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  • 12 hours ago
Grün auf! Parks und Gärten im Revier

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00:03Trendy und an der frischen Luft. Soccer Golf. Ein ungewöhnlicher Spaß mitten im Weltkulturerbe.
00:10Der Soccer Golf Kurs ist nur eins der Highlights im Zollverein Park in Essen.
00:17Im jüngsten Park im Revier. Und in einem der ungewöhnlichsten. Hier sollen Naturschutz und
00:24alte Industrie Hand in Hand gehen. Die grüne Revolution an Ruhr und Emscher. Eine Geschichte,
00:31die kaum einer kennt. Obwohl es hier 196 Parks gibt. Mehr als im zwanzigsten Jahrhundert Zechen
00:38in Betrieb waren. Wir haben im Ruhrgebiet ganz viele Bereiche gehabt, wo keiner hin durfte. Das war
00:44Schwerindustrie. Das war gefährlich. Und heute sind das zum Großteil Bereiche, die eben wie hier auf
00:50Zollverein der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Und wo sich auf einmal Schmuckstücke
00:55zeigen, die man nicht erwartet hätte.
01:12Ein Geheimnis, das jeder kennt. So was gibt's. In Herden. Für die Menschen hier ist der Schlosspark
01:20Alltag. Doch auch dieser Park war über Jahrhunderte eine Sperrzone. Man musste blaues Blut haben,
01:32um diese Blüten zu genießen. Der Park war in Privatbesitz. Hier durfte nur entspannen,
01:38wer zum Adelsgeschlecht derer von Nesselroth gehörte.
01:45Erst seit 1982 haben die Härtener freien Zugang zum Park, nachdem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe
01:52den Park und das Schloss gekauft hatte. Das riesige Gelände birgt noch ein anderes Geheimnis.
01:59Und um dem auf die Spur zu kommen, muss man erst mal wissen, wonach man sucht. Jens Spanjer ist
02:05Landschaftsarchitekt und mit der Parkkultur in Deutschland bestens vertraut.
02:12Er ist sicher, wer einen Park anlegt, will damit etwas sagen. Und zwar nicht nur für den Moment,
02:18für Jahrhunderte.
02:23Die Grünanlagen an der Ruhr waren vor allem Zeichen der Macht. Und der Schlosspark in Herden
02:29zeigt quasi die Stunde Null unserer modernen Welt. Die Herrschaft des Adels.
02:37Der Schlosspark Herden ist ganz wichtig fürs Ruhrgebiet, weil er noch eine sehr schöne,
02:42ablesbare, barocke Struktur hat. Es war ein sehr bedeutender Barockgarten, zur Schlossanlage passend,
02:48mit schönen Achsen und Alleen. Und dann kam die Gestaltung des englischen Landschaftsgartens.
02:53Und es ist sehr schön ablesbar, dass hier so zwei Schichten aus der Gartenkunst eben übereinander liegen,
02:59nämlich der Barockgarten und der englische Landschaftsgarten.
03:06Zwei Stile, die einander ablösten, aber gleichermaßen ihre Spuren hinterließen.
03:11Heute gilt der Herdener Schlosspark als das Beispiel für einen Barockgarten.
03:16Vor allem die Wegeführung ist typisch. Lange, gerade Wege. Blickachsen, die sich durch das ganze Gelände ziehen.
03:30Die Idealvorstellung dieser Blickachsen war, dass diese strenge geometrische Form und diese Blickachsen,
03:35die auch weit in die Landschaft gehen, die sollten Repräsentanz und Herrschaftlichkeit ausstrahlen.
03:39Das ist so das, was man aus den französischen Barockgärten kennt, der Sonnenkönig.
03:43Sein Land geht bis weit in die Landschaft hinein. Das war so die Idee dieser Blickachsen im Barockgarten.
03:48Und das kann man hier in den Herden durchaus auch sehen.
03:55Egal ob Barockgarten oder englischer Landschaftspark.
03:59Eigentlich ging es immer darum, der Welt draußen zu entfliehen.
04:04Geplante Natürlichkeit fürs Adelsgeschlecht. Immer mit dem eigenen Schloss als Fluchtpunkt.
04:09Dass hier einmal auch profane Dinge ihren Platz finden würden, das war damals noch undenkbar.
04:16Profanes etwa wie Joggen, Schwitzen, Erschöpfung und Sterben.
04:23Boah, bin ich tot.
04:25Der Tod ist das Lieblingsthema von Kartonist Michael Holtschulter.
04:30Und die Inspiration holt er sich hier im Park.
04:36Der Schlosspark ist ein Ort meiner Jugend im Grunde genommen.
04:40Da wir früher regelmäßig hier BMX fahren waren, als ich ein Jugendlicher war.
04:45Man hat während der Oberstufenzeit ziemlich viel Zeit hier auf der Hansawiese verbracht, die sich da hinter den Bäumen verbirgt.
04:51Und ja, Sportunterricht fand hier auch statt.
04:55Also wir mussten regelmäßig um den See rumlaufen.
05:00Sport, Schule, Freizeit, Mädchenbekanntschaften, aber auch der Selbstmord eines guten Bekannten hier im Park.
05:09All dies hat den Kartonisten geprägt und sein Profil geschärft.
05:17Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich einen sehr schwarzen Humor habe.
05:20Und für die Witze, die ich dabei entwickle, um daraus Cartoon zu machen, braucht man halt einen Protagonisten, den man
05:26ins Bild setzen kann.
05:27Und der Sensenmann als Protagonist, der jetzt ja auch ein barockes Thema ist, passt natürlich hier zum Park und dem
05:33Schloss, gibt es halt schon sehr, sehr lange.
05:36Und ich habe das als Cartoonist natürlich dankend aufgegriffen, dass man mit dieser Figur sehr, sehr gut Witze entwickeln kann
05:42und meine Cartoons daraus bauen kann.
