trauernden beim Gottesdienst bekommen haben,
20:01haben sie mir vorgelegt.
20:02Und wenn man sich das anschaut, sämtliche Fotos zeigen die Hannah in einer unglaublich netten Art,
20:10in ihrer Lebensfreude.
20:13Und da kann man sich vorstellen, was das für ein unglaublich nettes Mädchen gewesen sein muss.
20:37Diese Aufnahmen entstanden 2018.
20:41Sie zeigen Hannah in einem Werbespot.
20:47Ihre Eltern haben zugestimmt, diese Bilder zu zeigen.
20:55Das gesamte persönliche Umfeld von der Hannah ist da ausgeleuchtet worden und befragt worden,
21:00wer wann mit wem welche Kontakte hatte und ob es da irgendwo eine Person gäbe,
21:06die potenziell ein Motiv gehabt hätte oder auch zu dem Zeitpunkt in der Nähe von der Hannah gewesen sein hätte
21:13können,
21:13dass da irgendwas in Richtung einer Eifersucht-Tat, Rache-Tat oder was auch immer sein könnte.
21:20Das ist aber alles ins Leere gelaufen. Also da gab es keine Anhaltspunkte dafür.
21:27Mittlerweile sind zwei Wochen seit Hannah W.'s Tod vergangen.
21:32Hinweise erhoffen sich die Ermittler von ihrem Prepaid-Handy, das bis dahin noch nicht gefunden wurde.
21:38Anhand der Funkzellenauswertung des Providers ergibt sich jedoch ein wichtiger Anhaltspunkt.
21:44Kurz vor Hannahs Tod soll ein Notruf von ihrem Handy abgesendet worden sein.
21:49Als Kontakt ist ihr Vater angegeben.
21:52Doch der Anruf ist niemals angekommen.
21:54Das Prepaid-Konto hatte kein Guthaben mehr.
22:01Die gespeicherten Standortdaten können helfen, das Bewegungsprofil von Hannah W. einzugrenzen.
22:07Um 2.09 Uhr erfolgt eine letzte Standortübermittlung vom Eiskeller.
22:13Um 2.32 Uhr wird ein ausgehender Anrufversuch registriert.
22:18Um 2.36 Uhr versucht der Nachbar, mit dem sie eigentlich heimgehen wollte, sie zu erreichen.
22:24Doch da ist Hannah W. vermutlich bereits tot.
22:28Die Ermittler legen sich auf einen Tatort fest.
22:31Nur wenige Meter vom Eiskeller und ihrem Elternhaus entfernt soll sie ums Leben gekommen sein.
22:38In den Aussagen der Menschen, die in dieser Nacht unterwegs waren, taucht immer wieder ein unbekannter Jogger auf.
22:47Um 2.25 Uhr wird er auf Höhe eines Gasthofes gesehen.
22:54Kurz darauf sieht ihn eine Zeugin auf dem Festhallenparkplatz.
22:58Ein weiterer bestätigt, der Jogger sei um 2.30 Uhr von der Kampenbahnstraße über den Parkplatz in Richtung Festhalle gelaufen.
23:09Die Polizei bittet den Jogger über die Medien, sich zu melden.
23:22Ich habe eben mit meinem Sohn gesprochen, der mir erzählt hat, dass er in der Nacht vom 2. auf den
23:283. beim Laufen war.
23:29Und ihn auch gefragt, ob er irgendwas gesehen hätte.
23:33Und das hat er eben verneint.
23:35Und dann war für mich eigentlich klar, man muss sich nicht melden, wenn man nichts gesehen hat.
23:40Es kam aber dann ein paar Tage später eben der Aufruf durch die Medien,
23:45dass eben ein Jogger gesehen worden sei und der solle sich doch bitte melden.
23:53Und ich habe mich eben sofort mit dem Sebastian dann in Verbindung gesetzt und ihm halt gesagt, dass er sich
24:00melden soll.
24:01Ich habe dann mit ihm eben gesprochen und habe ihn gefragt, ob ich für ihn anrufen soll.
24:06Und das hat er dann bejaht.
24:08Und er ist dann allein zur Polizei und ja, dann nahm das Ganze seinen Lauf.
24:19Auf der Wache in Rosenheim wird Sebastian T. am 21. Oktober befragt.
24:25Er gibt an, seine Laufuhr und auch sein Mobiltelefon nicht beim Joggen dabei gehabt zu haben.
24:31Er erzählt dem Beamten, dass er schon mal im Eiskeller war, in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober
24:37aber nicht.
24:38Hannah W. habe er nicht gekannt.
