Skip to playerSkip to main content
  • 9 hours ago
Schloss Sanssouci In Potsdam
Transcript
00:00Theher of the Kupilu
00:00The Kupilu
00:16Seit Tausenden von Jahren gestaltet der Mensch die Landschaft.
00:21Er schafft Gärten von einzigartiger Eleganz als irdische Paradiese für die Herrscher seiner Zeit.
00:27These Gärten are still Zeugen of power, beauty and of the Sehnsucht after all.
00:36Many of them have lasted the centuries.
00:39Their craftsmanship, glitzes of water,
00:43the labyrinth and exotic plants are full of secrets and stories,
00:49which are known for them.
00:51A journey to the beautiful Gärten Europe
00:55entführt in a world, in which architecture, nature and history
01:00to a single-arty whole works.
01:22St. Soussy,
01:24übersetzt ohne Sorge.
01:26Der Name ist Programm.
01:28Ab dem Jahr 1744 entsteht in Potsdam nahe Berlin
01:34das Refugium für eine der schillerndsten Figuren des 18. Jahrhunderts.
01:39Friedrich II., auch der Große genannt,
01:43setzt sich hier mit Schloss und Gärten ein Denkmal,
01:46das seit 1990 ein lebendiger Teil des UNESCO-Welterbes ist.
01:52Der Park St. Soussy wird unter seinen Nachfolgen erweitert
01:56und ist heute mit seinen 300 abwechslungsreichen Hektar
02:01sowohl eine Touristenattraktion als auch ein Naherholungsgebiet.
02:05Ein Lebensraum für Tiere und ein Ort botanischer Vielfalt.
02:10Und nicht zuletzt ein inspirierender Arbeitsplatz.
02:19Friedrich plant mit St. Soussy nicht nur reichlich Raum für Erholung und Sinnesfreuden,
02:24sondern auch ein Gesamtkunstwerk als Spiegelbild seiner Visionen
02:28oder zumindest seiner Selbstwahrnehmung.
02:32So stellt er etwa auf der Nord-Südachse, die mitten durch sein Schloss führt,
02:37eine hier verkürzt wiedergegebene Reise dar,
02:39die in der Antike beginnt und über die irdische Zeitrechnung hinausführt.
02:46Der Ruinenberg zeigt uns eine Ansammlung von Ruinen tatsächlich.
02:51Es sind aber nicht natürliche, sondern es sind künstlich.
02:54Die sind schon so gebaut.
02:56Ruinen von verschiedenen ganz berühmten Bauwerken der Antike zusammengesammelt.
03:02Ein Element, das ganz weit vorne steht,
03:04nämlich so drei Säulen mit dem Gebälk oben drüber,
03:07die erinnern sofort an einen Besuch, den wir alle vielleicht schon mal gemacht haben,
03:11auf dem Forum Romanum.
03:12Es ist ein Zitat eines Tempels, der dort stand.
03:16Diese drei Säulen sind also auf dem Ruinenberg.
03:19Und wenn wir im Ehrenhof von St. Soussy stehen und darüber schauen,
03:22ist eigentlich zwischen dem Ruinenberg und dem Schloss passiert gar nichts.
03:25Da ist nichts. Das ist Wildnis.
03:27Also zwischen Antike und Gegenwart können wir vergessen, da ist nichts Wichtiges.
03:32Und plötzlich sieht man in der Umgebung, wenn man im Hof steht,
03:37wieder solche Säulen mit Gebälk.
03:39Es sind diese zwei halbrunden Kolonnaden, die den Ehrenhof einfassen.
03:47Und es mag fast scheinen, als würden die drei Säulen am Horizont
03:52das letzte Stück sein, was diese Kolonnadenreihe schliesst.
03:55Aber sie sind halt eben in der Antike geblieben.
03:57Diese Idee mit den Säulenpaaren wird im ersten Raum im Vestibül aufgenommen.
04:04Dann geht man in der Mittelachse weiter, kommt in den ovalen Festsaal.
04:08Zu seiner Zeit auch schon als preußisches Pantheon etwas überheblich bezeichnet.
04:14Dieser Raum, das wissen die Besucher der damaligen Zeit,
04:17hat aber tatsächlich ein Vorbild, auch wenn es nicht das Pantheon in Rom ist.
04:21Es ist eine Kirche in Rom, von Bernini gebaut.
04:25Also sind wir sozusagen im römischen Barock angekommen auf einer Zeitreise.
04:30Wenn man von da aus jetzt in den Garten hinaustritt,
04:33hat man an der Gartenfassade dieses Motiv der zwei Säulen,
04:37hat man wieder, es sind aber nicht Säulen,
04:40sondern es sind Pilaster, wo oben menschliche Figuren, Naturwesen rauskommen.
04:45Also wir haben uns gelöst von der kunsthistorischen Entwicklung der Antike bis hin zum Barock
04:51und sind jetzt eben in der freien Natur. So weit, so gut.
04:55Dann geht man eigentlich nach vorne und schaut hinunter in den Garten
04:59und was sieht man? Einen Brunnen.
05:01Und um den Brunnen herum stehen Götterfiguren.
05:04Ganz viele Götter sind versammelt.
05:06In der Zeit von Friedrich waren es noch mehr,
05:08weil nämlich der Brunnen ein bisschen kleiner war
05:10und in der Mitte war auch noch eine Figur, und zwar die der Thetis.
05:16Jetzt ist aber ja der Punkt, wo sind die Götter?
05:18Die Götter sind auf dem Olymp
05:19oder sie sind mit anderen Worten im Paradies.
05:23Und im Paradies hat man keine Sorgen.
05:26Deswegen steht die Inschrift
05:29sans souci, ohne Sorgen, an der Gartenseite der Fassade,
05:34weil in dem Moment, wo man rauskommt, ist man im Paradies,
05:37hat man sich vor der irdischen Zeitentwicklung gelöst
05:39und ist also eben von allen Sorgen befreit.
05:52Von der Antike über sein neues Rom zur Unsterblichkeit.
05:581740 ist der 28-jährige Friedrich König in Preußen.
06:03Doch schon als Kronprinz erliegt er der Rumsucht,
06:07die zur wesentlichen Antriebskraft seines Schaffens wird.
06:13Friedrich wollte, das muss man sagen,
06:15tatsächlich als Große in die Geschichte eingehen.
06:17Und dazu war es wichtig, Rom zu erlangen.
06:19Und das hat er als Jugendlicher relativ früh
06:21aufgrund seiner Lektüre mitbekommen.
06:24Und zwar ist das deutlich,
06:26und sie haben nachdem jetzt Bewegung, von seinem Vater.
06:29Der war ja etwas, sagen wir, dumpfdeutsch, wenn man das so simpel zusammenfassen kann,
06:36und doch sehr rustikal.
06:38Und Friedrich war dank seiner Mutter etwas weiter erzogen,
06:43kannte mehr, zumindest aus Erzählungen von der Welt,
06:46und war vielseitiger interessiert als sein Vater.