05:48Tod, aber lustig. Das ist Michael Holtschultes Motto. Fast ins Ruhrgebiet, irgendwie. Böser, ehrlicher Humor.
05:57Und wo holt man sich solche Ideen? Der Zeichner hat sie immer schon im Schlosspark gefunden.
06:04Der Tod mag wohl die Idylle.
06:09Mit dem Cartoonzeichnen, da liebe ich ja quasi meinen Traum. Das ist das, was ich immer machen wollte.
06:15Und insofern brauche ich gar nicht so viel Action um mich herum. Die passiert ja bei mir auf dem Schreibtisch
06:20oder auf dem Blatt Papier vielmehr.
06:22Und da kann so eine Idylle in so einem Park dann auch mal eigentlich ganz heilsam sein, um eben auch
06:28auf Ideen zu kommen.
06:29Und ständig nur sich das Elend in der Welt angucken, ist dann auch nicht ganz so hilfreich.
06:35Muss auch irgendwann mal entspannen und abschalten.
06:49Dass der Schlosspark als Erholungsort für die Härtener taugen würde, war lange nicht ausgemacht.
06:55Denn im Privatbesitz der Grafen von Nesselrott verfielen Schloss und Park bis in die 1970er Jahre immer mehr.
07:01Dann erst kam das große Grundstück in öffentliche Hand, verbunden mit einer riesigen Herausforderung.
07:08Im Burghof steht der Baukran. Aber die Bauarbeiten am Wasserschloss in Härten stocken. Es fehlt am Geld.
07:15Die gewaltige vierflügelige Anlage, im 16. und 17. Jahrhundert erbaut, gleicht heute eher einer Ruine.
07:22Obwohl schon 1,8 Millionen Mark hineingesteckt wurden.
07:25Die endgültige Sicherung und Wiederherstellung wird wohl noch rund 7 Millionen Mark kosten.
07:30Nun könnte man fragen, ist uns dieses Schloss 9 Millionen Mark wert?
07:35Aber der Landschaftsverband wäre ohne die Schlossrestaurierung nicht in den Besitz des weiten Schlossgeländes von 51 Hektar Größe gekommen.
07:42Für nur 4,5 Millionen Mark mit der Verpflichtung, das Wasserschloss zu retten.
07:48Viele Millionen Euro Renovierungskosten später erstrahlt es wieder in neuem, altem Glanz und mit ihm der umliegende Park.
07:57Doch kein Gebäude ohne regelmäßige Renovierung und kein alter Baumbestand ohne regelmäßigen Schnitt, um gefährliche Äste zu kappen.
08:11Gut 3000 Bäume gibt es im Härtener Schlosspark. Viele davon botanische Raritäten, zum Teil mehr als 200 Jahre alt.
08:20Auch diese Eiche hat die Industrialisierung im Ruhrgebiet miterlebt. Auf 6 Meter Stammumfang hat sie es in dieser Zeit gebracht.
08:28Jetzt wird ihre Krone zurückgeschnitten, damit keine Äste auf Besucher fallen.
08:47Der Adel verlor seine Bedeutung. Dafür kamen die Industriellen. Und auch die ließen ihre privaten Gärten anlegen und lebten ihre
08:57Fantasien aus.
08:58Der berühmteste dieser Parks, der Hügelpark in Essen.
09:02Der Park rund um die gleichnamige Villa verkündet die Erfolgsgeschichte einer großindustriellen Dynastie.
09:09Die Krupps stehen für das Ruhrgebiet des 19. Jahrhunderts. Und sie wollten damals ähnlich auftrumpfen wie Fürsten und Grafen in
09:17den Jahrhunderten vorher.
09:20Neben seinem Blütenmeer beeindruckt der Hügelpark aber vor allem mit einem einzelnen kleinen Gebäude.
09:26Viele Besucher schreiben es dem Gärtner oder Förster zu. Doch zu Unrecht.
09:31Es ist ein echter Blickfang neben der Riesenvilla. Und obwohl es so niedlich aussieht, ist es ein großes Zeichen für
09:39Reichtum und Macht derer, die es gebaut haben.
09:43Das ist ein Spielhaus. Das ist 1894 für die zwei Krupp-Töchter, Bertha und Barbara Krupp, gebaut worden.
09:54Wirklich als Spielhaus eingerichtet mit einem Wohnraum und einer Küche, mit einem kleinen Herd.
10:00Die Töchter lebten ja in dieser riesigen Villa. Und in diesem kleinen Spielhaus sollten sie regelrecht den Haushalt im Kleinformat
10:12erlernen.
10:13Es ist leider aus konservatorischen Gründen nicht zugänglich, aber trotzdem ein absolutes Highlight des Hügelparks.
10:20Auch der Hügelpark ist also ein Blick zurück in die Vergangenheit des Ruhrgebiets. Als industriellen Familien den Adel in seiner
10:29Bedeutung ablösten.
10:32Das bildet alles eine Einheit mit einer langen, fast 150-jährigen Geschichte. Und diese gilt es natürlich zu bewahren.
10:42Es ist ein ganz bedeutendes Kulturgut. Es ist ein Symbol für das Ruhrgebiet.
10:48Das Alte bewahren und die Erinnerung daran pflegen. In einem der ältesten Wirtschaftsarchive der Welt geschieht das mit großer Akribie.
11:04Knapp zwei Millionen Fotografien existieren hier und dokumentieren die Erfolgsgeschichte der Familie Krupp.
11:10Sie geben einen sehr genauen Aufschluss darüber, wie es auf dem Hügel oberhalb der Ruhr vor eineinhalb Jahrhunderten ausgesehen hat.
11:22Man muss sich das gesamte Gelände bebaut vorstellen. Es standen hier mehr als 120 Gebäude.
11:29Das heißt, man nahm die Villa Hügel nie so als solitär wahr auf dem besagten Hügel wie wir heute.