24:40Die Kripo-Beamten bitten ihn, seine Laufstrecke einzuzeichnen.
24:45Sebastian T. gibt an, über den Kampenwandparkplatz in Richtung Kinderheilstätte in Heindorf gelaufen zu sein.
24:51Wegen einer Straßensperre sei er dann an der Hauptstraße nach Hohenaschau zurückgelaufen.
24:59Es werden Lichtbilder von Sebastian angefertigt.
25:05Auf die Frage, warum er in der Nacht joggt, gibt er an.
25:08Ich bin halt am Abend dann halt aufgewacht und habe nicht mehr schlafen können.
25:16Dann habe ich mich bewegt.
25:23Viele Dinge unternimmt Sebastian lieber allein oder im Kreis seiner Familie.
25:31Sebastian ist ein junger, zurückhaltender Mann, der, so beschreiben ihn ja auch seine Freunde, der einen sehr eigenen Humor hatte,
25:39der viel alleine auf den Berg gegangen ist.
25:42Und was wichtig ist in dem ganzen Fall, ist, dass er so eben diese eigene Art hat, die aber sofort
25:49so ausgebreitet wurde, als sei er ein Sonderling.
25:54Sebastian T. wird erneut zur Polizei gebeten. Diesmal soll er seine Kleidung vom Abend des 2. Oktober mitbringen.
26:05Ich bin halt dann wieder dahin und dann haben sie gesagt, dass sie noch ein paar Fragen hätten oder so.
26:13Und dann saßen sie halt zu zweit in dem Zimmer und haben mich gefragt und es halt ein bisschen lauter
26:22war.
26:22Eine Frage, wo sie halt dann gefragt haben, wie ich mir das vorgestellt hätte, was an dem Abend passiert sein
26:35hätte können.
26:37Da habe ich halt dann gesagt, keine Ahnung.
26:41Und dann haben sie halt dann gesagt, sie können erst gehen, wenn sie diese Frage beantwortet haben.
26:56Und dann haben sie halt was ausgedacht und haben halt...
27:03Jedenfalls hat man ihn dann bei der zweiten Vernehmung veranlasst, zu spekulieren, was er sich denn vorstellen könnte, was mit
27:11dieser jungen Frau passiert ist.
27:13Und bis zu diesem Tag waren natürlich schon zahlreiche Spekulationen in dieser kleinen Ortschaft im Umlauf.
27:20Und dann hat er eben angefangen zu spekulieren, aber auf ausdrückliche Nachfrage der Polizei.
27:27Er wollte gar nichts sagen, es steht sogar im Protokoll. Ich weiß nicht, was ich da jetzt sagen soll.
27:32Ich weiß nicht, wie ich das jetzt sagen soll.
27:34Vielleicht, dass sie irgendjemand mitgenommen hat und sie dann wieder aussteigen wollte oder so.
27:41Wie mitgenommen? Wie meinen Sie das?
27:44Naja, dass sie mit dem Auto mitgenommen wurde und dann wollte sie wieder aussteigen.
27:48Dass sie vielleicht aussteigen wollte, er hat sie nicht gelassen und dann wollte er sie zu irgendetwas zwingen.
27:53Dass er ihr dann vielleicht irgendwas draufgehauen hat oder...
27:57Interessant fand ich dann, dass man ihn nicht nur als Zeugen vernommen hat, sondern ihm DNA-Spuren abgenommen hat.
28:04Also man hat ihm einen Mundabstrich gemacht und man hat ihn in seiner Joggerkleidung zwölfmal fotografiert.
28:11Macht man das mit einem Zeugen, von dem man sich sachdienliche Hinweise erwartet?
28:14Oder macht man das mit einem Verdächtigen, den man vorhat festzunageln?
28:20Was die Polizei damals nicht wusste, was sich aber dann später herausgestellt hat, ist, dass Sebastian T., sagen wir mal,
28:26keinen sehr hohen Intelligenzquotienten hat.
28:29Er ist eher hilflos.
28:31Und so ging es dann auch weiter.
28:33Man hatte einen Menschen vor sich, der dieser Situation nicht im Ansatz gewachsen ist.
28:38Er ist zweimal vernommen worden als Zeuge. Beim zweiten Mal war er aus meiner Sicht schon ganz klar verdächtig aus
28:47Sicht der Polizei,
28:48was die Verpflichtung nach sich gezogen hätte, diese Vernehmung per Video aufzunehmen.
28:54Das hat man sich gespart, indem man ihn im Zeugenstatus belassen hat.
29:02In den folgenden Tagen ermitteln die Beamten auch in Sebastian T.'s persönlichem Umfeld.