06:50Und das hat ihn dazu gebracht, philosophische Schriften zu lesen,
06:53und da entwickelte sich letztendlich seine Absetzbewegung, sein Weltbild.
06:56Darüber hinaus hat er dann erkannt, was notwendig ist, um berühmt zu werden.
07:00Und da geht es darum, dass man auf militärischem Gebiet erfolgreich sein muss
07:05und im Grunde als Intellektueller und als Kunstinteressierter erfolgreich sein muss
07:10und da Ruhm erlangen kann.
07:12Und das hat er sukzessive umgesetzt, wenn man will.
07:14Weil gleich in dem Moment, in dem er an die Macht gekommen ist,
07:19hat er sich ja darauf besonnen, dass er sein Land ausdehnen könnte
07:22und ist in Schlesien einmarschiert.
07:24Hat dann auch wirklich sinnfreie Rechtfertigungen produzieren lassen.
07:29Nichts, was er wirklich selbst geglaubt hat.
07:31Aber es war halt wichtig, wie heutzutage ja auch,
07:34man braucht eine Rechtfertigung, und er hat die geliefert.
07:37Gleichzeitig hat er sich für was Intellektuelles interessiert.
07:39Er hat eine Akademie gegründet und hat Muppertuis berufen als Akademiepräsidenten.
07:44Und er hat sich dann sukzessive, als er Zeit hatte, um die Kunst gekümmert.
07:50Er war ein großer Gemäldesammler.
07:52Und das kann man hier sehen, wenn man in Sanssouci selbst ist
07:55oder wenn man hier in die Bildergalerie geht.
07:58Das ist ja aufgebaut worden.
08:00Beraten war er von verschiedenen Freunden, wie man das immer nennt,
08:06obwohl das im Grunde gute Bekannte sind.
08:08Und deren Kennzeichen ist vor allen Dingen,
08:11dass sie viel älter waren als er.
08:14Das heißt, er hat, anders als das heute, glaube ich,
08:16eher der Fall ist, wenn ich das so sagen darf,
08:19darauf gesetzt, von älteren Leuten was zu lernen.
08:22Heute wissen die jungen Leute ja alle schon genau, was richtig ist.
08:25Er hat sich gedacht, er hat einen Plan,
08:28aber es ist nicht falsch, noch von Älteren was abzuschauen.
08:32Und so wird unter anderem der französische Philosoph Voltaire,
08:37einer der bekanntesten Intellektuellen der Aufklärung, sein Lehrmeister.
08:41Letztendlich zählt aber Friedrichs Wille, auch wenn es um sein Paradies geht.
08:49Sanssouci gab Friedrich die Möglichkeit zum Experiment.
08:53Es ist keine Residenz.
08:54Hier hatte er keine zeremoniellen Verpflichtungen,
08:57keine offiziellen Empfänge, nichts einzuhalten.
09:00Das heißt, er konnte seine vielen Gedanken, die er hatte,
09:04seine Ideen in Architektur umsetzen.
09:07Und das hat er auch getan.
09:07Er hat zwar einen Architekten, Georg Wenceslaus von Grubelsdorf.
09:11Ein junger Architekt, mit dem hat er schon in Rheinsberg experimentiert.
09:15Und das tut er wieder.
09:16Und er lehnt sich auch auf gegen den Ratschlag des Architekten.
09:21Zum Beispiel, Schloss Sanssouci, wenn Sie von unten von den Terrassen schauen,
09:25ganz berühmter Blick, dann sehen Sie den Sockel nicht des Schlosses.
09:28Und man das Gefühl, das kippt jetzt gleich hinten den Hügel runter.
09:31Das ist, weil Sanssouci eben nicht vorne an der Kante der Terrasse steht
09:36und auch nicht auf einem Sockel hoch.
09:38Friedrich hat ihm aber offensichtlich, er hat auch Zeichnungen,
09:41Skizzen dazu selber gemacht, erklärt,
09:43nein, er braucht die Fenstertüren, damit er direkt in den Garten kann.
09:48Deswegen muss es niedrig stehen.
09:49Und es darf nicht vorne an der Kante stehen,
09:52weil er auf der Terrasse oben natürlich spazieren will.
09:54Also auch da sein absolut eigener Wille.
09:57Man kann das alles erklären und interpretieren,
10:00aber es ist tatsächlich so, dass er jedem Architekten,
10:02das macht er beim neuen Palais noch mehr als bei Sanssouci,
10:05wirklich in die Pläne hineinzeichnet und sich selber umsetzt und künstlerisch.
10:11Es ist für ihn ein künstlerischer Akt, Sanssouci zu bauen
10:15und nicht eine Notwendigkeit eines weiteren Wohnsitzes.
10:23Friedrich will sich hier nicht nur auf Lorbeeren ausruhen,
10:26sondern auch die Früchte seines Paradieses geniessen.
10:33Ganz Sanssouci ist überall, also quasi wie ein landwirtschaftlicher Betrieb,
10:37zwischen dem Schmuckgarten immer wieder mit Nutzpflanzen versehen.
10:42Das deutlichste davon Beispiel sind sicher die Terrassen unterhalb von Sanssouci,
10:47die ja mit Nischen versehen sind, wo Feigen wachsen.
10:51Und jede Nische ist wie ein Mini-Gewächshaus, ein Riesenaufwand.
10:54Und die Feigen werden auch bis heute noch reif im Herbst an diesen Terrassen.
10:58Dann gab es da Orangenbäumchen und Wein, der da rankte.
11:02Also die Idee eigentlich von Sanssouci im Kern ist, ich habe einen Obstgarten.
11:08Dazu brauche ich ein Gartenhaus, das ist Sanssouci.
11:12Und dann gebe ich diesem Obstgarten auch noch eine ganz spektakuläre Form
11:15und das ist dann eben die rahmende Gartenkunst.
11:22Barock und Rokoko geben die Gestaltungselemente vor.
11:27Strenge Geometrie und Symmetrie bestimmen die Bühne,
11:30die mit Skulpturen und spektakulären Gartengebäuden bespielt wird.
11:36Dazu zählen die Neptungrotte, das chinesische Haus, das auch als ironischer Seitenhieb
11:44auf die Chinamode des 18. Jahrhunderts verstanden werden kann.
11:49Und das Belvedere auf dem Klausberg.
12:06Das ländliche Glück der Selbstversorgung bleibt jedoch ein Wesensmerkmal von Sanssouci.
12:13Vom westlichen Weinberg auf dem Klausberg, über die Weinbergterrassen
12:19zu den Kompartimenten des östlichen Lustgartens,
12:22blüht und gedeiht, was die königliche Tafel begehrt.
12:27Jörg Wacker, Kustos für Gartendenkmalpflege,
12:30kann anhand alter Aufzeichnungen und Pläne ermitteln,
12:33was zu Friedrichs Zeiten wo angepflanzt wurde.