11:34Sondern man musste sich teilweise in einem Gewirr von Häusern, von Stellen, von Freizeiteinrichtungen wie Reitbahnen, Tennisplätzen, Kegelbahnen, Schießständen bewegen.
11:46Genauso wie die vielen Gewächshäuser, in denen dann Obst gezogen worden ist, in denen beispielsweise Erdbeeren herangezogen worden sind, die
11:55man dann im Herbst auch essen konnte.
11:56Insofern hat sich der Charakter des Hügels fundamental gewandelt.
12:02Vom Wirtschaftshof der Krupps zur repräsentativen Parklandschaft war es ein weiter Weg.
12:07Und der Firmengründer Alfred Krupp mischte bei allem mit. Beim Bau des Wohnsitzes, aber auch bei der Gestaltung des Parks
12:16drumherum, der ihm und seiner Familie zur Erholung dienen sollte.
12:25Ein sehr eigenwilliger Mann, eine sehr eigenwillige Persönlichkeit, der nicht nur sein eigener Architekt war, auf den das Konzept der
12:34Villa Hügel zurückgeht,
12:36sondern der auch sein eigener Gartengestalter, sein eigener Landschaftsarchitekt war.
12:40Und jetzt nicht die großen Landschaftsarchitekten der Zeit suchte, sondern im Grunde genommen Angestellte suchte, die seine Ideen umsetzen.
12:49Und er hat denen schon sehr konkrete Vorgaben gemacht, wie er sich die Gestaltung des Hügelparks vorstellt.
12:56Alfred Krupp kümmerte sich nicht um jeden Grashalm, aber um jeden einzelnen Baum.
13:02Sie in kleinen Einzugpflanzen kam für ihn nicht in Frage.
13:06Er kaufte ausgewachsene Bäume und ließ sie mit eigens entwickelten Baumtransportern in seinen Park schaffen.
13:13Das ist speziell gedacht, das ist sehr selbstbewusst gedacht. Das hängt aber auch mit seinem Lebensalter natürlich zusammen.
13:20Er ist, als der Hügel entsteht, als die Villa Hügel gebaut wird, schon über 60 Jahre alt.
13:27Das heißt, die Lebenszeit ist begrenzt und er möchte jetzt nicht 30 oder 40 Jahre warten, bis Bäume herangewachsen sind,
13:34sondern er holt sich ausgewachsene Bäume.
13:38Überall auf dem Gelände fallen die mächtigen Bäume mit ihrer skurrilen Pflanzgeschichte ins Auge.
13:43Rund 7000 gibt es hier, darunter Kastanien, Magnolien, Eiben und Mammutbäume.
13:51Doch die eindrücklichste Reise in die Vergangenheit des Hügelparks unternimmt man, zur Blütezeit im Mai, bei einem Besuch der Rhododendron
14:00-Schlucht.
14:02Sie wurde so bereits 1873 angelegt, im Fertigstellungsjahr der Villa Hügel, dem Zeitgeist entsprechend.
14:14Es ist sehr mächtig, hier stehen auch Rhododendron drin, die mittlerweile in Sicherheit auch 150 Jahre alt sind, die 5,
14:206 Meter hoch sind und auch sich in die Breite verlängert haben, bis zu 10, 12 Metern teilweise.
14:26Die sind absolut nicht pflegeintensiv, die schneiden wir hier und da mal ein bisschen zurück, dass wir die Wege frei
14:31halten und dann halt mal einen Rückschnitt, wenn sie sich zu sehr ins Gehege kommen, dass man die dann kräftig
14:38mal zurückschneidet, alle 5, 6, 7 Jahre.
14:41Eine der größten Maßnahmen im Hügelpark war 2018 die Rekonstruktion der Südterrasse, nach den 100 Jahre alten Originalplänen, inklusive neuem
14:53Altenhain aus 49 Linden.
15:01Für Gärtnerteam und Landschaftsbauer eine parkpflanzerische Mammutaufgabe.
15:13Auch die alten Wege wurden wieder hergestellt. Ganz so, wie sie vor 100 Jahren ausgeschaut haben müssen.
15:20Nur an einer Stelle traf das Hügelteam eine eigenwillige Entscheidung. Gegen die Begehbarkeit des Weges, dafür aber für eine krumme
15:28alte Magnolie.
15:30Wir wollen die Magnolie so zeigen, wie sie gewachsen ist und trotzdem den alten Wegeverlauf herstellen, wie er 1919 war.
15:37Und der lief nun mal hierher und um diesen Konsens zu machen, sind wir in die Sache eingegangen und haben
15:43hier halt die Magnolie stehen lassen.
15:46Und hier muss keiner herlaufen, wir haben genug andere Wege.
15:50Genauer gesagt 25 Kilometer.
15:59Als dieser Park gebaut wurde, gehörte Essen noch nicht zu den grünsten Großstädten Deutschlands.
16:05Der Hügelpark war die absolute Ausnahme. Der Privatgarten eines Superreichen.
16:11Doch die Kumpel und Stahlarbeiter im Revier wollten nicht länger draußen bleiben.
16:17Wer hart arbeitete, sollte sich auch erholen dürfen.
16:20Mitbestimmung im Park.
16:24Und in Bochum entstand einer der ersten Parks für alle.
16:29Der Stadtpark.
16:31Ein Park für die Bürger.
16:33Mit Spielplätzen, voller Läden und kostenlosem Eintritt.
16:46Rasen betreten? Erlaubt.
16:50Auch die Hunde dürfen mit.
16:54Die Gestaltung ist verspielt.
16:57Mit gewundenen Wegen, Hügeln und Senken.
17:00Ganz englischer Landschaftsgarten.
17:03Und damit so ganz anders als die herrschaftlichen Parks des Barocks.
17:07Musik
17:11Während man noch in der Barockzeit eben diese sehr architektonische, geometrischen Formen hatte,
17:16sehr strenge Linien, auch eher damit Repräsentanz und Herrschaftlichkeit zeigen wollte,
17:21auch dass man die Natur im Griff hatte, war hier genau das Gegenteil.
