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StreifzüGe Durch Gartenparadiese
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00:00:10Frühling im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof.
00:00:15Landschaftsarchitekt Kassian Schmidt bespielt seine Blumenbeete wie ein Maler seine Leinwand.
00:00:20Das sieht ja richtig schön aus jetzt.
00:00:27Ja, das haben wir im Oktober, November letzten Jahres gepflanzt.
00:00:32Diese schönen Purpur-Töne, wunderbare Mischung aus verschiedenen Triumph-Tulben.
00:00:38Jetzt sehe ich natürlich so ein paar Farbunfälle sind da drin, die müssen wir dann einfach ausziehen.
00:00:45Da gibt es alles nichts, da bin ich zu viel Ästhet.
00:00:49Hier so ein Schweinchenrosa, das geht auch gar nicht. Das müssen wir jetzt des Farbkonzepts willen.
00:00:58Es sind auch ein paar Falschlieferungen dann natürlich dabei.
00:01:02Ja, sowas da. Man sieht das schon, das ist kein Farbkonzept. Gelb und rosa geht gar nicht. Scheußlich.
00:01:12Gärten und Parks sind Oasen der Erholung, Paradiese auf Erden. Mal inszenierte Kulisse absolutistischer Macht, mal verborgen hinter hohen Mauern.
00:01:24Sie sind über Jahrhunderte gewachsen, kreiert von genialen Gartenbauarchitekten, in Pflanzenkunde bewanderten Gärtnerinnen und Gärtnern.
00:01:50Natur und Wissenschaft verbinden sich an diesem Ort zu einer Symbiose.
00:01:54Der rund zweieinhalb Hektar große Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof liegt mitten in Weinheim, im Nordwesten Baden-Württembergs.
00:02:14Leiter Kassian Schmidt schafft jedes Jahr neue Stimmungsbilder, nach dem Vorbild der Natur.
00:02:23Man muss jetzt nicht immer brav arbeiten. Normalerweise sagt man Ton in Ton. Wenn ich das jetzt mal wegnehme, dann
00:02:28ist es schön, romantisch, Ton in Ton, Rosatöne, kühle Farbtöne.
00:02:33Und wenn ich jetzt was, gelb wäre natürlich jetzt eine wirkliche Provokation. Das heißt einfach einen Akzent setzen, der nicht
00:02:40erwartet wird. Das ist eine Provokation.
00:02:42Also ich setze das schon ein, wenn wir jetzt hier nochmal gucken. Das ist bewusst. Zu einem Magenta-Purpur mal
00:02:50so ein Schuss Orange.
00:02:52Und die Raffinesse ist jetzt eben, wenn man hier guckt, diese Tulpe hat genau diese Farbe, nimmt die wieder auf.
00:02:59Und so gestalte ich das immer.
00:03:00Dann ist es nicht so krass. Aber das ist natürlich die Provokation. Aber dosiert als Akzent.
00:03:08Der Hermannshof besteht seit über 200 Jahren. 1888 erwarb der Unternehmer Hermann Ernst Freudenberg das Grundstück.
00:03:18Nach ihm ist der Hermannshof benannt. Er und die zwei Generationen nach ihm legten eine beachtliche Sammlung an seltenen Gehölzen
00:03:27an.
00:03:29Ida Schildhauer ist die Urenkelin des Gründers.
00:03:32So, das ist ein Tisch. Ich bin aber sehr gespannt, was du da mitgebracht hast.
00:03:37Tja, tolle Sachen. Aus dem Archiv.
00:03:39Ja, wunderbare Sachen.
00:03:42Das ist ja toll. Das ist die Familie. Wer ist denn Hermann Ernst Freudenberg?
00:03:47Das ist also Hermann Ernst, seine Frau Helene. Das ist mein Großvater Hans.
00:03:52Das war sein viertes Kind mit seiner Frau Ida, der Engländerin, und ihrem ersten Sohn.
00:03:58Die war ja auch so gartenbegeistert.
00:03:59Die konnte auch was, ja. Die dann den Hermannshof gewohnt haben bis Ende der 60er Jahre.
00:04:0560er Jahre.
00:04:06Genau. Und dann sind meine Eltern mit uns Fünfte eingezogen.
00:04:12Das war in den 60er, 70er Jahren. Die sind hier aufgewachsen. Ich war die Älteste.
00:04:18Und da wurde schon hier kleine Rennen mit irgendwelchen Fahrrädern und auch mit Mofas, glaube ich, gefahren.
00:04:27Nicht zur Freude der Gärtner.
00:04:30Und dann war ein richtiger Obstgarten da. Wir hatten unser Obst und Gemüse quasi immer selbst das ganze Jahr durch.
00:04:36Das war da unten, wo jetzt der Teich ist. Da waren die Gemüseanbauten.
00:04:39Der Garten war schon ganz anders. Aber er war immer ganz besonders schön. Und wir haben ihn sehr geliebt.
00:04:46Lange Zeit war der Hermannshof der Privatgarten der Familie Freudenberg, die ein globales Technologieunternehmen führt.
00:04:541983 öffnete die Familie den neugestalteten Park für Besucher.
00:04:59Seit 1998 ist Kassian Schmidt hier der kreative Kopf.
00:05:04Er untersucht, welche Pflanzen an welchen Standorten am besten gedeihen und wie viel Pflege sie brauchen.
00:05:11Das sind ja alles Klimawandelstauden, die hier eigentlich mit viel Trockenheit zurechtkommen, aber nur als junge Pflanzen eben noch nicht.
00:05:18Von einer Nordamerika-Reise brachte er die Idee mit, Präriestauden zu pflanzen.
00:05:24Das sind nordamerikanische Stauden aus dem Mittelwesten der USA, da wo so die Western gedreht werden.
00:05:30Und jetzt fragt man sich natürlich, warum haben wir die hier in Deutschland?
00:05:33Der Grund ist, es sind Pflanzen, die wunderbar an den Klimawandel angepasst sind, beziehungsweise was wir noch erwarten.
00:05:38Und deswegen experimentieren wir seit fast 20 Jahren mit diesen speziellen Stauden, die sehr tief wurzeln, die auch große Trockenheit
00:05:45aushalten, aber auch mal einen feuchten Sommer.
00:05:50Städte und Gemeinden können sich im Hermannshof Informationen und Anregungen für die Bepflanzung ihrer öffentlichen Grünanlagen holen.
00:05:58Als Schau- und Sichtungsgarten ist dies seit 40 Jahren vorrangige Bestimmung.
00:06:03So, dann markieren wir das hier mit den Töpfen.
00:06:07Wir kümmern uns natürlich seit vielen Jahren um das Thema Pflegeaufwand, weil das ist das, was die Kommunen brauchen.
00:06:11Es geht ja immer um Geld. Und wir ermitteln das. Jeden Tag wird das aufgeschrieben.
00:06:15Und wir haben das jetzt über 20 Jahre, wissen wir genau, wie viel, wir sagen immer Arbeitskraftminuten pro Quadratmeter herein.
00:06:23Und bei so einer Fläche zum Beispiel, die jetzt eher als extensiv zu bezeichnen, sind das so drei bis vier
00:06:28Minuten pro Quadratmeter im Jahr an Pflege.
00:06:31Da ist Unkraut, Jäden, da ist das Mähen, da ist auch Nachpflanzen. Alle diese Dinge sind dabei.
00:06:38Gerade im Frühling bleibt immer öfter der so notwendige Regen aus.
00:06:42Der Hermannshof zeigt neue Wege in Zeiten des Klimawandels auf.
00:06:52Im Mittelalter waren es die Klöster, die maßgeblich den Anbau von Pflanzen betrieben und die medizinische Wirkung von Heilkräutern untersuchten.
00:07:02Maulbronn gilt als die am besten erhaltene Klosteranlage des Mittelalters nördlich der Alpen und ist seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe.
00:07:14Sie liegt in der Ortsmitte von Maulbronn, einer idyllischen Kleinstadt nördlich von Pforzheim.
00:07:21Klostergärten sind voll religiöser Symbolik, sie dienen aber auch ganz profan als Nutzgärten.
00:07:28Der Obstgarten in Maulbronn liegt gut versteckt hinter der Klosterkirche.
00:07:32Er gehört zum evangelischen Seminar, einem Internat für Gymnasiasten.
00:07:38Die letzten Mönche verließen 1556 das Kloster.
00:07:43Im gleichen Jahr wurde Maulbronn zur Klosterschule für evangelische Theologen, vor allem Pfarrer und Lehrer.
00:07:5165 Jugendliche lernen und wohnen heute hier.
00:07:56Zu den Schwerpunkten an der Schule gehören nach wie vor alte Sprachen, Musik und Religion.
00:08:08Wir haben letztens in Latein Texte übersetzt, wo das Paradies beschrieben wurde, oder die damalige Fassung vom Paradies.
00:08:15Und ich finde, eigentlich findet man alle Facetten davon hier auch wieder.
00:08:19Also fließendes Wasser, grünes Gras, Bäume, Obstbäume.
00:08:23Leben, Vögel, das ist irgendwie alles so, wie man es sich vorstellt, so idyllisch.
00:08:28Ja, und das finde ich total faszinierend. Solche Orte findet man echt selten heutzutage.
00:08:33Und das halt mitten in einem Kloster und mit der alten Klostermauer, das ist einfach, das kann man gar nicht
00:08:41so richtig beschreiben.
00:08:42Das macht immer so ein Kribbeln irgendwie so in der Brust.
00:08:45Seit 2014 leitet Gerhard Keitel das evangelische Seminar.
00:08:50So, wenn wir jetzt aber Freunde sind, wer kann ein kritisches Wort äußern? Am besten die Freunde.
00:08:57Dichter wie Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse lernten hier.
00:09:01Das Leben in der strengen Klosterschule prägte sie und beeinflusste ihr literarisches Schaffen.
00:09:08Der Obstgarten von Maulbronn wird Ephoratsgarten genannt und ist der Privatgarten des Schulleiters.
00:09:14Heute sieht er nicht mehr ganz so aus wie im Mittelalter.
00:09:18Geblieben sind der Brunnen, das Wegekreuz und die symmetrische Anordnung der Bäume.
00:09:23Musik
00:09:28Historisch belegt sind die Apfelbäume, die jetzt neu nachgepflanzt wurden. Dort ist der Friedhof der Mönche.
00:09:35Und die Zisterzienser haben ihre Toten tatsächlich nur im Leintuch begraben, beziehungsweise in ihrer Mönchskutte.
00:09:42Und man hat die Kapuze übers Gesicht gezogen. Und unter den Bäumen wurden die Mönche begraben.
00:09:48Das war durchaus symbolisch gemeint. Und es ist auch verbirgt in einer alten Karte, dass es in einer Quinkung die
00:09:56Bäume gesetzt sind.
00:09:57Das heißt, Sie müssen sich ähnlich vorstellen wie eine Fünf auf dem Würfel, so über Kreuz.