12:37Eine Besonderheit Friedrichs ist aber, dass er als obstnah galt,
12:42eine große Vorliebe als Grundrins schon für Tafelobst hatte
12:45und viel unternommen hat, um Obst in seinen Gärten unterzubringen.
12:50Und alle Kompartimente, also die von Hecken eingefriedeten
12:53geometrischen Flächen im Lustgarten, sind im Inneren mit Obstbäumen bestellt worden.
12:58Damit haben wir 16 verschiedene Flächen von Obst.
13:02Und er ließ hier sogar Mandelbäumen, Pflaumen, Kirschen, Aprikosen,
13:07Pfirsie, Äpfel und Birnen in unterschiedlichen Sorten pflanzen.
13:12Und seine Lieblingsfrucht war eine Kirsche, die Prager Muscatella.
13:18Und er legte auf das Obst so viel Wert, dass selbst wenn Friedrich Krieg führte,
13:22jeden Tag ein Boten Obst in Seidenpapier eingepackt in einer Holzkiste
13:26in das Feldherrenzelt bringen musste.
13:28Und die Kirschen wurden sogar auch noch in späterer Zeit angetrieben.
13:33Das heißt, nach dem ersten Frost stellte man die Bäume, die in Kübeln standen,
13:38in ein beheiztes Gewächshaus, sodass das Gehölz den Eindruck hatte,
13:42jetzt kommt es Frühjahr.
13:44Sodass es dann schon Ende Februar, Anfang März bis zum April
13:48die ersten Kirschen gab.
13:50Das war außergewöhnlich und damit konnte natürlich auch er
13:53bei königlichen Tafeln strahlen damit oder was alles möglich ist,
13:59da zur Schau stellen.
14:04Diese Obstgärten Friedrichs sind nach seinem Tod aufgegeben worden,
14:09unterstützend dadurch, dass durch den großen Ausbruch des Vulkans
14:13Tambora mit einem 40 Kilometer Krater so viel Staub in die Atmosphäre kam,
14:18es Missernten gab und sehr schlechte Ernte, späten Frost und so weiter,
14:23es wurde gar nicht richtig warm und hell.
14:25Da sind die Obstquartiere generell aufgegeben und wurden dann
14:28landschaftlich überformt mit Baum- und Strauchpflanzungen.
14:32Seit einigen Jahren oder seit den beiden letzten Jahrzehnten
14:36haben wir uns auch mit der Wiederherstellung der barocken
14:40oder Rokoko-Gartenteile Friedrichs auseinandergesetzt
14:43und haben 2005 begonnen, den Kirschgarten
14:47vor der ursprünglichen Orangerie, die 1770 eine Gästewohnung wurde,
14:52neue Kammern wurden, wiederherzustellen.
14:54Mit demselben Schema, mit dem Abstand, den damals Friedrich auch im Garten hatte,
14:59der mit einem Plan von 1772, mit dem sogenannten Salzmann-Plan
15:04von Friedrich Zarrarias, Salzmann dokumentiert war.
15:07Damit wollen wir also zeigen, wie sah der Garten zur Zeit Friedrichs aus,
15:12dass das Schöne mit dem Nützlichen in einer Symbiose sozusagen verquickt war
15:17und auf ganz engstem Raum stand.
15:25Friedrichs Kirschen – ein Fall für die Gartendenkmalpflege,
15:29die im Park Sanssouci nicht nur Obstgärten,
15:32Barock und Rokoko im Auge behält.
15:34Denn die Nachfolger des Großen erweitern sein Paradies
15:39und gestalten es gemäß der Mode ihrer Zeit.
15:42So lässt hier etwa der italophile König Friedrich Wilhelm IV.
15:46einen sizilianischen Garten anlegen.
15:50Und vollendet 1861 mit dem prächtigen Orangerieschloss
15:55seine Vision des preußischen Arkadiens,
15:59die er bereits als Kronprinz mit dem im klassizistischen Stil
16:03errichteten Lustschlösschen Charlottenhof verfolgt.
16:13Wir betreuen ja in der Stiftung Gärten, die aus dem Hochbarock kommen,
16:17über die Barockezeit, über das Rokoko bis zur klassischen,
16:22romantischen, sentimentalen Landschaftsphase
16:25und dann auch in der Zeit des Historismus bis zum Ende der Kaiserzeit.
16:30Und die letzten Anlagen sind so 1912 beendet worden.
16:35Und dafür müssen wir Sorge tragen, das zu erforschen,
16:39das öffentlich zugänglich zu machen und das Pflegebild des Gartens zu steuern.
16:44Also dass man diese Zeitschicht mit der Ausstattung
16:47der mineralischen und auch vor allen Dingen so der pflanzlichen
16:50in ihrer Raumkomposition wahrnehmen kann.
16:53Und der Raum ist eigentlich so das Wichtigste, was den Garten ja ausmacht,
16:56mit den da drin stehenden Bauwerken der Gebäuden, Schlössern oder Figuren
17:02und auch mit den besonderen botanischen Seltenheiten,
17:05dass das in seiner sich ständigen Veränderung,
17:08der Garten verändert sich ja täglich eigentlich mit dem Wachstum,
17:11mit dem Werden und Vergehen, dass das regeneriert wird und erhalten wird.
17:17Das sind natürlich sehr lange Zeiträume maßgebig.
17:20Also 50 Jahre ist für ein Denken als Gärtner ganz normal,
17:24also zwei Generationen.
17:26Und das Wissen muss von Generation zu Generation wieder vermittelt
17:30und weitergegeben werden, dass die nach uns kommenden Kindeskinder
17:34davon auch noch was haben.
17:38In Friedrichs Konzertzimmer wird die Kultivierung der Triebe thematisiert.
17:43Im Barockgarten findet die Zähmung der Natur ihren manischen Höhepunkt.
17:49Der Park Sanssouci wächst aber über diesen strengen Rahmen hinaus
17:54und präsentiert sich seinen Gästen auch in natürlicher Schönheit.
18:00Man kann hier ausgedehnte Spaziergänge unternehmen,
18:04ohne von der Geschichte behelligt zu werden,
18:06bis sie wieder unvermutet vor einem auftaucht.
18:10Man kann hier die Aussicht genießen und Größe bestaunen
18:13oder sich, wie Leon Bergmühl,
18:16auf ein paar Quadratmeter des weitläufigen Parks fokussieren.
18:26Wenn ich auf allen Vieren im Gras rumkrabbel, das sieht erstmal immer komisch aus,
18:29für die Leute, die drum herumlaufen.
18:31Die meisten fragen mich, ah, was machst du da?
18:34Zählst du irgendwie Käfer, zählst du Insekten?
18:36Aber eigentlich gucke ich mir die Pflanzen an,
18:39da kommt irgendwie niemand drauf.
18:40Ich mache hier also Vegetationsaufnahmen, das Ganze ist für meine Masterarbeit.