17:24Das war die Zeit der Aufklärung, wo man auch der Natur Raum lassen wollte
17:29und eher naturnahe Formen auch hatte.
17:31Also gerade in dieser Hochzeit des englischen Landschaftsgarten ist das geometrische fast völlig weg.
17:37Stattdessen größtmögliche Nähe zur Natur, allerdings akribisch gestaltet.
17:43Bei der Parkeröffnung 1878 lagen zwei Jahre Bauzeit hinter den Landschaftsarchitekten.
17:49Zwei Jahre, in denen nichts dem Zufall überlassen wurde.
17:53Der englische Landschaftsgarten, der spielt mit einer idealisierten Landschaft, die dem Bürger auch zeigt, hier ist es schön.
18:01Das ist im Grunde wie ein begehbares Landschaftsgemälde.
18:04Man hat freigestellte Baumgruppen, die ganz malerisch wirken.
18:07Man hat diese Brezelwege, durch die man flanieren kann.
18:09Und man hat auch ein modelliertes Gelände.
18:13Brezelwege, Hügel, ein Turm und Gewässer.
18:17Alles menschgemacht.
18:20Beauftragt vor 150 Jahren von einer selbstbewussten Stadtspitze in Bochum.
18:25Als Geschenk an ihre Bürger.
18:32Das Besondere war hier eben, dass die Stadt diesen Anstoß gegeben hat.
18:36Und nicht eben ein Industrieller oder eben ein Adeliger, sondern dass die Stadt ganz bewusst etwas für die Bevölkerung tun
18:42wollte.
18:42In dieser Zeit, wo die Industrialisierung immer dichter wurde, die Städte immer enger wurden im Ruhrgebiet, wurde das zunehmend wichtig.
18:49Sowohl für das Wohlbefinden, für die Gesundheit der Bevölkerung, aber ich glaube auch ein Stück weit für den sozialen Frieden
18:54und für die Freizeitgestaltung der Bevölkerung.
19:00Muße und Entspannung von Bürgerschaft und Arbeitern wurden hier schon immer großgeschrieben.
19:06Heutzutage sogar beim Minigolf.
19:18Gestartet 1876 als eine der ersten kommunalen Grünanlagen im Ruhrgebiet, ist der Bochumer Stadtpark immer noch eine Attraktion.
19:27Gerade für Familien.
19:34So einen Park hier mitten in der Stadt zu haben, ist natürlich schon was Besonderes.
19:37Und wir kommen tatsächlich gerne hierhin, schon seit vielen Jahren.
19:40Als der Juli noch ganz klein war, ist er auf dem Spielplatz auf den Geräten rumgeklettert.
19:45Dann der Bismarck-Turm.
19:47Das ist natürlich auch interessant, so ein bisschen deutsche Geschichte.
19:49Wo kommt der Name Bismarck her, mal kennenzulernen.
19:52Ja, und jetzt hier der Minigolfplatz. Wir kommen eben total gerne hier hin und spielen Minigolf.
19:56Das ist jetzt für sein Alter genau das Richtige.
19:59Und heute mal ohne Papa, aber sonst sind wir auch zu dritt hier.
20:02Und ja, da wird immer geschaut, wer ist der Gewinner des Tages.
20:06Und heute sieht es so aus, als ob der Julian mich abzockt.
20:12Ein fast perfekter Ort, der Stadtpark.
20:16Wieso nur fast?
20:18Naja, eine Blüte macht noch keinen Sommer.
20:21Oder wie Chris Tarek sagen würde, wenn wir uns nicht kümmern, würde hier gar nichts blühen.
20:26Zusammen mit Hagen Seibt pflegt sie das einzige Blütenbeet im ganzen Park.
20:38Von der Stadt werden sie geduldet und von den Anwohnern geliebt, weil sich zuletzt überhaupt niemand mehr für das Blühen
20:45im Park interessiert hatte.
20:49Es gab hier früher ein Beet. Das waren immer Geranien, die wurden zu einer Ente geformt.
20:55Das sah mal sehr schön aus. Und plötzlich war das alles weg.
20:58Und es wuchsen hier nur noch Disteln.
21:00Und da habe ich gedacht, da muss was geschehen.
21:04Seit 2013 kümmern sich die Hobbygärtner um diesen bunten Flecken Erde in ihrer Nachbarschaft.
21:11In dieser Zeit haben sie hunderte Stunden investiert und auch eigenes Geld.
21:16Haben Fehler gemacht und Überraschungen erlebt.
21:20Das ist ein ständiger Prozess, ein ständiges Probieren.
21:24Und das ist immer irgendwie wundervoll lebendig.
21:26Und wenn dann hier Passanten vorbeikommen und sie sagen, ach, das ist aber schön, dass sie sowas machen.
21:32Dankeschön, ich komme jeden Tag hierher zum Teil, sagen sie das.
21:37Das ist doch schön.
21:40Eine Hand-Lenz-Pumpe ist die neueste Errungenschaft von Chris und Hagen.
21:48Eigentlich stammt sie aus dem Bootsbau.
21:50Doch hier erleichtert sie ihnen das tägliche Wasserholen aus dem See.
21:54Denn im Sommer verlangen die Blumen nach vielen, vielen Eimern Wasser.
22:01Beim letzten Sommer war es ja so sehr heiß, da haben wir sehr viel Wasser gebraucht.
22:05Und da habe ich dann den Oberbürgermeister angeschrieben, wegen dieser Lenz-Pumpe.
22:09Und die ist uns dann auch geschenkt worden.
22:11Ich komme auch so rein in das Becken mit meinen langen Armen.
22:15Aber die Chris hat da ein bisschen Schwierigkeiten.
22:18Das Engagement der beiden Hobbygärtner ist kein Zufall.
22:21Sie sehen sich selbst als Kettenglieder.
22:24In einer Kette, die schon vor mehr als 100 Jahren geschmiedet wurde.