00:10:01Und das hat man jetzt wieder hergestellt, um zu zeigen, so müsste der Art, müsste der Mönchfriedhof mal ausgesehen haben.
00:10:08Und so ehren wir die Mönche mit neuen Bäumen.
00:10:17Ab 1147 errichteten Zisterzienser-Mönche die Klosteranlage. Mit der Kirche in der Mitte und umgeben von Wirtschafts- und Wohngebäuden.
00:10:26Die Gärten innerhalb des Klosters waren ein Abbild des Garten Edens, aus dem Adam und Eva vertrieben wurden.
00:10:34Ein Paradies, von einer Mauer umschlossen, als Schutz vor der sündigen Welt. Ein Hortus Conclusus.
00:10:47Das Zentrum des Klosters bildet der streng symmetrische Kreuzgarten.
00:10:52Hier zogen sich die Mönche zum Gebet und zur Meditation zurück.
00:10:56Im Kreuzgarten wurden aber auch seltene Pflanzen kultiviert.
00:11:09Um autark leben zu können, bauten die Mönche neben Obst und Gemüse auch Heilkräuter für die medizinische Versorgung an.
00:11:17Heute übernimmt diese Aufgabe Gabriele Bickel, bekannt als Kräuterhexe von Maulbronn.
00:11:28Der Kräutergarten wurde 2008 neu rekonstruiert, nach den ältesten überlieferten Quellen aus dem 9. Jahrhundert.
00:11:37Weil Mönche ihr Wissen in Listen und Büchern festhielten, sind an die 600 Heilpflanzen historisch belegt.
00:11:44Viele davon finden noch heute in der Naturheilkunde oder als Küchengewürzverwendung.
00:11:53Gabriele Bickel beschäftigte sich schon in jungen Jahren mit dem überlieferten Wissen und der medizinischen Wirkung der Pflanzen.
00:12:06Die Klostergärten waren ja eigentlich die lebendigen Apotheken im Kloster.
00:12:12Also da gab es dann Beete, die waren für Herzkrankheit.
00:12:16Dann gab es Beete gegen Erkältung, gegen Depression zum Beispiel.
00:12:22Und zunächst wurden die Klosterbewohner natürlich damit behandelt.
00:12:26Es gab ja keine Tabletten im ursprünglichen Sinn, sondern man musste sich ja auch alles selbst herstellen in Form von
00:12:33Tinktur, Pulver und so weiter.
00:12:35Und dann gab es natürlich auch ganz spezielle Rezepturen.
00:12:39Da hatte auch jedes Kloster sein eigenes Rezept.
00:12:46In Maulbronn lebten zu Hochzeiten Andi 100 Mönche und etwa 200 Laienbrüder.
00:12:53Sie sammelten und tauschten Samen und Pflanzen bis über die Alpen nach Italien.
00:12:58Angelegt wurden die Gemüse- und Heilkräutergärten nach genauen Vorgaben.
00:13:03Der Garten und auch die einzelnen Beete mussten rechteckig sein und in jedem Beet durfte nur eine Sorte wachsen.
00:13:15Heute sieht man natürlich die Schilder, dass man lesen kann, was da jetzt in dem Beet sich befindet.
00:13:21Aber wir müssen ein paar hundert Jahre zurückdenken und die Menschen konnten nicht lesen.
00:13:28Es gab hier aber sehr viele Laienbrüder, die beauftragt waren, aus dem Klostergarten zu ernten, bei Bedarf.
00:13:37Und zählen konnte man schon immer.
00:13:40Und dann war es natürlich, um Verwechslungen vorzubeugen, eigentlich ganz clever, wenn ich dem Laienbrüder sagen konnte,
00:13:48also das dritte Beet in der zweiten Reihe, was da drin wächst, das bringst du mir.
00:13:55Ringsum von einer hohen Mauer geschützt oder mit freiem Blick in die Landschaft?
00:14:00Nur schön oder auch nützlich?
00:14:03Durch die Jahrhunderte wandelt sich das Ideal eines perfekten Gartens.
00:14:07Im Mittelalter sucht man das Paradies auf Erden.
00:14:11Im Barock wird der Schlosspark zu einer Bühne, auf der sich der Machthaber inszeniert.
00:14:17Seine Botschaft lautet, so wie ich die Natur beherrsche, beherrsche ich auch das Land.
00:14:26Ein Meisterwerk des europäischen Spätbarocks ist der Schlosspark von Schwetzingen.
00:14:33Er liegt im Nordwesten Baden-Württembergs, nur wenige Kilometer von Heidelberg entfernt.
00:14:40Kurfürst Karl Theodor ließ ab 1753 den Park aufwendig im französischen Barockstil anlegen.
00:14:50Helmut Krupp ist seit über drei Jahrzehnten der Gartenmeister in Schwetzingen.
00:14:55Nichts darf im Barockgarten so wachsen, wie es will.
00:15:03Die ganze Parterre hier, das ist ja durchzogen von Symmetrie, von Geometrie, geht selbst bis ins kleinste Detail, bis ins
00:15:10kleinste Pflänzchen.
00:15:12Auch das muss sich dieser Symmetrie unterordnen.
00:15:14Und deshalb haben wir auch hier nochmal bis ins kleinste Pflanzenraster, wie die Soldaten, sage ich mal.
00:15:23Es war ja auch die Zeit des Barock, des Rokoko, was man da gespielt hat mit Formen und Elementen. Es
00:15:29ist unglaublich.
00:15:31Helmut Krupp hat sich diesen Rechen selbst gezimmert, um die kerzengeraden Linien für die Pflanzreihen zu ziehen.
00:15:38Getreu nach historischem Vorbild. Von oben wirkt das Parterre wie eine reichhaltige Stickerei.
00:15:48Dafür werden alljährlich 20.000 Sommerblüher in die sogenannten Broderiebeete gesetzt.
00:15:54Sie ergeben später ein perfektes Farb- und Formmuster.
00:15:58Die Pflanzen werden im Gewächshaus selbst gezogen, wie schon im 18. Jahrhundert.
00:16:059 und 1, 7 und 1.
00:16:09Damals gestalteten Hofgärtner Johann Ludwig Petry und der Architekt des Kurfürsten Nicolas de Pigage den französischen Teil des Gartens.
00:16:19Heute ist die gesamte Anlage ein Schatz für Denkmalpfleger und Kunsthistoriker.
00:16:24Vieles wurde in den 1970er und 80er Jahren nach historischen Plänen wiederhergestellt.
00:16:30Bis heute gilt als oberste Prämisse, zur Originalarchitektur zurückzukehren.
00:16:38Die Pflanzen entsprechen sich. Es gibt eine Mittelachse.
00:16:41Die äußeren zwei Reihen passen sich dieser Achse an.
00:16:44Und die Pflanzen wiederholen sich immer wieder in einem Abstand von 4,80 Meter,
00:16:48sodass wir dann unser Schachbrettmuster auf die Beete bringen.
00:16:50Fast wie ein Teppich, dass man sieht, aha, hier ist auch wieder der Absolutismus verankert.
00:16:57Da kann man sich schon begeistern dafür.
00:17:08Im Barock wird die umgebende Landschaft durch Blickachsen in die Gestaltung mit einbezogen.
00:17:14Im Mittelpunkt steht das Schloss, stellvertretend für den Herrscher.
00:17:17Alles führt auf ihn zu, von ihm geht alles aus.
00:17:26Prächtige Arkaden aus Linden umrahmen das Kreisparterre.
00:17:31Der geometrische Schnitt ist eine hohe Kunst.
00:17:34Trotz Elektroheckenschere braucht es Spezialisten.
00:17:41Verantwortlich für die Erhaltung, Erforschung und Vermittlung des kulturellen Erbes ist Gartenkonservator Hartmut Troll.
00:17:49Unterstützt wird er von dem wissenschaftlichen Volontär Andreas Buschmeier.
00:17:57Das Grüne muss man so schneiden, dass das Grüne sichtbar ist und gleichzeitig möglichst viel wegmachen.
00:18:03Alle paar Jahre musst du dann richtig ins Altholz rein, um die Figur wieder zu verjüngen.
00:18:07Aber da sieht man noch schön, wo oben der alte Kohlenansatz ist, weil man jetzt, weil es so durchscheinend ist,
00:18:14weil man sozusagen den Stamm und die Äste dahinter sozusagen als größte Architektur der grünen Arkade mit beobachten kann.
00:18:20Das ist eigentlich ganz super.
00:18:29Hier sieht man es sehr schön, dass mit einem Mittel, nämlich dem Baum, die ganze Grammatik der Architektur sozusagen gebildet
00:18:36und wiederholt werden kann.
00:18:38Sie machen einen großartigen Arkadengang, sie machen eine Säulenreihe, eine Kolonnadenreihe,
00:18:43sie machen so kleine Raumeinfassungen wie die Hecke und sie machen große Wände, also Wand, Decke, Architekturgliederung wird alles gemacht
00:18:52mit einem Medium, sozusagen dem Baum.
00:18:57Zwölf Kilometer Arkaden und Hecken, die zweimal im Jahr geschnitten werden. Das ergibt eine Unmenge an Laub.
00:19:05Damals, in der waldarmen Zeit des Barocks, ein natürlicher Dünger, aber auch Futter und Einstreu für das Vieh.
00:19:13Für die Gaumenfreuden ließen die Kurfürsten den damals in Deutschland noch unbekannten Spargel im schlosseigenen Gemüsegarten anbauen.
00:19:21Man wollte nicht hinter Versailles und König Ludwig XIV. zurückstehen. Der Boden erwies sich als ideal.
00:19:28Ab 1894 konnte ihn jeder auf dem Schlossplatz kaufen.
00:19:32Noch heute wird der Schwetzinger Spargel überregional geschätzt.
00:19:37Im Schlossgarten wird er schon lange nicht mehr angebaut.
00:19:45Gärten und Wasser gehören untrennbar zusammen.
00:19:49In fürstlichen Parks wird Wasser zur Inszenierung, was eine ausgeklügelte Technik erfordert.
00:19:55Aufwendig gestaltete Brunnen, Becken, Wasserfälle und Kaskaden sollen zum Lustwandeln anregen.
00:20:02Und ein Sinnbild dafür sein, dass sich die Natur dem fürstlichen Willen zu beugen hat.
00:20:12Die wasserspeienden Hirsche, die von Hunden niedergerungen werden, gehören zu den bekanntesten Skulpturen im Park.
00:20:20Doch weil die Wasserversorgung nach historischem Vorbild mit ungefiltertem Grundwasser betrieben wird,
00:20:26müssen die Brunnen regelmäßig gereinigt werden.
00:20:28Besonders, wenn es warm ist.
00:20:34Ja, also man kann die Brunnen nicht sich selbst überlassen.
00:20:37Wir müssen zum einen gucken, dass sie ständig laufen, dass nichts verstopft wird.