18:44Dann stecke ich mir meine Quadrate ab, also fünf mal fünf Meter,
18:47und dann gucke ich, was da drinnen alles wächst.
18:49Das heißt, alle Pflanzenarten werden erstmal aufgeschrieben,
18:51und dann schätze ich, wie viel Prozent die von der gesamten Fläche bedecken,
18:55wenn man von oben rauf guckt.
18:56Das Ganze ist eine Resurvey-Studie, das wurde also vor 30 Jahren an diesen Punkten,
19:01an denen ich das jetzt wieder mache, schon mal gemacht,
19:03und zwar im Rahmen einer Doktorarbeit von Tim Peschel.
19:05Der hat das Ganze hier sehr gut auf einer Karte eingezeichnet,
19:08das heißt, die ganzen Plots lassen sich wiederfinden,
19:10und nachdem das so gut vor 30 Jahren gemacht wurde,
19:13kann man, wenn man das jetzt nochmal macht, eben gucken,
19:15wie sich die Vegetation verändert hat, welche Arten sind dazugekommen,
19:19welche sind eher gegangen, welche sind weniger geworden, häufiger geworden und so weiter.
19:24Die Stiftung ist natürlich sehr daran interessiert,
19:27dementsprechend dann die Pflege so anzupassen,
19:29was halt, sag ich mal, am optimalsten ist,
19:32dass die Vegetation auch schön artenreich bleibt,
19:35wie sie gerade auch ist, größtenteils.
19:48Um den Park zu pflegen und in seinen verschiedenen Ausprägungen zu erhalten,
19:53braucht es Menschen mit Leidenschaft für die Landschaftsgestaltung.
20:08Morgen, Herr Pieps. Morgen.
20:10Mein Name ist Sven Hannemann, ich darf hier seit 23 Jahren einer von drei Parkleitern sein.
20:17Und ja, wir erhalten, pflegen und entwickeln den Park.
20:22Und wenn wir dann sozusagen für unseren Zeitabschnitt, wo wir hier sein dürfen,
20:28den so erhalten haben, wie wir ihn vorgefunden haben,
20:32dann glaube ich, haben wir einen guten Job gemacht.
20:35Wir haben in meinem Team 25 Mitarbeiter, in dem gesamten Park haben wir an die 70 Mitarbeiter.
20:42Was gibt es da alles zu tun? Also wir haben eine eigene Parkgärtnerei,
20:46also alle Pflanzen, die wir hier im Park im Frühjahr ausbringen,
20:49was im Frühjahr 70.000 sind und im Sommer 130.000,
20:52werden selbst produziert und selbst dann angezogen und natürlich auch selbst ausgepflanzt und gepflegt übers Jahr.
20:58Dann haben wir 26.000 Bäume, 60 Hektar Wiesen und Rasenflächen, die müssen bearbeitet werden.
21:05Dann haben wir eine Orangerie, da werden 1.000 Kübelpflanzen sozusagen im Winter betreut
21:10und die kommen natürlich im Sommer raus und werden präsentiert im Park.
21:14Dann kommt ständig irgendwas dazwischen, weil irgendwie was umgefallen ist,
21:18weil eine Pressesache zu machen ist, weil Vandalismus eingesetzt hat
21:22oder weil irgendeine Sache stattfindet, auf die man reagieren muss, genau.
21:26Und von daher ist das schon ein recht spannendes und vielfältiges Aufgabenfeld.
21:35Ob Blumenbeete oder Waldbereiche, hier gibt es immer was zu tun.
21:41Nach einem heftigen Sturm droht eine alte Linde zu kippen und muss beschnitten werden.
21:53Also diese Sommergewitter und Stürme nehmen halt zu und das ist natürlich die größte Gefahr für den Park, wenn die
22:00Bäume voll belaubt sind.
22:01Also Sommer, Frühjahr, Herbst. Und dann stellen die ja großes Segel dar.
22:06Und wenn dann die Windgeschwindigkeiten an 10 und 11 und 12 gehen, dann hängt es natürlich davon ab, inwieweit die
22:13noch stabil sind, die Bäume.
22:14Da kann es auch sein, dass mal eine Krone ausbricht oben an der Spechthöhle oder ein Baum unten im Wurzelbereich
22:21einen Pilz hat,
22:22der dazu führt, dass halt das Wurzelsystem geschwächt ist und dann fällt auch mal so ein Baum um.
22:29Und deswegen wäre dringlicher Appell nochmal an einer Besucher, also wenn so eine Sturmlage ist oder so eine ungünstige Wetterlage,
22:37sollte man doch aus Sicherheitsgründen den Park verlassen und warten, bis der wieder freigegeben ist, um sich dann nicht in
22:43Gefahr zu bringen.
22:56Neben den Menschen leisten auch Tiere ihren Beitrag zum Erhalt des Parks.
23:01Da gibt es vorwiegend gehörnte Gotland-Schafe, die hier als ökologische Landschaftspfleger ihren Traumjob gefunden haben.
23:10Und wesentlich kleinere, aber umso bedeutendere Mitarbeiterinnen.
23:18Also wir stehen ja jetzt gerade hier, das ist total schön, dass Sie gerade zu diesem Zeitpunkt gekommen sind,
23:24während der Lindenblüte in der Krimlindenallee und Sie hören ja diesen Sound von den Bienen.
23:29Es ist nicht schrecklicher als Besucher zu sehen, die abgekapselt durch den Park gehen
23:35und diese ganzen natürlichen, tollen Geräusche nicht mitbekommen.
23:39Ob das Vögelstimmen sind oder aber jetzt hier massiv die Bienen, das zählt irgendwie zu einem schönen Parkerlebnis mit dazu.
23:46Und natürlich sind die ganz wichtig für die Bestäubung von unseren Kulturpflanzen, die wir im Park haben.
23:52Wir haben einen Kirschgarten, wir haben Äpfel- und Birnenkulturen da.
23:59Und ohne die Bienen sozusagen würde da auch keine Tracht einsetzen.
24:03Und ja, von daher sind wir bemüht, dass es denen gut geht und dass wir ja und hobbymäßig natürlich auch
24:10diesen Bienen widmen.
24:13Am Rande des Parks hat sich Eberhard Bergner sein eigenes Paradies erschaffen.
24:19Eines, in dem die Natur ordentlich mitzureden hat.
24:23Herr Bergner überquerte einst im Laufschritt die Alpen und war Parkrevierleiter in Sanssouci.
24:29Mit Sven Hahnemann verbindet ihn darüber hinaus, dass sie beide, wie Herr Bergner es ausdrückt, von den Bienen gefunden wurden.
24:37Bei mir in der Familie imkert man in der vierten Generation und als kleiner Junge hat man sich dann oftmals
24:44bei den Großeltern in den Ferien gelangweilt.
24:46Da gab es kein YouTube, kein Fernsehen, nichts.
24:49Also ist man dann mit dem Opa in den Garten gegangen und hat dann mit dem Opa geimkert.