22:29Vier, fünf Generationen vor uns haben sich hier die Altvorderen hingestellt
22:34und haben außerhalb der Stadt so eine Parkanlage gebaut.
22:37Und davon zehren wir heute noch.
22:39Und dieses generationsübergreifende Denken, heute Bäume pflanzen,
22:43damit die 100 Jahre später die Menschen was davon haben.
22:48Das finde ich einfach eine tolle Sache.
22:50Da stehe ich auch gut dafür ein.
22:52Und da möchte ich ein Stückchen mitmachen.
22:57Jedes Grün hat seine Geschichte.
23:00Und die Geschichte der Parks im Ruhrgebiet
23:02ist eng gekoppelt an die zunehmende industrielle Entwicklung.
23:07In Duisburg entstand in den 70er Jahren mit dem Mattlerbusch eine Grünanlage,
23:11die einen Gegenpol darstellen wollte.
23:14Gegen mangelnde Attraktivität und fehlenden Freizeitwert des nördlichen Ruhrgebiets.
23:20Denn Zechensterben und Niedergang der Schwerindustrie
23:23hatten dem Revier ohnehin massiv zugesetzt.
23:26Nun wurde der Mattlerbusch Teil eines mutigen Gesamtkonzepts.
23:30Der Revierparks.
23:32Es ging um nicht weniger als die Aufwertung der gesamten Region.
23:39Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft erhalten?
23:41Ja, sicher.
23:42Aber eine grundlegende Strukturverbesserung
23:44sollte auch ganz direkt den Arbeitern zugutekommen, die hier lebten.
23:48Das Ruhrgebiet muss attraktiver werden.
23:51Denn die Freizeitbedürfnisse der 5 Mio. Einwohner wachsen.
23:54Das Revier besitzt bereits Erholungsgebiete.
23:57Aber sie sind nicht gut verteilt.
23:59Sie liegen vorwiegend im Ruhrtal und Lipperaum.
24:01Nötig ist es, auch den Freizeitwert der Emscher-Städte zu erhöhen.
24:06Das Gebiet zwischen Dortmund und Duisburg.
24:08In diesem Gebiet entstehen 5 Revierparks.
24:11Sie sollen die großen Erholungszentren ergänzen.
24:14Herr Dr. Mittelbach, Sie sind der Initiator dieses Planes.
24:17Wie kamen Sie auf diese Idee?
24:18Die Idee wurde aus der Überlegung geboren,
24:21dass wir das Ruhrgebiet attraktiver gestalten wollen.
24:24Insbesondere das Innere des Ruhrgebietes.
24:26So entstanden seit 1970 in 5 Städten des Ruhrgebietes 5 Revierparks.
24:34Keine botanischen Kleinode,
24:36sondern Freizeitziele für ganze Arbeiterfamilien.
24:40In der Grundanlage waren die Revierparks alle gleich.
24:43Mit ausgedehnten Rasenflächen und Großfeldschach.
24:47Mit Tischtennis, Kletterparcours und Wasserspielplätzen.
24:51Sie waren direkt um die Ecke, kostenfrei und für jedermann.
24:55Vor allem aber bestachen die neuen Revierparks
24:59durch ihre modernen Schwimmbäder und Wellnessanlagen.
25:02Ihr Markenkern sozusagen.
25:04Und für viele Besucher die Hauptattraktion,
25:06auch wenn man dort Eintritt zahlen müsste.
25:13Highlight im Revierpark Mattlerbusch,
25:15der 1979 als letzter eröffnet wurde,
25:19ist ohne Zweifel die Niederrhein-Terme.
25:21Mit ihrem Wellness- und Gesundheitsangebot
25:23zieht sie nicht nur die Duisburger aus der näheren Umgebung an.
25:27NRW-weit genießen Saunen und Solebad einen so guten Ruf,
25:31dass auch viele Auswärtige hierher kommen.
25:35Und das Gradierwerk vor der Therme ist ein echter Hingucker.
25:40Ursprünglich brauchte man Gradierwerke, um Salz zu gewinnen.
25:43Nach einem einfachen Prinzip.
25:45Salzwasser rieselt an Ästen herunter, das Wasser verdunstet
25:49und übrig bleibt eine Salzsohle.
25:55Hier wurde zwar nie Salz gewonnen,
25:58doch die Besucher schätzen das gesunde Mikroklima,
26:01das durch die rennende und verdunstende Feuchtigkeit erzeugt wird.
26:16Wenn oben mehr Wasser reinläuft,
26:19rieselt es unten stärker raus
26:20und der Effekt für die Atmung verstärkt sich.
26:32Man merkt schon, dass die Atemwege ein bisschen freier sind.
26:35Dadurch, dass man dann hier länger arbeitet,
26:37merkt man das schon.
26:38Dass man dann keinen Schleim im Hals hat oder in der Nase,
26:41das geht schon weg.
26:44Nordseeklima im nördlichen Revier.
26:46Die Luftkur vor der Tür war ein Erkennungszeichen des Parks.
26:49Bis zu einer verhängnisvollen Nacht im Jahr 2019.
27:03Brandstiftung.
27:04Als die Feuerwehr mitten in der Nacht eintraf,
27:07war nichts mehr zu retten.
27:09Die riesige Wand aus Weißdorn brannte nicht erlog.
27:14Am nächsten Morgen, der Stolz des Parks verkohlt
27:18und die Zukunft völlig unklar.
27:21Rund 600.000 Euro für den Wiederaufbau
27:23hatte auch niemand zu Hause rumliegen.
27:30Möchte ich nicht noch mal erleben.
27:32Im Grunde habe ich überlegt,
27:34ob ich mir einen neuen Job suchen muss,
27:35weil man überhaupt nicht einschätzen konnte,
27:37ob der Brand auch die ganze Niederrheinterme zerstört hat.
27:41Wir haben aber am nächsten Tag direkt wieder angefangen,
27:43sauber zu machen.