00:20:41Weil es ist ja auch das System, der eine Brunnen gibt es weiter zum nächsten.
00:20:45Es ist auch wichtig, dass es funktioniert.
00:20:47Und die Alpenbildung ist halt gerade im Sommer, im Frühjahr, so enorm hoch,
00:20:52dass wir alle zwei Wochen sauber machen müssen.
00:21:05An das Kreisparterre schließen sich schattige Wäldchen und hohe Hecken an.
00:21:10Diese sogenannten Boskette bilden formal den Gegenpart zum offenen Parterre.
00:21:16Auch hier folgt alles genauen Form- und Maßangaben.
00:21:20Also hier würde man eigentlich erwarten, Andreas, dass man die Hierarchie,
00:21:2444, 22, 11, 5,5 Fuß noch hat.
00:21:27Aber die Pläne in Bayern, die Originalpläne, haben gezeigt, es ist breit.
00:21:31Es sind sechs Fuß, kannst schauen, wenn du willst.
00:21:39Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs.
00:21:45Siehst du?
00:21:46Und lustig ist, es ist nicht zu verhandeln.
00:21:53Das Besondere am Schwetzinger Schlosspark ist seine Zweiteilung.
00:21:58In der anfänglichen Bauzeit dominierte in Europa eine streng geometrische Gartenbaukunst.
00:22:04Der zweite Teil des Gartens, 1776 begonnen, wurde schon nach englischem Vorbild geplant.
00:22:10Der Gartenkünstler Friedrich Ludwig von Skell legte ihn wie einem Gürtel um den Barockgarten.
00:22:17Mit überraschenden Blickachsen, Wasserläufen, Schlängelwegen und fein modelliertem Gelände.
00:22:23Einer der ersten englischen Landschaftsgärten in Deutschland.
00:22:32Die griechische und römische Antike hatte es dem Kurfürsten Karl Theodor besonders angetan.
00:22:39Er ließ Tempel für die Götter Apollo und Merkur errichten.
00:22:42Aber auch eine Moschee, als Zeichen seines fortschrittlichen Denkens.
00:22:50Die kunsthistorische Bedeutung hinter diesem Gesamtkunstwerk ist bis heute nicht vollständig entschlüsselt.
00:22:57Schwetzingen wird deshalb noch länger ein spannender Ort für die Wissenschaft sein.
00:23:02Tatsächlich zeichnet sich Schwetzingen dadurch aus, dass er quasi zwei scheinbar gegensätzliche Gartenstille,
00:23:08den sogenannten Barockgarten und den sogenannten Landschaftsgarten, quasi in einem Kunstwerk vereint.
00:23:14Unter einem Fürsten, Erschaffen, unter denselben Künstlern entworfen und ausgeführt.
00:23:21In der Lesart von den Akteuren der Zeit überhaupt nicht als Gegensatz, sondern als folgerichtige Entwicklung und Vollendung.
00:23:35Die Natur an sich ist ein einziger Garten.
00:23:39Dieser Grundgedanke der englischen Landschaftsgartenbewegung schwappte Mitte des 18. Jahrhunderts auf das europäische Festland über.
00:23:47Jetzt musste die ideale Natur wie zufällig gewachsen sein, natürlich wirken.
00:24:07Ab 1776, auf dem Höhepunkt seiner absolutistischen Herrschaft, ließ der Herzog von Württemberg, Karl Eugen, das Schloss Hohenheim südlich von
00:24:16Stuttgart bauen.
00:24:18Für sich und seine spätere Gattin Franziska.
00:24:21Der Repräsentationsgarten entsprach voll und ganz dem Vorbild englischer Landschaftsgärten.
00:24:30Von Anfang an experimentierten die Gärtner im Auftrag des Herzogs mit Gehölzen.
00:24:36Heute gehören die Gärten zur Universität Hohenheim und sind noch immer ein ideales Experimentierfeld für Wissenschaftler und Studierende.
00:24:58Den Hohenheimer Gärten steht der Botaniker Robert Glinias als Kustos vor.
00:25:04Er ist für die botanischen Sammlungen zuständig und betreut wissenschaftliche Projekte zur Nachhaltigkeit.
00:25:09Was etwa erwartet die Gärten im Zuge des Klimawandels?
00:25:14Wir haben einen Versuch gestartet, wo wir sechs verschiedene Blühmischungen gegeneinander testen und gucken,
00:25:21einmal was kommt überhaupt aus den Blühmischungen hervor?
00:25:24Ist es das, was auch auf dem Päckchen draufsteht? Was setzt sich eigentlich durch in der Pflanzenwelt?
00:25:30Und zum anderen natürlich auch, was kommen da an Tieren vor, an Insekten vor?
00:25:41Hier, da hast du dein Gras. Genau, das ist das Honiggras, ganz flauschig hier unten.
00:25:46Und auch so hier oben, das finde ich auch total klasse.
00:25:49Holcus lanatus, aber ein tolles Gras.
00:25:52Da fasst man gerne drüber, das streicht man gerne drüber, weil es einfach so weich ist.
00:25:56Gut, notiert hast du es?
00:25:58Ja.
00:25:59Lanatus, lanatus heißt Wollich.
00:26:03Das würde ja auch passen, Wolliges, Hohngar.
00:26:07Die Studierenden der Agrarbiologie versuchen zu bestimmen, was auf den Blühstreifen wächst und welche Insekten sich hier tummeln.
00:26:16Sie werden morgen mitreden, wenn es um das Verhältnis von Mensch, Natur, Landwirtschaft und Biodiversität geht.
00:26:29Biodiversität ist ja, sage ich jetzt, zunehmend wichtig, dadurch, dass es ja mittlerweile wirklich auch durch die Intensivierung der Landwirtschaft
00:26:35zu einer ziemlichen Verarmung gekommen ist.
00:26:37Und man will ja diese Artenvielfalt der Insekten, also der Tiere allgemein, der Pflanzen, der Lebensräume für die zukünftigen Generationen
00:26:45ja auch erhalten.
00:26:46Wir wollen ja, dass sie auch noch einen tollen Planeten haben.
00:26:48Und deswegen finde ich das eigentlich sehr wichtig.
00:26:52Danke sehr.
00:26:54Dann kann man es auch noch mal gut sehen.
00:26:59Ich bin ja selber Bauer und ich habe auch Blühstreifen angelegt.
00:27:04Und mir war das vorher eben auch nicht so bewusst, dass man so viel tatsächlich auf eine kleine Fläche dann
00:27:09auch machen kann.
00:27:11Deswegen habe ich das auch selbst beim Privatgarten zum Beispiel gemacht.
00:27:15Und deswegen, das finde ich immer schön, wenn man eben hier das einmal systematisch sich mal anschaut und sich da
00:27:20mehr mit beschäftigt.
00:27:22Je mehr man davon versteht, desto besser und wirtschaftlicher kann man das auch machen.
00:27:26Und das finde ich immer sehr, sehr schön, wenn man das dann hier zum Beispiel nochmal direkt sieht.
00:27:31Dann kann ich mir das auch nochmal anschauen, hier im Licht.
00:27:441818 entstand in Hohenheim die Landwirtschaftliche Unterrichtsversuchs- und Musteranstalt.
00:27:50Später dann die Landwirtschaftliche Akademie.
00:27:54Im Prinzip ist das jetzt hier eine Fortsetzung des Ganzen, das kann man schon sagen.
00:27:58Also wir gucken, wir müssen uns immer wieder anpassen an die Gegebenheiten.
00:28:01Jetzt kommt gerade ein Klimawandel, wärmere Temperaturen.
00:28:04Dann guckt man eben, was sind das für Bliemischungen, wie schlagen die sich dann in diesem Klima.
00:28:09Was ist für die Zukunft geeignet?
00:28:10Und auch das ist wieder, denke ich, vorausschauend gesehen.
00:28:14So wie es Herzog Karl Eugen eigentlich auch schon vorgemacht hat.
00:28:16Also da stehen wir in der Linie, denke ich.
00:28:23Herzog Karl Eugen ließ in seinem Garten 60 Fantasiegebäude errichten, in Miniaturausgabe.
00:28:32So wie auf diesen prächtigen Wandbildern muss es einmal ausgesehen haben.
00:28:37Eine inszenierte Kulisse, bei der ländliche Einfachheit und versunkene städtische Herrlichkeit nebeneinander stehen.
00:28:46Doch schon kurz nach Karl Eugens Tod 1793 wurden die meisten Gebäude abgetragen oder verfielen.
00:28:54Nur das sogenannte Spielhaus, das römische Wirtshaus und die Trümmer der drei Säulen des donnernden Jupiter sind heute noch zu
00:29:02sehen.
00:29:07Die Universität Hohenheim mit 8.000 bis 9.000 Studierenden entwickelte sich in den letzten 120 Jahren zur führenden akademischen
00:29:16Einrichtung für Agrarwissenschaften.
00:29:21Erste Filmaufnahmen stammen aus dem Jahr 1968.
00:29:29Das ist Hohenheim. 37 Lehrstühle und Institute sind hier untergebracht.
00:29:35Waren es acht Studenten im Gründungsjahr 1818, so sind es heute rund 800.
00:29:41Größte Bedeutung hat die agrarwissenschaftliche Forschung.
00:29:44Umfangreiche Kreuzungsversuche sollen Erkenntnisse liefern über Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, klimatische Anpassung, sichere Ernteerträge.
00:29:58Seit den 1970er Jahren werden auf markierten Flächen die unterschiedlichen Vegetationsformen seit der Eiszeit nachgepflanzt.
00:30:07Im Römerfeld stehen die wichtigsten Nutzpflanzen, die die Römer vor etwa 2000 Jahren nach Süddeutschland mitbrachten.
00:30:21Guck mal, die Bohne, die hast du schon erwähnt. Die steht ja richtig klasse. Auch schön in Reihe und Glied.
00:30:28Robert Glinias und der Leiter des Gartens, Helmut Dalitz, überprüfen den Zustand der Pflanzen.
00:30:34Schöne Blüte hat sie gerade. Typisch Schmetterlingsblüte.
00:30:37Genau. Hier der Feldsalat, der bemüht sich. Er ist ein bisschen trocken gewesen dieses Jahr.
00:30:53Die Römer haben sicherlich als erste Pflanzen auch aus dem südeuropäischen Raum hiermit hochgebracht.
00:31:00Viele Gewürzpflanzen, zum Beispiel Kümmel oder Koriander oder auch andere Sachen.
00:31:05Die Römer hatten natürlich auch das Glück, im Gegensatz zu den Kälten, die davor waren,
00:31:10dass es auch anscheinend zu einer Klimaerwärmung kam in der Zeit im süddeutschen Raum
00:31:15und konnten dann natürlich auch mehr aus dem Vollen schöpfen, was auch wärmeliebendere Pflanzen angeht.
00:31:26Einige Sachen sind ja auch geblieben, solche Dinge wie jetzt in Süddeutschland, dass wir viel mit Getreide machen.