29:10Sebastian war auf einer Förderschule. Da hat er eine junge Frau kennengelernt, die auch auf diese Förderschule ging.
29:19Und die wurde dann von der Polizei einvernommen.
29:23Er selbst hat die Polizei übrigens auf diese junge Frau aufmerksam gemacht.
29:28Da sieht man, wie naiv er den Ermittlungsbehörden gegenüberstand und wie gutgläubig.
29:34Und die junge Frau wurde dann vernommen und hat dann allerhand Angaben gemacht,
29:40die, sagen wir mal, nicht besonders konsistent waren, aber freudig aufgenommen wurden von den Ermittlern.
29:50Verena R. erzählt den Beamten, sie sei am 3. Oktober mit Sebastian T.
29:54auf dem Parkplatz des Eiskellerclubs verabredet gewesen.
29:58Sie seien spazieren gegangen.
30:00Da hätte er ihr erzählt, dass wohl eine junge Frau umgebracht wurde.
30:09Sie sagt zum Beispiel, dass die Leiche in der Prien gefunden worden sei.
30:13Das kann am 3. Oktober noch niemand gewusst haben, nicht am frühen Abend, weil die Hanna ja noch gar nicht
30:18identifiziert worden war.
30:20Selbst der Täter kann ja gar nicht wissen, wo die Leiche gefunden worden ist.
30:23Er kann nur wissen, dass es eine Leiche gibt.
30:26Und all das überhören, übersehen, die Beamten.
30:30Von Verena R. werden bei der Polizei auch Lichtbilder gemacht.
30:34Noch auf der Heimfahrt schickt sie mehrere Sprachnachrichten an ihre Mutter und Freunde.
30:41Hallo Mama, ich bin jetzt zurück von der Polizei.
30:44Und ich habe nicht mehr genau gewusst, was an dem Tag war.
30:47Und die denken halt echt, ich und der Sebastian hätten nichts Besseres zu tun, als irgendwelche Mädels umzubringen.
30:54Und die meinen halt echt, der Sebastian hätte das Mädel umgebracht.
30:58Ich bin richtig erschrocken.
31:00Und jetzt haben die noch Bilder machen müssen, so wie man das aus Amerika kennt.
31:06Dieses Seitenbild-Vorderbild.
31:08So als Straftäter so.
31:10Und die haben gesagt, es kann passieren, dass wir mal für zwei, drei Tage in U-Haft müssen, weil wir
31:16die Tatverdächtigen sind.
31:24Am selben Abend trifft sich der Freundeskreis bei Verena.
31:32Ja, ich bin dann am 17. zur Verena gefahren.
31:36Und da haben wir uns dann halt getroffen und haben ein bisschen was getrunken.
31:45Dann hat sie mir halt erzählt, weil sie ja an dem Tag auch bei der Polizei gewesen ist.
31:54Und dass sie merkwürdige Fragen über mich gestellt hätten.
32:00Und dann ist halt dann irgendwie so ausgeartet, wo ich dann ein bisschen mehr getrunken habe.
32:11Zuerst haben die sich das nicht vorstellen können, dass der Sebastian da ein Mörder sein soll.
32:18An diesem Abend hat ihm seine Freundin auch gesagt, dass er da der Hauptverdächtige ist.
32:23Und hat er sich doch getrunken.
32:24Und hat dann irgendwann so aus Fatalismus oder Spaß gesagt, ja, dann war ich's halt.
32:30Das hat ihn natürlich unheimlich belastet, da verdächtig zu sein.
32:36Am nächsten Morgen erlässt der Richter einen Haftbefehl.
32:43Ich bin halt auf der Autobahn festgenommen worden.
32:47Bin halt auf einem Seitenstreifen stehen geblieben.
32:51Und dann ist halt so ein Kriminalbeamter zu mir herkommen.
32:56Und hat mir gesagt, dass ich in der Sache einer Beschuldigter bin.
33:05Und dass ich halt aus dem Atten aussteigsehe und nach hinten zum Kofferraum hingehe.
33:12Dann haben sie mir halt Handfesseln gelegt.
33:18Und dann bin ich in die JVA überführt worden.
33:26Am 18. November, da kam der Anruf in der Früh, dass er mir eben mitgeteilt hat, er ist der Hauptverdächtige.
33:35Mama, ich bin jetzt der Hauptverdächtige.
33:38Anklage auf Mord.
33:39Und dann steht man erstmal da und denkt sich, man ist im falschen Film.
33:44So, just...
33:58Untertitelung. BR 2018

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