27:44Ein Tag Stillstand.
27:45Und am nächsten Tag konnten wir die Gäste schon wieder begrüßen
27:48in der Niederrheinterme.
27:52Auch der Wiederaufbau des Gradierwerks
27:55war dann bald beschlossene Sache.
27:57Denn ein Totalverlust des beliebten Aushängeschilds
28:00kam einfach nicht in Frage.
28:05Eins ist klar.
28:07Bad und Park gehören fest zusammen im Mattlerbusch.
28:10In den vier anderen Revierparks ist es genauso.
28:14Das war Konzept bei ihrer Entstehung
28:15und macht einen großen Teil ihrer Attraktivität aus.
28:21Vor 50 Jahren gab es wohl auch noch richtige Winter im Revier.
28:25In jedem Park gibt es nämlich auch einen aufgeschütteten Hügel
28:28zum Schlittenfahren.
28:30Ist aber schon länger nicht mehr benutzt worden.
28:38Diese Blumen sind der Strukturwandel.
28:41Nicht nur, weil die Luft inzwischen im Revier so sauber ist,
28:44dass sie hier wachsen.
28:45Und auch nicht nur, weil sie so schön sind.
28:49Mitten in Nordrhein-Westfalen, in Hamm,
28:51begeistert der Maxi-Park sein Publikum
28:54vor allem mit opulenter Blütenpracht.
28:58Aber es gibt noch eine weitere Attraktion im Park.
29:01Sie hat zwei Stoßzähne und ist grau.
29:04Ein Elefant aus Glas und Beton.
29:10Zwar ohne Namen, doch drängt sich Maximilian für ihn auf.
29:15Der Elefant ist der Blickfang im Maxi-Park
29:18und stammt aus der Zeit,
29:19als die ganze Anlage noch Maximilian-Park hieß.
29:26Das war 1984.
29:35Auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Maximilian,
29:38die schon in den 1920er-Jahren stillgelegt worden war,
29:42entstand in Hamm die erste Landesgartenschau Nordrhein-Westfalen.
29:52Was lange Zeit nur ungenutzte Brache war,
29:56fand mit der Laga 84 nun eine neue Verwendung.
30:06Die Gartenschau war ein Meilenstein
30:08in der Geschichte der Ruhrgebiet-Parks.
30:11Eine regelrechte Verwandlung.
30:13Zum 1. Mal entstand eine Grünanlage
30:15nicht nur parallel zur industriellen Entwicklung der Region,
30:19sondern als ihre Folge.
30:23Denn zum 1. Mal wurde Zechen-Vergangenheit umgewidmet.
30:28Mir persönlich und meinen Kolleginnen und Kollegen
30:30ist das unheimlich wichtig,
30:31weil wir ohne diese Zeche hier gar nicht existieren würden
30:34und es den Park gar nicht geben würde.
30:36Wir waren wirklich damals stolz wie Bolle.
30:39Das Hamm die erste Landesgartenschau Nordrhein-Westfalens
30:42hier durchführen konnte.
30:43Und auch jetzt für mich als junger Mensch
30:44war das eine hochspannende Herausforderung,
30:47zwar jetzt nicht bei der Gestaltung dieses Parks mitgeholfen zu haben,
30:50aber mitzuhelfen, das an den Start zu kriegen
30:53und die Leute hier glücklich zu machen
30:55mit einer ganz anderen Art von Freizeit.
30:59Der Maxipark ist ein klassischer Familienpark.
31:03Hier kommen definitiv auch Kinder auf ihre Kosten.
31:10Neben dem Tal der Tausendwasser gibt es sogar ein grünes Klassenzimmer,
31:15außerschulische Umweltbildung.
31:18Nämlich überall dort, wo die Schulklasse
31:20eine geführte Entdeckungstour unternimmt.
31:23Bei der Erkundung des Naturteichs etwa.
31:29Lernen, das einfach Spaß macht.
31:36Ein botanisches Highlight im Maxipark ist der Staudengarten.
31:41Laien finden ihn einfach nur schön.
31:44Doch unter Experten genießt er einen Ruf wie Donnerhall.
31:51Die Anlage wurde vom niederländischen Landschaftsgärtner Piet Audolf gestaltet.
31:56Er ist ein Star unter den grünen Gestaltern
31:59und designte schon Parks und Gärten in New York, London, Venedig und Bottrop.
32:08In Hamm kümmert sich Petra Rieke mit ihrem Gärtnerteam
32:12um das Audolfsche Kleinod.
32:16Das ist eine naturnahe Pflanzung.
32:18Sie sieht sehr natürlich aus, aber sie ist von Menschenhand geplant.
32:22Und es verlangt hier einfach eine kenntnisreiche Pflege vor allen Dingen,
32:26dass man weiß, was darf sich versamen, was darf sich nicht versamen,
32:29was kann ich zurückschneiden, was soll ich nicht zurückschneiden, die Dinge.
32:33Und da ist dann auch irgendwo mein Part dabei.
32:35Für den Pflanzenliebhaber ist das ganz bestimmt ein Herzstück vom Maxipark.
32:38Ich habe immer wieder Besucher, die wirklich gezielt deswegen kommen,
32:42die auf den Spuren von Piet Audolf in Deutschland wandeln.
32:45Ich hatte vor einigen Tagen wieder eine Dame am Telefon, die sagte,
32:48das müssen Sie viel mehr publik machen, das ist so wunderbar.
32:51Wieso haben Sie denn kein Buch über den Park, wo das beschrieben ist?
32:55Die Arbeit an ihrem Staudengarten fängt für Petra Rieke
32:59jedes Frühjahr aufs Neue an.
33:01Dann werden die Beete aufgefrischt und Service-Schilder vorbereitet.
33:05Dass die Bepflanzung kein Zufall ist, sondern einem strikten Plan folgt,
33:10versteht sich von selbst.
33:13Sporobulus, ein bisschen Gras.