00:31:31Das heißt, unsere Spätzle hier, unsere schwäbische Spätzle, die kommen hier auch irgendwie,
00:31:36sind von der Römer mit her getragen worden.
00:31:39Bei den Kräutern natürlich auch Koriander und viele andere Kräuter, wo vielleicht auch nicht mehr so modern sind,
00:31:48aber wieder kamen, wie die Rauke, die ist ja auch wieder überall in jedem Salat langsam wieder drin,
00:31:55die war also auch ganz weg und die ist aus der Römerzeit.
00:32:00Ja, können wir machen.
00:32:02Die Felder und Beete zur Vegetationsgeschichte sollen den Besuchern Wissenschaft anschaulich vorführen.
00:32:09Zum Beispiel, wie die Umwelt durch den Anbau von Nutzpflanzen beeinflusst wird.
00:32:14Botanische Untersuchungen zeigen, dass bereits die Römer mit Abfällen die Felder gedüngt haben.
00:32:23Mal gucken, ob das schon reif ist.
00:32:31Übernächste Woche.
00:32:32Ja, ist noch weich.
00:32:36Aber schon, kommt schon ein bisschen Süße durch so auch, ne?
00:32:39Ja.
00:32:40Ganz gut.
00:32:40Mhm.
00:32:44Das macht es eigentlich eben sehr reizvoll, dass man eben auch ständig dann an der aktuellen Forschung dran ist und
00:32:50auch mit den Wissenschaftlern hier im Kontakt ist.
00:32:53Man ist quasi so ein bisschen so ein Bindeglied für das, was die Wissenschaft macht, das man dann hier auch
00:32:57für die Öffentlichkeit präsentieren kann.
00:32:59Weil das ist ja oft das, was fehlt, dass die Wissenschaftler sich irgendwas ausdenken und die Leute es gar nicht
00:33:05so richtig verstehen.
00:33:06Aber wir haben hier eben anhand der Fläche auch gute Möglichkeiten, das eben sehr schön zu demonstrieren.
00:33:19Die Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts sind in Deutschland oft das Ergebnis persönlicher Vorlieben, geschaffen von Gartenkünstlern von hohem Rang.
00:33:32Wie Park und Gärten von Schloss Stolzenfels.
00:33:36Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. verliebte sich bei einer Rheinreise in die Gegend und beauftragte 1835 den Architekten Karl
00:33:46Friedrich Schinkel, Stolzenfels aus einer Ruine wieder aufzubauen.
00:33:51Der renommierte preußische Gartenarchitekt Peter Josef Lenné entwarf den Park dazu.
00:33:58Stolzenfels erhebt sich südlich von Koblenz hoch über dem Rhein.
00:34:02Es zählt heute Kunst wie kulturhistorisch zu den bemerkenswertesten Bauwerken der Rheinromantik und gehört zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.
00:34:13Der 9 Hektar große Hangpark reicht fast bis zum Ufer des Rheins hinab.
00:34:18Im Kontrast dazu stehen fünf kleine Schlossgärten innerhalb der hohen Ringmauern.
00:34:23Sie bilden eine gartenkünstlerische Einheit.
00:34:33Nach dem Ersten Weltkrieg kam Schloss Stolzenfels in den Besitz der staatlichen Schlösserverwaltung Rheinland-Pfalz.
00:34:40Der Park wurde vernachlässigt, die Wege überwucherten, auch mit dem Untergrund des Schlosses stand es nicht zum Besten.
00:34:49Ab 1990 wurde Gartenarchitekt Armin Henne mit der Wiederherstellung des Parks nach historischen Plänen betraut.
00:34:58Immer wieder lief er Meter für Meter den Park und die Gärten ab.
00:35:02Bestimmte Bäume und Büsche, studierte alte Stiche und Gemälde, vermerkte Wege, Mauern und Treppen
00:35:09und versuchte, die Blickachsen für die überraschenden Ausblicke ins Rheintal zu finden, die Stolzenfels einst ausmachten.
00:35:23Also als wir hier vor 30 Jahren zum ersten Mal waren, war alles zugewachsen.
00:35:27Die Alleebäume, die Alleebäume hier, die Kastanien, hat man überhaupt nicht mehr wahrgenommen und gesehen.
00:35:34Das haben wir alles freigemacht, also Schritt für Schritt.
00:35:38Erst hat man mit den Krankenbäumen begonnen, dann mit dem Unterwuchs und hat allerdings versucht,
00:35:43immer wieder auch gleichzeitig nachzupflanzen, sodass nie freie Flächen hier waren.
00:35:47Dann hat man begonnen, die Einzelbäume zu bewerten und zwar wichtig zu zählen, die Arten zu bestimmen, das Alter.
00:35:59Über Jahre werden Schloss, Park und Gärten von Grund auf saniert und 2011 zur Bundesgartenschau neu eröffnet.
00:36:14Beim Landschaftspark, da stellt man sich oft große Wiesen, große Seen und so weiter vor.
00:36:20Genau das hier haben wir in Stolzenfels nicht.
00:36:23Den Park erlebt man eigentlich erst dann, wenn man ihn durchwandert hat und wenn man hochsteigt und dann immer wieder
00:36:31stehen bleibt.
00:36:32Da gibt es sogenannte Haltepunkte, da gibt es Sitzplätze, aber auch Viadukt, Brücken.
00:36:41Der Park sollte wie eine Schöpfung der Natur wirken.
00:36:45Die vorhandene Landschaft wurde geschickt verändert, um eine wildromantische Kulisse zu inszenieren.
00:36:58In Plänen wird es genau festgelegt, wie groß wird der Baum, wie blüht der Baum, welche Herbstfarbung hat er, sodass
00:37:07ein Stimmungsbild entsteht.
00:37:09Und da haben wir hier in Stolzenfels zwei ganz große Bereiche.
00:37:14Zu einem haben wir den ganz hellen, lichten, sonnigen Berghang und zum anderen die tief eingeschnittenen, feuchten, engen Tältchen.
00:37:26Das macht eigentlich den Charme hier in Stolzenfels aus.
00:37:32Der schönste und aufwendigste der kleinen Schlossgärten innerhalb der Ringmauer ist der Pergola-Garten.
00:37:38Die Begeisterung des Königs für die Romantik entfaltet sich hier in voller Pracht.
00:37:44Mit feiner Dekorationsmalerei auf den Holzpergolen, Kletterrosen und Weinreben, einem gusseisernen Brunnen und der Bronzestatue des jungen Siegfried, dem Held
00:37:55aus dem Nibelungenlied.
00:38:00Jetzt im Mai bepflanzen die Gärtner die zwölf geometrisch angelegten Beete rund um den Brunnen.
00:38:10Das war ja der Garten des Königs und der Königin.
00:38:13Das war ja das Highlight, da kamen niemand rein, vielleicht ein paar Gäste, aber sonst niemand.
00:38:21Weil darüber waren ja die Gemächer. Direkt darüber war das Schlafgemach.
00:38:25Das heißt, wenn die in der Früh aufgewacht sind, konnten sie auf diesen wunderbaren Schmuckbereich, diesen Garten schauen.
00:38:31Mit dem plätschernden Brunnen. Die gingen dann runter durch die Halle, wandelten hier einmal rum, hier zum Fenster.
00:38:40Alle Sinne sollte hier der Garten anregen. Und das hat er auch gemacht durch diese unterschiedliche Bepflanzung.
00:38:48Jedes Detail ist wichtig. Der Pergola-Garten soll sowohl den Verstand als auch das Gefühl ansprechen.
00:38:56Die exakte Form von diesem Beet, die Beetform, wird vorgegeben durch ein Stahlband, was hier im Boden zu sehen ist.
00:39:06Das hat man erst eingelassen, eingebaut und danach hat man dann die einzelne Pflanze danach ausgerichtet und gepflanzt.
00:39:14Mit seinen Architekturelementen und der Ummauerung ist der Pergola-Garten wie ein mittelalterlicher Hortus Conclusus angelegt.
00:39:32Darum kam der Begriff der Romantik auf, also eine Sehnsucht in eine Welt, in der ich mich wohlfühle,
00:39:39bestimmt auch eine Flucht- oder Rückzugsort für die technische Revolution.
00:39:45Na, wenn man sich da vergleicht, die Grupparbeiter in Essen mussten dann zu Tausenden an den schweren Maschinen, an den
00:39:53Öfen stehen.
00:39:54Oder es gab ja auch große Armut in Deutschland. Und da war das natürlich ein Ort, das kann man sich
00:40:00nicht vorstellen, des Paradieses.
00:40:02Der Stille. Also hier kam kein Bauer und kein Geselle rein. Das war alles in sich abgeschlossen.
00:40:16Alle fürstlichen Gärten und Parks waren den Mächtigen vorbehalten. Auch der Rosenstein-Park in Stuttgart.
00:40:24Er wurde zwischen 1823 und 1840 im Auftrag des Königs, Wilhelm I. von Württemberg, angelegt und blieb bis 1918 im
00:40:34Privatbesitz des Württembergischen Königshauses.
00:40:39Im Sommer kommt die Fotografin Tomoko Arai mehrmals die Woche frühmorgens hierher, um die exotischen Bewohner der alten Platanen zu
00:40:49beobachten, die Gelbkopf-Amazonen.
00:40:52Vertreter einer vom Aussterben bedrohten Papageienart aus Mittelamerika.
00:41:09Seit über 35 Jahren leben sie hier im Rosenstein-Park. Morgens und abends sind sie besonders aktiv.
00:41:17Jetzt, im Frühsommer, versorgen die Paare ihre Brut mit Futter.
00:41:23Das ist das Amazonenpaar, Pepe und Lola. Es kam gerade von ihrem Schlafplatz zu ihrem Brutbaum.
00:41:33Und sie hörchen, man hört ein anderes Paar. Sie gucken die Lage und sie warten, bis die Gelegenheit gut ist,
00:41:47um ihre Jungen zu schüttern.
00:41:50Die Herkunft der Papageien ist nicht ganz geklärt.
00:41:54Fest steht, dass eines Tages, im Jahr 1984, ein Männchen in der Wilhelma, dem benachbarten Zoologisch-Botanischen Garten, auftauchte.
00:42:03Vermutlich ein entflogenes Haustier. Und nur kurze Zeit später hatte er eine Partnerin.
00:42:10Ein Zoommitarbeiter, so die Spekulation, muss wohl aus Mitleid eine Amazonendame freigelassen haben.
00:42:17Heute leben Andi 60 Tiere im Park und in der Umgebung.
00:42:21Lola, ich weiß nicht, wie viele Junge sie hat.
00:42:25Vielleicht hat sie zwei oder drei, das wäre schön.
00:42:27Und so sie füttert die Jungen.
00:42:31Die Papageien haben einen Kropf, wo sie sogenannte Kropfmilch speichern.