24:54Und irgendwie muss ich das so ins Stammbuch eingeschrieben haben, dass ich das irgendwann auch selber gut fand.
25:00Und jetzt auch hier im Park betreibe, hobbymäßig natürlich.
25:05Und auch einige von meinen Gärtnern sozusagen, die hier tätig sind, haben da auch Gefallen dran gefunden.
25:11Das ist nochmal ein neuer Zugang irgendwie, den man findet zwischen Tier und Natur.
25:17Also diese Bienen, die kommen ja nur richtig in Schwung, wenn die richtigen Blüten da sind
25:23und wenn diese ganze Symbiose zwischen Bäumen und Bienen und Wiesen auch wirklich einsetzt.
25:29Und dann lebt man das auch richtig irgendwie mit.
25:31Man weiß genau, welche Tracht ist und man freut sich, wenn zum Beispiel roter Pollen von den Kastanien kommt.
25:37Und wenn ganz dunkler Honig dann entsteht, zum Beispiel wenn es Waldhonig ist oder so.
25:42Und das ist dann irgendwie schon sehr faszinierend und schön und rundet diese Sache hier im Park sehr gut ab.
25:52Pomonas und Floras Garten entfalten ihre Pracht.
25:56Doch wie die anderen Göttinnen und Götter, respektive Skulpturen des Parks,
26:01müssen auch sie sich gelegentlich einer Schönheitskur unterziehen und dem schlossnahen Schirrhof einen Besuch abstatten.
26:15Mein Name ist Judith Ganski und ich bin seit 2018 hier als Restauratorin in der Skulpturenabteilung der Stiftung Preußisch Schlösser
26:25und Gärten tätig.
26:26Gelernte Steinmetz, Steinbildhauerin und habe Restaurierung für Steinobjekte studiert.
26:32Also die wichtigste Aufgabe ist der Erhalt des Bestandes der Kulturgüter, die wir hier haben oder der Kunstobjekte.
26:40Also wir in der Abteilung Skulpturenrestaurierung sind für 5.000 bis 6.000 Objekte zuständig.
26:47Also das betrifft nicht nur hier Park Sankt Sussi.
26:49Wir haben ja noch mehrere Gärten, Schloss Rheinsberg zum Beispiel, Königs Wusterhausen, Oranienburg-Lienicke, Charlottenburg.
26:56Und wir kümmern uns nicht nur um die Außenobjekte, sondern auch was in den Schlössern steht, alles was beweglich ist.
27:05Und wir haben die Möglichkeit hier also eigentlich von A bis Z alles durchzuführen.
27:10Reinigung, die Restaurierung an sich, also die Konservierung der Erhalt, also zu festigen, zu ergänzen, zu rekonstruieren, Modellarbeiten anzufertigen.
27:21Also wir sind hier komplett handlungsfähig, sag ich jetzt mal, um die Güter zu erhalten.
27:29Der Partikelstrahl behandelt Verwitterungsschäden. Aber auch plastische Eingriffe sind hier keine Seltenheit.
27:36Die Finger der Andromeda dürfen seit kurzem als Werk von Judith Gansky betrachtet werden.
27:43Dann haben wir natürlich auch Vanillismus-Schäden, also unsere Skulpturen werden gerne beklettert,
27:49dann wird sich an den Händen hochgezogen, dann brechen die Finger ab oder die Attribute.
27:53Wenn die Attribute fehlen, dann sind die nicht mehr lesbar und somit, um die wieder zu komplettieren, ja, so was
28:00ist unsere Aufgabe unter anderem.
28:06Für die einen sind sie Schmuckwerk, für die anderen Elemente eines begehbaren Bilderbuchs.
28:12Für Judith Gansky ist der Erhalt der Skulpturen eine erfüllende Arbeit.
28:19Ja, es ist natürlich ein Genuss mit den ganzen, also es sind Kunstobjekte von großartigen Bildhauern.
28:27Und sich da zu kümmern und der Erhalt dessen ist schon eine ehrenhafte Aufgabe.
28:34Ja, es ist schon traumhaft, also es ist im Prinzip ein Sechser im Lotto, wenn man es, ja, wenn man
28:42die Möglichkeit hatte, hier zu arbeiten oder reinzukommen.
28:53Nach ihrer Kur werden Pomona und Flora an ihren angestammten Platz zurückkehren, wieder das Obeliskportal flankieren und Gäste am östlichen
29:03Parkeingang empfangen.
29:06Von hier sind es schnurgerade zwei Kilometer bis zum Neuen Palais.
29:11Und auch auf dieser Achse will uns Friedrich etwas über Ruhm und Größe erzählen.
29:16Der Park Sanssouci weist seit Friedrich II. zwei große Achsen auf, die sich bei der Fontäne kreuzen.
29:24Die Längsachse wird seit einigen Jahren nach neuen Forschungen auch als die Achse der Macht bezeichnet.
29:31Sie beginnt beim grossen Obelisken und führt uns dann in sogenannten Rondellen.
29:36Das sind runde Plätze mit Brunnenanlagen, die von Hecken umgeben sind, von einem Thema zum nächsten.
29:43Und zwar das erste Rondell zeigt uns die Büsten von schwarzen Menschen, also interpretiert so als eine Art die Urmenschen.
29:52Das ist der Mensch als Naturwesen.
29:55Und schon im zweiten Rondell nimmt es dann eine dynastische Ebene auf.
29:59Das sind nämlich alles Familienmitglieder der Familie der Oranier, also heute das Haus der Niederlande, porträtiert.
30:08Weil auch durch die Urgroßeltern von Friedrich II. eine familiäre Beziehung zu den Oranien bestand.
30:16Dann kommt man eben zu der Fontäne, die das Thema hat, die Hochzeit der Thetis, die dann im Trojanischen Krieg
30:23endet in der Lagende.
30:25Es ist aber der siebenjährige Krieg, auf den Friedrich da anspielt, nach dieser Fontänefolge, nämlich dann Boskette, in denen es
30:34wild zu und her geht.
30:35Da gibt es das Entführungsrondell, wo Frauen entführt werden.
30:39Ganz viele Götter immer wieder auf und es ist ein richtiges Durcheinander, wenn man so will.
30:44Und ganz am Ende dann von dieser Achse steht plötzlich das neue Palais.
30:48Das neue Palais hat er nach dem Siebenjährigen Krieg eben als neuer Herrscher in der ersten Riege der europäischen Könige
30:57bauen lassen.
30:58Es sollte ein Triumphbau sein des Siegers. Er hat ja auch immer gesagt, es ist meine Fanfaronat, meine Angeberei.
31:07Und so zeigt diese Achse am Schluss eben Friedrich im Strahlenkranz sozusagen in seinem neuen Palais.
31:13Das ist sehr grob zusammengefasst, aber wenn man diese Achse abschreitet, kann man das bis heute sogar nachvollziehen.