33:17Petra Rieke liebt die Stauden und hat viele Favoriten.
33:21Doch eine sticht sie alle aus.
33:27Ich habe gerne was, was unkompliziert ist, was gut wächst,
33:30was möglicherweise noch duftet, schön aussieht, nicht umfällt.
33:34Da gibt es eine ganze Menge.
33:35Aber hier in der Pflanzung finde ich zum Beispiel,
33:37da ist eine Silberkerze, Zimitsifuga, Quinov-Schäber,
33:41den schönen Namen hat sie.
33:42Die steht ganz wunderbar, die duftet toll, die ist klasse.
33:51Von der Staudenpflanze mit Stehvermögen zur anderen Attraktion
33:56ist es im übersichtlichen Maxipark kein weiter Weg.
34:00Hier kreist in gewisser Weise alles um den Glaselefanten von 1984.
34:07Man kann ihm sogar zu Kopfe steigen
34:10bzw. mit dem Aufzug hineinfahren.
34:15Auf jeden Fall sind hier alle der Meinung,
34:17dieser Elefant ist ganz einfach ein Hammer.
34:23Das ist ein ganz wichtiges Erkennungszeichen,
34:26ein sehr positiv besetztes Zeichen für die Bürger dieser Stadt.
34:30Er ist von weit her zu sehen.
34:32Man hat einen wunderbaren Blick in die Region
34:34und es ist einfach ein positives Symbol
34:36für den Strukturwandel in dieser Stadt und dem gesamten Ruhrgebiet.
34:45Der Maxipark in Hamm ist ein Freizeitbetrieb,
34:48der seinem Publikum immer wieder auch Extravagantes bietet.
34:52Beim Herbstleuchten etwa, das mehrere Wochen im Oktober stattfindet.
35:00Eine ausgeklügelte Lichtchoreografie
35:02setzt vor allem den Elefanten in Szene
35:05und ist ein gutes Beispiel für die gelungene Symbiose
35:08von Zechenhistorie und Park.
35:12Die Gärten der Industriekultur
35:14sind für das Ruhrgebiet enorm wichtig
35:15und es ist, glaube ich, auch ein Markenzeichen des Ruhrgebietes.
35:18In diesem Strukturwandel
35:19spielte das Thema Grün,
35:21spielten Parks und Gärten,
35:22spielte grüne Infrastruktur im Ruhrgebiet eine große Rolle.
35:24Das startete mit der internationalen Bauausstellung
35:27in den 90er Jahren,
35:28dann über die Kulturhauptstadt Essen 2010
35:31bis hin zum Emscher Landschaftspark.
35:33Die größte, oder eine der größten
35:34zusammenhängenden Grünstrukturen in Europa
35:36mit 450 Quadratkilometern Fläche.
35:41Bestandteil des Emscher Landschaftsparks
35:43ist auch eine eher überraschende Grünanlage.
35:47Unverhofft, wie sie daherkommt,
35:49wirkt sie umso imposanter.
35:52Dieser Park befindet sich dort,
35:54wo noch vor wenigen Jahrzehnten
35:55Schwerindustrie regierte.
35:57Im Essener Norden.
35:59Auf dem Gelände der seinerzeit
36:01größten Zeche der Welt.
36:03Auf Zollverein.
36:10Kaum zu glauben.
36:11Das Areal hat sich inzwischen
36:13tatsächlich zum Freizeitort gemausert.
36:23Auf das weitläufige Gelände
36:26kommen Spaziergänger und Radsportler
36:28ebenso wie Naturliebhaber.
36:35Aber eben auch Fans der Industriekultur,
36:38die sich hier an eine Zeit erinnern lassen wollen,
36:41als der Essener Norden
36:42noch einen Pulsschlag aus Kohle hatte.
36:56Essen-Katernberg,
36:58Zeche-Zollverein, Zentralschacht 12.
37:02Ein Großteil dieser Anlage
37:03wurde zwischen 1928 und 1932 errichtet.
37:07Noch heute wird dort gefördert.
37:0912.000 Tonnen Steinkohle täglich.
37:128.000 Bergleute waren hier beschäftigt.
37:16Der Doppelbock von Schacht 12
37:17galt ihnen als Symbol
37:18einer stolzen Vergangenheit.
37:21Daneben die riesige Kuckerei,
37:23die Anfang der 70er Jahre,
37:25als es schon lange kriselte im Ruhrbergbau,
37:27noch erweitert wurde.
37:30Über einen halben Kilometer lang
37:32erstreckt sich die Reihe der Batterien.
37:34304 Öfen erzeugen täglich bis zu 9.000 Tonnen Koks.
37:38Hitze, Staub und Wasserdampf
37:40gehören zum Alltag.
37:41Einer der modernsten Kuckereien Europas.
37:45Weihnachten 1986 war Schluss mit der Kohle.
37:49Alle Förderanlagen auf Zollverein
37:51wurden am 23. Dezember stillgelegt.
37:54Noch bis 1993 wurde die Kuckerei betrieben.
37:59Dann schloss die Ruhrkohle AG auch sie.
38:01Und das Gelände wurde der Natur überlassen.
38:05Das Einzigartige ist,
38:06dass es ein Park ist,
38:08der aus sich raus entstanden ist.
38:10Das ist ein Bereich,
38:12den hat man erst mal gelassen.
38:14Und man hat geguckt,
38:15was passiert hier.
38:17Hier ist ganz viel Spontanvegetation entstanden.
38:20Und aus dieser Spontanvegetation raus
38:22hat sich das alles hier letztlich entwickelt.
38:26Und so gesehen ist das einfach ein Park,
38:29der nicht von vornherein durchdesignt wurde,
38:32wo nicht, wie bei den Landschaftsparks,
38:34auch in der Barockzeit,
38:35jemand hingegangen ist,
38:35einen Plan gemacht hat,
38:37hier ein Baum, hier ein Baum
38:38und da einen Rosenstrauch.