00:42:38Das ist ein bisschen vertaute Futter, das sie würgen und direkt in den Schnabel reinstopfen.
00:42:52Die tropischen Papageien vom Rosensteinpark sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.
00:42:59Viele Stuttgarter sind stolz, dass die exotischen Vögel hier heimisch geworden sind.
00:43:07Inmitten des rund 60 Hektar großen Parks steht Schloss Rosenstein, ein Landschloss im klassizistischen Stil.
00:43:13Heute gehört der größte englische Landschaftsgarten des Südwestens zu den wichtigsten Naherholungsgebieten Stuttgarts.
00:43:25Bis zum Ersten Weltkrieg durften Bürger nur mit einer Eintrittskarte im Park spazieren gehen.
00:43:32Erst danach wurde er zum Garten für das Volk.
00:43:40Das größte Gut des Parks sind seine mächtigen Bäume, wie die bis zu 200 Jahre alten Platanen.
00:43:47Die zahlreichen Höhlen in ihren Stämmen nutzen die Gelbkopf-Amazonen als Brutplätze.
00:44:08Auf die Papageien aufmerksam wurde die Fotografin Tomoko Arai vor etwa elf Jahren,
00:44:14als sie sich der Protestbewegung gegen das Bauprojekt der Deutschen Bahn Stuttgart 21 anschloss.
00:44:23Ich war ziemlich geschockt zu hören, dass ein paar von diesen 200-jährigen Bäumen gefallen werden.
00:44:33Und damals hatte die Deutsche Bahn veröffentlicht, dass 33 Vogelarten hier sind.
00:44:41Und innerhalb eines Jahrs hatte ich 70 gezählt.
00:44:47Und darunter waren natürlich diese Amazonen-Papageien.
00:44:50Und ich habe das erste Pferdchen richtig wortlich gesehen.
00:44:55Ich stand hier und sie kamen angeflogen, krächzend.
00:44:59Das war so faszinierend.
00:45:01Da war ich einfach total verliebt.
00:45:09Der Bestand hält sich seit einigen Jahren auf gleichem Niveau.
00:45:12Die Akklimatisierung scheint gelungen.
00:45:15Auch wenn immer wieder Tiere sterben, weil sie verunglücken oder von Greifvögeln verletzt werden.
00:45:26König Wilhelm I. wollte den Landschaftspark so naturnah wie möglich gestalten.
00:45:32Auf der anderen Seite interessierte er sich auch für Technik und förderte den Ausbau der Eisenbahn.
00:45:40Da scheint es wie eine Ironie der Geschichte, dass heute, ausgerechnet wegen der Eisenbahn, der Rosensteinpark alte Bäume und Wiesen
00:45:49hergeben muss.
00:46:02Direkt an den Rosensteinpark in Stuttgart grenzt die Wilhelma.
00:46:07Das von König Wilhelm I. von Württemberg als privater Rückzugsort angelegte Areal ist der einzige botanisch-zoologische Garten in Deutschland.
00:46:25Als 1829 im östlichen Teil des Rosensteinparks eine Mineralwasserquelle entdeckt wurde,
00:46:32wollte sich der König ein privates Badhaus im orientalischen Stil errichten lassen.
00:46:39Inspiriert von der Alhambra im andalusischen Granada.
00:46:50Aus dem Badehaus wurde letztendlich ein luxuriöses, maurisches Landhaus mit Parkanlage.
00:46:56Ein Märchen wie aus Tausend und einer Nacht.
00:46:58Der maurische Baustil war gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Europa in Mode.
00:47:04Ein orientalischer Garten stand für Eleganz, Luxus, Verführung und Exotik.
00:47:12Die tropischen Seerosen und Lotusblumen im zentralen Wasserbecken des maurischen Gartens geben im Sommer ein stilvolles Bild ab.
00:47:22Rund 35 Arten wachsen hier.
00:47:24Der Teich ist eine Attraktion für Besucher, aber auch eine Herausforderung für die Gärtner.
00:47:31Markus und Jasmin betreuen das 650 Quadratmeter große Becken, das auch im Sommer beheizt wird.
00:47:37Das Wasser hat um die 28 Grad. Ideale Temperaturen, damit die Seerosen in unseren Breitengraden gedeihen können.
00:47:45Aber auch Algen vermehren sich schnell, wenn die Sonne scheint.
00:47:50Wir müssen hier schon einmal die Woche rein, gerade jetzt in der Anfangssaison.
00:47:55In den Sommer über wird es dann ein bisschen weniger, weil die Seerosen werden immer größer.
00:47:59Und machen dann mit den Blättern schön Schatten am Boden und dann wachsen auch weniger Algen.
00:48:08Die Viktorien beeindrucken besonders durch ihre wagenradgroßen Schwimmblätter.
00:48:13Es sind die größten Seerosen der Welt.
00:48:15Sie werden jedes Jahr erneut im Gewächshaus aus Samen herangezogen.
00:48:42Der Taucheranzug, der schützt uns zwar vor den Stacheln und vor Kratzern, aber es ist halt auch warm.
00:48:47Also man denkt, bei dem Wetter schön baden, aber es ist fast zu warm.
00:48:50Also man täuscht sich da.
00:48:51Und anstrengend ist natürlich auch, es ist schwer.
00:49:15Und dann kommt immer die Frage, was machst du da?
00:49:20Und ja, danach ist man meistens sehr K.O. Also wie Wasser im Nachstieg.
00:49:26Die verschiedenen Seerosen öffnen und schließen ihre Blüten im eigenen Rhythmus, sodass im Tagesverlauf stets neue Farbkompositionen entstehen.
00:49:37Ich glaube, dass jeder, der in der Wehelma arbeitet oder generell in einem großen Zoo, dass man da auch gerne
00:49:43arbeitet.
00:49:44Es ist ein schöner Arbeitsplatz, es ist wahnsinnig abwechslungsreich.
00:49:47Die Leute kommen hierher, um die schönen Sachen zu sehen und wir sehen es quasi jeden Tag.
00:49:52Natürlich wird man manchmal auch ein bisschen betriebsblind, aber man genießt es dann schon.
00:49:56Wenn die Sachen schön dastehen, dann freut man sich auch, dass es einem gut gelungen ist.
00:50:10Ja, es geht immer.
00:50:201918 kam auch die Wilhelma in Staatsbesitz und wurde als botanischer Garten für jedermann öffentlich zugänglich gemacht.
00:50:29Um seine Attraktivität zu erhöhen, organisierte die Wilhelma-Leitung nach dem Zweiten Weltkrieg erste temporäre Tierausstellungen.
00:50:38Und nach und nach wurden daraus dauerhaft Tiergehege.
00:51:05Später kamen mit der Erweiterung in einem Teil des Rosensteinparks neue Bereiche für Löwen,
00:51:11Giraffen und Elefanten hinzu.
00:51:18Die Pflanzenwelt in den Gehegen ist dem natürlichen Lebensumfeld der jeweiligen Tiere angepasst.
00:51:24Das Amazonienhaus bildet in Miniatur den brasilianischen Nationalpark am Fluss Tapajos nach.
00:51:32An die 2000 Pflanzen wachsen hier. Und viele Tiere laufen frei herum.
00:51:55Andreas Staffel ist Gärtner im Amazonienhaus.
00:51:58Er streut Lindenblätter aus. Nicht nur für den optischen Urwaldcharakter. Die Blätter verrotten und düngen die Erde. So wie im
00:52:07echten Amazonasgebiet.
00:52:11Ja, also wenn man hier mittler im Grün sitzt, könnte man meinen, man ist im Amazonas.
00:52:16Und das ist auch der Effekt, gerade von dem Wasserfall zum Beispiel, die Geräuschkulisse ist dafür da, dass man zum
00:52:23Beispiel die störenden Außengeräusche von der vorbeifahrenden Straße nicht hört.
00:52:28Also keine Fahrzeuge und so was, dass sich der Besucher fühlt, wie wenn er im Amazonas wäre.
00:52:40Die drolligen Faultiere sind Publikumslieblinge. Mit den zwei langen Zehenkrallen können sie sich bestens im Geäst halten.
00:52:48Sie schlafen an die 15 Stunden am Tag. Doch wenn Gärtner und Tierpfleger vor dem Gehege zu tun haben, werden
00:52:55sie wach. Sie wittern Futter.
00:53:05Die Passiflora, das ist wie so ein kleiner Leckerbissen für die, wo es auch nicht so oft gibt.
00:53:10Weil den schneiden wir nur, wenn die Pflanzen natürlich auch groß genug sind und die geschnitten werden müssen.
00:53:15Und dann ist es wie so ein kleines, wie so ein Stück Schokolade, wo man halt nicht immer isst.
00:53:28Auch das 14 Monate alte Jungtier-Esspaar liebt die Blätter vor seinem Gehege.
00:53:45Einer der ersten großen Volksparks in Deutschland ist der Luisenpark.
00:53:50Er wurde zwischen 1892 und 1894 angelegt, zum Nutzen der Gesundheit, wie es damals hieß.
00:54:03Der Park liegt mitten in Mannheim und war von Anfang an für die Stadtbevölkerung angelegt. Ein echter Volkspark.
00:54:14Die Volkspark-Idee kam Ende des 19. Jahrhunderts auf.
00:54:18Mit der Industrialisierung wächst auch das Bedürfnis der Menschen, die Natur in die expandierenden Städte zu holen.
00:54:25Spielen, Sport treiben, die Seele baumeln lassen, aber auch sich bilden und mehr über die Natur erfahren.
00:54:32Die besondere Attraktion des Luisenparks ist das größte chinesische Teehaus in Europa.
00:54:43Auch die bedeutendste großstädtische Storchenkolonie Deutschlands lebt hier.
00:54:54Ellen Oswald arbeitet seit sieben Jahren im Luisenpark. Sie leitet ein Team von 35 Gärtnerinnen und Gärtnern.
00:55:02Gerade legen sie einen neuen Kameliengarten hinter dem chinesischen Teehaus an.
00:55:11Oh, da freut sich die Kamelie. Jawohl. Super.
00:55:18Wir wollen nicht nur ein Park sein, wo man jetzt reingeht, um Federball zu spielen, sondern auch wirklich mal die
00:55:26Pflanzen anzuschauen, einen bestimmten Weg zu gehen.
00:55:30Und wir haben ja tatsächlich auch Besucher, die fast täglich hier im Park sind, die eine sehr hohe Verbundenheit auch
00:55:39mit dem Park immer ausdrücken und auch jede Veränderung im Park wahrnehmen.
00:55:46Ja, also da sind wir immer ganz gut eingebunden, auch mit unseren Besuchern.
00:55:52Botanisch anspruchsvoll und trotzdem volksnah. So soll der Luisenpark sein.
00:55:57Ellen Oswald hat deshalb das Projekt Gemeinsam Gärtnern initiiert.
00:56:03Andi, 30 Mannheimer treffen sich einmal in der Woche.