31:21Das neue Palais ist, wenn man sich das anguckt, im Grunde sein Vermächtnis.
31:26Denn wenn man allein das Schloss in der Größe sieht und die Kuppel oberhalb des Schlosses,
31:32dann sieht man, dass das wie so eine Grabrotunde oben drüber ist, die an Monumente in Italien der großen römischen
31:40Zeit erinnert.
31:42Und genau sowas sollte es auch sein. Friedrich wollte eben als ein Großer erinnert werden.
31:46Und er hat gehofft, dass er vielleicht für einen Moment die Geschichte anhalten kann und die sich dann auf ihn
31:53fokussiert.
31:54Und damit das wirklich so ist, hat er auch das Angebot Voltaires ausgeschlagen, der ihm angeboten hatte,
32:02seine Geschichte, Friedrichs Geschichte, Lebensgeschichte, Erfolgsgeschichte, Regierungsgeschichte zu schreiben.
32:08Und da wusste schon Friedrich, nein, wenn man sich in die Hände von Schriftstellern gibt, ist man denen ausgeliefert am
32:14Ende.
32:14Das mache ich selbst. Und das hat er auch gemacht. Und er hat das erfolgreich gemacht, weil er seine ganze
32:20Regierungszeit
32:21tatsächlich literarisch abgedeckt hat. Und er hat das so erfolgreich gemacht, dass eine berühmte deutsche Geschichte
32:29vom Anfang des 19. Jahrhunderts die Zeit, die Friedrich gewidmet war, überhaupt nicht behandelt hat,
32:35sondern eins zu eins aus Friedrichs Werken diesen Teil der Geschichte eingesetzt hat.
32:41Das heißt, er hat in einem offiziellen Geschichtswerk seine eigene Meinung unterbringen können.
32:46Und das ist schon tatsächlich hohe Kunst. Wenn man das wiederum vergleicht mit heute, sieht man,
32:52auch heute sind ja die Herrscher der Welt bemüht, ihre eigene Propaganda zu verbreiten
32:58und machen das mal besser, mal weniger gut. Und Friedrich konnte das allerdings sehr, sehr, sehr gut.
33:06Der hat das beherrscht. Und das ist sicherlich etwas, warum er zu Recht der Große ist.
33:12Friedrich feiert sich selbst. Als großen Feldherrn. Auch wenn Preußen den Siebenjährigen Krieg eher überlebt als gewinnt.
33:21Als großen Freund der schönen Künste, denen er hier mit der Bildergalerie einen Tempel errichtet.
33:28Meister der Kategorie Caravaggio, Peter Paul Rubens und Anton van Dijk unterstreichen dabei seinen Namen als Kunstsammler.
33:44Während es in der Bildergalerie auch Mord und Totschlag zu sehen gibt, geht es hier in der kleinen Galerie im
33:51Schloss gemütlicher zu.
33:53Hier dominiert die Bildgattung der Fête Galante.
33:58Vergnügungen galanter Menschen im Freien, wie sie ein Antoine Watteau in Szene setzt.
34:03So ist man auch drinnen, irgendwie draußen.
34:08Über die Sammelleidenschaft hinaus betätigt sich Friedrich als Lyriker und gibt im Konzertzimmer seine Traversflöten und Komponierkünste zum Besten.
34:33Und er feiert sich nicht zuletzt als großen Intellektuellen, der führende Denker seiner Zeit zum Souper in Sanssouci empfängt.
34:42Auch wenn es nie so viele auf einmal sind, wie es Adolf Menzel gut 100 Jahre später idealisiert darstellt.
34:52Jedenfalls sind es ausschließlich Männer, die hier mit ihm feiern.
34:57Friedrichs Frau Elisabeth Christine sieht sein Paradies nur ein einziges Mal, als die Österreicher 1757 Berlin besetzen und sie auf
35:06ihrer Flucht nach Magdeburg, Sanssouci passiert.
35:10Inniger ist die Beziehung zu seiner Schwester Wilhelmine.
35:14Ihr widmet er posthum den Freundschaftstempel, der unweit vom neuen Palais errichtet wird.
35:20Wilhelmine sitzt mit ihrem Hund im Tempel.
35:23Die Medaillons auf den Säulen stellen allerdings berühmte Männerpaare der Antike dar.
35:32Und während in Friedrichs Bibliothek die Sonne im Zenit steht, geht sie im östlichen Trayage-Pavillon auf.
35:45Wenn Friedrich II. in der Bibliothek an seinem kleinen Schreib- oder Lesetisch sass,
35:51konnte er in gerader Achse aus dem Fenster unter einem Spalierbogen hindurch auf eine Statue sehen,
35:59die einen jungen Mann darstellt, der beide Arme zum Himmel erhoben hat und auch nach oben blickt, eine Statue in
36:05Bronze.
36:06Diese Statue gehört zu den absolut berühmtesten Skulpturen des 18. Jahrhunderts.
36:12Sie wurde gefunden im 16. Jahrhundert in der Lagune von Venedig und ging dann durch ganz berühmte Hände.
36:19Es war der Doge von Venedig, der Herzog von Mantua, König Charles I. von England.
36:25Dann kommt es zu Foucault, dem Finanzminister von Ludwig XIV.
36:28Von da verkaufen es die Erben nach Wien an den Herzog Eugen von Savoyen.
36:34Und als der stirbt, wird sie versteigert und es ist der Prinz Lichtenstein, der sie kauft.
36:39Und letztlich kommt sie dann von Wenzel Lichtenstein hier als Gabe an Friedrich II.,
36:45der sie natürlich so schätzte, weil sie eben durch diese ganz berühmten Hände gegangen war.
36:51Das Original steht heute im Königlichen Museum in Berlin.
36:56Bei uns steht eine Kopie.
36:57Und man darf vielleicht auch noch dazu sagen, dass diese Skulptur ursprünglich ohne Hände, ohne Arme gefunden wurde.
37:06Da man aber in jener Zeit Antiken so ohne Köpfe oder Hände, so Torso, wie man heute sagt, nicht schätzte,
37:14hat man ihr also Hände angefügt und man musste sie dafür interpretieren.
37:17Welche Pose soll sie jetzt einnehmen?
37:21Und man fand so ein junger, schöner Jünglingskörper, das könne eigentlich nur Antinus sein, der Geliebte eines Cäsaren.
37:29Und deswegen hat man aus ihm den Sonnenanbeter Antinus gemacht, der die Sonne anbetet.
37:34Und das dürfte Friedrich auch in dieser Weise ganz gut gefallen haben.
37:44Wenige Meter vom Jüngling entfernt befindet sich Friedrichs Gruft, die er schon früh ausheben lässt.
37:51Er verfügt, hier neben seinen Hunden und ohne Gebrenge und feierlichen Pomp begraben zu werden.
37:58Seine letzten Tage verbringt er in Sanssouci.
38:00Und am 17. August 1786 wird der Große in seinem Arbeitszimmer von allen Sorgen befreit.