38:39Sondern auf einem alten Industriegelände,
38:41auf einem alten Werksgelände
38:42hat die Natur sich erst mal das zurückgeholt,
38:44was ihr mal gehört habt.
38:45Doch die Natur gibt umgekehrt
38:48auch wieder viel zurück.
38:50Weil das eine faszinierende Entwicklung ist
38:53und hier besonders gut zu beobachten,
38:56hat sich auch der Naturschutzbund NABU
38:58auf Zollverein eingemietet,
39:00im ehemaligen Stellwärterhäuschen.
39:07Mitten in der sogenannten Gleisraffe.
39:11Dort, wo früher hunderte Eisenbahnwaggons
39:14vollbeladen mit Kohle fuhren,
39:16ist in den vergangenen Jahren,
39:17unter den Augen der Naturschützer,
39:19nun ein Biotop entstanden.
39:25Diese ehemaligen Industriestandorte
39:27sind aus artenschutztechnischer Sicht
39:29ein totaler Hotspot.
39:32Diese Industriebrachen sind halt Extremstandorte.
39:35Und hier werden auf diesen schwarzen Rohböden
39:40wird das manchmal sehr heiß,
39:42also über 60 Grad.
39:44Und da überlebt halt nicht viel.
39:46Und diese Pflanzen sind halt an nährstoffarme Böden
39:49und an große Hitze angepasst.
39:53Und ja, deshalb siedeln die sich hier an
39:55und machen dann den Weg frei für andere Pflanzen.
39:59Auf der Gleisharfe,
40:02den umliegenden Brachflächen,
40:04sowie auf der ehemaligen Abraumhalde
40:06konnte so in den vergangenen Jahrzehnten
40:08eine lebendige Naturlandschaft entstehen.
40:13Sie umfasst auch Pflanzen aus der ganzen Welt,
40:16die als Samen eher zufällig mit den Zügen hierher kamen,
40:20um zu bleiben.
40:22Wenn Leute von außen kommen,
40:23die immer noch meinen,
40:24hier ist alles grau, hier ist alles dreckig,
40:25hier ist alles schwarz,
40:26und dann stellt man die auf den Haldentop,
40:28lässt die gucken,
40:28und das Erste, was kommt, ist immer,
40:31boah, ist das grün.
40:32Und das ist für uns aber völlig normal,
40:34dass das hier so grün ist.
40:36Denn das haben wir jahrzehntelang bearbeitet dafür,
40:40dass das so grün ist.
40:42Grün gleich gesund, gleich ökologisch wertvoll.
40:46Bestes Beispiel, die Bienen im Zollvereinpark
40:49und ihr Honig, das Zechengold.
40:52Der Herr der Bienen heißt Olaf Kurschert
40:55und wohnt ganz in der Nähe.
40:56Mehrmals die Woche besucht er seine Bienenstöcke,
40:59kontrolliert und reinigt sie.
41:03Lage, Lage, Lage gilt auch für die Heimstatt von Bienenvölkern.
41:08Und der Imker weiß, dass er auf Zollverein
41:10alles richtig gemacht hat.
41:12Hier ist das industrielle Erbe kein Nach-,
41:15sondern ein Vorteil.
41:19Hier ist die Natur relativ abwechslungsreich.
41:22Durch das Zechengelände sind verschiedene Pflanzen,
41:24die zu unterschiedlichen Jahreszeiten blühen.
41:27Und in anderen Landstrichen
41:28ist vielleicht auch schon eher eine Monokultur
41:31mit Feldern und sowas alles,
41:32wo dann einmal im Jahr alles blüht
41:34und danach dann eben nicht.
41:35Aber hier, das Zechengelände ist relativ abwechslungsreich.
41:37Die ganzen Vorgärten, wir haben Schrebergärten hier in der Nähe.
41:41Und das macht schon hier den guten Bienenstand aus.
41:44Also wenn man jetzt das Volk wegtragen würde,
41:46nur 500 Meter weit,
41:47dann würden alle erst mal auch hier zurückfliegen
41:50nach dem Motto, hier ist mein Zuhause.
41:52Damit die Bienenvölker sich auch zukünftig wohlfühlen,
41:56füttert Olaf Kurschert Zuckersirup zu.
41:58Und zwar, sobald es nicht mehr genügend Blüten in der Umgebung gibt.
42:03Aber auch dann ist immer ein zufriedenes Surren im Karton.
42:15Im Sommer ist auf Zollverein jeden Tag Kick-Off.
42:19Beim Soccer-Golf.
42:25Hier versucht man verstärkt,
42:27auch ein jugendliches Publikum für den Park zu interessieren.
42:34Und das gelingt.
42:36Da unten.
42:38Industrielles Erbe wird plötzlich zum coolen Place to be.
42:43Komm, Mann.
42:45Wir sind gerade hier und wir müssen jetzt da oben hinspielen.
42:49Da hinten, da ist ja das Tor.
42:51Und ich würde jetzt einfach anfangen.
42:55Der kommt zurück.
42:58Aus einer Zeche wird ein Park.
43:00Und aus Fußball Golf.
43:02So die Umgebung, Kuckerei ist man echt eher seltener.
43:05Ich bin hier recht häufig mit dem Fußballverein,
43:07wenn wir eine Laufeinheit machen,
43:08dann laufen wir mal hier Kuckerei rum, aber sonst kaum.
43:11Die Sehenswürdigkeiten, die andere Leute eben sehen,
43:13die haben wir ja eigentlich direkt vor der Haustür.
43:15Jetzt bin ich gespannt.
43:19Schade.
43:21Manchmal muss man einfach nur Spaß haben und gar nichts machen.
43:26So erst konnte ein Park entstehen, der etwas gänzlich Neues ist.
43:30Zechengrün mit Freizeitappeal.
43:33Und ein mutiger Schritt in die Zukunft des Ruhrgebiets.
43:51generated at
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