00:56:06Ellen Oswald gibt das Thema vor.
00:56:09Jetzt im Juli geht es um den naturnahen Garten.
00:56:14Umso mehr man schneidet, umso mehr Blüten werden produziert.
00:56:17Das klingt jetzt zwar seltsam, aber das stimmt durch die Verzweigung und durch die Kraft, die die Pflanze spart,
00:56:24dass sie keinen Samen ausbilden muss, bringt sie dann umso mehr Blüten hervor. Das ist super.
00:56:38Manche haben einen Garten, manche haben keinen Garten, also schon einen kleinen Garten zu Hause.
00:56:42Aber hier kann ich mich natürlich richtig austoben.
00:56:45Ich sag, immer Bewegung an der frischen Luft.
00:56:48Und das ist unsere älteste Teilnehmerin.
00:56:52Weitere wir nicht davon.
00:56:54Es sind halt auch viele ältere Leute, die vielleicht zu Hause keinen Garten haben, die auch so nicht rauskommen.
00:57:00Und so kommen sie einmal in der Woche raus und leben dann richtig auf hier.
00:57:06Die Tochter hat mich da verleidet, gell.
00:57:10Ich hab ja aber zu Hause einen Garten, also Arbeit hätt ich schon.
00:57:14So ist es nicht.
00:57:15Aber die Gemeinschaft ist doch gut.
00:57:32Ich hatte früher einen riesengroßen Garten.
00:57:35Und jetzt wohne ich in der Stadt und habe nur noch einen Minibalkon und einen Innenhof.
00:57:40Und das fehlt mir einfach.
00:57:41Ich hab gedacht, da ist alles nur in Kübeln.
00:57:45Das ist hier ganz andere Geschichte, wenn man doch mit der Erde mehr arbeiten kann.
00:57:51Und man kann auch mehr experimentieren natürlich.
00:57:55Und wir kriegen viel gesagt.
00:57:57Frau Oswald ist ein Lexikon für uns.
00:58:10Gärtnern ist so vielfältig.
00:58:12Man kann in so vielen Facetten Gärtnern.
00:58:14Und wenn man so seinen Weg gefunden hat und auch so tolle Mitstreiter dann hat und die Möglichkeit hier im
00:58:20Luisenpark das auch zu machen,
00:58:22dann macht Gärtnern richtig Spaß.
00:58:24Das ist die Verbindung mit der Natur.
00:58:26Zu sehen, was entsteht, wie es grünt, wie es wächst.
00:58:30Gärtnern ist ja so viel mehr.
00:58:31Als jetzt wirklich nur Gemüse anzubauen.
00:58:40Zum Abschluss wird geerntet und geplaudert.
00:58:44Gemeinsames Erleben gehört zu einem Volkspark unbedingt dazu.
00:58:52Einen Namen hat sich der Luisenpark auch wegen seiner Pflanzensammlungen gemacht.
00:58:57Die prächtigen Lagerströmien, auch Kräusel oder Kreppmürte genannt, gehören zu Ellen Oswalds Lieblingspflanzen.
00:59:05Sie kommen ursprünglich aus Asien und wachsen häufig als Zierpflanzen im mediterranen Raum.
00:59:12Hallo Herr Falter.
00:59:14Hallo.
00:59:14Hallo.
00:59:14Sie haben schon angefangen mit dem Schnitt, das ist gut.
00:59:17Weil wir schneiden immer unten die Triebe raus, damit man diese schönen Stämme und das tolle Holz, der Lagerströmien gut
00:59:26sehen kann.
00:59:34Damit die rötlich-gelbe Maserung zur Geltung kommt, reibt Ellen Oswald den Stamm mit etwas Olivenöl ein.
00:59:49Lagerströmien, das ist so ein Klimawandelgewinner, ja. Früher hätten wir uns das alle gar nicht so getraut, Lagerströmien auszupflanzen.
00:59:57Man kannte sie viel mehr als Kübelpflanze, die man dann im Winter wieder reingestellt hat.
01:00:02Aber wir haben hier wirklich ein tolles Kleinklima an diesem Pflanzenschauhaus und einer meiner Vorgänger hat es ausprobiert, Lagerströmien hier
01:00:13auszupflanzen.
01:00:14Es hat funktioniert und so ist die Sammlung stetig angewachsen.
01:00:21Vieles, was heute an Gebäuden im Luisenpark steht, ist zur Bundesgartenschau 1975 entstanden und etwas in die Jahre gekommen.
01:00:31Gerade wird ein neues Parkzentrum gebaut, für die nächste Bundesgartenschau.
01:00:53Ein außergewöhnliches Denkmalensemble mit Schloss, Burgruine, Landschaftspark, Gießhütte und Abtei liegt in Rheinland-Pfalz.
01:01:04Rund zehn Kilometer nördlich von Koblenz, das Kulturareal Sein.
01:01:10Im Zentrum der alte sieben Hektar große Schlosspark und das Schloss der Grafen von Sein-Wittgenstein-Sein.
01:01:20Seit 1848 ist das neugotische Bauwerk in Familienbesitz.
01:01:26Fürst Ludwig von Sein-Wittgenstein-Sein, der Ururgroßvater des heutigen Schlossherrn,
01:01:32ließ Mitte des 19. Jahrhunderts das Herrenhaus zu einem neugotischen Schloss umbauen und den Landschaftsgarten nach englischem Vorbild anlegen.
01:01:42Alexander Fürst zu Sein-Wittgenstein-Sein und seine Frau Gabriela widmen heute dem Erhalt des Hauses und des Parks viel
01:01:49Zeit.
01:01:50Von 1995 bis 2000 wurde es mit Landesfördermitteln aufwendig restauriert.
01:01:57Ein Museum zeigt die Geschichte der Adelsfamilie.
01:02:08Ich habe meine Frau so ein bisschen überrumpelt, weil sie war 18 Jahre alt, als wir uns verlobt haben.
01:02:14Sie war nie hier gewesen und sie hat mich auch nie gefragt.
01:02:17Sie hat geglaubt, ich bin ein deutscher Fürst und habe ein schönes Schloss und einen großen Besitz und so weiter.
01:02:23Und wie sie dann mit ihrem Vater hierher gebracht worden ist zur Verlobung.
01:02:26Das ist zum ersten Mal hier in die Gegend gekommen. Da hat sie meinen Schwiegervater, also ihren Vater, gefragt, wo
01:02:32ist denn hier eigentlich das Schloss?
01:02:33Und da hat er gesagt, sag mal, weißt du denn nicht, das Schloss, das ist im Krieg zerstört worden.
01:02:37Und wir kamen dann hierher, wir haben erkannt, dass wir steinreich sind.
01:02:42Das heißt, wir haben viele Steine gehabt, viele Trümmer gehabt.
01:02:44Wir haben eine Burgruine gehabt, wir haben eine Schlossruine gehabt, wir haben eine Gärtnereiruine gehabt.
01:02:50Und im Pavillon im Park war eine Ruine. Wir hatten eigentlich außer unserem Privathaus, haben wir nur Ruinen gehabt.
01:03:02Vor dem Schloss breitet sich der englische Landschaftsgarten aus, mit alten Bäumen und einem künstlich angelegten Schlossbayer.
01:03:14Mitten im Park stehen zwei Glashäuser, der Garten der Schmetterlinge.
01:03:19Fürstin Gabriela engagiert sich seit Jahren für den Schutz der Insekten.
01:03:24Zwischen Bananen, Hibisken und anderen tropischen Pflanzen flattern an die tausend exotische Exemplare aus Südamerika, Afrika und Asien.
01:03:45Die Puppen sind da.
01:03:47Wunderbar, ich habe hier schon vorbereitet.
01:03:49Ach, fantastisch.
01:03:50Stellen Sie ruhig ab.
01:03:52Fantastisch.
01:03:56Oh ja, schöne Morphos.
01:03:59Schöne Morphos.
01:04:00Und sie zappeln auch.
01:04:02Wow, die sind ja super.
01:04:04Und wie die sich bewegen, Wahnsinn.
01:04:07Richtig.
01:04:08Toll.
01:04:08Es ist immer faszinierend, wenn man so ein Tier sieht, das so kurz noch eine Raupe war.
01:04:15Schöne Raupe übrigens.
01:04:17Und dann ist das so ein...
01:04:19Oh, das zappelt.
01:04:20So aufpassen, damit ich nicht runterfällt.
01:04:23Ja, zapp, zapp.
01:04:26Schmetterlinge leben nur wenige Wochen.
01:04:28Regelmäßig werden deshalb neue Puppen geliefert und sofort zum Schlüpfen ins Puppenhaus gehängt.
01:04:37Was mich einfach freut, ist, dass wir die Menschen hier erreichen, mit dem, was wir uns vorgenommen haben.
01:04:43Das heißt, die Schönheit der Natur zu zeigen und sie dafür einfach faszinieren.
01:04:48Und ich weiß nicht, wie viel Prozent, aber ein hoher Prozentzahl der Menschen, die rausgehen, sagen,
01:04:55boah, was können wir machen?
01:04:56Und damit haben wir sie entwickelt.
01:04:59Weil jeder kann etwas machen.
01:05:11Das Puppenstadium von Schmetterlingen dauert, je nach Art, zwischen zwei und vier Wochen.
01:05:17In diesem Stadium kommen sie per Luftfracht an und verbringen im Puppenhaus die letzten Tage der Metamorphose.
01:05:43Das Schlüpfen selbst dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde.
01:05:49Zeitrafferaufnahmen des Atlas-Spinners.
01:06:06Um den Schlosspark kümmert sich Fürst Alexander zu Sein-Wittgenstein-Sein.
01:06:12Unterstützt wird er dabei von der Stadt Bendorf, einer Gartendenkmalpflegerin und dem Architekten des Parkvereins.
01:06:24Man wollte sehr künstlich, aber so reell wie möglich die Natur wieder erstehen lassen.
01:06:32Man hat auch hier in dem Park ursprünglich nur heimische Bäume angepflanzt, keine exotischen Bäume.
01:06:37Das kam erst später im 19. Jahrhundert.
01:06:41Und diese Form des Parks ist erhalten geblieben mit allen Schäden, die sie gehabt hat in der Zwischenzeit und mit
01:06:49allen Vernachlässigungen.
01:06:50Und wir sind jetzt dabei, eigentlich die Form, die der Park vor 170 Jahren hatte, wieder herzustellen.
01:07:09Das war also so, dass nach den Kriegen der Park doch stark zerstört war.
01:07:15Und dann wurde das nicht ersetzt über eine ganz lange Zeit?
01:07:19Genau, ganz genau. Und hier weideten die Kühe im Park.
01:07:22Ja, ja, ich kenne die Bilder.
01:07:23Da waren Stacheldrahtzäune und das war eine landwirtschaftliche Fläche.
01:07:27Da hat kein Mensch an Bäume pflanzen gedacht oder an das Parkpflegewerk.