38:23Thronfolger Friedrich Wilhelm II. missachtet den letzten Wunsch seines Onkels und lässt ihn feierlich in der Potsdamer Garnisonskirche bestatten.
38:32Auch andere Taten seiner Nachfolger hätten Friedrich zumindest verwundert.
38:37Ein Normannenturm in seiner Antike?
38:43Eine christliche Kirche in seinem Paradies?
38:47Was wurde aus, jeder soll nach seiner Person selig werden?
38:52Die Friedenskirche, wie auch der Traum eines christlichen Staates, entspringen dem Geist von Friedrich Wilhelm IV., der 1840 den preußischen
39:03Thron besteigt.
39:04Eine Leistung, die unter seinem Urgroßneffen erbracht wird, hätte Friedrich allerdings entzückt.
39:16Wenn jetzt Friedrich 100 Jahre später noch einmal einen Rundgang gemacht hätte, hätte bestimmt grosse Freude gehabt an einem Punkt,
39:25nämlich die Wasserspiele.
39:26Die haben tatsächlich plötzlich funktioniert.
39:29Er wollte nämlich eine riesige Fontäne haben in seinem Garten, aber die Leitungen sind immer wieder geplatzt, weil sie dem
39:35Wasserdruck nicht standgehalten haben und das war also nicht besonders erhebend, was da rauskam.
39:41Aber im 19. Jahrhundert war dann die Technik mit der Pumpenkunst, mit der Dampfmaschine und mit den Metallrohren so weit,
39:49dass eben eine grosse Fontäne springen konnte.
39:51Also die Wasserbelebung des Parks, das hätte ihm sehr gefallen.
39:58Der Weg des Wassers beginnt an der Havel und mit einem Gebäude, das Friedrich Wilhelm IV. hier errichten lässt.
40:07Die Formgebung darf kritisch betrachtet werden, denn im Inneren der vermeintlichen Moschee wird nicht Gott gehuldigt, sondern der Maschine.
40:23Die alte Dampfmaschine läuft nur mehr zur Show.
40:27Ihre ursprüngliche Aufgabe erledigen heute Elektromotoren im Hintergrund.
40:33Nach wie vor wird aber von hier Wasser aus der Havel angesaugt, zum Ruinenberg hochgepumpt und über Rohre, die nun
40:41dem Druck standhalten, in den Park geleitet,
40:44wo sich das physikalische Prinzip der kommunizierenden Gefäße endlich entfalten kann.
40:55Über den Parkgraben kehrt das Wasser wieder in die Havel zurück.
40:59Ein wunderbarer Kreislauf, der auch die Fauna von Sanssouci beflügelt.
41:28Um diesen Kreislauf zu überwachen und die zahlreichen Wasserspiele im Park beginnen zu lassen, braucht es den Fontenier.
41:39Mein Name ist Lars Baumbach. Ich bin hier angestellt bei der Wasserversorgung, so nennt sich unser Bereich,
41:45der hauptsächlich zuständig ist für den ganzen Fontänenbetrieb im Park Sanssouci oder auch in den anderen Schlösser und Gärten unserer
41:54Einrichtung.
41:55Hier im Park Sanssouci bin ich hauptsächlich beschäftigt. Hier sind 100 Kilometer Parkwasserleitungen zu betreuen.
42:04Die Pumpanlage, um den täglichen Fontänenbetrieb sicherzustellen.
42:10Die Trinkwasserversorgung, also es ist ein sehr komplexer, großer Betrieb.
42:18Mein Tag beginnt um 10 Uhr mit dem Wasserspiel der großen Fontäne.
42:24Es ist die erste Fontäne, die hier läuft im Park.
42:28Und dann fahre ich mit dem Fahrrad durch den Park etwa eine Stunde und drehe einige Fontänen auf.
42:34Es ist immer eine Abwägungssache, wie gerade der Wasserbedarf ist, die Gärtner brauchen Wasser, wie ist das Wetter.
42:41Dann werden sie kontrolliert. Druckabfall ist unterschiedlich und es muss nachreguliert werden.
42:48Dann muss ich im Dampfmaschinenhaus unsere Pumpanlage kontrollieren, ob da alles ordnungsgemäß läuft.
42:54Die ganze Elektronik überwachen, die ganze Pumptechnik.
42:58Und das ist dann das ganze Tagesgeschäft.
43:01Und abends denn um 17 Uhr wird die Runde abgedreht sozusagen, dass 18 Uhr die große Fontäne als letztes zugedreht
43:11wird.
43:13Ich bin hier seit über 30 Jahren beschäftigt und es erfüllt mich auch mit Stolz, in so einer Kultureinrichtung zu
43:21arbeiten.
43:22Macht schon Spaß. Es ist schon was anderes als auf dem Bau zu arbeiten, mit modernen Anlagen.
43:28Das ist hier alles noch Historie, gusseiserne Rohre, altes englisches Gussrohr, was noch repariert werden kann oder ausgewechselt werden kann.
43:37Die Geschichte ist natürlich immer greifbar und im Laufe der Jahrzehnte habe ich auch schon erlebt, was hier rekonstruiert wurde
43:47nach und nach.
43:48Das dauert alles ein paar Jahre, ist ja auch schon ein paar Jahre Hunderter alt.
43:51Aber das macht schon Spaß zu sehen, wie alles zu erhalten ist und was wieder zum Leben erweckt wird.
44:03Friedrich Wilhelm IV. lässt also das Wasser sprudeln und seine Auslegung des Christentums verbreiten.
44:16Christliche Friedfertigkeit ist allerdings etwas, das man den Hohenzollern kaum unterstellen kann.
44:22Friedrich II. beginnt einen unprovozierten Angriffskrieg gegen Österreich.
44:26Friedrich Wilhelm IV. geht in den Revolutionsjahren brutal gegen die eigenen Untertanen vor.
44:33Und der dritte und letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., trägt seinen Teil dazu bei, dass Europa in die große Katastrophe
44:42schlittert.
44:45Friedrichs Paradies übersteht den ersten und auch den zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet und wird im geteilten Deutschland von der DDR
44:54gepflegt.
44:54Die Gebeine des Großen haben mittlerweile eine kleine Odyssee hinter sich und liegen ab 1952 in der Burg Hohenzollern in
45:04Baden-Württemberg.
45:06Als dann zusammenwächst, was zusammengehört, wird auch Friedrichs Gesamtkunstwerk vollendet.
45:12An seinem 205. Todestag kehren seine sterblichen Überreste nach Sanssouci zurück.
45:29Friedrich ist schon zu Lebzeiten der selbstgemachte Große.
45:34Legenden und Mythen, die er und die nachfolgenden Generationen in die Welt setzen, überdauern die Zeit.
45:40Und so ist es eine Legende mehr, die Gäste auch heute noch dazu veranlasst, Kartoffeln auf das Grab des Großen
45:47Königs zu legen.