01:07:36Wege, Brücken und die Ruine eines Pavillons wiederherzustellen und den historischen Baumbestand für die Zukunft zu erhalten, dauert Jahre und
01:07:46kostet viel Geld.
01:07:48Die Stadt Bendorf hat den Park gepachtet und für Besucher geöffnet.
01:07:53Der Park ist ein Kostenklotz, den ich nicht stemmen kann, weil wenn er öffentlich zugänglich ist, muss hier Verkehrssicherheitspflicht beachtet
01:08:04werden.
01:08:05Und das heißt, dass jedes Jahr Bäume gestutzt werden müssen, gefällt werden müssen, abtransportiert werden müssen.
01:08:13Die Stadt hat das übernommen und das kostet der öffentlichen Hand eine ganze Menge Geld.
01:08:30Der Sommer geht zu Ende.
01:08:33An den Hängen rund um das Klostermauelbronn sind die Weintrauben reif.
01:08:42Zu den Besonderheiten des Klosters gehört die umliegende Kulturlandschaft.
01:08:47Die Mönche bauten nicht nur ihr eigenes Obst und Gemüse an, sondern hier die Mönche.
01:08:52Sie hielten auch Rinder und züchteten Fische.
01:08:55Die Weinreben setzten sie auf schmale, terrassenförmige Flächen.
01:09:00Dazu legten sie kilometerlange Sandsteinmauern an.
01:09:08Den Klosterweinberg bewirtschaftet heute das Winzer-Ehepaar Patricia und Frank Jaggi.
01:09:15Die Arbeit in den steilen Hängen rund um das Kloster ist noch immer mühsame Handarbeit.
01:09:20Doch die Lage sorgt auch für einen guten Ertrag.
01:09:23Die Terrassen fallen zur Ostseite ab.
01:09:25Dadurch kann die Morgensonne die Reben vom Tau trocknen.
01:09:29Tagsüber speichern die Mauern die Sonnenwärme,
01:09:31Nachts wird sie wieder an die Reben abgegeben.
01:09:40So, fertig.
01:09:43Schluss.
01:09:45Die Mönche wussten bestimmt, was sie tun.
01:09:48Natürlich hier direkt in der Randlage zum Kloster.
01:09:51Natürlich der erste machbare Berg für die damals.
01:09:55Und ich denke, ob es jetzt deshalb aus reine lagetechnischen Gründen
01:09:58oder ob es einfach vielleicht auch ein bisschen Bequemlichkeit war.
01:10:00Wir wissen es nicht, warum sie den Riesenaufwand getrieben haben
01:10:03und hier die Riesenterrasse gebaut.
01:10:05Das muss man sich ja immer mal so vorstellen,
01:10:07dass die das ohne große Kränen, ohne große LKWs geschafft haben.
01:10:10Und hier sind ja tausende Tonnen Sandsteine,
01:10:13hier aus den Mollbrunner Steinbrüchen verarbeitet.
01:10:17Die mussten ja alle von Hand irgendwie hierher getragen werden
01:10:20oder gekarrt werden auf irgendwelche Wege
01:10:21und dann mit der Händearbeit quasi hier in den Weiberg eingebracht werden.
01:10:31Im letzten Jahrhundert verfielen die Terrassen rund um das Kloster.
01:10:35Frank Jagie hatte schon als Winzerlehrling den Traum,
01:10:39die Weinberge aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken.
01:10:42Vor über 20 Jahren konnte er mit finanzieller Hilfe der Stadt
01:10:46die Terrassen von Brombeer- und Schwarzdornsträuchern befreien.
01:10:50Mauern wurden ausgebessert und neue Weinreben gesetzt.
01:10:53Das ist einfach eine Leidenschaft gewesen von meinem Mann damals.
01:10:56Ich weiß noch, wo er gesagt hat, wir tun den Klosterweinberg bestocken,
01:11:01da stand er mal ganz oben und hier war eigentlich nur Brombeer.
01:11:05Man hat auch überhaupt gar keine Mauer gesehen.
01:11:07Und ich habe zu ihm gesagt, du bist verrückt,
01:11:09was sollen wir denn hier oben machen, gell?
01:11:12Ja, wo das dann entstanden ist, das war dann schon ein Phänomen, gell?
01:11:17Auf einmal hat man Mauern gesehen, die Terrassen hat man gesehen
01:11:20und dann ist bei mir auch der Funker gesprungen, muss ich sagen.
01:11:23Das erfüllt uns eigentlich schon mit Stolz,
01:11:25weil wir wissen, dass wir den Berg wieder aus seinem Schlaf erweckt haben.
01:11:30Und hier zur Wirtschaft und das zu vermarkten
01:11:32und das als betriebsinterne Fläche zu nutzen,
01:11:37das ist ein ganz gutes Gefühl.
01:11:53Gabriele Bickel, die Kräuterhexe von Maulbronn,
01:11:56ist auf dem Weg zu ihrem Kräutergarten im Klostergraben.
01:12:00Jetzt vor dem Winter bekommen die Sträucher noch einen letzten Schnitt.
01:12:20Das ist natürlich in keinem Klostergarten fehlen darf der Münchspfeffer.
01:12:26Die Samen dieser Pflanze, die wurden im Brot verbacken oder als Trank gereicht,
01:12:34denn sie führen dazu, deswegen auch Keuschlamm oder Münchspfeffer,
01:12:40dass die sexuellen Gelüste ausgeschaltet werden.
01:12:44In hoher Dosierung.
01:12:46Wenn ich aber zu wenig nehme, habe ich genau das Gegenteil.
01:12:55Gabriele Bickel ist stolz darauf, die Kräuterhexe von Maulbronn zu sein.
01:13:00Im späten Mittelalter wurden fachkundige Kräuterfrauen
01:13:03der Hexerei verdächtigt und verfolgt.
01:13:06Doch diese Zeit ist lange vorbei.
01:13:08Das Wissen um die Heilkräfte der Natur wird heute wieder sehr geschätzt.
01:13:17Durch dieses Beten und Arbeiten waren ja die Mönche nicht in der Lage,
01:13:23in der freien Landschaft Wildkräuter zu sammeln, die aber auch nötig waren.
01:13:28Und dann hat man eben das Kräuterweib aus dem Ort heranzitiert,
01:13:32der die Aufgabe gegeben hat, sammeln wir mal einen Sack Schafgarbe.
01:13:36Und aus heutiger Sicht würde ich es vielleicht als Subunternehmertum sehen,
01:13:41dass die Kräuterweiber, die es ja schon immer gab,
01:13:45das waren ja eigentlich die Ärztinnen und Hebammen fürs normale Volk,
01:13:50dass sie die Klöcher beliefert haben.
01:14:00Nicht lange, dann fallen die Blätter von Bäumen und Sträuchern.
01:14:05Doch noch verzaubert uns der Herbst mit seinem bunten Schauspiel.
01:14:17Die leuchtenden, warmen Farbtöne der Sträucher, Gräser und spätblühenden Stauden
01:14:23im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof lassen an Indian Summer denken.
01:14:38Kassian Schmidt hat den Indian Summer in den Hermannshof gebracht,
01:14:42mit Pflanzen, die im Herbst besonders farbenfroh leuchten.
01:14:47Jetzt plant er das Tulpenblütenmeer für das nächste Frühjahr.
01:14:56Ein ganz grundsätzliches Gesetz sind Harmonien und Kontraste.
01:15:01Und das beruht jetzt hier zum Beispiel auf Harmonien.
01:15:03Das sind warme Farben, also sozusagen die Sonnenuntergangsfarben,
01:15:06die passen immer gut zusammen.
01:15:08Wenn man es richtig macht, dann kommt da schon eine Stimmung auf
01:15:11und dann fühlt man das, das ist so schön.
01:15:14Manche sagen, das ist ja wie bei Monet,
01:15:16dass es da Gesetzmäßigkeiten gibt und so weiter,
01:15:18die man befolgt als Gestalter.
01:15:20Das ist den meisten ja gar nicht so klar.
01:15:25Der Hermannshof ist mit seinen 3000 Staudenarten und Sorten
01:15:30nicht nur schön, sondern auch lehrreich.
01:15:33Kassian Schmidt experimentiert und erforscht seit Jahren,
01:15:36wie es gelingt, dass Pflanzen prachtvoll aussehen,
01:15:39trotzdem wenig Pflegeaufwand benötigen
01:15:42und gleichzeitig stresstolerant sind.
01:15:45Stresstoleranz der Pflanzen bedeutet heute vor allem,
01:15:48dass sie gut mit Trockenheit zurechtkommen.
01:15:52Um für neues Platz zu machen,
01:15:55mähen die Gärtner die verblühten Pflanzen ab.
01:15:58Das Häckselgut bleibt als natürlicher Dünger liegen.
01:16:06So, dann wollen wir mal schauen, was wir haben.
01:16:10Blue Magic haben wir hier.
01:16:12Ja, die brauchen wir.
01:16:14Big Smile.
01:16:16Ja, die beiden.
01:16:18Und Blue Giant.
01:16:20Nee, die brauchen wir nicht.
01:16:21Die nicht.
01:16:27Gehen wir mal abmarsch zum Salbeibeet, würde ich sagen.
01:16:36So, das ist jetzt schon eine Mischung von so drei verschiedenen Sorten.
01:16:43Aber das ist jetzt gar kein Hexenwerk.
01:16:47So, weil das geht nämlich jetzt sehr einfach.
01:16:49Den Rasenmäher müssen wir noch raus tun, damit wir noch freie Bahn haben.
01:16:56Und so wird das am schönsten, wenn die fallen, mal dichter, mal lockerer.
01:17:01Wenn die so fallen, wie als wenn die Natur sie gepflanzt hätte.
01:17:12Wir versuchen, die Natur eigentlich ein bisschen zu durchschauen und so ein bisschen aus Sicht der Pflanze fast zu denken
01:17:18und zu sagen, wie macht die Natur das eigentlich?
01:17:21Natürlich ist das nicht mehr das konventionelle Gärtnern, wie man es in England gemacht hat.
01:17:26Dort hat man halt viel gewässert, hat man nur nach Farbe komponiert.
01:17:30Und für uns ist ja erst mal der Standort, dass die Pflanze am richtigen Standort wächst, denn dann bleibt sie
01:17:35auch wirklich gesund.
01:17:36Ästhetisch, ökologisch und ökonomisch.
01:17:39Das ist auf einen Nenner gebracht, der New German Style vom Hermannshof.
01:17:43Ein inzwischen international gebrauchter Begriff.
01:17:47Hinter diesem Stil steckt eigentlich Wissenschaft.
01:17:50Und es ist nicht nur schönes Arrangieren, sondern es ist eben Vorbild Natur.
01:17:56Es ist auch vieles wissenschaftlich untersucht, eben welche Pflanzen gedeihen an welchen Standorten.