45:51Friedrich wird ja zum Kartoffelkönig gemacht.
45:54Dann ist allerdings auch nicht viel wahr.
45:56Wir wissen seit 1932, seit Fritz Backschatt das untersucht hat und in dem Journal die Küche veröffentlicht hat,
46:03dass Friedrich keinerlei Kartoffeln je gegessen hat.
46:08Weder gebraten, noch gekocht, noch als Brei, noch irgendwie.
46:13Aber er hat in den 1750er und 60er Jahren die sogenannten Kartoffelbefehle herausgegeben.
46:20Allerdings auch nur für Schlesien.
46:22Die Bauern sollten im Falle einer Hungersnot doch diese Pflanze nutzen und Kartoffeln anbauen.
46:29Die Kartoffel selbst war in Europa schon länger bekannt.
46:32Friedrich hat da nichts irgendwie hergeholt, eingeführt, gemacht oder getan.
46:37Und dass diese Befehle dann in den 50er und 60er Jahren permanent wiederholt werden mussten,
46:43zeigt, dass natürlich keiner dieser Befehle folgt worden ist.
46:48Also gab es keine Kartoffeln.
46:50Und es hätte das auch nur geben können, wenn Friedrich die Herrschaftsstruktur auf dem Land verändert hätte.
46:55Das heißt, wenn man den adeligen Land genommen hätte, den freien Bauern überhaupt Land zugeteilt hätte,
47:00sodass die selbst was erwirtschaften.
47:03Und so ist es tatsächlich so, dass die Kartoffel in Brandenburg, Preußen und in Deutschland sich erst ab dem 19.
47:13Jahrhundert verbreitet und ein Grundnahrungsmittel wird.
47:15Also kein Kartoffelkönig.
47:19Doch unbestritten eine prägende Figur des 18. Jahrhunderts und darüber hinaus.
47:28Ich wünsche mir, dass sich die Menschen heute insgesamt wieder mehr mit Geschichte und zwar sinnvoll beschäftigen und auch in
47:34die Vergangenheit zurückgucken.
47:36Und wenn sie das mit Friedrich irgendwie machen, ist das schon gut.
47:38Und er ist natürlich kein netter Kerl gewesen. Mit dem wollte man abends bestimmt kein Bier trinken.
47:44Und es ist immer anstrengend, jemanden zusammenzusitzen, der erzählt und man selbst kommt überhaupt nicht zu Wort.
47:52Und das ist halt vielfach so gewesen. Und das ist die eine Seite.
47:56Aber eben diese interessanten Gedankengänge, die er hervorbringt, was ihn interessiert hat, was er gemacht hat, wofür er das gemacht
48:02hat, das finde ich sind intellektuelle Herausforderungen.
48:05Das macht mir persönlich Spaß an dem Mann. Und das wäre schön, wenn anderen das auch interessiert.
48:14Sanssouci lädt zu einem Rendezvous mit Friedrich. Sein Gesamtkunstwerk ist ein geheimnisvolles Selbstporträt, das noch immer nicht vollumfänglich entschlüsselt wurde.
48:26Man wird oft gefragt, welches denn das Lieblingsschloss sei.
48:30Also mein persönliches Lieblingsschloss, jetzt so vom Gefühle, vom atmosphärischen, ist Sanssouci nicht.
48:36Aber es ist eines, das ich deswegen wahnsinnig liebe, weil es eine Knacknuss ist.
48:41Wir haben so viele offene Fragen zu diesem Schloss, wo man spürt, dass da irgendein Gedanke dahinter steckt und wir
48:48haben überhaupt noch gar keine Ahnung, was das sein könnte.
48:51Allein den Schiffzug an der Fassade mit dem Komma und dem Punkt, da gibt es viele Erklärungen, keine einzige trifft
48:57zu.
48:57Also das ist alles erfunden. Also es ist ein Schloss, das mich immer wieder herausfordert und das schätze ich ganz
49:04besonders natürlich.
49:06Die Hohenzollern, allen voran Friedrich II., haben in Potsdam eine Touristenattraktion hinterlassen.
49:14Sanssouci ist aber mehr als das, mehr als Geschichte und Kulturerbe.
49:19Die Persönlichkeiten der Vergangenheit haben diesen Ort geprägt.
49:23Doch es sind die Menschen der Gegenwart, die ihn heute zu einem Erlebnis machen, die ihn erforschen, pflegen und erhalten.
49:32Und die zum Teil schon lange mit ihm verbunden sind.
49:37Klar waren wir als Kinder immer hier, also wir wohnen ja unweit hier von Potsdam und wir waren immer mit
49:42den Großeltern, mit meinen Eltern im Park spazieren.
49:46Damals habe ich ja nicht daran gedacht, dass ich irgendwann mal so eine Parkleitung übernehmen könnte.
49:51Im Studium waren wir irgendwann mal vom Studienkreis aus als drittes Semester in Schleißheim und da sagte der Professor,
49:58ja, auch das wäre ein Betätigungsfeld für einen Landschaftsarchitekten, so eine Parkleitung.
50:04Da habe ich auch im Leben nie daran gedacht, dachte ich so, ja, okay, so viele Parks gibt es ja
50:08gar nicht, ob das mal möglich ist.
50:10Und dann war vor 23 Jahren so eine Ausschreibung hier von der Stiftung und dann habe ich mich da vorgebereitet
50:16auf eine richtige Prüfung.
50:17Also ich kannte jeden König, wer, mit wem, welcher Landschaftsarchitekt, welcher Architekt hier was gebaut hat.
50:23Das Komische war in der Prüfung oder in dem Einstellungsgespräch wurde nichts von dem abgefragt.
50:29Aber es war irgendwie trotzdem, hat es dann trotzdem geklappt, dass ich diese Parkleitung hier übernehmen durfte.
50:36Und nach wie vor ist das nicht nur ein Beruf für mich, sondern eher eine Berufung.
50:40Also wir machen das hier mit den Kollegen wirklich gerne und haben da Spaß dran.
50:46Und dann empfindet man es doch gar nicht so als Arbeit, sondern als sozusagen eine, ja, schöne Tätigkeit, die man
50:53gerne macht. Genau.
50:57Die Zeit der Könige und Kaiser ist vorbei.
51:01Sanssouci lebt, blüht und gedeiht auch ohne sie.
51:19Tante Biste
51:19ссылte zu, ich mich, bevorviste zu ihm, wie er immer noch beim BisteYa Changing,
51:20Tante Biste, beber ich nicht oder die himmache offen bin,
51:21du wenn sie auch nicht misst.
51:21Das war schwerere,erg Freddie, ist wahr?
51:37Die Zeit der Könige sind immer grüneig,
51:37aber auch einfach mal der Heilige.
51:37fingerprints relationshipพ 방ation
51:37makers bet�ten vielleicht gut!
51:42Also, wir finden this die Zeit, die Zeit der Könige Eintי�
Comments

Recommended