01:18:00Welche Pflanzen gedeihen mit welchen Partnern am besten.
01:18:03Und der Hermannshof ist eigentlich das beste Beispiel in Deutschland für diesen New German Style.
01:18:26Im Schlosspark von Schwetzingen ist es still im Winter.
01:18:30Die meisten Arbeiten ruhen.
01:18:32Am frühen Morgen überzieht Raureif die Bäume, Büsche und Beete.
01:18:39Eine verzauberte Landschaft.
01:18:42Auch die immergrünen Pflanzen wirken geheimnisvoll.
01:18:47Die Brunnen sind geleert und die Statuen aus Sandstein und Marmor eingehaust, um sie vor Frost zu schützen.
01:18:56Es ist die Zeit der Baumpfleger.
01:18:59Vier Monate lang, von Dezember bis März, sind sie damit beschäftigt, Bäume und Büsche in Form zu bringen.
01:19:14Auch im Gewächshaus hinter den Kulissen wird gearbeitet.
01:19:18Die Vorbereitungen für den neuen Sommerflor laufen.
01:19:2120.000 Pflanzen in 25 Sorten werden für die Rabatten im Kreisparterre gezogen.
01:19:29Der Gartenmeister Helmut Krupp verschärft sich einen Überblick.
01:19:36So, hallo.
01:19:37Hallo.
01:19:38Sieht's aus?
01:19:39Ja, hab jetzt gerade angefangen.
01:19:41Die ersten Sorten sind gemacht.
01:19:47Wir hier im Schlossgarten, wir haben schon ein bisschen den Anspruch, dass wir historisch sind, ja.
01:19:53Das heißt also, unsere Blumenauswahl bezieht sich auch darauf, dass sie historischen Charakter haben können.
01:19:59Ganz klar, dass es unsere modernen Sorten damals noch nicht gab.
01:20:02Aber sie haben zumindest vom Aussehen, vom Charakter her ein gewisses Barock, Rokoko, Styling, sag ich mal.
01:20:10Und auch Orientierung bei uns.
01:20:14Gärtner Thomas Emmert sät in jede Kiste immer nur eine Sorte.
01:20:20Ja, man muss schon genau arbeiten, man muss sauber arbeiten.
01:20:24Weil sonst, wenn man da dann die einzelnen Sorte aussäht und es geht was nebendran, es kommt was in die
01:20:30andere rein,
01:20:30das muss also alles genau sauber gearbeitet werden.
01:20:35Die Etikette müssen immer peinlich genau geschrieben werden, weil als ganz kleine Pflanze kann man nicht erkennen, was es ist.
01:20:41Also da muss man schon ein bisschen drauf achten.
01:20:51Die Anzucht benötigt bis zur Keimung des Samens eine Temperatur von 20 Grad.
01:20:56Sobald sich erste Blattpaare bilden, geht es an das Umsetzen der Sämlinge, ans Pikieren.
01:21:03Mit Hilfe eines Pikierstabs werden die Pflänzchen aus der Anzuchtschale in eine Multitopfplatte umgezogen.
01:21:10Das ist zwar aufwendig, aber notwendig, damit die Pflänzchen genügend Platz haben, um sich zu entwickeln.
01:21:33Die Sachen, die wir pflanzen, die können Sie auf dem Markt nicht kaufen.
01:21:38Sie können nicht auf den Grossmarkt gehen und sagen, ich brauche 400 von denen, ich brauche 800 von denen.
01:21:42Das macht Ihnen kein Gärtner, das sind zu wenig Stückzahlen.
01:21:46Und wir machen die wirklich nur ganz gezielt für unsere Rabatten.
01:21:50Kleine Stückzahlen direkt auf den Punkt produzieren, das können wir, das wissen wir auch und sind daher sehr unabhängig.
01:22:00Erfahrung ist wichtig, denn jede Pflanze entwickelt sich anders und wächst unterschiedlich schnell.
01:22:09Das ist ein Wiesensalbein.
01:22:10Haben wir den nicht früher gemacht?
01:22:12Nein, den haben wir um die Zeit gemacht.
01:22:15Das geht alles schnell.
01:22:18Die Tagede, das geht schnell.
01:22:21Das landet wieder Ende März.
01:22:25Ich habe da meinen genauen Plan, das trage ich mir immer ein.
01:22:29Ins Buch ein jedes Jahr und da kann ich mich auch dann ein bisschen halten.
01:22:32Da sehe ich dann auch, was jetzt gerade pikiert werden müsste, was schon da sein müsste.
01:22:39Und da kann ich mich dann dran halten und dann sehe ich auch, was kommt jetzt nicht mehr, was passiert.
01:22:45Wir haben jetzt mittlerweile jahrelange Erfahrung gerade mit der Ansucht und seinen Fahrplan, was er hat, ist auch für mich
01:22:51sehr wichtig.
01:22:52Weil da steht auch drin, was hat nicht funktioniert.
01:22:56Damit wir dann, wenn wir Samenbestellung machen, Dezember, Januar um den Dreh rum, schon wieder sagen können, das wird geändert,
01:23:04das bleibt, das war gut.
01:23:06Und von daher ist, wie ich sage, es ist auch eine kleine Wissenschaft, was wir hier machen.
01:23:10Einfach immer wieder die Erfahrung nochmal ein bisschen obendrauf.
01:23:14Und ja, es wird immer besser, von daher hat es sich bewährt.
01:23:19Wenn der Saatplan aufgeht, sind Mitte Mai, nach den Eisheiligen, alle Pflanzen bereit, in das Parterre umzuziehen.
01:23:31Endlich Schnee.
01:23:33Die weiße Schicht auf den alten Bäumen, exotischen Sträuchern, den Wiesen und Wegen, ist in den Hohenheimer Gärten inzwischen ein
01:23:41seltener Anblick.
01:23:45Die Natur ruht, doch auch hier finden Pflegearbeiten statt.
01:23:51Dass fällen kranker oder zu dicht stehender Bäume gehört dazu.
01:24:10Botaniker Robert Glinias kontrolliert zusammen mit Gärtner Stefan Koch jeden Winter den Zustand der alten Bäume.
01:24:17Ihr besonderes Augenmerk liegt auf sogenannten Rekordbäumen, auch Champion Trees genannt.
01:24:25Das kann man dann alternieren, machen.
01:24:28Ja, messen wir mal den Umfang.
01:24:29Diese Schwarznuss steht seit 1823.
01:24:32Sie ist einer der ältesten Bäume im Park und gehört wegen ihrer Ausmaße zu den Rekordbäumen Baden-Württembergs.
01:24:39Hallo, der hat's gut fest.
01:24:41Jawohl.
01:24:42Robert, danke.
01:24:43Haben wir überall die gleiche Höhe?
01:24:45Genau.
01:24:49Also an der Stelle haben wir genau 4,50 Meter.
01:24:53Umfang.
01:24:534,50 Meter Umfang, ja.
01:25:01Die Rekordbäume sind einfach auch so eine Möglichkeit, um sich da mit anderen quasi zu messen.
01:25:07Und sie haben natürlich dann auch immer entsprechende Dimensionen und sind, wenn man hier als Besucher durchkommt, das eigentlich was
01:25:15die Leute am meisten beeindruckt.
01:25:17Und man an solchen großen Bäumen entlangläuft, sie auch mal berührt oder vielleicht auch, ja, da mit denen an ihnen
01:25:26vorbeiläuft.
01:25:26Das ist einfach so ein erhabenes Gefühl, würde ich das fast bezeichnen.
01:25:29Das finde ich hier in diesem Park so unheimlich schön.
01:25:33Wir haben ja 60 Rekordbäume.
01:25:36Daneben haben wir dann auch, ich glaube, über 100 Bäume, die älter als 150 Jahre alt sind.
01:25:40Und das merkt man einfach.
01:25:41Dieser Park ist lange gewachsen und hat eine besondere Atmosphäre dadurch.
01:25:50Ich vermess den mal, einmal die Distanz zum Stamm.
01:25:56Das sind 28,9 Meter.
01:26:00Dann der Winkel zum höchsten Punkt des Baumes, 44 Grad.
01:26:07Und dann zum Stammfuß und dann ist die errechnete Höhe 28,4 Meter.
01:26:14Ja, das liegt wahrscheinlich wieder so in dem Bereich von der letzten Messung vor zwei Jahren.
01:26:19Ja, hat sich nichts geändert, ja.
01:26:22Gut.
01:26:27Zu wenig Regen im Frühling und zu heiße Sommer machen den alten Bäumen zu schaffen.
01:26:37Also das wäre jetzt der kompakte Sound, ja.
01:26:39Das wollen wir hören.
01:26:41Ja.
01:26:43Da war es schon ein bisschen.
01:26:44Da ist ja unter der Borge was auf jeden Fall.
01:26:48Aber die entsprechende Stelle finden wir, denke ich, schon noch.
01:26:53Das klingt schon mehr nach großem Hohlraum, ja.
01:26:58Und jetzt siehst du hier halt eine großflächige Schadstelle.
01:27:02Ja.
01:27:03Da müssen wir uns ja auch hören, ne?
01:27:05Ja.
01:27:11Also hier hören wir es deutlich.
01:27:16Also im Unterschied zu einem etwas kompakteren Sound, ein wenig daneben.
01:27:22Die Probleme in Parks und Gärten sind überall ähnlich.
01:27:26Und das Ringen um den Erhalt historischer Bäume wird von Jahr zu Jahr existenzieller.
01:27:31Wie bei dieser herzoglichen Platane.
01:27:34Sie steht seit 1779 in Hohenheim und ist nicht nur ein schützenswertes Naturdenkmal,
01:27:40sondern auch ein wahrer Champion Tree.
01:27:43Die dickste und größte Platane in Baden-Württemberg.
01:27:46Es wird sich herauskristallisieren, dass einige Baumarten gut mit dem Ganzen umgehen können.
01:27:53Andere werden in die Knie gehen.
01:27:56Wir erleben das ja jetzt schon.
01:27:57Wir haben zum einen direkte Trockenschäden, zum anderen indirekte über vermehrte Pilze oder auch Schädlinge,
01:28:07die auftreten und dann die Bäume zerstören.
01:28:11Wir können nachhelfen, indem wir gießen, gießen, gießen.
01:28:15Und eben auch die Bäume versuchen zu stärken mit den Maßnahmen, die wir hier in Hohenheim ergreifen.
01:28:22Und dann schauen wir, dass wir sie zumindest jetzt noch bewahren.
01:28:27Weil es wäre sonst ja mal schade, wenn wir hier diese wunderschöne Pracht der Gehölzer einfach dann nicht mehr da
01:28:35haben würden.
01:28:41So unterschiedlich sich Gärten und Parks über die Jahrhunderte entwickelt haben,
01:28:47so sehr eint sie unser Wunsch, diese Vielfalt auch in Zukunft zu erhalten.
01:28:53Ein Vermächtnis, das es zu bewahren gilt.
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